Stolz des Imperiums

Teil 2 von ?


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.






Kapitel 2
 

Die Fähre glitt sachte an den riesigen Sternzerstörern und Raumstationen um Anaxes vorbei. Luke starrte sich fast die Augen aus dem Kopf. Die Flotte des Imperiums war so gewaltig, dass er sich fragte, wie die Rebellion überhaupt Widerstand leisten konnte. Die Rebellion... nach Abschluss der Ausbildung würde er gegen sie kämpfen müssen. Er wusste nicht, wie er sich bei dem Gedanken fühlen sollte.

Die Lambda-Fähre trat in die Atmosphäre ein. Es wurden Blenden vor den Fenstern hinuntergefahren, um die Augen der Passagiere zu schützen. Luke packte alle seine losen Gegenstände in seinen Rucksack ein. Als die Blenden sich wieder öffneten, erhaschte er einen Blick auf die Planetenoberfläche. Anaxes war dicht besiedelt und von Eis und Schnee bedeckt. Eis und Schnee... Luke hatte noch nie damit zu tun gehabt.

Sie näherten sich einer Stadt, die sich wie ein Geschwür auf der Planetenoberfläche erstreckte. Die Fähre landete im Hangar eines Militärkomplexes. An der Decke des Hangars hingen unzählige TIE-Fighter, von denen einer bald Luke "gehören" würde.

Als Luke ausstieg, trat er in eine Pfütze. Er wollte sie genauer begutachten, aber in dem Moment salutierte ein Leutenant vor ihm. "Es ist mir eine Ehre, Sie hier begrüßen zu dürfen, Rekrut Skywalker. Kommen Sie mit."

Luke salutierte verdutzt und folgte ihm. Er rutschte aus, fing sich aber noch rechtzeitig ab. Natürlich, das Wasser am Boden wirkte wie ein Schmiermittel! Er ging nun vorsichtiger.

Wenig später stand Luke in seine neuen Unterkunft, die er mit niemandem zu teilen brauchte. Die Möbel waren komfortabel und in den Schränken befanden sich bereits alle Ausrüstungsteile, die er für die Ausbildung benötigte, zum Beispiel mehrere der hässlichen Pilotenanzüge.

"Ihr zukünftiger Vorgesetzter möchte Sie um 1600 örtlicher Zeit im Raum HJ25 treffen." Der Leutenant salutierte und verließ den Raum.

Luke sah auf seine Chrono. Typisch. Das Imperium schien nichts besseres zu tun zu haben, als seine Kadetten ohne Ruhepausen an verschiedene Orte zu beordern. Sein Biorhythmus war schon ganz aus dem Gleichgewicht geraten. Er hatte zwar die Nacht durchgemacht, aber verspürte trotzdem kein bisschen Müdigkeit. Dennoch legte er sich ins Bett und schloss die Augen. Vielleicht schaffte er es ja doch, eine Mütze Schlaf zu bekommen.

Kurz vor 1600 stand Luke auf, duschte sich und schlüpfte in eine saubere Uniform. Er musste vor Commander Kefaan einen guten Eindruck machen. Nervös durchschritt er die Gänge. Niemand schien ihm Beachtung zu schenken. Er klopfte an die Türe von Raum HJ25. "Ja, herein!" Luke öffnete vorsichtig. An einem großen Tisch saß ein Mann um die Fünfzig mit grauem Haar und Bürstenhaarschnitt, und fünf durchtrainierte junge Männer. Alle hatten sie eine straffe Körperhaltung, die auf ihren körperlichen Topzustand hinwies. Luke salutierte vor seinem Vorgesetzten. "Commander Kefaan, ich bin Luke Skywalker. Mir wurde befohlen, mich bei Ihnen zu melden."

Sein Gegenüber ließ abschätzig seinen Blick über ihn schweifen. "Sie sollen auf Corulag das beste Ergebnis im körperlichen Eignungstest erzielt haben? Wenn das wirklich stimmt, sind die Burschen auf Corulag lascher, als ich dachte. Hör zu, Junge: Als bester Pilot des Imperiums trainiere ich nur die besten der besten. Wer versagt, fliegt raus."

"Ich dachte, Lord Vader wäre der beste Pilot des Imperiums, Sir", brachte Luke etwas schüchtern hervor.

"Wenn er das ist, soll er doch herkommen, und es beweisen."

Die fünf Kadetten lachten auf. Luke verstand die Welt nicht mehr.

"Setz dich, Junge. Erzähl mal, ob du früher schon einmal etwas geflogen hast."

"Einen Skyhopper, Sir. Wir haben in den Canyons Wompratten abgeschossen."

"Wompratten, hm? Dann lass dir sagen, dass echte Menschen nicht so leicht zu erledigen sind wie Wompratten. Trotzdem ist es gut, dass du zumindest schon ein bisschen Flugerfahrung hast. Aber deine Kollegen-" er deutete auf die anderen Kadetten. "Sind dir voraus. Sie sind bereits vor einer Woche hier angekommen."

"Ja, Sir."

"Ihr könnt einstweilen gehen", wandte sich Kefaan an die anderen Kadetten. "Studiert den Aufbau der Servoaufhängung, morgen gibt es eine Prüfung dazu."

Die fünf salutierten und ließen Luke und den Commander alleine zurück.

"Ich kannte einmal einen anderen Skywalker. Wahrscheinlich der beste Pilot, den ich jemals die Ehre hatte zu treffen. Kann es sein, dass du mit ihm verwandt bist?"

"Ich - weiß es nicht."

Der Commander runzelte die Stirn. "Du weißt es nicht? Was soll das heißen, du weißt es nicht?"

Luke wollte am liebsten im Boden versinken. Warum wusste er es nicht? Es ging immerhin um seinen Vater! "Weil, Sir, mir mein Onkel erzählt hat, mein Vater, Anakin Skywalker, hätte auf einem Gewürzfrachter gedient. Bis mir vor kurzem ein Fremder begegnet ist, der das Gegenteil behauptet hat."

Kefaan lehnte sich zurück. "Das Vertrauen in deinen Onkel kann nicht sehr groß sein, wenn du einem Fremden mehr vertraust als ihm."

Luke ließ sich das durch den Kopf gehen. Er wollte es dementieren, aber aus irgendeinem Grund fiel ihm nichts ein.

"Nun, es ist so-" Kefaan trommelte mit den Fingern auf die Tischplatte. "Wenn du es tatsächlich nicht weißt, sollte es vielleicht besser so bleiben. Anakin Skywalker, der Held ohne Furcht, war ein Verräter."

Luke horchte auf. Sein Vater ein Verräter? Das konnte nicht sein! Aber was, wenn es doch stimmte? Es erklärte Onkel Owens Heimlichtuerei, und warum sein Vater später auf einem Gewürzfrachter angeheuert hatte - einer der wenigen Jobs, den ein gesuchter Krimineller noch ausüben konnte. Es passte alles zusammen! Onkel Owen hatte ihn zurecht vor Nachforschungen gewarnt! Er hatte Luke nur davor beschützen wollen, mit einem Verräter in Verbindung gebracht zu werden.

"Ich rate dir, nie über ihn zu sprechen. Sogar ich gehe ein großes Risiko ein, indem ich seinen Namen erwähne." Kefaan fixierte ihn streng.

Luke nickte. Doch dann platzte es aus ihm heraus: "Warum war er ein Verräter? Äh, Sir."

Die Augen seines Gegenübers bekamen einen harten Glanz. Luke fürchtete, zu weit gegangen zu sein. "Er gehörte einer Sekte an, die sich die Jedi-Ritter nannten. Sie glaubten, sie verfügten über eine Zauberkraft, die sich die Macht nennt. Während der Gründung des Galaktischen Imperiums stellten sie sich gegen den Imperator und wurden ausgelöscht, bis auf einen."

Luke überlegte. Wahrscheinlich war sein Vater geflohen, hatte seinen Glauben abgelegt und auf einem Gewürzfrachter angeheuert. "Der eine, Sir?"

"Lord Darth Vader. Er kam aus dem Nichts, um an der Seite des Imperators zu kämpfen."

Luke schwieg.

"Ich glaube, das war genug der Geschichtsstunde, Junge."

 

* * *

 

 

Luke hatte nie eine so anstrengende Zeit erlebt. Er stand am frühesten Morgen auf und absolvierte Kurse, in denen er Mathematik, Flugphysik und den Aufbau des TIE-Fighters bis ins kleinste Detail erlernte. Anschließend gab es eine kurze Mittagspause, gefolgt von körperlicher Ertüchtigung. Ihm fielen die Muskelaufbau-, Koordinations- und Ausdauerübungen zwar vergleichsweise leicht, aber auch er sehnte sich am Ende jedes Trainings nach seinem Bett. Im Anschluss wurde ihnen zwar eine Ruhepause gegönnt, aber sie hatten dann noch immer nicht frei. Stattdessen mussten sie langweilige Aufgaben am Simulator absolvieren. So führte Luke zum Beispiel hundert Mal hintereinander dasselbe Startmanöver aus. Ließ die Konzentration nach, gab es Strafpunkte, die einen noch länger an den Simulator fesselten. Doch selbst in seiner Freizeit musste er für die Examen in Mathematik und Flugphysik büffeln. In den technischen Disziplinen waren seine Kollegen Luke meilenweit voraus. Sie waren auf gute Schulen gegangen, während er das Gefühl hatte, auf Tatooine gar nichts gelernt zu haben.

Nach und nach lernte er die anderen Kadetten kennen. Kadett Orson und Kadett Tagge pflegen einen höflichen aber distanzierten mit den anderen Kadetten. Orson war schlank und introvertiert. Er sprach nicht viel, brillierte aber insbesondere bei technischen Fragen. Er schien so gut wie alles über den Aufbau des TIE-Fighters zu wissen, sodass Luke sich oft bei ihm erkundigte. Tagge gehörte dem Tagge-Clan an und besaß deswegen viel Geld. Er war ehrgeizig und ein Draufgänger. Niemand wagte so riskante Manöver am Simulator und schaffte es sogar, sie heil durchzustehen. Allerdings verstand sich Luke mit ihm nicht allzu gut, weil Tagge nicht verstand, was ein "Sandkopf" wie Luke an der Akademie zu suchen hatte. Trotzdem hatte Luke das Gefühl, dass Tagge diese Sprüche nicht so ernst meinte, wie sie sich manchmal anhörten.

Die restlichen drei konnte Luke noch nicht einschätzen. Sie klebten ständig zusammen, sodass Luke oft das Gefühl hatte, nicht eingeladen zu sein. Einer der drei, Kadett Gerrba, hatte ebenso wie Luke Schwierigkeiten mit der Mathematik, konnte aber hervorragend schummeln. Besonders letzteres behielt Luke für den Fall der Fälle im Kopf, da er es sich nicht leisten konnte, bei einem der Tests schlecht abzuschneiden.

Die nächste Woche verging wie im Flug, da Luke ständig beschäftigt war. Eines Tages beschloss er jedoch, seine Lernunterlagen zu ignorieren und stattdessen etwas über seinen Vater in Erfahrung zu bringen. In Lukes Zimmer stand ein Terminal, über das er Zugang zur imperialen Datenbank hatte. Über einen Prominenten wie Anakin Skywalker fand sich sicher einiges. Er tippte erwartungsvoll den Namen Anakin Skywalker ins Suchfeld. Tatsächlich erhielt er mehrere Einträge. Er rief sie auf. Der Herkunftsort Anakin Skywalkers war nicht bekannt, ebensowenig seine Verwandtschaftsverhältnisse oder sein genaues Geburtsdatum, von dem nur eine grobe Schätzung angegeben war. Dieser Anakin Skywalker, der vielleicht Lukes Vater war, wäre jetzt um die vierzig, wenn er noch leben würde. Außerdem war er ein Jedi gewesen und hatte etliche Einsätze gegen die KUS geleitet. Luke rief Informationen über den Jedi-Tempel auf und schrak zusammen. Angeblich waren die Jedi eine Sekte von Kindesentführern gewesen, die sich wegen ihrer Zauberkraft als auserkoren gefühlt hatten, die Galaxis zu beherrschen. War sein Vater wirklich Mitglied einer fanatischen Sekte gewesen? Aber wenn diese Informationen nicht stimmten, warum hatten dann die Jedi versucht, den Imperator zu stürzen? Luke fröstelte. Ihm gefiel das nicht.

Am Ende des Eintrags über Anakin Skywalker stand, dass er während der Ausführung von Order 66 getötet worden war, zusammen mit all den anderen Verrätern.

Luke deaktivierte das Terminal und legte sich aufs Bett. Sein Vater. So viele Rätsel, so wenig Klarheit. Es erinnerte ihn fast an eine Verschwörung. Er setzte sich schnurstraks auf. Was in dem imperialen Bericht enthalten war, konnte nicht alles sein. Irgendein Geheimnis rankte sich um seinen Vater, eines, das so brisant war, dass es diesen Aufwand rechtfertigte.

 

* * *

 

 

"Ihr seid bereit", sagte Commander Kefaan zu ihnen. "Es ist an der Zeit, dass ihr euer erstes Simulatorgefecht absolviert. Erinnert euch an alle anderen Übungen. Ihr habt jeden der nötigen Flugschritte hundertfach eingeprobt. Jetzt geht es nur noch darum, sie richtig zu verbinden."

Luke grinste bis über beide Ohren. Er verkniff es sich. Ein Imperialer bewahrte Haltung.

"Es ist eine einfache Mission. Wer am Schluss die meisten Abschüsse verzeichnet, bekommt eine Belohnung. Danach werden wir eine Fluganalyse durchführen."

 In der Fluganalyse erklärte Kefaan ihnen, wo sie Fehler begangen hatten und wie sie sich in Zukunft verbessern konnten. Luke stellte sich vor einen Simulator, den hässlichen, schwarzen Fluganzug in seinen Armen.

"Fünf, vier, drei, zwei, eins, los!"

Luke zog sich in Windeseile den Fluganzug an. Mit geübten Griffen schlüpfte er in das feuerfeste Material und machte die Verschlüsse zu. Das korrekte und schnelle Anziehen des Anzugs war im Gefechtsfall überlebenswichtig, deswegen war es Teil jeder Simulatorübung. Dann setzte er sich in seinen Simulator und zog die Sicherheitsgurte an.

Sein TIE befand sich im Startgestell einer Raumstation. Das Hangartor stand offen und gewährte Ausblick in die Schwärze des Weltraums. "Grün-Staffel, Start", kam die Komm-Anweisung von Grün 1, Kadett Tagge. Luke zündete den Antrieb, klinkte sich aus dem Startgestell, und nahm als Grün 3 hinter Grün 1 und Grün 2 Formation ein. Sie verließen den Hangar.

"Raumstation Elisa an Staffel Grün. Auf den Koordinaten 031 wurde feindliches Eindringen in unser Gebiet festgestellt. Voraussichtliche Feindstärke: eine Staffel Z-95-Headhunter. Voraussichtliche Mission des Feindes: Spionage. Eliminieren Sie die Ziele, ehe sie sich zurückziehen und Informationen an den Feind übermitteln können. Raumstation Elisa Ende."

"Staffel Grün an Raumstation Elisa", gab Tagge zurück. "Befehl bestätigt. Staffel Grün Ende. Staffel, ich möchte, dass wir uns aufteilen. Grün 2 und 4 fliegen mit mir. Grün 3 übernimmt die Führung über den Rest. Gruppe 2 soll sich im Nebel bei den Koordinaten 032 auf die Lauer legen. Gruppe 1 wird dann den Feind in Richtung von Gruppe 2 treiben."

Alle bestätigten. Luke überlegte. Der Plan funktionierte nur, wenn die Rebellen mit ihren Daten vor ihnen flohen. Stellten sie sich Gruppe 1 im Kampf, konnte einiges schiefgehen, vor allem wegen der zahlenmäßigen Überlegenheit der Rebellen. "Grün 5 und 6, V-Formation", befahl Luke. "Wir ziehen über Koordinaten 220 einen Parabelbogen bis zum Ziel." Er steuerte seinen TIE-Fighter in eine weite Kurve. Es war atemberaubend. Zum ersten Mal hatte er das Gefühl, tatsächlich zu fliegen, und nicht nur monotone Manöver zu wiederholen. Wenig später erreichten sie Position 032, die sich mitten in einem Sternnebel befand, der hoffentlich die Sensoren der Rebellenschiffe stören würde. "Antrieb ausschalten. Wir wollen unsere Feinde nicht auf uns aufmerksam machen." Sie lagen mit abgeschalteten Maschinen auf der Lauer. Es konnte nicht mehr lange dauern.

"Grün 1 an Grün 3. Wir beginnen jetzt mit der Jagd."

Luke starrte ins All hinaus. Die winzigen TIEs der anderen Gruppe waren kaum zu erkennen, ebensowenig wie die Schiffe der Rebellen.

"Es sind tatsächlich Z-95 Headhunter. Sie wechseln Kurs: 462. Gruppe 2 Verfolgung aufnehmen."

Verdammt! Die Rebellen waren dem Nebel, in dem Lukes Gruppe auf der Lauer lag, ausgewichen. "Ihr habt es gehört, Leute. Kurs 462." Luke reaktivierte seinen Antrieb. Zu dritt schossen sie auf den Feind zu. Sie holten immer mehr auf, da die Rebellen-Staffel sich mit Gruppe 1 ein Gefecht lieferte. "Schneller!" Schon sah Luke, wie Grün 4 und zwei der Rebellen-Schiffe verschwanden. Sekunden später hatten sie es geschaft. Luke stand sofort unter Beschuss. Er tauchte weg. Die gegnerische Staffel bestand aus acht Raumschiffen. Zwei der Headhunter nahmen Luke erneut ins Visier.

Und plötzlich setzte sein Denken aus. Lukes Hände bedienten die Kontrollen wie von alleine. Drehung, Looping, Ausweichmanöver, Schuss! Er hatte das Gefühl, mit dem Raumschiff zu verschmelzen. Jedes Zittern, jedes Rütteln, jede Unregelmäßigkeit ging ihm in Fleisch und Blut über. Er drückte den Feuerknopf. Treffer!

 Luke flog eine Seitwärtsrolle. Ein Headhunter präsentierte ihm das Hack. Er reagierte sofort. Treffer!

Die anderen Gegner wandten sich ihm nun zu, doch genau darauf hatte Luke gewartet. Er gab vollen Schub vorwärts und feuerte währenddessen unablässig. Zwei weitere weg. Der Rest trat die Flucht an.

Doch Staffel Grün folgte. Einen nach dem anderen knallten sie ab, bis am Ende keiner mehr übrig blieb. Die Szenerie löste sich auf und wich kaltem Weiß. Luke zog sich den Helm aus und grinste. Vier Abschüsse! Er hatte die Hälfte der gegnerischen Staffel eliminiert.

"Gut gemacht, Sandkopf." Tagge klopfte ihm auf die Schulter. "Ich wusste, warum ich dich zum Gruppenführer mache."

Luke lächelte. "Deine Idee war auch nicht schlecht. Pech, dass es nicht funktioniert hat."

Tagge zuckte mit den Schultern. "Das nächste Mal eben."

"Ausgezeichnet", lobte Commander Kefaan. "Die Mission wurde trotz Komplikationen erfolgreich ausgeführt und niemand ist aus der Reihe getanzt. Das spricht für eure Professionalität und euer Pflichtbewusstsein. Kommt jetzt. Es gibt einiges, das wir uns bei der Fluganalyse ansehen sollten."

 

* * *

 

 

Luke schob sein Tablett zum Kantinendroiden. Dieser reichte ihm einen Teller mit Schnitzel, etwas Hogkorn und einem Batzen Gemüse. Es duftete durchaus appetitlich. Als Kadett von Tor Kefaan bekam Luke besseres Essen als der Rest. Er ging mit dem Tablett zu Gerrba, Towkander, und Reymand, da er sie besser kennenlernen wollte.

Gerrba sagte gerade: "Das ist es ja gerade. Die Sektorgouvernöre versuchen eine Dezentralisierung und diese Dezentralisierung bewirkt, dass sich die Gesetze nicht so effizient durchsetzen lassen. Genau darum geht es unserem Imperator aber, die Durchsetzung seiner Gesetze."

Reymand schüttelte den Kopf. "Dafür kennen sich die Regionalgouvernöre besser mit den örtlichen Begebenheiten aus. Die Zentralregierung auf Coruscant, so fähig sie auch ist, muss sich auf Berichte verlassen."

"Hey, Skywalker", wandte sich Gerrba Luke zu. "Was ist deine Meinung zu dem Ganzen?"

"Uh." Luke wusste nicht einmal, was Dezentralisierung bedeutete. "Ich denke, jeder sollte die gleichen Rechte haben, egal, wo er geboren wurde."

Sie starrten ihn an wie ein Alien aus einer anderen Galaxie. Luke wollte sich am liebsten in eine Rauchwolke auflösen.

Doch Gerrba hakte unerbittlich nach: "Und wie, Mr. Sky, soll das funktionieren, dass die Bewohner von Rim- und Kernwelten die gleichen Rechte haben? Die Lebensbedingungen sind völlig unterschiedlich."

Er musste irgendetwas antworten, aber was? "Äh, ich bin sicher, die Regionalgouvernöre können sich was ausdenken."

Gerrba wieherte los und die anderen fielen mit ein. "Du bist echt lustig, Skyhüpfer. Sag, geben sie euch auf Tatooine vielleicht Sand zum Fressen?"

"Hahaha, das Sand-Einmaleins", gluckste Towkander. "Einmal Sand ist Sand. Zweimal Sand ist eine Menge Sand. Dreimal Sand ist eine Sandburg."

Luke hatte es die Sprache verschlagen. Er stand auf und suchte sich einen anderen Platz zum Essen. Was hatte er ihnen getan? Er konnte sich nicht erinnern, sie provoziert zu haben. Naja, wahrscheinlich hatten sie sich nur ein beliebiges Opfer gesucht, um Dampf abzulassen. Dennoch beschloss er, in nächster Zeit auf der Hut zu sein.

 

* * *

 

 

Wenige Tage später hatte Luke den Vorfall in der Kantine vergessen. Ein schwieriger Mathematik-Test stand an, der seine ganze Aufmerksamkeit erforderte. Er hatte die Ringintegrale immer noch nicht kapiert. Es war schwierig genug gewesen, in so kurzer Zeit das Integrieren zu lernen, aber jetzt musste er auch das Vektorrechnen begreifen. Bis morgen würde sich das niemals ausgehen, und so blieb ihm nur eine Möglichkeit übrig: schummeln. Luke gefiel der Gedanke nicht, aber die Alternative war nicht besser. Es gab lediglich zwei Antrittstermine. Vermasselte er die Prüfung zweimal, flog er aus dem Kurs.

Aber Kefaan war alles andere als dumm. Wenn Luke schummeln wollte, dann intelligent. Er klopfte an Gerrbas Zimmer an. Der rothaarige Kadett öffnete ihm.

"Ja? Ist es wegen morgen?"

"Genau. Ich brauche deine Hilfe. Diese Ringintegrale machen mich fertig."

"Komm rein."

Luke trat ein. Gerrbas Bude war unvorschriftsmäßig chaotisch. Aufräumen zählte offensichtlich nicht zu seinen Stärken. "Ich weiß, was du willst. Einen Schummler, stimmt's?"

Luke nickte.

Der andere Kadett präsentierte Luke auf seiner Handfläche ein kleines, metallisches Plättchen. "Das klebt man sich auf einen Backenzahn. Es enthält eine Kamera, die imstande ist, die Angaben auf dem Beispielzettel zu lesen. Du musst dazu nur gähnen. Danach gibt dir der Schummler die richtigen Antworten weiter, sie gelangen über Vibrationen vom Zahn bis zu deinen Ohren. Keiner außer dir wird's hören können."

Luke betrachtete das klitzekleine Ding skeptisch. "Und das funktioniert?"

"Und wie. Da steckt ein Droidenprozessor drin."

Luke klebte sich den Schummler auf die Innenseite eines Backenzahns. Gerrba legte ihm einen der Übungszettel vor. Luke gähnte. Tatsächlich. Unmittelbar darauf hörte er die Antworten in seinem Kopf. Sie klangen zwar dumpf, aber er konnte die Worte deutlich vernehmen. "Danke, du bist mein Lebensretter. Viel Glück morgen bei der Prüfung!"

"Heh, ja, Glück werde ich haben. Ganz sicher."

Luke fuhr in seinem Zimmer fort, den Prüfungsstoff zu pauken. Er hatte zwar jetzt einen Schummler, aber er wollte sich nicht hundertprozentig darauf verlassen. Immerhin konnte Kefaan ihnen eine Aufgabe stellen, die auch der Schummler nicht lösen konnte.

Zwölf Stunden später saß Luke im Prüfungsraum und kritzelte seine Antworten nieder. Beispiel 1 und 2 hatte er schnell geschafft, aber bei Beispiel 3 handelte es sich wieder einmal um eines dieser fürchterlichen Ringintegrale. Luke starrte fünf Minuten auf die Angabe, aber er wusste nicht, wie er anfangen sollte. Er gähnte.

Ein Piepsen drang direkt aus seinem Mund. Sein Herz krampfte sich zusammen. Das Piepsen hörte nicht auf! Kefaan schritt bereits auf ihn zu. Au weia! Der Commander blieb vor seinem Tisch stehen. "Skywalker, kommen Sie bitte mal kurz mit mir." Kefaan nahm Lukes Papiere und trat mit Luke vor die Türe. "Wo ist er, Kadett?"

Luke atmete tief durch. Das Spiel war aus. Er kratzte sich den Schummler vom Backenzahn, und zeigte ihn vor.

"Ich verstehe. Clever. Und jetzt sag mir, warum du das gemacht hast. Du weißt doch, dass man dafür von der Akademie fliegen kann, oder?"

Luke wurde heiß und kalt. Von der Akademie fliegen wollte er auf keinen Fall. "Sir, diese Ringintegrale... auf Tatooine wusste ich nicht einmal, was ein Integral überhaupt ist. Ich dachte, anders schaffe ich den Test einfach nicht."

Kefaans Gesicht blieb streng, aber in seinen Augen blitzte Verständnis auf. Oder bildete sich Luke das nur ein? "Kadett, mir ist wohl bewusst, dass geschummelt wird. So aufmerksam ich auch bin, ich kann unmöglich jeden Versuch aufdecken. In gewisser Weise ist effizientes Schummeln sogar förderlich für eine Karriere im Imperium."

"Sir?"

"Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass deine Fähigkeiten ausreichen, das zu basteln." Er deutete auf den Schummler in Lukes Händen. "Stimmt's oder habe ich recht, Junge?"

Luke blickte zu Boden. Unvorschriftsmäßig. Aber er konnte es nicht über sich bringen, seinem Vorgesetzten in die Augen zu schauen.

"Ich werfe ein Jahrhunderttalent wie dich sicher nicht so schnell von der Akademie, aber du kannst dir eine ganze Menge Ärger ersparen, wenn du mir sagst, woher du ihn hast."

Luke sah auf. Gebarr hatte ihm geholfen. Er verriet keinen Kameraden. "Das - das kann ich nicht. Tut mir leid, Sir."

Der Commander verschränkte die Arme. "Wenn das so ist, wirst du den nächsten Monat die Klos in diesem Stockwerk putzen, alle!"

"Ja, Sir." Eine Welle der Erleichterung schwappte über Luke hinweg.

"Zurück zur Prüfung mit dir."

Luke schleuderte den Schummler demonstrativ auf den Boden und trat drauf. "Ja, Sir."


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