Im Tal der dunklen Lords




Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Die Sonne ging über dem schmalen, von Felshängen umgebenen Tal unter und tauchte den Himmel mit ihren letzten Strahlen in ein apokalyptisches Rot, das sich mit dem grau-braun des aufsteigenden Staubes vermischte.
Dunkle, geflügelte Schatten, vielleicht große Vögel, vielleicht auch bedrohlichere Lebewesen, glitten lautlos durch die Dämmerungslüfte. Ab und zu stießen die finsteren Umrisse hinab ins Tal und dann zerrissen Todesschreie die Stille. Hier und da rührten sich Schemen von anderen Lebewesen, größeren Tieren, die auf der Lauer lagen, sich gegenseitig jagten.
Sie alle bewegten sich vorsichtig, wussten sie doch instinktiv, dass ein einziger Moment der Unachtsamkeit zu einem qualvollen, plötzlichen Ende durch die Klauen und Fänge anderer Jäger führen konnte, die genau so grausam waren wie sie selbst. Der Tod kam hier schnell und leise, die Nacht nahm erneut den Planeten in Besitz, auf dem sie geboren wurde.
Denn dies war Korriban, das Herz der Dunkelheit, eine Hölle aus Staub, Schatten und Schmerz.
An einigen Stellen wurden die schroffen, zackigen Felsen von steinernen Zinnen durchbrochen, gewaltige, schwarze Statuen hielten stumm ewige Wacht über den Gräbern längst vergessener Kriegsherren, deren Knochen schon lange zu Staub zerfallen waren.
Nur ihre Namen blieben. Ajunta Pall, Marka Ragnos, Tulak Hord, Naga Sadow.
Die größten der alten Lords der Sith. Dies war ihr Ort, ihre Ruhestätte.
Das Tal der Dunklen Lords.
Auf den ersten Blick schien es verlassen, doch jeder, der dies annahm, würde rasch eines besseren belehrt werden. Hungrige, tödliche Kreaturen schlichen durch die verfallenen Gänge der Grabkammern, pervertiert, verzerrt und in den Wahnsinn getrieben von der dunklen Seite der Macht. Hier war die Finsternis stark und das Tal, Korriban selbst, pulsierte vor Hass und Bosheit, war Eins mit der dunklen Seite.
Manchmal wagten sich Besucher von anderen Welten hierher, kamen um die Grabkammern zu plündern und auf der Suche nach uralten Artefakten, doch nur selten verließ einer das Tal lebend.
Die Wenigen, denen es gelang sich der boshaften Bestien zu erwehren, deren rötliche Augen in ewigen Hunger die Landschaft nach Beute absuchten, wurden von ihren Erlebnissen in den Wahnsinn getrieben, kamen als sabbernde Irre oder zitternde Nervenbündel nach Hause, die sich an beinahe nichts erinnern konnten. Einige stammelten etwas von Echsendämonen, die aus dem Nichts auftauchten, andere schrieen panisch von flatternden Flügeln und Heulen in der Finsternis. Korriban war tödlich für alle Lebewesen und besonders für alles intelligente Leben.
Doch selbst hier gab es einige wenige Ausnahmen.
Die fünf Gestalten, die durch den Eingang des Tales schritten, gehörten zu diesen Ausnahmen.
Alle Fünf waren in dunkelstes Schwarz gekleidet, sie schienen fast wie lebendige, atmende Schatten. Drei der Gestalten trugen Umhänge mit Kapuzen, die sie tief ins Gesicht gezogen hatten, sodass kein Teil ihres Körpers zu sehen war. Die Köpfe der anderen zwei waren unverdeckt.
Einer war offenbar ein Twi´lek von dunkler, violetter Hautfarbe. Seine Lekku, die tentakelartigen Fortsätze an seinem Hinterkopf schienen etwas heller, durchsetzt mit grau und ein wenig weiß. Die Züge des Twi´leks waren entspannt, doch seine Augen blickten
entschlossen drein.
Die andere unverhüllte Gestalt schien ein männlicher Mensch zu sein, doch es war nicht genau zu erkennen. Eine rötlich schimmernde, dunkle Maske verhüllte seine Züge.
Die Haare des Maskierten waren schwarz und kurz geschnitten, die Haut an seinem Hals blass.
Der Blick aus den blauen Augen des Mannes schien kalt und gefühllos, passte zu den ausdruckslosen, unbeweglichen Zügen des roten Metalls, das sein Gesicht verhüllte.
Im gleichem Moment, in dem sich die letzten Strahlen der Sonne in ihrem ewigen Kampf den Schatten der Nacht geschlagen geben mussten, erreichte die kleine Gruppe ihr Ziel.
Es war eine weite, ovale Absenkung, umgeben von halb verfallenen Steinsäulen.
Die Gestalten verharrten, fünf Augenpaare suchten die Umgebung ab.
Hier und da lagen angenagte Knochen, ab und zu sogar ein beinahe vollständiges Skelett, das von den Zähnen einer großen Kreatur geknackt worden war, die an das Knochenmark kommen wollte. Eine stumme, tödliche Warnung Korribans selbst an alle Eindringlinge.
Die fünf Schwarzgekleideten beachteten die Knochen nicht, konzentrierten sich wohl auf die rot glühenden Augenpaare, die sie von allen Seiten betrachteten. Hunger und Wahnsinn leuchteten aus zahllosen Blicken, als die Kreaturen Korribans näher schlichen, den Kreis um die Gruppe enger zogen. Doch die Neuankömmlinge unternahmen nichts, keine Waffen wurden gezückt.
Die Fremden strahlten eisige Zuversicht aus.
Dann erklang ein Zischen. Man konnte nicht erkennen, welche der Gestalten es ausgestoßen hatte, oder ob es natürlichen oder mechanischen Ursprunges war, doch das Geräusch schnitt wie ein Messer durch die angespannte Stille.
Die Jäger Korribans hielten inne, viele schüttelten knurrend die missgestalteten Köpfe.
Dann, einer nach dem anderen, zogen sich die Kreaturen zurück, verschwanden wieder in den Schatten. Nun endlich wandten sich die Gestalten einander zu.



Sie standen in einem lockeren Kreis, sich gegenseitig beobachtend. Minuten vergingen.
Dann griffen zwei der Verhüllten zu ihren Kapuzen und zogen sie über den Kopf zurück.
Die größte der Gestalten, breitschultrig und massig, schien ein Hissek zu sein. Sein reptilienartiges Gesicht war von dunkelgrünen Schuppen bedeckt, die ledrigen Lippen verzogen sich zu einem selbstsicheren Lächeln, das eine beeindruckende Anzahl bösartig gekrümmter, messerscharfer Zähne sehen ließ. Die unmenschlichen schwarzen Augen des Hissek waren auf die Gestalt ihm gegenüber gerichtet, die wütend zurückstarrte.
Der Geonosianer, dessen insektoider Kopf sich einen halben Meter tiefer befand, als das Gesicht des Echsenwesens, war von rötlichbrauner Hautfarbe. Seine Mundwerkzeuge klapperten aufgeregt gegeneinander, während die großen Facettenaugen vor mühsam unterdrückter Wut funkelten. Eine dreifingrige Hand kam aus den Tiefen seines Mantels zum Vorschein, der Geonosianer strich wie beiläufig über einen seiner Fühler. In Wirklichkeit diente diese Geste jedoch dazu, das Wahrnehmungsvermögen des Insektoiden zu erhöhen.
Der Twi´lek und der maskierte Mann beobachteten stumm diesen Zweikampf der Blicke, ließen dabei einander aber nicht aus den Augen. Ansonsten standen sie bewegungslos da.
Die fünfte Gestalt, die einzige, deren Gesicht noch immer von ihrer Kapuze verhüllt war, klatschte einmal in die Hände. Sofort sanken die anderen vier zu Boden, die Augen geschlossen.
Bald schon verlangsamte sich ihre Atmung, bis sie schließlich kaum noch vorhanden war, und die vier traten die Reise nach innen an.
Die stehende Gestalt beobachtete sie schweigend bei ihrer Meditation. Ihre Kapuze war ein Stück weit nach hinten gerutscht und man konnte nun erkennen, dass es ein Mensch war, der sich darunter verbarg. Die Haut seines Gesichtes war weiß und faltig, wirkte halb tot. Tiefe Rillen und Narben zogen sich über Nase und Kinn des Mannes, seine Wangen schienen von Krankheit verunstaltet. Dieses Gesicht war eines, auf dem unzählige harte Kämpfe ihre Spuren hinterlassen hatten. Dies war Darth Magos, Meister der dunklen Seite, Beherrscher der Macht, einer der letzten großen Lords der Sith. Und der Blick aus seinen gelben Augen ruhte auf seinen Schülern.
Ein zufriedenes Lächeln umspielte die zerstörten Lippen.
Diese vier waren seine Besten, die Besten von all den unzähligen Wesen, welche Darth Magos in seinem Jahrhunderte währenden Leben auf den Pfad zu Dunkelheit und wahrer Macht geführt hatte. Jeder von ihnen beherrschte die Techniken der Jedi und der Sith meisterlich, alle vier waren sie mit dem Lichtschwert beinahe unbesiegbar. Alle waren sie gnadenlos und schreckten vor nichts zurück um ihre Ziele zu erreichen. Vier wahre Sith.
Und doch so verschieden, innerlich wie äußerlich.
Darth Magos ergriff die Macht, beugte sie seinem mächtigen Willen. Hier, im Herzen Korribans, gelang es ihm mehr als mühelos. Er war Eins mit der Dunklen Seite, eins mit den uralten Gräbern, die ihn umgaben, eins mit dem Boden unter seinen Füßen. Es war berauschend.
Der Sithlord benutzte die Macht und seine Wahrnehmung veränderte sich.
Helle, leuchtende Farben umspielten nun die Körper seiner Schüler, während alles andere blass und unwirklich erschien.
Die Auren der Vier zeigten in Farbe und Form die Gefühle und geistige Stärke, die sie besaßen.
Darth Magos lächelte erneut. Während sich die Auren von gewöhnlichen Menschen kaum weiter als zehn Zentimeter von ihrem Körper entfernt ausdehnten und die Auren von ausgebildeten Jedi und Sith kaum jemals breiter waren als einen halben Meter, bot sich hier ein anderes Bild.
Die Farben tanzten und wirbelten beinahe zwei Meter weit um seine Schüler herum, gingen ineinander über. Wenn es nicht verschiedene Farbtöne gewesen wären, hätte nicht einmal Darth Magos erkennen können, wo die eine Aura aufhörte und die andere begann. Wahrlich, diese vier Schüler waren mehr als begabt.
Der Sithlord richtete seine Aufmerksamkeit auf die einzelnen Farben. Hier, mehr als irgendwo anders, konnte er die Unterschiedlichkeit der vier meditierenden Schüler erkennen. Es war stets faszinierend, es sich anzusehen.
Sogar so tief in ihrer Meditation wirbelten ihre mächtigen Persönlichkeiten um sie herum, ihr Selbstvertrauen und ihr Können strahlten regelrecht von ihnen aus. Sogar für die Macht unempfindliche Wesen mussten es spüren.
Für Darth Magos war es sogar dann beeindruckend, wenn er nicht in der Macht versunken war.
Nun wandte der alte Lord der Sith seine Aufmerksamkeit dem Twi´lek zu.
Darth Mael. Hochgewachsen und schlank, zeugten all seine Bewegungen von Eleganz und Anmut. Trotzdem waren seine Fertigkeiten mit der leuchtend silbernen Doppelklinge, die er bevorzugte, mehr als beeindruckend, seine Kampftechnik mehr als tödlich.
Die Aura des Twi´lek bewegte sich langsam und behäbig, waberte um ihn herum. Purpur, die Farbe der Könige, war vorherrschend, deutete auf Arroganz hin und auf die Verachtung gegenüber allem Leben. Darth Mael war von den vier Anwesenden Darth Magos erster Schüler gewesen und er war auch jetzt noch derjenige mit dem größten Gefolge. Als kühler Taktiker und begeisterter Intrigant, erfüllt von Hochmut und Stolz, verinnerlichte er die Grundsätze aller Lehren der Sith. Der dunkle Lord streifte beiläufig die Gedanken seines Schülers und stieß auf wispernde Stimmen. Sogar jetzt noch, tief in der Meditation versunken, plante und intrigierte Darth Mael weiter. Sein verwinkelter, messerscharfer Verstand wog Möglichkeiten ab, versuchte jede Situation wie ein Dejarik – Spielbrett zu analysieren um den besten Weg zu finden, sich selbst noch mehr Macht zu verschaffen.
Zufrieden zog Darth Magos sich zurück, richtete seine Aufmerksamkeit auf den Hissek, auf Darth Aspis. Die Aura des Reptiliden war massiv wie eine Mauer. Dunkle Rottöne wurden von noch dunkleren, fast schwarzen Stellen unterbrochen. Hass und eisern beherrschte Wut, vermischt mit dem Wunsch zu töten. Der Hissek war die perfekte Mordmaschine. Blitzschnell und von unglaublicher Körperkraft, fähig wie ein Schatten mit der Dunkelheit zu verschmelzen.
Hass und blanke Mordlust trieben ihn an, doch obwohl es Darth Aspis wie kein anderer genoss, Furcht und Schmerz zu verbreiten, konnte er sich mühelos beherrschen, wenn es nötig war. Außerdem war er keineswegs dumm.
Darth Magos Blick zuckte zum Gürtel seines Schülers wo, wie er wusste, neben den zwei kurzen, dunkelgrünen Lichtschwertern auch noch andere Waffen hingen. Aspis war ein Meister im Einsatz vergifteter Wurfklingen sowie anderer leiser Geräte des Todes. Im Kampf fehlte ihm vielleicht die Eleganz des Twi´lek – Sith, aber der Hissek war nicht minder tödlich.
Nach einem weiteren Blick auf die Aura des Reptiliden wandte sich der Sith Lord von seinem zweiten Schüler ab. Seine unsichtbaren Fühler wanderten weiter, erreichten den Geonosianer.
Sofort spürte er Wut und den Geist verschlingenden Zorn, die von dem Geschöpf ausgingen.
Darth Shinjaks ganzer Körper vibrierte förmlich vor Emotion. Die Aura des Geonosianers war leuchtend rot, nur ab und zu von gelben Flecken unterbrochen. Zorn, rein und unverdünnt, gehalten nur von brüchigen Ketten der Disziplin. Doch da war auch Gier.
Darth Magos nickte leicht. Er hatte diese Kombination schon öfter erlebt, wenn auch selten so dominant und penetrant. Starke Gier nach Besitz und Macht konnten leicht zu Zorn fühlen, der gegen alle gerichtet war, die einem das Begehrte verwehrten. Manchmal kam es vor, das der Zorn stärker war als selbst die Gier, doch die des Geonosianers war beinahe erloschen, während die Flammen seiner Wut immer stärker wurden.
Darth Shinjak war in vielerlei Hinsicht eine bemerkenswerte Gestalt. Ein Einzelgänger in einem Volk, das als eng verknüpfter Schwarm lebte. Erfüllt von unglaublichem Zorn.
Seine Flügel leisteten ihm im Kampf gute Dienste und er schwang die zwei roten Lichtschwerter, die fast so lang waren wie er selbst, mit unvergleichlicher Wildheit. Seine Wut verlieh dem Geonosianer mehr Kraft, als solch ein schmächtiger, zerbrechlicher Körper zu beherrschen fähig sein sollte. Darth Shinjak lebte ständig, selbst mitten in seiner mühsam durchgeführten Meditation, eingehüllt in die Macht der dunklen Seite. Stets waren seine Gedanken bei Blut und Tod.
Einen Augenblick lang zögerte Darth Magos. Es schien ungewollt. Dann erst wanderte sein Blick zu seinem letzten Schüler.
Die rötliche Maske verlieh Darth Hinin ein bedrohliches, künstliches Aussehen. Wenn seine kalten blauen Augen so wie jetzt geschlossen waren, konnte man ihn beinahe für einen Droiden halten. Doch er war ein Mensch.
Darth Magos schauderte leicht. Er hatte vor diesem Schüler keine Angst, denn Angst war ein Gefühl, das er schon vor Jahrzehnten aus seinem Geist getilgt hatte. Dennoch, Darth Hinin war selbst ihm unheimlich. Während der alte Sithlord den Antrieb jedes einzelnes seiner übrigen Schüler verstehen konnte, ihre Kraftquelle erkannte, war er bei Hinin unfähig dazu.
Schon die Aura dieses Sith zeugte von Mysterium.
Die Hauptfarbe war ein tiefes Blau, vermischt mit Silber. Farben, die man eher bei dem Jedi erwarten würde, der Darth Hinin einst gewesen war, als bei einem Sith. Doch sie zeigten, wie er wirklich war. Immer gelassen, immer in Harmonie und Gleichgewicht. Darth Magos konnte noch immer nicht verstehen, wie eine solche Persönlichkeit dazu fähig war, die dunkle Seite so spielend zu beherrschen. Doch sie tat es.
Darth Hinin hatte seine Rücksichtslosigkeit, seine Grausamkeit schon oft genug unter Beweis gestellt, doch waren seine Taten stets unpersönlich, nicht von Gefühlen geleitet. Es war, als wären seine Gedanken ständig woanders, niemals bei der Sache. Trotzdem schien er mit dem Lichtschwert unüberwindlich, ein Meister des Kampfes. Unzählige hatte er in den Schluchten von Nephori vernichtet, zahllose im Jeditempel auf Dunkesh bezwungen.
Selbst sein Lichtschwert, das so viel mehr schien als eine Waffe, zeigte die Andersartigkeit dieses Schülers. Anstatt vollkommen aus Metalllegierungen zu sein bestand der Griff größtenteils aus poliertem Knochen. Das Licht der Kristalle, die Darth Hinin selbst hergestellt hatte, bildete eine weiße Klinge. Eine Farbe, die kein anderes Lichtschwert besaß.
Doch nicht diese Dinge waren es, die Darth Magos manchmal eine Gänsehaut verursachten. Obwohl er sicher war, dass er seinen Schüler im Kampf vernichten konnte beunruhigte es ihn doch, dass er Darth Hinins Gedanken nicht erkennen konnte. Das, und die merkwürdigen Wirbel aus... Leere, die manchmal in der Aura des Maskierten auftauchen. Ein weiteres Mysterium.
Darth Magos konnte Mysterien nicht leiden.
Gereizt zog der Lord der Sith sich in sich selbst zurück, atmete einige Male tief ein und aus. Er unterdrückte seine aufkommende Wut. Trotz allem war Darth Hinin noch lange nicht stark genug, um ihn herauszufordern. Und vielleicht würde der Tag auch niemals kommen.
Der alte Lord klatschte ein zweites Mal leicht in die Hände. Noch ehe das Geräusch verklungen war, lösten sich die vier Schüler aus der Meditation und richteten ihre Blicke auf ihren Meister.
Sie warteten geduldig, bis er das Wort ergriff, auch wenn es für Darth Shinjak schwer war, sich zu beherrschen.
Dann endlich sprach Darth Magos mit heiserer Stimme. Es war eine Stimme die zu befehlen gewohnt war.
 „Ihr wisst, wieso ich euch hierher gerufen habe.“ Es war eine Feststellung, keine Frage.
 „Schon viel zu lange dauert dieser Konflikt. Ich begrüße euren Machthunger, meine Schüler, doch die ständigen Kämpfe vernichten unseren Orden. Schon jetzt gibt es nur noch knapp ein Viertel so viele Sith wie zu Beginn unseres Krieges. Und während wir uns gegenseitig vernichten sehen unsere wahren Feinde, die Jedi, zu und lachen. Die Jedi sind es, die wir bekämpfen sollten, nicht uns gegenseitig.“
Darth Magos hielt inne, schüttelte leicht den von der Kapuze verdeckten Kopf.
 „Trotzdem, es ist wahr, dass die Sith einen Anführer brauchen werden, wenn ich nicht mehr bin. Ihr seid die besten meiner überlebenden Schüler. Jeder von euch beherrscht meisterlich das Lichtschwert, jeder ist mit der dunklen Seite so stark verbunden, wie es ein Sith nur sein kann.
Ihr alle kennt den Kodex, lebt den Kodex.“
Der Kodex. Das Glaubensbekenntnis der Sith. Die Grundlage ihrer Macht. Nur wer ihn beherrschte, konnte ein wahrer Meister - in - Dunkelheit werden. Er war das Erste, was einem Sithschüler beigebracht wurde.
Ungefragt rezitierten die Vier, als stünden sie noch am Anfang ihrer Ausbildung. Ihre Stimmen klangen wie eine.
 „Frieden gibt es nicht, nur Leidenschaft.
Leidenschaft verleiht uns Stärke.
Stärke verleiht uns Macht.
Die Macht führt uns zum Sieg.
Durch den Sieg zerbersten unsere Ketten,
wie werden frei
.“
Der uralte Kodex der Sith. Eisern und gnadenlos. Das genaue Gegenteil des schwachen Kodex der Jedi. Er verinnerlichte in sich alles, was es bedeutete, ein Sith zu sein.
Darth Magos betrachtete seine verstummten Schüler. Er lächelte zufrieden.
 „Gut. Ausgezeichnet. Ihr seid hier, um meine Nachfolge zu bestimmen. Hier, im Herzen Korribans, wo die dunkle Seite am stärksten ist, werdet ihr kämpfen. Nur einer wird überleben und nur er alleine wird zum Meister aller Sith aufsteigen, wenn ich in die Finsternis gegangen bin. Nur er alleine wird die Legionen der dunklen Seite führen.“
Der alte Sithlord winkte verächtlich mit der Hand ab.
 „Die anderen Sithlords? Ihr wisst, sie sind schwach. Sie stehen am Rande des Todes. Für den, der siegreich aus diesem Kampf hervorgeht, wird es ein Leichtes sein, ihren Widerstand zu zerschmettern.
Die Macht Korribans pulsiert in euch, meine Schüler. Die Dunkelheit beugt sich eurem Willen. Dies ist die letzte Prüfung. Zeigt mir nun, wie stark, wie gnadenlos ihr seid. Ihr wünscht euch alle die ultimative Macht. Kämpft dafür!
Darth Magos Stimme steigerte sich zu einem Schrei und er sprang rückwärts, benutzte die Macht. Er landete locker auf einer der hohen, verwitterten Steinsäulen die die ovale Absenkung um mehr als zehn Meter überragten. Keiner der Schüler beging den Fehler ihm nachzublicken.
In einem Augenblick saßen die Vier noch in einem lockeren Halbkreis, dann sprangen sie plötzlich auf und auseinander, das bedrohliche Summen von aktiviert werdenden Lichtschwertern erfüllte die Umgebung.
Eine weiße, zwei dunkelgrüne und zwei rote Klingen blitzten auf, dann eine silberne Doppelklinge. Die vier Sith standen in unterschiedlichen Eröffnungsposen da, beäugten einander regungslos. Sechs Klingen summten, ansonsten war kein Geräusch zu hören.
Von seinem erhöhten Standpunkt aus konnte Darth Magos mühelos erkennen, wie seine vier Schüler die Macht ihrem Willen beugten. Jeder sammelte beträchtliche Energiemengen. Es war beeindruckend.
Die Spannung wuchs, doch noch immer wagte niemand den Eröffnungszug zu machen. Sie alle wussten, wie gefährlich kurz ein Kampf zu viert sein konnte, wenn es jeder gegen jeden hieß.
Sie alle hatten vor, der Letzte auf den Beinen zu sein. Keiner konnte es sich leisten, den ersten Fehler zu begehen.
Dann, nach einem weiteren, angespannten Augenblick, hatte es begonnen.



Shinjak stieß einen schrillen, schnatternden Wutschrei aus und griff blitzschnell an. Darth Magos musste lächeln. Wie voraussehbar.
Der Geonosianer bewegte sich rasend schnell, mit seinen vier beinahe unsichtbaren Flügeln legte er die Entfernung zu Aspis, dem Hissek, in Sekundenbruchteilen zurück. Doch so schnell Shinjak auch war, Mael war noch schneller. Der dunkelhäutige Twi´lek stieß zu wie eine tatooinische Sandviper. Seine silberne Doppelklinge schnellte auf Shinjaks Flügel zu, doch wie aus dem Nichts schob sich ein Schwert aus weißem Licht dazwischen. Mael musste schnell rückwärts springen um zu verhindern, dass sein Schädel durchschnitten wurde. Sofort waren Hinin und der Twi´lek in einem heftigen Zweikampf gefangen, ihre Waffen zuckende Strahlen in der Luft zwischen ihnen.
Nur wenige Meter entfernt schlug eine von Aspis Klingen nach Shinjaks Kopf, doch der pfeilschnelle Angriff prallte an einem Schild blanker Wut ab. Innerhalb weniger Sekunden trafen die vier Lichtschwerter drei Dutzend Mal aufeinander. Ein Zischen und Summen und der Geruch nach Ozon erfüllten die Luft. Shinjak flog einen Salto rückwärts, parierte Aspis Energieklingen, die seinen Bauch bedrohten. Der Geonosianer stürzte mitten zwischen Hinin und Mael hindurch, nach allen Seiten gleichzeitig hackend.
Der Mensch und der Twi´lek sprangen auseinander, dann duckten sie sich blitzschnell. Zwei bösartig gekrümmte Klingen, von Aspis geschleudert, verfehlten ihre Köpfe nur um Zentimeter.
Sofort folgte die Echsenkreatur selbst, stürzte sich auf Mael. Hinin sprang hinter dem Insektoiden her, mit der weißen Klinge pfeifende diagonale Schläge austeilend.
Shinjak parierte, ging dann selbst mit machtvollen Attacken in die Offensive. Der Maskierte wurde zurückgedrängt. Die Geschwindigkeit und Kraft des kleingewachsenen Geonosianers waren ungeheuer, doch Hinin blieb gelassen, parierte konzentriert.
Inzwischen waren Mael und Aspis aneinander geraten. Beide schlugen und stachen mit hoher Geschwindigkeit, beide waren voll auf Angriff eingestellt. Ihre blitzenden Klingen woben ein verwirrendes Netz um die beiden Kämpfer, als sie immer mehr Energie aus der dunklen Seite zogen. Die vier Kämpfenden bewiesen eine Meisterschaft in der Führung ihrer Klingen, wie man sie selten sah. Andere, ob Jedi oder Sith, wären schon längst in Stücke geschlagen worden. Manche wären schon vor Erschöpfung bewusstlos geworden, obwohl der Kampf bis jetzt nicht lang gedauert hatte. Doch die Macht war stark in diesen hier. Die kraftvollen Strömungen im Herzen Korribans änderten ihre Richtungen um sie mit noch mehr Energie zu versorgen.
Und so fochten sie wie Titanen, entfesselten Urgewalten in der kümmerlichen Senke.
Darth Magos beobachtete die Vier von seiner Säule aus. Nervös leckte er sich die Lippen. Er hätte niemals gedacht, dass seine Schüler so stark geworden waren. Wie gebannt sah er weiter zu.
Der dunkelhäutige Twi´lek steigerte die Geschwindigkeit seiner Angriffe noch, wirbelte herum.
Seine silberne Doppelklinge verschwamm zu einem Tornado aus purem Licht. Aspis wich zurück, peitschte mit seinem geschuppten Schwanz nach Maels Beinen und handelte sich damit beinahe eine tiefe Wunde ein. Der Hissek schnellte rückwärts, brachte sich damit aus dem Gefahrenbereich. Die Macht seinem Willen beugend entfesselte er einen rötlichen Energiesturm, der auf seinen Gegner niederging. Mael schlug die Blitze mit seiner Klinge beiseite, wehrte sie ab, doch sein wirbelsturmartiger Angriff wurde unterbrochen.
Aspis sprang erneut vorwärts, eine Klinge zum Stoß über den Kopf erhoben, die zweite schützte seinen Körper. Plötzlich war Shinjak da, der sich von Hinin gelöst hatte. Aus dem Zweikampf wurde ein Dreikampf.
Der Twi´lek, der Geonosianer, der Hissek, sie alle hackten und stießen wild um sich, jeder kämpfte jeweils gegen die zwei anderen. Die fünf Klingen schlugen aufeinander, zuckten zurück, sausten dann blitzschnell an anderer Stelle wieder nach vorne. Jede Sekunde wurden die Kampfstile gewechselt. Kurzzeitig wurden die Attacken so schnell, das man ihnen nicht mehr mit den Augen folgen konnte. Die Kämpfenden verblassten zu zuckenden Schemen die von gleißendem, summendem Licht umgeben waren. Dann, plötzlich, sprangen sie auseinander.
Die Energiekugel, von Darth Hinin entfesselt, schlug an der Stelle ein, wo die drei geraden noch gewesen waren. Sie brannte mit einem lauten Knall ein zwei Meter breites Loch in den Boden.
Dann herrschte Stille.
Die Kämpfenden verharrten, starrten einander mit neu gewonnenem Respekt an. Sie alle hatten ihre stärksten Techniken eingesetzt, um ihre Gegner zu überwinden, doch keinem war es geglückt. Keiner schien bereit zu sein, als erster erneut anzugreifen.
Sie alle wussten, was jetzt kommen musste. Drei gegen einen. Dann zwei gegen einen. Bis nur noch zwei übrig waren. Doch wer würde sich mit wem verbünden? Wer würde wen hintergehen?
Die Vier trauten einander nicht, und das aus gutem Grund.
Einige Augenblicke vergingen in Stille. Nur das Summen der Lichtschwerter war zu hören. Plötzlich jedoch schien Aspis des Wartens überdrüssig. Mit einem markerschütternden Schrei der Macht der den Geonosianer und den Twi´Lek burtal nach hinten schleuderte stürzte der Hissek sich auf Hinin, sein auserwähltes Opfer. Noch im Laufen warf er zwei gekrümmte Klingen auf deren Schneiden ein tödliches Gift glitzerte. Die geschuppte Kreatur war so schnell dass ihr Lichtschwertangriff gleichzeitig mit dem der Wurfmesser erfolgte. Hinin wehrte eine der Klingen mit der Waffe ab und Aspis Mund verzog sich zu einem boshaften Grinsen. Jetzt hatte er ihn! Der Hissek schlug zu.
Mit einer unglaublichen Bewegung bog sich Hinin zur Seite als wären alle seine Knochen flüssig geworden. Die grünen Lichtschwerter stießen an ihm vorbei, die zweite Wurfklinge ritzte seine Maske leicht und flog dann vorbei. Aspis zögerte aufgrund dieses unglaublichen Ausweichmanövers einen Augenblick. Seine nächste Attacke kam nur den Bruchteil einer Sekunde später doch diese kurze Zeitspanne hatte gereicht. Hinin war wieder auf den Beinen. Summend schlug seine weiße Klinge die Angriffe seines Gegners beiseite.
Dann sprangen die beiden Sith blitzschnell auseinander. Darth Mael sauste mit zischender Doppelklinge nur einen Augenblick später dort hindurch wo die beiden gekämpft hatten. Sein Angriff war so voller Kraft dass er ihn nicht mehr abbrechen konnte. Brutal schlug der Twi´lek in eine der Steinsäulen ein welche die Senke begrenzten. Der mächtige Stein bebte…und brach auseinander. Mael konnte sich gerade noch mit einem hohen Sprung in Sicherheit bringen um nicht von der steinernen Masse zerschmettert zu werden. Gleichzeitig ergriff er die Macht und schleuderte einen Hagel von Splittern auf seine Gegner. Diese antworteten jeder mit einem Sith – Blitz aus reiner dunkler Energie. Arrogant wollte Mael einen Schild der Macht errichten bemerkte aber im letzten Moment dass er nicht alle drei Angriffe abwehren konnte. Mit einem hektischen, wenig eleganten Sprung brachte er sich aus der Gefahrenzone während hinter ihm die gestürzte Säule von den entfesselten Energien pulverisiert wurde. Staubschleier verhüllten kurz die Sicht. Dann wischte sie der Geonosianer mit einem Stoß der Macht beiseite.
Mael hatte die kurze Kampfpause genutzt um seinen peinlichen Beinahe – Sturz mit Hilfe der Macht in einen eleganten Salto zu verwandeln der ihn auf die Spitze einer noch etwas höheren Säule gebracht hatte. Seine Doppelklinge blitzschnell über den Kopf wirbelnd winkte er Shinjak heran. Dieser Herausforderung konnte sich der Geonosianer, beherrscht von reinem Zorn, nicht entziehen. Mit einem schrillen Wutschrei jagte er auf den purpurhäutigen Sith zu. Seine Bewegungen waren nur als verschwommene Schemen zu erkennen. Mael empfing ihn mit einem wahren Schlaghagel. Drei Klingen blitzten, die beiden Sith schlugen brutal aufeinander ein.
Währenddessen umkreisten sich Aspis und Hinin in der Mitte der Senke. Die Aufmerksamkeit von beiden war zu einem kleinen Teil bei dem Kampf auf der Säule, trotzdem waren sie bereit auf das leiseste Anzeichen von Schwäche ihres Gegners hin loszuschlagen. Noch jedoch zögerten beide. Keiner schien es eilig zu haben den anderen ein weiteres Mal anzugreifen.
Es war lange her dass jeder der vier einen gleichwertigen Gegner gehabt hatte. Keiner ihrer Kämpfe in den letzten Jahren hatte so lange gedauert. Deshalb waren sie vorsichtig.
Weder der Hissek noch der Mensch wollten einen Fehler riskieren.
Aspis begann sich langsam rückwärts zu bewegen. Er schwenkte beide Lichschwerter in langsamen Kriesen vor seinem Körper. Hinin folgte ihm nach kurzem Zögern, die weiße Klinge in einer defensiven, beidhändigen Haltung vor der Brust. Die beiden Gegner maßen sich mit Blicken. Jeder versuchte mit subtlien Machtfühlern herauszufinden was der andere als nächstes plante während er einen massiven Panzer zum Schutz seiner eigenen Gedanken eng um sich zog.
Das Blickduell währte einige Augenblicke. Plötzlich erlosch zischend die weiße Klinge des Menschen. Aspis, inzwischen links und rechts von Steinsäulen geschützt, blinzelte einmal. Welcher Trick war dies?
Der Hissek fasste eine Entscheidung…und schleuderte das linke Lichtschwert. Sich überschlagend, unglaublich schnell, sauste es auf den reglos dastehenden Hinin zu. Die Gestalt des Menschen flackerte…und verschwand. Das dunkelgrüne Lichtschwert zerschnitt die Luft dort wo gerade noch die rötliche Maske gewesen war. Nichts schien zu geschehen.
Aspis riss leicht die Augen auf. Wo war sein Gegner? Hektisch zusckte sein Blick nach links und rechts. Dann jedoch umspielte ein plötzliches, unvorhersehbares Lächeln die schuppigen Lippen des Reptiliden. Er blinzelte, machte sich bereit zuzuschlagen…und wechselte seine Sicht in den Infrarotbereich. Dann sprang er hektisch zur Seite. Ein weißes Lichtschwert, wie aus dem Nichts erschienen, schnitt durch die Säule hinter ihm. Darth Hinin selbst ließ nicht lange auf sich warten, durchbrach den Stein mit einem Stoß reiner Energie. Wieder sichtbar geworden drang er mit mächtigen, beidhändigen Schlägen auf seinen Gegner ein der jetzt, mit nur einem, kürzeren Lichtschwert klar im Nachteil schien. Aspis wehrte sich geschickt, wurde aber zurückgedrängt. Mit jeder Parade kam das Lichtschwert Hinins seinem geschuppten Körper näher. Drei weitere Schläge konnte er noch abwehren, dann drang die weiße Klinge in seine Seite. Der Gestank von verbranntem Fleisch erfüllte die Luft, doch Aspis hatte sich schnell genug weggedreht. Die Wunde war nur oberflächlich. Hinin setzte blitzschnell nach…und wurde angespien.
Grünes Gift ergoss sich in einem Schwall aus der Kehle des Hissek und traf zischend die Kleidung des maskierten Siths. Dieser sprang hektisch rückwärts, zerschnitt seinen pechschwarzen Umhang um den angesengten Teil loszuwerden. Mit einem Salto war er wieder in Kampfstellung, geduckt jeden Angriff erwartend. Aspis, nun wieder mit beiden Klingen in den Händen, die Lippen zu einem raubtierhaften Lächeln verzogen, rückte vor. Seine geschmeidigen Bewegungen schienen durch die Wunde an seiner Seite nicht im Geringsten behindert.
Dann prallte mit einem lauten Knall Darth Maels Körper, von oben herabgeschleudert, in den Boden. Der Twi´Lek zog eine rauchende Schneise in den Boden Korribans, wie ein abgestürztes Raumschiff. Sich abrollend kam er jedoch blitzschnell wieder auf die Beine. Seine Kleidung war angesengt, seine linke Hand hing merkwürdig schlaff herab. Er hielt die silberne Doppelklinge mit der rechten, wirkte aber noch immer ungebrochen selbstsicher. Einen Augenblick lang musterten sich die vier Sith. Hinins Kleidung war versengt, seine Maske durch einen langen Kratzer verunstaltet. Aspis war verletzt, wenn die Wunde auch nicht so schwer war wie die Maels. Shinjak klammerte sich an der Spitze einer Säule fest. Eine seiner vier Hände fehlte, eine Brandwunde zog sich quer über seinen Oberkörper. Wut funkelte in seinen Augen. Doch selbst er zögerte. Stumm musterten sich die vier Sith. Sie alle wussten: die Zeit Bündnisse zu schließen war gekommen. Und bald danach die Zeit sie zu brechen. Verrat war der Weg der Sith.



Regungslosigkeit. Jeder der vier Kämpfer versuchte alle seine Gegner gleichzeitig im Auge zu behalten, sie unaffällig einzuschätzen. Wer von ihnen war am der am schwersten Angeschlagene? Wer hatte noch am wenigsten Kraftreserven übrig? Wer würde einen guten Verbündeten abgeben?
Hinin war der einzige Unverletzte, doch er atmete schwer. Der bisherige Kampf schien ihn viel Energie gekostet zu haben. Mael und der Geonosianer waren beide verletzt, schienen sich ihrer Wunden aber kaum bewusst zu sein. Konnte der Twi´lek das doppelte Lichtschwert mit einer Hand mit der gleichen Meisterschaft führen wie mit beiden Händen?
Auch Aspis wirkte müde. Die Wunde an seiner Seite war zwar nur ein Kratzer doch ein unmerkliches Heben und Senken der Schultern beim Atmen ließ auf einen gewissen Grad der körperlichen Erschöpfung schließen. War er in der Lage den Kampf wirkungsvoll fortzusetzen?
Ein leises Zischen schnitt durch die Luft, Lichtschwerter wurden deaktiviert. Grüne, slberne, rote  und weiße Klingen verschwanden. Stille. Ein leichter Lufthauch wirbelte toten Staub in der Senke auf, brachte ein paar Knochen dazu über den Boden zu rollen. Aus weiter Ferne erscholl das vielstimmige Heulen einer Tukata – Meute auf der Jagd. Noch immer regte sich keiner der vier Sith. Es war als seien sie versteinert. Nur ihre Blicke zuskten hin und her, maßen sich im stummen Wettstreit des Willens. Unter der Oberfläche jedoch begann es zu brodeln.
Die Kämpfer sammelten Energie. Ströme der dunklen Seite flossen aus dem Boden und der nächtlichen Luft in sie hinein. Finstere Macht durchflutete müde Muskeln, erfrischte den Körper. So tief in der Dunkelheit versunken begann ein rötliches Licht um die Körper der Sith zu spielen. Knisternde Energiewellen stießen in der Senke aufeinander, maßen sich in einem brutalen, schonungslosen Kampf, ohne dass die Kämpfer selbst sich auch nur gerührt hätten.
Dann rollte der Knall lauten Donners über den Himmel. Schwarze Wolken schienen sich zusammenzuziehen, die kümmerlichen Reste des Tageslichtes aus dem gesamten Tal zu vertreiben. Es wurde endgültig dunkel. Es wurde Nacht.

Vereinzelte, massige Tropfen eines schlammerfüllten, dunklen Regens begannen herniederzugehen und zerplatzten mit lautem Schmatzen auf dem Boden. Das Geräusch schien wie der verhaltene Applaus missgestalteter Hände.
Noch immer rührte sich keiner der Sith, weder die vier in der Senke noch Darth Magos auf seiner steinernen Säule. Sie alle waren schon bald bis auf die Knochen durchnässt. Keinen schien es zu kümmern. Beißend kalter Wind fegte durch die Senke. Der Applaus schien anzuschwellen.
Schwarze Roben bauschten sich auf, Umhänge schienen trotz aller Nässe zu flattern. Für Darth Magos sah es einen Augenblick lang so aus als würden nicht Sith, sondern vier gewaltige Fledermäuse mit gespreizten Flügeln in der ovalen Einbuchtung zu seinen Füßen kauern.
Rötlich glühtende Augen durchdrangen die pechschwarze Finsternis mühelos.   
Dann stieß der Hissek ein tiefes Knurren aus. Klingen wurden summend aktiviert. Zischend trafen Regentropfen auf die vielfarbigen Stäbe aus Licht und lösten sich auf.
Der Regen wurde stärker. Donner rollte erneut über den Himmel. Ein einzelner Blitz zuckte hinab, tauchte die Szene einen Augenblick lang in surreales Licht. Und dann hatte es erneut begonnen.

Die Sith schnellten los, nach vorne. Keine Spur mehr war von Müdigkeit oder Verletzung geblieben. Klingen zuckten aufeinander zu, nicht langsamer, schneller noch als zu Beginn des Kampfes. Summend wurden Lichtschwerter aus dem Weg geschlagen, Energiefelder knisterten bei ihrem Aufeinandertreffen. Ohne einen bemerkbare Absprache hatten sich zwei Parteien gebildet: Mael und Hinin auf der einen, Shinjak und Aspis auf der anderen Seite.
Der Hissek war ein Wirbel reiner Vernichtung, schneller und kraftvoller als jemals zuvor. Seine rotierenden Klingen trieben beide seiner Gegner zurück. Immer wieder griffen seine Schreie in der Macht den mentalen Schild des Menschen und des Twi´lek an. Shinjak beschränkte sich darauf ihre Gegenstöße mit seinen eigenen, längeren Lichtschwertern abzublocken.
So wirbelten und sprangen sie quer über den Kampfplatz, von einer Säule zu nächsten. Lansgam schien die Energie der Unterlegenen zu versiegen, Shinjak und Aspis setzten nach.




Immer wieder konnten Hinin und Mael tödliche Schläge nur mit äußerster Mühe abwehren, keiner von beiden hatte viel Gelegenheit um einen Gegenangriff zu starten. Nicht einmal die Macht der dunklen Seite die sie in sich trugen konnte vor Aspis Mordlust und Shinjaks brutalem Zorn bestehen. Auf seiner Säule beugte Darth Magos sich ein Stück nach vorne. Bald würde es vorbei sein. Bald.
Nun jedoch schien Hinin seinen letzten Trumpf aus dem Ärmel zu ziehen. Die Finsternis in sich mit einer einzigen Bewegung freisetzend murmelte er ein einzelnes, düsteres Wort in der finsteren Sprache der alten Sith. „Shakh“.
Und plötzlich war alles anders. Wolken aus rötlichem Licht brachen aus den Augen hinter der Maske hervor und begannen rasch zu wachsen. Jede dieser Wolken nahm schnell humanoide Gestalt an. Aspis und Shinjak sprangen rasch zurück. Rücken an Rücken, mit summenden Lichtschwertern, nahmen sie Verteidigungspositionen ein. Denn sie waren umzingelt.
Ein Kreis aus dunklen Gestalten hatte sich um sie geschlossen. Jede trug ein weißes Lichtschwert und verbarg ihr Gesicht hinter einer rötlichen, metallisch glänzenden Maske. Jede der Gestalten war Hinin. Es waren über zwanzig.
Maskierte Gesichter nickten in einem spöttischen Salut, weiße Klingen hoben sich in Angriffsstellung. Mael beobachtete alles von einer Säule aus. Grinsend sammelte er dunkle Macht in seinen Händen. Das Blatt hatte sich gewendet. Die Maskierten sprangen voran.
Ein Hagel von Schlägen prasselte von allen Seiten auf Shinjak und seinen Gefährten ein. Die beiden Sith wehrten sich verzweifelt, ihre vier Klingen schienen überall gleichzeitig zu sein.
Ein grünes Lichtschwert durchbohrte in einer hektischen Riposte die Brust einer maskierten Gestalt…und diese löste sich in Luft auf. Die anderen jedoch zögerten keinen Augenblick.
Weiße Klingen woben ein verwirrendes Netz des Todes um die umzingelten Gegner. Aspis musste zwei kleinere Wunden an den Armen einstecken, Shinjak verlor die Spize eines seiner Fühler. Der Geonosianer stieß ein lautes, alles durchdringendes Kreischen aus, das die Trommelfelle der anderen beinahe zum Platzen brachte. Und Shinjak drehte durch.
Wirbelnd stürzte er sich mitten in die Masse seiner Gegner, die Bewegungen seiner Lichtschwerter nur verschwommene Schatten aus rotem Licht. Weiße Klingen sausten auf ihn herab, prallten aber einfach an einem schier undurchdirnglichen Schild aus reinem Zorn ab. Maskierte Gestalten gingen auf allen Seiten zu Boden, lösten sich dabei auf. Und Shinjak wurde immer schneller. Sein Wutgeheul ließ die Senke erbeben, Steinbröckel lösten sich von den Säulen. Sogar der Regen schien vor einer solchen Wut zu kapitulieren. Aus einem Looping heraus zerschnitt der Geonosianer die Gesichter zweier weiterer Gegner. Die übrigen drei sprangen auseinander, von ihm weg. Sie hatten ihn lange genug aufgehalten. Mael war bereit.
Mit einer herrischen Handbewegung setzte der Twi´lek seine aufgestaute Energie frei.
Die Entladung traf die Mitte der Senke, fegte Shinjaks Machtschild beiseite. Schleuderte ihn wie eine Puppe mit zerschmetterten Gliedern durch die Luft. Eine rote Lichtklinge flackerte…und verging. Staub und Schlamm wurden meterweit in die Höhe geschleudert. Einen Augenblick lang war nichts zu sehen oder zu hören. Dann setzte der Regen wieder ein.
Der Staub legte sich. Der Geonosianer kauerte am Fuße einer Säule, die feinen Flügel zerfetzt. Sein ganzer Körper war von Brandblasen übersät, Blut rann aus einem Dutzend Wunden. Nur noch eine seiner Hände schien in der Lage zu sein ein Lichtschwert zu halten. Mael ließ seinen Blick nach rechts schweifen. Zwei Gegner weniger. Doch er irrte sich.
Aspis stand noch immer. Der schuppige Körper des Hissek dampfte, seine dunkle Robe war zerfezt, eines seiner Lichschwerter war nicht mehr zu sehen, doch er stand noch. Unbeugsam und trotzig. Und er streckte die Hand nach Mael aus. Die Finger krümmten sich in einer malmenden, zerquetschenden Bewegung.
Mit weit aufgerissenen Augen versuchte der Twi´Lek auszuweichen, einen Schild zu erreichten. Doch sein eigener schonungsloser Angriff hatte ihn zu sehr geschwächt. Sein Körper zuckte einmal…und wurde dann in die Höhe gehoben.
Aspis Hand ballte sich langsam zu einer Faust, dunkle Energie hielt seinen Gegner in einem eisernen Griff. Und begann das Leben aus ihm herauszupressen. Maels Beine zuckten, sein Körper krümmte sich. Rötlicher Schaum trat zwischen seinen Lippen hervor. Seine blutunterlaufenen Augen weiteten sich noch mehr als er verzweifelt versuchte den Griff seines Gegners zu lockern. Ein zitriger Schild nahm Gestalt an, einen Augenblick lang war Mael frei…
Aspis schleuderte ihn brutal zur Seite. Wie eine Rakete jagte der Körper des Twi´lek in eine steinerne Säule. Darth Magos, der auf dieser Säule stand, musste sich mit einem schnellen Sprung nach unten in Sicherheit bringen. Hinter ihm zerbarst der Stein in der Wucht des Aufpralls. Die Säule stürzte zu Boden.
Der alte Sithlord sah sich um. Es schien als wäre der Kampf gleich vorbei. Shinjak kauerte noch immer blutüberstörmt am Boden, Mael schaufelte sich langsam und sorgfältig aus den steinernen Trümmern frei. Er verdankte die Tatsache dass nicht alle seine Knochen gebrochen waren wohl nur der schnellen Errichtung einer Panzerung der dunklen Seite mit seinen letzten Kraftreserven. Doch auch er war zu geschwächt um weiterzumachen. Hinin war nirgendwo zu sehen. Wahrscheinlich versuchte er noch immer sich von der Anstrengung zu erholen die seine beeindurckende Technik der Vervielfachung ihm abverlangt hatte. Nur Darth Aspis stand noch,
der Sith – Assassine und Leiter eines die Galaxis umspannenden Netzwerkes aus Spionen und Mördern. Und nun wohl auch der nächste dunkle Lord der Sith.
Darth Magos machte sich auf den Weg zu seinem siegreichen Schüler. Mit einer leichten Verbeugung anerkannte er die Leistung des Hissek an dem heutigen Abend. Eine krallenartige Hand kam aus dem Inneren seiner Robe zum Vorschein und legte sich auf die schuppige Schulter seines besten Lehrlings. Einen Augenblick lang musterten sie sich schweigend, alter und neuer dunkler Lord der Sith. Keiner von beiden schien Wind oder Regen zu bemerken.
Dann nickte Darth Magos. Sein Tonfall klang, zum ersten Mal seit langer Zeit, respektvoll.
 „Gut gemacht. Du hast dich bewiesen, mein Schüler.“
Er deutete mit einer kreisenden Handbewegung nach hinten. „Beseitige die jämmerlichen Überreste deiner Gegner und der Mantel des nächsten Lords der Sith gehört dir. Der Mantel, und der Titel meines Erben. Jetzt bist du wahrhaft Darth Aspis. Drei mächtige Tote werden davon zeugen.“
Die Stimme des Alten verklang, doch noch immer rührte der Hissek keinen Muskel. Dann, nach einer weiteren Minute des Schweigens, lächelte er. Schüttelte den Kopf. Und eine Stimme hinter Darth Magos erklang. „Ich glaube nicht.“
Der uralte Dunkle Lord fuhr herum. Hinter ihm, so dicht dass sie ihn mit augestreckten Armen beinahe berühren konnten, standen Shinjak, Hinin und Mael. Alle drei hielten ihre Lichtschwerter in den Händen. Darth Magos Gedanken rasten. Würde der Kampf jetzt fortgesetzt werden? Dann ergriff Mael das Wort und ein Verdacht den der alte Sith schon seit langem gehegt hatte wurde zur schrecklichen Gewissheit.
 „Nicht drei Leichen, mein alter Lehrer.“ Die Stimme des Twi´lek klang triumphierend.
 „Nicht drei Leichen. Nur eine. Wir haben entschieden dass heute nur einer sterben soll. Der Schwächste. Und das, alter Mann, bist du. Deine Zeit ist vorbei.“
Entsetzt zündete Darth Magos seine rötliche Klinge, versuchte eine Verteidigungsposition einzunehmen. Es war viel zu spät. Dunkle Energie überflutete ihn von allen Seiten, brachte ihn aus dem Gleichgewicht. Zerschmetterte seine Verteidigung. Drang in seine Gedanken ein. Zwei, drei Schläge konnte er abwehren, dann schlizte Aspis Schwert seine Seite auf. Maels Doppelklinge bohrte sich in seinen Unterbauch. Shinjak hackte ihm mit einem raschen Schlag einen Arm ab. Hinins weiße Klinge durchstieß seine Brust.
Dath Magos ging zu Boden. Sein Körper zitterte. Schmerz wischte jeden seiner Gedanken beiseite. Endlich, nach fünf Jahrhunderten, griff der Tod nach der dunklen Seele des uralten Sith.
Seine Träume nach unendlicher Macht und Unsterblichkeit zerfielen unter den kalten Blicken seiner ehemaligen Schüler zu Asche. Finsternis umfing ihn. Ein letzter Gedanke zuckte durch Darth Magos rasch zu Staub zerfallenden Kopf und mit Entsetzen erkannte er darin Maels wispernde Stimme. „Nicht du wirst bestimmen wer dein Nachfolger wird, alter Narr. Wir werden es tun. Ein neues Zeitalter der Sith bricht an. Wir werden die Galaxis ohne dich regieren. Diese Zeit ist unsere Zeit. Lebe wohl, alter Mann.“ Dann nichts mehr. Dunkelheit.
Die vier so verschiedenen dunklen Lords der Sith starrten einander über den sich rasch zersetzenden Körper ihres einstigen Meisters an. Dann nickten sie alle simultan. Und ließen die Klingen ihrer Lichtschwerter erlöschen. Sie wandten sich voneinander ab.
Aspis lachte ein knurrendes Lachen, dann verließen die Vier die Senke, verschwanden in der Dunkelheit Korribans. Jeder ging alleine, seinen eigenen Weg. Jeder wurde draußen, in der Galaxis, von einer Armee von Anhängern erwartet.
Zurück blieben nur Regen, Wind, und die verrottete Leiche eines uralten Mannes der einst von der Alleinherrschaft über alle Planeten geträumt hatte. Nun waren er und all seine Hoffnungen Staub. Dies war das Ende einer alten Ära. Für die Sith fing ein neues Zeitalter an.

ENDE