Schattenspiele

Teil 2 von ?


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





2

Gelegenheiten


»Oh, bitte, mach’s noch mal!« verlangte sie mit zuckersüßer Stimme und spielte dabei mit einer Locke ihres blassblonden Haars. Ihre granatroten Lippen kräuselten sich und ihre stark manikürten Hände griffen nach einem Glas Namana-Nektar. Sie gehörte zweifelsohne zu der Sorte Frau, die alles dafür tun würde, um sinnlich und verführerisch auf jeden Mann in ihrer Umgebung zu wirken. Ihre nahezu perfekten Gesichtzüge waren allerdings zu vollkommen, um wirklich zu sein, und auch ihr knappes schwarzes Kleid zeichnete die Konturen eines äußerst üppigen Frauenkörpers nach. Sie war definitiv keine natürliche Schönheit, soviel stand fest.

Er hatte natürlich keine Ahnung wie sie hieß oder woher sie kam, aber das war nicht weiter wichtig. Nach dieser Nacht würde er sie mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr wiedersehen. Er wusste nur, dass sie inzwischen beim fünften Glas der süßlichen Droge angelangt war, die sie da mit bezaubernden kleinen Schlückchen nippte.

Sie saß ihm gegenüber und beobachtete mit einem spielerischen Glitzern in den Augen, wie seine Hand langsam von ihrem Oberschenkel zu ihrem Knie wanderte. Seine Fingerspitzen glitten ganz sanft über das Gelenk, zogen sich darüber zusammen wie eine Spinne und breiteten sich dann wieder aus. Kichernd zuckte sie zusammen. Ein paar Tropfchen hochprozentigen Zuckerwassers schwappten über den Rand ihres Glases hinweg und klatschen auf den Teppich.

„Es kitzelt so schön“, kicherte sie unkontrolliert und bedeckte ihren Mund zaghaft mit einer Hand. Ihre lackierten Nägel reflektierten das gedämpfte Licht.

Sie saßen gemeinsam an der Bar des Imperial Grand Hotels und hatten völlig vergessen, wo sie waren oder wie spät es inzwischen geworden war. Allein die Hotelgäste, die nach und nach in die Lobby strömten, um ein paar Drinks zu sich zu nehmen, gaben Aufschluss über die fortgeschrittene Tageszeit. Hin und wieder warfen die Gäste dem Pärchen einen Blick zu und beobachteten, wie sie einander im Flüsterton umgarnten. Eine Band spielte ruhige, getragene Jizz-Stücke, die die romantisch-abendliche Atmosphäre unterstrichen.

Clay bestellte sich bei dem menschlichen Barkeeper noch einen corellianischen Brandy, dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder der Dame zu. Seine Hand ruhte immer noch sanft auf ihrem schlanken Oberschenkel. Er hatte daran gedacht, seine Finger gerade so zu platzieren, dass sie seine Intention verstand, die Geste nach außen jedoch wenig anstößig erschien, und ihr schien das so zu gefallen. Seine Lippen berührten fast ihr Ohr, als er sich vorbeugte, um ihr etwas zuzuflüstern.

„Irgendwie wird das Gemurmel um uns herum langsam lästig“, sagte er leise. „Findest du nicht auch?“

„Ja-ah“, erwiderte sie gedehnt. „Aber was willst du dagegen unternehmen? Wir können den anderen Gästen schlecht verbieten miteinander zu sprechen.“

„Ah, Sprechen“, seufzte er und lächelte schelmisch. „Meiner Meinung nach wird Sprechen als Kommunikationsmittel ohnehin viel zu sehr überschätzt. Es gibt so viele andere Wege mit Menschen in Kontakt zu treten.“

Wie um seine Aussage zu unterstreichen, verstärkte er den Druck seiner Hand auf ihrem Schenkel und ließ seine Atem über ihre Wange gleiten. Langsam zeichneten seine Lippen die Linie ihres Kinns nach. Voller Genugtuung spürte er, wie ein Schauer der Erregung über sie hinweg ging.

„Da bin ich ganz deiner Meinung“, keuchte sie atemlos und legte ihre Hände Halt suchend auf seine Schultern. „Vielleicht sollten wenigstens wir etwas dagegen unternehmen.“

Ihre Lider flatterten, ein sehr gutes Zeichen. Jetzt konnte er seinen Vorstoß wagen und ihre bisherige Zurückhaltung zu Fall bringen. Nun hatte er leichtes Spiel.

„Ja, vielleicht sollten wir das.“ Vorsichtig platzierte er seine Hand nun auf ihrer Taille.

„Oh, bitte“, hauchte sie vollkommen hingerissen. Ihre Lippen näherten sich seinen. Gleich war es soweit...

„Äh, Sir?“ fragte plötzlich der Barkeeper und starrte das Pärchen auf der anderen Seite des Tresens abwartend an. Die Frau zuckte erschrocken zurück und Clay fiel es schwer ein genervtes Seufzen zu unterdrücken, ehe er sich umwandte und „Was ist?“ blaffte.

„Da möchte Euch jemand sprechen, Sir“, führte der Barkeeper aus. Mit einer Hand deutete er zu einer Tür mit der Aufschrift Privat. „Er sagte, es sei äußerst dringend.“

„Ihr habt den falschen Mann“, versuchte Clay ihn mit einem angestrengten Lächeln abzuweisen, darauf bedacht, seinen Worten einen übertrieben höflichen Ton zu verleihen.

„Marl wusste, dass Ihr das sagen würdet“, gab der Barkeeper mit einer Genugtuung zurück, die Clay ganz und gar nicht gefiel. „Und er sagte, wenn Ihr Euch weigert mit ihm zu sprechen, wäre es ein leichtes, sich in Eurer Sache mit dem Oberkommando...“

„Schon gut!“ raunzte Clay und rutschte von seinem Barhocker hinunter. „Wo ist das verdammte CommUnit?“

Der Barkeeper nickte und schloss einen kleinen Durchgang im Tresen auf, damit Clay in den Bereich hinter die Theke treten konnte.

„Wo gehst du denn hin? Clay! Was ist los? Du kommst doch gleich wieder, oder?“ fragte die Frau mit dem blonden Haar und den roten Lippen. Sie war völlig verdattert und sah ihm mit einigem Entsetzen hinterher. Er schenkte ihr jedoch keine Beachtung mehr.

Der Barkeeper führte ihn in ein kleines, muffiges Büro voller Aktenschränke. Auf den Ablageflächen türmten sich Bestellungszettel und Abrechnungen. Kartonagen, die einmal Lebensmittel enthalten hatten, lehnten zusammengeklappt neben der Wand. In mitten dieses Chaos wirkte die kleine HoloCom-Einheit mehr als unscheinbar. Hätte Marls Hologramm nicht so überdeutlich den Raum erhellt, hätte Clay sie wahrscheinlich übersehen.

Er richtete Kragen und Ärmel seines Hemdes und ließ sich auf einen unbequemen Stuhl vor dem CommUnit nieder. Die Holoprojektion eines übergewichtigen, älterlichen Mannes, dessen Haar langsam grau und schütter wurde, starrte ihn wachsam an.

„Level L-7“, meldete Clay sich. „Kenncode Larcoma Xilix.“

„Da sind Sie ja endlich“, sagte Marl, die Stimme mit einem Mischung aus Spott und Sarkasmus unterlegt. „Ich hoffe, Sie hatten einen angenehmen Tag.“

„Ich hatte schon bessere“, gestand Clay und fixierte das Abbild seines Kommandanten mit festem Blick.

„Na, dann kann es ja nun nur noch bergauf gehen, nicht wahr?“ Marls Gesicht verzog sich zu einer amüsierten Fratze. „Ich habe nämlich eine kleine Aufgabe für Sie. Wird Ihnen sicherlich gefallen.“

„Aufgabe?“ Worauf wollte das alte Scheusal nur hinaus? „Was für eine Aufgabe?“

„Ich bitte Sie, Thalle, das hier ist keine sichere Leitung. Wenn Sie Ihr persönliches Comlink nicht in Ihrem Apartment hätten liegen lassen, hätten wir diese Sache natürlich auf diskreten Wegen lösen können, aber Sie mussten ja...“

„In Ordnung, Sir!“ rief Clay und unterdrückte seine aufsteigende Wut. „Ich verstehe, worauf Sie hinaus wollen.“

„Offenbar verstehen Sie es aber nicht gut genug, sonst würde ich Ihnen nicht seit bereits vier Stunden hinterher rennen, während Sie irgendwo Steuergelder verblasen. Wir beide wissen, dass Sie brillant sind, Thalle, und wenn Sie wollen, können Sie ein Kath-Hund im Blutrausch sein. Sie haben das essentielle Verständnis für die Zusammenhänge der galaktischen Politik. Ihr Blick geht über den Doldur-Sektor hinaus und darum hat man Sie nach nur vier Dienstjahren einer so hohen Position zugeteilt”, erklärte Marl in nüchternem Ton. „Aber nehmen Sie’s mir nicht übel, die meiste Zeit sind Sie eine kleine Schlampe.”

Clay verkniff sich ein gehässiges Grinsen. Und das ausgerechnet von einem menschlichen Hutten, dachte er.

„Ich werde es mir in Zukunft merken, Sir.“

„Das will ich auch hoffen. Und nun sehen Sie zu, dass Sie hier rüber kommen, bevor die Nacht vorbei ist. Es gibt hier noch einiges für Sie zu tun.“

 

 

»Warum ich?« fragte Clay einige Zeit später und starrte Comman-der Marl über den Edelholzschreibtisch in seinem Büro hinweg an. Man hatte ihm soeben das Memo aus Imperial City vorgelegt und ihn damit ziemlich unerwartet getroffen. Trotz der späten Uhrzeit und der Tatsache, dass er seit über fünfundvierzig Stunden nicht geschlafen hatte, waren seine Sinne in Alarmbereitschaft. Adrenalin flutete durch seine Veinen und verwandelten sein Blut in einen Lavastrom.

„Verzeihen Sie, aber eine derart dämliche Frage habe ich von Ihnen nicht erwartet“, erwiderte Marl, „daher nehme ich mir die Freiheit, sie nicht zu beantworten.“

Immer wieder überflog Clay die spärlichen Daten. Er konnte kaum glauben, was er da zu lesen bekam. Nicht nur, dass ihnen allen die I’att-Sache noch im Nacken saß, nun bahnte sich der nächste große Knall an. Das Imperium ging langsam aber sicher den Bach hinunter, und zwar nicht, weil die Rebellenallianz die Übermacht der Imperialen Flotte zu besiegen drohte. Nein, das Imperium zerfiel von innen heraus, wie einst die Alte Republik, weil die Verantwortlichen, die Säulen, auf die sich die Neue Ordnung stütze, einfach unbeschreiblich dumm zu sein schienen. In Momenten wie diesen fühlte er sich eher wie eine Putzfrau, die der Galaxis hinterher räumte, als ein Imperialer Agent.

Andererseits sah dies nach einer wirklich großen Sache aus. Die Informationen betreffend der Zielpersonen waren natürlich noch reichlich dürftig und er würde ein paar Tage damit verbringen, sie den Zuständigen in Imperial City zu entlocken, aber er hatte schon ganz andere Dinge bewerkstelligt. Und Sarquoi, die Heimatwelt der humanoiden Quos, hatte er in seinem Leben schon oft besucht. Er kannte die Hauptstadt Palgakar mindestens genauso gut wie das Dorf, in dem er geboren worden war. Wenn er auch diesmal alles richtig machte, dann eröffnete ihm dies ungeahnte Möglichkeiten; Möglichkeiten, die Marl sicherlich nicht kommen sah. Dafür fehlte dem alten Mann der Weitblick.

Er leckte sich über die Lippen, die Worte auf die Zeile Hapspir Barrini geheftet. Genau wie der Commander kannte auch er diesen Code, auch wenn er bisher nur gerüchteweise davon gehört hatte. Niemals hätte er geglaubt, ihn einmal wahrhaftig vor sich zu sehen. Wenn Imperial City die Hand des Imperators schickte, muss dies wirklich eine Affäre von interstellarem Ausmaß sein. Eine Angelegenheit, die Konsequenzen für jeden Sektor der Galaxis nach sich ziehen könnte.

„Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen, Sir“, sagte Clay ruhig und verbarg seine Erregung so gut es ging. „Ich werde das Imperium nicht enttäuschen.“

„Davon gehe ich aus, Thalle“, sagte Marl und presste seinen massigen Körper noch fester in das Polster seines Repulsorsessels. „Allerdings sollten Sie wissen, dass ich Ihnen nicht von zwölf bis mittags traue, wenn Sie verstehen, was ich meine.“

Clay verstand nur zu gut. Und dennoch jagte ihm das Misstrauen des anderen Mannes keine Angst ein. Marls Zeiten waren ohnehin vorbei.

„In Ordnung, Sir“, begann er langsam. Er rutschte zur Kante seines Stuhls und machte sich bereit aufzustehen. „Wenn Sie nichts dagegen haben, werde ich mich jetzt an die Arbeit machen. Es gibt einiges nachzuholen.“


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