Grievous

Teil 1 von 3


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





1.

In die Tiefe

 

 

Innerhalb der Winzigkeit einer Sekunde begann das Universum erneut, sich zu drehen. So als hätte es nie aufgehört. Was es tatsächlich ja auch nicht hatte.

 

Von einem Sekundenbruchteil auf den anderen wurde es gleißend hell in der Dunkelheit. Wurde aus ‚nichts’ plötzlich ‚alles’. Ein Mensch oder ein Angehöriger einer vergleichbar simpel denkenden Spezies hätte diesen Wechsel vermutlich mit einem Aufwachen verglichen: dem Schritt vom Traum in die Wirklichkeit.

 

Aber es war mehr. Es war wie ein neues Leben, denn eine Unendlichkeit lang hatte es kein Leben gegeben. Zumindest kein Denken im Leben.

 

Diese Überlegungen, welche die gesamte Natur seiner unnatürlichen Existenz betrafen, machte General Grievous innerhalb einer Zweiundvierzigstel-Sekunde. Denn für einen Cyborg, dessen Gehirn mit Biotechnologie der Konföderation aufgerüstet worden war, damit es den Droidenkörper beherrschen konnte, war das eine sehr lange Zeit.

 

Die Zeit würde ausreichen, um sich mit blitzschnellen Drehungen des Kopfes und der technisch aufgewerteten Augen die gesamte Umgebung genau anzusehen. Eine Zweiundvierzigstel Sekunde war genug, um das gesamte Leben – wenn man es denn so nennen wollte – zu überdenken, das Grievous bisher geführt hatte.

 

Aber er tat es nicht. Denn dafür war er nicht programmiert.

 

Seine Zielprogrammierung war sehr viel einfacher. Es war eine Programmierung, die sowohl den Resten eines menschlichen Gehirns als auch den bioelektronischen Komponenten zusagte.

 

Töten.

 

General Grievous sprang aus dem vierflügligen, großen Landeschiff heraus. Er hatte in einer kleinen Nische in der Unterseite der Außenhülle gewartet und war während des gesamten Hyperraumsprungs deaktiviert gewesen. Denn dauerhafte Aktivierung verminderte die Rechenleistung seines elektronischen Gehirns geringfügig, was für sich nicht weiter schlimm gewesen wäre.

 

Es verringerte dadurch die Kampfeffektivität des Droidengenerals um einen Bruchteil, und auch das war eigentlich nicht sonderlich von Belang.

 

Doch all diese Faktoren konnten darin resultieren, dass ein Jedi weniger durch die kalten Hände Grievous’ getötet werden würde. Und das war entscheidend.

 

Durch einige kleinere, nicht-optische Sensoren auf der Rückseite seines Körpers nahm Grievous wahr, wie die Entfernung zwischen ihm und dem C-9979 Landeschiff abnahm. Der große Transporter, dessen Klasse bereits bei der Invasion von Naboo eingesetzt worden war, würde die Oberfläche des Planeten auf einem Umweg ansteuern, um dem feindlichen Luftabwehrfeuer zu entgehen.

 

Grievous hatte dieses Problem nicht. Mit zunehmender Geschwindigkeit stürzte der Droidengeneral durch die obere Atmosphäre der Welt, die unter ihm lag. In seinem Gedächtnisspeicher fanden sich einige spärliche Informationen über den Planeten, die jedoch lediglich bestätigten, was er ohnehin schon sah. Es gab dort unten eine größere Landmasse und vereinzelte Gewässer, die nach Grievous’ Berechnung die Ausmaße kleinerer Meere hatten. Einige Stellen waren grün, und die optischen Rezeptoren des Cyborgs schlossen auf tropische Vegetation. Andere Flächen stellten eine Wüstenlandschaft dar, die von Canyons und Gebirgen durchzogen wurde.

 

Eigenartigerweise enthielt seine Datenbank keine Angaben über den Namen dieser Welt. Aber das war ein belangloser Fehler.

 

Neben Grievous, der nun die maximale Geschwindigkeit erreicht hatte, mit der ein Körper seiner Spezifikationen innerhalb dieser Atmosphäre fallen konnte, tauchten gerade drei Vulture-Droiden auf, die in einem Sturzflug ähnlich wie der General selbst auf die Oberfläche zuschossen. Grievous schickte über ein Sendeimplantat auf seiner Stirn einen simplen Befehl an den Anführer der Flügelgruppe von Vulture-Jägern:

 

‚Nummer Eins fliegt unter mich und bremst dann auf eine Geschwindigkeit von 1000 km/h ab.’

 

Es war eine einfache Überlegung. Der General würde auf dem Jäger landen können, denn im Augenblick stürzte Grievous mit etwa 1100 km/h auf die Welt unter ihnen zu. Diese Fallgeschwindigkeit war dank der dünnen Atmosphäre und der damit verbundenen, geringen Reibung möglich. Und durchaus nützlich, denn ein Objekt großer Geschwindigkeit und doch geringer Größe, das außerdem nicht die Energie einer Protonenbombe besaß, war für feindliche Sensoren kaum zu erfassen.

 

Geschickt durchdrangen die duraniumverstärkten sechs Finger von Grievous rechter Hand die Hülle des Vulture-Droiden und ließen den Cyborg somit Halt finden. Auf beiden Seiten flankiert von einem Droidenjäger schoss Grievous der Oberfläche entgegen, auf der inzwischen immer wieder Leuchtpunkte aufblitzten, und seine Audiosensoren nahmen schwache Explosionsgeräusche war.

 

Die Schlacht hatte begonnen.

 

Grievous fühlte nicht wirklich etwas in diesem Augenblick. Dies ging auf den einfachen Grund zurück, dass er nicht fühlen konnte. Aber erinnerte sich. Er erinnerte sich, dass vielleicht ein schwaches Gefühl des Bedauerns an dieser Stelle angebracht war. Denn er würde den Tod einiger Jedi wohlmöglich verpassen.

 

Während er weiterhin auf dem im Sturzflug befindlichen Vulture-Droiden ritt und ein Teil seines Cyborg-Gehirns bereits damit begann, die optischen Aufzeichnungen von der Oberfläche in die Karte eines Schlachtfeldes umzuwandeln, erklang innerhalb seines Kopfes ein Piepton. Mit einem blitzschnellen, winzigen Gedanken nahm Grievous die eingehende Nachricht an.

 

„Sind Sie wach, General?“, erklang die Stimme eines Muun namens San Hill, dem Vorsitzenden des Intergalaktischen Bankenclans. Aus Grievous’ Gedächtnisspeicher kroch ungewollt ein Bild des ausgemergelten, länglichen Gesichtes von San Hill hervor. „General, die Schlacht ist bereits in vollem Gange. Es gibt hier unten mehrere Jedi und eine große Anzahl an Klonsoldaten, die sich mit der einheimischen Bevölkerung verbündet haben.“

 

Die gängige Gegenfrage eines lebenden, vielleicht menschlichen Generals, der in wenigen Momenten das Kommando der Bodenstreitmächte der Konföderation übernehmen würde, wäre sicherlich gewesen: Wie viele Klonsoldaten genau? Und vor allem, wie viele Jedi?

 

Auch ein Droide hätte das gefragt, denn dessen Zentralprozessor hätte wissen wollen, mit welchen Variablen er rechnen musste. Er würde berechnen, wie hoch die Chancen auf einen Sieg standen.

 

Grievous war eine Verschmelzung aus Mensch und Droide.

 

Und er fragte lediglich: „Werden wir eine Kapitulation der Einheimischen akzeptieren?“

 

San Hills Antwort kam augenblicklich. „Nein.“

 

Es gab definitiv entscheidende Unterschiede zwischen Grievous und einem Menschen oder Droiden. Und wie fatal diese Unterschiede tatsächlich waren…

 

…das würden die Jedi in einer Minute und 42 Sekunden zu spüren bekommen.


Ende von Teil 1

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