Meister Sariel




Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.




Anmerkungen des Autors (der Autorin):

 Diese Geschichte ist ein kurzes, humorvolles Sequel zu: Keine größere Macht.




Kläff! Kläff... kläff! Kläff... kläff... Kläff! Kläff... kläff!

 

Jedi-Meister Qui-Gon Jinn stöhnte kurz auf. Er rollte seine blauen Augen. Obwohl er ein ruhiger und ausgeglichener Mann war, der normalerweise nur schwer aus der Fassung zu bringen war, begann ihm das andauernde Gekläffe auf die Nerven zu gehen. Außerdem befürchtete er, dass einer der anderen Jedi das im Tempel doch sehr ungewöhnliche Geräusch hören würde. Immerhin war es laut genug, dass man es noch im Gang vor Qui-Gons Quartier hören konnte.

„Obi-Wan!“, rief Qui-Gon.

 

Kläff! Kläff! Kläff!

 

„Obi-Wan!“, wiederholte er.

 

Kläff!

 

„Ja, Meister?“, entgegnete sein Schüler nach einigen Sekunden träge.

 

Kläff... kläff!

 

„Sorge dafür, dass dieser Welpe endlich mit dem Krach aufhört und ruhig bleibt. Hast du verstanden?“, sagte Qui-Gon streng.

 

Kläff... kläff… kläff! Kläff!

 

„Obi-Wan! Hast du mich verstanden? Hast du gehört, was ich gesagt habe?” Die Stimme des Jedi-Meisters klang angespannt.

 

„Das ist sehr schön, Meister“, erklang die ruhige Antwort.

 

Qui-Gon sprang von dem Küchentisch, auf dem er bis jetzt gesessen war. Er stürmte durch die Tür, die in das Wohnzimmer führte.

 

Sein achtzehnjähriger Padawan, Obi-Wan Kenobi, saß gemütlich auf der Couch und hatte seine Füße auf den Tisch gelegt. Den Kopf mit den kurz geschnittenen dunkelblonden Haaren hielt er leicht gesenkt. Seine blaugrünen Augen schienen an dem Datapad, das er in seiner Hand hielt, zu kleben. Er war offensichtlich vollkommen in dessen Inhalt vertieft. Und so nahm er überhaupt nichts mehr von dem wahr, was um ihn herum geschah. Selbst das ständige Gekläffe schien er überhaupt nicht zu hören.

 

Kläff!

 

Der Jedi-Meister trat zu seinem Schüler und blieb vor diesem stehen. Dann griff er nach dem Datapad und riss es dem jungen Jedi aus der Hand.

 

„Hey! Ich lese das gerade“, wehrte sich Obi-Wan und er klang mehr als nur ein wenig verärgert.

 

„Ich muss dich korrigieren, Padawan. Du hast das gelesen“, stellte Qui-Gon ruhig richtig. „Ich denke, dass ich im Moment gerade mit dir spreche.“

Er hielt inne, um zu sehen, ob Obi-Wan ihm jetzt endlich zuhörte. Als der Teenager aufsah und seinem Meister in die Augen blickte, fuhr er fort:

„Du musst unbedingt dafür sorgen, dass Meister Sariel ruhig ist. Wenn jemand ihr Gekläffe hört, dann wirst du sie weggeben müssen.“

 

„Aber wir sind doch schon eine Woche wieder im Tempel, und niemand weiß etwas von ihr“, erwiderte Obi-Wan jammernd.

 

„Bist du dir da so sicher, Padawan? Ich denke das nicht. Gerade heute Morgen habe ich Meister Windu getroffen. Er hat mir gesagt, dass sich jemand bei ihm über ein kläffendes Geräusch beklagt hat, das er schon seit einigen Tagen immer wieder hört.“

 

Der junge Jedi schien einen Augenblick über die Worte seines Meisters nachzudenken.

„Aber wir tun doch nichts Unrechtes, wenn wir ein Haustier haben. Oder, Meister?“

 

„Das denke ich auch nicht, Padawan. Doch es ist die Art und Weise, wie wir sie bekommen haben, die dem Rat sicherlich nicht gefallen würde. Wie du ja selbst sagtest, dürfen Jedi keine Geschenke von anderen Personen wie zum Beispiel Botschaftern annehmen. Und wir können dann nicht lügen oder uns irgendwie herausreden, wenn die Ratsmitglieder nachfragen. Deshalb möchte ich, dass du dafür sorgst, dass sie ruhig ist. Solltest du dazu nicht in der Lage sein, werden wir beide große Schwierigkeiten mit dem Rat bekommen. Hast du mich verstanden, Obi-Wan?“

 

„Ja, Meister.“

Obi-Wan stand auf und nahm den Drangmul-Welpen auf den Arm.

„Ich denke, ich werde sie mit in mein Quartier nehmen und sie füttern. Sie ist normalerweise ganz still, wenn sie etwas isst.“

 

„Du fütterst sie immer, wenn ich dir sage, dass du dafür sorgen sollst, dass sie ruhig ist. Obi-Wan, sie wird allmählich fett“, stellte der Jedi-Meister fest.

 

Der Teenager runzelte die Stirn.

„Fett?“, fragte er fassungslos. „Ihr denkt, sie ist fett, Meister?“

 

„Schau sie dir doch mal genau an, Padawan“, antwortete Qui-Gon. „Sie ist mit Sicherheit nicht am Verhungern.“

 

Obi-Wan starrte den kleinen, hellbraunen, pelzigen Welpen auf seinen Armen eine kurze Weile nachdenklich an.

„Nun... ja... Ich glaube, sie hat ein wenig zugenommen“, gab er zu.

 

„Ein wenig zugenommen? Padawan, sie ist...“

Der Satz des Jedi-Meisters wurde von der Türklingel unterbrochen. Die beiden Jedi erstarrten. Ihre Augen weiteten sich vor Schreck. Entsetzt starrten sie sich gegenseitig an.

Die Glocke erklang ein weiteres Mal.

 

„P-Padawan“, stotterte der Qui-Gon. „Bring Meister Sariel sofort in mein Schlafzimmer und sorge dafür, dass sie still ist. Ich will keinen Ton von ihr hören. Das ist ein Befehl, Padawan.“

 

„Ja, Meister. Ich bin schon weg.“

Der junge Jedi stürmte mit dem kleinen Welpen auf dem Arm in das Schlafzimmer seines Meisters. Leise zischend schloss sich die Tür hinter ihm.

 

Qui-Gon atmete kurz ein und aus, um sich wieder zu beruhigen. Dann ging er zur Eingangstür und öffnete sie. Sein leichtes Lächeln erstarrte, als er Mace Windu in der Türöffnung stehen sah.

 

Der dunkelhäutige Jedi-Meister nickte leicht zur Begrüßung.

„Qui-Gon“, sagte er.

 

„Mace“, entgegnete Qui-Gon fast ein wenig zu schnell. „Was führt Euch zu mir?“

Mace Windus durchdringende dunkle Augen blickten hinter Qui-Gon. Sie schienen den Raum hinter dem großen Jedi-Meister genau zu durchsuchen.

 

„Ist irgend etwas nicht in Ordnung, Mace?“, versuchte Qui-Gon seine Sorge mit einem Lächeln zu überspielen.

 

„Nein“, antwortete der dunkelhäutige Jedi, während er noch immer in das Zimmer hinter Qui-Gon starrte. „Ich wollte einfach nur sehen, was du machst und wie es dir geht.“

Endlich richtete Mace Windu seinen Blick auf den großen Jedi-Meister, der noch immer den Zugang zu dem Raum hinter ihnen blockierte.

„Nun, wie es geht es dir denn, Qui-Gon? Du scheinst ein wenig nervös und gereizt zu sein, seitdem ihr beide von den Cardanern zurückgekommen seid. Ist irgendetwas nicht so gut gelaufen dort?“

 

„Nein, es lief alles, wie es geplant war. Es gab wirklich keine Probleme.“

 

„Und Obi-Wan?“, fragte Mace besorgt nach. „Wie geht es ihm jetzt? Hat er sich denn schon vollkommen erholt? Er hat nicht geantwortet, als ich nebenan bei ihm an die Türe geklopft habe“, fügte er hinzu.

 

„Ja, Mace. Es geht ihm gut“, erwiderte Qui-Gon. „Bitte entschuldigt mich jetzt, ich habe im Moment viel zu tun. Wir können uns gerne später unterhalten.“

Er streckte seine Hand aus, um den Schalter zu betätigen, der die Tür schloss.

 

„Sicher“, sagte Mace Windu im gleichen Moment, im dem die Tür vor seinem Gesicht vorbeischoss und sich zischend schloss.

Er drehte sich um und ging den Gang zurück, den er gekommen war.

„Ein eigenartiger Mann“, murmelte er vor sich hin. „Und er wird immer eigenartiger.“

 

„Padawan“, rief Qui-Gon, während er sich umdrehte. „Padawan, antworte mir!“

 

Die Tür zum Schlafzimmer öffnete sich einen kleinen Spalt, und Obi-Wan spähte in das Wohnzimmer. Als er sah, dass sein Meister alleine war, betrat er den Raum.

„Wer war das, Meister?“, fragte er vorsichtig.

 

„Es war Mace, Padawan. Er vermutet, dass wir beide ein ungewöhnliches Geheimnis haben.”

 

„Warum denkt Ihr das, Meister? Was hat er gesagt?“, fragte Obi-Wan stirnrunzelnd.

 

„Nun, er hat mich gefragt, was ich tue und wie es mir geht. Dann hat er gemeint, dass ich ziemlich nervös und gereizt sei, seitdem wir von den Cardanern zurückgekommen sind“, antwortete Qui-Gon etwas frustriert.

 

„Aber Ihr seid seitdem… nervös und gereizt, Meister“, bestätigte der Teenager.

Obi-Wans Stimme klang zwar ruhig, aber dennoch wagte er nicht, seinem Meister in die Augen zu sehen. Er war sich unsicher, wie Qui-Gon auf einen solchen Kommentar seines Schülers reagieren und damit umgehen würde. Ganz besonders, nachdem dieser doch sehr nervös und auch ein wenig verärgert war.

 

Der Jedi-Meister seufzte. In der Zwischenzeit hatte er sich wieder ein bisschen beruhigt.

„Denkst du wirklich so, Padawan?“, fragte er.

 

Sein Schüler warf ihm einen kurzen Blick zu. Dann senkte er seine Augen wieder in Richtung des Fußbodens.

„Ja, Meister“, sagte er schließlich.

 

Auf einmal schien es Qui-Gon, dass irgendetwas anders war als vor Mace Windus Besuch. Er sah sich kurz um und horchte einen Augenblick. Dann wandte er sich an den Padawan:

„Was hast du denn mit Meister Sariel gemacht, Obi-Wan? Sie ist auf einmal so ruhig.“

 

„Ich habe ihr etwas zum Essen gegeben. Das funktioniert immer. Hört nur, wie ruhig sie ist“, entgegnete er mit einem frechen Grinsen.

 

Der Jedi-Meister runzelte die Stirn.

„Und woher hattest du das Futter?“, wollte er wissen. „Du solltest sie doch in mein Schlafzimmer bringen.“

 

„Ja, das habe ich auch“, erwiderte der Teenager. „Für den Fall, dass sie mal hungrig wird, wenn wir bei Euch sind, habe ich dort etwas Futter gelagert.“

Sein Grinsen wurde noch breiter. Er war offensichtlich mehr als stolz auf seine geniale Lösung des Problems.

 

Qui-Gon war weniger begeistert.

„In MEINEM Schlafzimmer?“

 

„Ja, Meister. Wie Ihr seht, erweist sich eine solche Vorrausicht in Situationen wie dieser als sehr nützlich“, sagte er selbstbewusster als er sich fühlte.

 

Qui-Gon starrte seinen Schüler für einen Moment fassungslos an.

„Obi-Wan, wenn du dafür sorgen würdest, dass sie ruhig ist, dann würden wir uns nicht in einer Situation wie dieser befinden“, sagte er streng.

 

„Was hätte ich denn machen sollen? Sie möchte einfach auch manchmal gerne etwas sagen“, versuchte sich der junge Jedi zu rechtfertigen.

 

„Schaffe es sofort hier heraus“, befahl der Jedi-Meister barsch.

 

„Sie, nicht es, Meister“, korrigierte Obi-Wan. „Und sprecht nicht auf diese Art und Weise über sie, Meister. Ihr sprecht, als wäre sie nicht real.“

 

„In Ordnung“, seufzte Qui-Gon erschlagen. „Dann schaffe sie sofort hier heraus. Und ich wünschte, sie wäre nicht real“, fügte er noch sarkastisch hinzu.

 

Der Teenager keuchte entsetzt auf.

„Meister… sagt das nicht. Sie kann Euch hören.”

 

„Das ist mir ganz egal, Padawan. Bringe sie jetzt endlich aus meinem Quartier und nimm das Futter aus meinem Schlafzimmer auch gleich mit.“

 

„Ja, Meister“, seufzte Obi-Wan.

 

 

 

 

 

~*~*~*~

 

 

 

 

 

Obi-Wan spielte gerade mit dem Welpen, als er die Türklingel hörte. Schnell versteckte er Meister Sariel in seinem Schlafzimmer. Dann öffnete er die Tür.

 

Es war sein Meister Qui-Gon, der mit einem ernsten Gesichtsausdruck vor ihm stand.

„Obi-Wan, wir wurden vor den Rat gerufen.“

 

„In Ordnung, Meister“, entgegnete der junge Jedi. „Ich will nur noch kurz nachschauen, ob Meister Sariel genug zum Fressen hat, bevor wir gehen.“

 

Der Jedi-Meister wirkte auf einmal ein wenig gequält.

„Ich wünschte, du hättest sie nicht so genannt, Padawan. Dass ich den Welpen angenommen habe, war schon schlimm genug. Doch dass du ihr den Namen von einem der Meister gegeben hast, das ist… Das ist…“

 

„Das ist was, Meister?“, fragte Obi-Wan nach.

 

„Ich weiß es nicht. Aber es ist nicht gut. Wenn Meister Sariel das jemals herausfindet… Dann wirst du große Schwierigkeiten bekommen, Obi-Wan.”

 

„Aber sie sieht doch wirklich wie Meister Sariel aus… Sie hat auch hellbraunes, flaumiges Haar und das überall… sogar in ihrem kleinen Mopsgesicht“, lachte der Teenager.

 

„Obi-Wan! Sag so etwas nicht! Wir Jedi sollen alle Lebensformen respektieren… Das schließt auch Vordrenianer ein. Hast du verstanden?”, entgegnete Qui-Gon streng.

 

„Ja, Meister“, antwortete Obi-Wan. „Ich möchte nur sicher sein, dass sie genug zum Essen hat, während wir beim Rat sind.“

Er drehte sich um und ging auf sein Schlafzimmer zu.

 

Genau in diesem Moment schoss der Drangmul-Welpe aus dem Versteck. Er raste an den beiden Jedi vorbei und floh durch die noch immer offen stehende Eingangstür von Obi-Wans Quartier nach draußen in den Gang.

 

Der Meister und sein Schüler starrten voller Entsetzen und mit zunehmender Panik vollkommen ungläubig hinter dem Tier her.

Es dauerte einige Sekunden, bis sich die beiden Jedi wieder ein bisschen von ihrem ersten Schock erholt hatten.

„Meister“, stammelte Obi-Wan.

 

„Obi-Wan.“

 

„Meister.“

 

„Obi-Wan, stehe nicht wie angewurzelt da. Geh und finde diesen Welpen“, befahl Qui-Gon.

 

Der junge Jedi raste aus seinem Quartier und den Gang entlang, durch den der Welpe vor kurzer Zeit geflüchtet war.

 

Einige Minuten später fand Qui-Gon seinen Schüler in der Nähe der Trainingsräume.

 

Doch der Teenager war allein. Er hatte den verschwundenen Drangmul-Welpen nicht bei sich.

„Meister, ich kann sie einfach nicht finden“, jammerte Obi-Wan. „Wohin könnte sie denn gelaufen sein? Sie kann doch nicht so einfach verschwinden.“

 

„Ich kann dir leider auch nicht sagen, wo sie sein könnte. Ich weiß es selbst nicht, Padawan. Aber wir haben im Moment keine Zeit mehr, nach ihr zu suchen. Wir müssen jetzt unbedingt zum Rat. Wir sind sowieso schon zu spät dran“, sagte der Jedi-Meister, der normalerweise ein sehr pünktlicher Mann war.

Er griff nach dem Arm des jungen Jedi und zog ihn sanft, aber dennoch bestimmt, in Richtung des Liftes.

 

Währenddessen suchte Obi-Wan noch immer mit seinen Augen in allen Richtungen nach dem Drangmul-Welpen.

Gemeinsam ging er mit seinem Meister zu dem Zimmer des Jedi-Rates. Doch er hörte nicht auf, nach dem Welpen Ausschau zu halten. Ständig starrte er in die verschiedenen Gänge, an denen sie vorbei liefen und warf einen Blick in jedes Zimmer, dessen Tür offen stand.

 

„Hör damit auf, Obi-Wan“, wies Qui-Gon den jungen Jedi mit leiser Stimme zurecht. „Wenn du so weitermachst, wird noch jemand misstrauisch werden.“

 

„Aber, Meister. Ich muss unbedingt Meister Sariel finden … bevor irgendjemand anders sie findet.“

 

 

 

 

 

~*~*~*~

 

 

 

 

 

Nacheinander betraten Qui-Gon und Obi-Wan das Zimmer des Jedi-Rates. Wie immer neigten sie kurz ihren Kopf zur Begrüßung.

 

Aber die Gedanken des jungen Jedi waren überhaupt nicht bei der Sache. Die Ratsmitglieder begannen ihnen irgendetwas zu erklären, doch Obi-Wan verlor sich in den Gedanken über seinen verschwundenen Welpen.

 

Das Zischen der sich öffnenden Türen des Raumes brachte die Gedanken des Teenagers wieder in die Gegenwart zurück. Ein kleiner Assistent betrat das Ratszimmer. Obi-Wan warf einen kurzen Blick durch die sich langsam wieder schließenden Türen. Draußen konnte er den kleinen Welpen sehen, der gerade in diesem Augenblick den Gang vor dem Ratszimmer entlang trottete. Er hielt den Atem an und seine Augen weiteten sich vor Entsetzen.

 

Qui-Gon konnte die wachsende Sorge seines Schülers spüren.

‚Was ist los, Padawan?’, wollte er wissen.

 

‚Meister, ich habe gerade Meister Sariel im Korridor gesehen.’

 

Sogar über ihre mentale Verbindung konnte der Jedi-Meister die große Verzweiflung des jungen Jedi hören.

‚Beruhige dich, Padawan. Der Rat wird deine Angst bemerken und wissen wollen, was los ist.’

 

Der Rat schien den Bericht des Assistenten mit wachsender Beunruhigung zu verfolgen- das hatte Qui-Gon auf jeden Fall bis zu diesem Zeitpunkt gehofft.

 

„Irgendwelche Probleme es gibt, Padawan?“

Meister Yodas Stimme unterbrach ihre private Unterhaltung. Der Assistent hatte seinen Bericht abgeschlossen und verließ genau in diesem Moment den Raum.

 

‚Du siehst, Padawan, sie haben es bereits bemerkt’, stellte Qui-Gon fest.

 

„Nein... nein, Meister“, stotterte Obi-Wan. “Ich müsste… nur ganz dringend ins Badezimmer gehen”, fügte er mit einem Lächeln hinzu.

 

‚Padawan! Du lügst!’

 

‚Es wäre nicht das erste Mal, Meister’, übermittelte der junge Jedi frech.

 

Qui-Gon verlor seine innere Ruhe.

‚Padawan, wir stehen hier vor dem Rat. Du kannst doch nicht die Ratsmitglieder anlügen!’, entgegnete er entsetzt.

 

‚Aber Meister, ich muss wirklich ganz dringend ins Badezimmer. So gesehen lüge ich sie nicht direkt an’, verteidigte sich Obi-Wan.

 

Der Jedi-Meister seufzte kurz und unhörbar auf.

‚Du wirst deine gesamte Freizeit heute Nacht zum Meditieren verwenden. Hast du mich verstanden, Obi-Wan?’

 

‚Ja, Meister. Aber jetzt muss ich unbedingt Meister Sariel finden.’

 

„Entschuldigt du bist, Padawan“, sagte Yoda.

 

„Vielen Dank, Meister.“

Obi-Wan verneigte sich. Er warf Qui-Gon noch einen kurzen Blick zu und verschwand dann hinter den Türen des Ratzimmers.

 

 

 

 

 

~*~*~*~

 

 

 

 

 

Der junge Jedi kroch die verschiedenen Gänge entlang und suchte fieberhaft nach dem verschwundenen Welpen. Er hatte großes Glück, dass ihn niemand beobachtete. Derjenige wäre über das sonderbare und sehr ungewöhnliche Verhalten des Padawans auf jeden Fall mehr als nur erstaunt und verwundert gewesen.

„Meister Sariel!“, rief Obi-Wan leise. „Meister Sariel! Wo bist du?“

Als er die Meditationsgärten erreichte, kam ihm der Gedanke, dass dies der Platz wäre, an den ein kleines, verlorenes Tier flüchten könnte.

‚Natürlich, die Gärten. Warum habe ich nicht schon viel früher daran gedacht’, überlegte er.

Leise, um niemanden auf sich aufmerksam zu machen, betrat er die Gärten. Er verband sich mit der Macht, um festzustellen, ob sich außer ihm sonst noch irgendwelche Lebensformen dort befanden. Nach kurzer Zeit konnte er spüren, dass sich noch jemand auf der anderen Seite eines großen Baumes stand. Doch er konnte nicht erkennen, wer es war. Er rannte schnell um den Baum herum und sah sofort, dass er Recht gehabt hatte. Dort befand sich der Drangmul-Welpe, der an einer hoch stehenden Wurzel herumschnüffelte.

„Meister Sariel!“, wisperte er erleichtert.

 

Als er auf den Welpen zuging, sah dieser ihn für einen kurzen Moment an. Dann schoss er durch die Bäume und verschwand erneut.

 

Obi-Wan rannte sofort hinterher und konnte gerade noch sehen, wie der Welpe in einem großen Xalabusch Schutz suchte. Der junge Jedi blieb davor stehen und versuchte, durch das dichte Gestrüpp einen Blick auf den Welpen zu erhaschen.

„Meister Sariel“, flüsterte er aufgewühlt. „Bitte komme da heraus, Meister Sariel. Bitte!“

Er fiel auf seine Knie und bog die Äste des Busches ein wenig auseinander, um zu sehen, wo sich der Welpe befand.

„Ich bin nicht wütend auf dich. Ich mag dich sehr gerne, Meister Sariel. Ja, das tue ich wirklich. Bitte komme da heraus.“

Ein Schatten fiel über den Teenager. Er sah auf und seine Augen weiteten sich entsetzt.

„M-M-Meister…“, stammelte er heiser. Er musste sich erst einmal räuspern und selbst dann war er kaum in der Lage, richtig zu sprechen. „Meister Sariel, w-was macht ihr denn hier?“

 

Die kleine, pelzige Vordrenianerin starrte den wie versteinert vor ihr knienden Padawan einen Augenblick an. Dann antwortete sie:

„Ich habe meditiert … Bis du mich gerufen hast.“

Mehr sagte die Jedi-Meisterin nicht. Sie stand einfach nur da und sah Obi-Wan an.

 

Dieser war nicht in der Lage, ihr in diesem Moment in die Augen zu sehen. Unter ihrem prüfenden Blick wurde sein Gesicht knallrot, und seine Wangen begannen zu glühen.

„Ich… nun, ich…“, stammelte er sehr verlegen.

Er wusste nicht, wie er dieses Missverständnis erklären sollte. Er konnte nicht sagen, dass sein Haustier auch Meister Sariel hieß und er nach diesem gerufen hatte. Deswegen schwieg er. Er wünschte sich, irgendwo anders zu sein, weit weg von der Jedi-Meisterin, die ihn noch immer mit ihrem durchdringenden Blick anstarrte.

 

„Nun, Padawan“, meinte sie schließlich. „Es scheint, dass du im Moment ziemlich verwirrt bist. Vielleicht solltest du ein wenig meditieren. Das könnte deine Gedanken neu ordnen, und dann wirst du wieder klarer denken können.“

Mit diesen Worten drehte sich Meister Sariel – die echte Meister Sariel – um und verschwand hinter einem blühenden Hedjabusch.

 

Es dauerte einige Sekunden, bis Obi-Wan sich wieder ein bisschen erholt hatte. Als er wieder in der Lage war, sich zu bewegen, bemerkte er, dass er den Atem anhielt. Er zwang sich dazu, ganz normal zu atmen. Er fühlte sich furchtbar und beschämt. Dieses Erlebnis konnte er auf gar keinen Fall Qui-Gon erzählen. Es war viel zu peinlich.

‚Was ist jetzt mit Meister Sariel, der echten? Was denkt sie in diesem Moment wohl über mich? Ich möchte darüber lieber nicht nachdenken’, dachte er unglücklich bei sich.

Seine Gedanken wurden jäh unterbrochen. Der kleine Drangmul Welpe sprang aus dem Xalabusch und landete direkt in Obi-Wans Schoss.

„Meister…“, begann er, doch dann unterbrach er sich selbst. „Komm, Welpe, wir gehen in mein Quartier zurück“, flüsterte er erleichtert.

 

 

 

 

 

~*~*~*~

 

 

 

 

 

Nachdem Obi-Wan sein Quartier betreten hatte, setzte er den Welpen auf den Fußboden und ging in das Badezimmer. Kurze Zeit später klingelte es an der Tür. Es war Qui-Gon.

„Meister?“

Er trat zur Seite, um den Jedi-Meister hinein zu lassen.

 

„Padawan, hast du sie gefunden?“

 

Der junge Jedi nickte.

„Ja, Meister. Sie ist hier. Ich habe sie in den Meditationsgärten entdeckt.“

 

„Padawan… Ich muss dir etwas sagen.“

Qui-Gon machte eine kurze Pause, als wüsste er nicht, wie er es ausdrücken sollte.

 

Sein Schüler spürte die Unsicherheit des Jedi-Meisters.

„Worum geht es denn, Meister?“

 

Qui-Gon ging durch das Wohnzimmer und setzte sich auf die Couch. Für einen Augenblick sah er Obi-Wan an.

 

Auch der Teenager betrachtete seinen Meister und fragte sich, was dieser wohl mit ihm besprechen wollte.

 

„Obi-Wan“, begann der Jedi-Meister schließlich. „Der Rat weiß über Meister Sariel Bescheid. Ich habe es ihnen gesagt, nachdem du den Raum verlassen hast, aber…“

 

„Aber …“

 

„…aber sie wussten es bereits.“

 

„Was?!“

Obi-Wan konnte es kaum glauben.

 

„Es scheint, dass Botschafter Corrunem sich mit dem Rat in Verbindung gesetzt hat, bevor er dir den Welpen geschenkt hat- er hat wohl um Erlaubnis gefragt, dass er ihn dir zum Geschenk machen darf.“

Qui-Gon machte eine kurze Pause.

 

Sein Schüler starrte ihn weiterhin sprachlos und geschockt an.

 

„Der Rat hat die Erlaubnis erteilt“, erklärte der Jedi-Meister, „aber nur unter der Bedingung, dass der Tempel für den Welpen zahlt.“

 

„Ihr meint, die Ratsmitglieder wussten Bescheid? Und sie wussten es die ganze Zeit?“

 

Qui-Gon nickte.

„Ja, Padawan“, bestätigte er. „Sie haben nichts gesagt, weil sie darauf gewartet haben, dass wir es ihnen sagen.“

 

Der junge Jedi verstand es noch immer nicht ganz.

„Aber was ist mit Meister Windu? Er schien irgendetwas zu vermuten und sagte sogar, dass irgend jemand ein kläffendes Geräusch gehört hätte“, fragte er nach.

 

„Er hat nur versucht, mich dazu zu bringen, es ihm zu sagen“, lächelte Qui-Gon. „So, du siehst… Es gab überhaupt keinen Grund, sich darüber aufzuregen oder nervös zu sein. Es sollte schon von Anfang an so sein. Ich hatte die Führung der Macht gespürt, als ich den Welpen angenommen habe. Aber ich wusste bis jetzt noch nicht, warum das so war. Und später habe ich dann zugelassen, dass die Sorge die Kontrolle über meine Handlungen übernommen hat und ich diese ganze Sache nicht mehr klar denkend betrachten konnte.“ Der Jedi-Meister schwieg für einen Moment. „Wir hören niemals auf zu lernen. Immer dann, wenn wir denken, dass wir alles gelernt haben, versagen wir.“

Qui-Gon stand auf und ging auf die Tür zu. Dann blieb er plötzlich stehen und drehte sich noch einmal zu seinem Schüler um.

 

„Oh, da gibt es noch etwas anderes, Padawan“, kicherte er. „Meister Sariel hat mich gebeten, dich zu fragen, ob du heute Abend gemeinsam mit ihr essen möchtest.“

 

„Meister!“, stieß Obi-Wan verärgert hervor.

 

Qui-Gon duckte sich, um einem geworfenen Kissen aus dem Weg zu gehen. Er flüchtete in den Gang und suchte in seinem eigenen Quartier Schutz.





ENDE