Another Path

Teil 2 von 6


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Obi-Wan saß an der Steuerkonsole und hielt weiterhin auf die Rebellenbasis zu. Dies war ihre einzige Möglichkeit, wie Padme geholfen werde konnte.

Doch plötzlich spürte er etwas seltsames, ihm wurde kalt und seine Jedi-Sinne machten ihn auf etwas aufmerksam. Jemand entzog dem Raum mit enormer Geschwindigkeit die Macht. Obi-Wan sah über die Schulter und erkannte sofort was vor sich ging. Schnell sprang er auf und rannte zu Anakin, packte ihn an der Schulter und riss ihn von Padme fort. Diese schlug die Augen auf und sah sich verwirrt um. Ihr ging es also gut. Obi-Wan kniete sich neben Anakin und sah auf ihn herab. Sein ehemaliger Padawan starrte mit glasigen Augen zur Decke, schien nichts mehr wahrzunehmen. Plötzlich verkrampfte er sich. Sein Körper entspannte sich schnell darauf wieder, doch Anakins Augen schlossen sich und sein Kopf rollte zur Seite.

 

„Nein.“, hauchte Obi-Wan und fühlte den Puls Anakins. Er keuchte erschrocken, als er nichts spürte. Doch plötzlich, schwach nur und äußerst unregelmäßig, konnte er spüren, wie das Blut durch seine Adern  gepumpt wurde. Er lauschte auf Atmung, und tatsächlich atmete Anakin, wenn auch nur sehr schwach. Obi-Wan hatte keine andere Wahl. Dies alles würde nicht ausreichen, damit Anakin es bis zur Basis schaffte.

Der Jedi schloss die Augen und legte seinem ehemaligen Schüler die Hand auf die Stirn. Wieder wurde dem Raum Macht entzogen, auf dieselbe Weise. Obi-Wan versuchte den Puls Anakins zu stabilisieren, versuchte seine Atmung aufrecht zu erhalten, so dass er bis zur Rebellenbasis durchhalten konnte. Anakin hatte versucht Padme zu retten und tötete sich dabei selbst, dies konnte Obi-Wan nicht zulassen. Er verspürte den Drang seine ganze Kraft in Anakin fließen zu lassen. Er neigte sich weiter zu ihm herunter und gab ihm immer mehr Kraft, als er plötzlich bemerkte, dass er Anakin gar nicht die Kraft gab, sondern dieser sie sich nahm. Erschrocken versuchte er die Verbindung abzubrechen, doch Anakin ließ nicht los. Panik stieg in dem alten Jedi auf. Er sprang auf und versuchte erneut die Verbindung abzureißen, energischer als vorher, woraufhin Anakin nachgab.

 

Obi-Wan blickte auf seinen alten Schüler hinab, Angst durchflutete ihn. Anakin hätte die Verbindung aufrecht erhalten können, wenn er gewollt hätte, denn er war stärker als sein alter Meister. Er hätte ihn töten können.

Seine Knie gaben unter ihm nach und er fiel zu Boden. Keuchend sah er sich um. Padme lag noch immer auf ihrem Stuhl, mit schmerzverzerrtem Gesicht, jedoch schienen die Wehen im Moment nachgelassen zu haben. Anakin lag direkt vor Obi-Wan, seine Augen waren geschlossen und er sah aus, als ob er lediglich schlief.

Der Jedi rappelte sich auf und ließ sich wieder auf den Stuhl vor der Steuerkonsole fallen. Sie hatten die Basis fast erreicht.

Er gab ein paar Befehle ein, dann lehnte er sich in dem Stuhl zurück und schloss die Augen.

 

Anakin hatte ihn töten können. Warum hat er es nicht getan? Den Hass, den er in der letzten Zeit von seinem ehemaligen Schüler gespürt hatte, war heftig genug gewesen, dass Anakin alles getan hätte, um ihn zu ermorden. Obi-Wan war sich sicher, dass Anakin dies auf Mustafar auch getan hätte, wäre er vor Padme dort gewesen.

Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als das Schiff plötzlich den Hyperraum verließ. Sie hatten die Rebellenbasis erreicht. Sofort versuchte jemand Kontakt aufzunehmen.

„Ich bin Obi-Wan, ich habe Senatorin Amidala dabei. Sie liegt in den Wehen und braucht schnell Hilfe.“, antwortete er auf die Standartfrage.

Er erwähnte Anakin nicht, da er nicht wusste, wie die Rebellen darauf reagieren würden, schließlich war allseits bekannt, dass Anakin sich Palpatine angeschlossen hatte. Wenn sie gewusst hätten, dass Anakin auf dem Schiff ist, hätten sie Obi-Wan vielleicht nicht andocken lassen.

 

Nicht lange und die Tür öffnete sich. Ein paar Rebellen kamen mit den Waffen im Anschlag herein, senkten sie aber, als sie Obi-Wan sahen. Direkt hinter ihnen kam ein Med-Team, das Padme mitnahm.

„Wer ist das?“, fragte einer der Bewaffneten und deutete auf Anakin.

Obi-Wan stand auf. „Das ist Anakin, Anakin Skywalker.“

Der Mann sah ihn erst erschrocken an, beäugte dann misstrauisch den am Boden Liegenden.

„Er braucht ebenfalls dringend medizinische Hilfe.“, fuhr Obi-Wan fort.

Der Soldat kontaktierte über Com sofort jemanden und kurz darauf wurde auch Anakin vom Schiff gebracht. Obi-Wan sah ihm besorgt nach, dann versuchte er ihm zu folgen, doch Anakins Rettung hatte ihm zu viel Kraft gekostet. Beinah stolperte er, konnte sich aber gerade noch fangen.

„Könnte mir bitte jemand helfen?“, fragte er freundlich an die Soldaten gewandt.

Einer der Soldat sprang vor und stütze den Jedi, und langsam verließen sie das Schiff.

Obi-Wan wurde zu Anakin und Padme geführt, die in zwei Räumen direkt nebeneinander lagen. Die Räume hatten Glasfenster, wodurch Obi-Wan beide beobachten konnte. Anakin schlief weiterhin friedlich, während dessen Frau immer und immer wieder unter Schmerzen aufschrie.

 

„Dich es hat viel Kraft gekostet, ich spüre.“, hörte Obi-Wan plötzlich neben sich eine wohlbekannte Stimme.

„Yoda!“, erwiderte er erfreut. Er war glücklich den alten Jedi zu sehen, der ihm nun beiseite stehen konnte. Er brauchte dringend den Rat des weisen Jedi.

„Ja, es ist etwas... etwas passiert, was ich nicht erwartet hatte.“, antwortete er.

„Der junge Anakin verführt von der dunkle Seite, er wurde. Doch, was er hier tut?“

Obi-Wan blickte seinen alten Freund an. Er nickte und begann dann zu erzählen, was passiert war, nachdem er Padmes Schiff gefunden hatte.

 

Yoda nickte nach der Erzählung nachdenklich und schwieg vorerst, wie er es immer tat.

„Es mich sehr freut, dies zu hören.“, antwortete Yoda und blickte zu Anakin, „Der junge Skywalker nicht endgültig auf dem Pfad zur dunklen Seite er sich befindet, wie es scheint. Ja, ja, sehr gut.“

Obi-Wan schwieg. Es war wahr, dass Anakin ihn nicht getötet hatte, dass er von sich aus die Verbindung abgebrochen hatte, doch zur guten Seite der Macht war er nicht zurückgekehrt, da war Obi-Wan sich sicher.

Ein Schrei ließ ihn aufschrecken. Padme stöhnte unter Schmerzen auf. Die Geburt hatte begonnen. Plötzlich sah er wie Anakin sich im Nebenzimmer aufrichtete und aus dem Bett stieg. Schwankend blickte der junge Mann sich um. Ein erneuter Schrei ließ Anakin zusammenzucken, doch er lief sofort zielstrebig los.

 

Obi-Wan stand auf und ging ihm entgegen.

„Anakin, du bist zu entkräftet, um-“

„Lasst mich durch!“, rief Anakin gereizt und schob Obi-Wan energisch beiseite, heftiger als der Jedi es erwartet hatte. Obi-Wan ließ sich wieder neben Yoda auf den Stuhl sinken und seufzte resignierend, erschöpft, während Anakin in Padmes Raum stürmte, sich neben ihrem Bett auf die Knie fallen ließ und eine ihrer Hände in die seinen nahm.

„Ich nehme an er der Vater ist?“, fragte Yoda plötzlich.

Obi-Wan nickte nur, woraufhin der alte Jedi-Meister ebenfalls seufzte und nachdenklich die Stirn runzelte.

Anakin kniete neben Padme, flüsterte ihr ununterbrochen etwas zu, während sie keuchend ihr Kind gebar. Ein plötzlicher, heiserer Babyschrei ließ Obi-Wan erleichtert aufatmen, doch verwirrt sah er, dass Padmes Schmerzen nicht nachließen. Anakin nahm das Baby in die Arme, blieb aber bei seiner Frau und redete weiter auf sie ein. Nach kurzer Zeit ertönte ein weiterer heiserer Schrei. Padme hatte gerade Zwillinge geboren.

 

 

*

 

 

Ein unglaubliches Glücksgefühl überwog Anakin, als er die zwei Babys sah, den Jungen in seinen Armen, das Mädchen in Padmes. Und am wundervollsten war es sie zu sehen, wie sie glücklich auf ihr Kind hinabblickte, nun von den Schmerzen befreit. Anakin konnte es kaum glauben. Ihre Kinder waren gesund, ihnen allen ging es gut und er hatte Padme nicht sterben lassen. Sie lebte und sie war bei ihm.

Jetzt plötzlich, als die Anspannung von ihm abgefallen war, spürte er erst wie erschöpft er eigentlich war. Doch er blieb bei seinen Kindern, seiner Frau, und fragte sie glücklich: „Hast du dir eigentlich schon Gedanken über Namen gemacht?“

 

Padme wandte den Blick von dem Neugeborenen in ihren Armen ab und lächelte ihn an.

„Ich dachte an Leia und Luke.“

Anakin nickte und sah auf das Bündel in seinen Armen hinab. „Luke...“, er lächelte, „Ja, Leia und Luke...“

Überglücklich lehnte er sich zu seiner Frau vor und küsste sie.

„Anakin, ich bin so glücklich, dass-“, begann Padme, doch brach dann ab.

„Dass, was, Padme?“, fragte Anakin lächelnd.

„Dass...“, Padme schien kurz nachzudenken, „...dass die Kinder gesund sind und alles gut ist.“

Sie hatte eindeutig erst etwas anderes sagen wollen, doch Anakin fragte nicht weiter nach. Zeit dafür würde später sein. Er wollte seiner Frau jetzt Ruhe gönnen und sie nicht ausfragen.

„Du solltest dich ausruhen.“, flüsterte Padme, „Ich komme schon allein klar.“

„Ich will bei dir bleiben, ich ka-“, begann er, doch sie unterbrach ihn lächelnd.

„Anakin, sei vernünftig. Du brauchst jetzt Ruhe.“

Anakin grinste. „Du hörst dich an wie Obi-Wan damals.“ Der Gedanke an Obi-Wan ließ in ihm wieder Zorn aufsteigen, doch er versuchte ihn zu unterdrücken. Er lächelte seine Geliebte weiter an, küsste sie zärtlich und stand auf. Nachdem er noch einen Blick auf Leia geworfen, Luke noch einmal sanft gestreichelt hatte, übergab er den Kleinen der Hebamme und schleppte sich in seinen Raum.

 

Er kam an Obi-Wan und Yoda vorbei. Den Blick gesenkt ging er an ihnen vorüber, wortlos. Er wusste nicht was er hätte sagen sollen. Der Hass gegen sie brodelte immer noch sehr stark in seinen Adern und er hätte sich dadurch sicher falsch verhalten. Seine Zeit bei Palpatine war erst seit gestern vorüber. Er hatte seinem Zorn immer freien Lauf gelassen, so wie der Kanzler es ihm gesagt hatte; er hatte seinen Hass nie zurückgehalten. Und nie hatte er darauf achten müssen wie er sich verhielt, Moral war für Sidious ein Fremdwort. Doch nun wieder seine Gefühle kontrollieren zu müssen, von einem auf den anderen Tag, fiel ihm äußerst schwer.

So musste er all seine Kraft anstrengen nicht jeden Augenblick auszurasten und seinem Zorn zu folgen.

 

Die Zeit war in diesem Sinne befreiend gewesen, doch auf der anderen Seite war es eine grausame Zeit gewesen. Jede Nacht wieder hatte er Alpträume von Padme gehabt, die von Tag zu Tag schlimmer wurden, ist nicht selten schreiend aus dem Schlaf hochgefahren, schweißnass und tränenüberströmt.

Und dazu hatte er die Jedi verraten, alle, die an ihn geglaubt hatten. Obi-Wan, Yoda, Windu. Nun schmerzte ihn der Gedanke an sie, obwohl der Zorn immer wieder aufs Neue in ihm aufstieg. Mittlerweile schämte er sich für das, was er getan hatte. Er war nicht stark genug gewesen all dem zu wiederstehen, all seinen Gefühlen; der Angst vor Padmes Tod, den Zorn über Obi-Wan, die Enttäuschung gegenüber dem Rat, der ihn angestiftet hatte den Kanzler auszuspionieren.

Doch er hatte nun verstanden, dass er im Unrecht gewesen war. Die Jedi hatten nicht versucht die Herrschaft über die Republik zu gewinnen, wie sollten sie auch? Dies war nicht der Weg der Jedi.

 

Schwer atmend ließ sich Anakin auf seinem Bett nieder und legte sich hin. Er starrte an die Decke, die weiß war, so wie der gesamte Raum. Er spürte, dass Obi-Wan, der draußen auf dem Gang saß, ihn beobachtete. Anakin drehte sich auf die Seite, mit dem Rücken zu seinem alten Meister.

Ein solches Glücksgefühl durchströmte den jungen Vater, dass er auf der Stelle hätte loslachen können: Padme lebte, die Kinder waren gesund, die Welt schien nicht schöner sein zu können.

 

Doch auf der anderen Seite musste er auch wieder an all die Jedi denken. Die Jedi, die gestorben waren auf den Befehl seines neuen Meisters hin. An die Jünglinge, die er eiskalt abgeschlachtet hatte. Er sah die weit aufgerissenen Augen der Kinder vor sich, die nicht verstanden hatten, was er tat. Er spürte regelrecht ihre Angst.

Und besonders den Blick eines Jungen konnte er nicht vergessen. Obwohl er so jung gewesen war, hatte er verstanden was geschah, er hatte verstanden, dass er sterben würde. Auch ihm war die Angst ins Gesicht geschrieben gewesen, doch vor allem hatte in seinem Blick etwas anderes gelegen. Der Vorwurf. All die Kinder hätten Anakin nichts anhaben können, und dennoch hatte er sie alle getötet, und dieser Junge schien das gewusst zu haben.

Anakin schloss die Augen um das Bild dieser großen, braunen Kinderaugen aus seinem Kopf zu vertreiben, erfolglos. Eine leise Träne rann seine Wange hinunter. Diese Augen erinnerten in so sehr... sie erinnerten ihn so sehr an die Augen Padmes, und er konnte einfach nicht den Gedanken ertragen, dass seine Frau wusste was er getan hatte. Sie wusste es, und dennoch vergab sie ihm.

Dafür liebte er sie so sehr.

 

 

 

Anakin schlug die Augen auf. Er musste wohl eingeschlafen sein.

Er schloss die Augen wieder und seufzte kaum vernehmlich. Es war die erste Nacht seit langem gewesen in der er hatte vernünftig schlafen können, ohne Alpträume. Er lauschte. Alles schien ruhig zu sein, nur leise Schritte hörte man weit entfernt, hin und wieder Türen die auf. Und jemand atmete leise neben ihm.

Anakin schlug die Augen wieder auf und sah sich um. Obi-Wan saß neben ihm, das Kinn auf die Brust gesunken, die Arme überkreuzt, schlafend. Anakin beobachtete ihn. Sein Meister hatte ihm so viel beigebracht, beinah alles, was er wusste. Damals hatte er immer geglaubt Obi-Wan würde ihn zurückhalten, würde nicht wollen, dass er so schnell lernte, als ob er Angst gehabt hätte er würde sich eines Tages nicht mehr mit seinem Schüler messen können. Doch so war es nicht gewesen. Obi-Wan hatte einfach immer nur versucht ihn auf den richtigen Weg zu lenken, aber dies hatte Anakin nicht verstanden. Er hatte immer mehr Zorn aufgebaut, Frust, sodass er anfing Obi-Wan zu verabscheuen. Doch eigentlich war Obi-Wan ihm wie ein Bruder, wie ein Vater. Wie konnte er jemals gedacht haben sein Meister wollte nicht, dass er Erfolg hat, wollte nicht, dass er stark und ein guter Jedi wird?

 

Anakin hatte sich so oft falsche Dinge eingeredet, dass es für ihn nun schwer war seine Gefühle und Gedanken im Griff zu halten. Der Hass, dem er noch vor ein paar Tagen freien Lauf gelassen hatte, drohte ihn zu überwältigen und Anakin musste mit all seiner Willensstärke gegen ihn ankämpfen. Er atmete tief durch und dachte an damals, als er noch Padawan war. Er dachte daran, wie oft er Obi-Wan schon das Leben rettete und musste lächeln. Trotz all dem Frust, den er in dieser Zeit gegen seinen Meister aufgebaut hatte, war es eine schöne Zeit gewesen, ohne die Sorgen, die er nun hatte.

 

Anakin fuhr aus seinen Gedanken hoch, als Obi-Wan sich plötzlich bewegte. Der Jedi hob den Kopf und streckte den Rücken, während er murmelnd darüber fluchte, dass er eingeschlafen war. Jäh verstummte er jedoch, als er bemerkte, dass Anakin ihn beobachtete.

„Oh, Anakin.“, sagte Obi-Wan, „Du bist wach.“

Er räusperte sich und ein Anflug von höflichem Lächeln lag um seine Lippen.

„Guten Morgen.“, erwiderte Anakin und versuchte seine Gefühle durch ein Lächeln zu überspielen.

„Ich...“, begann Obi-Wan, stockte jedoch unsicher, bevor er erneut anfing, „Ich... wollte mit dir reden.“

Anakin setzte sich langsam auf, schwang die Beine aus dem Bett. Er stützte sich ab, noch immer entkräftet vom vorherigen Tag, und blickte den Jedi stumm an. Selbst, als dieser Mann noch sein Meister gewesen war, hatte Obi-Wan fast nie über solch ernste Dinge mit ihm sprechen wollen, wie er es nun zweifellos vorhatte. Er hatte es einfach nicht gekonnt. Obi-Wan teilte niemandem mit, was er dachte, oder was ihn plagte. Anakin war erstaunt, dass sein Meister so schnell das Gespräch mit ihm suchte.

 

„Ich... es ist so: Gestern auf dem Schiff...“ Obi-Wan stockte, dachte nach wie er beginnen sollte, und fuhr dann fort, ohne jegliche Umschweife, „Auf dem Schiff, während der Verbindung... Du hättest sie aufrecht erhalten können, wenn du es gewollt hättest. Ich weiß nicht, warum du es nicht getan hast, aber dafür... dafür danke ich dir.“

Vieles hatte Anakin erwartet, doch nicht das. Er war etwas verwirrt, schließlich bedankte Obi-Wan sich dafür, dass er ihn nicht umgebracht hatte. Er senkte den Blick, dachte kurz nach, holte tief Luft und blickte seinen alten Meister erneut an.

„Bei mir braucht ihr euch sicher nicht zu bedanken.“, begann er langsam, „Wenn es jemand ist, dem ihr danken solltet, dann ist es Padme.“

Obi-Wan sah seinen ehemaligen Padawan etwas verwirrt an, Anakin fuhr fort.

„Padme hat mir die Augen geöffnet. Sie sagte mir auf Mustafar, ihr sorgtet euch um mich. Ich habe es nicht geglaubt. Doch als ihr auf dem Schiff die Verbindung abzubrechen versuchtet, konnte ich eure Angst spüren. Jedoch nicht nur eure Angst, sondern auch der ehrliche Wunsch mir zu helfen. Hätte Padme mir nicht gesagt, dass es so ist, ich hätte eure Gefühle nicht richtig zu deuten gewusst, ich hätte euch nicht losgelassen... Padme ist es, bei der ihr euch bedanken solltet.“

Anakin machte eine Pause.

Obi-Wan sah ihn an, blickte in seine Augen und er verstand, warum Anakin wieder auf dem Weg zurück zur hellen Seite der Macht war.

„Doch bin ich es, der zu Dank verpflichtet ist.“, fuhr Anakin fort, „Ihr habt mir das Leben gerettet. Ich hätte mich beinah umgebracht bei dem Versuch Padme zu retten. Dafür danke ich euch.“ Anakin begann zu grinsen. „Jetzt schuldet ihr mir noch 9 Rettungen.“

Obi-Wan lachte auf. „Nein, 8. Das auf Cato Neimoidia zählt nicht. Das habe ich dir doch schon öfter gesagt!“

 

Anakin lachte ebenfalls.

Ja, die Gedanken an Palpatine würden vergehen, es würde alles werden wie zuvor, fast alles. Er bemerkte eine Gestalt außerhalb seines Raumes. Er wandte den Kopf und erblickte Padme, die die beiden Kinder im Arm hatte. Auch Obi-Wan sah sie nun und lächelte. „Geh nur, Anakin.“

Anakin nickte ihm zu, stand auf und lief hinaus zu Padme. Glücklich sah er sie an, wie sie die Babys hin und her wiegte, ihre braunen, sonst so perfekt hergerichteten Haare ihr wirr über die Augen hingen, diese braunen, tiefen Augen, die vor lauter Glück strahlten. Er seufzte und schritt auf sie zu. Wortlos küsste er sie und blickte auf Luke und Leia hinab. Leia schlief, doch Luke musterte seinen Vater aufmerksam, seine großen, blauen Augen wichen nicht vom Gesicht seines Vaters, in dem das Glück geschrieben stand, auch wenn es von den vergangenen Tagen gezeichnet war. Anakin strich seinem Sohn sanft über den Kopf, blickte dann wieder auf und sah Padme an.

 

„Wie geht es dir, mein Schatz?“, fragte er lächelnd.

„Es könnte nicht besser sein.“

Sie erwiderte sein Lächeln, drückte ihm Luke in die Arme und deutete Anakin mitzukommen. Sie liefen einige Gänge entlang und erreichten nach einiger Zeit eine Tür, durch die Padme trat.

„Unser Zimmer.“, erklärte sie.

Anakin sah sich um. Sie standen in einem großen, hellen Raum, an der einen Wand stand ein großes Bett, an der anderen ein Tisch und mehrere Stühle. Der Raum war sehr schlicht, ohne jeglichen Schmuck, was Anakin gefiel.

„Padme...“, begann er, als ihm ein Gedanke kam.

„Ja?“ Sie ließ sich langsam aufs Bett sinken, wobei sie den Blick nicht von Leia ließ, die friedlich in ihren Armen schlummerte.

„Du sagtest Obi-Wan weiß von... von uns.“

Sie nickte. „Er wusste es schon lange.“

Anakin setzte sich neben sie und blickte sie an. „Dann wird es Meister Yoda auch wissen.“ Er seufzte leicht, strich Luke über die blonden, weichen Haare. „Was glaubst du, was sie tun werden?“

„So viel werden sie gar nicht tun können.“, erwiderte Padme, „Sie werden uns nicht trennen können, selbst wenn sie es wollten, was aber nicht der Fall ist. Da bin ich mir sicher. Und ob sie dich aus dem Orden ausschließen werden... Ich weiß es nicht. Es gibt nurnoch so wenige Jedi, dass jeder einzelne, der nun den Orden verlässt, ein großer Verlust ist. Du solltest vielleicht einfach noch einmal mit Meister Yoda sprechen.“

 

Bei der Erwähnung des Verlustes, den der Orden hatte hinnehmen müssen, senkte Anakin den Blick. Er wusste nur von drei Jedi, dass sie das Gemetzel überlebt hatten: Meister Yoda, Obi-Wan und er selbst. Doch dass die beiden ihn wirklich weiterhin als Jedi akzeptieren würden, bezweifelte er. All die Jedi waren getötet worden, die Padawane, die Jünglinge. Er glaubte nicht, dass er Yoda noch einmal unter die Augen treten könnte, nach allem was er getan hatte, und besonders nach Windus Tod.

Dies war etwas, was ihm schon die ganze Zeit nicht mehr aus dem Kopf ging. Es schmerzte ihn, der Gedanke an den Meister, und das Schuldgefühl lastete grausam schwer auf ihm.

„Anakin, was ist?“, fragte Padme etwas verwirrt, als die sah, wie er in Gedanken versunken zu Boden starrte.

„Ich glaube nicht, dass ich es schaffe mit Yoda zu reden.“, antwortete er offen.

Sie blickte ihn weiterhin fragend an, doch er schwieg. Anakin übergab ihr wieder Luke und stand auf. Er schritt zum Tisch, nahm seinen Mantel ab und warf ihn über einen Stuhl, bevor er sich das Glas Wasser nahm, welches auf dem Tisch stand. Er drehte sich um und blickte wieder Padme an, die noch immer wortlos auf dem Bett saß und ihn beobachtend auf eine Antwort wartete.

Anakin hatte sich geschworen Padme nie wieder anzulügen, ihr nie wieder etwas vorzuenthalten. So holte er tief Luft.

 

„Ich habe ihn umgebracht, Padme. So wie die Jünglinge. Ich habe ihn ermordet...“

Anakin erschrak selbst als er hörte, wie hart seine Worte klangen, doch er brach nicht ab. Er musst es Padme erzählen. Er wusste, sie hatte ihm zwar das mit den Jünglingen verziehen, doch Windus Tod war etwas anderes. Er wünschte nur, dass sie es ihm auch verzeihen würde, auch wenn er es gar nicht verdient hatte.

„...genauso wie einige Padawane von Meistern, denen ich noch vor einer Zeit mein Leben anvertraut hätte, habe ich ihn einfach umgebracht!“

Anakin ließ sich wieder neben Padme aufs Bett sinken und stütze schwer den Kopf in die Hände. Er versuchte ruhig zu Atmen, doch ein Kloß bildete sich in seiner Kehle und ließ ihn nur unruhiger werden.

Er merkte wie unangenehm Padme dies alles war, doch seine Frau lehnte sich zu ihm herüber, die Babys hatte sie in die Wiegen neben dem Bett gelegt. Sanft legte sie ihm eine Hand auf den Rücken und blickte ihn an, während sie ihn mit leiser Stimme fragte: „Wen meinst du?“

„Windu!“, schrie er, seine Gefühle übermannten ihn und er sprang auf, „Meister Windu!“

„Mace Windu wurde von Sidious ermordet.“, begann Padme verwirrt, doch zugleich etwas erschrocken über Anakins plötzlichen Gefühlsausbruch.

Aber er unterbrach sie, immer noch schreiend. „Nein, Padme. Nein, das wurde er nicht! Ich habe ihn umgebracht, ich-“

 

Die Tränen stiegen ihm in die Augen. Vor ein paar Tagen noch hatte er dies für richtig empfunden. Er hatte gedacht es sei richtig die Jedi zu töten, da sie dem Wohl der Republik im Wege standen. Doch nun schämte er sich beinah dafür, für seine Dummheit. Dafür, dass so viele durch ihn den Tod gefunden hatten und all dies ein Fehler gewesen war.

„Ich bin Schuld an seinem Tod.“, endete Anakin mit zitternder Stimme, eine Träne lief ihm über die Wange. Er ließ sich an der Wand hinab zu Boden sinken, ließ den Kopf hängen und starrte zu Boden, bevor er das Gesicht in den Händen vergrub, um seine Gefühle zu verdecken.



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