Das Attentat




Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Schweren Herzens wandte sich Sylvar ab. Sie verließ den Tempel, um nie wieder zurück zu kehren.
Es herrschte Krieg. Die Separatisten bereiteten der Republik große Schwierigkeiten. Und Sylvar war erschreckt über den Lösungsweg der galaktischen Regierung: Klone. Sie wusste, dass viele andere Jedi ihre Meinung teilten. Selbst wenn die Klone nur gezüchtet wurden, so waren sie doch lebendige Wesen, die man ihrer Meinung nach nicht als Kampfdroiden missbrauchen sollte.  

Sylvar war eine idealistische junge Cathar, die nach einer großen Heldin ihres Volkes benannt worden war, die passender weise auch den Weg der Jedi eingeschlagen hatte. Im großen Sith-Krieg vor über viertausend Jahren hatte ihre Namensvetterin großes geleistet. Sylvar hatte ihr Leben ganz nach den Überlieferungen ihres großen Vorbilds gestaltet. Seit ihrem Ritterschlag waren nunmehr vier Jahre vergangen. Und seit eineinhalb Jahren tobten bereits die Klonkriege. In dieser Zeit hatte Sylvar, wie viele andere auch, den glauben an die Jedi und die Republik verloren. Korruption höhlte den Senat aus. Mit jedem Tag kamen neue Sicherheitsvorschriften hinzu, die den Bürgern der Republik das Leben zusätzlich erschwerten. Hier auf Coruscant war das am deutlichsten zu spüren. Auch missfiel es der jungen Cathar, dass die Jedi zu Generälen verkamen. Sie wollte mit diesem Orden nichts mehr zu tun haben. Sie würde den Weg der Jedi auf ihre eigene Art fortführen, eine graue Jedi werden, wie Meisterin Fay.

Die Legende der mächtigen Jedi Fay, die in den vielen Jahrhunderten ihres Lebens nicht ein einziges Mal nach dem Lichtschwert gegriffen haben soll, hatte sie schon immer begeistert. Die Jedi hatten schon Geschichten über sie erzählt, als Meister Yoda (den Sylvar ebenfalls sehr schätzte) noch ein Padawan war. Viele hielten sie für unsterblich, vielleicht die mächtigste Jedi aller Zeiten. Vor sechzehn Monaten brachte allerdings der Jedi Obi-Wan Kenobi die Nachricht von ihrem Tod.

Dieses Ereignis war für Sylvar der Anfang vom Ende. In dieser Zeit hatten sch immer mehr Jedi der Dunklen Seite angeschlossen, selbst so angesehen Jedi wie Sora Bulq.

Sylvar öffnete die Türe von Dex’s Dinner. Nur wenige Gäste befanden sich darin. Dexter Jettster verstand sich gut mit den Jedi und auch Sylvar gehörte zu seinem Freundeskreis. Traurig ließ sie sich auf eine Bank plumpsen.

Hermione Bagwa kam zu ihrem Tisch.

„Was darf’s sein, Schätzchen?“

Sylvar seufzte: „Sag doch Dex bitte, dass Sylvar hier ist.“

Die Bedienung verschwand in der Küche und ein paar Minuten später kam Dex heraus.

Er grinste breit. „Sylvar, altes Fellknäul, schön dich zu sehen.“

Sylvars katzenhafte Züge erhellten sich ein wenig. Dex quetschte sich ihr gegen über auf eine Bank.
„Was gibt’s, Mädchen?“, fragte er freundlich. „Warum ziehst du so ein Gesicht?“

Sylvar wurde kurz von seinen vier Armen abgelenkt, die nebenher irgendein Gericht zubereiteten.

„Es sind die Jedi. Ich gehe“, teilte sie ihm mit.

„Warum denn?“ Der Besalisk sah sie überrascht an.

„Ich dachte, die Jedi wären dein Ein und Alles.“

„Der ursprüngliche Orden.“ Sylvar legte resigniert ihre Hand auf die Stirn. „Aber meiner Meinung nach, ist der Ursprüngliche Orden schon seit langer Zeit tot. An allem ist der Senat Schuld. Deswegen trete ich aus.“

Dex sah sie mitleidig an. „Hast du es ihnen schon gesagt?“

„Nein, sonst würden sie mir mein Lichtschwert wegnehmen Ich“, sie stockte kurz, „gehe einfach. Irgendwo ins Outer Rim Territorium. Weit weg von diesem verdammten Krieg. Ich wollte es nur noch jemandem erzählen.“

Sie sah ihn mit ihren schönen, grünen Mandelaugen an.

„Du wirst mich doch nicht aufhalten, oder?“

Dex lächelt sie breit an.
„Ich wäre der letzt. Ich denke genauso wie du. Diese ‚Notstandsgesetzte’ gehen mir immer mehr auf den Keks. Wenn das so weiter geht, wander’ ich auch aus. Und dann noch dieser Patriotenquatsch mit dem Kanzler: lässt die ‚Republikanische Jugend’ vor sich aufmarschieren. Nee, nee. Du tust gut an dem, was du tust.“

Sylvar stand auf, Dex tat es ihr nach. Eine Träne stand in ihrem Auge. Sie umarmte Dex, der dabei fast sein halb fertig zubereitetes Gericht fallen ließ, und verließ das Restaurant.


Vorerst mietete sich die ehemalige Jedi in einem kleinen Appartement weit weg vom Jedi-Tempel ein. In den nächsten Wochen würde sie versuchen, eine Schiffspassage von Coruscant nach Nar Shadda zu ergattern, was sich im Moment als schwierig erwies, da viele Coruscant verließen wie Ratten ein sinkendes Schiff. Allerdings kamen etwa genauso viele von den äußeren und umkämpften Planeten zur Hauptwelt, dass es sich in etwa ausglich.

In der nächsten Woche fühlte sie sich unheimlich allein. Ihr einziger Begleiter war die Langeweile, die nie von ihrer Seite wich.

In der Zeit des Wartens durchstreifte sie die Straßen von Coruscant und sah, wie sich der Krieg auf die ärmeren Gesellschaftsschichten auswirkte. In den unteren Ebenen hatte sich die Situation drastisch verschlimmert. Es gab viele, die alles verloren hatten und sich als Gauner durchschlugen. Brutalität war an der Tagesordnung.

Nach einer Woche hielt es Sylvar beinahe nicht mehr aus.

Sie war wieder einmal unterwegs um sich Lebensmittel zu besorgen, als sie auf eine Verhaftung aufmerksam wurde. Einige Klontruppen hatten einen Rodianerjungen ergriffen, der ein Brot gestohlen hatte. Die ganze Wut über die Situation der Republik und über ihre eigene Lage entlud sich in ihr. Sie zog ihr Lichtschwert und stürmte auf die bemitleidenswerten Soldaten zu. Die Klone hatten keine Chance. Sylvar war eine hervorragende Lichtschwertkämpferin. Eine Zeit lang hatte sie sogar Mace Windu unterrichtet. Sie benutzte Ataru, den akrobatischen Lichtschwertkampfstil. Elegant wirbelte sie durch die Luft und tötete einen Klon nach dem anderen, bis ein Haufen weißer Rüstungen die Straße säumten. Der kleine Rodianer sah sie verängstigt an und rannte weg.

Schwer atmend kam Sylvar auf dem Boden auf und deaktivierte ihr Lichtschwert. Erst da wurde ihr klar, was sie eigentlich getan hatte. Sie ließ einen Schwall Flüche los und rannte dann ebenfalls weg. Diese Aktion würde ihr noch großen Ärger bringen. Man würde die Leichen sicher bald finden und erkennen, dass ihre Wunden von Lichtschwertern herrührten. Sylvar war so gut wie geliefert.

Wieder in ihrem Appartement angekommen, überlegte sie krampfhaft, wie sie aus dieser Situation wieder herauskommen könnte. Ein geschickter Jedi bräuchte keine zwei Stunden, um sie zu finden. Zuerst musste sie aus dieser Wohnung raus. Sie packte ihre wenigen Habseligkeiten ein und stürmte zum Ausgang.

Bald darauf hatte sie sich ein Versteck gesucht und überlegte weiter. Ihre Gedankengänge führten sie immer weiter ab von sich selbst. Sie war mehr oder weniger auch nur ein Opfer dieses Krieges, wie viele andere auch. Sie suchte nach den Ursachen, nach logischen Gründen. Die Jedi hätten das sicher schon getan, hätten sie nicht so viel mit ihren Generalspflichten zu tun.

Letztendlich kam Sylvar zu einem erschreckenden Ergebnis: Der Mann, dem der Krieg am meisten nützte, war der Kanzler. Woche für Woche bekam er neue Sondervollmachten. Palpatine scheffelte Macht. Er hatte dem Senat zwar versichert, dass er sie nach dem Ende des Krieges sofort abgeben würde, aber wer wusste, wie lange sich dieser Krieg noch zog. Alle Fäden des Geschehens führten zum Oberhaupt der Republik.

Und dann fasste sie einen Entschluss: sie würde sich zum Wohle der Republik opfern. Sie würde den Kanzler töten. Wahrscheinlich würde der Senat sie nach dieser Tat zum Tode verurteilen, aber sie würde in der Gewissheit sterben, dass sie das richtige getan hatte.

In den unteren Bereichen des Stadtplaneten waren die Sicherheitsmaßnahen wegen der toten Klone noch verstärkt worden. Sicherheitstruppen suchten nach der Mörderin und auch im Jedi-Tempel begann man Sylvar zu vermissen.

Sorgfältig hatte die junge Jedi ihr Attentat vorbereitet. Sie hatte die Republica 500 eine Woche lang observiert und Lüftungsschächte, Fahrstühle und ähnliches Überprüft. Palpatines Gemächer wurden natürlich besonders hart überwacht. Überall befanden sich die roten Garden, die der Kanzler zu seinem Schutz angeschafft hatte.

Schließlich war der Tag gekommen. Sie überlegte sich noch, ob sie vielleicht wahnsinnig geworden war. Vielleicht bildete sie sich die Zusammenhänge ja nur ein und der Kanzler war in Wirklichkeit ein guter, ehrenhafter Mann.

Sie sammelte ihre Gedanken wieder. Natürlich war er das nicht. Er war machtgeil. Er war ein Feind der Republik.

Die Cathar bewegte sich vorsichtig durch die Lüftungsschächte. Sie würde eine Wache nach der anderen möglichst leise Ausschalten. Dann würde sie „offiziell“ zum Kanzler gehen und ihm sagen, dass der Jedi-Rat sie geschickt habe, um ihm eine Nachricht zu überbringen. Wenn er sich in Sicherheit wiegte, würde sie ihn umbringen.

Ihr Plan schien tadellos zu funktionieren. Sie spürte die Wachen auf, tötete sie geräuschlos und versteckte die Leichen. Der Kanzler konnte keine Hilfe mehr rufen. Dann schlich sie sich aus dem Gebäude, betrat es durch den Haupteingang und meldete sich an.

Sie fuhr mit einem der Fahrstühle nach obern. Der Kanzler erwartete sie mit freundlicher Miene in seinem Büro.
„Was möchte der Rat?“, fragte er. Sylvar musste schlucken. Palpatine sah so gar nicht wie ein machthungriger Politiker aus. Er wirkte nett, lächelte freundlich.

„Es tut mir Leid, aber Eure Amtszeit ist vorbei, Kanzler.“ Sie zog ihr Lichtschwert und eine saphirfarbene Klinge sprang fauchend aus dem Metallzylinder.

Palpatines Lächeln veränderte sich. Jetzt sah er sie höhnisch an.

„Was soll das?“, fragte er in gespielt entrüstetem Ton.

„I- Ihr seid der Schuldige am Krieg“, begann sie. „Ihr müsst vernichtet werden.“

„Du hast Recht, mein Kind. Ich bin der Schuldige am Krieg. Aber du wirst sein Ende nicht mehr erleben.“
Sylvar lächelte kurz. „Eure Wachen sind tot.“

Der Kanzler lächelte immer noch. Er bewegte sich auf eine steinerne Skulptur zu.


„Ich spiele nicht auf die Wachen an.“
Ein lautes Knirschen ertönte. Etwas flog mit rasender Geschwindigkeit in Palpatines Hand. Rotes Feuer kam aus seiner Faust.

„Ein Lichtschwert“, rief die junge Jedi überrascht. Palpatines Gesicht wirkte nun nicht mehr freundlich. Seine Züge waren jetzt kalt und hart.

„Wir lange habe ich darauf gewartet, endlich mal wieder einen Jedi zu töten. Glaubst du wirklich, dein stümperhafter Attentatsversuch hätte funktioniert? Meine Wachen haben dich schon vor einer Woche bemerkt. Dein Plan ist lächerlich. Glaubst du wirklich, du wärst noch am Leben, wenn ich es nicht wollte.“
Sylvars Hand verkrampfte sich. Wie konnte sie nur so dämlich sein. Aber es blieb immer noch ein Ausweg. Sie konnte den Kanzler im Duell schlagen. Sie hatte zwar keine Ahnung, wo er das Lichtschwert her hatte, aber er war kein Jedi. Und er war alt.

Sie stürzte sich ungestüm nach vorn. Er parierte ihren Angriff mit Leichtigkeit. Erneut schlug sie zu und wieder wehrte er ab. Er blieb in der Defensive. Seine Abwehr war hervorragend und undurchdringlich.
„Deine Kräfte sind nichts im Vergleich zu meinen“, lächelte er sardonisch.

Dann ging er in die Offensive. Mit kurzen Stichen und harten Schlägen drängte er sie immer weiter zurück.
„Woher…?“, keuchte sie.

„Ich das kann?“, vollendete er. „Nur ein Narr würde einen Sith-Lord herausfordern.“

Das Blut stockte in ihren Adern. Sith-Lord? Natürlich, alles machte Sinn. Er war der Sith-Meister. Er hatte den Konflikt auf Naboo ausgelöst, der ihn dann zum Kanzler gemacht hatte.

Noch einmal wagte sie einen Angriff. Ihre Klinge schlug krachend auf seine. Dann hatte er ihr das Lichtschwert aus der Hand geschlagen. Er fuhr seine eigene Klinge ein.

„Dein Können ist nichts im Vergleich zu meinem.“

Er streckte seine Hände aus und gleißende Machtblitze schossen daraus hervor. Sylvar wand sich am Boden. Sie schrie laut auf. Die Qual wurde immer schlimmer. Auf dem Gesicht des Sith breitete sich ein sadistisches Grinsen aus. Die Welt begann dunkler zu werden, alles verschwamm. Ihre Lebenskraft verließ ihren Körper. Aber sie starb in dem Wissen, dass sie Recht hatte.


Palpatine steckte sein Lichtschwert zurück in die Skulptur. Vor ihm auf dem Boden lag eine rauchende Leiche. Er rief Mas Amedda, um sie zu entfernen. Er musste zugeben, dass er der jungen Jedi durchaus dankbar war. Er bekam viel zu selten eine Gelegenheit, um seine Fähigkeiten zu trainieren. Und er musste sich in Schuss halten.

Was, wenn Jedi wie Mace Windu oder Yoda ähnliche Schlüsse zogen, wie die Tier-Jedi?
Nun konnte er sich wieder seinen wichtigen Geschäften widmen. Er öffnete ein Geheimfach an seinem Schreibtisch und holte seine Kutte heraus. Er streifte sie über und aktivierte einen Hologrammprojektor, der ihn mit Darth Tyranus verbinden würde. Er wollte von seinem Schüler einen Bericht über die Schlacht von Jabiim. Seine Pläne gingen auf. Nicht mehr lange und er würde der Herrscher der Galaxis sein.


ENDE