Sithamorphosis



Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





 

 

Der Schüler erwachte aus einem unruhigen Schlaf. Seltsame Träume hatten ihn heimgesucht, angefüllt von Lauten, die seine Ohren zuvor noch nie vernommen und nebelhaften, vermummten Gestalten, die sich seinem Blick entzogen hatten, wann immer er unter ihre Kapuzen zu spähen versuchte hatte. Sie waren wie die Schatten einer Vergangenheit gewesen, an die er sich nur vage erinnern konnte, denn sein Dasein bestand lange schon nur aus Schmerz und Müdigkeit, dem bitteren Wissen, gehorchen zu müssen und durch Qualen den Weg zum einem Ziel zu beschreiten, für das er sich längst würdig wähnte.

 

Über ihm zogen die Sterne ihre Bahn, unberührt von Wünschen und Ängsten, fernes Funkeln

am samtschwarzen Himmel des namenlosen Planeten, auf dessen harter Erde er lag.

Sie war kalt und karg, von rauen Winden geglättet und leblos. Es gab nichts, was die

sterbende Sonne, die der Planet seit Äonen umkreiste, des Tags mit ihren kraftlosen Strahlen hätte erwärmen können.

 

Sie schien auf längst verlassene Ruinen, errichtet von einer untergegangenen Rasse, die ein

Denkmal für die Ewigkeit hatte setzen wollen und doch vergessen worden war.

 

Der Schüler erhob sich, mit Kälte in seinen Gliedern und einem Knoten aus Angst und

Unbehagen in seinen Eingeweiden. Er wusste, dass seine Zeit gekommen war, er hatte alles

gelernt, alles erduldet, alles getan – allein die Furcht vor dem letzten Schritt galt es noch zu

besiegen. Der Schritt in die Freiheit und zur allumfassenden Macht.

 

Ein einziges Hindernis lag noch vor ihm und er sammelte seinen Hass aus jeder Demütigung,

jedem Tadel, jedem Schlag und jedem Schmerz, der ihm zugefügt worden war in den Jahren

der Knechtschaft als Sklave eines anderen, der allein über ihm stand. Nein – gestanden hatte!

 

*

 

Der Meister saß in der tiefsten Halle des alten Tempels, die Augen geschlossen und in einer

Meditation versunken, die ihn auf den Spuren der Geschichte zurückführte – mal auf einem

breiten Weg, der klar vor ihm lag, mal auf einem schmalen Steg, gefährlich nah am Abgrund

des Vergessens. Er rief sich Niederlagen und Siege in Erinnerung, memorierte sie immerzu, so wie er seinen Schüler mit eiserner Hand anhielt, der alten Geschichte der Sith zu gedenken, denn sie durfte nicht in den Wirren der Zeit verloren gehen.

 

Sie konnte er nicht im Herzen und in der Seele tragen, wie alles, was nach dem wahren

Erwachen geschehen war. Damals hatte es noch viele Erinnernde gegeben, die Zeugnis von

der Größe der Sith hatten geben können...

 

Bis zu der schicksalhaften Schlacht, aus der nur ein einziger lebend entkommen war. Dieser

eine hatte aus den Fehlern vieler gelernt und sie nicht wiederholt, er hatte einen neuen Pfad

beschritten mit seiner Regel des Immer Zwei.

 

Aber stärker noch war ein weiteres Erbe des Bane, ein geheimes und wichtiges Wissen, das

wuchs und weiterlebte in Geist und Fleisch; und so wurden aus dem einen wieder viele in

einem einzigen.

 

Langsam öffnete der Meister seine Augen.

 

Sie durchmaßen das absolute Dunkel, sahen nichts und doch alles, denn seine Sinne waren

eins mit der Macht. Er hörte die vorsichtigen Schritte auf dem staubbedeckten Boden, leisen

Atem, der Unruhe und Aufregung verriet, gewahrte hastigen Herzschlag und spürte zugleich

Entschlossenheit: der vermeintliche Jäger näherte sich seiner Beute in der vollkommenen

Gewissheit des unvermeidlichen Sieges.

 

Seine Gier war grenzenlos, ebenso seine Verblendung.

 

*

 

Der Schüler schlich sich heran, ließ sich von der Macht leiten und so erspähte er den Meister – einen dunklen Schemen in der Schwärze des Tempels, den eine Aura aus diffusem Licht

umgab. Der Schüler starrte auf den Rücken des Meisters, wusste ihn von schweren, dunklen

Gewändern bedeckt, die goldene Ornamente zierten – wie Schlangen schienen sie

dahinzugleiten mit dem gleichmäßigen Heben und Senken einer breiten Brust.

 

Der Schüler hielt inne.

 

Vorsichtig tastete sein Geist sich voran, um den Meister in der Meditation nicht zu stören und um nach einem winzigen Zeichen des Erkennens zu suchen. Doch das Bewusstsein des

Meisters war wie ein unbewegter See dunklen Wassers, dessen Tiefe verborgen blieb.

 

Der Schüler zögerte kurz, doch endgültig bezwang er nun die Furcht, deren eisige Finger über sein Rückgrat glitten und ihn würgten, seit er den Tempel betreten hatte. Die Kälte

verwandelte sich in berauschende Wärme und so wurde der Hass wahrhaftig entflammt.

 

*

 

Der Meister lächelte.

 

Er erinnerte sich an einen Tag, der nun in der Ferne der Vergangenheit lag, an den jungen

Mann, der er einmal gewesen war, an sein Wollen, sein Zögern, seinen Entschluss und das,

was daraus entstanden war.

 

Es war an der Zeit die Bürde weiterzugeben, sie von den Schultern zu streifen und einem

anderem aufzuerlegen – einem, der nichts von seinem wirklichen Schicksal ahnte und sich für sein Geschick beglückwünschte, im rechten Moment das Äußerste zu tun, um nach den

Sternen greifen zu können.

 

Der Meister war bereit.

 

*

 

Der Schüler hob seine Waffe – ein roter Lichtstrahl erwachte in der Finsternis, der Tod

versprach und bringen würde.

 

Ein Hieb nur, das Licht sauste nieder ...

 

Plötzlich wurde sein Leuchten erwidert und über gekreuzten Schwertern trafen sich zwei

Blicke; einer hasserfüllt, doch seltsam leer zugleich, der andere wissend und zufrieden.

Und der Kampf begann.

 

Dem Meister würde er die Erlösung schenken, ein Teil der Bürde zu werden und seine finstere Seele mit denen seiner Vorgänger zu vereinen zu ewigem Leben, und dem Schüler sollte er die unerwartete Last der immerwährend wachsenden Meisterschaft auferlegen, die das Wissen von Generationen, Triumph und Niederlage, Freiheit und Sklaverei, Macht und Ohnmacht, Lust und Schmerz und alles andere, was ein Leben im Dienste der Dunklen Seite umfing, zugleich in sich barg, damit das Erbe der Sith niemals unterging ...

 




ENDE

@Dairyû 9/2006