Die letzten Jedi

Teil 1 von 6


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





1.

Obi-Wan Kenobi

 

 

 

Die Sonne ging mit blutroten Strahlen auf, als Obi-Wan Kenobi, Jedi-Meister und ehemaliger General der alten Republik, einen letzten Blick auf sein Haus in der Jundland-Wüste von Tatooine warf. Er hoffte das Haus wieder zu sehen, da die Mission, zu der er aufbrach, gefährlich zu werden versprach.

Obi-Wan war ein mittelgroßer schlanker Mann, Mitte vierzig, mit Bart und kurzen blonden Haaren. Seine Augen, hell, ausdrucksstark und durchdringend, zeigten jedem, dass er in seinem Leben schon viel gesehen und erlebt hatte.

Fünf Jahre waren seit dem Untergang der Jedi und dem Aufstieg von Kanzler Palpatine zum Imperator vergangen. Diese Zeit hatte er meist in der Einsamkeit der Wüste verbracht. Er lernte, meditierte und verbesserte seine Fähigkeiten der Macht. Nur hin und wieder verließ er Tatooine, wenn seine Freunde ihn riefen.

 

Die Macht war es, die ihm die Kraft gab durchzuhalten, und der Gedanke an den kleinen Jungen, der nicht weit entfernt auf der Farm seines Onkels Owen Lars aufwuchs. Luke wusste es nicht, aber in Obi-Wan hatte er einen mächtigen Beschützer und später, so hoffte Kenobi, auch einen Lehrmeister in der Unterweisung der Macht.

 

Lukes Vater war der Sith Lord Darth Vader, Obi-Wans ehemaliger Schüler Anakin Skywalker, der sich zur dunklen Seite der Macht hatte bekehren lassen, und damit Handlanger des Imperators wurde, ein Instrument des Terrors und der Gewalt.

 

Es traf Kenobi hart, dass er bei Anakin auf der ganzen Linie versagt hatte, als Lehrer, als Freund und auch als Ersatzvater.

Neun Jahre alt war der Junge gewesen, als er sein Padawan wurde, erst gegen seinen Willen. Da es jedoch der letzte Wunsch seines alten Meisters Qui-Gon Jinn gewesen war, den Jungen auszubilden, hatte Obi-Wan den jungen Anakin unter seine Obhut genommen. Später jedoch hatte er sich ein Leben ohne Anakin nicht mehr vorstellen können.

Nicht nur er hatte dem Jungen etwas gelehrt, auch Anakin hatte ihm viel beigebracht. Sie waren mehr als Lehrer und Schüler gewesen. Freunde, Brüder, Vater und Sohn, alles in einem. Ohne Anakin wäre er nie der Jedi geworden, der er heute war, bzw der er einst gewesen war. Denn die Jedi gab es nicht mehr. Doch die Macht war stärker in ihm als je zuvor.

 

Die meisten Jedi-Meister hatten in den Klonkriegen als Generäle der Republik gedient und waren von ihren eigenen Klon-Soldaten oder später von Darth Vader und seinen Mördern getötet worden. Die wenigen, die entkommen waren, hatten sich zurückgezogen, so wie er selbst oder Meister Yoda.

 

Obi-Wan hatte Yoda schon seit fünf Jahren nicht mehr gesehen. Als Abschiedsgeschenk hatte er ihm noch Übungen mitgegeben, die er lernen sollte. Es ging um Qui-Gons Geheimnis, die Unsterblichkeit zu erlangen. Aufzugehen in der Macht. In der Lage zu sein, die Jenseits-Sphären, in die man nach dem materiellen Tode einging, zu verlassen, wenn auch nur als geisterhafte Erscheinung. Bisher hatte er damit leider noch keinen Erfolg gehabt.

 

Senator Bail Organa von Alderaan hatte ihn nun um Hilfe gebeten. Noch immer suchten seine Leute nach versprengten Jedi-Rittern, denen die Flucht gelungen war. Bail sammelte diese Leute auf einem Planeten, weit außerhalb des Einflussbereiches des Imperiums. Noch weit außerhalb des Outer Rims, des äußersten Rand der bekannten Galaxis. Organas Schiffe waren weiter ins Unbekannte vorgedrungen und hatten unbekannte Welten und Wesen entdeckt, die noch nie ein Lebewesen zuvor gesehen hatte.

 

Auf dem Planeten Eradan lebten die letzten Jedi in Sicherheit. Dort sammelten sie Kinder um sich, die auch die Fähigkeit der Macht besaßen. Eines Tages würde es wieder Licht werden in der Galaxis, wenn der Imperator vernichtet sein würde. Dann konnten die Jedi erneut ins Licht treten und wiederum für das Gute in der Galaxis kämpfen. Nun wusste er, dass sich die alte Prophezeiung nicht nur auf Anakin bezogen hatte, sondern auf seinen Sohn Luke. Luke würde derjenige sein, der das Gleichgewicht der Macht erneut herstellen würde.

 

Oft fragte sich Obi-Wan, woher er diese Überzeugung nahm. Vielleicht war es die Macht selbst, die es ihm sagte. Sie gab ihm große Macht in Form von ungewöhnlicher Selbstheilung bei Verletzungen und die Fähigkeit der Tarnung in Gefahrenzeiten. Auch konnte er mit ihrer Hilfe sich anderer Personen und Orte bewusst machen und seine Umwelt manipulieren.

Mit einem lässigen Satz sprang Obi-Wan in seinen Land-Speeder, der ihn zum Raumhafen Mos Eisley bringen würde. Dort hoffte er eine Passage in einem Raumschiff zu finden, das ihn nach Alderaan bringen würde. Das war nicht ungefährlich für ihn, denn Imperator Palpatine hatte einen hohen Preis auf seinen Kopf ausgesetzt, denn er wusste, dass Obi-Wan noch lebte. Dasselbe galt für Meister Yoda, welcher jedoch sicher auf Dagobah lebte.

Aus diesem Grunde hatte sich Obi-Wan als einfacher Reisender verkleidet. Eine dunkle Hose aus einem anspruchslosen gewebten Stoff und ein entsprechendes Hemd dazu. Sein Lichtschwert hatte er in einer kleinen Tasche versteckt, dass er an einem Gürtel unter dem Hemd trug. In anderen Taschen seines Gürtels befand sich seine weitere Jedi-Ausrüstung, unter anderem auch sein Seilkatapult. Ein langer dunkler Umhang mit großer Kapuze vervollständigte seine Tarnung. Außerdem konnte er mit Hilfe der Macht seine unmittelbare Umgebung manipulieren.

Am späten Nachmittag erreichte er den Raumhafen. Seinen Speeder stellte er in einer kleinen Garage unter, abseits der belebten Zonen der Stadt. Diese benutzte er immer, wenn er sich in Mos Eisley aufhielt. Sie gehörte einem alten Freund, der keine Fragen stellte. Einst hatte Obi-Wan ihm geholfen seine Tochter zu retten. Dafür war der Mann ihm ewig dankbar.

 

Keran Wultin wohnte gleich neben der Garage, und Obi-Wan besuchte ihn jedes Mal. Vielleicht wusste er jemanden, der ihn mitnehmen konnte.

 

Keran war zu Hause. „Obi-Wan! Auch mal wieder in der bösen, bösen Zivilisation!“

 

Der Jedi grinste seinen Freund an. „Ja, das bin ich. Und wie immer brauche ich deine Hilfe.“

 

„Allzeit bereit, einem Jedi zu helfen. Was du für mich getan hast, werde ich dir nie vergelten können. Lora ist mein ein und alles. Was kann ich diesmal für dich tun?“

 

„Ich brauche eine Raumpassage nach Alderaan“.

 

„Bist du wahnsinnig geworden? Alderaan, im Herzen des Imperiums. Darth Vader und der Imperator werden sich freuen, wenn du dich freiwillig in ihrem Spinnennetz verfängst.“

 

„Bail Organa hat mich um Hilfe gebeten. Er ist ein guter Freund und würde mich nie verraten.“

 

„Na schön! Wie du meinst. Ich besorge dir eine Passage und hoffe, dass ich dich wieder sehen werde.“

 

Obi-Wan klopfte ihm auf die Schulter. „Keine Sorge, alter Freund, du siehst mich bald wieder. Doch nun eile! Die Zeit drängt.“

 

Obwohl Keran sich sogleich auf den Weg machte, dauerte es Stunden, bis er zurückkam. „Tut mir leid, dass es so lange dauerte, aber dafür habe ich eine sichere Passage für dich gefunden. Es ist ein altes Passagier-Schiff, zwar langsamer als die neuen Kreuzer, dafür aber sicherer für jemanden wie dich. Der Kapitän ist ein alter Freund und schuldet mir noch einen Gefallen. Du musst dich beeilen. Das Schiff fliegt in einer Stunde ab. Es liegt in Rampe 4.“

 

„Hast du mich wieder als Ben angemeldet?“

 

„Wie üblich.“ Keran umarmte ihn nochmals herzlich, dann eilte der Jedi leichtfüßig davon.

 

Trotz der vielen verwinkelten und engen Gassen von Mos Eisley fiel es ihm leicht Rampe 4 zu finden. Dort stand ein altes und verwittert aussehendes Passagier-Schiff, doch der scharfe Blick des Jedi sah sofort, dass es in gutem Zustand war. Es war nicht sehr groß, vielleicht 100 Passiere fanden darin Platz, doch genau das hatte Obi-Wan gesucht.

Über die Rampe betrat er das Schiff. „Ben Kenobi“, sagte er zu dem menschlichen Kontrolleur, wohl bewusst, dass er keine Flugkarte besaß. Doch im Notfall würde er sich einfach mit Hilfe der Macht Zutritt verschaffen. Das war jedoch nicht notwendig.

 

„Ah! Endlich! Wir warten schon auf Euch, Sir. Geht bitte weiter, ich werde dem Kapitän melden, dass Ihr an Bord sind.“

 

Schnell tat Obi-Wan wie ihm geheißen und verschwand im Schiff. Er verstand es ausgezeichnet, sich unsichtbar zu machen. Es gab keine Kabinen, nur ein großer offener Raum, an dessen Wände sich Pritschen zum Schlafen befanden. Wie Keran gesagt hatte, kein Luxus, doch das machte dem Jedi nichts aus.

Er suchte sich einen Schlafplatz ganz in der Ecke und machte sich so unsichtbar wie möglich. Der Flug würde zwei Tage dauern und er hoffte unbelästigt zu bleiben. Seine Wünsche erfüllten sich. Niemand beachtete den unscheinbaren Reisenden in der Ecke, der mit niemandem sprach und sich auch sonst kaum rührte.

 

Der Flug zog sich in die Länge. Er verbrachte die meiste Zeit in der Meditation. Als sie endlich ihr Ziel erreichten, verließ Obi-Wan als einer der letzten das Schiff. Der Kontrolleur wollte seinen Ausweis sehen.

 

Obi-Wan fuhr dem Mann mit der Hand vor dem Gesicht herum und setzte die Macht ein. „Du brauchst meinen Ausweis nicht zu sehen. Niemand meines Aussehens hat das Schiff verlassen.“

 

„Bitte geht weiter, Sir!“ sagte der Kontrolleur, der den starken Kräften der Macht nichts entgegen zu setzen hatte. Er vergaß den Mann, sobald dieser an ihm vorbei gegangen war.

 

Obi-Wan sah sich um. Wie erwartet war das Schiff auf der Landeplattform eines der schwebenden Städte von Alderaan gelandet. Doch es war nicht die Hauptstadt Aldera, wo der Palast der Familie von Senator Organa stand. Obwohl Alderaan eine demokratische Welt war, hatten die Bewohner ihre königliche Familie behalten: das Haus Organa.

 

Bail Organa war Erster Vorsitzender und Vizekönig von Alderaan. Ein einflussreicher Politiker und noch immer Senator im Dienste des Imperators. Nur die wenigsten wussten, dass er einer der führenden Köpfe der Rebellen-Allianz war, einer der Gründer der Bewegung. Wenn der Imperator auch nur den geringsten Verdacht gegen Bail hegen würde, dann würde ihm auch seine Macht und Einfluss nichts mehr nützen. Er wäre ein toter Mann und mit ihm seine ganze Familie. Deshalb musste Bail mit äußerster Vorsicht vorgehen.

Während der Klon-Kriege hatte sich Organa mit Obi-Wan angefreundet. Eine Freundschaft die sich während der letzten Jahre noch vertieft hatte.

 

Alderaan selbst war eine wunderschöne Welt mit riesigen Grasebenen, fremdartigen Ruinen und riesigen gleitenden Thrantas, vogelähnliche Tiere, welche auch zum Transport von Menschen verwendet wurden. Über Tausende von Jahren war Alderaan als eine Welt von unverdorbener Schönheit und Zentrum von Kunst, Kultur und Bildung bekannt.

 

Ein Lufttaxi hielt neben ihm. „Wünscht Ihr einen Flug, Sir?“

 

„Kennt Ihr Senator Bail Organas Palast?“

 

„Selbstverständlich, Sir, jeder kennt den Palast des Vizekönigs. Er befindet sich in der Hauptstadt, über der See in den Kala-Bergen.“

 

„Dorthin möchte ich.“

 

„Steigt bitte ein, Sir!“ Der Taxifahrer fragte nicht länger. Zwar wunderte er sich, was ein einfacher Reisender von dem Vize-König wollte, doch wenn er von diesem eingeladen war, würde er auch sicher sein Geld bekommen.

 

Obi-Wan stieg ein und kaum, dass er saß, schoss das Gefährt steil in die Luft. Der Pilot manövrierte so waaghalsig zwischen den Türmen der fliegenden Stadt umher, dass Obi-Wan öfters die Luft anhielt. Sofort erinnerte er sich an die Einsätze mit Anakin. Wie oft hatte er über dessen ebenso waaghalsige Flüge gemeckert. Er merkte in jeder Situation, wie sehr er den Jungen vermisste.

 

Schließlich ließen sie die Türme hinter sich und flogen über offenes Land auf die nahen Berge zu. Der Pilot steuerte eine weitere der schwebenden Städte an, die am Horizont zu sehen waren. Als die ersten Türme in greifbare Nähe rückten, ergriff der Taxi-Pilot ein Funkgerät und meldete sich beim Haus des Senators an. Niemand durfte ohne Erlaubnis auf dessen Privatplattform landen.

Als er nach der Identität des Passagiers gefragt wurde, drehte sich der Taxi-Pilot nach dem Jedi um. „Sie wollen Euren Namen wissen, Sir.“

 

„Sagt, dass der Reisende von Tatooine angekommen ist.“

 

 

 

 

 

2.

Bail Organa

 

 

 

„Wie Sie wollen.“ Achselzuckend gab der Pilot das durch. Zu seiner Überraschung erhielt er sofortige Landeerlaubnis. Sein Gast musste wichtiger sein, als gedacht. Neugierig sah er ihn an.

 

Obi-Wan entging das nicht. Diese Neugierde konnte gefährlich werden. Er würde erneut die Macht einsetzen müssen.

 

Das Taxi landete auf der Plattform, und Obi-Wan stieg aus. Er gab dem Piloten das gewünschte Geld und ein reichliches Trinkgeld dazu. Dann setzte er die Macht ein. „Du vergisst, dass du mich gesehen und hier abgesetzt hast. Du bist in einer der Nachbarstädte gewesen und hast dort eine Frau abgesetzt.“

 

„Verstanden, Sir!“ sagte der Pilot und hob ab.

Später erzählte er jedem genau das, was Obi-Wan ihm gesagt hatte.

 

Senator Bail Organa war im Schatten gestanden und hatte Obi-Wans Manöver beobachtet. Als das Taxi weg war, trat er an den Jedi heran. „Noch immer nichts verlernt, Meister Kenobi.“ Er umarmte Obi-Wan herzlich, was sich der Jedi stumm gefallen lies.

 

Solche Gefühlsausbrüche waren dem zurückhaltenden und ruhigen Jedi-Meister fast unangenehm.

„Bail, ich freue mich auch, Euch zu sehen.“ Sie gingen in das große Haus hinein.

 

„Onkel Obi-Wan!“ Ein kleiner Wirbelwind sauste auf ihn zu und umarmte seine Füße, weil das Kind nicht höher hinauf reichte.

 

Lächelnd bückte sich der Jedi und hob die kleine Leia hoch. Bei dem Kind vergaß er seine Zurückhaltung. „Leia! Liebes, wie geht es dir?“

 

„Gut, Onkel Obi-Wan. Hast du mir etwas mitgebracht?“

Natürlich fehlte es der Kleinen an nichts im Hause der Organas, auch wenn sie nur ein Adoptiv-Kind war. Sie war Luke Skywalkers Zwillingsschwester und von den Organas adoptiert worden.

 

Doch die beiden hätten ein eigenes Kind nicht mehr lieben können. Leia war ihr ein und alles.

 

„Hier!“ Obi-Wan holte ein kleines Päckchen heraus und gab es dem Mädchen.

 

Freudestrahlend nahm sie es in Empfang und verdrückte sich in eine Ecke, um es auszupacken.

 

Bail sah ihr lächelnd zu. „Sie ist ein so liebes Kind.“

 

„Und groß ist sie geworden, seid ich das letzte Mal hier war. Wie lange ist es her?“

 

„Ein Jahr. Die Zeit vergeht so schnell. Wie geht es Luke?“

 

„Der Junge entwickelt sich sehr gut. Ich beobachte ihn jeden Tag und versuche ihn zu beschützen. Die Versuchung ist groß, ihn jetzt schon in die Macht einzuweihen, aber die Gefahr, dass die Sith ihn trotz der großen Entfernung spüren können, ist einfach zu groß. Deshalb widerstehe ich dieser Versuchung.“

 

„Das ist weise, Meister Kenobi.“

 

„Wann nennt Ihr mich endlich Obi-Wan?“

 

Bail lächelte schon wieder.

 

„Doch Ihr habt mich sicher aus einem guten Grund eingeladen, oder?“

 

Sofort verschwand das Lachen aus Bails Gesicht, und er blickte den Jedi ernst an. „Ihr müsst das Leben von drei Jedi retten, Obi-Wan. Sie sind auf Druilla und kommen nicht weg. Sie sind noch jung und unerfahren. Sie brauchen dringend Eure Hilfe. Nur ein Jedi-Meister kann sie retten. Keinem meiner Männer traue ich das zu.“

 

„Und wie komme ich nach Druilla? Das liegt nicht gerade um die Ecke.“

 

„Ich kann Euch ein Raumschiff zur Verfügung stellen. Mit ihm kommt Ihr mit Leichtigkeit nach Druilla. Es ist groß genug, und einen Kopiloten habe ich ebenfalls für Euch. Wollt Ihr es machen?“

 

„Das ist keine Frage. Ich werde sofort aufbrechen.“

 

„Nein, ruht Euch erst einmal aus. Auch ein Jedi-Meister braucht eine Pause. Meine Frau freut sich, Euch einmal wieder zusehen und hat ein Festmahl vorbeireiten lassen. Sie wäre tödlich beleidigt, wenn Ihr ablehnen würdet, und Leia wäre auch sehr enttäuscht.“

 

„Na schön! Morgen ist auch noch früh genug. Wie geht es Eurer Frau?“

 

Bail sah betrübt aus. „Nicht so gut. Tia ist oft krank. Das alles macht ihr sehr zu schaffen. Dazu kommt, dass ich viel fort bin. Nur Leias Gegenwart hilft ihr, dass alles zu ertragen. Ihr wisst ja, dass ihr Bruder vor kurzem getötet wurde. Das hat ihr einen tiefen Schlag versetzt.“

 

„Das tut mir sehr leid“, meine Obi-Wan aufrichtig. „Wenn es in meiner Macht steht, helfe ich gerne.“

 

„Helft uns indem Ihr die Jedi rettet. Sie sind unsere Hoffnung für die Zukunft.“

 

„Sie sind auch meine Hoffnung. Eines Tages werden die Jedi neu auferstehen.“

 

 

 

 

 

Am anderen Morgen waren alle schon früh auf den Beinen, selbst die kleine Leia, um sich von Obi-Wan zu verabschieden.

Leia klammerte sich an ihm fest. „Warum gehst du schon wieder, Onkel Obi-Wan?“ fragte sie mit weinerlicher Stimme.

 

„Ich muss einigen Leuten, die in Schwierigkeiten sind helfen. Ihr Leben ist in Gefahr.“

Er fragte sich, ob die Kleine die Bedeutung dieser Worte überhaupt verstand. Doch da erlebte er eine große Überraschung.

 

„Wenn du ihnen nicht hilfst, sterben sie dann wie Onkel Janos?“ Janos war der Bruder von Bails Frau Tia gewesen.

 

„Ja, das werden sie.“

 

„Dann musst du gehen und ihnen helfen“, sagte die Kleine.

 

Bail und seine Frau sahen Leia genauso überrascht an wie Obi-Wan.

 

„Ich dachte immer, sie hätte noch nicht begriffen, was mit Janos geschehen ist“, sagte Bail. „Anscheinend haben wir ihre Jugend unterschätzt.“

 

„Die Kinder überraschen einen immer wieder: auf die eine oder andere Art“, meinte Obi-Wan.

 

Der Senator wusste sofort, dass der Jedi seinen Padawan Anakin damit meinte. Er schlug ihm tröstend auf die Schulter. „Ihr braucht Euch keine Vorwürfe zu machen.“

 

„Wirklich nicht? Es lag in meiner Verantwortung, ihm alles beizubringen.“

 

„Ihr habt ihm alles beigebracht, was er wissen musste. Alles weitere war seine Entscheidung. Die dunkle Seite ist stark, und sie nützt jede Schwäche aus. Anakin war eben doch nicht so stark, wie wir alle angenommen haben. Im Gegensatz zu Euch und den anderen Jedi ist er der dunklen Seite erlegen.“

 

Obi-Wan hatte sich das schon oft angehört, doch für sich ließ er diese Entschuldigung nicht gelten. Nun wusste er auch, wie sich Qui-Gon gefühlt haben musste, als sein Vorgänger Xanatos sich der dunklen Seite zugewandt hatte. Lange hatte Qui-Gon sich danach geweigert, einen neuen Padawan auszubilden. Er hatte es damals nicht leicht gehabt, seinen Meister zu überzeugen, ihn anzunehmen. Obi-Wan hätte sich nie träumen lassen, dass ihm einmal das gleiche passieren würde.

 

Mach dir keine Vorwürfe, es war nicht deine Schuld, Padawan!

 

Überrascht blickte Obi-Wan auf, doch Bail schien nichts gesagt zu haben. Außerdem glaubte er die Stimme Qui-Gons gehört zu haben. Doch das war unmöglich. Sein Meister war schon seit vielen Jahren tot. Obi-Wan schüttelte den Kopf und verbannte alle negativen Gedanken in den hintersten Winkel seines Gehirns. Jetzt war nicht die Zeit, über alte Fehler nachzudenken.

 

Er verabschiedete sich herzlich von den Organas und folgte dann Bail, der ihn zu dem Raumschiff bringen wollte, das er benutzen konnte.

 

Der Palast stand auf einer riesigen ovalen Plattform der Stadt. In der Mitte schob sich der Palast mit seinen verschieden hohen Türmen zehn Stockwerke in die Höhe. Um den riesigen Wohnkomplex herum gab es kleinere Häuser in den unterschiedlichsten Formen. Langgestreckte Lagerhäuser, Schiffs-Hangars, kleine Wohngebäude und dergleichen.

Einer dieser Hangars am Rand der Plattform schien Bails Ziel zu sein.

 

Als sie eintraten, blieb Obi-Wan überrascht stehen.

 

Mitten in der Halle stand ein brandneuer corellianischer YT-1300-Frachter, von der Engineering Corporation gebaut. Seine Größe betrug etwa 27 m. Er besaß in der Regel zwei Mann Besatzung für die Navigation und als Bordschütze. Dazu konnte das Schiff 6 Passagiere aufnehmen und etwa 100 Tonnen Fracht befördern. Eine ideale Tarnung für seine Rettungs-Mission. Obi-Wan war sicher, dass Bail sogar für entsprechende Fracht gesorgt hatte.

 

„Das Schiff ist sicher“, sagte Bail. „Ich habe dafür gesorgt, dass keine Spur zu mir zurückführt. Nach Ende dieser Mission wird es einem neuen Besitzer übergeben.“

 

„Das ist sehr umsichtig. Wir wissen nicht, was uns alles auf dieser Reise widerfahren wird“, sagte Obi-Wan.

 

Über die ausgefahrene Rampe betraten die beiden Männer das Raumschiff.

 

Im Inneren erwartete sie ein hoch gewachsener Twi’lek, der sich ehrfurchtsvoll vor Bail und seinem Gast verbeugte. Seine beiden Tentakel links und rechts des Kopfes wedelten dabei durch die Luft.

 

„Das ist Mol’o, Euer Kopilot“, stellte Bail vor. „Mol’o, dass ist Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi, von dem ich dir erzählt habe.“

 

Obi-Wan sah Bail bestürzt an.

 

„Keine Sorge“, beruhigte der Senator den Jedi. „Mol’o könnt Ihr voll und ganz vertrauen. Er hat schon oft sein Leben für meines riskiert. Er ist mein bester und zuverlässigster Leibwächter. Außerdem ist er ein ausgezeichneter Pilot, Navigator und wenn notwendig auch Bordschütze und Kampfgefährte.“

 

„Ich danke euch, Mylord, für die Ehre“, sagte der Twi’lek mit tiefer Stimme. Seine weißblaue Hautfarbe wurde eine Spur dunkler, ein sicheres Zeichen, dass er sich über das Lob aufrichtig freute.

Aus seinen rötlichen Augen blickte er Obi-Wan selbstsicher an. „Es wird mir eine Ehre sein, Euch zu dienen, Meister Kenobi.“

 

„Na schön, ich vertraue Bail und seinem Urteil. Doch ich möchte, dass du mich solange die Mission dauert, Ben nennst, mein Tarnname.“

 

„Ben?“ fragte Mol’o in amüsiertem Tonfall.

 

„Ich weiß, nicht sehr einfallsreich. Aber mit dem Namen bin ich auf Tatooine schon bekannt.“

 

„Wie Ihr wünscht, Ben! Können wir dann starten?“

 

Der Mann gefiel Obi-Wan jetzt schon. Er beschloss jedoch auf Nummer sicher zu gehen und setzte die Macht ein. Mol’o merkte nichts davon, doch Obi-Wan konnte jede Gefühlsregung in ihm erkennen. Nichts deutete auf Falschheit oder Verrat hin. Also schien Mol’o es ehrlich zu meinen. „Wir können starten!“

 

Bail umarmte den Jedi nochmals herzlich und ging dann von Bord. In sicherem Abstand sah er zu, wie das Schiff startklar gemacht wurde, langsam abhob und durch die weit offene riesige Hangartür schwebte und dann im morgendlichen Himmel über Alderaan verschwand. Bail schickte ihnen alle guten Wünsche hinterher und hoffte, dass alles gut ging.

 

 

 

 

 

3.

Druilla

 

 

 

„Hat das Schiff auch einen Namen?“ fragte Obi-Wan, der es sich im Kopiloten-Sitz bequem gemacht hatte und zur Abwechslung einmal einem anderen die Arbeit überließ.

 

„Es heißt ‘Goldener Drache.“

 

„Oder einfach Drache“, meinte Obi-Wan. „Nun, das ist ein passender Name für ein Raumschiff.“

Der Jedi sah sein Gegenüber fragend an. „Du kennst das Ziel?“

 

„Selbstverständlich, Meister. Der Senator hat mich in alles eingewiesen. Vielleicht sollte ich erklären, dass ich persönliches Interesse an der Rettung der jungen Jedi habe. Meine Schwester war stark in der Macht. Sie verließ uns als kleines Kind, um im Tempel auf Coruscant unterwiesen zu werden. Und wir waren alle stolz auf sie. Sie war Generalin in den Klon-Kriegen und wurde durch Order 66 von ihren eigenen Soldaten getötet.“

 

Das war Obi-Wan nur zu gut bekannt. Schließlich hatten auch seine Klone versucht ihn zu ermorden. „Wie lautete ihr Name?“

 

„Nika Donata.“

 

Obi-Wan erinnerte sich gut an die kleine agile Nika. „Ich kannte Nika gut. Wir haben einige Einsätze zusammen durchgeführt. Sie war eine tolle Frau und Kampfgefährtin.“

 

Mol’o sah den Jedi-Meister überrascht an. Er hatte gar nicht daran gedacht, dass Meister Kenobi seine Schwester gekannt haben musste. Und er bemerkte Obi-Wans trauriges Gesicht. „Ihr könnt nichts daran ändern, Meister. Erzählt mir von Nika. Es wird noch einige Stunden dauern, bis wir Druilla erreichen.“

 

Obi-Wan wollte erst ablehnen, weil das zu viele Erinnerungen an nun tote Freunde weckte, doch dann entschied er anders. Vielleicht würde es auch ihm helfen, wenn er von Nika erzählte.

So vergingen die Stunden wie im Flug und als sie kurz vor ihrem Ziel aus dem Hyperraum sprangen, hatte Obi-Wan das Gefühl Mol’o schon sein ganzes Leben zu kennen. Er begriff nun, warum Senator Organa dem Twi’lek so vertraute.

 

Und Mol’o erging es genauso. Er fühlte große Sympathie für den bedrückt wirkenden Jedi-Meister und hoffte, dass ihre Mission gelingen würde, denn das würde Meister Kenobi sicher helfen. Mol’o versuchte sich lieber nicht vorzustellen, wie das sein musste, seine ganzen Freunde durch Verrat und Mord zu verlieren.

 

Druilla war ein großer, vom Weltraum aus freundlich aussehender Planet, mit zwei großen Meeren, zwei Kontinenten mit großen Binnenseen. Auf einem Kontinent wechselten sich große Grasflächen mit Wüstengebieten ab.

Ihr Ziel war der zweite Kontinent in der Form eines Eies, der überwiegend mit riesigen Wäldern bedeckt war, dazwischen lag ein gewaltiges Gebirge, das den Kontinent gewissermaßen in zwei Hälften teilte. Weit über 8.000 m hoch türmte sich das Gebirge auf, dessen höchsten Gipfeln mit Schnee bedeckt waren.

Die Welt galt weitgehend als unbewohnt. Eine eingeborene Bevölkerung gab es nicht. Die Fauna dagegen war jedoch sehr groß. Die unterschiedlichsten Arten von Tieren tummelten sich in den riesigen Wäldern und bevölkerten auch die hohen Berge.

Die einzige Stadt dieser Welt war von den verschiedensten intelligenten Lebewesen bewohnt, die hauptsächlich vom Handel und auch vom Schmuggel lebten. Es war eine der verrufensten Städte in der bekannten Galaxis. Glücksritter, Schmuggler, gesuchte Verbrecher und Spieler lebten hier. Beherrscht wurde alles von einem Verbrecher-Clan, der unbarmherzig jeden ermordete, der ihnen in die Quere kam. Selbst die Jedi waren früher nur mit äußerster Vorsicht hierher gekommen.

 

„Wie sollen wir hier die Jedi finden?“ fragte Mol’o.

 

„Die Macht wird mir helfen“, erklärte Obi-Wan.

 

„Wenn Ihr meint, Meister Kenobi“.

 

Obi-Wan gab es auf, ihn darauf hinzuweisen, ihn Ben zu nennen. Er hoffte nur, dass der Twi’lek sich nicht versprach, falls sie Nachforschungen anstellten mussten.

 

Nach der Landung, die ihnen ohne Schwierigkeiten gewährt wurde, bat Kenobi Mol’o darum, die Verhandlungen mit der Hafenbehörde durchzuführen. Er selbst wollte die Umgebung mit Hilfe der Macht erforschen.

 

Um Obi-Wans Konzentration nicht zu stören, versuchte Mol’o so leise wie möglich zu sein, als er mit dem Hafenmeister Verbindung aufnahm, um ihm die Art ihrer Fracht mitzuteilen. Es waren Luxusgüter, die auf Druilla selten waren und so bald reißend Absatz finden würden. Bail Organa hatte gut vorgesorgt.

 

Inzwischen ließ Obi-Wan die Macht für ihn arbeiten, wurde eins mit ihr und überwand dadurch große Entfernungen. Er suchte nach bekannten Konzentrationen der Macht. Endlich glaubte er etwas zu spüren. Ein Erbeben der Macht, wie sie nur von Jedi erzeugt wurden. Er konzentrierte sich darauf, und tatsächlich wurden die Gefühle deutlicher. Es waren keine Worte, die er verstand, nur Empfindungen und Ahnungen.

Doch nun wusste er wenigsten die Richtung, wo er suchen musste. Nach Norden, in die Berge.

 

Und auch die Jedi wussten nun, dass Hilfe da war.

 

Langsam zog er sich dann zurück.

Da fühlte er eine neuerliche Erschütterung der Macht. Dunkler diesmal und bedrohlich. Obi-Wan erschauderte, als er das Gefühl erkannte. Dasselbe wie damals, als er gegen Darth Maul auf Naboo gekämpft hatte und bei der Schlacht um Geonosis. Oder wie vor fünf Jahren über Coruscant im Kampf gegen Count Dooku. Schnell zog er sich aus der Macht zurück und hoffte, nicht bemerkt worden zu sein.

 

Ein Sith-Lord oder zumindest der Schüler eines solchen befand sich hier.

 

Das erschreckte Obi-Wan. War es möglich, dass das alles eine Falle für ihn war? Dagegen sprach allerdings die Anwesenheit der drei Jedi. Oder sie wurden benutzt, um seiner Habhaft zu werden. Obi-Wan konnte sich gut vorstellen, dass der Imperator ihn auf jeden Fall ausschalten wollte. Und dass ihm jedes Mittel recht war, um dieses Ziel zu erreichen.

Trotzdem wollte er nicht aufgeben. Die jungen Jedi mussten gerettet werden. Er musste einfach noch vorsichtiger sein.

 

Mol’o war nicht entgangen, dass der Jedi-Meister sich erschreckt hatte. Und das bedeutete nichts Gutes. „Meister, habt Ihr etwas?“

 

Obi-Wan sah ihn an. „Ich habe die Jedi gefunden. Sie befinden sich in den Bergen.“

 

„Das ist aber nicht alles, oder? Ich sah Euer Erschrecken.“

 

„Du bist ein guter Beobachter. Zu unserem Unglück bemerkte ich auch noch die Ausstrahlung eines Dieners der dunklen Macht.“

 

Nun erschrak auch Mol’o. „Ein Sith-Lord? Meister Kenobi, seid Ihr sicher?“

 

„Ein Sith oder ein Diener der dunklen Seite der Macht. Und nun gewöhne dir bitte an, mich ganz einfach Ben zu nennen. Wenn wir gleich das Raumschiff verlassen, werde ich dein Diener sein.“

 

„Aber Meister Kenobi! Das ist unschicklich.“

 

„Es mag unschicklich sein oder nicht! Wenn du mir nicht gehorchst, sind wir beide bald tot.“

 

Das sah Mol’o ein und nahm sich vor, den Meister Ben zu nennen. „Was habt ihr vor?“

 

„Du hast sicher schon Kontakt mit dem Hafenmeister aufgenommen?“

 

„Genau wie Ihr befohlen habt. Er hat unsere Frachtliste und meldet sich bei mir, sobald er Käufer hat.“

 

„Sehr gut! Dann können wir nun in die Stadt gehen und uns ein Transportmittel in die Berge besorgen.“

 

Sie verließen den Drachen und sicherten ihn.

 

Der Verkehr auf dem Gelände des Raumhafens war groß. Zum Glück scherte sich niemand um den anderen. Jeder ging seiner Arbeit nach, sei es Beladen oder Entladen einer Fracht.

 

Auch die Kontrollen am Ausgang des Raumhafens passierten sie ohne Schwierigkeiten, da Obi-Wan mit Hilfe der Macht dafür sorgte, dass sich keiner an sie erinnern konnte.

 

Am Ausgang des Hafens brodelte das Leben. Die Stadt war gewaltig. Riesige Hochhaus-Türme, ähnlich denen auf Coruscant, schoben sich viele hundert Meter in den Himmel hinauf. Dazwischen gab es Laufstege, die spiralförmig bis ganz nach oben führten. Diese wurden von den Fußgängern benutzt, um von einem Stockwerk oder von einem Gebäude zum anderen zu kommen, ohne dafür das Innere eines Hauses betreten zu müssen. Dazwischen wogte der Luftverkehr, und darunter der Bodenverkehr.

Selbstverständlich war die Stadt nicht so groß wie auf Coruscant, denn Coruscant bestand praktisch nur aus einer titanischen Planetenstadt. Trotzdem lebten Millionen der unterschiedlichsten Lebewesen auf engen Raum zusammen.

Auch vor dem Raumhafen war die Zahl der Fußgänger und der Benutzer von Luft- und Bodentaxis und Privatfahrzeugen gewaltig. In diesem Gewimmel unterzutauchen, sollte nicht besonders schwierig sein.

 

Der Jedi-Meister beauftragte Mol’o, ein Luftfahrzeug zu mieten. Mit Hilfe des Speeders sollte es einfach sein, ins Gebirge zu gelangen.

 

Nach einer halben Stunde tauchte Mol’o mit einem braunen viersitzigen Speeder auf.

 

Obi-Wan sprang mit einem eleganten Satz auf den Beifahrersitz und überließ dem Twi’lek das Steuer. Der Jedi-Meister konzentrierte sich erneut auf die Macht. Diesmal war die dunkle und bedrohliche Ausstrahlung verschwunden. Er spürte nur die Ausstrahlung der normalen Lebewesen, die sich von der eines Jedi enorm unterschied. Dadurch konnte jeder Jedi-Meister einen anderen spüren. Und er überprüfte auch, ob sie verfolgt wurden, konnte jedoch nichts entdecken.

Obi-Wan gab Mol’o seine Anweisungen wie er zu fliegen hatte. Dabei vergaß der Jedi-Meister keineswegs den dunklen Diener der Macht, der sich irgendwo auf dem Planeten befand. Wahrscheinlich hatte auch dieser ihn gespürt und lauerte nur darauf, dass Obi-Wan sich verriet. Der Jedi achtete genau auf die verschiedenen Grade der Macht und so fand er mit traumwandlerischer Sicherheit den Weg in die Berge.

 

Mol’o staunte sehr. Er hatte noch keine großen Erfahrungen mit Jedi gemacht, auch wenn seine Schwester eine gewesen war. Doch Nika war so gut wie nie zu Hause gewesen, und Mol’o selbst diente seit seinem 15. Lebensjahr im Hause der Organas auf Alderaan.

 

Die Berge schlossen sich direkt an die Stadt an. Ein gewaltiges Massiv, dass sich himmelhoch vor ihnen auftürmte. Der Speeder würde nicht in der Lage sein, die ganz hohen Berge zu überfliegen. Er war für die Stadt gebaut und für offenes Land.

 

Trotzdem blieb ihnen keine andere Wahl, als es zu versuchen und zu hoffen, dass sie die gesuchten Jedi in einem der zahlreichen Täler fanden.

Sie überflogen einige Täler und Berghänge, die hier noch nicht so hoch waren. Plötzlich überflog ein Schatten ihren Speeder.

 

Obi-Wan blickte nach oben, in der Annahme, einen Gleiter oder Raumschiff zu sehen. Hatte man sie doch entdeckt?

 

Alles, was er jedoch sah, war ein riesiger Vogel, der über ihnen seine Kreise zog.

‚Du solltest landen, Jedi-Meister!’

 

Der Gedanke war so deutlich in seinem Kopf, dass Obi-Wan zusammenzuckte und einen Blick auf Mol’o warf. Dieser blickte jedoch geradeaus, darauf bedacht, keinen der Berghänge zu streifen.

 

Ein zweiter Schatten gesellte sich zu dem ersten und nun kreisten sie deutlich über ihnen. Es waren keine Vögel sondern riesige fliegende Echsen, deren Flügelspannweite bestimmt über zehn Meter betrug.

 

‚Lande! Wir holen dich!’

 

Jetzt war Obi-Wan sicher, dass er sich nicht getäuscht hatte. Doch wer sprach zu ihm, wenn es nicht Mol’o war? Er blickte erneut zu den Flugechsen hinauf. Sie besaßen einen schlanken Körper mit vier Beinen, die sie im Flug dicht an den Körper gezogen hatten. Ob sie damit auch gut laufen konnten? An den Füßen befanden sich scharfe Krallen. Der Kopf lief spitz zu und endete in einem breiten kräftigen Schnabel.

 

„Sie haben es auf uns abgesehen!“ rief Mol’o. „Ob es Raubtiere sind?“

 

„Das glaube ich nicht“, antworte Obi-Wan, dem die Erleuchtung kam, wer da mit ihm sprach. „Lande den Speeder!“

 

„Aber dann sind wir ihnen ausgeliefert“, Mol’o sah hinauf zu den Flugechsen, die nun lautlos, aber dicht über ihren Köpfen kreisten.

 

„Mag sein, doch sie sind nicht gefährlich.“

 

„Wie ihr meint, Meister!“ Mol’o landete und Obi-Wan sprang mit einem flinken Satz aus dem Speeder.

 

Über ihnen setze eine der Echsen zur Landung an, während das zweite Tier weiter seine Kreise zog. Das Tier landete gekonnt auf allen vieren und lief auf Obi-Wan zu.

 

‚Ich grüße dich, Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi. Ich bin O’ol’lo’la.’

 

Obi-Wan gab ebenso lautlos zurück: ‚Ich grüße auch dich. Woher kommst du?’

 

‚Deine Freunde schicken mich. Sie sind unsere Gäste. Wir haben sie gefunden, als sie auf der Flucht vor ihren Feinden waren.’

 

‚Ihr habt sie gerettet? Dann stehe ich tief in eurer Schuld!’

 

‚Das tust du nicht. Deine Freunde haben eines unserer Jungtiere, das verletzt war und nicht mehr fliegen konnte, vor einem Raubtier gerettet. Wir tragen nur unsere Schuld ab. Steig auf meinen Rücken, dann bringe ich dich zu deinen Freunden.’

 

‚Gerne, O’ol’lo’la, aber dann schicke ich meinen Begleiter zurück in die Stadt. Ich glaube nicht, dass er fähig ist, ohne Training auf deinem Rücken zu fliegen.’

 

Obi-Wan bekam keine Antwort von dem Flugwesen mit dem fast unaussprechlichen Namen. So sah er das als Ja an. Er wandte sich zu Mol’o um, der staunend und ängstlich zugesehen hatte, wie der Jedi-Meister furchtlos auf das riesige Tier zuging und stumm vor ihm stehen blieb. Fast hatte es den Anschein, als würde er unhörbar mit ihm sprechen.

 

„Mol’o, nimm den Speeder und kehre in die Stadt zurück. Verkaufe die Fracht und warte auf meine Rückkehr.“

 

„Und was macht Ihr, Meister?“

 

„Ich hole meine Freunde.“

 

„Ohne Fluggefährt? Wie wollt Ihr das machen?“

 

„Nun, ich habe ein gutes Transportmittel“, Obi-Wan zeigte auf die Echse.

 

„Seid ihr noch bei Sinnen, Meister? Das ist ein gefährliches Tier.“

 

„Keineswegs, es ist sehr freundlich und hat mich eingeladen, mit ihm zu fliegen. Und genau das werde ich tun.“ Damit drehte sich der Jedi-Meister um und kletterte elegant auf den Rücken des gewaltigen Flugtieres.

 

Staunend und mit offenem Mund sah Mol’o zu, wie die Echse einen kurzen Anlauf nahm und sich elegant in die Lüfte erhob: mit Obi-Wan auf dem Rücken.

 

Mol’o schüttelte verwundert den Kopf. Bei einem Jedi-Meister musste man mit jeder Überraschung rechnen. Er stieg in den Speeder zurück, als die beiden Echsen verschwunden waren und kehrte in die Stadt zurück.


Ende von Teil 1

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