Unknown Territories




Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Nur noch wenige Stunden!, versuchte Anakin sich zu trösten, während er sich auf seiner Pritsche in der kleinen Kabine unruhig hin und her wälzte. Er hatte versucht zu schlafen, war aber nach kurzer Zeit schweiß gebadet und von Albträumen geplagt wieder aufgewacht. Nur noch an wenige Einzelheiten konnte er sich wirklich erinnern: ein Planet, er ihm gleichzeitig fremd und doch irgendwie vertraut vorkam, seltsame Lebewesen, die aussahen wie Reptilien und immer wieder das kurze Aufblitzen von Obi-Wans Gesicht vor sich, wie er sprach, die Lippen bewegte, doch Anakin hörte ihn nicht.

Die Gedanken an diesen seltsamen Traum machte ihm Gänsehaut. Angst überspülte ihn wie Wellen kalten Wassers und machten ihm das Atmen unmöglich. Er spürte dass, läge er noch länger untätig herum, er in diesen Wellen ertrinken würde, deshalb raffte er sich seufzend auf. Abwesend strich er den hellen Stoff seines Jedi-Gewandes glatt und fuhr sich durch die feuchten Haare. Dann verließ er mit weichen Knien und langsamen Schritten die Kabine, ging den Gang hinauf zum Cockpit, wo sein Meister ruhig und aufmerksam im Pilotensessel hockte.

 

Obi-Wan war Anakin über die Jahre zu einer Art Vater geworden, bester Freund und Mentor zugleich, der ihn wahrscheinlich besser kannte, als irgendjemand sonst. Würde er ihn verlieren... Nein, niemals!, ermahnte sich Anakin, erschrocken über seine eigenen Gedanken.

 

Selbst Sterne sterben, Anakin Skywalker!

 

Schnell begrub er die Stimme in seinem Unterbewusstsein, brachte sie zum Schweigen und setzte sich in den Kopilotensitz.

"Ruht Euch ein wenig aus, Meister!“ sagte der Padawan leise und übernahm das Steuer. Dummerweise war der Autopilot einer unangenehmen Begegnung mit einem Raumpiraten zum Opfer gefallen und nun mussten sich die beiden Jedi abwechseln beim Steuern des Schiffes.

 

Als Obi-Wan jedoch nicht reagierte, sah Anakin genauer hin: sein Meister war doch tatsächlich eingeschlafen! Und da erzählte dem Padawan noch mal einer etwas von Verantwortungsbewusstsein!

 

Er grinste schief, obwohl er durchaus über die Gefahren dieses kleinen Nickerchens bescheid wusste. Sie hätten sonst wo hinfliegen können!

"Meister? Aufwachen!“ kicherte der Junge und stupste den älteren Mann neben ihn erst vorsichtig und dann etwas kräftiger an. Nicht geschah! "Das kann doch wohl nicht..." begann Anakin kopfschüttelnd und überprüfte mit einem kurzen Seitenblick den Kurs.

"Was...?" Dieses System war ihm gänzlich unbekannt. Kein einziger Planet wurde vom Bord-Computer anerkannt, als würden sie gar nicht existieren.

"Unmöglich!“ wisperte der Padawan verwirrt und stieß Obi-Wan heftig in die Seite.

 

Keine Reaktion.

 

Er schloss die Augen und suchte eine Verbindung mit der Macht, ließ sich von ihr durchströmen und leiten. Sein Körper bestand nicht mehr, das Schiff um ihn herum und Obi-Wan neben ihm waren nur noch durch die Macht zu erkennen, aber sie war nicht beständig. Er fühlte eine andere Kraft, die die helle Seite schwächer machte; nicht nur sie sondern auch Anakin! Und genau diese Kraft ging von einem Planeten direkt vor ihnen aus, auf den sie unaufhaltsam zusteuerten.

Der Junge versuchte mit aller Kraft und Anstrengung, das Steuer herumzureißen, doch auch das half nicht. Es waren nicht die Triebwerke, die das Schiff vorwärts brachten sondern die Macht, eine dunkle Macht, stärker als alles, was Anakin in den ganzen Jahren seiner Ausbildung verspürt hatte. Ein kaltes Tuch legte sich über ihn, nass und eisig, das ihn frösteln ließ; Müdigkeit überkam ihn urplötzlich, seine Augen wurden schwer, er konnte sie kaum noch offen halten.

Er spürte nichts mehr, nicht den Stuhl unter sich, den Steuerknüppel in seiner rechten Hand. Sogar die Macht selbst schien ihn verlassen zu haben.

Langsam entschwand Anakin wieder in das düstere Reich seiner Träume.

Padmés Gesicht vor sich: Du bist ein Sklave?

Yodas Stimme in seinem Geist: Umwölkt die Zukunft des Jungen ist!

Und Qui-Gons Gestalt bei ihrer Abreise von Coruscant vor so vielen Jahren: Du wirst ausgebildet werden, Anakin! Das verspreche ich dir!

 

 

 

 

 

Der Jedi-Tempel war eines der größten Gebäude der Hauptstadt Coruscant. An den vier Ecken ragte hohe Türme gen Himmel, und in der Mitte, hoch oben über der Stadt, versammelte sich für gewöhnlich der Jedi-Rat. Der Himmel war strahlend blau, die Sonne heiß. Die Luft roch noch nach dem Regen, der kurz zuvor gefallen war und die Gebäude mit einem zauberhaften Glanz überzog.

 

Tief im Innern des Tempel saß Yoda, einer der ältesten und sicherlich erfahrensten aller Jedi-Meister, und meditierte. Trotz seiner gebeugten, winzigen Gestalt, auf einen kleinen Gehstock gestützt, war er ein großer Kämpfer. Seine spitzen Ohren wackelten aufgeregt hin und her, er zitterte. Sein grünes, faltiges Gesicht brachte seit langem wieder den Ausdruck großer Sorge und unsäglicher Schmerzen zu Tage.

Etwas war geschehen, etwas Schlimmes. Dunkelheit und Verfall breiteten sich über die Galaxis aus, ausgehend von einem weit entfernten Sternensystem; Lebewesen litten Qualen. Eine massive Erschütterung der Macht! Kälte durchdrang den kleinen Jedi bis auf die Knochen und vor seinem geistigen Auge sah er zwei Jedi, verloren, verirrt, irgendwo in der Galaxis.

Ein aufgeregtes Klopfen an der Tür weckte Yoda aus seiner Meditation. Er war geschockt und aufgewühlt. Nie zuvor hatte er solches Übel verspürt wie gerade eben.

 

Ohne auf eine Antwort zu warten, betrat ein aufgeregter, dunkelhäutiger Mann die kleine Kammer, die Yoda seit vielen Jahrhunderten bewohnte. Er trug die traditionelle Jedi-Kluft. Sein Schädel war kahl geschoren und glänzte vor Schweiß. Sein Atem ging schnell, und er schritt ungeduldig auf und ab.

"Ihr habt es auch gespürt, nicht wahr?" fragte er den kleinen Jedi, der noch immer unbewegt auf seinem Stuhl saß.

 

Er nickte weise. "Setzt Euch, Mace!" Er deutete auffordernd auf einen der Stühle vor sich.

 

Mace Windu ließ sich widerstrebend nieder. "Ich habe keinen Kontakt mehr zu Obi-Wan und seinem Padawan", berichtete er schnell. "Sie sind von allen Bildschirmen verschwunden, und an dem Ort, an dem sie sich als letztes aufhielten, ist die dunkle Seite der Macht auf einmal unglaublich stark."

 

"Nicht mehr spüren ich sie kann!“ bestätigte der andere leise und in Gedanken versunken. "Etwas Seltsames und Gefährliches sich hier ausbreitet."

 

"Was können wir tun?“ fragte Windu, ganz gegen seinen normalen Stil. Es musste etwas geschehen, und das schnell, da waren sich wohl alle einig.

 

"Was du denkst, zu tun ist?" Yoda seufzte. "Wir nicht wissen, wo sich befinden die verlorenen Jedi. Nicht einmal einen Anhaltspunkt wie haben, außer die Dunkle Seite an diesem unbekannten Ort. Meditieren ich werde darüber. Möge die Macht mit dir sein!"

 

Mace wusste, dass das Gespräch damit beendet war, auch wenn er mit dessen Ergebnis höchst unzufrieden war. Aber Meister Yoda hatte wohl Recht, und wahrscheinlich war der jüngere Meister einfach nur für einen Moment von seinen Gefühlen mitgerissen worden. Doch jetzt hatte er sich wieder in der Gewalt.

Sie würden auf weitere Zeichen warten müssen.

 

 

 

 

 

Stöhnend und unter Schmerzen richtete sich Obi-Wan auf. ‚Ist es nicht schön, wenn der Schmerz nachlässt?’ dachte er verächtlich und rieb sich mit einer Hand den Dreck aus dem Gesicht. ‚Scheint nichts gebrochen zu sein.’

Der Boden unter ihm fühlte sich warm an und gab nach, als er sich langsam mit einer Hand darauf abstützte und sich hochstemmte. Trotz des Schattens war es heiß, die Luft feucht und stickig, kaum zu atmen. Seine Lungen schmerzten bei jedem Atemzug.

Erleichtert stellte der Jedi fest, dass wenigsten sein Lichtschwert noch da war, wo es hingehörte. Das wäre wieder nur wieder das richtige Vorbild für Anakin gewesen, der mit seinem so unvorsichtig umging. Apropos: Wo steckte der Junge eigentlich?

Obi-Wan sah sich aufmerksam um.

 

Umgeben war er ausschließlich von Sträuchern, die kaum so hoch waren wie er selbst, an denen aber üppige violette Beeren hingen. Das weiche am Boden, das er zuvor gespürt hatte, war gelbes Moos, das den ganzen Untergrund bedeckte. Es roch nach Wald, obwohl gerade dieser weit und breit nicht zu sehen war. Kein Wind wehte, kein Tier gab einen Laut von sich; sofern es an diesem Ort überhaupt irgendwelche Lebewesen gibt!, rief Obi-Wan sich ins Gedächtnis.

 

Einige hundert Meter entfernt stieg eine hohe Rauchsäule auf. Sicherlich das Schiff! Obi-Wan wünschte es sich, und gleichzeitig hoffte er es auch wieder nicht, wenn Anakin noch in dem brennenden Wrack war. Mit Hilfe der Macht rannte der braunhaarige Mann so schnell er konnte drauf los, stolperte immer wieder über Steine, die von dem Moos überdeckt wurden, ließ sich aber durch nichts aufhalten. Seine einzige Sorge galt seinem Padawan, wenn er denn den Absturz überlebt hatte.

Wie hatte er überhaupt dazu kommen können? Sicher, der Autopilot war defekt gewesen, aber dafür hatten die beiden Jedi sich doch immer wieder beim Steuern abgewechselt, und beide waren ausgezeichnete Piloten. Und das Schiff war brandneu, unmöglich, dass ein Triebwerk oder die Stabilisatoren ausgefallen wären. An den Absturz selbst konnte Obi-Wan sich nicht mehr erinnern; wie eine Erinnerungslücke, klaffte da in der Zeit ein kleines Loch. Sehr beunruhigend!, dachte Obi-Wan kopfschüttelnd, verschob diese Gedanken aber auf später, weil er in diesem Moment an dem Schiff ankam.

 

Unversehrt.

Kein Schaden.

Kein Feuer.

Kein Rauch.

Ein sauberer, nagelneuer A-157N-331S Raumjäger.

Kein Kratzer.

Und kein Anakin Skywalker.

 

 

 

 

 

Anakin wusste nicht was passiert war, geschweige denn wo er sich befand. Sein Schädel fühlte sich an, als wolle er gleich explodieren, und Blut lief aus einer kleinen Schnittwunde an seiner rechten Braue. Sein Jedi-Gewand war triefend nass; er fror erbärmlich und erkannte schließlich auch den Grund dafür: Der Padawan saß am Rande eines kleinen Sees, oder besser Tümpel. Der Boden, nur spärlich von Gras bedeckt, war nass, das Wasser stand in kleineren Pfützen darauf.

"Na toll!" Anakin fuhr sich mit der Hand durch das kurze, dunkelblonde Haar. Als er sich umsah, konnte er seinen Meister nirgends erblicken; selbst mit der Hilfe der Macht fühlte er seine Anwesenheit nicht. Er tastete sich weiter vor, ließ sich völlig von der Macht durchströmen und spürte Obi-Wan plötzlich ganz deutlich, nur einen Augenblick lang. Sofort war er wieder verschwunden.

Verwirrt versuchte Anakin sich noch stärker zu konzentrieren. War er auf einmal so abgelenkt? Oder hatte der Absturz, denn das war offensichtlich geschehen, seine Spuren hinterlassen? Dass er von einem Moment zum anderen keinen richtigen Zugriff mehr auf die Macht hatte? Aber er fühlte sie doch, oder nicht?

 

Nur war Obi-Wan einfach verschwunden.

Keine Spur von dem Jedi-Ritter. Er hatte sich in Luft aufgelöst. Oder war er etwa...?

 

Nein, das darfst du gar nicht erst denken!, schalt sich der junge Padawan. Ich würde es spüren, wenn ihm etwas zugestoßen wäre. Oder etwa nicht?

Mit einem verächtlichen Schnauben, das einem Lachen glich, wischte er diese Gedanken fort und kümmerte sich um das Jetzt und Hier.

Er musste das Schiff finden. Darin bestand die beste Chance, erstens einmal Obi-Wan zu finden und außerdem Kontakt zum Jedi-Orden aufzunehmen, falls die Systeme noch soweit in Takt waren. Wahrscheinlich war er während des Absturzes aus dem Transporter geschleudert worden, doch... War das überhaupt möglich? Sein Verstand sagte Anakin, dass er niemals hinaus geschleudert hätte werden können, außer das ganze Schiff war auseinander gebrochen, was wohl doch eher unwahrscheinlich war. Oder konnte er sich bloß nicht mehr daran erinnern, den Raumjäger selbst verlassen zu haben? Eine Art Gedächtnislücke vielleicht? Obwohl er noch nie davon gehört hatte, ein Jedi könne sein Gedächtnis verlieren, schien das doch die einzig logische Erklärung. Bestimmt konnte Obi-Wan ihm erklären, was passiert war!

Schnell stand Anakin auf, legte kurz die Hand an seinen Gürtel und registrierte, dass sein Lichtschwert an seinem Platz war, dann ging er schnellen Schrittes in die Richtung, wo er seinen Meister kurz bemerkt hatte. Es war die einzige Spur, die ihm blieb.

Er verlor jegliches Zeitgefühl.

Die Stunden flogen dahin, die helle Sonne zog schnell über den Himmel und begann bald einen rötlichen Schimmer über diesen Unheimlichen Planeten zu werfen. Nirgends gab es Anzeichen für Leben, nicht regte sich, oder gab auch nur den kleinsten Laut von sich.

Zu spät bemerkte der gedankenverlorene Padawan die Falle zu seinen Füßen! Schon viel er einige Meter tief in eine Grube. Die Wände bestanden aus rauem Fels, der Boden war von grobem Geröll bedeckt. Nicht schwer daran hinaufzuklettern!, dachte Anakin noch im Flug, doch sogleich wurde alles schwarz um ihn. Er war mit dem Hinterkopf auf einen Stein geschlagen. Der Schmerz breitete sich in Wellen in seinem ganzen Körper aus, dann spürte er nichts mehr.

 

 

 

 

 

Das Schiff gab ein leises ‚Ratattattatta’ von sich, als ob es beim Anlassen der Triebwerke laut keuchte, dann lag es wieder stumm da. Die Lichter im Cockpit sprangen für einen Moment an, dann wurde es stockfinster.

 

Obi-Wan hatte nicht einmal bemerkt, wie die Sonne hinterm Horizont verschwunden war.

Zuerst hatte er versucht, Kontakt mit dem Tempel auf Coruscant und später, als er merkte, dass seine Anstrengungen ohne Erfolg blieben, hatte er nach anderen Schiffen der Republik in der Nähe dieses Planeten gesucht. Nichts hatte funktioniert; entweder waren sie zu weit von anderen intelligenten Lebewesen entfernt, oder aber die Geräte hatten irgendeinen unauffindbaren Schaden erlitten.

 

Und Anakin hatte wohl auch sein Comlink verloren, weil er sich nicht meldete.

 

Kopfschüttelnd ließ sich der Jedi in den Pilotensessel sinken. Warum musste ausgerechnet ihm so etwas immer passieren? Konnte das alles denn nicht nur ein einziges Mal glatt gehen? Er musste zugeben, langsam die Hoffnung zu verlieren, dass dieser Fall jemals eintreten würde.

Kurz vorm Verzweifeln und vor lauter Sorge um seinen verschwundenen Padawan, ging Obi-Wan hinunter in den Maschinenraum.

 

Mit einem leisen Zischen glitt die Tür auf. Der Raum wurde lediglich von einer kleinen, roten Notlampe an der Decke beleuchtet, doch viel hätte es so oder so nicht zu sehen gegeben: zwar waren keine Schäden zu sehen, aber das lag wohl eher daran, dass nichts mehr dort war, was hätte kaputt sein können. Alles Abschraubbare und Bewegliche war anscheinend entfernt worden.

 

"Wunderbar!“ seufzte Obi-Wan resigniert. "Kein Wunder, dass nichts funktioniert!"

Warum hatte er denn auch nicht gleich hier nachgesehen? Wenigstens hätte er sich seine Bemühungen ersparen können und gleich auf die Suche nach Anakin gehen können. Das Problem war, dass er nicht einmal wusste, wo er mit der Suche beginnen sollte. Die Macht hatte ihm, bei seinen bisherigen Versuchen den Jungen zu finden, nicht weiter geholfen, was ungewöhnlich aber nicht unmöglich war. Der Jedi spürte auf diesem Planeten eine starke Präsenz der dunklen Seite, was für ihn selbst den Einsatz der Macht erheblich erschwerte. Was besonders beunruhigend war: an manchen Punkten in der Landschaft schien eine Art Loch in der Macht zu sein. Dort war nichts, rein gar nichts! Und das hatte der Jedi noch nie erlebt oder auch nur von gehört.

Als Obi-Wan wieder hoch ins Cockpit kam, war es bereits stockfinster draußen. Wer hatte das Schiff so ausgeräumt? Und warum nur die Maschinenteile und nicht die Notfallkits in den Kabinen mitgenommen?

 

 

 

 

 

An Händen und Füßen an einen waagrechten Pfahl gefesselt, kam Anakin wieder zu sich. Ihm ging es keinesfalls besser als das letzte Mal als er aufgewacht war, nur war ihm jetzt wenigstens die Entscheidung genommen, was er tun sollte. Er konnte sich kaum rühren, hing kopfüber dort und versuchte die Gestalten zu identifizieren, die die Enden des Pfahls krampfhaft festhielten und ihn schaukelnder Weise durch die Gegend trugen. Wenn das so weiterginge, würde ihm nur noch schlecht werden! Noch dazu hatten sie ihm sein Lichtschwert abgenommen.

 

Die Personen oder Wesen die der junge Padawan um sich herum erkannte, gingen langsam und gebeugt, wie alte, zusammengeschrumpfte Menschen, teilweise auf Stöcke gestützt wie Meister Yoda. Sie trugen nicht mehr als einen luftigen Schurz um die Hüften; ihre Haut glich der einer Echse, ansonsten hatten sie eine humanoide Gestalt. Ihre Gesichter konnte Anakin nicht erkennen, aber er war sich nicht einmal sicher, ob er das überhaupt wollte. Der Falle nach zu urteilen, die sie gebaut hatten, waren sie nicht sonderlich fortschrittlich und zivilisiert. Offensichtlich verständigten sie sich durch merkwürdige Zischlaute, die Anakin nie zuvor vernommen hatte.

 

Die Landschaft hatte sich gänzlich verändert. Seit einer beträchtlichen Zeit führte sie der Weg an einer steilen Felsküste entlang. Einige Minuten lang hatte Anakin halb über dem Schwindelerregenden Abgrund gehangen und unter sich das rauschend Meer gesehen, das von seltsam rötlicher Farbe war. Eigentlich hatte der Jedi keine Probleme mit der Höhe, aber in seiner misslichen Lage war das eine andere Sache.

Immer näher kamen sie einem - auf dem Kopf stehenden - Dorf, oder wohl eher einer Gruppe kleiner Häuschen, die beim kleinsten Windstoß umzukippen zu drohen schienen. Sie waren teils aus Steinen, teils aus ausgetrockneten Holzstämmen. Die Dächer waren bedeckt mit dem Moos, das überall am Boden lag. Umgeben war das ganze von einem leichten Schimmer, der gunganischen Schutzschilden glich, doch Anakin konnte sich nicht vorstellen, dass es diese auch waren. Es dauerte nicht lange, bis sie den Rand des Schildes, oder was immer es war, erreichten und die Karawane anhielt. Der Schimmer verschwand, sie überwanden die Grenze ohne Probleme und betraten das Dorf.

 

Unterdessen nahm Anakin seine Umwelt genau in Augenschein, sah alles nur noch durch die Macht und erhaschte jede noch so kleine Möglichkeit zur Flucht. Er musste bereit sein und den richtigen Augenblick abwarten. Auch wenn die Kreaturen anscheinend nicht bewaffnet waren, er selbst war es auch nicht und so musste er mit allem rechnen.

Doch der junge Padawan war unsicher; ohne seinen Meister, allein gegen eine Übermacht an Feinden und ohne eine Waffe. Nicht einmal auf die Macht konnte er sich noch verlassen, denn mittlerweile war ihm aufgefallen, dass diese immer wieder ohne Vorwarnung, ohne erkenntlichen Grund verschwand. Das war bestimmt auch die Erklärung dafür, dass er die Präsenz Obi-Wans nicht mehr spüren konnte. Da war er sich ganz sicher.

 

Ein trockener, staubiger Platz in der Mitte der Hütten diente als eine Art Dorfplatz, auf dem sich eine größere Anzahl der Echsenwesen versammelt hatten. Größere und kleinere, dicke und dünne, die leise miteinander tuschelten und mit einem ihrer vier langen Finger auf den Jedi zeigten. Offensichtlich hatten sie Angst; es schien geradezu, als hätten sie noch nie einen Menschen gesehen. War das möglich?

 

"Autsch!“ schrie Anakin erschrocken auf, als er von dem Pfahl los geschnitten wurde und aus einem Meter Höhe auf den Rücken fiel.

 

Sofort zerrte ihn einer der Echsenmänner nach oben und band ihm die Hände auf dem Rücken wieder zusammen.

 

"Ich komme in Frieden!“ versuchte er es auf die diplomatische Weise. "Spricht hier irgendeiner Basic?"

Suchend sah sich der Padawan um, aber keiner schien ihn zu beachten.

 

Schlagartig wurde es still; alle wandten sich zu der größten der Hütten und standen stocksteif da, als erwarteten sie etwas oder jemanden.

 

Anakin spürte es, bevor er es sah.

 

Ein hoch gewachsener, breitschultriger Mann, gekleidet in einer schwarzen Tunika und schwarzen Hosen, ähnlich den Gewändern der Jedi, der durch sein bloßes Auftreten eine Veränderung in der Macht hervorrief. Der Padawan konnte es durch die Macht sehen, die gerade in diesem Augenblick wieder ‚auftauchte’.

Der Mann hatte ein hübsches Gesicht, seine blauen Augen funkelten und gaben seinem Aussehen ein wenig Leben zurück. Seine braunen Haare fielen ihm fast bis auf die Schultern; er lächelte, als er auf den erstaunten Anakin zuging, der seinen eigenen Augen kaum zu glauben wagte.

 

Erst schob er es auf das grelle Sonnenlicht, das ihm ins Gesicht schien, dann fragte er sich, ob er bei dem Sturz in die primitive Falle nicht doch zu sehr eins auf den Kopf gekriegt hatte. Aber alles rätseln und Unverständnis half nichts: Die Tatsache war, dass er sich selbst gegenüberstand!

 

 

 

 

 

Nachdem er zu der Überzeugung gekommen war, dass eine planlose Suche nach seinem Schüler keinen Sinn hatte, hatte Obi-Wan sich etwas zu essen gemacht, geduscht und noch einmal ohne Erfolg versucht mit dem Jedi-Tempel Kontakt aufzunehmen und lag jetzt in einer Kabine auf der schmalen Pritsche und versuchte wenigstens für ein paar wenige Stunden zu schlafen. Er wusste, dass er seine Kräfte noch brauchen würde, dass es Anakin nicht helfen würde, wenn sein Meister vor Erschöpfung umkippen würde, aber er konnte nicht ruhen. Nicht jetzt!

Er ließ die Rechte abwesend auf seinem Lichtschwert ruhen. Auf gewisse Weise beruhigte ihn dies immer. Dann stand der junge Jedi auf, schaltete die Lichter auf dem Schiff ab und verließ den Raumjäger schnellen Schrittes. Der große Vollmond warf sein sanftes Licht auf die weite Gegend. Eine leichte Brise wehte über die Sträucher und ließ die wenigen Blätter an den kargen Gewächsen leise rascheln.

Obwohl Obi-Wan nicht genau wusste, wo er mit der Suche nach seinem Padawan beginnen sollte, schlug er bestimmt seinen Weg nach Osten. Etwas sagte ihm, dass er dort Erfolg haben würde, und dieses Etwas hatte nichts mit der Macht zu tun; es war ein Gefühl, dass ihm immer sagte, wann Anakin in Schwierigkeiten war.

Irgendwann, als er schon nicht mehr wusste, wie lange er schon unterwegs war, sah er in der Ferne etwas leuchten. Es war kaum mehr als ein Schimmern und die meisten anderen hätten es sicherlich nicht einmal bemerkt. Und dann spürte Obi-Wan, dass Anakin dort war. Und dass er litt.

 

 

 

 

 

Anakin war verblüfft. Nachdem er versucht hatte, einfach nur tief durchzuatmen, hatte er sich an die Jedi-Beruhigungstechniken gehalten; als diese ihn nicht beruhigt hatten, versuchte er ganz einfach an etwas anderes zu denken. Das erste was ihm in den Sinn kam, war Padmé. Er wünschte sich seit Jahren nichts mehr, als sie wieder zu sehen. Ob sie noch genauso aussah wie damals, als er sie auf Tatooine das erste Mal gesehen hatte? Sie sah aus wie ein Engel, zumindest so wie Anakin sich diese vorstellte.

 

Aber keine noch so schöne Vision der Welt konnte ihn von der Realität ablenken. Trotz der verblüffenden Ähnlichkeit zwischen sich und seinem Gegenüber, konnte Anakin ganz deutliche Unterschiede festmachen: der andere sah gelassen drein, doch immer wieder machte sich das scharfes Aufflackern einer unbändigen Wut bemerkbar. Dann spannte sich sein Gesicht zu einer Grimasse an, die sofort wieder verschwand und die anscheinend sonst keiner bemerkte; es sah aus, als koste es den dunkel gekleideten Mann eine ungeheure Mühe, sich unter Kontrolle zu halten.

Er lächelte. Es war ein kaltes Lächeln. "Ich habe dich erwartet."

 

Bevor Anakin sich selbst zurückhalten konnte, fragte er: "Schön, und mit habe das Vergnügen?" Der junge Padawan wusste seine Ängste zu verstecken. Er benötigte dazu keinerlei Anstrengung mehr, es geschah so automatisch wie die Bewegung seines Lichtschwerts um einen Blasterschuss abzuwehren. Und so war dieses Versteckspiel für ihn eine Art Aberwehrreaktion.

 

Das Spiegelbild lachte laut auf. "Ich bin du. Du bist ich." Er streckte die Arme aus und ging einen Schritt auf Anakin zu. Die Nichtmenschen um sie herum regen sich nicht. Es war unmöglich zu sagen, ob sie überhaupt irgendetwas spürten. Sie standen da wie Wachsfiguren. "Wir beide sind eins. Die Vergangenheit und die Zukunft."

 

Anakin war sprachlos. Er konnte nicht glauben was um ihn herum geschah, konnte es nicht begreifen. Er fühlte sich blind und taub und stumm, als er wieder die Verbindung zur Macht verlor; er fühlte sich hilflos. Zum wiederholten male wünschte er sich Obi-Wan herbei, er hätte gewusst was zu tun war.

Langsam wurde das Atmen schwerer. Sein Hals schien sich zuzuschnüren, wie in Zeitlupe und Anakin versuchte keuchend Luft zu holen, aber von Sekunde zu Sekunde wurde es schwieriger. Den Blick auf sein Gegenüber gerichtet versuchte der junge Jedi die Verbindung zu Macht wieder zu finden, doch es gelang ihm nicht.

 

Der Andere sah ihm in die Augen und gleichzeitig durch ihn hindurch; er schien sich unglaublich anzustrengen und sich konzentrieren zu müssen.

 

Hilflos gefesselt, wurde Anakin klar, dass der andere die Macht gebrauchen konnte, es in genau diesem Moment tat. Und noch während dem Padawan wegen des Sauerstoffmangels immer wieder schwarz vor Augen wurde, fühlte er deutlich wie die Dunkle Seite sich um ihn herum ausbreitete. Er spürte, wie er kurz davor stand in diesen dunklen Ozean zu stürzen, aus dem er nie wieder zurückkehren würde. Er wusste auf einmal, dass er die Kontrolle wieder gewinnen konnte, aber nur, wenn er sich der Dunklen Seite ergab. Nun, was war schlimmer? Qualvoll zu sterben oder sich nur für einen kurzen Augenblick wahrer Macht hinzugeben?

 

 

 

 

 

Er dachte nicht nach. Er fühlte nicht. Er sah nicht. Er kämpfte nur. Er wusste, dass er sich keinen weiteren Moment des Nachlassens leisten durfte. Andernfalls war es zu spät. Eine blaue Klinge purer Energie zerschnitt Körper ohne auf Widerstand zu stoßen. Die primitiven Waffen der Gegnerscharen hatten nicht die geringste Chance.

Obi-Wan Kenobi wusste, dass er sich später Vorwürfe machen würde. War das wirklich er? Diese Person, die sich ohne Rücksicht auf Verluste dem Feind stellte? Die keinen einzigen Gedanken an die Jedi-Regeln vergeudete? Aber hier ging es um mehr. Das Leben seines Schülers, seines Bruders stand auf dem Spiel. Wie oft hatte sie beide, Meister und Padawan, nicht schon kleinere und größere Auseinandersetzungen gehabt, hatten sie sich über simpelste Dinge gestritten; all das bedeutete Obi-Wan nichts in seiner Furcht um das Leben Anakins. Kein Fehler, er durfte sich bloß keinen Fehler erlauben. Was erwartete ihn am Ziel?

In der blitzschnellen Folge komplexester Bewegungen, verschwammen die Farben vor Obi-Wans Augen zu einem einzigen undeutlichen Lichtwirbel. Als er schließlich stehen blieb, dauerte es einige Sekunden bis der Jedi-Meister wieder klar sehen konnte.

 

Er spürte Anakins Anwesenheit, bevor er den jungen Mann sah; er wusste, dass er noch lebte; Keine Sekunde zu früh! Er war ohnmächtig geworden.

 

Ihm gegenüber stand eine hoch gewachsene, in schwarz gehüllte Person, die offensichtlich hoch konzentriert war. Und dieser Mann blendete Obi-Wan in seiner Machtpräsenz geradezu. Es schien, als habe er mehr Macht als irgendjemand sonst sie je zuvor hatte. Als ob er die Macht war. Dieser drehte sich blitzschnell um, als er Obi-Wan bemerkte, und ein breites Grinsen erschien auf seinem Gesicht. Er setzte sich langsam in Bewegung, rannte auf Obi-Wan zu, zog im Laufen sein Lichtschwert und schlug in dem Moment auf den völlig perplexen Jedi-Meister, in dem seine scharlachrote Klinge zischend und summend erschien.

 

Wenigstens hatte Obi-Wan sich noch soweit unter Kontrolle, dass er sein eigenes Schwert gerade rechtzeitig hob, um nicht getroffen zu werden. Von nun an gab es keinen ruhigen Augenblick mehr, in dem er sich über das Gedanken machen konnte, was er sah. Die Luft erschien einzig erfüllt vom lauten energetischen Summen der Lichtschwerter und dem Geruch von Ozon, wenn die beiden Klingen aufeinander trafen. Obi-Wan wirbelte herum, parierte hier einen Schlag, führte dort eine Parade und sprang dann wieder hoch in die Luft um einige Meter weiter hinten wieder zu landen. Mit bloßem Auge war der Kampf kaum zu verfolgen.

 

Das trockene Strohdach einer nahen Hütte ging in Feuer auf, als die blaue Klinge Obi-Wans knapp darüber streifte. Es war keiner da, der sie hätte beobachten können. Die Kreaturen waren tot; ihre zerstückelten Leiber lagen überall herum. Anakin war immer noch bewusstlos.

 

Der Kampf schien Stunden zu dauern. Bald schon spürte Obi-Wan die Erschöpfung deutlich. Seine Bewegungen wurden langsamer, er konnte nicht mehr so schnell reagieren und entging ab und zu nur allzu knapp dem Tod. Das Wissen, dass er sich keinen Fehler erlauben durfte, machte es ihm nur noch schwerer. Denke nicht nach! schalt er sich, überlasse dich der lebendigen Macht! Aber so einfach war es nicht. Die ganze Zeit hatte er die kraftlose Gestalt seines Padawans vor Augen und die Angst, er könne jeden Moment sterben, raubte ihm den letzten Nerv. Wieso musste sich der Junge auch immer wieder in solche Schwierigkeiten bringen?

 

 

 

 

 

Die Vergangenheit und die Zukunft... Wir sind eins... Die Macht ist stark in ihm... In ihnen... Ich bin du...

Blaues Licht. Es verschwindet.

Rotes Licht. Es bewegt sich.

Leises Lachen ohne Freude oder Belustigung.

Er erkannte nicht viel. Das Sehen war schwierig, alles verschwamm vor seinen Augen und er konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Der Schädel schien zerspringen zu wollen. Aber dieses Licht!

Anakin konzentrierte sich und versuchte seine Sinne wieder zusammen zu bringen. Was war passiert? Er erinnerte sich nur noch an jemanden. Wer war es? Dieser Mann, der, den Rücken ihm zugewandt das Lichtschwert hoch erhoben hatte, um jemandes Leben ein Ende zu setzen?

Er blinzelte stark und versuchte denjenigen zu erkennen, der zusammengekauert auf dem harten, staubigen Boden kniete. Obi-Wan? Nein, das war unmöglich. Wie sollte er dorthin gekommen sein? Natürlich hat er mich gesucht!, beantwortete Anakin die Frage sofort selbst, im gleichen Moment wurde ihm der ernst der Lage bewusst und er zerrte an den Fesseln, die ihn an seinem Platz hielten. Doch er war zu schwach. Normalerweise hätte es vielleicht funktioniert, doch nach dem was auch immer passiert war, war der junge Jedi zu nicht mehr viel in der Lage. Hilflos musste er mit ansehen, wie die rote Klinge sich wie in Zeitlupe über den niedergesunkenen Mann senkte.

"Nein!“ schrie Anakin verzweifelt und wehrte sich weiter verbissen gegen seine Fesseln, bis seine Handgelenke ganz wund wurden und anfingen zu bluten, aufgerissen von den rauen Fasern des Seils. Ihn erfasste eine Wut, so unbeschreiblich mächtig, dass es den umstehenden Hütten die Dächer herunterriss, als Anakin seinen Zorn mit der Macht lenkte. Ihm war beigebracht worden, nicht zornig zu sein und nicht zu lieben, doch wie konnte man jemanden nicht lieben, mit dem man beinahe die Hälfte seines Lebens verbracht hatte? Und wie konnte man nicht wütend sein, wenn jemand genau denjenigen drohte umzubringen? Obi-Wan war Anakin wie ein Vater und er war nicht gewillt diesen aufzugeben. Selbst dann nicht, wenn es hieß sich dafür der Dunklen Seite zu bemächtigen.

Die Fesseln lösten sich.

 

Doch das Spiegelbild ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Mit einem kurzen entschlossenen Schlag, sauste die rote Klinge auf sein Opfer nieder und traf ihn in der linken Schulter. Obi-Wan sank ohne einen Laut von sich zu geben zu Boden und blieb bewegungslos liegen.

 

Anakins Zorn verwandelte sich in Schmerz. Er hörte auf zu denken und ging völlig auf in der Dunklen Seite der Macht. Starker Wind zerrte an seinen Kleidern und Haaren, aber er beachtete es nicht. Dunkle Wolken zogen auf; es donnerte laut und Unheil verkündend.

 

Das Lächeln auf dem Gesicht des anderen verschwand, als er sich seinem letzten Kontrahenten zuwandte. Stattdessen zeigte sich auf seinem Gesicht schiere Angst und Panik.

 

Beide Anakins standen sich gegenüber und starrten sich stumm in die Augen. Der Sturm um sie herum wurde immer schlimmer, Regen prasselte nieder und traf die Haut wie tausend Nadelstiche, doch die beiden Gegner, waren wie in dem Auge eines Wirbelsturms gefangen. Es wurde dunkler und dunkler.

 

Anakin fühlte sich, als würde er in einen dunklen Abgrund rutschen und jeder Augenblick ließ ihn weiter in dieses Unheil stürzen. Und irgendwann, das wusste er, würde er nicht wieder herausklettern können.

 

Anakin...

 

Blitze schlugen rund um den kleinen Platz ein und steckten immer mehr Hütten in Brand.

 

Anakin, komm zu dir!

 

Es gab keinen Ausweg mehr, keine Fluchtmöglichkeit. Obi-Wans Körper verschwamm vor Anakins Augen und er wusste nicht ob es an dem Regen oder seinen eigenen Tränen lag.

 

Anakin, wach auf!

 

Er wachte auf. Er kam zu sich. Er hörte die Stimmen, aber vor sich sah er immer noch dieses Bild.

 

Es war nur ein Traum!

 

"Es war nur ein Traum!" Jemand rüttelte ihn heftig an den Schultern. "Mach die Augen auf und schau mich an, Anakin!"

 

Diese Stimme... "Obi-Wan?“ keuchte Anakin und öffnete schließlich doch die Augen.

 

Das besorgte Gesicht seines Meisters schaute auf ihn herab.

"Ja!“ grinste dieser erleichtert, wobei er es völlig überhörte, dass Anakin das "Meister" vergaß. Er war nur froh, seinen Schüler wieder wohlauf zu sehen.

 

Anakin sah sich erleichtert um. Glücklich erkannte er sein Zimmer im Jedi-Tempel auf Coruscant wieder. Ja, es war alles nur ein Traum gewesen, aber was für ein realer!

 

 

 

 

 

Kurze Zeit später saßen Obi-Wan Kenobi und Anakin Skywalker in den typischen runden Schalensesseln in Yodas Quartier.

 

Der kleine Jedi-Meister saß in einem kleineren Sessel, die Hand auf seinem knorrigen Gimmerstock.

 

Mace Windu stand bewegungslos vor einem der großen Fenster. Der Sichtschutz war halb geschlossen und das grelle Sonnenlicht drang kaum noch in den angenehm kühlen Raum.

 

"Sehr beunruhigend das ist!“ murmelte Yoda nachdenklich; seine spitzen Ohren drehten sich hin und her.

 

"Es könnte sein, dass es nur ein völlig normaler Traum war!?“ warf Obi-Wan ein, selbst nicht sehr überzeugt von seinen Worten.

 

Der Bericht seines Padawans hatte ihn sehr erschüttert, vor allem, weil er die Angst und den Zorn immer wieder in Anakins Augen hatte aufblitzen sehen.

 

"Jedi keine Träume sie haben, Obi-Wan!“ gab Yoda zu bedenken.

 

Mace Windu sah weiter aus dem Fenster.

 

"Es war kein normaler Traum. Es war zu..." Anakin suchte einen Moment nach dem richtigen Wort. "...zu real. Es fühlte sich alles so echt an."

 

Master Windu wandte sich den anderen Anwesenden zu und meldete sich das erste Mal zu Wort. "Eines steht fest: wenn dieser Traum auch nur die geringsten Parallelen zur Realität aufweist, bedeutet das nichts Gutes. Wir sollten das in Zukunft nicht vergessen. Wer weiß, was auf euch zukommt. Bleibt wachsam!" Er sah Schüler und Meister ernst an. "Möge die Macht mit euch sein!"

 

Anakin wollte noch etwas erwidern, doch Obi-Wan brachte ihn durch eine kurze Handbewegung zum Schweigen. Das Gespräch war beendet.

 

"Möge die Macht mit euch sein!"

Anakin folgte seinem Meister aus dem kleinen Raum hinaus auf den Gang. Beide waren schweigsam und tauschten kein Wort, bis sie wieder bei ihren Quartieren angekommen waren.

 

"Ruh dich aus, Anakin." Obi-Wan drückte kurz die Schulter des Padawans, drehte sich dann um und ging.

 

"Ja, Meister", antwortete Anakin leise.

 

Tage vergingen.

Wochen und Monate keine Träume mehr und der letzte geriet in Vergessenheit.

Jahre vergingen.

Und die Träume kehrten zurück.

Unheilverkündende Träume von Tod und Zerstörung.

Und keiner sah die ‚Parallelen zur Realität’.

Bis es zu spät war.


ENDE