Gambit

Teil 1 von ? (WIP)


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Anmerkung der Autorin:

Erklärung zum Titelbegriff: Unter einem Gambit versteht man beim Schach einen Eröffnungszug, bei dem ein Bauer oder mehrere Bauern oder auch eine andere Leichtfigur für einen taktischen oder strategischen Vorteil dem Gegner überlassen wird.


Kapitel 1

 

Darth Maul übte.

Darth Sidious beobachtete.

Die atemberaubende Präzision, die beinahe provokant zur Schau gestellte Leichtigkeit, mit der Maul die komplizierten Schritte und Bewegungen seiner Katas* ausführte, konnte sich mit der makellos fließenden Ästhetik eines erstklassigen Tänzers messen.

Dieser extrem perfektionierte körperliche Ausdruck lag allerdings nicht in Sidious’ eigenen Wünschen und Vorstellungen, sondern vielmehr in Mauls ureigenstem Streben nach Vollkommenheit  und seiner so besonders ausgeprägten Vorliebe für die Kampfkunst.

Die Machtbegabung dieses Schülers mag nicht zu den herausragendsten der Sith gehören, sinnierte Sidious, aber in der langen Reihe an Kriegern und Meistern gab es wohl keinen, dessen Hingabe an den Kampf, Mann gegen Mann, so ausgeprägt war wie bei diesem.

Perfekt ausgebildet und bedingungslos loyal seinem Meister gegenüber. Sidious beglückwünschte sich nach den langen Jahren harter, rücksichtsloser Ausbildung zu seiner Leistung, das triebhafte, wilde Wesen des Zabrak mit extremer Disziplinierung kombiniert und in eine perfekte Symbiose gezwungen zu haben.

Sein Schüler war einer, der seinem Namen voll gerecht werden würde. Darth Maul war der Hammer, mit dem Sidious seine Feinde zertrümmern würde. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Dass für Darth Maul so charakteristische, doppelte Lichtschwert schnitt in flirrenden Bögen durch die Luft, produzierte verführerisch schöne, ungemein komplexe Muster voll tödlicher Präzision. In der langen Geschichte der Sith waren nur die allerbesten Krieger in der Lage gewesen, ein derartiges Schwert zu führen. Meister der Kampfkunst, überragend ... und Maul war zweifellos einer von ihnen.

Wie um diese Tatsache zu bestätigen, warf er in einer beinahe spielerischen Bewegung das Doppelschwert in die Luft über sich, ließ es – während er seine abschließende Schrittfolge vollführte – in einem sirrenden Lichtbogen nach unten fallen, griff in einer beiläufigen Bewegung zurück und fing das Schwert hinter seinem Rücken einfach wieder auf.

Sidious war zufrieden. Zumindest beinahe.

Ein Gesetz der Natur besagt, dass jedes oberflächliche Bild von Perfektion bei näherer Betrachtung einen grundlegenden Fehler aufzuweisen hat. Mauls Fehler war seine Arroganz. Ein gefährlicher Fehler, denn nichts konnte einen Krieger schneller töten, als ein unterschätzter Feind.

Sidious war sich im Klaren darüber, dass die Ursache für diesen Fehler ihm selbst zuzuschreiben war. Mit mehr oder weniger subtiler Gewalt hatte er die ursprüngliche Persönlichkeit des jungen Zabrak bis auf wenige Reste zerschlagen und demontiert, um den Schüler aufzubauen, der seinen Vorstellungen entsprach. Die emotionale Leere, die das völlige Fehlen an Zuwendung in der Seele seines Schülers hinterlassen hatte, wurden mit Hass und Zorn auf die Jedi gefüllt, aber auch mit dem Stolz, als Auserwählter, als einer von lediglich zwei Sith, an der überragenden Größe der Dunklen Seite der Macht teilhaben zu dürfen.

Ein Stolz, den Maul leider nicht nur verinnerlicht hatte, sondern der ihn in eine Aura maßlos übersteigerter Selbstüberschätzung hüllte. Sidious war sich nicht sicher, ob dieser besondere Fehler an seinem Schüler revidiert werden konnte. Ob er überhaupt revidiert werden sollte.

Er schätzte die bedingungslose, beinahe sklavische Loyalität des Zabrak ungemein. Maul war eben nicht Sidious, eine Tatsache, die dieser außerordentlich beruhigend fand. Besonders gemessen am Schicksal seines eigenen Meisters, der mit seinem Leben für den Fehler bezahlt hatte, Sidious’ immenses intrigantes Potenzial zu unterschätzen.

So gesehen war es wesentlich sinnvoller, das Risiko, das in Mauls Arroganz und Stolz steckte, hinzunehmen und seine Loyalität in eine Richtung zu lenken, die den Zielen der Sith insgesamt dienlicher war.

Dennoch, befand Sidious, war es Zeit für eine neue Lektion. Vielleicht konnte man Mauls Arroganz nicht nur gegen den Feind, sondern auch dazu benutzen, sich selbst etwas zu lehren.

Und wenn nicht ... nun: Der Bluthund, den seine unerbittliche Hand und die über die Jahre hinweg fein dosierten Mengen an Hass und Verachtung aus dem kleinen zabrakischen Jungen von einst geformt hatten, würde für die Sith in jedem Fall eine blutige Ernte einfahren.

Es war genau diese Art von Spiel, die Sidious so besonders liebte: Die Wachsamkeit und Aufmerksamkeit seiner Gegner in der wohlwollenden Maske seiner offiziellen Funktion so abzulenken, dass sie glaubten, ihren eigenen Ideen und Intentionen zu folgen, während sie in Wahrheit bereits dabei waren, ins eigene Messer zu laufen.

Sidious lächelte.

Bald.

 

 

 

* * *

 

 

Ein Krieger ist eins mit seinem Schwert. Er hält es mit der Leichtigkeit eines Vogels und führte es mit der Kraft eines gnadenlosen Hammers.

Maul wusste sehr gut, wie sehr er sich mit seiner Technik diesem Ideal bereits angenähert hatte, aber wie üblich war es seiner Einschätzung nach nicht genug. Es war nie genug.

Zu langsam, zu schnell, zu schwer, zu verspielt, zu wenig exakt in der Ausführung, zu wenig innovativ ...

Übersteigerter Perfektionismus, um sich nicht der Tatsache stellen zu müssen, dass ihm ein würdiger Gegner fehlte, an dem er sich messen konnte. Kein direkter Vergleich seiner Kampfkunst mit der des Feindes, um seine Überlegenheit zu dokumentieren. Keine Jedi, deren letzte Atemzüge und gebrochene Augen seine bedingungslose Hingabe an die Lehren der Sith widerspiegelten. Niemand, dessen Todesangst und Furcht die wahre Größe der Sith dokumentieren konnte.

Missgelaunt deaktivierte Maul sein Doppelschwert. Die Luft um ihn herum knisterte immer noch vor statischer Elektrizität, und der Gestank von Ozon drang in seine Nase. Zeugnis davon, dass er im Moment mehr damit beschäftigt war, Sauerstoff zu spalten, als die Schädel seiner Feinde.

Sidious hatte ihm zugesichert, dass die Waage des Schicksals sich nach all den Jahrhunderten in bewusster Unauffälligkeit langsam, aber unaufhaltsam wieder auf die Seite der Sith neigte.
Bis es so weit war, hatte Maul sich zu gedulden, sich seinen Studien zu widmen und gemäß der wichtigsten Anforderung, die Sidious an seinen Schüler stellte, zu funktionieren: Effizienz in allen Dingen.

Ein leises Geräusch ließ ihn herumfahren.

Ohne besondere Überraschung nahm er zur Kenntnis, dass sein Meister den Raum betreten hatte. In einem seit frühester Jugend einstudierten Ritual neigte der Zabrak ehrerbietig seinen Kopf.

Den Anflug von Neugier eliminierte er mühelos.

Sein Meister war nicht alleine.

 

* * *

 

 

Die Kreatur kauerte zu Füßen seines Meisters.

Sehr angemessen, wie Maul befand. Allerdings war die Unterwerfung erzwungen und kein Produkt sklavischer Gewohnheit, wie seine äußerst geschulten Sinne zum einen an der unterschwelligen Körperspannung der Kreatur erkannten, und zum anderen an der Hand seines Meisters, die sich in das lange Haar gekrallt hatte und den Kopf unerbittlich nach unten hielt.

Für einen kurzen Moment dachte Maul daran, dass es nur einer kleinen, präzise gesetzten Bewegung bedurfte, um den Affront, den diese Auflehnung gegen den Sith-Meister darstellte, zu beseitigen. Doch Darth Sidious’ Worte unterbrachen die Richtung, die seine Gedanken nahmen.

„Ich bin zufrieden, mein Schüler. Dein Talent in den Kampfkünsten ist außerordentlich und dein Streben nach Perfektion vorbildlich..“

Maul neigte ehrerbietig den Kopf. Lob aus dem Mund seines Meisters war ein äußerst seltenes Vergnügen. Darüber hinaus eines, das noch seltener allein für sich bestehen blieb.

Sidious zog mit einem heftigen Ruck den Kopf des Dings nach oben und präsentierte Mauls Blick damit die Vorderansicht dessen, was da so jämmerlich aufbegehrend zu Füßen seines Meisters kniete.

Er wagte es, seinen Meister fragend anzublicken.

„Perfektion, Maul, erfordert ständige Prüfung. Ganz besonders, wenn sich äußere und innere Bereitschaft dazu in einem gewissen Ungleichgewicht befinden, die einem Außenstehenden ins Auge fällt.“

Maul hatte beim besten Willen nicht den Hauch einer Ahnung, von welchen Defiziten seinerseits sein Meister sprach. Aber das war auch nicht notwendig, denn Darth Sidious’ „Lehre“ würde umso eindeutiger in ihrer Botschaft sein.

„Hier, Maul, habe ich nun eine Prüfung für dich ... eine Lehre ganz besonderer Art, wenn man es so betrachten möchte ... und eine, die dir unser geschätzter Gast hier erteilen wird.“

Die Nasenflügel des Zabrak blähten sich unwillkürlich vor Verachtung, eine gefährliche Reaktion angesichts der Rasse, der das Ding angehörte.

Selbst wenn Maul die feineren Nuancen zu schätzen gewusst hätte, welche die Lebensform zu produzieren imstande war, um damit ihr gefälliges Erscheinungsbild noch zu unterstreichen ... hätte er doch über eines niemals hinwegsehen können: Da vor ihm im Staub kauerte der Feind.

Besser gesagt das, was sein Meister vom Feind übrig gelassen hatte. Denn die blutjunge Falleen war weder alt, noch gut genug ausgebildet, um sich diese Bezeichnung bereits zu verdienen. Sie war nicht mehr als eine Schülerin: eine schwache, kleine Padawan.

Die Aura der Angst, die diese Kreatur umgab, war so stark, dass seine trainierten Sinne selbst den minimalen Ausstoß an entsprechenden Pheromonen wahrnehmen konnten.

Er konnte ihre Schwäche riechen.

Nicht, dass diese Tatsache Mauls überaus feinen Geruchssinn in irgendeiner Weise tangiert hätte. Im Gegenteil. Der Geruch eines potenziellen Opfers war süß. Berauschend. Ein Aphrodisiakum ganz besonderer Art für jemanden, der sich der Erotik des Todes nicht verschloss.

Verächtlich deutete Maul mit der Spitze seines deaktivierten Lichtschwertes auf die Kreatur zu Sidious’ Füßen.

„Was könnte mich diese Padawan lehren?“ Er spuckte das letzte Wort beinahe aus.

„Das wirst du mir sagen, wenn ich wiederkomme. In der Zwischenzeit...“ – Sidious lachte – „...schlage ich vor, ihr beide genießt eure Gesellschaft.“

Dann beugte er sich zu der Falleen hinunter und drehte ihr Gesicht so, dass sie zwar den unteren Teil des verhüllten Gesichts zu sehen bekam, der Rest aber unkenntlich im Schatten der Kapuze verborgen blieb. Maul hätte es lieber gesehen, wenn Sidious sich wahrhaftig offenbart hätte, als definitives Zeichen für das baldige Ableben der Jedischülerin.

Dafür nahm Sidious’ Tonfall jene salbungsvoll belehrende Klangfarbe an, die Maul bei vielen schmerzhaften Gelegenheiten als besonders nachdrücklich und gefährlich kennen gelernt hatte.

„Sollte unsere kleine Freundin hier allerdings dem pathetischen Irrtum erliegen, von der Hand meines Schülers sterben zu dürfen, dann müssen wir sie leider enttäuschen. Sie ist unser willkommener Gast und als solcher natürlich sakrosankt. Jeden Übergriff, jede Schramme, jeden noch so kleinen Tropfen Blut, den sie vergießt, Maul, wirst du mit deinen eigenen bezahlen.
Im Gegenzug für unsere Gastfreundschaft, und um das Leben ihres Meisters zu erhalten, wird sie sich bereit erklären, ohne Einschränkung zu kooperieren.“

Die großen Augen der Falleen folgten dem Schwung des schweren Umhangs, als sein Meister sich anschickte, den Raum zu verlassen. Das scharfe Zischen der elektronisch gesicherten Tür markierte den Beginn ungestörter Stille im Raum.

Als die Fallen ihren Kopf langsam wieder in seine Richtung drehte, fiel ihr Blick auf ihn. Für den Hauch eines Augenblicks glaubte Maul, darin etwas anderes zu lesen, als nur mühsam in Schach gehaltene Angst.

Aber der Moment war zu kurz, um ihn festzuhalten. Ein Fehler, wie Maul schon sehr bald feststellen würde.


* Katas = Kampfsportübungen


Ende von Teil 1

weiter zu Teil 2