Das Erwachen



Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





"Greift mich an!"
Es war ein Befehl, mit scharfer und unerbittlicher Stimme gesprochen - doch er stieß auf taube Ohren. Den derjenige, dem er galt, wollte nichts hören und nichts sehen, und konnte nichts fühlen: eine große Leere hatte selbst die tiefe Verzweiflung verschlungen, die am Ende geblieben war.
An ihre Stelle trat der Wunsch nach einem würdigen Ende.
So wie es einem Krieger vorherbestimmt war.

*

Vor seinem geistigen Auge erstanden Erinnerungsfetzen, Kriege und Schlachten zogen vorüber, doch er wusste nicht mehr, wer Freund oder wer Feind gewesen war, auf welcher Seite er gekämpft hatte. Wie Nebelschwaden glitten diese Bilder dahin, bis sie schließlich ganz verblassten. So sehr er sich auch bemühte, sie zurückzuholen - sie waren unwiederbringlich fort, als habe man einen Datenspeicher gelöscht.
Aber ein Bild schlich sich aus den Tiefen seiner Seele heran.
Das Bild eines Monsters aus Metall, Kunststofflegierungen und Datenkanälen, die in einer obszönen Karikatur den Knochen, Muskeln und Adern eines lebendigen Wesens nachempfunden worden waren. Dieses Monster lauerte auf ihn, wartete auf ein Zeichen der Schwäche, um zuzupacken und ihn zu zermalmen ...

Er stand einfach da.
Gefangen in etwas, das er noch nicht zu akzeptieren gelernt hatte und das andere einen Körper nannten. Für ihn war es eine groteske Verhöhnung der Wirklichkeit, die andere als wahr und erstrebenswert ansahen. Einer erdrückenden Wirklichkeit, die ihm mit einem Mal einen eisernen Ring um die Brust legte.
Verzweifelt rang er nach Luft.

Doch nur für einen Moment, dann übernahmen die Maschinen in seinem Inneren die Kontrolle, verdrängten jedes irrationale Kommando seines Gehirns, denn es oblag nicht mehr dieser fehlbaren Masse aus Gewebe und Synapsen die elementaren Entscheidungen zu fällen.
Er spürte, wie elektrische Impulse - blauem, zischendem Feuer gleich - durch seine Wirbelsäule rasten oder besser das, was davon noch übrig war. Diese Impulse versetzten ihn in Sekundenschnelle in einen Zustand der höchsten Effektivität - und versorgten seine Lungen nebenbei mit genau der Menge an Sauerstoff, die erforderlich war, ohne dass sein Nervensystem sich mit dem Atmen abgeben musste, denn das tat eine komplizierte Mechanik für ihn.

Zudem leiteten die Impulse den Befehl für erhöhte Wachsamkeit weiter, obwohl es ihm vollkommen gleichgültig war, was im nächsten Augenblick geschehen würde.
Er wartete, die Augen geschlossen, während sein Körper langsam eine andere Haltung annahm - teilnahmslos -, denn es gelang ihm, den fremden Willen, der gegen ihn arbeitete, mit seinem eigenen zu verbinden, die sensibleren Datenströme zu bündeln und zu lenken, gegen die absolute Unterwerfung von kalter Logik und sklavischem Gehorsam anzukämpfen.

*

"Es verweigert den Befehl!"
Eine andere Stimme diesmal; leicht weinerlich und empört zugleich, mit einem deutlich wahrnehmbaren Zittern, das Unsicherheit oder vielleicht auch Angst ausdrückte.
"Wir waren der Ansicht, dass es bereit ist, zumal San Hill mir versicherte, dass alle Tests erfolgreich abgeschlossen worden seien und ..."
"Nur Geduld, Vizekönig."
Wieder die erste.
"Das Experiment ist bis jetzt zur Zufriedenheit aller verlaufen. Oder sollte ich lieber sagen, zur Zufriedenheit der Separatisten und der meinen?"
Ein leises Lachen ertönte und dann: "Es ist offensichtlich, dass der General andere Ansichten hegt."

*

Die Stimme war näher gekommen - so nahe, dass seine feinen Sensoren die Körperwärme des Wesens, seine Gestalt und Beschaffenheit zu einer Analyse heranziehen konnten. Er musste sein Gegenüber nicht sehen, um sagen zu können, dass es sich um einen Menschen handelte.
Der Mann kam noch weiter heran, weit mehr als die Höflichkeit erlaubte.

*~~~*

"Vielleicht hättet Ihr doch besser den Tod gewählt", flüsterte der Mensch, während er den, dem diese Worte galten, in Augenschein nahm.
In voller Größe beeindruckend hoch und von einem solch imposanten und zugleich erschreckenden Äußeren, dass man ihn für einen lebendig gewordenen Albtraum halten konnte.
Zugleich aber ein Geschöpf, welches sich seiner Macht noch nicht bewusst geworden, welches in einem Traum gefangen war, aus dem es erst gerissen werden musste. Nein, geleitet, verführt, wenn diese Macht einem höheren Ziel dienstbar sein sollte.
"Oder seid Ihr stark genug. Besessen genug ...?" fragte der Mann spöttisch. "Es liegt ganz bei Euch. Wir können dem immer noch ein Ende bereiten ..."

*~~~*

Seine Sensoren registrierten einen leichten Druck auf seiner Brust, dort wo die Duraniumplatte seine Eingeweide schützte, und wo sein Herz schlug. Es war die federleichte Berührung einer Hand. Ein seltsames Kribbeln bildete sich in seinem Oberkörper, so als würden elektrische Ströme zu kriechen beginnen und sich einen Weg dorthin bahnen, wo sein Lebensfunke verborgen war, um ihn zum Erlöschen zu bringen.
War es nicht das, was er immer wieder herbeigesehnt hatte?
Ein Ende?

Aber ein Teil in ihm - ungestümer und drängender, je länger sein unnatürliches Dasein währte - verwahrte sich gegen die Vorstellung der Vergänglichkeit. Er hatte unvorstellbare Qualen über sich ergehen lassen.
Sollte alles umsonst gewesen sein?
War es nicht klüger, die Gelegenheit beim Schopfe zu ergreifen und festzustellen, was die ... Veränderung bewirkt hatte? Zu sehen, ob San Hill sein Versprechen gehalten hatte ...
Er öffnete langsam die Augen.

*

"Ah, ... Sehen Sie, Vizekönig. Es kommt auf die Worte an, die man wählt und das, was man anbietet."
Die Stimme entfernte sich ein wenig, klang zufrieden, angenehm.

*

Sein Blick fiel auf den Sprecher hinunter. Ein schlanker hochgewachsener Mann in dunkler Kleidung, der Eleganz und Noblesse ausstrahlte und der trotz seines Alters kraftvoll wirkte.
Der Mensch lächelte leicht, während er sich umdrehte und gelassen zu einem Wesen trat, welches auf einem seltsamen Stuhl mit vier beweglichen Beinen saß.
Dieses Wesen - dieser Neimoidianer schaltete sich der Bereich seines Gehirns ein, der mit allerlei Daten gefüttert worden war und alle notwendigen Informationen vorhielt - verzog das Gesicht.

*

"Es sollte eine andere Programmierung erhalten. Individualität bei Droiden ist unnatürlich und unerwünscht. Es ist fehlerhaft ...", murrte die Kreatur und rang dabei unbehaglich die Hände.

*

Als hätte jemand in seinem Hirn einen Schalter umgelegt, schossen in Nanosekunden die Befehle durch seinen Körper. Bevor er überhaupt begriff, dass es abgrundtiefer Hass war, der ihn steuerte, war er schon in Bewegung. Zwei Sätze hatten ihn in Stellung gebracht, sein Arm schnellte vor und seine Finger schlossen sich mit einem lauten Klicken um - nichts.
Das Gesicht des Vizekönigs befand sich wenige Millimeter von seiner Hand entfernt. Der Neimoidianer hatte die Augen weit aufgerissen, sein Mund schnappte nach Luft und der empörte Ausdruck auf seinen Zügen war einem zu Tode erschrockenen gewichen.
Seine Hände hatte sich um die Lehnen seines Stuhls verkrampft und er schien im nächsten Moment in Ohnmacht fallen zu wollen. Seine Augen huschten zwischen den sechs spitzen Duraniumfingern und dem Angreifer hin und her.

*~~~*

"Gerade diese Individualität ist einzigartig, Vizekönig", ließ sich der Mensch vernehmen, während er amüsiert die Szene betrachtete, die sich ihm bot. "Und deshalb bin ich überzeugt, dass der General sich nicht wieder der Versuchung hingibt, einen Verbündeten anzugreifen.
Auch wenn diese Demonstration von Schnelligkeit und Präzision beeindruckend genug war, um sie immer wieder zu genießen."

*~~~*

"Ich wollte ihn töten."
Seine Stimme ließ den Neimoidianer zusammenfahren und er selbst lauschte ihr halb mit Faszination und halb mit Entsetzen. Sie klang wie die eines künstlichen Wesens, dem auf wundersame Weise eine Seele eingehaucht worden war - eine finstere und grausame, dem Schlund einer unvorstellbaren Hölle entrissene. Er hatte sich seit der ... Verwandlung bemüht, nicht sprechen zu müssen, denn wann immer er es tat, hörte er sich durch seine Stimme selbst anklagen; für viele Dinge. Und diesmal war es die Schwäche, den ehrenhaften Weg verlassen zu haben ...
Ehrenhaft?
Wieder erlosch die Erinnerung an einen Teil seines Seins, während er noch darüber nachdachte, warum seine Worte ihm Unbehagen bereitet hatten, denn auch dieses Gefühl verebbte und verschwand in einer Dunkelheit, die er nicht mehr zu durchdringen vermochte.
Was war Ehre?
Und was Unbehagen?
Es interessierte ihn nicht mehr und er tat seine Überlegungen mit einem kaum wahrnehmbaren Schulterzucken ab.

"Ich wollte ihn töten."
Er wiederholte sich, und diesmal war er zufrieden mit dem, was seine Worte ausdrückten, denn er hörte das unverhohlene Verlangen nach Tod und Zerstörung, ungebändigte, eiskalte Wut. Sie war der Motor für sein Handeln, ob er es wollte oder nicht. Und je länger er sich diesen speziellen Gefühlen aussetzte, desto willkommener war ihm die fast schmerzhafte Spannung in den Überresten seines Körpers, die wie knisternde Energie auf die tote Materie seiner Hülle übersprang und sie zum Beben brachte.
Seine vollkommene Rücksichtslosigkeit und sein Zorn fanden ihre Entsprechung in dem präzise modulierten, ausdrucksstarken Klang, den man seiner Stimme verliehen hatte.

*

"Tatsächlich?"
Der Mann lächelte nach wie vor, doch seine Augen schimmerten in einem seltsamen Licht, sein Blick war spöttisch und - wissend. "Das wäre ein herber Verlust für die Separatisten gewesen. Nicht wahr, Vizekönig Gunray?"
Der Neimoidianer räusperte sich, zog es aber vor auf die Frage nicht zu antworten.

*~~~*

Statt dessen tat es jemand anders.
Ein Türschott hatte sich geöffnet, gab den Blick auf einen düsteren Gang frei - und auf San Hill, den Präsidenten des Intergalaktischen Bankenclans. Hinter ihm befanden sich weitere Personen - Wat Tambor war unter ihnen, ebenso Poggle der Geringere und andere führende Köpfe der Separatistenbewegung.
"Natürlich wäre es ein Verlust, Graf Dooku, immerhin ist Neimoidia einer unser wichtigsten Verbündeten und seine Repräsentanten können sich unserer Wertschätzung sicher sein."

Hill betrat den weitläufigen Raum, in dem sich außer einem ovalen Konferenztisch, dessen Platte man versilbert hatte, samt Stühlen aus schlichtem, grauen Stahl keine weiteren Gegenstände befanden. Zielstrebig führte ihn sein Weg zu Vizekönig Gunray, den er mit einem Nicken begrüßte; Graf Dooku bedachte er gar mit einer Verbeugung.
Dann ging er weiter, um seine Schöpfung in Augenschein zu nehmen.
Sicher, die Geonosianer und Neimoidianer hatten ihren Teil zur Vollendung beigetragen, aber er - Hill - war es gewesen, der mit seinem Geld die waghalsigen Experimente und die Entwicklung neuartiger Techniken ermöglicht hatte. Der General war in jeder Hinsicht sein Geschöpf, seit langem schon.

Die Muun, zu deren Rasse Hill zählte, hatten aus dem Leid anderer schon immer Profit schlagen können - und der Bankenclan tat sich in dieser Hinsicht besonders hervor.
Hill gestattete sich ein feines Lächeln.
Er hielt die Fäden in der Hand, die den General manipulierten. Sicherlich würde ihm das eine besondere Stellung unter den Separatisten verleihen und ihm die Gunst des Grafen sichern ...

*~~~*

Er betrachtete sich in den großen, dunklen Augen des Bankenclanoberhauptes. Hill musterte ihn mit einer widerwärtigen Selbstzufriedenheit. Aber er sah darüber hinweg, weil ihm keine andere Wahl blieb. Statt dessen konzentrierte er sich, verlor sich in den beiden wässrigen Spiegeln, die ihm zwei blasse Schemen zeigten, die mehr und mehr an Konturen gewannen, bis ...
Da war es!
Ja.
Das Monster, das ihn in diesen seltsamen Phasen zwischen teilnahmslosem Dahindämmern und Wachen, die er Träume nannte, hetzte.
Aber auch noch er selbst.

Dafür hatte er gesorgt.
Seine gelben Reptilienaugen glühten auf und sein Ebenbild starrte ihm mit einem finsteren Blick entgegen. Nur seine Augen konnten seinen kümmerlichen Gefühlen Ausdruck verleihen - Hass und Zorn -, denn sein Gesicht war einer Maske gewichen.
Aus einem nahezu unzerstörbaren Material gefertigt, und dem Aussehen nach einem humanoiden Totenschädel sehr ähnlich. Sie war eines der letzten Bindeglieder zu seinem Leben vor ... dem Tode dessen, was ihn ausgemacht hatte: Loyalität, die Sorge um sein Volk, die Liebe zu seiner Familie, seiner Heimat. Alles war in den Trümmern der Vergangenheit untergegangen, rief keine Empfindungen mehr in ihm hervor - kein Bedauern, keine Traurigkeit, keine Freude.

Unberührt konnte er sich selbst wie von Außen analysieren, den Linien des weißen Schädels folgen, die in einen kräftigen Hals übergingen, dessen Sehnen aus Stahl waren. Er sah breite, gepanzerte Schultern und dann verlor sich der Rest seines Körpers in den Augen des Bankenclanoberhauptes, weil Hill so nah vor ihm stand.
Also wandte er sich wieder der Musterung seines Gesichts zu.
Die Kaleesh, deren Art er angehörte, trugen ähnliche Masken, das hatte ihm seine Erinnerung verraten, aus Gebein geschnitzt und mit rituellen Zeichen versehen, wenn sie in den Kampf zogen. Durch sie, so war der Glaube der Krieger, verwandelte sich der Träger, nahm die Kräfte der Maske an, die das Antlitz einer der gefährlichsten Spezies Kalees war. Derart gestärkt wurden die Kaleesh zu furchtbaren Kämpfern ...

Hätte er noch lachen können, dann hätte er es jetzt getan. Seine Verwandlung war eine endgültige und so tiefgreifend, wie bei keinem lebenden Wesen jemals zuvor. Er war die perfekte Synthese von Geist, den kläglichen Überresten eines Körpers, und Maschine. Ein Instrument des Todes in der Hand der Separatisten; wo er zuvor genau das in den Klauen des Bankenclans gewesen war.
Was hatte sich geändert?
Abgesehen von seiner Gestalt ...

*~~~*

Dooku schüttelte innerlich den Kopf, als er San Hill ansah. Ein stolzer Narr, nichts weiter, der sich selbst für sein Genie beglückwünschte, und so tat, als hätte er ein Schoßtier dressiert, dem er nur den Kopf zu tätscheln brauchte, damit es zufrieden war.
Der Präsident des Bankenclans wendete sich ihm zu. "Ihr erster Eindruck unserer Schöpfung ist ein guter, nehme ich an, Graf Dooku."
Mehr eine Feststellung, denn eine Frage, wie Dooku registrierte. Ja, San Hill hielt große Stücke auf sich. Aber auch die anderen Beteiligten - denn alle führenden Köpfe der Separatisten hatten ihren mehr oder weniger großen Beitrag geleistet - sahen ihn an. Einzig Poggle der Geringere zeigte keine Erwartung, obwohl die Technik der Geonosianer den größten Anteil am Gelingen der ... Schöpfung gehabt hatte. Aber Poggle war klug und vorsichtig genug; im Gegensatz zu den anderen.

"Durchaus", gab der Graf würdevoll zurück. "Aber ich möchte mich selbst überzeugen, ob Sie und Ihre werten Kollegen den speziellen Ansprüchen gerecht werden konnten, die es in diesem bedauerlichen Konflikt zwischen Separatisten und Republik nun einmal zu erfüllen gilt und die mehr erfordern, als rohe Kraft und Zerstörungswillen. Soweit ich mich erinnere, wurden Ihnen exakte Anweisungen gegeben."
San Hill lächelte leicht irritiert und verbarg so seine Besorgnis. Natürlich hatte die lenkende Hand hinter Graf Dooku Forderungen gestellt. Hill war bemüht gewesen, sie mit allen erdenklichen Mitteln zu erfüllen.
Aber war es ihm gelungen?

Nun, es würde sich jetzt zeigen.
"Bitte, Graf, verfügen Sie über ihn", antwortete Hill liebenswürdig, mit einem Seitenblick auf sein Geschöpf. Dann zog er sich in die Runde der anderen Separatisten zurück und wartete gespannt.
Dooku nahm sich Zeit, als er sich dem hühnenhaften Gebilde aus Metall und Verstand näherte. Er legte sich eine Taktik zurecht, die ihn an sein Ziel bringen würde, eine tückische Verführung, eine subtile Manipulation, die sich in einem heftigen Akt entladen musste, wenn der Verstand sich mit den Schatten der Vergangenheit verband.
Geschmeidig trat Dooku in die Reichweite seines Gegenübers, ohne Unbehagen, aber mit einer erregenden Erwartung.

*~~~*

Wieder stand der Mann so nahe vor ihm, dass nur er die Worte hörte. "Ich nehme an, Eure Weigerung mich anzugreifen, besteht nach wie vor."
Der Mensch nickte, wie um sich selbst zu bestätigen.
"Ein besonnener Entschluss und eine verständliche Haltung, denn ich stelle keine Bedrohung für Euch dar, bin im Kreise derjenigen, denen Ihr absolute Loyalität schuldet. Man hat Euch Eure Entscheidungsfreiheit gelassen, zumindest in dem Maße, dass Ihr kein willenloser Befehlsempfänger seid.
Gut."
Der Mann lächelte leicht.
"Aber ich werde Euch aus der Reserve locken, und dann werden wir sehen, was sich in dieser Hülle verbirgt, die man zu Eurem Körper gemacht hat ..."

*~~~*

Mit diesen Worten griff Dooku unter seinen langen, dunklen Umhang. Bedächtig bewegte er sich einige Schritte von seinem Gegenüber fort. Er wollte die volle Aufmerksamkeit des furchterregenden Geschöpfes auf einen bestimmten Punkt lenken.
Dooku streckte die Hand aus und mit der Macht setzte er seinen Köder in Bewegung, während er sich innerlich auf die Reaktion vorbereitete, die unweigerlich folgen musste, wenn er sich nicht vollkommen irrte.
Hinter sich vernahm er das Getuschel der Separatisten. Die zusammengedrängte Gruppe zeigte Verwirrung, aber Dooku beachtete die Separatistenführer nicht weiter. Sie waren in diesem Moment unwichtig, lediglich ein entbehrliches Publikum, dessen Anwesenheit er aus seinem Bewusstsein verbannte, sobald sich seine Gedanken sammelten, damit ihm keine entscheidende Regung entging.

*~~~*

Als unvermittelt ein Gegenstand langsam auf ihn zu schwebte, wie von Geisterhand bewegt, kam Lebendigkeit in seinen zuvor teilnahmslosen Geist. Das helle Licht der Deckenbeleuchtung brach sich auf dem metallenen, schlanken Zylinder.
Er hatte so etwas schon einmal gesehen, nein, nicht nur einmal ...
Sein Körper spannte sich und nahm dann eine leicht geduckte Haltung an, wie die eines Raubtieres auf dem Sprung.
"Ganz recht, ein Lichtschwert", nickte der Mensch. "Die Waffe eines - Jedi ..."
Jedi.
Seine Gedanken kreisten in einem verrückten Taumel um dieses Wort und seine Bedeutung. Er suchte danach. Es war wichtig ...

Da!
Ein wunderschöner Planet und seine sterbenden Bewohner, ausgehungert durch eine Blockade, die sie von allen lebenswichtigen Ressourcen getrennt hatte, und die Leistung von Reparationen an den vermeintlich geschädigten Gegner. Nur weil man ihnen keinen Glauben hatte schenken wollte. Sie waren ahnungslos zu Aggressoren erklärt worden, während die tatsächlich Schuldigen sich der Kräfte der Republik bedient hatten.
Jedi.
Sie waren gekommen, in Frieden, wie es geheißen hatte und als Vermittler zwischen den Kaleesh und den Huk. Letztere mochten die schlechteren Kämpfer gewesen sein, aber die weitaus besseren Diplomaten, die sich ins rechte Licht zu rücken gewusst hatten. Die stolzen Kaleesh waren in die Falle getappt. Unvermittelt hatten sie sich einer Übermacht unter der Führung zahlreicher Jedi gegenüber gesehen, die ohne zu Zögern bereit gewesen waren, die Waffen zu erheben, um der Gerechtigkeit genüge zu tun. Die Kaleesh hatten sich ergeben; unter seinem Kommando, denn er war kein Narr.

Jedi!
Ihnen konnte er das Leid seines Volkes anlasten. Kaum eine Familie war verschont geblieben, jede hatte Opfer zu beklagen gehabt. Er hatte sterbende Kinder in den Armen gehalten, darunter auch einige der eigenen, in bitterer Verzweiflung und ohne Aussicht auf Hoffnung. Hatte Sippenmitglieder, Frauen und Freunde zu Grabe getragen und den Tag verflucht, an dem die Jedi und die Republik die Geschicke Kalees in die Hand genommen hatten.
Bis das Bankenkonsortium sich heimlich eingemischt hatte.
Die Offerte des Bankenclans war wie ein Schlag ins Gesicht der Kaleesh gewesen; mehr noch: eine Erniedrigung, denn San Hill hatte für seine Hilfe auf die Dienste des besten und geschicktesten Kämpfers Kalees bestanden.

Natürlich hatte er sie bekommen.
Doch ein ehemals freier Kriegsherr tat sich schwer als gedungener Söldner, selbst wenn es zum Besten für sein Volk war. Er hatte diese Schmach nicht verwunden und er würde sie dem Bankenclan nicht vergessen.
Aber alles zu seiner Zeit.
Es war eine Ironie des Schicksals, dass die Organisation, die er verabscheute, ihm nun die Möglichkeiten an die Hand gab, einen Feldzug gegen einen noch verhassteren Feind zu führen.
Jedi!
Ihnen konnte er die Schuld dafür geben, dass er sich als Häscher des Bankenclans hatte verdingen müssen - ein Dienst, der in dem endete und einen neuen Anfang nahm, was er nun war.

Der Mensch streckte den Arm aus, eine Geste wie eine Aufforderung. "Es gehört Euch, General. Ein überaus seltenes Geschenk für jemanden, der sich der Macht nicht bewusst ist."
Er hörte nur halbherzig zu, als der Mann von den Vorzügen dieser besonderen Waffe sprach, obwohl der Schwertmeister in ihm lebhaft zustimmen konnte. Der Umhang des Menschen war nun ein wenig geöffnet und gab den Blick auf einen ähnlichen Gegenstand am Gürtel des Mannes frei.
J e d i ...
Das Lichtschwert war zum Greifen nah. Sein Arm befand sich bereits in Position, bevor er den Gedanken daran ganz zu Ende geführt hatte.

Seine Finger fanden wie selbstverständlich den Knopf, der die Laserklinge aktivierte. Zischend erwachte das blassblaue Licht zum Leben, die Luft schien förmlich zu knistern und zu pulsieren. Er führte einen Hieb gegen das Gesicht des Mannes - des Jedi. Ein roter Strahl fing seine Klinge ab, elegant und beinahe mühelos, dann war sie fort und er geriet aus dem Gleichgewicht, weil er den Menschen hatte bedrängen wollen, der sich mit einer schnellen Drehung außer Reichweite gebracht hatte.
"Greift mich an!"
Dieses Mal kam er der Aufforderung nach.

<I>Töten!</I> besagte seine Programmierung und <I>Töten!</I> verlangte der Rest seiner Persönlichkeit, der sich erinnerte. Das eine ergänzte das andere in gnadenloser Perfektion, und er wurde zu der mörderischen Maschine, die sich seine Konstrukteure erhofft hatten. Hieb um Hieb ließ er auf seinen Gegner niederprasseln, mit einer Schnelligkeit, die ihn selbst erstaunte.
Er wusste, dass er sein volles Potential noch lange nicht erreicht hatte, aber er begann eine Vorstellung der Möglichkeiten zu gewinnen, die ihm seine neue Hülle gab. Sie glich noch immer einem Gefängnis, aber nun hatte er entdeckt, dass er durch die Gitterstäbe fassen konnte!
Und eines Tages würde er sie zerstören ...

Mit dieser Gewissheit gab er sich ganz dem Zorn hin, schöpfte Energie aus dem brennenden Reißen in seiner Brust, das sich zu einem kaum zu verbergenden Zittern steigerte und seine unnatürliche Kraft verdoppelte.
Wieder und wieder griff er den Menschen an. Probierte Finten und Ausfälle mit dieser ungewöhnlichen Waffe, um sich mit ihrer Handhabung vertraut zu machen und ihren Wirkungsgrad zu erkennen.
Er hatte die Kunst, ein Schwert zu führen, schon früh gelernt, aber die Energieklinge war vollkommen anders. Sie zu meistern würde Zeit erfordern. Also blieb ihm nur die Möglichkeit, ungeschickt, aber mit umso größerem Zorn auf seinen Gegner einzudringen.
Als sich blaue und rote Klinge das nächste Mal berührten, brachte er sich mit einem schnellen Schritt nahe an den Menschen heran und schob den Mann auf den Konferenztisch zu, um ihn in seiner Beweglichkeit zu hindern.

*~~~*

Dooku war sich der Unterlegenheit seiner körperlichen Kräfte sehr wohl bewusst, aber den Mangel an roher Gewalt glich er durch Geschick und Erfahrung mehr als aus. Er sperrte sich nicht gegen den Druck, der auf seine Waffe ausgeübt wurde, sondern nahm die Energie auf, drehte sich dabei zur Seite, lenkte die Lichtschwertklinge seines Gegners ab, die zischend den Boden traf und eine rauchende und glühende Spur hinterließ.
Der General stieß ein enttäuschtes Fauchen aus und ehe sein seitlicher Hieb Dooku erreichen konnte, brachte der Graf sich aus der Gefahrenzone. Er bewegte sich mit einer unglaublichen Schnelligkeit, war nur noch ein huschender Schemen.
Dann hielt er inne und wartete, seine Waffe wie zu einem Salut erhoben, den General fest im Blick und wachsam.

*~~~*

Wütend starrte er den Mann an, der lässig und scheinbar unbeteiligt wirkte, und der wie durch Zauberei vor seinen Augen zu einem verschwommenen Schatten geworden und ihm ausgewichen war.
Er konzentrierte sich einen Lidschlag lang, dann katapultierten ihn seine kräftigen Beine in die Höhe, über den Jedi hinweg. Er nutzte die Masse seines künstlichen Körpers, um sich zu drehen und einen Schlag nach unten zu führen. Der Jedi parierte, wurde von der Wucht des Hiebes jedoch gezwungen nach hinten zu weichen. Funken stoben von den Lichtschwertklingen davon und der kurze Kontakt hinterließ den beißenden Geruch von Ozon in der Luft.
Seine Beine berührten die Decke, reflexartig schlossen sich seine stählernen Zehenklauen, Durastahl knirschte, und er baumelte kopfüber. Aber nur für einen Augenblick. Er stieß sich ab, machte einen Salto vorwärts und landete auf dem Konferenztisch. Krachend zerbarst die Tischplatte unter ihm. Silberfarbene Bruchstücke wirbelten zu allen Seiten davon.
Die beiden Stühle, die ihm im Weg waren, zertrümmerte er mit der Energieklinge und dann stand er wieder vor seinem Gegner.

Der Mann zeigte immer noch keine Empfindungen, aber auch keine Erschöpfung, nahm den Kampf wieder auf, parierte alle Schläge, immer einen Sekundenbruchteil schneller.
Es war frustrierend, von einem Menschen vorgeführt zu werden, der die Blüte seiner Jahre schon lange überschritten hatte. Aber es gab keine Möglichkeit, dem Mann beizukommen, so sehr und wild er sich auch bemühte.
Urplötzlich jedoch sprang der Jedi zurück und vergrößerte den Abstand zwischen ihnen erheblich ...

*~~~*

"Das reicht."
Langsam hob Dooku eine Hand. Seinem Gegner gelangen einige stockende Schritte, dann erstarrte er mitten in der Bewegung. Der Graf fühlte die brennende Wut des Generals, aber hielt ihn mit der Macht an Ort und Stelle.
Dooku genoss den Widerstand der zornigen Kreatur, sie war außerordentlich kräftig, stemmte sich gegen den Machtgriff, sodass der Graf die Wirkung verstärkte und ausweitete.

*~~~*

Wutschnaubend und irritiert versucht er noch einen Schritt vorwärts zu kommen. Es glückte ihm nicht. Ebensowenig konnte er gegen den Abbruch des Kampfes protestieren, denn der unsichtbare Griff hinderte ihn nicht nur in der Bewegung, sondern plötzlich auch am Atemholen. Das einzige, was er zustande brachte, war ein ersticktes Keuchen, als seine mechanisch und elektronisch kontrollierten Lungen die vermeintliche Fehlfunktion ausgleichen wollten.
Er fühlte sich ausgeliefert.
Was nützten ihm all seine Fähigkeiten, wenn eine einzige Geste genügte, um ihn zu stoppen?
Was hatte sich geändert?

Er sah den Menschen an - Graf Dooku, wie ihn der Präsident des Bankenclans genannt hatte. Und er sah die führenden Köpfe der Separatisten an. Sie zeigten sich in einer Unterwürfigkeit, die davon zeugte, dass sie dem Mann größten Respekt zollten.
Selbst San Hill, stellte er mit Befriedigung fest - der San Hill, der sich nicht zu schade gewesen war, seine verlockenden Versprechungen mit Gewalt zu untermauern, indem er aus einem Bactatank ein Folterinstrument gemacht hatte - fehlte ein wenig von seiner selbstsicheren Haltung. Sein langgezogenes, bleiches Gesicht war von einer wächsernen Farbe und er war sichtlich bemüht, seine Unruhe zu verbergen ...
Der Mensch namens Dooku hatte Macht; wirkliche Macht - die Macht.

Er selbst wusste nicht viel von den Jedi und ihrer Zauberei, aber er wusste, dass sie existierte und was sie zu tun vermochte. Er spürte es gerade jetzt am eigenen Leib. Aber er begriff auch, dass Dooku kein gewöhnlicher Jedi sein konnte. Wie sonst ließ sich erklären, dass der Mann mit republikfeindlichen Kräften paktierte?
Dass Dooku auch äußerlich nicht den Jedi glich ...
Hill und die Separatisten hatten seine abgrundtiefe Verachtung, er bemühte sich nicht einmal, seinen Widerwillen in ihrer Gegenwart zu verbergen. Aber der Mensch war etwas vollkommen anderes, ihn galt es zu beobachten, abzuschätzen und als gleichwertigen Gegner zu betrachten, von dem zu lernen sich als klug erweisen würde.
Langsam gab er seinen körperlichen Widerstand auf.

*~~~*

Dooku deaktivierte sein Lichtschwert.
Er zeigte sich äußerst zufrieden. Wenn man bedachte, dass diese Kreatur - dieses Experiment wahnwitziger Wissenschaftler und skrupelloser Geldgeber - mehr tot als lebendig war, manipuliert und zu einer Kampfmaschine herabgewürdigt, dann barg sie großes Potential im Umgang mit der Waffe eines Jedi in sich.
Völlig intuitiv hatte sie das Lichtschwert geführt, die korrekten Paraden und Angriffsmuster gezeigt; die Grundlagen waren zweifelsohne vorhanden. Der General selbst war eine Waffe, die nur noch geschliffen werden musste.
Anfangs hatte Dooku sich dagegen verwahren wollen, dieses seltsame Geschenk der Separatisten für die Sith entgegenzunehmen, denn er war von Abscheu erfüllt gewesen; doch sein Meister hatte ihn dazu auserwählt und seine Einwände abgetan.

Damals war San Hill mit einem verwegenen Plan zu ihm - Dooku - gekommen. Vielleicht mehr aus Prahlerei, denn aus Taktik hatte das Oberhaupt des Bankenclans behauptet, dass selbst die Jedi gegen seine ... Maschine keine Chance haben würden.
Wäre es nach Dooku gegangen, dann wären Hills Pläne niemals in die Tat umgesetzt worden. Aber er hatte Darth Sidious Bericht erstattet, in der Erwartung, dass sein Meister ebenso abschätzig urteilen würde. Doch Darth Sidious hatte sich von dem Vorhaben beeindruckt gezeigt. Und so war Dooku nach Geonosis zurückgekehrt, die Anweisungen seines Meisters für Hill dabei, der nur darauf gewartet hatte, beginnen zu können.

Im Nachhinein musste Dooku zugeben, dass sein Meister zu Recht Vertrauen in die Fähigkeiten Hills und der Geonosianer gehabt hatte. Es war ein lohnenswertes Wagnis gewesen, ob es ihm persönlich gefiel oder nicht.
Der Graf seufzte leise.
Er kam aus einer alten, kultivierten Familie, die immer sehr viel auf sich gehalten hatte. Die daraus resultierende unausweichliche Arroganz anderen - niederen - Kreaturen gegenüber war ihm in Fleisch und Blut übergegangen. Sie stellte einen Teil seines Wesens dar, und er pflegte sie sogar. Nichtmenschen waren bestenfalls lebendige Mittel zum Zweck, aber keine gleichwertigen Geschöpfe.
Nichtsdestotrotz musste Dooku anerkennen, dass der General etwas Besonderes war. Aber es hinderte ihn nicht daran Verachtung zu empfinden. Allerdings würde er sie niemals offen zeigen, er war zu sehr Diplomat und geschickter Manipulator seiner Umwelt, als dass er sich gehen lassen würde.

Die Klugheit gebot Respekt, denn nur Verbündete, die sich als gleichrangig betrachteten, erfüllten ihre Aufgaben richtig. Darth Sidious brauchte einen Oberbefehlshaber für die Streitkräfte der Separatisten und zugleich einen Gegner für die Jedi, vor dem sie zittern sollten.
Dooku betrachtete den General.
Die gelben Augen funkelten ihn an, während die Duraniumfinger das aktivierte Lichtschwert umklammerten. Mühsam beherrschter Zorn wich langsam einer wachsamen Aufmerksamkeit, der wütende Blick streifte kurz die Separatistenführer und kehrte dann zu Dooku zurück.
Die Lichtschwertklinge erlosch.
Gut.
Der General begriff schnell.

Er entspannte sich, soweit man das bei einer Maschine überhaupt sagen konnte und schien die Situation zu analysieren. Dooku hatte keinen Zweifel, zu welchem Ergebnis dieses Nachdenken führen würde.
Während er den General einstweilen sich selbst überließ und den Machtgriff lockerte, wendete er sich San Hill und den anderen Anwesenden zu. Sie hatte sich im Verlauf des Kampfes in einer Ecke in Reichweite der Tür zusammengefunden und aus sicherer Entfernung zugesehen.
Dooku erlaubte sich ein leichtes Lächeln. Wie es schien, waren sich die Schöpfer nicht ganz sicher gewesen, wie ihr Geschöpf sich verhalten würde, wenn man es von der Kette ließ.

Wären die Separatisten kein Teil des Planes der Sith gewesen ..., Dooku hätte dem General erlaubt mit ihnen die ersten blutigen Erfahrungen im Umgang mit dem Lichtschwert zu machen. Aber diese Genugtuung musste warten. Kleine Annehmlichkeiten hatten hinter dem großen Ganzen zurückzustehen.
Nun galt es, sich darauf zu konzentrieren, das volle Potential des Generals auszuloten und ihn der passenden Armee voranzustellen, wenn er sich als würdig erwies.
Das taktische Geschick hatten die Geonosianer nicht angetastet, wie ihm Hill versichert hatte, aber dem General fehlte jegliches störende Gefühl und seine Brutalität im Kampf würde für gewaltigen Aufruhr in den Reihen der Republik sorgen. Wenn der General auf der Bildfläche erschien, dann gab es einen sichtbaren und greifbaren Feind, auf den sich alles stürzen würde, um ihn aufzuhalten - und die Sith konnten im Verborgenen weiter ihre Intrigen spinnen.
Eine befriedigende Aussicht, für die Dooku auch in Kauf nahm, dass es ihm oblag, den General unter seine Fittiche zu nehmen.

Es würde sicherlich eine Herausforderung sein, ein solches Geschöpf die Wege der Sith zu lehren; natürlich nur in dem Maße, wie es möglich und nötig war. Aber der General brachte eine wichtige Voraussetzung mit und war mehr als gewillt, sie auch zu nutzen - ganz im Gegensatz zu vielen anderen, die den Dunklen Pfad beschreiten wollten - seinen Hass. Dieser Hass würde ihn zu einem Gegner machen, der den Jedi ebenbürtig war und genau das war eines der Ziele, welches Darth Sidious verfolgte.
Es war eine Sache, die Jedi als Kollektiv auslöschen zu wollen, aber eine ganz andere, zu wissen, dass viele einen ... persönlichen Tod starben, durch ein Geschöpf der Sith und der Dunklen Seite.
Ein Geschöpf, wie es nie zuvor existiert hatte.

Dooku stellte sich die kläglichen Überreste dieses Wesens in der Panzerung vor, die beinahe alles verbarg. Er tastete sich mit der Macht voran. Der Schlag eines fremden Herzens, das leise Pfeifen des mechanisch unterstützten Atems in fremdartigen Lungen, wirbelnde Gedanken in einem Gehirn, das modifiziert und manipuliert worden war ...
Ein leichter Schauer strich über Dookus Rückgrat.
Es war eine kluge Entscheidung gewesen, dem General seine Empfindungen zu nehmen; wenigstens die, die sich als hinderlich hätten erweisen können. Vielleicht wären sie eines Tages einem wahnsinnigen Geist in einer Maschine gewichen, beides unkontrollierbar und damit viel zu kostspielig, weil man diese Vereinigung hätte zerstören müssen. Dooku gestand sich ein, nicht zu zögern und dem unseligen Dasein des Generals ein Ende zu bereiten, wenn sich ihm die Möglichkeit bieten würde. Aber vorerst gab es ausreichend Aufgaben für das Geschenk der Separatisten, das auf seine Art außerordentlich wertvoll und zugleich erbärmlich war.

Dooku riss sich von diesen Überlegungen los und gönnte San Hill das Wort.
"Mein Mentor wird sehr zufrieden sein, Präsident Hill, daran hege ich keinen Zweifel. Sie alle haben hervorragende Arbeit geleistet. Ich werde den General einstweilen in meine Obhut nehmen, aber er wird zu Ihnen und Ihren werten Kollegen", Dookus Geste umfasste die Separatistenführer, "zurückkehren, wenn es an der Zeit ist".
Nute Gunray murmelte etwas vor sich hin, verstummte jedoch, als er Dookus Blick bemerkte. Der Mann zeigte sein sanftes, irritierendes Lächeln, welches nicht zu deuten war und Gunray noch nervöser als üblich werden ließ.
"Bis dahin, Vizekönig, werden Sie sich sicherlich daran gewöhnt haben den General nicht "Es" zu nennen.
Nennen Sie ihn Grievous ..."

*~~~*

Grievous ...
Er wog den Klang ab. Kein wirklicher Name, lediglich eine Beschreibung, die sich mit Bedeutung füllen ließ.
Doch welche wollte er ihr geben?
Sie definierte ihn selbst, das Leid, das ihm widerfahren war, aber mehr noch jenes Leid, das andere durch ihn erfahren würden.
Nun, warum nicht. Es spielte keine Rolle mehr, wer er einst gewesen war und was er erlebt hatte, sondern nur die Zukunft zählte. Und er würde seinem Namen alle Ehre machen.
Beinahe zärtlich strichen seine Duraniumfinger über den Griff des Lichtschwertes. Es war das erste, welches er jemals berührt hatte, aber es würde nicht das letzte sein, soviel war gewiss.

In seinem Hirn trafen vielfältige Informationen aufeinander, als er sich die aktuellen Geschehnisse in der Galaxis ins Gedächtnis rief. Dankenswerterweise hatten seine Konstrukteure diese Daten hinterlegt. Es würde zu einem Krieg zwischen den Separatisten und der Republik kommen. Ihn interessierten weder die Motive der einen noch die drohende Vernichtung der anderen Seite, solange dies für ihn hieß, sein strategisches und kämpferisches Geschick einbringen zu können.
Und solange sichergestellt war, dass die Jedi sich beteiligen mussten.
Wenn es einen Sinn für seine Existenz gab, dann den einen: Rache! Rache an den Jedi und Sühne für den Verrat, den sie an den Kaleesh begangen hatten.

*~~~*

Er sollte seine Rache bekommen ...




ENDE

@Dairyû Mai - Dezember 2005, überarbeitet Januar 2006