Raumschiffe und Fahrzeuge 15:

Die unsichtbare Bedrohung

Teil 2 von 6

Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





2. „Es gibt in der gesamten Galaxis kein anderes Schiff wie dieses“

 

Geheimes Privatbüro des Senators von Naboo, Republica 500, Coruscant

 

Ah, eine Nachricht von Raith Sienar! ... Das sieht ja wirklich hervorragend aus... Sehr gut, dann ist er ja noch etwas früher fertig geworden als geplant! Ja, die Macht wirkt in meinem Sinne, und alles entwickelt sich so, wie ich es vorausgesehen und mir gewünscht habe! Darth Sidious war sehr zufrieden, was nicht oft vorkam. Soeben hatte er an seinem Privatcomputer die Information gelesen, dass das von ihm bei dem berühmten Konstrukteur bestellte Raumschiff fertig sei. Nun betrachtete er eingehend das dazugehörende Werkhologramm und dachte: Es ist perfekt.

 

Nach Erledigung seiner Pflichten als Senator von Naboo hatte er sich in sein geheimes Privatbüro begeben, das sich in einem der obersten Stockwerke von Republica 500 befand, der großen luxuriösen Wohnanlage für die Senatoren und prominenten Persönlichkeiten im Regierungsviertel. Rasch hatte er sich seiner Amtstracht entledigt, seine nachtschwarze Sith-Robe angelegt und sich die Kapuze weit ins Gesicht gezogen, damit niemand ihn erkannte. In seinem Innersten spürte er eine merkwürdige Vorfreude auf die Zukunft.

 

Schon bald werde ich meine nächsten Schritte auf dem Weg zu meinem Ziel unternehmen können, die Galaxis von dieser elenden, durch und durch korrupten, kriminellen und chaotischen Republik zu befreien und die infamen Jedi zu vernichten. Dabei werden mir mein Schüler und sein neues Schiff wertvolle Dienste leisten, dachte er und lächelte hinterhältig. Dann nahm der Dunkle Lord der Sith per Hologramm kurz Kontakt zu seinem Schüler auf, der sich bereits auf dem Rückweg von einer seiner vielen Geheimmissionen befand. Bis jetzt war die Existenz der beiden Sith-Lords der Galaxis noch so gut wie unbekannt, denn der Meister vermochte sich perfekt in der Gestalt eines ehrenwerten und geschätzten Politikers zu tarnen – und fast alle, die seinen Schüler je gesehen hatten, lebten nicht mehr.

 

Wenige Stunden später, nachdem es Nacht geworden war, empfing Darth Sidious seinen Schüler in seiner geheimen Wohnung neben dem Privatbüro, der kurz zuvor auf Coruscant angekommen war. Darth Maul wusste zwar, dass sein Meister zur Tarnung Mitglied des Senats war. Doch betrachtete er nur dessen Sith-Identität als echt, die durch die weite, die Gestalt vollständig verhüllende Robe, eine tiefe, bedrohliche Stimme und eine selbstbewusste, siegesgewisse Haltung symbolisiert wurde. Wohlwollend hörte Darth Sidious dem Bericht seines Schülers zu, der in dessen Auftrag eine Fülle wichtiger Informationen über die Schwarze Sonne eingeholt hatte. Denn deren Führung stellte eine Bedrohung für seine Zukunftspläne dar: Schon bald würde er Maul auf diesen Verbrecher-Abschaum loslassen... Doch zuvor hatte der mächtige Sith, der eiskalt auf seine absolute Herrschaft hin intrigierte und plante, noch etwas anderes mit dem jungen, heißblütigen Zabrak vor.

 

„Kommt mit mir, Lord Maul“, befahl er ihm.

 

Natürlich war sein hoch machtsensitiver und intelligenter Schüler neugierig. Schließlich hatte ihn sein Meister nicht nur in zahlreichen Kampfkünsten bestens ausgebildet, sondern ihm auch von klein auf eingeschärft: „Ein Sith-Lord muss bestrebt sein, alles zu wissen und alles zu können. Deshalb ist es seine Pflicht, stets neugierig und lernbereit zu sein, um sein Wissen und seine Fähigkeiten zu erweitern.“

 

Doch Darth Maul wusste genau, dass er seinen Meister sehr verärgern würde, wenn er sich jetzt seine Neugier wie ein einfacher Mensch ohne besondere Begabungen anmerken ließe.

 

Also verbeugte er sich, sagte gehorsam „Ja, Meister“, und folgte ihm über die kaum benutzten, daher vor unerwünschten Benutzern sicheren Notflure und -treppen auf dessen private Start- und Landeplattform. Dort begaben sich beide an Bord eines unauffälligen Luftgleiters. Maul hatte diesen unmittelbar nach seiner Rückkehr gestohlen – auf einem unbewachten Gelände bei einem der größten Raumhäfen.

 

Nun setzte sich Sidious auf den Passagiersitz, Maul übernahm die Steuerung. Dann fädelte er sich unauffällig in eine der vielen Luftverkehrsstraßen ein, auf der dichter Verkehr herrschte, und flog in den abgelegenen Dacho-Distrikt, ein nicht mehr genutztes ehemaliges Industriegebiet. Dort steuerte er ein altes Gebäude an, in dem sich ein geheimer Hangar befand.




 

Hangar in einem ehemaligen Industriekomplex im Dacho-Distrikt, Coruscant

 

Zu Darth Mauls großer Überraschung befand sich darin ein nagelneues Raumschiff eines Typs, den er noch nie gesehen hatte. Es gefiel ihm sofort außerordentlich gut, denn es strahlte etwas Bedrohliches aus. Auch erinnerten ihn die Formen an etwas – Historisches...

 

Mit Wohlwollen beobachtete Darth Sidious, wie sein Schüler fasziniert auf das nagelneue, trotz der spärlichen Beleuchtung überall glänzende 26,5 Meter lange Flugobjekt zuging, es einmal umrundete und sich nicht daran satt sehen konnte. „Ja, seht es Euch ganz genau an, denn ich habe es für Euch bauen lassen“, erklärte er feierlich.

 

Darth Maul traute kurz seinen Ohren nicht. Dieses Raumschiff ist für mich? Warum? Aber nach wenigen Augenblicken hektischer Überlegungen wurde ihm klar: Das ist das ideale Schiff für meine Geheimmissionen!

 

„Wir machen gleich eine kurze Inspektion. Aber vorher möchte ich Euch noch etwas fragen: Woran erinnert Euch das Design?“, wollte Sidious von ihm wissen.

 

„An ein Raumschiff... aus vergangenen Zeiten“, antwortete Darth Maul, konzentrierte sich und dachte kurz nach. Dann erklärte er: „Diese gefalteten Flügel, die ein rundes Cockpit umrahmen, und diese langgestreckte Spitze... Die Silhouette weist eine gewisse Ähnlichkeit mit den T-Klasse-Langstrecken-Personenkreuzern auf, zu denen auch die Valcyn gehörte, das Raumschiff, das vor etwa 1000 Jahren der berühmte Dunkle Lord Darth Bane benutzte, der die Regel der Zwei begründete“.

 

„Sehr gut, Lord Maul, Ihr habt Euch die wichtigsten Fakten meiner Lehrstunden über die Geschichte der Sith gut eingeprägt.“ Darth Sidious erlaubte sich ein kurzes Lächeln. Ja, mein Schüler ist nicht nur ein ausgezeichneter Kämpfer, sondern er besitzt auch ein sehr umfangreiches Wissen über die Sith – und viele andere Dinge. Denn Wissen ist Macht, und auch wenn sich die arroganten Jedi einbilden, sie hätten es für sich gepachtet, so täuschen sie sich, denn sie haben ja keine Ahnung von den unzähligen Geheimnissen, die nur die Sith kennen... „Dann wisst Ihr sicher auch noch, dass die Sith seit Einführung der Regel der Zwei für ihre Geheimaktionen spezielle Raumschiffe eingesetzt haben: Modifizierte bewaffnete Kuriere, die sogenannten Sith-Infiltratoren, die genau für die vielfältigen Anforderungen ihrer schwierigen und tückischen Missionen ausgerüstet waren. Und das hier“ – Sidious wies würdevoll auf das Prachtstück hin – „ist das neueste Modell. Es ist wie wir: Mächtig. Unsichtbar. Tödlich“.

 

Nun betätigte der Dunkle Lord die Steuerung der Luke, die sofort und lautlos aufglitt, und betrat mit seinem Schüler beinahe ehrfürchtig und bewundernd für die großartige Leistung von Raith Sienar und seinem Team das Innere, das zwar zweckmäßig, aber komfortabel genug ausgestattet war, um darin für einige Zeit leben zu können. Alle Abteilungen vom Cockpit bis zum Frachtraum, von der Schlafkabine bis zum Sanitärraum, waren in einem warmen, dunklen Rotton gehalten, der Maul gleich bekannt vorkam: Es war die Farbe von Blut. Gemeinsam gingen die beiden Sith-Lords überall herum und inspizierten akribisch sämtliche Einzelheiten.

 

„Dieses Schiff ist einzigartig: In der gesamten Galaxis gibt es kein anderes dieser Art und mit dieser Ausstattung. Das Genialste daran ist der neu entwickelte, leistungsstarke Tarnfeldgenerator mit einer großen Phalanx aus Stygium-Kristallen: Damit wird es auf Knopfdruck unsichtbar: So kann man plötzlich verschwinden und wieder auftauchen, aber auch im Tarnmodus schießen. Zusätzlich verfügt die Verteidigungseinrichtung auch über ausgeklügelte Schutztechnologie: Sie vermag allen bekannten Identifizierungs- und Ortungssystemen zu widerstehen. So seid Ihr vor unerwünschter Entdeckung sicher geschützt.

 

Damit könnt Ihr nun viel leichter geheime Informationen einholen, Sabotageakte durchführen und natürlich unsere Feinde in der gesamten Galaxis ausspionieren, aufspüren und vernichten. Dieses Schiff ist ein ideales Hilfsmittel für Euch, damit Ihr Eure Begabungen und Fähigkeiten voll entfalten könnt“, betonte Sidious. Dann nahmen sie auch die umfangreiche Ausrüstung in Augenschein, zu der unter anderem die Bloodfin, ein besonders schneller Düsenschlitten, drei „Dunkelauge“-Sondendroiden, allerlei Waffen, diverse Verhör-Instrumente und -Hilfsmittel, Systeme zur Spionage und Informationsbeschaffung, Sicherheitsdroiden und vieles mehr gehörten.

 

Darth Maul war überwältigt: „Meister, ich weiß gar nicht, wie ich Euch danken soll“, murmelte er verlegen.

 

„Nun, Lord Maul, ich habe erkannt, dass Ihr ein eigenes sicheres Raumschiff braucht, damit Ihr künftig meine Aufträge leichter und diskreter ausführen könnt“, erklärte Darth Sidious. „Denn Ihr kennt ja die drei Gebote, an die Ihr Euch immer halten müsst: Kein Aufsehen erregen. Unerkannt bleiben. Keine Spuren hinterlassen. Deshalb bitte ich Euch ja auch immer, nur im äußersten Notfall von Eurem Doppelklingenlichtschwert Gebrauch zu machen. Denn wie Ihr wisst, kennen die Sith zahlreiche wesentlich unauffälligere und sehr schwer nachweisbare Methoden, um jemanden zu töten“, ermahnte er seinen Schüler.

 

„Ja, das ist wahr. Ihr habt vollkommen recht, Meister, und ich bin sicher, dass ich Euch mit diesem Schiff noch viel besser werde dienen können“, erklärte Maul gehorsam.

 

Wenn mein Meister mir so ein Raumschiff zur Verfügung stellt, das gewiss viele Millionen Credits gekostet hat, muss er mich wirklich sehr schätzen und mir auch vertrauen. Deshalb werde ich mich jetzt umso mehr anstrengen, alle seine Befehle immer so auszuführen, dass er mit mir rundum zufrieden ist, dachte Maul voller Stolz, Eifer und Enthusiasmus. Als er sich ins Cockpit setzte, erkannte er rasch, wie rationell die gesamte Technologie ausgeklügelt war: Die vielen komplizierten Systeme waren zu seiner Erleichterung überraschend einfach zu bedienen, sodass er problemlos damit zurecht kam. Und jetzt wollte er am liebsten sofort alles ausprobieren.

 

Doch Darth Sidious bremste ihn: „Für heute ist es schon zu spät, aber morgen werden wir es auf einem kurzen Rundflug über Coruscant testen.“ Denn er wollte die Zuverlässigkeit des Tarnfeldes und der übrigen Schutzsysteme bei Tag und bester Sicht überprüfen: Nur dann konnte er wirklich sicher sein, dass diese entscheidenden Sonderausstattungselemente zuverlässig arbeiteten.

 

Verständlicherweise war Maul etwas enttäuscht, doch fügte er sich sogleich der Anordnung seines Meisters. Auf dem Rückweg in ihre geheime Wohnung fiel ihm noch etwas Wichtiges ein: „Verzeiht, Meister, hat das Schiff bereits einen Namen?“, fragte er.

 

„Nein, noch nicht, denn Ihr dürft ihm einen passenden Namen verleihen“, antwortete Sidious und wartete gespannt darauf, was sein Schüler dafür auswählen würde: Den Namen eines gefährlichen Raubtieres? Oder die Bezeichnung für eine tödliche Waffe?

 

Maul überlegte kurz. Am besten passt ein Begriff mit Symbolcharakter für eine alte Waffe, doch Säbel, Schwert oder Dolch sind zu allgemein. Aber in ferner Vergangenheit gab es noch andere Waffen mit zum Teil attraktiven Formen... Er dachte einige Augenblicke nach, bis ihm etwas einfiel, das ihn zufrieden stellte. Schließlich erklärte er: „Ich werde es Scimitar nennen, nach einem Schwert, das leicht gekrümmt war und von kriegerischen Völkern in mehreren frühgeschichtlichen Kulturen der Galaxis geschwungen wurde“.

 

Der Dunkle Lord lächelte zufrieden, nickte und murmelte nur: „Gut, sehr gut.“

 

Vor lauter Aufregung und Vorfreude auf den Jungfernflug bekam Darth Maul kein Auge zu, und in Gedanken übte er alle möglichen Flugmanöver, bis der Tag anbrach, während Darth Sidious die Ruhe selbst zu sein schien. Sobald es vollständig hell geworden war, begaben sich die Sith-Lords zum Hangar, wo sie zuerst eine kleine Sith-Taufzeremonie mit geweihter wohlriechender Essenz aus allerlei geheimen Ingredienzien und edles Räucherwerk von Ziost sowie okkulten magischen Beschwörungsformeln und mystischen Macht-Ritualen vornahmen. Anschließend platzierten sie mehrere Sith-Amulette und Reliquien von Korriban an verschiedenen Stellen im Inneren des Sith-Infiltrators, damit das gesamte Schiff von der Dunklen Seite erfüllt wurde. Dann stürmte Maul, der es nicht mehr erwarten konnte, ins Cockpit und schnallte sich auf dem Pilotensitz an, während Sidious auf einem Passagiersitz Platz nahm. Ohne Schwierigkeiten startete der Zabrak die auffällig leisen Triebwerke, ließ die Scimitar abheben und aus dem Hangar gleiten.

 

Genau im richtigen Moment - während sie das Gebäude verließen - schaltete Maul den Tarnfeldgenerator und die Abwehrmaßnahmen gegen Ortungs- und Überwachungssysteme ein und nahm Kurs auf das Regierungsviertel. Unterdessen überprüfte der Dunkle Lord an den abgesicherten optischen Schirmen und akustischen Sensoren, ob das Schiff nicht doch von irgendeiner Flugkontrolle bemerkt wurde. Schließlich gab es nirgends in der Galaxis bessere, genauere und sensiblere Ortungs- und Identifikationseinrichtungen als auf Coruscant. Aber er konnte nichts wahrnehmen: Alles arbeitete und funktionierte einwandfrei. Natürlich hatte Maul die Kommunikationsanlage nicht eingeschaltet, da er allein dadurch die Präsenz des Schiffes verraten hätte. Denn die uralte Regel „Funkstille bewahren“ hatte in diesem Fall höchste Priorität.

 

Außerdem verbargen beide Sith-Lords ihre Präsenz in der Macht mithilfe archaischer Sith-Magie. Der kurze Rundflug über das Zentrum Coruscants war für sie ein wahrlich spektakuläres Erlebnis. Dabei flog die Scimitar getarnt und gegen jegliche Art von Emissionen abgeschirmt auf einer von den Luftverkehrsstraßen völlig unabhängigen individuellen Route. Unter normalen Umständen wäre sie sofort bemerkt worden und hätte Alarm ausgelöst, denn sie flog direkt über das Senatsgebäude und Republica 500, die Prachtboulevards, die Manarai-Berge, ja sogar über den Jedi-Tempel – aber es bemerkte tatsächlich niemand!

 

Bald werden alle Jedi sterben, und dieser Tempel wird in Schutt und Asche liegen!, dachte Darth Sidious und kicherte höhnisch. Schon mehrfach hatte er Visionen davon gehabt... Lediglich die Meister Yoda und Mace Windu, die gerade in ein philosophisches Gespräch vertieft waren, nahmen für wenige Sekunden eine minimale Störung in der Macht wahr. Mace Windu runzelte die Stirn, denn er meinte, einen schwachen, eiskalten Hauch gespürt zu haben. Da sprach Yoda aus, was beide dachten: „Immer stärker die Dunkelheit in der Galaxis wird“. Doch war die Machtstörung zu kurz, zu schwach und zu vage, sodass sie die Ursache dafür nicht herauszufinden vermochten.




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