A Knight's Tale - Deserteur

Teil 1 von ?


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie…

 


Nach Jahrtausenden der Herrschaft des Lichts hat die Dunkelheit die Macht übernommen.

Demokratie wurde durch Diktatur ersetzt.

Die Wächter des Friedens und der Gerechtigkeit wurden gestürzt.

Viele wurden getötet oder haben sich versteckt.

Manche haben ihr altes Leben aufgegeben und sind in der Menge der Wesen, die die Welten dieser Galaxie bewohnen, aufgegangen.

Sie warten, bis die Flamme neuer Hoffnung erglüht und kämpfen unerkannt gegen die Neue Ordnung des Imperators.

Dies ist die Zeit der Rebellion.  



 

1

 

 

 

Cardua

Sechs Jahre vor Schlacht um Yavin 4

 

 

Blasterfeuer. Rote Kaskaden aus Energie durchsiebten die schale Luft.

Sturmtruppler rückten unaufhaltsam vor. Ohne Erbarmen. Ohne Zögern. 

Die Energielanzen aus den Blastergewehren brannten ungehindert durch Stoff, Haut und Muskelgewebe. Bereits nach kurzer Zeit lag der unangenehm süßliche Geruch nach kauterisiertem Fleisch und verbrannten Haaren in der Luft.

Die Luftfilter in den Helmen der imperialen Sturmtruppen leisteten gute Arbeit.

Niemand durfte innehalten. Die Formation nicht ins Stocken geraten.

Unzählige Schüsse.

Handzeichen zum Vorrücken.

Kommandanten mit orangen Schulterpatsch führten ihren Zug sicher und voller Überzeugung.

Treue dem Imperium ergeben.

Einer wurde nervös und marschierte nicht weiter.

Unter den knapp fünfzig loyalen Soldaten des Imperators sah nur einer die Falschheit dieses Einsatzes. Die übrigen weißgepanzerten Strumtruppler waren gefangen in ihrem Glauben dem Imperium, der rechtmäßigen Regierung der Galaxie, einen ehrenhaften Dienst zu erweisen. Ihnen war befohlen worden die Unruhen niederzuschlagen und weitere Aufstände zu verhinderten. Sie waren ein Werkzeug des Willens des Imperators. Das erfüllte ihr Brust mit Stolz. Ließ ihre Herzen schneller schlagen. Machte sie rücksichtlos und gierig.

Nach Ansehen, Brüderlichkeit und Ehre.

CX 5734, einer der wenigen Sturmtruppler mit Spezialausbildung zum Feldsanitäter und Teil der Nachhut, spürte wie sein Herz hinter der Plastoidpanzerung aussetzte.

Er fühlte sich schlecht.

Ihn überkam der Drang sich zu übergeben, obwohl die Filter seiner Rüstung der Geruch nach kochendem Fleisch dämpften. Der Anblick machte ihn Krank. Was er durch den Headup-Display seines Helms sah, widersprach allem was er als Moral bezeichnen würde.

Wie gelähmt sank sein Waffenarm nach unten. Das Blastergewehr fühlte sich unglaublich schwer an. Es wäre ihm beinahe aus den klammen Fingern gerutscht. Doch er wurde sich dem Kampfgetümmel um sich herum bewusst und zwang sich auf der Hut zu bleiben. Er stand nur wenig Meter von dem Landungsboot entfernt mit dem er und der Rest der zwei Garnisonen Sturmtruppler gelandet waren. Die angehörigen seiner Einheit eilten mit erhobenen Waffen an CX 5734 vorüber. Paralysiert nahm er dies nur am Rande wahr.

Die Befehle waren unklar gehalten und ein wenig dubios gewesen. Ihr Kommandant hatte ihnen gesagt was sie zu tun hatten. Keine Details. Dafür waren sie nicht befugt. Sie waren die Arme und Beine des Imperiums. Nicht sein Kopf.

Er hatte geglaubt auf bewaffnete Rebellen schießen zu müssen und nicht auf Zivilisten. Alles in ihm sträubte sich gegen die Vorstellung den Lauf seiner Waffe hoch zu heben, zu zielen und den Abzug zu betätigen. Stattdessen machte er kehrt.

Die Luken des Landungsbootes hatten sich bereits geschlossen. Keiner beobachtete ihn.

Strumtruppler begingen nicht Fahnenflucht. Sturmtruppler waren stolz darauf dem Imperium dienen zu dürfen. Warum sollten einer von ihnen desertieren.

Jeder wusste was einen Deserteur erwartete. Niemand musste das erwähnen. Es gab genügend die verschwanden und nie wieder gesehen wurden.

CX 5734 schlich vorsichtig zurück zum Rand der Landungsplattform. Auf ihr stand die dreiflüglige Landungsfähre und schimmerte metallisch im matten Licht der Nachmittagssonne.

Er holte seine Abseilkabel samt Hacken hervor und kniete sich mit knirschender Kniepanzerung hin. Er würde den Hacken an einer Rille im annähernd glatt polierten Steinboden verankern. Plötzlich meldete sich jemand über sein Helmintercom.

„CX 5734 kehren sie augenblicklich zu ihrer Einheit zurück.“

Einen kurzen Moment überflügelte Angst seine Konzentration und der Hacken rutschte ihm durch die Finger. Mace zögerte.

Seine Gedanken rasten um die Frage, ob er seinem ersten Gefühl folgend, inne halten und sich ergeben sollte, oder seine Flucht fortsetzten.

CX 5734 oder Mace Dekari?

Wer wollte er sein? In diesem Augenblick war es seinen Entscheidung. Flucht oder Ergebenheit?  

Er kniff die Augen zusammen und zwang sich klar und ohne Furcht zu denken. Die gründliche Ausbildung der Sturmtruppler zielte auf absoluten Gehorsam ab. Dabei schreckte man vor nichts zurück. Es gab keine Methode zur Manipulation des Geists, die sie nicht einsetzten. Gehirnwäsche war die geringste.

Irgendwie war Mace resistent geblieben. Er konnte es nicht erklären. So viele andere hatten sie gebrochen. Egal wie Willensstark sie gewesen waren. Mace erinnerte sich an die leeren Gesichter.

Mace verspürte keine Treue zum Imperium.  Er erinnerte sich noch daran wie es gewesen war ein freier Mann zu sein. Seine Loyalität galt ihm selbst.

Unerhörtem Glück hatte es Mace bis zu diesem Moment zu verdanken, dass er noch in keinen geraten war, die ihn mit seinem Gewissen in Konflikt gebracht hätte. Das verdankte er wohl dem Umstand, dass er direkt von Carida an die Front gegen Rebellengruppen geschickt worden war. Er hatte ihre hinterhältigen Angriffe und ihre Guerillataktik am eigenen Leib erfahren. War verwundet worden. Hatte Freunde verloren.

Dennoch hatte er es immer für richtig gehalten. Mace hatte sich als Beschützer des Volks gesehen.

Das vor ihm war keine Schlacht. Es war ein Gemetzel. Es war für ihn absolut unmenschlich und barbarisch. Er würde kein Exempel an friedlichen Demonstranten statuieren.

Er war nicht freiwillig Soldat geworden. Vor weniger als einem Jahr hatte seine Zukunft anders ausgesehen. Wenn Mace zurückdachte hasste er wo er jetzt stand.

Er glaubte nicht an die Ideale des Imperiums. Es war eine Diktatur, wie es unzählige bereits in der Geschichte der Galaxie gegeben hatte.

Mace hatte während seiner Ausbildungszeit auf Carida damit begonnen die Geschichte der Alten Republik zu studieren. Inzwischen war das Lesen alter Schriften eine Leidenschaft geworden.

Er stammte von einer unbedeutenden Welt am Rand er unbekannten Regionen. Seine Heimat war erst vor wenigen Jahren vom Imperium okkupiert worden. Bis zu dem Zeitpunkt als der Imperator einen seiner Schergen bestimmte über Brex zu herrschen, war der Planet demokratisch regiert worden.

Mace vor seiner Zwangsrekrutierung nicht gewusst, dass es Systeme gab in dem einer alles bestimmte. Ebenso wenig hatte er ahnen können, welche unmenschlichen Zustände im Imperium herrschten. Unterdrückung, Zensur, Terror und Furcht bestimmten den Alltag der Nichtmenschen und des gewöhnlichen Volks, während die höheren Schichten der Gesellschaft in Saus und Braus geschützt vom imperialen Militär lebte.

Brodelnde Wut stieg in ihm auf. Er sah in der Ferne undeutlich Gestalten getroffen zu Boden sinken.

Was hätte er gegeben um alle dies jetzt verhindern zu können? Sein Leben? Vermutlich.

Mace unterdrückte die Wut die an seiner Aufmerksamkeit zerrte.

Einer allein war nicht mächtig genug um etwas auszurichten.

Mace Hände zitterten.

Er prüfte das Kabel. Rüttelte daran. Er hasste Ungerechtigkeit fast ebenso sehr, wie er seine Rolle als Beschützer dieses Regimes verabscheute. Er entschied. Es gäbe bestimmt Alternativen, doch so wie er die Lage sah, war jegliche Wahlmöglichkeit die ihm blieb entweder hinauszögern des Unvermeidlichen oder Feigheit.

Das war nicht seine Art. 

„Haben sie mich verstanden, Einheit CX 5734?“ Hörte er die barsche Stimme des Kommandanten nahe seinen Ohren.

„Was knien sie da so rum?“ Hallte eine jüngere Stimme, die die wohlbekannte Tonlage des Sturmtruppenkommandanten ersetzte, aus dem Innenhelmlautsprecher wider. 

Mace musste nicht zurückschauen. Sein Sichtfeld umfasste 360° dank der Technologie die in dem Sturmtrupplerhelmen eingebaut war.

Ein schlanker Sturmtruppler stand betreten einen Schritt hinter ihm. Sein Blastergewehr hielt er locker in der rechten Hand.

Mace ballte die Hand zur Faust. Es wäre nicht schwierig für ihn gewesen den Schwächeren niederzuschlagen. Doch damit würde er die Chance zur Flucht verspielen. Er verwarf den Gedanken.

Stattdessen antwortete er ihm: „Mein Abseilkabel hat sich vom Gerätegürtel gelöst.“

„Sie haben ihre Ausrüstung unzureichend gewartet.“ Erwiderte dieser in herrischem Ton. Er ahmte ihren Kommandanten nach. Mace grinste geschützt unter seinem Helm.

„Ja“, antwortete CX 5734 verdrossen und tippte einen Code ins Tastaturfeld seiner Sendebox. Diese löste er von seinem Gerätegürtel, um auf einen privaten Sendekanal zwischen ihm und dem anderen Mitglied seiner Einheit zu schalten, „Es macht doch jeder Mal einen kleinen Fehler.“

Mace versuchte gleichzeitig reuevoll, kameradschaftlich und verschwörerisch zu klingen. Er kein guter Schauspieler und ein noch schlechterer Lügner, dennoch glaubte er ihm. Mace musste sich zurückhalten um seiner Erleichterung keinen Ausdruck zu verleihen.

„Ja, jeder macht doch Mal einen Fehler.“ Der Sturmtruppler legte ihm eine behandschuhte Hand auf die Schulterplatte. „Sollte so etwas noch einmal geschehen muss ich es dennoch melden.“

Mace erkannte die Stimme. Soweit er es sagen konnte, hieß ihr Besitzer Thanes. Kennzahlen waren schwieriger zu merken als Namen und Mace besaß ein eher visuelles Gedächtnis. Er hatte nicht viel übrig für Zahlen.

„Ich werde nur noch das Kable ordnungsgemäß aufrollen, dann schließe ich sofort zu Rest der Einheit auf.“

Er wartete einen Augenblick, dann erwiderte er freundschaftlich: „Danke Thanes.“

Thanes nickte ihm zu und marschierte in schnellem Laufschritt davon.

Mace hatte nicht vor das Kabel aufzurollen. Stattdessen betätigte er einen kleinen Knopf unterhalb des Hackens, woraufhin sich der scharfkantige Durastahl in den weichen Stein bohrte.

Mace umfasste das dünne Kunstfaserkabel fest mit beiden Händen.

Er atmete tief aus. Presste die Lippen zusammen.

Sein Plan erschien in allen Einzelheiten noch einmal vor seinem geistigen Auge, bis er sich mit einer schnellen ruckartigen Bewegung abstieß und an dem Seil hängend nach unten stürzte. Ein kräftiger Ruck riss seinen Hände nach oben und einen Moment lang dachte er ihm wäre mindestens eine Schulter ausgekugelt worden. Keuchend schnappte er nach Luft. Die Innenseite seines Helms beschlug. Die Filter reagierten zu langsam auf seinen beschleunigten Atem.

Für einen kurzen Moment glaubte er in Sicherheit zu sein und machte sich daran am Seil nach unten zu klettern. Als er nach unten sah bemerkter er, dass er etwas mehr als schätzungsweise acht Meter von der flachen Veranda eines Gebäudes entfernt war. Das Seil reichte keinen nur die Hälfte des Weges hinab und so würde er die letzten vier Meter springen müssen.

Dies behagte ihm ganz und gar nicht. Aber hatte er den eine andere Möglichkeit? Zurück konnte er nicht. Sie würden ihn unter Arrest stellen.

Er begann sich hinabzulassen. Seine gesamte Armmuskulatur spannten sich als dicke Faserstränge unter der Belastung. Mace biss die Zähne zusammen.

Er bewegte sich langsam, aber stetig hinunter.

Das Seil war rutschig und seine Handschuhe glatt. Zum ersten Mal hatte den Eindruck die Schinderei auf Carida war gerechtfertigt gewesen. Ansonsten hätte er es nie geschafft sein gesamtes Körpergewicht nur mit den Händen an einem Seil nach unten zu befördern.

Ihm wurde heiß unter dem hautengen Overall, auf dem die weißen Plastoidplatten befestigt waren.

Sein Puls raste. Die langsamen Frischluftfilter an den Seiten des Helms waren zu langsam, um sein Gesicht ausreichend zu kühlen. Schweiß sammelte sich in der vor Angstregung entstanden Furche zwischen seinen Augenbrauen. Die Rüstung machte den Abstieg noch Anstrengender als er bereits war. Er hegte den übermenschliche Wunsch sich den Helms abzunehmen. Doch dies wäre dumm gewesen. Jemand hätte ihn sehen und erkennen können. Die bleiche Rüstung gewährte Anonymität.

Einem Impuls folgend sah Mace nach oben. Sturmtruppler waren an der Kante erschienen. Sie zielten auf Mace.

Einer kniete. Hob das Blastergewehr und schoss.

Panik.

Mace löste eine Hand vom Seil. Er hatte die Füße mit dem Kabel verdrillt und hielt sich mit einer Hand. Mit der freien Hand holte er den Handblaster hervor und begann nach oben zu feuern.

Niemand hatte Zeit zu denken. Blasterfeuer zerschnitt die brennende Luft.

Mace brachte das Seil zum Schwingen. Sie verfehlten ihn einige Male nur knapp. Er fühlte die Hitze durch die Rüstung als ein Energieschuss über seinen Unterarmpanzer sengte.

Dann riss das Seil plötzlich. Er fiel.

Fiel.

Meinte den Boden näher kommen zu spüren.

Dies hielt einen bewussten Gedanken lang an. Dann der harte Aufprall.

Sehr hart.

Sein Kopf schwirrte. Weiße und Schwarze Flecken tanzten vor seinem Sichtfeld, als er es für einen kurzen Augenblick wagte die Augen zu öffnen. Der Aufprall vibrierte in seinem Körper wider. Ohne die Rüstung hätte er sich wahrscheinlich schwerwiegende Verletzungen zugezogen.

Im Fall hatte er sich auf die Bauchseite gedreht. So war sein Rücken vor Verletzungen geschützt. Die Hände hatte er unter seiner Brust eingequetscht. Seine Handgelenke pochten schmerzhaft. Er rollte sich auf den Rücken und atmete tief durch.

 

 

***

Wie ein knochenweißer Splitter hing die Destructor im Schatten des Planeten Devaron. Hier um über den Frieden auf dem von Nichtmenschen bewohnten Planeten zu wachen. Die Brückencrew befand sich auf Bereitschaft und nur die Nachtschicht hatte ihre Posten bezogen, um das Schiff im Notfall sofort gefechtsbereit zu machen. Der Sternezerstörer der Victory-Klasse lag im orbitalen Wartungsdock, konnte jedoch in weniger als zwei Stunden voll bemannt und mit geladenen Turbolasern in eine Raumschlacht geführt werden.

Die Hauptstreitmacht der Eingreiftruppe bestand aus den beiden Schwesterschiffen, Destructor und  Mind’s Eye. Die Mind’s Eye  war das persönlicher Flaggschiff des Kommandanten der Streitmacht.

Fregatten, Sternejäger, sowie drei Kanonenboote vervollständigten den Trupp. Die kleinen Schiffe schwirrten wie Hornissen um die Zerstörer herum, während eines der Kanonenboote von einem klobigen Wartungsschiff betankt wurden, während eine Mannschaft aus Technikern die Innereien des der schlanken Raumschiffs nach Verschleißerscheinungen untersuchten und es  notwendigerweise reparierten.

Der ranghöchste Offizier, Lord Trayjan, war in der Offizierskabine der Mind’s Eye zurückgeblieben, während er seiner Mannschaft Landurlaub gewährte. Seine schmalen durchdringend dunklen Augen, in denen nur noch ein Schimmer von blau leuchtete, durchsuchten ohne einen einzigen Lidschlag die letzten Berichte seiner Informanten in der imperialen Kommandostruktur nach Anomalien.

 Er vor gut acht Jahren zum Inquisitor, einem dunkle Jedi Meister, der dem Imperator direkt unterstellt waren, gemacht worden. Er unterstand vollkommen dem Befehl des Imperators. Es war unter anderem seine Aufgabe mögliche Überlebende der Jedi Säuberung zu finden und sollte er die Autorisierungen dazu bekommen, sie zu exekutieren. Jedi wurden als Bedrohung für die neue Ordnung betrachtet, da sie die Macht des Imperators zu untergraben drohten. Trayjan war einst ein Jedi gewesen. Er hatte den Orden verlassen, als er die vielen Irrtümer der so genannten Jedi Meister erkannt hatte.

Aber es blieb ihm nichts anderes übrig als seine früheren Brüder und Schwestern zu töten, da sonst er sterben würde.

Manchmal schien die Macht Sinn für Ironie zu besitzen.

Unerwartet meldete sich die in den Schreibtisch eingelassene Komanlage mit einem hellen Piepsen. Der dunkle Jedi Meister aktivierte das Hypercom und erblickte die strengen Züge eines seiner Untergebenen.

Wie ein Imperialer direkte aus der Akademie salutierte das Hologramm Cyen Sinster vor Lord Trayjan.

Sinster war nicht sein Schüler, da er noch zu unerfahren und tollpatschig im Umgang mit der Macht war. Er war nicht mehr als ein Adjutant, obwohl er sich in naher Zukunft beweisen würde müssen. Noch war sein Verstand zu durchdrungen von der imperialen Doktrin, als das er seinen Geist ansatzweise für die Macht öffnen konnte.

„Mein Lord, ich entschuldige mich für die späte Störung, aber euer Schüler bat mich euch mitzuteilen, dass er während der Befriedung von Cardua I eine“, der junge Mann mit dem adrett kurz geschnittenem Haar und der steifen Haltung zögerte unsicher, „Störung in der Macht wahr nehmen konnte. Er sagte mir ich solle euch mitteilen, dass er sobald er den Auslöser lokalisiert und ausgeschaltet habe, den Planeten in Richtung Kern verlassen wird.“

Trayjan verzog die faltigen Züge grimmig und wirkte dennoch Erhaben, obwohl Schuld schwer auf seinen Schulter lastete.

Er würde dieses Verhalten seines Schülers Sedriss schwer ahnden müssen. Eigenen Entscheidungen zu treffen lag nicht in Sedriss Kompetenzbereich. Auf eigenen Antrieb handeln konnte er, wenn seine Fähigkeiten denen seines Meisters ebenbürtig waren. Er drängte die gerechtfertigte Wut zurück und erklärte ruhig und gelassen: „Ich werde morgen nach Cardua I aufbrechen, um Sedriss bei seiner Suche zu unterstützen.“

Die tief in den Höhlen liegenden Augen, die von buschigen Augebrauen überspannt wurden und das Gesicht das schwer vom Alter gezeichnet war, verloren jeglichen Ausdruck von Wärme, der jemals darin gewohnt haben mochten.

Sinster schluckte hart.

Trayjan hatte kaum Menschliches an sich. Er war eine Hülle, in der nur Wut und Schuld lebte.

Wie ein Schatten aus kaltem Hass auf den Rest der Galaxie und sich selbst. Sinster war dem Imperator noch nie von Angesicht zu Angesicht gegenübergestanden, doch er ahnte, dass er sich in Trayjans Nähe ähnlich fühlen mochte.

„Ich werde Kommandant Veers über ihre baldige Ankunft informieren.“

Dann verschwand das Hologramm des jungen imperialen Offiziers und der dunkle Jedi konnte sich wieder seiner Beschäftigung zu wenden.

Mit Bedacht, er stützte sein Kinn mit der knotigen Hand, ließ er die schmalen Augen über den Rekrutierungsbericht des Sturmtrupplers CX 5734 schweifen. Ein kräftiger junger Mann mit rötlich braunen Haaren, das wie bei allen Soldaten bis auf wenige Millimeter zu Recht gestutzt worden war. Seine Augen waren so hell wie einst, hatten jedoch an kindlicher Lebhaftigkeit verloren. Er war enorm gewachsen und Trayjan glaubte, dass man ihm früher oder später – wenn er sich als loyal erwies – den Befehl geben würden der Kaiserlichen Garde beizutreten.

Aus dem schmächtigen kleinen Jungen von einst war ein Mann geworden. Als ihm dieser Gedanken kam und dabei weiterhin die Aufzeichnung bemerkte erinnerte Trayjan sich an einen anderen jungen Mann, der für Aufsehen gesorgt hatte. Nein es war keine Kunst Ähnlichkeiten im Aussehen zwischen den beiden zu finden.

 „Wie ich bereits einige Mal gesagt habe, ich habe die Auseinandersetzung mit Jace“, das Holo räusperte sich, „Mit Rekrut TU 2756 meine ich, nicht provoziert.“

Der Arzt der sich außerhalb des Holocam-Bildes befand antwortete skeptisch: „Rekrut TU 2756 behauptet sie hätte ihn ohne große Anstrengungen quer durch den Raum geschleudert.“

Das Hologramm mit der aufgesprungenen Lippe beteuerte weiterhin sich nicht erklären zu können, wie er so etwas hätte bewerkstelligen sollen.

Lord Trayjan legte die Hand an sein runzeliges Kinn. Hat er gerade ein strenggehütetes Geheimnis entdeckt?

Trajan überlegte. Der Sturmtrupplerrekturt in der Aufzeichnung war größer und breiter gebaut als der Jedi an den er Trajan erinnerte. Warum hatte er dies nicht schon bei ihrer ersten Begegnung gesehen?

Vermutlich weil es damals weit weniger augenscheinlich gewesen war.

Lord Trayjan erkannte jedoch, dass er nichts mit Sicherheit sagen konnte. Einige Punkte sprachen für seinen Vermutung, viele dagegen und dem Imperator würde er diese Überlegung nicht anvertrauen. Trayjan wollte einen Nutzen daraus ziehen.

Leider würde er, sollte dieser Sturmtrupler sich wahrhaftig als seinen früherer Schüler herausstellen, ihn töten oder dem Imperator übergeben müssen.

Ein Jedi war eine Bedrohung für die Stabilität des Imperiums. Man würde ihn töten müssen, sollte er sich daran erinnern, wer er einmal gewesen war. Wenn nicht würde der Imperator verlangen ihn zur Dunklen Seite der Macht zu konvertieren.

Lord Trayjan spürte das erste Mal seit Jahren einen Anflug von Bedauern. Mace war so ein begabter Schüler gewesen.

 

 

***

Mit auf den Schreibtisch abgelegten Füßen studierte Nomi Iyhoa Vestwe den überlangen militärischen Pressebericht den sie für das Abendliche Update der lokalen Holonet News zusammenfassen musste. Er handelte von der so genannten Befriedung von Cardua I. In typsicher imperialer Manier hatte der ansässige Mufti einige Garnisonen Sturmtruppen auf die Widerstand leistende Bevölkerung los gelassen und ein Blutbad angerichtet.

Widerlich, aber leider nichts Neues, entschied Nomi und machte sich daran schnell fertig zu werden. Ihr Interesse galt nur in sehr geringem Maß der Verbreitung Imperialer Propaganda. Um jedoch genug Kredits zum Leben zu verdienen und nicht von den Behörden behelligt zu werden ging sie einer für das Imperium legalen Arbeit nach. Es fiel ihr schwer die vielen Lügen der Imperialen zu verbreiten. Zumindest konnte sie sich nicht vorwerfen Lobeshymnen auf die neue Ordnung anzustimmen. Sie hielt ihre Artikel unterkühlt und Tatsachenbasiert, so das Keiner sie wegen der Aufwiegelung gegen den Imperator bezichtigen konnten und sie als Verrätern brandmarkte.

Aber sie versuchte keine Lügen zu schreiben, die das Imperium in einem besseren Licht darstellte als es war. Natürlich war dies schwierig, da alle Information die sie erhielt aus zweiter Hand war und mindestens eine Zensur hinter sich hatte.

Die Propagandamaschinerien des Imperiums priesen ihre Siege über heimtückische nichtmenschliche Wilde auf irgendwelchen rückständigen Planeten an und verharmlosten regelrechte Massaker die Marineoffiziere auf Befehl des Oberkommandos unter der zivilen Bevölkerung verübten.

Nomi erinnerten sich noch lebhaft an ihr Entsetzen, als der frühere Capitän Tarkin zum Mufti ernannt worden war. Tarkin hatte die Landung einer Fregatte befohlen und so eine Gruppe friedlicher Demonstranten auf Ghorman mit deren Repulsorfeld unter dem Schiffsrumpf zerquetscht worden. Zu dieser Zeit hatte Nomi noch die Universität von Alderaan besucht. Sie war die Jüngste der Reporter die für das HoloNet auf Alderaan arbeite.

Als sie ihr Studium beendet hatte, war sie überglücklich gewesen als sie ihre derzeitige Arbeit als Reporterin beginnen durfte. Sie hatte sich alles wunderbar ausgemalt und war so naiv gewesen. Heute wusste sie das. Sie hatte kein Monate für diese Erkenntnis benötigt.

Vielleicht war es Schicksal, dachte sie heute. Sie hatte immer alles bekommen was sie wollte ohne das ihre Hoffnungen je enttäuscht worden waren.

Sie war nicht glücklich.

Alderaan war ein Idyll in einer grausamen Galaxie und Nomi war erst jetzt mit aller Gewalt zu dieser Erkenntnis gedrängt worden.

Einer der Gründer für ihre große Enttäusch als sie verspätet zu begreifen begann wie die das Imperium funktionierte, war das sie eine behütete Kindheit, Jugend und Studentenzeit gehabt hatte.

Ihr Vater war der oberste Sicherheitsverantwortliche von Vizekönig Bail Organa und er hatte stets dafür Sorge getragen, dass es seinen Töchter, Nomi und ihrer älteren Schwester Shanja, gut ergangen war. Ihre Mutter war Corellianerin, doch die Ehe zwischen ihren Eltern hatte nicht gehalten. Ihre Mutter hatte sich dem corellianischen Widerstand angeschlossen. Ihr Vater war dagegen gewesen. Er hielt offensive Aktionen gegen das Imperium für zu gefährlich. Im Besonderen war er auf die Sicherheit von Nomi und Shanja bedacht gewesen.

Mutter hatte ihn einen Feigling genannt und hatte ihn verlassen.

Sie war seit ein Jahr tot. Gestorben im imperialen Feuer, während einer Rebellen-Razzia auf Drall. Nomi hatte sich nie richtig von ihrer Mutter verabschiedet und manchmal fühlte sie sich schlecht, wenn sie daran dachte wie wenig Trauer sie empfunden hatte.

Schweren Herzens hatte sie sich eingestanden, dass sie ihrem Vater näher war als sie ihrer Mutter jemals gewesen war. Shanja hatte sich nun ebenfalls dem Widerstand im corellianischen Sektor angeschlossen.

Nomi fürchtete den Tag an dem sie Shanjas Namen unter der Toten-Liste eines Einsatzberichtes lesen würde.

Alderaan war die Welt der schönen Künste. Eine friedvolle Welt und manchmal rechte eintönig, wenn sie auch die niedrigste Verbrechensrate in der Galaxie hatte. Wahrscheinlich gerade deshalb.

Nomi hätte oft ihren freien Tage auf Corellia verbracht. Sie kannte und mochte Coronet. Shanja und sie hatten mit ihrer Mutter auf dem Landgut ihrer Großeltern verbracht. Sie hatten mit den Nachbarjungen gespielt und waren rund um glücklich gewesen.

Irgendwann würde Nomi wieder für einige Zeit dorthin zurückkehren. Zurzeit war dies aber in weite Ferne gerückt. Zu viel beschäftigte sie hier und belastete jeden frohen Gedanken.

Nomi war nicht die furchtlose Rebellin wie ihre Schwester. Shanja hatte Nomi immer beschützt. Hätte älteren Jungen einen blutige Nase geschlagen, wenn Nomi in Not war.

Nomi war irgendwie immer das nette Mädchen geblieben. Sie hatte keine Ecken und Kanten und war keine Draufgängerin wie ihre Schwester. Sie war nicht mutig.

Nomi hatte nie einen Grund dazu gehabt. Sie hatte alles bekommen was sie wollte auch ohne tapfer sein zu müssen.

Hin und Wieder unterstützte sie die alderaanische Rebellengruppierung. Meist mit Informationen, da die ansässige Rebellen passiv gegen das galaktische Imperium vorgingen. Sie sammelten Informationen, halfen anderen Organisationen, beschafften Gelder. Shanja hatte oft gesagt die Alderaaner hätten keinen Mumm. Nomi konnte diese Aussage verstehen wenn sie hörte was Shanja von ihren Einsätzen erzählte, doch für sie waren Shanjas Berichte wie Märchen aus einem anderen Leben denen sie voller Neugierde lauschte. 

Nomi legte das dünne Datapad zurück auf den Schreibtisch. Ihr Stapel aus dünnen wie Chrom schimmernden Pads war in den letzten Tag rasch angewachsen. Sie seufzte kaum hörbar. Schaute kurz aus dem Fenster über die weißen wohlgeformten Gebäude. Dann nahm sie ein weiteres Datapad von einem anderen Stapel und fuhr fort. Es gefiel ihr nicht mit ihren Aufgaben ihm Verzug zu sein.

 

***

Der Staub begann sich zu legen. Remy Torak unterdrückte ein leichtes Niesen und hielt sich die Hand vor seine Atemöffnungen. Sein olivgrüner Hautteint hatte sich unnatürlich hell verfärbt und verlor weiter an Farbe, als er die weißen Umrisse erkannten, die auf der schmalen Terrasse seines schäbigen Apartments lagen. Obwohl er nicht immer auf der richtigen Seite des Gesetzes stand und sich selbst Freier Händler nannte, was im Klartext Schmuggler bedeutete, waren noch nie imperiale Sturmtruppler hinter ihm her gewesen. Die Belohnung - es war nicht mehr als fünfhundert Kredits auf seinen Kopf ausgesetzt und das auch nur von einem einfältigen Devaronianer, den er um die Fracht betrogen hatte - war zu gering als, dass sie das Imperium oder irgendeinen bekannten Kopfgeldjäger interessieren würde.

Noch vor einer Stunden war eine Nachricht in der Lokalausgabe der HoloNet News erschienen, dass kein treuer Imperialer Bürger das Haus verlassen sollte, um der Demonstration des Rebellenabschaums zu entgehen. Die Demonstration hatte Torak nicht interessiert und er hatte den Tag bis jetzt damit zu gebracht die Kreditchips, die er bei einer Wette auf den Sieger des alljährlichen Flitzerturniers auf Cardua I gewonnen hatte, zu zählen.

Diese friedvolle Tätigkeit war jäh unterbrochen worden, als etwas, oder besser gesagt jemand, von oben herab gefallen war. Der Stormie lag auf dem schäbigen Balkon vor seinem gemieteten Zimmer.

Mit dem wachsenden Gefühl der Bedrohung, beobachtete er wie der Sturmtruppler sich auf den Rücken rollte.

Er lebt. Verdammt…

Nein Remy, denk nach! Sei froh das der Kerl den Sturz überlebt hat, sonst könnte sie noch behaupten du hättest ihn umgebracht.

Ja dann hättest du ein Problem Kumpel… Dann wären bestimmt mehr Kreds auf den Kopf ausgesetzt, wenn sie dir den Mord an einem Imp anhängen.

Die weiße Panzerung und der gleichfärbige Helm war unverkennbar der eines Sturmtrupplers. Torak fühlte sich wie gelähmt und wagte nicht sich dem verletzten imperialen Soldaten zu nähern.

Plötzlich bewegten sich die in schwarzen Handschuhen steckenden Finger des Sturmtrupplers und ein durch das Helmintercom verstärktes Stöhnen war zu vernehmen.

Remy zuckte zusammen. Er war ein Mirialer und seinen Vorfahren stammten ursprünglich vom Planeten Mirial, er war jedoch auf Nar Shadaa geboren und dort aufgewachsen. Sein Aussehen war exotisch und er hatte noch nie außer seiner Mutter einen anderen seiner Spezies getroffen. Eines seiner herausstechendes Merkmale waren die Male die diamantförmigen Male unterhalb seiner schwarzen Lippen und quer seine Stirn entlang liefen.

Der Sturmtruppler bewegte sich erneut. Dieses Mal schien er die Absicht zu haben aufzustehen.

Remy wollte keinen Ärger. Aber er wollte auch nicht seine Kredits zurücklassen. Seine Kleidung war nichts wert und alles andere war entbehrlich. ABER NICHT SEINE HARTVERDIENTEN KREDITS.

Die Hälfte seiner gewonnenen Kreditchips lagen immer noch auf den zerwühlten Bettlacken. Er konnte den Raum unmöglich ohne dieses Geld verlassen. Er stürzte zum Bett.

Er hatte keinen Plan. Er wollte nur sein Geld. Schnell packte er alles in seine Jackentaschen.

Wo war sein Blaster?

Mit überquellenden Taschen sah er sich um.

Keine Zeit!

Der Stormie schüttelte gerade die Benommenheit vom Sturz ab. Remy blieb keine Zeit mehr.

Er würde sich später einen neue Waffe kaufen. Genug Geld hatte er dafür.

Die Galaxie war ein rauer Ort. Ohne ausreichende Bewaffnung sollte man sich besser von Streitigkeiten, Spelunken und Sturmtruppleransammlungen fernhalten.

Remy sah sich noch einmal um.

Zu spät. Der Kerl in weißem Plastoid hatte sich bereits hochgerappelt und hatte wohl die Absicht das billige Hotelzimmer zu betreten.

„Lass mich in Ruhe! Ich habe nichts getan! Du kannst alles haben“, stammelte Remy.

„Ich verschwinde jetzt von hier“, der Schmalspurganove hatte die Arme abwehrende von sich gestreckt. Er ging rückwärts. Hielt auf die Tür des Zimmers zu.

Der Sturmtruppler sagte nichts. Seine Mimik blieb hinter dem Helm verborgen. Dann zuckte er mit den Schulter und Remy sah dies als Zeichen die Flucht zu ergreifen.

Er rannte.

Dann sah er vor seinem inneren Auge die leeren Hände des unerwünschten Eindringlings.

Remy hatte das Hotelzimmer bereits verlassen, als ihm dies klar wurde.

Er könnte sich dafür in den Arsch treten. Er hatte einem unbewaffneten sein Zimmer überlassen.

SEINE SACHEN!

SEINE BLASTER!

Zum Glück war er geistesgegenwärtig gewesen um seine Kredits mitzunehmen. So war der Schaden nicht ganz so schlimm. Verärgert und sich selbst in Gedanken als Idioten verhöhnend marschierte er den Hotelflur entlang, bis zum Turbolift. Dieser brachte ihn nach unten.

Remy wartete einige Momente im Parterre des Hotels. Beobachtete kurz den gelangweilten thrandoshanischen Hotelangestellten hinter dem Rezeptionsschalter und  entschied, dass er in Sicherheit war. Er verließ das Hotel und machte sich auf zu einem angenehmeren, vertrauteren Ort. Remy würde Extra-Kredits benötigen, wenn der den Planeten verlassen wollte und es gab keinen besseren Ort um auf diesem Planeten Kreds zu verdienen, als das Vergnügungsviertel der Arbeiter. Dort gab es genügend Kantinas um sich mit Sabbacc zu bereichern.

 

 

***

Erleichtert, mit einem Gefühl, als ob ihm die Masse eines Planeten von den Schultern gehoben worden war, ließ sich Mace sich auf die zerwühlte Pritsche sinken. Langsam, mit Bedacht, um die unzähligen Prellungen, die er sich bei seinem Fall aus mehr als vier Meter Höhe vom High Monument Park zugezogen hatte, nicht in neuem Schmerz zu entfachen, entledigte er sich der weißen Rüstung.

Barfüßig, bekleidete nur dem schwarzen hautengen Overall, den jeder imperiale Soldat unter der markanten Plastoid-Rüstung trug, stand er neben dem schmalen Einzelbett, das ihn auf den ersten Blick an die Pritschen im Ausbildungslager auf Carida erinnert hatten.

Jeder seiner Muskel schien unter Schmerz verkrampften zu wollen, als er sich streckte, um herauszufinden, wie schwer er sich bei Sturz verletzt hatte.

Er fand nur unangenehme oberflächliche Schrammen und Prellungen, die er mit ein wenig Bactasalbe aus seinem Medipack würde behandeln können. Alles nicht weiter schlimm. Während der Ausbildung hatte er sich öfter schwerwiegender Verletzt.

In weniger als zwei Tagen würde das meiste verheilt sein und seine Aufmerksamkeit nicht mehr in Anspruch nehmen. Der luftdurchlässige strapazierfähige Overall aus kratzigem dreischichtigem Stoff, der vor Stichwaffen, die zwischen die Rillen der Rüstung eindringen konnten, schützen sollte, hatte seine Pflicht zufrieden stellend erfüllt.

Selbstverständlich konnte er sich so nicht unter Zivilisten blicken lassen. Er wollte es auch nicht. Mit dem Ablegen der Rüstung wollte er auch die letzten Monate und Jahren hinter sich lassen. Vergessen würde er diese Zeit wohl nie, aber er hoffte zumindest in der Lage zu sein unerkannt ein normales Leben zu führen.

Mace sah sich um. Der Kerl den er vertrieben hatte, hatte alle seine Kleider zurückgelassen. Es hatte also keinen Schwierigkeiten seinen Panzer und den Overall gegen Zivilkleidung einzutauschen. 

Er würde die Sturmtruppenpanzerung für gute Kredits in Cardua’ Unterwelt verkaufen. Auch auf Cardua musste es einen Schwarzmarkt geben. Es war zwar illegal Ausrüstung der imperialen Flotte zu kaufen oder zu verkaufen, doch das Imperium konnte nicht überall sein und so blühte das Geschäft mit gestohlener imperialer Ausrüstung in den Außenregionen der Galaxie.

Natürlich war es schwieriger eine Sturmtrupplerrüstung loszuwerden, als Blastergewehre oder Munition, doch Mace hoffte irgendjemanden finden zu können der seine Rüstung an irgendeine der vielen Rebellengruppen weiter verkaufen würde. 

Mace hoffte CX 5734 somit endgültig zu vernichten. Er wusste, dass ihn ab jetzt die Furcht entdeckt zu werden jeden Tag begleiten würden. Er würde auf der Flucht sein. Vielleicht sein restliches Leben.

Mace schwor sich selbst es nie zu bereuen. Niemals. Von nun an würde es wieder sein Leben sein.

Er würde sich einen neue Identität zulegen müssen. Eine die keinen Aufmerksamkeit erregte. Was würde wohl zu im passen?

Er hatte noch nie etwas anders getan als Befehle zu befolgen. Er war nie etwas anderes gewesen als Soldat. Selbst auf seinem Heimatplaneten hatte er sich in der Ausbildung zum Gardisten befunden.

Was würde wohl aus ihm werden?

Mace freute sich darauf es heraus zu finden. Es konnte nur besser sein als das Leben eines Sturmtrupplers.

Mace machte sich daran den Koffer voller Kleider des Unbekannten zu durchsuchen.

Er fand nichts was ihm wirklich passte, da Mace hoch gewachsen war und der ehemalige Bewohner diese Apartments, seiner Kleidung nach zu urteilen, klein und stämmig gewesen sein musste. Mace hatte nicht darauf genau darauf geachtete wie der grünhäutige Nichtmensch gebaut war. Er war zu beschäftigt gewesen den Schock vom Aufprall zu verarbeiten.

Mace grinste, er hätte sich vorher informieren können wer in welchem Apartment wohnte, damit er genau demjenigen auf den Balkon fiel, der seinen Größe hatte.

Das war natürlich Unsinn.

Fierfek, fluchte Mace halblaut, als er feststellte, dass ihm auch die blankpolierten Stiefel seines unfreiwilligen Ausstatters zu klein waren.

Er war versucht barfuß zu gehen, doch das war keinen gute Idee in einer solchen Stadt. Es bestand Verletzungsgefahr.

Mace quetschte unter großer Anstrengung seine Füße in die kniehohen Stiefel. Es schmerzte, er konnte so unmöglich gehen.

Aber er konnte unmöglich die weißen halbhohen Schuhe anziehen, die zur zerschrammten Panzeruniform gehörten.

Mace verkniff sich einen weiteren Fluch den er auf Carida von anderen Kadetten gelernt hatte.
Sobald er einen Schuhladen sah musste er sich passende kaufen. Er konnte unmöglich mit denen gehen, die er hier gefunden hatte. Mace hatte eine Handvoll Kredits bei sich. Seinen gesparten Sold, den er einer Bank anvertraut hatte, konnte er unmöglich beheben. Sollten sie ihn suchen würden sie auch seine Geldanlangen überprüfen. Wenn er etwas behob würden sie die Spur nachverfolgen und ihn finden.

Die Hosen waren Mace zu kurz, während ihm der Bund zu weit war. Nichts schien auch nur annähernd zu passen. Er würde sich nicht nur neue Schuhe kaufen müssen, aber für den Moment musste es ausreichen.

Er musste sich beeilen.

Mace rollte den Bodysuit, den er unterhalb der Rüstung getragen hatte, zusammen und packte ihn mit den Teilen der weißen Panzerung in einen Tasche, die er zuvor ausgeleert hatte.  Die Tasche ließ er auf dem Boden stehen, als er suchend an sich hinab sah und das Hemd zuzuknöpfen begann.

Es spannt um seine Schulter und er musste vorsichtig sein, wenn er es nicht zerreißen wollte. Mace hatte breite Schulter. Er krempelte die Ärmel hoch, damit der Eindruck entstand, er würde dies aus Absicht tun und nicht um die zu kurzen Hemdärmel zu retuschieren.

Er fühlte sich nicht ganz wohl und dieses Gefühl wurde noch stärker, als er die blasse Narbe unterhalb seines Schlüsselbeins mit den Fingerkuppen streifte.

Mace hatte keinen Ahnung woher sie stammte. Nicht einmal ansatzweise. Er erinnerte sich nicht an sein Leben vor seiner Zeit bei seinen Adoptiveltern auf Brex. Aber als er nach Brex gekommen war, war er bereits zehn Jahr alt gewesen. Davor hatte war nichts außer Fetzten bunter Bilder und Empfindungen. Nichts was irgendeinen Sinn ergab.

Mace hielt einen Moment innen, die Hand, die an unzähligen Gelegenheiten immer ruhig geblieben war, hatte zu zittern begonnen. In gewohnter Manier atmete er tief durch und ließ alle Angst, die ihm zu verspüren noch möglich war, zusammen mit der Luft aus sich hinausströmen.

Ungewissheit war sein schlimmster Feind und seine größte Furcht. Seine erste klare Erinnerung war, dass er angeschnallt an die Liege in der Sanitätsstation eines Raumschiffs aufgewacht war. Er hatte instinktiv versucht hatte sich zu befreien, weil er gewusst hatte, dass ihm Leid zugefügt worden war. Mace konnte sich nicht erinnern. Bis heute nicht. Manchmal glaubte er, dass er niemals wissen würde was damals wirklich geschehen war.

Aber es musste einen Grund geben. Ob irgendetwas mit ihm nicht stimmte? Oder vielleicht mit seinen Eltern?

Mace konnte sich auch nicht an sie erinnern. Wäre die Dekaris nicht gewesen, wer weiß was aus ihm geworden wäre?

Ganz allein in der Galaxie, ohne Erinnerung und ohne jemanden, der sich darum kümmerten was aus ihm werden würde.

Jetzt kam er damit zu Recht allein zu sein. Er war ein erwachsener Mann. Aber wäre er damals ohne Erinnerung auf sich allein gestellt gewesen, war es durchaus wahrscheinlich, dass er nie das Mannesalter erreicht hätte.

Mace wand seine Aufmerksamkeit anderem zu.  Es hatte keinen Zweck alte Ängste immer wieder neu zu nähren.

Vielleicht würde er eines Tage Antworten bekommen doch bis dahin würde er keine Stunde damit verschwenden der Vergangenheit nachzutrauern.

Zuerst musste die imminente Gefahr gebannt werden. Mace musste verschwinden. Untertauchen.

Es war mehr als zwei Jahre her, dass er zuletzt Zivilkleidung getragen hatte. Vermutlich würde er den Helm am meisten vermissen. Der HeadUp-Display hatte sich immer als äußerst praktisch erwiesen. Das lockere Hemd und die dünne Hose würden ihn, sollte er aus welchem Grund auch immer in einen Kampf verstrickt werden, nicht schützen. Mace gefiel diese Überlegung nicht. Er war so dran gewöhnt jeder Auseinandersetzung mit dem Schutz der knochenweißen Rüstung entgegen zu treten.

Er würde verwundbar sein.

Mace gefiel dieser Gedanken nicht, doch daran war nichts zu ändern. Zivillisten waren verwundbar und er würde ab jetzt einer sein.  Als er die Sachen des Verjagten durchstöberte fand er einen Blaster. Ein nicht militärisches Model. Das würde ihm gute Dienste leisten. Den E-11 Blaster, das DLT-20A Blastergewehr  und die Thermaldetonatoren würde er zusammen mit der Rüstung auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Es war zu gefährlich sich mit militärischen Waffen zu zeigen. Das würde ihn entweder als Verräter oder Dieb brandmarken. Keines von beiden war empfehlenswert, da man ihn in beiden Fällen hinrichten würden.

Der packte die Waffen in die Tasche mit der Rüstung, dann ließ er seinen Blick noch einmal durch das Zimmer schweifen.

Es herrschte eine gewissen Unordnung. Mace hatte sich nicht zurückgehalten und es sah aus als hätte ein Einbrecher das Zimmer auf den Kopf gestellt. Umso besser. Wer würde so einen sich auf der Flucht befindenden Sturmtruppler dieser Tat bezichtigen. Wohl er einen der vielen Kriminellen die Cardua bevölkerten.

Mace nahm die Tasche und eilte davon. Er fühlte sich leichter. Die frische Brise im Gesicht ließ ihn grinsen. Er hatte den Helm nie besonders gemocht, abgesehen von seinem praktischen Nutzen ohne Aufwand alle Vorgänge hinter seinem Rücken beobachten zu können. Das Hotel befand sich in einem heruntergekommen Viertel der Stadt und bald fand sich Mace in der Gesellschaft die er gesucht hatte um das problematische Eigentum des Imperiums los zu werden. Er fand einen carduanischen Hehler. Einen zwielichtigen Menschen, der einen anstatt seiner rechten Hand eine Roboterarm besaß. Er zerquetschte Mace beinahe die Finger mit den stahlkalten Fingern.

Der Hehler gab Mace einen angemessenen Preis, zumindest behauptete er dies. Gestohlene Ware des Imperiums sei nicht leicht weiterzuverkaufen, meinte er grobe Kerl. Mace glaubte ihm sogar und war froh, da es genügend Kredits waren um den Planeten zu verlassen. 


Ende von Teil 1

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