Der Weg der Jedi -

Qui Gons letzte Prüfung

Teil 1 von 4


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





1.

Lealona

 

Kantakrenn konzentrierte sich auf das Gefühl der rauen Felsen unter ihren Fingern, griff mit ihren Sinnen hinaus und ertastete die Macht, die in dem blaugrün schimmernden Stein strömte, in dem Wasser, das neben ihr in Wellen an den natürlichen Damm rollte, die klare Luft, in der in einiger Entfernung die Manifestierungen kleiner Lebewesen warteten, sowie auch im Meer die Fische, die so schnell und schlank waren, das sie mit den Strömungen der Macht im Wasser zu verschmelzen schienen.

 

Und natürlich nahm sie auch Qui-Gon hinter sich wahr, der seinen Unmut über diese Mission ebenso wenig gut verbergen konnte wie sie selbst.

 

Natürlich hatten sie beide gewusst, dass jeder Padawan sich in einer letzten Mission der dunklen Seite stellen musste, bevor er ein Jedi werden konnte, doch dass dies ausgerechnet auf diese Weise geschehen musste, behagte ihnen beiden nicht.

 

Dabei war sie an sich wundervoll; Kantakrenn hatte den Auftrag erhalten, an den langen, steilen Klippen entlang zu klettern, deren spezielle Wirkung auf Licht sie während gewisser Stunden des Tages leuchten ließ; das Meer, das sie naturgemäß verabscheute, gefiel mit seinen violett- und türkisfarbenen Schattierungen selbst ihr und der grünliche Himmel verlieh der ganzen Welt des passenden Namens Lealona Exotik, die geradezu paradiesisch erschien, befand man sich in einer der Sandgefüllten Buchten, in denen fast immer riesige farbenfrohe Gewächse in voller Frucht standen, da nur wenige Lebewesen die Klippen zu umgehen wagten. Dreimal hatten sie am vergangenen Tag gerastet und jedes Mal waren sie auf eines der paradiesischen abgeschlossenen kleinen Tropen-Biotope gestoßen.

 

Nein, diese Welt und der Auftrag, weiterzugehen, bis ihre Mission sie fand, waren es nicht, die sie störten.

 

Vielmehr war es die Tatsache, dass ihr nicht gestattet worden war, sie mit ihrem Meister, oder zumindest allein zu bestehen; ihr war Qui-Gon Jinn zugewiesen worden. Ausgerechnet er, in dem die Macht so stark war, dass sie sich ihm immer unterlegen fühlte. Die Tatsache, die bewirkte, dass sie ihn nie zu ihren näheren Bekannten hinzugezählt hatte.

Dass sie ihn trotz seiner stärkeren Fähigkeiten jedes Mal im Kampf mit Lichtschwertern schlug, war der Grund, aus dem er dies niemals getan hatte.

 

Aufmerksam balancierte sie weiter über die glitschigen Steine, während sie düster daran zurückdachte.

Nein, korrigierte sie sich, sie hatte nicht jedes Mal gewonnen. Fast, aber beim letzten Mal nicht.

Ihre Miene verdüsterte sich, während sie daran zurückdachte und mithilfe der Macht einen Sprung zwischen zwei Steinen im Wasser vollzog. Wenn sie die Augen schloss, konnte sie ihn wieder vor sich sehen, wie er das Schwert an ihren Hals hob, um für den Bruchteil einer Sekunde die Haut zu berühren, als Zeichen seines Triumphes.

 

Sie war auf den Schmerz vorbereitet gewesen; unter dem seidigen Fell, das sich in einigen Streifen über ihren Körper zog, lagen die Nervenenden dichter und intensivierten so den Schmerz. Ohnehin vermutete sie, dass es nur diesem Wissen zu verdanken war, dass sie die Lichtschwertkämpfe gewann; die Berührung selbst mit einem Übungslichtschwert genügte, sie vor Schmerz ohnmächtig werden zu lassen.

Trotzdem war sie nicht zurückgewichen, als Qui-Gon sein Schwert gehoben hatte, und er war ihrem Blick nicht ausgewichen. Verbissen hatte sie ihn angestarrt und die Macht in sich gesammelt, um dem Schmerz zu trotzen…

 

Und er war zurückgetreten.

 

Ihr jäh aufkeimender Zorn über diese Demütigung war größer gewesen als ihre Dankbarkeit, und so war sie davon gerauscht, kaum dass sie sich knapp vor ihm verneigt hatte.

Vermutlich hatte sie es diesem Auftritt zu verdanken, dass sie nun ihre letzte Mission als Padawan ausgerechnet mit ihm bestreiten durfte.

 

"Was habt Ihr gesagt?" hörte sie ihn hinter sich fragen und hatte Mühe, nicht die Augen zu verdrehen. Sie stellte sich vor, wie sie ihn beim nächsten Mal besiegen würde und wie sie dann mit einem herablassenden Lächeln zurücktreten würde, um ihm den Schmerz nicht zuzumuten.

 

"Passt auf!" rief Qui-Gon plötzlich.

 

Erschreckt fuhr sie aus ihren Gedanken auf, griff nach Halt und verfehlte den rettenden Fels. Noch während sie sich nach der Macht streckte, um ihre Balance zu wahren, rutschten ihre Füße, und sie fiel in das schillernde Meerwasser neben sich.

 

Voll Abscheu begann sie zurück zu schwimmen und sah erst auf, als Count Dookus Padawan ihr die Hand entgegenstreckte.

"Ich denke, das schaffe ich gerade noch so allein, Qui-Gon", beschied sie ihn und paddelte weiter, versuchte, ihre tiefe Abneigung gegen das Schwimmen zu vergessen. Die Steine, über die ihr Teammitglied nun vorsichtig weiterging, waren zu glatt, um sich daran empor zu ziehen, abgesehen davon widerstrebte es ihr, den kaum älteren Padawan vorausgehen zu lassen.

So schnell wie möglich schwamm sie ungelenk weiter und erspähte eine weitere Bucht hinter dem Fuß der Klippe. Sie lag deutlich erhöht; Kantakrenn schätzte, dass der steil abfallende Strand mindestens zehn Meter Höhenunterschied zwischen der niedrigsten und der am höchsten gelegenen Stelle besaß, eine Besonderheit dieses Planeten, die auch in jeder anderen Bucht feststellbar, doch sie wusste nicht, warum.

Schnell paddelte sie weiter und zog sich auf den Strand, ohne Qui-Gon um eine Pause zu bitten. Sie glaubte, ein dumpfes Donnern zu hören, doch mit nasser Kleidung, Haar und Fell maß sie dem nur untergeordnete Bedeutung bei.

Schnell wrang sie ihr Haar aus, wischte sich das Wasser aus dem Pelz und hörte es wieder.

Mit gefurchter Stirn hob sie den Kopf, stellte die kleinen, normalerweise unter ihrem Haar verborgenen Ohren auf und griff nach der Macht. Und spürte sie, das gewohnte Gleichgewicht aus Leben und Tod, Entstehen und Zerfall, doch diesmal war es anders, ihre Stärke nahm zu, bewegte sich auf sie zu und kam näher, immer näher, ohne dass sie verstand...

 

Weiße Schaumkronen tanzten auf den Wellen in der Ferne vor ihr, während Qui-Gon den deutlich längeren Weg an der gezackten Klippe entlang ging und das Grollen erklang erneut, ein dumpfes Vibrieren.

 

Als sie verstand, war es fast zu spät.

"Qui-Gon!“ schrie sie aus vollem Hals. "Die Flut kommt."

 

Der Padawan sah sie verwirrt an, dann das Meer, und schien erst dann zu begreifen. Das Wasser direkt hinter ihm bäumte sich bereits auf, als er zum Sprung ansetzte und rauschte über die Steine, als er sich vom Boden abstieß.

Schnell lief Kantakrenn vom Ufer zurück, um außer Gefahr zu kommen, sah Qui-Gon zu, wie er in weitem Bogen scheinbar schwerelos durch die Luft schwebte- und von der Welle erfasst wurde.

 

Noch im Sprung ergriff sie ihn, schob ihn vorwärts und schleuderte ihn gegen den steilen, langen, pastellfarbenen Strand.

"Qui-Gon", rief sie ihn, bekam jedoch kein Lebenszeichen.

Konzentriert schloss sie die Augen und versuchte, ihn zu finden, inmitten der Wasserstrudel und Luftverkräuselung die Machtballung eines Padawans ausfindig zu machen, doch ihre Fähigkeiten waren begrenzt. Erst als das Wasser sich zurückzog und einen leblosen Körper mit sich riss, sah sie ihn.

Angestrengt versuchte sie, mit der Macht nach ihm zu greifen, ihn zurückzuziehen, doch die kurzzeitig zurückweichende Flut riss ihn mit sich.

Mit der nächsten Welle wurde er zurückgespült und trotz ihrer Abscheu trat sie vor und hielt ihn fest; fast fiel sie mit ihm in das Meer, als es heftig an ihm riss. Dennoch behielt sie die Oberhand.

Mühevoll zog sie seinen schweren Körper über den abschüssigen Teil des Strandes und legte ihn auf dem ebenen Teil ab.

Dann erst widmete sie sich seinem Zustand. Sorgsam kontrollierte sie Herzschlag und Atem, und sah ihn dann nachdenklich an. Die lebenswichtigen Organe schienen unversehrt, dennoch erwachte er nicht.

Schließlich zuckte sie die Schultern und drehte ihn auf den Rücken, mit dem er gegen den Strand geprallt war, ertastete mit Händen und Macht zwischen seiner zerfetzten Robe und hellem Blut die Knochen und stellte beruhigt fest, dass er noch am Leben war. Sein Lichtschwert war noch immer am Gürtel befestigt und das wasserdichte Überlebens-Kit unversehrt.

Kopfschüttelnd über den ihr zugewiesenen Partner auf dieser Mission legte sie ihre eigenen, nassen Kleidungsstücke ab und zog ihr Überlebens-Kit hervor.

"Wir suchen die dunkle Seite und werden von der Flut überrascht. Ich hoffe, uns beobachtet niemand", murmelte sie, während sie die zerrissenen Kleidungsfetzen endgültig aufschnitt und seine aufgeschürfte Haut freilegte. Der Anblick des rohen Fleisches ließ sie ein weiteres Mal den Kopf schütteln. "Ich hoffe, das hat auch sonst niemand gesehen, der weiß, was ein Jedi ist", brummte sie, während sie ein desinfizierendes Spray aus dem integrierten Medi-Kit zog und ohne viel Rücksicht auf Qui-Gons Rücken sprühte. Möglich, dass das ihn wieder aufweckte.

Sekundenlang wartete sie lediglich, zuckte dann wiederum die Schultern, trug eine Schicht Bacta auf das bereits verschorfende Gewebe auf und legte einen straffen Verband an.

Da auch das Meister Dookus Padawan nicht aufweckte, untersuchte sie ihn noch einmal und fand eine Platzwunde zwischen den nassen Haaren, die sie kurzerhand ebenfalls mit Bacta versiegelte. Das würde zwar nicht gegen den Kopfschmerz helfen, aber dafür hatte sie es auch nicht vorgesehen.

Schließlich seufzte sie, zog die dickere Robe, in deren Rücken ein breiter Riss klaffte, von seinen Schultern, faltete sie zusammen und legte sie unter seinen Kopf; das hellere Hemd legte sie als Sonnenschutz über seine nackte Haut.

"Ich wette, das habt Ihr mit Absicht gemacht", lächelte sie und machte sich dann auf, zum zweiten Mal seit Beginn ihrer Mission das Notfallzelt aufzubauen.

Belustigt betrachtete sie den schlafenden und ihr endlich einmal nicht widersprechenden Qui-Gon. "Da du ja sowieso nur rumliegst, baue ich dann jetzt das Zelt auf." Gleichmütig zuckte sie die Schultern. "Hauptsache, du liegst nicht im Weg rum."

 

 

 

 

 

 

2.

Fisch

 

Das Zelt stand planmäßig, sie hatte aus totem Holz ein Lagerfeuer entfacht und ihr goldbraunes Haar war getrocknet, als Qui-Gon allmählich erwachte, pünktlich, als es kaum noch etwas zu tun gab.

Mit spöttischer Miene ließ sie sich neben dem Padawan nieder und wartete, bis dem Aufwallen der Macht um ihn sein Körper folgte.

 

Langsam folgte er ihrer Erwartung, stützte sich auf und drehte sich um.

 

"Wieder wach?“ erkundigte sie sich spitz.

 

"Es geht mir besser. Danke."

 

Nicht gewillt, diese Gelegenheit verstreichen zu lassen, schüttelte sie den Kopf. "Qui-Gon, ich wette, Ihr seid der einzige Jedi, der sich vom Meer überholen lässt."

 

Er schwieg, während er sich langsam aufsetzte und den Verband um seine Brust begutachtete.

 

"Ihr könnt ihn gerne kunstfertiger anlegen, wenn Ihr es wünscht", erklärte sie ironisch und verschränkte die Arme ineinander.

 

Er verzichtete auf einen Antwort und fragte stattdessen: "Wie konnte das geschehen?"

Seine Miene wurde nachdenklich. "Lealona verfügt über vier Monde, als wir eingetroffen sind..."

 

"…standen sie kurz davor, sich in einer Reihe auszurichten", unterbrach ihn Kantakrenn und fuhr fort: "Die Entwicklung kann noch nicht vollendet sein, aber bei der Umlaufzeit von Lealona und der Dauer eines Tages..."

 

Qui-Gon nickte. "wird es vierzig Stunden dauern, bis die Flut wieder abgeebbt ist."

 

Sie warf einen langen Blick auf das Zelt und das Lagerfeuer und korrigierte: "Fünfunddreißig."

 

Er warf ihr einen viel sagenden Blick zu, schwieg jedoch.

 

"Ich denke, wir sollten die Zeit nutzen und uns etwas zu essen organisieren, wenn wir danach der dunklen Seite gegenübertreten wollen", schlug sie vor. "Oder spürt ihr die dunkle Macht in diesen widerwärtigen Wassermassen?"

 

"Nein", gab er zu und sie konnte spüren, wie er nach der Macht griff, als er langsam aufstand. "Lasst uns etwas zu essen suchen."

 

Sie warf einen kritischen Blick auf die zartrot angelaufenen Verbände und entschied: "Ihr kümmert euch um Essen, das sich nicht bewegt. Ich gehe fischen." Sein Unbehagen angesichts der Tatsache, dass sie wiederum seinetwegen in das ihr verhasste Wasser kletterte, war ihm deutlich anzusehen und bereitete ihr nur noch größere Genugtuung, doch sie ging davon, ohne ihm die Möglichkeit eines Widerspruchs zu lassen.

Seufzend stieg sie in das warme Wasser und schloss die Augen, forschte mit der Macht nach den Fischen, die sie bereits seit einem Tag aßen.

 

Iknarl-Fische waren klein und hatten eine Art Hornpanzer, doch die Schwanzflosse war dick und schmeckte mehr nach Fleisch als nach Fisch. Der Rest der Tiere war ohnehin giftig und ohne die Flosse überlebensfähig, da sie innerhalb eines Lealona-Tages wieder nachwuchs.

 

Sie spürte die Macht fließen, in der Luft, dem Wasser, dem Boden, nahm winzige Kräuselungen wahr, wo das hiesige Äquivalent von Plankton das Wasser durchquerte und spürte schließlich eine fast kugelförmige Ballung der Macht, die auf einen der essbaren Fische hinwies. Langsam, und ihre Erschütterungen im Wasser mit der Macht korrigierend, näherte sie sich dem Tier und griff zu, bevor es sich entfernen konnte. Schnell drehte sie die Schwanzflosse ab ohne dem Fisch ernsthaften Schaden zuzufügen und warf ihn zurück, woraufhin er sich eilig entfernte.

"Nummer eins", stellte sie fest und steckte sich die faustgroße, zentimeterdicke Fleischscheibe in eine einen Beutel gewickelt in die Tasche.

Dann hielt sie nach Nummer zwei Ausschau.

 

 

 

 

 

Als sich elf der Flossen in ihrer Tasche befanden und sie bereits völlig auf die Bewegungen des Meeres und die feinen Strömungen der Macht konzentriert war, drang der aromatische Geruch eines Holzfeuers in ihr Bewusstsein und sie befreite sich von dem tranceähnlichen Zustand der Jagd.

Froh, endlich dem Meer zu entkommen, wandte sie sich um und ging zurück zum Strand. Noch bevor ihr das Wasser auch nur noch bis zu den Knien ging stellte sie fest, dass ihre Hände mit dünnem, rosafarbenem Blut bedeckt waren.

Schaudernd beugte sie sich herab, begab sich ein letztes Mal freiwillig fast vollständig unter Wasser und wusch das Blut von elf Fischen von ihren Armen.

Einen Sekundenbruchteil, bevor sie sich aufrichtete, spürte sie ein Lebewesen hinter sich, richtete sich instinktiv auf und zuckte vor Schmerz zusammen, als ein winziger Nadelstich sich knapp unterhalb ihrer Nackenwirbel in ihre Haut grub.

Sie streckte die Hände danach aus, doch was auch immer sie biss, seine Zähne waren so scharf, dass es die Haut zerteilte und über ihrer Wirbelsäule die Haut zerteilte und nach unten fiel. Schmerzerfüllt schrie sie auf, als ein empfindliches Nervenbündel getroffen wurde und wankte, spürte nur am Rande ihres Bewusstseins das zappelnde Lebewesen und das warme Blut, das ihren Rücken hinab lief.

Besinnungslos vor Schmerz zuckte sie zusammen, versuchte, aufrecht stehen zu bleiben und verbrauchte ihre gesamte Kraft bei dem Versuch, bei Bewusstsein zu bleiben. Der Schmerz verebbte abrupt, als das Tier den Fellbedeckten Streifen Haut durchquert hatte; sie sammelte ihre Sinne und versuchte, nach dem Tier zu greifen, doch es zappelte wiederum und mit einer anderen, scharfen Stelle seines Körpers traf es ein weiteres Stück ihres kurzen Pelzes.

Der plötzliche Schock war zuviel für sie; nur umgeben von dem Wogen der Macht fiel sie herab in das Meer, krümmte sich nur noch mehr zusammen, als das Meerestier, nun wieder in seinem Element, scharfe Gliedmaßen in ihre Taille grub und das Salz des Meerwassers in ihren Wunden brannte.

Selbst die Abscheu vor dem sie umgebenden Wasser verblich angesichts des Schmerzes, der in ihren Nerven bis hinauf in ihr Gehirn brannte und sich in feurigen Bahnen an den Nervenbahnen entlang zog, bis sie das Gefühl hatte, in Flammen zu stehen.

Ein reißender Schmerz durchzuckte sie so heftig, dass sie versuchte zu schreien- Wasser drang in ihre Lungen ein.

Und dann war es vorbei. Sie war umgeben von Luft und das Gewicht an ihrem Rücken war verschwunden, nur das Salzwasser brannte noch in den heftig blutenden Wunden.

Ihre Lungen wehrten sich gegen das eingedrungene Wasser; sie hustete, krümmte sich zusammen und spürte Widerstand unter sich.

 

Als sie die Augen öffnen konnte, blickte Qui-Gon auf sie herab. Sorge stand in seinem Blick.

"Lasst mich die Wunde sehen", sprach er. "Schnell."

 

Sie nickte schwach und versuchte, sich aus eigener Kraft umzudrehen, scheiterte jedoch selbst an dieser schwachen Bewegung, bis Qui-Gon die Hand ausstreckte und ihr half.

 

"Das sieht nicht gut aus", murmelte er und belastete federleicht die Haut neben der Wunde.

 

Der Schmerz durchbrandete sie so heiß, dass sie sich aufbäumte und ihn noch weiter verschlimmerte. Leise wimmernd sank sie zurück, drückte die Augen zusammen und ballte die Hände zu Fäusten. Die Macht um sie herum zitterte, schwankte unruhig, bis sie plötzlich stabilisiert wurde und sich um sie legte, sie wärmte und beruhigte.

Nein, nicht die Macht. Qui-Gon tat das.

 

"Ich muss die Wunde versorgen", erklärte er. "Worauf muss ich achten?"

 

Sie hörte ihn nach dem Medi-Kit greifen, während sie gepresst erwiderte: "Berührt auf keinen Fall... mein Fell. Den Rest... kann ich ertragen. Denke ich."

 

"Ihr dürft nicht bewusstlos werden, bis wir wissen, ob Ihr außer Gefahr seid."

 

Sie nickte schwach und sog scharf die Luft ein, als seine großen Hände vorsichtig den oberen Anfang des langen Schnittes berührten. Die Macht umgab sie noch immer, versprach Frieden und Ruhe.

 

"Nein", sagte er entschieden. "Bleibt wach. Warum habt Ihr nur an einigen Stellen Fell?"

 

"Wir haben", begann sie und erzitterte, als er vorsichtig einen Stein aus der Wunde zog. Tränen rannen über ihr Gesicht. "Das hat ein bisschen wehgetan", presste sie hervor.

 

Sekundenlang zögerte er, dann öffnete er ihre linke Faust und schob seine Hand hinein. "Drückt zu", forderte er sie auf und augenblicklich verkrampften sich ihre Muskeln so stark, dass ihre krallenähnlichen Fingernägel sich in seine Haut gruben.

 

"Auf meinem Planeten... gab es eine... Seuche", sprach sie weiter, während er ihren Mantel endgültig aufschlitzte und Fremdkörper aus der Wunde entfernte. "Alle Befallenen sind sofort gestorben... Sie haben... nach Alternativen... gesucht, aber alle... alle untersuchten... Tiere waren... waren auch betroffen. Nur die... die Katzen waren... waren nicht... beeinträchtigt und...", sie konnte nicht mehr sprechen, als er das desinfizierende Spray auf die Wunde auftrug. Zitternd kauerte sie sich in sich zusammen, versuchte nur mehr, bei Bewusstsein zu bleiben.

 

"Und dann haben sie die Gene verschmolzen?“ fragte Qui-Gon nach und sie nickte hastig, setzte an zu sprechen, doch als er vorsichtig das Bacta auf die Wunde auftrug, versagte ihre Stimme vollends.

 

Schweiß sammelte sich auf ihrer Stirn und sie keuchte mehr als dass sie atmete.

 

"Bleibt ruhig..." sagte er beruhigend und versuchte, die Belastung auf die beeinträchtigten Hautstellen so gering zu halten wie möglich.

Eine Pause verging. Dann erst meinte er:

"Ihr braucht entweder einen Verband oder müsst so liegen bleiben; was ist Euch lieber?"

 

Der altbekannte Zorn auf seine geradezu demütigende Rücksichtnahme kehrte zurück, und obgleich ihr allein der Gedanke an den Schmerz fast die Besinnung raubte, antwortete sie trotzig: "Ver... band."

 

Es war eine Qual. Ihre brennenden Nervenenden schienen zu ätzender Asche zu zerfallen, als er ein Polster auf die dicke Bactaschicht legte und so vorsichtig wie möglich einen festen Verband anlegte. Ihr Zittern verschlimmerte sich noch weiter; heiße Tränen quollen aus ihren grünen Augen und sie konnte regelrecht spüren, wie ihre Muskeln sich verkrampften.

Sie beide atmeten auf, als Qui-Gon die elastische Plastbinde angelegt hatte und sie sich langsam aufsetzen konnte.

 

Betont blickte sie erst an sich herab, dann auf den verbundenen Körper des anderen Padawans. "Wie auch immer uns die dunkle Seite entgegentritt, sie wird erzittern vor Angst", bemerkte sie trocken."

 

Qui-Gon lächelte. "Ich denke, jetzt bin eindeutig ich für die nächste Mahlzeit zuständig."

 

Allein der Gedanke an Bewegung trieb sie an den Rand einer Ohnmacht. Zitternd griff sie nach der Macht und hielt sich an ihr fest. "Aber nur ausnahmsweise", erwiderte sie zittrig. Dann ergriff sie ihre Robe und zog sie sich fest um die Schultern und Qui-Gons Blick wurde noch eine Spur besorgter.

 

"Ich bin eine halbe Katze", brummte sie und bemerkte ärgerlich, dass sie noch immer zitterte. "Ihr glaubt doch nicht, dass ich mich von einem Fisch töten lasse."



Ende von Teil 1

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