Der Weg der Jedi -

Qui Gons letzte Prüfung

Teil 2 von 4


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





3.

Der Kampf um ihr Leben

 

Der appetitanregende Geruch nach gebratenem Fisch ließ Kantakrenn erwachen, doch es war ein mühsames Erwachen, in dem ihr Geist an ihrem Traum festzuhalten versuchte, während sie sich geradezu zwingen musste, sich dem tatsächlichen Leben zuzuwenden. Ihre Lider waren verklebt und als sie versuchte, sich zu bewegen, zuckte sie vor Schmerz zusammen.

Langsam und mit vor Anstrengung verzerrtem Gesicht hob sie die Hände an die Augen und rieb behutsam dicke Tränenflüssigkeit aus ihren Wimpern, biss sich auf die Lippen, bevor es ihr gelang, nach der Macht zu greifen und den Schmerz in sich zu eliminieren.

Als sie mühsam die Augen gegen das grelle Sonnenlicht öffnete, sah sie kaum mehr als Qui-Gons Silhouette vor einem leuchtenden Hintergrund und kniff die Augen zusammen. Erst jetzt spürte sie die Hitze. Bis jetzt hatte das maritime Klima des Planeten über die Intensität der Sonne hinwegtäuschen können, doch allein die starke Wärme genügte nun, sie sich erschöpft fühlen zu lassen.

 

"Wie geht es Euch?“ erkundigte sich der andere Padawan besorgt.

 

"Wunderbar", brummte sie mürrisch und schloss die Augen. "Ich sollte etwas essen", murmelte sie, sich an die Grundregeln der Überlebenstrainings erinnernd, obwohl ihr allein der Gedanke an Fisch in der Hitze den Magen umdrehte.

Ein süßerer, aromatischerer Geruch mischte sich in die Luft und ließ ihre Organe noch stärker rebellieren. Allein die Macht half ihr, die Kontrolle über ihren Körper zurückzuerlangen und genug Kraft zu sammeln, um sich aufzustützen und vorsichtig aufzurichten. Langsam erhob sie sich auf den rücklings auf ihre Robe gedrückten Ellbogen, sank jedoch zurück, als sie den halben Weg überwunden hatte. Verärgert über ihre Schwäche erforschte sie ihren Körper und zuckte zusammen, als ihre mentalen Finger die Wunde in ihrem Rücken berührten. Ähnlich einem Vulkan in der Macht pulsierte unheilvolle Energie darin, gepaart mit großer Hitze.

Das überempfindliche Fleisch vermittelte ihr das Gefühl, jedes einzelne Sandkorn in ihrem Rücken zu spüren, während sie versuchte, die Macht um sich zu sammeln, um ihren Herzschlag und Atem zu kontrollieren.

Qui-Gon half ihr auf, noch bevor sie einen weiteren Versuch startete und ein weiteres Mal verspürte sie tiefe Scham angesichts ihrer Schwäche ihm gegenüber, brachte jedoch nichts von ihren Gefühlen abgesehen von einem knappen "Danke", zum Ausdruck.

Schwer schluckend nahm sie die geröstete Schwanzflosse entgegen, die er ihr reichte, die stark säurehaltigen Früchte rührte sie nicht an. Doch auch die eiweiß- und proteinhaltige Nahrung vergrößerte ihr Unbehagen mehr, als es zu lindern. Mit jedem Bissen nahm sie weniger von dem fleischartigen Fisch zu sich, kaute schließlich so schwer, als hätte sie eine Hand voll ungemahlenes Getreide zwischen den Zähnen.

Ihr Magen rebellierte.

 

Qui-Gon musterte sie alarmiert. "Stimmt etwas nicht?"

 

Kantakrenn schüttelte den Kopf und stellte im gleichen Moment, dass sie diese Bewegung aufgrund des augenblicklich folgenden Schwindelgefühls besser hätte vermeiden sollen. Übelkeit quoll in ihr empor, so stark, dass sie sie nicht kontrollieren konnte.

Hastig stemmte sie die Hände in den hellen Sand und zog sich einige Meter von ihrem provisorischen Lager fort, bevor sie die Kontrolle über sich verlor und sich übergab; mit vor Schwäche zitternden Händen und gesenktem Kopf lag sie auf dem Sand und erbrach sich, bis ihr Magen restlos geleert war.

Danach zitterten ihre Arme zu stark, um sich weiter aufrecht zu halten; sie schaffte es lediglich, sich einen Schritt zu entfernen, bevor sie schwer atmend zusammenbrach.

 

Wiederum war es Qui-Gon, der sie aufhob und zurück auf ihre zerrissene Robe legte.

"Lasst mich die Wunde sehen", befahl er mehr als dass er sie fragte, wartete dennoch ihr Nicken ab.

 

Allein die kaum spürbare Bewegung, mit der er den Stoff über dem Verband beiseite schob, raubte ihr fast das Bewusstsein, als er Stück für Stück begann, die schützenden Stoffstreifen abzuwickeln, wimmerte sie leise, instinktiv, als bloßer Schutzreflex, ohne sich dazu bringen zu können, aufzuhören.

Als die Wunde frei lag, konnte sie sein Entsetzen spüren, ohne jedoch den Grund dafür erkennen zu können, und obwohl ihr noch immer Tränen über die Wangen rannen, wünschte sie sich, die nackte Haut bedecken zu können- obschon ihr allein der Gedanke den Schweiß aus den Poren trieb.

"Was... ist?"

 

Er zögerte sekundenlang, bevor er erwiderte: "Die Wunde hat sich entzündet. Ich... vermute, das, was Euch gebissen hat, hat... Euch eine Art Gift injiziert, das nun in Euch wirkt."

 

Es war die Wahrheit, sie spürte es in der Hitze, die durch ihren Körper wallte, ihrer mit jeder Sekunde sinkenden Kontrolle über sich selbst und der Schwäche, die sie sich selbst niemals gestattet hatte, wenn ihr eine Wahl geblieben war.

"Wie schlimm ist es?“ fragte sie schwach.

 

Er antwortete nicht, doch sie konnte spüren, wie er mit der Macht nach ihr griff, sie für kurze Zeit stabilisierte, behutsam ihr Gewebe durchforschte und sich schließlich zurückzog, eine dumpfe Leere in dem versehrten Fleisch hinterließ.

"Es sieht nicht gut aus", erklärte er ernst. "Ihr habt Fieber und die Infektion breitet sich anscheinend unkontrolliert aus. Wir müssen ein medizinisches Zentrum erreichen, sonst..." Er brach ab, doch die Botschaft war ihr ohnehin klar.

 

"Dann geht", murmelte sie. "Ihr könnt auch ohne mich Euren Weg fortsetzen und... Hilfe finden."

 

Sie beide wussten, dass es nicht das war, was sie hatte vorschlagen wollen, dass sie ihm angeboten hatte, ihrer beider Mission allein zu bestreiten und sie zurückzulassen, doch er schüttelte entschieden den Kopf, so entschlossen, dass sie es selbst mit abgewandtem Blick sehen konnte.

"Ich werde Euch nicht einfach sterben lassen", erklärte er sanft. "Ihr werdet überleben, bis sich die Flut zurückzieht; dann werde ich Euch zurückbringen. Wir haben keine Vorgaben erhalten, welcher Zeitraum uns zur Verfügung steht, und wir werden unsere Mission fortsetzen können, wenn Ihr wieder geheilt seid."

 

Mühsam hielt sie sich davon ab, unter seiner ruhigen Stimme schlichtweg einzuschlafen und hielt erschrocken inne, als sie zu einem Nicken ansetzte, presste jedoch die Zähne zusammen und setzte die schmerzende Bewegung fort.

 

"Könnt Ihr Euch auf den Rücken legen?“ fragte Qui-Gon aufmerksam.

 

"Ich denke, das sollte mir gerade noch möglich sein", erwiderte sie missmutig und rollte sich vorsichtig auf die Seite.

Als sie das entzündete Fleisch in ihrem Rücken belastete, schossen ihr Tränen in die Augen und ihre Hände verkrampften sich noch im gleichen Moment. Erst jetzt spürte sie ihren viel zu heftigen Atem, der ihre Haut auf dem Untergrund reiben ließ und wandte sich vor Schmerz stöhnend auf die Seite.

Sie spürte, dass er etwas tat, ohne zu wissen, was, bis er behutsam ihre zitternde Schulter zurück auf die Unterlage drückte. Aus Trotz, gemischt mit der Angst vor dem Schmerz, leistete sie Widerstand, hatte jedoch keine Chance, gegen den weitaus stärkeren Padawan zu bestehen.

Doch das Stechen fast auf gesamter Länger ihrer Wirbelsäule blieb aus, stattdessen spürte sie klebrige Flüssigkeit, die eine Art Polster zwischen dem entzündeten Fleisch und dem körnigen Boden schuf. Bacta.

Ein wenig entspannt lehnte sie sich zurück und beruhigte sich selbst mit der Macht, ließ sie durch sich hindurchströmen und beseitigte bewusst alles, was ihren natürlichen Fluss aufhielt. Sie konnte die Fremdkörper in sich spüren, wusste jedoch nicht, wie sie sie hätte beseitigen können.

 

Qui-Gon riss sie aus ihrem fast meditationsartigen Zustand, indem er mit der linken Hand ihren Arm ergriff, in der rechten einen kurzen Injektor. "Ein Antibiotikum. Sagt mir, wo ich es verabreichen kann."

 

"Irgendwo." Ihre Stimme klang rau und heiser. Ihr trockener Hals schmerzte, als sie sich räusperte, um dann neu anzusetzen: "Irgendwo, wo kein Fell ist."

 

Er nickte und prüfte ihren Oberarm auf eine geeignete Stelle, an der das Medikament wirken konnte und injizierte es schließlich knapp oberhalb der Ellenbeuge.

Vorsichtig legte er die Hand an ihre Schläfe, so vorsichtig, dass es sie nicht schmerzte, wenngleich sie ein kleines goldbraunes Pelzdreieck an dieser Stelle wusste.

 

Fragend sah sie zu ihm auf, als er feststellte: "Ihr habt hohes Fieber. Ich vermute, ein Mensch wäre bereits gestorben."

 

Sie lächelte schwach. "Ich habe als halbe Katze vier Leben, Qui-Gon, wusstet Ihr das nicht?"

 

Er lachte kurz. "Ich gebe zu, dieser Umstand war mir bisher unbekannt."

 

Es zischte ein weiteres Mal leise, als er ein fiebersenkendes Mittel in ihre Blutbahn gab. Kantakrenn spürte noch, wie er ihr eine bitter schmeckende Flüssigkeit einflößte, dann fort ging, um ihre Stirn mit dem Meerwasser zu kühlen, dann verschwamm die Welt für sie. Die bunten Farben Lealonas machten es ihr unmöglich zu sagen, ob ihre Sicht vom Fieber verzerrt war, doch ihre übrigen Sinne waren es eindeutig; Donner gleich nahm sie Qui-Gons Schritte wahr, als er zurückkehrte, spürte sekundenlang jedes einzelne Sandkorn in ihrem Rücken, dank der Macht jedes einzelne Luftmolekül, das sie umgab, bis eine eigentümliche Taubheit von ihr Besitz ergriff und sie nichts mehr wahrnahm, erst Minuten oder Stunden später die kühlen Wickel aus Blättern und in Meerwasser getränkten Stoffen spürte.

Qui-Gon verschwamm vor ihren Augen, seine Züge verzerrten sich, die Erschütterungen der Macht, die von ihm ausgingen, wirkten ebenso abstrahiert wie alles andere, neben Mitgefühl glaubte sie Furcht und Sorge von ihm ausgehen zu spüren, war sich jedoch nicht sicher. Sie durchlebte erneut die Mission mit Meister Windu, in der sie eineinhalb Stunden durch unterirdische Gewässer geschwommen waren, stetig nach unten gezogen vom Gewicht ihrer nassen Kleider und Haare, ohne zu wissen, ob sie jemals aufsteigen würde. Sie focht einen Lichtschwertkampf mit Meister Dookus Padawan aus, doch in ihrem Zustand genügte selbst die Erinnerung an die wirbelnden Lichtschwerter, ihr Übelkeit zu bereiten.

Sie glaubte, dass sie zwischen ihren Träumen trank, Flüssigkeit zu sich nahm, konnte sich jedoch nicht sicher sein, es wurde ihr unmöglich, zwischen Realität und Traum zu unterscheiden.

War sie vielleicht noch immer im Tempel und träumte nur? War es eine der Prüfungen, die sie regelmäßig absolvierten, um ihre Fortschritte zu messen? War sie krank?

Sie dachte zurück an den letzten Lichtschwertkampf, und Widerwillen regte sich in ihr, stark und unkontrolliert, vermischte sich gleich darauf mit Erschrecken, als neues, eiskaltes Wasser ihre Stirn traf.

Sekundenlang erlebte Kantakrenn einen klaren Moment, als sie die Augen schloss und nichts sah als wattige, graue Dämmerung, nichts hörte, als das dumpfe Rauschen des Meeres und nichts spürte als einen wogenden Nebel, der sie umgab.

Etwas geschah in ihr; nicht das Werk der Zerstörung, das sie seit Stunden, Tagen, oder bereits Wochen schwächte, es war etwas anderes; es war ein Wogen der Macht, das nach ihren Zellen griff, auf molekularer Ebene in ihnen nach Fremdkörpern suchte und einzelne Giftmoleküle aus ihr verbannte, Stück für Stück, unendlich langsam. Neugierig ergriff sie diese bewusste Krümmung der Macht und folgte ihr zu ihrem Ursprung, als folgte sie einer Fingerspitze hinauf zu ihrem Gesicht, um herauszufinden, wem sie gehörte.

 

Sie fand Qui-Gon, erschöpft und resigniert, seine tiefe Ruhe war erschüttert worden. Sie war für ihn nun zu einem Kampf geworden, den er nicht verlieren wollte, in dessen Verlauf er selbst zum mühevollsten aller Mittel griff und die Fremdkörper einzeln aus ihrem Körper verbannte.

 

Sie ließ los, spürte noch immer die Macht, die sie umgab und umwogte, nur die Macht, nichts anderes mehr.

Und sie wusste, sie würde sterben.




 

4.

Die letzte Chance

 

Der Nebel um sie war verschwunden, an seiner Stelle hatte völlige Stille die Welt ergriffen. Das Rauschen der Wellen war verstummt, der Wind schnitt nicht mehr die Klippen und auch die leisen zwitschernden Laute der Vögel in den Bäumen waren verstummt. Und es war kühl, geradezu kalt. Sie hob die verklebten Lider und sah hinauf in den kaum bewölkten Himmel Lealonas, und in Qui-Gons Gesicht. Er wirkte konzentriert und erschöpft; sie konnte seltsam verzerrt die Macht von ihm wahrnehmen, die erschütterte Ruhe wie durch einen Schild hindurch wahrnehmen.

"Ich lebe", stellte sie mühevoll fest.

 

"Ja", erwiderte er, noch immer konzentriert. "Die Flut ist zurückgegangen; wir sollten uns auf den Weg machen. Die letzte Stadt liegt einen halben Tag hinter uns."

 

Kantakrenn nickte schwach. Vorsichtig legte sie die Hände neben sich und wiederum fiel ihr die erfrischende Kühle auf. Und Qui-Gons Konzentration. Nachdenklich musterte sie den Padawan und runzelte leicht die Stirn. "Wie macht Ihr das?"

 

"Ich verlangsame die Bewegung der Moleküle", erwiderte er angespannt. Auf ihren verblüfften Blick hin erklärte er: "Euer Fieber hat auch für Euch kritische Werte erreicht. Ihr braucht Kühlung."

 

Sie als weitaus weniger in der Macht gestärkte Schülerin wagte sich nicht einmal vorzustellen, welche Anstrengung diese Konzentration bedeutete, nickte nur und stützte sich vorsichtig ab. Getrocknetes Bacta klebte an ihrem Rücken und stimulierte die frei liegenden Nervenenden, dennoch kämpfte sie sich verbissen weiter nach oben und richtete sich bis zu den Knien auf. Bereits jetzt spürte sie ihre Schwäche überdeutlich, doch es gelang ihr, sich auf die Füße zu kämpfen. Unsicher blieb sie für kurze Zeit stehen, bevor sie schwankte, taumelte und beinah gestürzt wäre, hätte Qui-Gon sie nicht aufgefangen.

Beschämt über ihre Versehrtheit senkte sie den Blick und murmelte eine Entschuldigung, während Meister Dookus Padawan einen Arm hinter ihre Kniekehlen schob und sie auf seine Arme hob, sein anderer Arm legte sich unter ihre Schulterblätter und ließ sie zusammenzucken, doch es war eine der weniger empfindsamen Stellen deshalb gelang es ihr den Schmerz zu ertragen. Dennoch spürte sie die Anstrengung, die ihr zusätzliches Gewicht ausmachte; zusammen mit wenigstens einem der Medi-Kits würde die Belastung zu groß für ihn sein, um den anstrengenden Weg ein weiteres Mal zu bewältigen.

"Setzt mich ab", entschied sie.

 

"Ich werde Euch nicht zurücklassen", entgegnete er bestimmt.

 

"Qui-Gon, setzt mich ab."

Sie fochten ein stummes Duell aus, bei dem sie eindeutig unterlag.

Kantakrenn seufzte.

 

"Qui-Gon, auch Ihr werdet es nicht schaffen, zusammen mit mir diesen Weg ein weiteres Mal zu gehen und das wisst Ihr. Geht und holt Hilfe, ich warte solange hier", fügte sie trocken hinzu.

 

Ernst sah er auf sie herab. "Wenn ich Euch hier zurücklasse, werdet Ihr sterben."

 

"Wenn Ihr mich mitnehmt, auch."

 

Vorsichtig setzte er sie auf dem Boden ab und musterte sie nachdenklich, sie konnte spüren, wie ihre Kraft bereits nachzulassen begann; ihr Blickfeld verschwamm an den Rändern und der Nebel wogte an sie heran.

"Ich werde sterben, Qui-Gon", murmelte sie leise. "Ich habe es gespürt. Macht es nicht noch schwerer; geht und... und lasst mich hier."

 

"Nein", widersprach er entschieden. "Wenn das alles ist, was ich tun kann, werde ich bei Euch bleiben."

 

"Seid nicht so stur, Qui-Gon. Ich weiß, dass Euch... das hier... zum ersten Mal aus der Ruhe gebracht hat, aber Ihr könnt nichts daran ändern."

Die Macht trug eine weitere Erschütterung mit sich, gedämpft durch den Panzer aus künstlich verlangsamten Molekülen, doch vorhanden. Wachsam sah Kantakrenn auf. "Was ...?"

 

"Es gibt noch eine Lösung", erwiderte Qui-Gon gepresst.

 

"Was habt Ihr vor?"

 

Dookus Padawan antwortete nicht, doch sie spürte die wohltuende Kühle um ihre Haut erlöschen als Qui-Gon seine Konzentration sammelte.

 

Sie spürte die Macht, die ihn umgab, doch es war nicht mehr die ruhige, fließende Aura eines Jedi, sie pulsierte in seiner Entschlossenheit, seinem Willen, sie am Leben zu halten. Sie versuchte, zu sprechen, doch die Wucht der Hitze zehrte an ihren Kräften. Sie spürte die Macht sich neben ihr sammeln, fast greifbar um Qui-Gon pulsieren, bis er sie ergriff und umleitete, sie in einem gewaltigen, machtvollen Strom ihrer schwächer werdenden Kraft hinzufügte.

Instinktiv schloss sie die Augen und griff nach der Macht, genoss das sanfte Wogen, die unsichtbare Stärke, mit der sie sie erfüllte, und ließ dann los. Sie konnte ihr nicht helfen. Auch in toten Gegenständen pulsierte die Macht, sie war keine Garantie für das Leben.

"Das ist sinnlos", brachte sie hervor und hustete, als sich ihre Lungen plötzlich verkrampften. "Ihr könnt mir... nicht mehr helfen. Haltet Euch nicht daran fest, Qui-Gon."

 

"Ihr werdet nicht sterben", widersprach er, nicht mehr sanft, sondern überzeugt von der Kraft, die die Macht verlieh. "Es gibt noch einen Weg, das Leben in Euch zu halten."

 

"Ihr könnt... den Tod nicht... aufhalten", sprach sie fest und lächelte schwach. "Nicht einmal... Ihr."

 

Sie selbst spürte, dass sich ihr Zustand rapide verschlechterte und schloss die Augen. Mit den Instinkten eines jeden lebenden Wesens hielt sie am Leben fest, atmete gleichmäßig und verlangsamte sanft den Rhythmus ihres Herzens.

 

Die Luft war still, durchdrungen von dem unnachahmlichen Duft Lealonas, dem Aroma süßer Früchte und dem Geruch gewaltiger Meere und obgleich sie diese verabscheute, genoss sie die klare Luft, trank sie in vollen Zügen und genoss diese letzten Momente ihres Lebens. Sie wusste, sie würde danach weiter existieren in der Macht, darum musste sie sich nicht fürchten, doch wer hätte gedacht, dass ihre letzte Mission als Padawan auf diese Weise enden sollte?

Plötzlich spürte sie das Pulsieren der Macht in einem lebenden Wesen neben sich, Qui-Gon und direkt bei ihm eine weitere Bündelung, klein und nicht intelligent, doch es war Leben.

 

Dookus Padawan ließ sich neben ihr nieder, hielt das Lebewesen in seinen Händen und Kantakrenn verstand.

 

"Nein", bat sie schwach. "Das dürft Ihr nicht. Damit..." Plötzlich verstummte sie, als er eine Bindung zwischen ihnen schuf und die Macht kanalisierte, wie mit einer Pumpe entzog er dem kleinen Tier sein Leben und leitete es in sie.

Tränen quollen aus ihren Augen, noch während sie ein wenig Kraft in sich zurückkehren fühlte. Es war verboten, es war eine der gefährlichsten Techniken, die die Macht ermöglichte, eine der schwierigsten und eine der ungerechtesten, da sie Leben nahm um es anderen zu ermöglichen. Für ihr Leben starben andere.

"Ihr dürft das nicht tun", beharrte sie und versuchte, sich zu wehren, eine Barriere zu schaffen, um sich gegen das fremde Leben zu schützen, doch er war um ein Vielfaches stärker als sie, überwand den schwächlichen Zaun, ohne sich anstrengen zu müssen.

"Nein", sagte sie verzweifelt, doch Qui-Gon fuhr fort, bis der kleine Vogel, den er gefangen hatte, reglos am Boden lag, ohne eine Verletzung, jedoch bar jeden Lebens.

 

"Wie konntet Ihr das tun?“ fragte sie leise.

 

"Wozu sind all unsere Lehren, die Ausbildung und all die Erfahrung nütze, wenn wir nicht das Leben bewahren können?“ gab er zur Antwort.

 

"Aber Ihr habt es nicht bewahrt! Ihr habt es genommen... und es mir gegeben."

 

Er legte eine Hand auf ihre Stirn und drückte sie sanft herab auf die Robe. "Noch ist es nicht entschieden", stellte er ernst fest und stand ein weiteres Mal auf. "Seid unbesorgt", lächelte er beruhigend. "Ihr werdet diese Infektion überstehen, es ist nur eine Frage der Zeit."

 

Dann wandte er sich ab in Richtung des kleinen Waldes.

 

Sie rief hinter ihm: "Ihr dürft das nicht tun, Qui-Gon! Ihr habt kein Recht dazu!“ Doch er hörte sie nicht.

 

Sie konnte spüren, wie er das Gleichgewicht der Macht erschütterte, wie er die allumfassende Kraft des Lebens benutzte, um ein weiteres Lebewesen zu täuschen und zu fangen und dazu eine kraftstrotzende Pflanze vom Boden trennte und zum Tode verurteilte.

 

"Was tut Ihr?“ fragte sie verzweifelt.

 

"Ich rette Euer Leben", erklärte er ernst und entzog ein weiteres Mal einer Manifestation der Macht die Kraft, um sie ihr zu geben.

 

Diesmal zuckte sie zusammen, als sie die Gewalt spürte, mit der die neue Energie sie durchströmte, ihre Zellen durchflutete und ihr half, zu gesunden.

"Aber um welchen Preis?“ fragte sie zitternd, nicht mehr in der Lage, zu schreien.

Scham durchflutete sie mit dem ungerechtfertigten Leben, das sie anderen gestohlen hatte ohne es zu wollen. Sie wünschte sich die Kraft, dem zu widerstehen, doch sie konnte es nicht, lud Schande auf sich damit, dass sie den nun toten Lebewesen die Energie geraubt hatte, obgleich sie nichts dagegen hatte tun können.

Weinend rollte sie sich zusammen, als Qui-Gon sich wiederum erhob und nur totes organisches Material zurückließ, von nicht mehr Leben durchflossen als der Sand, der sie umgab.

"Was habt Ihr getan?“ flüsterte sie unhörbar.




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