Wiedersehen




Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Die Sonne mag untergehen.

Aber das Dunkel ist nicht ewig.

Die Sonne geht wieder auf- und ein neuer Morgen kommt.

 

***

 

Der alte Abwasserkanal unter dem nördlichen Ende der halb verfallenen Stadt wurde schon seit Jahrzehnten nicht mehr benutzt. Eine dünne, nach Tod und Verwesung stinkende Wasserschicht bedeckte die ehemals roten Bodensteine, die inzwischen von einem schmierigen Film aus Algen und Dreck überzogen waren. Es war fast vollständig dunkel, nur am Ende des langen Ganges schimmerte schwaches Mondlicht und spiegelte sich auf der Wasseroberfläche. Das einzige Geräusch hier unten war das stetige Tropfen von Wasser auf den Boden.

 

All das nahm er gar nicht wahr, zu sehr war er damit beschäftigt, dem Schmerz nicht nachzugeben und in bodenloser Dunkelheit zu versinken. Er presste seine Hände gegen die linke Seite seines Brustkorbes, der sich stoßweise hob und dann gleich wieder zusammensank. Etwas Warmes rann seinen Arm entlang. Blut, schoss es ihm durch den Kopf, du verblutest. Angst breitete sich in ihm aus und schien alle anderen Gedanken zu verdrängen. Ein Jedi hat keine Angst, mahnte er sich selbst, zumindest sollte er keine haben. Er versuchte gegen die Angst und die grenzenlose Panik zu kämpfen, doch sein Widerstand wurde von Sekunde zu Sekunde schwächer. Wieso kämpfen, wenn es doch so viel einfacher war aufzugeben; wenn keine Aussicht auf Rettung bestand; wenn die Dunkelheit einen zu verschlingen schien? Er schloss die Augen und wusste keinen Grund, warum er sie je wieder öffnen sollte.

 

„Padawan.“

 

Seine Lippen verzogen sich zu einem kleinen Lächeln, das musste ein Traum sein, oder eine Halluzination, hervorgerufen durch seinen sicherlich hohen Blutverlust. Zumindest war es ein schöner Traum, die Stimme seines Meisters wiederzuhören. Diese sanfte, wohlklingende Stimme, die ihm so oft Trost gespendet hatte.

 

„Padawan.“

 

Dieses Mal war die Stimme etwas lauter, fordernder, wie bei einer ihrer unzähligen Trainingseinheiten. Bei der Macht, wie lange war das jetzt schon her? Ewigkeiten, so schien es ihm.

 

„Padawan, mach die Augen auf.“

 

Eine einfache Anweisung, aber warum sollte er sie befolgen? Er würde nur das Gleiche sehen wie jetzt, Dunkelheit, absolute Leere und die schmerzliche Erkenntnis, dass er allein war, würde sich tiefer in seinen Geist eingraben.

 

„Mach die Augen auf.“ Schon wieder diese sanfte Stimme, so vertraut, er konnte nicht anders, ganz langsam öffnete er seine Augen und erstarrte.

Er hatte davon gehört, von Stimmen, von geisterhaften Erscheinungen, aber noch nie davon. Die Person vor ihm war so real, er konnte jede einzelne Linie in diesem Gesicht sehen, jedes einzelne Haar, jede Falte in der Tunika.

„Unmöglich“, flüsterte er der knienden Person vor sich zu.

 

„Unmöglich ist nur das, was du unmöglich sein lässt“, erwiderte diese.

 

„Nein, ihr... Ich war dabei...“ Er endete abrupt, als der Schmerz erneut anfing ihn zu übermannen.

 

„Padawan, lass mich dir helfen.“ Er begann seine braune Tunika in Streifen zu reißen.

 

„Nein, Ihr seid bloß... bloß eine Halluzination, nicht real... Nicht real...“ Es kostete zuviel Kraft weiterzureden.

 

Die kniende Person nahm die roten Hände des Padawans von der blutdurchtränkten Tunika und wickelte die Stofffetzen um den zitternden Körper des jungen Mannes.

 

Sein Atem ging stoßweise, und er hatte die Augen wieder geschlossen.

„Es... es ist kalt.“ Sein Körper sackte langsam zur Seite.

 

„Gib nicht auf, bald kommt Hilfe.“ Er bettete den Kopf des Padawans in seinen Schoß und strich ihm über das Haar. „Bitte, gib nicht auf.“ Dann beugte er sich über ihn und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. Sein langes graues Haar strich dabei sanft über dessen Gesicht.

 

Es war blass, Schmerz und Erschöpfung spiegelten sich darin. Doch etwas in ihm kämpfte immer noch, klammerte sich an die Worte der vertrauten Stimme um nicht unterzugehen. So verging die Zeit. Augenblicke wurden zu Sekunden, zu Minuten, zu Stunden, und er lebte immer noch, dachte an die geliebte Person, die für ihn wie ein Rettungsanker war, inmitten einer tosenden See.

 


***

 

 

Helles Licht blendete ihn, als er das nächste Mal die Augen öffnete. Verwirrt blinzelte er, bis er begriff, dass er in einem Bett lag und an mehrere Monitore und Infusionsschläuche angeschlossen war.

 

„Ihr weilt also wieder unter den Lebenden, Meister Kenobi.“ Eine Heilerin hatte das Zimmer betreten, und er identifizierte sie als eine Jedi, er musste also wieder im Tempel sein. „Ihr habt mehr als Glück gehabt. Ein nachfolgender Jedi-Trupp hat Euch halb verblutet in einem der alten Abwasserkanäle gefunden. Ein Wunder, dass Ihr das überhaupt überlebt habt.“

 

Er nickte geistesabwesend, und sie verließ das Zimmer wieder.

Glück? Wunder? Nein, er sah das anders.

„Danke, Meister“, flüsterte er, als er die Augen schloss und erschöpft wieder einschlief.


ENDE