Sünden



Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Das Leben behandelt einen nicht gerecht oder ungerecht. Es besteht einfach. Es liegt an uns fair oder unfair zu sein. (Qui-Gon Jinn)

 

 

Qui-Gon Jinn stand vor dem Jedi-Rat, und zum ersten Mal in seinem Leben war er deswegen nervös. Er hatte natürlich keinen Grund nervös zu sein, das wusste er genau. Das hier war kein Gerichtsverfahren, auch das wusste er. Trotzdem fühlte es sich so an. Es ging nicht um Schuldzuweisung, das hatte ihm Yoda versichert. Es ging nur darum zu rekonstruieren was geschehen war. ‚Wenn das stimmen würde, warum bin ich dann ohne meinen Meister hier?’

 

Sein Meister. Nun, es war nicht leicht, der Padawan von Count Dooku zu sein. Dooku war in vielerlei Hinsicht ein Rebell.

 

Qui-Gon hatte in seiner bisherigen Zeit als Jedi schon öfter vor dem Rat gestanden als irgendein anderes Mitglied des Ordens. Seinen Meister natürlich aus genommen.

 

Tahl und Clee zogen ihn deswegen regelmäßig auf. Die beiden Mädchen waren die Padawane relativ konservativer Meister, weswegen ihre Interaktion mit dem Rat nicht weiter auffiel. Dass Qui-Gon hingegen ständig vor den Rat zitiert wurde, wusste jeder im Tempel. Tahl und Clee hatten ihn schon von Anfang an gewarnt. ‚Als Padawan von Meister Dooku wirst du es nicht leicht haben.’

 

Wie Recht sie gehabt hatten. Trotzdem, dieses Mal war es anders. ‚Warum bin ich so nervös? Wir haben nichts falsch gemacht. Wir haben getan was nötig war.’ Warum war sein Meister jetzt nicht hier? Warum musste er das hier alleine durchstehen?

 

„Keine Sorge du haben musst“, versicherte Meister Yoda und nickte Qui-Gon beruhigend zu.

 

„Erzähl uns einfach was passiert ist“, forderte ihn Meister Ki-Adi Mundi, das jüngste Mitglied des Rates, auf.

 

‚Ein Jedi darf nicht lügen’, erinnerte sich Qui-Gon.

 

Ein Jedi darf viel nicht. So würde sein Meister diesen Gedanken trocken kommentieren.

 

‚Reiß dich zusammen Qui-Gon.’

 

„Erzähl uns von der Mission.“

 

„Was ist auf den Planeten passiert?“

 

„Bleib bei der Wahrheit.“

 

„Wir sind nicht hier, um dir Vorwürfe zu machen.“

 

‚Ja, aber meinem Meister wollt ihr Vorwürfe machen.’

 

„Qui-Gon Jinn, du musst uns sagen, was passiert ist.“

 

Qui-Gon seufzte. ‚Wir haben alles richtig gemacht. Es gibt keinen Grund, sich Vorwürfe zu machen.’ Er starrte in Yodas große Augen. Er wusste, er konnte alles ruhigen Gewissens erzählen. Das hier war kein Gerichtsverfahren, nur ein Missionsbericht. Es ging nicht um Schuldzuweisung. Sie hatten alles richtig gemacht.

‚Ach, glaubst du wirklich?’

 

 

 

 

 

Missionsziel: Darog

Mission: Entspannung der politischen Lage

 

Tag 1

 

Schon als sie auf Darog landeten, hatte Qui-Gon ein schlechtes Gefühl. Es war einen Tag nach seinem 16. Geburtstag. Das wusste er genau- bevor sie aufgebrochen waren, hatten ihn Tahl und Clee mitten in der Nacht aus dem Bett geworfen und ihm mit einer Torte überrascht. Qui-Gon wurde von vielen befreundeten Padawanen verspottet, weil seine beiden besten Freunde Mädchen waren.

 

‚Das ist doch nur so, weil du gerne bekocht wirst.’ Solche und ähnliche Kommentare kamen oft von anderen männlichen Padawanen.

 

Das war natürlich Unsinn. Und wer Tahl und Clee kannte, wusste, dass sie viel konnten, aber sicher nicht kochen.

 

Deswegen war Qui-Gon auch schon Übles geschwant, als er die Torte gesehen hatte. Clee hatte sie selbst gemacht gehabt, und so hatte sie auch geschmeckt. Aber Qui-Gon hatte sich nichts anmerken lassen und hatte tapfer zwei Stück gegessen.

Am Morgen wurde ihm schon schlecht, wenn er auch nur an Essen dachte.

 

Sein Meister amüsierte sich darüber prächtig, war aber ansonsten schon sehr damit beschäftigt, das Problem Darog zu analysieren. Den ganzen Flug über setzten sie sich mit der offiziellen Geschichte des Planten auseinander.

 

Es gab allem Anschein nach zwei rivalisierende Parteien, die sich schon seit Äonen um die Vorherrschaft des Planeten stritten. Die Perton-Partei, die vor zweihundert Jahren gegründet worden war, war lange Zeit über die Einheitspartei Darogs gewesen und hatte mit Gewalt und Wahlbetrug über die Bevölkerung geherrscht. Bis die Oppositionspartie, FH, zuerst im Untergrund und dann auf den Wahlkarten aufgetaucht war. Die FH-Partei hatte es geschafft, der Perton-Partei die Regierungsgeschäfte abzujagen, was der anderen Partei natürlich nicht gefallen hatte.

Tatsächlich war bald klar geworden, dass beide Parteien jeweils von Sprösslingen rivalisierender Adelsgeschlechter gegründet worden waren, was zu noch mehr Auseinandersetzungen geführt hatte. Die Perton-Partei schwor, sich geändert zu haben, und hatte die Jedi zu Hilfe gerufen. Angeblich hatte die FH eine eigene Armee auf die Beine gestellt, die die Anhänger der Perton-Partei terrorisierte. Dem Botschafter der Republik zufolge war das aber nur die halbe Wahrheit. Die Perton-Partei besaß nämlich ebenfalls ihre eigene Armee. Und es waren die beiden Armeen, die sich auf offener Straße bekriegten und die Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft zogen.

 

Die Jedi wollten nun versuchen, zwischen den beiden Parteien zu vermitteln, bevor es zu einem echten Bürgerkrieg kommen konnte. Qui-Gons Meister hatte schon von Anfang an Zweifel an den Erfolgsaussichten des Jedi-Teams geäußert. ‚Manchmal kann man nichts ändern, Padawan, egal wie sehr man es versucht. Ich fürchte wir kommen in diesem Fall bereits zu spät’, hatte er traurig gemeint.

 

Es war nicht verwunderlich, dass der Rat sich entschlossen hatte, auf eine so heikle Mission ausgerechnet Dooku zu schicken. Obwohl dieser mehr Zeit im Streit mit dem Rat als auf Missionen verbrachte, war er ein ausgesprochen geschickter Diplomat, dem man nachsagte, kleine Wunder vollbringen zu können. Wenn es einer schaffen konnte, Frieden auf Darog zu stiften, dann war es Dooku.

 

Qui-Gons schlechtes Gefühl rührte aber nicht nur von dem Pessimismus seines Meisters und Clees Kuchen her, sondern war auch eine Art Vorahnung. Irgendetwas würde passieren, da war er sich sicher.

 

Als er Dooku davon erzählte, meinte dieser nur: „Ich würde mir mehr Sorgen machen, wenn du kein schlechtes Gefühl hättest, Padawan. Das wird nicht lustig, soviel ist sicher.“

 

 

 

 

 

Nach ihrem Ankommen wurden sie von Premierminister Rock und seinem Team begrüßt. „Wir haben gerade erfahren, dass die Jedi kommen würden. Es ist uns eine große Ehre, Sie auf unserem Planeten begrüßen zu dürfen. Ich bin Premierminister Rock, und das hier ist Botschafter Organa von der Republik.“

 

Organa war ein gut aussehender junger Mann, der Dooku sofort die Hand schüttelte. „Count Dooku, es ist mir eine Ehre, Euch endlich kennen zu lernen“, versicherte er dem Jedi.

 

„Es wäre mir lieber, wenn Sie mich Meister Dooku nennen würden, Botschafter. Das hier ist mein Padawan Qui-Gon Jinn. Wir bedanken uns für diesen festlichen Empfang. Allerdings hatte ich eigentlich erwartet, von einem Mitglied der Perton-Partei begrüßt zu werden. Immerhin waren sie es, die uns eingeladen haben.“

 

Botschafter Organa warf Rock einen kurzen Blick zu. „Ja, davon haben wir gehört. Allerdings glaube ich wirklich nicht, dass die Perton-Partei zur Zeit in der Lage ist, ihre Mitglieder hierher zu schicken. Es gab einen bedauerlichen Unfall. Ihr Hauptquartier wurde zerstört... Bei einem der Kämpfe dieser illegalen Milizen. Es gab viele Todesopfer zu beklagen“, erklärte Rock, dessen Miene nicht wirklich niedergeschlagen wirkte.

 

Dooku warf seinem Padawan einen Blick zu, der soviel aussagte wie: ‚Das werden laaange Verhandlungen.’

Er sollte Recht behalten.

 

 

 

 

 

Tag 2

 

Erst am nächsten Tag konnten die Vermittlungsversuche zwischen den beiden Parteien losgehen.

 

Es gelang Dooku und Qui-Gon, den Fängen der FH-Partei vorübergehend zu entschlüpfen und sich das zerbombte Hauptquartier der Perton-Partei anzusehen. Es war ein schrecklicher Anblick. „Was immer sie sagen, Padawan. Das war kein Unfall. Das war ein gezielter Anschlag. Vermutlich von der FH-Partei inszeniert.“ Dooku schüttelte den Kopf. Für einen Moment flackerte Zorn über seine Miene. „Hier sind viele gestorben.“

 

Qui-Gon nickte nur. Der Anblick nahm ihn zu sehr mit. Niemand hatte sich bisher die Mühe gemacht, die Leichenüberreste wegzuräumen. Dem jungen Jedi schauderte. Keiner hatte den Anschlag erwartet. Vor seinem geistigen Auge sah er die arbeitenden Parteimitglieder, die plötzlich von einer Bombe aus dem Leben gerissen wurden. So wollte er auf keinen Fall sterben.

 

Plötzlich tauchte zwischen den Trümmern eine verdreckte, verweinte junge Frau auf. „Wer sind Sie? Und was wollen Sie hier?“, fragte sie wütend, als sie die Jedi erblickte.

 

„Wir wollen nur helfen. Man hat uns gebeten auf diesen Planten zu kommen“, erklärte Dooku sanft.

 

Die junge Frau schniefte. „Sie sind die Jedi“, stellte sie fest.

 

Dooku nickte. „Sie sind ein Mitglied der Perton-Partei.“ Das war keine Frage.

 

„Ich weiß was Sie vorschlagen werden. Sie wollen, dass ich mich mit Rock an einen Tisch setzte und wir darüber reden. Das hat Organa schon oft vorgeschlagen. Aber ich werde mich nicht mit Mördern an einen Tisch setzen“, erklärte sie.

 

Dooku warf Qui-Gon einen Blick zu. Dann meinte er: „Wollen Sie es nicht wenigstens versuchen?“

 

 

 

 

 

Tag 3

 

Den gesamten dritten Tag verbrachten die Jedi damit, Rock und die junge Frau, deren Name Elenia lautete, an einen Tisch zu halten. Qui-Gon langweilte sich fast zu Tode, während Dooku und Botschafter Organa versuchten, zwischen den beiden Parteien zu vermitteln.

 

Sie hatten damit keinen Erfolg. Elenia bezichtigte Rock offen, den Anschlag befohlen zu haben, was dieser natürlich abstritt und sie im Gegenzug wild beschimpfte. Mit ihren Versuchen, aus dem Konferenzraum zu stürmen wechselten sie sich geflissentlich ab.

Am Ende des Tages waren alle erschöpft und frustriert, aber die Lage hatte sich keineswegs gebessert.

 

„Ihr solltet Euch morgen entspannen. Die Chance, Rock und Elenia schnell wieder zusammen in einen Raum zu bekommen besteht nicht, und der Junge muss sich langweilen. Darog ist ein schöner Planet. Ihr solltet ihn euch ansehen. Ich könnte einen Rundflug arrangieren, wenn Ihr interessiert seid“, meinte Organa.

 

Qui-Gons Herz machte bei der Aussicht, sich mit etwas anderen als Politik zu beschäftigen einen kleinen Sprung, aber er wollte seinen Meister nicht bloßstellen, also sagte er nichts.

 

Dooku musterte ihn kurz und meinte dann an Organa gewandt: „Ich denke das würde uns gefallen.“

 

Sie hätten es besser wissen sollen.

 

 

 

 

 

Tag 4

 

Es war ein herrlicher Tag. Die Sonne strahlte vom blauen Himmel, und es wehte nur ein leichtes Lüftchen. Es war der perfekte Tag, um einen Ausflug zu machen. Botschafter Organa hatte ihnen eine Fähre bestellt und einen Führerdroiden gemietet.

 

Als Qui-Gon die Fähre sah, wich seine Vorfreude auf den Ausflug Sorge. Irgendetwas was er nicht einordnen konnte beunruhigte ihn.

 

Sein Meister bemerkte seinen veränderten Gemütszustand sofort. „Stimmt etwas nicht, Padawan? Ich dachte, du freust dich auf den Ausflug“, erkundigte er sich.

 

„Das tue ich auch. Es ist nur: Irgendetwas ist nicht in Ordnung“, erklärte Qui-Gon und kam sich dabei etwas lächerlich vor.

 

Dooku lächelte nachsichtig. „Ich spüre nichts. Vielleicht bist du einfach nur ein wenig paranoid wegen der ganzen Situation auf dem Planeten“, meinte er, „Komm, es geht los. Lass uns Spaß haben.“

 

„Das klingt aber nicht sehr Jedi-haft“, bemerkte Qui-Gon spitzbübisch.

 

Dooku warf ihm einen strafenden Blick zu. „Verrate es nur nicht dem Jedi-Rat! Die werfen mich noch raus.“

 

Qui-Gon grinste nur. Sein schlechtes Gefühl war schon wieder verschwunden.

 

Rückblickend war dieser letzte Kommentar gar nicht mehr lustig.

 

Kaum hatten sie die Stadt verlassen, verstand Qui-Gon, was Organa gemeint hatte. Unter ihnen breitet sich ein riesiges Waldgebiet aus. Man hätte den Planten in dieser Gegend fast mit Kashyyyk verwechseln können.

 

„Die Wälder des Planeten sind größtenteils unerforscht“, berichtete der Führerdroide, „Das hängt auch damit zusammen, dass die Stadtbewohner einen Zusammenstoß mit den Ureinwohnern des Planten, den Dahrig, fürchten.“

 

Qui-Gon sah seinen Meister an. „Den Dahrig? Von denen hab ich noch nie gehört“, wunderte er sich.

 

Dooku zuckte die Schultern.

 

„Es ist nicht viel über die Dahrig bekannt. Sie sind eine nichtmenschliche Spezies, die in den Tiefen der Wälder lebt. Mehr wissen die Stadtbewohner nicht über sie, und mehr wollen sie auch nicht wissen. In der Vergangenheit gab es wohl einige Kriege“, erklärte der Droide bereitwillig.

 

„Wie viel bewaldete Fläche gibt es auf dem Planeten?“, erkundigte sich Dooku.

 

„Oh, grob geschätzt sind es etwa.....“

 

Qui-Gon erfuhr niemals die Antwort auf diese Frage. Das nächste woran er sich erinnern konnte, war die Explosion. Die ganze Fähre erbebte, er selbst verlor den Boden unter den Füßen und dann war alles schwarz…

 

 

 

 

 

Als er wieder zu sich kam, schmeckte er Blut in seinem Mund und spürte jede einzelne Faser seines Körpers. Er öffnete seine Augen und erblickte die zerstörte Fähre keinen Meter von sich entfernt. Das Atmen fiel ihm schwer, und er versuchte sich zu erinnern, was passiert war. Natürlich, die Explosion. Rock oder Elenia oder beide hatten sie loswerden wollen. Der junge Jedi versuchte sich aufzustemmen, scheiterte aber. Er sank zurück auf die Erde und blieb am Bauch liegen. Sie mussten sich mitten in den unerforschten Wäldern befinden. Immerhin erkannte Qui-Gon um sich herum nur Bäume. Der Schmerz wurde übermächtig. „Meister“, hauchte Qui-Gon und verlor das Bewusstsein.

 

 

 

 

 

„Was dann passiert ist?“

 

„Kannst du dich erinnern?“

 

Ob sie schon mit seinem Meister gesprochen hatten? Was hatte Dooku ihnen erzählt? Die Wahrheit? ‚Du darfst nicht lügen.’ Wieso sollte er auch lügen? Sie hatten nichts falsch gemacht. Sie hatten getan, was in dieser Situation angebracht gewesen war. Sie hatten getan, was notwendig gewesen war, um ihr Leben zu retten. Es war gewesen, was sein Meister für richtig gehalten hatte. Und sein Meister irrte sich nicht.

Qui-Gon konnte sich noch an das erste Mal erinnern, als er Dooku gesehen hatte. Er selbst war damals zwölf gewesen und sehr überrascht, dass Dooku ihn ansprach.

 

Dooku war ein Jedi, der äußerst selten im Tempel zu finden war, und sich so gut wie nie mit den Jedi-Schülern abgab. Alle wussten, dass er eigentlich keinen Padawan gewollt hatte, weil ihn ein solcher nur aufgehalten hätte.

Und da war nun dieser große mächtige Mann mit seinen schwarzen Bart und seinen schwarzen Haaren und dem durchdringenden Blick gestanden. ‚Du kämpfst gut’, hatte er gesagte. ‚Besser als die meisten anderen. Aber hast du schon einmal in Erwägung gezogen, eine neue Technik zu lernen? Wärst du risikofreudig genug dafür?’

 

‚Ich bin immer offen für neues’, hatte Qui-Gon erwidert. Das traf auch heute noch zu. Trotzdem war Qui-Gon niemals willens oder in der Lage gewesen, die einzigartige Lichtschwerttechnik seines Meisters zu adaptieren.

 

Dooku hatte seine Enttäuschung darüber immer gut verborgen, und Qui-Gon für andere Dinge gelobt.

 

Immerhin gehörte Qui-Gon heute zu einem der wenigen, die es im Kampf fast mit Dooku aufnehmen konnten. Er liebte und vertraute seinem Meister.

‚Aber du bist nicht immer seiner Meinung, nicht wahr?’

 

 

 

 

 

Tag 5

 

Qui-Gon erwachte, als ihm Sonnenstrahlen in die Augen leuchteten. Er blinzelte und stellte fest, dass die Schmerzen ein wenig nachgelassen hatten. Er wusste, dass er sich eigentlich in Heiltrance hätte versetzen müssen, aber er machte sich zu große Sorgen um seinen Meister. Er wusste nicht ob Dooku schwer verletzt oder gar tot war. ‚Nein, ich müsste spüren wenn er tot ist. Wir haben eine starke Bindung.’ Mühsam rappelte er sich auf und sah sich um. Er entdeckte seinen Meister in Heiltrance ein paar Meter von sich entfernt. Wie lange mochten sie schon hier sein? Hatte sich irgendjemand dazu entschlossen, einen Suchtrupp loszuschicken? Oder hielt man sie für tot?

 

Botschafter Organa würde sicher dafür Sorge tragen, dass man nach ihnen suchen würde.

 

Den Gedanken, dass vielleicht Organa für die Bombe verantwortlich war, ließ Qui-Gon gar nicht erst zu. ‚Organa ist Alderaaner. Die halten nichts von Gewalt. Er kann es nicht gewesen sein. Es war sicher Rock.’ Qui-Gon schüttelte den Kopf und überlegte schon, ob er seinen Meister wecken sollte, als er spürte dass sich jemand näherte. Der Padawan erblickte eine Gruppe von Nichtmenschen, die sich der Absturzstelle näherte.

 

Das mussten die Dahrig sein. Sie waren kleine, zarte, blaue, aber auf ihre Art sehr menschlich aussehende Wesen. Sie umrundeten die Absturzstelle und beäugten Qui-Gon und Dooku misstrauisch. Dann näherten sie sich mit Speeren bewaffnet Qui-Gon.

 

Das ließ Dooku aus seiner Meditation erwachen. Er sprang auf und stellte sich schützend vor seinen Padawan.

 

„Eindringlinge“, sagte einer der Nichtmenschen auf die beiden Jedi deutend, „Das unser Territorium ist. Ihr tot.“

Keine sehr freundliche Begrüßung.

 

„Wartet bitte. Wir hatten nicht vor euer Territorium zu verletzten. Wir hatten einen Unfall“, beeilte sich Dooku die Situation aufzuklären.

 

Die Dahrig stießen mit ihren Speeren in Richtung Dooku.

 

Dieser vollführte eine elegante Handbewegung und meinte: „Wir sind Freunde.“

 

„Nein!“, johlten die Nichtmenschen im Chor. Leider funktionierte die mentale Beeinflussung der Jedi nicht bei allen nichtmenschlichen Rassen.

 

Da erblickte einer der Dahrig die Lichtschwerter der Jedi und schrie auf. Er gab ein unverständliches Wort von sich und deutete auf das Schwert.

 

Zu Qui-Gons Beunruhigung zog Dooku seines und aktivierte es. „Das meinst du?“, fragte er und fuhr mit der Klinge durch die Luft.

 

„Meister“, flüsterte Qui-Gon, „Ich weiß nicht ob das eine so gute Idee ist. Vielleicht fühlen sie sich dadurch bedroht.“

 

„Ach, was. Du musst lernen, auf dein Gefühl zu vertrauen“, erwiderte Dooku nur. Etwas Derartiges sagte er andauernd.

 

Die Dahrig riefen nun alle wild durcheinander. Qui-Gon verstand nur ein Wort, das sich in Basic darunter mischte. Das Wort lautete: Götter.

 

 

 

 

 

„Und dann, junger Padawan? Was ist dann passiert? Wie habt ihr reagiert?“

 

Eine gute Frage. Wie hatten sie reagiert? Unterschiedlich, soviel stand fest. ‚Vielleicht beunruhigt mich das. Vielleicht beunruhigt mich die Tatsache, dass ich mit keiner seiner folgenden Entscheidungen einverstanden war. Und trotzdem habe ich nichts gesagt. Ich hätte etwas sagen müssen.’ Aber er hatte nichts gesagt.

 

„Erzählen, du uns es musst, junger Padawan.“

 

‚Ja, erzähl es ihnen. Erzähl ihnen von deiner Sünde. Von der Sünde des Schweigens.’

 

 

 

 

 

Tag 5

 

„Götter!“

 

Zuerst verstand Qui-Gon die Bedeutung des Wortes nicht ganz. Er erfasste nicht, dass sich dieses Wort auf seinen Meister und sich selbst bezog. Sie waren die Götter hier.

 

Und dann sagte Dooku zu Qui-Gons tiefsten Entsetzten: „Ja, das sind wir. Wir sind Götter. Wir sind die Götter, auf die ihr gewartet habt, und nun sind wir hier.“

 

‚Das wird dem Rat gar nicht gefallen.’ Qui-Gon wusste, dass er etwas sagen musste. Etwas um den Götterstatus zu verneinen. Etwas zu seinem Meister. Er musste ihm sagen, dass es falsch war, sich für die Götter der Dahrig auszugeben. Falsch und gefährlich. Trotzdem sagte er nichts.

 

Die Dahrigs starrten ihn und Dooku an. Dann warfen sie die Arme hoch, jubelten und griffen nach Qui-Gon und Dooku, um sie in ihr Dorf zu tragen.

 

‚Sag doch etwas!’ Doch er sagte nichts.

 

 

 

 

 

Tag 6

 

Die Dahrigs waren gut zu ihren Göttern. So gut, wie sie es eben vermochten. Qui-Gon und Dooku wurden medizinisch versorgt und bekamen zu essen und zu trinken.

 

Dooku schien seinen neu gewonnen Status als Gott zu genießen.

 

Doch Qui-Gon wurde das Gefühl nicht los, dass all das schrecklich falsch war. Er wollte von diesen Wesen nicht für einen Gott gehalten werden. Ein Gott zu sein war gleichbedeutend mit für das Volk verantwortlich sein. Ein Gott weckte Hoffnungen. Und Qui-Gon wollte keine falschen Hoffnungen wecken.

„Ich glaube nicht, dass es Jedi gestattet ist, sich als Götter auszugeben, Meister“, wandte er sich schließlich an seinen Meister.

 

Dooku seufzte. „Jedi dürfen viel nicht, Qui-Gon. Aber eines sage ich dir, die derzeitigen Regeln der Jedi sind weltfremd und in der Praxis nicht anzuwenden. Wir wollen überleben, ohne den Dahrigs weh zu tun, nicht wahr? Und auf diese Art schaffen wir es. Und abgesehen davon: Es macht doch Spaß ein Gott zu sein, oder etwa nicht?“

 

Aber es war kein Spiel. Und sie würden den Dahrigs trotzdem wehtun.

 

 

 

 

 

Tag 7

 

Am nächsten Tag brachten es die Dahrigs endlich über sich, von ihrem Problem zu berichten. Es gab im Wald ein Monster, das in einer Höhle hauste und immer wieder einzelne Dahrigs tötete. Nun hofften die blauen Wesen, dass ihre Götter sie von dem Monster befreien würden.

 

Und ihr Gott Dooku versprach ihnen das Problem zu lösen.

 

Auch hier hatte Qui-Gon seine Zweifel. Aber wieder sagte er nichts. Immerhin hatten sie sich bereits in das Leben der Dahrigs eingemischt, nun mussten sie es eben bis zum Ende durchstehen.

 

Dooku versprach, dass sie sich am nächsten Tag dem Monster annehmen würden. Versprechen klangen immer gut.

 

 

 

 

 

Tag 8

 

Wie versprochen brachen Qui-Gon und sein Meister in den Wald auf, um das Monster zu erledigen. Sie wurden von einer Hand voll Dahrig-Krieger begleitet. Die Dahrig führten die Jedi zu der Höhle des Monsters, und nun wurde der Schlachtplan beratschlagt.

 

„Wir gehen vor, ihr folgt uns und seid unsere Rückendeckung. Habt ihr das verstanden?“, erklärte Dooku den Dahrig.

 

Natürlich hatten sie das nicht verstanden, aber sie nickten fleißig.

 

Dooku nickte seinem Padawan zu, und sie schlichen in die Höhle. Drinnen lag eine abscheuliche Kreatur, die vor sich hin döste. Dooku erledigte sie im Schlaf mit nur einem Schwertstreich.

 

Die Krieger stimmten ein Freudengeheul an, und die kleine Truppe machte sich wieder auf den Weg zurück ins Dorf. Das tote Monster ließen sie zurück.

 

 

 

 

 

Leider hatten die Dahrigs vergessen zu erwähnen, dass es nicht nur ein Monster gab. Wahrscheinlich wussten sie es nicht einmal, aber jedes Tier hatte einen Gefährten, auch das Monster hatte einen. Was die Dahrigs auch nicht erwähnt hatten war die Tatsche, dass das Monster überaus intelligent war. Und eine gute Nase hatte...

Sie waren noch nicht wieder beim Dorf angelangt, als die Kreatur über sie herfiel.

 

Zwei Dahrigs waren sofort tot.

 

Die beiden Jedi zogen ihre Lichtschwerter und stellten sich schützend vor die anderen drei Dahrigs.

 

Das Monster knurrte. Mordgier flackerte in seinen Augen. Dann sprang es die Jedi an.

 

Qui-Gon schlug mit seinem Lichtschwert nach dem Monster, konnte aber nicht verhindern, dass er einen schmerzhaften Kratzer erhielt.

 

Sein Meister schlug sich etwas besser und bohrte sein Schwert in den Leib der Bestie.

 

Doch das machte das Tier nur noch wilder. Kein Lebewesen konnte eine Vorstellung davon haben, wie gefährlich ein wildes, verletztes, rachsüchtiges Monster sein konnte, wenn das Lebewesen nicht selbst eine Begegnung mit so einem hatte. Die Bestie streckte einen weiteren Dahrig nieder als die Jedi sie mit ihrem Lichtschwert zu bearbeiten versuchten.

 

Als Qui-Gon in die Augen seines Meisters sah, erkannte er darin etwas, das er noch nie zuvor dort gesehen hatte. Resignation. Dooku wusste, dass sie keine Chance hatten.

 

Und dann, dann geschah ein Wunder. Eine Fähre näherte sich ihnen, eine Fähre mit Suchtrupps. Und die Fähre hatte sie gesehen.

 

Auch die Jedi hatten die Fähre gesehen. Nun galt es, eine Entscheidung zu treffen.

 

Die beiden überlebenden Dahrigs versuchten, die Jedi in ihrem Kampf gegen das Monster zu unterstützen.

 

An der Art wie Dooku die Fähre anstarrte, erkannte Qui-Gon, dass sein Meister dabei war, eine Entscheidung zu treffen. Und irgendwie fühlte Qui-Gon, dass diese gegen die Dahrigs ausfallen würde.

 

Er hätte seinem Meister sagen müssen, was er dachte. ‚Wir können die Dahrigs nicht im Stich lassen.’ Aber er sagte es nicht.

 

Dooku wusste es schließlich selbst.

Als die Fähre nahe genug war, sprang Dooku unter den entsetzten Blick der Dahrigs auf die Fähre. „Komm schon, Qui-Gon!“

 

Qui-Gon starrte seinen Meister an. „Aber die Dahrigs...“ Im gleichen Moment musste er einen Angriff des Monsters abwehren.

 

„Wir können ihnen nicht mehr helfen. Los, komm jetzt!“

 

„Aber das Dorf....“ Qui-Gon bohrte sein Lichtschwert in die Bestie und kämpfte sich unter dem massigen Körper hervor.

 

Sein Meister zog ihn auf die Fähre. „Fliegen Sie!“, befahl Dooku.

 

Qui-Gon wollte protestieren, aber der strenge Blick seines Meisters brachte ihm zum Schweigen.

 

Die todgeweihten Dahrigs starrten ihnen entsetzt nach.

 

 

 

 

 

Zurück in der Stadt war Qui-Gon davon überzeugt, dass sie mit Verstärkung zurückkehren würden, um das Dorf der Dahrigs von der Bestie zu befreien. Sein Meister konnte unmöglich vorhaben, die Dahrigs vollkommen im Stich zu lassen.

 

Doch sie kamen nicht mehr dazu, die Rettungsaktion für die Einheimischen zu planen. Rock und Elenia waren sich zumindest in einer Hinsicht einig. „Die Jedi sind auf diesem Planeten nicht mehr erwünscht“, erklärte Rock, „Wir wollen, dass ihr geht. Sofort.“

 

Organa, der neben ihm stand, zuckte hilflos die Schultern. „Ich habe alles versucht“, behauptete er.

 

„Aber die Dahrigs! Wir können jetzt nicht so einfach weg und sie im Stich lassen!“, empörte sich Qui-Gon.

 

Dooku blickte ihn an. „Wer sagt, dass es einfach ist?“, wollte er wissen.

 

 

 

 

 

„Und dann sind wir wieder geflogen“, endete Qui-Gon seinen Bericht möglichst neutral.

 

Der Rat schwieg. „Danke, Qui-Gon Jinn. Du kannst jetzt gehen“, meinte Ki-Adi Mundi.

 

Qui-Gon verbeugte sich hastig und ging.

Vor dem Ratsaal traf er seinen Meister.

 

„Und? Bin ich in Schwierigkeiten?“, fragte dieser mit frech glitzernden Augen.

 

„Kann gut sein“, erwiderte sein Padawan.

Sie schwiegen sich ein paar Minuten lang an. „Meister, ich war nicht einverstanden mit dem, was auf dem Planeten passiert ist. Ich wollte nur, dass Ihr das wisst“, meinte Qui-Gon dann. „Ich hätte es Euch sagen sollen, aber das habe ich nicht getan. Das war ein Fehler.“

 

Dooku schenkte ihm ein schwaches Lächeln. „Du kannst mir immer alles sagen, Qui-Gon.“

 

„Ich weiß.“ ‚Aber Ihr werdet trotzdem niemals verstehen, warum es jetzt nie wieder so sein kann wie zuvor. Ich habe über den Rand gesehen. Ihr seid nicht unfehlbar, und ich weiß nicht, ob ich das jemals akzeptieren kann.’ „Ihr solltet jetzt rein gehen.“

 

Dooku nickte. „Bis später, Qui-Gon.“ Er betrat den Ratsaal.

 

Qui-Gon sah ihm hinterher. ‚Und andere büßen für Eure Fehler.

Ja, aber so ist es doch immer, oder etwa nicht?’


ENDE