Episode II.I

Teil 1 von ?


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.






IN DEN DÜNEN

 

16:05:22 ARS (13:05:22 BBY), Geonosis, E’Y-Akh Wüste, 2212 CcT(unter Berücksichtigung der Tatsache, dass auf Geonosis ein Tag 30 Stunden dauert, werden hier die Zeitangaben für Coruscant verwendet, welche demzufolge nicht mit den lokalen Tageszeiten übereinstimmen)

 

 

Der Sand war trotz der fortgeschrittenen Stunde immer noch glühend heiss. Padmé Amidala Naberrie blinzelte benommen in die sengende Abendsonne und hob vorsichtig den Kopf, doch das Geschützschiff war längst ausser Sichtweite. Der Soldat, der mit ihr aus dem Schiff gefallen war, kam angerannt und kniete sich neben sie.

 

„Ist alles in Ordnung?“, erkundigte er sich.

 

„Ja…“, sie rappelte sich auf. „Ich glaube schon…“ Sie war sich freilich nicht ganz sicher. Die Wucht des harten Aufpralls auf der Düne vorhin hatte ihr gewaltsam die Luft aus den Lungen gepresst und ihr schien, als wäre sie für ein paar Augenblicke, vielleicht sogar etwas länger ohnmächtig gewesen. Doch Beruhigenderweise sah es nicht danach aus, als hätte sie von ihrem Sturz eine nennenswerte Verletzung davongetragen.

 

„Wir sollten Euch lieber zum vorderen Kommandozentrum bringen.“ –

 

„Nein“, widersprach sie sogleich, stand auf und wischte sich hastig die staubigen Hände an der Hose ab. „Nein!“ Sie musste sichergehen, dass Dooku nicht entkam. Nur das zählte im Moment; sie mussten ihn fassen, um jeden Preis!

 

„Könnt Ihr feststellen, wo unser Geschützschiff jetzt ist?“, fragte sie. „Wo sind Meister Kenobi und Padawan Skywalker?“ –

 

„Moment, ich werde das kurz prüfen…“ Er wandte sich ein wenig von ihr ab. An seiner Körperhaltung und seinen verhaltenen Gesten war zu erkennen, dass er über sein Helm-Komlink offensichtlich einen Kanal öffnete und daraufhin abwechselnd sprach oder lauschte. Leider schien er es nicht als nötig zu erachten, sie an seinem Zwiegespräch teilhaben zu lassen.

 

„Was?“, fragte sie ungeduldig, als es ihr zu lange dauerte.

 

Er gebot ihr mit einer knappen Handbewegung zu schweigen und wies nachdrücklich auf seinen Helm. Doch nur Sekunden später drehte er sich wieder zu ihr um und erklärte sachlich: „Unser Laati hat den Speeder bis zu einem offenbar verlassenen Industriekomplex am Ende des N’Ge’U-Tals verfolgt und die beiden Jedi dort bei einer Art Hangar abgesetzt. Unmittelbar danach brach jeglicher Kontakt ab, vermutlich wurde es von den Schnabeljägern abgeschossen, Ma’am.“ –

 

„Abgeschossen…“, stammelte Padmé entsetzt. Abgeschossen… Das Wort hallte beklemmend in ihren Ohren nach. Es liess sie ein Stossgebet gen Himmel schicken - Ein Stossgebet, in dem sie Shiraya die Mondgöttin anflehte, diese möge ihre schützenden Hände über Anakin und Obi-Wan halten, inständig hoffend, dass es dazu nicht bereits zu spät war - dass die beiden wirklich nicht mehr an Bord waren, als der Kontakt abbrach… Es war an der Zeit, mehr zu unternehmen, als bloss untätig am Fusse einer Sanddüne herumzustehen und Luftspiegelungen anzustarren. „Ruft alle verfügbaren Truppen zusammen“, befahl sie. „Wir müssen zu diesem Hangar! Holt einen Transporter!“ –

 

„Sofort.“ Der Soldat salutierte beflissen.

 

„Beeilt Euch!“

 

Er beeilte sich, drehte ihr erneut den Rücken zu und öffnete seinen Kom-Kanal. Sie fragte sich, ob ihm überhaupt bewusst war, wie unhöflich es ihr gegenüber war, wenn er sie aus seiner Unterhaltung einfach so… aussperrte? Die Soldaten der Miliz-Armee ihres Heimatplaneten hatten grösstenteils eine gute Kinderstube genossen, dieser da hingegen schien die seine mit Lichtgeschwindigkeit durchquert zu haben. Es kostete Padmé einiges an Selbstbeherrschung, sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr er sie mit seinem Verhalten verärgerte. Sie war es nicht gewohnt, einfach übergangen zu werden, und ihre Nerven waren inzwischen bis zum Zerreissen gespannt. Ihre Magenwände zuckten überreizt, denn sie war krank vor Sorge, insbesondere um den Menschen, dem sie sich doch eben erst offenbart und ihm ihre Liebe gestanden hatte: Ani… Sie begann unruhig im Kreis zu gehen und versuchte nicht daran zu denken, was ihm und Obi-Wan alles zugestossen sein mochte – doch es gelang ihr nicht wirklich…

 

 „Sie schicken uns ein Laati, das uns hier abholt“, riss sie der Soldat aus ihren Gedanken.

 

„Nur eines?“ Padmé glaubte sich verhört zu haben. „Ein Geschützschiff? Ist das alles?“ –

 

„Sie können im Augenblick nicht mehr entbehren. Wir sind mitten in einem Gefecht, Ma’am. Aber General Yoda ist ebenfalls bereits unterwegs dorthin.“

 

Padmé gestattete sich ein wenig aufzuatmen. Wenn sich jetzt auch noch Meister Yoda persönlich um die Angelegenheit kümmerte, standen ihre Chancen natürlich erheblich besser - Shiraya sei Dank!

 

„Die Kratzer auf Eurem Rücken sehen böse aus, woher stammen sie, Ma’am?“ –

 

„Von einem Nexu“, gab Padmé knapp zur Antwort. Sie hatte bis jetzt keine Gelegenheit gehabt, sich darum zu kümmern. Bei ihrem Sturz aus dem Schiff war jedoch Sand hinein geraten, es brannte abscheulich.

 

„Garstige kleine Viecher…“ –

 

„Klein?“, stiess sie ungläubig hervor. Etwas, das es schaffte, einen ausgewachsenen Geonosianer in einem Stück zu verschlingen, war in ihren Augen eigentlich alles andere als klein!

 

„Ich meine, im Vergleich zu einem Rancor, einem Bantha oder so… und das da, auf Eurem Arm, das auch?“ –

 

„Ja.“ –

 

„Ihr solltet das behandeln lassen“, stellte er nüchtern fest und nahm sein Medpac vom Gürtel. „Ihr erlaubt?“

 

„Keine Zeit!“, protestierte sie sogleich.

 

„Unser Transporter wird wohl noch zwei oder drei Minuten brauchen. Lasst mich wenigstens zur Desinfektion etwas Bacta drauf tun, sonst habt Ihr nachher womöglich noch eine handfeste Entzündung. Wer weiss, wo diese Kreatur vorhin überall ihre Pfoten hatte.“ –

 

„Na schön, meinetwegen…“ Es klang einleuchtend. Sie setzte sich wieder in den heissen Staub, während der Soldat das Medpac öffnete und sich hinter sie kniete. Vorsichtig entfernte er die Armspange von ihrem verletzten Arm und zog das zerrissene Shirt etwas zu Seite.

 

„Hou, das könnte jetzt ein bisschen wehtun, Ma’am“, warnte er, „Beisst einfach die Zähne zusammen, ist gleich vorbei.“ –

 

„Schon gut…“ Sie war auf den Schmerz gefasst gewesen, dennoch stiegen ihr Tränen in die Augen, als er das Bacta-Spray auftrug.

 

„Ich hab’s gleich, Ma’am“, ertönte es entschuldigend hinter ihrem Rücken.

 

Hoffentlich, dachte Padmé. Sie hasste dieses Zeug. Es mochte ja ein Wundermittel sein, doch die ersten Momente bei der Behandlung waren einfach die Hölle.

 

„Fertig, ich denke, das reicht fürs Erste“, meinte der Soldat nur einen Augenblick später zufrieden und kam wieder nach vorne. „Ihr könnt Euch nachher im Rimsoo ordentlich verbinden lassen, Ma’am.“ Damit reichte er ihr die Armspange zurück.

 

„Ja, danke.“ Sie legte den matt schimmernden Schmuck um ihren Oberarm und liess den Verschluss wieder zuschnappen. Endlich, das grässliche Brennen liess langsam nach.

 

„Ihr seid keine Jedi…“, stellte er fest.

 

„Nein“, entgegnete sie. „Ich arbeite für den Senat.“ Sie wollte ihm nicht auf die Nase binden, dass sie die Senatorin von Naboo war.

 

Er nickte vielsagend. „Ist Euch schwindlig, übel, oder habt Ihr Kopfschmerzen, Ma’am?“ erkundigte er sich, legte das Spray in den Behälter zurück und griff nach dem Medisensor daneben.

 

Sie hob erst die Schultern, schüttelte dann aber entschlossen den Kopf. Trotzdem griff der Soldat nach dem Sensor, aktivierte ihn und richtete ihn auf sie.

 

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, wie?, dachte sie reichlich gereizt, da dieser Mann ihre Angaben so offensichtlich ignorierte. Dennoch… er wirkte auf jeden Fall professionell, die Bewegungen waren sparsam und jeder Handgriff sass. Bedeutete das nun, dass das Mobilmachungsgesetz während ihrer Abwesenheit vom Senat doch angenommen worden war? Wie lange und mit wie viel Engagement hatte sie dagegen gekämpft! War denn das alles umsonst gewesen? Es kam ihr vor, als hätten die Befürworter im Senat nur darauf gewartet, bis sie für ein paar Tage von der Bildfläche verschwand, um es schnell absegnen zu lassen. Aber wie, im Namen der Galaxis, konnte es geschehen, dass binnen so kurzer Zeit so viele gut ausgebildete Soldaten einfach so zur Verfügung standen? Es war, als hätten sie die ganze Zeit in Reserve irgendwo auf einem abgelegenen Planeten bereitgestanden. Wer waren sie? Woher kamen sie? Auf dem Brustpanzer des Mannes war weder ein Name noch irgendein Abzeichen zu entdecken. Ausser einer nicht allzu grossen, leicht geschwärzten Delle und ein paar Schrammen in den unterschiedlichsten Schattierungen gab es da nichts zu sehen. Sie versuchte durch den weissen Helm mit dem wie zu einem grimmig verzogenen Mund anmutenden Atemfilter hindurch zu sehen. Für den Bruchteil einer Sekunde glaubte sie tatsächlich menschliche, oder zumindest menschenähnliche Augen hinter dem dunkel verspiegelten T-förmigen Visor erblickt zu haben.

 

„Gut, ich kann keine Hinweise auf eine Gehirnerschütterung oder sonstige Verletzungen finden. Ihr seid gut in Form, Ma’am, Zivilisten brechen sich bei einem Sturz wie diesem normalerweise alle Knochen“, teilte ihr der Soldat mit. Er verstaute den Sensor, klappte das Medpac zu und hängte es sich wieder an den Gürtel. Dann erhob er sich, streckte ihr die Hand hin und half ihr auf.

 

„Vielen Dank für die fachgerechte Versorgung, Soldat.“ Sie konnte nicht verhindern, dass ihre Stimme, entgegen ihren Bemühungen, trotzdem etwas schnippisch klang.

 

„Keine Ursache, Ma’am“, antwortete er und löste den Verschluss eines Helmes. Er nahm ihn ab, fuhr sich flüchtig mit der gepanzerten Hand durch seine kurz geschnittenen, schwarzen Locken und pustete sorgfältig, beinahe schon liebevoll, den Visor und die Luftschlitze des Atemfilters frei.

 

Padmé war im ersten Moment zu erschrocken, um wirklich reagieren zu können, denn vor ihr stand von einer Sekunde zur nächsten plötzlich Jango Fett! Sie hatte mit so ziemlich allem gerechnet, aber nicht damit. Ihr nächster Gedanke war, ihren Droiden-Blaster auf ihn zu richten und einfach abzudrücken. Bedauerlicherweise hatte sie jedoch inzwischen keinen Blaster mehr. Bei ihrem Sturz vorhin war er ihr aus der Hand geglitten. Gewiss lag er hier noch irgendwo ganz in der Nähe, doch sie konnte ihn Augenblick beim besten Willen nicht entdecken.

 

Wie gebannt starrte sie auf die weiss gepanzerte Erscheinung vor sich. Natürlich war ihr bewusst, dass es nicht Jango Fett sein konnte. Sie glaubte sich vage daran erinnern zu können, gesehen zu haben, wie Jango Fett von Mace Windu persönlich in der Arena enthauptet worden war. Dieser Mann hier war zudem um einiges jünger, sein Gesicht war glatt, fast schon rosig und kein bisschen vernarbt.

 

Der Soldat hielt inne und sah sie ebenfalls an. „Ma’am?“, fragte er und zog leicht irritiert die Brauen hoch.

 

„Ihr seht aus wie Jango Fett.“ Beschämt biss sie sich auf die Lippen und musste sie sich eingestehen, dass sie durchaus über ein Vokabular verfügte hätte, diese Feststellung auch etwas weiniger plump zu formulieren.

 

„Ist mir auch schon aufgefallen.“ Er stülpte den Helm wieder über den Kopf und schloss die Versiegelung.

 

„Ihr seid verwandt?“ –

 

„Er ist“, erwiderte er, zögerte dann aber einen Moment, „mein Genspender.“ –

 

Genspender… Vielleicht lag es ja an den Lautsprechern seines Helmes; dass seine Stimme so erschreckend neutral, beinahe schon gleichgültig, klang. Padmé bedachte ihn dennoch mit einem vorwurfsvollen Blick. Seinen eigenen Vater schnöde als Genspender zu bezeichnen, war einfach nur erbärmlich!

 

Ihr blieb nichts, als zu nicken. Sie hätte diese Antwort erwarten müssen, dennoch fühlte sie, wie ihr bereits vorhandenes Unbehagen noch weiter anstieg. Und da der Soldat das Wort ist verwendet hatte, konnte sie davon ausgehen, dass er noch nicht einmal wusste, das Jango Fett tot war. Sie schluckte angespannt, und war gleichzeitig froh, dass es nicht zu ihren Aufgaben gehörte, ihm die schlechte Neuigkeit zu überbringen. Das würde später einer seiner Vorgesetzten tun müssen… Andererseits: So wie die Dinge lagen, schien das Verhältnis zwischen Vater und Sohn ohnehin nicht allzu innig gewesen zu sein. Es war auch nicht das erste Mal, in der Geschichte der Galaxis, dass ein Vater und sein Sohn in einer Schlacht auf verschiedenen Seiten kämpften und starben, und es würde wohl auch nicht das letzte Mal sein - leider… Sie seufzte lautlos. Allein mit dem Sprössling jenes berühmt-berüchtigten Kopfgeldjägers, den Dooku auf sie angesetzt hatte, irgendwo im Nirgendwo der Wüste eines fremden Planeten auszuharren und auf eine Mitflug-Gelegenheit zu warten, war nicht gerade erbaulich! Seiner Rüstung und seinem gegenwärtigen Verhalten nach zu urteilen, war dieser Soldat zwar auf ihrer Seite, doch wer konnte ihr schon die Garantie geben, dass er das in fünf Minuten auch noch sein würde.

 

„Da kommt unser Taxi, Ma’am“, stellte Jangos Sohn nach bangen Momenten des Wartens endlich fest und wies auf einen Punkt am Horizont, der rasch grösser wurde.

 

Sie liefen los, dem näher kommenden Schiff entgegen. Padmé entdeckte ihren Blaster auf halben Weg und hob ihn auf, dann rannte sie weiter - jede Sekunde zählte.

 

Sie sprang auf die Ladefläche des LAAT, unmittelbar gefolgt von Jangos Sohn und war kaum an Bord, als es sich bereits wieder in die Luft erhob und sie pfeilschnell über die Dünen davontrug. Rasch packte sie einen der Halteriemen über ihrem Kopf klammerte sich krampfhaft daran fest, um heute nicht noch ein weiteres Mal aus einem Schiff zu fallen.

 

Jangos Sohn beugte sich zu ihr und erklärte: „Unser Laati hat vorhin General Yoda zum Hangar gebracht. Auf dem Weg zurück zu uns konnten sie einen der Geo-Jäger erledigen. Aber einer ist immer noch übrig und lauert hier irgendwo. Wir müssen auf der Hut sein. Egal was passiert, Ihr bleibt dicht bei uns, Ma’am!“


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