Star Wars - The World At Large

Prolog und Teil 1 von 22

Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Prologue

 

 

„Kaum zu glauben, dass jetzt alles vorbei ist.“, sagte Yaya zitternd und stützte ihren Kopf auf ihre Knie, die sie ganz zu ihrem Körper gezogen hatte. Ihre zerrissenen Sklavengewänder offenbarten blutige Wunden auf ihrer sonst so sanften, gelben Haut.

Langsam begann der Staub sich zu legen und das volle Ausmaß der Verwüstung offenbarte sich der Twi’Lek Sklavin.

Yaya musste sich zwingen nicht in Tränen auszubrechen als sie das vollkommen zerstörte Anwesen ihres Meisters sah.

Langsam wiederholte sie ihre Worte: „Kaum zu glauben... dass jetzt alles vorbei ist.“

Vielleicht gab es noch Hoffnung, dass irgendjemand in den Trümmern die gewaltige Explosion überlebt haben könnte, aber da Yaya – obwohl sie nicht einmal im Haus war – drei Meter durch die Luft geschleudert worden war standen die Chancen eher gering.

Abgesehen davon war sie sich gar nicht sicher, dass sie wieder zurück in ihr Sklavendasein gerissen werden wollen würde, wenn sie in den Trümmern ihren cholerischen Meister finden würde, oder dessen verzogene Tochter.

Nein, so schrecklich der Unfall auch gewesen sein mag – er hatte ihr doch die Chance gegeben endlich zu entkommen. Und diese Chance würde sie jetzt wahrnehmen. Sie wollte frei sein und ihr Leben endlich selbst in die Hand nehmen.

Doch vielleicht war das alles viel schwerer als sie sich das vorstellte.

Sie versuchte sich aufzurichten, doch ihr fiel sehr bald etwas auf, was der Schock und das dadurch ausgelöste Adrenalin verdeckt hatten: Ihr Bein war gebrochen.

Nun blieb ihr keine andere Wahl mehr, als auf Hilfe zu warten – die ohne Zweifel bald eintreffen würde, denn die Rauchschwaden mussten sogar noch im tieferen Orbit zu erkennen sein.

 

Nach einer Stunde wurde der Schmerz langsam aber sicher unerträglich und Yaya musste sich zusammenreißen um vor Qual nicht anzufangen zu schreien. Sie war in der Stunde einige Meter vom zerstörten Anwesen gekrochen und hatte eine Stelle hinter einem Felsen gefunden, an der noch Gras wuchs in das sie sich legen konnte.

Erschöpft und ermattet brach sie zusammen und schlief ein...




1 – The Aftermath

Erwachen

 

Noch nie hatte Yaya Licht so hell wahrgenommen – und das obwohl sie ihre Augen noch nicht einmal weiter als einen kleinen Spalt öffnen konnte. Langsam schaffte sie es ihren Blick zu erweitern und starrte auf eine kalte, weiße Decke an der sterile Lampen grelles Licht erzeugten.

 

Bin ich tot?, fragte sie sich selbst und war erstaunt so schnell eine so plausible Erklärung für das Licht und die Wärme, in der sie sich befand gefunden zu haben.

Wärme – bevor sie noch darüber nachgedacht hatte wurde ihr klar, dass sie wieder etwas neues wahrgenommen hatte und dann fing die Welt um sie herum an langsam immer klarer und klarer zu werden. Gegenstände formten sich und Muskeln begannen wieder lebendig zu werden – ja, sie glaubte sogar ihren Herzschlag zu spüren.

Dann schaffte sie es ihre Augen ganz zu öffnen und kam zu der ernüchternden Erkenntnis, dass sie noch am Leben war.

Sie befand sich in einer hochtechnisierten Med-Station. Sie hatte keine Fenster und war relativ leer. Die Wände waren weiß und weil sie aus spiegelndem Metall waren reflektierten sie das Licht noch viel stärker – nahezu störend.

 

Sie lag mindestens 4 Stunden vollkommen regungslos da, bis sie sich wieder an alles klar erinnerte. Und auf einmal wurde ihr Gehirn von den Erinnerungen überflutet. Sie sah, wie sie vom Einkaufen zurück zum Anwesen ihres Meisters spazierte, wie sie von der Druckwelle einer gewaltigen Explosion vom Boden gerissen wurde und mehrere Meter weiter hinten wieder aufschlug. Sie bildete sich sogar ein das Geräusch von brechenden Knochen widerhallen zu hören. Sie stand kurz davor wieder ohnmächtig zu werden, bereitete sich mental sogar schon darauf vor den stechenden Schmerz im Bein wieder zu spüren, doch dann betrat ein weiß gekleideter Mann das Zimmer. Von draußen drangen gedämpfte Geräusche in das Zimmer und erfüllten es für einen Augenblick mit Leben. Dann schloss der Arzt die Tür und setzte sich neben Yaya auf einen kleinen, weißen Sessel und sah sie mit freundlichem Blick an.

 

„Schön, dich wieder unter den Lebenden begrüßen zu dürfen, Yaya.“, sagte er mit einer ruhigen, tiefen Stimme. Er war ein Mensch – nicht besonders gut-aussehend, aber seine schwarze Haut und seine glänzende Glatze erzeugten einen amüsanten Kontrast zu seinen Gewändern und dem Zimmer.

„Ich bin Doktor Grenwich. Du bist im Krankenhaus von New Chersett und, wie es aussieht auf dem Weg der Besserung.“

 

Ein merkwürdiges Schweigen machte sich breit und Yaya wusste, dass der Arzt darauf wartete, dass sie ihn mit unzähligen Fragen bombardieren würde, doch sie hatte weder große Lust, noch besonderen Elan zu sprechen. Dann erst fiel ihr auf, dass ein Schlauch in ihrem Hals steckte, den sie bis in ihren Bauch reichen fühlte.

All diese Tatsachen sprachen ziemlich deutlich gegen ein lustiges Frage-Antwort Spiel und sie entschloss sich nur zu nicken und den Arzt reden zu lassen – er würde es ihr sicher nicht übel nehmen.

 

„Nun... wie drücke ich es am besten aus?“, fragte der Arzt grübelnd und kratzte sich an der Stirn. „Du hast Glück, dass du noch am Leben bist.“

Nun war Yaya wirklich erstaunt. Sie konnte sich zwar noch an den geradezu unterträglichen Schmerz an den Trümmern erinnern, aber sie hatte nie das Gefühl gehabt bald zu sterben. Sie war gespannt darauf, was der Arzt noch zu sagen hatte.

„Das Loch in deinem Hinterkopf haben wir geflickt, aber die inneren Verletzungen unter den Rippen haben uns ganz schön zu schaffen gemacht. Nicht einmal unsere besten Droiden waren in der Lage sie vollständig zu heilen und für eine kurze Zeit haben wir dich sogar aufgegeben. Nachdem wir uns dann doch noch für eine Bacta-Therapie entschieden hatten schien alles wieder ein bisschen besser zu werden. Deine Lungen hatten sich wieder stabilisiert und dein Bein war ebenso wieder so gut wie neu.“

Ah, endlich spricht er das Bein an., dachte sich Yaya und war zufrieden, dass sie die Fähigkeit zu gehen nicht verloren hatte. Sie konnte sich gut daran erinnern wie furchtbar es war auf dem Boden zu krabbeln und zu robben nur um den kleinen Fetzen Gras zu erreichen. Die Tatsache, dass sie wohl noch einige weitere schwere Verletzungen gehabt haben musste kam ihr allerdings mehr als merkwürdig vor. Vor allem die offene Kopfwunde war ihr nicht ganz geheuer. Ärzte stellen immer alles schlimmer dar, als es ist... wahrscheinlich hatte ich eine leichte Gehirnerschütterung.

 

„Auch wenn du äußerlich wieder vollkommen genesen warst – wir haben es nicht geschafft dich aus dem Koma zu befreien. Es war anscheinend eine Folge deiner Kopfverletzung, aber wie bei den meisten Komapatienten, hofften wir auch bei dir darauf, dass du von selbst erwachen würdest.“

Moment, hat der gerade Koma gesagt?, dachte Yaya verwirrt und innerlich panisch. Endlich zwang sie sich zu reden, brachte aber keinen Ton heraus.

Als der Arzt sah, dass sich ihre Lippen bewegten reagierte er sofort:

„Oh das hatte ich ganz vergessen. Wir mussten dich natürlich künstlich ernähren – deswegen der Schlauch.“

Er beugte sich über sie und Yaya fiel sofort auf, dass sein Körpergeruch nicht sehr angenehm war. Sie drückte die Augen zusammen als der Arzt den Schlauch aus ihrem Hals zog und das winzige Loch mit einer Salbe beschmierte, die sofort begann die Haut wiederherzustellen.

 

Nun versuchte Yaya erneut zu sprechen – diesmal mit etwas größerem Erfolg. Dennoch war ihre Stimme rau und im ersten Moment erkannte sie sich selbst kaum wieder. Sie klang wie eine alte Frau. War sie eine alte Frau? Er hatte noch nicht erwähnt wie lange sie im Koma gelegen hatte.

„Koma?“

Das kleine Wort erschöpfte Yaya so sehr, dass sie das Gefühl hatte gerade eine 3-stündige Rede gehalten zu haben.

 

„Ja, Koma. Die letzten 6 Monate lagst du regungslos in diesem Bett.“

Diese Nachricht traf Yaya wie ein Laserschuss in die Brust. Ihr Körper erbebte und ihre Lippen zitterten. Ihr Herz pochte wie ein wildes Gundark, das sich aus den Rippen wie aus einem Käfig befreien wollte.

Der Schock dieser Nachricht schien ihren gesamten Körper wiederbelebt zu haben. Wenigstens wusste sie nun, dass es sich nicht um Jahre, sondern um Monate gehandelt hatte. Auf einmal war es kein Problem mehr für sie zu sprechen:

„Ich lag 6 Monate im Koma? Wie kann das sein, die Explosion, der Schmerz, die Trümmer – das alles kommt mir vor wie gestern!“

 

Sie spürte wie sich ihre Augen mit Tränen füllten. Eigentlich wollte sie jetzt gar nicht weinen, aber sie konnte sich kaum zusammenreißen.

Gott sei dank fuhr der Arzt fort, denn die Stille war kaum zu ertragen.

 

„Nun, jetzt geht es dir ja wieder besser und wir werden dich noch ein paar Tage lang in Beobachtung behalten, aber ich denke, dann darfst du das Krankenhaus wieder verlassen.“

Der Arzt stand auf und räusperte sich, nahm eine Liste zur Hand, sah Yaya noch einmal lächelnd an und drehte sich dann um.

Zum ersten Mal seit sie erwacht war benutzte Yaya jetzt ihre Hand. Sie streckte sie aus und erwischte den Arzt an seinem Kittel.

 

„Warten Sie. Was geschieht jetzt mit mir? Werde ich wieder... wieder zur Sklavin?“

Der Arzt wandte sich um und sah sie noch freundlicher und wärmer an als einen Augenblick zuvor.

„Ich kann dich beruhigen, Yaya. Im Testament deines ehemaligen Meisters stand ausdrücklich, dass man dich frei lassen soll. Deswegen haben wir dir auch gleich den Chip entfernt, der dich als Sklavin kennzeichnet. Aber glaub mir, die Gesetze wären früher oder später auch hier, im Outer-Rim modernisiert worden. Lange wärst du keine Sklavin mehr gewesen.“

Mit diesen Worten verabschiedete er sich und lies Yaya in ihrem Zimmer alleine.

 

Sie wollte aufstehen.

Nein, halt, keine gute Idee., versuchte sie sich selbst einzureden. Zu groß war die Angst, dass sie sich auf ihren Beinen nicht halten könnte und dann wieder in dieses schreckliche Koma zu fallen.

Sie machte sich eigentlich keine großen Gedanken, was in all der Zeit passiert war. Sie war sich sicher, dass sie eine unglaublich-rührende Trauerfeier verpasst hatte, genauso wie die Freudenfeiern der hunderten schwer-schuftenden Mienenarbeitern, die für einen Hungerslohn für ihren Meister gearbeitet hatten.

Sie wusste nicht welche Feier sie lieber besucht hätte.

Doch dann fielen ihr ihre Freunde im Haus des Meisters ein. Alabra, die Köchin, die ihr immer das beste Essen gekocht hatte, wenn der Meister auf Geschäftsreise auf fernen Planeten war. Oder Agan, der dicke Gärtner mit dem sie im Sommer stundenlang am See lag und die Natur genossen hatte. Sie alle hatten die Explosion mit Sicherheit nicht überlebt. Ihre Leichen waren wahrscheinlich nicht einmal gefunden worden, geschweigedenn identifiziert, denn so heftig wie die Explosion war, dürfte von ihren Körpern nicht mehr viel übrig geblieben sein.

Yaya fragte sich wie ihr Leben jetzt weitergehen würde. Sie hatte nun die Möglichkeit all das zu tun, was sie schon immer hatte tun wollen. Doch was wollte sie eigentlich? Freiheit? Abenteuer? Familie? Sie wusste es nicht. Im Moment wollte sie eigentlich nur endlich wieder frische Luft atmen und den Himmel sehen, statt andauernd nur die langweilige, grelle, weiße Decke.

 

 

 

Aus Tagen wurden Wochen und aus Wochen wurde ein Monat, ehe Yaya das Krankenhaus endlich verlassen durfte. Sie hatte schon geahnt dass es länger dauern würde. Ihr Körper war durch die vielen Operationen erschöpft und ihre Muskeln mussten sich erst wieder an die einzelnen Bewegungen gewöhnen. Nach einem Monat aber, waren sämtliche Ärzte mit den Fortschritten, die Yaya gemacht hatte zufrieden.
Es war ein offenes Geheimnis, dass die hübsche, junge Twi’lek nicht wegen ihrer Leiden so oft von jungen Ärzten besucht worden war und so war es nicht verwunderlich, dass sie beim Verlassen des Krankenhauses viele Menschen um sich hatte, die sich schweren Herzens von ihr verabschieden mussten.
Yaya konnte den ganzen Trubel um ihre Person nicht verstehen, war durch die Schmeicheleien aber berührt – hätte sich aber nie im Traum vorstellen können weiter als das zu gehen. Jeder musste seine Grenzen haben, auch Ex-Sklaven.

 

„Dein Meister hat sich offenbar doch besser um dich gekümmert als es dir vorgekommen ist.“, sagte Doktor Grenwich, als er mit Yaya das Krankenhaus verlies um sie bis zum Shuttle zu bringen.

„Seine Versicherung deckt sämtliche Kosten für deinen Krankenhausaufenthalt ab. Außerdem hat er sogar deinen Wunsch berücksichtigt, den Planeten ein für alle Mal zu verlassen.“

 

Er gab ihr ein Datapad, auf dessen Display einige Profile von Planeten zu sehen waren.

„Die Auswahl ist nicht groß, aber um ein neues Leben zu starten sollte es reichen.“, sagte der Arzt lächelnd. Yaya konnte das große, breite Lächeln langsam nicht mehr sehen, aber sie wusste, dass es wohl den Zweck hatte Patienten zu beruhigen.

 

„Offengestanden verstehe ich nicht ganz, warum er nach seinem Tod so großzügig ist, aber immerhin bin ich die einzige Überlebende des Unfalls, deswegen halte ich die ganze Sache für ziemlich gerecht.“, sagte Yaya schulterzuckend und überflog die Planetennamen.

Es waren eher unbekannte Planeten im Outer-Rim. Die meisten Namen hatte sie zu Tisch schon desöfteren von ihrem Meister gehört, wenn er kurz vor einer Geschäftsreise stand.

Dann war es immer ihre Aufgabe gewesen die Wetterberichte und Kurzbeschreibungen aus dem HoloNet zu besorgen und sie ihm vor Abreise vorzulegen. Sie musste zugeben, dass das eine ihrer angenehmeren Aufgaben war.

 

Yaya steckte das Datapad in ihre Umhängetasche und bedankte sich noch einmal bei dem Arzt. Dank seiner Hilfe stand sie nun nicht ganz ohne eine Basis für ein neues Leben da. Alleine hätte sie es nie geschafft sich durch die Unterlagen ihres Meisters zu wühlen um eine möglichst günstige Abfindung zu erhalten. Nun hatte sie ein paar Credits in der Tasche und einen Freiflug auf einen fremden Planeten – keine schlechte Bilanz.

 

Doch eine Sache gab es noch zu erledigen, bevor sie den Planeten endgültig verlassen konnte...




Einzig ein kleines Mahnmal erinnerte an ihren Meister und dessen Familie. Wo einst das prachtvolle Anwesen auf einem kleinem Hügel thronte war eine große Baustelle entstanden auf der ein neues Gebäude entstehen sollte. Die Trümmer waren vollständig beseitigt worden und nichts – gar nichts – erinnerte an den Unfall – oder Attentat.
Jetzt, wo Yaya zum ersten Mal wirklich darüber nachdachte war sie sich gar nicht sicher, dass die Explosion ein Unfall gewesen war. Sämtliche Berichte die sie im Krankenhaus gehört oder gelesen hatte sprachen andauernd von einem Unfall, aber konnte ein Leck in irgendeiner Leitung wirklich eine so gigantische, vernichtende Explosion erzeugt haben?
Yaya wusste es nicht und je länger sie darüber nachdachte, desto klarer wurde ihr, dass es ihr im Grunde vollkommen egal war. Sie hatte damit nichts mehr zu tun und mit einer bescheidenen Blume, die sie vor das Mahnmal legte, legte sie auch endgültig ihre Vergangenheit ab.




Ende von Teil 1

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