Downtown



Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Es war ein trüber, regnerischer Tag, an dem sich Lord Maul tief versunken in seinem schwarzen Mantel durch die engen Gassen Coruscants zwängte. Er hasste das Gedränge in Downtown, hasste den Körperkontakt, der sich bei den Menschenmassen nicht verhindern ließ. Maul bemühte sich, nicht durch die Nase sondern durch den Mund einzuatmen, um den Gestank, der aus der Kanalisation heraufdrang und sich mit den unterschiedlichsten Körpergerüchen mischte, nicht allzu sehr wahrzunehmen.

Maul war wütend. Wütend auf seinen Meister, Lord Sidious. Maul hasste es über alle Maße nach Downtown zu gehen und das nicht nur, weil die Menschen und Kreaturen um ihn herum stanken sondern auch, weil sie unwürdig waren sich in seiner unmittelbaren Nähe aufzuhalten und ihn sogar flüchtig zu berühren. Sidious wusste das und trotzdem schickte er den jungen Sith Lord wieder und wieder in das geschäftige Herz Coruscants. Maul war seinem Meister zwar ergeben und befolgte jeden seiner Befehle ohne mit der Wimper zu zucken oder über deren Sinn nachzudenken, doch heute drängte es Maul dazu, den Befehl zu hinterfragen.

War es wirklich notwendig, einen Sith Lord, der über die dunkle Macht verfügte und diese in jeglicher Hinsicht einsetzen konnte, nach Downtown Coruscant zu schicken, um in einer unbekannten Schneiderei neue Gewänder für ihn und seinen Meister abzuholen? War das nicht die Aufgabe eines Botendroiden? Maul zweifelte an dem Befehl seines Meisters und doch blieb ihm nichts anderes übrig, als ihn zu befolgen. Anderenfalls würde er sehr schnell die Wut seines Meisters zu spüren bekommen, die durchaus so starke Schmerzen in ihm auslösen konnte, dass er tagelang bewusstlos blieb.

In seinem schwarzen Mantel eingehüllt lag Mauls rot-schwarz gezeichnetes Gesicht hinter der tief ins Gesicht gezogenen Kapuze verborgen. Außer seinen gelb-rot leuchtenden Augen, die jeden vor ihm zurückweichen ließ, der in sie hineinblickte, war von Mauls Gesicht nichts zu erkennen außer einem schwarzen Schatten. Schnellen Schrittes näherte sich Maul der Schneiderei „Tikko’s“, deren Außenfassade wenig einladend war. Die Schaufenster waren unspektakulär geschmückt und gaben durch die langen dunklen Vorhänge keinen Blick ins Innere der Schneiderei frei. Eine Tatsache, die Maul sehr begrüßte, die allerdings weniger geschäftsfördernd war.

Maul blieb einen kurzen Augenblick stehen und blickte auf das gammelige Schild über dem Schaufenster, auf dem „Tikko’s Schneiderei“ stand. Erneut musste er sich fragen, warum in aller Welt sein Meister ausgerechnet hier Gewänder für ihre edlen Sith-Körper anfertigen ließ. Hätte das nicht auch einer ihre Droiden machen können? Maul nickte kaum merklich, aber seinen Gedanken bestätigend, obwohl er sich eingestehen musste, dass die Gewänder, die Tikko’s bisher für sie angefertigt hatte, überaus bequem, leicht und strapazierfähig waren. Die Gewänder waren aus einem Stoff hergestellt, den Maul bislang nirgends sonst hatte ausfindig machen können, außer bei ihrer eigenen Kleidung. Und wahrscheinlich war genau das der Schlüssel zu seiner Frage, warum ausgerechnet Tikko’s die Gewänder für sie fertigte. Es musste etwas mit dem Stoff zu tun haben.

Neugierig, der Antwort auf seine Frage etwas näher zu kommen und vor allem dem stärker werdenden Regen zu entfliehen, ging Maul auf die Ladentür zu und betrat die Schneiderei. Ein Klangspiel ertönte über seinem Kopf, als er durch die Tür ging. Maul sah sich in dem kleinen Laden um und inspizierte mit seinen Augen und mit Hilfe der Macht jeden einzelnen Winkel, um sich eventueller Gefahren bewusst zu werden. Doch momentan gab es nichts zu beanstanden.

Aus dem Nebenraum ertönten schlurfende Laufgeräusche, die den greisen Inhaber des Ladens ankündigten. Maul war diesem Mann schon einmal bei seinem letzten Botengang hierher begegnet. Von ihm ging keinerlei Gefahr aus, denn der Mann war sehr alt, zerbrechlich und zittrig. Der Vorhang, der den Durchgang zum Nebenzimmer verkleidete, öffnete sich und der alte Tikko kam mit buckeligem Rücken und auf einem Krückstock gehend in den Laden. Tikkos Gesicht war gezeichnet von tiefen Falten, die die Sorgen, Ängste und Freuden seines Lebens widerspiegelten. Maul konnte durchaus darin lesen, doch was er darin las, weckte in ihm keinerlei Interesse. Tikkos äußerliche Erscheinung machte aber trotz der Unordnung in seinem Laden einen gepflegten Eindruck. Sein spärliches graues Haar war kurz geschnitten und sorgsam zurückgekämmt, seine Kleidung war eher konservativ, aber sauber und glatt. Außerdem roch dieser Mann angenehm nach Lavendel, was Maul ein wenig entspannen ließ, nach den geruchsvollen Eskapaden auf dem Weg hierher.

Tikko schleppte sich mit einem Lächeln im Gesicht hinter die Ladentheke, die aus einem alten Eichenholztisch bestand, und begrüßte Maul freundlich.

„Was kann ich für Euch tun, mein Herr?“ fragte Tikko Maul, der sich noch immer hinter seiner feuchten Kapuze verborgen hielt.

„Ich will Gewänder für 3-10 abholen“, antwortete Maul mit düsterer Stimme. 3-10 war die Codebezeichnung, die sein Meister einst Tikko genannt hatte, damit dieser bei der Nennung des Codes genau wusste, was er zu tun hatte. Denn unbekannt und verborgen zu bleiben war für die Sith Lords höchstes Gebot. Anhand der bei diversen Auftragserteilungen vergebenen Codes konnte niemand, auch Tikko nicht, nachvollziehen, wer der eigentliche Auftraggeber war. Und das war auch gut so.

„Ah ja, natürlich. Die Gewänder Größe 5 habe ich bereits fertig“, sagte Tikko, beugte sich und holte ein fest verschnürtes Päckchen aus einer Schublade des Tisches hervor, das er Maul mit langsamen, zittrigen Bewegungen vorlegte.

„Was ist mit den anderen Gewändern Größe 7?“ fragte Maul schroff. Es war nicht seine Art, freundlich zu anderen zu sein.

„Wisst Ihr, mein Auftraggeber hat mich angewiesen, Sie neu zu vermessen. Er meinte, Sie hätten an Muskelmasse zugelegt und bräuchten wahrscheinlich eine halbe Nummer größer“, antwortete Tikko immer noch sehr freundlich. Seine ruhige, gelassene Art war es schließlich, die Maul nicht an Ort und Stelle vor Wut überkochen ließ. Wie konnte sein Meister diesen Tikko bloß dazu anweisen, ihn, Lord Maul, neu zu vermessen? Maul hasste das. Er wollte nicht, dass an ihm herumgezuppelt und –gegrabscht wurde! Hätte sein Meister ihm eher gesagt, was er mit ihm vorhatte, hätte er seine Maße selber genommen oder wäre erst gar nicht nach Downtown gegangen.

Maul schnaubte verächtlich und betrachtete Tikko eine Weile. Wie sollte dieser alte Mann, dessen Hände zitterten wie Espenlaub im Wind, Mauls Körper perfekt vermessen? Undenkbar!

„Wo ist das Maßband? Ich messe selber!“ befahl Maul mit bedrohlicher Stimme, die Tikko allerdings wieder nur freundlich lächeln ließ. Seine Berufserfahrung hatte ihn wahrscheinlich gelehrt, auch bei dem noch so unfreundlichen Kunden Ruhe und Höflichkeit zu bewahren.

„Einen Moment bitte, mein Herr“, entgegnete Tikko dem verhüllten Sith Lord freundlich, wandte sich ein wenig von ihm ab und rief: „Leyla........Kundschaft!“

Ein wenig später konnte Maul wieder Schritte aus dem Nebenraum hören. Diese klangen allerdings komplett anders als die des alten Mannes, was Maul in Alarmbereitschaft versetzte. Sein Meister hatte immer nur von Tikko gesprochen, den Maul hier antreffen würde, nicht aber von einer zweiten Person. Diese Schritte waren viel schneller, viel lebendiger. Zudem nahm Maul einen neuen Geruch wahr, der mit jedem Schritt stärker wurde. Es roch plötzlich blumig, frisch und äußerst angenehm. Maul mochte diesen Duft und genoss es ihn einzuatmen, nachdem er die letzten zwanzig Minuten den Straßengestank hatte aufnehmen müssen.

Die Schritte erreichten den Vorhang und auf einmal schob ihn jemand beiseite und betrat den Raum. Urplötzlich weiteten sich Mauls gelb-rote Augen und eine innere Unruhe machte sich in ihm breit, wie er es noch nie erlebt hatte. Eine äußerst ausdrucksstarke, große, blondhaarige Frau betrat den Laden. Sie schien Mirialerin zu sein, eine humanoide Spezies, die sich besonders über ihre Augenform und –farbe charakterisierten. Leylas Augen waren katzenähnlich und mit einem auffallenden, kontrastreichen Meeresblau versehen. Ihr exotisches, attraktives Aussehen wurde durch ihre olivfarbene, seidig schimmernde Haut und ihre schwarzen Tattoos, die sich in einer schmalen Linie und in kunstvoller Form von der linken Seite der Stirn über ihre linke Wange und ihren Hals hinunterschlängelten und sich irgendwann unter ihrer Kleidung verloren, unterstrichen.

Maul betrachtete interessiert Leylas schlanken, durchtrainierten Körper, dessen verführerische Kurven durch einen eng anliegenden Catsuit aus schwarzem Leder, der mit einem außergewöhnlich eingearbeiteten Muster verziert war, zur vollen Geltung kamen. Ihre langen, hellblonden Haare, die in einem kunstvoll geflochtenen Zopf bis über ihren Po reichten, reflektierten mit ihrer seidigen Oberfläche das Licht. Maul war fasziniert von ihr. Wie gebannt starrte er sie an, unfähig Gedanken oder Ausdrücke für diese einzigartige, kaum zu überbietende Grazie zu finden.

Plötzlich setzte Stimmengewirr in Mauls Kopf ein. Stimmen der Macht, die zu ihm sprachen und ihm unaufhörlich mitteilten, dass sie die eine sei, die mit seiner Macht in absolutem Einklang war. Stimmen, die ihn verwirrten, weil sie ihn Dinge hören ließen, die er nicht hören wollte.

Die junge Schneiderin beäugte ihn allerdings mehr als misstrauisch und begegnete dem unheimlichen Fremden weniger freundlich als Tikko es getan hatte. Noch immer lag Mauls Gesicht tief verborgen im Inneren der Kapuze, doch schien sie sich mehr von Mauls dunkler Präsenz bedroht zu fühlen, die sich um sie gelegt hatte wie ein gefährlicher Schatten. Es war kalt im Zimmer geworden...

Und doch: Trotz Mauls üblicher Erfahrung im Umgang mit anderen Kreaturen, die fast panisch reagierten, wenn sie seine dunkle Präsenz im vollen Umfang zu spüren bekamen, zeigte sie keine Angst und fühlte auch keine. Selbstsicher kam sie auf ihn zu und begrüßte ihn mit einem Lächeln. Für den Hauch eines Moments bildete sich Maul ein, ihre roten, sinnlichen Lippen auf seinen zu spüren und im Nu brannten kleine Feuerwerke in ihm und ließen jeden einzelnen Nerv in ihm auflodern. Eine Flut von Erregung und Verlangen brach über ihn herein, das sich ausgehend von seinen Lenden in seinem ganzen Körper ausbreitete.

Berauscht von Leylas Reizen stand Maul wortlos in der Mitte des Ladens, wohl merkend, dass die Feuchtigkeit, die sich draußen durch den Regen in seinem Mantel gesammelt hatte, ihren Weg an ein Stoffende suchte und auf die alten, grünlichen Steinfliesen tropfte. Es hatte sich bereits eine kleine Pfütze um seine Stiefel gebildet, die mit jedem herunterfallenden Tropfen erneut zu zittern begann. Maul achtete auf diese Details, mit Sinnen so scharf und ausgeprägt, wie sie nur ein Anwender der Macht haben konnte. Selbst das Ticken der antiken Standuhr eine Etage höher, war ihm bewusst.

„Womit kann ich Euch dienen, mein Herr?“ fragte die Schneiderin ihn mit klangvoller Stimme und riss ihn aus seinen Gedanken.

Augenblicklich konzentrierten sich seine Sinne wieder allein auf sie, die der Ursprung seiner plötzlichen Gemütsbewegungen war. Tikko war für ihn innerhalb von Sekunden unwichtig und nicht mehr beachtenswert geworden.

Maul legte seine Kapuze ab und entblößte seinen kahlen Schädel mit der Krone kleiner, spitzer Hörner. Seine rotglühenden Augen fixierten ihren erstaunten Blick, als sie das kriegerisch tätowierte Gesicht Darth Maul’s sah.

„Es heißt, ich soll für neue Gewänder vermessen werden,“ antwortete Maul mit etwas sanfterer Stimme als er zuvor mit Tikko gesprochen hatte.

Mauls feurige Augen blickten auf Leyla hinab und durchdrangen wie Röntgenstrahlen ihren Körper und ihren Geist. Sie suchten nach ihrem Seelenleben, nach ihren Gefühlen und ihren Gedanken, aber aus unerklärlichen Gründen wurden seine von der Macht ausgesandten Strahlen tief in ihr gebündelt und absorbiert. Seine Kräfte versiegten in ihr. So fand Maul keinerlei Möglichkeit etwas von ihr zu erfahren, obgleich er alle Künste der Macht anwandte. Einfach jeder Versuch blieb erfolglos. Diese Einzigartigkeit an innerer Abwehr, wie er sie noch nie zuvor kennen gelernt hatte - außer bei seinem Meister -, faszinierte, irritierte und ärgerte ihn zugleich. Ein Sith Lord sollte dazu fähig sein in jeden Geist eindringen zu können, egal wie verworren und verriegelt er war, doch bei dieser Frau versagte er. Eine Tatsache, die es zu bekämpfen galt. Eine Tatsache, die für ihn eine neue Herausforderung darstellte.

Leylas meeresblaue Augen musterten neugierig die imposante Statue des Sith Lords, bis sie wieder auf das lodernde Feuer seiner Augen trafen. Seinen finsteren Blick haltend, beschwor sie eine knisternde Spannung zwischen ihnen herauf, die die Luft um sie herum zum Wirbeln brachte. Für einen kurzen Augenblick stand für sie die Zeit still, in der sie sich aufmerksam betrachteten und sich vom einzigartigen Duft des Gegenübers betören ließen.

Maul überlegte zu gehen, bevor er sich noch mehr in diesen wunderschönen Augen verlor, bevor sie noch mehr Eindruck auf ihn machen konnte, doch sein verletzter Stolz hielt ihn zurück. Er hatte hier noch eine Aufgabe zu erfüllen, hatte sein Ziel noch nicht erreicht. Er wollte das Innere ihres Geistes kennen lernen, wollte über sie herrschen und sie manipulieren können, wie er es bei jedem anderen auch tat. Außerdem hatte er hier einen Befehl zu erfüllen. Er musste sich vermessen lassen, anderenfalls würde er eine gute Erklärung für die Nichtausführung des Befehls brauchen. Und eine Frau, die Maul aus unerklärlichen Gründen faszinierte, war absolut keine. Diese Tatsache begründete eher eine Strafe, die Maul wegen seiner lüsternen Gedanken mit höchster Sicherheit erhalten würde.

„Bitte, darf ich Euch Euren Mantel abnehmen? Dann kann ich ihn zum Trocknen aufhängen,“ bot Leyla dem Sith Lord an, kam auf ihn zu und streckte bereits ihre Hand aus, um ihm beim Entkleiden zu helfen, als er plötzlich ihr Handgelenk schroff ergriff und sie böse anfunkelte. Er ließ sich nicht von einer gewöhnlichen Frau berühren! Auch oder besser gesagt gerade dann nicht, wenn sie verlockend aussah, der Macht zugänglich und angeblich diejene welche für ihn sein sollte. Die Schneiderin errötete leicht nach seiner rauen Zurückweisung. Sie hatte ihm wirklich nur behilflich sein wollen und hatte eine solche Reaktion nicht erwartet.

„Entschuldigung. Ich wollte Euch nicht zu nahe treten“, sagte Leyla betrübt und zog sich schnell von dem Sith Lord zurück, der angesichts dieser kurzzeitigen körperlichen Nähe zu ihr, prickelndes Verlangen in sich aufwallen spürte.

Eine unangenehme Stille entstand, die Leyla etwas verunsichert auf ihre kniehohen, schwarzen Lederstiefel niederblicken ließ. 

„Tja, ähm, wenn ich Euch schon nicht behilflich sein darf, würdet Ihr mir dann bitte Euren Mantel zum Trocknen geben? Sie setzen sonst den ganzen Laden unter Wasser“, bat Leyla ihn mit leicht ironischer Stimme, seinem durchdringenden Blick ausweichend.

Mürrisch streifte sich Maul den schwarzen, schweren Mantel von den breiten Schultern und überreichte ihn der Schneiderin, die auf ihren Absätzen kehrtmachte und mit dem Mantel hinter dem Vorhang verschwand, um ihn im Hinterzimmer an einer kleinen Garderobe aufzuhängen. Auch Tikko verließ den Laden, um im Nebenraum seinem geschäftigen Treiben weiter nachzugehen. Scheinbar machte er sich überhaupt keine Sorgen um Leyla, obwohl Mauls Gestalt und Verhalten äußerst bedrohlich wirkten.

Nach einem kurzen Moment kehrte Leyla in den Laden zurück und bedeutete dem Sith Lord ihr zu folgen. Mauls Blick wanderte an ihrem hellblonden Haar entlang bis hinunter zu ihrem kleinen, hübschen Po, der sich mit jedem Schritt formte. Er fühlte, wie Erregung erneut in ihm wuchs, als er sich vorstellte mit seiner Hand über ihren knackigen Po zu streicheln und ihn mit seinen heißen Lippen zu küssen. Doch schon kurz danach machte sich Ärger in ihm breit. Er verstand nicht, warum er plötzlich ein solch starkes Verlangen nach einer Frau empfand. Warum er überhaupt so empfand.

Die ganzen Jahre in Abstinenz, die sein Meister von ihm verlangt hatte, hatten ihm nie etwas ausgemacht. Ganz im Gegenteil. Maul war erleichtert gewesen, dass sein Meister ihn keine sexuellen Erfahrungen machen lassen wollte. Maul hasste zwischenmenschlichen Kontakt; Kontakt mit Personen, die ihm, einem Sith Lord, nicht würdig waren. Seit Lord Sidious ihn zu seinem Schüler gemacht hatte, kannte und wollte er nur eine Gesellschaft - und die war die seines Meisters. Er hatte nie nachvollziehen können, warum sein Meister ab und an der Fleischeslust erlag und sich von irgendeiner, ihm gerade gefallenden Frau befriedigen ließ. Doch nun, da er zum ersten Mal in seinem Leben echtes sexuelles Verlangen verspürte, begann er zu verstehen, warum sein Meister von Zeit zu Zeit weibliche Gesellschaft suchte.

Die Schneiderin führte ihn in einen etwas größeren Nebenraum, an dessen Wände Stangen befestigt waren, an denen zahllose, fertig genähte Kleidungsstücke zum Abholen bereit hingen. Ein kleiner Tisch, vollgestopft mit Nähzubehör und einer Nähmaschine, stand unter dem schmalen Fenster, durch das helles Sonnenlicht fiel. Langsam begann Maul zu begreifen, warum sein Meister diesen Schneider zur Fertigung seiner Kleidung vorzog. Hier wurde noch alles von Hand genäht, was qualitativ immer noch hochwertiger war als eine technische, von Droiden gesteuerte Produktion. Die Droiden besaßen nicht die Fertigkeiten, die Tricks und Kniffe, die ein erfahrener Schneider einbringen konnte. Doch aufgrund der Preisgünstigkeit der Droiden-Produktionen waren die echten Schneider immer mehr vom Markt verdrängt worden, bis es schließlich kaum noch welche gab. Einer der überlebenden Schneidereien war Tikko’s Laden, der jedoch nur durch die großzügigen Gaben Lord Sidious’ existieren konnte.

„Würdet Ihr bitte die obersten Lagen Eurer Kleidung ablegen?“

Die Schneiderin sah Maul zurückhaltend an. Nachdem er sie so schroff zurückgewiesen hatte, wollte sie ihm nicht noch einmal zu nahe treten, weder körperlich noch verbal.

Missmutig öffnete der Sith mit einem flinken Handgriff seinen breiten, schwarzen Ledergürtel, der auf seinen Hüften ruhte, und legte ihn vorsichtig auf den neben ihm stehenden Tisch. Maul war wütend, dass sie ihm nicht mehr mit einer so bezaubernd einladenden Art begegnete wie anfangs. Die anfängliche, berauschende Spannung zwischen ihnen war vollständig verflogen, vielmehr spürte er kühle Zurückhaltung ihrerseits, die ihm ganz und gar nicht gefiel. Er hatte ihre Sinnlichkeit regelrecht genossen und wünschte sich nun ihre private und nicht nur berufliche Aufmerksamkeit zurück.

Während Maul an seiner Oberbekleidung zupfte, warf er Leyla ein leichtes Lächeln zu, das sie zaghaft erwiderte, doch dann wandte sie sich wieder ihren Maßbändern zu. Maul begann innerlich vor Zorn zu kochen. Er hatte angenommen mit einem Lächeln ihr uneingeschränktes Interesse an ihm wieder herzustellen, allerdings schien sie ihm abgeneigter als zuvor und das ärgerte ihn. Maul hatte schon immer das bekommen und erreicht was er wollte und jetzt wollte er sie. Sie hingegen wich ihm aus und brachte ihm nicht mehr die Bewunderung entgegen, die ihm als Sith Lord zustand. Leyla schien zu wollen, dass er sie umwarb, aber das würde er nicht tun – niemals. Selbst wenn die Stimmen der Macht ihm seit Beginn ihrer Begegnung unaufhörlich mitteilten, dass sie die eine war, die mit seiner Macht absolut harmonierte, wollte er sich nicht wie ein schleimiger Erdling erniedrigen. Aber dennoch wollte er, dass sie ihn bewunderte, nach ihm lechzte und sich nach seinen Berührungen sehnte. So wie er es im Moment bei ihr tat.

Anfangs hatte Maul die Stimmen der Macht ignoriert, weil er sie nicht hören, diese Tatsache nicht realisieren wollte. Doch nun begriff er, was Leyla in seinem Leben bedeuten würde, woran er nie gedacht hatte. Maul erinnerte sich an ein hitziges Gespräch mit seinem Meister, als dieser ihm von der Balance seines Schülers in der Macht erzählte. Diese Balance sollte ihm eine von der Macht gezeugte Frau ermöglichen, die nicht nur Mauls Ungeduld besiegen sollte und ihm somit absolute Perfektion verschaffte, sondern Maul einen Sohn gebären würde, der dazu fähig war, den Teil der Macht, den die Jedis das „Licht“ nannten, mit den allermächtigsten Kräften zu zerstören. Maul hatte Lord Sidious’ Erzählung für ein Märchen gehalten, sie nie für ernst genommen, weil ihm diese Vorstellung so abwegig war. Wie sollte eine Frau ihm das geben, was er selbst als Sith Lord nicht erreichte? Und wieso sollte er einen Sohn haben, der ihm eines Tages gefährlich werden sollte?

Maul war immer noch überzeugt davon, dass diese Erzählung ein Hirngespinst seines Meisters war, doch er musste zugeben, dass ein Teil dieser Geschichte bereits eingetroffen war. Er konnte es nicht mehr leugnen. 

Nach wenigen Augenblicken stand Maul mit nacktem Oberkörper und einer dünnen Stoffhose vor ihr. Der Anblick raubte Leyla fast den Atem, als sie ihren Blick von ihrem Nähzeug auf seinen stählernen Körper richtete. Ihr Mund öffnete sich leicht vor Erstaunen und bot Maul den sinnlichen Ausdruck, auf den er seit einer halben Ewigkeit gewartet hatte. Er wollte sie. Hier und Jetzt. Sein Gesicht flammte vor Lust auf, ließ Leyla sehen, was er mit ihr tun wollte. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Maul hatte gewusst, dass sein durchtrainierter Körper sie faszinieren würde. Immerhin begegnete man nicht oft einem solch maskulinen Wesen, wie er es war, dessen männlicher Geruch Leylas Sinne betörte. Sekunden verstrichen. Sekunden der Stille, in der sie einander ansahen, sich in den Augen des anderen verloren und ihren Fantasien freien Lauf ließen. Ja, jetzt spürte Maul endlich wieder ihre uneingeschränkte Aufmerksamkeit, die sich weit mehr als nur auf ihre beruflichen Absichten erstreckte.

Maul war ungeduldig. Er wollte Leylas Finger auf seiner glatten, heißen Haut spüren. Wollte ihre Fingerspitzen spüren wie sie die Linien seiner Tattoos nachzogen, über seinen Bauch, hinunter zu seinem Hosenbund... und tiefer. Erregt leckte sich Maul über seine Lippen und ließ seinen Blick erneut über ihren wundervoll geformten Körper gleiten. Er schmunzelte selbstbestätigend, als er ihre harten Brustwarzen unter dem weichen Leder abgedrückt sah.

Zögernd trat Leyla näher auf Maul zu, mit dem Maßband in der Hand. Und je näher sie kam, desto mehr reagierte ihr ganzer Körper auf seine Aura, auf seinen männlichen Duft. Ihre Nasenflügel flatterten, versuchten noch mehr von diesem einzigartigen Geruch aufzunehmen.

Maul hob seine Hand und strich ihr eine blonde Strähne aus dem hübschen Gesicht, dessen Wangen vor Erregung leicht gerötet waren. Bei jedem anderen hätte er es gehasst, aber bei ihr liebte er diesen unschuldigen Gesichtsausdruck. Er fragte sich, ob sie wohl jemals Sex mit einem anderen Mann gehabt hatte, doch diesen Gedanken verwarf er sogleich. Wenn sie wirklich diejene welche für ihn sein sollte, dann hatte man sie für ihn jungfräulich aufbewahrt.

Doch trotz all der Erregung schien Leyla sich beherrschen zu können, denn plötzlich wandte sie ihren Blick von seinen Augen ab und begann das Maßband um seine Taille zu legen. Professionell und äußert schnell nahm Leyla Maß. Viel zu schnell, für Mauls Geschmack, denn er hätte diesen Moment der Nähe noch viel länger auskosten wollen. Zwischendurch wandte sich Leyla von ihm ab, um sich Notizen von seinen Maßen zu machen. Zeit, die Maul so unendlich lange vorkam, weil er ihre Körperwärme nicht mehr spürte. Es ließ ihn mit jedem Mal wütender werden. Wie konnte sie es bloß wagen, sich jetzt von ihm abzuwenden? So offensichtlich, wie er ihr gegenüber seine Erregung präsentierte, hätte sie nach Lust lechzen und nach seinen Berührungen und Küssen betteln sollen. Doch sie tat es nicht. Irgendwie hatte sie es geschafft, ihre Erregung zu kontrollieren, sich von ihm innerlich zurückzuziehen, damit sie ihrer Profession nachgehen konnte.

Mauls Gesicht verzerrte sich zu einer wütenden Maske. Seine Augen sprühten von einem Moment zum anderen vor Zorn, doch es machte keinen Eindruck auf sie. Wie konnte das sein?

Leyla kannte bereits zwei Seiten an ihm: den erregten Maul, der ihr die volle Aufmerksamkeit widmete, und den vor Wut kochenden Maul, der sie am liebsten hier und jetzt in Stücke zerrissen hätte. Das war immerhin schon eine Seite mehr, als er sonst zu zeigen bereit war. Sie sollte sich also glücklich schätzen und ihn um mehr bitten. Nein, nicht bitten – anflehen!

Doch bevor Maul seine Gedanken geordnet hatte, war sie vollkommen von ihm zurückgetreten und sagte mit einem zurückhaltenden Lächeln:

„Die Maße sind komplett. Ihr könnt Euch jetzt wieder anziehen.“

Blitzschnell kehrte Leyla ihm den Rücken zu, und täuschte vor, dass sie mit irgendeiner Schneidertätigkeit beschäftigt sei. Ein tiefes Grollen bahnte sich den Weg durch Mauls Hals hoch. Wütend über ihre Reaktion, stemmte er die Hände in die Hüften und blickte sie für einen kurzen Moment an. War sie nicht an ihm interessiert? Hatte sie Angst vor ihm? Was war es, was sie von ihm zurückweichen ließ? Maul war noch immer unfähig, ihre Gefühle zu erspüren und ihre Gedanken zu lesen, was ihn abermals irritierte.

Es gefiel ihm nicht, was hier gerade passierte. Er wollte sie, doch nicht um jeden Preis. Sie sollte ihn ebenso begehren wie er sie. Außerdem war er der Ansicht, dass Leyla, wenn sie wirklich stark in der Macht war und womöglich ebenso den Geist ihres Gegenübers lesen oder gar kontrollieren konnte wie er, sich ihrer Zukunft bewusst sein und sich ihm als ihren zukünftigen Gemahl darbieten musste. Doch scheinbar war sie sich dessen nicht bewusst, was Maul abermals zweifeln ließ. Er hatte diese Geschichte von seinem Meister ohnehin nicht für wahr gehalten. Maul konnte zudem getrost auf eine Frau und ein Kind verzichten. Er hatte sie all die Jahre zuvor nicht gebraucht und brauchte sie ebenso wenig in der Zukunft. Zudem wollte er keinen Sohn haben, der in Konkurrenz zu ihm stand. Maul würde sich dadurch quasi seinen eigenen Gegner schaffen und wer wollte das schon?

O.k. Leyla sollte ihren Frieden haben. Der Zorn verschwand aus Mauls Gesicht so schnell wie er gekommen war. Ruhig und kontrolliert kleidete sich Maul wieder an, ließ es sich aber nicht nehmen, sie weiterhin zu studieren. Er sah Erleichterung in ihren meeresblauen Augen aufblitzen, als sie bemerkte, dass er sich wieder anzog und seine Erregung verraucht war. Endlich drehte sie sich wieder zu ihm um und begegnete ihm mit einem unschuldigen Lächeln, als ob nichts zwischen ihnen gewesen wäre. Vielleicht war es das ja auch gewesen: Nichts. Vielleicht hatte er sich alles nur eingebildet. Vielleicht hatte ihn die Geschichte von Sidious so dermaßen verwirrt, dass er tatsächlich begann, daran zu glauben. Oder war dies einer dieser merkwürdigen Prüfungen, die sein Meister für ihn des öfteren bereithielt? Wie würde Sidious’ Bewertung ausfallen? Sicherlich erschütternd, so unprofessionell wie sich Maul ihr gegenüber verhalten hatte.

Erneut kroch Wut in Maul empor. Wie hatte er sich von Leyla so einspinnen lassen können? Dies war eine Lehre, die Maul so schnell nicht vergessen würde, dessen war er sich sicher.

Ohne noch ein Wort zu sagen verließ Maul den Raum, nahm sich seinen feuchten Mantel aus dem Nebenraum, den er sich hastig, aber sorgsam überzog und wandte sich bereits dem Ausgang zu, als Leyla ihn plötzlich sanft am Arm zurückhielt. Als er sich zu ihr wortlos und überrascht umdrehte, nahm sie plötzlich seine Hand, die bereits von einem schwarzen Lederhandschuh überzogen war, und legte ihm ein metallenes Medaillon hinein. Mit einem unbeschreiblich hingebungsvollen Blick schaute sie Maul tief in die feuerroten Augen, schloss ihre Hände um seine Hand und drückte sie sanft zu einer Faust zusammen.

„Auf  Wiedersehen“, sagte Leyla flüsternd aber bestimmt.

Überrascht und neugierig blickte Maul sie ein letztes Mal an, dann drehte er sich um und verließ die Schneiderei.

 

* * *

 

Maul ließ seine Neugierde nicht siegen. Bis spät in die Nacht hinein hatte er das Medaillon dort gelassen, wo er es zuletzt hineingesteckt hatte – nämlich in seiner Manteltasche.

Den Nachmittag nach seiner Begegnung mit Leyla war er unruhig gewesen. Noch immer spürte er Wut in sich. Wut, die er nicht bereit war für eine Frau zu empfinden. Nichts zu fühlen wäre besser gewesen. Nichts, absolute Gleichgültigkeit, so wie es immer der Fall gewesen war. Doch bei ihr war es irgendwie anders.

Maul presste seine Lippen zusammen, so dass von seinem Mund nur noch ein dünner Strich zu sehen war. Seine Stirn lag in Falten und sein Gesicht strahlte reine Nachdenklichkeit aus. Diese äußerliche Erscheinung, dessen Maul sich sehr bewusst war, versuchte er vor seinem Meister zu verbergen, doch Sidious konnte er nichts vormachen. Gleich nach seiner Ankunft hatte Sidious ihn zu sich zitiert, um sich von seinem Schüler über die erfolgreiche Ausführung seines Befehls berichten zu lassen. Wortkarg wie Maul immer war, berichtete er Sidious nur das Wesentliche, nämlich dass seine Maße neu genommen worden waren und die Fertigung seiner Kleidung absolute Priorität besäße. Die anderen Details wollte Maul nicht in Worte fassen.

„Gut“, kommentierte Sidious knapp.

Mit diesem einzelnen Wort zwischen Meister und Schüler wandte sich Sidious von Maul ab und ließ diesen in seinen Räumlichkeiten allein.

Verwundert hatte Maul ihm noch eine Weile nachgeschaut. Sidious hatte nicht den Anschein gemacht, dass er Kenntnis von den Ereignissen in der Schneiderei hatte, doch Sidious konnte seine Gedanken und seine Mimik sehr gut beherrschen. Vielleicht hatte er es nicht für wichtig gehalten, darüber zu sprechen, weil er genau wusste, dass Maul nicht an einer Frau interessiert war. Doch Maul spürte instinktiv, dass sein Meister alles über seine intime Begegnung mit Leyla wusste. Lord Sidious entging nie etwas.

Nach der merkwürdigen Zusammenkunft mit Sidious begab sich Maul auf die Trainingsebene und trainierte so lange und so hart bis ihm alle Muskeln wehtaten. Er brauchte jetzt dieses Training, um sich von seinen wirren Gedanken abzulenken, um seine Neugier zu besiegen. Noch immer lag dieses Medaillon in seiner Manteltasche und ihn drängte es danach, es anzusehen und zu berühren. Vielleicht hatte es eine bestimmte Bedeutung. Vielleicht war es mehr als nur ein Stück Metall. Vielleicht... konnte er Leylas Nähe dadurch spüren.

VERFLUCHT!

Maul knurrte wütend. Es waren mittlerweile Stunden vergangen, doch er dachte noch immer an Leyla... an ihre olivfarbene, seidene Haut, ihr ausdrucksvolles Gesicht und diesen wohlgeformten Körper, der ihn mit seinen perfekten Rundungen zutiefst erregte.

„Uaaahhhhhhh....“ Innerhalb von Sekunden hatte Maul sein Laserschwert aktiviert und schreiend mit voller Wucht auf einen ohnehin schon schrottreifen Droiden geschlagen, der unter der Wucht des Schlages in seine Einzelteile zerfiel. Wütend schmiss Maul sein Laserschwert fort und trat einem weiteren Droiden mit einem perfekten Kick den metallischen Kopf von den Schultern. Der nächste herumstehende Droide wurde mit bloßen Händen in die Luft gewirbelt und vor die Brüstung geschmissen, wo er zerschmetterte und nur noch leise Laute von sich gab. Maul wollte Blut sehen. BLUT! Er wollte jemanden für das bluten lassen, was er zu Unrecht für diese Frau empfand. Er war ein Sith Lord. Ein SITH! Der so weit weg von seiner Perfektion zu sein schien.

„Uaaaahhhhh....“ Erneut schrie Maul seinen Zorn aus sich heraus. Seine Muskeln waren zum Zerbersten angespannt.

Maul atmete mehrmals tief durch, sog mit geschlossenen Augen die kalte Luft ruhig ein und spürte endlich Entspannung. Er hatte seinem Zorn freien Lauf gelassen und fühlte sich nun wesentlich ausgeglichener. Nach all den Stunden der Verwirrtheit war er jetzt endlich wieder im Stande einen klaren Gedanken zu fassen und das beruhigte ihn.

Um die soeben erworbene Entspannung zu vertiefen, kehrte Maul in seine Gemächer zurück und begann eine lange Meditation. Es vergingen zwei Stunden, ehe er aus der Trance erwachte und sein volles Bewusstsein zurückerlangte. Er war jetzt bereit. Bereit, um sich aus sicherer Distanz mit dem Medaillon zu beschäftigen ohne sofort irgendwelche spezifischen Gefühle zu empfinden. Neugierig holte Maul das metallene Medaillon aus seiner Jackentasche und musterte es. In der Mitte des Medaillons befand sich ein Symbol, das ihm allerdings unbekannt war. Zumindest schien es kein Sith-Symbol zu sein, denn die kannte Maul in und auswendig. Dann drehte und wendete er das Metall, ertastete es und roch daran. Ihm fiel nichts Ungewöhnliches daran auf, dabei hatte er gehofft, irgendeinen Hinweis zu erhalten.

Doch Maul gab so schnell nicht auf. Er steckte sich das Medaillon in seine Hosentasche und ging damit durch die Flure des Sith-Tempels in die große Bibliothek. Hier konnte man alle möglichen Daten anhand echter Bücher oder an dem Computerterminal nachlesen. Zunächst begab sich Maul an den Computer, scannte das Medaillon ein und ließ ihn einen Abgleich machen. Innerhalb weniger Sekunden hatte der Computer tausende von Datensätzen durchsucht, aber nichts gefunden, das auf das Medaillon zutraf. Hm, Maul hatte nicht gedacht, dass es so schwierig sein würde, etwas über dieses Medaillon herauszufinden. Immerhin sah es noch recht neu und vielmehr nach etwas Gewöhnlichem aus, das man an jeder Straßenecke kaufen konnte. Nun ja, also würde die Suche doch etwas länger dauern als zunächst angenommen.

Das Problem war nur, dass Maul nicht wusste, wo er anfangen sollte zu suchen. Er wusste weder wie alt dieses Medaillon genau war noch von woher es stammte. Diese Details hätten ihm bei der Suche sehr hilfreich sein können. Da Maul jedoch die dunkle Macht in Leyla gespürt hatte und sie vielleicht Kenntnis von ihren Fähigkeiten besaß, zog er zunächst ein Buch über den modernen Sith-Orden heraus. Dieses Buch behandelte die Geschichte der Sith der letzten 500 Jahre. Es beinhaltete ein extra Kapitel über Sith-Symbole dieser Zeit, doch auch hier konnte er das Medaillon nicht entdecken.

Maul verbrachte die ganze Nacht in der Bibliothek, immer auf der Suche nach einem Abbild des Medaillons. Beinahe wollte er schon aufgeben, als er plötzlich ein vergilbtes und verstaubtes Buch aufschlug, das als Titel „Das Licht der Blüte“ trug. Der Titel sagte Maul zunächst gar nichts. Auch hatte er dieses Buch noch nie in der Hand gehabt, obwohl er so belesen war und so gut wie jedes Buch dieser Bibliothek kannte. Maul las die Inhaltszusammenfassung auf der Rückseite und staunte nicht schlecht, dass sein Meister solch einen billigen Taschenroman in seiner Bibliothek duldete. Er fuhr mit seinem Daumen über die Seiten und entdeckte zu seiner Überraschung, dass das Buch in der Mitte kreisrund ausgehöhlt war und sich dort genau das gleiche Medaillon versteckte, wie das, welches er von Leyla bekommen hatte.

Neugierig und nun auch etwas aufgeregt entnahm Maul dem Buch das Medaillon und hielt es gegen seins. Sie waren wirklich identisch. Maul sah sich nun das Buch etwas näher an. In der Mulde befand sich ein zusammengefalteter, bräunlicher Zettel aus Transparentpapier, den Maul auseinander faltete und musterte. Zu seiner Verblüffung befand sich ein kurzer Text mit den ältesten Schriftzeichen der Sith darauf. Dieser Text besagte: Derjenige, der im Besitz beider existierender Medaillons ist, wird absolute Perfektion im Umgang mit der dunklen Seite der Macht erlangen und mit der ihm zugesprochenen Frau einen übermächtigen Sohn zeugen, der die Macht des Lichts besiegen wird.

Maul starrte auf das Stück Papier, als ob er einen Geist gesehen hätte. War die Prophezeiung von Lord Sidious wirklich wahr? Geschockt über diese plötzliche Erkenntnis saß Maul wie versteinert auf dem Stuhl, unfähig sich zu rühren, überhaupt einen klaren Gedanken zu fassen. Langsam begann er, über die ihm bevorstehende Zukunft nachzudenken. Er malte sich aus, wie es wohl war, als Sith zu herrschen – zumindest so lange, bis sein Sohn reif genug war, um gemeinsam mit ihm den Kampf gegen die Macht des Lichts aufzunehmen. Auch begann er zu begreifen, dass Lord Sidious nicht länger sein Meister sein würde nach der Verschmelzung mit Leyla. Maul würde ihm dann weit überlegen sein und durch die Geburt seines Sohnes wäre ein Sith zu viel. Sidious würde sterben müssen.

Dieser Gedanke gefiel Maul nicht. Er hatte Lord Sidious viel zu verdanken. Der Sith hatte ihn damals aus den Arbeitergruben von Iridonia befreit, wo er als Kleinkind von 4 Jahren schon von früh bis spät körperlich hart arbeiten musste. Seine Ausbildung, seine körperliche und geistige Stärke und seinen Intellekt hatte Maul allein seinem Meister zu verdanken. Es würde Maul unendlich fremd vorkommen, wenn Sidious nicht mehr da wäre. Niemand mehr, für den er ohne mit der Wimper zu zucken sein Leben opfern würde, für den er auf Missionen ging, die einem Selbstmordkommando glichen. Und doch war es seine Bestimmung, als Sith-Schüler irgendwann, wenn die Zeit reif war, seinen Meister herauszufordern, um selber ein Sith-Meister zu werden.

Dieser traditionsreiche Kampf auf Leben oder Tod schien Maul jedoch vorenthalten zu werden. Die Macht hatte bereits die Weichen für ihn gestellt und Sidious hatte von Anfang an davon gewusst. Er hatte Maul großgezogen und zu einem fast perfekten Sith ausgebildet, im vollen Bewusstsein, dass dieser bald mächtiger sein würde als er selbst. Maul erschauderte. Er hatte soviel Ehrfurcht vor Sidious’ Künsten und Fähigkeiten, dass er sich fragte, wie das noch zu steigern war. Der Gedanke an solch eine Perfektion weckte aber auch Neugierde in Maul. Schon immer hatte er perfekt sein wollen und nun würde er endlich danach greifen können.

Langsam aber sicher erholte sich Mauls Körper wieder von der Eiseskälte, die er plötzlich durch die neuen Erkenntnisse in sich gespürt hatte. Er führte sich vor Augen wer er war – ein Sith – und was seine Aufgabe war – der dunklen Seite der Macht zu dienen. Sein Ziel – Sith-Meister zu werden und ein für alle mal den Jedi-Orden auszurotten. Es war so weit, Mauls Zeit war nun angebrochen. Letztendlich schneller, als er erwartet hatte, aber wenn er es zugab, genau zum richtigen Zeitpunkt. Maul fühlte sich so stark und mächtig wie noch nie und er wollte endlich Meister werden.

Maul nahm die beiden Medaillons an sich und machte sich auf den Weg zu Leyla.

 

* * *

 

Als Maul seinen Speeder in einer versteckten Gasse nahe Tikko’s Schneiderei parkte, war es bereits früher Morgen. Die ersten Sonnenstrahlen bahnten sich ihren Weg durch die Flugschneisen und erleuchteten selbst die dunklen Gassen Downtowns. Es würde nicht mehr lange dauern und die Gänge würden sich wieder mit den unterschiedlichsten Geschöpfen mit den unterschiedlichsten Bedürfnissen füllen. Daher hüllte sich Maul tief in seinen Mantel, um möglichst unerkannt zu bleiben, und ging um die Straßenecke auf Tikko’s Schneiderei zu. Wahrscheinlich würde Leyla noch nicht dort sein, aber das machte nichts. Er würde auf sie warten.

Ein erster Blick auf Tikko’s Ladeneingang ließ bei Maul alle Alarmglocken läuten. Sein Magen verkrampfte sich unangenehm, als er sah, dass die Fensterscheiben eingeschlagen und die Eingangstür eingetreten worden waren. Jeden Muskel kampfbereit angespannt, ging Maul auf den Eingang zu und je näher er kam, desto mehr vernahm er den süßlichen Geruch des Todes. Er kannte diesen Geruch von all seinen Morden nur allzu gut. Dafür dass diese Nebenerscheinung des Todes sonst eine Genugtuung und Befriedigung für ihn darstellte, empfand er es nun als Bedrohung. Maul ahnte Schlimmes und zum ersten Mal in seinem Leben zögerte er einen Tatort zu betreten. Seine Zukunft hing davon ab, sollte Leyla etwas zugestoßen sein.

Maul atmete tief ein und zwang sich dann, in der Schneiderei nach dem Rechten zu sehen. Scherben knirschten unter seinen Stiefeln, als er den Laden betrat. Es war still, zu still für seinen Geschmack. Daher griff er nach seinem Laserschwert, um es schnell aktivieren zu können, sollte es gleich zu einer Kampfhandlung kommen. Geräuschlos durchsuchte Maul die Räume der unteren Etage, fand aber nichts Beunruhigendes, daher ging er nun die schmale Holztreppe hinauf, um die oberen Räumlichkeiten zu inspizieren. Nach ein paar Stufen machte er Halt. Wieder verkrampfte sich Mauls Magen auf unangenehmste Weise. Seine böse Vorahnung verstärkte sich, als er den alten Tikko mit gespaltenem Schädel und halb durchtrenntem Oberkörper ausblutend auf der Treppenempore liegen sah.

Versteinert blieb Maul stehen. Er wagte es nicht, den Vorhang zum dahinter liegenden Raum aufzumachen und hineinzuspähen. Er wusste, was er dort sehen würde, doch wollte er es nicht wahrnehmen. Er wollte seine Zukunft nicht zerstückelt oder sonst wie entstellt auf dem Boden liegen sehen. Oder gab es vielleicht noch eine Chance?

Maul stieg über Tikkos leblosen Körper und öffnete den smaragdgrünen Vorhang, um in den Hinterraum sehen zu können. Da lag sie, Leyla, – blutüberströmt, ihre Kehle durchtrennt und mit diversen anderen Wunden übersät. Zutiefst enttäuscht und unendlich wütend ballte Maul seine Fäuste. Wie konnte es jemand wagen, sich in seine Zukunft einzumischen? Er war so nah dran gewesen! Und jetzt? Was blieb ihm jetzt noch? Welches Ziel sollte er jetzt noch verfolgten?

Mauls Körper brannte innerlich vor Zorn und Hass. Blut, getränkt mit lavaheißer Wut ließen den Sith überkochen, seine Gehirnzellen für einen Moment durchbrennen. Ein Schrei, so tief und bedrohlich wie die Finsternis, löste sich aus seinem Hals und durchbohrte die Stille des Morgengrauens. Maul staute die Macht in seinen Händen und ließ sie alles zerstören, was sich in diesem Laden befand, sowohl in der oberen als auch in der unteren Etage. Scheiben klirrten, Holz zersplitterte und Stein zerbrach. Es war ein tosender, alles zerstörender Sturm, den Maul um sich herum wüten ließ. Sein Mantel flatterte im Wind, zerrte an seinem Körper und hinterließ brennende Schnittwunden. Doch Maul spürte diesen Schmerz nicht. Viel zu sehr war er damit beschäftigt, seinem Hass und seiner Wut freien Lauf zu lassen, bis bald eine tiefe Leere seinen Geist und seinen Körper beherrschte.

Der Sturm legte sich langsam, im selben Maß wie sich Maul beruhigte. Er ging auf Leyla zu und hockte sich neben sie. Es war eine Schande, sie so ansehen zu müssen, unter diesen Umstände in ihre meeresblauen Augen blicken zu müssen, die Maul so fasziniert hatten. Doch das taten sie jetzt nicht mehr. Ihr Glanz war verschwunden, jegliches Feuer aus ihnen gesogen. Es war nicht mehr das Augenpaar, in das er so gerne geschaut hatte.

Hätte er das zweite Medaillon doch bloß eher gefunden, dann wäre Leyla vielleicht jetzt noch am Leben und er hätte noch eine Zukunft gehabt. Innerlich verspürte Maul schmerzliche Trauer um sie und um sein eigenes Leben. Wie sollte es jetzt weitergehen?

Maul fuhr mit seiner rechten Hand über ihr Gesicht und schloss dabei ihre Augen. Mochte sie in Frieden ruhen. Plötzlich wanderte Mauls Blick zu der Schnittwunde an Leylas Hals. Es war ihm von vornherein merkwürdig vorgekommen, dass Leyla, die der dunklen Macht mächtig war, bei einem simplen Überfall ums Leben gekommen sein sollte. Doch jetzt entdeckte er, dass es sich bei ihrem Gegner um jemanden handeln musste, der ein Laserschwert besaß, denn die Verbrennung an den Wundrändern deuteten sicher darauf hin. Wieder schoss Wut in ihm empor. War sie etwa von einem Jedi getötet worden? Hatten die Jedis Kenntnis von ihr gehabt und sie auslöschen wollen, bevor sie sich mit Maul vereinen konnte?

Maul ballte seine Hände zu Fäusten und schwor Rache. Wer immer dieses Unheil angerichtet hatte, sollte bitterlichst büßen. Und sollte sich tatsächlich herausstellen, dass es ein Jedi gewesen war, würde Maul ihn die grausamsten Qualen dieses Universums spüren lassen. Der Tod war nicht schlimm, wenn er plötzlich eintrat, aber ein langer Todeskampf bei vollem Bewusstsein hingegen, war das Schlimmste, was ein Geschöpf erleben konnte. Und genau das würde Maul diesen Jedi erfahren lassen. Er erhob sich und wandte sich zum Gehen; er hatte noch eine Mission zu erfüllen.

Maul schob den Vorhang zur Seite und verließ den Raum. Als er auf der Treppenempore angekommen war, stockte ihm plötzlich der Atem. Das konnte nicht sein! Das durfte nicht sein! Hatte sich Maul in all den Jahren so täuschen können?

Unten vor der Treppe stand Darth Sidious höhnisch grinsend und mit einem triumphalen Ausdruck im Gesicht.

„Meinst du wirklich, ich hätte dir so ohne weiteres den Vortritt gelassen? Du bist nicht der Richtige für diese Arbeit, das warst du von Anfang an nicht. Aber danke, dass du mir die Medaillons beschafft hast“, spottete Sidious. Seine eiskalten Augen blitzten Maul teuflisch an.

Maul war sprachlos. Er konnte nicht fassen, dass hinter all dem sein Meister steckte, dem er jahrelang treu ergeben gewesen war, für den er gekämpft hatte. Doch diesmal schien er selbst das Opfer Sidious’ Intrigen zu sein. Er hatte ihn bei weitem unterschätzt und sich als sein Schüler zu sicher gewähnt. Dieser Fehler sollte ihm jetzt teuer zu stehen kommen.

Maul begriff, dass er nur eine Marionette gewesen war, eine Marionette im Spiel der Macht.

„Ich sehe, endlich hast du es begriffen, Maul. Du wirst mich niemals besiegen können, niemand kann das. Und daher werde ich auch derjenige sein, der die Herrschaft über die Galaxis haben wird“, antwortete Sidious Maul auf seine Gedanken. Dabei verzog sich Sidious’ faltiges, fahles Gesicht zu einer teuflischen Maske.

Zum Zeichen seiner abgrundtiefen Abscheu Sidious’ gegenüber spuckte Maul verachtend auf den Boden und funkelte den älteren Sith Lord hasserfüllt an. Der Betrug, der Verrat an seinem Körper und seiner Seele machte Maul so wütend, dass er Sidious in Fetzen reißen wollte. Er hasste ihn, mehr als er jemals die Jedis gehasst hatte.

„Du musst mich schon töten, um die Medaillons zu bekommen“, forderte Maul seinen Meister selbstbewusst heraus. Jetzt hatte er nichts mehr zu verlieren.

Sidious brach in lautes Gelächter aus.

„Sei sicher, Maul, das werde ich ganz bestimmt.“

Sidious zückte sein Laserschwert und aktivierte den Energiestrahl. Maul tat ihm gleich, indem er sein doppelseitiges Laserschwert aktivierte und sich kampfbereit machte. Mit einem Ruck katapultierte er sich über das Treppengeländer und attackierte Sidious noch im Fall am Kopf, doch Sidious parierte. Ein zermürbender, harter Kampf um Ehre und Fortbestehen begann. Mit voller Wucht und all seiner Kraft setzte Maul seine Kampfkünste ein, doch egal, was er unternahm, Sidious war ihm immer einen Schritt voraus. Plötzlich wurde Maul mitten in einer Kampfbewegung von einer unsichtbaren Kraft durch den Raum geschleudert und wurde am ganzen Körper von todbringenden Blitzen getroffen, die Sidious aus seinen Händen auf ihn abfeuerte. Jeder einzelne Blitz schwächte und lähmte Maul zusehends, bis er mit voller Wucht auf den Boden krachte und dort regungslos liegen blieb.

Unerträgliche Schmerzen durchfluteten seinen Körper und ließen Maul krampfartig zusammenzucken. Sein Herz schlug unregelmäßig, überschlug sich und fand zu keinem gesunden Rhythmus mehr zurück. Maul ächzte leise. Er hatte Mühe Luft zu bekommen und sog verzweifelt jedes bischen Sauerstoff in sich hinein, das noch den Weg durch seine Kehle fand. Sein Blick trübte sich, doch konnte er noch sehen, wie sich Sidious triumphierend über ihn stellte und verabscheuend auf ihn herunter blickte.

„Ich hätte mehr von dir erwartet, Maul. Und nun, stirb!“ Sidous’ Gesicht zog sich hasserfüllt zusammen, als er sein Laserschwert auf Maul niedersausen ließ und seinen Körper durchtrennte.

Maul wurde es schwarz vor Augen, unfähig noch einen Gedanken zu fassen oder etwas zu fühlen, doch in dem Moment, als der Tod ihn übermannte, sah er etwas, das ihn erleichtert von dieser Welt gehen ließ: Es war Leyla, die ihm die Hand reichte und ihn in das Reich der Toten führte.


ENDE