I wanna know what love is

Teil 1 von 9


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Kapitel 1

 

 

„Eines Tages werde ich der mächtigste Jedi sein“, sagte Anakin voller Stolz. „Dann kehre ich nach Tatooine zurück und befreie alle Sklaven.“

 

Leyre und Ada blickten den elfjährigen Jungen fragend an. „Woher willst du das wissen?“, fragte Leyre.

 

„Ich weiß es eben.“

 

„Ich wette, dass ich mächtiger sein werde als du“, meinte Ada zuversichtlich und nahm Anakin eine der Muja-Früchte weg, die er gerade aß.

 

„Dich wird sowieso keiner als Padawan nehmen. Du wirst viel zu schnell wütend“, antwortete er.

 

„Gar nicht wahr! Vielleicht nimmt einer uns beide als Padawan“, sagte sie und blickte Leyre an.

 

Doch diese schüttelte den Kopf. „Nein, das ist verboten. Man darf nur einen Padawan haben.“

 

„Ani haben sie auch aufgenommen, obwohl er schon zu alt war.“

 

Plötzlich erschienen einige Jedi-Meister, und alle Kinder, die sich auf dem Gang befanden, setzten sich in Bewegung.

 

“Kommt. Wir müssen zum Unterricht“, sagte Anakin und erhob sich.

 

Die beiden Mädchen folgten dem Strom, bis jeder von ihnen seinen Klassenraum erreicht hatte.

 

 

 

 

 

~*~

 

 

 

 

 

Die Ausstiegsrampe des kleinen Transporters öffnete sich langsam. Gefolgt von ihrem Meister Kit Fisto verließ Ada das Schiff.

 

Zwei weitere Raumgleiter setzten gerade zur Landung an. Ein anderer würde in Kürze starten, weshalb im Hangar reges Treiben herrschte.

 

Mitten in der Menge blieb die junge Frau stehen und ließ ihre Umhängetasche langsam auf den Boden sinken.

 

„Es war eine anstrengende Mission“, sagte Kit zu ihr. „Du hast dir eine Pause verdient. Geh und ruh dich etwas aus.“

 

„Ja, Meister“, antwortete sie lächelnd. Sie ließ ihren Blick durch den Hangar schweifen, bis sie in der Masse von Beschäftigten auf das Augenpaar traf, nach dem sie gesucht hatte. Sie hob ihre Tasche an und ging auf ihre Zwillingsschwester Leyre zu.

 

 

 

 

 

Ada und Leyre Gaberow waren mit zwei Jahren in den Tempel gekommen. Man hatte sie relativ spät entdeckt, doch da die Macht schon damals ungewöhnlich stark in ihnen gewesen war, hatte der Rat beschlossen, sie beide auszubilden. Die zwei glichen sich wie ein Ei dem anderen, weshalb selbst die Mitglieder des Rates ab und zu Schwierigkeiten hatten, sie auseinander zu halten. Aus diesem Grund hatten sie die Schwestern in verschiedene Schulklassen eingeteilt.

Mit 13 Jahren waren beide von ihnen von Jedi-Meistern als Padawane auserwählt worden. Seitdem sahen sie sich nur noch selten, doch sie verbrachten jede freie Minute zusammen.

 

 

 

 

 

„Ich bin so froh, dich wieder zu sehen“, sagte Leyre und umarmte ihre Schwester.

 

„Ich habe jeden Tag an dich gedacht“, antwortete Ada. „Seit wann bist du wieder da?“

 

„Seit einer Woche. Meine Meisterin wurde verwundet. Deshalb mussten wir früher zurück.“

 

„Und wie geht es ihr?“

 

„Ganz gut. In ein paar Tagen kann sie die Krankenstation verlassen.“ Leyre nahm ihrer Schwester die Tasche ab, und die beiden machten sich auf den Weg in Adas Zimmer.

 

„Ist Ani auch hier?“, wollte Ada wissen, als sie sich erschöpft auf ihrem Bett niederließ.

 

„Er ist gestern mit Meister Kenobi zurückgekehrt“, antwortete Leyre.

 

„Gestern schon? Ich dachte, wir wären gleichzeitig aufgebrochen.“

 

„Wie es aussieht hast du nicht alles mitbekommen, was auf Geonosis vorgefallen ist. Ani hat seinen rechten Unterarm verloren.“

 

„Was?!“, rief Ada entsetzt. „Wie ist denn das passiert?“

 

„Er hat sich mit Count Dooku angelegt. Doch das kann er dir selbst erzählen“, meinte Leyre.

„Ich hoffe, du hattest dieses Mal keine Auseinandersetzung mit deinem Meister“, fügte sie lachend hinzu.

 

„Sehr witzig! Nein diesmal hatten wir keinen Streit“, antwortete Ada ein wenig ungehalten.

 

„Aber im Ernst. Ich habe gehört, wie sich drei Mitglieder des Rates über dich unterhalten haben.“

 

„Und?“

 

„Sie sind ziemlich besorgt um dich. Sie meinen, du bist zu aufbrausend“, sagte Leyre.

 

Ada blickte ihre Schwester an und hob eine Augenbraue. „Wenn sie ein Problem mit mir haben, sollten sie es mir persönlich sagen.

Jetzt komm. Wir statten Ani einen Besuch ab.“

 

 

 

 

 

~*~

 

 

 

 

 

„Nimm das sofort zurück!“, rief Ada voller Zorn und warf ihr Lichtschwert in eine Ecke.

 

Sofort versammelten sich alle Schüler, die sich in der Trainingshalle befanden, um sie herum, um das Geschehen zu beobachten.

 

„Warum sollte ich?“, fragte Mali Kan, der Junge, gegen den sie bis eben gekämpft hatte. „Ich hab es nicht für möglich gehalten, aber deine Schwester ist tatsächlich noch dämlicher als du.“

 

„Ich warne dich! Wenn du es noch einmal wagst, meine Schwester zu beleidigen...“

 

„Was ist dann? Willst du mich verprügeln?“

 

Ada blickte den Jungen an. Sie hasste ihn, seit sie ihn kannte. Auch wenn einem Jedi nicht erlaubt war, zu hassen. In einem halben Jahr würde sie dreizehn werden. Sie wusste, dass sich einige Jedi-Meister in der Halle aufhielten und die Schüler beobachteten.

 

Mali wusste ebenso gut wie sie, dass sie sich in einer Zwickmühle befand und grinste sie gehässig an.

 

Nun konnte Ada sich nicht länger beherrschen. Wütend stürzte sie sich auf den Jungen und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht.

 

„Genug!“, ging Kit Fisto dazwischen. Er hatte den beiden Kindern die ganze Zeit zugesehen und gehofft, dass sie von selbst wieder zur Vernunft kommen würden. Doch jetzt musste er eingreifen und Ada von ihrem Gegner fernhalten. „Ihr seid Schüler der Macht. Vergesst das nicht! Ihr dürft eurer Wut nicht nachgeben!“

 

„Sie hat angefangen!“, verteidigte sich Mali.

 

„Es ist unwichtig, wer angefangen hat. So dürft ihr es nicht beenden! Und wenn ihr nicht lernt, eure Aggressionen zu kontrollieren, wird euch niemand als Padawan annehmen.“

 

 

 

 

 

~*~

 

 

 

 

 

„Du willst es also wirklich tun?“, fragte Leyre zum dritten Mal.

 

„Mein Entschluss steht fest“, antwortete Anakin. Er war mit seiner gepackten Tasche in Adas Zimmer gekommen, um sich von den Zwillingen zu verabschieden. „Ich werde Padmé heiraten.“

 

„Wie willst du Meister Kenobi deine Abwesenheit erklären?“, wollte Ada wissen.

 

„Ich habe ihm gesagt, dass ich die Senatorin nach Naboo zurück bringe. Das ist nicht einmal gelogen.“

 

„Ich weiß nicht, Ani. Es ist verboten“, meinte Leyre skeptisch. „Ich werde dich nicht verraten, aber ich habe ein ungutes Gefühl.“

 

„Ach, du machst dir viel zu viele Gedanken. Wer soll es denn erfahren? Außer uns weiß niemand davon. Bis auf Padmé natürlich“, sagte Ada.

 

„Meine Zweifel sind berechtigt.“ erwiderte Leyre. „Ani, wie stellst du dir das vor? Selbst wenn ihr verheiratet seid, werdet ihr nicht zusammen leben können. Du bist ein Jedi!“

 

„Es wird schwer werden“, gab Anakin zu. „Aber ich liebe Padmé. Irgendwie schaffen wir es.“

 

Ada grinste und legte Anakin den Arm um die Schultern. „Ich weiß, ihr werdet es schaffen. Los, Ani. Geh und heirate sie. Ich wünsche euch viel Glück.“

 

„Ich weiß nicht, was ich ohne euch machen würde“, sagte Anakin dankbar. „Ich werde in einer Woche zurück sein.“ Er nahm seine Tasche und verließ das Zimmer.

 

„Warum ermunterst du ihn noch?“, fragte Leyre und sah ihrer Schwester in die Augen.

 

„Sein Entschluss stand doch schon fest“, antwortete Ada. „Außerdem finde ich es gut. Er folgt nur seinem Herzen. Was kann daran verkehrt sein?“

 

„Du folgst in gewisser Weise auch deinem Herzen, wenn du wieder ausrastest und irgendwas kaputt schlägst.“

 

„Was soll das heißen?“

 

„Du nimmst die Regeln unseres Ordens auf die leichte Schulter. Das sagt auch dein Meister.“

 

„Du hast mit Kit über mich geredet?!“, rief Ada entsetzt. „Was fällt dir ein, hinter meinem Rücken mit meinem Meister über mich zu reden?!“

 

„Er ist zu mir gekommen“, antwortete Leyre. „Ada, er macht sich Sorgen um dich. Er dachte, wir sind Schwestern und...“

 

„Von jedem anderen hätte ich so was erwartet. Aber nicht von meiner eigenen Schwester! Dazu hattest du kein Recht!“

 

„Hör mir zu. Ich will nicht, dass wir im Streit auseinander gehen.“

 

„Wie meinst du das?“

 

„Nela hat die Krankenstation gestern verlassen. Sie will die Mission, die wir abbrechen mussten, so schnell wie möglich zu Ende bringen. Wir brechen noch heute Abend zum Planeten Hoth auf.“

 

„Zieh dich warm an. Dort ist es kalt“, sagte Ada knapp.

 

„Ich werde vielleicht mehrere Monate weg sein. Ist das alles, was du mir zu sagen hast?“, fragte Leyre.

 

„Ja. Ich bin sauer auf dich.“

 

„Gut. Wie du willst. Ich muss noch packen. Wir sehen uns irgendwann.“ Mit diesen Worten verließ Leyre das Zimmer und ließ ihre Schwester allein zurück.

 

Ada sah ihr wütend hinterher und ballte ihre Hand, ohne dass sie es merkte, zur Faust. Dann richtete sie ihren Blick auf eine Blumenvase, die einige Meter von ihr entfernt von ihr auf ihrem Nachttisch stand, und schleuderte sie mit einer Handbewegung gegen die Wand.

 

 

 

 

 

~*~

 

 

 

 

 

Leyre lief so schnell sie konnte den langen Gang entlang. Sie wollte ihre Meisterin vor dem Tempel treffen und war bereits spät dran. Doch als sie den Ausgang schließlich erreichte, blieb sie überrascht stehen. Neben ihrer Meisterin Nela Karin stand Ada und grinste sie an.

 

„Was machst du denn hier?“, fragte Leyre irritiert.

 

„Wie du schon sagtest: Wir sollten nicht im Streit auseinander gehen“, sagte Ada und umarmte ihre Schwester.

 

„Ich dachte, du bist sauer auf mich.“

 

„Wir sind Schwestern. Wir sollten uns nicht wegen so einer Kleinigkeit streiten.“

 

„Du wirst mir fehlen, Ada.“

 

„Wir sehen uns bald wieder.“

 

„Leyre, wir müssen los. Unser Schiff wartet schon“, sagte Nela, als das Lufttaxi, das sie zu einem der vielen Raumhäfen bringen würde, ein Stück entfernt landete.

 

Leyre lächelte Ada noch einmal zu, drehte sich dann um und ging mit ihrer Meisterin Richtung Taxi.

 

 

 

 

 

~*~

 

 

 

 

 

„Warte noch“, flüsterte Kit zu seiner Schülerin. Er war mit Ada nach Malestare gereist, um drei hochrangige Mitglieder einer Terroristengruppe festzunehmen. Seit einem Monat waren sie ihnen bereits auf den Fersen, und nun hielten sie sich in einem leer stehenden Gebäude versteckt, um einen illegalen Waffenhandel zu beobachteten.

 

„Warum?“, wollte Ada wissen. „Wir haben alle Beweise. Warum greifen wir sie nicht an und nehmen sie endlich fest?“

 

„Wir wissen nicht, mit wie vielen Männern wir es zu tun kriegen, wenn wir sie jetzt angreifen“, antwortete Kit.

 

„Ich sehe drei Personen am Grav-Schlitten und vier weitere am Tor.“

 

„Du weißt nicht, wie viele sich noch in der Lagerhalle aufhalten. Du bist sechzehn und kein naives Kind mehr. Übe dich in Geduld!“

 

Widerwillig gehorchte sie ihrem Meister. Doch dann trat ein weiterer bewaffneter Mann aus der Halle und trieb zwei mit Handschellen gefesselte Männer vor sich her. Der Anführer der Terroristen zwang sie, sich vor ihm hinzuknien und hielt einem von ihnen sein Gewehr an die Stirn.

 

„Er wird sie töten!“, flüsterte Ada aufgebracht.

 

„Warte noch. Wir sind nur zu zweit. Es ist zu riskant!“, ermahnte Kit seinen Padawan.

 

Doch Ada hielt es nicht mehr aus. Sie aktivierte ihr Lichtschwert, stürmte aus ihrem Versteck und lief auf die Männer zu.

 

„Nein!“, rief Kit ihr hinterher und folgte ihr, um Schlimmeres zu verhindern.

 

Als Ada von den Terroristen bemerkt wurde, richteten sie sofort ihre Gewehre auf sie. Sie wehrte die Schüsse mit ihrem Lichtschwert ab und verwundete dabei einen von ihnen.

Sie übersah jedoch den Mann, der sich etwas abseits von den anderen hinter einem Stapel Kisten verschanzt hatte. Nichts ahnend lief sie an ihm vorbei und wollte sich auf den Anführer stürzen, als sie plötzlich einen Gewehrschuss hörte. Sie spürte einen brennenden Schmerz in der Seite und wusste, dass sie getroffen worden war. Ada bereute es schon, nicht auf ihren Meister gehört zu haben, doch jetzt war es zu spät. Sie konnte sich nicht länger auf den Beinen halten und brach zusammen.

 

Der Anführer der Terroristen kam langsam auf sie zu und richtete sein Gewehr auf sie. Aber bevor er abdrücken konnte, wurde er plötzlich von einer Welle der Macht erfasst und weggeschleudert.

 

Nur wenige Sekunden später erschien Kit in ihrem Blickfeld. Er schnitt den beiden Gefangenen die Fesseln durch und wollte dann den flüchtenden Terroristen folgen. Doch ein gequälter Laut von Ada ließ ihn inne halten und zu ihr zurückkehren.

 

„Ich habe ihn nicht gesehen“, keuchte sie unter Schmerzen und hielt sich die Seite.

 

Kit beugte sich über sie, schob ihre Hand zur Seite und sah sich die Wunde an. „Du hattest Glück“, seufzte er erleichtert. „Du musst in ein Lazarett, aber du wirst es überstehen.“

 

„Meister, es tut mir leid. Ich habe ihn nicht gesehen.“

 

„Genau davor habe ich dich gewarnt!“, sagte er wütend zu ihr. „Wenn du auf mich gehört hättest, wäre nichts von dem passiert!“

 

„Aber wir haben zwei Leben gerettet“, verteidigte sie sich.

 

Er legte ihren Arm um seine Schulter und hob seine Schülerin hoch, um sie vom Ort des Geschehens wegzubringen. „Zu welchem Preis? Du bist verletzt, und unsere Zielpersonen sind entkommen! Wir hätten sie stoppen können. Sie hätten nie wieder jemandem etwas zu Leide getan.“

 

„Ich konnte doch nicht zusehen, während sie zwei Männer umbringen!“

 

„Ada, du bist mein Padawan. Wie soll ich dich ausbilden, wenn du meinen Anweisungen nicht folgst?“

 

„Es liegt nicht in meiner Absicht, Euch Sorgen zu bereiten.“

 

„Dann hör auf damit. Sonst wird dein unbeherrschtes Verhalten eines Tages dein Untergang sein!“

 

 

 

 

 

~*~

 

 

 

 

 

Ada öffnete langsam die Augen und sah sich in ihrem Zimmer um. Ihr Wecker hatte bereits vor zehn Minuten geklingelt, doch sie hatte nicht die geringste Lust aufzustehen. Nach weiteren fünf Minuten raffte sie sich endlich auf und machte sich auf den Weg zu den Duschen.

Wie jeden Morgen nahm sie die anderen Mädchen in den Umkleideräumen nur am Rande wahr und sprach abgesehen von einem gelegentlichen ‚Guten Morgen’ oder ‚Kann ich mal die Seife haben?’ kaum mit ihnen. Nachdem sie sich eine frische Tunika angezogen hatte, machte sie sich auf den Weg in den Speisesaal, um zu frühstücken.

 

Zu ihrer Überraschung stand Anakin an die Eingangstür gelehnt und wartete auf sie.

„Leistest du mir beim Essen Gesellschaft?“, fragte er lächelnd.

 

„Ani! Du bist wieder da!“, begrüßte sie ihn lachend. Dann sah sie sich um und flüsterte: „Wie war deine... na ja, die Sache. Hast du es getan?“

 

„Ja, hab ich“, sagte er voller Stolz.

 

„Herzlichen Glückwunsch! Seit wann bist du denn wieder hier? Ich hab dich seit drei Wochen nicht mehr gesehen und wollte schon eine Vermisstenanzeige aufgeben“, meinte sie grinsend.

 

„Ich bin erst gestern Abend angekommen.“

 

„Du wolltest doch nur eine Woche weg sein.“

 

„Na ja, auf Naboo gab es Schwierigkeiten im Raumhafen. Ich habe zehn Tage gebraucht, um einen Transporter zu finden, der mich zurück nach Coruscant bringt“, antwortete Anakin.

 

Doch Ada blickte ihn nur skeptisch an. „Und was war wirklich der Grund?“

 

„Das ist die Wahrheit.“

 

„Ja, sicher.“

 

„Es ist die Wahrheit!“

Die beiden holten sich ein Tablett mit ihrem Frühstück und ließen sich an einem Tisch, der direkt am Fenster stand, nieder.

„Wo ist Leyre eigentlich?“, fragte Anakin nach einer Weile.

 

„Auf Hoth“, antwortete Ada knapp und machte sich über eine Barabel-Frucht her.

 

„Was macht sie denn auf Hoth?“

 

„Wahrscheinlich friert sie“, meinte sie lachend und richtete ihren Blick auf Mali Kan, der gerade an ihrem Tisch vorbei ging.

 

„Warum guckst du so blöd?“, fragte er und setzte sich drei Tische weiter zu seinen Freunden.

 

„Isst du deine Barabel-Frucht noch?“, flüsterte Ada zu Anakin.

 

„Du kannst sie haben, wenn du willst“, antwortete er.

 

„Gut. Dann mach dich bereit zu laufen“, sagte sie. Sie nahm die Frucht in die Hand und warf sie Mali an den Hinterkopf. Der klebrige Saft verteilte sich auf seinen kurzen Haaren und auf den Gesichtern seiner Freunde.

 

Anakin blickte Ada nur fassungslos an, doch sie lief lachend davon und zog ihn hinter sich her. Erst auf dem Gang blieben sie stehen und sahen sich um, ob ihnen jemand gefolgt war. Dann fingen sie wieder an zu lachen, dass ihnen die Tränen in die Augen stiegen.

 

Doch sie erschraken, als Kit plötzlich vor ihnen stand.

 

„Guten Tag, Meister Fisto“, sagte Anakin etwas verlegen. Er war, genau wie Ada, bemüht, sein Lachen zu unterdrücken.

 

„Habe ich euch unterbrochen?“, fragte Kit misstrauisch. Er kannte seine Schülerin gut genug, um zu ahnen, dass sie wieder etwas angestellt hatte.

 

Bevor Ada antworten konnte, stürmte Mali mit seinen verklebten Haaren aus dem Speisesaal und funkelte Ada wütend an. „Das wirst du noch bereuen, Gaberow!“, rief er im Vorbeigehen und deutete mit seinem Finger auf sie.

 

Kit verschränkte die Arme vor der Brust und blickte seinen Padawan an. Seine Miene blieb unverändert, doch Ada wusste, dass er nicht sehr erfreut war. „Ich glaube, wir müssen uns unterhalten“, sagte er knapp.

 

„Ja, Meister“, antwortete sie. Sie warf Anakin noch einen Blick zu und folgte ihrem Meister dann in Richtung der Lifte.

 

 

 

 

 Kapitel 2

 

 

Das Surren der Lichtschwerter erfüllte den Raum. Ada parierte einen Hieb ihres Gegners, sprang einen Salto über ihn hinweg und landete auf sicheren Füßen hinter ihm. Doch als sie herum wirbelte und zum Schlag ausholte, bekam sie einen Tritt in die Kniekehle, der sie aus dem Gleichgewicht brachte.

 

„Was ist los mit dir? Du wirkst irgendwie abgelenkt“, meinte Anakin. Er deaktivierte sein Lichtschwert und reichte Ada seine Hand, um ihr beim Aufstehen zu helfen.

 

Sie ließ sich erschöpft auf einer Bank nieder und trank einen Schluck Wasser.

 

„Was ist los?“, fragte er erneut. „Hattest du viel Ärger mit Meister Fisto?“

 

„Ich kann nichts richtig machen!“, rief sie frustriert.

 

„Meinst du den Kampf eben?“

 

„Ich meine einfach alles!“ Ada war froh, dass sie mit Anakin allein in der Trainingshalle war. Doch in diesem Moment hätte sie auch die Anwesenheit anderer nicht davon abgehalten, ihm ihr Herz auszuschütten. „Kit hat mir schon unzählige Mahle vorgehalten, dass ich zu aufbrausend bin. Er sagt mir direkt ins Gesicht, wo genau mein größter Fehler liegt, und trotzdem lerne ich nichts daraus!“

 

„Du setzt dich viel zu sehr unter Druck“, meinte Anakin und legte ihr den Arm um die Schulter. „Du bist erst 18. Niemand erwartet von dir, dass du die Macht schon perfekt beherrschst. Du hast noch viele Jahre Zeit, um zu lernen.“

 

„Aber ich enttäusche Kit, wo ich nur kann. Ich mache immer noch die gleichen Fehler wie vor fünf Jahren!“, sagte sie niedergeschlagen. „Manchmal wünsche ich mir, mehr wie Leyre zu sein.“

 

„Sag doch nicht so was.“

 

„Leyre wurde noch nie vor den Rat zitiert. Ich gehöre da oben schon fast zum Inventar. Sie streitet fast nie mit ihrer Meisterin und führt ihre Aufträge zur Zufriedenheit aller aus. Wenn Kit gewusst hätte, worauf er sich mit mir einlässt, hätte er mich niemals als Padawan genommen.“

 

„Er wusste, worauf er sich einlässt. Wie du schon sagtest, du wurdest oft vor den Rat zitiert. Kit kannte dich. Er hat dich als Padawan genommen, weil er an deine Fähigkeiten geglaubt hat. Und das tut er noch heute.“

 

Ada sah Anakin in die Augen. „Danke, Ani“, sagte sie leise und lächelte wieder.

 

 

 

 

 

~*~

 

 

 

 

 

Ada versuchte ihre Nervosität zu verbergen, aber sie wusste, dass ihr das nicht besonders gut gelang. Sie stand in der Mitte des kreisrunden Raumes neben Mali Kan und spürte die Blicke der zwölf Ratsmitglieder auf sich ruhen.

 

„Ihr wisst, weshalb wir euch hergebeten haben“, begann Adi Gallia.

 

„Weil wir uns geprügelt haben“, sagte Mali leise.

 

„Wir haben schon länger ein Auge auf euch gerichtet“, fuhr Ki-Adi Mundi fort. „Keiner von uns will euch dazu zwingen, euch miteinander anzufreunden. Jeder hier im Raum hat Verständnis dafür, dass man nicht mit allen Personen gleich gut auskommen kann. Aber so wie ihr euch in letzter Zeit verhaltet, kann es nicht weitergehen.“

 

„Ihr zwei provoziert euch gegenseitig, wo es nur geht. Wenn ihr das so handhaben wollt, ist das eure Sache. Aber es kann nicht angehen, dass ihr wie gestern ohne Grund aufeinander losgeht. Ihr müsst lernen, miteinander zu leben“, sagte Mace Windu zu den beiden.

 

„Ada hat angefangen. Ich habe mich nur gewehrt!“, antwortete Mali.

 

„Was du dazu zu sagen hast?“, fragte Yoda und wandte sich Ada zu.

 

„Ja, ich habe ihn zuerst geschlagen“, gab sie zu. „Aber er hat meine Schwester die ganze Zeit beleidigt. Ich habe ihm immer wieder gesagt, er soll damit aufhören. Er hat immer weiter gemacht, und dann konnte ich mich nicht mehr beherrschen. Ich wollte das nicht.“

 

Ki-Adi Mundi beugte sich ein Stück vor und sah den beiden Kindern in die Augen. „Vergesst nicht, dass ihr eines Tages Jedi sein werdet. Ihr dürft euren Aggressionen nicht einfach nachgeben. Lasst nicht zu, dass sie euch beherrschen.“

 

„Ja, Meister“, sagten Mali und Ada wie aus einem Mund.

 

„Gut. Geht jetzt zurück in eure Klassenräume.“

 

Die beiden deuteten eine Verbeugung an und verließen den Raum im höchsten Turm des Jedi-Tempels. Mali warf ihr noch einen gehässigen Blick hinterher, doch sie wollte nicht schon wieder vor den Rat zitiert werden und ignorierte ihn.

 

 

 

 

 

Als Ada nach dem Unterricht den Klassenraum verließ, stellte sie überrascht fest, dass Kit Fisto am Ende des Ganges stand und in ihre Richtung sah. Sie drehte sich um, merkte dann aber, dass sich niemand hinter ihr befand und dass sein Blick an sie gerichtet war. Etwas unsicher blieb sie stehen und wartete auf seine Reaktion.

 

Langsam kam er auf sie zu und blieb vor ihr stehen. „Ich habe auf dich gewartet“, sagte er zu ihr.

 

„Auf mich?“, fragte sie und blickte ihn verwirrt an.

 

„Lass uns ein Stück gehen. Ich muss mit dir sprechen.“

 

Ada folgte dem Jedi-Meister, ohne zu wissen, was er von ihr wollte. Ein paar Minuten sagte keiner von ihnen etwas, bis sie einen kleinen Balkon erreichten.

 

„Ich habe dich und Mali heute vor dem Rat beobachtet“, fuhr er fort und sah sie an. „Genauer gesagt beobachte ich euch schon länger.“

 

„Geht es wieder um den Vorfall von gestern?“, wollte Ada wissen. Sie hatte sich schon mehrmals dafür entschuldigen müssen und war es leid, darüber zu sprechen.

 

„Unter anderem. Einige Ratsmitglieder sind wegen deines manchmal sehr unbeherrschten Verhaltens besorgt.“

 

„Ich tue das nicht mit Absicht“, sagte sie schuldbewusst.

 

„Das weiß ich“, antwortete Kit ruhig. „Darin liegt deine Schwäche. Mali weiß das. Er tut alles, um dich zu provozieren und du gehst darauf ein.“ Er machte eine Pause und ließ seinen Blick über die Stadt schweifen. „Aber im Gegensatz zu ihm weißt du um deine Schwäche. Du weißt, wenn du etwas falsch gemacht hast. Du versuchst, aus deinen Fehlern zu lernen und sie nicht noch einmal zu begehen.“

 

Sie blickte ihn überrascht an. Sie hätte nie gedacht, dass er so viel Lob für sie übrig hatte.

 

Doch bevor sie etwas sagen konnte, fuhr der groß gewachsene Nautolaner fort. „Die Macht ist stark in dir, auch wenn du noch eine Menge lernen musst. Deshalb wäre ich geehrt, dich als Padawan annehmen zu dürfen, Ada Gaberow.“

 

Ada konnte nicht glauben, was sie gerade gehört hatte. In einem halben Jahr würde sie dreizehn Jahre alt werden, und nach dem gestrigen Vorfall hatte sie die Hoffnung, von jemandem als Padawan angenommen zu werden, längst aufgegeben. Sie brachte kein Wort hervor und konnte nicht aufhören zu grinsen.

 

„Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für eine Antwort“, meinte er lächelnd.

 

„Ja! Ich meine, ich akzeptiere, Meister Kit Fisto.“

 

„Das freut mich zu hören.“

 

„Das muss ich sofort meiner Schwester erzählen!“, rief Ada aufgeregt und lief davon.

Einen Moment später kehrte sie jedoch zurück, umarmte ihren neuen Meister, der nicht so recht wusste, was er davon halten sollte, und verschwand dann gleich wieder.

 

 

 

 

 

~*~

 

 

 

 

 

Ada stand nur da und blickte ihren Meister fassungslos an. Fünf Monate waren vergangen, seit der Krieg gegen die Separatisten begonnen hatte. Seitdem war sie nicht mehr auf einer Mission gewesen, und sie sehnte sich danach, andere Planeten zu besuchen. In den letzten Tagen hatte sie Gerüchte gehört, dass der Rat wieder eine Aufgabe für sie und Kit hatte. Sie hatte sich bereits darauf gefreut, doch als Kit ihr eben gesagt hatte, dass er noch heute allein nach Mon Calamari aufbrechen würde, war für sie beinahe eine Welt zusammengebrochen.

„Warum wollt Ihr mich hier zurücklassen?“, wollte Ada wissen.

 

Kit war auf dem Weg zum Hangar, und sie folgte ihm bereits, seit er sein Quartier verlassen hatte.

„Das sagte ich dir bereits. Diese Mission ist zu gefährlich für dich“, antwortete er.

 

„Und was ist der wirkliche Grund? Ihr sagtet, dass ich mich gebessert habe! War das nur eine Lüge, um mich für den Moment aufzuheitern?“

 

Kit blieb stehen und legte Ada seine Hand auf die Schulter. „Ich würde dich nie belügen, Ada. Du hast in den letzten Monaten eine Menge gelernt, und ich bin sehr stolz auf dich. Aber diese Mission muss ich allein erledigen.“

 

„Aber ich bin Euer Padawan!“

 

„Du bist zu jung für diesen Krieg.“

 

„Ani hat das Kommando über ein ganzes Geschwader. Und er ist nur zwei Jahre älter als ich.“

 

„Eben. Er ist zwei Jahre älter als du. Ich bleibe dabei. Ich würde es mir nie verzeihen, wenn dir durch meine Unachtsamkeit etwas zustößt“, sagte er entschlossen.

 

„Und was ist, wenn Euch etwas zustößt?“, fragte Ada leise.

 

„Ich werde mich besser auf den Kampf konzentrieren können, wenn ich dich in Sicherheit weiß. Möge die Macht mit dir sein“, verabschiedete er sich und ließ seinen Padawan allein auf dem Gang stehen.

 

„Möge die Macht auch mit Euch sein, Meister“, antwortete sie und sah ihm hinterher, bis er aus ihrem Blickfeld verschwunden war.

 

 

 

 

 

~*~

 

 

 

 

 

Leyre saß im Speisesaal und wartete auf ihre Schwester. Sie waren zum Frühstück verabredet, doch als Ada auch nach einer halben Stunde nicht erschien, machte Leyre sich auf den Weg zu Adas Zimmer.

„Ada! Bist du da?“, rief sie und klopfte an die Tür.

 

„Ja!“, antwortete Ada.

 

Leyre trat ein und war überrascht, dass ihre Schwester zusammengekauert auf dem Bett saß. „Was machst du hier? Wir waren doch verabredet.“

 

„Tut mir leid. Das hab ich vergessen.“

 

„Ist alles in Ordnung?“

 

„Nein“, sagte Ada tonlos.

 

„Was ist passiert?“, fragte Leyre besorgt und setzte sich neben ihre Schwester auf die Bettkante.

 

„Kit hat mich hier gelassen.“

 

„Wie meinst du das?“

 

„Er wurde mit einer Mission auf Mon Calamari beauftragt. Und er wollte mich nicht dabei haben.“

 

„Hat er gesagt, warum?“

 

„Er sagte, die Mission sei zu gefährlich für mich. Aber ich glaube, er vertraut mir nicht. Er denkt, dass ich wieder ausraste und irgendetwas Dummes tue“, schluchzte Ada.

 

Leyre legte ihr den Arm um die Schulter und streichelte ihr über die Haare. „Vielleicht ist die Mission wirklich zu gefährlich für dich.“

 

„Das glaube ich nicht. Ich bin 18 und kein kleines Kind mehr. Die meisten in unserem Alter kämpfen irgendwo gegen die Separatisten“, wandte Ada ein. „Und für mich soll dieser Krieg zu gefährlich sein?“

 

„Mon Calamari ist eine Wasserwelt. Meister Fisto ist dafür wie geschaffen. Aber du nicht. Ich glaube, er will dich wirklich nur schützen“, sagte Leyre.

 

„Die Klonkrieger sind Menschen wie wir beide“, wandte Ada ein.

 

„Dein Meister sorgt sich um dich eben mehr als um die Klone. Du sagst doch selbst immer, dass er dir wie ein Vater ist.“

 

„Ja, das ist er“, stimmte Ada zu. „Mit sechs Jahren bin ich ihm zum ersten Mal begegnet. Jedenfalls habe ich ihn da zum ersten Mal bewusst wahrgenommen. Er kam in meine Klasse und hat uns gezeigt wie man mit einem Lichtschwert umgeht. Von dem Tag an hatte er es irgendwie auf mich abgesehen.“

 

„Wie meinst du das?“

 

„Er war immer besonders streng zu mir. Strenger als zu den anderen hatte ich das Gefühl. Ich dachte immer, dass er mich nicht leiden kann.“

 

„Dabei wusste er schon damals, dass er dich als Padawan annehmen würde. Er wollte deine Begabung fördern“, meinte Leyre lächelnd.

 

„Ja, vielleicht“, sagte Ada niedergeschlagen. Dann richtete sie sich wieder auf und sah ihrer Schwester in die Augen. „Leyre, ich glaube, er vertraut mir nicht mehr.“

 

„Sag so was nicht.“

 

„Doch, es ist mein Ernst. Er vertraut mir nicht mehr und es ist meine Schuld.“

 

 

 

 

 

Die Wochen vergingen, ohne dass Ada etwas von Kit hörte.

 

Jeden Tag wurden mehr Planeten in den Krieg verwickelt. Immer mehr Jedi-Meister und die älteren Padawane wurden damit beauftragt, eine Einheit der Klonarmee zu befehligen. Zeitweise hielten sich nicht einmal genug Meister im Tempel auf, um die Jüngeren auszubilden.

 

Inzwischen hatte man Ada eine Kindergartengruppe von etwa fünfzehn Kindern zugewiesen, die sie beaufsichtigen sollte. Durch diese anstrengende Aufgabe hatte sie tagsüber kaum Gelegenheit, sich Gedanken um ihren Meister zu machen. Doch wenn sie abends im Bett lag, fing sie wieder an, sich Sorgen zu machen.

 

Die Welt um sie herum schien völlig aus den Fugen geraten zu sein. Fast alle ihre Freunde wurden mit Missionen beauftragt. Einige wurden sogar schon ohne ihre Meister los geschickt. Es war ein ständiges Kommen und Gehen.

 

Nur Ada blieb immer im Tempel und war mittlerweile eine der ältesten, die sich in dem riesigen Gebäude aufhielten.

 

Ständig gingen Gerüchte um, wieder sei ein Jedi im Kampf gefallen. Und meistens stellten sich diese Gerüchte als wahr heraus.

 

 

 

 

 

~*~

 

 

 

 

 

Drei Monate waren vergangen, seit Kit den Tempel verlassen hatte. Ada passte wie jeden Tag auf die 15 Kinder auf, doch sie war nicht richtig bei der Sache. Die Kinder tobten um sie herum, und sie erschrak, als sie plötzlich ein Stofftier an den Kopf bekam.

 

Ein kleiner meerianischer Junge, der das Stofftier geworfen hatte, lief lachend von ihr weg und versteckte sich hinter einem Sessel.

 

Ada wollte gerade etwas sagen, als Anakin in der Tür erschien.

 

„Ich sehe schon. Du bist wie geschaffen für deine neue Aufgabe“, meinte er grinsend zu ihr.

 

„Ich weiß. Das habe ich Meister Kolar und Meisterin Gallia zu verdanken“, antwortete Ada, die gerade damit beschäftigt war, zwei streitende Kinder auseinander zu bringen.

„Schluss jetzt! Du gehst in die Ecke und du in die!“, rief sie ein wenig gereizt.

 

Anakin fing an zu lachen. „Ich bin froh, dass ich keine Kindergärtnerin wie dich hatte.“

 

„Bist du gekommen, um mir das zu sagen?“

 

[„Nein. Ich dachte, es interessiert dich vielleicht, dass Meister Fisto wieder da ist“, sagte er gelassen.

 

„Kit ist wieder da?“, rief Ada erfreut. „Wo ist er?“

 

„Ich habe ihn gerade in Hangar zwei gesehen. Er muss eben erst...“

 

„Ich muss zu ihm!“, sagte sie und lief an Anakin vorbei.

 

„Du kannst die Kinder nicht einfach allein lassen“, wandte er ein.

 

„Du bist doch da!“

 

„Ada, warte! Ich muss Meister Kenobi treffen!“, rief er ihr hinterher, doch sie war bereits außer Sichtweite.

 

 

 

 

 

Ada lief so schnell sie konnte die Gänge entlang und stieß dabei beinahe mit einem anderen Padawan zusammen. Als sie schließlich den Eingang zum Hangar erreichte, blieb sie stehen und hielt Ausschau nach Kit. Obwohl sich im Hangar nicht viele Leute aufhielten, konnte sie ihren Meister nicht ausfindig machen. Sie vermutete, dass sie ihn verpasst hatte, und wollte zu den Kindern, auf die sie eigentlich aufpassen sollte, zurückkehren.

Doch als sie sich umdrehte, stand Kit plötzlich vor ihr.

 

„Suchst du jemand bestimmtes?“, fragte er lächelnd.

 

„Meister!“, rief Ada erleichtert und umarmte ihn. „Euch ist nichts passiert!“

 

„Ich wusste nicht, dass du dir solche Sorgen um mich machst“, meinte er, überrascht über ihre Reaktion.

 

„Natürlich mache ich mir Sorgen, wenn Ihr in den Krieg zieht und drei Monate nichts von Euch hören lasst! Was habt Ihr denn erwartet?“, sagte sie vorwurfsvoll.

 

„Mein Comlink hat unter Wasser nicht funktioniert.“

 

„Wollt Ihr mir erzählen, dass Ihr die ganzen drei Monate unter Wasser wart?“, wollte Ada wissen. Doch dann blickte sie ihren Meister voller Neugier an. „Wie war es denn? Habt Ihr gesiegt? Erzählt schon.“

 

„Es war sehr anstrengend. Und wir haben gesiegt“, antwortete Kit knapp.

 

„Ich hatte mir die Antwort etwas ausführlicher erhofft“, meinte sie ein wenig ungehalten.

 

„Das habe ich mir gedacht“, sagte er grinsend. „Aber jetzt muss ich mich beim Rat melden.“

Plötzlich sah er Enttäuschung in Adas Augen, die ihn insgeheim amüsierte. Er wusste, wie neugierig sie war. Sie liebte spannende Geschichten und konnte stundenlang seinen Erzählungen lauschen.

„Wenn du willst, erzähle ich dir heute Abend, was passiert ist“, sagte er zu ihr.

 

„Ja!“, rief Ada begeistert. „Dann bis heute Abend. Jetzt muss ich zurück zu den Kindern.“

 

 

 

 

 

Als Ada zu ihrer Kindergruppe zurückkehrte, blieb sie überrascht in der Tür stehen. Alle 15 Kinder saßen still um Anakin herum, während er ihnen wild gestikulierend von einer der vielen Weltraumschlachten, die er bereits hinter sich hatte, erzählte.

 

„Du bist ja wie geschaffen für diese Aufgabe“, meinte sie grinsend und verschränkte die Arme vor der Brust.

 

„Endlich! Ich dachte schon, du kommst gar nicht mehr wieder“, sagte er und erhob sich.

 

„Geh nicht, Ani! Erzähl weiter!“, quengelten die Kinder, und ein paar von ihnen zerrten an ihm, um ihn am Weggehen zu hindern.

 

„Ein anderes Mal. Ich muss zu Meister Kenobi“, antwortete er und befreite sich mühsam von ihnen.

„Du schuldest mir was“, sagte er im Vorbeigehen zu Ada, die leise vor sich hin kicherte.

 

 

 

 

 

~*~

 

 

 

 

 

„Warum habt Ihr mich hierher gebracht?“, fragte Ada, nachdem sie eine Weile neben Kit durch die Straßen von Coruscant spaziert war.

 

„Du wolltest, dass ich dir von Mon Calamari erzähle“, antwortete er. „Das kann ich genauso gut hier tun.“

 

„Warum nicht im Tempel?“

 

„Du brauchst etwas Ablenkung vom Krieg.“

 

„Bisher habe ich vom Krieg nicht viel mitbekommen“, meinte sie.

 

„Aber er belastet dich. Das sehe ich“, sagte er zu ihr.

 

„Es belastet mich nur, dass ich hier zurück gelassen werde, während alle anderen in die Schlacht ziehen.“

 

„Auf die Jünglinge aufzupassen ist ebenso wichtig. Und Meisterin Gallia sagt, du hast deine Aufgabe gut gemacht.“

 

„Vielleicht ist es ja meine Bestimmung, Kleinkinder zu hüten“, meinte Ada sarkastisch.

 

„Vielleicht“, sagte Kit.

 

Doch sie sah ihn nur ungläubig an und fing an zu lachen. „Ihr macht Euch über mich lustig!“

 

„Tue ich nicht“, antwortete er. Doch auch er konnte sich sein Lachen nicht länger verkneifen.

 

„Erzählt mir von Eurer Mission“, sagte sie ungeduldig.

Die beiden standen auf einer Brücke, die zwei Gebäude viele Stockwerke über dem Boden miteinander verband, stützten sich am Geländer ab und genossen die Aussicht. Kit fing an, von Mon Calamari zu erzählen, und Ada hörte ihm gespannt zu. Sie stellte sich die Wasserwelt vor und wünschte sich, an der Seite ihres Meisters gewesen zu sein.

„Nehmt Ihr mich das nächste Mal mit?“, fragte sie nach einer Weile. Sie merkte sofort, dass ihm diese Frage nicht behagte. Aber sie hatte ihr schon die ganze Zeit auf dem Herzen gelegen.

 

„Ada, ich weiß, was du denkst, und ich kann mich nur wiederholen“, antwortete er und blickte ihr in die dunkelblauen Augen. „Ich habe dich nicht hier gelassen, weil ich dir nicht vertraue. Wenn das der Fall wäre, hätte ich dich nicht als Padawan angenommen.“

 

„Na ja, diese Entscheidung liegt inzwischen fünf Jahre zurück.“

 

„Aber es hat sich nichts geändert. Außer dass ich dich inzwischen besser kenne und um deine Stärken und Schwächen weiß.“

 

„Ich komme mir nur so nutzlos vor“, sagte sie niedergeschlagen. „Leyre bricht morgen nach Dantooine auf, und Anakin ist ständig auf der Suche nach General Grievous. Selbst Mali treibt sich irgendwo in der Galaxie herum.“

 

„Mach dich nicht schlechter als du bist. Deine Zeit wird kommen“, meinte Kit zuversichtlich.

 

„Das sagt sich leicht, wenn man kein Padawan ist, von dem jeder erwartet, dass er wieder alles falsch macht.“

 

„Ada, glaub nicht, dass ich nicht genau so angefangen habe wie du. Ich war auch mal in deinem Alter und musste noch alles lernen. Genau wie Meister Windu, Meister Kenobi oder Meister Ti.“

 

Ada musterte Kit von oben bis unten und plötzlich drängte sich ihr eine Frage auf, über die sie noch nie nachgedacht hatte. „Wie alt seid Ihr eigentlich?“ fragte sie, weshalb er sie überrascht ansah.

 

„Wie bitte?“

 

„Ihr habt mir nie gesagt, wie alt Ihr seid.“

 

„Das wüsstest du wohl gern“, sagte er grinsend.

 

„Ja, ich kann Euch nämlich überhaupt nicht einschätzen.“

 

„Ein paar Geheimnisse werde ich auch noch für mich behalten dürfen“, meinte er und setzte sich wieder in Bewegung.

 

Doch Ada folgte ihm und ließ nicht locker. „Ihr müsst ja schon viele Sommer gesehen haben, wenn Ihr mir Euer Alter nicht verraten wollt“, sagte sie lachend und lief ein Stück voraus.

 

„Werd jetzt nicht unverschämt“, antwortete er, fing aber ebenfalls an zu lachen.

 

 

 

 

 

Ada bewegte sich noch ein paar Meter durch die belebte Straße. Doch dann blieb sie plötzlich stehen und drehte sich zu ihrem Meister um. Sie spürte eine dunkle Präsenz auf sich zu kommen, und Kits Blick entnahm sie, dass er das gleiche wahrnahm. Angespannt sah sie sich um und legte ihre Hand an den Griff ihres Lichtschwertes. Unzählige Lebewesen bewegten sich um sie herum, und sie konnte den Ursprung der dunklen Seite nicht ausmachen.

 

Sie wollte zu ihrem Meister zurück laufen, als sie auf einmal eine Hand auf ihrer Schulter spürte.

„Zu leicht. Man sollte meinen, ein Jedi lässt sich nicht so leicht überwältigen“, sagte eine männliche Stimme zu ihr.

 

Ada drehte sich zu der Person hinter ihr um und erstarrte fast vor Schreck. „Dooku!“ Sie hatte schon viel über ihn gehört. Dooku war nicht einfach nur ein Jedi, der von der richtigen Bahn abgekommen war. Er hatte sich der dunklen Seite angeschlossen und war inzwischen ein mächtiger Sith-Lord. Unzählige Jedi machten seit Beginn des Krieges Jagd auf ihn und nun stand er vor ihr. „Was wollt Ihr?“, fragte sie angespannt.

 

„Es ist nicht meine Art, ein Kind zum Kampf herauszufordern“, antwortete Dooku herablassend. „Aber ich will eine persönliche Warnung an Skywalker und Kenobi schicken.“

 

„Zu dumm, dass ich weder Skywalker noch Kenobi bin“, meinte Ada. Sie versuchte, sich aus seinem Griff zu befreien, doch der alte Mann hatte noch ungewöhnlich viel Kraft.

 

„Aber du bist eine Freundin des Jungen. Vielleicht versteht er durch dich endlich, dass er sich besser nicht mit mir anlegen sollte“, sagte er tonlos und aktivierte sein rot glühendes Lichtschwert.

 

Doch als er zum Schlag ausholte, war Kit zur Stelle und kreuzte seine grüne Klinge mit der des Sith-Lords.

 

Die Leute um sie herum sprangen erschrocken zur Seite und bildeten einen Kreis um die drei.

 

„Es ist edel von Euch, Euren Padawan zu verteidigen, Meister Fisto“, sagte Count Dooku. Er stieß Ada zur Seite und konzentrierte sich zuerst auf den Nautolaner. „Aber Ihr habt keine Chance gegen die dunkle Seite.“

 

Ada war inzwischen wieder aufgestanden und kämpfte nun an der Seite ihres Meisters gegen den Grafen. Dooku waren seine achtzig Lebensjahre während des Kampfes nicht anzumerken, und sie hatte Mühe, seine kräftigen Hiebe abzuwehren.

Die Lichtschwerter knisterten, wenn sie aufeinander trafen. Die drei bahnten sich ihren Weg durch die Menge von Zuschauern. Ada und Kit waren bemüht, die Umstehenden nicht in Gefahr zu bringen. Doch Dooku scherte sich nicht um sie, was den beiden Jedi die Sache zusätzlich erschwerte.

 

Kit fiel auf, dass der dunkle Lord seine Angriffe auf Ada konzentrierte und versuchte immer wieder, seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

 

Doch Count Dooku ließ sich nicht beirren, ging weiterhin auf die junge Frau los und trieb sie rückwärts auf eine Brüstung zu.

 

Ada griff nach der Macht und sah die Attacken ihres Gegners voraus. Sie brachte ihr Lichtschwert immer in die richtige Position. Doch plötzlich versetzte der Sith-Lord ihr einen Tritt gegen das Kinn, der sie aus dem Gleichgewicht brachte und sie rückwärts gegen das Geländer fallen ließ. Alles um sie herum drehte sich, und ihr wurde zu spät bewusst, dass sie über die Brüstung gefallen war. Einige Stockwerke tiefer schlug sie unsanft mit ihrem Oberkörper auf einem Treppengeländer auf und rollte die letzten Stufen hinunter.

Sie hörte Kit ihren Namen rufen, doch ein stechender Schmerz in ihrem Brustkorb raubte ihr den Atem. Erst nach einigen Sekunden, die ihr wie eine Ewigkeit vorkamen, konnte sie ihre Schmerzen hinaus schreien. Sie ahnte sofort, dass sie sich eine Rippe gebrochen hatte und versuchte aufzustehen. Aber bei dem Versuch wurde ihr schwindelig, und so blieb sie auf dem Boden liegen.

 

„Ada!“ Nach ein paar Minuten kam Kit die Treppe herunter gerannt. Er kniete sich neben sie und drehte sie auf den Rücken. „Ada, bist du verletzt?“

 

Ada blickte ihn an, doch sie sah alles verschwommen. Er rief immer wieder ihren Namen. Seine Stimme klang, als würde er sich immer weiter von ihr entfernen, bis ihr plötzlich schwarz vor Augen wurde.


Ende von Teil 1

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