Die dunkle Seite - Anakins Fall




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O Nacht wie schön ich ohne Stern dich fände!

Bekannte Sprache spricht der Sterne Strahl.

Ich suche nur was nackt ist - schwarz und kahl

 

(Charles Baudelaire, "Les Fleurs du Mal")

 

 

 

 

Unruhig lief Anakin Skywalker im Ratszimmer hin und her; er achtete gar nicht darauf. Er war in Agonie, Schweiß lief ihm am ganzen Körper herunter; sein Atem ging keuchend. Niemals hatte er sich schlimmer gefühlt; es war ein Gefühl, als würde ihm die Haut in Fetzen abgezogen.

 

Eine schreckliche Stimme in seinem Inneren wisperte ohne Unterlass, peinigte ihn. Es war der Sith-Lord. Sein Freund, dem er vertraut hatte. Er war das Böse. Die Jedi-Meister waren unterwegs, ihn zu vernichten. Anakin hatte sich danach verzehrt, mitzukommen, hatte darum gefleht, doch er musste hier bleiben. Und unerträgliche Qualen leiden.

"Wenn du Padmé retten willst... es gibt nur den einen Weg..." Die Stimme durchstach ihn wie mit Nadeln, trieb seinen quälenden Konflikt zu unfaßbaren Höhen.

Das menschliche Erleben ist begrenzt..., durchfuhr es Anakin. Tränen liefen ihm herunter. Er widerstand einem Impuls, sich wild die Haare zu raufen, am liebsten hätte er sie sich in Büscheln ausgerissen.

 

Die leise schreckliche Stimme ließ nicht nach, peinigte ihn unerbittlich. Anakins Seele streckte sich verzweifelt nach Padmé, er griff nach ihr mit der Macht, warf seine Seele buchstäblich aus dem Fenster - hing an silbernen Schnüren... zerrte mit aller Gewalt an den Fesseln, schrie stumm vor Frust. Endlich schien es ihm zu gelingen... er konnte sie berühren, unfassbare Zartheit und Schönheit. Liebe strömte in ihm hoch, wilde Freude explodierte in ihm. Glücksseligkeit...

Doch schon war sie ihm wieder entrissen; er fühlte etwas in sich zerbrechen, war nur noch Erschütterung. Sie würde sterben. Er würde sie verlieren. Sie war sein Leben - dessen war sich Anakin sicher. Zutiefst unglücklich und hilflos stand er da, verzweifelt gegen die Wand gelehnt.

 

Palpatines leise Stimme plagte ihn in seinem Kopf wie ein Hornissenschwarm. "Wenn du Padmé retten willst... du hast nur eine einzige Chance... wenn ich tot bin, ist alles vorbei..."

Durch seinen Tränenschleier starrte er aus dem Fenster. Wo war Padmé? Er musste sie wieder berühren... er brauchte sie so sehr.

Doch der Alptraum schob sich vor sein inneres Auge, drastisch und unerbittlich. Sie lag im Sterben. Beide steuerten sie auf den Punkt zu, kontinuierlich und endgültig. Beide waren sie verloren. Trauer und Qual würgten Anakin, er konnte kaum atmen, rang keuchend nach Luft. Er hatte das Gefühl zu ersticken.

Verloren bin ich... klang es in seinem Inneren wider. Verloren...

Die tödliche Endgültigkeit hallte durch seine Seele, wie der Schlag einer gewaltigen schwarzen Glocke. Anakin sah sich selbst - schwach, voller Panik, ein hilfloses Kind in all seinem Elend, rettungslos. Er war zutiefst entsetzt über diese Erkenntnis - Angst und Scham überwältigten ihn. Er wünschte sich zu sterben. Jetzt und hier.

 

"Anakin...", insistierte die Stimme in seinem Kopf. "Der mächtigste der Jedi-Ritter wirst du sein... lass mich dir die dunkle Seite der Macht zeigen..."

Anakin spürte, wie er langsam in den unerbittlichen Sog dieser Stimme des Bösen geriet. Er hatte ihm nichts entgegenzusetzen. Doch noch er zögerte ihm nachzugeben. Die Anspannung zwang ihn fast zu Boden. WAS SOLLTE ER TUN?

Der junge Mann in seiner schwarzen Jedi-Kluft zitterte am ganzen Körper, er konnte kaum noch stehen. Sein Gesicht - eine verzerrte Maske der Verzweiflung, Angst und Frustration.

 

Mit größter Anstrengung raffte er seine letzten Kräfte zusammen, formte sie zu einem gewaltigen Schrei in seinem Inneren.

ICH - LASSE - SIE - NICHT - STERBEN!

Der verzweifelte Schrei übertönte alles, überdeckte Anakins sämtliche Gefühle. Ich habe es ihr versprochen! war alles, was er denken konnte. Und meiner Mutter habe ich es versprochen! Ich werde nicht noch einmal versagen!

Anakin wusste - es gab nur eines, was er tun konnte. Und er brauchte Palpatine.

 

Er würde sich gegen dieses sein Schicksal wehren, mit jeder Fiber seines Seins. Er war kein verzweifeltes kleines Kind, er war kein Jedi-Ritter, er war kein gewöhnlicher Mann... ER WÜRDE NICHT PADMES WITWER SEIN!

Er war - DER AUSERWÄHLTE, der Held ohne Furcht - Anakin Skywalker.

Wieder nahm er die Stimme war, die kontinuierlich und leise auf ihn einredete. Palpatines Stimme. Süß und eindringlich, beschwörend und unwiderstehlich.

 

Eine letzte Anstrengung des menschlichen Anakin Skywalker, seine geliebte Frau zu erreichen, in ihrer tiefen reinen Liebe Rettung zu finden.

Doch er fand Padmé nicht, es war ihm nicht möglich.

Seine ganze Anspannung entlud sich; er explodierte in Frustration und Wut, doch nun zögerte er nicht mehr, sprengte er all seine Grenzen. ER FÜRCHTETE DIE DUNKLE SEITE NICHT!

Er gab sich dem Sog der schwarzen Stimme des Sith-Lords hin; er sah nichts mehr, fühlte nichts mehr, trieb hinweg... kopfüber stürzte er sich in den schwarzen Abgrund. Tatsächlich verspürte er keine Angst, obwohl er spürte, ihn Schreckliches erwartete, unendliche Tiefen. Er stellte fest, dass er die Luft angehalten hatte, nun zitternd Luft holte und tief durchatmete. Er fühlte ein Kribbeln durch und durch, einen schweren zunehmenden Druck direkt hinter seiner Stirn, alles vibrierte; er war wie in Trance. Die Qualen hatten ihn verlassen, selbst der Zorn. Ohne Zögern und Hemmung gab sich Anakin nun der Schwärze hin, die ihren Schrecken verloren hatte. Er war der Auserwählte. Er umfasste Anfang und Ende. DIES WAR SEIN WEG. Ihm konnte alles gelingen. Er würde nicht nachlassen, niemals! Grenzenlos und verzehrend strömten Energien in sein Inneres, die er so nie gekannt hatte. Schwarz, lodernd. Wut... Haß? Eiserne Entschlossenheit. Er spürte, wie er seine Seele, sein ganzes Sein hingab. Schwarz fühlte er sich nun, schwarz und hart, glänzend wie Obsidian. Wie hatte er sich verändert!

 

Irgendetwas in Anakin war zu Tode entsetzt. Sein schwacher menschlicher Körper zitterte in heftigen Krämpfen, in seinen Venen glühte es wie Feuer, Übelkeit würgte ihn bis zum Hals... er spürte seine Körperzellen sterben - wurde er vernichtet? Er hörte sich aufschreien, in Todesangst, aber auch in schrecklicher Exstase.

 

Doch er starb nicht. In schwerer dicker Schwärze trieb er dahin, dies war nun sein Element - was war geschehen? Noch nie hatte er solchen physischen Druck gespürt, er fühlte sich wie mit heißem schwarzem klebrigem Teer angefühlt, durch und durch... zitterte noch immer. Schwarze Energien strömten noch immer durch sein Inneres - Unfaßbares geschah mit ihm... Er spürte, wie er sich mehr und mehr verwandelte, von dem Menschen entfernte, der er gewesen war. Seelische Zurückhaltung schwand, mit ihr Großherzigkeit, Mitgefühl und Menschlichkeit. Stattdessen fühlte er nur noch Haß, kalte Wut, mitleidslose Entschlossenheit.

Fratzen warfen sich seinem Blick entgegen, gräßlich anzusehen, schreiend, manche in Agonie, manche irre lachend, alles aufgerissene schwarze Mäuler und glühende Augenhöhlen - Fenster in endlose schwarze Löcher.

Voller Entsetzen warf er sich gegen die Unmengen gräßlich entstellter Gesichter, verjagte die Fratzen wieder und wieder, trieb dahin, wie in Trance - es gab kein Zurück. Irgendetwas in ihm würgte noch, wollte sich die Seele aus dem Leib kotzen. Wie ein mit heißem grobem und hartem Teer angefüllter Klotz fühlte er sich, nicht mehr menschlich - monströs.

 

Zuletzt erschien das Gesicht des Sith-Lords vor ihm in der Dunkelheit, riesengroß, überwältigend und alles andere auslöschend. Der Blick durchbohrte ihn; triumphierendes Lachen des Bösen klang in seinen Ohren.

Hatte er vorher etwas wahrgenommen? Er sah keine Landschaft, keinen Himmel, keine Bäume - Schwärze, um den Sith-Lord herum schwärend und brodelnd. Selbst die Fratzen waren verschwunden. Alles fügte sich ihm, beugte und verwandelte sich vor ihm.

 

Vor Darth Sidious in all seiner höllischen Macht fand sich Anakin klein, schwarz, erbärmlich bibbernd und bebend. Der Rest des Menschen, der er gewesen war. Todesangst drückte ihm die Kehle zu.

"Du erfüllst dein Schicksal, junger Skywalker."

Wie war dies geschehen? Wie so schnell?

"Wer wirklich weise werden will, muss beide Seiten der Macht kennen. Habe den Mut, die Dunkle Seite der Macht zu erkunden..." hallte die eindringliche sanfte Stimme seines Mentors in seinem Kopf nach. Verführerisch, regelrecht logisch hatte es geklungen. Damals, als er noch der Jedi-Ritter Anakin Skywalker gewesen war.

Wie hypnotisiert starrte Anakin zu dem riesigen schrecklichen Gesicht hoch. Palpatine hatte ihn für sich gewonnen, vollkommen. Er hatte ihn vereinnahmt und ganz nach seinem Willen umgeformt. Er war nun sein Schüler, sein Werkzeug. Es gab keinen Weg zurück.

 

Dennoch spürte Anakin die gewaltige Lüge, der er aufgesessen war. Er gelangte in einen Moment unfaßbarer Ruhe.

"Ich sterbe", flüsterte seine Seele. "Alles, was ich gewesen bin, stirbt. Alles, was Padmé liebt, ist einem grausamen Mord zum Opfer gefallen. Alles, was Obi-Wans tiefe Zuneigung gewonnen hat, ist vergangen. Der Mensch in mir stirbt. So stirbt die Schöpfung. Kann dies sein? Darf dies sein?"

"Was bleibt von mir übrig?" fragte der sterbende Anakin Skywalker mit leiser kindlicher Stimme. "Fast nichts", war die geflüsterte Antwort. "Gerade genug, dass du am Leben bleibst und nicht in Schwärze explodierst, Anakin. Gerade genug, die endgültige Vernichtung aufzuhalten. Denn dies darf nicht sein..."

Erinnerungen wallten in ihm hoch. Sein langer Pfad zur dunklen Seite, begonnen bereits vor Jahren. Seit er ein kleiner Slavenjunge auf Tatooine gewesen war? Er hatte der beste von allen sein wollen... seine Träume wahr werden lassen wollen, um jeden Preis... hatte mit wilder Entschlossenheit darauf hingearbeitet. Mit seiner Jugend war er rasant in ihm angewachsen, sein wilder ungestümer Zorn, gewaltige Wut, glühende Arroganz... gemildert durch seine Herzensgüte und Großzügigkeit. Und Liebe zu allen, die ihm nahestanden. Doch dies war vergangen...

Zum ersten Mal stellte er sich bewusst der wilden Begeisterung, die ihn so plötzlich beim Töten erfasst hatte. Sie alle erschlagen! Niedermachen, zerquetschen - alle, ohne Ausnahme, ohne Gnade... sie hatten es verdient. Welch ein Rausch, welche eine Exstase der unendlich anwachsenden Macht in ihm! Mit jedem Tod gewann er an Stärke und Entschiedenheit...

Zutiefst beschämt und im Innersten erschüttert bemühte er sich ein letztes Mal, eine Erinnerung an seine glücklichsten Momente wachzurufen; an seine glühende leidenschaftliche Liebe zu Padmé, die ihn so grenzenlos erfüllt hatte. Doch er konnte kaum den Schatten davon wahrnehmen. Es war ihm nicht mehr möglich.

 

Ich werde sie vor dem Tod bewahren! Ich werde nicht mehr versagen! dröhnte es in seinem Inneren. ICH BIN DER AUSERWÄHLTE!

ICH BIN DER SITH-LORD.

Er erschauderte.

 

Neue Bilder vor seinen Augen, es musste die Zukunft sein. Schwarz wie der Sensenmann durchschritt er die Galaxis, selbst die Sterne wichen vor ihm zurück. Sonnen verloren ihren Glanz. Die Republik war Geschichte.

Er sah glänzendes Schwarz, eine gewaltige einzigartige Gestalt. Ihr furchtbarer Hauch drang von einem Ende der Galaxie bis zum anderen, stand für Schrecken und Tod.

Er war der Verderbenbringer, er entschied über Leben und Sterben, mähte erbarmungslos nieder. Eine Schwarze Ikone der Dunkelheit. Die Seelen, sie fielen - die Landschaft lag voll von ihnen, die Nacht brach herein, es wehte ein eiskalter Wind.

MEINE GALAXIE. MEIN IMPERIUM.

Furchtlos starrte er in die entsetzlichen Augen des Bösen, bemühte sich, dem teuflischen Blick standzuhalten. "Verrat ist der Weg der Sith", durchfuhr es ihn. ICH BIN DER AUSERWÄHLTE.

Er würde alles Wissen an sich reißen. Er würde allmächtig werden!

 

Doch der Sith-Lord hatte ihn im Würgegriff. Er hatte ihn durchschaut, der böse Blick durchbohrte ihn. Er, der Anakin Skywalker gewesen war, schrie in Qualen auf.

"Du bist mein neuer Schüler." dröhnte es in seinem Inneren. "Du wirst mir bedingungslos gehorchen. Ich bin dein Meister." "Ja", krächzte er.

"Du trägst nun einen neuen Namen. Darth Vader."

Der Name hallte durch sein Inneres, verband sich mit dem schwarzen Teer und der Hülle, die ihn hielt. Mit der gewaltigen glänzenden schwarzen Gestalt, der Fratze des Bösen. Darth Vader.

Er spürte die neue unfaßbare Stärke. Werkzeug des Bösen.

 

Es gab keinen Weg zurück. Der Jedi-Ritter Anakin Skywalker war nicht mehr. Obi-Wans Freund und Gefährte war nicht mehr. Die schwarze Glut der Hölle füllte ihn aus, hatte ihn neugeformt. Er war ganz Sith. Er war ganz hasserfüllte Entschlossenheit. Er kannte keine Gnade. Seine Augen glühten in wildem bösem Feuer.

Und dennoch dachte er an Padmé. MEIN ist sie...!

 

Er hörte seine Stimme, sie war einige Grade tiefer als früher, kam von ganz unten. Fuhr den Menschen in den Magen, verursachte ihnen Übelkeit, Schwindel und Panik. Der Unheilsbringer, von Schwärze umweht, schritt durch dunkle Korridore.

Alles wich vor ihm zurück


ENDE