Stolz des Imperiums

Teil 1 von ?


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.






Kapitel 1

 

"Wie heißt du, junger Mann?", fragte der bärtige Fremde.

"Luke. Luke Skywalker. Aber mein Onkel und meine Tante heißen mit Nachnamen Lars." Luke deutete auf die Kisten zu seinen Füßen. "Wollen Sie nun den Chokie, oder nicht? Wir haben noch mehr."

Die Augen des Fremden blitzten auf. Er fuhr sich mit einer gefurchten Hand über die Bartstoppeln auf seinem Kinn. "Ich kannte mal einen Skywalker."

"Tatsächlich?" Lukes Interesse erwachte schlagartig. Es gab zwar sicher noch andere Skywalkers in der großen, weiten Galaxis, aber theoretisch war es doch möglich, oder? Es schadete nicht, nachzufragen. "War es ein Pilot? Mein Vater war Pilot auf einem Gewürzfrachter."

"Pilot? Ja, das war er. Aber es würde mich schon sehr wundern, wenn der Skywalker, den ich kannte, ins Gewürzgeschäft eingestiegen wäre... Wahrscheinlich irre ich mich, obwohl du seine Augen hast."

Luke sah sich misstrauisch um. Sein Onkel hatte ihm verboten, mit Fremden über seinen Vater zu sprechen. Aber wenn dieser Mann tatsächlich etwas über seinen Vater wusste... "Und wie hieß er?"

"Anakin Skywalker." Der Mann verzog den Mund. "Aber ich sollte hier wirklich nicht darüber reden." Ein Schatten huschte über sein Gesicht. "Tut mir leid Junge. Übrigens nehme ich den Chokie."

Anakin Skywalker! Das war der Name seines Vaters. Dieser Mann hatte wahrscheinlich seinen Vater gekannt. Luke schluckte. "Ja, natürlich. Ich helfe Ihnen beim Einladen." Er half dem Mann, die Kisten in den Landgleiter zu transportieren. Sie wogen eine Menge, und die Sonnen brannten unbarmherzig vom Himmel, aber die neuesten Informationen hatten Luke Auftrieb gegeben. Er musste sich immer wieder abhalten, den Mann auf seinen Vater anzusprechen.

Schließlich lagen die Kisten aufgestapelt im Frachtraum des Landgleiters.

"Danke, Junge." Der Fremde zahlte den vereinbarten Betrag und klopfte Luke auf die Schultern. "Vielleicht komm ich wieder einmal vorbei - na ja, ich wünsche dir noch einen kühlen Tag."

Luke lächelte. "Ebenfalls." Er sah dem Landgleiter nachdenklich hinterher. Wieder einmal verschwand seine Chance, etwas über seinen Vater zu erfahren. Luke kehrte zu Owens Marktstand zurück, doch im Gedanken hallten die Worte des Fremden nach. Sein Vater war also nicht der Typ gewesen, der auf einem Gewürzfrachter anheuerte. Hatte sein Onkel ihn angelogen? Luke wusste nicht, was er davon halten sollte.

 

 

* * *

 

 

Luke biss in einen Brocken gedünstetes Gemüse. So sehr er seine Tante auch mochte, das Kochen beherrschte sie nicht. Aber zu seinem Unglück konnten Onkel Owen und er selbst es ebenso wenig. Vielleicht musste er es sich einmal beibringen lassen.

"Was ist los, Luke?", fragte Owen ihn. "Hat es beim Verkauf Probleme gegeben?"

Luke sah seinem Onkel zögerlich ins Gesicht, der ihn aufmerksam aber freundlich musterte. "Mir ist jemand begegnet - als ich ihm meinen Namen gesagt habe, hat er mir erzählt, dass er ebenfalls einen Skywalker kannte."

Owen lehnte sich in seinem Sessel zurück. In seinen Zügen spiegelte sich leichter Ärger. "Na und? Es gibt viele Skywalkers in der Galaxis."

Luke wandte sich Beru zu. Sie trug diesen traurig-nachdenklichen Gesichtsausdruck zur Schau, den sie immer hatte, wenn sie über Lukes Vater redeten. Wahrscheinlich sehnte sie sich danach, ihm mehr zu erzählen. Doch Beru gehorchte ihrem Mann, und so verriet sie Luke nichts.

"Ja. Aber er sagte, er sähe mir ähnlich. Außerdem hieß er ebenfalls Anakin Skywalker, wie mein Vater. Und er war ein Pilot."

Owen fuhr demonstrativ mit dem Löffel in sein Gemüse und aß einen Bissen. Als er hinuntergeschluckt hatte, sagte er: "Kann sein, dass ihm dein Vater bei einem Flug begegnet ist."

Luke biss sich auf die Unterlippe. Jetzt kam der schwierige Teil. "Er hat behauptet, mein Vater wäre nicht der Typ, der auf einem Gewürzfrachter arbeitet."

Owen ließ seinen Löffel sinken. Ihm stand der Zorn jetzt deutlich ins Gesicht geschrieben. "Luke, ich habe dir das schon einmal gesagt: dein Vater war ein anständiger Kerl, bis er so wie du Abenteuer erleben wollte und in schlechte Kreise geraten ist. Und jetzt Ende der Diskussion."

Luke atmete tief durch. Er hatte es so unendlich satt, ständig bevormundet zu werden. Auch seine Tante wollte ihm nichts erzählen. Sie klammerte sich mal wieder an ihren Mann.

Luke würgte die letzten paar Bissen seines Essens hinunter und rannte in sein Zimmer. Draußen waren die Sonnen gerade im Begriff, unterm Horizont zu verschwinden.

Sein Onkel würde ihn noch ewig auf der Farm behalten und mit Lügen abspeisen. Wollte er sich sein ganzes Leben lang von seinem Onkel kontrollieren lassen? Das war sein Leben, und er wollte nicht auf Tatooine stecken bleiben und Farmer werden. Er fühlte sich zu mehr berufen, so wie sein Vater.

Lukes Blick striff die Dünen, die rot in den Abendsonnen leuchteten.

Er würde ausreißen und zur Akademie gehen. Diesen Gedanken hatte er schon länger gesponnen, aber die Begegnung heute hatte ihm den entscheidenden Stoß verpasst. Luke seufzte. Er fühlte sich schäbig, weil er sie verließ, aber sie hatten ihm keine andere Wahl gelassen.

 

 

* * *

 

 

Luke flog langsam durch die Straßen Mos Eisleys, einem Hort des Gewürzhandels und Glücksspiels, den einfache Farmersburschen wie er normalerweise mieden. Allerdings befand sich hier auch die imperiale Basis. Nur gut, dass er einen Blaster bei sich trug.

Nach einer Weile kam er an. Über dem Eingang der Basis prangte das imperiale Zahnrad, das bereits Spuren von Zerfall aufwies. Vor dem Gebäude hielten ein paar Sturmtruppen Wache. "Halt, was willst du?", fragte einer von ihnen.

"Ich würde gerne in der imperialen Armee dienen." Luke fühlte sich etwas mulmig bei dem Gedanken. Das Imperium war nicht nur für gute Taten bekannt, auch wenn sie auf Tatooine zu den wenigen Gruppen zählten, die für Recht und Ordnung sorgten.

"Okay, dann komm mit." Der Soldat führte Luke ins Innere. Er sah sich um. Obwohl es sich um einen Militärstützpunkt handelte, ging es hier ganz schön lasch zu. Auf dem Boden klebten Kaf-Flecken, und über den Stühlen hingen abgewetzte Uniform-Jacken.

Schließlich stand Luke vor einem Mann in grauer Uniform, der seine Füße auf dem Tisch platziert hatte. Laut seinem Abzeichen handelte es sich um einen Commander, aber der Offizier machte einen höchst unsauberen Eindruck.

"Hallo, wer bist du?"

Luke salutierte. "Ich heiße Luke Skywalker, und bin ein Farmersbursche aus der Gegend. Ich würde gerne im Imperium dienen, Sir."

"Ah ja." Der Offizier bohrte sich im Ohr. "Du gehörst also zu den Burschen, die eine Fahrkarte von diesem Staubball möchten. Kann's dir nicht verübeln. Wie alt bist du?"

"Siebzehn, Sir."

"Okay." Der Imperiale schwang seine Füße vom Tisch und watschelte zu einem Schrank. "Ich brauche Geburtsurkunde, Identitätskarte und du wirst dich DNS identifizieren müssen."

"Natürlich." Luke zeigte ihm die Dokumente.

Der Imperiale überprüfte sie mittels Scanner und reichte Luke ein Datapad. "Unterzeichnen."

Zögerlich drückte Luke seinen Daumen auf das Feld, das daraufhin grün aufleuchtete.

"Du hast Glück. In einer Woche kommt ein Frachter vorbei, der alle zukünftigen Rekruten nach Corulag transportiert. Du wirst dich am Dienstag um 0800 hier einfinden. Ach, und noch was, Kleiner."

Unbehagen breitete sich in Luke aus wie ein kommender Sandsturm. Hoffentlich fand ihn sein Onkel nicht vor Ablauf der Frist. Sonst durfte Luke mindestens die nächsten paar Monate Verdunster putzen. "Ja?"

"Auf Corulag laufen die Dinge anders als hier. Stell dich schon mal darauf ein."

Luke überlegte, was das bedeuten mochte, als ihn der Offizier hinauswinkte. Er salutierte linkisch und verließ das Militärgebäude. Eine ganze Woche ... vielleicht konnte ihm Biggs Unterschlupf bieten. Obwohl das der erste Ort war, an dem sein Onkel ihn suchen würde. Nein, er musste sich etwas Besseres einfallen lassen.

Luke schlenderte durch die Straßen Mos Eisleys.

Corulag, das Ausbildungszentrum im Imperium. Luke stampfte mit dem Fuß auf, sodass eine Staubwolke aufwirbelte. Das Leben verlief dort sicher ganz anders als hier. Wahrscheinlich blitzte und glänzte auf Corulag alles, so wie in den Holovids, die er sich zusammen mit seinen Freunden angesehen hatte.

Er schüttelte den Kopf. Typisch. Er überlegte, wie toll es auf Corulag war, obwohl er noch nicht einmal wusste, wo er bis zum Abflug übernachten und essen würde. Er kam an einem Schrottgeschäft vorbei.

Moment mal. Er verstand ein wenig vom Reparieren, auf der Farm hatte er sich um genug Schrott gekümmert. Luke schritt auf den Verkäufer zu, einen alten Dug.

"Ja, mein Junge? Was willst du?"

Luke setzte sein unschuldigstes Gesicht auf. "Brauchen Sie einen Assistenten? Ich könnte Ihnen bei den Reparaturen helfen."

Der Kopf des Dug ruckte herum. "Hm, brauche ich einen Assistenten? Wer sagt denn, dass du mich nicht bestehlen willst?"

"Mein Name ist Luke Skywalker. Sie können jeden fragen, ich habe noch nie jemanden bestohlen."

"Dein Name kommt mir bekannt vor, aber ich weiß nicht recht, woher." Der Dug musterte ihn. "Also gut. Du hast ein ehrliches Gesicht, du scheinst mir in Ordnung zu sein. Ich zahle dir fünf Credits pro Tag, wenn du dich bewährst." Er deutete auf den hinteren Teil seines Geschäfts. "Meinetwegen kannst du hier auch schlafen."

"Danke. Ich werde Sie nicht enttäuschen."

Wenig später, begann Luke für den Schrottverkäufer namens Sebulba zu arbeiten. Hin und wieder erzählte ihm sein Boss Geschichten aus früheren Zeiten, als er ein wilder Heißsporn gewesen war. Angeblich hatte er mehrere Podracer-Rennen gewonnen und später eine Bar besessen, bis er Pleite gegangen war. Luke konnte von den Renn-Geschichten gar nicht genug hören. Wie gerne hätte er selbst ein solches Gefährt geflogen. Aber das war natürlich unmöglich. Menschen waren viel zu groß und schwer für einen Podracer.

Die Tage vergingen wie in Flug und Lukes Nervosität nahm zu. Wenn er erst einmal in den Transporter stieg, gab es kein Zurück mehr. Sicher, er hatte vor, seinen Onkel und seine Tante nach Abschluss der Ausbildung zu besuchen, aber das würde noch lange dauern. Außerdem fand unmittelbar nach der Ankunft auf Corulag ein Eignungstest statt, der entschied, ob Luke Sturmtruppler, Techniker, Pilot oder Offizier werden konnte. Nur die besten hatten Chancen, Pilot zu werden. Neun Zehntel der Anwärter landeten bei den Sturmtruppen, und das war nicht unbedingt das, was Luke sich erträumte.

Er musste es ganz einfach schaffen.

 

* * *

 

 

Luke beobachtete die anderen Rekruten an, die wie er selbst auf den Transporter warteten. Viele von ihnen waren Farmerssöhne, oder ehemalige Straßenkinder. Manche trugen ein Bündel mit Habseligkeiten auf dem Rücken, aber bei weitem nicht alle. Luke warf einen Blick auf seine Chrono. Es war 0818, der Transporter verspätete sich.

Ein Blitzen durchfuhr das Blau des Himmels. Wenig später kam eine Fähre in Sicht. Wie groß sie war! Darin mussten mindestens tausend, nein fünfhundert Menschen Platz haben. Luke klappte den Mund zu. "Aber die holen doch nicht nur die Rekruten von Tatooine, oder?", fragte er seinen Nachbarn, einen dunkelhäutigen Burschen mit freundlichem, offenen Gesicht.

"Bestimmt nicht." Er grinste. "Eine Staubkugel wie Tatooine ist nur ein Zwischenstopp."

Luke nickte. Die Fähre hielt sicher noch auf anderen Welten, ehe sie Corulag erreichte. Es handelte sich um eine Sterngaleone, ein leicht bewaffneter und billiger Personentransporter. Luke war froh, sich immer für einzelne Raumschiffklassen interessiert zu haben, sonst hätte er die Galeone wohl nicht erkannt.

Beim Aufsetzen wirbelte der Gigant Tonnen von Staub auf. Luke hustete. Als sich die Luft wieder klärte, schritt ein imperialer Leutenant in grauer Uniform die Rampe herunter, begleitet von sechs Sturmtrupplern. "Na los, rein mit euch! Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit!"

Luke eilte in den Transporter. Im Inneren gab es hunderte von Sitzen, auf denen Rekruten verschiedenster Welten Platz genommen hatten. Einige trugen kostspielige Kleidung und Frisuren, andere waren sogar noch verdreckter als die Tatooianer. Jedenfalls saßen die feinen Gimpel in den vorderen Reihen mit der besseren Aussicht, während die Armen hinten ausharrten. Luke setzte sich neben den Burschen, mit dem er zuvor gesprochen hatte. Minuten später hob das Schiff ab, und die Beschleunigungskräfte pressten Luke in den Sitz, bis die Trägheitskompensatoren ansprangen. Er versuchte aus dem Fenster blicken, aber es saßen viel zu viele im Weg.

"Hi, ich bin Kono." Sein Nachbar reichte ihm die Hand.

"Luke, Luke Skywalker." Luke schüttelte die dargereichte Hand.

"Bin froh, dass ich von der Staubkugel weg bin. Hier gab's nix für mich zu holen."

"Naja, so schlecht war es auch wieder nicht."

Kono schüttelte den Kopf. "Ich war das Gewürzgeschäft satt. Anständig werden war schon immer mein Traum."

"Du hast mit Gewürz gehandelt?"

"Na mit Socken sicher nicht. Natürlich habe ich mit Gewürz gehandelt. War die einzige Möglichkeit, mich und meine Eltern freizukaufen."

Ein Sklave! Kein Wunder, dass er von Tatooine so schlecht dachte.

 


* * *

 

 

Es gab kaum noch freie Sitze mehr. Inzwischen blieb auch den feinen Pinkel nichts anderes mehr übrig, als sich zwischen die Normalen zu setzen.

Eine Stimme drang durch den Deckenlautsprecher: "Rekruten, wir erreichen in Kürze den Orbit von Corulag. Nach dem Ausstieg werden euch eure Quartiere zugewiesen und ihr habt sechs Stunden Zeit bis zur Musterung, die um 1400 stattfindet. Vertrödelt diese Zeit nicht."

Gemurmel brach aus. Luke konnte die Nervosität und Angst im Raum förmlich riechen, aber das war natürlich Unsinn.

"Denkst du, auf Corulag gibt es auch ein paar Mädels?", fragte ihn Kono.

Luke zuckte mit den Schultern. "Naja, wie verbringen die Soldaten denn sonst ihre Freizeit?"

Kono lachte.

Luke versuchte erneut, einen Blick nach draußen zu erhaschen, aber wurde enttäuscht. An jedem Fenster klebten die Gesichter der Rekruten wie die Fliegen.

Plötzlich setzte die Sterngaleone mit einem Rucken auf.

"Alle Sitzenbleiben, alle sitzenbleiben!", tönte es aus dem Lautsprecher. "Reihen eins bis zehn, ihr seid zuerst dran. Verlasst das Schiff und nehmt draußen Aufstellung an."

Reihe um Reihe leerte sich der Frachter, bis Luke dran kam. Er schulterte sein Bündel und stieg aus. Ein Meer aus Asphalt unter einem merkwürdig dunklen Himmel begrüßte ihn. Die Gebäude, der Boden, die Uniformen, alles strahlte Grau in Grau. Luke sah auf. Noch nie hatte er so hohe Gebäude gesehen. Ihm war, als würden sie jeden Moment umstürzen und ihn erschlagen. Wie konnten sie überhaupt ihr eigenes Gewicht tragen?

Er stellte sich mit den anderen in einer Reihe auf. Ein schwarz Uniformierter, dessen Rangabzeichen Luke auf die Entfernung nicht erkennen konnte, ging auf sie zu. "Folgt mir."

Sie marschierten eine Weile durch die graue Stadt, bis sie an einem Bereich mit Bäumen vorbeikamen, wie Luke sie aus den Holovids kannte. Mehrere Personen mit dicken Bäuchen und prunkvollen Uniformen standen auf dem satten Grün und unterhielten sich. Sie hatten bestimmt schon lange kein militärisches Training mehr absolviert. Doch Luke erkannte keine einzige dieser Personen.

Ihr Führer bog ab und lotste sie in den zweiundzwanzigsten Stock eines quaderförmigen Komplexes. "Eure Quartiere." Er deutete auf einen Gang mit lauter Türen. "Um 1400 ist Musterung in Halle Orange. Lageplan hängt in jedem Quartier. Wer nicht pünktlich ist, wird automatisch dem Frontkommando zugeteilt."

Luke schluckte. Er war besser pünktlich. Auf einer der Türen hing ein Täfelchen mit dem Namenszug Skywalker. Er trat ein. Seine zukünftige Bude war sauber aber schlicht. Von den sechs Betten war nur mehr ein Oberbett übrig, also nahm er darauf Platz.

"Endlich bist du da, Skywalker", murrte ein Vollschlanker mit Kinnbart. "Es ist Schlafenszeit."

Das Licht wurde ausgeknipst. Luke stellte sich den Wecker auf seiner Chrono.

Das Bimmeln riss Luke viel zu früh aus dem Schlaf. Er gähnte und richtete sich auf. Keine Zeit für irgendetwas. Vor ihm lagen jede Menge Tests: körperliche Tests, Intelligenztests und psychologische Tests. Nur wenn er in jeder der drei Kategorien exzellent abschnitt, hatte er eine Chance, Pilot zu werden.

Am besten Jägerpilot. Luke stellte sich vor, in einem TIE-Fighter durch den Weltraum zu rasen, zwischen ihm und dem Vakuum nicht mehr als eine dünne Transparistahlkuppel und ein Raumanzug. Er schlüpfte in eine der Trainingsuniformen, die im Schrank für ihn bereitlagen, und studierte den Gebäudeplan. Der Weg war nicht schwierig.

In Halle orange erwarteten ihn die verschiedensten Gerätschaften und ein Parcours mit mörderisch hohen Hindernissen. Luke ordnete sich in die Schlange der Rekruten ein, deren Name mit S begann. Vor ihm lagen viele anstrengende Stunden.

 


* * *

 

 

"Die Resultate sind da", rief Merdon, ein schlanker Corellianer. Luke sowie all die anderen im Raum hetzten zum Terminal. Er suchte hastig seinen Namen. Skywalker, Skywalker... Skywalker! Mögliche Laufbahnen: Bodentruppen, AT-AT Führer, Pilot... Luke brauchte nicht mehr weiterzulesen. "JA!" Er hatte es geschafft! Und er war anscheinend für eine Offizierslaufbahn geeignet. Aber Luke hatte kein Interesse am kommandieren. Es sei denn, er schaffte es eines Tages zum Staffelkommandanten.

"Ganz schön gutes Resultat für einen Bauersburschen", ätzte Jamos, der Vollschlanke, der von Coruscant stammte.

"He, lass den Kleinen in Ruhe", verteidigte ihn Merdon. "Er hat sich eben gegen die anderen Bewerber durchgesetzt."

Luke hörte nicht mehr richtig zu. Er kletterte auf sein Bett und grinste blöde vor sich hin. Pilot, er wurde Pilot. Nun konnte er seinem Onkel beweisen, dass es doch keine so schlechte Idee gewesen war, zum Imperium zu gehen. Er würde als gemachter Mann heimkehren.

Luke klopfte beim Zimmer an, in dem Kono wohnte. Der ehemalige Sklave und Gewürzhändler rannte auf ihn zu.

"Ich werde Pilot!", rief Luke aus vollsten Herzen.

Kono grinste. "Die Burschen aus Tatooine haben es eben drauf. Ich habe bei den körperlichen Eignungstests recht gut abgeschnitten, mich möchten sie in der Garde haben."

"Hm, dann werden wir uns so schnell wohl nicht mehr sehen."

Kono klopfte ihm auf die Schulter. "Das war abzusehen. Wir wären nach der Ausbildung sowieso nicht an den selben Ort geschickt worden."

Dagegen konnte Luke nicht argumentieren. Zusammen mit Kono und anderen Kumpels feierten sie bis tief in die Nacht ihre Resultate, und plauderten über die Tests und ihre Zukunft. Ein alderaanischer Rekrut hatte alderaanisches Ale eingeschmuggelt, sodass die Feier immer ausgelassener wurde, bis Luke doch schlafengehen müsste. Morgen stand ein anstrengender Tag vor ihm, denn er würde seinem Flugausbildner zugewiesen. Ob die Disziplinarmaßnahmen tatsächlich so streng waren, wie gemunkelt wurde? Er wollte es nicht herausfinden.

Am nächsten Morgen zog sich Luke die einfache graue Uniform an und wollte einen Happen essen, als die Türe klopfte. Luke öffnete.

Ein hagerer Mann in schwarzer Uniform stand vor ihm. Er trug das Abzeichen eines Commanders. Luke salutierte. "Wer von Ihnen ist Luke Skywalker?"

Luke schluckte. "Ich bin das, Sir."

"Kommen Sie mit, Skywalker." Der Offizier drehte ihm den Rücken zu und Luke folgte ihm. Sie verließen das Gebäude und steuerten auf einen Landeplatz zu, genauer gesagt auf eine Lambda-Fähre. Was wollten die von ihm? Warum führte ihn ein Commander des Imperiums durch die Gegend? "Steigen Sie ein."

Luke tat, wie ihm geheißen.

"Nehmen Sie Platz. Wissen Sie, warum ich Sie abhole?"

"Nein, Sir." Luke merkte, dass sein Stimme viel zu schüchtern klang.

"Ihre Resultate bei den körperlichen Eignungstests waren herausragend." Er beugte sich vor. "Es waren die besten, die diese Akadamie je gesehen hat."

Luke fielen fast die Augen aus dem Kopf.

"Deswegen werden Sie jetzt nach Anaxes gebracht, wo sich die Anaxes-Flugakademie befindet, die beste des Imperiums. Dort werden Sie von Commander Tor Kefaan ausgebildet, dem besten Ausbilder für den TIE-Fighter."

Luke fehlten die Worte. Natürlich hatte er gehofft, dass seine Resultate gut waren, aber so gut? "Sir, darf ich Sie etwas fragen?"

"Nur, wenn die Frage nicht dumm ist, Rekrut."

"Was wird danach passieren?"

"Wenn und nur wenn Sie während der Ausbildung beweisen, dass Ihre Testresultate nicht nur ein Glückstreffer waren, stehen Ihnen alle Möglichkeiten offen, Skywalker." Er warf ihm einen Seitenblick zu. "Es ist theoretisch sogar möglich, dass sie es später in der Black Staffel schaffen."

Black Staffel? Davon hatte Luke noch nie etwas gehört.

Der Commander schnaubte. "Lord Vaders Staffel. Die Piloten sind handverlesen. Ein Ziel, auf das es sich hinzuarbeiten lohnt, nicht wahr?"

Aber Luke war sich da nicht so sicher. Lord Vader schien so eine Art Schreckgespenst des Imperiums zu sein. Ein Schreckgespenst, das nebenbei der zweitmächtigste Mann im Imperium war.

Das Panorama außerhalb der Lambda-Fähre riss ihn aus den Gedanken. Sie hatten die oberste Wolkenschicht durchstoßen und der Himmel wurde immer dunkler, bis er einem Schwarz wich, in dem Sterne glühten. Luke presste seine Nase beinahe gegen die Fensterscheibe. Er hatte den Weltraum noch nie gesehen. Die Majestät des Sternenhimmels konnte nicht in Worte gefasst werden. Die Sterne wurden plötzlich zu Striche verzerrt und wichen bunten Wirbeln. Der Pilot fuhr die Fensterblenden hinunter. Luke lehnte sich zurück. Er hatte einen stundenlangen Flug vor sich, in eine Zukunft, die immer phantastischere Ausmaße annahm.


Ende von Teil 1

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