From a certain point of view




Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





„Ich bin betrunken.

Es hat wirklich keinen Sinn mehr, es abzustreiten, ich bin tatsächlich betrunken. Es heißt ja, Selbsterkenntnis sei der erste Weg zur Besserung, aber in diesem Fall bezweifle ich, dass allein das Wissen, dass ich stockbetrunken bin die Auswirkungen des Risanischen Ales, das durch meinen Kreislauf fließt, eliminieren kann.

Stellen wir uns trotzdem den Tatsachen, mein alter Meister: Ich bin völlig betrunken, zum ersten Mal seit 10 Jahren. Ist das wirklich schon so lange her? Tja, sieht so aus. Schon ganze zwei Jahre nach Eurem Tod habe ich es ja tatsächlich geschafft, mit meiner Trauer ohne wöchentliche geheime Alkoholexzesse fertig zu werden. Das war auch nötig, sonst hätte ich von Mace wahrscheinlich irgendwann noch eine Therapie verordnet bekommen, so oft, wie er mich damals aus dem ‚Raven’ in der Nähe des Tempels heim schaffen musste.

Und heute bin ich wie ein Süchtiger zu seiner Droge zu meinem alten Lieblingsgetränk zurückgekehrt. Wenn man bedenkt, dass ich seit gut vier Stunden trinke, bin ich eigentlich noch in recht guter Verfassung. Immerhin rede ich bis jetzt nur mit Leuten, die seit 12 Jahren tot sind. Das Stadium, in dem ich mein Abendessen – ein exquisites Dinner zur Feier der heutigen Ernennungszeremonie – dem Abwassersystem zuführen werde, habe ich noch nicht erreicht. Noch. Nach dem bisherigen Verlauf schätze ich, dass ich in etwa zwei bis drei Stunden dort angelangt sein werde.

Hoffentlich ist Anakin dann entweder immer noch auf der Party oder schon im Bett- egal in welchem. Sollte er auf die Idee kommen, wie angekündigt noch hier vorbeizuschauen, sieht er seinen Meister heute zur Abwechslung mal in einem alles andere als vorbildlichen Zustand. Verzeihung, seinen ehemaligen Meister natürlich.

 

Wobei- womit will ich Anakin eigentlich schocken? Er hat schließlich seine eigenen Erfahrungen mit Alkohol... Nicht dass dieses Laster wie so viele andere zu seinen Fehlern zählt, das will ich nicht sagen... Aber genau wie ich ist er einem mitternächtlichen Drink nach einem harten Arbeitstag nicht abgeneigt. Eins der Dinge, die uns verbindet, genauso wie unsere Vorliebe für Ale.

Und da war dieser eine Abend vor kurzem, auf einer Mission... Wenn ich heute betrunken bin, muss für das Stadium, in dem Anakin vor ein paar Wochen war, ein neuer wissenschaftlicher Ausdruck erfunden werden. Zuerst habe ich gar nichts gemerkt, weil ich schon geschlafen habe, als er heimgekommen ist. Ich bin erst von dem dumpfen Knall aufgewacht, als er im Bad zusammengebrochen ist. Zuerst dachte ich, er hat sich etwas angetan – Liebeskummer kann einen in tiefe Depressionen stürzen, das weiß sogar ich – weil ich erstmal nur Blut gesehen habe, als ich in den Waschraum kam, aber Anakin ist nur beim Umfallen mit dem Hinterkopf an die Duschkabine geknallt.

Er hat es nicht mal gemerkt. Er hat zu diesem Zeitpunkt ein äußerst angeregtes Gespräch mit dem Waschbecken geführt und hat sich nicht sonderlich daran gestört, dass keine Antwort kam. Es hat mehr als eine Stunde und dreimal Übergeben gedauert, bis ich ihn endlich irgendwie ins Bett schaffen konnte. Das war das einzige Mal, dass ich Anakin je so gesehen habe. Ich habe ihm am nächsten Tag keinen Vorwurf gemacht. Er war mit seinen Kopfschmerzen schon gestraft genug.

Aber mich würde doch interessieren, was an diesem Abend vorgefallen ist. Natürlich spricht er mit mir nicht darüber. Die Zeiten, als wir uns gegenseitig Unterstützung und Trost angeboten haben und vor allem annehmen konnten, sind schon lange vorbei.

 

Auch deshalb wäre es mir lieber, wenn Anakin heute so lange wie möglich ausbleibt, bevor es zu einem Gespräch mit seinem Meister kommt, das uns beiden peinlich wäre... Verzeihung nochmals, mit seinem ehemaligen Meister natürlich. Mit heute ist es offiziell, mein Schüler ist kein Schüler mehr. Sein Padawan-Zopf ist abgeschnitten, unser Ausbildungs-Link durchtrennt.

Und wie Ihr Euch vermutlich bereits denken könnt, ist das auch der Grund für meine blendende Laune, mein alter Meister. Während andere Ausbilder an dieser Stelle eine Zeit lang Urlaub nehmen, sich auf einen ruhigen Außenposten versetzen lassen, wie ich in den Jedi-Rat berufen werden, in Weinkrämpfen ausbrechen oder sich sonst irgendwie darüber freuen, dass sie die Last ihres Padawans los sind, fällt mir nichts Besseres ein, als zu trinken. Eine verpfuschte Ausbildung zu betrinken, auf deren Ende ich schließlich bestanden habe, die ich selbst im Ratszimmer durchgesetzt habe... Ohne mir auch nur im Geringsten sicher zu sein. So habt Ihr Euch das nicht vorgestellt, als Ihr mich auf Naboo gebeten habt, mich um den Jungen zu kümmern, oder?

 

Nun, die anderen Ratsmitglieder waren nicht begeistert davon, Anakin in das Leben eines Jedi-Ritters zu entlassen, jetzt wo sowohl seine Arroganz als auch seine Unberechenbarkeit ihren Höhepunkt erreicht haben... Aber sie sind offensichtlich der Meinung, wir brauchen im Moment jeden fertigen Jedi, den wir kriegen können.

 

Außerdem hat Palpatine wie immer mit seiner politischen Faust auf den Tisch im Ratszimmer geschlagen.

 

Ach ja, was waren das noch für Zeiten, Meister, als Jedi noch nicht grün hinter den Ohren waren, Schüler ein Lichtschwertduell mit Meister Yoda länger als zwei Minuten aushalten mussten um auch nur für die Prüfungen in Erwägung gezogen zu werden, wir auf diplomatische Missionen statt in den Krieg geschickt wurden und der Kanzler den Rat noch um Dinge gefragt hat anstatt uns Anweisungen zu geben? Ich wünsche mir diese zivilisierten Tage zurück, Meister, und nicht nur, weil ich Euch immer noch mehr vermisse, als Ihr Euch vorstellen könnt.

 

Wie auch immer, wir stehen am Ende einer Ära, Anakin und ich. Nach 12 Jahren Ausbildung ist das Ergebnis, dass wir uns nicht einmal in die Augen sehen konnten, nachdem Meister Yoda mit dem Abschneiden seines Padawan-Zopfs meine Zeit als Anakins Lehrer offiziell beendet hat. Auch so ein Punkt, dieses lächerlich kurze Zöpfchen, das mir fast ein bitteres Lachen entlockt hat, das Anakin den Moment wohl völlig verdorben hätte. Gut, dass meine Selbstbeherrschung heute Nachmittag noch besser war als jetzt.

Ich weiß, Meister, man sagt, die Länge zählt nicht... Man verzeihe mir diese mehr als zweideutige Anspielung bei einem Teenager, der eine legendäre Erfolgsbilanz an Affären im Jedi-Tempel sein eigen nennen darf... Aber in diesem Fall muss ich widersprechen. So wie man an Anakins Padawan-Zopf all die Jahre erkennen konnte, dass er viel zu spät in den Tempel aufgenommen worden ist, so wusste auch heute jeder, der der Ernennungszeremonie beiwohnte, dass Anakin nur halb so lange trainiert worden ist wie eigentlich notwendig gewesen wäre um auch nur einigermaßen sicherzustellen, dass er bereit ist, auf eigenen Beinen zu stehen.

 

Aber das ist ja nur meine bescheidene Meinung. Ich bin nur sein Lehrer, was weiß ich schon?

Bitter? Ich?

Verzeihung, Meister Qui-Gon, darüber sollte sich jemand wie Ihr, der Bitterkeit zum Prinzip erhoben hat, wirklich nicht beschweren. Warum spreche ich überhaupt mit Euch? Ich meine, außer aus dem Grund, dass ich gerade die dritte Flasche Ale öffne? Schließlich ist es ja kein Geheimnis, wer mir das alles eingebrockt hat, nicht wahr?

Ich habe Euch vorhin gesagt, dass ich zwei Jahre lang um Euch getrauert habe, bis ich endlich akzeptieren konnte, dass ich einfach zu unfähig war, Euch vor diesem Sith in Theed zu retten... Aber ich war nicht nur traurig. Ich war auch wütend. Ich bin immer noch ziemlich wütend. Hey- ich habe es tatsächlich laut ausgesprochen... Und das ganz ohne Therapie. Mace wäre stolz auf mich. Ich bin ziemlich wütend auf Euch, Meister.

Hallo, mein Name ist Obi-Wan Kenobi, und ich bin ziemlich wütend auf meinen ehemaligen Meister, der mir vor seinem Tod eine Bürde aufgelastet hat, für die ich ganz einfach nicht bereit war... Und ihr wusstet das!

 

Ich glaube, das ist es, was mich wirklich stört. Ihr wusstet, dass ich weder bereit für die Prüfungen noch bereit dafür war, selbst einen Schüler zu nehmen. Und trotzdem habt ihr mich darum gebeten. Ihr habt genau gewusst, dass ich Euch diesen Wunsch nicht abschlagen konnte, auch wenn sich alles in mir dagegen gesträubt hat, ein halbwüchsiges, verzogenes Gör unter meine Fittiche zu nehmen, nur weil Ihr und Meister Windu der Meinung wart, es sei zufällig der Auserwählte.

Und wenn! Seit wann ist die Prophezeiung zum Eckpfeiler unseres Glaubens geworden? Die Macht ist der Eckpfeiler unseres Glaubens! Das habt ihr mir jedenfalls immer gepredigt.

Und dann habt Ihr mich mit diesem Kind allein gelassen, mit dieser Bitte, die doch nichts anderes als ein Befehl war, mit der lapidaren Begründung, die ich als letzten Gedanken in Eurem Geist sehen konnte, bevor ich begriffen habe, dass Ihr aufgehört habt, zu atmen...

 

‚Allen anderen kann ich einfach nicht trauen, Obi-Wan.

 

Was sollte das bitteschön heißen? Dass Ihr mir einen Gefallen tun wolltet? Dass es eine Ehre war, Anakin als Schüler zu nehmen, weil Ihr mir so vertraut habt? Oh, bitte! Ihr hattet nur ganz einfach keine Wahl, und wenn es nicht mehr als zwei Flaschen Ale braucht, damit ich Euch das endlich einmal offen vorwerfe, sollte ich froh sein, dass Ihr mich jetzt nicht hören könnt, Meister, denn ich weiß, dass – sofern  ich mich morgen noch daran erinnere – mir diese Vorwürfe in nüchternem Zustand leid tun werden.

 

Aber im Moment tut es gut, wütend zu sein. Es fühlt sich richtig an, und vielleicht ist es nötig, dass ich einmal trotzend vor mich hin schmolle, wie das Anakin so gern als Kind gemacht hat. Nur eins der Dinge, mit denen er mich regelmäßig in den Wahnsinn getrieben hat.

Das ändert natürlich nichts daran, dass ich weiß, dass ich falsch liege. Wer bin ich denn, Euch Vorwürfe zu machen? Ausgerechnet ich! Meister Yoda gegenüber durfte ich es nicht zeigen, in diesem schicksalhaften Gespräch, als er mir erlaubt hat, Anakin auszubilden... Aber ich wusste damals schon, dass ich mich einer unmöglichen Aufgabe stellte, auch wenn ich es mir selbst niemals eingestanden hätte.

Wie war das: Die besten Lügen erzählt man sich selbst?

Auch ein Spruch, den Ihr mir gern gepredigt habt, wenn ich mich richtig erinnere, Meister. Lassen wir doch die Lügen der letzten Jahre Revue passieren.

Ich habe mir erfolgreich vorgemacht, ich würde Anakin ebenso gut ausbilden können wie Ihr.

Oder vorher noch: Ich habe mich für den perfekten Padawan gehalten, dabei war ich nicht einmal fähig, Euch vor dem Tod zu retten.

Ich habe noch an Palpatine und seine Befehle geglaubt, als Meister Yoda längst wusste, dass wir ihn besser im Auge behalten müssen. Ich war nie so ein Freund von Palpatine wie Anakin, aber ich habe lange geglaubt, dass er irgendwo in seinem Herzen mit den besten Absichten an sein Amt herangegangen ist. Nun, die besten Absichten wollen wir nicht abstreiten, nicht wahr? Die größten Katastrophen in dieser Galaxie sind passiert, weil irgendjemand die besten Absichten hatte.

Aber die wohl größte Lüge, die ich mir bis heute vorgemacht habe, war, dass ich Euch nicht enttäuschen würde. Dass ich trotz aller Schwierigkeiten Anakins Ausbildung so abschließen würde, dass Ihr stolz auf mich sein könnt.

Und was hab ich erreicht? Ich habe Anakin zu einem arroganten, unreifen und unberechenbaren jungen Mann erzogen, der nicht etwa wegen genau diesen Eigenschaften aus dem Orden ausgeschlossen wird, sondern dem man als Kriegsheld zujubelt. Wenn er in ein paar Monaten im Jedi-Rat landen würde, wäre ich nicht einmal überrascht. Ich sollte besser sicherstellen, dass er nicht auf dem Stuhl neben mir sitzen wird, sonst könnte es passieren, dass ich ihm irgendwann ins Gesicht springe.

Der Witz dabei ist... Ich mag Anakin. Ich weiß, dass ich ihm das oft nicht zeige, aber ich mag ihn wirklich. Sonst hätte ich wohl im Laufe der Jahre das Handtuch geworfen, Versprechen hin oder her.

 

Und das ist noch so ein Problem an der ganzen Sache: ich habe von Euch nie gelernt, die nötige Distanz zu einem Schüler zu halten. Als Ihr Euch in die lebendige Macht verabschiedet habt, habt Ihr mir das Herz herausgerissen und hinter diesem Sith her in den Reaktorschacht geworfen. Ich denke, Ihr habt genau gewusst, wie sehr ich Euch geliebt habe, Meister, und Ihr habt nichts getan, um diese Gefühle zu unterbinden.

 

Nach allem, was Ihr für mich getan habt, habe ich Euch am Ende nur noch eins abverlangt, auch wenn ich es nie wirklich ausgesprochen habe... Euch so lieben zu dürfen wie ein Sohn seinen Vater liebt.

 

Anstatt mich das zu lehren, was man als Padawan sonst eingetrichtert bekommt – es  gibt keine Liebe, Frieden gibt es – habt  Ihr mir genau diese Nähe weiter gegeben, die ich so an unserer Beziehung geschätzt habe.

 

Ich hätte Anakin von Anfang an ganz anders behandeln müssen, das ist mir inzwischen klar. Woher soll er Grenzen kennen, die ich selbst nicht eingehalten habe? Es wäre vieles anders verlaufen, wenn Ihr Euch nicht immer so verdammt stur gegen die Gesetze des Ordens gestellt hättet. Ihr habt es verstanden, Gebote so sehr zu biegen, bis nur mehr Yodas Geduld sie daran hinderte, zu brechen.

Ich als Euer ehemaliger Schüler folge diesem Beispiel natürlich pflichtschuldigst. Ich sehe weg, wenn Anakin und ich der Senatorin von Naboo über den Weg laufen und die beiden sich ansehen, als wäre ich gar nicht dabei.

 

Anakin gibt sich solche Mühe damit, in solchen Situationen seinen Geist vor mir abzuschirmen, dass er auf seine Mimik vergisst. Ich müsste die beiden nicht einmal beobachten, um zu wissen, dass alle Hoffnung vergebens war... Natürlich ist er immer noch in sie verliebt.

 

Und was mache ich anstatt zum Rat zu gehen und um eine Untersuchung zu bitten? Ich schüttle Anakin die Hand, stoße mit ihm auf seine Beförderung an und freue mich, dass unser Verhältnis nach der Geonosis-Krise endlich wieder einigermaßen zu stimmen scheint. Die besten Absichten, aber ja!

Nun, von einem gewissen Standpunkt aus sicher.

Lasst uns anstoßen, Meister Qui-Gon, auf den Tag, welcher der Höhepunkt der letzten Jahre hätte sein sollen...

 

 

 

 

 

Eine halbleere Flasche zerschellte auf dem Boden des Wohnzimmers, als Obi-Wans vom Alkohol geschwächter Körper den Dienst verweigerte und dagegen protestierte, noch einmal aufzustehen, um Nachschub an Ale zu holen, statt dessen halb besinnungslos auf dem Sofa liegen blieb. Es war ihm egal. Er spürte, dass ihn eine Mischung aus Schlaf und Bewusstlosigkeit einfing, und das war im Anbetracht der Umstände eindeutig die beste Lösung.

In seinem Zustand konnte er die traurige, verstörte Stimme in seinem Kopf nicht mehr hören, die vergeblich versuchte, ihm mit ein paar einfachen Worten Trost zu spenden, die er zu Lebzeiten nie von seinem Meister gehört hatte, aus Gründen, die er vielleicht erst heute Abend richtig verstanden hatte. ‚Ich habe dich auch geliebt, mein alter Schüler.’

 

 

 

 

 

„Meister?“ Anakin hatte sich nicht mit fremden Betten aufgehalten, wie Obi-Wan vermutet und zweifellos gehofft hatte, solange sich diese Betten nicht im Quartier der Senatorin von Naboo befanden, hatte die lange Feier aber trotzdem ausgiebig genossen und kam erst, als es schon wieder dämmerte, zu Obi-Wans Quartier.

Er hatte sich gewundert, dass Obi-Wan so früh von der Party verschwunden war, hatte aber sein abgeschaltetes Comlink-Signal respektiert und ihn nicht stören wollen. Jetzt, vor der Abreise zu ihrer nächsten Mission, wollte er die frühe Stunde nutzen, um sich ein wenig mit Obi-Wan zu unterhalten, wie sie das schon lange nicht mehr gemacht hatten.

Konkret: Er wollte sicherstellen, dass Obi-Wan immer noch keinen Verdacht schöpfte, was Anakins heimliche Heirat mit Padmé betraf, das Thema dann so schnell wie möglich abschließen und zur Abwechslung einmal für seinen ehemaligen Meister da sein, so wie dieser die ganzen letzten Jahre für ihn da gewesen war. Anakin wusste natürlich, dass dieser Tag nicht leicht für Obi-Wan war. Vielleicht würde ein tiefsinniges Gespräch helfen, einige Barrieren abzubauen, die in der letzten Zeit immer stärker geworden waren...

Er blieb wie angewurzelt mitten im Wohnzimmer stehen, das roch wie das ‚Raven’ gegen Mitternacht.

 

Der Boden triefte vor Ale aus einer zerbrochenen Flasche. Und diese zusammen gekrümmte Silhouette da auf dem Sofa war wohl Obi-Wan. Anscheinend waren gewisse Barrieren bereits gefallen, während Anakin auf der Party gewesen war.

 

„Da will ich einmal einen väterlichen Rat von dir, und dann besäufst du dich.“ Anakin schirmte sich so gut es ging vor dem Alkoholgeruch ab um nicht allein davon selbst betrunken zu werden und beugte sich zu Obi-Wan hinunter, versuchte ihn wachzurütteln. „Hey!“

 

Obi-Wan brummte etwas Unverständliches, rührte sich aber nicht.

 

„Wunderbar“, murmelte Anakin. „Okay, genug für heute. Ich schaffe dich jetzt in dein Bett, egal wie.“

 

„Geh schlafen, Padawan“, knurrte Obi-Wan in das Kissen unter ihm. „Ich versuche gerade zu trinken.“

 

„Das seh ich“, kommentierte Anakin. „Jetzt nicht mehr.“ Er zog Obi-Wan irgendwie auf die Beine und dirigierte ihn unmissverständlich ins Schlafzimmer.

 

„Das ist so entwürdigend“, proklamierte Obi-Wan mit nicht mehr ganz sicherer Stimme.

 

„Dass du noch so geschwollen reden kannst, wenn du betrunken bist...“

Anakin verfrachtete ihn in sein Bett und programmierte den lautesten Wecker im Raum. Hoffentlich würde Obi-Wan in ein paar Stunden wieder soweit fit sein, dass er den schrillen Signalton überhaupt hörte. „Gute Nacht.“

Er verließ den Raum so leise wie möglich, was eigentlich gar nicht nötig war: Obi-Wan schnarchte bereits melodisch vor sich hin.

Und jetzt? Verständnislos betrachtete er die leeren Flaschen auf dem Boden. Was war hier passiert? Er konnte sich nicht erinnern, Obi-Wan je so gesehen zu haben. Einen Moment lang zog er in Erwägung, sich das Videolog des Abends anzusehen, was vielleicht Aufklärung geschaffen hatte...

Aber dann zog er es doch vor, selbst ins Bett zu gehen. Es lagen harte Tage vor ihm. Und schließlich war es nicht so, als ob Obi-Wan und er sich im Moment viel zu sagen hatten, jetzt, wo die Ausbildung vorbei war.



ENDE