A Knight's Tale - Deserteur

Teil 2 von ?


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





2

 

 

 

 

UNTERWELT

 

Abend war über der malerischen Landschaft von Alderaan hereingebrochen. Die rötlich-goldenen Sonnescheibe war kaum noch hinter den schneebedeckten Bergen zu sehen. Nomi machte es sich auf der Sitzbank des Hauptraumes ihrer Wohnung, in einem der niedrigen alten Wohnhäuser von Aldera, bequem. Der Tag war nur zähn vorübergegangen und einige Berichte waren ihr nur schwer von der Hand gegangen. Es fiel ihr in letzter Zeit immer schwerer so zu schreiben, wie man es von ihr erwartete.

Mit den Gedanken an die vielen tausende Opfer über die sie verharmloste HoloNet Artikel hatte verfassen müssen, traten ihr Tränen in die Augen. Zumindest hatte man sie nie dafür in Betrag gezogen nach Imperial Center zu fliegen und vor Ort zu berichten. In ihrem ganzen Leben war sie erst wenige Mal auf Imperiale Center, früher Coruscant genannt, gewesen und sie war nicht erpicht darauf dies noch öfter zu wiederholen. Die Hochburg des Imperators war unerträglich für jeden der in seiner Kindheit eine Erziehung nach den alten Werten erfahren hatte. Sie hatten noch gelernt, was Toleranz, Gleichberechtigung und Freiheit bedeutete und deshalb war das xenophobischen Gedankengut das die imperialen Fanatiker, allen voran der Imperator selbst, verbreitete völlig unerträglich.

Ihre Kindheit hatte Nomi hauptsächlich auf Alderaan und Corellia verbracht, da ihre Mutter von Corellia stammte und ihr Vater von Alderaan.

Kaleen Iyhoa hatte nur wenig Zeit für ihre beiden Töchter gehabt, sie war oft auf Forschungsreisen im Auftrag der Universität von Coronet gewesen. Ihre Töchter hatte so beide viel Zeit bei ihrem Vater auf Alderaan verbracht.

Sie nahm ihrer Mutter das nicht übel, da es ihnen nie schlecht ergangen war. Sie hatten eben ihre Mutter nur selten gesehen, dafür hatte es ihnen auf Alderaan an Nichts gefehlt.

Die Mehrheit der Alderaaner waren Menschen, doch durch die pazifistische und tolerante Art der Alderaaner hatte es viele Flüchtlingen nach dem Klonkrieg auf den Planeten verschlagen und viele waren bis heute geblieben, um der Unterdrückung durch das Imperium zumindest teilweise zu entgehen.

Unerwartete zirpte ihre Comlink und die gewohnt monotone Stimme ihres Protokolldroiden TC39 bestätigte Nomis sofortige Vermutung, dass eine Nachricht über das Langstrecken Hypercom angekommen war. Das Hypercom Nachrichtennetz zu benutzen war keine billige Angelegenheit, doch sie und Shanja gönnte sich den Luxus zwei Mal im Monat die neuesten Nachrichten auszutauschen. Meistens redeten sie verhalten über ihre Arbeit und erwähnte die Rebellion mit keinem Wort und wenn es doch nötig war, dann nur in einer Kodesprache die keinem Imperialern, der das Gespräch möglicherweise mithörte, verdächtig vorkommen würde. Nomi hoffte das nichts Ungewöhnliches geschehen war, immerhin meldete sich Shanja zwei Tag zu früh.

In ihrem privaten Arbeitszimmer angekommen beorderte, sie den silbernen Protokolldroiden, der sich ohne zu zögern, wie es sich für einen Droiden geziemte, nach draußen. TC39 war eine älteres Model von Cybot Galacticas und Nomi von ihren Arbeitgebern als Hilfe beim übersetzen von Berichten aus Teilen der Galaxie, wo kein Basic gesprochen wurde oder mit einem schwierigen Dialekt unterlegt war, zur Seite zu stehen. Nomi mochte die Zurückhaltung und Seriosität des Droiden und war gut darin ihn als Möbelstück zu betrachten, denn im Grunde waren Droiden doch nicht mehr als interaktive Möbelstücke. Zumindest hatte Nomi es noch nie mit einem Droiden zu tun gehabt der auch nur einen Hauch von eigener Persönlichkeit entwickelt hatte, obwohl es Gerüchte gab, dass Droiden zu solchen Verhaltensweisen neigte, wenn ihr Speicher nicht regelmäßig gelöscht wurde.

Als Nomi die Comanlage in ihrem schmalen Schreibtisch, der mit seiner abgerundeten Form und dem milchigen Glas aus dem seinen Platte bestand zierlich wirkte, aktivierte erschien jedoch nicht, wie sie erwartete hatte das verkleinerte Abbild ihrer Schwester sondern, das eines ihr flüchtig bekannten Mannes mit einem unsicheren Lächeln um den Mundwinkel und der chaotischen Erscheinung eines Raumtechnikers, der gerade aus den Wartungsluken eines leichten Frachters gekrochen war.

Nomi versuchte sich an seinen Namen zu erinnern. Harrdon…irgendwie, vielleicht Reen, weil er doch Corellianer ist, Reen ist ein typischer Corellianer-Name, oder doch irgendwas mit P oder D?

Der junge Mann, schätzungsweise Mitte zwanzig, stellte sich als Padon Harrdon – Nomi hatte recht behalten mit dem Nachnamen – und als guter Bekannter ihrer Schwester vor.

Nomi verkniff sich ein verräterisches Lächeln. Guter Bekannter. Er hätte auch gleich sagen können, dass er sie mochte und Shanja, so wie Nomi sie kannte, ihn hatte abblitzen lassen. Shanja hatte in den letzten beiden Jahren, seit sie dem Widerstand beigetreten war, keinen Mann näher als unbedingt nötig an sich heran gelassen. Sie war fest davon überzeugt, dass eine Beziehung keine Zukunft haben würde, solange sie im Widerstand kämpfte und jeden Tag sterben konnten.

Seine anfänglich unbekümmerte Art veränderte sich in Schuldbewusstsein und unterdrückte Nervosität, als er erklärte, dass Shanja bei einer imperialen Razzia in einer Spionagezelle der Rebellen gefangen genommen worden war. Das Oberkommando hatte sich gegen eine sofortige Rettung ausgesprochen hatte, da jeder von ihnen wusste was auf sie zugekommen würde, als er oder sie sich den Rebellen angeschlossen hatten.

Nomi fühlte Trauer und Entsetzen in sich hochsteigen, sie wusste das jedes Mitglied des Widerstands einen Schlafpille bei sich trug, um im Fall der Gefangennahme durch imperiale Eingreifkräfte sich selbst zu tötet um keine Informationen unter Folter Preis zu geben.

„Ich bin dem Oberkommando nicht verpflichtet“, fügte der Corellianer mit den zerzausten braunen Haaren und den großspurigen Grinsen hinzu, „Ich stelle meine eigenen Regel auf, bin völlig unabhängig und werde versuchen Shanja zu befreien.“

Stolz und Enthusiasmus unterlegten seine männliche Stimme  ließen sie vor Aufregung zittern. Auf Nomi machte er einen unmöglichen Eindruck, obwohl es ihm gut zusprach, dass er Shanja retten wollte. Er wirkte so arrogant und selbstsicher.

Dann fuhr unbeirrt fort: „Ich könnte jede Hilfe gebrauchen, die ich bekommen kann deshalb frage ich sie ob sie mir helfen ihre Schwester zu befreien. Vielleicht kann ich auch noch ein paar gute Bekannte auftreiben, die ebenfalls bei der Rettungsaktion mitmachen.“

Im ersten Moment hätte Nomi beinahe gelacht, aus Überraschung und aus Erstaunen über die Naivität, oder die Selbstüberschätzung, die er mit seiner Aussagen zum Ausdruck brachte. Das Imperium war zu mächtig, als das man es mit einer Bande aus Gesetzlosen hinters Licht führen konnte. Man konnte nicht einfach in eine bewachte imperiale Garnison stürmen und die Gefangenen befreien. Sturmtruppler waren geübte Schützen und ihre Panzer machten sie immun gegen Projektilwaffen, Viborklinge und Schwerter. Außerdem würde es für eine imperiale Basis keinen großen Aufwand bedeuten Verstärkung von einer anderen Basis zu erhalten.

Der Gesetzlose schien die Zweifel in ihren Zügen zu lesen: „Sie sprühen ja nicht gerade vor Begeisterung. Allzu viel scheint ihnen Shanja nicht zu bedeuten.“

Das geht zu weit, Gauner, dachte Nomi sich infolge einer solchen Anschuldigung.

„Meinen Schwester bedeutet mir mindestens genauso viele wie ihn, aber wenn sie einmal genau darüber nachgedacht hätten, was sie mir vorschlagen, hätten sie erkannten, dass es Selbstmord ist mit ein paar halbwegs bewaffneten zwielichtige Gaunern, die sie irgendwo aus einem Dreckloch wie Nar Shadaa rekrutiert haben - weil sie ihnen noch einen Gefallen schulden - eine Gefangenen aus einem imperialen Stützpunkt zu befreien.“

Pad Harrdon beschwichtigte Nomi mit einer ausholenden Geste.

„Ganz ruhig Schwester. Ich habe alles genau geplant und ganz nebenbei sind die meisten meiner Kumpel Corellianer, oder alte Haudegen aus dem Gewerbe, die die Nase gestrichen voll haben von der des Imperiums. Die sind so gut darin dem Imperium Ärger zu machen, das sie auf der schwarzen Liste stehen.“

„Deserteure?“ Rutschte es Nomi erschrocken heraus. „Solchen Verrätern vertrauen sie.“

Angewidert fuhr Pad Nomi scharf an: „Das Imperium zu verraten ist kein Verrat an sich. Es ist wohl das Zeichen dafür das man moralisch noch nicht völlig verdorben ist.“

Nomi seufzte und biss sich auf Lippen. Der Kerl hatte durchschlagende Argumente. Doch selbst wenn sie zustimmte ihm zu helfen, würde sie doch keine Hilfe sein. Sie war ungeübt im Umgang mit einem Blaster und so völlig unbrauchbar für Pad uns seine Helfer. Dies erklärte sie ihm auch.

„Nein, nutzlos sind sie nicht. Ich weis von Shanja das sie ziemlich gut darin sind Einsätze zu koordinieren. Zumindest hat sie einmal erwähnt, dass sie das bereits einmal getan haben für die Rebellion.“

Nomi erinnerte daran. Sie hat nicht viel mehr als einen Plan geliefert und war in sicherer Entfernung in einem geheimen Versteckt auf Corellia gesessen. Sie hatte lediglich die Funksprüche gehört. Um Vorsicht walten zu lassen hatten Nomi keinen hochrangigen Rebellenoffizier kennen gelernt, immerhin war sie selbst kein Mitglied des tatkräftigen corellianischen Widerstands, sondern gehörte einer ähnlichen Organisation auf Alderaan an. Sie arbeitete, wenn es notwendig war, in der Nachrichtenzentrale in der Nähe des Palasts bei der Auswertung von eingehenden Berichten. Ansonsten war es ihre Aufgaben wie ein unschuldige Bürgerin des Imperiums auszusehen, um die Aufmerksamkeit des Imperators nicht zu erregen. Solange die Führer des Widerstands nicht entschieden, dass sie aktiv gegen das Imperium vorgehen sollten, würde der alderaanische Widerstand passiv bleiben und Information sammeln.

Aber stand es nicht außer Frage, dass sie denen half die vorhatten ihre Schwester zu befreien?

Im Grunde nicht. Warum zögerte sie dann?

Shanja war risikofreudiger, temperamentvoller und impulsiver als ihre Schwester und hatte sich schon vorher in Schwierigkeiten gebracht. Auf Alderaan hatte man dies akzeptiert, wenn man auch versucht hatte ihre Energien in sinnvollere Richtungen zu lenken. Seit sie jedoch auf Corellia lebte und sich den Rebellen angeschlossen hatte schien Shanja erst ihr wahres Potenzial zu entwickeln. Im Gegensatz dazu mochte Nomi die Tiefsinnigkeit des alderaanischen Ideals.

Aber dennoch würde sie ihre Schwester nicht im Stich lassen, schon gar nicht jetzt, wo ihre Hilfe zu Shanjas Rettung gebraucht wurde. Wahrscheinlich war es ihre Bestimmung so die vielen Male wieder gut zu machen, an denen sie Shanja aus der Sarlaccgrube gezogen hatte.   

„Trotz allem ist sie meine Schwester und deshalb werde ich euch helfen so gut ich kann.“

„Gut“, Padon grinste breit und vermittelte den Eindruck von kindlicher Freude. Wie ein zu groß geratenes Kind mit dem charmanten Lächeln eines erwachsenen Mannes.

„In zwei Tagen geht ein Linienflug von Imperiale Center über Alderaan durch den gesamten corellianischen Sektor und weiter ins Mid Rim. Sie werden statt ihrer Schwester mitfliegen und am Raumhafen von Coronet hole ich sie ab.“

„Statt meiner Schwester?“

„Eigentlich hätte sie vor drei Tagen in den Kern reisen sollen um Gelder locker zu machen, oder Anhänger zu gewinnen.“

Nomi nickte und Pad erwiderte ihre Geste. Heiter gestand er: „Ich freu mich schon drauf.“

„Ja sicher“, entgegnete Nomi kühl mit sarkastischem Unterton. Sie wollte dem enthusiastischen Gauner keinen Grund geben sich bei ihr Hoffnungen zu machen, weil er ihre Schwester, selbst wenn er sie mit seinen schurkischen Freunden befreien konnte, nicht für sich gewinnen würde. Shanja flirtete gerne mit den Bösen, aber sie würde sich nicht ernsthafte auf einen solchen Kerl einlassen.

Als sie den Holoprojektor abschaltete, bemerkte sie noch das großspurige Grinsen des Corellianers.

 

***

Von unheilvoller Gestalt und dunkler Präsenz stellte sich Sedriss keiner der selten gewordenen Fußgänger in den Weg, als er mit wehendem Umhang die Fußgängertrasse in Richtung des High Monument Park entlang marschierte. Es war nicht nötig gewesen Sturmtruppen von ihren Posten abzuziehen. Was, oder wer, auch immer diese unstete Präsenz in der Macht verkörperte war unerfahrener in ihrem Gebrauch als Sedriss selbst  und ihm aus diesem Grund unterlegen.

Sedriss war noch ein Adept und so war es nur unschwer vorauszusagen, dass sein Opponent niemals eine Unterweisung im Umgang mit der Macht genossen hatte. Als solcher wäre er von Interesse für den Imperator, da der Herrscher über die bekannte Galaxie immer begierig darauf war konvertierbare machtsensitive Individuen zu seinen Diener zu formen. Sedriss war erst vor etwas mehr als einem Jahr verwirrt von seiner sich manifestierenden Machtwahrnehmung von seinem früheren Zuhause weggelaufen. Er hatte sich einige Monate auf eigenen Faust durchgeschlagen, bis er einem Inquisitor namens Kadann in die Hände gelaufen war. Ohne lange Umschweife hatte man ihm erklärt, zu was er alles fähig sein würde, wenn er sich auf Byss ausbilden ließ.

Alles was ihm eröffnet worden war, hatte seine Loyalität zum Imperator gestärkt.

Die Ausbildung war hart gewesen und er hatte gelernt abgrundtief zu hassen, wenn er gequält worden war und sich selbst hatte martern müssen. Dieser Hass und diese Wut hatten die dunkle Seite in ihm genährt. Hatten ihn stärker werden lassen, bis er die Kraft besessen hatte seinen erste Prüfung auf dem Weg zum Inquisitor, oder - er wagte nur davon zu träumen - gar irgendwann zum Exekutor zu meistern. Auch wenn dieser Posten zurzeit in durastahlharten Händen war, in Darth Vaders Händen.

Vielleicht war dies seine Chance die Aufmerksamkeit des Imperators für sich zu gewinnen und den Argusaugen seines jetzigen Lehrmeisters, der nicht bereit war Sedriss Wunsch, machtvolleren Kampftechniken zu erlernen, nachzugeben, zu entgehen und an Ansehen zu gewinnen.

Bald würde er mächtig genug sein, um schließlich nur noch dem Imperator persönlich zu dienen. Bei dem Gedanken fand er sich augenblicklich in jugendlichen Träumereien wieder.

Natürlich würde er vorher solche Hindernisse wie Lord Trayjan überwinden müssen, ohne sich offensichtlicher Gewalt zu bedienen. Dem alten Inquisitor, der den Jedi Orden den Rücken gekehrt hatten und sich früh den Reihe aus dunklen Jedi Meister angeschlossen hatte die Imperator Palpatine oder Lord Vader direkt unterstanden, fehlte es an Ehrgeiz und Machtgier, um ein einflussreicher dunkler Jedi zu sein. Sedriss wusste, dass er unter seinem Wert behandelt wurde und weit aus mächtiger sein konnte, wenn ihn Trayjan nicht zurückhalten würde.

Wenn er heute mit einem der inzwischen selten gewordenen Jedi, die seit Beginn der Herrschaft des Imperator als Geächtete verfolgt wurden, für den Verrat den sie Imperator begannen hatten, dann würde er, davon war er fest überzeugt, endlich nicht mehr Trayjan unterstehen und Missionen erhalten, die seiner würdig waren. Dies war Sedriss intimster Wunsch und seiner größte Obsession; er wollte an Einfluss und Macht gewinnen und dies verkörperte das Bestreben jedes ehrgeizigen Offiziers der imperialen Flotte.

 

In einem Radius von mehreren hundert Metern wurde die künstliche Grünfläche des High Monument Park von den Abfällen der gesprengten Demonstration befreit. Kommandant Sinster hatte dies angeordnet, obwohl Sedriss den Oberbefehl hatte, war er noch nicht erfahren genug um militärische Operationen zu leiten und so hatte Trayjan ihm einen fähigen Colonel mitgegeben, der den Großteil der militärischen Mission leitete und mit ihm Rücksprache hielt. Außerdem war Sinster einer von den Neuen, die ein unentwickelte Machtbegabung aufwiesen und bald unterrichtet werden würden. Bis Sinster nach Byss in den Tiefkern, nahe dem Kern der Galaxie der ein schwarzes Loch war, aufbrach würde er ein Scherge Trayjans sein und jeden von Sedriss’ Schritten melden.

Der dunkle Jedi Schüler war sich darüber im Klaren gewesen und hatte Sinster aus diesem Grund angewiesen dem Lord zu melden, was Sedriss beabsichtigte. Sein Ungehorsam würde nicht annähernd so schwerwiegend sein, wenn er selbst Sinster befahl seine Absichten zu melden. Ansonsten würde der Kommandant Sedriss ungehorsam melden und Sedriss Zurechtweisung wäre um einiges unangenehmer und folgenschwerer. Lord Trayjan wusste längst, dass er sich ohne seinen Zustimmung auf die Suche nach dieser Störung in der Macht gemacht hatte.

Im oberen Drittel der Etagenstadt lebte die vom Handel mit Waffen reich gewordene Bevölkerung. Auf Cardua I und Cardua II, die einzigen zwei bewohnbaren Planeten im System, gab es ausreichend Erzvorkommen und genug arme Bevölkerung. Die keine andere Wahl hatte, als in den Minen zu schuften bis ihre Lungen, oder welche Atemorganen auch immer sie benutzen, voller Feinstaub und Verbrennungspartikel der Corusca-Gemme Bohrer waren und sie wegen starker Atembeschwerden ihre Arbeit nicht mehr nachgehen konnten. Meist, so hatte man Sedriss zugetragen, übernahm dann die nächste Generation die Arbeit in den Minen um genug imperiale Credits zu verdienen und so die Familie über der Grenze zur absoluten Armut zu halten.

Die beiden Wände, der in die Abhänge der breiten Schlucht geschlagenen Wohnebenen, waren durch unzählige Brücken und Repulsorfähren, sowie auf Luftpolstern schwebenden Gehwege und Lufttaxis einer älteren Bauart verbunden. Durch die tief in beide Seiten der Klamm getriebenen Träger wurde den Ebenen, die wie Baumpilze aus den Wänden ragten, ein besserer Halt verliehen.

Armut und zwielichtiges Gesindel regierten die unteren Ebenen, während dort wo sich Sedriss ungehindert einen Weg bahnte, die unbesorgten Neureichen der Schwermetallindustrie ihren Feierabend in diversen teuren Nachtclubs feierten. In weniger als einer Stunde würde das sanfte Licht der morgendlichen Sonnen hinter dem Horizont emporsteigen. Es gab Cardua I keine Berge, sondern nur Fugen im Kontinent, die sich als gewaltige Platten gegeneinander und wieder auseinander schoben. Einige dieser Kontinentalplatten waren von seichten Wassermassen bedeckt, die aus dem Orbit wie kleine funkelnden Pfützen aussahen. Sedriss erinnerte sich lebhaft an diesen einnehmenden Anblick beim Anflug zum Planeten.

Sein Machtgespür hatte ihn hier her geführt.

Ein sanftes Echo hallte in der Macht wider. Eine solche Erschütterung im stetigen Storm der Machtenergie hatte er noch nie gespürt. Er hatte bereits einige Male gefühlt, wie mächtige dunkle Jedi mit brutaler Intensität der Macht eine Zeit lang ihren Willen aufgezwungen hatten. Doch noch nie hatte er gespürt, wie jemand dies nicht tat. Wie jemand statt der Macht ihren Willen aufzuzwingen dem Willen der Macht folgte.

Die Anhänger der Dunklen Seite waren bestrebt darin, im Gegensatz zu ihren Äquivalenten der hellen Seite, die Machte um ihrer selbst Willen zu kontrollieren. Sie strebten nach Macht, Einfluss und Kontrolle, um die alles um sich nach ihren Wünsch zu formen.

Die Empfindung, die er mit seinen erweiterten Sinnen aufnahm, war subtiler, beinahe als würde sie ohne Absicht ausgelöst, von jemandem, der sich dessen nicht bewusst war. Eine unscheinbare Präsenz, die nicht weit von Sedriss entfernt war und nicht versucht der Macht seinen Willen aufzuzwingen. Ganz im Gegenteil sie wohl nicht einmal bewusst wahrnahm. So wie ein Kind, dass seinen sechs Sinne erst dann wirklich wahrnimmt, wenn es das Bewusstsein dafür entwickelt hatte. Dieses Kind im Umgang mit der Macht, hatte dieses Bewusstsein noch nicht entwickelt und nutze die Macht wenn überhaupt nur instinktiv.

Wie ein Fisch nicht weiß, dass er von Wasser umgeben ist.

Andernfalls hätte er die Wogen im stetigen Storm der Macht früher wahrgenommen.

Im Gegenzug dazu waren Schüler, die gerade erst begannen die Macht in ihrer Vielfalt zu verstehen, wie helle Leuchtfeuer, bis sie gelernt hatten sich bewusst von der Macht zurückzuziehen. Um sich, wenn es nötig war vor anderen Machtsensitiven zu verbergen.

Wen auch immer Sedriss im Machtgefüge spürte, war völlig unerfahren im Umgang mit der Macht. Wusste vermutlich nicht einmal zu was er fähig war und hatte unter Umständen nicht einmal von der allumfassenden Macht gehört, die das Universum zusammen hielt und den Jedi, sowie den Sith ihre Kraft gab. 

 

Sedriss Blick streifte über den High Monument Park und blieb an einer verhüllten Gestalt am Rand des hexagonalen Platzes hängen. Der Park lag etwas mehr als sechzig Zentimeter unterhalb des Bodenniveaus und wurde von einem Rahmen aus drei Treppenstufen umgeben. Man gelangte aus jedem Teil der höchst gelegenen Ebene der Stadt in den Park, der im Grund nicht der Erholung diente, sondern viel mehr von einigen Arten der ansässigen religiösen Kultgruppen als Austragung ihrer Zeremonien genutzt wurde.

 

Dies würde jetzt jedoch lange Zeit nicht mehr geschehen. Das Blut der verletzten und getöteten Protestanten war sorgfältig beseitig worden. Ebenso wie die Leichen. Der Wind hatte den Gestank nach verbranntem Fleisch und Ozon vertrieben und die Sturmtruppen hatten sich in das Garnisonhauptquartier im Landesinneren.

Die oberste Ebene der Stadt, die sich in die Wände des Abgrunds gefressen hatte, sah aus der Vogelperspektive aus wie ein tausend Meter breiten Streifen am Rand eines klaffenden Spalts in der Erde..

Die Bevölkerung des Planeten hatte sich in ihre Kuppelhäuser zurückgezogen und ging dort ihren Geschäften nach. Die Stadt war bis auf die wenigen denen die Anwesenheit der vielen Imperialen nichts ausmachte, ruhig und verlassen. Die Menschen verspürten Furcht. Verängstigt versteckten sie sich in ihren Häuschen. So war es der Wille des Imperators. Sie sollten sich fürchten, denn dies würde seine Macht noch weiter festigen. Niemand der bei Verstand war, oder nicht den Mut eines Renegaten besaß, würde es erneut wagen eine solche Machtdemonstration herauszufordern.

 

Die Person am Rand des Platzes, sie stand auf der vorletzten Stufe und hatte demzufolge den Park noch nicht betreten. Sie rührte sich nicht. Im dumpfen Zwielicht vor der Morgendämmerung konnte man kaum Einzelheiten erkennen. Sedriss fühlte jedoch durch die Macht die vertraute Präsenz eines menschlichen Wesens.

 

***

 

Etwas erregte Mace Aufmerksamkeit, obwohl kein bewusster Sinneseindruck ihn erreichte. Um besser sehen zu können,  schob er die tief ins Gesicht hängende Kapuze seiner kürzlich erworbenen Robe zurück. Er wusste, dass er ein Risiko einging indem er sein Gesicht enthüllte, doch wer sollte ihn um diese Uhrzeit beobachten?

Cardua besaß keinen Trabant, da er zu klein war, um einen großen Satelliten durch seine Gravitationskräfte an sich zu binden. So wurde die stille Nacht nur von weit entfernten Sternen erhellt.

Anfangs hatte er sich gefühlt, als hätte man eine imaginäre Last von den Schultern genommen, doch diese war wieder zurückgekehrt, als ihn die Erinnerungen heimgesucht hatten. Die meisten seiner Taten, die seinen Gedanken jetzt nicht zur Ruhe kommen ließen, lagen Monate wenn nicht Jahre zurück und doch schien es so, als ob er sich erst jetzt damit wirklich auseinander setzte.

Mace hatte sich immer für einen guten Menschen gehalten. Die meisten Wesen in der Galaxie hielten sich für gut, auch wenn manche einen verzerrten Blickwinkel besaßen und Dinge taten die bei näherer Betrachtung eindeutig schlecht waren.

In dieser neuen Situation, allein ohne seine Kameraden, fand er einiges was er getan hatte, dass stark moralisch grenzwertig war. Jetzt fühlte er sich alles andere als befreit von der Last eine Diener des Imperators zu sein.

Eine bedrückende Angst hatte sich über die Bevölkerung gelegt. Die Medicenter der Stadt waren voller als jemals zuvor. Sturmtruppen streiften Tag und Nacht durch die Straßen. Kontrollposten waren an viel besuchten Stellen errichtet worden. Mace hatte vorsichtig sein müssen, um nicht irgendeinem Imperialen in die Hände zu laufen. Als er zurückgekehrt war hatte er seine neue ID-Card einem Test unterzogen und war ohne Schwierigkeiten am Kontrollposten vorbeigekommen. Er wusste nicht genau warum er zum Park zurückgekehrt war.

Sein Gefühl, er zog normalerweise seinen Verstand vor, hatte ihn dazu bewogen hier her zu kommen. Wie ein Verbrecher der an den Ort des Verbrechens zurückkehrt, dachte Mace bekümmert.

Mace resignierte. Er wollte nicht mehr kämpfen. Nie wieder. Könnte er sich einen Wunsch erfüllen, so würde er weit weg sein. Auf einem unabhängigen Planeten außerhalb des Imperiums. Wo er frei war und seinen Blaster nie wieder würde benutzen müssen. In ihm war das Bestreben nach Frieden und Freiheit herangewachsen. Er wollte sich nicht mehr vor der Entdeckung durch das Imperium ängstigen, wenn er seines Weges ging. Mace war es leid. Er fühlte sich müde und ausgebrannt.

Dieses Gefühl war immer stärker geworden und Mace spürte die hilflose Verzweiflung in sich, dass dies niemals eintreten würde. Würde er sein gesamtes restliches Leben damit verbringen hinter sich zu sehen und Sturmtruppenpatrouillen aus dem Weg zu gehen?

Mace fühlte sich, als würden selbst hier ihn die Augen des Imperiums beobachten. Wurde er langsam paranoid?

Mace schüttelte diesen Gedanken ab. Er würde sich nicht der Verzweiflung hingeben. Es hatte keinen Sinn. Verzweiflung würde ihn lähmen und das konnte er nicht zulassen. Stillstand würde für ihn den Tot bedeuten.

Er atmete tief aus und wand sich gemächlich um. Er hatte eine Passage auf einem zivilen Frachter gebucht und würde in einem halben Tag den Planeten verlassen. Bis dahin wollte er noch ein wenig schlafen.     

Als er sich umwand bemerkte er die dunkle Gestalt, die sich mit schnellen Schritten seiner Position näherte.

Mace hatte ein ungutes Gefühl.

Unwillkürlich wanderte Mace’ Hand zu Griff seines Blasters. Auch wenn er alle Lust auf einen Kampf verloren hatte, waren seine Reflexe noch die Alten.

Mit wachem Geist musterte er die sich ihm nähernde Person, deren bauschiger Umhang sich hinter ihr in der lauen Brise kräuselte. In der nur von wenigen Sternen beleuchteten Nacht konnte Mace keinen Einzelheiten erkennen. Der Unbekannten wirkte auf den ersten Blick eindeutig menschlich, war schlank und reichte Mace nur bis zur Brust. Mace war es nicht möglich irgendwelche Waffen zu erkennen, die der Unbekannte bei sich trug. Dies machte ihn umso misstrauischer. Jeder, außer den Kindern, hatte auf Cardua mindestens einen kleinen Handblaster bei sich.

Dieser Gedanken ließ Mace die Möglichkeit in den Sinn kommen, dass er es mit einem Jungendlichen zu tun hatte. Die Größe würde passen und ebenso die schlaksige Gestalt, die den meisten menschlichen Pubertierenden eigen war. Dies brachte ihn dazu sich zu fragen, was ein Heranwachsender in den frühen Morgenstunden, noch vor Sonnenaufgang, außerhalb seines Schlafzimmers zu tun hatte.

Für Mace war es nicht weiter verwunderlich, wenn sich ein Jugendlicher in der Nacht mit seinen Freunden herumtrieb, da er dies selbst auch getan hatte, was ein mulmiges Gefühl in ihm auslöste, war, dass dieser Junge alleine unterwegs war. Keine Freunde mit denen man sich die Nacht um die Ohren schlagen konnte.

Mace hatte schon öfter ein mulmiges Gefühl verspürt und meistens darauf gehört. Dadurch war er oftmals großen Schwierigkeiten entgangen. Aus diesem Grund hielt er es für ratsam diesen Ort unauffällig zu verlassen.

Mit der Hand auf dem Blastergriff.  

 

***

Misstrauen erfüllten die Macht. Der unbekannte Machtbenutzer hatte seine Kapuze wieder hochgezogen. Sedriss näherte sich ihm bis auf wenige Schritte. Der andere beschleunigte kaum merklich. Er musste die Bedrohung die Sedriss darstellte unbewusst durch die Macht wahrgenommen haben. Sedriss hatte, obwohl der Fremde zuvor seine Kapuze gelüftet hatte, keine Einzelheiten erkennen können. Er konnte so nur sagen, dass er ein hoch gewachsener menschlicher Mann war.

Sedriss sprach sich selbst Mut zu. Er hatte so etwas noch nie gemacht. Wie von selbst gelangte der schlichte Griff seines Lichtschwerts in seine rechte Hand. Sedriss Mut und Selbstvertrauen verdoppelte sich, als er sich in Erinnerung rief, dass dieser Kerl ein Feind des Imperiums war. Die dunkle Seite mit all ihrer destruktiven Energie verbreitete sich in Sedriss Körper und erfüllte ihn mit nur schwer kontrollierbaren Gefühlen.

Er hasste.

Unkontrolliert und mit leidenschaftlicher Intensität.

„Halt“, herrschte Sedriss ihn mit harter Stimme, die rau und heißer klang, an.


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