Schattenspiele

Teil 1 von ?


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





1

Haspir Barrini

                                   

 

Der Zentralrechner im Büro von Il Avali verarbeitete jeden Tag viele Milliarden Daten und jeder Bericht, so haarsträubend oder unwichtig er auch sein mochte, wurde ordnungsgemäß dechiffriert, kategorisiert, katalogisiert und archiviert, damit er im Falle eines Falles abrufbar blieb. Da das meiste allerdings nichts weiter als Kopien aus dem Hauptrechner im Imperialen Zentrum waren, die als Aktennotiz an die Außenposten weitergeleitet wurden, fanden die Daten kaum weitere Beachtung. Lediglich die Dateien oder Absender mit einer deutlichen höheren Prioritäts-kennung wurden alle zwölf Standardstunden in einem Datenreport zusammengefasst und auf dem Bildschirm ausgeworfen. Es oblag dem Kommandanten, jede einzelne Datei manuell zu überprüfen.

Seit der I’att-Affäre vor drei Monaten hatten allerdings lokale Nachrichten absoluten Vorrang auf der täglichen Briefingliste von Druckenwell. Dank Moff Kerioths peinlichen und kläglich gescheiterten Bemühungen, einen Industrietycoon von seinem Thron zu stoßen, war es zwingend erforderlich, dass die Agenten von Il Avali zunächst einmal vor ihrer eigenen Tür kehrten, ehe sie sich mit Angelegenheiten der Kernwelten herumschlugen.

Bei all der angestrengten Konzentration auf die noch so kleinsten Brandherde, die direkt vor dieser Tür aufzuflammen drohten, verlor man jedoch schnell den Kontakt zur wirklichen Welt. Kaum jemand in dem unscheinbaren, in mattgrauen Tönen gehaltenen Büroraum interessierte sich für die Skyline aus qualmenden Hochöfen, Produktionsanlagen und anonymen Bürogebäuden jenseits des Transparistahlfensters. Ebenso wenig störte man sich an den Schwefelgerüchen, die hin und wieder zum Fenster hinein-wehten. Sobald man die Räumlichkeiten des Imperialen Sicherheitsbüros betrat, schien die Welt der Wirklichkeit entrückt. Häuser und Objekte wurden zu abstrakten Linien, Lebewesen wurde durch eine Abfolge von Zahlencodes und Ident-Nummern ersetzt. Der Lauf der Zeit, Sonnenauf- und Sonnenuntergang, Tag und Nacht, das hatte hier keine Bedeutung mehr.

Es war an einem solch gewöhnlichen Tag, an dem der Rechner eine höchst sonderbare Nachricht ausspuckte. Der Computer hatte sofort auf die Datei hingewiesen, weil es ihm unmöglich war, ihren Absender in den Datenbanken des Archivs aufzuspüren, noch den Code der Botschaft einwandfrei zu entschlüsseln. Da der Protokolldroide, den man zur Überwachung des Systems abgestellt hatte, weder die Herkunft noch die Chiffrierung manuell zuordnen konnte, schlug dieser mit wild wedelnden Armen Alarm.

Das Büro war an diesem Tag drastisch unterbesetzt. Fünf von sieben Agenten waren im Feldeinsatz, vier davon waren noch immer damit beschäftigt Kerioths Dreck beiseite zu räumen, den er bei seiner Flucht von Druckenwell hinterlassen hatte. Commander Marl, der Befehlshaber der Il Avali-Abteilung, nahm derweil eine »gesellschaftliche Verpflichtung« durch die BlasTech Corp war, was in seiner Sprache soviel bedeutete wie »Schmiergelder zahlen«. Wohin Sergeant Thalle, sein Stellvertreter, verschwunden war, konnte zu diesem Zeitpunkt niemand sagen. Der Mann kam und ging, wie es ihm gefiel und legte dabei eine Unverfrorenheit an den Tag, die einem die Sprache verschlug. Allein sein Rang und sein Können bewahrten in regelmäßig davor, vor einem Imperialen Erschießungskommando zu enden.

Sie waren also zu zweit und verbrachten den Großteil ihrer 25-Stunden-Schicht mit dem Abtippen ihrer Missionsberichte, die sie – nach Absegnung durch Marl – zum Imperialen Zentrum schicken würden, wo irgendjemand oder irgendetwas sie für alle Zeiten ad acta legen und verrotten lassen würde. So verlangte es das Oberkommando seit dem Todesstern-Desaster. Beide Agenten hatten sich schon fast mit ihrer Aufgabe abgefunden und die tödliche Langeweile mit einer Kanne Stimtee. Bis C5-CT mit seiner schwarzen Tarnlackierung herein gestolpert kam und aufgeregt mit den Armen fuchtelte.

»Schnell, schnell!« rief der Droide in einem Ton, als wäre sein Karbon-Kern kurz davor durch zu schmelzen. »Problem im Kontrollraum. Kommen Sie schnell!«

Mit dem Turbolift fuhren die beiden Männer und der Droide fünfzehn Stockwerke nach unten und fanden sich im zweiten Untergeschoss wieder. Der Kontrollraum mit dem Zentralrechner und dem Hauptanschluss an das HoloNet befand sich am Ende eines langen Korridors, der nur von ein paar gedämpften Infrarotlampen erleuchtet wurde. Zwanzig Meter unter der Erde hatte keiner mehr Wert auf eine ausreichende Beleuchtung gelegt. Der Kontrollraum selbst wurde von flimmernden Bildschirmen erhellt; rote und blaue Buchstaben fluoreszierten auf dem schwarzen Hintergrund der Displays.

»Was ist los?« fragte der eine Mann lustlos und ließ seinen Blick über die zentrale Recheneinheit und das Aggregat an der rückwärtigen Wand des Raums schweifen.

C5-CT eilte an die Hauptkonsole und betätigte mit seinen steifen Droidenfingern eine Reihe von Tasten. Daraufhin bauten sich Daten auf dem Bildschirm über der Konsole auf. Der zweite Mann trat an die Seite des Droiden und studierte die Anzeigen mit messerscharfem Blick. Er erkannte die verquere Codierung sofort, auch wenn er nicht mehr wusste, wo er sie zuletzt in einem Imperialen Kommuniqué gesehen hatte. Vermutlich während seiner Zeit auf Carida.

»Das ist ein Briefing«, kommentierte er. »Und wenn mich nicht alles täuscht, kommt es direkt aus dem Büro Seiner Majestät.«

 

 

Marl hoffte, dass Gliff und Hyker eine verdammt gute Erklärung für dieses Durcheinander hatten, andernfalls würde er ihnen persönlich den Hals umdrehen. Offenbar machten sie sich beide keine Gedanken darüber, was für eine heikle Angelegenheit es war, den Vorstand eines der mächtigsten Waffenproduzenten in der Galaxis zu bestechen, damit dieser seine Produkte auch in Zukunft an das Imperium und nicht an irgendwelchen Rebellenabschaum verkaufen würde. Dabei begab man sich sprichwörtlich in die Höhle des Löwen und hatte zu warten, bis er gewillt war sein Opfer ziehen zu lassen. Da konnte man sich nicht einfach so aus der Affäre ziehen, wenn einem danach war. Doch stattdessen hatten die beiden Agenten ihn mitten in der Besprechung mit dem Geschäftsführer von BlasTech angerufen und zurück beordert, wegen irgendeiner Nachricht, mit der sie nichts anzufangen wussten. Und da sein talentierter, jedoch höchst unzuverlässiger Stellvertreter wieder einmal vom Erdboden verschluckt worden war, blieb ihm nichts anderes übrig, als sich eine verdammt gute Ausrede zu überlegen und den Geschäftsführer einfach so stehen zu lassen. Er wollte gar nicht daran denken, was passierte, wenn er ihm das nächste Mal gegenüber stand. Hoffentlich gab das kein Donnerwetter! Wie kam es nur, dass ausgerechnet er mit soviel Gedankenlosigkeit und Inkompetenz umgeben war?

Also sprang Commander Freemin Marl hastig aus seinem Lufttaxi, hastete die Stufen vor dem Eingang des Bürogebäudes hinauf und durchquerte die mit Marmor ausgelegte Halle. Servicedroiden betreuten einige Besucher an der Rezeption, während um sie herum Hunderte Angestellte wie ein fleißiger, beinahe willenloser Kilik-Schwarm durch die Gegend schwirrten. Trotz seiner schwarzen Uniform stach der Imperiale Offizier kaum aus der Masse hervor. Alle trugen ähnlich formelle Kleidung, alle trugen eine Miene der absoluten Lustlosigkeit zur Schau, und alle scherten sich nur um ihren eigenen Dreck. Sie hatten keine Ahnung, dass sich in dem Hochhaus die Zentrale des Imperialen Sicherheitsbüros des Doldur-Sektors befand und sie mit Palpatines Spionen quasi Tür an Tür lebten. Manchmal glaubte Marl sogar, dass die Bevölkerung es nicht einmal zu schätzen wusste, was er und seine Männer jeden Tag für den Erhalt der Neuen Ordnung leisteten.

Ohne weiter auf seine Umgebung zu machten, ging Marl an einer Reihe von Turboliften vorbei, die überwiegend von einfachen Angestellten oder vom Reinigungspersonal benutzt wurden, und marschierte um eine Biegung des Korridors. Mit einer Schlüsselkarte rief er einen Aufzug herbei, den Imperiale Agenten vor dem Einzug des ISB in das Gebäude integriert hatten, und fuhr mit ihm hinauf in die dreizehnte Etage.

Oben angekommen, glitten die Türen des Turbolifts beiseite und gaben den Blick auf einen in seiner Schlichtheit Ehrfurcht erregenden Saal frei, der sich an der gegenüberliegenden Seite zu einem breiten Korridor verjüngte. In weißgrauem Durastahl getäfelte Wände kühlten die Raumtemperatur mental um ein paar Grad ab. Hartes, gleißendes Kunstlicht gab dem Raum die nüchterne Atmosphäre eines Operationssaals. Unscheinbare Computerkonsolen säumten die Wände, die Plätze vor den Konsolen waren jedoch verwaist. Ein Schauer kroch Marls Rücken hinunter bei diesem Anblick.

Er durchmaß den Saal so schnell wie möglich und hastete den Korridor entlang. Türen mit Aufschriften wie Verhör oder Untersuchung zogen rechts und links an ihm vorbei. Schweiß trat ihm auf die Stirn und der Gürtel seiner schwarzen Uniform zwickte ihn am Bauch, was ihn daran erinnerte bald wieder seine Kondition zu trainieren. Andererseits war er nicht der Kommandant eines schäbigen Außenpostens geworden, um wie ein dressierter Vorsk herbei gepfiffen zu werden. Aus diesem Grund hatte er sich schließlich hierher versetzen lassen: Damit er nicht ständig die Wichtigtuer des ISB auf Coruscant beeindrucken musste. Und abgesehen davon war er bereits zu alt für ausgedehnte Leibesübungen. Seine Knochen hätten da sicherlich nicht mitgemacht.

Am Ende des Korridors stand eine einzige Tür offen, durch die er die leise murmelnden Stimmen von Gliff und Hyker hören konnte. Als er eintrat, saßen die beiden Agenten dicht aneinander gedrängt an einer Konsole und studierten eine Nachricht auf dem Sichtschirm. Da Marl ihnen den Schlüssel gegeben hatte, mit dem sie die Botschaft aus Imperial City hatten dechiffrieren können, konnte es sich nur um eben jene Nachricht handeln. Mit einem ausgiebigen Räuspern lenkte Marl die Aufmerksamkeit der beiden Männer auf sich. Beide sprangen augenblicklich von ihren Stühlen auf und salutierten.

»Sir«, begann Hyker in militärischem Ton, um sein Desinteresse zu überdecken, »wir haben die Botschaft Ihrer Majestät auf jede erdenkliche Art untersucht, Sir, und dabei keine versteckten Ebe-nen gefunden. Eine Fälschung lässt sich aufgrund der Beschaf-fenheit des Codes ebenfalls ausschließen, Sir.«

»Schon gut. Lassen wir die langen Reden sein«, kommentierte Marl, der ihren Salut in verkürzter Form erwiderte und Hyker dann mit einer wegwerfenden Geste zum Schweigen brachte. »Ist das die Nachricht?«

Er schob sich an den beiden Agenten vorbei – sie waren schmächtig genug, um sich gleichzeitig hinter Marl verstecken zu können – und bugsierte sich selbst in einen der Stühle.

»Ja, Sir«, sagte Gliff, ein verhärmter 29-Jähriger, dessen Enthu-siasmus für den Dienst am Imperium noch nicht ganz verloschen war. »Sehen Sie sich das an.«

Gliffs Finger flogen über die Tastatur. Auf dem Sichtschirm erlosch die Analyse der Impuls-Modulation der Nachricht, über die er und Hyker soeben noch diskutiert hatten. Stattdessen präsentierten sich die Daten in ihrer reinen Form:

 

 

MSR [471-732BC943-2781-CV1 : 66584]  

Anzahl der Subjekte: 2

1: Level l-7, Larcoma, Xilix

2: Level k-12 Hapspir, Barrini, Corbolan, Triaxis

  

Anzahl der Objekte: Unbekannt

Limoy, Garl (Mensch, männlich)

Utis, Diphar (Mensch, männlich)

Weitere Verdächtige möglich!

 

Rendezvous

Sarquoi, Doldur-Sektor, [20: 9:31], Imperialer Standard

 

Untersuchung des Tatbestandes der Korruption und des Hochverrats. Der Missionsbericht ist bis [20:10:29] im Original an die Behörde für Interne Sicherheit in Imperial City zu übermitteln. Alle Beweismittel sind nach Abschluss der Untersuchung zu vernichten und Zeugen, wenn nötig, in Gewahrsam zu nehmen. Es ist absolutes Stillschweigen zu bewahren. Zuwiderhandlung wird wiederum als Verrat am Imperium geahndet.

Lang lebe das Imperium.

 

[GHI-LSMRO-PLPTNE]

 

 

»Machen Sie mir davon einen Abzug für mein Terminal«, befahl Marl und machte Gliff Platz. »Bringen Sie mir die Datenkarte dann in mein Büro.«

»Ja, Sir.«

Das Kinn mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand massierend, trottete Marl gedankenverloren den Korridor hinunter, zurück in Richtung Turbolift. Diesmal bog er jedoch nach rechts ab und trat an eine kahle Stelle an der Wand und berührte den kühlen Durastahl. Mit einem leisen Zischen schob sich ein Handteller großes Stück der Wandverkleidung beiseite und brachte ein Retina-Lesegerät zum Vorschein. Marl beugte sich darüber, ließ seine Netzhaut von dem Gerät abtasten und bestätigte seine Identität mit einem Passwort. Daraufhin schloss sich das Loch wieder. Es folgten eine Reihe von Klicktönen und die Umrisse einer Tür zeichneten sich auf dem Durastahl ab. Wenig später schwang die Verkleidung nach innen auf, wie bei einer Flügeltür, und er trat in sein eigenes, kleines Reich.

Hier und da zierten einige Skulpturen auf Sockeln und Podesten den Raum und ein großer alderaanischer Moosteppich spannte sich über die Längsseite des Büros. Auf seinen Wunsch hin hatte man den nackten Durastahl mit Paneelen aus Blba-Holz verkleidet. Sitzgarnitur und Schreibtisch waren in Cremefarben und Ocker gehalten, damit sich im Raum ein wärmeres und weitaus luxuriöseres Ambiente entfalten konnte. Nur weil der Großkommandant auf Kargheit und Askese stand, bedeutete das noch lange nicht, dass es Freemin Marl genauso erging.

Er ließ sich in den Repulsorsessel hinter seinem Schreibtisch fallen und strich sich mit einer Hand durch das kurz geschorene Haar. Was, bei allen Sternen, hatte das Oberkommando ihm mit dieser Nachricht sagen wollen? Wie kam es, dass Gouverneur Utis von Sarquoi in diesem Memo erwähnt wurde? Hatte der Mann nicht die Aktivitäten Kerioths aufs Schärfste verurteilt, als dieser sein hohes Amt missbrauchte, um sich einen persönlichen Vorteil zu verschaffen? Marl konnte sich daran erinnern, wie er in einer öffentlichen Rede sagte, es wäre eine Schande für einem Imperialen Gouverneur und Moff, seine Pflicht dem Volk und dem Imperium (wobei dies ohnehin ein und dasselbe war) gegenüber derart zu vernachlässigen. Wie sollte der Mann es geschafft haben, sich auf Coruscant verdächtig zu machen und dann auch noch des Hochverrats?

So in seine Gedanken versunken, dauerte es nicht lange, bis Gliff mit weit ausfallenden Schritt hinein kam und ihm die Datenkarte präsentierte. Hyker schlurfte hinter ihm her, als wüsste er nichts besseres mit sich anzufangen.

»Haben Sie schon eine Ahnung, was wir damit anfangen sollen, Sir?« fragte Gliff und bedachte Marl mit wissbegierigen Blicken. Mit hochgezogenen Augenbrauen starrte der Commander zurück.

»Nicht ganz. Aber da man offensichtlich einen Level 7-Agenten von uns fordert, kommen Sie wohl kaum in Frage. Da können Sie im Doldur-Sektor noch so ortskundig sein.«

Gliffs Mundwinkel zuckte, Enttäuschung machte sich auf seinem Gesicht breit. »Was ist das mit dem anderen Agenten? Die Be-zeichnung Hapspir Barrini ist mir bisher nicht untergekommen. Und Hyker auch nicht. Ist das irgendeine Anstandsdame, die uns das Imperiale Zentrum an die Seite stellen will?«

»Wenn das hier wirklich aus Palpatines Büro stammt«, sagte Marl und fuchtelte mit der Datenkarte in der Luft herum, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, »und davon müssen wir ausgehen, wenn ich mir die Signatur des Memos so ansehe, dann haben wir es hier mit einem Agenten des höchsten und gleichzeitig auch geheimsten Rangs zu tun. Hapspir Barrini, das ist ein Identifizierungscode der Klasse 12. Das ist kein Laufbursche irgendeines Generals, nein, das ist einer von Palpatines besten. Eine Hand des Imperators.«

»Hand des Imperators?« echote Gliff, plötzlich im Ehrfurcht heischenden Flüsterton. »Ich dachte, die wären nur ein Mythos.«

»Das dachte ich auch, aber wie erklären Sie sich sonst dieses Memo?«

Schweigen trat ein und Gliff und Hyker wechselten fragende Blicke. Marl unterdrückte ein frustriertes Seufzen. Egal wie brillant die Geistesblitze waren, die Gliff manchmal zu durchzucken schienen, irgendwie gelang es ihm immer wieder diese Anfälle von Genialität durch dämlich Fragen, die sich selbst erklärten, wieder wett zu machen. Kein Wunder, dass man ihn nach fast acht Dienstjahren noch immer auf Level 3 der Rangordnung versauern ließ. Und Hyker... Der Mann war offenbar von allem und jedem inzwischen so gelangweilt, dass er sich gar nicht mehr die Mühe machen wollte, seinen Verstand zu benutzen. Er tat zwar, was man ihm auftrug und er zeitige die notwendige Loyalität, doch über den Tellerrand zu blicken zählte er nicht zu seinem Anforderungsprofil. Im Kopf ging Marl eilig die Liste der Männer durch, die ihm hier in Il Avali zur Verfügung standen und sortierte direkt jene aus, deren Rang und Status innerhalb des ISB zu niedrig waren. Übrig blieben zwei Männer, von denen sich einer an die Fersen von Ex-Gouverneur Kerioth geheftet hatte.

Marl unterdrückte ein Seufzen. Das war der Nachteil, wenn man nicht direkt vom Imperialen Zentrum aus operierte. Die Ressourcen waren in jedweder Hinsicht begrenzt.

»Wir schicken unseren Gentleman«, sagte Marl, mischte dabei eine gehörige Portion Sarkasmus in seine Stimme und knallte die Datenkarte auf seinen Schreibtisch. »Ein bisschen bezahlter, außerplanetarischer Urlaub dürfte ihm gut tun. Kontaktieren Sie ihn und sagen ihm, er soll bei mir Meldung machen.«

»Äh...« Gliff kratzte sich verlegen am Nacken. »Sir, das könnte schwierig werden.«

Marl kannte diesen Satz und er war nicht besonders erfreut, ihn schon wieder hören zu müssen. Das war heute schon das zweite Mal. Wäre Thalle nicht so ein talentierter Bastard, er hätte ihn längst selbst über den Haufen geblastert.

»Na, dann finden Sie ihn eben!« blaffte Marl ungehalten. »Ist mir egal, wie Sie das anstellen, Hauptsache, es passiert ein bisschen plötzlich!«

Ich erkläre derweil meiner Frau, warum ich schon wieder nicht pünktlich zum Abendessen daheim bin, fügte er in Gedanken hinzu und beobachtete mit einiger Genugtuung, wie Gliff seinen Kollegen aus dem Büro scheuchte. Er konnte nur hoffen, dass die beiden sehr bald erfolgreich waren, viel Zeit war nicht mehr bis zu dem im Memo angegeben Datum. Und Thalle würde sicherlich eine Weile zur Vorbereitung brauchen. Das sollte Marl ruhig recht sein, dann würde er wenigstens niemandem im Weg herum stehen.

Mit einem schweren Seufzen und quietschendem Lederbezug lehnte er sich in seinem Repulsorsessel zurück, die Arme nach-denklich verschränkt.

Es wurde wirklich Zeit für seinen Ruhestand.



Ende von Teil 1

weiter zu Teil 2