A Time to Stand



Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





“Meister, wie weiß ich, ob ich das Richtige mache?”

„Wenn du dir diese Frage nicht mehr stellst.“

„Und wenn das nie passiert?“

„Nun… Die Macht ist in Unruhe, scheint es. Warum soll das nicht auch für ihre Diener gelten?“






Es ist lange her, dass ich das letzte Mal so traurig aufgewacht bin, noch in diesem Stadium zwischen den intensiven Träumen, die mich alle paar Wochen heimsuchen und dem des Wachseins, wenn mein Verstand langsam begreift, dass es nicht real war. Das ist eine Zeit, die bis zu fünfzehn Standardminuten in Anspruch nehmen kann. Heute formt sich jedoch bereits in dieser quälenden, verwirrenden Zeit der einzige Gedanke, der zählt. Der letzte, der zählen wird. Heute ist es soweit. Heute wird es enden, auf die eine oder andere Weise.

Die Digitalanzeige an der sterilen weißen Decke über mir verrät mir, dass mein aus dem Takt geratener Biorhythmus heute eine letzte Kapriole geschlagen hat. Erst in vier Stunden beginnt der Tag auf der Veil, meiner Heimat seitdem es dunkel wurde in der Galaxie. Ich weiß sofort, dass ich nicht mehr schlafen kann. Zu sehr ist da dieser Gedanke, dieser eine Gedanke, der mich genauso erschreckt wie mich mit Euphorie und Freude erfüllt. Heute… heute werde ich allem ein Ende setzen.
Selbst.
Freiwillig. Es ist meine Entscheidung, die erste, die ich seit zehn Jahren treffen werde. Vermutlich die letzte, die ich je treffen werde. Streichen wir das ‚vermutlich’.
Deshalb dieser Traum? Diese schmerzhafte Erinnerung an das letzte Gespräch mit meinem Schüler, damals, vor so vielen Jahren?

Vor so vielen Jahren, kurz bevor die Klone in den Tempel gekommen sind und alle getötet haben… Immer noch schafft es dieses Bild in meinem Kopf, mich erzittern zu lassen. Die Klone. Die Gnadenlosigkeit, mit der sie alles und jeden im Tempel ausgerottet haben, die stoische Ruhe, mit der sie uns einen nach dem anderen getötet haben.
Alle… bis auf einige wenige, die von der Nachsicht des Anführers der Klone begünstigt waren.

Begünstigt, was für ein Witz.

Die Kälte in seinen Augen… Nie werde ich diese Kälte vergessen, Äonen von zerstörten Träumen, Wünschen, Hoffnungen, und die Wut einer Supernova. Ich hätte ihn bekämpfen sollen, trotz allem. Ich hätte nicht meine Waffe senken dürfen. Mein Mitgefühl war immer meine größte Schwäche.
Hätte ich ihn angegriffen… Wie barmherzig schnell alles ein Ende gefunden hätte. Er hätte mich niedergestreckt in seinem Zorn, ich wäre verbrannt worden wie all die anderen und könnte nun dort sein, wo alle Jedi enden. Zerfressen von Wut, Schuld, Trauer, sicher, aber zumindest nicht mehr in dieser jämmerlichen Existenz, die ich seitdem friste.

Mein Mitleid hat ihn wütend gemacht.
Wütend genug, mich nicht zu töten.
Wütend genug, auch meinen Padawan zu verschonen.
Anakin hatte zu diesem Zeitpunkt von seinem neuen Meister bereits viel über die sadistischen Wege der Sith gelernt.

Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn er weiter gelebt hätte. Aber Anakin war kurz darauf verschwunden, und was man mir an gelegentlicher Information über Audio-Holoweb zukommen lässt, um mir zu verdeutlichen, dass auch der letzte Rest des Ordens vernichtet wird, enthält nur mehr Berichte über ihn. Darth Vader. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Anakin bin ich ihm nie persönlich begegnet. Vielleicht weiß er nicht einmal, dass es dieses Schiff gibt, auf dem ich seit der Ausrottung der Jedi gefangen gehalten werde.

Wir befinden uns fast ausschließlich im Hyperraum, auf einer Reise zwischen den verschiedensten Gefängnisplaneten, um verlorene Seelen ihrem Schicksal zuzuführen. Wer würde schon eine Jedi hier vermuten? Es ist ein schmutziges, dunkles Geheimnis des Imperiums, wie so viele andere auch.

Das wird es auch nach dem heutigen Tag bleiben. Ich bezweifle, dass die Crew der Veil damit hausieren gehen wird, dass eine seit Jahren in schmerzhafter und demütigender Gefangenschaft gehaltene Jedi ihren Captain getötet hat, bevor sie von der todesmutigen Crew überwältigt werden konnte. Würde sich nicht gut in den Berichten an den Imperator oder an Vader machen.
Oder in Berichte an meinen ehemaligen Padawan Teriel.
Sie werden es in Vergessenheit geraten lassen, so wie die Jedi und das, was sie für diese Galaxie getan haben, in Vergessenheit geraten ist. Der Fall Jedi-Meister Ianala Veridy wird endgültig zu den Akten gelegt, nachdem meine Person und Existenz vor Jahren schon für tot erklärt wurde.
Ein passendes Schicksal.
Nichts anderes mehr wünsche ich mir.

‚Du bist doch eigentlich schon zu lange hier, um noch nachts wach zu liegen, Sklavin.’

Die Stimme des Captains der Veil im Lautsprecher meiner Zelle schafft es nach Jahren noch, mich zusammenzucken zu lassen. Er schläft fast nie, das weiß ich, aber wann er mich – sein Lieblingsspielzeug - durch den Monitor in seinem Quartier beobachtet, ist so unvorhersehbar wie seine Besuche in meiner Zelle.

Wie er durch meine immer geöffneten Augenlider erkennen kann, dass ich wach bin wird mir jedoch immer ein Rätsel bleiben. Die Kamera befindet sich in ihrer oberen Ecke direkt unter der Decke, eigentlich viel zu weit weg um die Schattierungen und Farbabstufungen zu erkennen, die bewusste mentale Aktivität bei Nautolanern verraten, vor allem bei deaktivierter Beleuchtung…

Der Captain weiß solche Dinge einfach. Er kennt sein Spielzeug eben. Er hat es auch schon lange genug in Gebrauch. Mit dem heutigen Tag sind es neun Jahre. Ein Jahr, nachdem Anakin mich auf die Veil hat bringen lassen, zehn Monate nachdem mein Padawan das Schiff für immer verlassen hat, hat Captain Sytain das Kommando übernommen.

Seitdem war keiner der anderen mehr hier.
Niemals.
Ich gehörte seit seinem ersten Tag hier nur ihm.

Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich ihm dafür dankbar bin. Dann kann nicht einmal die längste Meditation, der intensivste Versuch, meine Gefühle zu kontrollieren – sowieso ein schweres Unterfangen, so abgeschnitten von der Macht, wie man mich hier vom ersten Tag an mit mir völlig unbekannten Mitteln gefangen hielt - dabei helfen, den Selbsthass verschwinden zu lassen.

Sytain. Seinen Vornamen werde ich wohl nie erfahren- nicht dass mein Interesse daran das Ausmaß von ‚mild’ übersteigt. Ich wüsste nicht einmal seinen Nachnamen, wenn seine Männer ihn nicht manchmal bei unseren Zusammenkünften stören müssten, weil wichtige Nachrichten vom imperialen Kommando eingehen oder die Veil wieder mal eine ihrer Kinderkrankheiten hat.
Sytain bestand am Anfang mal darauf, dass ich ihn ‚Meister’ nenne. Wirklich amüsant wie er zuerst gedacht hat, körperliche Züchtigung könnte meinen Willen brechen. Irgendwann hat er sich damit abgefunden, dass ich ihn mit seinen Nachnamen anspreche wie irgendeinen unwichtigen kleinen Unteroffizier im ersten Jahr. Wenn ich überhaupt das Wort an ihn richte. Das ist meistens nicht nötig, um seine Wünsche zu erfüllen und ihn damit so schnell wie möglich wieder loszuwerden.

So wie jetzt. Ich will allein sein mit meinen Gedanken, meinen Überlegungen zu heute Abend, zu dem Empfang eines imperialen Offiziers, der die Veil inspiziert.

Sytain will mich an seiner Seite haben wie so oft, um seinen Status zu untermauern, um seine Sklavin vorzuführen und neidische Blicke zu ernten. Eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen er mir seinen Besuch ankündigt, weil er mich zu solchen Anlässen immer besonders… ansprechend sehen will.
Er weiß nicht, dass er damit sein Todesurteil unterschrieben hat.

„Ich denke nicht nach, Sytain. Ich träume.“

‚Ein seltsames Konzept für ein Tier im Käfig, mein Seepferdchen. Solltest du nicht meditieren? Darüber nachdenken, was in deinem Leben alles schief gelaufen ist?’ Es macht ihm Spaß, mich zu quälen, mich immer wieder daran zu erinnern, ich kenne diesen sadistischen Genuss in seiner Stimme. In diesem Tonfall hat er mir damals gesagt, dass mein ehemaliger Padawan Teriel sich Vader und seinen Leuten angeschlossen hat und nicht mehr länger auf der Veil ist. Dass er mich einfach im Stich gelassen hat…

Nach all dieser Zeit kann ich ohne Verbitterung daran denken. Teriel hat der Versuchung der Dunklen Seite nachgegeben, das ist alles. So wie viele andere. So wie auch ich im Krieg. Vielleicht würde ich jetzt an seiner Seite gegen unsere Brüder und Schwestern kämpfen, wenn ich nicht hier gefangen wäre. Ich habe mich nie der Illusion hingegeben, dass ich stärker als alle anderen wäre.
Nur sturer.
Wenn ich mir mein Ende ansehe, ist das nicht immer ein Vorteil.
„Danke für deine ermüdenden Worte, Sytain. Jetzt kann ich weiterschlafen.“

‚Nicht zu lange, mein hübsches Seepferdchen. Heute Abend will ich dich in Bestform sehen.’ Das fast unhörbar leise Summen des Lautsprechers verstummt. Diesmal konzentriere ich mich darauf und höre das Ende der Konversation bewusst, anders als der immer so unangenehme Beginn, wenn Sytains Stimme meine sowieso schon angespannten Nerven mit seinen plötzlichen Meldungen weiter strapaziert.
Ich schaffe es tatsächlich, den Sturm aus Traurigkeit und Wut in mir so weit zu beruhigen, dass ich noch ein wenig schlafen kann.
Diesmal bleiben die Träume barmherzigerweise aus.





„Nach all diesen Jahren schaffst du es immer noch, mich zu überraschen, Sklavin. Soviel Eleganz hätte ich dir gar nicht zugetraut.“
Hörbar angeheitert nach ein paar Gläsern Whiskey zuviel schafft es Sytain gerade noch so, die Audio- und Videoüberwachung meiner Zelle zu deaktivieren, so wie er es immer tut, seitdem ich ihm allein gehöre. Vorher die Männer haben sich ihren Spaß daraus gemacht, sich gegenseitig dabei zuzusehen, wie sie zu mir gekommen sind. Sytain hat diese Sitte schnell abgeschafft. Sein Eigentum geht nur ihn etwas an.
So sieht auch keiner, wie ungeschickt er sich damit anstellt, sich seiner Kleidung zu entlegen. Er ist unvorsichtig geworden. In so einem Zustand hätte er sich mir am Anfang nicht genähert. Inzwischen ist er sich seiner Sache sicher genug. Er glaubt nicht, dass ich irgendwo in meinem Sturkopf noch so etwas wie Fluchtgedanken hege. Ich glaube, heute wäre er sogar so weit, dass ich ihm problemlos die schwarze, spitze Maske abnehmen könnte, die er in meiner Gegenwart immer trägt, selbst vor seinen Geschäftspartnern.

Ich hätte es vielleicht tun können, dahinter sehen, einmal sein Gesicht sehen… Es interessiert mich nicht mehr. Schon lange nicht mehr. Er bekommt seinen Willen, wie immer. Das Kleid, von dem er eben noch so geschwärmt hat liegt in Sekunden in Fetzen am Boden, er zieht seine Nummer durch…
Fast hätte ich den richtigen Moment in meiner völligen Apathie und der Gelassenheit verpasst, mit der ich solche Abende hinter mich bringe. Die Kraft vergeudet, die ich in monatelangen Meditationen und von den Kameras unbemerkten Trainingsübungen angesammelt habe.

Den günstigen Augenblick verpasst, als er sich aufbäumt, die Augen schließt, einen Moment nur…
Im nächsten Moment fällt er röchelnd auf die Matratze, weil sich zwei hellgrüne, muskulöse Unterschenkel um seinen Hals schlingen und ihm jegliche Luftzufuhr abschneiden. „Miststück…“ Normalerweise liegt sein Blaster in Reichweite, aber heute sind selbst dazu seine Bewegungen zu langsam, sodass ich es schaffe, seine Handgelenke zu nehmen und ihn weiter festzuhalten, bis er röchelnd auf mich fällt und sich nicht mehr bewegt.
Als er ein paar letzte Worte herausbringt, aus blutleeren, bläulichen Lippen, hätte ich fast gelacht. „Du bist tot, Seepferdchen.“

„Denkst du, das würde mich interessieren, Sytain? Sieh mich an und sag mir, ob du glaubst, dass irgendetwas in mir noch leben will.“ Geplant war es nicht, aber nun ist es auch schon egal. Bald werden die Sirenen und die Lichter draußen angehen, und alles wird vorbei sein. Vorher möchte ich nun doch wissen, wen ich da eigentlich all die Jahre ertragen habe.

Die Maske fällt.
Teriels Augen stehen voller Tränen, als er über die Macht das ungläubige Entsetzen in mir spürt.
„Ich habe Euch beschützt, Meister... Ich konnte nicht mehr mit ansehen, wie sie Euch quälen… Deswegen bin ich zu den Sith…“
Die letzten Worte werden ihm von seiner beginnenden Bewusstlosigkeit abgeschnitten, sodass er nicht mehr mitbekommt, wie sein eigenes Messer ihm die Kehle durchschneidet. Ein Messer, das ich ihm vor Jahren geschenkt habe, als ich ihn als Padawan angenommen habe.

Erst als ich schon auf dem Weg zur Tür bin, um mich dem Unvermeidlichen draußen zu stellen, wird mir klar, dass er selbst vielleicht gar nicht wusste, wie schrecklich er ist. Sonst hätte er die Macht eingesetzt, um sich zu verteidigen, als ich mich einmal, ein einziges Mal gegen ihn zur Wehr gesetzt habe.
So… war es für uns beide eine Erlösung.

Vielleicht bekommen wir in der lebendigen Macht die Chance, miteinander zu reden.



Ende