Keine größere Macht

Teil 1 von 3


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





When every moment gets too hard

The end of the road can feel so far

No matter how much time we’re apart

I’m always near you

 

I’ll be the shelter in your rain

Help you to find your smile again

I’ll make you laugh at a broken heart

Wherever you are

 

‘Cause I’m never gonna walk away

If the walls come down someday

All alone and you feel afraid

I’ll be there, when you call my name

You can always depend on me

I believe until forever ends

I will be your friend

 

So many people come and go

But nothing can change and you I know

You’ll never be just a face in the crowd

And time will show

 

Through the seasons and the years

I will always hold you dear

Never you fear

 

I’ll be around when every candle burns down low

And I want you and I want you to know

(Amy Grant)

 

 

Teil 1

 

Das helle, leuchtende Licht der aufgehenden Sonne strahlte durch die Fensterscheibe in das Zimmer. Es schien die dort noch verweilende Dunkelheit mit Kraft und Macht weg zu stoßen. Kompromisslos, ohne irgendjemand zu fragen, wuchs es mit der Wildheit eines Monsters. Es drängte die Dunkelheit unbarmherzig aus dem Raum. Doch es tat nichts, wozu es nicht wirklich eingeladen worden war. Der Rollladen des Fensters war hochgezogen, um sowohl die Dunkelheit als auch das Sonnenlicht hereinzulassen. So war das Eindringen des Lichtes kein Verbrechen. Es folgte einfach nur der freundlichen Einladung.

Obi-Wan Kenobi versuchte wieder einzuschlafen, doch es war zwecklos. Unruhig und schlaflos drehte er sich von der einen auf die andere Seite und wieder zurück. Die Sonne schien ihm immer wieder hell auf sein jungendliches Gesicht. Er konnte nicht mehr einschlafen, wenn er auf diesem Weg wach geworden war. Diese frühe, morgendliche Schlaflosigkeit war vor kurzem zu einer etwas unangenehmen Angewohnheit geworden. Er war sich ziemlich sicher, woher diese für ihn ungewohnte Schlaflosigkeit kam, aber das machte nichts. Es hatte keine Bedeutung. Es war irgendwie nicht wichtig, oder etwa doch?

 

Der Jedi-Meister Qui-Gon Jinn öffnete die Türe zu dem Quartier, welches er gemeinsam mit seinem Schüler Obi-Wan bewohnte. Er betrat die Unterkunft und legte ein Datapad auf das Konsoltischen neben der Eingangstüre. Qui-Gon war ein großer, ausgeglichener Mann mit einer sehr tiefen und festen Bindung zur Macht. Er hatte braune lange Haare und leuchtende blaue Augen.

„Obi-Wan?“, rief er. „Obi-Wan? Bist du schon auf, Padawan?”

Er rechnete nicht mit einer Reaktion. Immerhin war es noch ziemlich früh am Morgen. Und er kannte seinen Schüler in der Zwischenzeit sehr gut. Obi-Wan gehörte nicht zu denjenigen, die freiwillig früh aufstanden, wenn sie eine Wahl hatten und noch im Bett liegen bleiben konnten. Er schlief normalerweise so lang es ging. Ziemlich oft musste Qui-Gon ihn aus dem Bett werfen, weil er sonst zu spät zum Unterricht kam.

Der Jedi-Meister hatte schon erwartet, dass er keine Antwort bekam.

Qui-Gon ging auf die Türe von Obi-Wans Schlafzimmer zu. Er öffnete sie ein wenig und spähte in den Raum hinein. Das Bild, das sich ihm nun bot, erstaunte und verwunderte ihn sehr.

 

Der junge Jedi stand mit dem Rücken zur Tür. Er schloss gerade eine Schreibtischschublade, die sein Körper fast vor Qui-Gons Blick verbarg.

 

„Obi-Wan?“, rief der Jedi-Meister fragend.

 

Der Padawan, der noch immer mit seinem Schlafanzug bekleidet war, drehte sich langsam zu Qui-Gon um. Er lehnte sich gegen den Schreibtisch, dessen Schublade er gerade geschlossen hatte. Seine kurz geschnittenen dunkelblonden Haare waren vollkommen zerzaust und sein Gesicht sehr blass. Seine blaugrünen Augen sahen aus, als würde ein dunkler Schatten über ihnen liegen.

Besorgt betrachtete Qui-Gon das Aussehen seines Schülers. Auch die Tatsache, dass der achtzehnjährige Teenager zu dieser für ihn sehr frühen Stunde wach und sogar schon aufgestanden war, verstärkte seine Sorge noch mehr. Selbst der gehetzt und unruhig wirkende Blick in dessen Augen entging dem Jedi-Meister nicht.

 

„Bist du krank, Obi-Wan?“, wollte er wissen.

 

Der junge Jedi zögerte. Er konnte dem prüfenden Blick seines Meisters nicht standhalten. Wortlos und angespannt schlug er seine Augen nieder und starrte er auf den Boden neben seinen Füßen. Dann sah er zurück zu Qui-Gon, der noch immer in der Türöffnung stand.

„Nein, Meister. Warum?“, antwortete er schließlich. “Wo seid ihr gewesen?”

 

„Ich wurde vor den Rat gerufen.“

 

„So früh?“, entgegnete Obi-Wan erstaunt.

 

„Ja, mein junger Padawan. Wir haben einen Auftrag bekommen. Bitte fange an zu packen“, sagte der Jedi-Meister, während er sich umdrehte und das Zimmer verließ.

 

Obi-Wan folgte ihm. Seine Stirn hatte er in tiefe Runzeln gelegt.

„Einen Auftrag?“

 

Qui-Gon blieb schlagartig stehen und drehte sich um.

 

Sein Schüler, der sich genau hinter ihm befand, rannte fast in ihn hinein. Er musste genauso abrupt anhalten. Dann ging er ein paar Schritte zurück. So konnte er dem großen Jedi-Meister ins Gesicht sehen, ohne dass er seinen Nacken verrenken musste.

 

Qui-Gon konnte sein Lächeln nicht unterdrücken.

Er legte seine Hand leicht auf die Schulter seines Padawans.

„Ja, Obi-Wan. Einen Auftrag. Packst du jetzt deine Sachen oder soll ich das für dich machen?“, fragte er ruhig, aber mit funkelnden blauen Augen.

 

„Aber...“

 

„Kein ‚Aber’, Padawan“, warf der Jedi-Meister ein. „Ich habe bereits mit den Heilern gesprochen. Sie haben ihre Freigabe erteilt. Deinem Bein geht es wieder gut. Es ist alles ganz hervorragend verheilt. Du brauchst dir keine Sorgen machen. Heiler J’Reedon hat mir gesagt, dass es keinen Grund gibt, dass du nicht wieder ganztätig deinen Aufgaben und Pflichten nachgehen kannst.“ Qui-Gon machte eine kurze Pause. Freundschaftlich drückte er die Schulter des jungen Jedi. „Ich hätte gedacht, du wärst mehr als bereit, den Tempel wieder zu verlassen. Ganz besonders, nachdem du zwei Monate die ganze Zeit hier bleiben musstest und auf keine Mission gehen durftest.“

 

Obi-Wans senkte seinen Blick auf den Boden. Noch immer runzelte er die Stirn.

„Wann fliegen wir los?“, wollte er wissen.

Er wusste, es gab keine Möglichkeit für ihn, um an diesem Auftrag nicht teilzunehmen.

 

„Das Shuttle ist bereit. Sobald du deine Sachen gepackt hast, werden wir abfliegen. Jetzt trifft es allerdings noch genauer“, fügte Qui-Gon mit einem leichten humorvollen Schimmer in seinen Augen hinzu.

 

„Jetzt? Wir fliegen jetzt los?“ Obi-Wan machte einen unbeabsichtigten Schritt nach hinten und befreite so seine Schulter aus dem Griff seines Meisters. Seine blaugrünen Augen waren weit aufgerissen. Sie schienen fast um etwas zu bitten. „Und wie lange werden wir weg sein?“

 

Der Jedi-Meister seufzte leise auf. Seine Besorgnis wegen Obi-Wan war während der Diskussion mit dem Teenager nicht geringer, sondern noch größer geworden. Er hatte das Gefühl, dass mit seinem Schüler etwas nicht in Ordnung war. Durch dessen sonderbares und merkwürdiges Verhalten wurde dieses Gefühl noch verstärkt.

„Was ist denn mit dir los, Obi-Wan? Musst du alles in Frage stellen, was ich dir mitteile? Wir werden so lange weg sein, wie es notwendig sein wird. Wenn du krank bist und deswegen nicht mitfliegen kannst, dann sage es mir doch bitte. Ich werde dann den Rat bitten, dass dieser Auftrag jemand anders übergeben wird. Was ist los, Obi-Wan?“

 

„Nichts“, antwortete der Teenager fast ein wenig zu schnell. „Es ist alles in Ordnung.“

 

„Gut. Sobald deine Sachen gepackt sind, fliegen wir los.“ Qui-Gon ging in das Schlafzimmer seines Schülers und stellte dessen Reisetasche auf das Bett. „Und nun musst du packen.“

Er begann, einige Sachen seines Padawans in die Reisetasche zu legen, während der junge Jedi ihm von der Türöffnung aus zusah.

 

„Was macht ihr da, Meister? Ich kann das selbst machen“, beschwerte er sich jammernd.

 

Qui-Gon hörte auf zu packen und drehte sich zu ihm um.

„Sehr gut“, meinte er. „Doch wir müssen so schnell wie möglich los fliegen. Möchtest du dich nicht erst einmal waschen und anziehen?”, fragte er in seiner wie immer ruhigen Art, wenn er die Antwort bereits im Voraus kannte.

 

„Ja, Meister“, wisperte Obi-Wan, als hätte er seine Stimme verloren. Diesmal sah er Qui-Gon direkt an. Erneut schien eine unausgesprochene Bitte in seinen Augen zu brennen. „Können wir nicht morgen früh los fliegen?“

 

Der Jedi-Meister schüttelte den Kopf.

„Nein, Obi-Wan. Wir fliegen los, sobald du deine Sachen eingepackt hast“, wiederholte er energisch. Bitte beeile dich damit.“

Dann drehte er sich um. Schnell verließ er das Zimmer, um so einer weiteren Diskussion oder Frage aus dem Weg zu gehen.

 

Langsam schlich Obi-Wan in das Badezimmer. Dort lehnte er sich schwer atmend und innerlich aufgewühlt gegen die Türe, nachdem sie hinter ihm ins Schloss gefallen war. Was sollte er denn jetzt nur tun? Würde er genug haben bis sie wieder nach Coruscant zurückkehrten? Er wusste, dass es keine Möglichkeit gab, mehr zu bekommen, bevor sie den Planeten verließen. Die Gedanken in seinem Kopf begann wie wild zu kreisen.

‚Was soll ich denn jetzt nur machen? Ich kann doch Meister Qui-Gon nicht sagen, dass ich nicht mitgehe. Und ich kann ihm nichts über... über... über das, von dem ich nicht möchte, dass er etwas davon weiß, erzählen! Das geht einfach nicht! Ich möchte nicht, dass er denkt, ich kann nicht auf mich selbst aufpassen. Ich bin achtzehn Jahre alt. Ich sollte in der Lage sein, meine eigenen Probleme im Griff zu haben und damit umgehen zu können. Und irgendwie ist es ja nicht wirklich ein Problem. Es ist KEIN Problem. Es ist nur etwas, mit dem ich mich befassen muss. Ich kann zu jeder Zeit aufhören, wenn ich will. Das kann ich wirklich.’ Er machte eine kurze Pause. ‚Versuche ich gerade, mich selbst zu überzeugen oder weiß ich wirklich genau, worüber ich hier nachdenke?’

Er seufzte laut auf. Resigniert nahm er eine heiße Dusche und war innerhalb kürzester Zeit gewaschen und angezogen. Er ging in sein Schlafzimmer zurück und beendete das Packen seiner Sachen. Dann ging er zu seinem Schreibtisch. Er öffnete eine Schublade und holte eine kleine Flasche aus ihr heraus. Vorsichtig, fast zärtlich, legte er diese in seine Tasche. Dabei behielt er die Türe genau im Auge, damit er nicht von Qui-Gon ertappt wurde. Danach nahm er seine Reisetasche in die Hand und verließ den Raum.

 

Sein Meister saß auf einer Couch im Wohnzimmer und las ein Datapad.

„Bist du fertig, Padawan?“, erkundigte er sich ohne aufzusehen.

 

„Ja, Meister.“

 

Qui-Gon erhob sich und nahm seine eigene Tasche in die Hand. Dann gingen sie gemeinsam zu dem wartenden Shuttle. Der Weg dorthin verlief ohne Zwischenfall. Qui-Gon ging voraus, und Obi-Wan befand sich wie immer einige Schritte hinter ihm an seiner Seite.

 

Alles schien normal und in Ordnung zu sein. Doch war es das wirklich?

Der junge Jedi fragte sich, ob sein Meister wusste, dass etwas nicht in Ordnung war. Keiner der beiden Jedi sagte auch nur ein Wort. Sie gingen einfach nur nebeneinander in Richtung des Shuttles. Obi-Wan riskierte einen kurzen Seitenblick auf den Jedi-Meister. Nichts schien anders als gewöhnlich zu sein. Warum sollte es auch? Alles war in Ordnung. War es nicht so? Dennoch verstärkte er sicherheitshalber seine mentalen Schilde.

 

 

 

 

 

*******

 

 

 

 

 

Nach dem Erreichen des Shuttlehangars checkte Qui-Gon ein. Kurz darauf erhielt er die Freigabe für ihr Shuttle. Die beiden Jedi gingen schnell an Bord und legten ihre Habseligkeiten in die Schlafkabinen.

Der Jedi-Meister ging zu Obi-Wans Kabine. Vorsichtig öffnete er die Tür.

„Obi-Wan?“, rief er seinem Schüler zu, der regungslos neben einer Schlafcouch stand.

 

‚Es ist hier’, dachte Obi-Wan. ‚Er muss etwas vermuten.’

Der junge Jedi drehte sein Gesicht zu seinem Meister. Innerlich aufgewühlt und unruhig antwortete er schließlich:

„Ja, Meister?“

 

„Hier ist das Datapad mit den Informationen über diese Mission.“ Qui-Gon hielt ihm das angesprochene Pad hin. „Du solltest es gelesen haben, bevor wir dort ankommen, Obi-Wan. Es sind einige Dinge dabei, die du unbedingt wissen solltest. Ich werde jetzt zusammen mit unserem Piloten unsere Reiseroute durchgehen.“ Er machte eine kurze Pause. „Es tut mir leid, aber es ist sehr viel zu lesen. Es kann sein, dass du einen Grossteil der Reisezeit dafür benötigst, um alles zu lesen. Ich weiß sehr viel über die Probleme mit den Cardanern. So gibt es nicht viel, das ich nicht weiß und das das Datapad mir sagen könnte.“

 

Obi-Wan nahm das Datapad wortlos in Empfang. Nachdem Qui-Gon den Raum verlassen hatte, setzte er sich auf seine Schlafcouch.

‚Oh, klasse! Das ist genau das, wovon ich die ganze Zeit geträumt habe’, dachte er sarkastisch. ‚Nun muss ich die gesamte Geschichte und Politik eines Planeten lesen, der mit völlig egal ist... Ich meine... Er ist mir nicht egal, aber... dennoch... Ich brauche etwas Hilfe, um wach zu bleiben, wenn ich den ganzen Bericht lesen muss.’

Ganz vorsichtig, als würde ihn jemand beobachten, sah er sich um. Irgendwie fühlte er sich zu müde, um alles das zu lesen, was in dem Bericht stand. Er stand wieder auf und ging in das kleine Badezimmer, das sich zwischen den beiden Schlafkabinen befand. Er schloss die Türe hinter sich und verschloss sie. Er prüfte, ob die andere Türe ebenfalls verschlossen war. Noch einmal sah er sich nervös um. Dann griff er in die Tasche seines Umhangs. Langsam zog er die kleine Flasche, die für ihn so kostbar war und die er vor den alles sehenden Augen seines Meisters versteckt hatte, aus der Tasche seines Umhangs.

‚Er MUSS es wissen. Warum würde er sich denn sonst so verhalten?’

Er schraubte den Deckel ab und schüttelte die kleine Flasche sanft gegen seine Hand. Er schüttelte sie so lange, bis eine kleine, hellgelbe Kapsel in seine Handfläche fiel. Seine Augen ruhten eine kurze Weile auf dieser kleinen Kapsel. Sie strahlte wie ein helles Licht in seiner Hand, als wäre sie der wertvollste Schatz der Welt, der nur für ihn alleine bestimmt war. Unsicher warf er einen flüchtigen Blick in die Richtung der Tür, als würde ihn jemand beobachten und ihm dann seinen entdeckten Schatz stehlen. Schnell steckte er die kleine Kapsel in seinen Mund und schluckte sie. Dann schloss er die Türe wieder auf und kehrte in seine Kabine zurück. Dort setzte er sich wieder auf die Schlafcouch und nahm das Datapad in die Hand, um die übertragene Aufgabe zu erfüllen.

Doch es fiel ihm schwer, seine Gedanken auf den Bericht zu konzentrieren. Wie lange nahm er diese Kapsel nun eigentlich schon? Er gestand sich selbst ein, dass er sie seit ihrer letzten Mission, als er sich diese schwere Beinverletzung zugezogen hatte, schluckte. Die Kapseln waren ihm von Heiler J’Reedon verschrieben worden. Doch er hätte sie nur zwei Wochen lang gegen die schlimmsten Schmerzen nehmen sollen. Aber er konnte sie nicht mehr aufgeben. Wenn er zu lange wartete, bis er die nächste nahm, fühlte er normalerweise Schmerzen, Übelkeit oder Schwindel. Nachdem er die verschriebene Flasche aufgebraucht hatte, hatte er sich selbst eine weitere Flasche aus dem Vorratsraum des Heilers geholt. Niemand hatte ihn gesehen. Niemand wusste es. Es gab nichts, worüber er sich Sorgen machen musste.

 

 

 

 

 

*******

 

 

 

 

 

Einige Zeit später kam Qui-Gon in Obi-Wans Kabine zurück.

„Obi-Wan, kann ich dich kurz stören?“

 

Der junge Jedi sah von dem Datapad auf.

„Ja, Meister?“

 

„Wir müssen miteinander reden, Padawan.“

 

Obi-Wan war sich sicher, dass sein Meister alles sah, alles wusste, was er vor ihm verbergen wollte. Er versuchte, seine mentalen Schilde noch mehr zu verstärken, doch sie waren bereits so stark, dass eine weitere Verstärkung unmöglich war.

‚Wie kann er es wissen?’, fragte sich Obi-Wan in Gedanken.

Er versuchte, seine aufgeregten und zitternden Nerven zu beruhigen. Er versuchte, ruhig zu bleiben. Doch je mehr er es versuchte, desto stärker wurde das Zittern. Sein Bein begann unkontrollierbar zu zittern und zu wackeln. Daraufhin bewegte er dieses schnell vor und zurück, um seine große Nervosität zu überspielen.

„Wo...“ Er räusperte sich, um seine raue Stimme zu übergehen. “Worüber denn, Meister?”

 

„Es geht um getrennte Unterkünfte, Obi-Wan. Möchtest du noch immer dein eigenes Quartier im Jedi-Tempel haben, Padawan?“

 

Obi-Wan starrte Qui-Gon sprachlos nur an.

‚Er weiß es nicht, oder doch? Oder verstellt er sich nur?’

Dann fasste er sich wieder ein bisschen und antwortete:

„Ja, Meister. Ich hätte sehr gerne ein eigenes Quartier.“

 

„Sehr gut”, entgegnete der Jedi-Meister. „Ich habe mit Meister Nima gesprochen. Sie ist damit einverstanden, ihr Quartier mit mir zu tauschen. Und du kannst das leer stehende Nachbarquartier haben. Wir können beide umziehen, wenn wir nach Coruscant zurückkehren.“

Qui-Gon machte eine Pause und beobachtete seinen Padawan. Er wollte seine Reaktion darauf sehen, dass er seinen letzten Kreuzzug gewonnen hatte.

 

„Vielen Dank, Meister“, sagte Obi-Wan mit einem kurzen Lächeln.

 

Der Jedi-Meister betrachtete ihn erstaunt. Das war nicht die Reaktion, die er erwartet hatte. Er hätte gedacht, dass Obi-Wan viel begeisterter, viel aufgeregter auf diese Eröffnung reagieren würde. Ein wenig besorgt sah er seinen Schüler an.

„Bist du nicht glücklich, Padawan? Ich dachte, dies wäre das, was du immer wolltest“, bemühte er sich, Obi-Wan für die Erfüllung seines Wunsches zu begeistern.

 

„Natürlich, Meister. Ich versuche im Moment nur, mich an all diese Informationen über die Cardaner zu erinnern. Es ist ein bisschen zu viel, um alles zu einer Zeit im Gedächtnis zu behalten“, verteidigte sich Obi-Wan.

‚So, das sollte ihn überzeugen, dass alles in Ordnung ist. Denn das ist ja auch der Fall. Ich bin einfach nur paranoid. Es ist alles in Ordnung. Und ich freue mich sehr darüber, dass ich mein eigenes Quartier bekomme.’

 

Qui-Gon ging auf die Türe der Kabine zu.

„Ich werde jetzt ein kleines Nickerchen machen“, meinte er, bevor er den Raum verließ. „Du hast Recht, es sind sehr viele Informationen. Vielleicht solltest du dir eine Pause gönnen. Du kannst dann später weiter lesen.“

 

„Vielen Dank, Meister. Ich denke, ich werde eine kleine Pause machen.“

Der junge Jedi legte das Datapad neben sich auf die Schlafcouch. Dann stand er auf. Er verließ seine Kabine und ging hinaus in den Gang.

‚Entspanne dich’, sagte er zu sich selbst. ‚Er weiß überhaupt nichts. Alles wird gut gehen. Ich muss nur vorsichtig sein, dass er nichts bemerkt. Dann wird es keine Probleme geben.’

 

 

 

 

 

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„Wir sind bereit zum Landeanflug, Obi-Wan“, sagte Qui-Gon, während er die Kabine des Padawans betrat. „Hast du den Bericht schon fertig gelesen?“

 

Bevor er antwortete, warf Obi-Wan seinem Meister einen flüchtigen Blick zu. Noch immer betrachtete er nachdenklich die Situation der Cardaner. Er hatte sich dazu entschlossen, seine Sorge über sein „Problem“ in seinen Hinterkopf zu verbannen. Stattdessen wollte er sich nur auf die anstehende Mission konzentrieren. Er würde dies durchstehen. Es würde keine Probleme geben. Abgesehen davon kehrten sie wahrscheinlich in den Tempel zurück bevor seine Vorräte aufgebraucht waren. Es gab keinen Grund, sich irgendwelche Sorgen zu machen. Alles würde problemlos verlaufen. So war es immer.

„Ja, ich habe den Bericht in der Zwischenzeit fertig gelesen, Meister“, antwortete Obi-Wan. „Wie lang denkt ihr, dass diese ganze Sache dauern wird? Es scheint mir eine wirklich dumme Meinungsverschiedenheit zu sein.“

 

„Obi-Wan, obwohl es dir vielleicht dumm vorkommen mag“, meinte Qui-Gon ruhig, „ist es dennoch eine sehr ernste Situation. Und es ist eine, die wir nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten, Padawan. Die Cardaner sehen manche Dinge vollkommen anders als wir.“

 

„Ja, Meister, ich verstehe.“ Obi-Wan starrte auf den Fußboden. „Es tut mir leid. Ich wollte damit nicht andeuten, dass ich diese Mission nicht ernst nehme. Ich glaube, ich habe die ganze Situation falsch verstanden. Ich hoffe, ich habe euch nicht enttäuscht, Meister.“

 

Das Lächeln des Jedi-Meisters war warm und herzlich. Er legte seine Hand auf die Schulter des bedrückt wirkenden Teenagers.

„Nein, Padawan. Du hast mich nicht enttäuscht. Komm, lass uns gehen.“

Sanft, aber bestimmt, schob Qui-Gon den jungen Mann in Richtung des Shuttleausganges.

 

 

 

 

 

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Der gewählte Treffpunkt, der Roxillum-Palast, stand mitten in der Hauptstadt Tairdok. Der Palast war ein großes, imposantes Gebäude. Wunderschöne weiße Säulen mit einem filigranen Muster säumten das Gebäude auf der Außenseite. Die Innenausstattung war von einer solch erlesenen Schönheit und Pracht wie Obi-Wan es auf seinen bisherigen Reisen durch die Galaxie noch nie zuvor gesehen hatte.

In der großen, sehr geschmackvoll und wunderschön eingerichteten Eingangshalle trafen sich die beiden Jedi mit den Botschaftern. Gemeinsam gingen sie dann in ein privates Besprechungszimmer, welches in Wirklichkeit eine sehr gut ausgestattete Bibliothek war. Die gemeißelten Wände waren mehrere Meter hoch und schlossen an eine gemusterte Decke, die aus aneinander gereihten Dachfenstern bestand, an. Atemberaubend war das Wort, das Obi-Wan bei dem Anblick dieses prächtigen Zimmers einfiel.

Obwohl zwischen den beiden gegnerischen Botschaftern alles glatt zu gehen schien, hatte Obi-Wan das Gefühl, dass irgendetwas nicht in Ordnung war. Beide Seiten waren pünktlich gekommen, und während der Anfangsphase des Treffens behandelten sie sich gegenseitig mit Höflichkeit und Respekt. Je länger die Unterhaltung dauerte, desto stärker wurde das Gefühl.

 

Corrunem, der Botschafter des bergigen Tairdok, war sehr höflich und schien ehrlich daran interessiert zu sein, eine friedliche Lösung zu finden.

 

Reltis, der Botschafter von Porteme, hatte Probleme mit der einfachen Lösung, die der Tairdokianer anbot. Die Probleme waren dennoch nicht sehr schwierig oder gravierend, und Corrunem war bereit, Zugeständnisse zu machen. Oberflächlich betrachtet schien es nur eine Frage von Stunden zu sein, bis alles geregelt war.

 

Während der ganzen Zeit, in der über die Meinungsverschiedenheiten gesprochen wurde, konnte Obi-Wan eine stetig steigende Verachtung von Reltis fühlen. Nach einer flüchtigen Überprüfung der Abneigung musste der junge Jedi verwirrt feststellen, dass er die Ursache und das Ziel dieser Ablehnung und Verachtung des Botschafters war.

Er drehte sich zu Qui-Gon um. Mit einem fragenden Ausdruck auf seinem Gesicht und in seinen Augen sah er seinen Meister an.

 

Dieser zuckte ganz kurz mit den Schultern.

‚Ich verstehe es auch nicht, Obi-Wan’, übermittelte er über ihre mentale Verbindung. ‚Du hast nichts getan, das irgendjemanden hier kränken oder beleidigen würde.’

 

„Ich weiß nicht, was ER hier will!“, platzte Reltis plötzlich heraus und deutete auf Obi-Wan.

 

Alle Augen blickten auf den Padawan, der mit weit aufgerissenen Augen wie erstarrt auf seinem Platz saß. Sein Gesicht rötete sich langsam. Fassungslos und vollkommen verstört starrte er seinen Meister an.

 

„Botschafter“, sagte Qui-Gon ruhig und freundlich, „wärt ihr bitte so freundlich, mir zu erklären, was ihr damit meint?“

 

Reltis sah beleidigt aus.

„Bin ich hier bei einem Prozess? Ich dachte, wir sind hier, um über eine Einigung zu diskutieren. Aber dieser ...“

 

„Er ist mein Schüler“, stellte der Jedi-Meister fest, bevor Reltis mit irgendeiner anderen Beschreibung fortfahren konnte.

 

„Ja, euer Schüler, oder was auch immer er in Wirklichkeit ist“, fuhr Reltis mit immer lauter werdender Stimme fort, „hat hier absolut nichts verloren. Er ist nutzlos.“

Er stand auf und trat hinter den sitzenden Obi-Wan. Mit einem Ausdruck von Ekel und Widerwillen auf seinem Gesicht und in seinen Augen betrachtete er den Padawan.

„Wirklich, Meister Jinn, muss er denn unbedingt hier sein?“

 

Obi-Wans und Qui-Gons Blicke trafen sich für einen ganz kurzen Moment.

„Er ist hier, um mich zu unterstützen, mir zu helfen und zu beobachten“, verteidigte Qui-Gon die Anwesenheit von Obi-Wan.

„Aber ist es wirklich notwendig, dass er hier ist?“, fragte Reltis nach. „Er stört“, fügte er nach einer nachträglichen Eingebung hinzu.

 

Eine unbequeme und unbehagliche Stille überfiel den Raum. Alle Augen lagen auf Qui-Gon, der sich darum bemühte, ruhig zu bleiben.

 

Der Jedi-Meister wandte sich Obi-Wan zu.

‚Padawan, würdest du bitte gehen? Ich denke, das wäre das Beste’, bat er seinen Schüler über ihre mentale Verbindung.

 

‚Ja, Meister. Ich werde nach draußen gehen. Es tut mir leid.’

 

‚Du hast nichts getan, wofür du dich entschuldigen müsstest, Padawan.’

 

Der Teenager stand auf und verließ ohne ein weiteres Wort die Bibliothek.

 

Nachdem der junge Jedi gegangen war, starrte Qui-Gon Reltis mit einem kalten, stechenden Blick an. Dieser wandte seinen Blick schnell ab. Der Botschafter setzte sich wieder zurück an den Tisch, doch er schien sehr nervös zu sein. Als er sich wieder beruhigt hatte, wandte er sich an den Jedi-Meister. Er warf ihm einen freundlichen Blick zu und sagte:

„Nun, lasst uns weitermachen...“

 

 

 

 

 

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Obi-Wan machte einen Spaziergang durch die Gärten des Roxillum-Palastes. Diese waren ebenfalls von einer unbeschreiblichen Schönheit und Pracht. Er erkannte und kannte einige der Pflanzen. Doch die meisten waren einheimisch, und so hatte er sie noch niemals zuvor irgendwo anders sehen können. Sein Blick fiel auf eine besonders exotisch aussehende, in einem blassen blau blühende Blume. Diese schien ihn fast magisch anzuziehen. Er ging direkt auf sie zu und betrat diesen Teil des Gartens durch einen mit wildem Wein bewachsenen Torbogen.

Verblüfft bemerkte er, um wie viel schöner und wunderbarer die Blumen wurde, je näher er ihnen kam. Er blieb genau vor dem Meer aus blassen blauen Blüten stehen. Beeindruckt und staunend betrachtete er sie. So eine anmutige und zarte Pflanze hatte er bis jetzt selten gesehen. Wie einfach wäre es, eine davon abzupflücken. Niemand würde es wissen. Die Blume würde nicht protestieren. Und selbst wenn sie dazu in der Lage wäre, woher konnte er das wissen? Sie war eine vollkommen andere Lebensform. Die Verständigung zwischen ihnen war unmöglich.

Es war fast so, als würde er seinem ‚Problem’ sagen, dass es ihn alleine lassen sollte. Es würde ihm nicht, es konnte ihm nicht zuhören. Es war ein unmöglicher, sinnloser Wortwechsel. Während einer mit Worten sprach, stellte der andere Forderungen. Es waren keine wörtlichen Forderungen, sondern mentale Suggestionen durch physiologische Gewalt. Wie konnte er etwas bekämpfen, das ihn unter Kontrolle hatte? Etwas, das seinen Weg hinter seiner Verteidigung ging und das seinen eigenen Willen fesselte? Dies war der totale Gegensatz zu jedem Feind, den er bisher bekämpft hatte. Denn dieser Kampf ging gegen ihn selbst, gegen seinen eigenen Körper und seinen Geist.

‚Oh, Macht, bitte helfe mir! Ich denke nicht, dass ich wirklich ein Problem habe. Aber ich weiß nicht, was ich dagegen tun soll. Ich kann jederzeit aufhören wenn ich will. Doch kann ich das denn noch? Bin ich dazu wirklich in der Lage?’

Er zog die kleine Flasche aus der Tasche seines Umhangs. Nachdenklich starrte er sie lange Zeit an. Immer wieder fiel sein Blick auf das Meer aus blassen blauen Blumen.

‚Was ist, wenn ich...’, überlegte er.

Nachdem er sich selbst einen Ruck gegeben hatte, ließ er die kleine Flasche in das Blumenbeet fallen. Er drehte sich weg und stand nun mit dem Rücken zu den blassen blauen Blumen. Konnte er einfach weggehen und sie hier lassen? Würde er damit sein Problem hinter sich lassen können, so dass es ihn niemals mehr plagte und ihn nicht wieder kontrollierte?

„Ja, das kann ich“, flüsterte er heiser. „Und ich werde es tun. Ich weiß, dass ich es tun kann. Es ist gar kein Problem für mich.“

Mit hoch erhobenem Haupt ging Obi-Wan zurück zum Palast. Er sah sich kein einziges Mal mehr nach den blassen blauen Blumen, die ihm so gefallen hatten, um.

 

 

 

 

 

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Obi-Wan spazierte langsam und sich umschauend an den Säulen entlang. Staunend bewunderte er das Stadtbild, das sich ihm unter dem Palast bot. Dieser gesamte Platz war wunderschön. Obwohl die Stadt ziemlich groß war, beinhaltete sie eine fast unaussprechliche Schönheit. Zwischen allen Gebäuden befanden sich Bäume oder eine andere Art der Vegetation. Und sämtliche dieser Gebäude waren erlesen und attraktiv. Das gesamte Bild wirkte still und friedlich.

Im Vergleich zu dieser Schönheit wirkte Coruscant blass und unschön. Der gesamte Planet war eine Stadt, mehr nicht. Natürlich Schönheit und Natur gab es dort nicht. Nur in künstlich hergestellten Umgebungen konnte eine vergleichbare Pracht gefunden werden.

 

„Obi-Wan?“

 

Der junge Jedi drehte sich um, als er die Stimme seines Meisters hinter sich hörte.

„Ja, Meister?“

 

Qui-Gon lächelte seinen Schüler herzlich an, als er vor ihm stehen blieb.

„Die Verhandlungen sind beendet, Obi-Wan“, berichtete er. „Corrunem ist auf Reltis Forderungen eingegangen.“

 

„Ist das gut, Meister?“, erkundigte sich Obi-Wan. „Ich meine, Reltis... er ist nicht gerade ein sehr netter Botschafter.“

 

Der Jedi-Meister lachte ein wenig.

„Ja, das weiß ich, Padawan. Und es tut mir leid, dass du gehen musstest. Doch es war eine sehr schwierige und heikle Angelegenheit und deine Anwesenheit war nicht wirklich notwendig. Mir wäre es lieber gewesen, wenn du geblieben wärst. Aber entweder wärst du bei uns geblieben, oder die Republik hätte andererseits eine möglicherweise gefährliche Situation haben können. Anscheinend wollen sich die Portemer nicht von jemand durch eine Angelegenheit führen lassen, dessen Anwesenheit nicht vollkommen dringend ist. Aus ihrer Sicht ist dies unhöflich. Das ist etwas, worüber uns das Datapad nicht informiert hat.“

 

„Ja, ich weiß“, entgegnete Obi-Wan.

Dann ließ er seinen Blick wieder über die Stadt gleiten. Er schwieg einige Augenblicke. Dann fuhr er fort:

„Es ist wunderschön hier, Meister. Habt ihr schon jemals einen solch wundervollen und friedlichen Platz gesehen?“

 

Qui-Gon folgte dem Blick seines Padawans. Dann schüttelte er den Kopf.

„Nein, ich glaube das habe ich nicht“, antwortete er im Flüsterton. Dann sah er wieder den jungen Jedi an. „Corrunem hat uns heute Abend zum Essen eingeladen. Ich glaube, er fühlt sich schlecht, weil Reltis dich so mies behandelt hat. Kommst du mit, Padawan?“

 

Obi-Wan sah seinem Meister in die fröhlich funkelnden blauen Augen und lächelte.

„Natürlich, Meister. Ist das Essen genauso unbeschreiblich und außergewöhnlich wie alle anderen Dinge hier... anders als Reltis? Er ist Mitleid erregend“, lachte der Teenager.

 

„Obi-Wan“, warnte Qui-Gon streng. “Wir werden uns später über dein unverschämtes und freches Verhalten unterhalten. Lass uns jetzt erst einmal nach den Gästezimmern schauen, die Corrunem für uns vorbereitet hat.“

Nachdem sie eine Weile ziellos durch den Roxillum-Palast gewandert waren, fanden die beiden Jedi den Flügel mit den Gästezimmern. Schließlich fanden sie auch die Räume, die ihnen zugewiesen worden waren. Sie hatten zwei getrennte Zimmer, deren zweite Türen in ein gemeinsames Badezimmer führten.

 

Die beiden Räume waren ausgesprochen geschmackvoll eingerichtet. Die Cardaner hatten wirklich einen alles umfassenden Sinn für Schönheit. Sowohl Qui-Gon als auch Obi-Wan fühlten sich in ihren Zimmern sofort sehr wohl.

 

 

 

 

 

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Später am Abend holte Qui-Gon seinen Schüler wieder ab. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg, um Botschafter Corrunem zu suchen. Nachdem sie sich mit ihm in einem kleinen privaten Esszimmer des Palastes getroffen hatten, servierten einige Diener das fertige Essen. Die Mahlzeit war sehr exotisch. Zu exotisch für Obi-Wans Geschmack. Obwohl er Hunger hatte, musste er sich dazu zwingen, einiges davon zu essen.

Das Abendessen wurde von Smalltalk über Tairdok und dessen Pläne für die Zukunft begleitet. Qui-Gon schien wirklich aufrichtig interessiert zu sein, doch Obi-Wan musste Interesse vortäuschen. Er konnte sich nicht so richtig auf die Unterhaltung konzentrieren. Dies war nicht das, was seine Gedanken in diesem Moment bewegte. Stattdessen dachte er ständig an die kleine Flasche, die er im Garten, zwischen den blassen blauen Blumen, hatte liegen lassen.

Sein Körper schmerzte furchtbar, ganz besonders sein Unterleib, und er konnte eine wachsende Übelkeit spüren. Er versuchte, diese zu ignorieren. Er versuchte, die Schmerzen zu unterdrücken. Er hob einen silbernen Kelch mit einem sprudelnden süßen Getränk zu seinem Mund um seine aufeinander gebissenen Zähne zu verstecken. Er hatte große Mühe, seine zitternde Hand einigermaßen ruhig zu halten. Weiterhin hielt es seinen mentalen Schild so stark wie möglich, um seine Schmerzen vor Qui-Gon zu verbergen.

‚Ich kann damit umgehen’, sagte er zu sich. ‚Das ist überhaupt kein Problem. Es ist wahrscheinlich nur eine Entzugserscheinung. Oder vielleicht habe ich auch dieses exotische Essen nicht vertragen. Ja, das wird es sein. Es kann nicht schlimmer werden. Ich kann problemlos damit umgehen.’

Plötzlich schoss ein scharfer Schmerz durch seinen Unterleib. Er hatte das Gefühl, als würde jemand sein Inneres mit einem glühend heißen Messer zerschneiden. Mit einem lauten Klirren setzte er den Kelch, den er in seiner bebenden Hand hielt, abrupt auf dem Tisch ab. Alle Augen wandten sich ihm zu. Er errötete.

„Es tut mir leid, Botschafter. Wenn es nicht zu viele Umstände macht, könnte ich mich dann bitte entschuldigen?“, fragte er freundlich.

Er sah zuerst Corrunem und dann Qui-Gon an. Äußerlich geduldig, aber innerlich unruhig und angespannt, wartete er auf eine Reaktion.

 

Der Botschafter brach als erster die Stille.

„Ja, natürlich darfst du gehen. Und ich möchte dir noch sagen, wie leid das tut, was heute Nachmittag geschehen ist.“

 

„Vielen Dank, Botschafter“, sagte Obi-Wan.

Dann wandte er sich seinem Meister zu. Eindringlich sah er ihn an und wartete auf dessen Erlaubnis, den Raum zu verlassen.

 

Qui-Gon versuchte, die Gefühle seines Padawans zu spüren, aber er konnte überhaupt nichts finden. Nachdem er kurz über Obi-Wans Bitte nachgedacht hatte, entgegnete er:

„Ja, du kannst gehen, Obi-Wan. Bleibe aber nicht zu lange auf, denn wir werden morgen früh wieder abfliegen.“

 

„Ja, Meister. Vielen Dank.“

Obi-Wan, dem plötzlich schwindelig geworden war, fiel fast über seine eigenen Füße, als er den Raum verließ. Er konnte nicht schnell genug herauskommen. Er stürmte aus dem Esszimmer, wobei er noch einen Stuhl umriss, der mit einem lauten Krachen auf den Boden fiel.

„Entschuldigt Botschafter“, murmelte der Teenager noch schnell, bevor er wie von irgendetwas gejagt aus dem Zimmer stürzte.

Er rannte aus dem Palast und auf die Gärten zu. Je näher er dem Meer aus blassen blauen Blumen kam, desto schneller wurden seine Schritte.

‚Bleib wo du bist, kleine Flasche’, rief er in Gedanken. ‚Es dauert nur noch einen kurzen Moment. Ich komme, um dich zu retten!’


Ende von Teil 1

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