A Knight's Tale - Widerstand

Teil 5 von ?


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





5

 

 

Cantina Heavy  Load, Cardua

Sechs Jahre vor Schlacht um Yavin 4

 

Remy wurde vom Pech verfolgt. Er hatte in  den letzten Spiele nie ein gutes Blatt gehabt, oder der Geber-Droide wechselte zur falschen Zeit die Spielregeln. Remy war es ebenso wenig gelungen zu bluffen. Es war wohl nicht sein Tag, hatte er kurzerhand beschlossen und sich an die Bar gesetzt. Die Nacht war bereits weit fortgeschritten und Remy spürte die Wirkung des Alkohols. Selbst seine Trinkfestigkeit schien ihm abhanden gekommen zu sein.

Er war bereit der Bar den Rücken zu kehren und sich einige Stunden Schlafen zu legen. Remy gähnte herzhaft. Der Barkeeper sah ihn mit hochgezogener Braue an und polierte ein schmieriges Glas. Alles schien ihm sagen zu wollen, dass er gehen sollte. Remy war zu müde um zu gehen.

 

Er leerte den Rest des lokalen Raketentreibstoffs, der leicht erschwinglichen Selbstgebrannten,  hinunter und stellte das Schnapsglas pochend auf die Decke. Remy sagte sich, dass er sich am Riemen reißen sollte, um sich selbst zum Gehen zu bringen. Unerwarteter weise quetschte sich ein grobschlächtiger Kerl neben ihn auf den Barhocker. Höfflich machte er Platz und suchte sich einen Weg neben dem Neuankömmling und anderen Barbesuchern hinaus.

Dann packten ihn der Riese plötzlich am Unterarm. Remy spannte die Kiefer an, damit ihm kein schmerzhaftes Grunzen  entfuhr. Das wäre zu peinlich gewesen. Er war kein Mensch, sah Remy nun, sondern nur menschenähnlich. Sein Haut war dunkel rötlich und die Kiefer unnatürlich nach vorn verschoben, seine Nase war flach und kaum vorhanden. An seinem Hinterkopf hatte er einen Haarschopf zusammen gebunden, während der Rest seines Schädels kahl war. Er sah gefährlich aus.

„Kein Glück gehabt?“ Fragte der Große.

Remy schüttelte bedächtig den Kopf.

„Melde dich hier, wenn du einen Job benötigst.“ Er drückte ihm einen Datachip in die Hand. Remy entspannte sich. Ja einen Job konnte er wirklich gebrauchen, wenn er schon sonst nicht an Kredits kam. Remy nickte: „Ja danke. Ich werde es mir überlegen.“

 

Der Grobian ließ ihn los und Remy verließ ohne sich durch betrunkenes Torkeln aufzuhalten schleunigst die Bar. Den Datachip steckte er in einen Tasche an seinem Gürtel. Remy kam dieses Angebot seltsam vor. Nie war jemand so auf ihn zu gegangen um ihm eine Arbeit anzubieten. Das war nicht üblich. Es wäre natürlich etwas anderes, wenn der Kerl genug über ihn wusste, um nur ihn für diese Art anheuern zu können.

Besaß er den irgendwelche besonderen Fähigkeiten? Remy kamen keine in den Sinn.

Er schlenderte durch die Düsternis der unteren Ebenen Carduas zurück zu seinem Hotel. Er sollte es wohl einfach versuchen. Was hatte er schon zu verlieren? Seine Würde war bereits dahin. Das einzige worum er sich noch Sorgen machte, war, dass er sich möglicherweise in Gefahr brachte.

 

***

 

Devaron, Imperiale Raumstation ISSOD-M6.7

 

 

„Nennen sie ihren Rang und Namen Soldat!“

„Dritter Maat Mace Dekari vom Imperialen Sternenzerstörer Destructor“, entgegnete der Aufgeforderte. Er verweilte in Saluthaltung und der Falkengesichtige imperiale Leutnant musterte ihn suchend nach Makeln. Obwohl Mace noch nicht hundertprozentig genesen war, hielt er seinen Körper unter Spannung. Reine Willenskraft verhinderte, dass seine Schultern und die Hand in der Respekthaltung nicht zitterten. Seine Gedanken waren im Fokus und mit ihnen jede Faser seines Körpers.

„Aus ihrer Akte geht hervor, dass sie Erfahrung im Kampf gegen Widerstandsnester haben“, der Offizier, laut der zwei farbigen Rangabzeichen und den Kodezylindern in seiner Brusttasche war er erster Maat auf einem Sternenzerstörer.

„Ja, Sir. Bei der Befriedung von Cardua I wurde ich von Rebellen gefangen genommen und gefoltert.“

 

War er das wirklich?

Der hakennasige Mensch mit zurückweichendem Haaransatz, sowie stechenden eisblauen Augen, erwiderte in der angeeigneter Arroganz eines höherrangigen Offiziers: „Lord Trayjan gab den Befehl sie auf seine Kommandoschiff zu versetzen.“

Mace nickte argwöhnisch. Ein leichter Schauer lief ihm den Rücken hinab. Mace hatte laut seines Wissens nur mit Sedriss, Lord Trayjans Diener, zu tun gehabt, als dieser ihn zusammen mit einem Trupp Sturmtruppler aus den Händen von Rebellen befreit hatte. Jetzt war Mace unwohl bei dem Gedanken erneut einem dunklen Jedi, einem mächtigeren dunklen Jedi als Sedriss es war, zu begegnen.

Außerdem hatte er das nicht deutbare ominöse Gefühl, das, wie ein sich ausdehnender Knoten in seinem Hinterkopf saß und sich immer stärker bemerkbar machte. Etwas stimmte ganz und gar nicht. Er empfand es wie einen dumpfen Druck hinter seiner Stirn.

Als wäre er nicht am richtigen Platz. Geduldet von den anderen Offizieren, aber dennoch hinter seinem Rücken verachtete und ausgegrenzt.

Anfangs, als es ihm noch Schwierigkeiten bereitete hatte ohne Hilfe sein Krankenbett zu verlassen, hatte er dies darauf zurückgeführt, dass ihm der Kommandostab des Schiffes misstrautet, da er trotz allem was ihm widerfahren war auch ein Spion der Rebellen sein könnten und kein erleichterter Imperiumstreuer, der sich nichts sehnlichster Wünschte, als aus der Folter gerettet zu werden.

 

Dem Imperium treu?

Der Gedanke brannte wie ein Leuchtfeuer in seinem Kopf. Es schmerzte. Mace zog die Augenbrauen zusammen.

Der Hakennasige warf ihm einen strengen Blick entgegen. Mace gab sich Mühe sich nichts anmerken zu lassen. Nach einer längeren Beobachtung ließ der Leutnant wieder von ihm ab.

In diesem Moment schien die Abneigung gegen ihn völlig ungerechtfertig. Man hatte ihn lange genug beobachtete, um sicher sein zu können, dass er kein Spion war. Außerdem hatte er sich das Vertrauen des Inquisitors verdient, immerhin versetzte man ihn auf dessen Schiff und dort waren nur absolut treue und pflichtbewusste Soldaten erwünscht.

Dessen ungeachtete nagte der Zweifel weiterhin an Mace.

 

Hatte er nicht gegen Sedriss gekämpft? Erinnerungen, die ebenso fremd, wie vertraut waren,  flackerten vor seinem inneren Auge auf. Der Schmerz kehrte zurück. Er schien von innen gegen seine Stirn zu hämmern.

Er Leutnant hockt auf einem Stuhl hinter seinem Schreibtisch. Außer ihnen beiden war niemand anwesend. Kein Zeuge.

Was für ein dummer Gedanke. Mace schüttelte ihn ab. Wurde er paranoid?

 

Er legte die Hände aneinander. Dann fuhr er fort: „Lord Trayjan schien von ihrem Widerstandsstärke gegen die Rebellen beeindruckt worden zu sein und hat angeordnet sie zu seinem Taktikcorps zu versetzten.“

Hakennase benahm sich belanglos und desinteressiert. Eine Taktik um Mace einzuschüchtern. Sie funktionierte nicht.  Mace war zu abgelenkt um sie zu registrieren. Inzwischen fühlte sich der Kopfschmerz an als würde sich etwas in seinen Kopf bohren.

Verzweifel bemühte sich Mace darum klar zu denken.

Tod.

Bildfetzen blitzten vor seinen Augen.

Mace wollte sich irgendwo festhalten. Er war nicht mehr sicher auf den Beinen.

Durchhalten.

Mace fühlte die Anspannung die von seinem Gegenüber ausging. Dem Leutnant war nicht wohl in Mace‘ Gegenwart.

 

Sein Vorgesetzter war verunsichert und Mace war der Grund dafür.

Vielleicht bildete sich Mace das nur ein, doch die Idee, dass er jemanden, in diesem Fall sogar einen höheren Offizier, beunruhigte, bestärkte seine Ahnung, dass er nicht einfach nur irgendein Flottenoffizier war. Etwas besonderes schien an ihm zu sein.

Mace konnte nicht einordnen, ob dies nun gut oder schlecht war. Das war völlig abhängig von dem was geschah. Mace hatte kein gutes Gefühl.

 

Er blinzelte.

Auf der Planetenoberfläche war mehr vorgefallen, als ausgesprochen wurde. Ich erinnere mich an keine Rebellen, nur an tote Zivilisten.  

Es roch verbrannt. Nach Ozon. Kauterisiertem Fleisch.

Mace sah Leichen.

Es war nur eine Halluzination. Dennoch raste sein Puls. Erinnerungen versuchten sich gewaltvoll einen Weg in sein Bewusstsein zu verschaffen. Er drängte sie zurück. Jetzt war nicht der richtige Moment.

Mace begriff, dass sein Dank angebracht war. Er neigte respektvoll, kurz den Kopf. Eine angemessener Geste für die Übermittlung seiner Versetzung.

„Ich danken ihn, Sir.“

 

Der Leutnant zog eine hauchdünne Augenbraue hoch und musterte Mace abfällig. Er hob die adrige Hand ans Kinn: „Sie erhalten ihre Versetzungspapiere schnellstmöglich und treten ihren Dienst auf dem Zerstörer seiner Lordschaft an.“

Wollte er ihn loswerden? Ja, aber das hatte sich Mace bereits zusammengereimt. Aus einem unbekannten Grund stellte er eine Bedrohung dar. Aber warum versetzten sie ihn dann zu Trayjan. War er etwa in der Nähe des Inquisitors weniger eine Gefahr? Was war nur los mit ihm? Etwas war auf Cardua geschehen. Das sollte nicht an die Öffentlichkeit. Ebenso wie er unter Kontrolle gebracht werden musste. Hatte er etwas gesehen, dass nicht bekannt werden durfte?

Nein, das war sinnlos. Er war imperialer Offizier, er durfte keine Geschehnisse während eines Einsatzes an die Presse weitergeben. Durch den Loyalitätsschwur, den sie geleistet hatten, war dies undenkbar.

 

Mace versuchte sich an seinen Schwur zu erinnern. Er sah ein Bild von einem Zug Sturmtruppler. Alle hatte ihre Helme abgenommen. Jeder unterschied sich von dem Mann neben ihm. Es gab kaum noch Klone in den Reihen der Sturmtruppler und wenn dann bildeten sie einen separaten Zug. Klone und Nicht-Klone wurden nicht willkürlich zusammengeworfen.

Aber Mace war kein Sturmtruppler. Er war Flottenoffizier. Er erinnerte ebenso an Offiziersseminare auf Carida.

Man konnte nicht gleichzeitig Sturmtruppler und Flottenoffizier sein.

Mace würde dieses Rätsel lösen müssen und das sein Chaos an Erinnerungen beseitigen.

Er spannte das Kiefer an und salutierte zackig.

 

Mace erklärte so in angemessen Form seine Zustimmung und bat darum wegtreten zu dürfen. Der rundliche Mann mit den Falkenzügen, auf dessen Namensschild Lt. Cerron unterhalb der Kodezylinder und der Plaketten stand, entließ ihn mit einer hastigen Geste.

Mace beeilte sich das Büro zu verlassen. Auf dem steril weißen Gang des Sternenzerstörers strich er sich über die glatte Stirn und durch seine kurzen rotbraunen Haare. Er war allein. Niemand sonst eilte die Gänge auf und ab. Mace atmete tief durch und beschleunigte mit weitaus holenden Schritten. Die Schwäche, die noch in seinen Glieder lauerte, hielt ihn nicht davon ab beinahe Fluchtartig zu seiner Koje zu marschieren. Sogar in dieser kurzen Zeit tauchten Erinnerungsbruchstücke vor seinen Augen auf. Langsam machte ihm das Angst. Wurde er wahnsinnig?   

 

***

„Hey Commander die Rüstung scheuert!“ Hallte eine dunkle Stimme von den engen Wänden des Wartungsschachtes wider.

„Halt die Klappe Azh. Wo sollte es bei dir denn scheuer!“ Schleuderte ihm Samira Uljia eine ärgerliche Bemerkung mit sarkastischen Unterton entgegen.

„Das ist Verleumdung, Boss!“ Beschwerte sich der Witzbold der Truppe und grummelte mürrisch, als sie ihm statt einer Antwort nur unverhohlen Ignoranz schenkte.

Daraufhin kehrte endlich Stille ein, während die vier in Sturmtruppenpanzer gekleideten unerwünschten Eindringlinge sich weiter einen Weg durch das Labyrinth aus Wartungsschächten bahnten.

Der unangenehme Geruch nach abgestandenen Ionisierungsrückständen, Sterilisationsmitteln und bereits einige Male umgewälzter trockener Luft, wurde penetranter desto höher sie die Sprossenleiter hinaufstiegen.

 

„Kapt’n wir sinn nur no drei Ebnen vom Gefängnisblock weg“, teilte Rem Samira betont langsam mit, um ihr die Chance zu geben ihn trotz seines starken Outer Rim Dialekts zu verstehen. Rems Vorfahren stammten zwar von der im inneren Rand gelegenen Welt Duro, doch er selbst auf war im Outer Rim auf einem Planeten namens Eriadu aufgewachsen.  

„Okay, ihr wisst was ihr zu tun habt, wenn wir aus dem Schacht raus sind“, sie hörte drei bestätigenden Klicks in dem Empfängen in ihrem Ohr, „Gut, also weiter.“

In völliger Stille, die nur hin und wieder von Schritten auf blanken Durastahl unterbrochen wurde, kletterten sie weiter, bis sie an der Wartungsluck ankamen bei der sie die Schächte verlassen mussten.

 

Samira blickte auf ihr Chrono und erkannte, dass sie alles wie von Pad und Nomi geplant ablief. In diesem Moment vollzogen die Sturmtruppen im Gefängnistrakt den Dienstwechsel und würde somit abgelenkt sein. Dies war genau der richtige Moment, um weiter vorzugehen. Jeder einzelne von ihnen holte sein Abseilkabel hervor. Rem öffnete die Wartungsluke vorsichtig, nachdem er das Sicherheitspanelle mit einem von Pad generierten Slicerkode außer Kraft gesetzt hatte. Samira kletterte als erster hinab. Die anderen folgten lautlos. Als alle am Boden angekommen waren übernahm Samira wieder das Kommando.

„Azh-So, haltet Ausschau nach Zelle KJ 07“, befahl sie über die internen Comlinkverbindung.

„Rem, aktivier den Störsender, dann folgt mir.“

 

Der Duros tat wie verlangt, Azh-So blieb zurück um die Zelle zu finden und ihnen Rückendeckung zu geben. In der Zwischenzeit entsicherte Samira ihr Blastergewehr, ebenso wie Crix der mit ihr gleichzog. Gemeinsam stürmten sie den Kontrollraum des Zellentrakts. Sie überraschten die Dienst habenden Offizier, was ihnen einen enormen Vorteil verschaffte. Samira und Crix waren geübte Schützen und so dauerte der Kampf nur wenige Sekunden und die beiden getroffenen Offizier sanken über ihren Kontrollen zusammen. Anschließend zerstörten sie die Überwachungskameras, ebenso wie die Kommunikationsanlage. Trotz dessen, das die Komanlage gestört war, konnte man nach Samiras Ansicht nie sicher genug gehen.

 

Natürlich würde dies nicht unbemerkt bleiben und der Kommander der Raumstation würde in nur wenigen Minuten einen Trupp Sturmtruppler schicken um für Ordnung zu sorgen.

Bis dahin waren sie jedoch längst fort. 

 

 

***

Grelles Licht blendete Mace. Er hielt seinen Arm schützend vor die Augen, doch dies half nur wenig. Licht war überall. Allmächtig, wie im inneren einer Sonne. Dennoch verbrannte Mace nicht. Es war kühl und alles durchdringend, als hätte man einen Blitzgranate direkt vor seinen Augen gezündete und nur eine überirdische Helligkeit ohne Explosion und ohne Ende war zurückgeblieben.

 

Mace stolperte, suchte nach Halt und fand schließlich etwas das sich wie der Henkel einer Tür anfühlte. Er zog mit all seiner Kraft daran. Nichts geschah.

Einen Augenblick geriet er in Panik, da er dachte im Licht gefangen zu sein. Dann besann er sich auf die Ruhe in seinem Inneren. Er atmete tief durch und ließ dabei jegliches Gefühl von Panik aus sich entweichen wie Luft.

 

Vor langer Zeit, so erinnerte er sich, hatte er die Kraft besessen selbst gewaltige Maßen ohne Anstrengung zu bewegen. Diese Kraft war ihm stets zugeflossen, wenn er sich entspannte hatte und seinen Willen auf einen Sache projiziert hatte.

Mace tat dies nun.

 

Als wäre die gewaltige Flügeltür kein Hindernis gewesen, schwang sie auf und düstere Schatten krochen durch sie herein. Mace war begierig darauf zu sehen, was sich hinter dem Tor befand. Neugierig stürmte er in die düstere Hall. Mace blieb wie angewurzelt in der Düsternis stehen. Es war alles so unheimlich vertraut.

Der Geruch von kauterisiertem Fleisch und verbrannter Kleidung lag schwer in der Luft. Mace‘ Magen revoltierte. Wie milde Würze schwebte ein Aroma nach Ozon durch die totenstille Hall.

Ein Massaker, kam es ihm in den Sinn. Er drehte sich einmal um die Achse. Die Vertrautheit wurde mit jeder Sekunde größer.

Mace hielt sich den rauen Stoff seiner Robe vor die Nase. Obwohl er diese Gerüche bereits wahr genommen hatte, war es unmöglich sich daran zu gewöhnen. Der Ekel ließ ihn würgen. Die Ursache dafür war jedoch weniger die Tat an sich, als die Tatsache, dass jemand so etwas vollbringen konnte. Wie bereits auf Cardua wühlten ihn widersprüchliche Gefühle auf. Blanke Wut, darüber wie irgendein empfindungsfähiges Wesen dazu im Stande war ein solches Blutbad anzurichten. Unergründlich tiefes Mitleid für alle diejenige, die ihr Leben auf so sinnlose Weise hatten lassen müssen. Gleichzeitig war er neugierig auf eine Erklärung.

 

Welches fühlende Wesen war wohl dazu fähig Kinder und ihre Lehrer zu töten? Selbst im Krieg wurden die Jüngsten verschont. Was konnte es rechtfertigen unschuldige Halbwüchsige zu ermorden? Welche Gefahr ging von ihnen aus, dass sie aus dem Weg geschafft werden mussten? Konnte den von ihnen irgendeine Art von Gefahr ausgehen, außer das sie einst erwachsen sein würden?

 

Wer auch immer diese Mörder gewesen waren und welche Gründe sie zu dieser Tat bewogen hatten, Mace würde keine Antworten erhalten, wenn er weiterhin herumstand und entsetzt starrte.

Als die ersten Spuren des Schocks von ihm abzufallen begannen, schaltete sich sein Verstand wieder ein. Er begann seine Umgebung genauer zu betrachten. Mace sah Details, die ihm zuvor entgangen waren.

 

Eine kaum erleuchtete Halle breitete sich vor ihm aus. Es war ihm unmöglich ihre Ausmaße zu schätzen, da der Raum zu gewaltig war und zu schlecht beleuchtete. Die Ränder des Saals verschmolzen mit der Dunkelheit. Schatten bevölkerten die Wände, wie stumme Wächter, über lebelosen Körpern. Die schwere Stille der Hallen legte sich auf Mace‘ Schulter, wie ein Brocken aus Ferrobeton. Er schluckte hart und kniff die Augen zusammen, zu verhindern, dass seine wässrigen Augen Tränen vergossen.

Sein Verstand argumentierte mit sich selbst, dass er nichts, absolut nichts, tun konnte, was den Toten half. Selbst Rache, wie jegliche Art von Vergeltung half niemanden. Nicht einmal ihm selbst, weil seine Pein dadurch nicht gemilderter werden würde. Er musste den Anblick in stiller Agonie ertragen.

 

Wie auf Cardua, erinnerte sich Mace unerwartet genau und alle Geschehnisse auf dem Planeten. Ein Schwall aus Gedanken und Erinnerungen kehrten in sein Bewusstsein zurück und wirbelten völlig frei durch seinen Geist. Schluchzend sank er auf die Knie. Als wäre eine gewaltige Barriere zerstört worden, überfielen in die Ereignisse der vergangenen Tage und ihm wurde bewusst, wie diabolisch der Imperator wirklich war.

 

Er ist der Puppenspieler, der die Fäden seiner Marionetten zieht. Er befiehlt das äußerste und seine Diener geben ihm mehr, um seine Gunst zu erringen, während er sie benutzt, um seine eigenen Macht zu stärken.

 

Mace verlor die Kontrolle über sich selbst und übergab sich, während heiße Tränen über seine Wagen hinab rannen. Sein Magen war leer. Er spuckte nur Wasser und Galle. Noch mehr als er sich in diesem Moment vor sich selbst ekelte, graute es ihm vor dem Gedanken, selbst ein Spielball des Imperators gewesen zu sein.

 

Damit ist jetzt Schluss. In Zukunft soll Freiheit und Gerechtigkeit wieder über die Galaxie herrschen.

Mace meinte zu spüren, wie ein warmes Gefühl sich in seinem inneren ausbreitete. So als hätte er eine starke Tasse Tee in einem Zug geleert.  Das hielt zumindest so lang an, wie er diesen noblen Gedanken festhalten konnte. Er wischte sich über den Mund und trocknete die verbliebene Nasse in seinem Gesicht. Seine Hände zitterten und die Schultern bebten. In gequälter Faszination fragte er sich: Wann er sich zuletzt so elend gefühlt hatte.

 

Als Antwort fand er nur einen wohl vertrauten Schmerz, der sein Herz zu lähmen versuchte.

Ein dumpfes Ziehen, das ihn dazu zwang innenzuhalten und sich zu konzentrieren, damit es wieder verschwand. Rein Physisch betrachtet war Mace immer in bester Verfassung, wenn nicht sogar in überdurchschnittlich guter Konstitution. Doch manchmal, so wie in diesem Moment, spürte er wie eine Welle aus Niedergeschlagenheit und Trauer über ihm zusammenbrach und ihn unter sich zu begraben drohte. Er war nicht depressiv. Kein imperialer Arzt während der routinemäßigen Untersuchungen im Ausbildungslager hat je einen Dopamin Mangel bei ihm festgestellt.

 

Diese Umgebung schien das noch zu verstärken. Seine ansonsten starke emotionale Barriere, mit der er sich zu schützen gelernt hatte, zerbröselte und drohte Mace im Stich zu lassen.

Die Halle und die vielen leblosen Körper erschütterten ihn bis ins Mark. Ohne offensichtlichen Grund überkam das Gefühl von Vertrautheit.

War er schon einmal in diesen Hallen gestanden? Kannte er diese toten Kinder und ihre Lehrer?

 

Zweifel durchdrang Mace Überlegungen, die nur von einer unerklärbaren Ahnung geleitete wurden. Er atmete schwer und ruckartig, als hätte er sich überanstrengt. Schwindel überkam ihn und er musste die Augen schließen, um seinen revoltierenden Magen nicht erneut herauszufordern. Seinem Körper schien jeglichen Kraft entzogen worden zu sein und die Hände lagen bleischwer auf seinen abgewinkelten Oberschenkeln.

 

Mace konzentrierte all seine mentale Stärke darauf seinen Verstand davor zu bewahren in ein bodenloses Loch zu stürzen. Mit der vertrauten Stärke, die ihm seit je her innen wohnte, brachte er seinen Geist und seinen Körper zur Ruhe. Er atmete tief und inbrünstig ein und wieder aus. Mace ließ seine Gedanken fortschweifen und schloss seine Umwelt aus, um endlich seine Beherrschung wieder zu finden. Als er sich bereit fühlte und seine Hilflosigkeit erkannte, war sein stetiger Begleiter, die Trauer, in ihren Kerker, tief in seinem Unterbewusstsein, zurückgekehrt.

 

Mace schwor sich niemals ein solches Verbrechen zuzulassen. An bereits begangenen Tat konnte er nichts mehr ändern, außer den Seelen der Getöteten Frieden zu wünschen, welcher der zahlreichen Glaubensgemeinschaften der bekannten Galaxie sie auch angehörten.

Laut sagte er: „Ich kann euch genauso wenig rächen, wie ich für die Bewohner von Cardua I Vergeltung üben kann. Aber ich kann dafür kämpfen, dass so etwas nie wieder geschieht.“

Mace empfand es als überaus befriedigend, dass er hier und heute diese Entscheidung getroffen hatte. Er hatte nun einen Grund das Imperium zu verurteilen, wo vorher nur den schwammige Wunsch nach Ruhe und Frieden gewesen war. Jetzt spürte er den Willen für Gerechtigkeit und Frieden in die Schlacht zu ziehen.

Völlig unerwartet veränderte sich Mace Umgebung. Das Zwielicht wich völliger Dunkelheit und Mace war für einen Moment völlig orientierungslos. Verwirrt, mit Gedanken die zur Ruhe mahnten, blickte er um sich und konnte nichts erkennen. Unterdrückte Panik trieb ihm Adrenalin in die Blutgefäße, bis ihn ein unheimliches Geräusch zu Eis erstarren ließ.

Schweres Atmen.

 

Ein Schnaufen mit metallischem Nachhall, wie von einer Maschine erzeugt, jagte Mace einen eisigen Schauer über den Rücken. Die Atemzüge klagen hohl und unmenschlich. Monoton und statisch, als könnte nichts in der Galaxie sie unterbinden. Als Stünde die Macht einer Maschine dahinter, die stärker war als Mace.

Der Schreck fuhr Mace tief ins Gebein und ließen ihn zu seiner Seite greifen, um nach einer Waffe zu suchen.

 

Er fand nichts und erstarrte in dem Wissen, dass eine Flucht unmöglich war. Ein unbekannter Druck legte sich auf seinen Brustkorb, sperrte ihm die Luft ab. Mace lechzte nach Atem und empfand den Drang an seinem Hals nach der Ursache für die Atemnot zu suchen. Er tat dies jedoch  nicht, da er ohne Zweifel wusste, dass dieser Angriff mental war und nur so pariert werden konnte. Mace konzentrierte sich auf seine Atmung, versenkte sich in sich selbst und stellte sich vor wie Sauerstoff in seinen Lungen eindrang, geschützt vom Willen seines Geists. Für einen Moment schien diese Methode Wirkung zu zeigen, was ihn jedoch nicht immun gegen andere geistige Attacken machte.

Etwas traf ihn wie ein schwerer Gegenstand gegen den Oberkörper. Mace wurde von den Füßen gerissen. Er flog durch die Luft, bis…  

Das Geräusch eines sich öffnenden Schotts ihn aus der Benommenheit riss. Mace schreckte orientierungslos und umnebelt hoch. Sogleich sah er an sich herab.

Er fand sich auf einem zerwühlten Bett liegend noch voll angezogen und schwitzend. Sein Puls raste, doch zu seiner Erleichterung fiel ihm das Atmen erstaunlich leicht. Er genoss jeden schnellen Atemzug, der wie ein kühler Schauer seine Luftröhre hinab bis zur Lunge zog. Obgleich er hastig nach Luft schnappte.

Ein Albtraum?

 

Mace versuchte Ordnung in seine Gedanken zu bringen, schaffte dies jedoch erst, als er sich aufgesetzt hatte. Er strich sich die schweißnassen Haare aus der Stirn und warf dem Schott einen neugierigen Blick entgegen. Das Licht blendete ihn auf unangenehme Weise, doch Mace konnte sogar mit zusammen gekniffenen Augen die scharfen Umrisse eines imperialen Offiziers ausmachen.

„Sir, die Eskorte zu ihrem Shuttle wartet“, erklärte der Offizier kalt.

Mace seufzte leise. Er hatte sich vor mehr als zwei Stunden niedergelegt und sich vorgenommen nur ein wenig vor sich hin zu dösen. Wie es den Anschein hatte, war Mace eingeschlafen und hatte geträumt. Oder etwa nicht?

Er war sich dessen nicht sicher. Dieser Traum war mehr als nur ein Traum gewesen, fast wie einen Vision, die ihn auf etwas hinweisen wollte. Ihm etwas zurückgeben wollte. Ein vages Gefühl bildete sich in seiner Brust. Mace gefiel das nicht besonders und so drängte er diese Empfindung zurück, um sie später bei Bedarf zu analysieren.

 

„Stimmt etwas nicht, Sir?“ Fragte der andere Offizier.

Mace schüttelte den Kopf energisch: „Nein, nein. Ich muss eingeschlafen sein. Geben sie mir nur fünf Minuten, dann können wir gehen.“

Mace wusste, wie dumm dieses Eingeständnis gewesen war. Einem Imperialen unterliefen keine Fehler und natürlich würde er sich seine Unzulänglichkeiten nicht eingestehen, doch Mace war keiner von ihnen. Irgendwie hatte er es immer gewusst, immer gespürt.

„Der Zeitplan ist eng, aber fünf Minuten liegen sicherlich im Toleranzbereich“, erläuterte der Unteroffizier mit patzigem Ton.

 

D’ikut, dachte Mace und schnaubte unhörbar verächtlich, während er in die Erfrischungskammer verschwand. Der uralte aber auf Brex noch sehr geläufige Fluch schien hier perfekt zu passen. Er wusch sich so gut es ihm in der kurzen Zeit möglich war, kämmte sich durch die kurzen abstehenden Haare und strich sich die Uniform glatt. Als er sich die schmale Mütze auf dem Kopf zu Recht schob, erblickte er für einen kurzen Augenblick sein Spiegelbild und erschauerte. Er sah aus als hätte er seit Tagen nicht mehr geschlafen. Mit dunklen Rändern unter den Augen und tiefen Schatten im Gesicht, sah er mehr aus wie ein Gespenst, als ein Mensch. Wenigstens, so stellte er mit Erleichtern fest, war es nicht nötig, dass er sich rasierte, da er dies bereits am Beginn des Tages getan hatte und es nun bereits später Abend war.

 

Sein Blick fiel auf die zerknitterte Uniform. In dem Traum hatte er sich geschworen, keinen Mördern zu dienen. Jetzt, da er sich selbst sah und sein Verstand sein Handeln kontrollierte, fragte er sich ob es so einfach war. Es war Verrat, wenn er die Flotte verließ. Er wäre ein Deserteur. Man würde ihn verfolgen und seinen Namen auf die schwarze Liste setzten.

 

Aber war es ihm dies nicht wert? Verlangte nicht bereits sein Moralgefühl von ihm sich von dem Schrecken, den das Imperium verbreitete, abzuwenden. Dennoch war das Imperium die gewählte Regierungsform der Galaxie. Einst hatte er ihr einen Treueschwur geleistete.

Mace wandte sich von seinem Abbild im Spiegel ab und seufzte verdrossen: Es war seine Entscheidung und sie würde nicht leichter werden egal wie lange er sie vor sich her schob.

Vorerst, dessen war er sich bewusst, war es jedoch Unsinn in Panik zu geraten und den Versuch zu begehen aus der indirekten Gefangenschaft auf der Raumstation zu fliehen. Allein hatte er keine Chance zu flüchten, selbst wenn er unbeobachtete blieb. Zu viele treue Imperiale, die zu viele Fragen stellen konnten.

Außerdem, und dies drängte sich ihm nun als neuer Verdacht auf, war er seit seiner Entlassung aus der Medistation nie unbeobachtete geblieben. Außer in seiner Koje, um sich auszuruhen.

Verdächtigte man ihn bereits des Verrats? Ein unangenehmes Gefühl überkam ihn.

Ich muss schleunigst von hier weg, beschloss er mit schwellendem Unmut seiner derzeitigen Lage gegenüber.

 

Und dann würde er sich auf der Flucht befinden – ein Gedanken der ihm nicht behagte, der jedoch unumgänglich schien, wenn er seinem Gewissen Folge leistete wollte.

Mit diesem Gedanken verließ er die Erfrischungskammer. Er schlenderte mit wachsender Unruhe, die er nur schwer verbergen konnte, durch die Kajüte. Er packte seinen Seesack, der nicht mehr enthielt, als zwei frische Uniformen und einige essentielle Geräte, wie sein Comlink, und schloss sich seiner Eskorte, oder besser, seinen Wächtern an.

 

 

***

Völlig unerwartet zischte das Schott nach oben und gab die Sicht auf vier seltsame Sturmtruppler frei. Im ersten Moment konnte Shanja nicht sagen, was andersartig an ihnen war, doch bereits wenig Augenblicke später erkannte sie es. Die Ähnlichkeit zwischen den Vier blieb ausschließlich auf ihre knochenbleichen Rüstungen beschränkt.

Der erste der eingetreten war, war nicht größer als Shanja selbst, wenn auch kräftiger gebaut. Die beiden dahinter waren sich wie Gegenteile, der rechte durchschnittlich groß und muskulös, der linke lang und dünn. Der letzte hatte noch am meisten Ähnlichkeit mit den Sturmtrupplern, denen sie bis jetzt begegnet war. Er war ein wenig größer, als sie selbst mit der entspannten Haltung eines Soldaten, der bereits seit Monate keinen Kampfeinsatz mehr erlebt hatte.

 

„Wir sind hier um sie abzuholen“, erklärte der augenscheinliche Truppkommander mit verzerrter, ungewohnt hoher Tonlage. Shanja zögerte, bis jetzt hatte sie zur Befragung immer ein höherer Offizier geleitete und kein Trupp Sturmtruppler. Aber natürlich war dies irrelevant. Sie war völlig wehrlos und deshalb würde sie sich fügen müssen.

„Ja, natürlich“, Shanja erhob sich resignierend mit gesenktem Kopf. Sie fühlte sich schwach und ausgelaugt, nach Stunden um Stunden, die man versuchte hatte ihr Informationen zu entlocken, die sie nie besessen hatte. Ihr einziges Glück war, dass die Imperialen immer noch glaubten, dass sie etwas wusste. Ansonsten wäre sie wohl bereits tot.

 

Die Sturmtruppen teilten sich und nahmen sie schützend in die Mitte mit zwei Mann an Shanjas Seiten, einer vor ihr und einer hinter ihr. Shanja wusste nicht was sie von dieser Situation halten sollte, doch sie war zu erschöpft und ohne Perspektive, um sich ernsthafte Sorgen zu machen. Zu allem Übrigen musste sie sich konzentrieren, um nicht zu straucheln, ihr Verstand hatte noch nicht die übliche Klarheit erreicht. Die Wahrheitsserums und die vielen anderen manipulativen Drogen hatte sie erheblich geschwächt. Diese Entkräftung drang tief und hielt ihre Willenkraft im Zaum, was sie zu einem Schein ihrer selbst machte.

Währenddessen trieben die Sturmtruppler sie den hellen leeren Gang hinab.

 

 

***

Auf der Kommandobrücke der Mercenary war es beinahe totenstill. Nur wenn man äußerst genau hinhörte, vernahm man das betätigen von Schaltern an Konsolen und das Wispern von Geräten. Keiner der menschlichen Offiziere wagte es einen Ton von sich zu geben.

Die angenehme Stille kam Sedriss nur zu Gute. So konnte er sich voll und ganz auf sich konzentrieren, während seine Untergebenen ihren Arbeiten nachgingen ohne ihn zu belästigen. Er begrüßte dies, da er selbst noch unerfahren im Befehligen einer Schiffscrew war. Üblicherweise hatte er einen erfahrenen ersten Maat an seiner Seite, der in seinem Namen standardisierte Befehle gab, um Sedriss nicht mit solchen Belanglosigkeiten zu belasten. Sedriss war kein direktes Mitglied der Flotte. Er und seines Gleichen standen außerhalb der Befehlfolge und gleichzeitig über allen.

 

Sie wurden gefürchtete. Sie stellten eine schwer einschätzbare, fast schon mystische Macht dar. Sedriss liebte diesen Aspekt seines Seins. Der stille durch Unwissenheit geprägte Respekt, der keinen Widerspruch duldete, war es der ihm ein Schakal gleiches Lächeln entlocken konnte, wenn er wie jetzt nicht mit Sorgen belastet war.

Er fühlte eine Erschütterung in der Macht, die ihm die Nackenhaare zu Berge stehen ließ. So etwas hatte er noch nie gespürt. Ein kurzes Aufbäumen, das nun in gleichmäßigen Wellen ausuferte. Sedriss hatte versucht die Quelle dieser Resonanz auszumachen, hatte es jedoch nicht geschafft, da ihm der Ursprung der Erschütterung vollkommen fremd erschien. Ein Wesen dessen starke Präsenz ihm unbekannt war.

Dem ungeachtete ahnte Sedriss wer diese Empfindung auslöste. Machtsensitive waren selten und im Umkreis von wenigen Lichtstunden gab es nur drei. Sein Meister Lord Trayjan, der gefangene und - soweit es Trayjan betraf - bereits konvertierte Deserteur Mace Dekari, sowie Sedriss selbst. Es war höchst unwahrscheinlich, dass sich noch weiterer unbekannter Machtbenutzer im System aufhielt. Besonders da Machtsensitive seit der Auslöschung des Jedi Ordens durch Darth Vader selten geworden waren.

 

Die Störung in der Macht konnte also nur von ihrem gefährlichen Gefangenen ausgehen. Gefangener war eigentlich die falsche Bezeichnung, da sie einige von Isard entwickelte Konvertierungsmethoden an ihm anwandten. Er war ein Gefangener implantierter Erinnerungen und Traumatas. So zumindest hatte es sich Sedriss zusammen gereimt. Er war mit Nichten ein Experte auf diesem Gebiet. Sedriss war der Schüler eines dunklen Jedi Meisters und Großinquisitors. Kein Experte der Neurochirurgie.

Er konnte nur sagen, dass es bis jetzt funktioniert hatte. Soweit Sedriss die Entwicklung verfolgt hatte – aus Interesse, ob Dekari sich an ihn erinnern würde – war Dekari völlig überzeugt seit seiner Ausbildung auf Carida Offizier auf der Destructor gewesen zu sein. Zumindest laut dem Bericht den ein Mediziner aus Isards Korps verfasst hatte. Sedriss glaubte so etwas nur wenn er es durch die Macht gefühlt hatte. Bis jetzt war er Dekari nicht begegnet. Es fiel ihm schwer zu glauben, dass die Medizin solche Macht hatte und sie Dekari brechen würden. Immerhin hatte dieser Kerl ihn vor Sinster und seinen Leuten lächerlich gemacht hatte.

 

Dieser Mann war ihm weit unterlegen was sie Ausbildung mit der Macht betraf und doch hatte er ihn vorgeführt, wie ein unbeholfenes Kind. Sedriss konnte nicht glauben, dass so jemand einfach durch ein paar Eingriffe in seinen Verstand völlig loyal wurde, wie ein einfältiger Sturmtruppler. Er würde noch mehr an seinen Fähigkeiten zweifeln, wenn es wirklich so wäre.

 

Wut brodelte erneut, wie so oft in letzter Zeit, in Sedriss hoch. Wut auf sich selbst. Auf Trayjans. Auf alles was ihm nicht zusagte.

Wie mächtig konnte jemand, der sich ohne Kenntnisse von der Macht, allein mit Hilfe seiner Instinkte gegen Sedriss verteidigt hatte, werden, wenn man ihn unterrichtet?

Sedriss wusste darauf keine Antwort. Er ahnte jedoch, dass Dekari dem Imperium noch sehr große Schwierigkeiten machten könnte, wenn man ihn nicht endgültig unter Kontrolle brachte.

 

Gehirnwäsche schien in Sedriss Ansicht nicht die richtige Lösung. Sie war zu unsicher. Man müsste ein Druckmittel gegen Dekari haben. Etwas wie man ihn für ihre Seite gewinnen könnte, ohne seinen Geist zu verändern.

Dekari könnte mit einer sorgfältigen Ausbildung mächtiger werden als Trayjan. Vielleicht, so dachte Sedriss, könnte ich benutzen um Trayjan los zu werden. Es wäre  möglich sein Wissen mit Dekari zu teilen und ihn gegen Trayjan ausspielen. Sedriss, war sich jedoch drüber im klaren, dass es ihm dazu an dieser Art von Subtilität fehlte. Er hatte keine Übung darin durch gefinkelte Schachzüge zwei Wesen zu Gegner zu machen.

 

Einerseits hasste er die Unterdrückung seines Meisters. Er wollte sein eigener Herr sein um nur noch dem Imperator zu dienen. Andererseits wusste er, dass er sich einen neuen Feind machen würde, wenn er Dekari dabei half mächtiger, als er selbst und sein Meister zu werden.

Selbst wenn er es fertig brachte einen Pakt – was er nur sehr ungern tun würde – mit Dekari einzugehen, war es fraglich, ob es ihm gelingen würde ihn unter Kontrolle zu halten, um sich selbst die Macht zu sichern.

 

Sedriss wusste, dass er bei weitem nicht die Erfahrung hatte, um ein solches Ränkespiel zu inszenieren. Doch war dies nicht auch ein Grund, warum ihn niemand verdächtigen würde? Hatte er mit der manchmal rohen, brutalen Art, die er vor seinem Meister zur Schau stellte, nicht die besten Voraussetzungen, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, wenn er eine solche Fallen vorbereitete.

Er wusste, dass ihn alle unterschätzten. Vielleicht traute er sich deshalb selbst auch zu wenige zu?

 

Sedriss grinste zähnefletschend und warf seine Blicke in die mit Sterne durchsetzten Dunkelheit des Alls, während weitere Pläne unter seiner breiten Stirn heranreiften. Es war stets so gewesen: Die Junge wurde von den Alten unterschätzt.

Während sich Sedriss nun seinen Gedanken widmete. Schritt sein erster Maat, ein kleiner gedrungener Mann mit Namen Elrod Hanssen, in gebückter Haltung und unsicherem Gebar heran. Er wies ihn darauf hin, dass Lord Trayjan versuchte sich mit ihm auf der Offiziersfrequenz in Verbindung zu setzten.

Sedriss warf dem Maat einen strengen Blick mit glitzernden roten Augen zu, was Hanssen zusammenzucken ließ.

 

„Legen sie das Gespräch auf einen privaten Kanal in mein Quartier.“

Hanssen nickte und das schütte dunkle Haar über dem runden knopfäugigen Gesicht raschelte leise. Nicht ausgewachsen und schlaksig, waren es die bedrohlichen roten Augen und die abstehenden schwarzen Haare, die ihm etwas Unheimliches verliehen. Gleichzeitig jedoch auch etwas Lächerliches, wie ein junger Piranhakäfer, der zwar beißen jedoch nicht töten konnte.

Mit schnellen Schritten und wehendem Umhang verschwand Sedriss von der Brücke.

 

 

***

„Der Gefangenentrakt CB133 befindet sich etwas zweihundert Meter östlich von unserer derzeitige Position“, murmelte Pad in das Miniatur Comlink, das am Kragen seiner nahezu perfekt gefälschten Uniform befestigt war.

„Wir sind in“, er warf einen Blick auf sein Chrono, „Sechs Minuten und dreißig Sekunden zurück im Hangar. Dort treffen wir uns.“

In dem Knopf in seinem Ohr, der der Empfänger des Komunikators war, hörte in kurzen Abständen die Bestätigung aller Mitglieder seines Teams. Anschließend begann Samira mit ihrem kurzen Bericht in wie weit fortgeschritten sie und ihre Leute bei ihrem Teil der Mission waren.

 

„Wir haben sie“, Pad musste sich ein triumphierendes Grinsen verkneifen, um nicht aufzufallen, immerhin konnte jeder Zeit ein richtiger Imperialer ihnen entgegenkommen.

„Gut“, erwiderte er erleichtert.

„Bereitet euch darauf vor auf Gegenfeuer zu treffen. Unsere Aktion blieb nicht unbemerkt.“

„Dachte ich mir“, entgegnete Pad kühl.

„Aber mach dir keine Sorgen, unser Ablenkungsmanöver steht.“

„In Ordnung. Ich hoffe die Ablenkung ist laut genug“, hörte Pad Samiras Stimme mit gehässigem Unterton. Pad wurde bei dieser Gelegenheit erneut bewusst, dass es ihr nichts ausmachte, wenn ein Haufen Imperialer das Zeitliche bei dieser Aktion segnete. Pad kannte Samira bereits seit einigen Jahren und dennoch wusste er so wenig über sie, dass er nicht sagen konnte, warum sie die Imperialen so sehr hasste. Wahrscheinlich war dies auch einer der Gründe, warum sie so begeistert von dieser Rettungsaktion gewesen war.

Nach dieser Bemerkung blieb das Kom stumm und die kleine unscheinbare Gruppe schritt weiter den Gang hinab, der sie vom östlichen Energiegeneratorraum zum Gefängnistrakt brachte.

 

Pad hoffte inständig, dass nicht zu früh entdeckt wurde, dass der östliche Energiegeneratorraum der Station unbesetzt war. Die Techniker, die für diesen Generatorraum zuständig gewesen waren lagen bewusstlos, gefesselt und geknebelt unter dem Kommandopult des Aggregatkontrollraums. Sie würden sich erst in wenigen Stunde wieder bewegen können.

 

Er war mit Nomi den Plan genau durchgegangen, da sie ihre Rolle möglichst gut spielen sollte. Überraschender Weise hatte sie ihn darauf hingewiesen, dass er die Imperialen nicht unterschätzen sollte und sich auf heftige Gegenwehr vorbereiten musste.

Pad hatte auf sie gehört und alle dazu angehalten mehrere Reserve Energiezellen für die Blaster und zusätzliche Blitzgranaten, Concussionsgranaten und Thermaldetonatoren mitzunehmen. Trotz allem war ein Großteil von Pads natürlichen Optimismus stiller Streng gewichen.

 

Er spürte plötzlich die Verantwortung, die auf seine Schulter lag, während er seine Freunde in den Kampf führte. Pad hasste dieses Gefühl. Diese Empfindung war der wahre Grund warum er sich nie den Rebellen angeschlossen hatte. Er wollte sich die Bürde, möglicherweise mit seinen Entscheidungen über das Leben seiner Kameraden zu entscheiden, nicht aufhalsen. Pad hatte doch schon genug Probleme damit seinen eigenen Weg zu finden, wie sollte er ihn dann anderen weißen?

 

Nein, beschloss Pad, dies war das letzte Mal, dass er Befehle erteilte.

Dieser Gedanke verhärte Pads Mine und half ihm dabei mehr wie ein Imperialer auszusehen. Er war kein guter Schauspieler. Seine Mine verriet seine Gefühle. Düstere Gedanken war also das beste was ihm jetzt passieren konnte, um einen Imperialen möglichst gut zu mimen. Zuvor hatte er versucht einen neutralen Gesichtsausdruck zu bewahren, was ihm nicht die ganze Zeit über gelungen war.

 

Er führte seine Gefährten ungerührt weiter. Ihre verhärmten Minen oder die unkenntlich hinter Helmen verborgenen Gesichter, erregten keine Aufmerksamkeit bei den Imperialen die ihren Weg kreuzten.  

 

 

***

„Schüler!“ Herrschte Trayjan Sedriss an, als dessen Aufmerksamkeit sichtlich abglitt. Sedriss Mine war versteinert, was bei seiner, wie Pergament wirkender Haut, die beste Beschreibung war. Es war wahrlich so bleich, wie weißer Marmor mit vereinzelten bläulichen Adern an den Schläfen und unter den Augen. Seine Augen lagen tief verborgen im Schatten seiner dichten kohlrabenschwarzen Augenbrauen. Sedriss kniete noch immer. Doch das trotziges Feuer glühte in seinen Augen, was Trayjan nicht entgangen war. Ohne zum Sprechen aufgefordert zu werden, entgegnete der jugendliche Humanoide mit starrem Blick seinem Lehrmeister: „Wie ihr wünscht werde ich sofort Befehle geben Andockkurs zur Raumstation zu setzten, um die Überführung selbst durchzuführen. Macht euch keine Sorgen mein Meister. Alles wird geschehen, wir ihr verlangt. Noch bevor der Abend auf Devaron hereinbricht, habt ihr Dekari unter eurer Aufsicht auf eurem Schiff.“

 

Der Hochmut in Sedriss Stimme war nicht zu überhören. Ebenso wenig der Eifer, den er der kommenden Aufgabe entgegenbrachte. Trayjan argwöhnte etwas, konnte jedoch nicht sagen, was Sedriss dazu veranlasste guter Laune zu sein, wo er ihn doch seit dem Vorfall auf Cardua behandelte hatte, wie ein Hutt, der bereits damit argwöhnte seinen unfähigen Mayordomus, einem seiner zahlreichen Untiere zu verfüttern.

 

Trayjan hatte das ungute Gefühl, dass Sedriss etwas im Schilde führte, doch war dieser Junge überhaupt dazu in der Lage gegen seinen Meister zu konspirieren? 

Nein, Sedriss war ein Idiot.

Mehr Söldner als dunkler Jedi mit einem Hang zur Brutalität und ohne entsprechende Fantasie, um eine Verschwörung anzuzetteln.

Sedriss würde nie mehr sein als ein Laufbursche höherer Mächte sein. Selbst wenn ihm irgendwann eine Promotion widerfuhr und er nicht mehr Trayjan dienen würde. Dann würde ihm eben jemand anders befehle geben.

 

„Gut, Schüler. Ich werde mein Adjutanten anweisen euch beide sofort zu mir bringen zu lassen“, erklärte Trayjan ruhig und gelassen mit seiner vibrierenden dunklen Stimme.

Sedriss senkte den Kopf demütig und grinste verschlagen, jedoch so dass es der Alte, mit dem weißen Spitzbart und den gleichfarbigen langen Haaren, nicht erkennen konnte.

Trayjan wandte seinen alles durchdringenden Blick und die strengen Züge ab, als das wabernde Hologramm vom Sockel des Holoprojektors verschwand.

Früher als erwartete bekam Sedriss nun die Gelegenheit Dekari seinen Vorschlag zu unterbreiten. Natürlich mit größter Umsicht, da er Dekaris Platz in diesem Spiel nicht genau voraussagen konnte.

 

Er öffnete einen Kanal zur Brücke und Hanssen erschien auf dem Sockel, der vor wenigen Augenblicken noch Trajans Gestalt gefüllt hatte. Diese Mal stand Sedriss und das Hologramm

des Maats war kleiner als Sedriss. Natürlich hatte er es so eingestellt, damit Hanssen zu ihm aufsehen musste. Eine der seltenen Genugtuung für Sedriss.

„Sofort Kurs zur Raumstation setzten. Wir haben ihm Auftrag des Lords Arbeit zu erledigen.“

Hanssen nickte unterwürfig: „Wie der Lord wünscht.“

 

Sedriss wünscht sich, er wäre mit dieser Anrede gemeint und biss sich beinahe die Lippe wund, weil er wusste, dass Hanssen von Trajyan als Lord sprach. Er hasste es Trayjans Diener zu sein. Trayjan war senil. Alt. Langsam. Er musste ersetzt werden. Zum wohl des Imperiums!



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