Another Path

Prolog und Teil 1 von 6


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





PROLOG


Can you feel it crush you?

Does it seem to bring the worst in you out?
There's no running away from these things that hold you down
Do they complicate you because they make you feel like this?
Of all the colors that you've shine

this is surely not your best


But you should know these colors that you're shining are
Surely not the best colors that you shine


I know you feel alone, yeah

and no one else can figure you out
But don't you ever turn away from the ones that help you down
Well they'd love to save you, don't you know they love to see you smile
But these colors that you've shined

 are surely not your style

 

But you should know these colors that you're shining are
Surely not the best





Mit einem sanften Ruckeln setzte sie auf der steinernen Landeplattform auf.

Padme ließ das Steuer los und stützte den Kopf in die Hände. Während dem Versuch sich zu beruhigen, atmete sie tief durch und schloss die Augen, die Tränen  zurückhaltend.

Was genau sollte sie ihm sagen? Sie wusste es nicht. Sie wusste nicht wie er reagieren würde, ob dies alles stimmte, was Obi-Wan ihr erzählt hatte, wie es nun weitergehen sollte. Was war, wenn Obi-Wan die Wahrheit gesagt hatte, wenn Anakin Jünglinge getötet, den Jedi-Tempel gestürmt hatte? Wie sollte es dann weitergehen? Sie würde nie aufhören ihn zu lieben, egal was er tat, doch wie konnte sie ihm weiterhin vertrauen, wenn er solch schreckliche Taten begangen hatte?

Sie holte ein weiteres Mal tief Luft und blickte auf. Und da sah sie ihn: Ihren Anakin, den Mann ihrer Träume, den Vater ihres Kindes, eingehüllt in einen langen, schwarzen Mantel, von der Schlaflosigkeit, der Trauer, dem Schmerz gezeichnet. Sie fuhr die Rampe aus und stand auf. Die Gedanken, welche sie beinah zu erdrücken schienen, auf ihrem Herzen lasteten, versuchte sie beiseite zu schieben, vergeblich, während sie mit schnellen Schritten aus dem Schiff stieg. Sie rannte auf Anakin zu, ebenso wie er es tat.

 

„Ich habe dein Schiff gesehen!“, sagte er ihr mit besorgter Stimme, als sie ihm um den Hals fiel.

Padme schmiegte sich an ihn und schloss die Augen. Für kurze Zeit vergaß sie alles, diese dunklen Gedanken, die Vorkommnisse der letzten Tage, ihre derzeitige Zerrissenheit. Es war wie ein Abend der letzten Jahre, in denen Anakin ein junger Jedi war, kein Padawan mehr. Wie ein Abend, an dem sie sich wieder heimlich getroffen hatten, sich Liebesgeständnisse zugeflüstert, die Welt um sich herum vergessen hatten. Vor einigen Jahren, als die Welt noch gut und friedlich schien.

 

Doch schnell war der Augenblick gegangen und Padme wurde in die Gegenwart zurückgerissen, als Anakin sie losließ und sie ihn anblickte.

„Oh, Anakin.“, brachte sie nur hervor, flüsternd, und ein Kloß bildete sich in ihrer Kehle.

„Es ist alles gut. Warum bist du hergekommen?“

„Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht. Obi-Wan hat mir so furchtbare Dinge erzählt.“, erwiderte Padme. Ihr Atem ging schnell, so schnell, dass sie beinah nicht sprechen konnte. Sie sah ihrem Geliebten in die Augen, die sich seit ihrer letzten Begegnung so sehr verändert zu haben schienen, und blinzelte, mit den Tränen kämpfend. Sie war so glücklich ihn wieder zu sehen, ihn zu fühlen, zu wissen dass er unverletzt war und es ihm gut ging, dass sie nicht sah, wie sich Anakins Miene verdüsterte.

 

„Was denn für Dinge?“, fragte er.

„Er hat gesagt, dass du dich der dunklen Seite zugewandt hast, dass du... Jünglinge getötet hast!“

Bei diesen Worten lief Padme ein kalter Schauer über den Rücken und ließ sie erzittern. Es gehört zu haben war schlimm genug, aber es selbst zu sagen, löste solche Ängste in ihr aus, dass sie die Erschütterung in sich nicht verbergen konnte.

Anakin ließ sich nichts anmerken, doch sein Blick drückte Zorn aus. „Obi-Wan versucht dich gegen mich einzunehmen.“

„Er macht sich Sorgen um uns.“

„Uns?“, fragte Anakin leise.

„Er weiß es... Er will dir wirklich helfen.“

Anakin lachte herablassend auf, schüttelte leicht den Kopf, doch erwiderte nichts. Er blickte sie nur grinsend an, und es schien so unpassend zu sein in diesem Moment.

„Anakin, alles was ich will ist deine Liebe.“ Ihre Stimme wurde weich und sie sah ihm beinah flehend in die Augen, damit er vernünftig würde.

„Liebe wird dein Leben nicht retten, Padme. Das können nur meine neuen Fähigkeiten!“

 

Und plötzlich war es Padme klar. Obi-Wan hatte nicht gelogen, warum hätte er es auch tun sollen? Er hatte immer nur das beste für Anakin gewollt, wollte ihm auch jetzt noch helfen. Anakin hatte diese schrecklichen Sachen getan und dies trieb Padme die Tränen in die Augen.

„Zu welchem Preis? Du bist ein guter Mensch, du darfst das nicht tun.“

„Ich werde dich nicht verlieren so wie ich meine Mutter verlor!“, rief Anakin und nicht nur der Zorn über Obi-Wan und die Uneinsicht Padmes spiegelten sich nun in seinen Augen, sondern auch die Trauer über den Verlust seiner Mutter. Entschlossenheit lag in seiner Stimme. „Ich werde mächtiger werden als je ein Jedi es zu träumen gewagt hat und ich habe es für dich getan! Um dich zu beschützen.“

 

„Komm mit mir weg von hier.“, drängte Padme erneut, streckte die Hände aus und fuhr ihm durch die Haare. „Hilf mir unser Kind aufzuziehen. Wir sollten das alles hinter uns lassen, solange wir noch können.“ Ihre Stimme war flehend geworden, doch mit einem Unterton, der Hoffnung auf eine neue Zukunft ausdrückte, eine Zukunft in der nur sie mit ihm und dem Kind allein leben konnte. Anakin aber schien andere Pläne zu haben.

„Verstehst du denn nicht, wir brauchen nicht mehr wegzulaufen! Ich habe der Republik den Frieden gebracht. Ich bin mächtiger als der Kanzler. Ich... Ich kann ihn stürzen, wenn ich will, und gemeinsam können du und ich über die Galaxis herrschen! Wir schaffen ein Reich nach unseren Vorstellungen!“

Padme starrte ihren Mann an. Der Wahnsinn stand in seinen Augen, ein irres Funkeln, ansteckend und abstoßend zugleich. Padme konnte einfach nicht glauben, was Anakin da sagte. Hatte er alles vergessen, alle Gespräche, die sie darüber geführt hatten, alles, was Obi-Wan ihn gelehrt hatte? Wie konnte er glauben, dass solch eine Regierung bestand haben würde, und vor allem, dass sie das wollte?

Sie war von ihm gewichen und vollkommen bestürzt achtete sie nicht darauf, was sie sagte. Fassungslosigkeit lag in ihrer Stimme. „Ich kann nicht fassen, was ich da höre... Obi-Wan hatte Recht. Du hast dich verändert.“

 

Ihre Worte machten alles nur noch schlimmer. Das Funkeln wich nun grausamem Zorn, der selbst für Padme, obwohl sie von ihrem Geliebten nichts zu befürchten hatte, unglaublich angsteinflößend war.

„Ich will nichts mehr von Obi-Wan hören, verstehst du!?“, erwiderte Anakin und funkelte sie an. Er blickte ihr fest in die Augen. „Dieser Jedi hat sich gegen mich gewandt, wende du dich nicht auch gegen mich!“

„Ich erkenne dich nicht wieder. Anakin... Du brichst mir das Herz...“ Tränen rannen ihr über die von der dreckigen Luft des Planeten beschmutzten Wangen. Ihre Stimme zitterte. Wie sollte ihre Liebe weiter bestehen können, wenn er solche Dinge sagte? Sie würde ihn immer lieben, doch was er da sagte, konnte einfach nicht wahr sein. Sie konnte so nicht weitermachen, nicht die Frau des Herrschers der Galaxis sein.

„Du begibst dich auf einen Pfad, auf dem ich dir nicht Folgen kann!“

 

Anakins Miene beruhigte sich, doch der Zorn, der Hass wich nicht aus seinen Augen. Sein Blick, mit dem er Padme nun betrachtete, war beinah noch schlimmer zu ertragen als zuvor.

„Wegen Obi-Wan?“, fragte er mit ruhiger Stimme.

„Wegen dem was du getan hast... und dem was du noch vorhast. Hör auf... hör auf und kehr zu mir zurück! Ich liebe dich!“

„Ich werde dich nicht verlieren, Padme!“, rief er und wich ein paar Schritte vor ihr zurück, „Begreif es doch! Ich habe es dir versprochen, und ich werde es halten! Egal zu welchem Preis.“

 

„Anakin...“, hauchte sie und trat auf ihn zu. Sie verstand, dass sie ihn irgendwie überzeugen musste. Sie nahm seine Hände in die ihren und sah ihm fest in die Augen. „Hör mir zu. Du hast diese schrecklichen Träume, jeden würde das in den Wahnsinn treiben. Doch höre darauf, was Meister Yoda-“

Anakin machte den Mund auf, um sie zu unterbrechen, doch sie sprach weiter, lauter als zuvor, und brachte ihn so zum Schweigen. „...was Meister Yoda sagte: Dadurch, das du versuchst deine Träume nicht Wahrheit werden zu lassen, geschehen sie erst. Anakin, ich habe dir versprochen, dass ich dich niemals verlassen werde, auch nicht bei der Geburt unseres Kindes, und daran halte ich fest. Es wird nichts geschehen. Bitte, lass uns gehen und zusammen unser Kind großziehen, nur wir beide. Das ist es, was ich will.“

Und da veränderte sich Anakins Blick plötzlich. Es war lange Zeit nicht mehr passiert, doch nun waren all die Aggressionen beinah vollends aus seinen Augen gewichen. Aber es hielt nur einen kurzen Augenblick, dann begannen seine Augen wieder kalt zu funkeln.

„Nein! Das glaube ich nicht, Padme!“, rief er und schloss kurz die Augen, während er sich aus ihrem Griff wandte.

 

Er wollte noch etwas sagen, doch Padme unterbrach ihn: „Anakin!“ Die Tränen rannen nun über ihre Wangen, tropften von ihrem Kinn, versickerten in der dunklen Asche zu ihren Füßen, die den Fels bedeckte. Sie sah ihn verletzt an. „Wem vertraust du eigentlich, Anakin? An wen glaubst du? An Palpatine, der die Republik nun schon seit Jahren betrügt, an einen Verräter?! Früher oder später wird er auch dich verraten, denn du bedeutest ihm nichts.“

Sie stockte kurz, ergriff seine Hände. Erschrocken bemerkte sie, dass sie kalt waren, kälter als sonst, trotz der Hitze der Lava um sie herum. Doch sie sah auf und schaute ihn an, sah kurz über sein von Schmerz und Hass, von der Angst und Trauer gefurchtes Gesicht, bevor sie ihm wieder in die Augen blickte.

„Oder an mich, an uns?“, flüsterte sie, „Ich liebe dich, Anakin, und ich will dich nicht verlieren.“

 

Eine schier unendlich lange Zeit stand Anakin vor ihr, seine Hände in den ihren. Er schien zu überlegen, was Padme beinah das Herz brach. Als sie sah, dass er dort stand, und wirklich nachdachte, wirklich zwischen ihr und Palpatine schwankte, schloss sich eine kalte Hand um ihr Herz und ließ sie leise, beinah lautlos keuchen. Anakin hatte sich verändert, sehr verändert. Noch vor ein paar Wochen hätte er ihr diese Frage übel genommen, hätte ihr prompt geantwortet, aber nun blickte er sie an, vollkommen in seine Überlegung versunken, und Padme konnte es einfach nicht glauben. Was war nur mit ihm passiert? Wo war der Mann, den sie so sehr liebte?

Doch dann ganz plötzlich klarte sein Blick auf. Er sah ihr in die Augen und, vollkommen unerwartet, lächelte er.

Er lächelte, was schon seit so langer Zeit nicht mehr vorgekommen war. Beinahe hatte sie vergessen wie es aussah, wenn er sie einfach nur glücklich anblickte. Doch nun tat er es und nichts war mehr in seinen Augen, außer endlosem Vertrauen und der Liebe zu ihr, die stärker war als alles andere.

„An dich, Padme. Ich glaube an dich, und...“, sanft legte er eine Hand auf ihren runden Bauch, „...und an unser Kind.“

 

Padme atmete erleichtert auf. Sie erwiderte das Lächeln ihres Mannes und sah ihn auffordernd an. „Dann lass uns verschwinden, Anakin. Lass uns diesen schrecklichen Ort verlassen.“

Er nickte und wortlos, seine Hand immer noch in der ihren, schritt er voran auf das Schiff zu.

 

 

 

Sie wusste nicht was sie denken sollte. Er war bei ihr, mit ihr auf dem Schiff, und sie flogen fort, weg von allem. Er hatte sich für sie entschieden, für das Kind, gegen die dunkle Seite und gegen den Krieg.

Doch trotz des Glücksgefühls, das sie dauernd aufs Neue überwog, hatte sie Angst. Angst, es könnte doch nicht so werden, wie sie es wollte, Angst, Anakin könnte sich letztendlich doch gegen sie entscheiden. Sie sah auf und blickte ihn an. Er hatte seinen schwarzen Mantel ausgezogen, saß nun an der Steuerkonsole und flog das Schiff. Nichts konnte man ihm ansehen von dem inneren Kampf, den er erst vor einigen Augenblicken hatte ausfechten müssen. Er saß da, wie vor einiger Zeit, in der seine Lieblingsbeschäftigung noch das Zusammenbauen und Reparieren von Droiden und das Fliegen von schnellen Schiffen gewesen war. Wie vor einiger Zeit, bevor all diese schrecklichen Dinge passiert waren, bevor er all dieses Leid angerichtet hatte.

Da wandte er plötzlich den Kopf und blickte Padme an. Er lächelte, sie tat es ihm gleich, und er wandte den Blick wieder hinaus in den Weltraum.

Nein, sie würde es zu verhindern wissen. Jetzt, da sie ihn zurückgewonnen hatte, würde sie ihn nie wieder gehen lassen. Egal wer kommen würde, um ihn zu holen. Das versprach sie ihm und vor allem sich, während sie die Augen schloss und sich zurücklehnte.

 

 

*

 

 

Er fühlte sich plötzlich beobachtet. Ein leichtes Kribbeln im Nacken machte ihn aufmerksam und er wandte sich um. Padme saß ein Stück hinter ihm, an die Wand gelehnt, eine Hand auf dem runden Bauch, und sah ihn an. Wie sie dort so saß, ihn mit ihren braunen, strahlenden Augen fixierend, in denen ein glücklicher, erleichterter Ausdruck lag, war ihm sofort klar, dass er das Richtige getan hatte.

Er lächelte und sie erwiderte sein Lächeln. Er atmete kaum hörbar, glücklich durch und wandte den Blick wieder nach vorn. Kaum hatte er sich wieder auf das Fliegen konzentriert, hörte er hinter sich ein schmerzvolles Keuchen, was ihn zusammenzucken ließ. Er drehte sich erneut ruckartig um und sah zu Padme. Sie krümmte sich auf dem Stuhl, die Augen fest geschlossen, das Gesicht schmerzvoll verzogen.

 

„Padme!“, rief er erschrocken und rannte zu ihr. Kaum war er bei ihr angelangt ließ er sich noch in vollem Tempo neben ihr auf die Knie fallen und ergriff ihre Hand.

„Es fängt an.“, keuchte sie.

Erschrocken sah er sie an. Er hätte sich freuen sollen, doch der Anblick seiner geliebten Frau, die sich unter Schmerzen krümmte, ließen keinen Gedanken an Glücksgefühle.

Es fing an. Nein, er würde sie nicht verlieren, nicht jetzt, nicht hier. Er musste etwas tun. Hilfesuchend blickte er sich um. Er wusste nicht, was er machen sollte. Panik stieg in ihm auf, als Padme plötzlich schrie und die Fingernägel in seine Hand krallte. Er ignorierte den Schmerz und sah sie an, sein Atem ging flach, sein Herz klopfte rasend schnell.

 

Und noch dazu gab die Konsole plötzlich ein Signal.

Er wusste nicht was er sonst hätte tun sollen. Einfach nur neben ihr zu sitzen hielt es nicht auf.

„Halte durch!“, rief Anakin hilflos, wusste nicht, was er sagen sollte, um sie aufzubauen, denn er selbst hätte nun jemanden gebraucht, der ihm half. Seine Stirn schimmerte vor Schweiß, seine Stimme zitterte vor Anspannung.

Anakin sprang auf, wandte sich aus dem Griff seiner Frau und hechtete zur Konsole. Er gab den Kanal frei.

 

„Senatorin Amidala?“, erklang eine vertraute Stimme, „Ist alles in Ordnung?“

Anakin biss die Zähne zusammen, als der Hass ihm die Kehle zuschnürte. Obi-Wan, was tat er hier? Er war anscheinend auf einem anderen Raumschiff in der Nähe, doch wieso? Nie konnte man diesem Jedi aus dem Weg gehen, diesem nervtötenden, arroganten-

„Padme, ich spüre das irgendwas ist. Antwortet!“, erklang Obi-Wans Stimme erneut.

Anakin starrte hasserfüllt auf die Konsole, doch ein weiterer Schrei Padmes ließ ihn zusammen fahren und zur Vernunft kommen. Obi-Wan würde ihm helfen können Padme zu retten, seine eigenen Gefühle für diesen Mann waren im Moment nachrangig.

„Meister“, begann Anakin, „die Wehen haben begonnen. Ich...“, er schluckte, doch riss er sich zusammen, nachdem er einen kurzen Blick auf Padme geworfen hatte, „...ich brauche Eure Hilfe.“

„Anakin?“, fragte Obi-Wan verblüfft.

„Obi-Wan, ich brauche Eure Hilfe, schnell! Zeit für Erklärungen ist später!“, rief Anakin, panisch und zornig zugleich.

„Ja, natürlich, Anakin, ich komme rüber. Ich bin gleich bei euch.“

 

Die Verbindung wurde von Obi-Wan getrennt und Anakin hechtete zu Padme zurück, ergriff erneut ihre Hand. Der Schweiß rann ihr über das Gesicht.

„3PO!“, rief Anakin dem Droiden zu, der so hilflos herum stand, wie Anakin sich fühlte, „bring ein nasses Tuch!“

„Sofort, Meister.“, antwortete C-3PO und lief los.

Anakin sah wieder auf Padme hinab. Diese öffnete die Augen und sah ihn mit schmerzerfülltem Blick an.

„Ich... ich bin bei dir Padme. Es wird alles gut.“, versuchte er sie zu beruhigen. Er musste irgendetwas sagen, um ihr zu helfen. So begann er, doch baute er dadurch genauso sich selbst wie sie auf. „Denk nur daran wie es ist, wenn wir unser Kind zusammen großziehen. Es wird ein Junge, er wird in der Küche sitzen und kleine Raumschiffchen kaputtfliegen.“

Padme musste lachen, doch brachte ihr das nur eine erneute Woge von Schmerz. Sie kniff die Augen zusammen und keuchte, während Anakin ihre Hand noch fester hielt und fortfuhr.

„Oder es wird ein Mädchen. Dann wird sie durch den Garten laufen, in dem wunderschöne Blumen in allen Formen, Größen und Farben blühen, und sie wird mit den Vögeln um die Wette singen. Und dann wird sie eine Politikerin werden und erfolgreich sein, so wie ihre Mutter.“

 

Anakin streckte die Hand aus und strich Padme so zärtlich es mit seinem mechanischen Arm ging eine schweißnasse Haarsträhne aus dem Gesicht. Er blickte sie liebevoll an und wünschte, er könnte ihr den Schmerz abnehmen.

3PO kam zurück und hielt ihm wie gewünscht ein nasses Tuch entgegen. Anakin nahm es ihm ab und legte es Padme sanft auf die Stirn, als plötzlich eine Tür aufging. Anakin hob den Blick und sah, wie Obi-Wan auf ihn zugerannt kam. Er sprang auf und griff reflexartig nach seinem Laserschwert, schnell kam er jedoch zur Vernunft, ließ die Hand wieder sinken.

„Meister, ich... ich brauche eure Hilfe.“, sagte Anakin und biss die Zähne zusammen.

Der Jedi kniete sich neben Padme und legte eine Hand an ihre Wange, sie anblickend. „Padme, hört ihr mich?“

Padme öffnete die Augen und sah ihn erschöpft an. „Obi-Wan...“, hauchte sie.

Er stand wieder auf und sagte knapp an Anakin gewandt: „Sie muss bei Bewusstsein bleiben.“

Anakin nickte und kniete sich wieder neben seine Frau. „Und was tut ihr?“

„Ich fliege uns zur Rebellenbasis.“, antwortete Obi-Wan und setzte sich an die Steuerkonsole.

„Zur Rebell-?!“, rief Anakin zornig, doch Obi-Wan unterbrach ihn.

„Dort kann man ihr am besten helfen und es ist nicht weit entfernt. Über Politik können wir später diskutieren!“

 

Anakin funkelte seinen alten Meister an. Er hatte ja Recht, das war im Moment die vernünftigste Entscheidung. Sie mussten so schnell es geht irgendwohin, wo man Padme helfen konnte, egal wo es war, aber dennoch ärgerte es Anakin. Obwohl er sich gerade eben noch vollkommen panisch Hilfe gewünscht hatte, wollte er Obi-Wan nicht das Kommando überlassen. Um Padmes Willen jedoch sagte er nichts mehr und wandte sich nur wieder seiner Frau zu.

Er würde nicht zulassen, dass sie starb. Nicht jetzt. Nicht nachdem er wieder bei ihr war. Doch wie sollte er ihr helfen? Ihm kam etwas in den Sinn, doch schluckte er schwer. Er hatte nicht gehört, dass jemand so etwas schon einmal versucht hatte. Ein Jedi legte sich mit dem Tod nicht an, das würde ihn umbringen. Doch Anakin konnte nicht dasitzen und zusehen wie Padme langsam ihrem Ende entgegen ging. Und vor allem war er kein Jedi mehr.

 

Er wandte seine Hand aus ihrem Griff und nahm das Tuch, welches sie hatte kühlen sollen, von ihrer Stirn. Es war mittlerweile heiß geworden. Anakin legte die Hand auf ihre vom Schweiß und dem Tuch nasse Stirn und schloss die Augen, während er tief Luft holte. Er konzentrierte sich. Langsam entzog er dem Raum die Macht, ließ dabei seine Kraft in Padme fließen. Er wusste nicht, ob es funktionieren würde, doch konnte er nicht dasitzen und zulassen, dass sie von ihm ging, er musste es einfach versuchen. Immer weiter ließ er seine Kraft in sie fließen. Er vergaß die Welt um sich herum, dachte nur noch an Padme. Er spürte, wie sie stetig stärker wurde. Ein Glücksgefühl breitete sich in ihm aus. Sie starb nicht, er verhinderte es. Immer weiter entzog er sich selbst die Kraft und gab sie ihr, als ihn plötzlich jemand an der Schulter packte und von Padme fortriss.

Anakin öffnete die Augen, als er hart mit dem Kopf auf dem Boden aufschlug. Er sah schemenhaft seinen alten Meister vor sich, der sich über ihn beugte. Anakin wollte Luft holen, doch sein Körper verkrampfte sich schmerzhaft und ließ keine Bewegung mehr zu. Ohnmächtig fiel er in Dunkelheit.

Padme ließ das Steuer los und stützte den Kopf in die Hände. Während dem Versuch sich zu beruhigen, atmete sie tief durch und schloss die Augen, die Tränen  zurückhaltend.

Was genau sollte sie ihm sagen? Sie wusste es nicht. Sie wusste nicht wie er reagieren würde, ob dies alles stimmte, was Obi-Wan ihr erzählt hatte, wie es nun weitergehen sollte. Was war, wenn Obi-Wan die Wahrheit gesagt hatte, wenn Anakin Jünglinge getötet, den Jedi-Tempel gestürmt hatte? Wie sollte es dann weitergehen? Sie würde nie aufhören ihn zu lieben, egal was er tat, doch wie konnte sie ihm weiterhin vertrauen, wenn er solch schreckliche Taten begangen hatte?

Sie holte ein weiteres Mal tief Luft und blickte auf. Und da sah sie ihn: Ihren Anakin, den Mann ihrer Träume, den Vater ihres Kindes, eingehüllt in einen langen, schwarzen Mantel, von der Schlaflosigkeit, der Trauer, dem Schmerz gezeichnet. Sie fuhr die Rampe aus und stand auf. Die Gedanken, welche sie beinah zu erdrücken schienen, auf ihrem Herzen lasteten, versuchte sie beiseite zu schieben, vergeblich, während sie mit schnellen Schritten aus dem Schiff stieg. Sie rannte auf Anakin zu, ebenso wie er es tat.

 

„Ich habe dein Schiff gesehen!“, sagte er ihr mit besorgter Stimme, als sie ihm um den Hals fiel.

Padme schmiegte sich an ihn und schloss die Augen. Für kurze Zeit vergaß sie alles, diese dunklen Gedanken, die Vorkommnisse der letzten Tage, ihre derzeitige Zerrissenheit. Es war wie ein Abend der letzten Jahre, in denen Anakin ein junger Jedi war, kein Padawan mehr. Wie ein Abend, an dem sie sich wieder heimlich getroffen hatten, sich Liebesgeständnisse zugeflüstert, die Welt um sich herum vergessen hatten. Vor einigen Jahren, als die Welt noch gut und friedlich schien.

 

Doch schnell war der Augenblick gegangen und Padme wurde in die Gegenwart zurückgerissen, als Anakin sie losließ und sie ihn anblickte.

„Oh, Anakin.“, brachte sie nur hervor, flüsternd, und ein Kloß bildete sich in ihrer Kehle.

„Es ist alles gut. Warum bist du hergekommen?“

„Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht. Obi-Wan hat mir so furchtbare Dinge erzählt.“, erwiderte Padme. Ihr Atem ging schnell, so schnell, dass sie beinah nicht sprechen konnte. Sie sah ihrem Geliebten in die Augen, die sich seit ihrer letzten Begegnung so sehr verändert zu haben schienen, und blinzelte, mit den Tränen kämpfend. Sie war so glücklich ihn wieder zu sehen, ihn zu fühlen, zu wissen dass er unverletzt war und es ihm gut ging, dass sie nicht sah, wie sich Anakins Miene verdüsterte.

 

„Was denn für Dinge?“, fragte er.

„Er hat gesagt, dass du dich der dunklen Seite zugewandt hast, dass du... Jünglinge getötet hast!“

Bei diesen Worten lief Padme ein kalter Schauer über den Rücken und ließ sie erzittern. Es gehört zu haben war schlimm genug, aber es selbst zu sagen, löste solche Ängste in ihr aus, dass sie die Erschütterung in sich nicht verbergen konnte.

Anakin ließ sich nichts anmerken, doch sein Blick drückte Zorn aus. „Obi-Wan versucht dich gegen mich einzunehmen.“

„Er macht sich Sorgen um uns.“

„Uns?“, fragte Anakin leise.

„Er weiß es... Er will dir wirklich helfen.“

Anakin lachte herablassend auf, schüttelte leicht den Kopf, doch erwiderte nichts. Er blickte sie nur grinsend an, und es schien so unpassend zu sein in diesem Moment.

„Anakin, alles was ich will ist deine Liebe.“ Ihre Stimme wurde weich und sie sah ihm beinah flehend in die Augen, damit er vernünftig würde.

„Liebe wird dein Leben nicht retten, Padme. Das können nur meine neuen Fähigkeiten!“

 

Und plötzlich war es Padme klar. Obi-Wan hatte nicht gelogen, warum hätte er es auch tun sollen? Er hatte immer nur das beste für Anakin gewollt, wollte ihm auch jetzt noch helfen. Anakin hatte diese schrecklichen Sachen getan und dies trieb Padme die Tränen in die Augen.

„Zu welchem Preis? Du bist ein guter Mensch, du darfst das nicht tun.“

„Ich werde dich nicht verlieren so wie ich meine Mutter verlor!“, rief Anakin und nicht nur der Zorn über Obi-Wan und die Uneinsicht Padmes spiegelten sich nun in seinen Augen, sondern auch die Trauer über den Verlust seiner Mutter. Entschlossenheit lag in seiner Stimme. „Ich werde mächtiger werden als je ein Jedi es zu träumen gewagt hat und ich habe es für dich getan! Um dich zu beschützen.“

 

„Komm mit mir weg von hier.“, drängte Padme erneut, streckte die Hände aus und fuhr ihm durch die Haare. „Hilf mir unser Kind aufzuziehen. Wir sollten das alles hinter uns lassen, solange wir noch können.“ Ihre Stimme war flehend geworden, doch mit einem Unterton, der Hoffnung auf eine neue Zukunft ausdrückte, eine Zukunft in der nur sie mit ihm und dem Kind allein leben konnte. Anakin aber schien andere Pläne zu haben.

„Verstehst du denn nicht, wir brauchen nicht mehr wegzulaufen! Ich habe der Republik den Frieden gebracht. Ich bin mächtiger als der Kanzler. Ich... Ich kann ihn stürzen, wenn ich will, und gemeinsam können du und ich über die Galaxis herrschen! Wir schaffen ein Reich nach unseren Vorstellungen!“

Padme starrte ihren Mann an. Der Wahnsinn stand in seinen Augen, ein irres Funkeln, ansteckend und abstoßend zugleich. Padme konnte einfach nicht glauben, was Anakin da sagte. Hatte er alles vergessen, alle Gespräche, die sie darüber geführt hatten, alles, was Obi-Wan ihn gelehrt hatte? Wie konnte er glauben, dass solch eine Regierung bestand haben würde, und vor allem, dass sie das wollte?

Sie war von ihm gewichen und vollkommen bestürzt achtete sie nicht darauf, was sie sagte. Fassungslosigkeit lag in ihrer Stimme. „Ich kann nicht fassen, was ich da höre... Obi-Wan hatte Recht. Du hast dich verändert.“

 

Ihre Worte machten alles nur noch schlimmer. Das Funkeln wich nun grausamem Zorn, der selbst für Padme, obwohl sie von ihrem Geliebten nichts zu befürchten hatte, unglaublich angsteinflößend war.

„Ich will nichts mehr von Obi-Wan hören, verstehst du!?“, erwiderte Anakin und funkelte sie an. Er blickte ihr fest in die Augen. „Dieser Jedi hat sich gegen mich gewandt, wende du dich nicht auch gegen mich!“

„Ich erkenne dich nicht wieder. Anakin... Du brichst mir das Herz...“ Tränen rannen ihr über die von der dreckigen Luft des Planeten beschmutzten Wangen. Ihre Stimme zitterte. Wie sollte ihre Liebe weiter bestehen können, wenn er solche Dinge sagte? Sie würde ihn immer lieben, doch was er da sagte, konnte einfach nicht wahr sein. Sie konnte so nicht weitermachen, nicht die Frau des Herrschers der Galaxis sein.

„Du begibst dich auf einen Pfad, auf dem ich dir nicht Folgen kann!“

 

Anakins Miene beruhigte sich, doch der Zorn, der Hass wich nicht aus seinen Augen. Sein Blick, mit dem er Padme nun betrachtete, war beinah noch schlimmer zu ertragen als zuvor.

„Wegen Obi-Wan?“, fragte er mit ruhiger Stimme.

„Wegen dem was du getan hast... und dem was du noch vorhast. Hör auf... hör auf und kehr zu mir zurück! Ich liebe dich!“

„Ich werde dich nicht verlieren, Padme!“, rief er und wich ein paar Schritte vor ihr zurück, „Begreif es doch! Ich habe es dir versprochen, und ich werde es halten! Egal zu welchem Preis.“

 

„Anakin...“, hauchte sie und trat auf ihn zu. Sie verstand, dass sie ihn irgendwie überzeugen musste. Sie nahm seine Hände in die ihren und sah ihm fest in die Augen. „Hör mir zu. Du hast diese schrecklichen Träume, jeden würde das in den Wahnsinn treiben. Doch höre darauf, was Meister Yoda-“

Anakin machte den Mund auf, um sie zu unterbrechen, doch sie sprach weiter, lauter als zuvor, und brachte ihn so zum Schweigen. „...was Meister Yoda sagte: Dadurch, das du versuchst deine Träume nicht Wahrheit werden zu lassen, geschehen sie erst. Anakin, ich habe dir versprochen, dass ich dich niemals verlassen werde, auch nicht bei der Geburt unseres Kindes, und daran halte ich fest. Es wird nichts geschehen. Bitte, lass uns gehen und zusammen unser Kind großziehen, nur wir beide. Das ist es, was ich will.“

Und da veränderte sich Anakins Blick plötzlich. Es war lange Zeit nicht mehr passiert, doch nun waren all die Aggressionen beinah vollends aus seinen Augen gewichen. Aber es hielt nur einen kurzen Augenblick, dann begannen seine Augen wieder kalt zu funkeln.

„Nein! Das glaube ich nicht, Padme!“, rief er und schloss kurz die Augen, während er sich aus ihrem Griff wandte.

 

Er wollte noch etwas sagen, doch Padme unterbrach ihn: „Anakin!“ Die Tränen rannen nun über ihre Wangen, tropften von ihrem Kinn, versickerten in der dunklen Asche zu ihren Füßen, die den Fels bedeckte. Sie sah ihn verletzt an. „Wem vertraust du eigentlich, Anakin? An wen glaubst du? An Palpatine, der die Republik nun schon seit Jahren betrügt, an einen Verräter?! Früher oder später wird er auch dich verraten, denn du bedeutest ihm nichts.“

Sie stockte kurz, ergriff seine Hände. Erschrocken bemerkte sie, dass sie kalt waren, kälter als sonst, trotz der Hitze der Lava um sie herum. Doch sie sah auf und schaute ihn an, sah kurz über sein von Schmerz und Hass, von der Angst und Trauer gefurchtes Gesicht, bevor sie ihm wieder in die Augen blickte.

„Oder an mich, an uns?“, flüsterte sie, „Ich liebe dich, Anakin, und ich will dich nicht verlieren.“

 

Eine schier unendlich lange Zeit stand Anakin vor ihr, seine Hände in den ihren. Er schien zu überlegen, was Padme beinah das Herz brach. Als sie sah, dass er dort stand, und wirklich nachdachte, wirklich zwischen ihr und Palpatine schwankte, schloss sich eine kalte Hand um ihr Herz und ließ sie leise, beinah lautlos keuchen. Anakin hatte sich verändert, sehr verändert. Noch vor ein paar Wochen hätte er ihr diese Frage übel genommen, hätte ihr prompt geantwortet, aber nun blickte er sie an, vollkommen in seine Überlegung versunken, und Padme konnte es einfach nicht glauben. Was war nur mit ihm passiert? Wo war der Mann, den sie so sehr liebte?

Doch dann ganz plötzlich klarte sein Blick auf. Er sah ihr in die Augen und, vollkommen unerwartet, lächelte er.

Er lächelte, was schon seit so langer Zeit nicht mehr vorgekommen war. Beinahe hatte sie vergessen wie es aussah, wenn er sie einfach nur glücklich anblickte. Doch nun tat er es und nichts war mehr in seinen Augen, außer endlosem Vertrauen und der Liebe zu ihr, die stärker war als alles andere.

„An dich, Padme. Ich glaube an dich, und...“, sanft legte er eine Hand auf ihren runden Bauch, „...und an unser Kind.“

 

Padme atmete erleichtert auf. Sie erwiderte das Lächeln ihres Mannes und sah ihn auffordernd an. „Dann lass uns verschwinden, Anakin. Lass uns diesen schrecklichen Ort verlassen.“

Er nickte und wortlos, seine Hand immer noch in der ihren, schritt er voran auf das Schiff zu.

 

 

 

Sie wusste nicht was sie denken sollte. Er war bei ihr, mit ihr auf dem Schiff, und sie flogen fort, weg von allem. Er hatte sich für sie entschieden, für das Kind, gegen die dunkle Seite und gegen den Krieg.

Doch trotz des Glücksgefühls, das sie dauernd aufs Neue überwog, hatte sie Angst. Angst, es könnte doch nicht so werden, wie sie es wollte, Angst, Anakin könnte sich letztendlich doch gegen sie entscheiden. Sie sah auf und blickte ihn an. Er hatte seinen schwarzen Mantel ausgezogen, saß nun an der Steuerkonsole und flog das Schiff. Nichts konnte man ihm ansehen von dem inneren Kampf, den er erst vor einigen Augenblicken hatte ausfechten müssen. Er saß da, wie vor einiger Zeit, in der seine Lieblingsbeschäftigung noch das Zusammenbauen und Reparieren von Droiden und das Fliegen von schnellen Schiffen gewesen war. Wie vor einiger Zeit, bevor all diese schrecklichen Dinge passiert waren, bevor er all dieses Leid angerichtet hatte.

Da wandte er plötzlich den Kopf und blickte Padme an. Er lächelte, sie tat es ihm gleich, und er wandte den Blick wieder hinaus in den Weltraum.

Nein, sie würde es zu verhindern wissen. Jetzt, da sie ihn zurückgewonnen hatte, würde sie ihn nie wieder gehen lassen. Egal wer kommen würde, um ihn zu holen. Das versprach sie ihm und vor allem sich, während sie die Augen schloss und sich zurücklehnte.

 

 

*

 

 

Er fühlte sich plötzlich beobachtet. Ein leichtes Kribbeln im Nacken machte ihn aufmerksam und er wandte sich um. Padme saß ein Stück hinter ihm, an die Wand gelehnt, eine Hand auf dem runden Bauch, und sah ihn an. Wie sie dort so saß, ihn mit ihren braunen, strahlenden Augen fixierend, in denen ein glücklicher, erleichterter Ausdruck lag, war ihm sofort klar, dass er das Richtige getan hatte.

Er lächelte und sie erwiderte sein Lächeln. Er atmete kaum hörbar, glücklich durch und wandte den Blick wieder nach vorn. Kaum hatte er sich wieder auf das Fliegen konzentriert, hörte er hinter sich ein schmerzvolles Keuchen, was ihn zusammenzucken ließ. Er drehte sich erneut ruckartig um und sah zu Padme. Sie krümmte sich auf dem Stuhl, die Augen fest geschlossen, das Gesicht schmerzvoll verzogen.

 

„Padme!“, rief er erschrocken und rannte zu ihr. Kaum war er bei ihr angelangt ließ er sich noch in vollem Tempo neben ihr auf die Knie fallen und ergriff ihre Hand.

„Es fängt an.“, keuchte sie.

Erschrocken sah er sie an. Er hätte sich freuen sollen, doch der Anblick seiner geliebten Frau, die sich unter Schmerzen krümmte, ließen keinen Gedanken an Glücksgefühle.

Es fing an. Nein, er würde sie nicht verlieren, nicht jetzt, nicht hier. Er musste etwas tun. Hilfesuchend blickte er sich um. Er wusste nicht, was er machen sollte. Panik stieg in ihm auf, als Padme plötzlich schrie und die Fingernägel in seine Hand krallte. Er ignorierte den Schmerz und sah sie an, sein Atem ging flach, sein Herz klopfte rasend schnell.

 

Und noch dazu gab die Konsole plötzlich ein Signal.

Er wusste nicht was er sonst hätte tun sollen. Einfach nur neben ihr zu sitzen hielt es nicht auf.

„Halte durch!“, rief Anakin hilflos, wusste nicht, was er sagen sollte, um sie aufzubauen, denn er selbst hätte nun jemanden gebraucht, der ihm half. Seine Stirn schimmerte vor Schweiß, seine Stimme zitterte vor Anspannung.

Anakin sprang auf, wandte sich aus dem Griff seiner Frau und hechtete zur Konsole. Er gab den Kanal frei.

 

„Senatorin Amidala?“, erklang eine vertraute Stimme, „Ist alles in Ordnung?“

Anakin biss die Zähne zusammen, als der Hass ihm die Kehle zuschnürte. Obi-Wan, was tat er hier? Er war anscheinend auf einem anderen Raumschiff in der Nähe, doch wieso? Nie konnte man diesem Jedi aus dem Weg gehen, diesem nervtötenden, arroganten-

„Padme, ich spüre das irgendwas ist. Antwortet!“, erklang Obi-Wans Stimme erneut.

Anakin starrte hasserfüllt auf die Konsole, doch ein weiterer Schrei Padmes ließ ihn zusammen fahren und zur Vernunft kommen. Obi-Wan würde ihm helfen können Padme zu retten, seine eigenen Gefühle für diesen Mann waren im Moment nachrangig.

„Meister“, begann Anakin, „die Wehen haben begonnen. Ich...“, er schluckte, doch riss er sich zusammen, nachdem er einen kurzen Blick auf Padme geworfen hatte, „...ich brauche Eure Hilfe.“

„Anakin?“, fragte Obi-Wan verblüfft.

„Obi-Wan, ich brauche Eure Hilfe, schnell! Zeit für Erklärungen ist später!“, rief Anakin, panisch und zornig zugleich.

„Ja, natürlich, Anakin, ich komme rüber. Ich bin gleich bei euch.“

 

Die Verbindung wurde von Obi-Wan getrennt und Anakin hechtete zu Padme zurück, ergriff erneut ihre Hand. Der Schweiß rann ihr über das Gesicht.

„3PO!“, rief Anakin dem Droiden zu, der so hilflos herum stand, wie Anakin sich fühlte, „bring ein nasses Tuch!“

„Sofort, Meister.“, antwortete C-3PO und lief los.

Anakin sah wieder auf Padme hinab. Diese öffnete die Augen und sah ihn mit schmerzerfülltem Blick an.

„Ich... ich bin bei dir Padme. Es wird alles gut.“, versuchte er sie zu beruhigen. Er musste irgendetwas sagen, um ihr zu helfen. So begann er, doch baute er dadurch genauso sich selbst wie sie auf. „Denk nur daran wie es ist, wenn wir unser Kind zusammen großziehen. Es wird ein Junge, er wird in der Küche sitzen und kleine Raumschiffchen kaputtfliegen.“

Padme musste lachen, doch brachte ihr das nur eine erneute Woge von Schmerz. Sie kniff die Augen zusammen und keuchte, während Anakin ihre Hand noch fester hielt und fortfuhr.

„Oder es wird ein Mädchen. Dann wird sie durch den Garten laufen, in dem wunderschöne Blumen in allen Formen, Größen und Farben blühen, und sie wird mit den Vögeln um die Wette singen. Und dann wird sie eine Politikerin werden und erfolgreich sein, so wie ihre Mutter.“

 

Anakin streckte die Hand aus und strich Padme so zärtlich es mit seinem mechanischen Arm ging eine schweißnasse Haarsträhne aus dem Gesicht. Er blickte sie liebevoll an und wünschte, er könnte ihr den Schmerz abnehmen.

3PO kam zurück und hielt ihm wie gewünscht ein nasses Tuch entgegen. Anakin nahm es ihm ab und legte es Padme sanft auf die Stirn, als plötzlich eine Tür aufging. Anakin hob den Blick und sah, wie Obi-Wan auf ihn zugerannt kam. Er sprang auf und griff reflexartig nach seinem Laserschwert, schnell kam er jedoch zur Vernunft, ließ die Hand wieder sinken.

„Meister, ich... ich brauche eure Hilfe.“, sagte Anakin und biss die Zähne zusammen.

Der Jedi kniete sich neben Padme und legte eine Hand an ihre Wange, sie anblickend. „Padme, hört ihr mich?“

Padme öffnete die Augen und sah ihn erschöpft an. „Obi-Wan...“, hauchte sie.

Er stand wieder auf und sagte knapp an Anakin gewandt: „Sie muss bei Bewusstsein bleiben.“

Anakin nickte und kniete sich wieder neben seine Frau. „Und was tut ihr?“

„Ich fliege uns zur Rebellenbasis.“, antwortete Obi-Wan und setzte sich an die Steuerkonsole.

„Zur Rebell-?!“, rief Anakin zornig, doch Obi-Wan unterbrach ihn.

„Dort kann man ihr am besten helfen und es ist nicht weit entfernt. Über Politik können wir später diskutieren!“

 

Anakin funkelte seinen alten Meister an. Er hatte ja Recht, das war im Moment die vernünftigste Entscheidung. Sie mussten so schnell es geht irgendwohin, wo man Padme helfen konnte, egal wo es war, aber dennoch ärgerte es Anakin. Obwohl er sich gerade eben noch vollkommen panisch Hilfe gewünscht hatte, wollte er Obi-Wan nicht das Kommando überlassen. Um Padmes Willen jedoch sagte er nichts mehr und wandte sich nur wieder seiner Frau zu.

Er würde nicht zulassen, dass sie starb. Nicht jetzt. Nicht nachdem er wieder bei ihr war. Doch wie sollte er ihr helfen? Ihm kam etwas in den Sinn, doch schluckte er schwer. Er hatte nicht gehört, dass jemand so etwas schon einmal versucht hatte. Ein Jedi legte sich mit dem Tod nicht an, das würde ihn umbringen. Doch Anakin konnte nicht dasitzen und zusehen wie Padme langsam ihrem Ende entgegen ging. Und vor allem war er kein Jedi mehr.

 

Er wandte seine Hand aus ihrem Griff und nahm das Tuch, welches sie hatte kühlen sollen, von ihrer Stirn. Es war mittlerweile heiß geworden. Anakin legte die Hand auf ihre vom Schweiß und dem Tuch nasse Stirn und schloss die Augen, während er tief Luft holte. Er konzentrierte sich. Langsam entzog er dem Raum die Macht, ließ dabei seine Kraft in Padme fließen. Er wusste nicht, ob es funktionieren würde, doch konnte er nicht dasitzen und zulassen, dass sie von ihm ging, er musste es einfach versuchen. Immer weiter ließ er seine Kraft in sie fließen. Er vergaß die Welt um sich herum, dachte nur noch an Padme. Er spürte, wie sie stetig stärker wurde. Ein Glücksgefühl breitete sich in ihm aus. Sie starb nicht, er verhinderte es. Immer weiter entzog er sich selbst die Kraft und gab sie ihr, als ihn plötzlich jemand an der Schulter packte und von Padme fortriss.

Anakin öffnete die Augen, als er hart mit dem Kopf auf dem Boden aufschlug. Er sah schemenhaft seinen alten Meister vor sich, der sich über ihn beugte. Anakin wollte Luft holen, doch sein Körper verkrampfte sich schmerzhaft und ließ keine Bewegung mehr zu. Ohnmächtig fiel er in Dunkelheit.



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