Das Komplott

Teil 1 von 14


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Prolog:

Mit einem wütenden Summen erwachte die grüne Klinge zum Leben. Sofort schreckte er aus seinem leichten Dämmerschlaf hoch. Es dauerte keine Sekunde, bis er auf den Beinen war und doch war er zu langsam.
Das grüne Lichtschwert berührte seinen Hals und markierte so den tödlichen Treffer.
„Du musst dich konzentrieren, Padawan.“ Qui Gon deaktivierte sein Laserschwert und ließ sich wieder auf die Knie nieder. „Du bündelst die Macht, aber du lässt dich nicht hineinfallen. Ändere das.“ sagte er schlicht und ignorierte den bleiernen Mantel, den die Müdigkeit über sie beide legte und ihre Sinne trübte.
Sein Meister sprach leise, doch Obi-Wan hatte ihn verstanden- eher durch die Lektion mit dem Trainingsschwert als durch seine Worte. Vorsichtig berührte er seinen Hals. Die Haut glühte und brannte furchtbar von den vielen Treffern, die sein Meister im Verlauf der letzten Tage gelandet hatte.
Er hatte schon früher Trainingseinheiten absolviert, in denen es darum ging, auch unter Schlafentzug noch kämpfen zu können, doch Qui Gon hatte alldem  die Krone aufgesetzt. Nicht nur, dass die beiden seit mehr als drei Tagen nicht geschlafen hatten- sie aßen und tranken auch nichts. Qui Gon hatte ihm gesagt, dass ihn das hier auf Situationen vorbereiten sollte, die im Laufe seines Lebens auf ihn zukommen könnten. Doch er bezweifelte stark, dass er jemals in solch eine Lage kommen würde.
Im Gegensatz zu Übungen solcher Art wie Meister Yoda sie mit den Jünglingen durchführte, durfte Obi-Wan sich nicht ablenken um dem Einschlafen zu entgehen. Er musste es allein durch seine Willenskraft und entsprechende Konzentration schaffen.
Wenn man in Bewegung war, konnte man praktisch gar nicht einschlafen. Es erforderte zwar mehr Konzentration, müde zu kämpfen, doch Obi-Wan hatte das Gefühl, einen Kampf im Vergleich hierzu jetzt mühelos überstehen zu können.
Meister und Padawan saßen mit geschlossenen Augen in der Mitte eines abgedunkelten Raumes. Langsame und sanfte Sphärenklänge erfüllten die Luft und lullten Obi-Wan immer wieder ein.
Seine einfache Aufgabe bestand darin, wachzubleiben. Unter diesen Umständen war das allerdings alles andere als einfach.
Qui Gon spürte jedes Mal, wenn Obi-Wans Konzentration auch nur einen winzigen Moment lang nachließ und er einnickte. Dann griff er ihn ohne Vorwarnung an und berührte ihn mit dem Trainingsschwert an Hals oder Brust, was einen tödlichen Treffer markierte und so automatisch den Kampf beendete. Die Macht warnte den jungen Padawan zwar immer, doch er schaffte es nie, rechtzeitig zu reagieren.
Diese Lernmethode war simpel und funktionierte, genauso wie Qui Gon es bevorzugte.
„Meister, wie lange werden wir das hier noch tun?“ Obi-Wans Hals fühlte sich langsam an wie ein rohes Stück Fleisch und er hatte Durst, von seinem knurrenden Magen ganz zu schweigen.
„Bis du es schaffst, meinen Angriff abzuwehren und einen Gegentreffer zu landen.“ war Qui Gons leise Antwort. Sein Padawan seufzte innerlich. Bevor das geschehen würde, war er wahrscheinlich alt genug für die Prüfungen. Er rief die Macht, um sich wachzuhalten. Dieses Mal stellte er sie sich nicht wie sonst als warmes goldenes Licht vor, sondern wie einen grauen heftigen Sturm. Ihm war langsam jedes Mittel recht um nicht einzuschlafen.
Er wusste, dass er einen Weg finden musste, seinen Meister zu überrumpeln. Dieser griff ihn nur an, wenn er einschlief. Doch Obi-Wan war aufgefallen, dass Qui Gon sofort reagierte, wenn seine Konzentration auch nur ein wenig an Intensität verlor. Wenn er also vortäuschte, einzuschlafen und sich auf dem schmalen Grat zwischen der Realität und seiner Traumwelt halten könnte, müsste er sich rechtzeitig verteidigen können.
Langsam, beinahe wie durch Zufall, ließ er die Macht davongleiten
-und spürte sofort Qui Gons Aktion. Blitzschnell griff er nach seinem Laserschwert, das neben ihm auf dem Boden gelegen hatte und fing den Hieb seines Meisters ab, bevor er ihm schaden konnte.
Schnell waren beide auf den Beinen. Obi-Wan gab sich Mühe, seine Atemfrequenz zu verringern und sich rasch zu beruhigen. Es war jetzt wichtig, nicht den Kopf zu verlieren, sondern ruhig und besonnen zu handeln. Wenn er seinen Meister überstürzt angriff, um den Kampf schnellstmöglich zu beenden, würde er nur das Gegenteil erreichen und ihre kleine Übung würde in die nächste Runde gehen.
Quälende Minuten vergingen, in denen sich die beiden nur mit gezogenen Lichtschwertern gegenüberstanden. Immer wieder hatte sein Meister ihn für seine Ungeduld kritisiert, jetzt wusste er auch, warum. Es kostete Obi-Wans gesamte Willenskraft, einfach abzuwarten und dabei trotzdem wachsam zu bleiben. Man konnte bei seinem Meister kaum abschätzen, welche Strategie er wählen würde. Stundenlanges Verharren war genauso wahrscheinlich wie ein schneller Überraschungsangriff.
Obi-Wan entschied sich schließlich für ein Täuschungsmanöver. Auch Qui Gon war müde und erschöpft, vielleicht funktionierte es ja. Er schlug einhändig nach den Beinen seines Gegners, nutzte den Schwung aus, drehte sich und griff dann beidhändig von oben an. Durch diese schnelle Attacke von mehreren Seiten hatte Obi-Wan es seinem Meister schwer gemacht, einen Rhythmus im Kampf zu finden, sodass er seine Schnelligkeit und seine Kraft nicht optimal einsetzen konnte.
Bald hatte er Qui Gon in eine Ecke getrieben, doch dieser gab sich nicht so einfach geschlagen. Sein Gesicht zeigte keinerlei Gefühlsregung, nur vollste Konzentration.
Obi-Wan bemerkte, dass er müde wurde- viel zu schnell für seinen Geschmack. Der Mangel an Schlaf, Nahrung und Wasser wirkten sich merklich aus. Er rief die Macht zur Hilfe und ließ sich in sie hineinfallen. Plötzlich spürte er seine Müdigkeit kaum noch. Sie war zu einem unwichtigen Faktor geworden, der ihn kaum beeinflusste. Sein Hunger und sein Durst waren ebenfalls fast verschwunden, genauso wie das unangenehme Brennen an seinem Hals. Es gab nur noch ihn und die Macht. Seine Bewegungen wurden wieder schneller, seine Angriffe kamen kraftvoller und präziser. Dann konnte er auf einmal deutliche Schwingungen in der Macht wahrnehmen, spürte das Ereignis bevor es geschah. Etwas war vor der Tür, jemand würde hereinkommen, doch das war jetzt nicht von Relevanz, er musste nicht darauf achten.
'Ein Kampf findet im Kopf statt'
Erst jetzt erkannte Obi-Wan die Weisheit in den Worten seines Meisters. Kurz darauf öffnete sich die Tür. Das Geräusch lenkte Qui Gon nur für den Bruchteil einer Sekunde lang ab. Dadurch sah er den Hieb nicht, den Obi-Wan genau in diesem Augenblick gegen seine Brust richtete.
Erleichterung durchflutete den Padawan. Es war ein tödlicher Treffer gewesen, den er angedeutet hatte. Der Kampf war vorbei.
„Verloren du hast, Qui Gon.“ sagte eine heiter klingende Stimme. Erst jetzt bemerkte Obi-Wan, wer der Besucher war, dem er seinen Erfolg verdankte. Auf seinen Stock gestützt, kam Meister Yoda in den Raum geschritten. Obi-Wan deaktivierte sein Lichtschwert und hängte es wieder an seinen Gürtel. Anschließend verbeugte er sich respektvoll. Sein Meister tat es ihm nach.
„Stark in der Macht du geworden bist, junger Obi-Wan.“ sagte Yoda in beiläufigem Ton.
„Leider gelingt es mir noch nicht allzu häufig, die Macht so effizient zu nutzen.“ sagte Obi-Wan.  
„Seine Selbstwahrnehmung ist durch Bescheidenheit getrübt. Er sieht seine eigenen Fortschritte oft nicht. Er tritt in letzter Zeit immer häufiger in Verbindung mit der lebendigen Macht. Ich bin zuversichtlich, dass er sie schon bald beherrschen wird.“ Mit diesen Worten legte sein Meister ihm eine Hand auf die Schulter. Diese freundschaftliche Berührung bedeutete Obi-Wan mehr als tausend Worte es gekonnt hätten.
„Was verschafft uns die Ehre eures Besuches?“ fragte Qui Gon, während sie zusammen hinaus gingen.
„Tagelang ihr ward in diesem Raum. Nachsehen ich wollte, ob eingeschlafen ihr seid.“ Meister Yoda ließ ein Glucksen hören, an das sich Obi-Wan noch aus seiner Zeit als sehr junger Padawan erinnern konnte.
„Ich habe eine Extremsituation mit meinem Padawan trainiert. Das nächste Mal werde ich euch vorher davon in Kenntnis setzen.“
Erfreut bemerkte Obi-Wan, dass sie den Weg zum Speisesaal einschlugen. Im Moment übertraf nur sein Durst seinen Hunger und die Müdigkeit noch.
„Einen Hang zu Extremsituationen schon immer du hattest.“ bemerkte der kleine Meister amüsiert. Sie waren stehen geblieben. Obi-Wan wollte nicht ungeduldig erscheinen, konnte sich aber sehnsüchtige Blicke in Richtung Speisesaal nicht verkneifen. „Du kannst etwas essen gehen, wenn du möchtest, Obi-Wan.“ sagte Qui Gon, ohne seinen Padawan dabei anzusehen.
„Ich kann auch noch warten, Meister.“ sagte er pflichtbewusst, doch Qui Gons Blick machte ihm klar, dass er einen Moment mit Yoda allein sprechen wollte. Deswegen verbeugte er sich kurz und entfernte sich dann so schnell es ging, ohne dabei zu rennen. Er fand den Speisesaal leer vor, seinem Gefühl nach musste es irgendwann spät in der Nacht sein. Die Essensausgabe war längst vorbei, doch er bediente sich an dem leichten Gebäck und dem fruchtigen Tee, der ständig für die Padawane im Tempel bereit stand. Er zwang sich dazu, langsam zu essen und zu trinken, denn er wusste, dass es ihm nicht bekommen würde, wenn er jetzt zu schnell zu viel zu sich nahm.
Vor dem Speisesaal unterhielten sich derweil Yoda und Qui Gon. „Euer Besuch hatte doch nicht nur den Grund, sich nach unserem Wohlbefinden zu erkundigen, nicht wahr?“
„Eine Mission der Rat für euch hat.“ Qui Gon war erstaunt über diese Nachricht, aber auch froh. Sie waren schon längere Zeit im Tempel und langsam aber sicher wurde es seinem Padawan ohne seine Freunde langweilig. „Wieso wurden wir dafür nicht vor den Rat bestellt?“ wollte Qui Gon wissen. „Es ist nachts, Meister Qui Gon. Auch der Hohe Rat der Jedi schlafen einmal er muss.“ Er gab wieder dieses Glucksen von sich, wurde dann aber schnell wieder ernst.
„Die Lage ernst ist, bei Sonnenaufgang ihr aufbrechen müsst.“  Qui Gon warf einen Blick auf das große Chronometer in der Halle und war im nächsten Moment alles andere als erbaut. „Das ist in weniger als 3 Stunden Meister. Mein Padawan und ich brauchen nach unserer letzten Übung ein wenig Ruhe.“
„Auf der Reise ausruhen ihr euch könnt. Das einzige Jediteam, das verfügbar ist, ihr seid. Nicht länger warten die Situation auf Pavlin 4 kann.“



Kapitel 1: Der Aufbruch


Noch bevor der erste Jedi für seine morgendliche Meditation im Saal der Tausend Quellen erschienen war, waren sie bereits mit gepackten Sachen aufgebrochen. Obi-Wan hatte nicht mal die Zeit gefunden, um vor ihrer Abreise auf der Krankenstation des Jedi-Tempels vorbeizuschauen. Also musste er mit den Verbrennungen an Hals und Nacken leben. Schließlich wollte er das Bacta, dass ein Jedi in seinem Survival-Pack immer bei sich hatte, nicht verschwenden. Er wusste nicht, ob er es auf seiner Mission für ernstere Verletzungen brauchen würde. Doch im Moment hatte er mit einem größeren Problem zu kämpfen.
Seine Konzentration floss so unaufhaltsam davon wie ein reißender Fluss. Sein Allgemeinbefinden war mittlerweile an einem Punkt angelangt, der weit unterhalb von 'unbehaglich' lag. Ihm war heiß und sein Körper verlangte immernoch lautstark nach Nahrung.
„Es steht mir nicht zu, Meister Yoda zu kritisieren, aber hätte er nicht einen Flug aussuchen können, der ein kleines bisschen komfortabler gewesen wäre? Ich weiß, dass ein Jedi sich nicht mit Luxus umgeben sollte, aber ein wenig mehr Beinfreiheit wäre doch nicht zu viel verlangt gewesen, oder?“
Ausnahmsweise erwiderte Qui Gon nicht sofort etwas auf diesen kleinen Ausfall seines Padawans. Er war gerade vorrangig damit beschäftigt, seine langen Beine irgendwie zwischen sich und den Sitz vor ihm zu bekommen.
Obi-Wan selbst hingegen hatte es aufgegeben, so etwas wie eine bequeme Sitzposition finden zu wollen. Er begnügte sich damit, unruhig auf seinem viel zu kleinen und kaputten Sitz hin- und herzurutschen.
„Wir mussten den ersten Flug nehmen und außerdem konnte niemand ahnen, dass dieses Schiff ein wenig älter und anscheinend vorrangig für den Transport von Aruzanern ausgelegt ist.“ Aruzaner waren  kleinwüchsige Bewohner des Planeten Aruza.
„Ein wenig älter?“ echote Obi-Wan. „Diese Klapperkiste war wahrscheinlich schon in der Luft, als Meister Yodas Eltern noch in den Windeln gelegen haben.“
Qui Gon warf seinem Schüler einen tadelnden Blick zu. „Vielleicht solltest du dich ein bisschen weniger mit deinem Freund Garen Muln umgeben, wenn du dazu neigst, seine Sprechweise anzunehmen.“ Obi-Wan wurde rot. „Entschuldigung, Meister.“
Garen war neben der Moncalamari Bant Eerin Obi-Wans bester Freund im Tempel und hatte sich erst vor ein paar Monaten durch seine außergewöhnlichen Fähigkeiten als Pilot für ein neues Programm der Jedi qualifiziert. Der Umgang mit den Raumpiloten hatte sich auch auf seine Ausdrucksweise ausgewirkt.
„Du bist müde und gereizt. Das ist keine Schande, aber du solltest damit umzugehen wissen und dich stets höflich ausdrücken. Wählst du die falschen Worte, können deine Absichten schnell missverstanden werden. Das gesprochene Wort kann eine viel mächtigere Waffe sein, als dein Laserschwert.“ Obi-Wan nickte nur. „Ich verstehe, Meister.“
Obwohl er seinen Schüler zurechtgewiesen hatte, musste Qui Gon sich eingestehen, dass er ähnliche Gedanken hatte. Als sie vor ungefähr einer halben Stunde auf einer der tiefer gelegenen Ebenen von Coruscant ihr Schiff zum ersten Mal gesehen hatten, hatte er eine böse Vorahnung bezüglich des Komforts gehabt. Und als sie nach dem Kauf der Karten für einen Direktflug nach Pavlin 4 in den Passagierraum geführt worden waren, hatten sich seine Vorahnungen mehr als nur bestätigt.
Es gab keine einzelnen Kabinen, sondern blockartig angeordnete Sitzreihen, von denen man entgegen jeder Vernunft so viele wie nur irgend möglich angebracht hatte. Von einem Sitz zum nächsten war kaum mehr als eine Ellenbogenlänge Platz, was für den 16-jährigen Obi-Wan schon ein Problem darstellte. Für Qui Gon, mit seiner für einen Menschen doch recht stattlichen Größe, machte dieser Umstand ein normales Sitzen jedoch unmöglich. Er musste auf der schmalen Sitzfläche so weit wie möglich nach hinten rutschen und gleichzeitig die Knie zur Brust ziehen, um überhaupt ein wenig Platz zu finden.
Zu den unbequemen und größtenteils kaputten Sitzgelegenheiten gesellten sich das Zwielicht, das in diesem Teil des Schiffs herrschte und die Gesellschaft, in der sie sich auf diesem Flug befanden. Die war- wenn das überhaupt möglich war- noch undurchsichtiger als die Sichtfenster ihres Raumschiffs.
Neben ein paar einzelnen Angehörigen bekannter Rassen bestand das Klientel hier vorrangig aus Furcht erregenden Whipiden und grobschlächtigen Gamorreanern. Erstere waren große fellbedeckte Zweibeiner, die  Gesetzesverstößen jeglicher Art nicht unbedingt abgeneigt gegenüber standen. Sie waren häufig als Raumpiraten unterwegs, wurden aber auch von verschiedensten Verbrechern gern „für das Grobe“ eingestellt.
Der Ruf der massigen Gamorreaner war nicht besser- die grünhäutigen behornten Wesen waren überall für ihren Hang zur Gewalt bekannt.
Nicht nur den Jedi machte die unkomfortable Unterbringung in diesem Flieger  zu schaffen. Qui Gon spürte den Unwillen aller Anwesenden, sich stundenlang wie Vieh in diesem Flieger zusammenpferchen zu lassen. Doch die deutlichste Unruhe konnte er bei dem jungen Mann neben sich spüren, der sich gerade umständlich aus seinem warmen Reisemantel schälte. Dabei stieß er versehentlich mit dem Ellenbogen gegen den Fluggast, der auf der anderen Seite neben ihm saß.
Bevor der junge Jedi sich entschuldigen konnte, befand er sich in der unangenehmsten Lage, in die man sich auf diesem Transporter überhaupt bringen konnte. Ein Whipide hatte ihn am Kragen gepackt und redete lautstark in seiner Muttersprache auf ihn ein, während seine Hand zu seinem Gürtel wanderte. Zweifellos, um eine Waffe zu ziehen. Whipiden waren nicht gerade dafür bekannt, Konflikte mit Worten zu regeln.
Blitzschnell griff Qui Gon über die Schulter seines Schülers und packte den fellbewachsenen Arm, der Obi-Wan festhielt. Er rief die Macht und ließ sie   über seinen Arm durch den Whipiden fließen. Dabei blickte Qui Gon dem Wesen fest in die Augen und befahl ihm stumm, den Jungen loszulassen. Und als ob man einen Schalter umgelegt hatte, lockerte der Whipide plötzlich seinen Griff um Obi-Wans Hals und ließ ihn schließlich ganz los um sich mit ausdruckslosem Blick am Kopf zu kratzen und dann wieder umzudrehen.
Obi-Wan spürte, wie die Anspannung von ihm abfiel. Qui Gon hatte den Geist seines Angreifers manipuliert. „Danke, Meister.“ flüsterte der Padawan und fuhr sich kurz mit der Hand über seinen Hals.
„Keine Ursache. Die Gemüter kochen bei solch angenehmen Reisebedingungen gerne mal über.“ sagte Qui Gon milde lächelnd.
„Wie lange werden wir unterwegs sein, Meister?“ Doch Qui Gon blieb Obi-Wan eine Antwort schuldig und sah sich aufmerksam, aber doch unauffällig um. „Ich möchte mich hier nur ungern offen unterhalten. Wir reden nach dem Start auf dem Gang.“
Obi-Wan nickte nur und versuchte, ein Knurren seines Magens durch ein Husten zu übertönen. In unmittelbarer Umgebung so vieler zwielichtiger Gestalten war es natürlich nicht klug, über ihre Mission oder auch nur ihren Zielplaneten Pavlin 4 zu sprechen.
Nach einem holprigen Start und einem noch holprigeren Sprung in den Hyperraum war es den Passagieren endlich gestattet, von ihren Sitzen aufzustehen und sich in dem kleinen Schiff zu bewegen. Nachdem die beiden Jedi sich an ein paar streitenden Gamorreanern vorbeigedrängt hatten, suchten sie sich eine halbwegs ruhige Ecke, in der sie sich unterhalten konnten.
Obi-Wan zog seinen Reisemantel wieder über und hielt unauffällig Ausschau nach etwas Essbarem. Seine Augen brannten vor Müdigkeit und in seinem Innern tobte immernoch eine Unruhe, die von dem Schlafentzug hervorgerufen wurde. Mittlerweile hatte er bereits den Punkt erreicht, an dem er sich gar nicht mehr müde fühlte. Dennoch wusste er, dass sein Körper dringend Ruhe brauchte.
Er tat es seinem Meister nach und zog die Kapuze über den Kopf. Unauffällig reichte Qui Gon ihm einen kleinen Datenchip, den er rasch in eine Innentasche seiner Tunika gleiten ließ.
„Am besten siehst du dir die näheren Informationen über Pavlin 4 und unsere Mission kurz nach unserer Landung an. Hier ist es immernoch zu riskant. In ungefähr 5 Stunden sollten wir landen, hältst du so lange durch?“ Qui Gons Stimme war ernst, er erwartete eine ehrliche Antwort. Obi-Wan ging kurz in sich. „Das werde ich, Meister.“ Qui Gon lächelte. Stolz loderte in seiner Brust auf. Man sah ihm die Müdigkeit deutlich an, doch er dachte gar nicht ans Aufgeben.
Obi-Wan wandte sich ab. Die Macht hatte ihm befohlen, sich umzudrehen. Kurz darauf sah er auch, aus welchem Grund.
Eine kleine Gruppe von 5 Whipiden hatte zwei Menschen umkreist. Der Junge war ungefähr in Obi-Wans Alter und hatte noch ein kleines Mädchen dabei, dass sich ängstlich hinter ihm versteckte. Gerade als die Whipiden die Kinder durchsuchen wollten, zog der Junge eine Blasterpistole und richtete sie auf die Angreifer.
„Verschwindet! Lasst uns gefälligst in Ruhe!“ rief er und schob das kleine Mädchen weiter hinter sich. Der große Anführer der Whipiden lachte sich über die Versuche des Jungen, sich zu verteidigen, kaputt.
Als Qui Gon sah, dass Obi-Wan sich in Bewegung setzte, hielt er sich bewusst im Hintergrund. Sein Padawan musste lernen, solche Situationen auch allein zu klären.
„Hey.“ sprach Obi-Wan die Unruhestifter an. Qui Gon schüttelte leicht den Kopf. Zu ungestüm.
„Was willst du denn, Menschlein, hä?“ knurrte der Anführer der Gruppe. „Was haben die beiden euch getan, dass ihr sie so bedrängt?“ fragte der Padawan ruhig und schob sich die Kapuze seines Mantels in den Nacken.
„Gar nichts haben wir ihnen getan! Sie wollen uns ausrauben.“ bellte der Junge. In seinen Augen funkelte große Furcht, aber auch Zorn.
„Dass solltet ihr nicht tun.“ Der Wihipide beugte sich runter zu Obi-Wan, sodass die beiden auf Augenhöhe waren. „Achja? Uns warum nicht? Weil du es mir sagst, Kleiner?“ Er grinste breit und entblößte dabei seine Hauer.
„Nein.“ sagte Obi-Wan milde lächelnd. „Aber wenn ihr euer Vorhaben in die Tat umsetzen wollt, wird der Junge schießen. Wenn er schlecht zielt und euch nicht tötet oder verwundet, wird der Schuss unweigerlich in eine Wand einschlagen. Bei dem Kaliber der Pistole und dem Zustand und Alter des Schiffes würde ich einiges darauf verwetten, dass er ein Loch in die Hülle reißen wird. Ich bezweifle stark, dass die Sicherheitsschleusen hier richtig funktionieren, wodurch sich das Loch in der Außenhülle nicht schließen und uns somit den ganzen Tag verderben wird. Ward ihr schon mal ohne Schutzanzug im freien Raum? Ich nicht und ich würde es auch gerne dabei belassen. Ich bin sicher, ihr straft die Gerüchte über eure Rasse Lügen und werdet nicht so dumm sein und meinen Ratschlag ignorieren.“
Die vorstehende Stirn des Whipiden legte sich in Falten, während Obi-Wan ihm Zeit gab, um über seine Argumente nachzudenken. „Boss, wir könnten ihn uns genauso gut schnappen, wenn er das Schiff verlässt.“
Anscheinend hatte der Angesprochene nur auf ein solches Argument aus seinen Reihen gewartet. „Das sagte ich dir doch bereits! Den Jungen kriegen wir schon noch.“ Er schnaufte ein letztes Mal abwertend in Obi-Wans Richtung und verzog sich mit seinen Kumpanen schließlich in einen anderen Teils des Schiffs.
Als sie endgültig außer Sichtweite waren, trat Obi-Wan näher an den Jungen und das Mädchen heran. „Geht es euch beiden gut?“ erkundigte er sich.
„Ja.“ war die knappe Antwort, als der Junge seinen Blaster wieder unter seinem Oberteil verbarg. Er schaute ihm nicht in die Augen, sondern schob das kleine Mädchen in die entgegengesetzte Richtung und versuchte, dabei so wenig Aufmerksamkeit wie möglich zu erregen.
Obi-Wan legte die Stirn in Falten, als sein Meister zu ihm kam. Irgendetwas war komisch an dem Jungen, doch er wusste nicht genau, was es war. Qui Gon studierte die Miene seines Schülers genau, sagte aber nichts. Wenn Obi-Wan über seine Gedanken sprechen wollte, würde er dass von selbst tun.
„Das hast du eben sehr gut gemacht. Du bist ruhig geblieben und hast durch Argumente überzeugt, und das sogar ohne zu offenbaren, dass du ein Jedi bist. Ich bin stolz auf dich.“
Obi-Wan lächelte müde aber zufrieden. „Das gesprochene Wort kann eine viel mächtigere Waffe sein, als mein Laserschwert.“  
Qui Gon nickte.
„Wenn wir ankommen, können wir uns sicher ein paar Stunden ausruhen. Und jetzt besorgen wir dir erst einmal etwas zu essen.“


Ende von Teil 1
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