Together Forever




Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Was für ein Tag.


Es war wieder einer dieser Tage.


Einer dieser bestimmten Tage, die man zwar am liebsten ganz schnell hinter sich bringen würde, wenn man noch morgens schön warm in seinem Bett eingemummelt daliegt, aber es war auch einer dieser Tage, die man im Nachhinein immer in Erinnerung haben wird. Einfach weil dieser Tag, wie einige andere auch, total wundervoll war. Oder werden würde.

 

Aber das konnte ich ja an diesem besagtem Morgen noch nicht wissen. Und so lag ich da, auf dem Rücken auf meinem Bett und starrte die graue Decke über mir an. Und auch nach endlos langen Minuten veränderte sie sich doch glatt weg nicht. So ein Mist, es war immer noch dieselbe stinklangweilige Decke von gestern. Und morgen würde sie wohl immer noch so aussehen.

Aber heute war sie mir echt sympathisch. Sehr sympathisch. Überaus sympathisch sogar. Und die Minuten verstrichen. Nur dieser Tag wollte es nicht. Verdammter Tag! Wie ich den überstehen sollte, wusste ich nicht. Ratlos starrte ich also die besagte Decke an.

 

Plötzlich fing Pit-3 an, unsagbar nervtötenden Geräusche von sich zu geben. Verdammter kleiner Boxendroide, hätte ich dich damals nicht der Schrottpresse überlassen können?! Nein. Mein Faible für Schrott hatte gesiegt, und deswegen hatte ich nun diesen anhänglichen kleinen nervigen Droiden mit Eigenleben für immer an meiner Seite kleben. Es war ja wirklich nett von mir, diese Weckfunktion einprogrammiert zu haben, aber heute? Und dann auch noch in der entferntesten Ecke meines Quartiers?

Na, das hatte mir ja noch gefehlt. Jetzt musste ich aufstehen. Und meinem Schicksal ins Auge blicken wie ein ganzer Mann. Nur dass ich der ja glücklicherweise nicht war. Obwohl es heute wohl ganz gut gewesen wäre. Na, sei’s drum.

Mühsam bewegte ich mich also raus aus dem Bett und hin zur Ecke, in der Pit-3 vollkommen bewegungslos dastand und diese ätzenden Geräusche von sich gab. Na ja wenigstens hatte er seine Aufgabe erfüllt. Mit einem genervten Schlag auf die Nase gab ich ihm zu verstehen, er möge endlich still sein. Das war das Positive an diesen teilweise doch nützlichen Dingern, man konnte sie durch einen simplen Stups auf die Nase, wenn man diese als solche bezeichnen wollte, zur Ruhe bringen. So hatte ich also meine Ruhe wieder.

Wenigstens die äußerliche, denn in mir begann diese bisher noch relativ kleine Unruhe langsam echt zu einem Problem zu werden. Wahrscheinlich war es alles umsonst, also zumindest diese Aufregung.

Es war ja eigentlich kein Problem, was mir bevorstand. Überhaupt nicht. Die Ergebnisse der Pilotenprüfung würden mich in etwas mehr als zwei vollen Zeiteinheiten erwarten. Noch zwei Stunden... Bei dem Gedanken drehte sich mir der Magen um.

 

Diese Pilotenausbildung war grundsätzlich nur für bestimmte Padawane bestimmt gewesen. Sie erhielten ab einem bestimmten Alter einige Zeit lang eine gesonderte Spezialisierung im Umgang mit so ziemlich sämtlichen, durch den Rat der Jedi auftreibbaren, fliegenden Raumschiffen etc., die es so gab. Auf Cantex 2, einem kleinen Satelliten von Coruscant, führte Clee Rhara diese Außenstation der Jedi. Die charismatische junge Frau war wirklich wie geschaffen dafür.

 

Ja, soweit das übliche. Und nun zum Unüblichen, zu mir.

 

Man, besser gesagt mein Meister oder wer auch immer, man hatte gemeint, ich sollte die Prüfung ohne große Ausbildung ablegen. (Denn bisher, und das würde sich wohl nicht ändern, erhielt ich eine normale Meister/Padawan-Ausbildung. Und das schon seit ganzen sieben Jahren.)

 

Vor einigen Tagen war diese blöde Prüfung gewesen, und nun wartete ich mit bis zum zerreißen gespannten Nerven auf die Ergebnisse. Ja, ich hatte einen relativ guten Draht zu technischem. Und ich flog seit ich denken konnte. (Und das kann ich echt schon lange.) Trotzdem war mir echt mulmig dabei, irgendwie.

Ein Klopfen riss mich schlagartig aus meinen Gedanken. Äh, äh... Ja... Ich stand ja immer noch da, in dieser Ecke, im Schlafzeug. Im Schlafzeug! Wer auch immer mich sprechen wollte, er konnte es auch in einigen Minuten tun, aber nicht jetzt! Also ignorierte ich es ganz gekonnt (im Dinge-einfach-ignorieren war ich zusätzlich nämlich absolut Spitzenklasse). Sollte mich wohl lieber den wichtigen Dingen widmen, zum Beispiel, mir endlich etwas Vernünftiges anzuziehen.

Trotz allem wich, noch nicht einmal einen Moment später, mit einem Zischen die Tür zur Seite. Normalerweise wäre mir sofort der Gedanke gekommen, hm, ja, natürlich, kann ja nur eine sein, denn den Code kennt ja nur sie; aber es war kein normaler Geisteszustand bei mir anzutreffen heute. So drehte ich mich mit einem leicht wütendem Blick um, mein armes Gegenüber mit einem „Sag mal, was ist an einem ‚Ich mache de Tür absichtlich nicht auf!’ nicht zu verstehen?!“ verbal anzugreifen.

Ich gab zu, ich war gereizt.

Kam alles nur durch diese unnütze nervliche Anspannung. Aber bereits nach dem zweiten Wort brach ich diesen Schwall Worte ab, da mein Sehnerv noch recht gut zu funktionieren schien. Da stand schließlich nicht irgendjemand vor mir.

 

Nein, mit einem fetten Grinsen und die Arme in die Hüften gestemmt stand Rea vor mir.

Rea. Ein Mädchen meines Alters. Schön, unschuldig und schlau. Obwohl man das ‚unschuldig’ wohl gleich wieder streichen konnte. Ihre roten schulterlangen Harre waren mit schwarzen Strähnen durchsetzt und hingen ihr wild ins Gesicht. Seit nunmehr fünfzehn Jahren waren wir unzertrennliche beste Freundinnen. Und das, wo wir beinah auf die zwanzig zugingen.

„Mach dich doch nicht verrückt.“ Man konnte von jedem erwarten, er oder sie würde fragen, ob er störte, ob er denn eintreten dürfe, für Rea Kieno war es selbstverständlich. Sie setzte sich einfach auf die Kante des Bettes und schaute mich spitzbübisch an.

 

„Ich mach mich nicht verrückt“, jammerte ich mehr als dass ich es sagte.

 

„Natürlich.“ Das Grinsen würde in der nächsten Zeit nicht von ihrem Gesicht verschwinden. „Jetzt ist es sowieso zu spät, jetzt hast du’s geschafft, jetzt kannst du nichts mehr tun, damit sie dir den Pilotenschein endgültig noch verweigern“, scherzte sie.

 

Wenn man sich uns anschaute, als Außenstehender, wenn man sich unsere Vergangenheit ansah, so waren wir ziemlich verrückt. Mit vier Jahren fast zeitgleich waren wir zum Orden gekommen, von den unterschiedlichsten Ecken der Galaxis. Ziemlich spät, aber bis hierher hatte wir es schließlich gebracht. Wie polar hatten wir uns in den Jahren jedoch geändert, die eine als Gegenpol zur anderen. War sie früher die ruhigere gewesen, so war ich es jetzt. (Na gut, heute mal ausgeschlossen.) Auch vom Äußeren unterschieden wir uns ziemlich, aber Gegensätze ziehen sich ja an. Zusammen hatten wir schon ziemlichen Mist verbockt manches Mal. Aber hey, noch standen wir ja hier.

 

Die nächste Zeit, bevor es endlich (oder leider) soweit war, verbrachten wir damit, rumzualbern, die Zeit ohne die wachen Augen der Jedi-Meister zu genießen. So ließ es sich durchstehen. Nervös war ich umsonst, selbst ich wusste das, aber ganz ehrlich, das konnte man nicht abstellen, auch wenn es hieß, man sollte seine Gefühle unter Kontrolle haben. Nach außen hin, ja, und wie es im Innern aussah, das musste ja keiner außer uns wissen.

 

 

 

 

 

Als ich den Ratssaal wieder verließ, erwartete mich Rea bereits wieder. Mit viel Mühe hatten wir erreicht, dass sowohl ihre als auch meine nächste Mission erste wieder in den nächsten Tagen beginnen würde. Dass es anders kommen würde, das konnte ich zu dem Zeitpunkt nicht wissen. Aber für den Moment hatten wir Zeit.

„Und?“, fragte sie, trotz ihres Grinsens merkte man, wie gespannt auch sie war.

 

„Freut mich, dich zu sehen, Rea.“ Mein Meister kam mir zuvor, sodass ich gar keine Chance hatte, zu antworten.

 

„Hm, freut mich auch“, kam es als flüchtige Begrüßung von ihr zurück.

 

Qui-Gon Jinn würde ihr diese recht anstandslose Begrüßung nicht übel nehmen, das wusste ich.

Man konnte über die Zusammenstellung schmunzeln. Der Meister meiner besten Freundin, Obi-Wan Kenobi, war der ehemalige Padawan meines Meisters. Wir jedenfalls fanden es recht amüsant. Über all die Jahre lernte man sich kennen, mit all seinen Ecken und Kanten, mit all seinen Eigenschaften. Und so gab mir Qui-Gon nur mit einer kleinen Geste zu verstehen, dass wir nun ruhig eine Weile unsere eigenen Wege gehen konnte.

 

„Es lief gut“, gab ich ihr zur Antwort.

 

„Gut? Oder guuut?“ Sie grinste nur.

 

„Na gut, es lief guuut.“ Ich musste lachen.

 

„Sag ich ja!“

Die Arme um die Hüften des anderen gelegt schlenderten wir die Gänge hinunter, zu dem Ort, der uns seit eh und je anzog wie kein anderer.

Der Kartenraum. Hatten wir freie Zeit, so verbrachten wir sie gerne damit, einfach dazusitzen, Projektionen unserer Heimatwelten anzusehen und... Sterne zu zählen. Nein, im Ernst! Na ja, und nebenbei redeten wir über Yoda und die Galaxis.

So saßen wir auch später wieder da, mit angezogenen Knien, und schauten in die durch eine kleine Glaskugel projizierten vielen Punkte, die stellvertretend für die größten Planeten der Galaxis durch den Raum ihre Bahnen zogen.

 

Ich kam aus den Mittelwelten, sie aus dem Outer Rim, wir verstanden uns prächtig.

 

„428, 429, 430.... Mach du“, schallte es zu mir rüber.

 

„Du hast viel zu früh gewechselt...“, täuschte ich schmollend vor.

 

Ihr Lachen erhellte den ganzen Raum. „Du bist so herrlich!“

 

„Danke, gleichfalls.“ Ein Lächeln umspielte meine Lippen.

Dieses anscheinend sinnlose Sterne-zählen-Spiel praktizierten wir nun seit Jahren, und nie wurden wir es leid. Es war ein kleiner Scherz, den wir uns, sofern wir die Zeit gemeinsam fanden, immer wieder erlaubten. Es war ein kleines Stück, welches wir uns nicht nehmen ließen.

Eigentlich hatten wir geplant, den Tag zu nutzen, da er noch recht jung war. Pläne hatten wir seit eh und je, da wir nur selten dazu kamen in letzter Zeit, etwas gemeinsam zu unternehmen. Zu oft war eine von uns auf Mission, nicht selten wir beide gleichzeitig an den entgegen gesetzten Enden der erforschten Galaxie. Und wenn wir Zeit hatten, wollten wir alles auf einmal nachholen. Typisch war das weder für unser Alter noch dafür, dass wir Padawane waren. Aber so waren wir. Inmitten des Ernstes durfte man sich ja wohl auch mal einen kleinen Spaß erlauben.

 

 

 

 

 

Aber heute verging die Zeit auch ohne dass wir unseren Teil dazu beigetragen hatten. Gegen Abend gingen wir im Saal der tausend Quellen noch eine Runde schwimmen, doch ansonsten kamen wir zu nicht mehr als zu reden, die ganze Zeit miteinander zu reden. Und doch war es ein rundum wundervoller Tag.

Bis spät in die Nacht saßen wir noch am See. Die Holo-Lampen, die das Tageslicht projizierten, waren schon lange abgeschaltet, und so saßen wir inmitten vollkommener Dunkelheit da.

 

Und dieser Tag blieb mir in Erinnerung, als einer der harmonischsten meines Lebens.

 

 

 

 

 

Den nächsten Tag würde ich mein Leben lang nicht vergessen. Niemand hatte es geahnt. Niemand hatte es verhindert. Niemand hatte es kommen sehen.

 

Rea Kieno, neunzehn Jahre jung, blieb auf immer aus dem Tempel verschwunden.

 

Und niemand hatte gewusst, wie ihr Vorhaben gewesen war.

Nicht einmal ich.

 

 

 

 

 

~~~

 

 

 

 

 

Erst einige Jahre später erfuhr ich den Grund für ihr plötzliches Verschwinden. Erst als wir uns Jahre später wieder von Angesicht zu Angesicht gegenüber standen. Sie war zu den Sith gegangen. Urplötzlich.

 

Ich glaube, eigentlich habe ich es gewusst, von Anfang an. Sie war nicht die erste aus unserem Jahrgang, welche sich angezogen fühlte von der dunklen Seite. Aber vorläufig würde sie die letzte bleiben, die diesen Weg wählte.

 

Vorausgesehen hatte es niemand. Meister Yoda vielleicht. Wer kann schon wissen, was er nicht alles in seinen Visionen sieht. Zukunft, Vergangenheit, mögliche Dinge, Unmögliches.

 

Aber selbst wenn es jemand geahnt hatte, niemand hatte es verhindert. Hätte man es überhaupt verhindern können? Kann man ein freies Individuum daran hindern, seinen eigenen Weg zu gehen?

 

Ich denke nicht.

Im Nachhinein bin ich nicht einmal enttäuscht oder wütend. Ich muss zugeben, am Anfang als sie einfach verschwunden ist, ich hätte sie am liebsten umgebracht. Asche auf mein Haupt für solche Gedanken. Nach so vielen Leuten, die mir wichtig gewesen sind, hat sie mich auch noch im Stich gelassen. Doch dieser Zorn legte sich bald. Wir würden uns wieder sehen, soviel wusste ich. Wir waren nicht grundlos ein Leben lang Pech und Schwefel gewesen.

Na ja, und wie gesagt, wir sahen uns wieder.

Vielleicht ist mir ihr Weggang nicht allzu lange allzu nahe gegangen, weil ich selbst zwei Jahre später dem Orden á de gesagt habe.

Auch ich bin meinen Weg gegangen. Dieser hat mich nicht länger gebunden an Coruscant gehalten, und schon lange hatten meine Moralansichten nicht mehr überein mit dem Kodex gestimmt. Wer so viele Freunde durch den Orden verloren hat, selbst wenn sie alle Jedi-Anwärter waren wie ich einst, der versteht vielleicht meine Beweggründe. Und wenn nicht? Na ja, dann eben nicht.

 

Jeder sollte seinen Weg gehen, auch wenn er nicht der konventionellste ist oder der, von dem man sagt, er sei richtig. Man muss schon seinen eigenen richtigen Weg suchen, oder man bleibt auf ewig Anhänger in einem Trott, der einen zugrunde richtet.

 

Das habe ich mit der Zeit verstanden. Und ich habe Reas Weg akzeptiert.

 

Und jedem wünsche ich auf diesem seinen Weg eine Freundin (oder einen Freund) wie Rea an seine Seite. Es läuft vielleicht nicht immer alles so, wie man es will oder wie man es sich wünscht. Es geschehen Dinge, die nicht vorhersehbar sind. Es passieren Dinge, die auf den ersten Blick schlimm sind, und sich im Nachhinein als richtig erwiesen. Man muss es nur akzeptieren. Auch wenn all diese Dinge geschehen, so stehen sie einer innigen Freundschaft nicht im Wege.

 

Uns trennten manches Mal Welten. Trotzdem hat sich unser Weg nie getrennt. Er verlief nur zeitweilig in zwei Bahnen.

 

Jedoch wünsche ich jedem so jemanden an die Seite. Denn so erscheint der Weg gleich nur noch halb so weit. Und doppelt so erfüllt.



ENDE