Die letzten Jedi

Teil 2 von 6


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





4.

O’ol’lo’la

 

 

 

Mit eleganten Flügelschlägen hielt sich O’ol’lo’la in den Lüften und brachte Obi-Wan tief hinein in die Berge. Je höher sie kamen, desto kälter wurde es. Die ersten Spuren von Schnee waren unter ihnen zu erkennen.

 

Obi-Wan benutze die Macht, um die Kälte von sich fern zu halten. Doch höher hinauf, als bis zur Schneegrenze schien das Flugwesen nicht zu wollen. Es hielt konstant diese Höhe, überflog manchmal ein Tal oder folgte dessen Verlauf.

 

O’ol’lo’la verhielt sich still und sprach lange nicht mehr mit ihm. Obi-Wan akzeptierte das. Trotzdem war der Jedi-Meister darauf bedacht, nur positive Gedanken in die Macht auszustrahlen. Wer wusste schon, ob O’ol’lo’las Volk diese nicht spüren konnte.

 

‘Wir können das, und ich danke dir für deinen guten Willen, Jedi-Meister’, unterbrach O’ol’lo’la das Schweigen.

 

‘Es ist mir eine Ehre, O’ol’lo’la. Und es ist eine noch größere Ehre, dass du mir erlaubst auf dir zu fliegen.’

 

‘Diese Ehre wurde in der Tat außer dir und deinen Freunden noch niemanden zuteil’, erklärte das außergewöhnliche Flugwesen.

 

‘Ich wusste nicht, dass dein Volk auf dieser Welt existiert.’

 

‘Das weiß niemand. Die anderen Lebewesen auf unserer Welt sind arrogant und voreingenommen. Sie landeten hier, ohne uns zu fragen. Wir wollen nichts mit ihnen zu tun haben.’

 

‘Das kann ich gut verstehen’, meinte der Jedi-Meister. ‘Selbst ich habe mich in die Einsamkeit der Wüste zurückgezogen, weil Hass, Neid und Mordlust mich dazu zwangen.’

 

‘Deine Freunde haben meinem Volk alles erklärt, doch ich habe Schwierigkeiten, es zu verstehen.’

 

‘Weil diese Gefühle dir fremd sind.’

 

‘Deine Freunde sind die ersten auf dieser Welt, bei denen wir solche Gedanken nicht festgestellt haben. Und nachdem sie unser Junges gerettet haben, versuchten wir mit ihnen zu sprechen. Und zu unserer großen Überraschung haben sie uns verstanden. Am Anfang haben wir versucht mit den Neusiedler zu kommunizieren, doch keiner verstand uns. In ihren Gedanken lasen wir, dass sie uns für Tiere hielten, wie es dein Begleiter tat.’

 

‘Das liegt an der Unfähigkeit der meisten intelligenten Lebewesen die Macht zu nützen’, antwortete Obi-Wan.

 

‘Die Macht?’

 

‘Die Macht ist ein Energiefeld, das alles umgibt. Winzig kleine Lebewesen in uns erlauben es uns, sie zu nutzen, doch leider können das nur die Wenigsten.’

 

‘Doch Ihr könnt das, Meister Kenobi.’

 

‘Ja, das ist richtig.’

 

‘Wir sind bald am Ziel.’

 

Obi-Wan sah voraus. Vor ihnen lag ein großes breites Tal, dessen Mittelpunkt ein ausgedehnter blauer See war. In den Felsen entdeckte Obi-Wan die Eingänge zu vielen Höhlen. Der Jedi nahm an, dass die Flugwesen darin lebten. Obi-Wan hielt sich gut fest, als O’ol’lo’la über dem Tal seine Kreise zog. Bisher hatte es ihm keine Schwierigkeiten bereitet, sich auf dem Rücken des Wesens zu halten. Jetzt setzte das Flugwesen zur Landung an und Obi-Wan war gezwungen, sich am Hals festzuklammern.

 

Anakin hätte sicher seine Freunde an dem Flug gehabt.

Anakin!

 

Schon wieder dachte er an seinen ehemaligen Padawan. Ob sich das jemals ändern würde? Vermutlich nicht!

 

O’ol’lo’la setzte vor dem See, am Fuße einer großen Höhle, auf.

 

Es dauerte nur einen Augenblick, bis zwei Gestalten aus der Höhle stürmten.

„Meister Kenobi! Ihr seid es, dann sind wir gerettet!“

 

Obi-Wan sah den etwa 14-jährigen Jungen erstaunt an. Er war groß für sein Alter und besaß kurze schwarze Haare, die ihm etwas wirr um den Kopf herumstanden. „Du kennst mich?“

 

„Aber ja, vom Tempel. Ich bin Dain Baran.“

 

„Der kleine Dain! Du bist ganz schön gewachsen. Und wie kommst du hierher?“

Sein Blick fiel auf das Mädchen neben Dain. „Und wer bist du?“ fragte er.

 

„Ich bin Didra Lego.“

 

Obi-Wan sah das etwa 18-jährige große schlanke Mädchen vom Planeten Corellia erstaunt an. Sie schob ihre langen braunen Haare, die ihr ins Gesicht gefallen waren, mit der Hand zurück. Als er sie das letzte Mal gesehen hatte, war sie ein unscheinbares Kind gewesen, doch nun war sie eine Schönheit geworden. „Didra? Als ich das letzte Mal im Tempel war, hörte ich das Meisterin Yun-Jin Thon dich als Padawan angenommen hat. Wie seid ihr Kinder dem Massaker entkommen?“

 

„Daran bin ich schuld“, sagte eine wohlklingende Stimme in Obi-Wans Rücken.

 

Der Jedi-Meister spürte eine bekannte Präsenz der Macht und drehte sich ungläubig herum. „Yun-Jin, du lebst?“

 

„Obi-Wan!“ Bevor er es sich versah, stürmte die Frau auf ihn zu und umarmte ihn. Etwas verlegen ließ sie ihn dann wieder los.

 

Der Jedi-Meister schüttelte ungläubig den Kopf.

 

Yun-Jin Thon stammte vom Planeten Ekara. Die Menschen dort waren groß, schlank und besaßen eine bläuliche Hautfarbe mit weißblauen Haaren. Diese Haare hatte Obi-Wan oft bei Yun-Jin bewundert. Sie reichten der Frau bis an die Hüften. Die weißen Strähnen darin leuchteten in der Sonne. Yun-Jin hatte sie mit einem Stirnband aus dem Gesicht gebunden. Trotzdem umwehten sie sie bei jeder Bewegung wie ein Schleier.

 

Obi-Wan atmete tief durch. Nach Siri Tachi war die Ekaranerin die einzige Frau, die je sein Herz berührt hatte. Und Siri war tot!

„Yun-Jin, ich kann es nicht fassen.“ Als es den Jedi-Orden noch gab, hatte er oft mit Yun-Jin zusammengearbeitet. Und sie hatten eine Grundregel des Ordens verletzt, weil sie sich näher gekommen waren als erlaubt.

Sie waren im gleichen Alter und gemeinsam im Tempel aufgewachsen. Als junge Schüler hatten sie den Lehrern den einen oder anderen Streich gespielt, sehr zum Ärger des Betreffenden. All das kam ihm jetzt in den Sinn, als er Yun-Jin wieder sah.

 

„Als Palpatine mit Order 66 befahl, die Jedi umzubringen, befand ich mich mit meinem Padawan auf einer geheimen Mission. Es war der erste Einsatz mit meiner jungen Schülerin, also war ich besonders vorsichtig. Während der Durchführung unserer Mission hörte ich Gerüchte, dass die Jedi einen Aufstand gegen Palpatine und den Senat geplant hatten. Etwas, das ich nicht glauben konnte. Dann rief uns ein Signal zum Tempel, doch als ich die Nachricht nochmals abhörte, hatte sie sich geändert und warnte uns davor zurückzukehren. Mein Padawan und ich brachen die Mission sofort ab. Zu unserem Glück wusste niemand, dass wir Jedi waren, weil wir Inkognito unterwegs waren. So gaben wir uns als Mutter und Tochter aus und reisten umher. Doch kein Versteck war sicher. Ein Mittelsmann von Senator Organa fand uns. Er sagte, dass der Senator heimlich Jedi auf einem Planeten versteckte. Der Mittelsmann setzte sich in unserem Auftrag mit Senator Organa in Verbindung. Da gibt es noch etwas: es gibt eine Präsenz der dunklen Seite der Macht auf dem Planeten.“

 

„Die spürte ich auch. In der Botschaft stand aber, dass ihr drei junge unerfahrene Jedi seid.“

 

„Das war zur Tarnung und zu unserer Sicherheit. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass du zu unserer Rettung kommst. Allerdings hätte ich wissen müssen, dass du noch lebst. Du hast immer einen Ausweg gefunden.“

 

„Danke für dein großes Vertrauen, aber ich bin froh, dass meine Warnung vor fünf Jahren angekommen ist. Hoffentlich hat sie noch mehr Jedi das Leben gerettet.“

 

„Dann hast du das Signal umgewandelt?“

 

„Ja, zusammen mit Meister Yoda. Und wie habt ihr den Jungen gefunden?“

 

„Meister Yoda lebt? Ich kann es nicht fassen.

Doch wie auch immer, es war Zufall. Dain konnte irgendwie aus dem Tempel fliehen.“

 

„Ich habe mich auf ein Raumschiff geschmuggelt und bin umhergezogen. Mit Hilfe der Macht konnte ich mich aus jeder Gefahr retten.

Dann bin ich Meisterin Yun-Jin und ihrem Padawan begegnet und sind zusammen geblieben“, erklärte Dain.

 

„Da bin ich froh, doch nun ist es besser, wenn wir von hier verschwinden. Wir wollen diese netten Lebewesen nicht unnötig gefährden.“ Obi-Wan zeigte auf O’ol’lo’la und ihre Freunde, die einen Kreis um diese seltsamen Zweibeiner gebildet hatten und sie neugierig beobachteten.

Obi-Wan wandte sich an O’ol’lo’la, die er an ihrer Flügelfarbe erkannte. ‘Wir danken dir und deinen Leuten für eure Gastfreundschaft. Doch wir wollen euch nicht mehr gefährden und bitten euch, uns in die Nähe der Stadt zu bringen. Dort setzte ich mich mit meinem Freund in Verbindung, der uns abholen kann.’

 

‘Es ehrt dich, dass du uns nicht gefährden willst, und wir erfüllen deinen Wunsch. Du kannst wieder auf meinen Rücken steigen, deine Freunde werden R’rl’lr’ra, T’tl’Lt’ta und S’sl’ls’sa übernehmen.’

 

‘Danke.’ Obi-Wan versuchte erst gar nicht, sich die Namen der anderen Flugechsen zu merken, das wäre schlicht unmöglich gewesen. Zumal es schon eine Kunst war, diese nur auszusprechen.

 

Didra beugte sich zu einem jungen Flugwesen herunter und umarmte es. „Das ist A’al’la’ta. Wir haben ihr Leben gerettet und deswegen konnten wir uns hier verstecken.“

 

Obi-Wan streichelte das kleine Wesen, dem das sichtlich zu gefallen schien.

 

„Ich bin sicher, dass der Dunkle uns sucht. Er hat uns gespürt“, fügte Meisterin Thon hinzu.

 

Die namentlich genannten Flugwesen stellten sich der Reihe nach auf, und die vier Jedi nahmen auf ihrem Rücken Platz.

 

Didra winkte nochmals, und dann schwang sich ihr Flugwesen in die Lüfte.

 

Nacheinander starteten auch die drei übrigen. Sie schwebten noch eine Ehrenrunde über dem Tal und flogen dann in Richtung der großen Stadt davon.

 

Obi-Wan warf ebenfalls noch einen Blick zurück und sah, dass sich die meisten der Flugwesen in ihre Höhlen zurückgezogen hatten oder sich am See aufhielten. Dann war O’ol’lo’la über den Berg, und der Hang verdeckte die Sicht auf die Kolonie.

Der Jedi-Meister konzentrierte sich auf den Weg und forschte in der Macht nach Anzeichen von Gefahr. Der Dunkle konnte überall auf sie lauern. Obi-Wan war sicher, das er nicht aufgegeben hatte. Er aktivierte zwischendurch seinen Comlink und informierte Mol’o über ihre Rückkehr. Sie vereinbarten einen Treffpunkt knapp außerhalb der Stadt. Dort wollte der Twi’lek mit dem Speeder auf sie warten.

Sie hatten die Berge fast hinter sich gelassen und flogen über ein zerklüftetes Canyon-Gebiet, als die Macht Obi-Wan warnte. Das Dunkle war stärker geworden und kam auf ihn zu.

 

Da hob Yun-Jin, die neben ihm flog, die Hand und Obi-Wan glaubte ihre Gedanken erkennen zu können.

Die dunkle Macht ist in der Nähe!

 

Obi-Wan bestätigte diese Gedanken. Am Horizont sahen sie nun einige Punkte, die auf sie zukamen.

 

„Das müssen sie sein!“ rief Yun-Jin Obi-Wan zu.

 

Die Punkte wurden größer, und der Jedi-Meister erforschte die Macht. Deutlich spürte er die Annäherung von mindestens zehn Lebewesen, eines davon der Dunkle. „Sie kommen mit Speedern auf uns zu.“

 

„Wir müssen die Kinder in Sicherheit bringen. Wir lenken sie ab“, rief die Jedi-Meisterin zurück.

 

„Meisterin!“ mischte sich Didra ein. „Wir lassen euch nicht im Stich.“

 

„Das tut ihr nicht, aber ihr müsst euch in Sicherheit bringen. Erst dann können Meister Kenobi und ich uns auch in Sicherheit bringen.“

 

„Tut was Meisterin Thon euch sagt“, riet Obi-Wan den beiden Padawan. „Trefft euch mit Mol’o und kehrt ins Raumschiff zurück. Wartet dort einen Tag und wenn wir uns bis dahin nicht melden, verlasst den Planeten und setzt euch mit Senator Organa in Verbindung.“

 

„Aber Meister Kenobi! Wir...!“

 

„Keine Widerrede, Kinder. Das ist ein Befehl“, sagte Yun-Jin im Befehlston, der keinen Widerspruch duldete.

 

‘O’ol’lo’la, deine beiden Freunde mit den Kindern sollen sich verstecken. Wir beide und Meisterin Thon lenken die Angreifer ab. Bist du breit, das Risiko einzugehen?’

 

‘Ja, und R’rl’lr’ra auch.’

 

‘Danke! Dann los. Versuch die Angreifer in den Canyon zu locken und dort abzulenken. Wir fliegen rechts und R’rl’lr’ra links.’

 

Meisterin Yun-Jin hatte das verstanden. Während ihr Fluggefährte nach links in den Canyon abbog, tat O’ol’lo’la dasselbe rechts. Die Flugtiere der Kinder gingen senkrecht in den Canyon hinab, um sich zu verstecken.

 

Obi-Wan zog zum ersten Mal seit dem Verlassen von Tatooine sein Lichtschwert. Er sah, dass Yun-Jin dasselbe machte.

 

Die Speeder waren inzwischen so nahe gekommen, dass man die Insassen erkennen konnte. Es waren Mitglieder der verschiedensten Rassen, die jeweils zu zweit in den fünf Speedern saßen. Keine leichten Gegner, zumal sie inzwischen auch Blaster gezogen hatten und auf die Jedi und ihre Fluggefährten richteten. Jetzt wurde es gefährlich.

 

 

 

 

 

5.

Carn Dúm

 

 

 

Ihr Plan schien aufzugehen. Die Speeder mussten sich aufteilen, wenn sie ihn und Yun-Jin erwischen wollten. Obi-Wan sah, dass ihm und O’ol’lo’la drei Speeder folgten und die übrigen hinter Meisterin Thon her flogen. Und noch etwas spürte Obi-Wan: Das Dunkle war so nah, dass der Sith in einem der drei Gleiter sitzen musste, die ihm folgten.

 

Nun gut! Leicht würde er sich nicht fangen lassen.

 

O’ol’lo’la tat ihr möglichstes, um ihn zu unterstützen. Sie flog Schlangenlinien, zog steil nach oben oder unten, um den Blasterschüssen auszuweichen und machte einmal sogar einen Luftrolle.

 

Dabei hatte Obi-Wan seine liebe Mühe, nicht herunter zufallen.

Zum Glück für ihn besaß der Canyon viele Abzweigungen, so dass sie den Verfolgern immer wieder ausweichen konnten. Auf Dauer würde O’ol’lo’la das jedoch nicht durchhalten. Der Jedi-Meister musste dem ein Ende machen. Flucht im offenen Himmel würde auch nichts bringen, weil die Speeder viel schneller als das Flugwesen waren.

‘Ich steige um. Bringe du dich in Sicherheit, O’ol’lo’la. Ich danke dir für deine Hilfe und hoffe, dass auch deine Freunde sicher nach Hause kommen.’

 

‘Auch ich danke dir, Obi-Wan Kenobi. Aber was du vorhast, ist Selbstmord.’

 

‘Mach dir um mich keine Gedanken. Bringe dich in Sicherheit. Bei der nächsten Biegung halte an und drehe dich in die Flugrichtung der Speeder. Dann warte, bis ich abgesprungen bin und dann fliehe!’

 

‘In Ordnung.’

O’ol’lo’la aktivierte noch einmal sämtliche Kraftreserven und schaffte es tatsächlich, einen kleinen Vorsprung herauszuholen. Als sie um eine Ecke bog drehte sie sich blitzschnell und wartete.

 

Der erste Speederpilot kam nicht einmal dazu sich zu erschrecken. Kaum war er um die Kurve, stieß sich der Jedi-Meister mit einem kraftvollen Satz ab, machte in der Luft einen Salto und kam hinter dem Piloten auf.

 

‘Möge die Macht mit dir sein, Obi-Wan Kenobi!’ Mit diesem guten Wunsch verabschiedete sich O’ol’lo’la von dem Jedi-Meister, zog steil nach oben und flog davon.

 

Obi-Wan konnte keinen Abschiedsgruß hinterher senden, denn er musste sich auf den Kampf konzentrieren.

 

Der Pilot, ein Bothaner, hatte keine Chance. Er flog so schnell aus dem Speeder, dass er nicht wusste, was ihm geschah.

 

Den zweiten Mann erledigte Obi-Wan mit einem kurzen Hieb seines Lichtschwertes. Mit knapper Not schaffte er es, den Speeder vor einem Absturz zu bewahren. Als er sicher saß, steuerte er den Speeder aus dem Canyon hinaus und flog mit Höchstgeschwindigkeit auf die nahe Stadt zu.

Den toten Rodianer warf er kurzerhand von Bord.

 

Die beiden anderen Speeder-Besatzungen waren von dem Bravourstück des Jedi-Meisters überrascht worden, doch nachdem sie ihre Überraschung überwunden hatten, nahmen sie unverzüglich die Verfolgung auf.

 

Obi-Wan holte das letzte aus dem Antrieb seines gekaperten Speeders heraus und sah die Hochhäuser der Stadt auf sich zukommen. Doch seine Verfolger waren ihm dicht auf den Fersen. Als sie die ersten Häuser passierten, ging die Verfolgung durch die Stadt weiter.

Obi-Wan war zwar kein so guter Pilot wie Anakin es gewesen war, aber auch er hatte immer zu den Besten gehört. Als er zwischen den verschiedenen Gebäuden umher flog, immer dicht verfolgt von den beiden anderen Speeder, entschloss er sich zu einem Trick, den er von Anakin gelernt hatte. Er zog den Speeder urplötzlich scharf nach rechts, ließ ihn unerwartet heruntersacken, dann beschleunigte er stark, bog nach links ab, zog die Nase des Fahrzeuges wieder hoch, und brachte den Speeder damit zurück in eine Gerade.

 

Die Verfolger rasten geradeaus weiter, direkt auf eine Brücke zu. Doch die beiden Piloten standen ihm kaum nach. Irgendwie gelang es ihnen auszuweichen.

 

Obi-Wan raste weiter, um ein Gebäude herum und behielt die Verfolger im Auge. Vor ihm tauchte ein Tunnel auf. Sein Speeder raste hinein. Die Wände flogen nur so dahin, und Obi-Wan hätte fast die Augen geschlossen, doch wider Erwarten erreichte er unversehrt den Ausgang.

 

Die Verfolger hatten sich geteilt. Einer war ihm in den Tunnel gefolgt und der andere schien eine Abkürzung genommen zu haben, denn er wartete am anderen Ausgang.

 

Das hatte Obi-Wan nicht geplant. Blitzschnell zog er den Speeder steil nach oben. Die Macht half ihm dabei. Ohne sie hätte er diese Manöver niemals durchführen können. Beide Speeder folgten ihm und vollführten wilde Flugmanöver.

 

Einer riss seinen Speeder plötzlich steil nach oben und brachte sich in einem engen Looping direkt hinter den Speeder des Jedi.

 

„Das kann ich auch“, sagte Obi-Wan. Er trat auf die Bremsen, kehrte den Schub um, und dann befand sich der Speeder plötzlich neben ihm.

Leider blickte Obi-Wan dadurch genau in die Mündung eines Blasters. Obi-Wan duckte sich nach vorne und ließ seinen Speeder plötzlich absacken, um direkt unter dem seines Gegners zu landen.

„Jetzt kannst du nicht mehr auf mich schießen“, meinte Obi-Wan triumphierend, aber sein Lächeln dauerte nur einen Sekundenbruchteil, denn länger brauchte der Verfolger nicht, um seine neue Taktik zu erkennen. Obi-Wan begriff, dass der Pilot der Sith sein musste, denn nur einer, der die Macht beherrschte, konnte solche wahnwitzigen Flugmanöver unbeschadet durchführen. Obi-Wan raste auf das nächste Gebäude zu und mit dem geringsten möglichen Abstand über das Dach.

 

Der Verfolger raste hinterher, wurde ein wenig langsamer und zog die Nase seines Fahrzeuges gerade noch rechtzeitig hoch, um über das Dach zu kommen.

 

Obi-Wan flog um eine Ecke und verschwand zwischen zwei Gebäuden, nur um zu erkennen, dass er in einer Sackgasse gelandet war. Er drehte den Speeder und sah, dass sein Verfolger nun die Gasse blockierte.

 

Der Mann lehnte sich aus der Tür und richtete ein Lasergewehr auf ihn.

 

„Oh, verflucht!!

 

„Ergib dich, Kenobi! Dann kommst du vielleicht mit dem Leben davon!“

 

Obi-Wan gab keine Antwort. Stattdessen gab er Gas.

Er zog den Speeder unter den des Verfolgers und streifte ihn dabei beinahe, doch er kam durch. Nun musste der Verfolger erst drehen, doch dann nahm er erneut die Verfolgung auf. Ein Blasterschuss streifte Obi-Wans Speeder. Sie gaben es wohl auf, ihn lebend zu fangen. Nun wurde es erst recht gefährlich.

Ein weiterer Schuss traf den Speeder, der nun eine Rauchfahne hinter sich herzog. Das konnte niemals gut gehen. Zum Glück schien er wenigsten den zweiten Verfolger abgehängt zu haben. Der Speeder fing an zu bocken, und Obi-Wan begriff, dass er landen musste. Nun gut, er würde sich zum Kampf stellen. Er wählte ein Gebäude unter ihm, das ein großes flaches Dach besaß. Mit Mühe schaffte er es, das schwer beschädigte Fluggefährt zu landen, bevor es in einer mächtigen Explosion verging.

 

Der Verfolger war ebenfalls gelandet, und die beiden Insassen kamen langsam auf ihn zu. Der erste Mann richtete sein Blastergewehr auf ihn, doch Obi-Wan ließ die Macht fließen und das Gewehr wurde dem Menschen mit einem Ruck aus der Hand gerissen. Überrascht blickte er der Waffe hinterher.

 

Obi-Wan griff sofort an. Er durfte keine Zeit verlieren. Er aktivierte sein Lichtschwert, und die blauweiße Klinge fuhr mit einem beruhigenden Summen heraus. Der Jedi sprang hoch in die Luft, überschlug sich und kam in einer geschmeidigen Bewegung wieder auf dem Boden auf. Sein Arm hatte dabei nur eine kurze Bewegung gemacht und den Mann getroffen.

 

Er sank tot zu Boden.

 

Obi-Wan bedauerte das, denn Leben war ihm immer noch heilig, doch hier kämpfte er um das nackte Überleben, denn der zweite Gegner war ein Sith oder zumindest einer, der dem sehr Nahe kam.

 

Dieser hatte Obi-Wans Aktion ohne Rührung beobachtet. Er wusste, wen er vor sich hatte und würde den Jedi-Meister niemals unterschätzen.

 

Als Obi-Wan sich ihm zuwandte blieb er immer noch reglos stehen. „Wer seid Ihr?“ fragte der Jedi.

 

„Ich bin Carn Dúm, ein Schüler Count Dookus.“

 

Also doch ein Sith!

„Euer Meister ist schon lange tot!“

 

„Wie Eurer! Getötet von einem Sith“, lautete die verächtliche Antwort.

 

„Von einem Sith, den ich anschließend getötet habe“, sagte Obi-Wan, der sich nicht aus der Ruhe bringen ließ. Sein Schwert ruhte sicher und ohne Zittern in seiner Hand. Ein Sith war ein mächtiger Gegner, doch keiner, den man nicht besiegen konnte. Und wie es dem Jedi schien, war seine Macht lange nicht so groß wie die von Dooku oder Palpatine. „Und es war nicht der einzige. Ich habe auch General Grievous getötet.“

 

„Ja!“ Der Hass sprach förmlich aus Carn Dúms nächsten Worten. „Dafür werdet Ihr entsetzlich leiden müssen, bevor wir euch töten.“

 

„Wir?“

 

„Imperator Palpatine und Lord Vader. Ich habe sie von Eurer Ankunft informiert. Sie warten schon auf Euch, Kenobi.“

 

„Dann seid ihr nichts weiter, als ein gewöhnlicher Kopfgeldjäger, mit etwas Ahnung der dunklen Macht. Ich spüre genau, dass die Macht nicht so stark in Euch ist, wie in Anakin oder Dooku oder Grievous“, ärgerte Obi-Wan den Sith.

 

„Stark genug, um Euch zu besiegen, Kenobi!“ zischte der Sith wutentbrannt.

 

Obi-Wan Kenobi musterte die Gestalt des Sith genau.

 

Er war ein Zabrak, also ein Mitglied der gleichen Spezies wie Obi-Wans alter Freund, der Jedi-Meister Agen Kolar, der von Darth Sidious getötet worden war. Carn Dúms Hautfarbe war braun, und seine langen schwarzen Haare hatte er zu einem Zopf zusammen gebunden. Auf der Stirn saßen wie bei allen Zabrak vier kleine Hörner, und seine schwarzen Augen funkelten ihn hasserfüllt an. Die Zabrak waren als wilde und gefährliche Kämpfer bekannt. Er war so groß wie Kenobi, aber muskulöser. Selbst ohne Beherrschung der Macht würde er kein leichter Gegner sein.

Carn Dúm hob sein rötlich schimmerndes Lichtschwert. „Sollen wir reden oder es zu Ende bringen, Kenobi?“

 

„Bringen wir es zu Ende.“

 

Carn Dúm stürmte auf Obi-Wan zu, der von dieser wilden Aktion jedoch nur den Bruchteil einer Sekunde überrascht wurde. Er machte einen Satz in die Höhe, und Dúm brauste an ihm vorbei.

Schnaubend drehte sich Dúm herum und hob die Hand.

 

Obi-Wan fühlte überrascht, wie etwas an seinem Schwert zerrte und es ihm mit einem Ruck aus der Hand gerissen wurde. Das war neu, noch niemand hatte ihm sein Schwert nach so kurzer Zeit entrissen. Doch auch ohne Schwert war er ein gefährlicher Gegner, wie Dúm sofort bemerkte.

Obi-Wan ließ die Macht fließen, packte Dúms Gestalt und warf ihn meterweit über das Dach. Carn Dúm kam hart auf und verlor dabei ebenfalls sein Schwert, das weit über das Dach schlidderte. Nun waren sie beide ohne Lichtschwert.

 

Der Jedi blickte sich nach seinem Schwert um und sah es in der Nähe liegen. Dies lenkte jedoch seine Aufmerksamkeit von Dúm etwas ab.

Die Macht veranlasste ihn dazu, sich instinktiv umzudrehen. Er sprang hoch in die Luft und überschlug sich. Als er sicher auf den Füssen landete, war der Schuss des Blasters dicht unter ihm vorbeigeschossen. Obi-Wan verschwendete keine Zeit, warf sich vorwärts und drehte sich erneut in der Luft, um Dúm die Waffe aus der Hand zu treten.

 

Sein Gegner zuckte mit keiner Wimper. Kaum hatte der Jedi wieder Boden unter den Füßen, griff er an, schlang die Arme um Obi-Wans Oberkörper und schob ihn rückwärts.

 

Er versuchte den Jedi-Meister niederzuringen, aber Obi-Wan war dafür zu schnell und sofort wieder vollkommen im Gleichgewicht. Er schob ein Bein zwischen die Füße seines Gegners und setzte zu einer Drehbewegung an, die den Griff um seine Arme schwächen sollte.

 

Sein Gegner schnaubt nur und stieß seine Stirn in Obi-Wans Gesicht, was den Jedi einen Augenblick lang halb betäubte. Sein Gegenüber riss eine Hand los und schlug zu, aber er erkannte seinen Fehler sofort, als der Jedi dem Schlag auswich, einen engen Saltor direkt unter dem ausholenden Arm ausführte und, als er aus der Drehung kam, mit beiden Füßen gegen die Brust Dúms trat und ihn nach hinten schleuderte.

 

Nun griff Obi-Wan an, krachte gegen den taumelnden Zabrak und versuchte, ihn unter sich zu begraben.

 

Doch Dúm war ein gefährlicher Gegner. Er ließ sich fallen, dann kehrte er die Bewegung um und blockte Obi-Wan unerwartet ab. Dann versuchte er einen rechten Haken.

 

Obi-Wan duckte sich und reagierte mit einer linken Gerade. Seine Linke traf Dúm im Gesicht, gefolgt von einem rechten Haken. Aber er wich wieder aus und überraschte Obi-Wan mit einer kurzen, aber wuchtigen Linken und dann auch mit einer Rechten in den Bauch. Obi-Wan hob die Hand zwischen sein und das Gesicht des Gegners und benutzte die Macht, um den Mann einen Schritt rückwärts zu schleudern und war anschließend mit einem Satz wieder auf den Beinen.

 

Dúm wurde zurückgeschleudert, direkt auf seinen im Kampf fallengelassen Blaster.

 

Obi-Wan bemerkte sein heruntergefallenes Lichtschwert hob die Hand und konzentrierte sich auf die Macht. Das Schwert schoss heran, direkt in seine Hand.

 

Dúm hob den Blaster und drückte ab. Obi-Wan konnte den Strahl mit Hilfe seines Lichtschwertes abwehren, doch Dúm schoss wieder und wieder. So schnell, dass Obi-Wan Mühe hatte alle abzuwehren. Zu allem Übel tauchte der zweite Speeder auf, der sie anscheinend die ganze Zeit gesucht hatte.

 

Nun war guter Rat teuer. Im Grunde blieb ihm nur die Flucht. Von den Blaster-Schüssen getrieben, wich Obi-Wan immer weiter zurück. Bis er den Rand des Daches erreicht hatte. Nur ein paar Meter daneben schwebte der Speeder und ein weiteres Blastergewehr zielte auf ihn.

 

Carn Dúm erkannte das. Triumph zog über sein Gesicht. „Gib endlich auf, Kenobi!“

 

Obi-Wan hörte nicht auf ihn. Er war schließlich mit Absicht zum Rand zurückgewichen.

 

Spring, Padawan!

 

Obi-Wan war diesmal nicht überrascht. Er hatte sich völlig der Macht hingegeben, die so stark durch ihn floss, wie noch nie in seinem Leben. Er ließ sich einfach über den Rand fallen, schlug einen Salto und schoss im dem Kopf nach unten in die Tiefe. Die Macht bremste seinen Fall ab, doch auch sie würde ihn aus dieser Höhe nicht retten. Deshalb holte er sein Seilkatapult heraus, das in seinem Gürtel befestigt war und schoss den Haken ab. Er hatte gut gezielt. Der Haken wickelte sich um einen Querbalken und bremste seinen Fall völlig ab. Er schwang sich ein paar Mal hin und her, drehte einen Salto und sprang durch die Scheibe eines großen Fensters und landete mitten in einem großen Raum.

 

Die Bewohner sahen ihn überrascht und ängstlich an.

 

Doch der Jedi hielt sich nicht auf und stürmte aus dem Raum hinaus. Durch einen langen Gang erreichte er einen Aufzug, der ihn zur Oberfläche des Planeten bringen würde.

 

 

 

 

 

6.

Yun-Jin Thon

 

 

 

Während Obi-Wan Kenobi nach rechts flog, wählte Yun-Jins Flugtier die andere Richtung. Yun-Jin bemerkte sofort, dass drei der Speeder Obi-Wan folgten und sie es somit nur mit zwei Speeder-Besatzungen zu tun hatte. Keine allzu schwierige Aufgabe für eine Jedi-Meisterin, wie sie hoffte. Zudem spürte sie, als sie die Macht benutzte, dass der Sith sich von ihr entfernte.

 

Hoffentlich schaffte das Obi-Wan! Drei Gegner, dazu noch der Sith. Obi-Wan war gut, aber dieser Gegner würde eine Herausforderung für den besten Jedi-Meister darstellen.

 

Vielleicht konnte sie ihm später zu Hilfe eilen, doch vorher musste sie ihre Verfolger abhängen oder unschädlich machen und die Kinder in Sicherheit bringen.

 

‘Mach dir keine Sorgen, Meisterin Yun-Jin. Meister Kenobi ist sehr einfallsreich.’

 

‘Woher willst du das wissen, R’rl’lr’ra!’

 

‘Ich habe Meister Kenobis Gedanken gelesen.’

 

‘Du bist sehr optimistisch. Dann will ich das auch sein. Glaubst du, dass wir die beiden Speeder abstürzen lassen können?’

 

‘Aber ja! Überlasse das Fliegen mir und übernimm du dafür die Insassen!’

 

‘Einverstanden!’

 

R’rl’lr’ra ergriff sofort die Initiative. Während sie bisher vor den Speedern geflohen waren, gingen sie nun zum Angriff über. R’rl’lr’ra stieg ohne Vorwarnung senkrecht nach oben.

 

Yun-Jin konnte sich gerade noch festklammern. Ihre Haare wehten wie ein blauer Schleier hinter ihr her, während sie sich bemühte nicht herunter zu fallen.

 

Genauso schnell ließ sich R’rl’lr’ra wieder nach unten fallen, genau auf einen der Speeder zu.

 

Yun-Jin benutze die Macht und hielt sich mit ihrer Hilfe auf dem Rücken fest, während sie die rechte Hand zum Schwert führte und es zog. Die grün leuchtende Flamme schoss aus dem Lichtschwert. Als R’rl’lr’ra genau über dem Speeder war, zog er nach oben und Yun-Jins Schwert zischte nach unten. Sie hatte genau gezielt und traf den menschlichen Piloten. Sofort fing der Speeder an zu trudeln.

 

Der zweite Insasse versuchte verzweifelt das Gefährt unter Kontrolle zu bringen, doch er schaffte es nicht. Der Speeder schoss auf eine Canon-Wand zu und verging beim Aufprall in einem weithin zu sehenden Feuerball.

 

„Einer ist erledigt, R’rl’lr’ra!“ rief Yun-Jin.

 

Der zweite Speeder näherte sich nun von der Seite. Der Co-Pilot beugte sich aus dem Speeder und richtete ein Blaster-Gewehr auf die Jedi-Meisterin.

 

Yun-Jin ließ sich davon jedoch nicht einschüchtern. Der erste Sieg hatte ihr Hoffnung ‘gegeben.

 

R’rl’lr’ra vollführte einen Sturzflug, und der Blasterschuss ging weit daneben. Dicht über dem Boden fing sich das Flugwesen ab und zog erneut steil nach oben. R’rl’lr’ra war viel wendiger, als der Speeder und bot einem Schützen nur schwer ein Ziel. Ein Blasterschuss nach dem anderen verfehlte sie oder wurde von Yin-Jins Lichtschwert abgewehrt. Doch ewig konnte das Katz und Mausspiel so nicht weitergehen. R’rl’lr’ra ‘war zwar gewandter, doch im Gegenzug zu einem Speeder wurde er müde.

 

Ohne es zu wissen wendete Yun-Jin die gleiche List an wie kurz zuvor Obi-Wan. Sie befahl R’rl’lr’ra einen Sturzflug zu machen, um selbst auf den Speeder springen zu können.

 

‘Das ist Selbstmord, Yun-Jin’.

 

‘Nein, nur reine Verzweiflung. Bist zu bereit?’

 

‘Ich schon!’

 

‘Dann los.’

 

R’rl’lr’ra ging in einen Sturzflug über, fing sich dicht vor dem Speeder ab, um knapp über ihm wieder Höhe zu gewinnen.

 

Yun-Jin sprang mit einem gewaltigen, aber genau ausgerechneten Satz in die Höhe. Sie machten einen Salto und landete hinter dem überraschten Menschen neben dem Piloten. Yun-Jin ließ die Klinge ihres Schwertes ausfahren und schlug zu. Sie traf die Hand des Mannes. Gewehr und Arm flogen in einem weiten Bogen davon.

 

Der Mensch schrie vor Schmerzen auf. Yun-Jin packte ihn und warf ihn mit Schwung aus dem Speeder. Die Jedi-Meisterin konnte nicht sehen, wo er aufschlug, doch sie vermutete, dass er sich auf jeden Fall das Genick gebrochen hatte und somit ausgeschaltet war.

 

Der Pilot dagegen nicht, doch nur eingeschränkt, da er noch steuern musste. Er hatte einen Blaster gezogen und richtete ihn auf Yun-Jin, während er mit der rechten Hand zu steuern versuchte.

 

„Versuch das lieber nicht!“ warnte Yun-Jin ihn. Wie erwartet hörte der Bothaner jedoch nicht auf sie und drückte auf den Abzug.

 

Ein Fußtritt der Jedi-Meisterin sorgte dafür, dass ihm die Waffe aus der Hand geschlagen wurde und der Schuss sein eigentliches Ziel weit verfehlte. Yun-Jins Lichtschwert zielte auf die Kehle des Mannes, der nun keine Gegenwehr mehr wagte.

„Habt ihr wirklich geglaubt, es mit zwei Jedi-Meistern aufnehmen zu können?“

 

„Man sagte uns nur etwas von einem Jedi-Meister, und unser Boss ist ebenfalls ein Jedi!“

 

„Er ist niemals ein Jedi“, widersprach Yun-Jin. „Er benutzt die dunkle Seite der Macht.“

 

„Ist das ein Unterschied?“ wagte der Mann zu fragen.

 

Yun-Jin stieß verächtlich die Luft aus. „Lande!“

 

Wortlos und mit ängstlichem Blick gehorchte der Rodianer. Wahrscheinlich dachte er, dass nun sein letztes Stündlein geschlagen hatte.

 

„Aussteigen!“

Mit einem Satz saß Yun-Jin hinter dem Steuer und ließ den überraschten Mann zurück. Heute hatte es schon genug Tote gegeben.

 

R’rl’lr’ra kreiste noch immer um sie, als sie mit dem Speeder aufstieg.

‘Du bist eine großartige Kämpferin, Meisterin’.

 

‘Danke, doch es waren keine gefährlichen Gegner für einen Jedi.

Nun aber zu den Kindern. Sie können nicht weit vor uns sein.’

 

‘Ich kann die Gedanken von T’tl’Lt’ta und S’sl’ls’sa erkennen. Sie haben mit den Kindern euren Freund erreicht. Und gerade kommt O’ol’lo’la dazu. Meister Obi-Wan ist in einen Speeder gestiegen und schon in der Stadt.’

 

‘Dann werden wir uns zu ihm begeben. Vielleicht ist er in Gefahr. Er musste mit drei Speeder-Besatzungen und dem Sith kämpfen. Ich fürchte um sein Leben.’

 

‘Er wird es schaffen.’

 

Inzwischen hatten sie die anderen erreicht. Mol’o wartete in einem Speeder wie vereinbart auf die Jedi. „Wo ist Meister Kenobi?“ fragte er besorgt, als er nur die Jedi-Meisterin und die beiden Padawane sah.

 

„Ich fürchte, sein Leben ist in Gefahr. Er ist in der Stadt, doch ich werde die Macht benützen und versuchen ihm zu helfen“, sagte Yun-Jin.

Sie wandte sich an die Flugwesen. „Habt dank für eure Hilfe. Doch nun solltet ihr heimkehren. Bringt euer Leben nicht weiter in Gefahr.“

 

‘Bist du sicher, Jedi-Meisterin?’

 

Yun-Jin glaubte R’rl’lr’ra zu erkennen. ‘Ich bin sicher!’

 

‘Dann kehren wir nach Hause zurück. Lebt wohl!’

 

‘Lebt wohl’! verabschiedeten sich die drei Jedi in Gedanken, während Mol’o den Flugwesen fasziniert nachsah.

 

„Sind sie intelligent?“ fragte er.

 

„Das sind sie, und gute Freunde“, erklärte die Meisterin.

„Ich bin übrigens Yun-Jin Thon und das sind die Padawane Didra Lego und Dain Baran.“

 

Mol’o blickte die Jedi-Meisterin fasziniert an und bewunderte insgeheim ihre Schönheit. Das lange blaue von weißen Strähnen durchzogene Haar und ihre aristokratische Erscheinung beeindruckten ihn sehr. Schnell strich er sich seine Bekleidung zurecht und fuhr sich über seine Lekku. Der erste Eindruck ist immer der wichtigste. „Mein Name ist Mol’o, und ich stehe im Dienste von Senator Bail Organa. Zur Zeit bin ich jedoch der Reise-Gefährte von Meister Kenobi.“

 

Yun-Jin musterte den Twi’lek amüsiert, der vor ihr Eindruck schinden wollte. Sie gab zu, dass er gut aussah.

 

Groß, schlank mit absolut menschlichen Gesichtszügen. Er mochte ein paar Jahre jünger als sie sein. Seine beiden Lekku anstelle von Haaren waren der einzige Unterschied zu einem Menschen.

 

Yun-Jin hatte die Twi’leks schon immer gemocht, und die Jedi-Meisterin Aayla Secura war ihre beste Freundin gewesen. Nach ihrer Flucht vor dem Imperium hatte Yun-Jin erfahren, dass Aayla auf dem Planeten Felucia von ihren Klon-Soldaten ermordet worden war.

„Bringt die Kinder in Euer Raumschiff, Mol’o. Ich werde mit Hilfe der Macht Obi-Wan suchen.“

 

„Meisterin! Wir wollen mitkommen.“

 

„Nein, bitte folgt Mol’o in das Raumschiff. Wir treffen uns dort.“

 

„Das ist Wahnsinn, Meisterin. Lasst uns doch helfen“, versuchte Didra die Jedi umzustimmen, stieß jedoch auf Granit.

Widerwillig stiegen sie schließlich zu Mol’o in den Speeder.

 

„Obi-Wan und ich kommen bald zurück“, versprach Yun-Jin den dreien.

 

Yun-Jin sah dem Speeder einen Augenblick hinterher und sprang dann in ihr erbeutetes Fahrzeug. Sie sandte die Macht aus und suchte nach Obi-Wan. Schließlich spürte sie seine Anwesenheit und ließ sich von der Macht durch die Hochhäuser der Stadt führen.

 

Während des Fluges hatte sie Zeit nachzudenken. Zum ersten Mal wurde ihr richtig bewusst, dass Obi-Wan noch lebte. Wie hatte sie das gehofft, doch nie gewagt daran zu glauben, dass er dem Morden entkommen war. Viele alte Erinnerungen und Gefühle waren zurückgekommen. Gefühle, von denen sie geglaubt hatte, dass sie tief in ihrem Inneren vergraben waren. Doch der Untergang des Jedi-Ordens hatte alles verändert. Sie wusste nicht, ob Obi-Wan noch genauso fühlte wie damals, vor 15 Jahren.

Obwohl es verboten war, hatten sie eine kurze Affäre gehabt. Obi-Wans alter Meister Qui-Gon hatte nicht mehr gelebt, und Obi-Wan hatte selbst einen jungen Padawan gehabt. Sie hatten ihre Beziehung geheim gehalten, auch vor dem Padawan. Dann hatten sich ihre Wege getrennt. Immer gab es noch eine weitere wichtige Mission zu erfüllen, die verhinderte, dass sie erneut zusammenkamen.

 

Und Obi-Wan war zu sehr Jedi gewesen, um dieses Leben für seine eigenen Bedürfnisse aufzugeben.

Als er nun so unerwartet vor ihr stand, kamen die alten Gefühle schlagartig zurück. Am liebsten hätte sie ihn nie mehr losgelassen, doch Obi-Wan hatte ihren Gefühlsausbruch nicht erwidert. Liebte er sie nicht mehr?

Oder gab es etwas anderes, das sein Herz so verhärtet hatte?

 

Anakin Skywalker fiel ihr ein. Sie hatte Gerüchte gehört, dass er sich zur dunklen Seite hatte bekehren lassen und nun Darth Vader sein sollte. Yun-Jin hatte das nie glauben können. Wie konnte das möglich sein? Er war doch Obi-Wans Padawan gewesen. Doch wenn das stimmte, dann konnte das der Grund für Obi-Wans Gefühlskälte sein. Wie auch immer, dass alles würde sich aufklären lassen.

 

Doch erst musste sie ihn finden.

Schließlich führte sie die Macht zu einer dunklen Gasse. Sie schwebte mit dem Fahrzeug in geringer Höhe über den niedrigen Häusern. Hier gab es keine hohen Gebäude und auch keine schönen Häuser. Alles war verkommen und eingefallen. Nur die ärmsten der Armen würden hier leben wollen. Wesen, die alles verloren hatten und ohne Hoffnung waren.

Die Jedi hörte erregte Stimmen vor sich und glaubte schließlich die ruhige Stimme von Obi-Wan herauszuhören. Sie ließ ihren Speeder über der etwa zehn Meter hohen Gasse schweben und lauschte auf die Worte unter ihr.

 

Sie hatte sich nicht getäuscht. Es war Obi-Wan und er schwebte in großer Gefahr. Der Sith hatte ihn gefangen und quälte ihn.

 

Yun-Jin wurde wütend. Doch schnell nahm sie dieses Gefühl in sich auf und ließ es wieder los. Wut würde Obi-Wan nicht helfen. Nur Mut und Entschlossenheit. Und sie besaß von beidem genug, um Obi-Wan zu retten.


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