Journeyman Protector -
The Tale of Boba Fett



Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Anmerkung des Autors:
Diese Geschichte enthält Spoiler aus der erst kürzlich in Deutschland erschienenen Legacy of the Force-Romanreihe.

Außerdem habe ich die Kerkerszene als Rahmenhandlung in leicht abgewandelter Form aus der Geschichte „The Last One Standing: The Tale of Boba Fett” von Daniel Keys Moran übernommen.

Da ich aber mit dieser Geschichte kein Geld verdiene, verzeiht man mir das hoffentlich.





“Jaster Mereel?”

Fett brauchte einen Sekundenbruchteil, um zu sich zu erinnern dass er gemeint war.

In den knappen anderthalb Jahren, in denen er unter dem Namen seines Großvaters auf Concord Dawn lebte, hatte der junge Mann noch immer leichte Schwierigkeiten sich ständig an seine Tarnidentität zu erinnern.

Teils deshalb, teil aus wohl bedachter Unverschämtheit blickte er auf und sah dem grauhaarigen älteren Mann, der gerade seine Zelle betreten hatte, prüfend ins Gesicht.

„Wie soll ich für Sie plädieren?“ fragte dieser unbeirrt weiter.

Anstatt aufzustehen bliebt Fett sitzen und musterte den Älteren, als wäre dieser Mann der Angeklagte und nicht er.

„Sie sind Iving Creel“ sagte er schließlich. „Ich habe von Ihnen gehört. Sie sind ziemlich berühmt.“

„Es soll keiner sagen, dass man Sie nicht fair behandelt hätte“ erwiderte der Plädierer.

Obwohl  Creel sich bemühte,  es nicht zu zeigen, sah Fett dem alten Mann an, dass dieser über seine Unhöflichkeit verstimmt war.

„Kommen wir zurück zu meiner Frage: Wie soll ich für Sie plädieren.“

Fett setzte ein kaltes Lächeln und sah zufrieden, wie Creel unwillkürlich zurückzuckte.

„Sie werden denen die Wahrheit sagen. Nämlich dass ich ihn getötet habe und dass ich nichts bereue.“

Crell schaute ihn ehrlich entsetzt an.

„Hören Sie, junger Mann: Ich glaube allmählich, dass Sie sich Ihrer Lage nicht bewusst sind.

Sie haben einen Captain der Protectoren ermordet. Ihren eigenen Vorgesetzten!

Dass mindeste, womit sie dafür rechnen müssen ist die Verbannung!“

Fetts Gesichtsausdruck veränderte sich nicht im geringsten, obwohl in seinem Inneren alles aufstöhnte. Seine Befürchtung hatte nun Bestätigung erhalten.

//Und trotzdem: weitermachen. Die Fassade aufrechthalten. Das Spiel durchziehen. Wenn nötig bis zum bitteren Ende// befahl der junge Mann sich in Gedanken.

„Eigentlich nicht schlecht. Ich könnte mich immer noch der Imperialen Armee anschliessen. Ich glaube da würde ich für Furore sorgen“ sagte er achselzuckend zu Creel.

Der hatte sichtlich Mühe, die kaltschnäuzige Aussage seines Mandanten zu verdauen.

„Wenn sie dem Gericht mit solchen Sprüchen kommen, wird man für Sie ohne jeden Zweifel die Todesstrafe aussprechen. Hören Sie, ich weiss dass Captain Lenovar ein korrupter Mann und eine Schande für die Uniform des Journeyman Protectors war, aber dass gibt Ihnen nicht das Recht, nach eigenem Gutdünken Todesurteile zu fällen. Fällt es Ihnen so schwer, auch nur ein wenige Bedauern darüber zu zeigen, dass Sie grundlos ein Menschenleben ausgelöscht haben?“

Gegen seinen Willen verspürte Fett ein gewisses Mitleid mit dem alten Mann, der ihn so leidenschaftlich zu bekehren suchte.

//Grundlos. Wenn er meinen wahren Grund wüsste...// dachte der Gefangene.

Aber Creel durfte es nicht wissen.

Niemand durfte es wissen.

 

 

FLASHBACK

 

Vielleicht war es ein Fehler gewesen, sich mit Sintas auf Concord Dawn niederzulassen.

Aber als Sohn des berühmt-berüchtigten Jango Fett und junger aber erfolgreicher Kopfgeldjäger hatte Fett sich bereits einige sehr einflussreiche Leute zum Feind gemacht.

Keine gute Voraussetzung, um mit der Frau, der er liebte ein friedliches Leben aufzubauen und Kinder großzuziehen.

Und da schien Concord Dawn der perfekte Rückzugsort zu sein.

Denn der Planet war eine kleine, arme Agrarwelt, mitten im Äußeren Rand, für die sich keiner dieser einflussreichen Leute interessierte.

Außerdem kamen seine Vater Jango und dessen Ziehvater Jaster von diesem Planeten, also lagen dort praktisch Fetts Wurzeln.

Ganz recht, zum damaligen Zeitpunkt war er durch aus noch imstande, solche sentimentalen Gefühle aufzubringen.

 

Zunächst schien auch alles gut zu laufen: Das junge Paar wurde schnell von den Alteingesessenen akzepiert und erwarb ein kleines Haus, Sintas brachte ihre gemeinsame Tochter Ailyn zu Welt und Boba fand eine Anstellung bei den Journeyman Protectors, die praktisch die Polizei des Planeten darstellten.

Das war zugegebenermaßen auch der einzige wirklich geeignete Job auf diesem Planeten für ihn, da die Bewohner von Concord Dawn hauptsächlich Farmer waren, während Fett von seinem Vater von Geburt an für ein Leben als Kopfgeldjäger und Söldner ausgebildet worden war.

Daraus hatten sich auch die ersten Probleme ergeben. Denn Jango hatten ihm zwar beigebracht, wie man ein großartiger Kämpfer und Überlebenskünstler war, nicht aber wie man ein guter Ehemann und Familienvater war. Das hatte zu Spannungen zwischen ihm und seine temperamentvollen Ehefrau geführt.

„Du hast kein Problem damit , alleine gegen ein Dutzen schwerbewaffnete Trandoshaner zu kämpfen, aber du läufst vor der Verantwortung davon, dich auch mal um deine eigene Tochter zu kümmern. Das ist einfach lächerlich, Bob!“ hatte Sintas ihm vorgeworfen.

Fett hatte ihr im Stillen recht gegeben. Er liebte die junge Kiffar immer noch, so wie sie ihn liebte und empfand Zuneigung zu seiner neugeborenen Tochter, aber jedesmal wenn er Ailyn im Arm hielt, fühlte er sich unwissend und hilflos. So hatter er sich zunehmend in die Arbeit geflüchtet. Doch auch dort sollte er bald Schwierigkeiten bekommen.

 

Der Captain seines Distrikts, Dan Lenovar, war ein sehr großer und kräftiger Kerl, mit entsprechenden Selbstvertrauen. Fett behandelte er immer, wie der alteingesessene Chef den jungen Grünschnabel zu behandeln pflegt.

Fett schluckte den Ärger darüber herunter, er wusste das so etwas normal war und sich mit den Jahren legen würde. Dann bemerkte Fett jedoch während seiner Arbeit immer wieder merkwürdige Vorgänge.

So wurden zum Beispiel einige Erntemaschinen, die ein lokaler Farmer als gestohlen gemeldet hatte, ganz offen auf dem Markt von einem zwielichtigen Händler gewinnbringend verkauft.

Ein anderes Mal war ein Mann, den Fett wegen schwerer Körperverletzung verhaftet hatte, am nächsten Tag ohne Anklage freigelassen worden.

Mit der Zeit begann Fett sich zu fragen, wie all dies Captain Lenovar entgehen konnte und ob der Mann wirklich so unfähig war. Die Antwort, die er durch vorsichtiges Nachforschen erhielt war aber noch niederschmetternder: Lenovar kassierte Schmiergeld von diesen Leuten.

Als Fett voller Entsetzen seine Kollegen darauf angesprochen hatte, hatten diese nur mit den Achseln gezuckt oder ganz unverhohlen zugegeben, ab und zu selbst die Hand aufzuhalten.

Fett war ausser sich vor Zorn und Entsetzen gewesen. Lenovar missbrauchte ohne Gewissensbisse seine Machtbefugnisse zur eigenen Bereicherung und korrumpierte durch sein schlechtes Vorbild seine Untergebenen. Fett wusste, dass er diesem verantwortunglosen Mann das Handwerk legen musste.

Also hatte er seinen Vorgesetzten angezeigt.

Wie naiv!

 

Bei der Verhandlung gegen Lenovar waren alle Zeugen, außer Fett, entweder eingeschüchtert oder bestochen und bescheinigten dem Captain untadeliges Verhalten.

Als Lenovar freigesprochen wurde und triumphierend in Fetts Gesicht gegrinst hatte, war ihm vor Wut übel geworden.

Er war aus dem Gerichtssaal gestürmt und hatte mit seinem Speeder eine lange Tour durchs Ödland unternommen, bis sein Zorn einigermaßen verraucht war.

Beim kühlen Nachdenken wusste Fett dass er auf  Concord Dawn nichts mehr zu erwarten hatte. Das mindeste was Lenovar tun würde, war ihn rauszuschmeissen. Der Captain war ganz sicher auf Rache aus.

Plötzlich traf die furchtbare Erkenntnis den jungen Mann wie ein Fausthieb in den Magen

//Sint und Ailyn!//

So schnell er konnte raste er heimwärts, fortwährdend betend, dass seine Ahnung sich nicht bestätigen würde.

 

Doch sie tat es.

Die Tür seines Hauses hing aufgebrochen in den Angeln.

Wie ein Schlafwandler trat Fett ein.

Was er sah liess ihm den Atem stocken.

Vor ihm lag seine Frau,

Nackt, voller Kratzer und blauer Flecken und in Tränen aufgelöst.

Während krampfartige Schluchzer sie schüttelten, presste sie beständig ihre Arme schützen an den Unterleib, als ob sie dort Schmerzen hätte.

So lange Fett Sintas kannte hatte er sie noch niemals weinen sehen.

Diese schöne, starke, selbstbewusste Frau so völlig gebrochen zu sehen krampfte sein Herz zusammen, dass es schmerzte.

„Sint...was...ist passiert?“ stammelte Fett unbeholfen, obwohl er die Antwort schon kannte.

Die junge Kiffar blickte tränenüberströmt auf und erkannte ihren Mann.

„B-bob...endlich...bist du...e-es war L-lenovar. Oh, Bob...e-er ha-hat mich...“schluchtze sie, bevor ihr weitere Tränen das Wort abschnitten.

 

Wäre Boba Fett ein normaler Mann gewesen, hätte er seine Frau jetz in den Arm genommen und ihr Trost gespendet.

Er wäre ins Nebenzimmer gelaufen und hätte seine kleine Tochter beruhigt, die dort, zum Glück unversehrt, schreiend und weindend in ihrem Bettchen lag.

Aber Boba Fett war kein normaler Mann.

Als ihm vollens in Bewusstsein drang, was Lenovar getan hatte, legte sich ein roter Nebel über seinen Verstand.

Er hatte nur noch einen Gedanken: Dieses verächtliche Stück Scheiße zu zertreten.

Wie von selbst trugen seine Beine ihn zu Lenovars Stammkneipe.

Eine Stimme im Hinterkopf flüsterte ihm zu, dass Lenovar dort mit seinen Spießgesellen seinen Freispruch feiern würde.

Sie hatte Recht.

Bevor der angetrunkene Lenovar überhaupt bemerkt hatte, wer da auf ihn zugerannt kam, hatte Fett seinen Blaster gezogen und drei Schüsse in das verhasste Gesicht gefeuert.

Als die anderen Kneipengäste ihn zu Boden rangen und ihm die Waffe abnahmen, realisierte er erst was er getan hatte.

 

Als man ihn beim Verhör über den Grund des Mordes befragte war Fett eines klar geworden.

Wenn er den wahren Grund nannte, wäre Sintas entehrt.

Soviel wusste er über die Kultur der Kiffar, das seine Frau in ewiger Schande leben würde, von Familie und Freunden ausgestossen werden würde, wenn bekannt würde, wie man sie beschmutzt hatte.

Das konnte er ihr nicht auch noch antun, schließlich hatte seine Anklage gegen Lenovar disem erst gegen seine Frau aufgebracht.

Wenn Sintas also nicht wollte, dass jemand von ihrer Schande erfuhr, würde niemand das aus seinem Mund erfahren.

Und so hatte er geantwortet, dass er Lenovar wegen seine Korruptheit getötet hatte.

Und dabei immer an Sintas gedacht, die er seither nicht wiedergesehen hatte.

 

FLASBACK ENDE


 

„Nun?“ drang Creels Stimme in seine Gedanken.

„Verspüren Sie nicht doch ein wenig  bedauern über ihr Handeln?“

Der Plädierer hatte seinen gedankenversunkenen Gesichtsausdruck falsch gedeutet.

Schnell setzte Fett das ausdruckslose Gesicht, wie eine Maske, wieder auf.

„Ja, ich spüre Bedauern“ sagte er langsam.

„Bedauern darüber, dass ich ihn nicht lange vorher getötet habe. Die Galaxie ist ohne ihn ein besserer Ort.“

Creel schüttelte verzweifelt den Kopf.

„Dann kann ich nichts weiter für Sie tun. Sie werden zweifellos schuldig gesprochen werden.

Ich befürchte, dass man Sie wegen Ihrer Arroganz hinrichten wird.“

Fett spürte tatsächlich Angst.

Angst vor dem möglichen Tod.

Angst davor Sintas nie wieder zu sehen; ihr niemals sagen zu können, wie Leid es ihm tat.

Wie gerne hätte er diesem gutmütigen alten Mann, der sich ernsthaft um sorgte, die ganze Wahrheit erzählt.

Aber er konnte nicht.

Stattdessen setzte der junge Mann ein leeres, freudloses Lächeln auf, an das Creel sich sein ganzes Leben lang erinnern würde.

„Man soll nicht zu sehr am Leben hängen. Jeder stirbt einmal...“




ENDE