Furcht, Hass und Liebe

Teil 1 von 3


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Kapitel 1

Endlos erstreckte sich die kahle, staubige Wüste Tatooines in alle Himmelsrichtungen. Eine gähnende Leere, so weit das Auge reichte.

 

Während Obi-Wan den Blick wachsam über die Landschaft schweifen ließ, in der es außer ein paar fliegenden Insekten ja doch nichts weiter zu sehen gab, entstand nach und nach das Gefühl in ihm, als hätte sich die gesamte Trostlosigkeit des Planeten nach langen Nächten der Beobachtung letztendlich auf ihn selbst übertragen. Er spürte sie in den Händen, in den Schultern, den Beinen und nicht zuletzt in der Brust, wo sie ihn traf wie ein stechender Schwerthieb. Selbst auf seinen Raumschifflügen, bei denen er vom tödlichen Vakuum des Weltraums umgeben war, hatte er nie zuvor diese Leere empfunden. Und von jedem Moment an erfüllte sie ihn mehr mit Angst.

 

Das summende Empfangssignal der Com ließ ihn jäh aus seinen Gedanken aufschrecken. Er drückte den Annahmeknopf. Unverzüglich erklang Qui-Gons Stimme aus der Sprechanlage.

‚Obi-Wan! Gibt es irgendetwas von Wert an Bord, irgendetwas, das wir eintauschen könnten?’

 

Verwirrt strich sich der junge Padawan über die Augen. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Qui-Gon ihn zu solch später Zeit noch kontaktieren würde. Geistesabwesend schüttelte er den Kopf, wobei er vergaß, dass die Com-Verbindung zwischen ihnen nur Audio war.

 

„Obi-Wan?!“ Die Stimme seines Meisters klang ungeduldig.

 

Abrupt erwachte der jüngere Jedi aus seiner Starre.

„Nein Meister, ich denke nicht, dass wir noch irgendetwas besitzen. Nichts, das für die Leute hier draußen von großem Wert sein könnte.“

 

Scheinbar enttäuscht ließ Qui-Gon paar Augenblicke verstreichen, doch dann hakte er erneut nach. ‚Bist du dir sicher, Obi-Wan? Hör zu, es ist wirklich wichtig.’

 

Widerwillig fing sein Schüler an nachzudenken. Das einzig Wertvolle, das sie besaßen, war der Raumgleiter der Königin. Doch diesen hatte Qui-Gon zu seiner eigenen Bestürzung bereits als Wetteinsatz für das morgige Rennen verschleudert. Nicht, dass Obi-Wan den Intuitionen seines Meisters nicht vertraut hätte...

 

Qui-Gon hatte schon oft ein sicheres Gespür für den Lauf der Dinge bewiesen.

 

Doch beim Gedanken daran, dass sie ohne ihr Schiff praktisch auf diesem kargen Planeten festsitzen würden, fühlte sich der junge Jedi schon ein wenig unbehaglich. Er überlegte weiter.

Republikanische Credits, die einzige Art von Währung, die sie mit sich führten, wurden von den Händlern Mos Espas bei ihren Wettspielchen nicht akzeptiert. Sie wollten Wertgegenstände sehen, etwas anderes schien auf diesem Planeten nutzlos. Die Garderobe der Königin vielleicht...? Ihre atemberaubende Kleidung hatte ihn schon bei ihrer ersten Begegnung fasziniert. Noch dazu, wie sie sich darin bewegte...

 

‚Obi-Wan? Gibt es noch irgendetwas an Bord, das wir eintauschen könnten!’

 

Der jüngere Jedi wurde rot. In diesem Moment war er zusehends dankbar für die bloße Audio-Verbindung.

„Nein, Meister... Ich muss bedauern. Doch offenbar sind wir in den Augen Tatooines nichts weiter als arme Gestrandete, und das ohne jeglichen Besitz.“

 

Vom anderen Ende der Leitung kam ein entnervtes Stöhnen. ‚Na schön. Wie es aussieht, befinden wir uns tatsächlich in einem enormen Nachteil. Die Menschen hier leben von nichts anderem als von ihren Glücksspielen... Aber allem Anschein nach können wir die fehlenden Ersatzteile für unser Schiff ohne Wetteinsatz vergessen.’

 

Obi-Wan glaubte, Verbitterung in der Stimme seines Meisters zu vernehmen. Instinktiv setzte er zu einem Widerspruch an.

„Qui-Gon, Ihr habt unser Schiff doch bereits diesem Händler namens Wattoo in Aussicht gestellt. Ist es ihm als Wetteinsatz etwa nicht ausreichend genug?“

 

Es gab eine lange Pause.

 

Misstrauisch beäugte Obi-Wan die schimmernde Anzeige, auf der es nach wie vor in regelmäßigen Abständen rot aufleuchtete. Der ältere Jedi war also noch immer auf Empfang.

 

Schließlich ergriff Qui-Gon wieder das Wort. Seine Stimme klang nun jedoch verändert; beinahe verlegen, erkannte sein Schüler.

‚Hör zu, Obi-Wan, es ist so... Es gibt da noch eine andere Sache, für die es Wert ist, ein Risiko einzugehen. Frag jetzt nicht, worum es geht. Ich werde dir alles später erklären. Die Königin braucht vorerst nichts davon zu erfahren, hast du verstanden?’

 

Verwirrt nickte Obi-Wan mit dem Kopf.

 

‚Hast du verstanden?’

 

„Ja, Meister...“ Der junge Padawan fühlte sich mit einem Mal vollkommen vor den Kopf gestoßen.

 

Seit wann hatte Qui-Gon Geheimnisse vor ihm? Bislang hatte er ihn doch ausnahmslos in jeden seiner Pläne, und waren sie noch so absurd zu geschienen, eingeweiht. Und nun wollte er nicht einmal der Königin etwas davon mitteilen. Was war nur los mit Qui-Gon?

‚Wir bleiben weiterhin in Verbindung’, erklang es erneut aus der Com. Die Stimme seines Meisters klang nun etwas ruhiger. ‚Halte dich bereit und überwache weiterhin die Sensoren nach jedem vorbei fliegenden Schiff. Ich werde dich morgen wieder kontakten.’

Ehe Obi-Wan etwas erwidern konnte, hatte der ältere Jedi bereits die Verbindung gekappt.

 

Schöne Aussichten! Als ob es nicht schon gereicht hätte, dass er auf diesem öden Planeten gestrandet war- nun begann auch noch sein Meister, sich ihm gegenüber vollkommen abwesend zu verhalten.

Seit Obi-Wan sich erinnern konnte, war Qui-Gon sein engster Vertrauter gewesen. Er war kaum vier Jahre alt gewesen, als er von seiner Familie getrennt worden war und zwecks seiner Jedi-Ausbildung von Planet zu Planet gereist war, ständig darauf bedacht, zu lernen und sich mit der Macht vertraut zu machen. Im Prinzip besaß er kaum noch Erinnerungen an seinen echten Vater... Mit der Zeit hatte sein Jedi-Meister mehr und mehr dessen Platz eingenommen. Und gerade jetzt hätte er es dringend gebraucht, mit ihm über seine Gefühle zu sprechen.

Seine Gefühle... Wie oft schon hatten sie ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Immer dann, wenn er sich bereits in der Gewissheit gewogen hatte, sie endlich kontrollieren zu können, waren sie stärker denn je auf ihn eingestürmt und hatten ihm den Verstand vernebelt.

So wie jetzt.

Es war nicht der fremde Planet, der Schuld an seiner Einsamkeit trug, das war dem jungen Padawan klar. Eher das Umgekehrte war der Fall: Die Wüste Tatooines spiegelte mit all ihrer Trostlosigkeit die Gefühle wider, die schon seit geraumer Zeit in ihm rebellierten, und nur durch sie drangen sie nun vollständig an die Oberfläche seines Bewusstseins.

Vielleicht war es auch schlichtweg die unmittelbare Anwesenheit einer Frau – der Königin – die ihn an all die Sehnsüchte seines Jedi-Daseins erinnerten? Blödsinn! Im Laufe der vergangenen Jahre war er einer Vielzahl von Frauen begegnet, und keine von ihnen hatte ähnliche Gefühle in ihm ausgelöst wie sie!

Der junge Jedi zwang sich, wie ihm geheißen die Sensoren nach vorbei fliegenden Schiffen zu scannen. Seine Finger huschten über die Konsolen, die im spärlichen Licht des Cockpits silbern schimmerten. Er blickte auf die Anzeigetafel- nichts. Der Planetenorbit war so leer wie die blank gefegte Wüste, die ihn umgab.

Beinah enttäuscht ließ sich Obi-Wan in das Polster seines Sitzes zurücksinken. Er ließ einige Minuten verstreichen, doch da er nichts Besseres zu tun hatte, probierte er es schließlich erneut.

 

Wie beim vorigen Mal besagten die Anzeigen, dass weder die Handelsföderation, noch irgendjemand anderes im Begriff war, Kurs auf den innersten Planeten ihres Sonnensystems zu nehmen.

 

Was soll's. Doppelt gecheckt hält besser!

 

Diesen Rat hatte er zum ersten Mal aus dem Mund seines Fluglehrers Fawcett gehört, dem damaligen Leiter des Jedi-Ausbildungscamps auf Alderaan. Der fünfzehnjährige Obi-Wan war einer der wenigen Menschen gewesen, die an seinem Kurs teilgenommen hatten.

 

Außer ihm hatte es nur noch zwei weitere menschliche junge Padawane gegeben: Andrew Myers, ein hoch gewachsener Blonder mit einem außerordentlichen Geschick für Raumfahrtechnik, und eine junge Frau: Thila.

 

Obi-Wan musste unwillkürlich lächeln bei dem Gedanken. Eine Welle der Erinnerung schwappte über ihm zusammen, brachte Gefühle mit sich, die der Jedi schon längst vergessen oder verdrängt zu haben glaubte; und noch ehe er einen klaren Gedanken fassen konnte, fühlte er sich zusehends in die Zeit zurückversetzt, in der er das heiße und zugleich schmerzende Gefühl der Liebe zum ersten Mal in seinem jungen Leben erfahren hatte.

 

 

* * *

 

 

Thila war kaum ein Jahr älter als er selbst. Sie stammte von einem weit abgelegenen Quadranten, hatte aber, genau wie Obi-Wan, ihre Heimat schon sehr lange nicht mehr zu Gesicht bekommen. Vielleicht war es dieses Gefühl der Einsamkeit, der vollkommenen Isolation, dass diese seltsam vertraute Bindung zwischen ihnen beiden geschaffen hatte?

 

Obi-Wan erinnerte sich amüsiert an seine damals kläglich unbeholfenen Versuche, sie nach der Flugstunde auf einen gemeinsamen Drink einzuladen. Seine Gefühle verwirrten ihn damals stärker als je zuvor. Natürlich wusste er, dass den jungen Padawanen jeglicher Kontakt zum anderen Geschlecht verboten war, sei es nun ein einfacher Kuss oder gar sehr viel intimere Aktivitäten, was dem unschuldigen Obi-Wan jedoch gar nicht erst in den Sinn kam. Tatsächlich verfolgte er bei seiner schüchternen Einladung kein anderes Interesse, als unter den spärlich vorhandenen Menschen seines Alters ein paar Freundschaften zu knüpfen. Die Absicht, eine der Vorschriften zu verletzen, war dem eifrigen Padawan vollkommen fremd; und im Nachhinein vermochte er auch nicht mehr zu sagen, wie die Situation derart hatte eskalieren können.

 

Zunächst hatte er auch gar nicht besonders viel Erfolg. Thila lachte bloß über sein Angebot und faselte irgendetwas von Vorlesungen über Hyperantrieb und interstellare Raumgleiter, die sie am Abend keinesfalls verpassen wollte. Ihre grünen Augen blitzten dabei jedoch wie bei einer kleinen Perootu-Katze, und augenblicklich spielten sämtliche Sinne und Körperteile Obi-Wans verrückt.

 

Wow...

Er war der festen Überzeugung, noch nie zuvor ein solch bezauberndes Wesen wie sie gesehen zu haben, weder auf Alderaan noch in der gesamten Galaxis.

Inmitten seiner entflammten Verliebtheit registrierte er zunächst kaum, dass ihm die hübsche Schülerin einen satten Korb erteilt hatte. Kurz darauf ertönte der Gong, der alle Schüler zur nächsten praktischen Einheit in den Hangar rief, und sie mussten sich unverzüglich auf den Weg machen. Obi-Wan bekam von dieser Stunde nicht besonders viel mit.

 

Ganz im Gegensatz zu Thila, die wieder einmal das herausragende Lob des strengen Fawcett einholte.

„Seht euch diese Schülerin an, junge Padawane! Sie hat das unverzichtbare Talent, Intuition mit logischem Denkvermögen zu vereinen!“

 

Von logischem Denkvermögen konnte Obi-Wan bei der jungen Frau jedoch nicht das Geringste feststellen. Er war selbstverständlich nicht der Einzige, der sein Glück bei ihr versuchte.

 

Eifersüchtig bekam der junge Jedi mit, wie Gradwin, ein ausgesprochen widerwärtiger Toydorianer, in einer der Pausen schleimige Annäherungsversuche bei der jungen Menschenfrau unternahm. Lüstern glitt sein fetter Arm über eins ihrer Beine, und einen Moment lang war Obi-Wan versucht, diesem Schleimbeutel eine Lektion in Sachen Laserschwertduell zu erteilen.

 

Doch allem Anschein nach hatte Thila seine Hilfe nicht nötig. Es gab einen heftigen Knall, ungefähr so, als wenn eine harte Faust auf glitschige Muja-Fruchtgrütze schlägt.

 

Sekunden später sprang der arme Gradwin mit einem qualvollen Schmerzensschrei zur Seite und lief hinterher Tage lang mit einem blauen Auge herum. Die Krönung des Ganzen war, dass er auch noch stolz behauptete, es hätte sich lediglich um ein tollkühnes Flugmanöver gehandelt, bei dem er – an sich kaum der Rede wert – ein paar mickrige Schrammen abbekommen hätte... Eingebildeter Idiot!

 

Doch auch die anderen Flugschüler ließen es an Freundschaftsangeboten und (erfolglosen) Flirtversuchen in Sachen Thila nicht mangeln. Sogar Myers, das blonde Technikergenie, ging ein oder zwei Mal mit ihr aus; eine Hinterhältigkeit, für die Obi-Wan insgeheim schon tollkühnste Rachegelüste gegen ihn hegte. Doch dieser Flirt war glücklicherweise nur von kurzer Dauer.

 

Als nämlich Thilas Abschlussnoten schlechter ausfielen als erwartet, gab sie kurzerhand ihrem zeitraubenden Flirt mit Myers die Schuld daran und würdigte ihn von da an keines Blickes mehr. Ja, sie war in der Tat eine ehrgeizige Schülerin. Doch in dieser Eigenschaft unterschied sie sich kaum von Obi-Wan.


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