Episode II.I

Teil 2 von ?


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





DER HANGAR

 

16:05:22 ARS , Geonosis, N’Ge’U Tal, geheimer Hangar, 2230 CcT

 

 

Schon von Weitem konnte man die immer noch qualmenden Trümmer des abgeschossenen Geschützschiffes am Fusse des stalagmitenartigen Industrie-Turmes sehen. Der Pilot steuerte das LAAT direkt an die Landeplattform und hielt es dicht darüber in der Schwebe, um sie aussteigen zu lassen.

 

Padmé zögerte nicht. Sie sprang noch vor den Soldaten aus dem Schiff und stürmte über die Plattform auf die Türöffnung im Felsen zu. Doch dann stoppte sie abrupt - Die kreisrunde Öffnung neben dem Portal spie unverhofft einen geonosianischen Raumjäger aus.

 

Dooku! Padmé brauchte sein Gesicht in der transparenten Kuppel des Schiffes nicht zu sehen, sie wusste, dass er es war, und dass er es gerade sehr eilig damit hatte, den Planeten zu verlassen. Um genau zu zielen blieb keine Zeit mehr. Padmé feuerte verzweifelt aufs Geradewohl dem Schiff hinterher, ohne es wirklich zu treffen. Auch die Blaster der Soldaten konnten ihm nichts anhaben und so entschwand es unbehelligt in Richtung Sonnenuntergang.

 

Count Dooku war entkommen!

 

So knapp…, dachte Padmé frustriert und hätte ihm am liebsten ihren Droiden-Blaster hinterher geworfen. Doch dann besann sie sich und rannte zur Tür. Wenn drei Jedi Dooku nicht an der Flucht hatten hindern können, musste sie davon ausgehen, dass es ihm gelungen war, sie zu überwältigen. Sie machte sich auf das Schlimmste gefasst.

 

Im Inneren des Hangars war es dunkel und merklich kühler als draussen, aber mindestens genau so staubig. Die Luft roch schwach nach Ozon und Rauch und schien statisch geladen. Padmé registrierte dieses leichte Prickeln auf der Kopfhaut und im Nacken, jenes unheilverkündende Prickeln, wenn mehr als nur Ozon in der Luft lag…

 

Es dauerte einen Moment, bis sich ihre Augen soweit an die schwachen Lichtverhältnisse gewöhnt hatten, um etwas erkennen zu können. Zunächst erblickte sie lediglich Meister Yoda, der schwer auf seinen Stock gestützt durch den Hangar schlurfte. Erst dann entdeckte sie Anakin und Obi-Wan, die sich weiter hinten im Halbdunkel regten. Bei Shiraya! Sie lebten noch, doch sie waren beide offensichtlich verwundet worden. Obi-Wan, wurde in seinem Bestreben, seinem Schüler beim Aufstehen zu helfen, durch eine schwere Beinverletzung behindert. Anakin selbst war in noch schlechterer Verfassung, bewegte sich wie in Trance und schien kaum aufrecht stehen zu können. Padmés anfängliche Erleichterung wich beim Anblick seines verstümmelten Armes Fassungslosigkeit und Entsetzen, und ihr Herz, das eben noch vor Glück gehüpft hatte, krampfte sich qualvoll zusammen.

 

„Anakin…“ Sie kümmerte sich nicht um die Soldaten, die hinter ihr sofort damit begannen, den Eingang abzuriegeln. Sie hastete an Meister Yoda vorbei zu Anakin und umarmte ihn fest.

 

„Warte… warte, nicht…“, stiess er tonlos hervor und taumelte, verzweifelt nach Luft ringend, zwei Schritte rückwärts. Sie bemerkte, wie seine Knie nachgaben und hielt ihn fest, damit er nicht stürzte. Er war beängstigend blass, sein Gesicht vor Schmerz verzerrt und Schweissperlen standen ihm auf der Stirn. Zitternd und wankend klammerte er sich an sie und legte schliesslich schwer atmend sein Kinn auf ihre Schulter.

 

„Ani“, flüsterte sie den Tränen nahe; bestürzt, weil er so schwer verwundet wurde, und gleichwohl dankbar dafür, dass er überhaupt noch am Leben war. Ihr war sehr wohl bewusst, dass er auch genauso gut hätte tot sein können. Ihr Blaster fiel scheppernd zu Boden, als sie ihn fallen liess und hilflos über Anakins Rücken streichelte. Der Stoff seiner Tunika war durchgeschwitzt und der beissende Geruch von verbranntem Fleisch stach ihr in die Nase.

 

„Zuerst die Verletzten versorgen ihr müsst“, hörte Padmé Meister Yoda hinter sich Anweisungen erteilen.

 

Sie blickte sich um und erkannte, wie unangebracht ihre enge Umarmung mit Anakin auf die anderen beiden Jedi wirken musste. Verlegen rückte sie etwas von ihm ab, liess ihn jedoch nicht gänzlich los, da sie befürchtete, er würde sich ohne ihre Hilfe nicht auf den Beinen halten können.

 

Zwei der Soldaten kamen augenblicklich auf sie beide und Obi-Wan zugeeilt. Im trüben Schein der Notbeleuchtung konnte sie vage die Delle auf seinem weissen Brustpanzer jenes Mannes ausmachen, der vor Anakin Halt machte – Jango Fetts Sohn...

 

„Padawan Skywalker?“ Er griff vorsichtig nach Anakins unversehrten Arm. „Legt Euch hin, ich werde mich um Eure Verletzungen kümmern.“

 

Anakins Kopf schwenkte schwerfällig in seine Richtung. Er wirkte verwirrt und für einen winzigen Augenblick hatte Padmé den Verdacht, der junge Jedi wolle sich losreissen und einfach davon, zum Ausgang, laufen, doch dann nickte er schwach und liess sich widerspruchslos von ihr und dem Soldaten dabei helfen, sich langsam niederzulassen. Sein Gesicht verzog sich gequält, als sie ihn sorgsam auf die harten Steinfliesen legten, doch kein Laut kam über seine Lippen. Padmé strich ihm in aller Heimlichkeit beschwichtigend über die Wange, in der Hoffnung, die anderen Jedi würden es nicht bemerken.

 

„Ich mache das schon, Ma’am“, wandte sich Jangos Sohn an sie und griff zielsicher nach etwas in seinem Medpac. Padmé war brüskiert. Er hätte genauso gut Verschwinde, Mädchen, du störst hier nur, sagen können. Jedenfalls liess er keinen Zweifel aufkommen, dass sie ihm hier ganz offensichtlich im Weg war und sich jetzt lieber einfach entfernen möge.

 

Anakin warf ihr einen wehmütigen, fast schon flehenden Blick zu, als sie sich widerstrebend erhob und bedrückt, wie auch gekränkt, von ihm abliess. Es zerriss ihr förmlich das Herz, als sie den tiefen Schmerz und die Furcht in seinen Augen sah. Sie wäre lieber an seiner Seite geblieben, um ihm beizustehen, doch sie zog sich, wie ihr geheissen, ein paar Schritte zurück, darauf vertrauend, dass der Soldat gegenwärtig mehr für ihn würde tun können, als ihm bloss mit bekümmerter Miene seine ihm noch verbliebene Hand zu halten.

 

 „Ich werde Euch jetzt als Erstes etwas gegen die Schmerzen verabreichen. Vermutlich wird Euch schwindlig davon und Ihr werdet nach einer Weile schläfrig werden, aber das ist normal...“

 

Anakin liess den Ansatz eines weiteren Nickens erkennen und schloss die Augen, während Padmé es sich auf dem staubigen Fussboden halbwegs bequem zu machen versuchte, indem sie ihre Beine anzog und die Arme um die Knie schlang.

 

„Wart Ihr bewusstlos?“, wollte Jangos Sohn nüchtern wissen.

 

Sie konnte Anakins Antwort darauf nicht verstehen - er sprach zu leise, dafür waren die Worte des Soldaten über die Helmlautsprecher überdeutlich zu vernehmen.

 

Der Soldat nahm erneut etwas aus dem Behälter, doch da er ihr mit seinem Rücken die Sicht verdeckte, konnte sie nicht wirklich erkennen, was er tat. „Habt Ihr sonst noch irgendwo Schmerzen?“

 

Anakin machte eine vage Handbewegung, welche sie nicht deuten konnte, doch das heftige Zittern liess kurz darauf endlich nach. Seine Fussspitzen kippten ein wenig nach aussen und auch seine verkrampften Gesichtszüge glätteten sich zusehends. Es war, als würde er innerlich erleichtert aufatmen und sogleich suchten seine Augen aufs Neue Padmés Blick.

 

Sie bemühte sich, ihm mit einem aufmunternden Lächeln zu versichern, dass bald wieder alles gut sein würde. Bedauerlicherweise fühlte sich dieses Lächeln auf ihren Wangen und Lippen weder annähernd echt, noch in irgendeiner Form zuversichtlich an.

 

Oh Ani… dachte sie niedergeschmettert. Erst der Tod seiner Mutter, dann dieses grässliche Massaker an all den Jedi in der Arena und jetzt das hier. Das alles grenzte an einen Albtraum. Sie kam sich entsetzlich schäbig vor, weil es ihr verwehrt war, ihn in dieser dunklen Stunde einfach im Arm zu halten, dass sie ihm nicht nahe sein durfte und ihm nicht den Halt, den Trost und die Hoffnung geben konnte, den er jetzt sichtlich gebraucht hätte. Es war so grausam, denn dieses Versteckspiel, bei dem sie niemals hatte mitspielen wollen, hatte bereits begonnen…

 

Meister Yoda trat neben sie. Sein grünes, runzeliges Gesicht war von Erschöpfung gezeichnet, aber seine grossen Augen blickten wach und aufmerksam zu ihr auf.

 

Sie erschrak, fühlte sich ertappt und bangte insgeheim, er wüsste um ihre Gefühle und wäre gekommen, um sie wegen ihrer innigen Umarmung von eben zu tadeln, doch er nickte ihr nur freundlich zu, tätschelte kurz ihren Arm und schlurfte dann weiter.

 

Auf der Höhe von Anakins Gesicht blieb er erneut stehen, zog seinen Mantel aus, knüllte ihn etwas zusammen und schob ihm diesen sorgfältig unter Kopf und Nacken. „Keinen Vorwurf ich dir mache, junger Skywalker“, hörte Padmé den Jedi-Meister leise sagen. Seine grossen Ohren neigten sich mitfühlend noch etwas mehr zur Seite. “Ein finsterer Tag dies ist… Viel gelehrt er dich hat… Uns alle. Später darüber sprechen wir werden - hmmm.“ –

 

„Ja, Meister Yoda“, entgegnete Anakin, für Padmé kaum hörbar.

 

Sie sah, wie der alte Jedi ihm kurz die Hand auf die Stirn legte, so, als wollte er ein kleines verängstigtes Kind beruhigen. Dann watschelte er mit seinen kurzen Schritten zu Obi-Wan hinüber, bei dem der Soldat gerade die Erstversorgung soweit abgeschlossen hatte.

 

Padmé liess ihren Blick durch den Hangar schweifen. Ein leichtes Frösteln lief ihr über den Rücken, als sie unverhofft am anderen Ende des Raumes Anakins abgetrennten Unterarm als makaberes Stillleben, halb begraben unter einem dieser dicken Versorgungskabel, entdeckte... Das erloschene Lichtschwert lag nur knapp einen halben Meter daneben. Jangos Sohn hatte erwähnt, dass es hier irgendwo ein Feldlazarett, oder etwas Vergleichbares geben musste. Wenn sie jetzt rasch handelten, konnte der Arm bestimmt wieder angenäht werden!

 

Sie wollte aufspringen und hinüber rennen, um ihn zu holen und zurück zu Anakin zu bringen. Ihn hier und seinen Arm dort zu sehen, war grauenvoll und erfüllte sie mit dem Wunsch, diese Unstimmigkeit sofort wieder in Ordnung zu bringen… Doch sie konnte einfach nicht. Sie war wie gelähmt, und vermochte weder aufzustehen und den Arm zu holen, noch ihre Augen von diesem abzuwenden. Erst als ihr etwas auf den Kopf fiel, wurde sie jäh aus ihrer Erstarrung gerissen. Es war etwas Kleines - bloss ein Steinchen -  wie sie feststellte, als sie sich prüfend übers Haar führ. Sie blickte argwöhnisch nach oben, doch die Hangar-Decke verlor sich in der Dunkelheit. Es war nichts zu erkennen.

 

„Padawan Skywalker, ich habe das Laati verständigt, damit sie eine Trage herschicken und alles für Euren Weitertransport vorbereiten können“, teilte Jangos Sohn mit.

 

„Den Arm mitnehmen wir sollten“, kam es von Meister Yoda. „Vielleicht zu retten er noch ist.“

 

Der Soldat, der sich neben Obi-Wan erhoben hatte und gerade dabei gewesen war, sein Medpac zu verstauen, salutierte mit einem zackigen „Ja, Sir!“ und eilte unverzüglich los. Noch im Laufen brachte er zwei matt glänzende Beutel zum Vorschein.

 

 „Aufbrechen wir sollten…“, wandte sich Meister Yoda an Obi-Wan, genau einen Moment bevor eine gewaltige Explosion, draussen vor dem Hangar, die Luft zerriss und den Boden erbeben liess.

 

„Sieh an“, bemerkte einer der Soldaten, die den Eingang sicherten zufrieden, während kleine Sandkörner auf sie herab rieselten. „Unsere Jungs haben den zweiten Geo-Jäger doch noch erwischt.“

 

Oder der Jäger unser Geschützschiff, dachte Padmé entsetzt.

 

Und dann, ohne weitere Vorwarnung löste sich ein grosses Stück aus der Hangar-Decke.

 

Padmé sah staunend, wie der sich sonst immer eher bedächtig bewegende Meister Yoda blitzschnell herumwirbelte und die krallenbewehrten Hände ausstreckte, um das Schlimmste zu verhindern. Doch es war bereits zu spät. Die fast vier Meter lange und bestimmt ein Meter dicke Platte zerquetschte mit ohrenbetäubendem Getöse den Soldaten, der gerade mit dem sorgfältig verpackten Arm und dem Lichtschwert auf dem Rückweg zu den beiden Jedi gewesen war. Er hatte nicht die geringste Chance.

 

Eine Wolke aus rotbraunem Staub fegte durch den Raum. Padmé wandte sich hastig ab, schloss instinktiv die Augen und hielt den Atem an.

 

„Raus hier!“, brüllte Jangos Sohn, der noch immer mit Anakin beschäftigt gewesen war.

 

Padmé rappelte sich auf und tastete nach Anakins Hand, um ihm hoch zu helfen. Doch Anakin war nicht mehr da, wo sie ihn vorzufinden geglaubt hatte, dafür fühlte sie einen Moment später den festen Zugriff einer gepanzerten Soldatenhand am Oberarm. Sie wurde von dieser vollends auf die Füsse gestellt und sogleich nach links dirigiert, so schnell, dass ihr kaum Zeit blieb, fest zu stellen, wohin sie überhaupt trat. Sie strauchelte, knickte um, und hätte der Soldat sie nicht so eisern fest gehalten, wäre sie hin gefallen. Vor Schreck vergass sie die Luft anzuhalten. Staub drang ihr in die Lungen und löste augenblicklich einen heftigen Hustenanfall aus, doch Jangos Sohn schob sie unbeirrt weiter vor sich her. Derweil krachten weitere Teile der Decke zu Boden und trieb sie noch dichter gegen die Wand, an der sie sich entlang tasteten. Immer wieder stiess Padmé unsanft mit der Schulter gegen den rauen Putz aus Felspaste und scheuerte sich die Haut auf, während sie blindlings und hustend in die Richtung stolperte, in welcher sie den Ausgang wähnte.

 

Nach einer Ewigkeit, so schien es ihr, traten sie endlich ins Freie und die letzten Strahlen der sinkenden Sonne fielen auf ihre Haut.

 

Padmé öffnete vorsichtig die zugekniffenen Augen und unterdrückte den Wunsch, sich darin zu reiben. Blinzelnd erkannte sie, dass sich der Soldat neben ihr Anakin zum Transport einfach über die Schulter gelegt hatte, während er sie selbst mit der freien Hand im Laufschritt zum wartenden Geschützschiff zerrte.

 

Es hatte glühende Wrackteile geregnet. Was von dem geonosianischen Jäger übrig geblieben war, lag qualmend und knisternd auf der Landebahn verstreut. Padmé musste sich anstrengen, um mit ihrem Retter Schritt zu halten. Sie trat auf etwas Weiches, das ein schmatzendes Geräusch von sich gab, als sie den Fuss wieder anhob, doch sie weigerte sich hinzusehen. Sie wollte lieber nicht wissen, ob es bloss ein Stück Polsterung, oder vielmehr Teil von etwas, das vor wenigen Minuten noch gelebt hatte, war. Einer der beiden Soldaten, die auf dem Schiff geblieben waren, half ihr an Bord. Sie sank auf die Knie, krümmte sich und hustete sich die Seele aus dem Leib, während sie am Rande registrierte, wie hinter ihr Jangos Sohn Anakin in den Truppenfrachtraum hievte.

 

„Hier.“ Der Soldat, der Padmé an Bord geholfen hatte, hielt ihr einem kleinen Beutel mit Flüssigkeit hin. „Es ist zwar nur Wasser, aber es ist gut gegen den Hustenreiz.“

 

Sie nahm ihn dankbar und leerte ihn in zwei Zügen.

 

„Wollt Ihr etwas, um die Augen zu spülen, Ma’am?“ –

 

Padmé räusperte sich und schüttelte den Kopf. „Danke, es geht schon“, lehnte sie schnell ab. Sie wollte, dass die beiden sich um Anakin kümmerten, sie würde schon klar kommen. Erneut versuchte sie mit einem intensiven Räuspern den hartnäckigen Hustenreiz endlich Herr zu werden.

 

Jangos Sohn rannte indessen bereits wieder in Richtung Hangar und Padmé konnte das grosse, rauchende Loch sehen, das der Schnabeljäger bei seinem Aufprall mehrere Meter oberhalb des Zugangs in den Stalagmiten geschlagen hatte.

 

Die beiden Soldaten brachten Anakin in den kleinen Bugfrachtraum, wo sie ihn auf eine vorbereitete Repulsortrage betteten. Ein kleiner Medidroide kam heran geschwebt und machte sich unverzüglich daran, Anakins Wunden weiter zu versorgen.

 

Padmé kniete sich auf der gegenüberliegenden Seite neben die Trage. „Ani? Hörst du mich?“, fragte sie über den Lärm der laufenden Triebwerke hinweg und streichelte über seine staubverkrustete Wange.

 

Er sah sie an, grinste gequält und griff matt nach ihrer Hand. Seine Haut, die Haare, die Kleider, einfach alles an ihm war über und über mit einer rotbraunen Schicht bedeckt. Er sah aus, als wäre er aus Lehm gebrannt, bloss seine Augen blitzten noch blau.

 

„Nette Farbe, gefällt mit, Frau Senatorin“, versuchte er zu scherzen. Sie schaute an sich hinab und sie stellte fest, dass sie das gleiche seltsame Bild wie er bot.

 

„Es wird alles gut, Ani, hörst du?“, versicherte sie ihm, drückte seine Hand und küsste ihn behutsam. Sie bemerkte, wie ihr etwas von dem Sand auf seinen Lippen in den Mund geriet, doch das war in diesem Augenblick nicht von Belang, denn er schmeckte nach ihm. „Es wird alles gut“, wiederholte sie noch einmal, wohl auch, um auch sich selbst wieder etwas zu beruhigen.

 

Keine Sekunde zu früh blickte sie auf, zur offen stehenden Lukentür hinaus und sah gerade in der Öffnung der Hangartüre die beiden anderen Jedi in Begleitung eines überraschend weissen Soldaten, dessen Rüstung der Schmutz offensichtlich nicht so viel anhaben konnte. Er trug Meister Yoda auf dem Rücken und hatte seinen Arm um Obi-Wans Schultern gelegt, um ihn zu stützten. Der Jedi ging zwar aufrecht, hinkte aber sichtlich beim Näherkommen.

 

Padmé erhob sich, trat an die Kante der Luke und bot Obi-Wan die Hand zum Einsteigen.

 

„Danke, M’Lady.“ Er ergriff sie, liess sich an Bord helfen und begab sich sogleich humpelnd zu seinem Padawan. Auch Meister Yoda schlurfte unverzüglich über das Deck zu ihm hinüber.

 

Padmé sah sie miteinander reden, konnte aber wegen der lärmenden Triebwerke nichts verstehen. Sie lehnte sich gegen den Rahmen der Frachtraumtür und starrte über das Landedeck zum Hangar. Da sie nicht starteten, warteten sie anscheinend auf Jangos Sohn und den anderen Soldaten. Was trieben die beiden dort drinnen so lange? Sie waren in Eile; Anakin musste auf schnellstem Wege in eine Klinik gebracht werden.

 

Dann, endlich, tauchten zwei Soldaten unter der Tür auf.

 

Jangos Sohn hatte seinen Helm unter den linken Arm geklemmt, hielt in der einen Hand einen der glänzenden Bergungs-Beutel und in der anderen sein Blastergewehr.

 

Als er sich näherte sah Padmé, dass sein Gesicht genau so schmutzig war, wie ihr eigenes und auch die üble Platzwunde über seinem linken Auge. Blut lief ihm über das Gesicht, vermischte sich mit dem Dreck zu einer dunkelbraunen Sauce und tropfte auf seine Rüstung und den Boden.

 

„Was soll das, wofür haben Sie Ihren Deckel, wenn Sie ihn nicht aufsetzen?“ herrschte ihn der Soldat, der unmittelbar hinter Padmé stand, an.

 

„Die Luftzufuhr streikt“, erklärte Jangos Sohn fast etwas verlegen und sprang mit einem Satz auf das Ladedeck, dicht gefolgt von seinem Mitstreiter, welcher Padmé als erstes ihren Droiden-Blaster in die Hand drückte.

 

„Fünf, sieben?“, wollte der Soldat hinter ihr knapp wissen.

 

„Negativ, Sir“, erwiderte Jangos Sohn.

 

Das Sir hing noch in der Luft, als der Pilot den Antrieb aufheulen liess und augenblicklich startete.

 

Jangos Sohn vergeudete keine Zeit, trat zu Meister Yoda und salutierte: „General, wir haben einen Mann und das Amputat verloren, Sir!“, brüllte er über den Lärm der auf Höchstleisung arbeitenden Triebwerke hinweg.

 

Amputat, dachte Padmé entsetzt und fragte sich, ob diesem Trampel eigentlich klar war, wie unsensibel er in Anakins Gegenwart von dessen Arm sprach. Sie sah beklommen zu diesem hinüber, doch der Padawan hatte die Augen geschlossen und schien von dem, was um ihn herum geschah, nichts mehr zu wahrzunehmen.

 

„Dafür konnten wir das Lichtschwert bergen, Sir“, fuhr Jangos Sohn unbeirrt fort und wollte den Beutel mit dem Schwert Meister Yoda überreichen. Aber der winkte ab und verwies den jungen Mann an Obi-Wan, der die Waffe daraufhin mit einer leichten, und dennoch ehrfürchtig anmutenden Verbeugung an sich nahm.

 

Sie flogen eine Schleife, und als das Geschützschiff auf das weite Ödland von N’g’Zi zuraste, sah Padmé, wie die Hangartür eine weitere dicke Staubwolke ausspuckte.

 

„Oya, Soldat, hören Sie endlich auf damit das Deck einzusauen und kommen Sie her, damit ich Sie verbinden kann!“, rief einer der gepanzerten Männer und winkte mit seinem Medikit.


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