Die Flucht vor dem Untergang




Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Zett Jukassa konnte sich nicht an seine Eltern erinnern. Seine Familie war, seit er sich erinnern konnte, der Jedi-Orden gewesen. Geschichten über seine wahren Eltern, wie sie tapfer um das Überleben ihres Planeten gekämpft hatten, kamen ihm fremd vor. Als kleines Kind, nicht älter als sechs Monate, war er von Jedi-Gesandten nach Coruscant in den Jedi-Tempel gebracht worden, um dort zum Jedi ausgebildet zu werden. Nun war dieser seine Heimat geworden, und Zett hatte den Tempel mit seinen Sälen, Brunnen und Meditationsräumen lieb gewonnen.

 

Nun kämpfte er selbst ums Überleben.

Denn seine Heimat stand in Flammen.

Vor nur wenigen Minuten war es geschehen: Ein ganzes Bataillon Klonkrieger, angeführt von Anakin Skywalker, hatte den Tempel plötzlich angegriffen. Anakin Skywalker. Der Auserwählte. Der, auf dem alle ihre Hoffnungen gelegen hatten, die bösen Sith zu vernichten, kam nun selbst als einer zu den Seinen zurück und brachte Tod und Zerstörung mit sich.

 

Zett kauerte angsterfüllt in einer Ecke des Raumes, der ihm und zwei anderen Padawanen als Versteck diente. Ein Versteck, das wohl nicht mehr lange eines sein würde. „Wir müssen hier raus, und uns ein anderes Versteck suchen!“ rief Sen Kandar, einer der Padawane. Der, oder besser die andere war ein Mädchen mit graublonden Zöpfen, das Sen mit ihren braunen Augen einen langen Blick zuwarf. Dann sah sie weiter zu Zett, und selbst hier, im Zentrum der Gefahr musste Zett zugeben, dass dieser Blick ihm gefiel. Sen klagte weiter: „Aber wohin sollen wir denn gehen? Hier wimmelt es doch nur so von Klonkriegern und niemand weiß, wer Freund und wer Feind ist! Ich verstehe das einfach nicht; die Klone waren doch immer unsere Freunde. Und Meister Skywalker war immer so freundlich.“ Sya Mayn, die andere Padawan beruhigte ihn: „Ganz ruhig! Wir werden schon einen Ausweg finden.“

Sie blickte Hilfe suchend zu Zett und dieser nickte ihr zu. „Sicher werden wir das. Erst einmal müssen wir hier heraus; vor der Tür sind Klonkrieger, dieser Weg ist ausgeschlossen. Aber vielleicht...“,„Vielleicht was? Wie sollen wir in eines der unteren Stockwerke gelangen?“ Sen schaute ihn zweifelnd an... Dann wandelte der Zweifel sich in nackte Angst. „Nein!“, stammelte er, „das kannst du nicht von uns verlangen! Wir sind im Elften Stock!“ „Es ist unsere einzige Chance, Sen! Verstehst du das denn nicht? Wir müssen unsere Ängste überwinden und zusammen versuchen zu fliehen!“

Sya schaute ihn an. Obwohl er wusste, dass sie wie er und Sen Höhenangst hatte, war sie viel zu stolz, um das zuzugeben. So öffnete sie gefasst eines der Fenster und blickte nach unten. Und Zett wusste selber, dass ihr Vorhaben gefährlich war. Aber was war hier nicht gefährlich? So stieg er als letzter auf das breite Fensterbrett, neben ihm der zitternde Sen.

 

„Also, wir müssen drei Stockwerke nach unten, um die Landeplattformen zu erreichen. Ich hoffe, die Klone haben nicht alle Speeder zerstört.“ Mit bleichem Gesicht drehte Zett sich um.

Unter ihm Elf Stockwerke bis zum Boden. Neben ihm zwei ängstliche Padawane, Kinder wie er, die durch eine grausame Schicksalswendung an ihn gebunden waren. Ohne ein Wort zu sagen hatten sie ihn zu ihrem Führer erhoben. Ihn, der eigentlich nie ein Anführer sein wollte. Der nur in aller Ruhe die Macht studieren wollte, um einst ein Jedi-Ritter zu werden. Aber nun war nicht der Moment, um mit dem Schicksal zu hadern.

Langsam ließ er sich am Fensterbrett herunter. Als er frei hing, sandte er ein Stoßgebet an die Macht und ließ los. Wie eine Unendlichkeit kam ihm der Fall vor, als er endlich das nächste Brett zu fassen bekam und sich daran hochzog. Dann folgte Sen, dann Sya, beide ebenso erleichtert wie er, als sie wieder etwas unter den Füßen hatten. Die nächste Etappe wurde schon schwieriger, da auf einem Balkon unter dem Stockwerk, das sie erreichen wollten einige Klone erschienen, sie jedoch glücklicherweise nicht bemerkten. Von nun an durften sie keinen Laut mehr von sich geben.

 

Das zweite Fensterbrett meisterten sie schneller, jedoch wäre Zett beinahe gestürzt. Beim dritten und letzten wurde es schwer: Das Brett unter ihnen war dünner und reicher verziert, und darunter standen immer noch die Klonkrieger. Zett gelang es mit letzter Kraft, und er half Sya hinab. Dann sollte Sen folgen, doch dieser blickte nur mit schreckensweiten Augen nach unten. Auf Zuflüsterungen Zetts und Syas hin kletterte er schließlich über den Rand und ließ sich nach unten fallen. Zett stand unten und schaute zu, wie er fiel...und auf dem Brett ausglitt! Sen ruderte wie wild mit den Armen und versuchte, sich an Zetts Robe festzuklammern, vergebens; langsam, so schien es Zett, fiel er nach hinten, den Mund zu einem lautlosen Schrei verzogen...und blieb in der Luft hängen. Wenige Meter über den Köpfen der Soldaten schwebte er wie eine Feder im Wind. Erst jetzt bemerkte Zett seine ausgestreckten Hände und die Syas, die dasselbe taten. Lautlos hielten sie Sen durch die Macht in der Luft und trotz ihrer Angst verspürten sie große Freude: Zum ersten Mal gelang es ihnen, so etwas Großes zu bewegen. Langsam ließen sie Sen auf das Fensterbrett schweben und setzten ihn sanft ab. Da passierte es: Ein kleines Energieriegelpäckchen löste sich von Sens Gürtel und fiel mitten zwischen die Klonkrieger unter ihnen.

 

Einige Sekunden herrschte nur erschütterte Stille. Dann drehten sich fünf Köpfe zu ihnen um und eine Stimme rief: „Da! Jedi!“. Dann pfiffen die Blastergeschosse um sie herum und Zett trat schnell die Scheibe, vor der sie standen ein, während Sya und Sen sich bemühten,  die Schüsse mit ihren Lichtschwertern abzulenken. Das Gefühl der Griffe in ihrer Hand und das beruhigende Summen gaben ihnen neuen Mut. Dann waren sie drin und warfen sich erschöpft auf den Boden. Doch die Ruhepause hielt nur kurz, sie wussten, die Klone würden mit Verstärkung hier herauf kommen.

Also schlichen sie sich -glücklicherweise waren keine Wachen anwesend- aus dem Raum und verschwanden in einem Nebengang, gerade als die Soldaten um die Ecke kamen. Sie schlichen über weitere kleine Nebengänge vorwärts, ständig  mit den Soldaten hinter sich, die ausschwärmten und nach ihnen suchten. Auf einer kleinen Brücke mit Geländer, die sich über einen Raum mit Brunnen und Pflanzen zog, hielten sie an, um unmittelbar unter ihnen stattfindende Kampfhandlungen zu beobachten: Zwei Jedi, ein Twi´lek und eine Menschenfrau wurden von einer Horde Klonkrieger verfolgt. Mit dem Twi´lek hatte Zett einmal in Abwesenheit seines Meisters trainiert, und er hielt ihn für weise und stark. Doch Zett musste miterleben, wie die Klone die Jedi unerbittlich verfolgten und schließlich stellten.

„Warum tun sie das?“, fragte Sen verzweifelt, „und wer befiehlt ihnen diese Grausamkeit?“

In diesem Moment drohte die Übermacht der Klonkrieger die Jedi zu erdrücken. „Für den Kanzler!“ rief einer der Soldaten. Zett warf Sen einen Blick zu, der sagte: „Da hast du deine Antwort“. Schnell liefen sie weiter.

 

 Vor ihnen lag schon die Tür zu einer Landeplattform mit einem Speeder, als die Klonkrieger sie einholten. Sie stellten sich hinter eine umgefallene Säule und wehrten den Ansturm der Soldaten so gut es ging ab, doch die Lage wurde immer verzweifelter. Zett nahm in einer Feuerpause Sya beiseite und sagte ruhig: „Sya, wir wissen beide, dass wir hier nicht gewinnen können.“ Sya schaute ihn traurig an und nickte. „Ich werde gehen“, sagte sie und wollte aufstehen, aber Zett hielt sie fest. „Nein, Sya. Nicht du. Ich. Ich werde gehen, sie aufhalten und euch die Möglichkeit geben, zu fliehen. Jemand muss den Jedi-Orden retten, und das werdet ihr sein. Gebt ihm eine neue Zukunft. Lehrt andere die Lektionen. Ihr seid stark genug.“

 

Sya schaute ihn noch trauriger an, und beinahe hätte er aufgegeben. Aber er fasste sich wieder und sagte zu ihr: „Und Sya...ich konnte dir nie meine Gefühle zu dir ausdrücken, und ich kann es immer noch nicht. Aber ich möchte, dass du weißt, dass ich dich wirklich sehr gern habe und du mir immer eine treue und liebe Freundin warst.

Sya schaute auf. „Ja, ich weiß. Du warst mir auch ein guter Freund, und dein Opfer wird nie von uns vergessen werden.“ Gestärkt durch dieses beidseitige Bekenntnis stand Zett auf, ignorierte denn erstaunten und entsetzten Sen und sprang über die Säule. Er wusste, er würde sein Leben geben müssen, aber er tat es für seine Freunde. Wie ein Blitz aus Energie griff er die Klonkrieger an und lockte sie zu einer anderen Tür, die vermutlich zu einer anderen Landeplattform führte. Im Hintergrund nahm er Sens Schreie war, die nach ihm riefen.

 

Er trat auf die Plattform hinaus und rannte bis zum Ende. Verschwommen sah er weitere Klonkrieger, die um einen Mann in einem Speeder standen. Auch diese griff er mit tierischer Wildheit an, nur von dem Gedanken beseelt, seine Freunde zu retten.

Dann ging alles sehr schnell:

Die Klone schossen, der Mann schrie.

Das Lichtschwert verstummte.

Er dachte an Sen, den kleinen Sen mit dem großen Herzen.

Er dachte an Sya, die immer älter wirken würde als sie war.

Er dachte an den Jedi-Orden.

Und an die Macht.

 

Und Zetts Welt zerbrach.

 

Ganz in der Nähe erlebten seine Freunde Zetts Tod mit und spürten durch die Macht den Frieden, den der Padawan gefunden hatte. Durch seine Aufopferung hatte er den Schritt zum Jedi vollbracht. Sie stiegen schweigend in den Speeder. Niemand verfolgte sie und so durchlebten sie im Stillen noch einmal die gemeinsamen Momente und gedachten ihres tapferen Freundes. Dann flogen sie davon, ließen den geschwärzten und zerstörten Jedi-Tempel hinter sich und machten sich auf in eine neue Zukunft. Sen, der hier in seinem Element war steuerte denn Speeder sicher durch den Verkehr Coruscants. Sie würden dem Jedi-Orden in einer Zeit der Dunkelheit eine neue Zukunft geben. Und ihre Schüler würden die Geschichte hören von Zett Jukassa, der für seine Freunde gestorben war.


ENDE