Raumschiffe und Fahrzeuge 8:

Besessen




Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.



Voewort der Autorin:

Wie ihr nach den ersten Zeilen wahrscheinlich bemerkt, ist diese Geschichte in einem Stil geschrieben, der möglichst realistisch wirken soll. Das hat hier höhere Priorität als der sprachliche Ausdruck und soll so zu einem gewissen Echtheitsgefühl beitragen.

Die Geschichte ist die finsterste, die ich in meinem gesamten Leben geschrieben habe. Schwarz in schwarz. Ich möchte mich auch klar von den Handlungen und Meinungen der Protagonistin distanzieren.

Diese Geschichte wurde auch auf SWU veröffentlicht im Rahmen des de-agnostini Projekts. Sie wurde dort allerdings jugendtauglich zugeschnitten, um die Regeln des Forums nicht zu verletzen. Das hier ist die harte Version.







Ich betrachte mich im Spiegel. Ja, es sieht gut aus, denn es blickt mir eine Fremde entgegen. Jetzt brauche ich nur noch ein wenig Schminke, um die perfekte Schönheit zu sein. Die Art von Schönheit, die eine Chance hat Jabbas Tänzerin zu werden. Ich lächle kurz spröde. Wenn der wüsste.

Es war nicht leicht meinen Körper dieser Sache hinzugeben. Es war nicht leicht sich unter die Skalpelle zu begeben. Aber ich war schon immer kompromisslos, wenn ich etwas wollte.

Hmm, ich sollte meine Mimik verbessern. Ich möchte ja nicht sterben, bevor es an der Zeit ist. Jabba mag zwar Widerspenstigkeit, aber permanenter Widerstand könnte ihn zornig machen. Und das wäre gar nicht gut. Doch auch dafür gibt es eine Lösung. Ich lächle in den Spiegel. Es ist kein wirklich überzeugendes Lächeln, aber das ist mir egal. Irgendwann werde ich es fertig bringen. Und wenn ich hundert Stunden vor dem Spiegel verbringen muss! Zeit habe ich ja genug, weil Jabbas Gesellschaft allzu häufig wechselt, nämlich immer dann, wenn die große Schnecke einer Tänzerin überdrüssig geworden ist. Und das ist nur allzu oft der Fall.

Bei diesem Gedanken fletsche ich die Zähne in purer, schierer Aggression. Ich stelle mir vor, wie ich diese Schnecke mit meinen bloßen Fäusten erledige. Wie die aufgedunsene Form unter meinen Hieben erzittert. Um dann im Tod zu erstarren. Wie amüsant, dass uns Frauen solche Gefühle immer abgesprochen werden. Aber das macht meine Vendetta nur leichter.

Ich blicke zu dem Gefäß auf meinem Tisch. Es enthält Petromotoxin. Die Hutten, so überheblich wie sie sind, glauben, dass ihre natürliche Giftresistenz schier unüberwindbar ist. Aber es gibt Ausnahmen. Petromotoxin ist unpolar genug, um durch die Fettschicht eines Hutten in Null Komma Nichts zu diffundieren. Dann hängt es sich an ein bestimmtes Protein, das im Blutstrom der Hutten vorkommt. Von diesem Protein getragen, erreicht es jedes der vielen im Fleisch verteilten Nervenzentren. Und dann... ist es vorbei mit Jabba!

Ich stelle mir sein Ende vor. Sofort kehren die Aggressionen zurück, mitsamt sadistischer Häme. Doch dann atme ich tief durch, zwinge mich an etwas anderes zu denken. Diese Phantasien bringen mich meinem Ziel auch nicht weiter, im Gegensatz zu disziplinierten Training. Immer wieder lächle ich, und lächle ich, und lächle ich.

 

Hier – irgendwo auf diesem Markt hat sie gestanden und ängstlich ihres Schicksals geharrt. Hier – irgendwo auf diesem Markt wurde um sie geschachert. Hier – irgendwo auf diesem Markt wurde ihr Leben von jenen besiegelt, die nur Gier kennen. Sie hatte keine Chance, von Anfang an nicht, seit dem Zeitpunkt ihres Verkaufes an Jabba. Egal, wie sehr sie sich bemüht hat ihm zu gefallen, egal, wie sehr sie sich ihm unterworfen hat. Schließlich ist alles umsonst gewesen und Jabba hat sich gelangweilt. Und sie dem Rancor zum Fraß vorgeworfen.

Ich mache mir keine Illusionen. Niemals hätte sie gewollt, dass ich ihr in den Tod folge, nur zum Zweck der Rache. Und genau deswegen tue ich es ja auch nicht für sie. Nein, ich tue es für mich. Jabba muss sterben, weil ich es so will. Nicht aus irgendeinem Grund der Gerechtigkeit, oder weil ich andere beschützen will. Sondern nur, weil ich mich danach verzehre ihn zu töten. Dieser Drang – ich muss ihn einfach abschalten, loswerden, Frieden finden.

Das hier ist kein Leben.

Vor meinen Augen stehen die Käfige und Plattformen. Darin Sklaven aller Art, besonders aber auch Vertreter meiner Spezies. Sie tanzen. Überall hört man eifriges Feilschen. Das Verkaufen von Leben an Personen, die über sie dann verfügen wie über Tiere.

Es gibt wohl keinen Planeten in diesem Universum, den ich so sehr verabscheue wie Ryloth, meine Heimatwelt. Nicht, weil Ryloth nur ein trockener Staubball ist. Nein, ich verabscheue diesen Planeten wegen der Lebewesen, die darauf verkehren. Wie sie blind ihren Tätigkeiten nachgehen, verschwenderisch alle Ressourcen an sich raffen, ihrem Spaß frönen, und dabei alles ignorieren, was unter ihnen kreucht und fleucht.

Plötzlich erinnere ich mich an meine Reise zu Melida/Daan. Ich hatte es schon fast vergessen. Wie ich damals sah, dass das Leben überall gleich ist. Triebe, denen gedankenlos gefrönt wird. Genetisch eingestanzt in unsere Gehirne, evolutionäre Programme, die uns zu Egoisten machen. Es ist allumfassend und die Prinzipien sind überall die gleichen. Nicht nur auf Ryloth, nein, in der ganzen Galaxis. Ein Kampf gegen sich selbst, gegen die eigene Biologie. Ein Kampf, der eigentlich nicht gewonnen werden kann.

Und genau darum werde ich Jabba umbringen. Weil man diesen verdammten Kampf nicht gewinnen kann! Wut, soviel Wut auf die Galaxis, soviel Wut auf mich selbst. Es zerreißt mich!

Nur Pai’ken entging meiner Weltsicht. Großzügig war sie, und sanft. Ich liebte sie, sie war mein Anker, mein Licht, sie hat die finstere Welt, die ich mir selbst geschaffen habe, erhellt. Und sie war bereit, mir meine dominierende Art nachzusehen. Oh, wie oft habe ich versucht sie zu beherrschen, sie zu kontrollieren. Aber sie ließ mich stets scheitern. Unsere Beziehung, sie hatte eine echte Chance.

Aber ihre sanfte Art konnte sie nicht vor Jabba retten. Ihre Weisheit war verschwendet an den schleimigen Gangsterboss. Sie lag falsch. Die Welt ist kalt und grausam, und wir sind nicht mehr als ein Pfund Fleisch, das sich intelligent schimpft. So wie Jabba.

 

Schließlich bin ich da. Der Händler hat sich zwar ausgiebig gewundert, dass ich verkauft werden will, aber sich nicht allzu sehr daran gestört. Er braucht nur die Klappe zu halten und mich anpreisen, sobald Jabbas Majordomus hier aufkreuzt. Schon hat er zum Nulltarif ein gutes Geschäft gemacht.

Und da ich sehr viel Geld gezahlt habe, um mich in eine unwiderstehliche Schönheit zu verwandeln, habe ich auch gute Chancen, dass Fortuna mich auch ersteht.

Zum Glück mag Jabba widerspenstige Lebewesen mehr als unterwürfige. Es ist eine größere Herausforderung ein bockiges Lebewesen zu brechen, als es bei einem unterwürfigen der Fall ist. Das bedeutet: mehr Spaß für Jabba. Ich kenne das Gefühl. Machthunger – das Bedürfnis, über andere Kreaturen zu entscheiden. Aber ich habe mich verdammt noch mal unter Kontrolle! Nicht so wie dieser verfluchte Schleimberg.

Ich betrete die kleine Bühne. Da warten schon ein Haufen „Kolleginnen“. Sie werfen mir neidische Blicke zu. Ich weiß auch warum. Es ist allgemein bekannt, dass reiche Herren einen besser versorgen können als arme. Nicht, weil die reiche Kundschaft nobler wäre oder so, sondern weil sie es sich einfach leisten können, mehr Geld für die Sklavin auszugeben.

Ich ignoriere die Blicke und bleibe einfach stehen. Der Chevin-Händler wird sowieso jedem Kunden außer Bib Fortuna sagen, dass ich bereits reserviert sei. Also gibt es keinen Grund für mich zu tanzen. Anders als meine Kolleginnen, deren halbnackte Körper bereits nass vor Schweiß sind.

Eine hübsche, circa zwanzigjährige Togruta rät mir zu tanzen. Man, die hat ja keine Ahnung! Ich zeige ihr ein zähnefletschendes Grinsen. Ha, dafür brauche ich keinen Spiegel! Die Togruta ist überrascht. Das hat sie wohl nicht erwartet. Schließlich dreht sie sich schweigend von mir weg, weil sie wohl nicht weiß, was sie noch sagen soll und tanzt weiter.

Na endlich ist es soweit! Fortunas attraktives Gesicht grinst mir entgegen. Aber trotz seinem guten Aussehen würde ich ihm am liebsten gleich den Kopf vom Hals schießen. Ich lege mir schnell meine Lekku zurecht. Ich muss ihm unbedingt auffallen, sowohl durch Wildheit, als auch durch Anmut, damit er mich kauft. Ich beginne zu tanzen. So nervös bin ich gar nicht. Aber ich habe ja auch lange genug trainiert.

Ich tanze an den Rand der Bühne. Dort setze ich meine weiblichen Reize, die nun wesentlich ausgeprägter sind als vor den Operationen, ohne Zögern ein. Er soll meinen Hintern sehen, und auch meinen Busen, dieser Haufen Dung. Na los, du Nerfhirte, diesem Vamp Blick kannst du doch gar nicht wiederstehen.

Es funktioniert. Mr. Fortuna, offensichtlich von meinen weiblichen Reizen erregt, tritt etwas näher, um mich genau zu begutachten. Schließlich ist ja nur das Beste für Jabba gut genug. Igitt. Ein bisschen Cellulite oder ein hässliches Mal würde reichen, um mich zu disqualifizieren. Aber ich weiß, dass ich ohne Makel bin. Jeder Zentimeter meiner Haut ist perfekt. Außer für mich. Ich hasse diesen verfluchten neuen Körper!

Schon verhandelt Fortuna mit dem Chevin. Dessen Rüssel macht die ganze Zeit irgendwelche dummen Bewegungen. Blöder, monströser Klops. Aber ist ja egal. Mich werden in Jabbas Hofstaat noch genug andere Monster erwarten.

Schließlich ruft mir der Sklavenhändler zu, dass ich herkommen soll. Ich sollte mich lieber beeilen, wenn ich nicht nen Elektroschock verpasst bekommen möchte. Dann stiere ich den Majordomus mit so einem „Schlafzimmer-Blick“ an. Ja, schau du nur ruhig, du ahnungsloser Trottel. Du hast ja keine Ahnung, wie wütend ich wirklich bin.

Der Chevin drückt Fortuna die Fernbedienung in die Hand. Der schenkt mir ein ziemlich gemeines Grinsen. Ich soll ihm folgen, befiehlt er arrogant.

Ich nicke mit einigen Sekunden Verzögerung, als ob ich erst darüber nachdenken müsste, ob ich ihm Gehorsam leisten soll. Fortuna geht voraus. Ich folge ihm in ein paar Metern Entfernung. Mein Schicksal ist besiegelt. Es gibt kein zurück mehr. Ab diesem Moment gehöre ich Jabba. Man, das ist ein perverses Gefühl. Eigentlich sollte ich doch jetzt Angst haben, oder? Naja, Angst hilft mir eh nicht weiter.

 

Das All sieht wunderschön aus. So viel Schwarz und die vielen Sterne, umkreist von Planeten, auf denen sich wimmelndes Leben tummelt. Gleich darauf werden die Sterne zu Streifen. Ich wende mich Fortuna zu. Dieser perverse Schleim begutachtet mich begierig. Hoffentlich beordert er mich nicht in seine Kabine! Aber wenn es nötig ist, werde ich sogar das tun. Zum Glück sagt er nichts. Er sieht mich weiterhin nur so an. Dann steht er auf und geht wohl in seine Kabine.

Ich atme tief durch. Noch einmal Glück gehabt. Aber das heißt gar nichts, noch bin ich nicht in Sicherheit. Noch. Diese ach so starken Typen wollen sich ihre „Macht“ ja immer beweisen. Hmm, sollte schlafen, damit ich auf Tatooine ausgeruht bin. Will nicht schon am ersten Tag von Jabba getötet werden. Ich mache es mir auf der Bank gemütlich.

 

Der Hofstaat ist in lautem Aufruhr. Neugierig sehe ich mich um. Ganz schön abartig, der Hofstaat. Ein paar von den Spezies kenne ich sogar. Aber man, die meisten habe ich noch nie gesehen. Ich erreiche die Mitte des Saales. Sofort beginnt eine Bithband zu spielen. Gar nicht so übel. Sie spielen ganz schwungvoll. Dazu hätte ich früher getanzt. Und es hätte mir sogar Spaß gemacht. War ich wirklich einmal diese Twi’lek? Oder ist das nur so eine sentimentale Vorstellung?

Das Monster liegt vor meiner Nase herum. Er sieht genauso aus, wie ich ihn auf den Hologrammen gesehen habe. Fett, sabbernd und aufgeblasen auf seinem Podest thronend. Fortuna, diese schleimige Warze, geht eh schon zu seinem Herren und Meister und verbeugt sich tief. Kleiner Schleimer.

Er grüßt seinen Meister und sagt, dass er ihm eine schöne Tänzerin gekauft hat. Dann zeigt er auf mich. Ich ziehe eine trotzige Fratze. Wenn du nur wüsstest, Jabba. Ich bin viel mehr als das kleine, wehrlose Mädchen.

Der Schleimball lacht, als er mich sieht. So ein gieriges, überhebliches Lachen. Er deutet auf mich und schon springen seine Lakaien los und legen mir eine Eisenkette an. Er zieht daran. Ich wehre mich. Diese Warze mag Wiederstand, also mache ich das Theater halt mit. Er beginnt schon wieder zu lachen. Ja, so macht es ja schließlich Spaß. Natürlich schafft er es auch, immerhin ist er ja ein verdammter Hutt! Die haben einen Haufen Muskeln unter ihrem ganzen Fett. Muss ja auch so sein, um das ganze Gewicht zu bewegen.

Er zieht mich ganz nah an sich heran. Immer stärker rieche ich das grässliche Odeur, das von ihm ausgeht. Es ist grindig, aber ich halte mich zurück. Ihn ärgern wäre bestimmt keine gute Idee. Er streckt seine Zunge heraus, dieses schleimige Ding. So ein feuchtes Sabbern auf meinem Gesicht. Wäh! Ich presse die Lider zusammen. Fierfek! Endlich zieht er seine Zunge zurück. Doch schon schleckt er mich erneut ab. Ich reiße an der Kette an, was soll ich denn sonst groß tun? Und schon wieder lacht er.

Endlich hört der auf. Ich wische mir sofort mit den Händen den Schleim aus dem Gesicht. Der Hutt grinst mich blöde an. Friss meine Faust! Nein, besser doch nicht. Abwarten, abwarten.

Plötzlich werde ich gestoßen. Ich taumle zurück, auf das Gitter, das den Rancorkäfig  verbirgt. Genau hier hat Pai’ken gestanden und getanzt. Und genau hier hat sie um ihr Leben gefleht. Vergeblich. Ich werde nie flehen. Nie, nie, NIE! Wenn ich versage, dann war’s das für mich.

Der Hutt befiehlt mir mit seiner tiefen, dröhnenden Stimme zu tanzen. Hmm, ich darf nicht zu viel trotzen. Also tanze ich jetzt halt. Die jubeln mir frenetisch zu. Mein Tanz gefällt ihnen. Bestimmt träumen jetzt so einige an Jabbas Stelle zu sein. Aber das wird’s nicht spielen. Immerhin bin ich ja jetzt Jabbas Eigentum, und das darf ja nicht von jemand anderen verwendet werden.

Schleimender Abschaum, allesamt. Wer arbeitet schon freiwillig für einen Hutten? Die sind sicher nur geil aufs Geld. Ja, er bezahlt gut, dieser Gangster. Dann sind seine verfluchten Werkzeuge nämlich nicht ganz so bestechlich.

 

Ich liege in meinem Bett, doch der Schlaf kommt nicht. Jetzt bin ich schon ein paar Wochen hier, ohne dass sich eine Gelegenheit ergeben hätte. Dieser Schleimbatzen – ich muss gestehen, dass er nicht dumm ist. Hinter diesen Fettschichten lauert eine tückische Intelligenz, ein raffinierter Verstand. Aber einer, der sich alleine auf das Scheffeln von Reichtümern beschränkt, anstatt zum Beispiel eine wissenschaftliche Disziplin zu studieren.

Dieser Schlafmangel macht mich fertig. Die Tabletten helfen ein bisschen, aber nicht genug. Und die anderen sind so stark, dass ich in eine richtige Bewusstlosigkeit versetzt werde und noch am nächsten Tag müde bin. Ich wälze mich herum. Ach, es hat ja doch keinen Sinn!

Ich stehe auf. Vielleicht helfen ja ein paar Runden in meinem Apartment. Wie witzig, dass uns Tänzerinnen so ein schönes, großes Apartment zu Verfügung steht. Ich muss an etwas anderes denken. Man kann doch nicht schlafen, wenn man dauernd an Mord denkt. Schließlich lege ich mich wieder ins Bett. Hat ja eh keinen Sinn. Irgendwann werde ich schon einschlafen. Wird zwar lange dauern, aber mein Gehirn kann ja nicht ewig wach bleiben.

 

Ein Problem. Heute will niemand, dass ich tanze. Noch niemand. Jabba hat im Moment andere Opfer für seine Grausamkeiten. Es war ja auch eine ziemliche Scheiße, die da passiert ist. Wird ihn sicher viel Geld kosten. Und was Jabba Geld kostet, mag Jabba nicht. Bald fließt Blut.

Ich blicke zu den Hutten. Mein Herz pocht wie verrückt. Verdammt, ich darf mir nichts anmerken lassen. Arme Teufel. Aber wer blöd genug ist, freiwillig für Jabba zu arbeiten...

Heute! Vielleicht geht es heute! Jabba verfüttert doch alle, auf die er besonders wütend ist. Am liebsten sieht er sich das Spektakel von seiner Segelbarke aus an. Und dort hat er oft nur das wichtigste Personal – und seine Sklavin. Ich brauche nur einen unbeobachteten Moment. Einen Moment, bei dem Jabba nicht unmittelbar von seinen Wachen umgeben ist. Einen Moment, und schon... Das muss doch gehen!

Ich blicke zu dem Ungetüm. Jabba wirkt echt sehr wütend. Außerdem ist er damit beschäftigt, diese komischen, zappelnden Kreaturen in sich hineinzuschieben. Ekelige Dinger. Er verschlingt sie regelrecht, ohne einen winzigen Moment Pause. Wahrscheinlich eine Art Reflex. Auf mich achtet er sowieso nicht.

Die vier Wachen, die die Bluttat begangen haben, werden vorgeführt. Gähn! Zwei Gamorreaner, was für eine Überraschung. Ich glaube, die anderen sind eine Barabel und ein Gran. Der Schleimbatzen brüllt. Ich grinse. Ja, schrei du nur. Bald kannst du das sowieso nicht mehr. Man, der sagt aber oft Bota und Fierfek. Na, kleiner Jabba, hat dir deine Mami denn keine Manieren beigebracht? Er fuchtelt auch noch wie wild mit den Armen herum. Und der soll ein respektabler Gangsterboss sein? Das ich nicht lache.

Da sollte ich genauer hinhören. Ha, Sarlacc! Sehr gut. Es wird schmerzhaft sein, Jabba. Du wirst dich wiiiinden.

Das Adrenalin hat’s aber echt drauf. Wirklich jetzt? So früh schon? Ich beiße die Zähne zusammen. Keine Zeit für Hysterie. Ab jetzt zählt nur noch eiskalte Professionalität, fertig. Ein Fehler, und ich bin tot. Völlig umsonst. Und dann überlebt Jabba. Er muss sterben!

Hmm, die Gamorreaner sind ganz schön mutig. Hätt ich gar nicht gedacht. Ich nehme mir an denen ein Beispiel. Wenn es nicht ... funktionieren sollte, dann will ich auch so sterben.

Fortuna klatscht. Dem Haufen Dung macht das sogar Spaß! Er grinst so - grausam. Grausam – ohne wirklich einen Grund zu haben, nur der Grausamkeit willen. Und ich dachte, ich wäre hart.

Plötzlich beginnt Jabba laut zu lachen. Der hat mich erschreckt. Und Fortuna imitiert ihn natürlich. Die lachen ja alle! Lachen, weil andere abgeschlachtet werden. Nur Typen wie Fett oder Rebo schweigen.

Au! Hör auf an meiner Kette zu ziehen, du Bantha! Ich tanz ja schon. Ich begebe mich auf das Gitter. Unter mir knurrt der Rancor. Gruselig. Anscheinend ist er gerade hungrig... Ich kann diese Jizz Band schon nicht mehr hören. Wie hält Jabba das bloß aus? Diese Nummern tun schon in den Ohren weh.

Brauch meine Kraft. Jetzt nur nicht auspowern. Muskeln helfen beim Morden. So ein Hutt ist stark. Die haben eine Menge Muskeln unter ihrem ganzen Fett. Puh. Wenigstens brauche ich für meinen Plan nicht allzu stark sein.

Bald geht es los. Ich folge Jabba auf die Barke. Sollte mir alles einprägen. Segel, an der Reling Blaster. Steuerbords die Zugangsluke. Und ein Blasterturm in der Nähe der Zugangsluke. Ich denke nach. Das Geschütz könnte ein Problem sein... Muss damit rechnen. Aber niemand wird auf mich schießen, wenn ich in Jabbas unmittelbarer Nähe bin. Ja, ich muss mich nur an den Plan halten. Hoffentlich sind die Wachen wirklich so dumm, wie ich glaube. Jabbas Panzerhaut schützt ihn gegen Schüsse. Außerdem macht denen ein Organ mehr oder weniger nichts aus. Dezentralistischer Körperbau mit mehreren Nervenknoten im Inneren. Trotzdem kann ich es wagen. Immerhin sind das hauptsächlich Gamorreaner!

Plötzlich kriecht Jabba ins Unterdeck, zwei Gamorreaner im Schlepptau. Verdammt, die sind viel zu nah! Ich sehe mich um. Die Gänge hier sind ziemlich breit. Muss ja auch eine Schnecke durchpassen. Immer wieder kommen wir an so Luftschlitzen vorbei, die direkt nach draußen führen. Ich wundere mich. Hat Jabba denn gar keine Angst, dass ein Droide durch einen der Schlitze fliegt und dann im Inneren tödliches Giftgas versprüht? Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich das gemacht. Ich ärgere mich halb tot. Zum Glück merkt mein „Meister“ nichts davon. Stattdessen rutscht er in eine Kombüse, wo so ein Büffetständer für ihn herumsteht. Manche der Essenssachen leben noch, aber es gibt auch seltsame Puddings, spaltenförmige Dinger und Fleischstücke. Ich sehe zu den Gamorreanern. Na, Burschen, werdet ihr nicht hungrig?

Tatsächlich quiekt und grunzt einer von ihnen los. Jabba erlaubt ihnen mit großmütigem Grinsen sich auch zu bedienen. Leider sind sie bei weitem nicht weit genug entfernt. Sie müssten schon aus dem Raum gehen. Ein Treffer von einer der Energieäxte könnte mich glatt töten. Die haben die Muskeln dafür.

Auch Jabba kriecht zum Büffet und lädt sich eine kleine Portion in seine Schüssel. Der wird sich noch viele Portionen holen. Igitt! Das ist so unnötig grausam. Das Zappelgefühl kann ja wohl kein Geschmacksverstärker sein. Nein, der will nur ein lebendes Wesen quälen. Ich balle unauffällig eine Faust.

Man muss den Gamorreanern zu gute halten, dass sie nur von dem bereits toten Zeugs nehmen.

Später begibt sich Jabba wieder auf das Oberdeck seiner „Kethanna“, um sich die Wüstenluft ins Gesicht blasen zu lassen. Ich natürlich im Schlepptau. Keine Ahnung, was er daran findet. Ziemlich heiß die Luft. Überhaupt klebt mir ständig der Schweiß auf der Haut. Ich befingere meine Lekku. Schon ganz ausgezehrt.

Leider sind die Gamorreaner immer noch in der Nähe. Die Quiecker sind erstaunlich aufmerksam. Ich sehe mir das Panorama an. Das könnten Felsformationen sein. Angeblich gab es auf Tatooine ja mal Wasser. Aber das ist nur eine alte Legende. An irgendetwas müssen die Leute hier ja glauben, wenn ihr Leben doch sonst schon so trostlos ist.

Dann halten wir. Unter uns befindet sich der Sarlacc. Ein kreisrundes Maul voller Zähne starrt mir entgegen. Die Wachen interessieren sich auch sehr für den Sarlacc. Die erwarten alle ein Spektakel. Abgelenkt. Vielleicht ist das die perfekte Gelegenheit. Ich erlaube mir ein wildes Grinsen. Die Ansprache, dann geht’s los. Ein kühler Schauer läuft mir über den Arm. Ich werde dich in einen toten Sack verwandeln, Jabba! Tote und matte Augen in schlaffen Fleisch.

Jabba beginnt mit seiner Ansprache. Er labert etwas darüber, wie sehr es diese Diener doch verdient hätten. Und das sie jetzt ihrer gerechten Strafe zugeführt werden und ähnlicher Blödsinn. Dann erzählt er voller Begeisterung, dass der Sarlacc tausend Jahre braucht um seine Opfer zu verdauen. Pah! Noch ärgerer Schwachsinn. Ein Humanoider erstickt schon nach ein paar Minuten.

Der Gran und die Barabel betteln um Gnade, die Gamorreaner hingegen nicht. Die stehen nur still da und warten auf den Tod, diese Schlauen. Armer Gran, der muss ordentlich Schiss haben.

Jabba weist die Gnadengesuche natürlich ab. Oh man, als wenn der Gran und die Barabel Jabba nicht schon kennen würden. Er will euch brechen! Das macht ihm Spaß! Bastard. Kann ... kann ich es tun, jetzt?

Der Gran wird natürlich als erster auf die Planke geführt. Jabba hält das wohl für komisch. Die konzentrieren sich alle auf ihn. Er macht einen ganz schönen Wirbel für eine Leiche. Das ist meine Gelegenheit! Jetzt, JETZT! Ich reiße mir den künstlichen Nagel vom rechten Daumen hinunter. Darunter kommt der Stachel zum Vorschein, der das Gift enthält. Schnell, SCHNELLER!

Ich zerdeppere hastig die Kapsel an der Spitze, die das Petromotoxin enthält. Dann hole ich Schwung. Jabba ist genau neben mir. Und er hat nichts bemerkt. Ich stoße mit aller Kraft zu.

Was? An der linken Seite, wurde gerammt. Stürze. Au! Aufgeprallt, am Boden. Aaah! Im Gesicht. Etwas hat mich geschlagen. Blutgeschmack auf der Zunge. Noch einmal drischt es auf mich ein. Alles versinkt...

 

Was? Ich fasse mir ans Gesicht. Ganz geschwollen. In meinem Mund ist lauter Blut. Ich hab so eine böse Ahnung, was das angeht. Auf einmal erinnere ich mich an alles. Der Mordversuch! Jemand hat mich gerammt. Ich konnte Jabba nicht treffen! So schnell es möglich ist setze ich mich auf. Da steht Jabba, und er lacht. Neben ihm steht ein Gamorreaner der quiekt und grunzt und mit dem Finger auf mich zeigt. Jabba lobt ihn, legt ihm sogar eine Hand auf die Schulter. Mir wird alles klar. Dieser Gamorreaner hat mich aufgehalten. Ich hatte kaum eine Chance

Ich habe versagt! Jabba wird nicht sterben. Heute werde nur ich sterben! Im Sarlacc wahrscheinlich. Diese tausendmal verfluchte Schnecke! Stirb Jabba! Sei verflucht!

Und jetzt wird der Kleine von Jabba belobigt. Pah! Alles eine Lüge. Morgen wird Jabba seine Heldentat vergessen haben.

Mein Arm – er schmerzt so. Ich kann ihn nicht gescheit bewegen. Wahrscheinlich ist er gebrochen. Aber das ist jetzt auch schon egal. Ich bin tot. Ja, ich bin tot. Komisch. Ich sollte doch Angst haben. Oder mir wenigstens Fragen über das Jenseits stellen. So machen das normales Leute doch.

Jabba zeigt auf mich und er nennt mich Dreck. Nicht einmal wert, seine Zeit an mich zu verschwenden. Ich sei nur eine kleine Made, die er nun zerquetschen wird. Dann meint er, ich solle auch in den Sarlacc geschmissen werden.

Hmm, der Sarlacc. Eine furchtbare Art zu sterben. Aber das kommt nicht unerwartet. Ich sehe Jabba direkt in seine riesigen, orangen Augen. Er soll sehen, dass ich keine Angst habe. Er soll meinen Hass sehen, meinen Zorn. Er verstummt kurz. Packt dich jetzt die Ahnung, Jabba? Begreifst du es endlich? Woher ich komme, werden andere folgen. Und eines Tages, eines fernen Tages, wird dich ein Lebewesen, das du dir zum Feind gemacht hast, töten. Dein Leben hat ein Ablaufdatum, Jabba. Und es ist völlig gleich, mit wie vielen Wachen du dich umgibst. Es gibt immer einen größeren Fisch.

Aber schon kehrt seine Selbstsicherheit wieder zurück. Er listet mir die Qualen auf, die der Sarlacc angeblich verursacht. Du brichst mich nicht, Jabba! Ich bin dir überlegen. Mein Geist ist dem deinen bei weitem voraus. Und der Tod kümmert mich nicht.

Endlich ist er fertig mit seiner Ansprache. Alles jubelt und johlt vor Freude, dass sie einen erneuten Tod zu sehen bekommen. Ein neues Spektakel, das ein bisschen Aufregung in ihre langweiligen, stumpfen, grauen Leben bringt.

Jabba meint, dass ich ihn jetzt um Gnade anflehen könne. Dann lasse er mich vielleicht leben, und demütige und quäle mich nur als seine ewige Sklavin. Hahahahaha! Guter Witz.

Ich lache schallend los.

Jabba ist wütend. Er brüllt. Daraufhin führen mich die Gamorreaner auf ein Sandskiff und dort auf eine Planke. Ich sehe zurück. Da ist sie, die Kethanna, das letzte Ding, das ich in meinem ganzen Leben sehen werde. Darauf Jabba, der genüsslich meiner Hinrichtung wartet. Kommt mir so vor, als wenn mein Mordversuch, mein ganzes Leben vor Jahrhunderten gewesen wäre. Eine irreale Realität.

Ich drehe mich dem Abgrund zu. Reihen von Zähnen erwarten mich, ein Trichter mit einem Loch in der Mitte. Auch irgendwie unecht.

Ich blicke nach unten. Die Gamorreaner möchten mich schon über die Planke stoßen. Doch ich komme ihnen zuvor. Die können mich nicht töten, wenn ich meinem Leben selbst ein Ende setze!

Ich falle. Es ist glitschig, ich rutsche hinunter, auf das Loch zu. Ich wehre mich nicht. Die Zähne neben mir sind spitz und glatt. Da ist das Loch, die finsterste Finsternis, Dunkelheit. Alles um mich herum wird schwarz.

Ich platsche auf etwas auf. Es ist so eine Art See – ich kann mir schon denken, was das ist. Au! Brennen, meine ganze Haut. Aaah! Immer schlimmer. Ich beiße die Zähne zusammen. Es brennt so arg!

Plötzlich gar nichts mehr, wie weggeblasen. Höre meinen Puls. Schnell, hastig. Irgendwie bin ich völlig daneben. Wie auf Drogen. Man, bin ich dumm und kaputt. Was bedeuten diese weißen Flecken vor meinem Gesichtsfeld noch mal? Ich hab irgendwann davon gehört, glaube ich. Ja, da war doch irgendwann mal was. Sie werden immer größer. Auf einmal sehe ich Pai’kens Gesicht vor mir. Das Picknick, wir waren beim Picknick. Sie ist so sanft und schön. Beim Picknick. Die Sonne strahlt so hell, immer heller. Plötzlich wird alles weiß...

 

 

 

ENDE