Der Schmetterling

Teil 1 von 7


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





1.

Schiffbrüchig

 

Nachdenklich sah Obi-Wan Kenobi zu, wie Anakin aus der fast völlig zerstörten Transportereinheit kroch und sich den Staub von der Robe wischte.

 

"Nichts mehr zu machen, Meister", berichtete er und hob ein Überlebenspack und warf es seinem Lehrer zu.

 

"Wir werden Hilfe suchen", entschied der Jedi-Meister, schulterte sein Überlebenspack und wandte sich in Richtung der Stadt am Horizont.

 

Der Weg war weit, vermutlich kaum vor Einbruch der Nacht zu bewältigen und auch die dornige Vegetation des Steppenplaneten würde den Marsch nicht erleichtern.

 

Anakin trat neben ihn und gemeinsam machten sich die beiden Jedi auf den Weg.

"Denkt Ihr, man wird uns in der Stadt helfen?“ fragte sein Schüler zweifelnd und Obi-Wan nickte ruhig.

 

"Die Jedi sind auch im Outer Rim bekannt. Für ausreichend Credits wird irgendjemand uns helfen, eine Passage nach Coruscant oder wenigstens an eine funktionierende Kom-Station zu gelangen."

Er spürte Anakins Zweifel, ging jedoch nicht darauf ein. Er erinnerte sich noch gut an sich selbst im Alter des Padawans.

 

"Können wir unseren Auftrag in dieser Stadt erfüllen, Meister?"

 

"Der Rat der Jedi und der galaktische Senat sind sich darin einig, dass Tranat ein wertvoller Gewinn für die Republik sein könnte; die Macht ist stark hier und an den Polen des Planeten gibt es große Treibstoffvorkommen; die Regierung konzentriert sich in der einzigen Stadt und die liegt vor uns- vorausgesetzt, man kann bei einer Stadt voller Krimineller von einer Regierung sprechen."

 

Sein Schüler warf ihm einen verschmitzten Blick zu. "Ein einfaches Ja hätte genügt."

 

"Ein einfaches Ja", gab der Jedi zurück und warf einen aufmerksamen Blick auf die Stadt in der Ferne. Irgendetwas daran war seltsam, doch es war ihm nicht möglich, genau zu benennen, was das schleichende Gefühl von dunkler Vorahnung in ihm weckte. Er glaubte, Qui-Gons ruhige Stimme zu hören, die ihn zurechtwies, er solle sich auf das Hier und Jetzt besinnen und verdrängte die vagen Befürchtungen.

Dafür blieb ihnen genug Zeit, wenn sie ihnen gegenüberstanden.

 

 

 

 

 

Die Stadt machte einen überaus eigenwilligen Eindruck auf den Jedi-Meister. Weder Wachen, noch Mauern oder Waffen bewachten den Zugang, übergangslos direkt in der Savanne erhoben sich die selbst vor der einsetzenden Nacht dunklen Gebäude. Dunkle Gestalten duckten sich in Straßen, die von hohen, bedrohlich wirkenden Häusern aus kantigem Metall gebildet wurden, die wie sie selbst Kapuzenmäntel trugen und somit eine Masse schufen, in der sie sich problemlos verbergen konnten.

 

Dennoch achtete Obi-Wan sorgsam darauf, keinem der Bewohner zu nahe zu kommen, so lange sie nicht wussten, an wen sie sich wenden mussten.

 

Je weiter sie sich dem Stadtzentrum näherten, umso mehr Anwohner begegneten ihnen, formten letztendlich beinah einen Strom, in dem sie mitgerissen wurden.

Vereinzelte Lampen brannten an den Außenseiten der Häuser und direkt neben der Straße, ihr Licht tauchte die abweisende Stadt in ein gespenstisches Flackern.

 

Die gewaltige Menge an Einwohnern strebte auf eine Art Markt zu, die aus kreisförmig aufgestellten Ständen bestand, in deren Mitte sich gestapelte Säcke, Kisten, Bündel und Kartons stapelten, umgeben von den Händlern, die hinter ihren Verkaufsstellen standen. Die Anwohner waren ausgegrenzt und drängten sich um rücksichtslos gegen Tische oder in die entgegen gesetzte Richtung, um zu bekommen, was sie wollten.

 

"Was für eine seltsame Art zu leben", fand Anakin und warf einen abgestoßenen Blick auf zwei Männer, die einem dritten seine Einkäufe raubten.

 

"Ihre Art, auf das knappe Angebot zu reagieren. Sei auf der Hut, wir wollen nicht auffallen."

 

Sein Padawan nickte und folgte ihm durch die dichte Menge.

 

Aufmerksam sah Obi-Wan sich um, auf der Suche nach jemandem, der aus der Masse heraus stach, der ihnen auf ihrer Suche nach der Regierung weiterhelfen konnte. Nach einigen Augenblicken seufzte er und schüttelte den Kopf. Unmöglich, innerhalb dieser Menge nach den subtilen Anzeichen höhergestellter Anwohner zu suchen.

 

Unauffällig wies er auf einen Platz auf der anderen Seite des Marktes. "Lass uns dort hinübergehen", murmelte er und setzte sich in Bewegung.

 

"Habt Ihr jemanden entdeckt, Meister?"

 

Obi-Wan gestattete sich ein schwaches Lächeln und schüttelte den Kopf. "Nein, aber vielleicht können wir von dort aus sehen, was wir hier nicht sehen können."

 

Sein Padawan nickte gehorsam und folgte ihm.

 

Ihr Weg führte sie direkt an dem Kreis der Händler entlang; zahllose rigorose Menschen drängten sie in die Richtung, in die sie strebten, obgleich die Jedi sich direkt in die entgegen gesetzte Richtung zu bewegen versuchten. Konzentriert sah Obi-Wan auf, versuchte eine Stelle des überfüllten Platzes auszumachen, an der sie sich orientieren konnten und erspähte schließlich einen schmalen, freien Flecken festgestampfter Erde, der von der Masse umgangen wurde.

 

"Anakin, dort entlang!“ raunte er seinem Schüler durch das Getümmel zu und wandte sich ohne Hast ein wenig zur Seite, sodass sie trotz der starken Strömung der Menge den freien Platz erreichen konnten.

Einige Meter von seinem Ziel, das sich um nur wenige Schritte verschoben hatte, stellte er fest, dass sich Anakin nicht mehr in seiner Nähe befand. Augenblicklich griff er mit der Macht hinaus, versuchte, innerhalb der auf diesem kleinen Ort konzentrierten Individuen die Machtsphäre seines Schülers auszumachen, scheiterte jedoch.

"Anakin!“ rief er, die selbst erlegte Vorsicht ignorierend, doch der Padawan antwortete nicht. Beunruhigt sah der Jedi-Meister sich um und entdeckte seinen Schützling schließlich ein kurzes Stück vor sich, nur mehr wenige Meter von seinem Ziel entfernt, jedoch gleichzeitig fest eingeschlossen von der ihn umgebenden Menge.

Eilig beschleunigte Obi-Wan seine Schritte und erreichte seinen Schüler nur eben rechtzeitig, um zuzusehen, wie er von der Masse freigegeben und auf die wenige Quadratmeter große freie Fläche geworfen werden; direkt auf eine verhüllte Gestalt zu, die vor einem der Händler stand.

Flüchtige Neugier ergriff von dem Jedi Besitz, als er spürte, dass nicht der Stand oder der Händler von den Menschen gemieden wurden, es war der in einen langen dunklen Mantel gekleidete Käufer, dem sie auswichen.

 

Anakin fiel gegen die mysteriöse Gestalt, während Obi-Wan noch mit der Umklammerung der Menschen kämpfte, fing sich einen Schlag ein, der so schnell vorgebracht wurde, dass er mehr einem Reflex als einem Angriff glich, und riss seinen Angreifer samt eines hellen Leinenbeutels, der offensichtlich gefüllt war, zu Boden.

 

Reifes Obst fiel heraus und zerplatzte auf dem lehmigen Boden, während der Außenseiter auf diesem Marktplatz sich von Anakin befreite. Auch Obi-Wan hatte nun die am Boden Liegenden erreicht und warf einen flüchtigen Blick auf die zerquetschten Früchte. Er zog einen Einhundert-Kredit-Chip aus der Tasche.

 

"Entschuldigt bitte, das..."

 

Er hielt inne, als er einen Blick auf das Gesicht unter der Kapuze erhaschte und darunter nicht die erwarteten, harten Züge fand. Türkisgrüne Augen, über die sich leuchtend violette Haarsträhnen ringelten, sahen zornig zu ihm auf.

 

Obi-Wan warf einen raschen Blick auf Anakin und streckte die Hand aus. "Bitte entschuldigt. Wir werden beim nächsten Mal besser acht geben."

 

Ihr intensiver Blick blieb auf ihm liegen, wanderte hinab zu seiner Hüfte und richtete sich voller Hass auf das Geld in seiner Hand, als er das Lichtschwert unter seinem Mantel verbarg. Von einem Moment auf den anderen sprang sie auf, ohne seine Hand auch nur zu beachten.

"Noch einmal das gleiche", wandte sie sich an den Händler vor ihr, der augenblicklich von seinem derzeitigen Kunden abließ und hastig ihrer Bestellung nachkam.

 

Schnell zog Obi-Wan seinen verlegenen Padawan auf de Füße und trat an die Seite der nun wieder unter ihrem Kapuzenmantel verborgenen Frau.

"Verzeiht bitte, aber wir brauchen Eure Hilfe. Wir können dafür bezahlen."

 

Ohne sich von der Stelle zu bewegen wandte sie das Gesicht und sah ihn an, die Augen so voller eiskaltem Hass, dass er unwillkürlich zurückwich.

"Hilfe?“ fragte sie voller Verachtung und bezahlte ihren Einkauf, bevor sie sich zu ihm umdrehte. "Die einzige Hilfe, die ich Euch geben könnte, Jedi, wäre, Euch zu töten. Und selbst das seid Ihr mir nicht wert."

 

So überraschend schnell, dass selbst der Jedi-Meister seine Hand nicht schnell genug zurückziehen konnte, schlug sie gegen seinen Arm und warf den Credit-Chip davon.

Ohne ein weiteres Wort wandte sie sich ab und verließ den übervölkerten Platz durch eine Gasse, die sich ebenso schnell hinter ihr schloss, wie sie sich vor ihr bildete.

 

Nur eine Sekunde später waren Obi-Wan und sein Padawan aufs Neue umgeben von lärmenden Menschen, die versuchten, ihre Einkäufe zu erledigen.

Nachdenklich sah der Jedi der dunkel verhüllten Gestalt innerhalb eines kleinen leeren Kreises in der Menge nach. Sie hätte ihnen helfen können, doch aus irgendeinem Grund hatte ihr Hass sie davon abgehalten. Woher hatte sie gewusst, dass er ein Jedi war? Selbst auf Coruscant erkannten nur wenige Menschen Jedi, wenn sie ihnen begegneten. Doch auch wenn nur sie sein Lichtschwert identifizieren konnte, war ihre Anonymität von nun an gefährdet.

Seufzend wandte er sich wieder der Masse zu, um darin jemanden zu finden, der ihnen bei ihrer Mission half.




2.

Jialga

 

Es dauerte nicht lange, die gewünschte Wegbeschreibung zu bekommen, die bunten Creditchips, die schneller den Besitzer wechseln, als diese die unvermutete Geldquelle weitergeben können, sprachen eine deutliche Sprache.

Immer mehr offenbarte sich der Charakter der vorherrschenden Gesellschaft; Korruption und offensichtlich illegale Wege, dennoch waren überraschend viele Wookiees anwesend.

 

Irgendetwas auf diesem Planeten war seltsam, und Obi-Wan hätte gerne gewusst, was es war.

Doch der Marsch durch die Wüste war anstrengend gewesen, die lange Suche in der Stadt hatte sowohl den Jedi-Meister als auch seinen Schüler erschöpft, obgleich Anakin sich seine Müdigkeit nicht anmerken ließ.

"Wir sollten besser gehen", schlug Obi-Wan vor und warf einen kritischen Blick auf die Datenfolie in seinen Händen.

Die beiden Jedi folgten ihr unauffällig dem Tempo der Menge angepasst durch die dunklen Gassen der Stadt, bis sie schließlich vor einem dunklen, abweisenden Gebäude warteten.

"Unser Hotel", stellte der Jedi-Meister fest und schob die zerknitterte Folie in seine Tasche.

 

"Auch nicht schlechter als die Schlammgruben auf Klit'na An", stellte Anakin schief grinsend fest und sah Obi-Wan gleich an der hohen Fassade empor.

"Denkt Ihr, wir finden hier die Regierung des Planeten, Meister?"

 

"Nein, aber vielleicht finden wir hier jemanden, der uns zur Regierung bringen kann."

 

"Wenn Ihr meint." Die Skepsis in seiner Stimme war deutlich hörbar, doch Obi-Wan verzichtete darauf, den jungen Padawan zurechtzuweisen.

 

Entschlossen streckte der Meister die Hand aus und schlug gegen die Tür.

"Macht auf!"

 

Eine schmale Luke, die sich nahtlos in das umliegende Metal einfügte, wurde geöffnet und misstrauische, gerötete Augen spähten angestrengt in die nur von flackerndem Licht durchbrochene Finsternis.

"Was wollt Ihr?"

 

"Wir möchten den Hutten Jialga sprechen; wir haben ihm ein Angebot zu machen."

 

"Wer seid Ihr?"

 

"Händler, auf der Suche nach einem guten Geschäft." Er ließ eine berechnete Pause verstreichen. "Und wir kommen nicht mit leeren Händen." Er hob einen Credit-Chip weit genug, um ihn in der Dunkelheit aufblitzen zu lassen, gleichsam dem gierigen Funkeln in den Augen des Wächters.

 

"Wartet einen Augenblick", beschied sie die körperlose Stimme und verschwand augenblicklich.

 

"Was denkt Ihr, Meister?“ fragte Anakin angespannt und sah sich aufmerksam um.

 

"Ich denke, wir sind hier am unteren Ende des Outer Rims angelangt."

 

Bevor sein Schüler darauf erwidern konnte, wurde die Luke ein weiteres Mal zurückgeschoben und die roten Augen kehrten zurück.

"Er wird Euch nun empfangen."

 

 

 

 

 

Das Innere des finsteren Gebäudes war nicht minder überraschend als das Ziel ihres Weges in Form eines Hutten an sich. Das Klima entsprach dem Nal Huttas, feuchtwarme Nebelschwaden wallten durch die Gänge, doch anstatt eines sumpfigen Ambientes bevorzugte dieser Hutt offensichtlich die humanoide Vorstellung von Luxus.

Auf einem Steppenplaneten vermutlich unerschwingliche Tropenhölzer verkleideten die Wände, behangen mit hauchzarten Tüchern, die über den höhlenartigen Charakter des Hauses hinwegtäuschten, aus Seide, die so teuer war, dass man mit einem Kleid daraus einen republikanischen Schlachtkreuzer samt Besatzung hätte kaufen können.

Orangerote, gleichmäßig brennende Flammensäulen erhellten die Gänge, poliertes Metall formte fragile Muster an der Decke des hohen Raumes.

 

"Denkst du noch immer, wir wären hier falsch?“ erkundigte sich Obi-Wan schmunzelnd.

 

"Zumindest nicht mehr auf dem gleichen Planeten, Meis..." Er verstummte unter Obi-Wans warnendem Blick und unterbrach sich, bevor er dem Wächter einen Hinweis auf ihre Identität geben konnte.

 

"Ihr werdet auf dem gesamten Planeten nichts Vergleichbares finden", erklärte ihr Begleiter, ein überraschend schlanker Gamorreaner, mit unüberhörbarem Stolz und Obi-Wan fragte sich, ob er, bevor sie den Planeten verließen, tatsächlich mit jedem einzelnen negativen Gefühl konfrontiert würden.

 

Aufmerksam sah er sich um; musterte die hohen, portalähnlichen Türen in den Wänden, die fast ausnahmslos von zwei statuengleichen Wachen flankiert wurden. Zwei Wookiees, ein Dutzend Gamorreaner, einige Twi'Lek und Menschen, Dutzende von ihnen. Und sie alle waren offensichtlich nicht freiwillig hier; Neuralbänder lagen um ihren Hals, an einer Stelle ihres Körpers blinkte ausnahmslos ein Transmitter. Wer waren sie?

 

Obi-Wan erhielt keine Gelegenheit, mit ihnen zu sprechen, denn noch während er unter den starren Wächtern jemanden suchte, der seinen Blick erwiderte, führte sie der Gang um eine Ecke und erweiterte sich zu einer thronsaalartigen Halle. Unterirdisch beleuchtete Wasserbecken durchzogen in verschlungenen Formen den polierten Boden der Halle und stürzten kleine Stufen hinab, um sich in einem von Leben erfüllten Teich zu sammeln. Übelkeiterregend süße Duftschwaden durchzogen den Raum und nahmen den Jedi die Sicht; spinnwebenartige Raumteiler hingen von der Decke und verschleierten die Wand vor ihren Augen. Konturlose Gestalten näherten sich ihnen bis auf einige Schritt Entfernung und verschwanden wieder, ohne dass sie sie zu Gesicht bekamen. Obi-Wan versuchte, sie genauer zu erkennen, doch sie blieben Schatten durch die hauchdünnen Schleier hindurch, die die Sicht erschwerten wie die Gewitter auf Dxun.

 

Der untypisch bewegliche Gamorreaner sank auf die Knie, als sie fast unbemerkt die letzten Vorhänge durchschritten und sich der massige, verschwommene Schatten vor ihnen zum Bild eines dunkelgrünen, trägen Hutten klärte.

 

Höflich verneigten sich die beiden Jedi. "Meister Jialga; wir danken Euch, dass Ihr bereit seid, uns zu empfangen."

 

"Was wäre ich sonst für ein Geschäftsmann?“ lachte er in kehligem Huttisch.

 

Die saurierartig kleinen Arme schlugen vergnügt auf den fetten schneckenartigen Leib, und Obi-Wan registrierte eine Kette, die um den zurückgebildet wirkenden Oberarm geschlungen war und unterhalb seines auf einer dick gepolsterten Sänfte ruhenden Körpers endete. Unauffällig folgte er der stabilen, Edelsteinbesetzten Metallkette mit seinem Blick und sah sie in einem stabilen Ring enden, der sich nahtlos um einen schlanken, fast weißhäutigen Hals wölbte.

 

Der dazugehörige Körper erwachte unter den heftigen, vermutlich schmerzhaften Erschütterungen und schob sich langsam aus dem Schatten hervor.

Die Gestalt entpuppte sich als Mensch, als eine der schönsten Frauen, die Obi-Wan jemals gesehen hatte. Wären die beiden kaum handgroßen Kleidungsstücke und die kostbar anmutenden Ketten zwischen ihren Händen und Füßen gewesen, hätten ihr die schlanke Figur und der lange Hals ein geradezu aristokratisches Aussehen verliehen.

 

Vorsichtig tastete der Jedi-Meister mit der Macht nach der jungen Frau; es hieß, Hutts waren nicht machtempfänglich, doch wie bei allen Lebewesen konnte es Ausnahmen geben.

Doch als er mental die angekettete Humanoide berührte, musste er sich beherrschen, nicht zurückzuzucken. Er spürte nichts.

 

Unwillkürlich sah er in die schimmernden schwarzen Augen und erschauderte, als er darin nichts als Leere fand. Sie war nicht nur eine Sklavin. Ihr Schicksal war weitaus schlimmer.

 

"Ich sehe, auch Ihr habt eine Schwäche für Frauen", schnalzte Jialga vergnügt und lachte dröhnend. Behäbig streckte er eine Hand aus und betätigte einen der großflächigen Knöpfe in einer Armkonsole.

 

"Nun... von Zeit zu Zeit", erwiderte Obi-Wan unverbindlich und zwang sich zur Neutralität, als der Hutt an der Kette riss und die Sklavin aus dem Gleichgewicht brachte, sodass sie zurück an ihren Platz unter ihm stürzte, wo sie reglos liegen blieb.

 

"Was denn- Zurückhaltung auf Tantra?“ donnerte er glucksend. "Ihr wart noch nie zuvor hier, Fremder? Oder wollt Ihr mich etwa beleidigen und meine Sklavinnen ablehnen?"

 

Schnell entschied Obi-Wan, sich nicht in derartige Probleme verstricken zu lassen. Wenn Sklaverei hier tatsächlich alltäglich war, mochte es zu auffällig sein, die abzulehnen.

 

"Das würde mir niemals in den Sinn kommen, ehrenwerter Jialga", erwiderte er.

 

Eine weitere Frau betrat den Raum und er konnte Anakins Überraschung spüren, noch bevor er selbst in ihre Richtung sah. "Aber offensichtlich habt Ihr all Eure Sklaven hervorragend abgerichtet. Wir sind eher daran gewöhnt, dass... unsere Gesellschaft sich noch bewegt."

 

Bestimmt wandte er den Blick von der fast nackten Twi’Lek ab, deren Tentakel und Arme über und über mit glänzendem Metall tätowiert waren. Doch auch in ihren hell orangefarbenen Augen wies nichts auf ein lebendiges Wesen hin.

 

"Ich verstehe", erwiderte Jialga verschwörerisch. "Nun, Ihr habt offensichtlich Geschmack, Händler. Ich hoffe, Ihr seid mir wert, was Ihr verlangt."

 

Obi-Wan erwiderte das Lachen pflichtschuldig, während er sich noch über die Worte des Hutten klar zu werden versuchte. Hatte er seinen Einwand schlichtweg ignoriert?

 

Ungeduldig hob das Oberhaupt der hiesigen Verbrechergilde die Hand und winkte die erneut zur Reglosigkeit erstarrte Twi'Lek. Ihre Nähe bereitete den Jedi beinah körperlichen Schmerz; ein Körper, in dem Leben sein sollte, in dem eine Persönlichkeit sein sollte, in dem jedoch nichts geblieben war als ein Vakuum, wie ein kaum sichtbares Loch in einer Wand, durch das eiskalte Luft in den Raum wehte. Das Gefühl der Falschheit wurde noch verstärkt durch die beinah übernatürliche Schönheit, die geschmeidige Anmut der ebenmäßigen Haut und die filigranen künstlichen Muster darin.

 

Yoda hatte Obi-Wan einst erklärt, dass jede Mission eine Prüfung sei, und hier, zur Reglosigkeit verdammt angesichts so gedankenloser Grausamkeit, wusste er, dass er die Maske des Gleichmuts bewahren musste, doch es fiel ihm schwer, unendlich schwer.

Er spürte die Unruhe in seinem Schüler kochen und sammelte die Macht zwischen ihnen, übermittelte ihm Ruhe und eine Stützte, an der er sich festhalten konnte.

 

"Hol Laere her", befahl der Hutt barsch und wickelte sich die Kette um die schmächtige Hand, bis sich das Gesicht seiner Sklavin direkt neben ihm befand.

 

"Ihr werdet zufrieden sein, glaubt mir", erklärte er selbstgefällig und streckte seine Zunge aus.

Mit erzwungener Ruhe sah der Jedi-Meister zu, wie die Sklavin die schleimige Berührung teilnahmslos über sich ergehen ließ. Vielleicht wäre nicht einmal ihr eigener Tod imstande gewesen, sie aus ihrer Lethargie zu holen.

 

"Ich habe noch ein anderes Anliegen, ehrenwerter Jialga", setzte Obi-Wan an, doch der Hutt unterbrach ihn augenblicklich.

 

"Lasst uns später über die Geschäfte reden, heute müsst Ihr Euch entspannen. Alle Annehmlichkeiten meines Hauses stehen Euch zur Verfügung."

 

Rasch verneigte sich der Jedi dankbar. "Wir danken für Eure Großzügigkeit."



Ende von Teil 1

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