Tell me a poem




Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





An Abenden wie diesen denkst du zuerst immer, alles wäre perfekt.

 

Das Wetter- nun, was will man auf einem stadtverseuchten Planeten wie Coruscant erwarten, aber immerhin, die Aussicht des Hotelzimmers ist wirklich so großartig, wie man sie mir beschrieben hat.

 

Nächster Punkt: Stimmung. Während ich mich gähnend in meinem luxuriösen formanpassenden Bett räkle und versuche, trotz der beginnenden Dämmerung draußen einigermaßen wach zu werden, merke ich positiv überrascht, dass sie noch besser als erwartet ist. Die Nachwirkungen des Alkoholkonsums gestern halten sich in Grenzen, heute Abend wird der größte Auftritt seit Jahren stattfinden, mein Manager Yo hat mein großes Comeback vorausgesagt… Ich wache tatsächlich mal auf und fühle mich nicht wie wiedergekäut.

 

Ein definitiver Fortschritt gegenüber den letzten Jahren, speziell dem letzten Jahr, das ich aus Gefühlsduselei an den größten Fehler meines Lebens verschwendet habe- nun, nicht mehr. Wenn sie wie geplant gestern von Maay zurückgekommen ist, muss sie meine Comlink-Nachricht bereits bekommen haben, dass sie sich nie wieder bei mir blicken lassen soll.

 

Frei von den Sorgen rund um meine Verflossene… Ein seltsames Gefühl, aber nicht unangenehm. Überhaupt nicht. Plötzlich fühle ich mich wie befreit. Mit einem kleinen Jauchzen springe ich aus dem Bett und erstmal unter die Schalldusche. Obwohl ich nach meinem Alkoholexzess gestern, mit dem ich meinen Abschied von Cara gefeiert habe nicht mehr an irgendwelche Alarmsignale gedacht habe, ist noch genug Zeit, bevor der Soundcheck losgeht. Eine innere Uhr, die mich noch nie im Stich gelassen hat, selbst nicht in den letzten Monaten, als es mir immer schlechter ging… Zu einem Auftritt kommt man nicht zu spät.

Vor allem nicht, wenn man nicht mehr sonderlich viele Auftritte hat, weil man seinen Erfolg als Teenie-Star hinter sich hat und das mit dem Imagewechsel bisher noch nicht ganz geklappt hat. Einmal mehr beglückwünsche ich mich zu dem Entschluss, nicht auf Cara gehört zu haben sondern ein neues Album aufgenommen zu haben.

 

Cara hätte es natürlich lieber gesehen, wenn ich weit weg von Coruscant bleibe anstatt mitten in das Zentrum des Kriegs zurückzukehren, Heimatplanet oder nicht– als ob hier jemals irgendjemand ernsthaft in Gefahr wäre.

Aber Cara, Cara mit ihren weisen Sprüchen und ihrer unerschütterlichen Jedi-Logik, Cara, die mich mit ihrer Fürsorge genauso erdrückt wie mit ihrer Gefühlskälte erstickt hat, Cara, der ich mein Herz geschenkt und in Fetzen zurückbekommen habe… Cara ist Geschichte.

 

Ich sollte mich nur öfter daran erinnern, bevor meine hervorragende Laune leidet.

 

 

 

 

 

„Süße, da bist du ja endlich.“ Yo sitzt bereits in der Lobby und mustert mich mit schief gelegtem Kopf, öffnet den Mund, schließt ihn aber dann wohlweislich wieder. Er weiß, was ich von seinen unqualifizierten Aussagen zu meinen Bühnenoutfits halte.

Ich bezweifle zudem, dass Twi’leks sich anmaßen sollten, über zu freizügige Kleidung zu urteilen.

„Ein ganz dringender Anruf für dich von Bespin.“

 

„Mach ich morgen.

Brille.“ Das grelle Licht der Hotellobby ruft nun doch die Kopfschmerzen von gestern auf den Plan, und nach meiner Sonnenbrille suche ich vergebens, als Yo mich zum Eingang bringt, wo die ersten Fotografen warten. Zum Glück hat er so was griffbereit. Was auch der Grund ist, warum ich ihn trotz seiner Besserwisserei beschäftige. Er weiß einfach, was ich brauche.

Natürlich muss er nicht alles wissen, vor allem nicht, dass ein Anruf von Bespin nichts anderes als eine getarnte Comlink-Nachricht von Cara ist. Cara Clout. In Cloud City hatten wir unser erstes Treffen… Fast schafft es die Erinnerung, dass ich für einen Moment abgelenkt werde, aber nur fast. Da stehen schließlich Reporter, meine Lieblingsfeinde.

 

Yo sieht mein Raubtierlächeln und beantwortet ihre Fragen selbst, während die hoteleigenen Wookiees uns einen Weg zum Speeder freischaufeln, bevor ich noch etwas sage, dass mein zum Greifen nahes Comeback gefährden könnte.

 

Ich höre kaum zu, weil ich immer noch krampfhaft damit beschäftigt bin, nicht darüber nachzudenken, was Cara noch will. ‚Verpiss dich aus meinem Leben’ hätte doch eigentlich klar genug sein sollen, oder?

Ich höre erst richtig hin, als irgendetwas von einem Schiffsabsturz und Kriegsende gemurmelt wird. „Kriegsende?“

 

Yo wirft mir einen verzweifelten Blick zu, der mir wohl sagen soll, dass ich meine Untauglichkeit für Öffentlichkeitsarbeit doch bitte an einem anderen Tag zur Schau stellen soll, aber zu spät… Das war zu laut.

 

„Vibra, eine Stimme zur aktuellen politischen Lage…“

 

„Vibra, was sagen Sie zu dem gestern erfolgten…“

 

„Vibra, bitte ein kurzes Bild…“

 

„Wo lebst du eigentlich, Vi?“ Mit nervös zuckenden Lekku verfrachtet mich Yo auf das hinterste Ende des Gleiters, mit einem Blick, der mich an jedem anderen Tag eingeschüchtert hätte.

 

Heute geht es mir zu gut dazu. Es ist immerhin der Abend meines Comebacks, egal was Coruscants unfähige Politiker und der noch unfähigere Galaktische Senat gestern wieder angestellt haben… „Entschuldige bitte, dass ich ein paar Freunde besucht habe und zur Abwechslung mal Spaß hatte.“ Trotzig vorgeschobenes Kinn und verschränkte Arme, das ist zugegebenermaßen nicht wirklich eine Haltung, mit der ich mich von meinem Teenie-Image verabschieden kann, aber ich kann diesen ‚Vibra ist wieder auf ihrem Egotrip’-Tonfall nicht leiden. Wenn ihn das stört, hätte Yo sich ein anderes ‚Supertalent’ suchen müssen, dass er fördern kann.

Nicht dass viele davon im Moment auf Coruscant rumlaufen. Die, die vielleicht das Zeug dazu haben sind zu verängstigt, um aus dem Haus zu gehen. So manch einer mag vielleicht denken, dass ich die Situation ein klein wenig ausnutze, mich eventuell sogar am Krieg bereichere… Aber kann ich was dafür, dass mein Comeback-Konzert ausgerechnet auf einen Tag fällt, wo anscheinend die Separatisten wieder mal zeigen müssen, wer hier den längsten… Atem hat? Wenn das den Leute nicht passt… Niemand zwingt sie, meine Alben zu kaufen. Oder Zeitungen zu lesen, die über mich berichten. Oder zu meinen Konzerten zu kommen.

„Was war denn nun?“, frage ich ungeduldig, als Yo mit seinen Gedanken schon wieder halb bei der Tourplanung und halb bei Comlink-Gesprächen mit Zeitungen, Produzenten und Veranstaltern ist.

 

„Lies.“ Unschuldig schiebt er mir die Morgenzeitung rüber. „Vi, manchmal frage ich mich ernsthaft, was für Drogen du nimmst. Nicht dass es mich was angeht, aber gib mir was davon ab.“

 

Ich spare mir die Antwort, weil mich der Bericht über den Absturz eines Separatistenschiffs über Coruscant und Count Dookus Tod zugegebenermaßen dann doch etwas mitnimmt. Wow. Kein Alkohol mehr. Nicht soviel. Nicht schon morgens, egal wie viel Mut man sich antrinken muss, um eine offiziell nicht mal existierende Beziehung zu beenden… „Ist das Konzert gefährdet?“

 

„Ist das alles was dich interessiert?“ Für einen Moment sieht er ehrlich geschockt aus und unterbricht sogar sein Telefonat für zwei Sekunden.

 

„Sagt wer? Der Kerl, der drei Nachwuchsbands und seine Ex-Frau im Stich gelassen hat, um letzten Profit aus einer abdankenden Teenie-Sängerin zu schlagen?“ Okay, das ist gemein von mir. Aber anders bringe ich ihn nicht dazu, mit seinen dummen Fragen aufzuhören. Yo ist dafür zuständig, dass ich nur auf die Bühne zu gehen und singen brauche. Alles andere geht ihn nichts an.

Nach seinem vernichtenden Blick und nachdem er demonstrativ zur Seite gerückt ist habe ich Zeit, in Ruhe über das Geschehene nachzudenken, soweit mein aufwallendes Adrenalin wegen des bevorstehenden Auftritts es erlaubt. Nun ist Coruscant also doch noch zum Brennpunkt geworden. Nicht dass mich das sonderlich beunruhigt. Republik, Separatisten… Das hat im Showbusiness noch nie viel Unterschied gemacht.

 

Cara hat es immer gestört, wie wenig ich mich für ihre Probleme interessiert habe. Für die der Galaxie und speziell für ihre persönlichen, für ihre Zweifel am Krieg. Manchmal frage ich mich ernsthaft, welche Grundlage wir irgendwann mal hatten. Sex kann es nicht gewesen sein.

Nicht zu Anfang jedenfalls.

Wer noch nie versucht hat mit einem Jedi zu schlafen, sollte es bleiben lassen. Die Gefahr, danach Zölibat zu geloben ist zu groß.

 

Immerhin, ein Diskussionsstoff ging uns nie aus, und der hatte peripher sogar mit dem Krieg zu tun… Cara wollte nicht mehr. Ein Jahr lang hat sie mir versprochen, dem Orden den Rücken zuzukehren, weil der Krieg seine Prinzipien zerstört…

Insofern war der Krieg eine richtig tolle Sache.

Aber nachdem Cara keine Veranlassung gesehen hat, sich während ihrer letzten, wochenlangen Mission auch nur einmal bei mir zu melden…

 

Schnauze, Vi. Das hatten wir alles gestern schon mal. Comlink-Nachricht, ich-will-dich-nie-mehr-sehen, schon vergessen? Keine Überlegung mehr wert.

Der Presserummel beim Galagebäude ist noch größer als der vor dem Hotel, wie ich missmutig bei einem Versuch, mit einem Blick aus dem Fenster diese verräterischen Gedanken und Erinnerungen zu vergessen feststellen muss. „Hintereingang?“

 

„Genauso belegt. Halt einfach den Mund und sei schön, Vi. Alles andere erledige ich.“ Nein, Yo scheint heute nicht seinen besten Tag zu haben.

 

„Sehr freundlich. Wieso bezahle ich dich eigentlich?“, knurre ich, schon wieder gereizt.

 

„Weil ich derjenige bin, der die da draußen nicht merken lässt, dass dir das, wovon du singst völlig gleichgültig ist und dein Wunsch nach Frieden und Einigkeit nur in ein paar hübschen Liedtexten besteht.“ Yo scheint eine Grundsatzdiskussion über Ehrlichkeit und authentisches Auftreten beginnen zu wollen, überlegt es sich bei meinem genervten Augenverdrehen aber noch mal.

„Egal.“ Plötzlich verwandelt sich dieses besserwisserische Lehrergehabe in etwas ganz anders, nur für eine Sekunde, bevor er sich ebenfalls eine Brille nimmt. „Sieh du nur zu, dass du deine Texte nicht vergisst, Goldkehlchen. Wenn das heute Abend klappt, hast du für die nächsten Jahre ausgesorgt. Und ich auch. Etwas anderes haben wir nie voneinander erwartet, nicht wahr?“ Ist das Sarkasmus? Sollte es mich beunruhigen, dass er mit der Brille offensichtlich einen weit unprofessionelleren Blick auf mein durchsichtiges schwarzes Kleid als vorhin verbergen will?

 

„Yo…“ Großartig, das auch noch. Bin ich nicht heute mal mit dem Gedanken aufgewacht, der Tag würde perfekt werden? „Hättest du mich nicht am ersten Abend angraben können, als wir uns begegnet sind? Dann hätte ich dich nicht engagiert, und du hättest dir viel Herzschmerz erspart.“

 

„Du bist nicht halb so tough wie du glaubst, Vi.“ Ich muss seine Augen nicht sehen um zu wissen, dass dieses nächste Lächeln in Wahrheit nur traurig und zynisch aussieht. „Das hat dich an mir immer abgeschreckt. Ich durchschaue dich wie kein anderer.“

 

„Falsch.“ Ich zeige ungeduldig auf den Seitenausgang des Speeders. Der Verkehr war wieder mal eine Katastrophe, wir haben länger gebraucht als ich dachte. Ich habe mich nach meiner langen, abgebrochenen Tour durch die Kernwelten noch nicht wieder an das Stadtleben gewöhnt. Vielleicht hätte ich doch etwas früher aufstehen sollen. Plötzlich ist der Zeitdruck da. „Du kennst nur mein Image, Yo, das ist deine Aufgabe. Alles andere geht dich nichts an, und das ist gut so. Es würden mehr Seiten einer Sklavin aus den unteren Ebenen hervorkommen als du je vermarkten könntest.“

 

„Mit einem hast du Recht. Gut dass ich dich nicht verstehen muss.“ Kopfschüttelnd betätigt er die Schaltfläche, die die Speedertür öffnet.

„Übrigens hat kurzfristig noch eine Botschafterin von Bespin um eine Backstage-Karte ersucht. Ich dachte, du hast nichts dagegen.“

 

Er steigt aus bevor ich meinen Schock überwinden und ihn zurückreißen kann. Und wieder Kameras. Mir bleibt nichts übrig als zu lächeln auch wenn ich lieber geheult hätte.

Dieses verdammte… Yo hat wohl mit einer Abfuhr gerechnet und sich die Rache gleich postwendend mit seinem lapidaren Liebesgeständnis zurechtgelegt. Ich dachte, er wüsste nicht, wer mein Kontakt ‚auf Bespin’ ist. Ich habe unterschätzt, wie gut er mein Leben in den letzten Jahren auseinander genommen hat. Er hat Cara eingeladen, nur um mich bloßzustellen…

Am liebsten hätte ich ihn kräftig in seinen breiten Twi-Hintern getreten. Dann hätte ich allerdings noch einen Strafregistereintrag mit dem Vermerk ‚Aggressivität’ und einmal mehr negative Presse als Zicke abgesahnt, also lassen wir das mal lieber.

Seltsamerweise kann ich Cara noch nirgends entdecken. Vielleicht war die ganze Aufregung umsonst. Trotzdem hat Yo erreicht was er natürlich wollte… Während Maske, Soundcheck und letzte Vorbereitungen wie im Traum an mir vorbeiziehen, erreiche ich meinen Tiefpunkt. Als will sich mein unbezähmbarer Geist dafür rächen, dass ich es die ganze Zeit geschafft habe, nicht an Cara zu denken, geht mir ihr Bild nun überhaupt nicht mehr aus dem Kopf.

 

Wie so oft schaffe ich es auch heute nicht, es zu einem zusammenzusetzen, sie als Ganzes, als einheitliches Wesen zu sehen. Es sind immer nur Ausschnitte vor meinem inneren Auge, ihre wilden roten Haare, die sie nur aufgemacht hat, wenn wir allein waren… Schmale, grüne Augen, dieser verdammt sinnliche Mund… Oder ihr Körper, bei den seltenen Gelegenheiten, wenn wir ein paar Stunden für uns hatten und ich sie dazu gebracht habe, diese grässlichen Tuniken loszuwerden…

Eine sardonisch hoch gezogene Augenbraue, wenn ich am Ende der Nacht wieder mal wissen wollte, wann wir unsere Beziehung endlich publik machen könnten… Ich glaube, sie hält es immer noch für einen Witz.

 

Es ist mir nie ernster mit jemandem gewesen.

 

Irgendjemand brüllt mir ins Ohr, und nach einigen Sekunden der Verwirrung fällt mir auf, dass ich schon zum vierten Mal den Einsatz verpasst habe und der Tontechniker gleich das Handtuch wirft.

 

„Alles klar zum Soundcheck. ‚Lay and see’. Gib mir den Refrain.“

Genug Cara für einen Abend. Sie hat mir das letzte Jahr versaut. Sie hat mir ein Jahr meiner Karriere versaut. Das hört heute auf. Wenn sie tatsächlich hier irgendwo ist soll sie nur sehen, wie gut es mir ohne sie geht.

Als ich die Musik der Band zum ersten Mal richtig wahrnehme fällt mir sofort auf, wie verstimmt die Hälfte der Instrumente ist, genau das Gehör, das mir schon in frühester Kindheit Gesangsstunden verschafft hat. Innerhalb von Sekunden ist meine Konzentration wieder da wo sie sein soll.

Perfekte Abende lassen sich schließlich auch konstruieren.

 

 

 

 

 

Es gibt auch solche Tage, an welchen man morgens schon weiß, dass sie beschissen werden. Ironischerweise bewahrheitet sich diese Ahnung beim Aufwachen grundsätzlich. Besser ist so ein Tag noch nie geworden. Höchstens noch schlimmer.

Neben einem fremden blonden Lockenkopf neben mir aufzuwachen gehört definitiv zu Dingen, die ich nicht mehr erleben wollte.

Während ich noch mit spitzen Fingern nach dem schrecklich dünnen, abgemagerten Arm angle, der auf meiner Brust liegt, um die Frau nicht womöglich noch zu wecken, versuche ich mich krampfhaft daran zu erinnern, wer das ist. Vielleicht die zweite Tänzerin von links, die kam doch bei der Party irgendwann am zweiten Tag… Wo sind die Kopfschmerztabletten?

 

„Vi!“

 

Das Hämmern an der Hotelzimmertür tut nichts, um meine Übelkeit und mein Schwindelgefühl zu besänftigen. Memo an mich selbst: Erfolgreiche Comebacks kann man auch anders feiern als zwei Tage durchgehend Party zu machen.

 

„Vi, schwing deinen Arsch da raus! Wir müssen sofort los!“ Das klingt irgendwie nach Yo, aber irgendwie auch wieder nicht… Wann hat Yo das letzte Mal panisch geklungen?

 

„Was soll das?“ Missmutig öffne ich die Tür einen Spalt. „Weißt du, wie spät es ist?“ Dumme Frage, zugegeben, wenn man selber keine Ahnung hat. Segen von verdunkelbaren Fenstern.

 

„Zieh dir was an, Herzblatt, und komm mit.“ Yo sieht auch tatsächlich etwas mitgenommen aus. Kein Anzug vom Designer? Kein Comlink? Kein Terminplaner? „Bevor sie kommen.“

 

„Bevor wer kommt?“ Ich kann mich nicht erinnern, aktuell vor irgendwem außer vor Reportern auf der Flucht zu sein…

Ein misstrauischer Blick zurück auf das Bett. „Die Kleine ist doch volljährig, oder? Wenn es ihre Eltern sind…“

 

Vi, schwing deinen verdammten Hintern aus diesem Zimmer!“

Etwas ist anders. Etwas ist falsch. Yo übertreibt nicht wie er das sonst immer tut. Er spielt auch nicht. Er will mir auch keins auswischen.

 

Zumindest animiert mich das dann doch, den Morgenmantel so weit zuzuziehen, dass ich mich auf den Hotelgang trauen kann. „Die Kurzfassung bitte. Wenn du mir wieder irgendetwas vom Krieg erzählen willst…“

 

„Der Krieg ist vorbei.“

 

Warum mir daraufhin so schlecht wird, dass meine jahrelang mühevoll künstlich erworbene dunkle Hautfarbe sich um einige Nuancen erhellt kann Yo wohl nicht nachvollziehen, denn er mustert mich verwirrt bevor er mir ein Datapad hinhält. „Das wurde für dich abgegeben. Bespin. Diesmal solltest du es vielleicht ansehen. Ich habe keine Zeit mehr für dieses Spiel, Vi. Ich bin nicht der einzige, der von deiner zweifelhaften Liaison weiß. Irgendwann dringt es zur Garde durch, also müssen wir hier weg, und zwar jetzt.“

 

Wieso?” Ich weiß immer noch nicht, was eigentlich das Problem ist. Nur dieser eine Satz ist mir wirklich in Erinnerung geblieben. Der Krieg ist vorbei. Frieden kehrt ein. Cara hat keinen Grund mehr, den Orden zu verlassen…

Warum verdammt noch mal zerreißt mir das das Herz? Ich habe sie verlassen, sie hat mir wehgetan…

Nur dass es nicht vorbei ist. Das war es nie.

Selbst mein Comeback war nichts als der verzweifelte Versuch, das zu verdrängen.

 

Ich merke zu spät, was Yo vorhat und kann ihn nicht mehr aufhalten, als er in das Zimmer stürmt, das schrille, hohe Kreischen und empörte Schimpfen meines Bettspielzeugs ignorierend, als er so plötzlich im Raum steht und die Fensterverdunkelung deaktiviert. „Deswegen!“

 

Die Sonne ist aufgegangen.

Coruscants Verkehr ist noch schlimmer geworden.

Irgendetwas geht da draußen vor. Etwas Großes.

Irgendwann später werde ich mich an das alles erinnern, was ich im Moment nur aus den Augenwinkeln sehe, weil ein einziges Bild meine ganze Wahrnehmung einnimmt.

Der Jedi-Tempel unweit des Hotels steht in Flammen.

 

Am Tag meines Konzerts hätte ich nicht gedacht, dass meine geringste Sorge bald das Ende meiner Existenz sein würde, weil viel größere und tiefschürfendere Nachrichten die Galaxie erschüttern als eine abgetakelte, alternde Sängerin von Herzschmerzballaden noch mal einen erfolgreichen Auftritt hatte.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich ja auch noch nicht, dass zwei Tage später die Liebe meines Lebens sterben würde.

 

 

 

 

 

‚Vi,

 

es geht zu Ende. Wir haben lange gekämpft. Ich bin bis an die Tore gekommen. Zumindest habe ich die schwache Hoffnung, dass diese Nachricht deinen Freund Yo erreicht, da ich dein Comlink nicht mehr anrufen kann. Ich werde mit der Ungewissheit sterben, ob ich dir noch sagen kann, was du vor deinem großen Auftritt nicht hören wolltest.

 

Weißt du, was wirklich ironisch ist? Der letzte Witz der Macht auf meine Kosten sozusagen? Heute Morgen wollte ich meinen Rücktritt bekannt geben. Der Rat war wieder mal zu beschäftigt. Mir war klar, dass du mir nie wieder zuhören würdest, solange wir in zwei verschiedenen Galaxien leben. Mir wird der Weg versperrt, bevor ich meine verlassen kann.

 

Vi, meine Einzige… Ich weiß nicht, warum sie hier sind und was hier geschieht. Ich weiß nur, dass die Jedi verloren haben, so wie die ganze Zeit im Krieg schon. Es wird mir aus der Hand genommen. Ich wünschte, ich wäre an diesem Abend bei dir geblieben. Du dachtest, ich wäre nicht auf dem Konzert gewesen, nicht wahr? Als du auf der Bühne warst… Du hast wunderschön ausgesehen. Es ist dieses Bild, das ich mit mir nehmen werde.

 

In den Worten deines letzten Lieds an diesem Abend hast du mich gefragt, ob ich bereue, was wir getan haben. Während ich meinem Tod ins Auge sehe, ist da nur eins, was ich sicher weiß… Ich wurde nie in meinem Leben irgendetwas gefragt. Ich durfte nie entscheiden. Die einzige Entscheidung, die ich je getroffen habe war die für dich. Für uns. Wie kann ich das bereuen? Wie kann ich bereuen, ein einziges Mal etwas gewollt zu haben?

 

Was mich erschreckt, wenn ich die Leichen der Jünglinge sehen, die bereits dieser Invasion zum Opfer gefallen sind… Das ist das Wissen, dass du die ganze Zeit Recht hattest. Dieser Krieg zählt nicht. Es zählt nicht, wer die Galaxie in der Hand hat. Der Orden war lange vorher an seinem Tiefpunkt. Wir haben nichts in dieser Galaxie besser gemacht, seit Jahren nicht. Wir haben an unserer Aufgabe versagt.

Ich hoffe, man erlaubt es mir, dich auch weiterhin zu beobachten. Nur diese Vorstellung, die Erinnerung an ein Jahr des Glücks werden es mir ermöglichen, zu ertragen, was vor mir liegt. Nicht ihre Blaster fürchte ich sondern was danach kommt. Was alle Jedi irgendwann erwartet. Die lange Zeit des Nachdenkens. Wie kann ich mir je selbst vergeben, dass ich nichts gesagt habe? Dass jetzt so viele von uns sterben mussten?

 

Du weißt, dass ich mich nie von dir verabschiedet habe, Vi, aber diesmal muss ich es tun. Diesmal kann ich dir kein Wiedersehen versprechen.

 

Danke für deine Liebe.’

 

 

 

 

 

’Wie erst jetzt bekannt wurde, wurde auf Bespin vor einigen Wochen die Sängerin Vi Blaeyr, der Öffentlichkeit besser bekannt als ‚Vibra’ tot aufgefunden. Vibra starb laut Angaben der Behörden an einer tödlichen Überdosis illegaler Drogen. Noch ist nicht bekannt, ob es sich um Selbstmord, einen Unfall oder ein Verbrechen handelt. Experten der Szene sind sich allerdings sicher, dass Vibras Tod im direkten Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen ihre Person bezüglich des Jedi-Aufstands und Beziehungen zu einzelnen Jedi stehen. Wir informieren Sie weiter.’

Coruscant News, 19 vY

 

 

 

 

 

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It could be the last time you stand beside me.

It could be the first time we see it through.

No matter what comes, I won’t ask you to write me.

There’s only one thing I’ll ask from you:

 

Tell me a poem, write a love song just for me!

I will miss you no longer…

Tell me a story, let me be the key!

I will be, I will be free!

 

And so you are leaving love and happiness behind…

Just turn around and say goodbye…

Whatever I’ve done for you to change your mind,

just turn around, and I won’t cry.

 

Whatever happens, don’t try to be true!

I’ll let you go if only you…

 

Tell me a poem, write a love song just for me!

I will miss you no longer…

Tell me a story, let me be the key!

I will be, I will be free!

 

Wherever I go, I just can’t take this blues away.

Can’t get these words out of my head…

The only cure for me is when you softly say

these words again. I won’t be sad…

 

Tell me a poem, write a love song just for me!

I will miss you no longer…

Tell me a story, let me be the key!

I will be, I will be free!

 

Tell me a romance, write a fairy tale for me.

I will miss you no longer.

Show me your heaven, and, baby, you will see,

I will be, I will be free.

I will be, I will be free…

 

Papermoon - Tell me a poem




ENDE