Frozen Blossom

Teil 1 von ?


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Kapitel 1: Erkenntnis

Noch immer gab es Tage, an denen sie sich nur schwer an ihre Senatorenroben gefallen finden konnte. Alles war irgendwie noch so neu und ungewohnt.

Sicher, als Königin von Naboo war sie noch weitaus schwerere Gewänder gewohnt, die noch weniger Bewegungs- und Spielraum ließen.

Es war jetzt zwei Monaten her, dass sie zur Senatorin gewählt worden war, doch erst jetzt betrat sie zum Auftakt der neuen Saison die politische Bühne. Sie hatte die Wochen genutzt, um sich mit ihren neuen Aufgaben vertraut zu machen, hatte politische Texte studiert und sich das „Who is Who“ Coruscants in Erinnerung gebracht.

Jetzt schien sie bereit für das politische Parkett, dem Kampf in der Rotunde des Senats.

Hoch oben in Republica 500 befand sich ihre Wohnung, teuer ausgestattet in exklusivster Umgebung. Selbst der Oberste Kanzler der Republik, Palpatine besaß seine Räumlichkeiten hier, ein paar Stockwerke höher. Er war ihr über die Jahre als treuer Freund und Berater geblieben, auch noch über die Zeit ihrer Herrschaft als Königin von Naboo hinaus. Gesehen oder gar getroffen hatten sie sich aber seit einigen Jahren nicht mehr…letztmalig als sie als Königin nach zwei Amtsperioden ausgeschieden war.

Damals wusste sie nicht genau, was sie nun tun würde, aber als ihr die neue Königin Jamila eine Ministerstelle anbot, so hatte Padme Amidala natürlich akzeptiert. Und dann wurde der Senatorenposten vakant…

Ihre einstigen Dienerinnen dienten ihr nun als Leibwächterinnen und Sekretärinnen. Einen Stab brauchte sie ja, damit ihr Büro lief und ihre Termine und ihr Tagesablauf gemanaged wurden.

Sie holte tief Luft, bevor sie sich ihrem ersten Termin stellte; einem Pflichttermin, den sich jeder neue Senator stellen musste: Das Antrittsgespräch mit dem Obersten Kanzler. Zwar kannte sie Palpatine schon lange, ihm jetzt aber als Senatorin gegenüber zu treten, war doch schon etwas Neues, und stimmte sie entsprechend nervös.

Sie betrat mit ihren Dienerinnen, Leibwächterinnen, den Empfangsraum vor dem Büro des Kanzlers und überprüfte zum allerletzten Mal den perfekten Sitz ihres Kleides, ihres Haarschmucks…sie wollte, musste unbedingt einen guten Eindruck hinterlassen.

Beruhige dich! Er kennt sich seit vielen, vielen Jahre. Dass du jetzt vorstellig bei ihm werden musst, ist lediglich dem Protokoll zu verdanken. Es ist ja nicht so, dass du dir eine totalen Faux Pas leisten könntest!

Ein Mann mittleren Alters kam aus dem Büro des Kanzlers heraus und trat zu ihr. Er war etwa mittleren Alters, blaß und Padme leicht unsympathisch. Aber er stellte sich mit freundlicher Stimme als Sate Pestage vor. Mit Leichtigkeit konnte sie ihn den zahlreichen Beratern Palpatines zuordnen, auch wenn sie meinte, ihn damals schon in Begleitung Palpatines gesehen zu haben, als dieser noch Senator gewesen war. Sie fragte ihn danach.

„Ja, in der Tat war ich bereits damals in seinen Diensten. Er erwartet Euch bereits, Milady.“ Mit einem Lächeln auf den schmalen Lippen und einer Geste leitete er Padme in das großräumige Büro hinein.

Palpatine saß nicht an seinem großen, dunklen Schreibtisch. Er hatte sich aus seinem Sessel erhoben, noch bevor Padme eingetreten war. Aber nicht, um am weiten Fenster zu stehen und auf die Metropole hinab zu starren, sondern um sie willkommen zu heißen und ihr entgegen zu kommen.

„Meine Gratulation zu Eurer Ernennung, Senatorin Amidala! Ich freue mich, Euch meine Glückwünsche nun auch persönlich überbringen zu dürfen und nicht nur durch eine Holonetnachricht“, er lächelte warm und reichte ihr die Hand.

„Vielen Dank, Kanzler!“

Padme blickte sich vorsichtig um in seinem Büro. Seit sie hier zum letzten Mal gewesen war, vor einigen Jahren, hatte sich nichts verändert. Noch immer war es ganz in dunklen, warmen Rottönen gehalten und durch erlesene Antiquitäten angereichert. Große, dunkle Statuen säumten den Raum.

„Darf ich Euch einen Tee anbieten?“, fragte er plötzlich, während er sie in einen Nebenraum lotste, der sein Büro mit dem Kontrollzimmer verband. Darin befand sich an der Wand eine große Reliefplatte mit mythologischen Szenen, die bei Ausgrabungen auf Yavin 4 gefunden worden waren. Darunter war eine Sitzgruppe platziert worden. Er bat sie Platz zu nehmen, nachdem Padme sein Angebot angenommen hatte.

Die junge Frau erschrak, als sie einen Moment Zeit hatte, sein Aussehen zu studieren: Der Kanzler war in den letzten Jahren stark gealtert; tiefe Falten zerfurchten sein blasses Gesicht, Augenringe verdeutlichten, wie wenig Freizeit und wie viel Stress sein Beruf mit sich brachte. Aber seine wässrig-blauen Augen waren klar, wach und lebendig. Sie schienen jünger als sein sonstiges Äußeres. Das einst dunkelblond-graue Haar war nun weiß geworden.

Und dennoch ist er sehr attraktiv…

„Erzählt mir, Milady, wie ist es Euch in den letzten Jahren ergangen?“, fragte er neugierig, während sie auf den Tee warteten, „Ich hörte, Ihr wart Ministerin für Eure Nachfolgerin?“

„Sie bat mich darum, da ich mich geweigert habe, auch noch eine dritte Amtszeit zu bekleiden.“

„Ah ja, ich hörte davon. Sie wollten doch sogar die Verfassung ändern, um es Euch zu ermöglichen, nicht wahr?“

„Ja, aber ich legte mein Amt dennoch nieder. Ich war auch froh, endlich wieder eine Privatperson zu sein.“

„Verständlich. In der Tat habe ich mich schon immer gefragt, wie ein junger Mensch solch eine schwere Belastung Tag für Tag ertragen kann. Und das in der Jugend, in der sich der Geist doch frei entfalten sollte.“

“Meine Familie gab mir den nötigen Rückhalt“, erklärte sie ihm mit einem Lächeln auf den Lippen, „Ohne sie, hätte ich es nicht geschafft.“

“Es ist wahrlich schade, dass unser Kontakt nahezu eingeschlafen ist,…was natürlich vielfach meine Schuld ist“, entschuldigte er sich, „In den letzten Jahren haben sich die Probleme im Senat gehäuft, ein Korruptionsfall nach dem anderen wurde aufgedeckt. Es gab sogar zwei politisch motivierte Anschläge auf diverse Senatoren.“

„Ich hörte davon.“

„Leider war es mir auch nur selten möglich, unseren Heimatplaneten zu besuchen. Wie gerne hätte ich mich hin und wieder dorthin gewünscht.“

Sein Sekretär erschien mit einem Tablett. Darauf stand eine Kanne aus wertvollem Porzellan, gefüllt mit Tee, dazu passende Porzellantassen. Sie ließen sich aufdecken und dankten dem jungen Mann, der auch rasch wieder verschwand, um sie nicht weiter in ihrer Unterhaltung zu stören.

Padme nippte an ihrer Tasse Tee. Obwohl das Getränk noch sehr heiß war, schmeckte sie bereits jetzt den feinen Geschmack und roch das herbe Aroma.

Eine erlesene Sorte Tee, da war sie sich sicher. Palpatine war für seinen guten Geschmack bekannt, der er jedoch nicht nach außen hin darstellte. Er liebte es schlicht. Bescheiden.

Bescheidenheit war eine Tugend oder gar Zier, die nicht mehr sehr viele Politiker einnahm. Sie hatte bereits auf den Weg zu dieser Audienz diverse Senatoren auf dem Korridor flanieren sehen, deren Kleidung und Schmuck ganze Familien ein Jahr lang gut ernähren konnten.

Palpatine hingegen hatte sein Amt dennoch auf den Boden der Tatsachen stehen lassen, obwohl er mit Sicherheit über genügend monetäre Werte verfügte, um sich dem Luxus ergeben zu können. Aber darauf schien er absolut keinen Wert zu legen.

„Wie hat Eure Familie es eigentlich aufgenommen, dass Ihr nun Senatorin seid? Also noch immer im Staatsdienst? Schließlich bleiben nur die wenigsten Naboo der weiteren Ämterlaufbahn außerhalb von Naboo erhalten.“

Palpatine sprach da aus Erfahrung. Aus langjähriger Erfahrung. Mit Anfang 20 war er Minister gewesen, hatte zwei Könige durch ihre Amtszeit begleitet, war dann schließlich zum Senator gewählt worden im Alter von 32 Jahren. Mit 49 gelangte er schließlich ins Amt des Obersten Kanzlers. Eine beispiellose Karriere, wenn man berücksichtigte, dass der Kanzler aus ärmlichsten Familienverhältnissen kam. Padme Amidala hingegen stammte aus gutbürgerlichen Verhältnissen, ihre Familie war sogar zu etwas Wohlstand gekommen.

„Sie waren wenig begeistert, aber gleichzeitig sehr stolz“, gab Padme leise zu, „Ich denke eher, sie sähen es lieber, wenn ich bald heirate und ein Kind nach dem nächsten in die Welt setze.“

Beide mussten Lachen.

„Dafür habt Ihr Euch aber für den familienfeindlichsten Beruf entschlossen, Milady“, er zwinkerte ihr schelmisch zu, lächelte noch immer warmherzig, „ich hoffe nicht, Ihr habt ihn gewählt, um Euch gegen die Wünsche Eurer Eltern zu wehren.“

„Nein, gewiss nicht“, versicherte sie ihm glaubwürdig.

Seltsam, dass er nach meiner Familie fragt. Er scheint direkt besorgt um mich zu sein.

„Ich möchte Euch versichern, Senatorin Amidala, dass Ihr jeder Zeit zu mir kommen könnt, egal, wann. Ich habe stets ein offenes Ohr für Euch und ein paar Minuten meiner Zeit.“

„Ich danke Euch, Kanzler.“

„Jeder Zeit, Milady“, er trank einen Schluck Tee, genoss den Geschmack, die Ruhe des Augenblicks, „Dabei,…ich möchte die Gelegenheit nutzen und Euch persönlich einige andere Senatoren vorstellen, mit denen Ihr sicher gut harmonieren werdet.“

Eine Einladung…?

„Am Samstagabend veranstalte ich eine Art gemütlichen Diskussionsabend in meinen Räumlichkeiten in Republica 500. Ich würde mich geehrt fühlen, stießet Ihr zu uns“, fügte er hinzu.

Er würde sich geehrt fühlen? Ich müsste mich geehrt fühlen, dass er mich dazu einlädt, mich in die Runde der Senatoren einführt,…auch wenn ich so manchen Vertreter sicher schon begegnet bin. Aber hier geht es um die Geste…

„Vielen Dank für die Einladung, Kanzler, ich komme gerne.“

„Gut, das freut mich“, er lächelte noch eine Spur wärmer, fast väterlich, dann aber zog er plötzlich seine Augenbraune nach oben, so als ob ihm plötzlich ein Gedanke gekommen wäre, „Habt Ihr eigentlich nicht noch Kontakt zum jungen Skywalker, Senatorin?“

„Zu Anakin?“, erstaunt sah sie den Kanzler an. Sicher, ab und zu in den letzten Jahren hatte sie den ein oder anderen Moment an den Jungen gedacht, der damals so plötzlich in ihr Leben getreten war. Sein Geschenk, die Kette mit dem selbstgeschnitzten Anhänger hatte sie auch noch irgendwo. Wahrscheinlich in ihrem Schmuckkästchen. „Nein.“

„Oh, verzeiht, ich nahm dies an.“

„Er wird im Jeditempel unterrichtet, so sagte man mir damals.“

„Das entspricht der Wahrheit, Milady. Meister Kenobi hat seine Ausbildung in die Hand genommen; die beiden befinden sich, meines Wissens nach, gerade auf einer Mission im Outer Rim.“

Padme stutzte. Sie hatte nicht gedacht, dass der Kanzler Kontakt zu Obi-Wan Kenobi oder gar Anakin Skywalker halten würde. Er hatte Anakin damals doch kaum wahr genommen, als dieser im Alter von 9 durch die Gästeräume von Palpatines Appartement gestromert war um der Langeweile zu entkommen und um endlich seine Anhörung vor dem Rat der Jedi zu bekommen. Oder hatte sie sich geirrt? Vorsichtig erkundigte sie sich.

Palpatine nickte: „Der junge Skywalker ist ein außergewöhnlicher Mensch. Ich bin überzeugt davon, dass aus ihm ein großer Jedi werden wird. Auf dem Weg zurück nach Coruscant damals hatte ich die Gelegenheit mich ausgiebig mit dem Jungen unterhalten. Seitdem unterhalten wir…nun, ich denke, es ist eine Freundschaft. Er besucht mich in unregelmäßigen Abständen.“

Ich wusste gar nicht, dass er so an Anakins Zukunft oder gar Problemen, Plänen interessiert ist. Er hat ihn auch früher kaum erwähnt. Ihre Freundschaft muss sich demnach erst in den letzten Jahren herausgebildet und dann intensiviert haben.

Padme entschied sich zu einem freundlichen Lächeln. An Anakin Skywalkers jetzigem Aufenthalt war sie recht wenig interessiert. Der Junge mochte nun gerade 14 sein; vielleicht auch schon 15. Sie hingegen war Anfang 20; eine erwachsene Frau. Sie beide trennten Welten!

Sie würde bestimmt nicht auf die Idee kommen, den Kontakt zu Anakin zu suchen. Obwohl der Junge stets freundlich gewesen war, so erschien er ihr von Anfang an…nun…unheimlich. Seine Art, seine Ausstrahlung war…seltsam gewesen. Manchmal kindlich, manchmal fast schon erwachsen. Sie meinte zu merken, dass ihm der Vater gefehlt hatte, den er nie besessen hatte. Und den es scheinbar auch nie gegeben hatte. Wenn man denn seiner Mutter glauben schenkte. Sie hatte einst darüber nachgedacht, was die Worte „Es gab keinen Vater“ sonst noch bedeuten konnte, denn ein Kind kam nicht von ungefähr. Definitiv war Shmi Skywalker damals etwas Schreckliches widerfahren. Da war es dann schon einfacher zu sagen, dass da kein Vater war. Aber ein Erzeuger. Wenn man es denn mal freundlich ausdrücken wollte.

Palpatine wechselte von sich aus das Thema. Padme dankte der Macht dafür sehr. Es wäre auffällig, würde sie von sich aus ein anderes Thema anschneiden. Aber Palpatine plauderte nun von diversen missglückten, demnach witzigen, amüsanten Senatssitzungen, heruntersegelndem Papier und Blackouts während diverser Ansprachen und Diskussionen. Von langweiligen Senatsbällen, bei denen alle bis Mitternacht warteten, um dann verschwinden zu können, von Dateien, die regelmäßig das interne Datennetzwerk lahm legten und diversen Verirrungen und Verwirrungen in der Tagesordnung.

Das alles hörte sich fast schon so an, als wolle er ihr den Senat als chaotischen Haufen verwirrten Individuen verkaufen. Dabei hatte er damals noch von all der Korruption und der Vetternwirtschaft gesprochen.

Dass, so sagte er, habe sich zwar etwas gebessert, sei aber noch immer, trotz intensiver Bemühungen, häufig der Fall. Die Aufgaben seien nun mal auf zu viele verteilt worden, und die Entscheidungsgewalt dieser Gremien wäre mehr oder weniger eingeschränkt oder schlichtweg nicht mehr vorhanden.

„Es ist traurig“, ein tiefer, bestürzter Seufzer verließ seine Lippen, „dass wirklich niemand dagegen ankommt und es scheinbar nur wenige ernsthaft stört! Selbst die Handelföderation hat wieder Fuß gefasst. Sie ist einfach noch viel zu einflussreich!“

„Und der Prozess gegen…?“

„Ist eingestellt worden. Die Mühlen der Justiz mahlen hier noch langsamer als sonst wo. Es gibt das Gerücht, dass so manch Angeklagter über das Warten auf seinen Prozess verstorben sei, und ehrlicherweise halte ich das für gut möglich.“

„Und dagegen kann man nichts unternehmen?“

„Einige Kollegen haben sich zu einer Art Gremium zusammengeschlossen und versuchen nun andere Senatoren zu überzeugen, verschiedene Änderungen vorzunehmen. Ich hoffe wirklich, dass ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt sein werden. Senator Organa zum Beispiel, der Mann ist Idealist und ein wirklich brillanter Politiker. Manchmal vielleicht etwas zu starrsinnig, aber sind wir das nicht irgendwie alle?“

Er lachte amüsiert, schmunzelte und nippte erneut an seiner Porzellantasse. Ihm gefiel das Gespräch mit Padme Amidala gut. Nicht, weil sie ihn vor diversen unangenehmen Aufgaben bewarte, sondern weil er es für wichtig hielt, sie möglichst schnell unter seine Fittiche zu bekommen. Sie zu beeinflussen und in die richtigen Bahnen zu lenken. Sie war jung und beeinflussbar; zumindest sah es ganz so aus. Naiv war sie sicher auch, aber in welchem Maßen vermochte er nicht genau zu sagen. Es galt daher, kein Risiko einzugehen und sich vorsichtig vorzutasten. Er würde sie von Zeit zu Zeit zu Gesprächen einladen, sich als ihr Berater, Freund und möglicherweise sogar Mentor unentbehrlich machen.

Sie ist hübsch geworden, sehr hübsch. Eine schöne Frau. Ein perfekter Bauer in meinem Schachspiel.

Schließlich dankte Padme für das Gespräch und den Tee; natürlich auch für die Einladung am Samstagabend.

„Jeder Zeit wieder, Milady“, er erhob sich mit ihr, nahm aber plötzlich ihren Arm und küsste ihre Hand. Eine seltsame, antiquierte Geste in ihren Augen, doch als er dies tat, flatterten plötzlich einen Haufen Schmetterlinge in ihren Magen herum. „Gebt gut auf Euch Acht. Ich könnte es nicht überwinden, stieße Euch etwas zu.“

Die Intensität mit denen er diese Worte aussprach verwirrten sie und setzten gleichzeitig ein erschaudern in Gang. Sie fühlte sich körperlich angezogen zu ihm. Das Kribbeln, die Schmetterlinge. Das war definitiv keine Nervosität! Die hatte sie ja vor dem Termin erleben können, das hier war etwas Anderes. Etwas was sie nicht verstand, oder einfach nicht wahrhaben wollte. Sie beide schien etwas zu verbinden, etwas, was weit über die Arbeit hinausging. Eine Freundschaft.





 

2. Kapitel: Ein angenehmer Abend

Padme Amidala war es schon immer leicht gefallen, rasch Kontakte zu knüpfen, ergo hatte sie schon nach wenigen Tagen erste Bekanntschaften gemacht und war auch zum Essen eingeladen worden. Es schien, als würde jedes Gremium herauszufinden versuchen, welche politische Richtung sie verfolgte, welches ihre Zielsetzungen und Bestrebungen waren und ob sie ehrgeizig genug war, um an dem einen oder anderen Stuhl zu sägen. Man hatte sie bereits vorgewarnt, bevor sie ihr Amt angetreten hatte, aber das man so offen damit umging, erschreckte sie.

Vorsichtig tastete sie sich durch ihre erste Woche. Durch die täglichen Besprechungen der Sektorensenatoren, durch die Termine, Gremiumssitzungen und durch die Senatsausschüsse und Diskussionsrunden. Alles erschien chaotisch, hektisch und unorganisiert. Fast schon planlos. Senatorin Amidala brauchte keine halbe Woche um zu erkennen, dass wirksame Politik zu betreiben ein Kampf gegen Windmühlen war. Aussichtslos.

Der Einzige, der mehr oder weniger erfolgreich durch die politische Gegend ging war und blieb der Kanzler selber. Er schaffte es, auch die unwilligsten Senatoren auf seine Seite zu ziehen. Er schien beliebt und besaß hohes Ansehen. Zumindest aber hatte sie in der ersten Woche genug Informationen erhalten und erfahren, um mit Königin Jarmila Rücksprache zu halten, welchen Gremium und welchen Ausschüssen man sich anzuschließen gedachte.

Hatte er mir nicht angeboten, ihn jeder Zeit um seine Hilfe bitten zu können? Vielleicht sollte ich ihn fragen, was er für das Beste für Naboo hält? Oder wäre das zu offensichtlich, dass ich noch immer hilflos bin? Oder ist es ein Vertrauensbeweis? Dass ich noch immer seinen Rat schätze? Himmel, er war fast zwei Jahrzehnte der Senator von Naboo, wenn er nicht weiß, was das Beste ist, wer dann?!

Sie beschloss, ihn um Rat zu bitten. Am Samstagabend. Da würde sich sicher eine ruhige Minute finden, schließlich hatte er von einem gemütlichen Diskussionsabend gesprochen.

Und als der Samstag gekommen war, stand sie ratlos vor ihrer Garderobe, unschlüssig, was sie anziehen sollte und wie überhaupt die Kleiderordnung für solch einen Abend aussehen könnte. Senatorenrobe oder doch liebes etwas nicht ganz so Formales.

Vorsichtshalber, oder besser aus ihrer Unsicherheit heraus, entschied sie sich für eines ihrer Senatorengewänder. Es war ganz aus wertvollen Stoffen gearbeitet, aufwendig, aber nicht protzig und von dunkelgrüner Farbe, so dass es perfekt mit ihren dunklen Augen harmonierten und mit ihren braunen Haaren, welche ihr kunstvoll hochgesteckt worden waren. Ein letzter Blick in den großen Spiegel der Ankleide…sie war zufrieden mit ihrem äußeren Erscheinungsbild, welches nichts von dem Chaos zeigte, das tief ihn ihr wütete.

Sie würde der Macht sei Dank nicht weit gehen müssen, oder gar ein Lufttaxi bestellen brauchen. Ein paar Minuten im Turbolift würden sie zum Kanzler bringen, dessen Privatwohnung sich in einem anderen Trakt von Republica 500 befand; Penthouse schätze sie, wahrscheinlich jenes, von dem es hieß, es besäße sogar einen kleinen Garten. Sie trat aus ihrer Wohnung heraus; der hauseigene Sicherheitsdienst gewährleiste, dass sie die kurze Distanz ohne irgendeinen Leibwächter zurücklegen konnte. Als Padme den Korridor in Richtung des Turbolifts entlang ging, begann ihr Magen zu rumoren. Wieder waren die Schmetterlinge geschlüpft und peinigten sie. Die teilweise etwas ruckartigen Bewegungen des Lifts, erschwerten diesen Zustand nur noch weiter.

Sie war wahrlich erleichtert, als der Lift an seinem Ziel angekommen war und sich die Türen wieder öffneten, um sie herauszulassen. Sie zwang sich tief durch zu atmen.

Ihr Herz pochte bis hinauf in ihren Kopf, sie war aufgeregt, aber irgendwie weniger nervös…es war schwer für sie, diesen Zustand zu analysieren.

Die Wohnung des Kanzlers war leicht auszumachen. Sie war die Einzige in diesem Stockwerk. Außerdem säumten zwei Senatswachen in blauen Roben mit geschulterten Blastergewehren den Eingang. Sie nickte ihnen zu und betrat dann die Räumlichkeiten des Kanzlers.

Padme war überrascht, dass Palpatine auch hier seine scheinbare Vorliebe für die Farbe rot größtenteils durchgesetzt zu haben schien. Einer seiner zahlreichen Sekretäre wartete im Eingangsbereich um die langsam eintreffenden Gäste zu empfangen und ihnen den Weg in den nahen Salon zu weisen, wo wohl schon der Kanzler mit den bereits eingetroffenen Gästen wartete.

Padme dankte mit etwas schüchternder Stelle und folgte dann den Korridor nach rechts zum nächsten größeren Raum; seinem öffentlichen Salon.

Was soviel bedeutet, dass er auch noch einen privaten Salon hat, zu dem nicht jeder Zutritt hat und in dem er in der Regel nur unter sich ist.

„Senatorin Amidala! Willkommen!“, begrüßte er sie freudig und mit einem strahlenden Lächeln, gleich als Padme den ersten Fuß in den Raum setzte. Außer ihr war bisher nur ein Mann etwa Mitte 30 anwesend, der sie interessiert musterte. Padme hatte ihn in der Rotunde bereits gesehen, erinnerte sich aber nur daran, dass er der Senator von Alderaan war.

„Nochmals vielen Dank für die Einladung, Kanzler.“

„Darf ich Euch Senator Bail Organa von Alderaan vorstellen, Milady?“, er wies mit einer Geste in Richtung des Mannes, dieser beugte grüßend sein Haupt, „Senator Organa, dies ist Padme Amidala, die erst kürzlich gewählte Senatorin von Naboo, ehemals Königin.“

„Ich erinnere mich, von Euch gehört zu haben, Milady. Die Blockade?“

Sie nickte. Palpatine brillierte nun als der perfekte Gastgeber und erkundigte sich nach ihrem Getränkewunsch, den er dann auch sofort weitergab.

Nacheinander erschienen nun weitere Senatoren, insgesamt aber eine kleine Gruppe. Padme war froh, sich nicht allzu viele neue Namen merken zu müssen. Manche der Herrschaften kannte sie bereits persönlich, vom Sehen oder von Hörensagen.

Schließlich, nachdem auch der letzte Gast eingetroffen war, und ein jeder mit Getränken ausgestattet und versorgt worden war, bat der Kanzler sie alle, doch Platz zu nehmen und so suchte man die große, fast etwas improvisiert erscheinende Sitzecke auf.

Padme landete neben ihm, was sie aber eher einem Zufall zu verdanken hatte, als gewollter Planung. Links neben ihr hatte es sich Senator Organa gemütlich gemacht. Seltsam erschien ihr, dass keiner von Palpatines Beratern zugegen war. Von denen hieß es, dass zumindest einer stets in seiner Nähe war.

Heute Abend scheinbar aber nicht.

Wahrscheinlich, weil es wirklich nur um Diskussionen, aber nicht um Entscheidungen ging. Alles ganz zwanglos. Der Kanzler würde ihre Dienste gar nicht erst in Anspruch nehmen brauchen, zumal die eigentlichen Diskussionen über die jeweiligen Themen später in den Gremien, Ausschüssen und schließlich auch im Senat stattfänden. Da wäre noch genug Zeit für die Berater, ihrem Arbeitgeber ausreichend zur Seite zu stehen.

Padme hatte keine Probleme den Gesprächen zu folgen, auch wenn sie selbst sich noch zurückhielt. Sie hielt es nicht gerade für angebracht, als Neuling sofort Unruhe zu stiften. Das könnte so ausgelegt werden, als wolle sie sich wichtig machen. Bescheidenheit war schließlich eine Zier…ihrer Meinung nach auch auf dem politischen Parkett.

Natürlich drehten sich die Gespräche um die derzeit aktuellen Ereignisse, um die Handelföderation und um die Abspaltung verschiedener Systeme, die sich den Separatisten anschlossen.

Ab und zu stellte Padme eine wohlüberlegte Frage in den Raum, sagte auch ihre Meinung auf Anfrage, hörte aber zumeist nur zu.

Ihr entging nicht, dass sie ab und zu, unauffällig, vom Kanzler beäugt wurde. Begutachtet. Oder geprüft? Seine blauen Augen durchdrangen sie fast, als würde er regelrecht versuchen ihre Gedanken zu ergründen. Jedes Mal, wenn sich dabei ihre Blicke kreuzten, wand er sich fast schon scheu ab, mit schüchternem Lächeln auf den Lippen.

Ihren Schmetterlingen im Bauch versetzten diese Situationen jedes Mal eine Bestätigung und diese flatterten noch wilder umher.

Schließlich neigte sich der Abend dem Ende zu. Die Runde hatte sich in viele kleine Einzelgespräche aufgelöst und Padme fand sich in recht angeregter Unterhaltung mit dem Senator von Alderaan wieder.

Irgendwie schien sie eine Art guten Eindruck bei ihm hinterlassen zu haben, denn er lud sie ein, sich doch dem Gremium, welchem er vorsaß, anzuschließen.

„Oder habt Ihr Euch schon für einige andere entschlossen?“, setzte er fragend hinzu, „Bezüglich der Thematik der Separatisten?“

„Bisher habe ich mich erkundigt und Informationen gesammelt“, gab Padme zu, „Allerdings muss ich noch Gespräche mit der Königin und ihren Ministern halte, bevor ich eine Entscheidung treffe.“

„Natürlich“, Organa nickte, ein kurzes Lächeln huschte auf seine Lippen, „Aber seid dennoch eingeladen, euch uns kommende Woche anzuschließen. Wir treffen uns stets in meinem Büro, den genaueren Termin würde ich Euch in Eure Ablage zuschicken.“

„Ich komme gerne“, antwortete Padme freundlich. Den ersten Schritt in die große Politik hatte sie wohl gemeistert. Ohne Faul Pax, ohne große Fehler zu begehen. Trotz jahrelanger Erfahrung war sie doch ab und zu etwas unsicher, zumeist, wenn sie in einem neuen Amt war. Ihre Mutter hatte ihr versichert, dass diese Reaktion ganz natürlich war. Man hatte Respekt vor den Aufgaben, den Erwartungen…

„Wunderbar. Mon Mothma habt Ihr schon kennen gelernt?“

„Nein, bisher nur von Hörensagen. Sie sei die jüngste bisher gewählte Senatorin.“

„Das entspricht der Wahrheit. Seltsam, dass sie noch nicht an Euch herangetreten ist. Nun, wahrscheinlich ist sie noch auf Chandrila aufgehalten worden“, er lachte und verabschiedete sich schließlich von ihr. Organa war in der Tat der Erste, der die Runde verließ. Er verabschiedete sich auch vom Kanzler. Padme hörte mit einem Ohr, dass er sich wegen seines frühen Aufbrechens entschuldige, aber seine Frau erwarte ihn zuhause. Sie sei heute überraschenderweise von Alderaan hergekommen. Der Kanzler hatte dafür großes Verständnis, ließ seine Grüße ausrichten und wünschte ihm noch einen schönen Abend.

„Er ist gerade frisch verheiratet“, plötzlich stand der Kanzler schelmisch grinsend neben ihr, „Kein Wunder, dass er lieber bei ihr ist, als sich den ganzen Abend mit ums um die Ohren zu schlagen.“

Padme musste auflachen. Bisher hatte sie nur recht wenig von den Machenschaften der Gerüchteküche mitbekommen, und sich erst recht nicht daran beteiligt. Umso erstaunter war sie, dass der Kanzler möglicherweise durchaus anfällig für Klatsch und Tratsch schien. Zumindest schien er nicht vollkommen abgeneigt.

„Er hat versucht Euch für sein Gremium zu werben, nicht wahr?“

Padme nickte: „Er hat mich eingeladen…“

„Sein Gremium wäre in der Tat eine gute Wahl. Senator Organa und seine Mitstreiter sind  von der Bank weg gute Politiker. Rechtschaffen und meiner Meinung nach nicht durch den Virus der Korruption verseucht. Außerdem ist der Altersdurchschnitt relativ niedrig, so dass sie zum einen entscheidungsfreudig, kämpferisch sind und stets neue Ideen haben.“

Soeben haben sich alle meine Fragen an ihn erledigt. Fast schon so, als habe er davon gewusst, dass ich ihn fragen würde.

„Ihr meint also,…ich solle seinem Gremium beitreten?“

„Ich bin mittlerweile unparteiisch, Milady, aber…nun…als Euer einstiger Berater und Freund würde ich Euch dazu ermutigen. Sprecht mit der Königin darüber, am Besten vor dem Treffen, so dass Ihr rasch zusagen könnt.“

„Danke…“

“Habt Ihr Euch derweil schon etwas im Senatsbetrieb eingewöhnt, akklimatisiert?“

„Ich orientiere mich noch etwas.“

„Lasst Euch ruhig Zeit, Senatorin. Hier geht alles sehr langsam zu“, er seufzte, „Ihr werdet mit Sicherheit nichts verpassen! Ich hoffe, Euch hat unsere kleine Runde gefallen?“

„Ja danke. Es war sehr interessant und anregend.“

„Das freut mich zu hören. Wir treffen uns in unregelmäßigen Abständen. Darf ich Euch denn in Zukunft stets dazuzählen, falls Ihr erreichbar seid?“

„Sehr gerne, Kanzler.“

„Mögt Ihr noch ein Glas Wein mit mir trinken?“, fragte er überraschenderweise eine etwas erstaunte Senatorin. Padme sagte zu und begleitete ihn zu einem kleinen Stehtischen auf dem Gläser und Weinkaraffen aufgereiht waren. „Welchen Tropfen bevorzugt Ihr? Weiß, Rot oder Rosé?“

„Weiß, bitte.“

Also schenkte er ihnen beiden ein und rechte ihr ein Glas, das andere nahm er. Dann nahmen sie wieder in der Sitzecke platz. Sie begannen zu plaudern, ganz unverfänglich. Er erkundigte sich, ob sie schon Kontakte geknüpft habe und empfahl ihr diverse Restaurants oder Bistros in der Nähe des Senats.

„Ich komme selbst ja nicht mehr sehr häufig dazu, den Mittagstisch aufzusuchen“, gab er zu.

„Ich hörte nur, Ihr habet Euren Urlaub auf Naboo gecancelt.“

„Leider ja. Dringende Termine. Ich war überall und nirgendwo; nur nicht zuhause auf Naboo.“

„Ihr vermisst es sehr?“

„An manchen Tagen schon. Dieses Grau in Grau der Bauten, nichts organisches…hätte ich nicht diesen Garten dort draußen, würde ich wahrscheinlich…nun…die grünen Wiesen, das Seenland noch mehr vermissen.“

Padme sprach davon, dass sie bereits eine Menge Pflanzen und Blumen für ihre Wohnung geordert habe, damit diese etwas mehr Leben bekam. Der Kanzler schien von Pflanzen in seinen Räumlichkeiten rech wenig zu halten, zumindest entdeckte sie nichts, was darauf schließen ließ, dass er ein Pflanzenliebhaber war. Aber natürlich konnte sie sich auch irren, sah sie doch schließlich nur den Öffentlichen Salon. Seine Privaträumlichkeiten mochten durchaus anders gestaltet sein, und obwohl allein dieser Gedanke eine gewisse Neugier bei ihr weckte, schätzte sie, dass sie außer dem Salon und seinem Büro nichts anderes zu sehen bekommen würde.

Hier und da kam ein Senator zu ihnen, um sich zu verabschieden. Sie unterbrachen dann für eine Weile ihr Gespräch, um es fortzusetzen, wenn derjenige gegangen war.

Palpatine war recht redefreudig und amüsant, gar nicht trocken, wie sie so manches Mal befürchtet hatte, dass er möglicherweise wäre. Er bot ihr sogar an, ihr seinen Garten ein anderes Mal zu zeigen, jetzt regne es ja leider.

„Ich komme auf Euer Angebot und Eure Einladung gerne zurück“, erwiderte sie freundlich lächelnd.

„Ihr seid bei mir jederzeit willkommen, Senatorin.“


Ende von Teil 1

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