Good boy gone bad

Teil 1 von 9


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.




 

  

Kapitel 1: Ich bin dein Beschützer

Seit man mich mit 2 Jahren nach Coruscant gebracht hat, damit ich dort eine Jediausbildung absolviere, habe ich diese ganzen Lügen geglaubt. Die Lügen der Jedi, die meines Meisters und die lebendig gewordene Lüge überhaupt: die Republik. Ich dachte wirklich, es würde so etwas wie Demokratie, Frieden und Gerechtigkeit geben. Dass unsere Selbstlosigkeit dabei helfen würde, die Welt in der wir leben, zu einer besseren zu machen.
Was für ein Narr ich doch geswesen bin.

                                                                              * * *
                                                                       (Flaschback)

Panik.
Sie ergreift von ihm Besitz, raubt ihm die Fähigkeit, nachzudenken und lähmt ihn.
Schmerzen.
Wo ist sein Meister? Was ist das für ein Geräusch? Ihr Schiff startet.
Blut.
Warum haben sie die Tusken-Räuber nur unterschätzt. Normalerweise tragen sie keine Blaster.
Angst.
Die Geisel ist entkommen. Sein Meister wurde getroffen. Er ist verletzt.
Krämpfe.
Er hat seinem Meister geholfen. Doch er ist nicht mehr hier. Wieso startet das Schiff ohne ihn?
Tod.
Wieso lässt sein Meister ihn hier zurück?
Nichts mehr.

                                                                       * * *
                                                              (Flaschback Ende)

Ich bin nicht gestorben damals. Ich lebte noch und ich würde nicht vergessen, was er mir angetan hatte. Er musste gespürt haben, dass ich noch am Leben war. Ich war mir sicher. Er hat es gewusst! Wir spürten einander, unsere Lebensenergie, unsere Gefühle, die Nutzung der Macht. Trotzdem hatte er mich zurückgelassen.
Ich war sehr schwer verletzt damals. Wahrscheinlich dachte er, ich wäre als Kämpfer nicht mehr zu gebrauchen gewesen. Ein Padawan ist austauschbar, wahrscheinlich hat er schon wieder einen neuen.  
Tja. Da hat Qui Gon Jinn sich allerdings ganz gewaltig getäuscht. Er hat mich schon immer unterschätzt, aber dieses Mal wird sich das rächen.
Eine menschliche Familie hat mich, den- gerade erst 15 gewordenen- verletzten Jungen gefunden. Sie stellten keine Fragen über mein Lichtschwert, meine Kleidung oder meine Verletzungen. Sie brachten mich in ihr Haus und kümmerten sich um mich. Ich sprach kein einziges Wort, als ich bei ihnen war. Eines Abends schlich ich mich davon und sah nie wieder zurück.

                                                                           * * *
                                                                     (Flashback)

„Ich bin nicht in erster Linie dein Meister, Obi- Wan. Ich bin dein Beschützer.“ sagt sein Meister. Der Junge blickt ihn staunend an. Woher hat er gewusst, was ihn gerade beschäftigt? Die Bewunderung, die der Padwan für seinen Meister hegt, wächst noch ein Stückchen mehr. “Konzentriere dich auf die Macht, mein junger Schüler. Sie umgibt dich, greife danach.” Der Junge nickt eifrig und schließt die Augen wieder, um die Meditation fortzusetzen. Der Kerzenschein ist nur noch ein schwaches Leuchten, das er durch seine geschlossenen Augenlieder sieht.

                                                                        * * *
                                                           (Flashback Ende)

Mein Beschützer. Das ich nicht lachte. Ich hatte versucht, ihn zu retten, als ein Blaster-Schuss ihn traf und er ließ mich einfach zum Sterben liegen. Ich setzte mich in meinem Bett auf. Es war hart und nicht besonders bequem, aber es reichte. Ich wollte schließlich kein luxöriöses Himmelbett, sondern einen sicheren Ort, an dem ich mich ausruhen konnte. Einen einzelnen, spartanisch eingerichteten Raum nannte ich mittlerweile mein zu Hause. Das Geld für die Miete verdiente ich bei Pod- Rennen oder Arenakämpfen, bei denen ich Untiere benachbarter Planeten tötete. Seit mein Glaube an den Jediorden vor knapp zwei Jahren erlosch, saß ich hier auf Tatooine fest. Eine kleine, lebensunfreundliche Hölle, in der es ncihts gab, außer Wind und Sand. In den letzten beiden Jahren war kein Raumfahrer hier gelandet und die Handelsschiffe wollten mich auch nicht mit an Bord nehmen, weil sie befürchteten, ich sei ein Outlaw und sie würden ihre Genehmigung verlieren, wenn sie kontrolliert würden und einen Verbrecher bei sich hätten. Ich seufzte schwer. Vor dem kaputten Spiegel über meinem improvisierten Waschbecken wusch und rasierte ich mich, wobei ich letzteres mit einem scharfen Messer tun musste. Rasieren mit einem Messer war alles andere als einfach. Ich hätte mir mehr als einmal fast selbst die Kehle durchgeschnitten.
Mein Äußeres hatte sich während der langen Monate verändert. Die Haare trug ich zwar noch immer kurz, wie es für einen Padawan üblich war, aber der Zopf fehlte. Ich hatte mich in einer kalten Nacht voller Selbstzweifel selbst zum Jedi ernannt, indem ich ihn abschnitt.
Außerdem kleidete ich mich jetzt komplett dunkel. Stoffhosen, kniehohe Stiefel und ein weites Hemd mit einer engen Lederweste darüber. Ich hatte solche Kleider, wie ich sie jetzt trug, schon als Jüngling auf Abbildungen von Sith gesehen. Stets düstere Gestalten in nöch düstererer Kleidung. Es gefiel mir, mich wie ein Sith anzuziehen, auch wenn ich keiner war. Ich wollte keiner sein. Man hatte mich auf mich selbst gestellt hier zurück gelassen und genau so lebte ich jetzt. Mich interessierte kein Reichtum, ich wollte die Galaxis nicht beherrschen. Ich wollte nur stärker werden, um mich an meinem scheinheiligen Meister  rächen zu können. Ich betrachtete kurz die Narbe, die hinter meinem rechten Ohr begann, über meine Brust und meinen Bauch verlief und schließlich kurz über meiner linken Leiste endete. Es hatte Ewigkeiten gedauert, bis die Wunde so weit verheilt war, dass ich Geld verdienen konnte. Der Heilungsprozess war äußerst schmerzhaft, doch sie erinnerte mich an den Verrat, dem ich zum Opfer gefallen war. An die Rache, die ich nehmen würde. Als Yoda in meiner Zeit als Jüngling noch mein Meister war, hat er oft davon gesprochen, dass Furcht in einem Menschen unweigerlich zu Hass wird und dass Hass eine Schwäche der Sith sei. Doch was passiert, wenn man den Hass in seiner eigenen reinen Form empfindet?
Ich unterbrach meine Gedanken und zog mich fertig an. Ich wollte nicht zu spät kommen.

                                                                                 * * *
                                                                         (Zeitsprung)

„Wo warst du so lange, hä?“

fragte Tok, mein heutiger Arbeitgeber.Ein Blick meinerseits genügte allerdings, um ihn zum Schweigen zu bringen. Ansonsten reagierte ich nicht.

„Also schön. Dem Vieh, gegen das du heute kämpfst, hat noch niemand auch nur ansatzweise etwas anhaben können. Es hat mehrere der besten Gladiatoren der umliegenden Systeme auf dem Gewissen.“

„Ich bin kein Gladiator.“

sagte ich nur und richtete meine Konzentration auf die unglaubliche Kraft, die in den Kerkern unter der Arena eingeschlossen lauerte.

„Ach ja. Du bist ja frei. Vergesse ich manchmal völlig.“

Tok ließ ein aufegsetztes Lachen hören.

„Sei trotzdem vorsichtig. Du machst einen guten Preis und ich will mir keinen neuen Kämpfer suchen müssen. Das Ding ist eine echte Bestie.“

„Das wird kein Problem sein. Was ist es?“

„Ein Roper. Sagt dir das was?“

fragte er und spielte ein bisschen an dem Geldbeutel herum, der an seinen Gürtel gebunden war. Wahrscheinlich nicht seiner. Ich schüttelte den Kopf.

„Mmmhh. Schwer zu beschreiben. Sie haben es von irgendeinem dieser Höllenplaneten hinter dem Outer Rim geholt. Hätten es mal lieber da lassen sollen.“

Er stieß mich an, aber ich lachte nicht.

„Stell dir einfach ein großes Raubtier vor. Kurzes schwarzes Fell, messerscharfe Klauen. Dieses Monster knackt deinen Schädel wie eine reife Melone und das ist keine Metapher. Ist erst vorgestern einem Sklaven auf der anderen Seite des Planten passiert. Und es ist schnell, ich meine, richtig schnell. Sowas hab ich noch nie gesehen. Nicht mal, als man den Gladiatoren Blaster gegeben hat, konnten sie dem Roper auch nur ein Haar krümmen.“

Ich lachte auf.

„Diese Idioten. Wenn ich ein Sklave wäre und einen Blaster in die Finger bekommen hätte, würde ich die Wachen erschießen und fliehen.“

sagte ich und sprang ein bisschen auf der Stelle, um mich warm zu machen. Tok übertrieb garantiert maßlos, aber Vorsicht war besser als Nachsicht.

„Seine Haut ist wie aus Metall, du wirst keine Chance haben. Es hat keinen wunden Punkt. Sogar der Bauch ist geschützt. Dieses Ding ist absolut unbesiegbar. Daran wirst sogar du dir die Zähne ausbeißen.“

„Jeder hat Schwachstellen. Außerdem schneidet ein Laserschwert fast alles, auch diesen Publikumsliebling, verlass dich darauf.“




Kapitel 2: Also würde ich meinen Job machen und das Falsche tun

Das erste, was mir durch den Kopf schoss, als ich zeitgleich mit dem Roper in die Arena gelassen wurde, war, dass Tok wohl doch nicht übertrieben hatte.

Die Sonne knallte und ließ die Luft über den aus Lehm gebauten Tribühnen flirren. Jetzt schlich in ungefähr 50 Metern Entfernung ein geduckter Schatten auf mich zu. Ich konnte keine Einzelheiten erkennen, nur den typischen Körperbau eines Raubtieres. Muskulös, drahtig und groß.

Meine Hand wanderte wie automatisch zu meinem Gürtel, um zu überprüfen, ob ich mein Laserschwert auch wirklich trug. Es war ziemlich unklug, den Kampf genau am Mittag zu veranstalten. Ich konnte dem Roper nicht den Rücken zudrehen und ich hatte das Gefühl, er umkreiste mich immer so, dass ich genau in die Sonne schauen musste und geblendet wurde. Gar nicht so blöd, mein Gegner.

Ich schluckte und erlaubte mir einen kurzen Blick auf die Ränge, die wie immer voll besetzt waren. Als die schnatternde und johlende Menge sah, gegen was ich jetzt kämpfen würde, wurde es plötzlich ruhig im Publikum. Innerhalb von wenigen Momenten legte sich eine angespannte Stille über den Ort des Geschehens.

Plötzlich hörte ich unangenehm laut mein eigenes Atmen. Ein schwaches Grollen drang an meine Ohren. Der Roper bewegte sich zwar, blieb im Umkreis von 10 Metern aber am selben Fleck. Was hatte er vor? Er wirkte, als wartete er den richtigen Moment zum Angreifen ab, aber dazu war er doch viel zu weit entfernt. Außerdem legte ich es nicht darauf an, ihm zu schnell zu nah zu kommen, denn ich konnte seine mächtige Aura bis hierher spüren. Er war in heller Aufregung, denn er witterte frisches Fleisch- mein Fleisch.

Irgendetwas an seiner Aura kam mir merkwürdig vor. Vertraut und doch wieder nicht. Ich konnte mir das nicht erklären. Von einem Moment auf den anderen verschwamm der Schatten plötzlich und ich sah nur noch schemenhaft, dass er mich angriff.

Diese Geschwindigkeit! Damit hatte ich am allerwenigsten gerechnet. Meinen blitzschnellen Reflexen verdankte ich es, dass ich diesen ersten Angriff überlebte.
Genau in dem Augenblick, in dem ich mein Laserschwert endlich in Händen hielt, prallte der Roper mit hoher Geschwindigkeit gegen mich und schleuderte mich gut 5 Meter weit über den sandigen Platz, wo ich ächzend auf dem Rücken landete. Ein Zischen, ein Jaulen und der Roper war genauso schnell wieder verschwunden, wie er gekommen war.
Trotz meines harten Sturzes rappelte ich mich sofort wieder auf und suchte den Kampfplatz mit den Augen ab. Wo war er hin? Ich musste jetzt ganz ruhig bleiben, nicht in Panik geraten und an das denken, was man mir beigebracht hatte. Da entdeckte ich ihn in einer Ecke der Arena. Er versuchte verzweifelt, die Wunde zu lecken, die mein Schwert beim Zusammenstoß eben geschlagen hatte.

Ich ging langsam rückwärts und ließ ihn keinen Moment mehr aus den Augen. Noch so einen Überraschungsangriff konnte ich mir nicht leisten. Beim nächsten Mal verlor ich sonst vielleicht einen Arm oder gleich mein Leben.
Ich hatte noch nie ein Wesen gesehen, das sich über so weite Distanzen so schnell bewegen konnte. Da stimmte doch etwas nicht.

Ich sah die leuchtend gelben Augen blitzen, als der Roper seinen Blick wieder auf mich richtete. Und als wir uns ansahen, in die Augen des jeweils anderen blickten, da merkte ich, was diesen Roper von den anderen Bestien unterschied, die ich bisher erledigt hatte.

Dieses Wesen war sensitiv für die Macht. Es konnte- wenn auch unbewusst- die Macht nutzen. Sie war es, die es so schnell wie einen Pfeil und so stark wie eine Dampfwalze machte.

Ich stellte mich wieder aufrecht hin und deaktivierte mein Lichtschwert. Ich zwang mich, ruhig und gleichmäßig zu atmen, dann schloss ich die Augen und sandte meine Gedanken aus. Vielleicht funktionierte es ja wie bei anderen Tieren und ich konnte ihn beruhigen. Wenn man ein Wesen davon überzeugte, dass man eng mit der Macht in Verbindung stand und ihm nichts böses wollte, gewann man schnell dessen Vertrauen. Das konnte in einigen Situationen recht nützlich sein und ich wollte ein Wesen, in dem die Macht so stark war, nur ungern töten.

“Was machst du denn da?!” hörte ich Tok vom Rand der Loge aus schreien. Dieser Ehrenplatz stand ihm zu, da ich heute in seinem Auftrag hier war. Jetzt, wo ich mich dem Untier unbewaffnet stellte, sah er natürlich seinen enormen Anteil am Gewinn davonschwimmen. Der Roper richtete seine Aufmerksamkeit jetzt auf ihn und kümmerte sich erstmal nicht mehr um mich. Doch diese Zeit hatte mir schon gereicht. Er war nicht zugänglich, ließ mich nicht in seine Gedanken eingreifen. Beinahe schade, doch dieses Wesen besaß keinen Verstand- man konnte es nicht zum Jedi machen. Also würde ich meinen Job machen und das Falsche tun.

“Hey!” Ich pfiff leise durch die Zähne, um den Roper wieder anzulocken. Mein wieder aktiviertes Lichtschwert in der Hand, bewegte ich mich etwas und machte zwei Schritte nach vorn. Sofort fuhr das Untier herum und nahm mich wieder ins Visir.
Ich konzentrierte mich, ließ die Macht in mir aufflammen, wie eine Fackel in der dunklen Nacht.

“Na komm doch...” murmelte ich leise vor mich hin und brachte mich in Kampfposition. Ich wartete, das Schwert mit beiden Händen hoch über dem Kopf, auf das Zeichen eines Angriffs. Dann sah ich das verräterische Zucken, welches ankündigte, dass sich der Roper in Bewegung setzte. Ich blinzelte und das nächste Mal, als ich ihn sah, war er nur noch eine Armlänge von meinem Gesicht entfernt. Ich arbeitete allerdings voll mit der Macht und hatte das längst gespürt. Ich hatte nur auf den richtigen Augenblick gewartet, um zu springen.

Es war ein eindrucksvoller Anblick, den der unter mir entlangschießende Roper bot. Er war so schnell, dass man nur Schlieren erkannte, wie bei verlaufender Farbe auf einem Blatt Papier.

Ich schwang meine Waffe. Wieder ein ohrenbetäubendes Jaulen und dieses Mal auch ein Sturz. Ich hatte gezielt. Eines der Energiezentren- Kraftwerke des Körpers, wenn man so will- saß bei diesem Geschöpf in den Schultern. Mit meinem Hieb hatte ich beide Schulterblätter sowie zahlreiche Sehnen und Muskeln schwer beschädigt.
Verzweifelt versuchte der Roper, wieder auf die Beine zu kommen, doch sein Körper versagte. Der Geruch von verbranntem Fleisch stieg mir in die Nase. Ein letztes Mal versuchte ich, Kontakt zu diesem Wesen aufzunehmen- vergebens, denn in seiner Raserei bekam es nichts mehr mit. Am Rand nahm ich war, dass die Menge jubelte. In mir sträubte sich alles dagegen, einen so würdigen Gegner wie Vieh vor den Augen aller zu schlachten, doch ich hatte keine Wahl. Fressen oder gefressen werden. Das hatte mir Qui Gon nie beigebracht, dass musste ich allein auf Tatooine lernen.

“Gleich wirst du für immer eins mit der Macht sein, mein Freund. Du hast gut gekämpft.” sagte ich leise zu dem Roper. Dann holte ich aus und beendete es.



Ende von Teil 1

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