Der Auserwählte

Kapitel 1 - 80 von ?

Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.






1

  „Lord Vader.“

  „Ja, Captain?“

Captain Firmus Piett sah im Wortsinn auf zu dem Mann, der sein oberster kommandierender Offizier war – und den er rückhaltlos bewunderte. Sicher, Vaders Methoden waren… im besten Fall unkonventionell, eher brutal, doch unterm Strich verzeichneten seine Mannschaften weniger Verluste als die anderer Kommandeure… was seinem Drill, aber auch der Loyalität und Bewunderung seiner Leute zu verdanken war. Man fürchtete ihn, aber man respektierte ihn auch, und die Besatzung seines Flaggschiffs war IHM treu, nicht dem Imperator. Ein offenes Geheimnis. Er war ein genialer Taktiker, furchtlos und stets an der Spitze seiner Leute – etwas, das nicht viele andere Kommandeure von sich behaupten konnten. Gegenüber Leuten wie Piett, die ihre Ergebenheit und ihre Qualitäten bewiesen hatten, war er überraschend geduldig und offen, und er schätzte Mut und Eigeninitiative ebenso wie Selbstvertrauen, solang es nicht ausuferte. Dennoch war stete Vorsicht angebracht – und eine gewisse Sorgfalt in Wortwahl und Verhalten.

  „Der Bericht der Scouts, Mylord. Man hat eine kleine Rebellenbasis ausgemacht – wohl eher eine Vorhut. Die Stadt selbst ist überwiegend von Zivilisten bevölkert – wir haben mit etwa fünfzig bis hundert Bewaffneten zu rechnen, leichte bis mittlere Bewaffnung, vermutlich nahezu ungeübt.“ Piett schielte, während er sprach, in die Richtung seines Vorgesetzten, Admiral Ozzels, um seine Mimik zu beobachten. Ozzel schien immer… eifersüchtig darauf zu sein, daß meist Piett von Vader mit einer Aufgabe betraut wurde. Selten er selbst, noch seltener ein anderer Offizier. Piett war das zwar nicht unwillkommen, aber er fürchtete Vergeltungsmaßnahmen seitens Ozzel… auch wenn dieser sich noch zurückhielt, da er sich offensichtlich nicht ganz im Klaren über das Verhältnis zwischen Vader und Piett war.

  „Ausgezeichnet.“

Der Admiral im Hintergrund schnaubte und wandte sich ab. Piett unterdrückte ein Grinsen und konzentrierte sich wieder gänzlich auf den schwarzen Lord, dem das Zwischenspiel nicht entgangen war, aber darüber schwieg.

  „Das Gelände ist weitgehend eben, bewaldet, wenige Felder. Einige Farmtiere, nichts Großes. General Veers empfiehlt den Einsatz von AT-ST und Infanterie.“

  „Gut. Lassen Sie mein Shuttle bereitmachen.“

Piett runzelte die Stirn. „Es IST bereit, Mylord. Aber da ist noch etwas. Die Späher berichten von einem sonderbaren „Haustier“, einer Art kleinen Echse.“

  „Befürchten Sie, unsere Sturmtruppen könnten von einem Haustier gebissen werden, Piett?“ Die durch den Vocoder veränderte Stimme war eindeutig spöttisch.

  „Nein, Mylord. Aber mir erscheint es sonderbar. Ein Gefühl… die Berichte sagen, die Tiere würden versteckt gehalten. Warum sollte man ein kaum halbmetergroßes Tier verborgen halten, Mylord?“

  „Wir werden es herausfinden, Captain.“ Vaders Stimme war ruhig – oder eher beruhigend. Sie teilte Piett, der ihn mittlerweile gut kannte, verschiedenes mit, unter anderem, daß Vader seine Besorgnis und sein schieres Gefühl nicht nur zur Kenntnis, sondern durchaus ernst nahm. Und es honorierte. Piett fühlte, wie eine warme Welle der Freude und des Stolzes ihn sanft überlief. „Sagen Sie General Veers, ich treffe ihn am Sammelpunkt.“

Der Stolz wich erneut Sorge, und Pietts resigniertes „Ja, Mylord“ verhallte ungehört unter den knallenden Absätzen des dunklen Lord der Sith, der mit wehendem Mantel bereits auf dem Weg zu seinem Shuttle war.

 

Während Vader höchstselbst den Pilotensitz seines Shuttles einnahm und parallel dazu die Truppentransporter starteten, wandte Piett sich wieder dem Computer zu. Er hatte sofort nach Erhalt und Studium der Berichte eine Suche gestartet, die immer noch nicht beendet war. EXECUTORs Datenbank war größer als jede, die jemals auf einem Sternkreuzer gehostet worden war, und reichte beinahe an die Zentraldatenbank von Coruscant heran. Immer noch liefen Bilder und Daten in rasender Schnelligkeit über den Schirm, zu schnell für jedes humanoide Auge, beinahe reine Schlieren von Farbe und Form.

  „Verdammt…“ murmelte Piett mehr bei sich. „Ich habe ein schlechtes Gefühl bei diesen Viechern.“

 

Wenig später brachte General Veers unten auf dem Planeten seine Truppen in Stellung und erläuterte seinem Vorgesetzten den Einsatzplan. Nach einem knappen Nicken Lord Vaders befahl er den Angriff.

Seine Truppen schwärmten aus und umrundeten das Dorf, um von vier strategischen Positionen aus gleichzeitig anzugreifen. Vader schloß sich einer der Truppen an – derjenigen, die ins Herz der Siedlung vorstoßen würden – während Veers im Basislager mit den Reservetruppen verblieb.

Er ging in Gedanken nochmals den Schlachtplan durch, hakte alle Eventualitäten ab. Ja… aufgrund der von den Scouts ermittelten Gegebenheiten sollte alles perfekt laufen. Und auch unvorhergesehene unliebsame Überraschungen waren aus alten Erfahrungswerten einkalkuliert und abgedeckt. Maximilian Veers war kein Mann, der sich mit Halbheiten abgab oder Leben und Gesundheit seiner Leute riskierte – schon gar nicht, wenn Vader dabei war. Sein Blick glitt prüfend über seine restlichen Truppen, dann über die Bildschirme der mobilen Kommandostation, die seine Leute aufgebaut hatten und den Blickwinkel aus der Helmkamera der Offiziere und Geher zeigten, dann nickte er befriedigt. Alles, wie es sein sollte…

 

Auf der Brücke stoppte der Computer den Durchlauf und meldete „Übereinstimmung gefunden.“ Piett beugte sich vor und begann zu lesen.

 

Vader marschierte an der Spitze seines Zuges in die Stadt – schlicht und ergreifend. Die Truppen hinter ihm waren nicht in Marschformation, sondern verteilten sich in die Häuser am Weg. Zivilisten wurden herausgetrieben, Bewaffnete gnadenlos niedergeschossen. Bald waren aus einigen Richtungen Feuergefechte zu hören, auch von weiter weg, wo die anderen Stoßtrupps in die Stadt eindrangen.

Vader kümmerte das nicht. Er behielt seine Umgebung sehr genau im Visier, nicht nur über die äußeren Augen, sondern auch mit seinen Machtsinnen. Etwas war… sonderbar. Anders. Wie… Löcher in einem Gewebe. Aber dann wurde seine Aufmerksamkeit von einem halben Dutzend Aufständischer abgelenkt, die sich selbstmörderisch auf ihn stürzten, und mit dem Aufblitzen seiner roten Klinge wanderte das sonderbare Gefühl in den Hintergrund seines Denkens.

 

  „Max! Hol ihn da raus! Sofort!“

Veers runzelte überrascht die Stirn, als er sich der Direktverbindung mit der EXECUTOR zuwandte. Piett war normalerweise niemand, der sich leicht aufregte… und nun überschlug sich seine Stimme fast, auch wenn er versuchte, leise zu sprechen, um nicht unnötig Aufmerksamkeit auf sich zu lenken – ganz besonders nicht die von Ozzel, der einen solchen Ruf sofort unterbunden hätte, aus reiner Boshaftigkeit. Die beiden Männer waren Freunde, beinahe so lang schon wie sie auf diesem Schiff dienten. Zwischen ihnen gab es keine Rivalität – sie arbeiteten zusammen statt gegeneinander, und sie hatten sich im Lauf der Zeit verdammt gut kennengelernt. So gut, daß Veers keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Warnung hegte. Wenn Piett Angst hatte – und die HATTE er ganz offensichtlich – gab es einen guten Grund dafür.

  „Was ist los, Firmus? Neue Berichte?“

  „Ja und nein – verdammt, keine Zeit jetzt dafür! Hol ihn da raus, Max, die haben Tiere, die die Macht blockieren! Er wird so hilflos sein wie ein Kätzchen!“

Veers begann bereits, seine verbliebenen Truppen neu aufzuteilen, war aber noch halb bei Piett. „Ich bitte dich. Hilflos mit vierhundert gut ausgebildeten Sturmtruppen?“

  „Max, wer sich solche Viecher besorgt, hat noch mehr zu verbergen. Ich hab ein verdammt schlechtes Gefühl bei der Sache – hol ihn da -“

Eine Explosion im Dorf – oder eher ein Schuß aus einer Kanone, die gewaltig sein mußte, riß ihm das letzte Wort von den Lippen. Piett erbleichte. „Was war das?“

  „Scheint, du hast Recht. Das war keine von unseren Waffen.“ Veers ließ alles stehen und liegen, brüllte einige Befehle und kletterte mit der Agilität eines wesentlich jüngeren Mannes in seinen AT-AT – den einzigen, den er hatte herunterbringen lassen. Für Notfälle. Veers war wirklich niemand, der Überraschungen liebte…

 

Ein Nachteil der haushohen Geher war ihre Langsamkeit. Veers unterdrückte mehr als einen Fluch, als weitere Schüsse knallten, aber er zwang sich zur Ruhe. Ein nervöser Kommandeur schadet der Truppe mehr als ein gefährlicher Feind – das war das Credo seines Ausbilders gewesen, und im Laufe der Jahre hatte sich diese Erkenntnis mehr als einmal bewahrheitet. Und so erschien er nach außen hin beinahe so stoisch wie der dunkle Lord selbst – einer der Gründe, warum er von seinen Männern verehrt und respektiert wurde.

Auf halbem Weg heulten zwei komplette Geschwader Tie-Fighter an ihnen vorbei, und Veers grinste kurz. Wenn Piett einen Fehler hatte, war es die alte Mentalität der Luftwaffe, jedem Problem, das die Infanterie nicht lösen konnte, mit etwas zu begegnen, das fliegen konnte. Aber in diesem speziellen Fall mochte er noch dankbar für die Unterstützung sein…

Sie näherten sich in geschlossenem Verbund, er sah keinen Sinn darin, die ihm verbliebenen Truppen aufzuspalten. Nah… bald…!

 

 

2

 Darth Vader ragte wie ein schwarzer Monolith aus den verbliebenen kampffähigen Sturmtruppen, die sich um ihn versammelt hatten, und ihre Zahl schrumpfte beständig und beängstigend schnell. Beide Seiten hatten herbe Verluste erlitten, doch die Aufständischen konnten ihre geringere Zahl mit einer Ionenkanone, die in einem als Tempel getarnten Gebäude in der Dorfmitte verborgen gewesen war, wettmachen und rissen große Lücken in die Imperialen, bevor diese sich neu gruppieren konnten.

Hinzu kam das stärker werdende und verdammt beunruhigende Gefühl dieser… Löcher, die größer wurden und sich vermehrten, bis er schließlich in einem Machtvakuum wie in einer großen Luftblase gefangen war. Vader hatte keine Erklärung dafür, es war, als ob ihm jemand einen Sinn amputiert hätte. Nein. Schlimmer. Die Rüstung, die er sonst kaum noch spürte, hatte plötzlich ihr tatsächliches Gewicht. Jeder Atemzug war eine Qual, und langsam wurden seine Arme schwer… er wurde müde! Allein seine gewaltigen, nahezu unmenschlichen Kräfte und die vom jahrelangen, täglichen Training gestählten Muskeln hatten ihm erlaubt, so lange durchzuhalten. Ihm unterliefen Fehler. Schüsse durchdrangen seine Verteidigung, da seine Reaktionen, nur mehr menschlich und nicht mehr Sithartig, langsamer waren als üblich. Einer oder zwei davon hatten seine Lebenserhaltungssysteme beschädigt; Statik knisterte beunruhigend auf der zentralen Brustplatte und Kontrollampen flackerten nervös.

Das Heranschwirren der Tie-Fighter wie ein Schwarm wütender Wespen war in diesem Moment das Schönste, was er je gesehen hatte – gekrönt von Veers’ AT-AT, der ihnen dichtauf folgte.

Er ignorierte die Schmerzen, sammelte letzte Kraftreserven, fuhr fort, Köpfe zu nehmen, während seine Truppen unaufhörlich auf die sich verschanzenden Aufständischen feuerten und dabei immer weiter aufgerieben wurden.

 

Veers setzte sich persönlich an den Feuerleitstand der von ihm entwickelten Kampfmaschine und justierte die Kontrollen mit akribischer Genauigkeit und kalter Befriedigung, bevor er die gegnerischen Stellungen unter Feuer nahm – zunächst die in der unmittelbaren Nähe Vaders. Unter dem Geher stürmten währenddessen andere Truppen los, während Teile von ihnen mobile Kanonen aufstellten und ebenfalls das Feuer eröffneten. Mit der Unterstützung der Ties hatten sie die Situation binnen Sekunden und ohne weitere Verluste unter Kontrolle, und das Aufräumen und Ausräuchern letzter Widerstandsnester begann – mit noch größerer Gnadenlosigkeit als zuvor.

 

Veers verließ den Geher und näherte sich Vader – gerade rechtzeitig, um seinen Befehlshaber schwanken und plötzlich langsam zu Boden gehen zu sehen. Funken sprühten aus einem Kontrollpanel auf seiner Brust, und er hatte gerade noch die Geistesgegenwart, seine Klinge zu löschen, bevor er bewußtlos auf dem Boden aufschlug.

  „Mylord!“

Veers war mit einem Satz bei ihm und über ihm, studierte die Brustplatte, begann mit einer Justierung und Rekalibrierung des versagenden Systems, fluchte, als er sich trotz der Handschuhe die Finger verbrannte und schlug die kleinen Flämmchen aus, die unter dem Metall hervordrangen.

Wie Piett schätzte er Vader zutiefst. Bei ihm jedoch ging das Gefühl tiefer als bloßer Respekt oder schiere Heldenverehrung – er empfand etwas für den schwarzen Lord, das er tief in sich verbarg und verheimlichte: er liebte ihn. Die Erkenntnis hatte ihn eines Tages vollkommen unerwartet überrollt und hilflos und schockiert zurückgelassen. Er hatte darüber nachgedacht und sich dann damit abgefunden – mit der Tatsache an sich ebenso wie damit, daß dieses Gefühl auf ewig einseitig und unerwidert bleiben würde. Wie Vader war Veers Witwer, sein Sohn war erwachsen und diente ebenfalls in der Flotte, und so war er allein – und auch damit hatte er sich abgefunden. Das einzige, was er wagte, war, soviel Informationen wie möglich zu sammeln. Aus Interesse, aus Faszination, aus dem Bedürfnis heraus, alles zu wissen, und auch, es parat zu haben, wenn es einmal notwendig war. Und als General standen ihm viele Wege offen, nicht alle legal, einiges hatte er auch über Mittelsmänner heimlich beschafft und teuer bezahlt, aber wozu brauchte er schon Geld? Und nun, endlich, hatte er Gelegenheit, Teile seines Wissens sinnvoll anzuwenden.

Vaders lebenserhaltende Rüstung hätte ihn als Ingenieur auch ohne seine Gefühle für den Träger fasziniert. Die Informationen über die Bedienelemente allerdings waren in seiner Sammlung die mit teuersten Stücke. Er betete, daß die Investition sich heute auszahlte… und daß die Informationen der Wahrheit entsprachen.

Veers arbeitete fieberhaft und schnell, er wußte, daß bei einem Versagen der Systeme die Zeit ein Faktor war, der gegen ihn arbeitete. Er betätigte Schalter auf der Brustplatte in einer bestimmten Reihenfolge, fluchte, als keine Reaktion erfolgte, und zog den schweren Mann in eine sitzende Position, um einen verborgenen Schalter auf seinem Rücken zu suchen. Endlich sprangen die Automatiken wieder an – das Geräusch des wiedereinsetzenden Beatmers war wie Musik in Veers’ Ohren, und erschöpft hielt er einen Moment inne, Vader noch an seine Brust gezogen und in einer Art Umarmung haltend, als der Mann sich plötzlich regte. Sanft ließ er ihn auf den Boden zurückgleiten, prüfte nochmals die Systeme und fluchte erneut, als ein System immer noch nicht wieder arbeitete, eines, das keinesfalls warten konnte, bis sie an Bord waren. Aber wie reparieren? Die Innereien saßen in Vaders Gürtel, und kurzerhand schraubte er das entsprechende Panel ab. Ah… eine Sicherung war durchgebrannt. Beinahe hätte er gelacht vor Erleichterung.

  „Was ist so komisch, General?“

Vaders Kopf hatte sich leicht gedreht und ihm zugewandt. Bei ihm war es schwierig, zu sehen, ob er bei Bewußtsein war oder nicht, denn der Visor war nur in eine Richtung durchlässig. Veers wußte mittlerweile, daß Vader blaue Augen hatte… manchmal träumte er davon. Er würde viel darum geben, sie tatsächlich einmal sehen zu können.

  „Euch ist eine Sicherung durchgebrannt, Mylo-“ Er hielt erschrocken inne, als ihm aufging, wie idiotisch und beleidigend das klang, würgte ein hysterisches Lachen hinunter und wurde statt dessen bleich.

  „Darüber sprechen wir noch.“, grollte Vader, doch es klang müde.

  „Verzeihung, Mylord, aber es ist wahr. Ich muß eine Sicherung aus Eurem Vocodersystem ausbauen, dort sind dieselben eingesetzt.“ Er gab dem Sith keine Gelegenheit zum Protest, sondern öffnete ein Panel weiter links, aus dem er die Sicherung entnahm und mit ihr die defekte ersetzte. Und endlich sprang auch das letzte lebenswichtige System wieder an, und er seufzte erleichtert.

  Das kostet dich deinen Kopf, Max.

Die Gedanken waren so sehr seine eigenen, daß er einen Moment brauchte, um festzustellen, daß es nicht seine eigene Gedankenstimme gewesen war, die dies ausgesprochen hatte, und so antwortete er aus schierem Reflex: Um mir den zu nehmen, mußt du erstmal überleben.

  Ich komme darauf zurück., antwortete die Stimme mit deutlich mehr Amüsement als zuvor, und Veers erkannte endlich, daß es Vader war, der das gesagt hatte – in seinem Kopf. Seine mentale Stimme klang anders als die Vocodermodulierte, heller und wärmer.

Veers schloß die Augen. Himmel, ich habe den schwarzen Lord geduzt…!, schoß es ihm durch den Kopf. Am Besten erschieße ich mich gleich…

  Hilf mir hoch., befahl Vader, aber mit der neuen Stimme klang es mehr wie eine Bitte – beidem kam er gerne nach, wenn auch besorgt.

  „Ihr seid verletzt.“, wandte er ein, während er ihn stützte.

  Unwichtig. Solange die Systeme arbeiten, kann der Rest warten… und das tun sie, dank Dir.

Vader legte einen Arm um Veers’ Schultern, wie selbstverständlich, und Veers überlief ein Schauer, den er zu unterdrücken versuchte. Dem dunklen Lord so nah zu sein, seinen Körper und sein Gewicht zu spüren, dazu der Duft des Leders seines Anzugs und der Hauch seines Eigengeruchs, der ihm in die Nase stieg und, vor allem, diese Hand auf seiner Schulter, die ihn so natürlich und so vertrauensvoll berührte… Der General atmete tief aus und rang um Beherrschung.

 

Vader wandte den Kopf und musterte ihn nachdenklich. Die Ausputzer hatten, gemäß Veers’ Befehlen, bereits gute Arbeit geleistet und auch die meisten der sonderbaren Tiere getötet, die sie entdeckt hatten. Einige wurden auf Vaders Anweisung jedoch gefangen – für spätere Tests. Sie sollten nach Vjun geschickt werden, auf Vaders Burg – er war extrem beunruhigt durch die Tatsache, dass es etwas gab, das die Macht unterdrückte, ausblendete, ihn hilflos machte. Aber jetzt wurde die Vakuumblase wieder löchrig, und langsam kehrten seine Sinne zurück, im selben Maße, wie es ihm gelang, die Schmerzen zu unterdrücken. Veers war… nervös. Aber nicht ängstlich… eher… besorgt, als würde er etwas verbergen wollen. Und doch war sein Geist ihm gänzlich zugewandt, waren all seine Sinne offen und freundlich auf ihn gerichtet.

Er hatte ihm das Leben gerettet, unzweifelhaft. Aber woher WUSSTE er, was er tun mußte? Und, wichtiger: WARUM wußte er es?

Ein Spion Palpatines? Unwahrscheinlich. Dazu stimmten die Wellen nicht, die er aussandte. Ein getarnter Rebell? Der hätte ihn sterben lassen. Ein Rätsel, also.

Vader lächelte leicht unter seiner Maske. Es würde ihm Vergnügen bereiten, dieses hier zu lösen.

 

 

3

 Die Rückkehr zur EXECUTOR war kein Problem mehr. Veers blieb bei Vader, als dieser von Medidroiden und der Bordärztin in Empfang genommen wurde, und erklärte ihnen, was er getan hatte und warum das Vocodersystem ausgefallen war. Er trödelte länger als notwendig herum, um zu erfahren, was seinem Kommandeur fehlte, und ließ sich erst verscheuchen, als feststand, daß keiner der Treffer lebensbedrohlich war und die meisten ohnehin nur lästig und oberflächlich. Einigermaßen beruhigt kehrte er in den ihm unterstellten Bereich des gigantischen Schiffes zurück und realisierte dort das erste Mal richtig, was eigentlich passiert war: er hatte über sechzig Männer verloren. Trauer überrollte ihn wie eine große Welle, und er schmeckte Bitternis und Säure in seinem Mund. Verdammter Krieg…! Aber beide Seiten vergaben sich nichts, hüben wie drüben starben und litten Leute. Und wozu? Er schloß die Augen, schob die ketzerischen Gedanken in seinem Denken weit nach hinten und machte sich an die traurige Pflicht, die Familien der Gefallenen zu informieren.

 

Die Bordärztin, eine schlanke, hochgewachsene Frau mit kupferfarbener Haut, hohen Wangenknochen und lackschwarzem, langen Haar, wurde von allen nur Corva, Rabe, genannt. Kaum einer kannte ihren richtigen Namen – und selbst Vader nannte sie so, unter vier Augen. Und das war ihr mehr wert als alle Orden und Auszeichnungen der Galaxis.

Sie untersuchte ihn gründlich, behandelte die Schrammen, die er abbekommen hatte, und widmete sich dann mit ihm zusammen den Reparaturen seines Anzugs. In seinen Diensten war sie gewissermaßen auch noch zur Feinmechanikerin geworden, eine neue Herausforderung, die ihr großen Spaß machte – selbst in dem Bewußtsein, etwas Verbotenes zu tun, etwas äußerst Gefahrvolles. Denn zusammen mit Vader hatte sie sich darangemacht, den Anzug und die Prothesen zu verbessern.

Das Ursprungsmodell, von Palptatines Medidroiden zusammengeschustert, war grob gewesen, hatte schlecht gepaßt und machte Vader ungelenk – abgesehen von dem steten Schmerz, den die ungenauen Schnittstellen verursachten. Er hatte zwar gelernt, dies mit der Macht auszublenden und zu umgehen, aber er war gezwungen gewesen, sich zu verbiegen, sich den Ansprüchen des Anzugs anzupassen statt umgekehrt.

Es hatte eine Weile gebraucht, bis er ihr gestattet hatte, ihm so nahe zu kommen – schließlich war der Anzug seine Haut, sein Herz, seine Lunge – das, was ihn vom Tod trennte. Aber sie hatte sich von seinem Brummen und Drohen nicht abschrecken lassen, ihm die Stirn geboten, was ihm imponierte – und er spürte ihre ehrliche Besorgnis und ihre Wut als Ärztin, mitansehen zu müssen, wie er litt. Und so hatten sie sich darangemacht, Verbesserungen anzubringen – behutsam, heimlich, nach und nach. Denn aus irgendeinem Grund hatte Vader das Gefühl, daß es besser wäre, wenn der Imperator nichts davon erführe…

Es ging langsam, denn die meisten Teile waren nicht unauffällig zu beschaffen, und sie benutzten viele Mittelsmänner, um ihre Spuren zu verwischen. Mittlerweile hatten sie beide Unterschenkel verändert – sie hatten ihn am meisten beeinträchtigt – den Helm modifiziert und Kleinigkeiten am Anzug verbessert. Und nun fühlte er sich endlich zuhause darin. Und das Beste war: durch das geduldige Studium seines Gesundheitszustands, der genauen Analyse seiner tatsächlichen Verletzungen und der Erfassung seiner Bewegungsabläufe hatten sie festgestellt, daß es so schlimm gar nicht war, wie es zunächst den Anschein hatte – oder die Macht hatte schon einiges geheilt. Seine Lungen waren eingeschränkt in der Lage, selbst zu arbeiten, die Muskeln im noch vorhandenen Fleisch waren stark und in hervorragendem Zustand, und sein Herz war immer noch das des jungen Jedi, es schlug stark und stetig.

Weitere leichte Modifikationen betrafen den Helm. Sie verringerten die Wölbung der Linsen seines Visors und nahmen die Farbfilter heraus, so daß sein Sehen einerseits verbessert und andererseits wieder natürlicher wurde. Allerdings konnte er nun diverse andere Filter zuschalten, die ihm einiges an Nützlichem gestatteten – Infrarot- und Wärmesicht, zum Beispiel. Ähnliche Neuerungen betrafen sein Gehör und den Vocoder – und selbst seine Kammer erfuhr Verbesserungen in Druckangleich und Luftgemisch, einschließlich einem geheimen Notfalloverride, der verhindern sollte, daß jemand sich an den Reglern zu schaffen machte, um etwa Betäubungsgase einzuleiten.

Und nun, nach den Modifikationen, konnte er sich endlich wieder frei bewegen, uneingeschränkt durch die Nachteile der ersten Prothesen und des alten Anzugs. Seine Lichtschwerttechnik war wieder auf dem alten Stand – nein, sogar noch besser durch beständiges Training mit speziell entworfenen Sicherheitsdroiden, die er selbst programmiert hatte, und auch seine waffenlosen Techniken unterlagen keinen Einschränkungen mehr, im Gegenteil – er hatte nun gelernt, die Eigenheiten der neuen Prothesen zu seinem Vorteil zu verwenden: den Durastahl und die starken Federn seiner Schenkel, die ihm zusammen mit der Macht Sprünge erlaubten, die sogar die Möglichkeiten der stärksten Jedi in den Schatten stellten, und die Kräfte seiner neuen Hände, stark genug, um Stahl zerknüllen zu können wie Papier und doch fein genug, um heikelste Reparaturen selbst vornehmen zu können.

Im Laufe der Jahre waren sie Freunde geworden, so vertraut wie Geschwister. Dennoch wahrten sie die Form vor anderen – und auch vor den Droiden. Letztere waren das gefährlichste Einfallstor für Spionage, beinahe unmöglich zu kontrollieren. Und so wurde ihre Unterhaltung erst privater, als Corva die Droiden wegschickte mit der Bemerkung, den Rest selbst erledigen zu können.

Und selbst dann verwendete sie noch Verschlüsselungen.

  „Meiner Tante ist es endlich gelungen, dieses Buch aufzutreiben, von dem ich Euch erzählt habe.“, berichtete sie beiläufig, während sie einen Draht in seinem linken Unterarm zusammenlötete.

  „Hat ja lange gedauert.“, antwortete er und unterdrückte mühsam seine Freude, doch seine Hand auf ihrer Schulter, die sie kurz drückte, gab ihr genau das zu verstehen.

  „Ja, es ist wohl seit Jahren vergriffen. War scheinbar auch nicht billig, aber ich jage jetzt schon so lang danach, daß es mir den Preis wert war.“ Sie sah ihn etwas besorgt an, aber er schüttelte beruhigend den Kopf. Geld spielte keine Rolle, wenn man der zweite in der Rangliste des Imperiums war. „Ich bekomme es in den nächsten Tagen. Soll ich es Euch vorbeibringen, wenn ich damit durch bin?“

  „Würde mich freuen.“ Er grinste kurz. Endlich! Dieses „Buch“ war nichts anderes als die neue Handprothese, die von einem befreundeten, vertrauenswürdigen Biotechniker hergestellt worden war – das letzte noch fehlende Stück im Puzzle seines neuen Körpers. „Bis jetzt waren Eure Empfehlungen immer hervorragend.“

  „Gut, dann nächste Woche… sagen wir am Vierttag abends?“ Auch sie grinste.

  „Ich werde mir den Termin freihalten.“

 

Am Abend saß Veers mit Piett in seinem Quartier zusammen, trank mit ihm auf die Gefallenen und erzählte ihm, was passiert war. Einiges davon war ihm ziemlich peinlich, und wie erwartet verschluckte Firmus sich prompt.

  „Du meinst, du hast ihm das tatsächlich gesagt?“ hakte er dann ungläubig nach und kicherte haltlos, was beinahe den Wein in seinem Glas zum überschwappen brachte. „’Bei Euch ist eine Sicherung durchgebrannt’ wie in ‚Ihr habt ne Schraube locker’? Bei den Mächten, Max!“

Max zog eine Grimasse. „Ich wußte, daß du so reagieren würdest.“

  „Und was hat er gesagt?“

  „Bevor oder nachdem ich ihm eine andere aus seinem Vocodersystem ausgebaut habe?“

  „Wie bitte? Du hast ihm sozusagen auch noch den Mund zugeklebt?“

  „Nicht ganz. Er war noch recht beredt.“

  „Durch den Helm?!“

  „In meinem Kopf.“

Piett fielen fast die Augen aus demselben. „In deinem –?“

  „Kopf, ja. Ich hörte seine Stimme.“

  „Und was hat er gesagt?“

Veers setzte zu einer Antwort an, als der Türsummer sich meldete. Sie warfen sich einen fragenden Blick zu, dann erhob der General sich und ging zur Tür.

Das vertraute Geräusch des Beatmers erschreckte beide, noch bevor die Tür richtig offen war.

  „Mylord…!“ Es kam beinahe als Ächzen heraus, so überrascht war Veers.

 

Vader stand in der Tür, reglos, ließ nur einen Blick über beide gleiten. Mit Piett hatte er nicht gerechnet, obwohl er es hätte vorhersehen müssen, an einem Tag wie diesem. Was tun? Sich nun wieder zurückzuziehen, wäre extrem un-Vaderisch gewesen. Es war schon ungewöhnlich genug, daß er seine Offiziere in ihren Privatkabinen aufsuchte. Er seufzte lautlos.

  „General. Auf ein Wort… bitte.“

 

 

4

 Der Tonfall, wie auch die Worte, war überraschend sanft und weckte Hoffnung in Veers, daß es nicht zu schlimm werden würde. Piett schien das ebenso zu sehen – aber was blieb ihm auch anderes übrig, als sofort sein Glas abzustellen und sich zu verabschieden? Er lächelte Veers aufmunternd zu, als er ging, dann schloß sich die Tür hinter ihm. Sie waren allein.

Einen langen Moment herrschte Schweigen, keiner wußte so recht, was zu sagen war. Schließlich räusperte Veers sich. „Wollt Ihr Euch nicht setzen, Mylord?“

  „Da dies ein inoffizieller und mehr privater Besuch ist… danke.“ Vader ließ sich in dem Sessel nieder, in dem bis eben noch Piett gesessen hatte, und musterte seine Umgebung. Sehr militärisch – sauber, aufgeräumt, kaum private Dinge. Neben ihm, auf einem Tischchen, stand das Bild einer Frau. Vader nahm es auf und betrachtete es mit gemischten Gefühlen. Er hatte nicht einmal Bilder von Padmé, die er hätte aufstellen können…

  „Sassa. Meine Frau.“ erklärte Veers ruhig. Vader nickte nur und stellte das Bild wieder zurück, aber überraschend behutsam.

Wieder herrschte Schweigen, bis über Veers’ Lippen plötzlich ein Schmunzeln glitt. Vader musterte den ihm gegenübersitzenden Mann mit einem Stirnrunzeln.

  „Was ist so komisch, General?“

‚Muß ich schon mal gehört haben…’ dachte Veers bei sich, behielt das Lächeln aber bei. „Nichts. Alles. Ihr müßt zugeben, daß es nicht eben normal für Euch ist, Mylord, den Abend mit einem gemütlichen Plauderstündchen bei einem Freund zu verbringen. Nicht wahr?“

Vader zögerte mit der Antwort, senkte erstaunlicherweise den Kopf und betrachtete seine Handschuhe. Seiner Stimme war jedoch nichts anzuhören, als er Veers wieder ansah. „Nun denn, plaudern wir ein wenig.“ Er lehnte sich entspannt zurück – doch Veers, der ihn mittlerweile vermutlich besser kannte und seine Körpersprache besser lesen konnte als jeder andere auf diesem Schiff, bemerkte kleine Anzeichen von Nervosität. „Woher habt Ihr diese Kenntnisse über meinen Anzug… und vor allem: warum habt Ihr sie?“

Der General erwiderte den Blick ruhig, seinerseits zurückgelehnt, aber im Gegensatz zu Vader wirklich entspannt. Er hatte nichts zu verlieren – falls Vader wollte, konnte er ihn binnen eines Sekundenbruchteils töten. Aber er schien derzeit nicht darauf aus, in seiner Stimme war mehr Neugier als unleugbar vorhandene Krallen. Veers beschloß, alles auf eine Karte zu setzen.

  „Ihr BRAUCHT einen Freund, Mylord.“

  „Was?“ knurrte Vader, mehr überrascht als aufgebracht.

  „Ich glaube, Ihr seid furchtbar allein. Trotz Eurer Macht, trotz Eures Reichtums… oder vielleicht auch gerade deshalb. Ihr könnt niemandem vertrauen, Feinde lauern überall, und wo sie nicht offen gegen Euch sind, versuchen sie, Gewinn aus Eurer Gunst und Nähe zu schlagen.“

Mit viel Selbstbeherrschung hinderte Vader seine Hände daran, sich zu Fäusten zu ballen.

  „Ich brauche kein Mitleid, General!“

  „Das ist kein Mitleid, Mylord. Nur eine simple Feststellung.“ erwiderte Veers ruhig.

Vader atmete schwer – erstaunlich, daß der Beatmer dies zuließ. Ein gutes oder schlechtes Zeichen? Er war aufgerüttelt. Blieb abzuwarten, was daraus wurde.

  „Es gab andere, die für weniger starben, General.“ knurrte er leise, sein Blick fräste sich regelrecht in den Veers’, der ihn erstaunlich ruhig erwiderte. „Ihr wagt viel… mein Freund. Warum sollte ich Euch vertrauen? Ihr sagtet selbst, niemand nähert sich mir selbstlos. Was erhofft IHR Euch?“ Unwillkürlich und unbewußt verfiel Vader ebenfalls in diese Form der Anrede – ein Zeichen dafür, wie sehr er Veers schätzte. Und der registrierte dies sehr wohl, freudig und stolz. Die gut behütete Flamme tief in ihm loderte regelrecht auf.

  „Nichts, Mylord. Ich habe bereits alles erreicht, was ich mir jemals wünschte. Ich bin genau dort, wo ich sein will.“

  „Es gibt einen Grund. Nennt ihn mir! Warum eignet Ihr Euch so viel Wissen über mich an? Wollt Ihr mich zerstören? Seid Ihr ein Spion?“ Vader starrte Veers wütend an, mittlerweile auf seinem Sessel vorgebeugt, sprungbereit wie ein Raubtier und ebenso tödlich. Veers schien immer noch vollkommen gelassen – er war jenseits der Angst. Und so öffnete er, als er die mentale Annäherung des dunklen Lords spürte, bereitwillig seinen Geist für ihn.

 

Vader glitt wie ein Schemen durch seine Gedanken, schnell, gezielt und effektiv – und prallte nach einiger Zeit so überrascht zurück, daß es ihn auch in seinem Sessel in die Lehne schleuderte.

Liebe.

Konnte es so einfach sein? Konnte es wirklich jemanden geben, der ihn um seiner selbst willen liebte… so wie er war? In seiner ganzen abstoßenden Schrecklichkeit? Daß jemand das gefangene Wesen in der dämonischen Hülle sah, den Menschen, der seine verletzliche Menschlichkeit vor allen zu verbergen suchte – nicht, um ihn zu zerstören, sondern, um ihn zu stützen, zu wärmen, zu… lieben?

Er starrte zu Veers hinüber, ungläubig, sprachlos, sah, wie in dessen Augen ein warmes Lächeln stand, wenn auch ein unsicheres – und ein wenig schamhaftes. Es war ihm peinlich, das konnte er spüren. Aber das war ja auch natürlich – kein gestandener Offizier verliebte sich wie ein Schuljunge in seinen Kommandeur. Und wenn, gab er es nicht zu. Veers hatte wirklich Mut, das mußte er ihm lassen.

Beinahe unbewußt streifte er nochmals Veers’ Geist und fing einen Gedanken auf, ein mentales Streicheln. Dava.

  Dava? echote er ein wenig amüsiert. So nennst du mich bei dir?

  Ein wenig albern, ich weiß. Leichte Röte überzog Veers’ Gesicht. Aber wie sollte ich dich sonst ansprechen? Darth ist ein Titel. Vader ist zu förmlich. Und ich glaube nicht, daß du deinen alten Namen …

  Nein. Allerdings nicht., unterbrach Vader ihn knapp.

  Also… Dava. Ein Lächeln. Oder hast du Gegenvorschläge?

Vader grinste unwillkürlich, fühlte sich plötzlich verjüngt. Ich werde darüber nachdenken. Daß er geduzt wurde, schien ihn nicht weiter zu stören.

Veers. Nein, korrigierte er sich. Maximilian – oder besser, Max. Er mochte ihn. Wie Piett war er ein guter Mann, einer, dem er vertraute. Wie Piett einer, den er seinen Freund genannt hätte – würde er jemals darüber nachgedacht haben, ob er Freunde hatte. Für einen Sithlord ein sonderbarer Gedanke – Siths hatten sich gegenseitig, der Meister den Schüler und umgekehrt. Das reichte… Wie Jedi waren sie allein, auch wenn es ihnen nicht verboten war, sich einen Partner zu nehmen. Nur – wer näherte sich ihnen schon freiwillig? Sex, ja. Das schärfte den Geist und erhielt die Gesundheit. Aber Liebe? Absurd. Und doch saß Veers hier. Nein, verflixt. Max.

  Es ist… ungewohnt für mich. Neu – ich habe schon einmal geliebt, ja. Sogar sehr. Aber das war… früher. Bevor ich – zu dem wurde, was ich bin. Und… noch nie hat mich ein Mann begehrt.

  Du würdest dich wundern. kam die trockene Erwiderung. Das halbe Schiff hat feuchte Träume von dir.

  WAS???

  Was dachtest du denn? Allein diese Rüstung. Deine Ausstrahlung. Du bist purer Sex.

Vader schwankte zwischen hilflosem Lachen und Entsetzen. Und ich dachte immer, man hat Angst vor mir… Purer Sex? Hölle…

  Das eine schließt das andere nicht aus. Sie HABEN Angst vor dir, aber sie lieben dich auch. Und DAS weißt du hoffentlich – daß nahezu alle Männer auf diesem Schiff dir absolut ergeben und treu sind. DIR. Nicht dem Imperator.

Vader nickte langsam, dann breitete sich langsam ein übermütiges Grinsen auf seinem Gesicht aus, das sogar seiner mentalen Stimme anzuhören war. Soll das heißen, deine Konkurrenz ist groß?

  Du würdest viele in dein Bett holen können, wenn du das wolltest., meinte Veers ernst. Aber ansonsten bin ich, glaube ich, ziemlich allein. Er lächelte leise und etwas herausfordernd, ging auf das Necken ein.

Vader musterte ihn aufmerksam. Veers war ein gutaussehender Mann mit recht kantigen, aber edlen Gesichtszügen. Er hatte nie darauf geachtet…

  Ich kann dir nichts versprechen, Max. Aber…

Veers wartete geduldig, aber gespannt und aufgeregt wie ein Teenager, als Vader bedächtig nach Worten suchte.

  Aber ich würde mich über einen… Freund freuen.

Auf Veers’ Gesicht ging die Sonne auf. „Das ist vollkommen ausreichend… Mylord.“ sagte er laut und  ließ Vader durch die Anrede wissen, daß dies etwas war, das er bereit war, im verborgenen zu halten. Etwas allein zwischen ihnen.

 

In den nächsten Tagen und Wochen pendelte sich langsam eine seltsame neue Situation ein… unbemerkt von den meisten Besatzungsmitgliedern.

Was jedoch bemerkt wurde, war, daß der schwarze Lord ungewöhnlich entspannt schien. Und nicht nur das… Gleich am nächsten Tag, als eine Ordonnanz eine Nachricht für ihn auf die Brücke brachte, wurde das arme Bürschchen so ausgiebig gemustert, als handelte es sich um Futter – und so fühlte er sich wohl auch. Allein schon dieser Blick ließ einen dicken Schweißtropfen an seiner Schläfe herunterrinnen.

  Was meinst du, Max… der da? meldete er sich dann mit beinahe übermütigem Tonfall in Veers’ Kopf.

  Was? Der General mußte sich beherrschen, um nicht abrupt herumzufahren und sich bemüht unbeteiligt umzudrehen.

  Sieht doch aus wie ein nettes Opfer für einen Versuch, oder?

  Ich weiß nicht, was du – ah.

Vader hatte begonnen, mit dem Jungen zu spielen – auf seine Weise. Seine gewaltige Brust wurde NOCH breiter, seine Haltung noch aufrechter, er ragte wie ein Turm über dem armen Burschen auf, aber nicht so einschüchternd wie sonst, sondern… eben nur beeindruckend. Oder auch: purer Sex. Der Kleine begann beinahe zu sabbern und zitterte gleichzeitig vor Angst, und als er schließlich entlassen wurde, stolperte er auf seiner eiligen Flucht beinahe über seine eigenen Füße.

Veers erstickte beinahe an unterdrücktem Lachen – das haltlose Kichern in seinem Kopf half ihm auch nicht eben dabei, sich zu beherrschen - was wiederum die Offiziere in seiner unmittelbaren Nähe höchst besorgt dreinschauen ließ. Lachen war auf der Brücke der EXECUTOR kein normales Geräusch und bereits ein Lächeln die Ausnahme. ‚Wenn Ihr hören könntet, was ich grade höre, würdet Ihr Euch samt und sonders auf die Medizinische einweisen lassen…’ dachte er und kämpfte mühsam das Grinsen nieder, das unbedingt auf sein Gesicht wollte.

  Beherrsch dich…! mahnte die samtige Stimme in seinem Kopf, doch auch sie hatte Mühe, das Lachen zu unterdrücken.

  Du bist gut…! Warn mich das nächstemal wenigstens vor, damit ich auf eine Zitrone beißen kann!

  Ich hätte nicht gedacht, daß es DERMASSEN wirkt. In das Amüsement mischte sich Erstaunen.

  Oh ja… tut es. Aber du solltest das nicht zu oft tun, wenn du willst, daß dein Schiff funktioniert. Veers grinste. Im Ernst: die höheren Offiziere haben sich besser unter Kontrolle als die Jungspunde, aber wenn du es drauf anlegen würdest…

  Witzig. Ich hab also eine Geheimwaffe, ohne es zu wissen… meinst du, es wirkt auch bei Rebellen?

Diesmal konnte Veers sein Herausprusten nur als Hustenanfall tarnen.

 

 

5

 An den Abenden tauchte Vader immer öfter bei Veers auf. Manchmal blieb er nur kurz, aber immer öfter ließ er sich zum Bleiben überreden. Die Gespräche veränderten sich von Belanglosem zu einem Erzählen von Veers’ Lebensgeschichte, gemischt mit Informationen über die Daten, die er gesammelt hatte, und wie und wo er sie bekam. Der schwarze Lord war interessiert, teilweise regelrecht neugierig, und völlig entspannt. Er gab nur wenig über sich selbst preis, aber Veers erfuhr doch das eine oder andere – größtenteils in beiläufigen Nebensätzen, und mehr, je größer das Vertrauen zwischen ihnen wurde.

Als Vader erfuhr, daß Veers in seiner Freizeit ab und zu an Droiden oder Prototypen herumbastelte, hatten sie eine neue Gemeinsamkeit, ungefährlich und begeisternd für beide, und das half ihnen, ihre Beziehung noch weiter zu vertiefen, ohne in kritische Gewässer zu geraten. Teilweise schraubten sie sogar gemeinsam an etwas herum, arbeiteten nebeneinander und Hand in Hand – und erwiesen sich als perfektes Team, das einander Teile und Werkzeuge zureichte, bevor der andere danach fragen konnte. Beide genossen diese Stunden sehr – ohne dies zu erwähnen, sie teilten ihre Freundschaft stumm. Und Worte waren auch gar nicht nötig.

An einigen Abenden stieß sogar Piett dazu. Vader überraschte beide, als er den verblüfft in der Tür stehenden Captain am sich Zurückziehen hinderte und Veers einlud, ihn hereinzubitten. Piett war weniger entspannt als Max, aber dennoch entwickelten sich ein angenehmes Gespräch und ein entspannter Abend für alle drei.

Und es blieb unter ihnen – Vader schaffte es dank seiner Kräfte irgendwie, ungesehen in Veers’ Quartier zu gelangen, und beide Offiziere hielten absolut dicht.

 

Ihre Freundschaft vertiefte sich unmerklich und wuchs, wurde stabiler und wichtiger für beide. Dennoch war Veers überrascht, als ihm eine Ordonnanz den Befehl Vaders überbrachte, ihn in seinem Quartier aufzusuchen.

Vaders Räumlichkeiten teilten sich in zwei Bereiche auf. Der eine davon war mehr oder weniger öffentlich – er enthielt eine Meditationskammer, die ihm ohne großen Umstand erlaubte, für kurze Zeit den Helm abzunehmen. Der andere war sein absolutes Sanktuarium, dort schlief und aß er und wurde von seinem persönlichen 21B-Droiden versorgt. Ersteres hatte Veers schon oft gesehen, letzteres noch nie – ebensowenig wie jeder andere an Bord dieses Schiffes, die Ärztin ausgenommen.

Er betätigte den Summer und salutierte, als die Tür sich öffnete. In der Öffentlichkeit hatten sie jede Förmlichkeit beibehalten, ihre Freundschaft beschränkte sich auf den mentalen Kontakt und ihre abendlichen Treffen. „Melde mich wie befohlen, Mylord.“

Und Vader überraschte ihn wiederum, als er nur sagte: „Komm rein.“ und in den privaten Bereich vorausging – besser gesagt, in eine kleine Schleuse vor den eigentlichen Räumen.

Veers folgte ihm überrascht, ein wenig nervös und auch neugierig, und sah sich aufmerksam um, als die Tür hinter ihnen ins Schloß glitt und mit einem satten Schmatzen hermetisch abriegelte. Dann zischte es leise, als der Druck und die Sauerstoffmischung sich änderten und anpaßten und dann die innere Tür freigaben, die aufglitt.

Wieder ging Vader voraus, blieb jedoch noch einen Moment, wie er war, ließ Veers Zeit, sich umzusehen.

Max hatte sich schon oft vorgestellt, wie dieser Bereich wohl aussehen würde, und war immer bei einem recht antiseptischen Bild gelandet – die luxuriöse Variante eines Krankenreviers. Was er zu sehen bekam, unterschied sich davon so gewaltig, wie es nur möglich war.

Das Bett war groß und schien absolut normal – mit dem kleinen Unterschied, daß es, wie der ganze Raum, mit Sensoren vollgepackt war, die den Medidroiden in seiner „Garage“ aktivieren würden, sobald auch nur eine Kleinigkeit nicht stimmte. Der Rest war auf eine Art gestaltet, die das Bedürfnis des Bewohners nach Normalität verdeutlichte: ein Schreibtisch mit Medienterminal, ein Bücherregal, ein Arbeitstisch, auf dem eine angefangene Bastelei ausgebreitet und akribisch sortiert bereitlag, ein bequemer Sessel und ebenso geschmackvolle wie teure Kunstwerke an den Wänden.

Als Veers sich Vader zuwandte, der geduldig wartete, war er ein wenig unsicher – und gleichzeitig so aufgeregt wie bei seinem ersten Rendezvous. Und auch Vader schien ein wenig nervös.

  Max… ich denke, es ist Zeit, daß du… mich siehst. Die Stimme war unsicher, klang zögernd.

  Nur, wenn du wirklich bereit dazu bist. antwortete Veers sofort.

  Das bin ich… aber es ist trotzdem nicht leicht. Ich zeige mich sonst niemandem. Mustafar hat seine Spuren hinterlassen – und sie werden mich immer begleiten.

  Dava… sagte Veers sanft. Es ist mir egal, wie du aussiehst. Ich liebe dich. Und ich kann sehr gut weiter mit der Maske leben – du mußt es mir nicht zeigen, wenn du dich nicht dabei wohlfühlst.

  Doch – ich möchte es. Vader richtete sich bewußt noch mehr auf, sammelte Kraft und Mut, um den gefaßten Entschluß durchzuführen.

  Dann – gern. Ich freue mich sehr darüber. Veers lächelte aufmunternd, dann grinste er leicht. Und ich kann nicht behaupten, ich sei nicht neugierig. Vielleicht waren es auch der höhere Druck und Sauerstoffgehalt hier drin, die ihn übermütig machten.

Der schwarze Lord kam noch näher auf ihn zu und tat einmal mehr etwas überaus Ungewöhnliches – und Neues. Zögernd hob er die Hände, legte sie auf Veers’s Schultern, ließ sie dort einen Moment ruhen. Eine Hand hob sich leicht, strich sanft und scheu über seine Wange, dann senkte sie sich wieder auf die Schulter. Den General überrieselte ein wohliger Schauer. Er war groß für einen Menschen, über einsneunzig, und so nicht sehr viel kleiner als Vader, dennoch wirkte er neben diesem beinahe schmächtig.

  „Willst du sie abnehmen?“ Die Stimme, laut und vocodermoduliert, war in ihrer laut gesprochenen Form ungewohnt sanft, dann bekam sie einen neckenden Ton. Veers hätte nie gedacht, daß er das einmal hören würde. „Ich bin sicher, du weißt, wie.“

Max grinste kurz. „Das war im Preis des Anzugs inbegriffen, ja.“ Er hob langsam eine Hand zum Kontrollpanel auf Vaders Brust, betätigte dort zwei Tasten gleichzeitig auf eine bestimmte Weise. Es zischte kurz, als Luft in das Vakuum des Helmes drang, dann griff Veers hinauf und hob langsam und vorsichtig den eigentlichen Helm herunter, stellte ihn sorgfältig beiseite, bevor er die obere Hälfte der Maske löste, abnahm und ebenso vorsichtig auf die Seite legte.

Als erstes nahmen ihn die Augen gefangen. Er wußte, daß sie blau waren – aber nichts hatte ihn auf DIESES Blau vorbereitet! Eine so leuchtende Farbe hatte er nie zuvor gesehen – es war wie der Blick in den Himmel über Naboo an einem Frühlingstag, klar und tief… Und unsicher. Himmel! LORD VADER – unsicher?

Veers lächelte ihn an, versuchte, ihm wortlos zu sagen, daß alles in Ordnung war, daß… dann fiel sein Blick auf die Narben, die ihn zeichneten, und er wußte, warum der schwarze Lord unsicher war. Es tat weh. Allein, ihn anzusehen, sich vorzustellen, was er durchgemacht haben mußte.

Er war sehr blaß. Kein Wunder… und durch diese Blässe traten die schrecklichen Male noch stärker hervor. Eine davon zog sich quer über die linke Wange, hatte nur knapp das Auge verfehlt. Zwei andere verliefen über den kahlen Kopf. Wie von selbst hob sich seine Hand, strich zärtlich darüber. Synthehaut… deshalb wohl auch kahl. Scheinbar hatte man damals die Verbrennungen derart versiegelt.

Vader schloß die Augen, als Veers’ Hand ihn berührte, und hielt sie geschlossen, als sie über seinen Hinterkopf tiefer glitt, sich mit ihrem Gegenstück vereinte und die Halsbeuge öffnete. Auch diese gesellte sich zu den anderen Maskenteilen, bevor Veers erneut Vaders Gesicht erkundete, sanft und kühl darüber strich und sich vorbeugte. Leicht und behutsam legten seine Lippen sich auf die des schwarzen Lords – der den Kuß nach einem Moment vorsichtig und scheu erwiderte, und Veers zog sich bald zurück. Auch für ihn war es neu, einen Mann zu küssen, zu lieben – ja, zu begehren. Beide brauchten Zeit.

Vader öffnete die Augen wieder, ein leichtes Lächeln darin. „Ich werde mich umziehen… zwar ist dieser Anzug mittlerweile sehr vertraut und wie eine zweite Haut für mich, aber dennoch ist es schön, ihn am Abend loszuwerden.“ Seine Stimme, unverändert vom Vocoder, war eine seltsame Mischung aus der gewohnten und der mentalen Stimme, tief, ein wenig rauh, aber nicht unangenehm.

Er wandte sich ab und ging zu einem Schrank hinüber, öffnete ihn und holte ein bequemes Hemd und eine Hose hervor. Mit beidem verschwand er in seinem Badezimmer. „Ich hoffe, ich habe dich nicht zu sehr erschreckt?“ rief er durch die Tür. Sie war offen, doch Veers konnte von seinem Standort aus nichts sehen – und er respektierte den unausgesprochenen Wunsch und blieb, wo er war.

  „Aber nein.“ beruhigte er. „Ich finde, es sieht gar nicht so schrecklich aus. Und… du hast wunderschöne Augen.“ fügte er leiser hinzu.

  Danke. Kam die Antwort lächelnden Tonfalls in seinem Kopf. Wenn du willst, daß ich etwas nicht höre, solltest du nicht so laut denken.

Veers grinste. „Soll ich es dir nochmals ins Gesicht sagen? Komplimente sind dazu da, sie zu machen. Aber das über deine Augen hast du bestimmt schon oft genug gehört.“

  „In letzter Zeit eher selten.“ Erwiderte Vader trocken und kam wieder aus dem Bad. Der Anzug hing nun auf einem Bügel und wurde zum Lüften an den Schrank gehängt – was auf eine sonderbare Art beinahe erschreckend normal und banal war… „Möchtest du mit mir essen?“

  „Gern.“ Veers lächelte und musterte seinen Freund neugierig. Vaders Körper war muskulös und durchtrainiert – aber seinen Dokumenten nach waren beide Beine unterhalb der Knie sowie die Arme ab den Ellbogen künstlich. Er hatte Handschuhe anbehalten, trug jetzt jedoch andere, weniger martialische, und die Hosen endeten über knöchelhohen Stiefeln.

Vader folgte dem Blick und lächelte ein wenig bitter. „Eins nach dem anderen, Max. Der Rest von mir ist nicht so leicht zu ertragen wie mein Kopf.“

  „Meine Unterlagen sind recht komplex… ich habe es gelesen.“ erwiderte Veers ruhig. „Wie gesagt: es ist mir egal. Aber ich glaube, ich an deiner Stelle hätte Obi-Wan Kenobi keinen so schnellen Tod gegönnt…“

Vaders Blick verfinsterte sich. „Verzeih…“ Veers trat auf ihn zu, erschrocken. „Ich wollte nicht an alte Wunden rühren. – Ich gehe wohl besser.“

  „Nein, bleib ruhig. Ich bin längst darüber hinweg… auch wenn ich es immer noch nicht verstehe.“ Vader sah ihn an, versuchte ein Lächeln. Dann nahm er seinen Mut zusammen, trat näher und zog Veers an sich, umarmte ihn. „Er war mein Meister. Und ich dachte, er wäre mein Freund gewesen, mein Bruder… Dann brach das alles zusammen. Der Orden gegen mich. Padmé, die sich mit Verrätern traf – und ich dachte, sie hätte etwas mit ihm gehabt. Sie log mich an, leugnete, daß er dagewesen war – und das, obwohl ich seine Anwesenheit so deutlich spüren konnte, als sei er noch im Raum!“ Sein Griff wurde stärker, verzweifelter, als der alte Schmerz ihn überrollte. Veers hielt ihn sanft umfangen, küßte seinen Nacken, streichelte den kahlen Kopf. „Und der Kaiser berichtete mir noch mehr. Sie hatten mich alle verraten…“

  „Sie hatten Angst vor dir… und das haben sie noch, jene, die noch leben. Die Führer der Allianz. Du bist der Sohn der Sonnen, der Auserwählte… derjenige mit den meisten Midichlorianen seit Anbeginn. Du sprengst jede Skala. Vielleicht hat er es deshalb getan… er nahm dir lebendes Fleisch.“ Veers erstarrte. „Oh, ihr Mächte…!“

Vader wurde ebenfalls steif, unruhig. „Was ist?“

Veers löste sich, schob Vader ein wenig von sich, hielt ihn aber an den Armen fest. „Dava… in meinen Unterlagen steht, daß der Kaiser den Anzug und die Prothesen bereits parat hatte, als er dich fand und zurückbrachte – daß du SOFORT behandelt wurdest und ihn angelegt bekamst, noch warm vom Feuer! Stimmt das?“

Vader blinzelte ein wenig verwirrt und nickte. „Ja. Es schmerzte höllisch, und die ersten Tage waren eine Orgie aus Schmerz und Wundwasser. Ich mußte beinahe stündlich zu den Medidroiden…“

  „Dava…“ fragte Veers behutsam. „Diese Prothesen waren ganz speziell gefertigt. Der Anzug war ebenfalls eine Maßanfertigung. Woher WUSSTE er, was du brauchen würdest?“

Vaders Augen weiteten sich für einen Moment, dann runzelte er die Stirn.

  „Dava, das würde bedeuten, er hat es geplant… vielleicht hat er sogar Obi-Wan irgendwie manipuliert, ihn gesteuert in diesen letzten Sekunden des Kampfes! Dann wäre er unschuldig gewesen – oder doch zum Teil. Und der Kaiser…“ Er schluckte. Was er hier von sich gab, war Hochverrat! Und doch – sein Bedürfnis, diese Erkenntnis mit seinem Freund und Geliebten zu teilen, war stärker. „Der Kaiser hat mehr Grund als jeder andere, deine Macht zu fürchten. Voll entwickelt, auf dem Höhepunkt seiner Evolution wäre der Auserwählte unendlich viel machtvoller als er. Aber wenn du so viel Fleisch, so viel Leben verloren hättest, wäre die Gefahr geringer… die Anzahl der Midichloriane noch genauso hoch, aber der Wirtskörper kleiner, ihre Ausbreitung und damit Macht eingeschränkt und beschnitten. Und er bliebe vermutlich mächtiger…“

Vader schüttelte energisch den Kopf. „Nein. Der Kanzler war immer für mich da, er hat mich von Mustafar geholt, hat mein Leben gerettet. Er war der einzige, der immer ein offenes Ohr für mich hatte, der einzige, der meine Sorgen und Ängste ernst nahm. Der einzige, der ehrlich zu mir war. Das ist Unsinn, Max.“

Veers sah ihn an und bemerkte die kleinen Zeichen der Selbstkontrolle und die keimende Saat des Zweifels in seinen Augen. Aber er ahnte, daß mehr als eine Welt zusammenbrechen würde, wenn er nun darauf bestand.

  „Du hast Recht. Meine Phantasie geht wohl mit mir durch.“ Er lächelte, was Vader dankbar erwiderte. „Hattest du nicht ein Essen erwähnt?“

 

 

6

 In den nächsten Tagen und Wochen kehrte wieder die alte Routine ein. Der Vorfall wurde nicht mehr erwähnt, obwohl Veers ihn nicht vergaß und sich sicher war, daß es in Vader arbeitete. Aber der schwarze Lord blieb sich treu – es war ihm nicht das Geringste anzumerken, weder im Dienst noch in den Stunden, die sie abends zusammen verbrachten.

Die täglichen Abläufe hatten etwas Beruhigendes, bis eines Tages –

  „Hey, Onkel D!“

- Wrenga Jixton auf der Brücke der EXECUTOR auftauchte. Ein halbes Dutzend Offiziere fuhr wie ein Mann herum, die Blaster im Anschlag, weitere folgten nur Sekunden später.

  „Jix. Ich wußte nicht, daß du unter akuter Todessehnsucht leidest.“, kam Vaders Stimme ebenso trocken wie spöttisch aus seiner bevorzugten Ecke.

  „Lies nach – steht in meiner Stellenbeschreibung. War Einstellungsvoraussetzung – deshalb wollte auch kein anderer den Job haben.“, kam die ebenso trockene wie unbekümmerte Erwiderung, und Jix grinste breit, als er sich umsah – in ein Heer von Blastermündungen. „Gratuliere, meine Herren. Reaktionstest bestanden. Eins mit Sternchen. Weitermachen.“

Die Offiziere reagierten natürlich nicht, und Vader nickte knapp, worauf alle sich wieder umdrehten und ihren Pflichten nachgingen.

  „Ich hätte meinen Bericht abzuliefern.“, meinte Jixton betont nebenbei. „Hast du grade Zeit?“

  „Jetzt schon.“, knurrte der schwarze Lord. „Komm mit.“

Er ging ihm voraus in seine Gemächer – den öffentlichen Teil davon. „Jetzt rede. Was gibt es so dringendes?“

  „Zweierlei. Eins wird dir gefallen, das andere nicht. Ist der Raum hier sicher?“

Vader runzelte die Stirn. „Das will ich doch schwer hoffen.“

Jix nickte, holte aber dennoch einen Störsender aus der Tasche und aktivierte ihn. „Sicher ist sicher. Und du solltest dich vielleicht setzen, Onkelchen. Das wird dir ganz und gar nicht gefallen.“

  „Werd nicht albern. Raus damit.“

  „Ich hab den Namen des Piloten, der den Todesstern in den Orkus geschickt hat.“

  „Und?“ Der Ton wurde langsam ungeduldig.

  „Du bist wirklich sicher, dass du dich nicht setzen - “

  „Jixton!“

Jix zögerte noch einen Moment – sehr untypisch für ihn. „Luke Skywalker.“

Vader erstarrte. „Unmöglich.“

Der Spion schüttelte den Kopf. „Nein. Ich habe es sehr genau recherchiert. Er heißt Luke Skywalker, lebte auf Tatooine und war mit Obi-Wan Kenobi unterwegs.“

  „Der Junge…!“ zischte der schwarze Lord. „Ich habe nicht nur Kenobi gespürt, sondern auch ihn!“

  „Du kennst ihn schon?“ fragte Jix verblüfft.

  „Er ist mir auf dem Todesstern über den Weg gelaufen. In Kenobis Begleitung – und diesem Schmuggler.“

  „Han Solo.“

  „Wie auch immer.“

  „Und Chewbacca.“

  „Wer?“

  „Ein Wookiee.“

  „Was interessiert mich ein Wookiee?“

  „UND Leia Organa von Alderaan.“

  „Ah. Stecken die immer noch zusammen? Das Schmuggelgeschäft scheint nicht gut zu laufen grade.“ Vaders Tonfall war ätzend.

  „Klar. Die kleben zusammen wie Uhix Plus.“

  „Na schön.“ Vader atmete tief durch und versuchte, sich seine Erregung nicht anmerken zu lassen. Er hatte einen Sohn – noch eine Lüge! Padmé hatte ihr Kind auf die Welt gebracht – also hatte er sie nicht getötet auf Mustafar. Lebte sie vielleicht immer noch? „Mit wem lebte er auf Tatooine? Seiner Mutter? Und wo ist er jetzt?“

  „Sein Onkel und seine Tante, soweit ich gehört habe. Offiziell ist er Waise.“ Jix musterte Vader aufmerksam. „Du willst dich wirklich nicht - “

  „Wrenga Jixton, wenn du mich das noch einmal fragst, wirst du deine nächste Reise ohne ein Schiff unter dem Hintern antreten. Hast du mich verstanden?“

Vaders Gedanken rasten. Ein Sohn. Er hatte einen Sohn! Und die ganze Zeit hatte er nichts davon geahnt, hatte das Kind, wie die Mutter, tot gewähnt…

Luke. Luke Skywalker.

Also hatte Padmé wenigstens so lange gelebt, um ihm seinen Namen zu geben – den Namen, den sie gemeinsam gewählt hatten, für den Fall, dass es ein Junge würde. Aber warum sein Nachname? Warum Skywalker? Eine kalte Hand der Trauer krampfte sich um sein Herz, und entschlossen bekämpfte er diesen Moment der Schwäche und drängte die Erinnerungen zurück, die ihn unwillkommen überfluteten. Erinnerungen an Padmé, ihre Schönheit und Zärtlichkeit, und an eine andere Frau, die ihn geliebt hatte und die er ebenfalls nicht schützen konnte. Und an einen kleinen Jungen, der glaubte, er könne alles erreichen, alles zum Guten wenden, wenn er nur wirklich wollte...

Er musste seinen Sohn finden. Und er musste seine Existenz vor dem Kaiser geheim halten – auch wenn das nicht lange möglich sein würde, Sidious hatte seine eigenen Spione und Ohren überall. Aber wenigstens so lange, bis er – Vader – sich darüber klar war, was er mit Luke machen würde.  Zumindest musste er versuchen, ihn auf seine Seite zu ziehen – für oder gegen den Kaiser, das würde sich zeigen. Aber Palpatine durfte ihn nicht in die Hände bekommen. Luke hatte bereits bewiesen, dass er Machtbegabt war – er war blind gewesen! Nur ein Jedi konnte einen solchen Treffer landen, wie er nötig gewesen war, um die einzige, winzige Schwachstelle des Todessterns zu nutzen. Er musste ihn finden und seine Midichloriane messen. So oder so, Palpatine würde niemals zulassen, dass ein weiterer Skywalker drohte, in der Macht über ihn zu steigen. Entweder würde er ihn töten oder – wenn Max doch recht hatte – so verstümmeln wie ihn selbst. Und das sollte nie wieder jemand erleiden müssen.

Er musste ihn finden, mit ihm reden, in Ruhe. In Bast Castle, auf Vjun am Besten. Der ganze Planet gehörte ihm und war sicherer als selbst die EXECUTOR. Und wenn der Kaiser herausfinden würde, dass er von dem Jungen wusste und ihm nichts berichtet hatte… Energisch schob er diesen Gedanken beiseite. Darum würde er sich kümmern, wenn es soweit war. Vader war durchaus ein Mann, der am Leben hing – er war bereits einmal gestorben, und das genügte ihm vollauf – doch er war auch Pragmatiker und Realist… und er hatte sich in den zwanzig Jahren Dienst als Zweiter des Imperiums das Eine oder Andere erarbeitet, Schlupflöcher geschaffen, Fangseile gespannt und überall in der Galaxis Leute, die ihm Gefallen schuldeten. Und er hatte Zeit genug gehabt, den Kaiser zu studieren, seine Verhaltensweisen kennenzulernen und vorauszuahnen, wann er wie reagieren würde. Und umgekehrt hatte er sich einen beinahe unendlichen Handlungsspielraum erarbeitet – der Kaiser stellte kaum eine seiner Aktionen in Frage, solange er seine Aufträge erledigte und Bericht erstattete über alles, was er tat.

Nur langsam kehrte er ins hier und jetzt zurück, als ihm bewusst wurde, dass Jix weitersprach.

  „Vollkommen verstanden. Also – über seine Mutter ist nichts bekannt. Und leider weiß ich auch nicht, wo er steckt. Die Rebellen machen sich verdammt rar im Moment, das ist alles nur Hörensagen aus zweiter und dritter Hand.“ Der Spion musterte seinen Herrn halb neugierig, halb besorgt. Er mochte ihn wirklich und gehörte zu der verschwindend geringen Elite von Leuten, die keine Angst vor Vader hatten. Obwohl seine Sprache derb und frech war, schwang doch immer ehrlicher Respekt mit, und Vader wusste das. Jix vollführte absichtlich einen beständigen Tanz auf Messers Schneide, doch keine der beiden Seiten ließ zu, dass er sich schnitt.

Im Laufe der Jahre ihrer Zusammenarbeit war er zu Vaders Hauptspion aufgestiegen, was bedeutete, dass er mehr über ihn wusste als die meisten anderen – und dieses Wissen tunlichst für sich behielt. Auch dies war etwas, was Vader wusste – und honorierte, indem er ihn am Leben ließ und ihm weitere Aufgaben übertrug. Die Zusammenarbeit war durchaus fruchtbar und einträglich – für beide Seiten, den schwarzen Lord und den ehemaligen Schmuggler, der diese Tätigkeit jedoch als Tarnung weiterbetrieb und dadurch ein nettes Zusatzeinkommen hatte – und ihn an einer hervorragenden Quelle für allerlei Informationen beließ. Auch diese hatte er von Schmugglern bekommen – viele davon arbeiteten für oder mit den Rebellen zusammen. Der Name Skywalker hatte ihn sofort angesprungen und alle seine Alarmglocken schrillen lassen.

  „Dann finde es heraus! – Und das zweite?“

Jix grinste jetzt wieder. „Hm. Dazu eine Frage vorab, die ich an dich weiterleiten soll: gilt Order 66 auch für die verlorenen Zwanzig?“

 

Vader blieb für einen Moment wiederum die Luft weg, was sich nach außen hin ein weiteres Mal in einer starren Haltung äußerte. „Du hast einen von ihnen gefunden?“

Er klang erregt und war es auch. Die verlorenen Zwanzig! Mehr Mythos als Wissen, denn diese abtrünnigen Jedi wurden aus den Archiven gelöscht, als hätten sie nie existiert. Dem Vernehmen nach konnten sich die Meisten von ihnen nicht mit den starren, verknöcherten Regeln des Ordens abfinden, ein paar fielen jedoch halb und halb… sie wurden nicht zum Sith, aber sie nutzten die Kräfte beider Seiten und wanderten mehr oder weniger auf die dunkle Seite. Und keiner von ihnen war Order 66 zum Opfer gefallen – sie alle waren verborgen und zurückgezogen… bis auf Dooku natürlich. Aber der hatte da schon nicht mehr gelebt.

  „Sie hat mich gefunden, besser gesagt. Verrückte Sache, das. Ich weiß immer noch nicht, wie sie auf mich gekommen ist – aber eines Tages war diese Nachricht in meiner Post, getarnt als Schmuggelauftrag.“ Jixton verstummte nachdenklich.

  „Weiter!“ drängte Vader ungeduldig.

  „Naja. Ich flog hin und traf mich mit ihr. Statt jedoch eine Ladung anzusprechen, kam sie gleich zur Sache. ‚Du dienst dem Sohn der Sonnen.’ – so formulierte sie es. Klingt reichlich kitschig, oder?“

  „Jix…!“ Der Tonfall war drohend und vollkommen ausreichend.

  „Schon gut! – Was sagte sie noch? Ach ja. ‚Der Sohn der Sonnen, der Auserwählte. Sag ihm, er ist jetzt wieder bereit, seine Bestimmung zu erfüllen. Wenn er geheilt werden will, soll er mich in einer Woche im alten Jeditempel auf Herka 7 treffen.’ Das war alles, glaube ich.“

  „Heilen?“ Vader klang genauso verwirrt wie Jixton sich nach dem Treffen gefühlt hatte.

  „Das sagte sie, ja.“

  „Das macht keinen Sinn… ich kann nicht geheilt werden. Das sagen jedenfalls alle Ärzte, die ich seither konsultiert habe. Und es bestätigt meine eigenen Analysen. Im Lauf der Jahre habe ich genug medizinische Erfahrung gesammelt, um die Berichte zu verstehen – und zu wissen, wann man versucht, mich zu belügen. Das bleibt nicht aus, wenn man zum Überleben darauf angewiesen ist…“ Vader untertrieb. Sein Wissen auf diesem Gebiet stand dem eines guten Arztes in nichts nach, war nur etwas spezieller – aber er hatte es sich angelegen sein lassen, alles zu wissen, um alles zu verstehen. Sein Körper war ein Trümmerfeld gewesen, und da er es haßte, von irgendjemandem abhängig zu sein und nicht nachprüfen zu können, ob Wahrheit Wahrheit war, ließ er sich von mehreren Koryphäen unterweisen und las noch mehr Bücher – bis er schlussendlich in der Lage war, die Operationen und Behandlungen selbst durchführen zu können.

Jix zuckte die Schultern.

  „Und was meinte sie mit ‚jetzt wieder bereit’?“

  „Was fragst du mich? Worum geht es dabei eigentlich? Wer sind die verlorenen Zwanzig?“

Vader zögerte, knurrte dann. „Um eine alte Jedi-Prophezeihung. Daß eines Tages ein Kind kommen würde, der sogenannte Auserwählte – auch Sohn der Sonnen genannt -  der die Mächte wieder ins Gleichgewicht bringen würde. Da meine Midichloriane - “

  „Deine was, bitte?“

  „Midichloriane. Kleinstlebewesen im Blut eines Machtbegabten, die die Basis seiner Kräfte darstellen. Mein Wert sprengt jede Skala, niemand konnte bislang feststellen, wie hoch er tatsächlich ist. Aufgrund dieser Tatsache – und dem Fakt, dass ich von Tatooine komme, ein Doppelsonnensystem – nahm man an, dass ich dieser Auserwählte sei.“ Und außerdem die kleine, unbedeutende Nebensächlichkeit, daß ich angeblich keinen Vater habe… sondern aus der Macht selbst entstanden bin – fügte er für sich selbst hinzu.

  „Wow. Klingt, als seist du damit der mächtigste Jedi der Galaxis.“

  „Sith.“ korrigierte Vader automatisch. „Ja – und nein, denn Midichloriane existieren wie gesagt im Blut, also in lebendem Fleisch. Und da ich auf Mustafar beide Beine und einen Arm verlor – und die andere Hand schon vorher – bin ich im Wortsinn in meiner Macht beschnitten.“

  „Oh.“ Jix machte große Augen und speicherte diese Information sorgfältig ab. „Aber wenn du Sith bist, wie kannst du dann beide Seiten vereinen?“

  „Ich war einst ein Jedi – ich kenne beide Seiten. Ihre Stärken – und ihre Schwächen. Vielleicht deshalb.“

  „Und warum hast du den Orden verlassen?“

  „Weil er mich belogen und verraten hatte. Weil seine Regeln dumm und überholt waren und viel zu starr – zum Beispiel ist es den Jedi verboten, sich zu binden, sich zu verlieben. Sie sollen ihr ganzes Leben dem Orden weihen – kaum dass sie laufen können. Die Jünglinge kamen in den Tempel mit kaum zwei Jahren. Ich war nicht der erste – vor mir gab es die ‚verlorenen Zwanzig’, von denen die Frau, die du getroffen hast, eine ist. Ich bin der einundzwanzigste. Wir alle teilen diese Meinung. Ich heiratete Padmé gegen den Willen und ohne das Wissen des Ordens.“

  „Nicht lieben, hu? Warte mal, da war noch was Komisches… sie sagte noch, du könntest ‚deine Liebe’ mitbringen. Das ergab so nun mal gar keinen Sinn – oder lebt deine Frau noch?“

Diesmal dauerte Vaders Starre so lange an, dass Jix sich fragte, ob er ohnmächtig geworden sei und nur aus Gewohnheit noch aufrecht stünde.

  „Sie hat was gesagt?“ flüsterte er schließlich heiser. Noch ein Tonfall, den Jix nie aus dem Munde dieses Mannes erwartet hätte.

  „Du könntest deine Liebe mitbringen. Lächerlich, oder?“ Jix klang nun ein wenig unsicher. Hatte er eine klingende Saite berührt? Lebte seine Frau – die er soeben zum ersten Mal erwähnt hatte – noch, und liebte er sie immer noch? Warum war er dann nicht bei ihr?

Vader drehte sich abrupt um und trat an ein Schiffskom. Er wählte eine Nummer, und eine Ordonnanz erschien auf dem Bildschirm.

  „Lord Vader?“

  „Schicken Sie General Veers zu mir. Sofort.“

  „Jawohl, Mylord.“

Der Bildschirm wurde wieder dunkel, und Vader drehte sich um und lehnte sich an die Konsole. Seine Liebe mitbringen…! Woher wusste jemand davon, den er noch nie getroffen hatte? Nur Veers und Piett wussten Bescheid, und für beide würde er die Hand ins Feuer legen. Das Schiff war sauber – er ließ es täglich von seinen eigenen Droiden auf Wanzen und andere Objekte dieser Art filzen und setzte zusätzliche Störfilter ein.

  „Wie ist der Name dieser Jedi? Und von welcher Rasse ist sie?“

Jix legte bei dem abrupten Themenwechsel den Kopf schräg. „Neugier? Oder spielt es eine Rolle?“

Vader blieb wider Erwarten ruhig. „Es könnte eine Rolle spielen. Also?“

  „Iktotchianerin. Als Namen nannte sie Zarketh.“

Der schwarze Lord atmete tief aus. Gut. Sehr gut. „Ah. Das erklärt einiges.“

  „Krieg ich ’nen Preis, wenn ich dein Rätsel errate, oder erklärst du’s mir vorher?“

Ein Seufzen. „Iktotchianer sind Telepathen und Visionäre. Ihre Jedi zählen zu den mächtigsten überhaupt, weil sie ihre beiden Begabungen hervorragend verbinden können. Und ein Teil dessen, was sie dir sagte, kann niemand gewußt haben… definitiv nicht.“

  „Also lebt deine Frau noch?“

  „Padmé Amidala ist tot.“ versetzte Vader so kalt, dass es Jix schauerte. „Ich habe sie selbst getötet.“

Heiliger Ewok! Jix schürzte die Lippen. Mit Volldampf in den Fettnapf. Klasse. Aber das schien es nicht zu sein, was Vader beschäftigte… was dann?

Der Türsummer zeigte an, daß Veers eingetroffen war, und eine knappe Geste Vaders öffnete ihm. Max trat ein, salutierte vor seinem kommandierenden Offizier und musterte Jix dann kurz, aber intensiv auf eine Weise, die diesem zeigte, daß er in Vaders Ranking eine verdammt hohe Position haben mußte – kaum jemand sonst wagte es, sich nicht gänzlich auf den schwarzen Lord zu konzentrieren. Dieser Blick durchbohrte Jix, zog ihn quasi nackt aus und ließ ihn dann als „potentiell gefährlich, jedoch keine umgehenden Aktionen erforderlich“ zurück.

  „Ihr habt mich herbefohlen, Mylord.“ wandte er sich dann ruhig an den Sith – nicht, ohne Jix wachsam im Auge zu behalten.

Vader nickte knapp und musterte Jix für einen Augenblick, dann sagte er schlicht: „Wenn ich die Herren bekanntmachen darf? Dies ist Wrenga Jixton, kurz Jix, mein selbsternannter „Neffe“ – und dies ist General Maximilian Veers, Kommandeur der Infanterie der EXECUTOR und ein sehr enger… Freund.“

Jix reichte Max freundlich und beinahe kumpelhaft die Hand, hielt dann aber mitten im Händeschütteln inne und stutzte bei der Betonung des letzten Wortes.

  „Moment. Du meinst das so, oder? Freund… wie in „Geliebter“?“

Vader erwiderte nichts, doch sein Schweigen und Max’ verblüffter Gesichtsausdruck waren umso beredter.

  „Onkelchen, du bist SO schräg!“ Jixter lachte schallend. „Genial! Zu schade, daß ich das niemandem erzählen darf…!“

Veers sah verwirrt vom einen zum anderen. Wer, zur Hölle, war das? Warum weihte Dava ihn in ihre noch instabile Beziehung ein und ließ sogar diesen intimen Schluß zu, der gerade mal auf einem einzigen kurzen Kuß beruhte? „Verzeihung, Mylord… aber worum geht es hier?“

  „Laß den Schmus, Max – das ist doch die korrekte Abkürzung, oder?“ grinste Jix. „Wir sind doch unter uns… ganz familiär! Also: ich bin Onkel Ds Superspion – so geheim, daß er vermutlich schlicht vergessen hat, dir von mir zu erzählen. Und der Grund, warum er mich einweihte, hängt mit dem Bericht zusammen, den er heute von mir bekommen hat. Er soll eine Reise tun – und dich mitnehmen.“

  „Wie bitte?“ Veers wurde immer verwirrter, und seine Hand tastete unwillkürlich nach seinem Blaster.

Vader seufzte erneut – ein Laut, der ihm in letzter Zeit beunruhigend oft entwich – und vollführte eine beruhigende Geste. „Das ist leider korrekt. Eine abtrünnige Jedi, eine der verlorenen Zwanzig, hat Jix aufgesucht und ihm aufgetragen, mir auszurichten, daß sie mich zu sehen wünsche – um mich zu heilen, wenn ich das richtig verstanden habe.“

Veers verstand die Welt nicht mehr. „Sekunde – lauten deine Befehle nicht, alle noch lebenden Jedi zu töten?“

Vader nickte.

  „Und warum diese nicht? Oder hab ich was mißverstanden?“

  „Töten kann ich sie immer noch.“ versetzte Vader kalt. „Aber dummerweise ist diese Jedi Iktotchianerin – und sie wußte von uns.“

  „Unmöglich!“

  „Das macht es eben so interessant. Findest du nicht?“

  „ZU interessant. Für mich stinkt das.“ knurrte Veers.

  „Die Wahrscheinlichkeit, dass es stimmt, ist hoch.“, widersprach Vader ruhig. „Ich kenne die Büsten der verlorenen Zwanzig und ihre Namen in- und auswendig – sie standen in der Bibliothek des Tempels als einzige Erinnerung an sie. Es gab tatsächlich eine Iktotchianerin namens Zarketh unter ihnen… ich werde hinfliegen.“ entschied er knapp. „Max, mach ein kleines Außenteam bereit – hundert Mann. Zu deiner Beruhigung. Und du, Jix, suchst den jungen Skywalker.“

  „Was?“ keuchte Veers überrascht, während Jix nur nickte.

  „Ja, Max. Wie es aussieht, ist der Pilot, der den Todesstern sprengte, mein Sohn. Luke.“

 

Der General schüttelte nur den Kopf. Wie viele Überraschungen hatte dieser Tag noch zu bieten?

Vader drehte sich wieder um und aktivierte das Interkom erneut.

  „Captain Piett, geben Sie Anweisung, zehntausend imperiale Suchdroiden zu produzieren und überall in die Galaxis auszusenden. Ich will die Rebellen haben.“

Der Offizier auf dem Bildschirm blinzelte kurz überrascht, nickte aber sofort. „Zu Befehl, Lord Vader. Die ersten werden heute abend Bordzeit starten können.“

  „Sehr gut.“ Vader nickte grimmig und schaltete ab.

  „Ich mach mich dann mal auf den Weg…“ meinte Jix. „Du hörst von mir. Ich stell dir ein Portfolio über ihn zusammen.“

Vader nickte. Daß dies Daten sein würden, an die er auf imperialem Weg nicht herankommen würde, stand außer Frage.

Jix grinste, winkte und verschwand.

Und Veers drehte sich zu Vader und wartete.

  „Versuch ja nicht, mich bemuttern zu wollen.“ warnte der.

Veers zog amüsiert eine Augenbraue hoch. „Was werd ich denn. Du bist nicht Sithlord geworden, weil du besonders viele Blümchen an alte Damen verschenkt hast. Ich will nur wissen, wie ich planen soll – seither konnte ich dich das nicht fragen. Nicht, daß ich das nicht allein hinbekommen würde, aber warum nicht den Vorteil nutzen?“

  „Herka 7 ist mehr oder weniger eine Wüstenwelt mit wenigen Stellen, an denen etwas gedeiht. Er hat deshalb nur wenig eigenes Leben hervorgebracht – aber aus irgendeinem Grund gibt es dort sehr starke Strömungen der Macht, die vor allem die Heilkräfte potentieren. Deshalb war er für den Sithorden auch nie interessant. Es gibt allerdings dennoch nur einen großen Jeditempel dort, längst verlassen, denn mit zunehmender Technologie starben auch die Jediheiler aus. Noch eine solche Idiotie. Technik kann niemals die Macht ersetzen – höchstens ergänzen.“

  „Und das bedeutet was?“

  „Es ist ein weiterer Hinweis darauf, daß sie eine Möglichkeit gefunden zu haben scheint. Wenn es überhaupt irgendwo möglich ist, dann dort. Außerdem werden wir schon aus dem Orbit erkennen können, ob es eine Falle ist oder nicht. Es gibt keine menschlichen Ansiedlungen dort – sie sollte das einzige humanoide Wesen auf dem Planeten sein. Ein paar Raubtiere, ja, aber nicht weiter beunruhigend. Jedenfalls nicht für mich.“

  „Und sie selbst? Immerhin ist sie eine Jedi.“

  „Sie WAR eine.“

  „Ja. Aber sie wird nicht eben ihre Fähigkeiten beim Verlassen des Tempels an der Garderobe abgegeben haben.“, versetzte Veers trocken.

  „Wohl kaum. Aber ich erwarte nicht, daß sie besser ist als die anderen, die ich bekämpft und besiegt habe.“ Vader klang kühl, beinahe distanziert. Über dieses Thema hatten sie bislang geschwiegen – all die Morde, die Vader im Namen des Kaisers vollzogen hatte. Oder, im imperialen Jargon: Hinrichtungen. Veers wusste nicht, wie Vader dazu stand, wie er es verarbeitete oder ob es ihm schlicht gleichgültig war. Aber für so gefühlskalt hielt er ihn nicht.

  „Wer ist Wrenga Jixton?“ wollte er dann stattdessen wissen, und es war ihm deutlich anzuhören, dass er dem Mann noch nicht traute und ihm das Ganze überhaupt zu schnell gegangen war.

Vader überraschte ihn wieder einmal, indem er leise lachte. „Ein Schmuggler – Correllianer, wie dieser Solo. Er riskiert jedes Mal seinen Kopf, wenn er hier ist, aber keine Sorge – er ist mir absolut treu. Ich erzähle dir ein andermal, wie er zu mir kam.“

  „Du vertraust ihm?“

  „Hundertprozentig. Sein Geist ist ein offenes Buch für mich – wie die meisten Machtblinden hat er keine mentalen Schilde. Das erklärt auch, wie Zarketh ihn fand – und aus diesem Grund sollte er besser auch niemals dem Kaiser in die Hände fallen. Aber ich habe viele Spione, und Palpatine hat sie bislang ignoriert – er hat genug eigene.“

Veers brummte unwillig, aber er vertraute Vader – und wenn dieser Jix vertraute, würde er es ebenfalls tun. Mit Einschränkungen. „Na schön. – Wann willst du starten?“

  „Morgen. Wir werden die PRIDE nehmen.“

Veers nickte. Die PRIDE war eine Fregatte – relativ klein, aber absolut ausreichend für diese Truppenstärke, gut bewaffnet und schnell. Durch ihre Größe konnte sie auf den meisten Planeten landen und stellte so eine hervorragende mobile Truppenbasis dar. Und die EXECUTOR wiederum war so groß, dass sie in ihren Hangars Platz für sie hatte. Die PRIDE war so etwas wie Vaders Privatjacht – abgesehen von der modifizierten Lambdashuttle oder dem ebenso speziell ausgestatteten TIE Advanced, die er normalerweise bevorzugte. „Sie wird um Nullachthundert Bordzeit Startklar sein.“

Veers salutierte nochmals und verschwand, ohne entlassen worden zu sein – etwas, das er sich aufgrund seines neuen Status’ erlauben konnte.

Vader lächelte unter seinem Helm, als er ihm nachsah und begab sich dann zur Brücke, um mit Captain Piett und Admiral Ozzel – er seufzte unhörbar – zu besprechen, was während seiner Abwesenheit getan werden sollte.

 

 

7

 Vier Tage später schwenkten sie in den Orbit über Herka 7 ein. Vader hatte sich das Vergnügen gegönnt, selbst zu fliegen, und Veers saß als Copilot neben ihm.

Noch bevor der schwarze Lord den Befehl geben konnte, hatte Max bereits die Scanner aktiviert, was Vader zum Grinsen brachte. Er brauchte kein Kindermädchen, aber es war amüsant, eines zu haben – so lange es sich zurückhielt mit dem Betütteln.

  „Nur animalische Lebenszeichen.“ meldete Veers. Dann, einige Momente später: „Korrektur. Humanoide Lebensform – eine einzelne.“

  „Sehr gut. Suchen Sie einen Landeplatz in angemessenem Abstand.“ befahl Vader ruhig.

  „Zu Befehl, Mylord.“ antwortete Max gelassen. „Übermittle die Koordinaten.“ Ohne sich abzusprechen, hatten sie hier auf dem Schiff nach außen hin wieder die alte Distanz und Kühle – zu eng war es hier, zu wenig Privatsphäre. Zwar hatte Vader einen eigenen Raum, aber eben nur den einen. Und sie waren nie wirklich allein – außer in ihren Gedanken.

Die PRIDE durchstieß die Atmosphäre und schwenkte auf einen ruhigen Kurs in Richtung des Tempels ein, in dessen Nähe sie kurze Zeit später landete – in einem Abstand von ungefähr einer halben Stunde Fußmarsch oder fünf Minuten mit dem Speeder.

  „Ich gehe allein.“ verkündete der schwarze Lord bestimmt, sobald das Schiff aufgesetzt hatte und die Motoren verstummt waren. Und versuch nicht, mir das auszureden., fuhr er in Max’ Geist fort. Ich rufe dich, sobald es soweit ist.

  Kein Gedanke., antwortete Veers ein wenig ärgerlich. Kennst du mich so schlecht? Warum sollte ich jetzt plötzlich damit aufhören, mich so zu verhalten, wie ich es seit zwanzig Jahren tue? Du bist zuallererst mein kommandierender Offizier, ich kenne deine Verhaltensweise und weiß, wozu du fähig bist. Das bedeutet nicht, dass ich mir keine Sorgen mache, aber ich werde mich hüten, dir irgendwelche Vorschriften machen zu wollen, nur, weil wir befreundet sind.

Vader starrte ihn einen Moment lang verblüfft an.

  Nun geh schon! scheuchte ihn Veers lächelnd. Ein offenener Mund – wenn auch mental – passt nicht zu einem Sith-Lord.

Der schwarze Hüne schüttelte nur den Kopf – damit hatte er nicht gerechnet. Es freute ihn – und er war stolz auf Veers. Er lachte leise. Ich liebe dich, Max. Danke.

Veers lief leicht rot an und grinste scheu. Und rot zu werden wie ein Schuljunge passt nicht zu einem gestandenen General. Verschwinde!

Nach außen hin zeigte Vader wie immer keine Regung, als er das Schiff verließ und mit wehendem Mantel seinen Weg nahm, doch sein schallendes Lachen klang laut und deutlich in Max’ Kopf.

 

Eine knappe halbe Stunde später erreichte Vader den verlassenen Jeditempel. Er war in einen Fels hineingesprengt worden und schien noch vollkommen intakt zu sein – als ob die heilenden Kräfte des Planeten sich auch auf ihn ausgewirkt hätten.

Ein Jeditempel. Ein Ort des Lichts – und damit etwas, dem er sich normalerweise fernhielt. Doch hier stieß ihm keine Ablehnung entgegen, im Gegenteil – er fühlte sich willkommen.

Eine heitere Atmosphäre empfing ihn im Inneren, licht und beruhigend, aber nicht einlullend. Er fühlte sich nicht beschnitten oder sediert, nur… zuhause. Verwirrend.

Unwillig knurrend streckte er seine mentalen Fühler nach der lebenden Quelle der Macht aus, die sich hier aufhielt, und fand sie kurze Zeit später ohne Probleme.

Die Iktotchianerin verneigte sich höflich und überraschend tief, als er sich ihr näherte, aber sie lächelte offen und warm.

  „Lord Vader. Ich freue mich sehr, dass Ihr gekommen seid.“ Sie drehte sich, forderte ihn mit einer Geste auf, sie zu begleiten.

Ihr Lächeln verbreiterte sich, als er begann, sie zu sondieren und die Umgebung zu erforschen, und sie öffnete ihren Geist bereitwillig und weit für ihn. Da war nichts… keine Gefahr, keine Fallen, kein Verrat. Nur der Wunsch, zu helfen… zu heilen. Erstaunt sah er sie an.

  „Ja, ich bin Heilerin. Die letzte. Das war auch der Grund, weshalb ich den Orden verließ – als sie die Heiler abschafften und durch Droiden ersetzten.“

Er nickte. Das war ein Grund, den er gut verstehen konnte.

Ihr Weg führte sie in einen Wohnbereich etwas abseits der großen Hallen, durch eine unscheinbare Tür. Er spürte ein Flackern der Macht und ahnte, dass Nicht-Sensitive diesen Eingang schlicht übersehen würden. Im ersten Raum standen sowohl Tisch und Stühle als auch einige bequeme Sessel, alles war licht und hell.

  „Ich war immer hier… hielt mich verborgen, wenn sie suchen kamen, und half denen, die Hilfe benötigten. Und Ihr… Euch beobachte ich schon lange. Den Sohn der Sonnen. Den Auserwählten.“ Sie lächelte wieder, trat ohne Scheu näher und legte eine Hand auf seinen Arm. „Wie schön… wie wunderbar! So stark… so machtvoll. Ich wüsste zu gerne, welchen Wert Ihr auf der Skala der Midichloriane tatsächlich habt…“ Ihre Hand glitt sanft über seinen Arm, seine Brust. „Wie schön Ihr seid… viel beeindruckender als in den Holovids, die sie senden.“

Er ließ ihre Berührung zu, stand ruhig wie eine Statue, aber diese Worte waren ihm dann doch zu viel. „Dame, ich denke nicht, dass ich hergekommen bin, um mit Euch über die Attraktivität meines Anzugs zu diskutieren. Ihr wisst sehr wohl, dass er eine Notwendigkeit ist, ohne die ich nicht überleben könnte.“

Sie lachte hell. „Nein, dazu seid Ihr nicht hergekommen, aber ich genieße den Anblick trotzdem. Und keine Sorge: bald werdet Ihr den Anzug wirklich nur noch aus strategischen, notwendigen oder“, sie grinste, ein wenig anzüglich, wie es schien, „modischen Gründen tragen.“

Er knurrte leise. Einen Eingriff in seine Privatsphäre, wenn auch angedeutet, ließ er nicht zu. Die Heilerin, unbeeindruckt, behielt ihr Lächeln jedoch bei.

  „Mylord, Ihr seid der Auserwählte. Aus verschiedenen Gründen. Einer ist schlicht der, daß Ihr lieben könnt.“

Das Knurren wurde lauter, im selben Maße, wie ihr Lächeln sich vertiefte.

  „Bitte, beruhigt Euch. Es ist ja keine Kritik, im Gegenteil! Es macht Euch zu etwas Einzigartigem. Ihr vereint beide Seiten in Euch. Ihr wart ein Jedi – doch Ihr lehnt, zu Recht, Ihre Lehren in Teilen ab. Ihr seid ein Sith und dient treu – und doch tut Ihr Verbotenes, widersetzt Euch Eurem Meister in Winzigkeiten. Ihr seid beides, Ihr kennt beide Seiten, ihre Schwächen und Stärken. Ihr kennt beide Seiten, doch noch könnt Ihr die Prophezeihung nicht erfüllen. Man hat Euch in Eurer Macht beschnitten, Euch kleingehalten, mehrfach. Zuerst die Jedi im Tempel. Sie haben Euch nicht alles gesagt, nicht alles gelehrt, Euren Geist eingeschnürt und Verbote auferlegt. Sie haben Euch zum Ratsmitglied gemacht, ohne Euch den Rang eines Meisters zu gewähren, Euch nicht vertraut.“

Vader beruhigte sich langsam ein wenig, auch wenn der Boden, auf dem sie sich bewegte, immer noch schlüpfrig war.

  „Ich wollte Euch schon früher initiieren. Aber Ihr mußtet erst fallen, die Tür zur dunklen Seite gänzlich aufstoßen und ein Sith werden, die andere Seite kennenlernen. Und dann war Sidious schneller als ich – und es war zu spät.“

  „Der Kanzler war immer für mich da.“ knurrte Vader. „Er gab mir das, was mir der Tempel verwehrte, er lehrte mich, was sie mich nicht lehrten. Unter ihm als Meister erreichte ich endlich Größe und meine Bestimmung!“

  „Nur einen Teil davon.“ korrigierte sie sanft. „Palpatine ist gerissen. Er bemerkte, daß Eure Macht geringer wurde, als Ihr Eure rechte Hand verlort, und begann, nachzuforschen. Und deshalb sorgte er dafür, daß Euch bei Eurem letzten Kampf mit Obi Wan möglichst viel lebendes Fleisch verlorenging… und schaut Euch an! Ihr seid verstümmelt, aber selbst so noch gefährlich für ihn!“

  „Unsinn! Ich bin sein Schüler, ihm treu!“

Ihr Lächeln blieb, wurde aber trauriger. „Noch. Ihr habt noch nicht erkannt, welche Möglichkeiten Euch gegeben sind, wohin der eigentliche Weg Eurer Bestimmung führt… Palpatine hat dies schon lang gesehen und alle Hinweise verborgen und vernichtet.“

  „Nein! Er hat mich viel gelehrt und lehrt mich noch! Ich - “

Sie unterbrach ihn, sanft, aber bestimmt. „Er hat zum Beispiel dafür gesorgt, daß Padmé starb. Obi Wan war nie unschuldig, aber Sidious beeinflußte ihn mehrfach. Zum einen im Duell. Zum anderen, indem er durch ihn dafür sorgte, daß Padmé Euch nach Mustafar folgte – und Ihr sie dort im Zorn getötet habt.“ Eine schwarze Wolke seines Ärgers stieg beinahe sichtbar auf, doch sie blieb unbeeindruckt und sprach weiter, wohl wissend, daß der leise Zahn des Zweifels längst an ihm zu nagen begonnen hatte und er ihr zuhörte. „Ohne Eure Liebe, als reiner, kalter Sith, wart Ihr nur schwarz… Euer Ausgleich fehlte. Der Auserwählte ist deshalb Besonders, weil er beide Seiten vereint. Licht und Dunkel. Grausamkeit und Liebe. Freude und Schmerz.“

Er schwieg – eine erste, vorsichtige Zustimmung.

  „Aber jetzt liebt Ihr wieder. Er ist das Licht in Eurer Dunkelheit, wie Ihr das Dunkel in seinem Licht seid. Er ist ein treuer Offizier des Imperiums, doch er hat sich seine Menschlichkeit bewahrt. Er hat ein Gewissen. Und er liebt Euch, wie Ihr seid… er hat Euch erkannt.“

  „Laßt Veers aus dem Spiel.“ knurrte er drohend.

  „Das werde ich – und doch auch wieder nicht. Denn Ihr braucht ihn. Als Ausgleich.“ Sie legte wieder sanft eine Hand auf seinen Arm. „Werdet Ihr mich Euch heilen lassen?“

  „Das ist unmöglich.“ sagte er beherrscht, doch Erregung stieg in ihm auf, ebenso wie Hoffnung. „Glaubt Ihr nicht, ich hätte nicht längst alle Möglichkeiten geprüft? Ich habe mit sämtlichen berühmten Ärzten des Imperiums gesprochen. Sie sind sich alle einig. Die Schäden sind irreversibel.“

  „Es ist nicht unmöglich.“ Sie lächelte warm. „All diese Ärzte… sie waren, sie sind Machtblind. Und hat nicht die Macht bereits mit der Heilung begonnen? Verbergt Ihr nicht, daß es Euch möglich ist, einige Minuten ohne den Anzug zu sein… und daß diese Intervalle langsam länger werden?“

Regulatoren klickten leise, als sein Herzschlag sich beschleunigte, und paßten seinen Atemrhythmus an. Woher wußte sie das?

  „Ich kann es spüren.“ sagte sie leise. „Ich wurde dafür ausgebildet. Ich kann es ebenso leicht tun, wie Ihr telekinetisch Dinge bewegt. Die Macht drängt in Euch, sie will wachsen, braucht Raum.“

Er öffnete den Mund – und schloß ihn wieder, ohne etwas zu sagen. Heilung. Er würde wieder er selbst sein. Ganz. Vollkommen.

Würde er? Würde er „vollkommen“ sein?

WOLLTE er?

Wollte er so wie früher sein… schwach. Menschlich? Er hatte Vorteile durch den Anzug, ebenso wie Nachteile. Sie wogen sich auf… in gewisser Weise. Der Panzer verlieh ihm übermenschliche Stärke, die Maske Schutz und Macht.

  „Auf all das müßt Ihr nicht verzichten.“ drang die sanfte Stimme der Heilerin in seine Gedanken. „Knochen kann ich nicht erschaffen. Nur Fleisch. Das heißt, Eure Stärke, Eure Gewandtheit und in gewisser Weise Unverletzlichkeit bleiben Euch durch die Prothesen als „Knochen“ erhalten. Aber Muskeln, Fleisch, Adern und Haut darumherum, das wird sich neu bilden. Im Kern bleibt Ihr gleich… Und an Eurer Stelle würde ich den Anzug dennoch weiterhin tragen… zur Tarnung vor Palpatine, und zur Erhaltung Eurer Aura. Dann darin muß ich Euch vollkommen Recht geben: er verleiht Euch Macht. Große Macht. Er macht Euch zum Gott in den Augen der Meisten. Und er schützt Euch… auf vielerlei Art. -

Laßt mich Euch heilen. Laßt es mich Euch beweisen, daß es geht… an Euren Lungen.“

Der schwarze Helm drehte sich langsam, der Blick senkte sich und fräste sich ein weiteres Mal in den ihren.

  „Meine… Lungen.“

Sie nickte lächelnd. „Ich behaupte nicht, daß es einfach wird… und es wird auch nicht schnell gehen. Aber es sollte Euch überzeugen, daß auch der Rest möglich ist.“

  „Wie lange?“ verlangte er knapp zu wissen – barscher im Ton, als er eigentlich wollte, doch hier drang eine gewisse Nervosität durch, die niederzukämpfen er bemüht war.

  „Vier Stunden… vielleicht fünf. Da sie schon begonnen hat, zu heilen.“

Wieder drängte sein Blick in den ihren, suchten seine Sinne einen Weg hinter ihre Stirn… und fanden – nichts. Nichts außer dem echten, wahren Willen, ihm zu helfen.

  „Nichts auf dieser Welt ist umsonst. Was ist Euer Preis?“ knurrte er kalt.

  „Tötet das Monster auf dem Thron und nehmt ihn selbst ein… zusammen mit Eurem Sohn.“

  „Was?“ fauchte er, doch wiederum ließ sie sich nicht davon beeindrucken.

  „Das Reich braucht eine starke Hand, aber keinen Tyrannen. Die Macht wird Euch leiten – euch beide. Er Jedi, Ihr Sith. Zwei Schalen einer Waage, beide die letzten ihrer Art der alten Generation, zusammen im Ausgleich. Vater und Sohn. Ihr müßt ihn für Euch gewinnen. Nicht für Euren Weg, nein, im Gegenteil… er muß licht bleiben. Aber für Eure Seite. Und Ihr könnt es. Ihr könnt lieben. Er ist Euer Sohn.“

  „Er muß mich hassen. Ich habe seine Verwandten töten lassen, ich habe seinen Mentor umgebracht. Ich bin der Zweite des Imperiums. Er wird mich verantwortlich halten für die Zerstörung Alderaans. Und für die Morde an - “

Ihr Lächeln wurde ein klein wenig wölfischer. „Ihr seid gewiß kein Heiliger, Lord Vader. Ihr seid ein Kriegsherr, Ihr habt viele getötet, aus den unterschiedlichsten Gründen und auf vielerlei Art. Aber ER hat den Todesstern zerstört… und damit wie viele Leben auf dem Gewissen? Seid Ihr sicher, daß IHR die Liste anführt?“

Er starrte sie an, ungläubig, dann lachte er leise. „Und Ihr wollt eine Jedi sein, Ihr perfides Weib? Ein guter Punkt. Grausam, aber wahr. Und verdammt, Ihr habt Recht. Ich will ihn haben. Ich will meinen Sohn haben… und meinen Platz als Vater einnehmen.“

  „Noch ein Grund mehr, meinem Vorschlag zu folgen.“ Sie schmunzelte. „Er wird sicher nicht erwarten, Euch anders zu sehen als in Eurer Rüstung…“

Er schüttelte den Kopf, ein Lächeln auf den Lippen. „Nein. Das würde er nicht… und ich könnte leichter mit ihm reden. Von Mensch zu… Mensch.“

Ihre Hand wanderte nun auf seine Brust, drängte ihn sanft, aber bestimmt rückwärts. „Dann setzt Euch endlich.“

 

Er saß auf dem Sessel, äußerlich ruhig, innerlich aufgewühlt und ängstlich. Was, wenn es schiefging? Dann sind immer noch die Maschinen da, Dummkopf. Genau DAFÜR hast du sie! Weil deine Lungen nicht mehr sind als nutzlose Fetzen! Nein… das stimmte nicht. Das waren sie, nach seinem Fall in die Grube. Doch mittlerweile… die Heilerin hatte Recht. Er konnte normale Luft atmen, für eine kostbare, kleine Weile, selbständig und aus eigener Kraft. Nicht lange… aber es ging. Und das bedeutete ihm viel.

  Ruhig… Ihr Lächeln war sogar in seinem Kopf. Sie saß ihm gegenüber, hatte die Augen geschlossen und hielt seine Hände in der Karikatur eines Liebespaars. Ich beginne nun. Entspannt Euch. Laßt die Macht Euch durchdringen… gewährt ihr den Raum, den sie braucht, der ihr zusteht. Es wird nicht wehtun.

Und er konnte es fühlen… Wärme durchdrang ihn, floß von ihren Händen durch die seinen in seinen Körper, suchte sich einen Weg in seinen Brustkorb und sammelte sich dort. Es… es fühlte sich an wie ein Stern, ein kleiner Punkt an Kraft, Macht und Wärme… sehr angenehm, beruhigend, tröstend irgendwie. Es wuchs, erfüllte ihn, breitete sich aus und fühlte sich einfach… richtig an. Vader entspannte sich und bemerkte nicht, wie die Zeit verging, wie er in eine Art Trance hinüberglitt, wie seine Macht sich mit der der Heilerin vereinte…

 

  Du kannst kommen, Max.

Die Stimme klang… eigenartig. Ruhig, gelassen – und heiter. Überdreht, irgendwie. Aber glücklich. Hatte es geklappt?

Er hob eine Hand an sein Ohr, als hätte er etwas über ein Implantat gehört, denn er war nicht allein. „Jawohl, Lord Vader.“ sagte er laut und ließ die Hand wieder sinken, als er sich an den Offizier wandte, der neben ihm stand. „Seine Lordschaft befiehlt mich zu sich. Sie haben das Kommando, Commander Cass.“

  „Zu Befehl, General.“ Der in die weiße Uniform eines Sturmtrupplers gekleidete Offizier nickte nicht überrascht und fuhr in seiner Arbeit fort. Es war ja auch nicht überraschend… so war es besprochen gewesen. Warum also war Veers nervös, als täte er etwas Verbotenes?

Er knurrte innerlich, während er ohne äußerliche Regung ein bereitstehendes Düsenrad bestieg und es in Richtung des Jedi-Tempels in Bewegung setzte.

 

Der Tempel war riesig. Und leer. Wie Vader hier finden?

Er ging schnellen, aber nicht zu eiligen Schrittes durch endlos scheinende Gänge und gigantische Hallen, suchend und innerlich fluchend. Erwog zu rufen und verwarf es wieder.

  Verflucht, Dava, wo bist du?

Eine Hand packte ihn mit knochenzermalmender Kraft, schleuderte ihn herum und gegen eine Wand. Er keuchte auf vor Entsetzen – und dann wurde sein zum Schrei oder Protest geöffneter Mund abrupt verschlossen… mit einem leidenschaftlichen Kuß.

  „Wer sind Sie, und was haben Sie mit Lord Vader gemacht?“ keuchte er, als er wieder Luft bekam.

Vader lachte – was für ein Anblick! Der schwarze Lord der Sith stand da, gekleidet in seinen Anzug, jedoch ohne Maske und Helm, grinste wie ein übermütiger Schuljunge und wirkte mindestens zwanzig Jahre jünger. Für einen kurzen Moment sah Veers Anakin Skywalker dort stehen, den „großen Helden der Galaxis“, wie er in den Holovids gefeiert wurde für seine Einsätze mit seinem Mentor und Freund, Obi-Wan Kenobi.

  „Der hat sich Urlaub genommen für ein paar Stunden. Oh, Max, es hat funktioniert! Sie kann mich heilen… meine Lungen sind geheilt, ich kann atmen!“ sprudelte er regelrecht hervor, begeistert wie ein Kind.

  „Und um das zu beweisen, hast du mir die Luft abgeschnürt?“ fragte er trocken, doch dann grinste er ebenfalls, trat auf ihn zu und nahm seine Hände, die immer noch in den Stulpenhandschuhen steckten und sich… hart anfühlten. Kalt. „Dava, das ist wundervoll! Ich - “

  „Schhhh…“ Vader legte ihm sanft einen Finger auf die Lippen. „Das ist mein erster Urlaub seit über zwanzig Jahren, und er wird nicht lange dauern.“ Er lächelte und beugte sich vor, und wieder küßte er ihn, sanfter diesmal, zärtlich, doch nicht weniger leidenschaftlich. Und ich möchte die wenige Zeit lieber… anders verbringen. Zarketh schläft, sie ruht sich von der Anstrengung aus. Wenn sie erwacht, werde ich wieder Vader sein müssen… Aber bis dahin…

Veers erschauerte, seine Lippen öffneten sich leicht und hießen Vaders Erregung willkommen.

 

 

8

 Zarketh fand sie später, über Vaders Helm und Maske sitzend, in einer heißen Diskussion, ob sie angepaßt und umgebaut werden sollte oder nicht. Noch unbemerkt von beiden lauschte sie einen Moment lang amüsiert, beobachtete die beiden Männer mit beinahe mütterlichem Blick. Sie hatte zwar geschlafen, aber dennoch Vaders Erregung gespürt, die zu einem bestimmten Zeitpunkt schlagartig anwuchs und über den euphorischen Zustand hinausging, in dem er sich seit seiner begonnenen Heilung befand. Seine Erregung… und die folgende Eruption schieren Glücks und unendlicher Zufriedenheit, der sich ein anderer, menschlicher Geist beigesellte, sich mit ihm vereinigte, ihn stützte und auffing. Maximilian Veers. Seine Liebe hatte ihn begleitet, wie sie es vorgeschlagen hatte… und sie freute sich darüber.

Vader hielt seine Maske in der Hand, deutete und erklärte, wie er sich Modifikationen vorstellte. Veers war offensichtlich dagegen, ganz der realistische Offizier. Sie stritten, ohne es wirklich ernst zu meinen, und unbewußt berührten sie sich immer wieder… sollten sie. Hier war es sicher. Aber sie würde sie darauf hinweisen müssen. Später.

  „Guten Abend, General.“, grüßte sie, näherkommend. Veers stand auf, schnell und ein wenig überrascht; Vader folgte ein wenig gesetzter – er hatte sie offensichtlich doch bemerkt. Seine Züge wurden gleichzeitig ruhiger, ein wenig maskenartig… noch kannte er sie nicht gut genug, um ihr so viel von sich zu zeigen, seine Gefühle preiszugeben.

  „Jedimeisterin.“ Max verneigte sich knapp. „Ihr habt ein Wunder vollbracht.“

  „In gewisser Weise.“ Sie lächelte, was er nach einem Moment erwiderte, ihre Doppeldeutigkeit verstehend und bestätigend. „Ich hoffe doch, Sie bleiben zum Essen?“

  „Gerne, wenn ich darf?“ erwiderte er überrascht.

  „Natürlich. Allerdings kann ich Ihnen leider nicht gestatten, während der Heilungen anwesend zu sein. Seine Lordschaft wird Sie benachrichtigen, wann Sie uns Gesellschaft leisten können.“

  „Selbstverständlich.“ Er nickte ohne Erstaunen. „Aber vielleicht darf ich meinen Teil beitragen und für Fleisch im Topf sorgen? Meine Leute würden sich auch über Abwechslung freuen. Jagdausflüge wären sehr willkommen.“

  „Natürlich. Die Wälder hier sind sehr wildreich – und es gibt nahebei auch einen See, der sich gut zum Fischen eignet… wollt ihr mir in der Küche Gesellschaft leisten? Ich würde mich über ein wenig Unterhaltung freuen.“

Veers wechselte einen Blick mit Vader, der die Schultern zuckte und nickte. „Warum nicht?“

Sie lächelte und ging voraus.

Veers mochte sie auf Anhieb.

 

Als er am nächsten Abend wiederkam, einen Hasen im Gepäck, fand er Vader fluchend und alle Beherrschung benötigend, sich nicht den Kopf blutig zu kratzen, der rosa schimmerte. „Es JUCKT!“ grollte er, und Veers lachte schallend auf. Die Narben waren noch da, aber sehr viel weniger wulstig – im Laufe der Zeit würden sie nur noch weiße Linien sein, deutlich sichtbar, aber weniger entstellend.

  „Weißt du überhaupt noch, wie man sich rasiert?“ scherzte er. „Und für das Haareschneiden werden wir auch jemand finden müssen. Na, notfalls mache ich es selbst.“

  „DU?!“

  „Einen militärischen Kurzhaarschnitt werde ich schon noch hinbekommen. Für etwas Eleganteres mußt du dir halt Landurlaub nehmen.“ Max grinste. „Oder die Lady Ex bekommt einen neuen Offizier, der zum Barbier gehen kann.“

Vader fluchte erneut und setzte sich kurzerhand auf seine Hände – was er jedoch schnell wieder bleiben ließ. „Verdammt – ich wußte gar nicht, daß meine Prothesen DERART hart sind…!“

Veers ergriff samt Hasen die Flucht in die Küche, bevor er für seinen neuen Lachanfall irgend etwas an den Kopf bekommen konnte.

 

Die Tage vergingen.

Am Folgetag wurde Max erst spät gerufen und durfte eine geheilte rechte Hand bestaunen – mit warmem, festem Fleisch, weicher Haut, gesund, empfindsam, LEBENDIG. An dem darauf war die Linke dran.

Vader konnte es sich anfangs nicht erklären, wie Zarketh – die langsam schwächer zu werden schien und müder – das machte, doch er begann, zu lernen und konnte sie langsam, doch zunehmend mehr unterstützen.

Dann war ein Tag Pause. Vader meldete sich nur kurz, um Bescheid zu geben, daß alles in Ordnung wäre und er sich keine Sorgen zu machen brauchte. Als er wieder kam, war ein Bein geheilt.

Wieder dauerte es… diesmal zwei Tage. Und diesmal war es Vader, der über Zarkeths Bett gebeugt saß, die Heilerin mit Kraft versorgte, seine eigene, noch nicht wieder vollständige Energie in sie fließen ließ.

  „Närrin!“ grollte er und schnitt der widersprechen Wollenden das Wort ab. „Wenn Ihr es mir gesagt hättet…! Es bestand doch überhaupt kein Grund zur Eile!“

  „Was meinst Du?“ fragte Veers besorgt, ein wenig dumm mit der heutigen Gabe, einem großen Fisch, dastehend. „Was ist passiert?“

  „Sie wäre beinahe gestorben, das ist passiert! Sie hat ohne Rücksicht auf sich selbst all ihre Kraft in mich fließen lassen!“

  „Ihr seid es wert… ich bin alt, meine Aufgabe ist erfüllt.“ Zarkeths Stimme war schwach, aber fest. „Ihr braucht all Eure Kraft für Eure Mission.“

  „Seid still! Ich lasse Euch nicht so gehen, nicht auf diese Weise – es mag noch mehr geben, die Eure Dienste benötigen werden!“

Er sprach nicht aus, was er meinte, aber sie verstand. „Eurem Sohn wird nicht dasselbe Schicksal widerfahren, wenn alles gutgeht.“

  „Wenn!“ knurrte er. „Es ist noch ein verdammt langer Weg… und er ist vielleicht nicht der Einzige.“

Sie lächelte ein wenig spöttisch. „Ihr betrügt Euren Meister schon wieder, Mylord… und widersetzt Euch Order 66. Sie wurde nie außer Kraft gesetzt, oder?“

  „Und sie galt nie für die verlorenen Zwanzig. Offiziell geltet Ihr nicht als Jedi.“ konterte er.

  „Augenwischerei.“ Sie schloß die Augen. „Ihr tut Verbotenes. Wissentlich und Willentlich. Ich wäre gegangen.“

  „Ich weiß.“ sagte er nach einer Pause verblüffend sanft und tupfte ihre Stirn ab. „Aber ich will, daß Ihr lebt.“

 

Zur gleichen Zeit saß Luke Skywalker im aktuellen Rebellenhauptquartier in Gedanken versunken vor dem Holovid. Prinzessin Leia, die das Zimmer auf der Suche nach dem Commander betrat, schauderte, als sie sah, was über den Bildschirm lief: ein offensichtliches Propagandavideo des von ihr meistgehaßten Mannes: Darth Vader, der „ruhmreiche Krieger“ des Imperiums. Der Mörder Kenobis. Zerstörer von Alderaan. Ihr Folterknecht.

  „He…“, sagte sie sanft, als Luke auf ihr Eintreten nicht reagierte. „Denkst du an Kenobi?“

  „Auch.“ Seine Stimme war überraschend fest. „Ich verstehe ihn nicht.“

  „Wen? Vader?“ fragte sie überrascht und zuckte die Schultern. „Er ist ein Monster. Was gibt es da zu verstehen?“

  „Nein.“ sagte er ruhig und deutete auf das Holovid. „Hast du ihm eigentlich je wirklich zugehört? Was er von sich gibt, ist wohldurchdacht und hat Hand und Fuß. Dein Haß macht dich ein wenig blind. Er ist ein ebensoguter Politiker wie Feldherr.“

Leia keuchte entsetzt auf. „Luke! Er hat Kenobi ermordet! Er hat Alderaan zerstört und mich gefoltert!“

Luke lächelte leicht, was sie noch mehr erzürnte. „Ja, er hat Ben getötet. Aber das war etwas Persönliches – so viel war zwischen den Zeilen herauszulesen. Ben hat mir auch nicht erzählt, warum sie sich feindlich gegenüberstanden… aber es muß einen Grund gehabt haben. Die Folter… er hat dir physisch kein Haar gekrümmt, oder? Wir haben Krieg, Leia. Was hätte er machen sollen, dich zum Kaffee einladen? Du gehörst zu den Rebellen! Er hätte dich auch verstümmeln können. Körperlich foltern. Oder töten. Der andere wollte dich tot, ER hat es verhindert. Und Alderaan… das wissen wir nicht. Du sagtest selbst, nicht er war Kommandeur des Todessterns, sondern dieser Moff.“

  „Tarkin, ja.“ Zischte sie. „Ebenso ein Monster wie er! Aber er hätte ja widersprechen können, wenn es ihm nicht gefiel!“

  „Dann wäre ein anderer Planet vernichtet worden.“ Lukes Stimme war beinahe aufreizend ruhig.

Leia war blaß vor Ärger. „Sag mal, auf wessen Seite bist du eigentlich? Weißt du, was er bei der Folter mit mir gemacht hat? Er hat sich als mein Vater ausgegeben, dem ich gehorsam sein und die Informationen übergeben sollte! Mein VATER, Luke! Wenn ich einen solchen Vater hätte… ich würde mich umbringen!“

Luke starrte immer noch auf den Bildschirm, wo Vader – düster, drohend, aber unzweifelhaft charismatisch – seine Rede schwang.

  „Fürchtest du ihn denn gar nicht?!“

  „Doch, natürlich.“ Er wandte den Blick nicht ab, war wie gebannt. Wieder klang er beinahe abwesend.

  „Warum hast du dich so in dieses Ungeheuer verrannt, Luke?“ fragte Leia wütend. „Was fasziniert dich so an ihm?“

  „Ich weiß es nicht.“ sagte er leise. „Es klingt verrückt, aber… seit einer Woche bekomme ich ihn nicht aus meinem Kopf. Als ob er… mich gerufen hätte.“ Er lächelte schief, als sie ihn entsetzt ansah. „Ich sage doch, es klingt verrückt. – Na komm, laß uns Han suchen. Ich habe Mon Mothma versprochen, mir den Planeten Hoth mal anzusehen… könnte eine geeignete neue Basis für uns sein. Niemand wird uns auf einem Eiswürfel vermuten.“

 

 

9

  „Ihr werdet trainieren müssen.“

Zarketh, erholt, aber noch schwach, hatte die Hände um eine dampfende Tasse Tee gelegt und sah Vader an. Max schenkte sich und seinem Geliebten nach und setzte sich dann wieder. Es war beinahe schon dunkel, sie hatten Wild gegessen, dazu Gemüse aus dem Garten der Heilerin, und alle drei waren entspannt und genossen den lauen Abend.

  „Trainieren? Heilerin, ich bin auf dem Höhepunkt meiner Kraft!“

Sie grinste. „Noch lange nicht. Holt doch mal die Statuette dort vom Regal und laßt sie vor Euch schweben.“

Vader drehte sich ein wenig und musterte die Figurine. Metall, ca. einen halben Meter hoch, scheinbar massiv. Kein Problem. Er streckte die Hand aus und setzte seine Kraft ein – in der üblichen Dosierung.

  „Woops.“ staunte der kleine Junge von Tatooine, als die Statue mit einer sagenhaften Beschleunigung auf ihn zugeflogen kam – Max rückte hektisch seinen Stuhl vom Tisch zurück – und „Au! Verdammt!“ fluchte der Erwachsene, als das Metall schmerzhaft gegen seine Hand prallte, anstatt davor schwebenzubleiben.

  „Dieses kleine Experiment lehrt Euch zweierlei.“ dozierte Zarketh mit schadenfrohem Lächeln. „Erstens: Eure Kraft ist immens gewachsen und wächst weiter. Es wird Wochen dauern, bis Ihr auf dem endgültigen Stand angelangt seid, bis die Midichloriane in Eurem Blut sich vollständig entwickelt haben. Ihr müßt lernen, mit ihr umzugehen! Zweitens: Ihr könnt wieder Schmerz empfinden, Haut und Fleisch können verletzt werden. Kalkuliert das mit ein.“

Vader rieb sich die Pranke und grollte. „Wunderbar. Warum habt Ihr das nicht vorher gesagt?“

Sie grinste erneut. „Woops.“

 

Der dunkle Lord kehrte erst wieder zur EXECUTOR zurück, als Zarketh wieder beinahe auf ihrem alten Stand war – und zumindest sicher in der Lage, sich selbst zu versorgen.

Während der Wartezeit hatten sie sich nach einigen Streitereien darauf geeinigt, wenigstens den Innendruck des Anzugs auf Normalmaß zu senken, die Anschlüsse der Maschinerien, deren Gegenstücke in seinem Körper verankert gewesen waren, gegen Sensoren zu ersetzen und den Grad der Sauerstoffanreicherung anzupassen – was nun, bei normal funktionierenden Lungen, sogar notwendig war. Aber Max bestand darauf, daß der Anzug komplett funktionierte wie normal.

  „Wie willst du sonst deine Tarnung aufrechterhalten? Du brauchst den Vocoder, du brauchst den Beatmer. Die Person Darth Vader ist undenkbar ohne das Geräusch des Beatmers und ohne deine Stimme! Und die Tarnung wiederum gibt dir die Freiheit, als Privatmann unerkannt zu agieren… niemand außer mir und Zarketh weiß, wie du aussiehst.“

Vader brummte, doch schließlich stimmte er zu – und als er am letzten Tag seines „Urlaubs“ wieder die vollständige Rüstung anlegte und sich in den dunklen Lord verwandelte, überliefen Max erregte Schauer.

Er hatte sich in den letzten Tagen daran gewöhnt, Vader in ganz normalen Kleidern zu sehen – in mitgebrachten Hemden und Hosen, die er aus Vaders Quartier schmuggelte – er hatte ihn als Menschen kennengelernt, jemanden, der war wie jeder andere. Nun jedoch…

Die schwere lederne Hose schmiegte sich um den straffen Po, um muskulöse Schenkel und das echte Fleisch, das die erst vor kurzem erneuerten, leistungsfähigeren Prothesen bedeckte. Die Stiefel samt den stählernen, überkniehohen Schienbeinschützern betonten noch die Kraft, die darin steckte. Das Bedienungspaneel auf dem Brustkorb diente nun nur noch der Funktionalität der Tarnung, Oberteil und Innenmantel der Rüstung waren jetzt eben nur noch das. Die langen Stulpenhandschuhe umschlossen empfindsame, lange Finger mit der erbarmungslosen Kraft der innenliegenden Stahlkrallen. Die Halsbeuge war nur noch Schutz und Bollwerk, keine Notwendigkeit mehr, und die Maske und der Helm ein Markenzeichen, ebenso wie das fließende, dramatisch schwingende Cape.

Sie hatten den Anzug in den letzten Tagen komplett überprüft und angepaßt. All die direkten Kontakte, die ihre Gegenstücke in Form von im Fleisch verankerten Adaptern hatten, waren gegen Sensoren ausgetauscht worden, so daß alle grundlegenden Funktionen des Anzuges noch vorhanden waren, ihn aber nicht behinderten. Er war nach wie vor geschützt und gepanzert, aber keine Maschine mehr – es war ‚nur’ noch eine Rüstung. Ein beiderseitiger Kompromiß.

Max lächelte und ließ die Hand über die Muskeln des Oberarmes seines Freundes gleiten, bewunderte die beeindruckende Gestalt des dunklen Ritters, der nun wieder vollständig vor ihm stand. „Überwältigend. Und jetzt, nachdem ich deine beiden Seiten kenne, kann ich diese hier neu genießen.“

  „Niemand kennt mich so gut wie Du, Max.“ Die vocodermodulierte tiefe Stimme verursachte einen neuen Schauerregen, der Veers über den Rücken rieselte. „Und bei genauerer Betrachtung… niemand hat mich je so gut gekannt. Niemand hat je einfach akzeptiert, wer und was ich bin. Nicht einmal Padmé.“

An jenem ersten Tag seiner Heilung hatte Vader ihn gebeten, ihm den Rest seines Körpers zeigen zu dürfen, bevor er verändert wurde. Und Max hatte zärtlich und ohne Ekel zu zeigen die nackten Stahlprothesen berührt und hingenommen wie den Rest – die Narben und das alte Wundgewebe. All dies war nun, nach der Heilung, zwar nicht mehr sichtbar – aber immer noch da. Vader würde für sich selbst immer gezeichnet sein, Max wußte das. Aber ihm war egal, wie er aussah – für ihn zählte die Gesamtheit seines selbst. Und für Vader bedeutete Max’ Faszination, die von der Rüstung für ihn ausging, einen gewissen Friedensschluß mit ihr – es half ihm, ihre Bürde weiterhin zu tragen, sich damit zu arrangieren, weiterhin in sie eingeschlossen zu sein.

Niemand hatte ihn je gefragt, warum er den Anzug tragen mußte. Niemand hatte je seinen Schmerz geteilt, niemand hatte je Mitgefühl oder Verständnis gezeigt. Niemand außer Max war ihm je so nahe gewesen… nach seiner Verwandlung.

  „Sie hatte Angst. Vor einer Veränderung, die sie nicht verstand, vor einer Gefahr, die sie nicht sehen konnte.“

  „Und du hast keine?“

  „Doch. Natürlich. Aber ich vertraue Dir.“ Max’ Hand kam höher, berührte sanft Vaders Maske, als sei es sein wirkliches Gesicht – und vielleicht war es das sogar, auf gewisse Weise. „Ich liebe Dich, Dava.“

Vader legte den Kopf leicht schräg, sah dann an sich herunter und versuchte, nach hinten auf sein Cape zu schauen.

  „Was suchst du?“ fragte Veers verdutzt.

  „Das Schild „Knuddel das Monster für einen Credit.“ brummte der schwarze Lord.

Max lachte schallend und ging voraus zu seinem Düsenrad, um zum Schiff zurückzukehren.

 

Der Rückflug verlief ereignislos. Falls die Truppen sich fragten, was denn nun der Grund des Aufenthalts auf dem Planeten gewesen war und ob die Mission erfolgreich beendet wurde oder nicht, drang es nicht zu Veers durch – und zu Vader gleich gar nicht. Die Disziplin in der Truppe war hoch, ebenso wie das Vertrauen.

Auch auf dem Rückflug saß der schwarze Lord wieder auf dem Pilotensitz – was niemanden verwunderte. Er galt als einer der besten Piloten der Galaxis, wenn nicht sogar als DER Beste – und die PRIDE war zu nicht unbeträchtlichen Teilen seine eigene Schöpfung. Veers, neben ihm, hatte außer den Routine-Handlangerdiensten nichts zu tun.

Er unterdrückte ein Gähnen und starrte seufzend in die milchigweißen Wirbel des Hyperraums vor den Stahlglasfenstern der Fregatte. Wieviel darf ich Firmus erzählen? Er hatte keine Ahnung, ob Vader ihn hören würde, da er kein Jedi war – aber wenn sie so eng beieinander saßen…?

Tatsächlich drehte sich der mächtige Stahlschädel zu ihm. Du willst ihm sicher nicht alles erzählen, oder? Die mentale Stimme ließ das breite Grinsen erahnen, das sich momentan unter der Maske verbarg.

Veers wurde rot, grinste dann aber herausfordernd. Sollte ich?

  Tu, was du nicht lassen kannst. kam es gelassen.

  Im Ernst, Dava. Kann ich ihm sagen, daß du geheilt bist – oder sollen wir es wirklich für uns behalten?

Vader schwieg einen Moment nachdenklich. Du vertraust ihm. Es war eine Feststellung, keine Frage.

  Hundertprozentig.

Ein Nicken. Ich ebenfalls. In Ordnung. Sag es ihm – aber nicht, durch wen es geschehen ist.

Veers lächelte. Danke, Dava.

  Keine Ursache. Ich mag ihn auch.

 

Nach dem Eindocken in der EXECUTOR verschwand der Oberkommandierende der Flotte erst einmal innerlich seufzend mit den Stabsoffizieren in einer Besprechung, um zu hören, was während seiner Abwesenheit passiert war.

Veers holte Piett zum Essen ab und suchte sich einen ruhigen Tisch, an dem sie ungestört reden konnten. Die Messe war laut genug, um ein Lauschen zu verhindern, dennoch stellte der General einen kleinen Störsender vor sich auf sein Tablett.

  „Und, wie war es?“ fragte Piett gespannt.

  „Erfolg auf ganzer Linie!“

  „Die ‚Jagd’ war also erfolgreich?“ Piett lächelte und begann zu essen.

  „Wir waren nicht jagen. Im Gegenteil.“ sagte Veers ruhig und begann, seinem Freund, dessen Augen immer größer und das Essen immer kälter wurde, alles zu erzählen… nun, fast alles.

  „Er ist geheilt?“ hakte Piett atemlos nach. „Vollständig? Max, das… das ist fantastisch!“ Dann, abrupt, wurde er blaß. „Weiß er, daß du mir das erzählt hast?“

Veers grinste. „Natürlich. Ich habe ihn vorher gefragt.“

Der Captain sah seinen Freund nachdenklich an. „So locker und entspannt habe ich dich über Monate nicht gesehen. Du grinst wie ein Idiot. Was ist sonst noch passiert, hm?“

Eine leichte Röte huschte über Veers’ Gesicht, und er war beinahe froh, als eine Ordonnanz kam und salutierte. „Lord Vader wünscht Sie sofort zu sehen, General Veers.“

  „Ich komme.“ Max nickte und erhob sich, und nun grinste Piett breit, während der junge Offizier wieder abdrehte.

  „Glaub ja nicht, daß du mir die Antwort schuldig bleiben kannst.“

Veers widerstand dem infantilen Impuls, ihm die Zunge herauszustrecken, wandte sich zum Ausgang, blieb aber noch einmal stehen, als -

  Wo steckst du? Ich erreiche dich weder auf der Brücke noch in deinem Quartier.

  „Essen, mit Firmus. Ich bin schon unterwegs zu Dir.“ Bevor er es verhindern konnte, hatte er es laut gesagt. Piett fielen beinahe die Augen aus dem Kopf.

  Bring bitte Rasierzeug mit. Und dein Werkzeug. Wir müssen auch die Kammer umrüsten.

  „In Ordnung, ich besorge beides. Gib mir zehn Minuten.“

  Bis gleich.

  „Du duzt ihn?“ flüsterte Piett. „Max, ich glaube, du hast viel zu erzählen…“

 

Als Veers das Sanktuarium erreichte, stand Vader barfuß in einer bequemen Hose und einem ärmellosen Shirt da, die Hände in die Hüften gestemmt, und musterte eine Schalttafel an einem Wandpaneel. Max runzelte die Stirn, sagte aber nichts und legte, was er mitgebracht hatte, auf das Bett – neben den Anzug, der dort lag.

  „Du wirst nachlässig. Soll ich ihn aufhängen?“

  „Hm?“ Vader drehte sich nicht einmal um. „Nein, laß nur. Ich brauche ihn nachher ja noch mal. Komm, hilf mir mal, das Ding hier abzuschrauben.“

  „Hast du sämtliche verlinkten Alarme abgeklemmt?“ erinnerte Veers ihn, schnallte seinen Werkzeuggürtel um und trat neben seinen Freund.

  „Ja, ja…“ Vader brummte abwesend und fummelte an einer widerspenstigen Schraube herum. „Ah, jetzt! Hm, laß mal sehen…“ Funken sprühten, als er die Tafel abnahm und beiseite legte. „Verflixt, ahnte ich es doch. Das geht an die Innereien.“

Veers stand ein wenig hilflos daneben, als der schwarze Lord geschmeidig in die Knie ging, eine Luke in der Wand auf Bodenhöhe öffnete und sich hineinschob. „Ja… dachte ich mir. Das wird ein Weilchen dauern…“

 

Im Arbeitszimmer der Ärztin, Corva, begannen Alarmleuchten jäh ein regelrechtes Feuerwerk.

  „Vader! Verdammt!“

Sie schnappte die für diesen Fall stets bereitgehaltene Notfalltasche und rannte.

Verblüffenderweise widerstand die Tür der Meditationskammer ihrem normalen Zugangscode, als sie keuchend davorstand. Fluchend gab sie den geheimen Notfalloverride ein und zwängte sich durch die sich scheinbar nur widerwillig öffnende Tür.

Die innere Schleuse war blockiert und stand offen. Und im Raum stand General Veers an einer offenen Schalttafel, hantierte nachdenklich daran herum, während unter ihm zwei nackte Füße aus einer leger aussehenden Hose herausragten, die wiederum in der Wand verschwand. Soeben schob sich eine Hand aus der Öffnung, und eine dumpfe Stimme rief: „Gib mir mal den Hydrospanner!“

Corva fiel der Mund offen. Wer wagte es…!? Sie ließ die Tasche fallen, zog ihren Blaster und zielte auf Veers.

  „Sind Sie von allen guten Geistern verlassen, General? Was genau denken Sie, was Sie da tun?“

Veers drehte sich um und seufzte. „Genau das frage ich mich eben auch, Doktor.“ Der Blaster schien ihn nicht zu stören.

  „Und warum lassen Sie es dann nicht bleiben, treten brav zurück und nehmen die Hände hoch?“ ätzte sie.

  „Weil ich dann Ärger bekomme.“ erwiderte er gemütlich und deutete nach unten.

  „Was soll der Mist?“ Sie wurde langsam wirklich sauer. „Ich schieße, General, kein Scherz! Und Sie da – kommen Sie da raus!“

Vader schob sich aus der Wand und seufzte. „Kommen Sie in einer halben Stunde nochmal, Corva. Wir sind beinahe fertig.“

  „Wer sind Sie? Auf wessen Anweisung tun Sie das? Wo ist Lord Vader?“

  „Auf Seine.“ wiederholte Veers sanft. „Erkennen Sie ihn denn nicht?“

  „Lächerlich! Wo ist Lord Vader?“

  „Hier.“ sagte Vader ruhig.

  „Sie sind ein Betrüger! Lord Vader kann nicht ohne seinen Anzug überleben, und die Schleuse ist offen!“ Ihre Hand zitterte – doch bevor sich ein Schuß lösen konnte, wurde ihr die Waffe entzogen und landete sanft in der Hand des Unbekannten, auf dessen vernarbtem Kopf sich weicher, dunkler Flaum gebildet hatte und dessen Wangen einige Tage alte Bartstoppeln zierten. Alles in allem sah er recht wild aus. „Ah! Geht doch!“ sagte er befriedigt.

  „Sagtest du nicht, du hättest alle Alarme blockiert?“ Veers grinste und widmete sich wieder der Schalttafel.

  „Offensichtlich nicht.“ brummte er. „Ich hätte gleich kommen sollen, ja… Aber ich wollte erst die Umbauten beenden, mich duschen und rasieren, Corva. Tut mir leid.“

Sie schwankte, und Veers machte unwillkürlich einen Satz, um sie aufzufangen.

  „Lord Vader…?“ flüsterte sie fassungslos.

  „Ja. Eine lange Geschichte… setzen Sie sich, ich werde Ihnen alles erzählen. Max, hol ihr bitte einen Cognac, ja?“

 

Während des Berichts flackerte der Blick der Ärztin immer wieder auf die schockierend nackten, so normal aussehenden Füße des dunklen Lords, und jedesmal schüttelte sie fassungslos den Kopf. Vader berichtete medizinisch ausführlich, ließ aber einiges an Wesentlichem aus – den Namen und den Status der Heilerin, den Planeten, die Dauer und den Zustand Zarkeths hinterher.

Corva fing sich langsam, nutzte die Zeit, um wieder Herrin über sich selbst zu werden – was ihr überraschend gut gelang. Aber sie war Profi und nicht umsonst Offizier – unter Vader, was quasi ein Adelstitel war – und hatte schon andere Schocks überwunden.

  „Na schön.“ Sagte sie schließlich beherrscht und stand von ihrem Stuhl auf. „Daß ich enttäuscht bin, nicht mitgenommen worden zu sein – es hätte ja auch schiefgehen können! – kehren wir jetzt einfach mal unter den Teppich. Aber ich werde mich jetzt nicht hinauswerfen lassen, es sei denn, Ihr legt Hand an mich und tut es wahrhaftig. Ich will Euch untersuchen, Mylord. Jetzt.“

Vader seufzte. „War irgendwie klar…“

Die Ärztin knurrte Unverständliches, holte ihren medizinischen Scanner aus der Tasche und begann mit den Untersuchungen. Langsam wanderten ihre Augenbrauen in die Höhe, als sie die Werte sah.

  „Unglaublich. Das Fleisch ist vollkommen normal, als wäre es über einem lebenden Knochen gewachsen, die Nerven sind vollständig, die Blutgefäße und Adern absolut normal ausgebildet. Die Mechanik wird wie Muskelgewebe integriert, die Blutwerte sind tief im grünen Bereich. Die Lunge ist normal groß und unbeschädigt. Sogar die Haarfollikel und die Nägel sind da, wie natürlich entstanden und gewachsen…“

Vader sagte nichts, als er examiniert wurde wie ein biologisches Präparat; ob er sich verletzt fühlte, war nicht zu erkennen.

  „Ihr seid gesund, Mylord. Vollkommen gesund.“

  „Schön zu hören.“ sagte er trocken. „Noch etwas?“

Sie zögerte.

  „Na los, raus damit!“

  „Mylord… warum seid Ihr barfuß?“

Max platzte halb heraus und legte sich schnell eine Hand auf den Mund. „Entschuldigung…!“

Vader warf ihm einen vernichtenden Blick zu, blieb aber ruhig. „Ich habe jetzt über lange Jahre nichts gefühlt, Doktor. Es ist schlicht die schiere Lust an der Empfindung.“

Sie schluckte und senkte den Blick.

  „Verzeiht.“

  „Entschuldigung angenommen. Ihr dürft gehen.“

  „Mylord.“

Sie erkannte einen absoluten Rausschmiß, auch wenn er nicht körperlich war, packte ihre Sachen zusammen und verschwand wortlos.

Veers sah ihr lächelnd nach. „Daran wird sie eine Weile zu kauen haben… Wollen wir weitermachen?“

 

Sie beendeten die Modifikationen in Ruhe, dann duschte Vader und kam in frischen Kleidern wieder aus dem Bad.

  „So. Und jetzt werde ich auf dein Angebot zurückkommen, Max… Es ist wirklich verdammt lange her, seit ich mich das letzte Mal rasiert habe, und ich habe keine Lust, meinen Narben weitere hinzuzufügen.“

Veers lächelte und leerte den Inhalt der mitgebrachten Tasche aufs Bett.

  „Hui.“ Vader pfiff staunend. „Ein komplettes Sortiment. Hast du Mengenrabatt dafür bekommen?“

  „Woher soll ich wissen, was du bevorzugst?“ Der General grinste. „Schließlich gibt es kaum etwas, bei dem persönliche Vorlieben eine so große Rolle spielen wie bei der Rasur.“

  „Wahr.“ Vader musterte das Angebot und schob eine Schachtel beiseite. „Diese Paste hier vergessen wir ganz schnell wieder. Es mag zwar bequem sein, sich zwei Wochen lang nicht rasieren zu müssen, aber ich mag keine Hormone in meiner Haut. Und das hier“, er hielt einen Laserrasierer hoch, „ebenfalls. Ich würde auch nicht auf den Gedanken kommen, mich mit meinem Lichtschwert zu rasieren.“ Stirnrunzelnd ging sein Blick zwischen dem Trockenrasierer, dem Naßrasierer und dem klassischen Rasiermesser hin und her.

  „Welchen bevorzugst du?“

Max zuckte die Schultern. „Ich wechsle. Zum nachrasieren – falls ich mal abends noch etwas vorhabe – nehme ich meist den Trockenrasierer, ansonsten den Naßrasierer. Das Rasiermesser ist eher was für längere Stoppeln oder Puristen.“

  „Hm.“ Der dunkle Lord brummte unentschlossen. „Na schön. Naß – das habe ich früher auch gemacht. Bleiben wir erst einmal dabei. Trocken probiere ich später – dabei wird ja wohl am wenigsten schiefgehen…“

  „Also, komm.“

  „Wohin?“

  „In den Erfrischer natürlich – wohin sonst? Soll ich dich hier rasieren? Dann brauche ich eine Schüssel mit Wasser…“

  „Ich hole dir eine. Ist mir zu eng da drin.“

Vader stöberte eine Weile, schüttete schließlich kurzentschlossen eine große Schale mit Schrauben aus und verschwand im Erfrischer, um sie sauberzumachen und sie mit Wasser zu füllen. Einmal mehr mußte Max sich das Lächeln verbeißen – irgendwie war es herrlich, ihm dabei zuzusehen, wie er langsam wieder zum „normalen“ Leben fand… wenigstens im privaten Kämmerlein. „Draußen“ würde er weiterhin Sklave seines Anzugs bleiben.

  „Hier…“

  „Das wird genügen. Ah, danke für das Handtuch, gute Idee – setz dich, bitte.“

Vader ließ sich auf dem Stuhl nieder, auf dem die Ärztin gesessen hatte, und sah Max neugierig an, der ihm das Handtuch umlegte und sanft seinen Kopf zurückzog, gegen sich. „Entspann dich.“

Er sprühte Rasiergel in seine Hände, verrieb es zu Schaum und rieb sanft Vaders Wangen und Kinn damit ein. Dann wusch er sich die Hände in der Schüssel, trocknete sie ab und begann mit der Rasur.

Keiner von beiden gab es zu, aber beide waren nervös – und erregt. Die Rasur hatte beinahe etwas von einem sexuellen Akt – für beide. Vader lieferte sich Max hier mehr aus als je zuvor, und dieser genoß es, seinem Geliebten zu mehr Normalität zu verhelfen, Teil seines allerprivatesten Lebens zu sein – etwas, das er sich noch vor einigen Wochen niemals hätte träumen lassen. Es erfüllte ihn mit größter Freude, einfach hier zu sein, nahe bei dem Mann, den er zutiefst verehrte und liebte.

  „Fertig.“ sagte er schließlich, tauchte einen Zipfel des Handtuchs in die Wasserschale und wischte sorgsam letzte Schaumreste von Vaders Gesicht, bevor er es wieder trocknete. Seine Stimme gehorchte ihm nicht ganz, klang ein wenig heiser.

Vader hob die Hand, befühlte die glatten Wangen – glatt, wie sie die ganzen letzten Jahre gewesen waren, doch hatte er keine Hand gehabt, mit der er es hätte fühlen können… und es war keine natürliche Glätte gewesen. Er hob den Blick, sah Max an und griff dann im Aufstehen nach dessen Hand.

  „Danke…“

Veers schluckte trocken angesichts der tief von innen kommenden Majestät des Mannes vor ihm. Da war Stolz, ja, aber keine Arroganz. Er schien von innen heraus zu leuchten. Der Sohn der Sonnen…

Nur zu gern ließ er sich heranziehen und ergab sich Vaders Kuß.

 

 

10

 Am nächsten Tag, auf dem Eisplaneten Hoth, trabte eine dick vermummte Gestalt über schneebedeckte Hänge. Der Atem der Reitechse stieg in kleinen Wölkchen auf, als sie mühelos über das schwierige Gelände ging, und sie gab gurgelnde Geräusche von sich, als ihr Reiter sie plötzlich durchparierte und zum Fernglas griff. Ein vom Himmel fallendes Objekt, ein kurzes Schneegestöber und eine aufsteigende Rauchwolke hatten seine Aufmerksamkeit erregt.

Luke Skywalker zog sich die Frostschutzmaske vom Gesicht, wischte einige Eiskristalle von seinem Armdecoder und gab einen Rufcode ein.

  „Echo drei an Echo sieben. Han, Kumpel, kannst du mich verstehen?“

  „Laut und deutlich, Luke.“ S  agte Han Solos vertraute Stimme. „Was gibt’s?“

  „Ich hab jetzt meine Runde hinter mir. Ich kann nirgends eine Spur von Leben entdecken.“

  „Auf diesem Eiswürfel gibt es nicht genug Leben, um einen Raumkreuzer zu füllen. Die Sensoren sind alle plaziert. Wir treffen uns im Stützpunkt.“

Luke lächelte kurz. Eiswürfel traf es wirklich – selbst hier, nahe des Äquators, war Hoth mit Eis bedeckt. „In Ordnung, dann sehen wir uns gleich. Eben ist hier ein Meteorit aufgeschlagen. Ich seh’ mir die Sache mal an, wird aber nicht lange dauern.“

Die Echse unter ihm schien plötzlich beunruhigt und schnaubte nervös. Luke tätschelte ihr ermutigend den Kopf. „Ruhig. Ruhig! He, was hast du denn? Was ist denn? Hast du irgendwas gewittert?“

Das plötzliche Auftauchen eines monströsen Schattens über ihm gab ihm die Antwort. Er schrie auf, eine weißbefellte Pranke fegte ihn aus dem Sattel und ließ ihn bewußtlos auf dem Boden aufschlagen, dann beendete ein weiterer Prankenschlag das panische Schreien des Tauntauns durch Genickbruch. Luke wurde an den Knöcheln gepackt und über das Eis gezerrt.

 

Auf der Brücke der EXECUTOR erstarrte der schwarze Lord ohne ersichtlichen Grund plötzlich zur Statue. Niemand, nicht einmal Veers, war ihm nahe genug, um das geflüsterte „Luke! Nein!“ zu hören.

 

Luke kam langsam wieder zu sich und realisierte, daß er kopfüber an der Decke einer Eishöhle hing, die baumelnden Hände einige Zentimeter vom Boden entfernt. Sein Gesicht war steif – das Blut aus der vom Wampa geschlagenen Wunde war gefroren oder getrocknet.

Irgendwo in der Höhle ertönte das Knurren der Kreatur, kam aber nicht näher. Luke sah sich um. Seine Füße waren dick mit Eis ummantelt. Er beugte sich vor, versuchte, sie zu erreichen und sich zu befreien, fiel aber bald kraftlos wieder zurück.

Etwas glitzerte im Eis neben ihm. Sein Lichtschwert! Es steckte im Schnee, außer Reichweite, wie er schnell feststellte. Er stöhnte.

  Hol es Dir, Luke.

Seine Augen wurden groß. Halluzinierte er?

  Dein Lichtschwert. Hol es!

Hol es. Sicher. Und wie?

  Ruf es heran. Strecke die Hand aus, konzentriere dich… und ruf es hinein.

Das klang irgendwie nach Jeditechnik… Ben hatte ihm ähnliches erzählt. Was hatte er zu verlieren? Er schloß die Augen, streckte die Hand aus und… zog.

Nichts passierte. Er atmete tief durch. Es mußte gehen, MUSSTE!

  Gut so! Weiter!

Der Lichtsäbel zitterte leicht, ruckte…

  Weiter! Nicht nachgeben! Du schaffst es…

… und flog in Lukes Hand, wurde umgehend gezündet und befreite seinen Träger von den eisigen Fesseln. Luke fiel, rollte sich schnell ab und stand – und keine Sekunde zu früh, denn vor ihm ragte erneut die drei Meter hohe Gestalt des Eismonsters auf. Erneut flirrte die blaue Klinge durch die Luft, ein schmerzerfüllter Schrei ertönte und ein abgetrennter Arm fiel.

Luke nutzte die Pein und die Verwirrung des Wesens und floh kopflos.

 

Vader atmete tief durch und entspannte sich ein wenig.

 

Luke stolperte durch den Schnee, fiel hin, rappelte sich wieder auf und lief weiter. Er hatte keine Ahnung, wohin er lief, wo die Basis lag, wollte nur weg von dem Wesen…

Wieder glitt er aus und stürzte. Er war müde… so müde…

  Luke… Luke!

Der Gerufene hob schwach den Kopf und blinzelte. Vor ihm schimmerte die bläulich durchsichtige Erscheinung eines Toten.

  „Ben?“ War das eben auch Ben gewesen, in der Höhle?

  Du wirst dich zum Dagobah-System begeben.

  „Dagobah-System?“ Er war so schwach, daß er lallte.

  Dort soll Yoda dein Lehrmeister sein, der Jedi-Meister, der auch mein Lehrer gewesen ist.

Das Bild Bens verblaßte, löste sich auf. Hinter ihm tauchte die Gestalt eines Tauntaunreiters aus den Flockenwirbeln auf – Han!

  „Ben… Ben!“ flüsterte er, dann schwanden ihm erneut die Sinne.

 

Auf der Brücke der EXECUTOR krampfte sich die Hand des schwarzen Lords um den Handlauf vor dem Panoramafenster, vor dem er stand. „Kenobi…!“

Wutentbrannt fuhr er herum und rauschte hinaus, um in seiner Meditationskammer Ruhe zu finden, verfolgt von erstaunten und zumindest zwei besorgten Blicken.

Doch statt dessen fand er…

  „Obi-Wan!“ grollte er böse, als die Form seines ehemaligen Meisters vor ihm erschien. „Was wollt Ihr?“

  „Ich wollte nach Dir sehen. Wie es Dir geht.“

  „Was?“ keuchte Vader. „Wie es mir geht? Ihr habt mich liegen lassen – habt mir Hand und Beine abgetrennt, mir jede Möglichkeit genommen, mich zu retten!“

  „Anakin…“

  „Anakin ist tot!“ fauchte der schwarze Lord. „Ihr habt ihn dort sterben lassen, zum krepieren liegen lassen wie ein Tier! Nein – schlimmer. Tieren gibt man den Gnadenstoß!“

  „Dein Sohn – “

  „Laßt meinen Sohn aus dem Spiel – und wagt es nicht, ihn weiter vergiften zu wollen mit Euren kruden Ansichten von Gut und Böse, von Recht und Unrecht! Wagt es nicht, sonst werde ich einen Weg finden, auch diese Machtform von Euch zu zerstören, damit ich endlich Ruhe vor Euch habe!“

  „Du bist ein Monster, Anakin.“ sagte Kenobi bitter.

  „Ich bin das Monster, zu dem Ihr mich gemacht habt, Ihr und die anderen – Yoda, Mace und die verdammten Gründer der Rebellion! Ich bin Euer Werk! IHR habt mich in diesen verdammten Anzug gesteckt! Wißt Ihr überhaupt, wie es sich anfühlt, darin gefangen zu sein? Nicht mehr fühlen zu können – mit Fingern aus Stahl? Nicht zu wissen, ob der Boden warm oder kalt ist – mit Füßen aus Stahl? Nicht mehr sehen zu können außer durch alles verfälschende Linsen? Nur noch puren Sauerstoff atmen zu können, weil die Lungen verbrannt sind? Eine mechanische Stimme zu haben, weil die Stimmbänder verschmort sind? Ich bin EUER Monster, Euer Geschöpf! All der Haß in mir ist von Euch!“

Kenobi sah ihn an und schüttelte traurig den Kopf. „Du bist verloren, Anakin. Unrettbar verloren für die Jedi.“

  „Der Macht sei Dank! Und jetzt verschwindet – ich will Euch nie wieder sehen!“

Obi-Wans Gestalt löste sich langsam auf, und Vader suchte sich zitternd vor Zorn den Weg in seine Meditationskammer. Nie zuvor hatte er deren Abgeschiedenheit mehr benötigt als jetzt.

 

Veers hatte einige Stunden gewartet, bevor er Vaders Kammer aufsuchte und vorsichtig eintrat. Die Kugel war geschlossen und öffnete sich auch nicht, obwohl dem Insassen jede Annäherung gemeldet wurde.

  Geh. Vaders Stimme in Max’ Kopf war kälter als normal. Ich will dir nicht wehtun. Ich bin derzeit in einer gefährlichen Stimmung.

  In Ordnung. Veers warf nochmals einen stirnrunzelnden Blick auf die Kugel, dann wandte er sich ab und verließ den Raum, um zur Brücke zurückzukehren.

 

Erst eine ganze Weile später, schon nach Veers’ Dienstschluß, rief der dunkle Lord nach ihm. Die innere Schleuse öffnete sich von selbst, als er die Kammer betrat, und bahnte ihm den Weg zu einer leicht surrealen Szene: Vader, noch in Anzug und Helm, eine Flasche Wein öffnend.

  „Ich trinke sonst nicht, aber heute Abend möchte ich.“ Der volltönende Baß erfüllte das Zimmer, gefolgt von einem sanften Plopp des Korkens. „Was für ein Tag...“

  „Was ist passiert?“ fragte Veers behutsam und nahm Platz, während Vader beiden einschenkte und sich ihm gegenüber setzte.

  „Luke.“ Er schien sich nicht gewahr zu sein, daß er die Maske noch trug, als er gedankenverloren mit dem Glas vor ihm spielte. „Er wurde beinahe getötet. Ich habe es gespürt… zum ersten Mal habe ich ihn bewußt in der Macht wahrgenommen.“

  „Beinahe getötet? Wie?“

  „Eine Kreatur griff ihn an… Ich hörte ihn schreien, dann war da… nichts mehr. Nur noch Dunkelheit. Aber er war noch da, als Präsenz in der Macht. Ich lauschte.“

Veers schwieg und wartete geduldig.

  „Dann kam er wieder zu sich. Das Wesen hatte ihn kopfüber an die Decke der Höhle gefroren, mit Eis um den Füßen. Er war vollkommen hilflos. Ich sah durch seine Augen…“

  „Ja…?“ drängte Max behutsam, als die Pause allzulang wurde.

  „Ich sah neben ihm, auf dem Boden, mein altes Lichtschwert liegen. Das, welches ich auf Mustafar benutzt hatte. Das, welches Obi-Wan mir weggenommen hatte, als er mich dort liegenließ!“ Vaders Stimme war so kalt, daß es Max schauerte. Zum ersten Mal seit Monaten wurde ihm bewußt, wem er da eigentlich gegenübersaß. „Kenobi muß es ihm gegeben haben. Er gibt dem Jungen, einem unausgebildeten Jungen, ein echtes Lichtschwert! Ist das die berühmte Methode der Jedi? Will er ihn umbringen?“

Veers verstand nicht ganz, warum Vader sich so aufregte. Was war daran so gefährlich? Er wagte nicht zu fragen, aber der dunkle Lord hatte wohl seine Verwirrung wahrgenommen und begann zu erklären.

  „Die Jünglinge im Tempel bekamen keine echten Schwerter, sondern Übungsklingen, mit denen sie sich zwar verletzen, aber nicht viel mehr anstellen konnten. Aus gutem Grund. Die echten Klingen sind das einzige, was diesen Anzug hier durchdringen kann! Ist das Erklärung genug? Kennt er Luke gut genug, um zu wissen, wie der Junge sich verhält, wenn er angepöbelt wird? ICH bin damals keiner Schlägerei aus dem Weg gegangen! Zudem – Order 66 gilt immer noch, und jeder verdammte Sturmtruppensoldat der Galaxis erkennt ein Lichtschwert, wenn er es sieht. Was, wenn der Junge nun nicht Verstand genug hat, es verborgen zu halten? Hat er ihn darauf hingewiesen?“ Er schnaubte. „Ob ich wohl irgendwann die Anweisung vom Kaiser bekomme, einen dummen Jungen zu verhören, der mit einem Lichtschwert aufgegriffen wurde und auf irgendeiner Welt im Knast sitzt?“

Max gestattete sich ein Schmunzeln.

  „Meine Klinge… ich habe sie selbst gebaut. Ein gutes Schwert… Ich würde ihn gerne unterweisen.“ Er klang ein wenig abwesend. „In gewisser Weise freue ich mich, daß er sie bekommen hat.“

  „Die Höhle.“ erinnerte Max ihn sanft.

  „Oh. Die Höhle. Er versuchte, an das Schwert heranzukommen, aber es lag außer Reichweite. Da konnte ich mich nicht länger beherrschen. Ich habe mit ihm gesprochen."

  „Du hast was?“

  „Ja. Ihm gesagt, was er tun soll. Ihn in der Macht ein wenig gestupst, sozusagen.“

  „Hast du ihm gesagt, wer du bist?!“

  „Kein Wort. Vermutlich denkt er, ich sei Kenobi gewesen.“ ergänzte er bitter. „Der hat es sich nämlich nicht nehmen lassen, ihn nach Dagobah zu schicken.“

  „Kenobi ist tot!“

Vader lachte trocken. „Nicht so tot, wie ich ihn gerne hätte. Er existiert noch als Schatten in der Macht und ist ihm erschienen.“

Veers beobachtete ihn aufmerksam, doch die furchteinflößende Maske ließ keine Rückschlüsse zu, und die Hand lag nun ruhig auf dem Tisch.

  „Dagobah… ist das nicht ein Sumpfplanet? Verdammt viel Vegetation, unbewohnt, und einiges an unangenehmem Viechzeugs. Aber nichts von Wert, wenn ich mich recht erinnere.“

  „Ja. Aber aus mir unbekannten Gründen hat die kleine grüne Kampfratte Yoda sich wohl diesen Schlammklumpen als Heimat auserkoren. Wir werden sehen, ob Luke sich noch daran erinnert, wenn er wieder zu sich kommt.“

  „Du hast dich schon wieder unterbrochen.“ Veers lächelte kurz, denn alles in Vaders Verhalten ließ darauf schließen, daß Luke noch lebte.

  „Er hat es nach kurzer Zeit geschafft. Verblüffend kurzer Zeit, um genau zu sein. Die Macht ist wirklich stark in ihm… ich bin gespannt auf seinen Wert.“ Vader hob die Hand zu seiner Brustplatte, betätigte zwei Tasten und nahm dann den Helm ab, als das Vakuum sich löste. Der schwarz ummantelte Kopf hatte mit nichts mehr Ähnlichkeit als einem Totenschädel und war allein beängstigender als der Gesamteindruck. Aber er fuhr fort, die Maske zu abzunehmen, zuerst das Vorder-, dann das Hinterteil und zuletzt die Halsbeuge. Abwesend griff er zu einem Handtuch, das neben ihm bereitlag, und trocknete sich ab. „Ich muß die Temperatur ein wenig niedriger regeln… mein Körper erzeugt jetzt mehr Wärme als zuvor.“ meinte er und nahm einen Schluck Wein.

Jetzt endlich griff auch Veers zum Glas und trank, als klar wurde, daß Vader keinen Toast auf irgend etwas ausbringen wollte.

  „Er hat dann das Schwert benutzt, um sich zu befreien – und gerade rechtzeitig, denn die Kreatur kam zurück. Und siehe da – er kann gut genug damit umgehen. Der Streich an seine Füße hat mir fast einen Herzinfarkt beschert, so schnell, wie er ausgeführt wurde! Und dem Wesen hat er schnell und sauber einen Arm abgetrennt… Jediart. Aber vielleicht auch nur vernünftig, untrainiert, wie er ist. Er konnte fliehen – war aber zu erschöpft und landete im Schnee. Woraufhin Kenobi plötzlich vor ihm erschien und ihm Anweisungen an den Kopf warf. Als ob er ihn da noch groß hätte verstehen können… Dann wurde er wieder bewußtlos, aber ich sah noch einen Reiter kommen – man hatte ihn offenbar gefunden.“ Ein weiterer Schluck. „Als er wieder zu sich kam, schwamm er in einem Bactatank. Wenigstens sind die Rebellen medizintechnisch gut ausgestattet. Ich werde mich bei Mothma bedanken müssen, wenn ich sie das nächste Mal treffe.“ schloß er spöttisch.

  „Das ist schlimm – aber Luke war doch in Sicherheit. Was hat dich so aufgeregt?“

  „Zunächst die Erscheinung Kenobis vor Luke. Daß er sich immer noch in sein Leben einmischt! Und als ich hierherkam, um Ruhe zu finden, schwebt dieser nervtötende Geist doch tatsächlich in meiner Kammer!“

  Veers pfiff leise. „Was wollte er?“

  „Keine Ahnung. Ich habe ihn nicht zu Wort kommen lassen.“

Veers grinste breit. „Kann ich mir lebhaft vorstellen.“ Dann wurde er schlagartig ernst. „Meinst du, er hat die Veränderung in Dir gespürt?“

  „Unwahrscheinlich. Ich halte seit Herka meine Schilde sehr sorgfältig oben, schon allein des Kaisers wegen.“

  „Gut. Und nun?“

  „Warten wir auf Hinweise. Was machen die Sondendroiden?“

  „Es kommen täglich Hinweise herein, aber noch keine schlüssigen. Aber noch haben sich nicht alle zurückgemeldet…“

 

 

11

 Einige Tage später erregte ein aufgewühlter Captain Piett Vaders Interesse, als er sich seinem direkten Vorgesetzten näherte.

  „Admiral!“

  „Ja, Captain?“ Ozzels Stimme zeugte wie immer von einer gewissen aufgeblasenen Überlegenheit, die ganz bestimmt nicht auf seinen Leistungen beruhte und die Vader zutiefst verabscheute. Wie hatte dieser Mann es eigentlich geschafft, den Oberbefehl über sein Flaggschiff zu bekommen? Beziehungen und Bestechungen, vermutlich. Nun… irgendwann würde er… abgelöst werden.

  „Ich glaube, wir sind auf etwas gestoßen, Sir.“ berichtete Piett atemlos. „Die Meldung ist nur unvollständig, von einer Sonde im Hoth-System, aber bisher der beste Hinweis.“ Er schob einen Datenkristall in eine Ladeeinheit und aktivierte damit einen Bildschirm. Veers, der neben Ozzel stand, musterte das Bild aufmerksam und sah dann alarmiert zu Vader hinüber, gab ihm ein unauffälliges Zeichen.

  „Tausende von Suchdroiden durchkämmen die ganze Galaxis.“ verkündete Ozzel selbstgefällig. „Ich will Beweise, keine Hinweise!“

Piett deutete auf den Bildschirm. „Die visuelle Übertragung läßt auf Lebensformen schließen.“

  „Das könnte sonstwas bedeuten. Wenn wir jeder unbedeutenden Spur nachgehen…“

  „Aber im Hoth-System soll es keinerlei menschlichen Lebensformen geben!“ protestierte Piett.

Vader, der mit Hilfe der Macht der erregten Diskussion gelauscht und Max’ Hinweis wahrgenommen hatte, kam näher. „Sie haben etwas entdeckt?“ fragte er ruhig und zwang das Prickeln einer Vorahnung nieder.

  „Ja, mein Lord.“ sagte Piett sofort. Erleichterung, daß Vader sich von selbst einmischte, war deutlich zu hören.

Vader sah nun ebenfalls auf den Bildschirm. Ein Energiegenerator… inmitten von Eis und Schnee! Zum ersten Mal war er froh darum, die Maske noch zu tragen, als Triumph sich auf seinen Zügen abzeichnete. „Das ist es. Die Rebellen sind dort.“

  „Ähm, mein Lord.“ mischte Ozzel sich ein, aufgebracht, daß wieder einmal Piett die Lorbeeren einzuheimsen schien. „Es gibt viele Niederlassungen, die nirgendwo verzeichnet sind. Es könnten Schmuggler sein, oder…“

  „Das ist das richtige System.“ schnitt Vader ihm kalt das Wort ab. „Ich bin überzeugt, Skywalker ist dort. Nehmen Sie Kurs auf das Hoth-System! General Veers, bereiten Sie Ihre Männer vor!“

Max unterdrückte ein Grinsen und nickte Ozzel zu, bevor er dem Befehl nachkam. „Admiral…“

Wenn Blicke töten könnten, wäre Piett jetzt leblos zu Boden gesunken, doch so wandte der Admiral sich nur wortlos ab und ging.

 

 Stunden später betrat Veers die Kammer des dunklen Lords, um ihm Bericht zu erstatten. Was er zu sagen hatte, würde Vader nicht gefallen, so viel stand fest.

Diesmal öffnete sich die Meditationskammer sofort und gab seinen Geliebten frei – wie zu erwarten, in Anzug und Maske.

  „Ja, Max?“

  „Die Flotte hat den Hyperraum verlassen. Unsere Abtaster haben ein sehr starkes Energiefeld entdeckt, und zwar über dem sechsten Planeten des Hoth-Systems. Das Feld ist stark genug, um jedes Bombardement abzulenken.“

Vader knurrte böse. „Die Rebellen befinden sich also bereits in Alarmbereitschaft. Admiral Ozzel war dem Hoth-System zu nahe, als er den Hyperraum verlassen hat.“

Max zögerte, versuchte, ein wenig zu beschwichtigen. „Nun, er hielt wohl einen Überraschungsangriff für das Klügste…“

Vader war nicht in Stimmung, Fehler dieser Größenordnung zu vergeben. „Er ist ebenso ungeschickt wie töricht. Bereite deine Truppen für einen Bodenangriff vor!“

  „Ja, mein Lord.“ sagte Veers förmlich und sah ein wenig unbehaglich zu, wie der Sessel Vaders zu einem Bildschirm herumschwenkte, der sich umgehend aktivierte und die Brücke zeigte. Ozzel und Piett kamen ins Blickfeld, ersterer lächelte selbstsicher.

  „Lord Vader, die Flotte hat den Hyperraum verlassen; wir bereiten uns jetzt auf einen… Aaargh!“

  „Sie haben sich das letzte Mal als Versager erwiesen, Admiral. Captain Piett.“

Piett trat vor, während Ozzel neben ihm beunruhigend blau anlief und mit der Hand an der Kehle versuchte, den tödlichen Griff zu brechen, der ihn gepackt hielt. „Ja, mein Lord.“

  „Treffen Sie alle Vorkehrungen für eine Landung jenseits des Energiefeldes. Die Flotte in Gefechtsformation. Es darf kein Rebellenschiff aus dem System entkommen! Ab jetzt übernehmen Sie das Kommando, Admiral Piett!“

  „Ich danke Euch, Lord Vader.“ Er war erfreut – aber dennoch beschlich ihn ein sonderbares Gefühl, als sein gehaßter Vorgänger neben ihm sein Leben aushauchte.

 

  „Nun, Max?“ fragte Vader ruhig, als der Schirm sich wieder deaktiviert hatte.

Veers brachte es nicht fertig, sich für den Tod eines Mannes zu bedanken, auch wenn dieser ein Strohkopf gewesen war und mehrfach das Leben seiner Männer und das Wohl seines Schiffes durch Fehlentscheidungen riskiert hatte. Es war nicht das erste Mal gewesen, daß er Vader hatte töten sehen, aber wohl das erste Mal, seit sie zusammen waren… und ein wenig erschreckte ihn schon die scheinbare Gefühlskälte, mit der er das tat.

  „Firmus wird ein hervorragender Admiral sein, Dava.“ sagte er deshalb nur.

  „Natürlich wird er das.“ versetzte Vader mit leichtem Amüsement. „Ich warte schon lange auf die Gelegenheit, ihm zu dem Titel zu verhelfen, den er verdient. Ich bin mir durchaus klar darüber, wer mein Schiff tatsächlich führt, Max.“

Veers schwieg. Menschen machten nun einmal Fehler. Wie groß…

  „Meine Toleranzschwelle ihm gegenüber ist beinahe so hoch wie gegenüber Dir.“ Vader schien zu lächeln, als er seine Gedanken las oder erriet. „Ich kenne Firmus recht gut mittlerweile. Er ist ein guter Mann und tut sein Bestes – und das honoriere ich. Keine Sorge. Wenn er so weitermacht wie bisher, wird er als alter Mann in seinem Bett sterben.“

Max erwiderte das Lächeln ein wenig schwach. „Dann geh ich mal, meine Leute warten bereits.“

  „Ja…“ sagte Vader nachdenklich. „Tu das.“

 

Firmus Piett betrachtete von der Brücke aus das Geschehen in einem der größten Hangars, wo sich die Truppen für die Bodenattacke versammelten. Haushohe, schwer gepanzerte Geher, die derzeit kampfstärkste Bodenmaschinerie des Imperiums, marschierten nacheinander gleich im halben Dutzend in zwei Frachter, umschwirrt von einigen schnelleren und wendigeren zweibeinigen Kampfläufern. Die Truppen, die sie bemannten und begleiteten, formierten sich ein wenig abseits und wurden von ihren Offizieren instruiert. Und inmitten von ihnen – alle in tarnendes Weiß gekleidet, in eine spezielle, für den Einsatz auf Welten wie Hoth entwickelten Rüstung – stach die imponierende schwarze Gestalt Darth Vaders deutlich hervor, begleitet von Maximilian Veers, der ebenfalls eine spezielle Rüstung angelegt hatte… samt einem Helm, der dem Vaders nicht unähnlich war. Er zoomte näher.

Die beiden Männer diskutierten angeregt miteinander, deuteten auf Truppen und Gerät, verglichen mit Listen auf einem Datendisplay in Max’ Händen. Piett lächelte und freute sich über die offensichtliche Freundschaft der bei- Moment! Er erstarrte, blinzelte und beugte sich ein wenig vor. Hatte er richtig gesehen? Ja – da war es wieder! Vader hatte Max flüchtig an der Schulter berührt, drehte ihn in eine Richtung und gestikulierte. VADER? Er berührte niemals jemanden, nie! Und – Firmus fiel das Kinn auf die Brust, als Veers nun seinerseits die Hand auf Vaders Arm legte und seine Aufmerksamkeit auf das Datenpad lenkte. Wenn schon Vader niemanden anfaßte, so wagte dies unter tödlicher Sicherheit niemand bei ihm! Die beiden Männer schienen das nicht einmal zu bemerken, sie handelten so natürlich, daß es auch niemandem in ihrer unmittelbaren Umgebung auffiel. Pietts Augen weiteten sich, als er seine Vermutung bestätigt sah. Das hier ging über bloße Freundschaft hinaus. Eindeutig. Und erklärte auch Max’ gerötete Wangen…

Er grinste breit. Wie wundervoll… für beide!

 

Veers und Vader hatten sich getrennt. Letzterer nahm ein kleineres Schiff, das ausschließlich mit Soldaten bemannt war und den Stützpunkt selbst angreifen sollte, aber zunächst mußten Veers und seine Leute den Generator zerstören. Bis das geschehen war, verblieb Vader mit dem Schiff im Orbit.

Die Landung erfolgte außerhalb des geschützten Sektors, aber nah genug, um den langsamen Maschinen keinen zu weiten Weg zuzumuten. Das Wetter schien auf Seiten der Rebellen – strahlender Sonnenschein und klare Sicht auf Kilometer. Veers nahm es schulterzuckend zur Kenntnis. Soweit man wußte, hatten die Rebellen den AT-AT nichts Adäquates entgegenzusetzen und verfügten nach den Berichten der Scouts nur über eine einzige Ionenkanone.

Sehr bald schon waren die Maschinen auf dem Weg, in einigem Abstand zueinander, die kleinen Scoutläufer an den Flanken, und schnell kam am Horizont der Stützpunkt in Sicht – zusammen mit einer Schneegleiterstaffel der Rebellen. Doch die machten Veers keine Kopfschmerzen. Einer der Kampfläufer zu seiner Rechten drehte auch bereits den ‚Kopf’ und feuerte auf einen Gleiter, der ihm zu nahe gekommen war – ein Feuerball war das Ergebnis.

Nun eröffneten auch die anderen Läufer, einschließlich Veers’ eigenem, das Feuer und begannen, die Staffel zu dezimieren. Die Schüsse der Gleiter auf die Geher verpufften hingegen wirkungslos an der starken Panzerung.

Während die Geher um ihn herum sich um die Gleiter kümmerten, hielt Veers selbst zusammen mit einem weiteren AT-AT auf den Energiegenerator zu, dem sie beständig näherkamen. Ohne Vorwarnung erschien plötzlich ein Hologramm Vaders vor ihm auf dem Kontrollpult.

  „Ja, Lord Vader.“ beantwortete Veers die ungestellte Frage. „Wir haben die Hauptenergiefeld-Generatoren erreicht. Das Energiefeld wird jeden Moment außer Kraft sein, und Ihr könnt mit der Landung beginnen.“

Das Bild löste sich wieder auf, und Veers sah plötzlich auf einem Monitor, wie einer der Geher hinter ihm in die Knie sackte wie ein angeschossenes Tier. Unmöglich! Was war passiert? Waren das… Kabel um die Beine? Verdammt… die Rebellen waren findiger, als er dachte… aber darum konnte er sich jetzt nicht kümmern. Nur noch ein paar dutzend Meter…

Er kontrollierte die Werte auf dem Display und aktivierte dann das Com für den ganzen Verbund.

  „Alle Truppen bereitmachen zum Bodenangriff. Zuerst greifen wir frontal den Hauptgenerator an.“

Auf den Monitoren ging plötzlich ein weiterer Geher in einer Explosion zugrunde. Veers schloß kurz die Augen und konzentrierte sich wieder auf seine Aufgabe, wobei ihm auffiel, daß die Bodentruppen der Rebellen sich zurückzuziehen schienen. Die Zeit wurde knapp.

  „Entfernung zu den Hauptgeneratoren?“ fragte er kurz.

  „Eins-Sieben Komma Zwei-Acht.“ erwiderte der Pilot umgehend. Max griff nach dem Elektro-Fernglas und richtete es auf den Generator.

  „Sind im Ziel. Maximale Feuerkraft!“

Er wandte den Blick ab, als sein Ziel in einem Flammenmeer verging. Nun mußte Vader übernehmen.

 

Und dieser wiederum schwebte längst mit der PRIDE knapp über dem Energieschild, wachsam, sprungbereit. Als der Schild verging, landete er, und seine Truppen schwärmten aus. Die Zugänge waren versperrt – und wurden kurzerhand mit einer mobilen Kanone aufgebrochen. Vader war bei den ersten, die durch die Wolke von Eiskristallen in den Stützpunkt eindrangen… und ihn leer fanden. Sie waren offensichtlich zu spät gekommen.

Seine Truppen verteilten sich in den Gängen, er folgte ihnen, erwartete aber nicht, noch etwas zu finden. Seine Sinne waren sämtlich geweitet; daß Luke nicht hier war, hatte er bereits auf dem Schiff gespürt. Sein Sohn war bei den Gleiterpiloten und kämpfte gegen Max’ Truppen. Nicht erstaunlich. Wenn er nur einen Bruchteil seines Talents geerbt hatte, mußte er fliegen. Er trat beiläufig einen Schritt zur Seite, und ein großer Eisbrocken prallte auf die Stelle, an der er eben noch gestanden hatte. Etwas war noch hier. Dort… dort drüben.

Er drehte sich, kurz bevor er das Dröhnen von Motoren hörte und die verbeulte Form eines YT-1300-Frachters an ihnen vorbeischoß und die Flucht ergriff.

 

  „Admiral Piett, Sir!“ Eine Ordonnanz stoppte keuchend neben ihm, blaß und erschrocken aussehend.

  „Was gibt es, Leutnant?“

  „General Veers, Sir… Sein Geher wurde frontal von einem Gleiter der Rebellen gerammt, er prallte direkt ins Cockpit. Er ist schwer verwundet, Sir…“

  „Wo ist er?!“

  „Er war noch im Haupthangar, Sir, als ich loslief, aber MedBay wurde bereits benachrichtigt und war auf dem Weg.“




Piett erbleichte, scheuchte den Offizier mit einem knappen Dank weg und versuchte, Kontakt mit Vader aufzunehmen. Umsonst. Mit ein paar knappen Befehlen gab er Anweisung an nicht weniger als 50 Mann, den dunklen Lord im Schiff zu suchen, ihn unter allen Umständen so schnell wie möglich zu finden und ihn zu ihm, Piett, zu bitten – dringender Notfall! Dann drehte er auf dem Absatz um und suchte eilig die Krankenstation auf.

12

 Vader verblieb noch eine Weile mit seinen Truppen im Stützpunkt, studierte die Anlage und sah seinen Leuten zu, wie sie Daten sicherten, die nicht vernichtet worden waren und das erfaßten, was zurückgeblieben war, um sich einen Überblick über den derzeitigen technischen Stand des Feinds zu machen.

Als er zurückkehrte und die PRIDE eindockte, herrschte um die beiden Frachter aus Max’ Trupp eine ziemliche Hektik. Aus irgendeinem Grund entschied er sich, seinen Geliebten nicht in der Nachbereitung der Schlacht zu stören und ihm ein wenig mehr Zeit zu geben, alles zu ordnen, und kehrte zunächst in seine Gemächer zurück.

Ein Schlag ins Wasser… und nur wegen dieses Kretins Ozzel. Nicht mehr zu ändern.

Sein Magen knurrte, und spontan entschied er, etwas auszuprobieren, was er schon lange hatte tun wollen: unerkannt unter Leute zu gehen. Er hatte schon vor einiger Zeit den Quartiermeister angewiesen, ihm zwei Uniformen in seiner Größe anfertigen zu lassen – eine Offiziersuniform im Rang eines Captain sowie eine einfache Mechanikerausstattung mit dem Namensschild „Lars“. Das war der Name seines Stiefvaters gewesen – und ein Allerweltsname auf Tatooine und im Outer Rim. Der Quartiermeister würde sich, dank freundlicher Unterstützung der Macht, an nichts erinnern können, und die EXECUTOR war so groß, daß niemand alle Besatzungsmitglieder kennen konnte. Interne Umsetzungen und Ausleihen kamen immer wieder vor. Er zog sich um, machte sich für die nächsten paar Dutzend Meter auf den Gängen „unsichtbar“ für die Augen der Vorübergehenden und schlug den Weg zu einer der Mannschaftsmessen ein, innerlich so aufgeregt wie ein Schuljunge bei einem Streich.

Schon auf den ersten Schritten fielen ihm einige Unteroffiziere auf, die blaß und hektisch vorbeihasteten und immer wieder aufgeregt auf andere Offiziere einsprachen. Er kümmerte sich nicht darum, auch nicht, als sich dies auf dem gesamten Weg bis zur Messe fortsetzte. Er jedenfalls wurde von allen ignoriert, ging offensichtlich in der Menge vollkommen unter. Sehr gut.

Die Messe summte wie ein Bienenstock. Er verschaffte sich kurz einen Überblick über die offensichtlichen Modalitäten, holte sich dann ein Tablett und stellte sich an den Ausgaben an. Mit einem dampfenden Teller suchte er einen Platz und ließ sich schließlich mit einem nickenden, aber wortlosen Gruß an einem Tisch anderer Mechaniker nieder. Das Essen roch gut und schmeckte nicht schlecht, und so begann er zu essen, während er den anderen am Tisch zuhörte.

  „… gehört, Vader sprang im Viereck deshalb. Die ganze Aktion für’n Arsch.“ sagte ein ölverschmierter Blondschopf gerade.

Ah so? Er spitzte die Ohren.

  „Kann ich mir vorstellen. Man sagt, er haßt Dummheit mehr als alles andere.“ Der Sprecher, ein muskulöser Schwarzer, grinste. „Und das war ja wohl der Gipfel. Hätte sich auch mit „Hallo, da sind wir“ bei denen melden können…“

  „Was ist mit Ozzel? Eingeknastet?“ erkundigte sich einer kauend.

  „He, wir reden hier von Vader!“ Blondschopf grinste breit. „Ich hab ’nen Kumpel auf der Brücke. Ozzel hat’s erwischt – platt - jetzt ist Piett am Drücker.“

  „Der Captain? He, guter Mann… war schon lang fällig, daß der weiterkommt.“ Der Tod des Mannes schien keinen zu berühren.

  „Ja. Mein Kumpel sagt, er sei einer der Besten, unter denen er gedient hat.“

Vader sah längst neugierig zu ihnen hinüber, während er sein Steak kaute. Dem ersten Sprecher entging das nicht.

  „Hey, Kumpel, dich kenn ich gar nicht. Neu hier?“

Vader schüttelte den Kopf und schluckte den Bissen hinunter. „Kann man so nich sagen, nee… Bin von Anfang an hier. Hab an ihr mitgebaut.“ Er bemühte sich um eine weniger geschliffene Sprache und seinen alten Randweltenakzent, den zu unterdrücken er Jahre gebraucht hatte.

  „Wow. Nicht schlecht. Aber ich meinte eigentlich: aus welchem Sektor wurdest du herver - “ Er wurde unterbrochen von einem weiteren Mann im Mechanikerdress, der zu ihnen an den Tisch trat und die anderen ansprach. „He, Jungs, habt ihr gehört? Veers hat’s erwischt… liegt schwer verletzt auf der Kranken - “

  „WAS?“ keuchte Vader, das ohnehin blasse Gesicht schlagartig weiß wie ein Laken.

  „Was ist denn mit dir los, Kumpel?“ erkundigte sich der Schwarze besorgt. „Ist dir nicht gut? Trink mal was, hier…“

  „Was ist mit Veers?“ grollte er, dem maskentragenden Vader nicht unähnlich.

  „Beide Beine zerschmettert, wie ich hörte. Einer der dreckigen Rebellen ist mit seinem Gleiter in sein Cockpit geknallt. Aber was - “

Vader hörte nicht mehr. Er ließ das Tablett stehen und rannte.

 

Gerade noch rechtzeitig erinnerte sich der dunkle Lord daran, daß ein Mechaniker üblicherweise nicht Hals über Kopf durch diese Gänge rannte, und errichtete wieder einen Schild um sich. Einige Male konnte er nur knapp Zusammenstöße vermeiden, als er durch die Passanten stürmte und schließlich die Krankenstation erreichte. Ebenfalls dank der Macht und des langjährigen Trainings war er kaum außer Atem, als er die Notaufnahme betrat.

Firmus Piett stand am Fußende des Bettes, blaß und besorgt, während ein 2-1B-Droide die Untersuchungen vornahm. Er fuhr herum, als ein vernarbter Mechaniker, noch weißer im Gesicht als er selbst, in den Raum stürmte und, sowohl den Captain als auch den Droiden ignorierend, an Veers’ Seite eilte – der jedoch bewußtlos war.

  „Was erlauben Sie sich, Mann? Raus hier, sofort!“ knurrte Piett, schreckte aber zurück, als der Mann herumfuhr und sich blaue Augen von der Intensität eines Laserblitzes in die Seinen bohrten – und die Farbe sich abrupt zu einem rot umrandeten Gelb änderte. Schlagartig wurde ihm klar, wer vor ihm stand – spätestens, als der Droide mit einer beiläufigen Handbewegung deaktiviert wurde und sich eine eisenharte Kralle um seinen Hals legte und zudrückte.

  „Lord Vader…!“ keuchte er.

  „WARUM HAT MAN MICH NICHT SOFORT BENACHRICHTIGT?“ grollte Vader böse und kalt. Ein leises Schwirren war zu vernehmen, lose Dinge im Raum begannen, zu rütteln, zunächst schwach, dann stärker werdend.

  „Mylord…!“ keuchte Piett. „Verdammt, Ihr WART nicht zu erreichen! Ich habe sofort versucht, Euch zu rufen, und 50 Mann suchen jeden Zentimeter dieses Schiffes nach Euch ab!“ Sonderbarerweise empfand Piett keine Angst – zu groß war sein Mitgefühl und seine Freundschaft für beide Männer.

Vaders Blick wurde ein wenig weicher, er entspannte sich mühsam und nickte. Der Griff um Pietts Kehle löste sich; er atmete erleichtert tief durch.

  „Ich habe sie gesehen. Ihr habt Recht. – Verzeiht.“ sagte er leise.

  „Schon gut.“ Piett lächelte schwach. „Ich kann’s ja verstehen. Ich bin auch gerannt…“

  „Schämt Euch.“ kam es trocken. „Ein Admiral rennt nicht.“

  „Tut mir leid, aber ich stecke nun mal nicht in einem Mechanikeroverall.“ versetzte Piett ebenso.

Die beiden Männer sahen sich kurz an, dann wandten sie sich synchron Veers zu, die Fronten geklärt. Und Piett speicherte den Moment tief in sich wie einen kostbaren Schatz, sich der immensen Bedeutung sehr wohl bewußt.

  „Was ist nun mit ihm?“ erkundigte Vader sich leise und nahm behutsam Veers’ Hand auf.

  „Die Beine sind offensichtlich so schwer geschädigt, daß der Blechhaufen hier sie amputieren will.“ knurrte Piett. „Er meint, selbst im Bactatank könne er nicht geheilt werden. Derzeit ist er unter Betäubung.“ Staunend, obwohl er es gewußt hatte, nahm er die Zärtlichkeit des dunklen Lords zur Kenntnis.

Vader nickte und ließ den Blick über seinen Geliebten schweifen. Max hatte eine Atemmaske auf, das Gesicht war blutverschmiert, ebenso wie die Kleider und Hände. Kleinere Verletzungen, die aber wohl nicht so schlimm waren, bedeckten seinen Körper. Die Beine waren bloß, man hatte die Hose und die Stiefel bereits von ihm heruntergeschnitten. Es sah sonderbar aus – wie Gummi, formlos irgendwie. Der Droide hatte Recht… sie waren total zerschmettert. Er fühlte mit der Macht hinein und schloß die Augen, dann traf er eine Entscheidung.

  „Keine Amputation. Ich werde das selbst übernehmen.“

  „Mylord…?!“

  „Ich habe bei meiner eigenen Heilung viel gelernt. Ich denke, ich weiß, wie ich es hinbekomme.“

  „Seid Ihr sicher, Mylord?“ sagte Piett leise. Früher hätte er nie einen direkten Widerspruch gewagt, aber die Situation war derart surreal…

  „Sagen wir so: schlechter kann’s nicht werden, hm?“ versetzte Vader bitter.

 

Zuerst ein Schatten, der unwirklich schnell größer wurde, dann ein Aufprall, ein Ruck, ein heftiges Reißen. Feuer, Schreie – und Schmerz, unerträglicher, brennender Schmerz.

Dann erlösende Dunkelheit.

Max blinzelte, kämpfte gegen den Nebel an, der sich über seine Augen gelegt hatte, tauchte langsam auf in eine Welt, die voll Watte zu sein schien.

Er lag in einem Bett, an dessen Fußende Firmus stand. Und neben ihm ein… Mechaniker?... mit Davas Gesicht. Unwillkürlich begann er zu kichern. Darth Vader in einem Mechanikeroverall? Das konnte nur ein Traum sein. Wenn er wieder zu sich kam, mußte er unbedingt die Ärzte darauf hinweisen, was ihre Sedativa für verrückte Nebenwirkungen hatten…

 

  „Er kommt zu sich.“ Piett tat einen Schritt näher zum Bett.

  „Besser nicht… noch nicht.“ Vader beugte sich vor, musterte einen Instrumententisch neben ihm und wählte dann befriedigt brummend einen Injektor. Fachgerecht justierte er ihn auf eine bestimmte Dosis, setzte ihn an und schickte Max wieder schlafen. Seine Handgriffe waren so sicher und ruhig, daß Piett keinen Protest wagte – ganz offensichtlich wußte der Mann, was er tat.

Als das Betäubungsmittel in seinen Arm eindrang, drehte Veers leicht den Kopf und lächelte Vader an. „Dava…“ flüsterte er liebevoll.

Vader erwiderte das Lächeln warm und berührte sanft seine Wange. „Schlaf…“ Piett ignorierte er, obwohl er sich sehr wohl bewußt war, daß dieser es gehört haben mußte.

Piett riß die Augen auf ob des Kosenamens, staunte einmal mehr über die so ganz andere Seite dieses Mannes und begann sich zu fragen, ob er den heutigen Tag überleben würde. Er musterte ihn unauffällig. Irgendwie kam ihm das Gesicht bekannt vor – vor allem diese einnehmenden, nun wieder blauen Augen. Er war sich sicher, daß er es schon einmal gesehen hatte… genauer gesagt: oft. Vor langer Zeit.

Vader verfolgte ruhig, wie Veers wieder in den Schlaf hinüberglitt, dann sah er gelassen zu Piett. „Ich werde mich umziehen gehen. Bleiben Sie so lange bei ihm?“

  „Natürlich.“ antwortete Piett weich, dann straffte er die Schultern und wurde geschäftsmäßig. „Die gesamte Todesschwadron ist auf der Jagd nach dem Millenium Falken, Mylord, wie Ihr es noch von Hoth aus angeordnet hattet, aber die EXECUTOR bildet dabei das Schlußlicht. Derzeit werde ich nicht auf der Brücke gebraucht.“

  „Sehr gut. Ich will dieses Schiff haben, Admiral. Es gehört Solo, und der wiederum ist scheinbar untrennbar mit Leia Organa von Alderaan verbunden. Wenn wir sie haben, bekommen wir ein wertvolles Unterpfand gegen die Rebellen in die Hand.“ Und einen Köder für meinen Sohn.

Piett nickte. „Der Falke scheint Probleme mit dem Hyperantrieb zu haben, aber er ist verdammt wendig. Er macht uns die Jagd nicht einfach, aber es sollte nur eine Frage der Zeit sein, bis wir sie aufgreifen.“

  „Enttäuschen Sie mich nicht, Admiral.“ Der Tonfall war eindeutig der des dunklen Lords, auch wenn er aus einem Mechanikeroverall nicht ganz so überzeugend war… und noch weniger, wenn der Sprecher sich jetzt hingebungsvoll kratzte. Pietts Augen wurden groß.

  „Verdammt, jucken diese Hemden immer so?“ fluchte Vader. „Ich muß aus diesem Zeug raus!“

  „Äh… Mylord… darf ich fragen, warum…?“

Vader schnitt eine Grimasse. „Haben Sie nie Lust, etwas Kindisches zu tun, Admiral?“

Piett grinste leicht. „Von Zeit zu Zeit. Aber mein Gesicht kennt leider jeder.“

Vader setzte zu einer Antwort an, als die Tür aufging und ein junger Pfleger hereinkam. Er musterte den Mechaniker kurz mit hochgezogener Augenbraue, dann glitt sein Blick zu Pietts Rangabzeichen, und er beschloß, daß es wohl seine Richtigkeit hatte, und wandte sich dem Patienten zu.

Der Admiral schaltete schnell. „Man wird Sie benachrichtigen, wenn sich am Zustand Ihres Onkels etwas ändert, Techniker…“, er schielte auf das Namensschild auf Vaders Brust, „Lars.“

Vader blinzelte, ein wenig verwirrt, und Piett zog die Augenbraue hoch und grimassierte leicht. Er begriff.

  „Oh… äh, danke, Sir!“

Piett grinste, ein wenig schadenfroh, und auch Vader mußte schmunzeln. In diesem Moment entdeckte der Pfleger, daß der 2-1B deaktiviert war. „Hallo, was ist denn… eine Fehlfunktion?“ Er hob die Hand, um ihn wieder einzuschalten, doch auch Vader vollführte eine beiläufige, kreisende Geste.

  „Dich interessiert nicht, daß der Droide deaktiviert ist.“

  „Mich interessiert nicht, daß der Droide deaktiviert ist.“ wiederholte der Pfleger brav und wandte sich wieder Max zu. Er begann, die Kabel der Überwachungssonden zu lösen.

  „He!“ sagte Piett scharf. „Was soll das geben?“

  „Ich bereite den Patienten für seine Amputation vor, Sir.“ antwortete der junge Mann verständnislos.

  „Hier wird nichts amputiert!“

  „Aber Sir, ich habe Anweisung - “

  „Hängen Sie am Leben, Mann?“ unterbrach Piett ihn beißend. Vader musterte ihn erstaunt.

  „Äh – ja, natürlich, aber warum - “

  „Lord Vader hat ein persönliches Interesse an diesem Patienten und seiner körperlichen Vollkommenheit, und er ist auf dem Weg hierher. Besser, Sie gehen vorher.“

Der Pfleger erbleichte und ergriff die Flucht.

  „Nett.“ lobte Vader trocken.

Piett grinste. „Danke. Aber warum habt Ihr ihn nicht gleich ganz verscheucht?“

  „Dann wäre ein anderer gekommen, um den Befehl auszuführen. Und außerdem…“, er grinste nun ebenfalls, „war es so viel witziger.“

Piett fühlte sich zunehmend einer Ohnmacht nahe. Ein Vader, der scherzte? Nein, er würde den Tag keinesfalls überleben!

  „Übrigens… die Leute mögen Sie.“

  „Wie bitte?“

  „Die Techniker in der Messe, an deren Tisch ich saß. Sie teilen meine Meinung… daß Sie ein guter Mann sind. Und sie sind sicher nicht die Einzigen.“

Piett errötete. „Danke, Mylord.“

  „Ich habe zu danken, Firmus. Ich bin gleich zurück.“

 

Als Vader wieder den Raum betrat, kam er nicht alleine. Piett sah durch die noch offene Tür zwei Soldaten der 501sten Legion Aufstellung vor dem Raum beziehen – nicht verwunderlich. Für die Heilung – oder deren Versuch – würde er ungestört sein wollen.

Der dunkle Lord war nun wieder komplett im vertrauten Schwarz, und das wohlbekannte Atemgeräusch erfüllte den Raum in einem – zumindest für Piett – beruhigenden Rhythmus ebenso, wie seine majestätische Erscheinung ihn beherrschte. Aber vielleicht lag es auch nur daran, daß er seinen kommandierenden Offizier nun auch ohne Maske, als Menschen, gesehen… und es überlebt hatte. Er würde Vader nie wieder nur als das gesichtslose Böse sehen können, wie die meisten anderen es taten. Heute hatte er, Firmus Piett, erleben dürfen, daß hinter dieser Hülle aus Durastahl und Leder ein lebendes, fühlendes, liebendes Wesen existierte. Und das hatte seinen ohnehin schon enormen Respekt ins Unermeßliche steigen lassen.

Er lächelte Vader scheu an und erntete ein freundliches Nicken.

  „Sein Zustand ist unverändert.“ meldete Piett. „Er schläft ruhig.“

  „Gut. Vielleicht hat ihm das kurze Aufwachen sogar zu mehr Stabilität verholfen.“ Vaders Ton war gelassen, als er an den Medidroiden herantrat und mit ein paar gezielten Handgriffen dessen Erinnerung an den Mechaniker löschte, bevor er ihn wieder aktivierte.

Die Augenrezeptoren des Medbots flackerten kurz im Äquivalent eines Blinzelns, der Kopf drehte sich ein wenig orientierungslos und blieb dann auf Vader gerichtet.

  „Mylord… Verzeihung. Ich fürchte, ich hatte einen unidentifizierbaren Energieausfall.“

  „Unwichtig.“ erklärte Vader kühl. „Gemäß der Auskunft Admiral Pietts ist der Patient für eine Amputation der Beine vorgesehen. Ist das korrekt?“    

  „Ja, Mylord. Die Frakturen der Knochen sind zu komplex, um eine vollständige Heilung zu ermöglichen. Selbst im Bactatank - “

  „Ich widerrufe die Anweisung und übernehme die volle Verantwortung für den Patienten.“

  „Mylord?“

  „Ich werde die Brüche mit der Macht heilen. Du wirst währenddessen seinen Zustand überwachen und mich informieren, sollten sich Krisen ergeben. Verstanden?“

In der Datenbank des Droiden war Vader als „ausgebildeter Arzt“, „kompetenter Heiler“ und „Sith-Lord“ gespeichert, eine Kombination, die auf eine Möglichkeit des Erfolgs schließen ließ. Zumal eine Amputation bei Nichteintritt dessen immer noch möglich, aber nach ihrer Durchführung irreversibel war.  

  „Verstanden, Mylord. Wann wünscht Ihr zu beginnen?“

  „Sofort.“

  „Sehr wohl.“ Der Droide drehte sich, um einige Scanner zu holen, die er benötigen würde, und Vader zog sich einen Stuhl heran.

  „Mylord…“ begann Piett, und der schwarze Stahlschädel wandte sich ihm zu.

  „Ja, Admiral?“

  „Ich nehme an, Ihr wollt ungestört sein…?“

  „In der Tat, Admiral.“ Die Stimme ließ ahnen, daß Vader lächelte. „Aber ich werde sicher Pausen einlegen. In diesen könnt Ihr nach Max sehen. Die Wachen werden Euch benachrichtigen.“

  „Danke, Mylord.“ Piett verneigte sich und ging.

 

 

13

 Als sie alleine waren, wandte Vader sich Max’ regloser Gestalt zu. Er überlegte kurz, den Helm abzunehmen oder die Handschuhe auszuziehen, entschied sich aber wegen des Droiden und unvorhergesehener Störungen gegen beides. Auch wenn die Wachen den Befehl hatten, niemanden einzulassen, es sei denn, Admiral Piett selbst käme mit einem wirklich ernsten Problem, so war es so doch einfach sicherer. So ergriff er Max’ Hand, umfing sie behutsam und schloß sanft und nacheinander seine langen, mit schwarzem Leder umkleideten Finger um sie. Dann schloß er die Augen und ließ die Macht strömen. Er ließ sich von ihr durchdringen und von ihr tragen, gab sich ihr vollkommen hin, erfühlte die Schwingungen, die ihn sanft zum Kern des Problems trugen und ihm – dank Zarkeths Lehren – Wege aufzeigten, wie er es würde tun können. Hier zugreifen, sanft schieben, dort halten und fixieren… eine kleine mentale Bandage da… Langsam glitten die ersten Splitter an ihren Platz, fanden zueinander, schmiegten sich aneinander.

Anfangs zögernd und besorgt, es noch zu verschlimmern, dann zunehmend sicherer, machte er sich an die Arbeit. Es war eine seltsam meditative Aufgabe, die ihn gleichzeitig erfüllte und doch sein Bewußtsein treiben ließ…

Er sah sich selbst plötzlich an einem Tisch stehen, ein kompliziertes Puzzle legend, das, wie Vader bemerkte, kein Motiv hatte.

Der Tisch befand sich im Freien, unter einem grünlichen Himmel; das lange Gras zu seinen Füßen war rötlich bis violett. Die Landschaft war sonst karg, in einiger Entfernung ragten dunkelgraue Klippen auf.

Neben ihm stand Max, in Freizeitkleidung steckend – und er selbst, wie er feststellte, trug Kleidung, wie er sie vor dem Sturz bevorzugt hatte, ähnlich den Jedi-Roben, nur in schwarz.

  „Wo sind wir hier?“ Veers sah sich stirnrunzelnd um.

  „Woher soll ich das wissen? Das hier ist dein Traum.“ versetzte Vader trocken.

  „Könnte Shili sein… ich war da mal eine kurze Weile stationiert. Ich mochte es nicht.“

  „Das erklärt es wahrscheinlich. DAS hier magst du ganz sicher auch nicht.“

  „Was machst du da?“ erkundigte sich der General neugierig und studierte das Puzzle.

  „Ich versuche, deine Beine zu retten.“

  „Meine Beine?“ wiederholte Max erstaunt. Vader wandte den Kopf und runzelte die Stirn.

  „Kannst du dich nicht erinnern?“

  „Da war ein… Gleiter, der auf uns zuflog. Und uns rammte. Dann wurde es dunkel… den Mächten sei Dank verdammt schnell. Was ist passiert?“

  "Nur ein paar Knochenbrüche." sagte der dunkle Lord leichthin.
    "Dava, versuch nicht, mich für dumm zu verkaufen. Um Knochenbrüche wieder zusammenzubasteln, gibt es die Medidroiden. Du würdest nicht hier sein und es selbst tun, wenn es nicht wirklich ernst wäre. Also - raus damit!"

Vader schwieg einen Moment. „Deine Beine wurden zerschmettert. Die Frakturen sind so kompliziert, daß die Medidroiden kapitulierten und die Beine amputieren wollten.“

Veers wurde ein wenig blasser, blieb aber stoisch, auch wenn er haltsuchend nach dem Tisch griff. „Oh.“ Aus weiter Ferne hörte Vader ein plötzlich einsetzendes Piepsen, dann ein leises Zischen. Veers schloß kurz die Augen, schien stabilisiert. Das Piepsen verstummte. „Und nun?“

Vader lächelte ein wenig schwach. „Nun versuche ich, das komplizierteste Puzzle zu legen, das ich je gesehen habe. Aber ich habe eine starke Verbündete, die mir hilft.“

Veers starrte auf den Tisch, ohne wirklich etwas zu sehen, seine Augen brannten. „Amputation…“ wiederholte er tonlos.

  „Ich tue mein Möglichstes, um das zu verhindern, Max.“ sagte Vader beruhigend. „Und selbst wenn alles schiefgehen sollte… heutzutage gibt es wunderbare Prothesen mit Synthehaut, die aussehen wie echt. Niemand wird etwas bemerken.“

  „Doch. Ich.“ sagte Veers leise. Vader wandte sich ihm zu, nahm sein Gesicht sanft in beide Hände.

  „Max. Denkst du, ich würde dich weniger lieben, wenn du Prothesen hättest? Ausgerechnet ICH?“

Veers kicherte ein wenig hysterisch. „Nein… nein, natürlich nicht. Aber…“

  „Ich weiß.“ Vader beugte sich vor und küßte ihn sanft. „Es kostet Überwindung, sich damit abzufinden. Aber man lernt, damit zu leben. Wirklich.“

Veers sah ihn an und und versuchte ein Lächeln. „Ich liebe Dich, Dava.“

Vader erwiderte das Lächeln herzlich und zog ihn an sich. „Und ich Dich. Und daran wird sich nichts ändern… mit Beinen oder ohne. Und jetzt vergiß das „ohne“ ganz schnell, ja? Ich arbeite dran. Und es sieht verflixt gut aus.“

 

Vader arbeitete noch eine Weile weiter, beendete das ganze Bein, ohne zu bemerken, wie die Zeit verging. Er überprüfte noch einmal die gesamte Länge, um sicherzugehen, daß er keinen Splitter übersehen hatte, dann atmete er tief durch und lehnte sich zurück. Und erst jetzt bemerkte er an der Steifheit seiner Muskeln, wie lange er hier schon gesessen haben mußte. Er erhob sich, streckte sich unauffällig und warf einen Blick auf die Anzeigen der Scanner an der Wand. Alle Werte waren im grünen Bereich. Max war nach einer Weile wieder eingeschlafen und schlief noch ruhig.

  „Wie lange war ich… in Trance, Droide?“

  „Sechs Stunden zwölf Minuten vierunddreißig Sekunden, Mylord.“ antwortete der 2-1B umgehend. Vaders Augenbraue hob sich. Holla. Kein Wunder, daß er sich zerschlagen fühlte.

„Danke. Fixiere das Bein für die Heilung.“

Er öffnete die Tür und wandte sich an einen der Sturmtruppensoldaten. „Benachrichtigen Sie Admiral Piett, daß ein Besuch jetzt möglich ist.“

  „Sofort, Mylord.“ Der Mann schaltete seinen Helmfunk auf einen anderen Kanal um und gab die Meldung durch, während Vader in den Raum zurückkehrte und den Erfrischer aufsuchte.

Piett ließ nicht lange auf sich warten. Offensichtlich hatte er Dienstschluß, denn er trug Trainingskleidung und hatte ein zugedecktes Tablett in den Händen, das er ohne Probleme an den Wachen vorbeibrachte – für Vader konnte es ja wohl nicht sein. Und wenn der Admiral sein Abendessen hier einnehmen wollte, dann mußte er das mit dem dunklen Lord ausmachen.

  „Wurdet Ihr beim Essen gestört?“ erkundigte Vader sich ein wenig indigniert.

Piett stellte das Tablett auf einem Tisch ab, trat hinter den Droiden und deaktivierte ihn auf die harte Tour – durch Betätigung des „Aus“-Schalters, den jeder von ihnen zwischen den Schulterblättern hatte.

  „Nein. Das ist Eures, Mylord.“

  „Meins?“

  „Habt Ihr keinen Hunger?“

  „Nun, doch, aber…“

Piett zuckte die Schultern und hob den Deckel; Dampf stieg auf. „Gebratener Taurücken mit Gemüse, eine Früchtecreme, etwas Fruchtsaft und Wasser.“ Vader lief das Wasser im Mund zusammen.

  „Soll ich gehen, Mylord?“ fragte Piett nervös.

Vader konnte nicht anders, er mußte lachen. „Nicht nur Mechaniker haben Hunger, Admiral. Nein, bleibt ruhig – er schläft, aber ich denke, Ihr könnt es riskieren, ihn zu wecken.“ Er ließ sich nieder und begann, den Helm abzunehmen. Piett sah ein wenig scheu beiseite, als zischend Luft ins Vakuum des Helms strömte.

  „Ich denke, wir lassen ihn schlafen…“

  „Wie Ihr meint.“ Vader sparte es sich, auch die Halsbeuge abzulegen, und begann zu essen. Kauend wies er auf den Stuhl ihm gegenüber. Piett riß ein wenig die Augen auf, setzte sich aber schüchtern.

  „Wie…“, er schluckte, „wie lief es, Mylord?“ Ihm fiel auf, daß Vaders Stirn glänzte und der Flaum auf seinem Kopf schweißnaß daran klebte.

Vader nickte und schluckte, bevor er antwortete. „Sehr gut. Das linke Bein ist ausgerichtet… jetzt muß es heilen. Nach dem Essen nehme ich mir das Rechte vor.“

Pietts Kinnlade fiel herunter. „Es hat geklappt?“ flüsterte er.

Vader nickte stumm, er kaute bereits am nächsten Bissen.

  „Wie wundervoll… Mylord, ich…“

Vader schnitt ihm mit einer Geste das Wort ab, bevor Piett sich in hilfloses Dankesstammeln verstricken konnte.

  „Er wird eine ganze Weile im Repulsorstuhl bleiben und neu laufen lernen müssen, aber es wird heilen.“

Firmus strahlte. Er erhob sich und verneigte sich mit großem Ernst und tiefem Respekt, dann wandte er sich zum Gehen, als Vader ihn mit einem Nicken entließ. An der Tür fiel ihm noch etwas ein, und das Strahlen verwandelte sich in ein breites Grinsen.

  „Oh, Mylord…?“

  „Hm?“ Er wandte den Kopf, mit dem Taurücken beschäftigt.

  „Der Rebellenpilot, der in Max’ Cockpit geflogen ist… er liegt ein paar Zimmer weiter, im Hochsicherheitstrakt. Er hat ebenfalls überlebt… und ich habe Anweisung gegeben, ihn unter allen Umständen am Leben zu erhalten.“

Vaders Miene änderte sich schlagartig und erinnerte Firmus an ein Raubtier, das auf Beute gestoßen war. „Sehr gut.“ schnurrte er. „Ich werde mich bald um ihn… kümmern.“

Piett verließ den Raum halb lächelnd, halb schauernd ob der tödlichen Endgültigkeit in Vaders Stimme.

 

Vader beendete sein Mahl in aller Ruhe, öffnete dann zunächst die Wasserflasche und leerte sie durstig, dann öffnete er den Fruchtsaft und trank ihn ebenfalls, jedoch langsamer und mit mehr Genuß.

Er packte den Deckel wieder auf das Tablett, erhob sich und ging zu Max hinüber. Er schlief immer noch, einen ruhigen, vollkommen entspannten Ausdruck im Gesicht, und er entschloß sich, ihn schlafen zu lassen.

Seufzend streckte er sich nochmals. Auch er fühlte sich müde, aber an Schlaf war jetzt nicht zu denken. Er hätte sich nie entspannen können, wenn er Max’ zweites Bein noch unbehandelt wußte. Das Essen hatte ihn für den Moment erfrischt und seinen Hunger gestillt, aber er wußte, daß es ihn später müde machen würde. Sollte er eine halbe Stunde trainieren gehen? Ah… nein. Da gab es ja etwas Besseres.

Sein tödliches Lächeln verschwand hinter der Maske, die sich mit dem vertrauten, ziehenden Schnappen schloß, und mit dem Aufsetzen des Helmes aktivierte sich auch der Beatmer wieder.

Er trat hinter den Droiden, rief ihn ins Leben zurück und nahm amüsiert eine beinahe entrüstete Reaktion zur Kenntnis.

  „Mylord… ich habe keine Erklärung - “

  „Ich schon. Admiral Piett hatte mir etwas Vertrauliches zu berichten.“ schnitt Vader ihm das Wort ab. „Ich werde kurzzeitig anderweitig benötigt. Bereite bis zu meiner Rückkehr das zweite Bein für die Stabilisierung vor.“

  „Ich verstehe. Selbstverständlich, Mylord.“

Vader verließ den Raum, bedeutete den beiden Wachen, dort zu verbleiben, und wandte sich dem Hochsicherheitstrakt zu.

Den Rebellen zu finden, war nicht schwer – auch vor seiner Tür standen Wachen, die Haltung annahmen, als Vader zwischen ihnen durchging.

Wachen und ein Offizier in grau standen auch innen im Zimmer. Der Rebell lag im Bett, schwitzend und blaß – offensichtlich war der Befehl ergangen, mit Schmerzmitteln sparsam umzugehen. Als der dunkle Lord eintrat, nahmen auch die Wachen Haltung an, und der Offizier, der ein Datenpad in der Hand hielt, salutierte.

Der Rebellenpilot wurde noch blasser und begann zu zittern. „Vader!“ keuchte er angstvoll.

Dieser trat einfach nur in die Mitte des Raumes, richtete sich zu seiner vollen, beeindruckenden Höhe auf, hakte die Daumen in den Gürtel und ließ seine Erscheinung wirken. Und diese genügte vollauf. Die mitternachtsschwarze Panzerung, die angsteinflößende Maske, das grauenerregende, den plötzlich totenstillen Raum erfüllende Geräusch des Beatmers… der Gefangene versuchte unwillkürlich, auf dem Bett weiter nach hinten zu rutschen, als könne er damit dem dunklen Lord entgehen. Bislang – ohne zu wissen, auf welchem Schiff er war – hatte er noch eine schwache Hoffnung gehabt, in einem Gefangenenlager des Imperiums zu landen… schließlich war er nur ein kleines Licht, einer unter vielen. Unwichtig. Aber Vaders Anwesenheit verhieß nichts Gutes.

Vader sah schweigend auf den Mann hinunter, und schweigend warteten seine Leute. Als er spürte, daß der Pilot kurz vor dem Abkippen in eine Ohnmacht stand, wandte er sich an den Offizier neben ihm. Um den Effekt noch zu verstärken, senkte er die Tonlage seiner Stimme noch weiter als üblich.

  „War er kooperativ, Captain?“

Captain Freja Covell hatte schon oft für und mit Vader Befragungen durchgeführt. Er kannte seine Rolle und Vaders Signale genau – dieser Satz zum Beispiel war ein Todesurteil. Und deshalb fuhr er im grausamen Spiel so fort, wie seine Befehle lauteten.

  „Er ist ein Rebell, Mylord.“ meinte er schulterzuckend. „Sie sind alle halsstarrig und so schweigsam wie ein baldavanischer Taschenhase.“

Der Rebell reagierte nicht auf diese Beleidigung – das Tier galt als Symbol für Feigheit.

  „Welche Fragen sind noch offen?“ erkundigte sich Vader beiläufig.

Covell schürzte die Lippen. „Oh, eigentlich alle außer der nach seinem Namen und Rang, Mylord.“

  „Ich verstehe.“ Der schwarze Stahlschädel wandte sich wieder dem Rebellen zu und unterließ es, sich nach eben diesen beiden Informationen zu erkundigen. Ohne daß er sich bewegte, flog die Bettdecke zur Seite und entblößte die nackten Beine des Mannes, der in dunkler Vorahnung aufwimmerte.

  „Nun… wo ist der Stützpunkt der Rebellen?“ fragte Vader beinahe mild.

  „Ich weiß es nicht, Lord Vader. Nur die Oberen wissen es vor dem Aufbruch.“ Die Stimme war ein kaum verständliches Zittern.

  „Falsche Antwort...“ Covell schüttelte sorgenvoll den Kopf, und beinahe zeitgleich ertönte ein hartes Knacken, wie von einem dicken, brechenden Ast. Der Rebell schrie auf und hielt sich das linke Bein, das in seltsamem Winkel dalag.

  „Wo ist der Notfalltreffpunkt?“

Der Rebell schwieg, keuchte aber heftig in Erwartung des nächsten Angriffs, der umgehend kam… im anderen Bein. Wieder schrie er auf.

  „Wie viele Schiffe hat eure Flotte derzeit?“ Ein weiteres Knacken. „Welche sind die mächtigsten Waffen? Wie viele Leute habt ihr? Wie viele Anführer? Welche Welten unterstützen euch?“ Knack. Knack. Knack. Knack.

Der Rebell heulte längst nur noch langgezogen und verzweifelt vor Schmerz und Todesangst.

  „Laßt uns allein.“ befahl Vader. Covell und die beiden Sturmtruppen verließen den Raum, nicht ungern, was man aber allen dreien nicht anmerkte. Vor dem Raum blieben sie stehen, bei ihren beiden Kameraden. Sie schwiegen alle einen langen Moment.

  „Er ist gut in Form heute.“ Die Vocoderverzerrte Stimme einer der Wachen ließ ein Schauern erahnen. „Der Kerl kann einem fast leidtun.“

  „Beherrsch dich, TK-2144.“ mahnte Covell leise. „Ich habe das nicht gehört. Der „Kerl“ hat immerhin beinahe einen der besten Generäle des Imperiums auf dem Gewissen. Er - “

Ein irres Kreischen aus dem Raum, sich steigernd und begleitet von dumpfen Aufschlägen, unterbrach ihn und endete abrupt. Die Tür öffnete sich, Vader trat heraus und wandte sich an Covell.

  „Entsorgen Sie das, Captain. Und lassen Sie aufräumen.“ Dann schritt er mit wehendem Mantel und knallenden Schritten davon.

Die Soldaten sahen sich untereinander an und warfen dann einen vorsichtigen Blick in den Raum… oder besser: die Hölle. Der Rebell auf dem Bett starrte mit toten Augen an die Decke, die Beine mehrfach gebrochen, das Gesicht eine Fratze panischer Angst, bläulich rot angelaufen, die Hände um den Hals geklammert. Auf ihm und um ihn lagen mehrere Gegenstände aus den Regalen ringsum, die meisten davon bis zur Unkenntlichkeit zerdrückt und verbeult; wo sie ihn getroffen hatten, waren Schrammen und blutige Wunden zu sehen.

  „Sith…!“ fluchte Covell leise. „Du hattest Recht, TK-2144. Er ist wirklich gut in Form heute.“

 

Vader kehrte zu Max zurück. Er fühlte sich so erfrischt, als hätte er eine ganze Nacht lang geschlafen – einer der Vorteile der dunklen Seite, auch, wenn sie auf Dauer einen üblen Preis hatte… wie man am Imperator sehen konnte.

Max war wach und saß halb aufrecht in dicke Kissen gelehnt.

  „Wo war - “ Er unterbrach sich und sah zu dem Droiden hinüber, dessen Kopf ruckartig hin und her schwang, als er sich bewußt wurde, was ihm gleich blühen würde. „Oh, nein! Nicht schon wieder! Bitte, Mylord, ich hasse es, dauernd abgeschal - “ Die Augen erloschen.

  „Tut mir leid.“ Vader zog sich einen Stuhl heran und nahm neben dem Bett Platz.

  „Wo warst du?“ fragte Max erneut. „Ich dachte, Du seist länger weg, schlafen oder meditieren…  Übrigens: Danke.“ Er deutete lächelnd auf sein linkes Bein, das in einer bactagetränkten Stützbandage behutsam fixiert auf dem Bett ruhte. „Unser Freund hier war ganz aus dem Häuschen, sagte, er hätte so etwas noch nie gesehen und nie für möglich gehalten.“

  „Das wundert mich nicht… ich wußte ja bis vor ein paar Stunden selbst nicht einmal, daß es möglich ist.“ Vader lächelte und nahm Max’ Hand. „Laß mich jetzt dein anderes Bein in Angriff nehmen. Wie ich sehe, hat er es schon vorbereitet… aber ich brauche ihn dazu, Max. Ich muß ihn gleich wieder anschalten.“

  „Schon gut, ich bin still. Aber willst du nicht zuerst ausruhen? Du mußt doch todmüde sein.“

  „Tatsächlich bin ich topfit. Ich habe mich eben ein wenig… ausgetobt.“ Vader wählte absichtlich einen beschönigenden Terminus.

  „Ausgetobt, hm? Dava, der Todesschrei war nicht zu überhören.“ meinte Veers trocken.

  „Hast du etwa Mitleid mit ihm?“ fragte Vader überrascht.

  „Nein. Wir sind alle nur Sklaven dieses sinnlosen Krieges…“ murmelte Veers. „Hat er es absichtlich getan? Dann hat er die Strafe verdient. War es ein Unfall? Dann war er ein Opfer… genau wie alle anderen Gefallenen.“

  „Solche Reden sind gefährlich, Max.“ sagte der dunkle Lord leise.

  „Ja. Die Rebellion muß niedergeschlagen werden, Dava, keine Frage. Aber muß es so brutal geschehen? Muß es so viele Tote geben? So viel Leid?“

  „Nicht, wenn es nach mir ginge.“ brummte Vader und übte damit zum ersten Mal offene Kritik am Kaiser. „All diese brutalen Befehle sind von ihm, nicht von mir. Ich würde anders handeln. Aber ich bin sein Geschöpf… und ihm zu Gehorsam verpflichtet. – Genug jetzt davon. Entspann dich.“

Veers öffnete den Mund, doch der Droide kam ihm zuvor.

  „-tet zu werden! – Oh.“ machte er und sah sich um. War es nun passiert oder nicht?

  „Wir machen weiter, Einheit. Das zweite Bein. Überwache ihn.“

  „Sehr wohl, Mylord…“ Konnten Droiden seufzen, oder war das eine akustische Täuschung?

 

Die Arbeit am zweiten Bein ging schneller und müheloser voran. Zum einen, weil Vader nun wußte, was und wie er es tun mußte, zum anderen, weil Max wach war und ihn aktiv unterstützte. Wieder standen sie gemeinsam an einem Tisch, der mit einem Puzzle bedeckt war, doch diesmal war die Umgebung angenehmer, und zu zweit ging das Lösen der Aufgabe leichter von der Hand. Sie arbeiteten Hand in Hand, schweigend und vertraut, als säßen sie über einer Droiden- oder Raumschiffbastelei, und wenn Max Schmerzen hatte, ließ er es sich nicht anmerken.

Zuletzt prüfte Vader wie gehabt noch einmal die gesamte Länge des Beins, während Max sich mental zurücksinken ließ.

  „Fertig.“ befand der dunkle Lord zufrieden und laut. Er öffnete die Augen und half dem 2-1B, die vorbereiteten Bandagen zu fixieren, um das Bein ruhigzustellen.

  „Wie lange werde ich liegen müssen?“ erkundigte Max sich.

  „Zwei Tage, General. Dann kann ich es verantworten, Sie in einen Repulsorstuhl umziehen zu lassen, mit gebeugten Gelenken. Die Knie dürfen nicht steif werden – aber wir werden künstliche Schwerelosigkeit einsetzen müssen.“

  „Damit kann ich leben. Und weiter?“ Max schloß erschöpft die Augen.

  „Eine Woche. Dann können Sie mit dem Training beginnen… eine halbe Stunde, vorerst.“

  „Gut.“ Murmelte der General schläfrig.

  „Wann soll Piett zu Besuch kommen?“ erkundigte Vader sich, aber Max schlief bereits. Der dunkle Lord lächelte und wandte sich an den Droiden. „Gib dem Admiral Bescheid, sobald General Veers erwacht. Und mir, wenn sich sein Zustand ändert – und zwar sofort, verstanden?“

  „Selbstverständlich, Lord Vader.“

  „Oh, und noch etwas. Diese Heilung hat niemals stattgefunden.“

  „Ich… verstehe.“ antwortete der Droide ein wenig unbehaglich und fragte sich, ob er seine Erinnerungen behalten durfte. Überrascht beobachtete er, wie Vader das Zimmer verließ.

 

 

14

 Luke Skywalkers X-Flügler hatte sein Ziel erreicht. Vor ihm lag ein grünlich brauner Planet, umgeben von einer dicken Wolkenschicht.

  „Ich glaub’, das ist es.“ sagte Luke auf ein fragendes Piepen seiner Astromecheinheit, deren Übersetzung vor ihm auf einem Display erschien. „Dagobah.“

Ein weiteres Piepen, und eine energische Antwort. „Nein, R2, ich werde es mir nicht noch mal überlegen.“ Er überflog ein wenig unsicher die Anzeigen seiner Sensoren. „Ich habe keinerlei Städte oder technische Einrichtungen registriert, aber eine massive Anzeige von Lebensformen.“ Er pfiff kurz durch die Zähne. „Irgendwas Lebendiges muß da unten sein.“

Das Piepen wurde eindeutig besorgter. „Ja, ich bin überzeugt, es ist vollkommen ungefährlich für Droiden.“

Der Raumjäger tauchte in die Wolkenschichten ein, was die Sicht sofort radikal bis auf Null reduzierte. Und zu allem Überfluß…

R2-D2s Piepen wurde schlagartig hysterisch, als diverse Alarme losschrillten, und auch die Stimme seines Herrn war nicht viel ruhiger. „Ich weiß, ich weiß! Alle Schirme sind tot, ich kann nicht das Geringste sehen! Schön ruhig, ja? Ich beginne mit dem Landeanflug…“

 

An einem anderen Ort der Galaxis, in einer abgeschlossenen kleinen Kammer in einem gigantischen Raumschiff, regte sich eine schwarze Gestalt unbehaglich in ihrer Meditation. War der Flug über den ersten Todesstern ein Zufall gewesen, eine Verzweiflungstat? Oder war er ein so guter Pilot? Nun würde er es beweisen müssen…

 

Äste krachten, als der X-Flügler sie durchbrach, dann spritzte Wasser in einer gigantischen Kaskade um das Cockpit, und es gab einen gewaltigen Ruck, als sämtliche Bewegung plötzlich auf Null reduziert wurde.

 

Der Beobachter entspannte sich ein wenig. Nichts, was er eine Landung nennen würde… aber dann trat ein breites Grinsen auf sein Gesicht, als eine Erinnerung in ihm hochstieg.

  Wir haben da was verloren.

  Keine Sorge. Das halbe Schiff ist ja noch übrig.

Die INVISIBLE HAND… und seine ‚Landung’ mit ihr auf Coruscant, bei der er einen nicht unbeträchtlichen Teil davon in Schutt und Asche legte. Aber immerhin das Leben des Kanzlers rettete… was ihn damals zum Helden machte.

 

Luke brauchte einen Moment, um wieder klar zu werden, dann legte er einen Schalter um, der die Haube des Cockpits öffnete, und kletterte hinaus auf die lange Schnauze des Raumers, der halb versunken in einem Sumpf lag. Die Positions- und Landeleuchten des Jägers brannten noch, erhellten die dämmrige Welt aber kaum. Um sie herum war Wasser, Schlamm – und hohe Bäume mit dichten Luftwurzeln.

Der kleine Droide hatte sich mit Hilfe seines Liftes aus der Arbeitshülse befreit, in der er reiste, und stand ein wenig unsicher auf der Hülle des Raumers. Ihm gefiel das überhaupt nicht, was er auch laut deutlich machte.

  „Nein, R2, du bleibst hier. Ich werd’ mich erst mal umsehen.“

 

R2? R2-D2?

Der Beobachter setzte sich ruckartig auf. War das wirklich SEIN alter Droide? Padmés treuer Astromech? Oh, Luke…

Eine Welle der Nostalgie und Trauer überrollte ihn, bevor er sie zurückkämpfen konnte. Wenn R2 noch existierte, könnte es dann sein, daß… auch es auch C-3PO noch gab?

 

Ein beinahe zorniges Schrillen tat seinen Unmut kund, aber es wandelte sich zu einem erschrockenen elektronischen Kreischen, als Luke die Schnauze entlangging, den Jäger zum Schwanken brachte und der blaue Droide das Gleichgewicht verlor. Mit einem lauten Platschen landete er im Brackwasser unter dem Jäger.

  „R2?“ Luke kniete auf der Schnauze nieder und beugte sich vor, um zu versuchen, in den schmutzigen Schlieren seinen Freund zu entdecken. Aber das Wasser schien unberührt – keine Spur des Droiden… „R2! Wo steckst du?“

Ein kleines Periskop durchbrach die Wasseroberfläche, drehte sich suchend, und ein gurgelndes Piepsen ertönte. Dann bewegte sich das Periskop langsam in Richtung des Luke näherliegenden Ufers. Erleichtert stand Luke auf und lief weiter zur Spitze des Raumers.

  „R2… bitte etwas vorsichtiger!“ Er sprang ins Wasser, watete die paar Schritte bis zum Ufer und drehte sich um, auf seinen Droiden wartend. Irgendwie schien das Periskop ein wenig abgedriftet zu sein. „R2 – da lang, okay?“

Ein dunkler Schatten schnitt plötzlich durchs Wasser, schob Wellen zu beiden Seiten weg und steuerte direkt auf den kleinen Blauen zu. Wieder ertönten elektronische Schreie, das Periskop verschwand unter Wasser – und einen langen Moment blieb es erschreckend still.

  „R2!“

Wieder war alles ruhig… zu ruhig. Dann, ohne Vorwarnung, wurde die tonnenförmige Form des Astromech aus dem Wasser katapultiert, beschrieb kreischend einen Bogen und schlug mit einigen Rumplern und Halbüberschlägen im dichten Wurzelwerk eines ufernahen Baumes ein. Luke spurtete hinüber, richtete ihn auf und wischte den Schlamm aus dem ‚Auge’ und einigen anderen Halböffnungen.

  „Oh, nein! Na, hast du’s einigermaßen überstanden? Kannst von Glück sagen, daß du nicht besonders schmeckst. Alles noch beieinander, hm?“ Der Droide antwortete mit schwachem, beinahe seufzend klingenden Tönen, dann stieß er einen Schwall Schlamm und Wasser aus einer Öffnung seines Kuppelkopfes aus. Luke konnte eben noch ausweichen.

  „Wenn du meinst, hierher zu kommen war ’ne blöde Idee, dann bin ich langsam deiner Meinung. R2, was wollen wir hier eigentlich? Das ist wie ein… ja, irgendwie wie ein Alptraum. Ich weiß auch nicht; vielleicht verlier’ ich allmählich den Verstand.“

 

Der schwarze Beobachter schnaubte. Oh nein, mein Sohn… nicht DU verlierst den Verstand, sondern derjenige, der dich hergeschickt hat, um dich von einem senilen grünen Greis mit vergifteten Idealen und Lehren vollstopfen zu lassen. Zu dumm, daß ich dich nicht abfangen konnte auf Hoth… zu dumm, daß ich nicht nach Dagobah kommen kann. Es ist zu früh – ich darf mich noch nicht zu erkennen geben. Wenn ich es täte, würde es durch die Macht zu Palpatine gelangen… das darf ich nicht riskieren.

Bleib stark, mein Sohn… erhalte dir deine Meinung. Laß dich nicht blenden.

 

Seine Gedanken und seine Verbindung zu seinem Sohn wurden abrupt unterbrochen, als die Kugel sich bei Annäherung einer Person öffnete. Ruhig wartete er, bis Maske und Helm sich senkten, dann drehte er den Sessel dem Eintretenden zu. Piett. Glück für ihn – jeder andere wäre aufgrund der unwillkommenen Störung härter angegangen worden.

  „Ja, Admiral?“

  „Unsere Schiffe haben den Millenium Falken gesichtet, Lord Vader, aber er ist in ein Asteroidenfeld geflogen, und wir können es nicht riskieren…“

Vader unterbrach ihn ärgerlich. „Asteroiden interessieren mich nicht, Admiral. Ich will dieses Schiff haben und keine weiteren Ausflüchte!“ Ohne sichtbares Zutun senkte sich die obere Hälfte der Kugel wieder, und Piett blieb gerade noch Zeit für ein „Ja, Lord Vader.“

 

Ungefähr eine Stunde später stand Darth Vader auf der Brücke der EXECUTOR an seinem bevorzugten Platz, am Ende der Gangway zwischen den Mannschaftsgruben in der Mitte des Panoramafensters, und beobachtete, wie Asteroiden an der Hülle seines Schiffes zerplatzten wie Schneebälle. Eine Weile beobachtete er das Schauspiel, dann wandte er sich langsam zur Seite, wo die Hologramme der Kapitäne seiner Flotte nebeneinander aufgereiht standen. Eines davon, ein wenig abseits der anderen, flackerte unstet – offensichtlich unter schweren Treffern.

Mit ein wenig Verspätung hörte er dem zu, was der Kommandant zu berichten hatte.

  „…und das, Lord Vader, war das letzte Mal, daß sie auf einem unserer Schirme erschienen sind. In Anbetracht der beträchtlichen Schäden, die wir erlitten haben, müssen sie vernichtet worden sein.“

Vader zögerte nicht einmal. „Nein, Captain, sie sind noch am Leben. Ich bestehe darauf, daß jedes zur Verfügung stehende Schiff das Asteroidenfeld durchsucht, bis sie gefunden worden sind.“

Die Kapitäne verneigten sich nacheinander, ihre Hologramme erloschen. Vader schnaubte und wandte sich ab. Anfänger! Dilettanten! Mußte man ihnen wirklich die einfachsten Standards beibringen? Wußten sie denn gar nichts von den Tricks der Schmuggler? Solo war ein hervorragender Pilot – er war absichtlich IN ein Asteroidenfeld geflogen und klebte mit Garantie längst seelenruhig auf einem der großen Brocken, verborgen hinter einem Krater oder in einer Felsspalte, um sich zu verstecken und einfach abzuwarten. Er hatte Zeit… und vertraute auf die geringe Geduld des Imperiums. Aber da war er an den Falschen geraten. Auch er, Vader, konnte warten… und auch er, Vader, hatte einige Tricks im Ärmel. Einige davon waren bereits unterwegs zu ihm.

Eine Bewegung am Ende des Laufgangs weckte seine Aufmerksamkeit. Piett kam herangeeilt, weiß wie ein Laken und sichtlich aufgewühlt.

  „Lord Vader!“

  „Ja, Admiral, was gibt es?“ fragte er beinahe freundlich. Piett hatte mittlerweile sein volles Vertrauen.

Aus der Nähe betrachtet schien Firmus nicht aufgewühlt, sondern ängstlich.

  „Der Imperator hat befohlen, daß Ihr Euch mit ihm in Verbindung setzt.“

Vaders Herz setzte einen Schlag aus. Konnte etwas durchgedrungen sein? Waren seine Schilde nicht dicht genug? Ein Anruf des Kaisers war ungewöhnlich und immer beunruhigend. Er schloß kurz die Augen, atmete tief durch und zwang sich zur Ruhe.

  „Manövrieren Sie das Schiff aus dem Asteroidenfeld heraus, so daß wir störungsfrei übertragen können.“

  „Ja, Mylord.“

 

Der dunkle Lord betrat die Kommunikationskammer und schritt elegant die wenigen Stufen zur Sendeeinheit hinunter, wo er auf ein Knie niedersank und äußerlich demütig den Kopf neigte.

Man ließ ihn nicht lange warten. Beinahe zeitgleich aktivierte sich ein großes Hologramm ihm gegenüber – die Büste des Imperators, oder besser: Darth Sidious’, in seinem üblichen Kapuzenmantel, der das Gesicht nur schemenhaft erkennen ließ.

Vader hob den Kopf. „Womit kann ich Euch zu Diensten sein, mein Gebieter?“ Seine Stimme war ungewohnt sanft und ebenso demütig wie seine Haltung.

  „Ich spüre eine starke Erschütterung der Macht.“

Vader erstarrte. Es gab zwei Richtungen, in die das Pendel ausschlagen konnte. Ein Negieren dieser Empfindung war indes unmöglich, der Kaiser wußte genau, wie stark seine Fähigkeiten in der Macht waren. Zu genau, bedachte man die jüngsten Erkenntnisse.

  „Auch ich empfinde das so.“ bestätigte er deshalb, die Stimme immer noch sanft. Einmal mehr schätzte er sich glücklich, die Maske noch zu tragen, und prüfte seine mentalen Schilde sorgfältig auf ihre Dichte.

  „Wir haben einen neuen Feind. Luke Skywalker.“

Verflucht! Vader knurrte innerlich. Das Chaos hole Palpatines Spione! Das war es also. Ein Grund mehr zur Eile…!

  „Ja, mein Gebieter.“ Den Mächten sei Dank gelang es ihm, seine Stimme demütig zu halten.

  „Er könnte uns vernichten.“

Nanu? Was war das? Eine Prüfung? Vorsicht war geboten…

  „Er ist nur ein Knabe, und Obi-Wan kann ihm nicht mehr helfen.“ wandte er ein. Beides wahr.

  „Die Macht wirkt stark in ihm.“ widersprach der Kaiser. „Der Sohn des Skywalker darf niemals zu einem Jedi werden.“

Verflucht noch eins…! Nein! Er würde seinen Sohn nicht opfern, niemals! Seine Gedanken rasten. Was wollte der Kaiser? Macht. Mehr Macht. Sicherheit der Macht.

  „Falls wir ihn für unsere Sache gewinnen, könnte er zu einem machtvollen Verbündeten werden.“ schlug er deshalb vorgeblich zögernd vor. Genau das, was der Kaiser hören wollte.

  „Ja.“ stimmte das Hologramm scheinbar nachdenklich zu. „Ja, er wäre von großem Wert für uns. Läßt sich das bewerkstelligen?“

Vaders Sinne waren geschärft, wie immer, wenn er mit dem Kaiser sprach. Ein Tanz auf dem Vulkan war ein Sonntagsspaziergang dagegen. Er spürte einen winzigen Schimmer Befriedigung… Zufriedenheit, als sich scheinbar alles zum Willen des Kaisers fügte. Luke auf Palpatines Seite… als Verbündeter… als Padawan. Ah… DAS war sein Plan! Ein neuer Padawan – ein gefälliger, formbarer Zögling, der ihn, Vader, ersetzte! Es konnte immer nur zwei geben… sein Sohn würde seinen Platz einnehmen, was Vaders Todesurteil war. Oh nein, Meister, so nicht. Diesen Spieß drehen wir doch wohl lieber herum!

Ein letzter Satz in dieser Schmierenkomödie war noch vonnöten, begleitet von einer theatralisch unterstreichenden Geste ebensolcher Qualität, um dem Ego des Tyrannen zu schmeicheln. Er ballte die Faust und grollte: „Er wird zu uns übertreten oder sterben, mein Gebieter!“ Dann verneigte er sich wieder, mühsam seinen Zorn maskierend, während das Hologramm sich auflöste.

 

Vader suchte Zuflucht und Ruhe in einer Meditation in seiner Kammer, doch er fand sich unverhofft hinter Lukes Augen wieder, als der eine schmerzhafte Begegnung mit einer niedrigen Decke hatte. Wo war sein Sohn? Eine höhlenartige Behausung… ein Kochfeuer… gewachsene, irgendwie organische Strukturen, alles höchst schlicht und… schmutzig.

  „Bereit bist Du?“ schimpfte eine zornige Stimme.

Ah. Natürlich. Der riesenohrige Meister der Macht. Einer der letzten Jedi. Seufzend, aber nicht ohne gewisse Neugier, lehnte Vader sich zurück, um zu beobachten und zu lauschen.

  „Vom Bereitsein, was weißt Du davon? Jedis habe ich herangebildet…“

… achthundert Jahre lang… sprach der dunkle Lord seufzend das wohlbekannte Lamento mit.

  „…achthundert Jahre lang, und abwägen werde nur ich selbst, wer unterwiesen werden soll. Zutiefst verpflichtet fühlen muß ein Jedi sich, muß erfüllt sein von tiefstem Ernst.“

Oh ja. Davon konnte er, Vader, ein Liedchen singen. Ernst, immer nur Ernst… keine Liebe, keine Zuneigung, kein freundliches Wort. Nur Verbote und Gebote. Spaß? In Kämpfen und bei Flügen, auf Einsätzen. Das war’s. Kein Wunder, daß er auf die dunkle Seite gewechselt war.

  „Diesen da, beobachtet habe ich ihn eine lange Zeit. Sein ganzes Leben lang war sein Blick gerichtet auf auf die Zukunft, den Horizont.“

Du Trottel, du kleine grüne Mißgeburt! fluchte Vader. Was hätte Luke denn sonst tun sollen auf einem Staubball wie Tatooine? Dort gab es nur Sand, noch mehr Sand und den Abschaum der Galaxis, angefangen bei den Hutts über die Tusken bis hin zu den kleinen Gaunern in den Straßen… Warum, beim Chaos, haben weder du noch Obi-Wan, sein selbsternannter Wächter, sich um ihn gekümmert? Ihr könnt froh sein, daß er sich nicht irgendeiner dummen Bande angeschlossen hat!

  „Mit seinen Gedanken war er niemals ganz bei dem, was ihn umgab, hm, nie bei dem, was er tat.“

Evaporatoren reparieren? Versuchen, Erntedroiden per Ölbad in Funktion zu halten? Wahnsinnig spannend. Eine echte Herausforderung für einen jungen, wachen Geist. Einen machtbegabten, zumal! Vaders Zorn wuchs.

  „Hmph. Abenteuer! Ha! Große Erlebnisse! Ha! Nach solchen Dingen verlangt es einen Jedi nicht.“

Zum Zorn gesellte sich Zynismus. Ah nein? Hm… oh, richtig. Normalerweise kamen die Einladungen dazu ganz von selbst. Stapelweise. Stimmt.

  „Leichtfertig bist du!“

Vader knurrte wütend, als sein Sohn bei dieser Anschuldigung die Augen niederschlug, und mußte sich beherrschen, ihn nicht anzusprechen… Denn das hätten die beiden anderen – Ben war ebenfalls anwesend, er konnte ihn spüren, wenn auch nicht sehen – mitbekommen. Leichtfertig, was für ein Unsinn! Wer konnte es Luke verdenken, wenn er schlicht Spaß hatte an dem, was das wahre Leben bot… nachdem er auf Tatooine vor Langeweile beinahe umgekommen wäre?

  „Das war ich auch, wie du dich erinnern wirst.“ schaltete Bens Stimme sich ein. Yoda ignorierte es geflissentlich.

  „Zu alt er ist. Ja. Zu alt, um mit der Ausbildung zu beginnen.“

Oh nein… nicht schon wieder DAS! NATÜRLICH war Luke zu alt… verdammt noch mal, ihr beiden Narren habt ihn zwanzig Jahre lang am ausgestreckten Arm verhungern lassen! Meinen Sohn – den Sohn des Auserwählten! Ihr habt nicht einmal seine Werte getestet!

  „Aber ich hab schon viel gelernt!“ wagte Luke einen Vorstoß, hoffnungsvoll.

Yoda starrte ihn durchdringend an, so intensiv, daß Vader einen Moment lang erwog, sich zurückzuziehen, aus Angst, entdeckt zu werden. Doch dann wandte der greise Gnom sich ab und dem unsichtbaren Ben zu. „Wird er je beenden, was er beginnt?“ Er klang resignierend, und Luke triumphierte.

  „Glaub mir, ich werde dich nicht enttäuschen. Ich habe keine Angst!“

Yoda drehte sich mit einem beinahe fiesen Lächeln langsam zu ihm um. „Doch. Du wirst Angst haben. Du wirst Angst haben.“

 

 

15

 Nach einigen Aufregungen und anderen Störungen fand Piett endlich Zeit, bei Max vorbeizuschauen. In der am nächsten gelegenen Messe besorgte er zwei Thermobecher Kaf und betrat dann das Zimmer, in dem Max immer noch lag. Morgen würde er – wenn alles glatt lief – in einen Hoverstuhl umziehen und in seine Räume zurückkehren dürfen… wo er allerdings abends und morgens immer noch auf Droidenhilfe angewiesen war.

Es standen keine Wachen mehr vor dem Raum – keine Überraschung.

Der 2-1B war eben mit einem Scan der Brüche beschäftigt. Er sah auf, als Piett hereinkam, erstarrte und wich eilig zurück.

  „Bevor ich WIEDER abgeschaltet werde, gehe ich lieber. Drückt den Notfallknopf, wenn ihr mich braucht.“ Sprach’s und schwebte hinaus.

Firmus grinste und drückte Max einen der Becher in die Hand.

  „Kaf!“ seufzte der begeistert. „Wundervoll…! Warum um alles in der Welt bekommt man auf Krankenstationen immer nur ekelhaft übersüßten, faden Tee?“ Er nippte an der dampfenden Tasse und genoß das Aroma mit geschlossenen Augen.

  „Wie geht’s?“ erkundigte der Admiral sich und zog einen Stuhl heran, auf dem er sich rittlings niederließ.

  „Ganz gut. Die Schmerzen halten sich in Grenzen, aber es macht mich wahnsinnig, mich nicht bewegen zu können… auch wenn der Medbot schon ein paar Übungen gemacht hat. Und bei euch?“

Piett zuckte die Schultern. „Der Millenium Falke hat sich in ein Asteroidenfeld verkrochen, und Vader springt im Viereck. Er will das Schiff unbedingt haben, weiß der Himmel, warum. Irgendein Anführer der Rebellen muß da wohl drauf sein… Außerdem hat sich der Imperator gemeldet. Seine Lordschaft schien darüber nicht sehr erfreut…“

  „Der Imperator?“ echote Max besorgt. „Nicht gut.“

  „Nein… aber da ich keine anderen Befehle bekommen habe, scheint es nicht so schlimm gewesen zu sein.“

  „Wegen Hoth, vielleicht?“

  „Möglich… aber das ist verbrannte Erde. Und bislang hat er sich nie in Mißerfolge eingemischt…“ Piett zuckte die Schultern. „Wir werden sehen.“

Max brummte und nippte am Kaf. Dann sagte er, scheinbar beiläufig: „Er hat den Rebellen umgebracht, hm?“

Piett lachte trocken. „Umgebracht? Geschlachtet. Du willst nicht wissen, wie er ihn getötet hat, glaub mir.“

  „Machtgriff, schätze ich?“

Der Admiral schüttelte nur den Kopf. „Frag nicht.“

  „Raus damit.“

Ein Seufzen. „Zuerst brach er ihm beide Beine. Mehrfach. Dann hat er ihn halb erschlagen… mit lauter Gegenständen, die auf ihn prallten. Medizinflaschen, Scanner, Datapads, so Zeug. Dann der Machtgriff, ja… aber das war nicht das Schlimmste.“

  „Firmus!“

Piett zog eine Grimasse. „Er hat ihm das Herz im Leib zerquetscht. Zusammengedrückt, einfach so.“

  „Oh.“ machte Max – betroffen, aber nicht unbedingt geschockt. Eher sogar ein wenig… stolz. Er verstand die Geste und wußte sie zu würdigen… auch wenn es ein morbides Geschenk war.

Piett sah ihn eine Weile an und lächelte dann leicht. „Jetzt kommst du mir nicht mehr aus. Raus damit. Was läuft da zwischen euch?“

Max verschluckte sich am Kaf. „Laufen? Was soll da laufen? Er ist mein kommandierender Offizier, und ich bewundere und respektiere ihn, wie Du!“

  „Äh-äh…!“ Piett schüttelte grinsend den Kopf. „Netter Versuch. Aber ich habe gehört, wie du ihn Dava nanntest – und lebe noch. Also, raus damit!“

  „Was? Wann - “ Max wurde blaß, dann rot.

  „Du warst am Aufwachen, noch halb im Betäubungsschlaf. Er hat dich auch gleich wieder ins Traumland geschickt, weil du noch nicht stabil genug warst. Aber irgendwie hast du ihn wahrgenommen und den Namen gemurmelt… mit dem glücklichsten Lächeln auf dem Gesicht, das ich je an dir gesehen habe.“

Max schwieg und schien ein wenig kleiner zu werden.

  „He – was ist denn? Ich freu mich doch für euch! Für euch beide – ich finde das wunderbar! Wenn du ihn gesehen hättest, als er ins Zimmer stürmte…“

  „Ich liebe ihn.“ sagte Veers schlicht und hob den Kopf.

  „Und er dich.“ Piett lächelte. „Keine Frage. Und ich bin stolz, daß er mich an diesem Wissen teilhaben läßt.“

  „Er hat nichts gesagt?“ erkundigte der General sich erstaunt.

  „Keinen Ton. Keine Warnung, nicht mal einen bösen Blick. Eigentlich dachte ich, ich würde den Tag nicht überleben… aber er scheint mich zu mögen.“

Veers grinste. „Ja. Tut er.“

Piett erwiderte es. „Gut zu wissen.“ Auch er nahm einen Schluck Kaf und verzog das Gesicht. „Das Zeug schmeckt nicht mehr, wenn es kühler wird. – Seit wann geht das schon so zwischen euch?“

Max lehnte sich zurück und lächelte. „Mir wurde es schon vor längerer Zeit bewußt – aber mir war klar, daß jede Hoffnung utopisch wäre. Also versuchte ich nur, alles über ihn zu sammeln und herauszufinden, was es gab… legal und ein wenig illegal. Über seine Gegenwart und seine Vergangenheit.

Und dann, als er verletzt wurde auf diesem Einsatz… du erinnerst dich, mit diesen Viechern…“

  „Ysalamiri.“ Piett nickte. „Widerliche kleine Biester.“

  „…da konnte ich ihm helfen, dank des Wissens, das ich über ihn hatte.“

  „Nicht so bescheiden. Du hast ihm das Leben gerettet.“

  „Vermutlich… ja.“

  „Und dann?“

  „Ich denke, er wurde neugierig. Er begann, Zeit mit mir zu verbringen, mich kennenzulernen. Wir freundeten uns an… und ich war glücklich. Das war mehr, als ich mir je erhofft hatte.“ Veers lächelte und schien mittlerweile völlig entspannt.

Piett wartete, aber nicht halb so geduldig, wie er aussah.

  „Dann, langsam, merkte ich, wie er sich mir öffnete. Langsam, immer mehr. Und irgendwann zeigte er mir sein Gesicht. Von da an ging es sehr schnell. Und der endgültige Durchbruch war die Reise zu der Heilerin.“ Nun, da Piett bekannt hatte, daß er sich freute und keine Kritik übte oder – noch schlimmer – ihn für völlig verrückt erklärte, schien er sich beinahe zu freuen, darüber zu sprechen.

Firmus nickte langsam. Dann, nachdenklich, fragte er: „Woher hattest du all dieses Wissen?“

Veers lächelte verschmitzt. „Oh, hierher und daher… es ist erstaunlich, was man für Geld alles kaufen kann.“

  „Das wird ihm nicht gefallen.“ meinte der Admiral besorgt.

Veers grinste böse. „Doch. Die gefährlichsten Lieferanten habe ich… stummgestellt.“

  „Viele?“

  „Nein, die meisten waren harmlos. Aber zum Beispiel die, von denen ich die Informationen über seinen Anzug bekommen habe… oder die, die zuviel über seine Vergangenheit wußten.“

  „Also GAB es eine Vergangenheit. Ich wußte es… wer war er?“

  „Man nannte mich einst den „Helden ohne Furcht“.“ sagte eine tiefe Stimme hinter ihm, und Piett sprang beinahe aus seiner Haut. Vader! - heute allerdings nicht in Rüstung und Maske, sondern in der anonymen Uniform eines imperialen Captains. Die Tür hatte sich geöffnet, ohne daß die beiden es bemerkt hatten. „Als junger Mann mit hochfliegenden Idealen und großen Ambitionen hat mich das damals schon ein wenig beeindruckt.“ Seine Stimme war überraschend ruhig, als er Piett mit einem leichten Lächeln zunickte. „Heute ist es kein Titel mehr, auf den ich… stolz…“

Ohne Vorankündigung stockte er, schrie leise auf und ging krachend zu Boden.

  „DAVA!“ Max fiel fast vom Bett, als er sich zur Seite warf, um nach ihm zu sehen, und Piett ging schnell neben dem dunklen Lord in die Knie, drehte ihn vorsichtig auf den Rücken. „Dava – was ist passiert?“

  „Jetzt werd nicht hysterisch!“ knurrte Piett harsch, die Hände unschlüssig über Vaders Hals schwebend. Schließlich überwand er sich und tastete nach dem Puls. Schneller als gewöhnlich, und ein wenig unregelmäßig. Sein Gesicht war schmerzverzerrt. Was auch immer ihn so rasend schnell gefällt hatte, es mußte verdammt weh getan haben.

  „Ich bin nicht hysterisch! Und er wird dich umbringen, weil du ihn ohne Helm - “ Max robbte näher an den Bettrand heran und fluchte wild, als seine Beine ihm nicht gehorchten.

Vader stöhnte leicht und bewegte sich unruhig, schien aber noch bewußtlos.

  „Ich HABE ihn schon gesehen. Ich habe ihm sogar beim Abendessen Gesellschaft geleistet. Sollen wir einen Arzt rufen? Den 2-1B besser nicht… Corva?“

  „Ich bin nicht hysterisch!“ brüllte Veers. „Ich bin bloß an dieses bescheuerte Bett gefesselt!“

  „Du BIST hysterisch.“ grollte Vader, öffnete die Augen und setzte sich langsam auf. „Firmus, schlagen Sie ihn nieder, wenn er sich nicht beruhigt. Ich bin derzeit leider etwas… derangiert.“ Er rieb sich stöhnend über das Gesicht.

Piett stand auf und streckte die Hand aus. Vader ergriff sie nach einigem Zögern und ließ sich hochziehen; Firmus verkniff sich ein Ächzen. Er hatte nicht gewußt, daß Vader SO schwer war.

Der dunkle Lord setzte sich auf Veers’ Bett, wohl, um ihn ein wenig zu beruhigen, und der Insasse stemmte sich eilig etwas zur Seite, um Platz zu schaffen. Vaders Gesicht war blaß und schweißnaß.

  „Was ist passiert?“ wollte Veers beunruhigt wissen. Der dunkle Lord schloß die Augen, lehnte sich am Kopfende des Betts an.

  „Luke. Auf Dagobah.“

  „Ist ihm etwas passiert?“ fragte Max erschrocken. Piett schenkte aus einer Karaffe wortlos ein Glas Wasser ein und reichte es Vader, der es dankbar entgegennahm und trank.

  „Nein. Ich wurde gerade ohne Vorankündigung in eine Vision geworfen, die gleichzeitig überraschend und… äußerst schmerzhaft war. Dieser gemeingefährliche Gnom von Jedimeister hat ihn in eine Höhle geschickt, in der die dunkle Seite sehr stark ist… ich wußte gar nicht, daß es dort einen solchen Ort gibt. Und dort begegnete ihm… ein Zerrbild von mir. Das ihn angriff… um ihn zu töten.“ Vader schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht, ob Yoda dieses Bild projizierte oder ob es aus Luke selbst kam. Er kämpfte mit meinem Imago… und trennte ihm den Kopf ab.“

  „Und das hast du gespürt?“

Vader nickte schaudernd. „Laß es mich so ausdrücken: ich weiß jetzt, wie es sich anfühlt, geköpft zu werden. Ich habe es live miterlebt… und den Schmerz voll auskosten dürfen. Und Luke… er war in dem Bild gefangen. Für ihn war es ebenso real… so lange, bis der Helm aufplatzte… und er seinen eigenen Kopf darin sah.“

Piett erschauerte bei dieser Vorstellung, und Max wurde blaß.

  „Was bedeutet das?“

  „Ich habe keine Ahnung.“ flüsterte Vader. „Aber auf jeden Fall Schwierigkeiten.“

 

Später, auf der Brücke, beobachtete Piett ein wenig angewidert, wie Vader sich mit einigen zwielichtigen Figuren unterhielt, die auf seinen Befehl hin an Bord gekommen waren. Er kannte einige davon von früheren Aufträgen, die das Imperium ihnen erteilt hatte: Bossk, ein Alien, Zuckuss und Dengar, narbenbedeckte, grimmig blickende Menschen, IG-88, ein Droide, und der gefährlichste von allen, Boba Fett, ein Mensch in einer verschrammten mandalorianischen Rüstung. Er trug einen Helm, und es ging das Gerücht, niemand hätte je sein Gesicht gesehen… zumindest hatte es keiner überlebt.

  „Kopfgeldjäger.“ murmelte er. „Diesen Abschaum brauchen wir nicht.“

Ein Techniker neben ihm hielt es für eine gute Idee, ihm zuzustimmen. „Ja, Sir.“

Piett starrte ihn ein wenig indigniert an. „Diese Rebellen werden uns nicht entkommen.“

Ein zweiter Techniker näherte sich. „Sir, wir haben ein Prioritätssignal vom Sternzerstörer AVENGER erhalten.“

  „Gut.“ Er wandte sich dem Mann zu und studierte die Nachricht. Dann näherte er sich Vader und hörte dessen letzte Worte.

  „…wer den Millenium Falken findet, wird eine beträchtliche Belohnung erhalten. Jedwede hierfür erforderliche Maßnahme soll mir recht sein. Nur: ich will die Besatzung lebend haben. Das Schiff darf nicht vernichtet werden.“

Der einzige, der hierauf antwortete, war Boba Fett: „Wie Ihr wünscht.“

Vader wandte sich wortlos ab, und Piett trat an ihn heran. „Lord Vader! Mein Lord, wir haben sie!“

 

Der dunkle Lord, der sich bereits früh abgewöhnt hatte, an Wunder zu glauben, hatte entschieden, in seiner Kammer zu warten, ob die Jagd tatsächlich erfolgreich sein würde. Er hatte bereits Erfahrung mit Solos Fliegerkünsten und Einfallsreichtum gemacht und war auf alles gefaßt.

Die Augen schließend, glitt er in eine Meditation.

Wieder wurde er abrupt ins Geschehen nach Dagobah gerissen, als Luke einem Schreck und Schmerz unterworfen war. Sein Sohn rollte sich krümmend über den Boden, und vor ihm rappelte sich eben mühsam Yoda aus dem Dreck auf. Vader grinste ein wenig schadenfroh. Ah… die alte Übung von Handstand und Balance? Vermutlich verbunden mit der zusätzlichen Schwierigkeitsstufe, etwas schweben zu lassen? Er hatte es gehaßt damals… vor allem die Tatsache, den kleinen grünen Gnom auf seinem Fuß balancieren zu müssen. Als er ein paarmal ‚umgefallen’ war, verzichtete Yoda auf seinen luftigen Sitz. Und erstaunlicherweise klappte es danach hervorragend.

Aber was hatte Luke dazu gebracht, umzukippen? Vader lauschte und hörte R2 aufgeregt piepen und schrillen.

  „Oh nein, das Schiff.“ stöhnte Luke. „Wir werden es niemals da rauskriegen.“

Schiff? Er folgte Lukes Blick und sah den X-Flügler, der soeben blubbernd im Sumpf versank. Hm… unschön.

  „So überzeugt bist du davon?“ Yoda schüttelte mißbilligend den Kopf und senkte ihn dann. „Aaach, unmöglich ist immer alles für dich. Meine Worte, hörst du sie nicht?“

  „Meister, Steine in Bewegung zu setzen, ist eins. Aber das hier, das ist etwas völlig anderes.“

  „Nein!“ brauste Yoda auf. „Nichts anderes! In deiner Vorstellung nur. Vergessen mußt du das, was früher du gelernt.“

Was für ein Komiker… dachte Vader. Früher hat er gelernt, daß man für so was einen Kran braucht. Natürlich glaubt er nicht, daß es möglich ist. Und er wird doch sicher nicht von einem Anfänger verlangen, daß –

  „Also gut.“ seufzte Luke. „Ich werd’s versuchen.“

  „Nein! Nicht versuchen! Tue es. Oder tue es nicht. Es gibt kein Versuchen.“

Vader stöhnte. Was sollte der Blödsinn? Niemand, selbst jemand mit Lukes Begabung, brachte so etwas beim ersten Mal hin. Was war denn das für eine Lehrmethode?

Luke schloß die Augen und konzentrierte sich. Er hob den Arm, streckte ihn zum Schiff. Langsam begann ein Flügel des Jägers, sich aus dem Wasser zu heben.

Holla… erstaunlich! Stolz durchpulste den Beobachter, als das Schiff langsam zu steigen begann, doch dann ließ Lukes Konzentration nach, ging seine Verbindung zur Macht verloren. Vader war nicht überrascht und nahm es Luke auch nicht übel, als das Schiff wieder komplett versank.

Luke ließ sich keuchend auf den Boden sinken. „Ich schaff es nicht. Es ist einfach zu groß.“

  „Größe bedeutet nichts. Sieh mich an! Nach meiner Größe beurteilst du mich, tust du das?“

Vader mußte ihm wohl oder übel recht geben und grinste in der Erinnerung. Er hatte es selbst nicht geglaubt, aber Yoda konnte unglaublich fix und behende sein… daß hatte schon so mancher schmerzhaft erfahren müssen, der ihn im Lichtschwertduell unterschätzt hatte. Count Dooku, zum Beispiel, mehr als dreimal so groß wie der Jedimeister, hatte Mühe gehabt, diesem grünen Wirbelwind zu widerstehen.

Luke schüttelte zwar den Kopf, aber er sah dennoch ein wenig zweifelnd aus, was Yoda nicht entging. „Aber das solltest du nicht. Denn die Macht ist mein Verbündeter. Und ein mächtiger Verbündeter ist sie. Das Leben erschafft sie, bringt sie zur Entfaltung. Ihre Energie umgibt uns, verbindet uns mit allem. Erleuchtete Wesen sind wir“, er kniff in Lukes Schulter, „nicht diese plumpe Materie.“ Er deutete um sich. „Du mußt sie fühlen, die Macht, die uns umgibt. Hier, zwischen dir… mir… dem Baum… dem Felsen dort. Allgegenwärtig. Ja, selbst zwischen dem Sumpf und dem Schiff.“

Vader seufzte. Was Yoda da von sich gab, stimmte zwar… aber es war mal wieder nur die Jedi-Seite der Medaille.

Luke erhob sich, nahm seine Jacke von einem Ast und wandte sich ab. „Du willst das Unmögliche.“ sagte er bitter.

Wortlos wandte Yoda sich dem Sumpf zu, schloß seinerseits die Augen und streckte die Hand aus. Das Wasser begann zu brodeln und zu schäumen, der Jäger hob sich langsam komplett heraus, mit einigen Pflanzen bedeckt, und schwebte langsam und tropfend ans Ufer, wo er, von Yodas Macht gesteuert, niedersank.

Angeber! dachte Vader ein wenig angewidert. Natürlich kannst du es. Und natürlich holst du ihn ihm wieder raus. Aber mußt du es unbedingt so machen, daß er sich jetzt wie der größte Versager der Galaxis vorkommt?

Von R2s neuerlichem aufgeregten Schrillen alarmiert, drehte Luke sich der Szene wieder zu und verfolgte das Geschehen sprachlos. Er ging auf den Jäger zu, umrundete ihn und starrte schließlich seinen Lehrer an. „Also das… das glaub ich einfach nicht.“

  „Darum…“, sagte Yoda langsam, „darum versagst du.“

 

 

16

 Vader stand vor einem imperialen Captain namens Lorth Needa, Kommandeur der AVENGER. Wie erwartet, hatte das Schiff die Beute – den Millenium Falken – verloren. Needa war gekommen, sich zu entschuldigen… aber der dunkle Lord war nicht in der Stimmung, diesen Fehler zu vergeben. Nicht nach den ausdrücklichen Befehlen, die er gegeben hatte.

Der Mann hatte längst seine Hand an der Kehle, versuchte, die unsichtbare Klaue, die langsam zudrückte, zu öffnen. Umsonst, wie immer. Der Machtgriff war Vaders Spezialität – und mittlerweile beherrschte er ihn sogar ohne die dazugehörige Geste.

Langsam ging der Captain zu Boden, sah Vader um Gnade flehend an, rang nach Atem, doch umsonst. Schließlich sank die Hand schlaff zu Boden.

  „Ich nehme Ihre Entschuldigung zur Kenntnis, Captain Needa.“ sagte Vader mit einem beinahe amüsierten Unterton. Sein langer Mantel streifte über den Leichnam, als er sich abwandte und zu Piett trat, der einige Schritte entfernt bei zwei Technikern und ihren Sensoren stand.

  „Lord Vader, unsere Schiffe haben die Abtastung des Gebiets beendet und nichts gefunden. Falls der Millenium Falke zur Lichtgeschwindigkeit übergegangen ist, könnte er mittlerweile schon am anderen Ende der Galaxis sein.“

Nein… das war unwahrscheinlich, entschied Vader. Es sei denn, es war Solo gelungen, den augenscheinlich defekten Antrieb zu reparieren…

  „Versetzen Sie alle Einheiten in Alarmbereitschaft. Berechnen Sie gemäß ihrer letzten uns bekannten Flugbahn jeden in Frage kommenden Zielort.“ befahl er deshalb.

  „Ja, mein Lord.“ sagte Piett fest. „Wir werden sie finden.“

Mehr fürs Protokoll und die sie umgebenden Zuhörer, aber nicht ganz ohne Ernst, sah Vader ihn an. „Keine… weiteren… Fehler.“ Pause. „Admiral.“ Die Betonung war so gewählt, daß sie verschiedene Drohungen vermittelte. Zum einen gemahnte sie an Needas Schicksal… zum anderen, durch den abgesetzt betonten Titel, sagte sie: Paß gut auf, Junge. Ich habe dich zum Admiral gemacht – aber den kann ich dir auch ganz schnell wieder wegnehmen. Piett verstand sehr gut… und er war klug genug, sich nicht auf den jüngsten Lorbeeren und dem Wissen, daß Vader ihn mochte, auszuruhen. Vaders Geduld war nicht gerade sprichwörtlich…

Er wandte sich zu seinen Offizieren um, ein wenig blasser nun. „Alle Einheiten in Alarmbereitschaft! Ausschwärmen!“

 

Als Boba Fett die AVENGER erreichte, hätte er beinahe gelacht. Kein Wunder, daß Vader – einer der besten Taktiker und Jäger des Imperiums – die Kopfgeldjäger nicht wieder nach Hause geschickt hatte, als die Meldung über den Zugriff kam. Fett hatte gewartet, während die anderen schon hinausgestürmt waren, ziellos und gierig, bevor Vader es sich anders überlegen konnte. Er, Fett, haßte Verschwendung jeglicher Art. Er war geblieben und hatte Vaders Entscheidung abgewartet, sich dann die Koordinaten der AVENGER geben lassen und einen Kontakt an Bord. Nicht umsonst…

Sein Schiff, die SKLAVE 1, trieb gerade noch in Sensorenreichweite vor dem Zerstörer. Er zweifelte bei dem Anblick nicht daran, welches Schicksal der Captain des Schiffes erlitten hatte – und er hatte es wahrlich verdient für so viel Dummheit. Das ganze Schiff gehörte bestraft.

Auf dem Brückenaufbau, dem ‚Kopf’ des Zerstörers, klebte der Falke wie ein Mynock. Hatte denn niemand an Bord soviel Verstand, das im wahrsten Sinn naheliegendste zu prüfen? Nun, gut für ihn…

Der Falke schien tot, hatte offensichtlich alles abgeschaltet, auch die Sensoren, um sich nicht durch Signale zu verraten. Solo schien zu warten… worauf? Er würde ja sicher nicht ewig da hängenbleiben wollen… Die AVENGER würde bald neue Befehle erhalten und verschwinden. Vor dem Eintritt in den Hyperraum pflegte die imperiale Flotte den Müll zu verklappen – was bedeutete, daß einige Brocken auch sehr großen Materials zurückbleiben würden. Konnte Solo dies wissen? Seinen Unterlagen zufolge war er einmal bei der Navy gewesen – also ja.

Gut. Dann wußte er, was er zu tun hatte. Fett öffnete einen Kanal und ließ sich mit seinem Kontakt auf der AVENGER verbinden.

 

Luke Skywalker stand wieder einmal Kopf. Doch diesmal, ohne jemanden auf seinen Füßen zu balancieren. Statt dessen ließ er Dinge schweben – Steine, Ausrüstungsgegenstände, schließlich sogar R2, der nervös seinen Kuppelkopf drehte und pfiff, als er angehoben wurde. Seine Schubdüsen waren schon vor langer Zeit kaputtgegangen und nie repariert worden – er fühlte sich hilflos.

Yoda stand vor dem Jedianwärter, kommentierte und gab Ratschläge.

  „Konzentriere dich… fühle, wie die Macht fließt. Ruhig, ja. Durch die Macht Dinge wirst du sehen, fremde Orte. Die Zukunft… die Vergangenheit. Alte Freunde, längst entschwunden.“

Als hätte er damit einen Hebel umgelegt, wurde Luke von einer Vision überfallen. Er verlor die Konzentration, geriet ins Schwanken.

  „Han? Leia!“

Die schwebenden Dinge – einschließlich des armen Astromech – verloren ebenfalls den Halt und stürzten unsanft zu Boden, während Luke sich abrollte.

Yoda schüttelte mißbilligend den Kopf. „Hm. Beherrschung, Beherrschung! Lernen mußt du, Beherrschung zu üben!“

Luke hob den Kopf, setzte sich dann auf. „Ich sah… ich sah eine Stadt in den Wolken.“ sagte er mit vor Entsetzen großen Augen.

  „Mmmm. Freunde hast du dort.“

  „Sie haben gelitten!“

  „Es ist die Zukunft, die du siehst.“ kommentierte der Jedimeister, als könne seinen Schüler das beruhigen.

  „Die Zukunft? Sterben sie, Yoda?“

Yoda schloß die Augen, senkte den Kopf, versuchte, das Bild zu erfassen. „Schwer zu sehen. In ständiger Bewegung ist die Zukunft.“

  „Ich muß zu ihnen, Yoda!“ sagte Luke fest.

  „Entscheiden mußt du, wie du ihnen am besten dienen kannst. Helfen könntest du ihnen, brichst du jetzt auf. Aber alles zerstören würdest du, wofür sie gekämpft haben und gelitten.“ Yoda wandte sich ab, ließ seinen Schüler mit seiner Entscheidung allein.

Luke sank in sich zusammen. Was sollte er tun? Die Vision war so deutlich gewesen, so real… die Gefahr WAR da, sie war nah und groß. Warum sollte er nicht gehen? Was, fürchtete Yoda, könnte ihm passieren?

Natürlich. Vader. Die Erkenntnis kam ebenso schlicht wie schnell. Vader war von Anfang an hinter Leia hergewesen, er mußte sie weiter jagen – seine Spione hatten ihm sicher berichtet, daß sie in der Hierarchie der Allianz ganz oben stand, und er hatte noch eine persönliche Rechnung mit ihr offen.

Weder Leia noch Han konnten sich Vader stellen… aber konnte er es? War er schon soweit? Er hatte viel gelernt hier auf Dagobah, und Yoda hatte selbst gesagt, er würde seinen Freunden helfen können. Aber…

Vader. Die Begegnung in der Höhle hatte ihn verunsichert. Vader war auf ihn losgegangen, ohne zu zögern, und mit der eindeutigen Absicht, ihn zu töten, ohne Gnade. So wie er schon so viele andere getötet hatte… Ben. Biggs. Die Vernichtung Alderaans. Und der Bericht über die Auslöschung von 200.000 Falleen… und mehr. Viel mehr. Wenn er ihn tötete, würde er der Galaxis damit vermutlich einen großen Dienst erweisen… in der Höhle hatte er es geschafft. Aber dann… als der Helm aufplatzte und er sein eigenes Gesicht darin sah… Ihm war bewußt geworden, daß er selbst der Mörder von Tausenden, Hunderttausenden oder noch mehr war, als er den Todesstern zerstörte. Yoda hatte ihn davor gewarnt, die dunkle Seite zu beschreiten. War es Mord, wenn er Vader tötete – und damit die dunkle Seite? Oder war es ein Akt der Gerechtigkeit – und damit des Lichts? Er wußte es nicht.

Han… Leia… sie litten. Er konnte ihnen helfen, er fühlte es. Was sollte er nur tun?

 

Ein Rumpeln zeigte an, daß es soweit war: die AVENGER schleuste ihren Müll aus.

Fett wartete noch und beobachtete durch das Cockpitfenster aus Transparistahl, wie große Brocken an ihm vorbei und davontrieben. Erst, als er in einem der Brocken den Falken erkannte, löste auch er seine Landeklampen, die sein Schiff an die andere Seite des Brückenaufbaus geheftet hatten, und trieb in den letzten Stücken des Mülls mit.

Er hatte es sich zunutze gemacht, daß der Falke seine Sensoren deaktiviert hatte, und sich aus einem weiten Radius von der anderen Seite genähert. Der neue Captain der AVENGER war nicht begeistert gewesen, als Fett ihm seinen Plan erklärte, hatte aus Angst vor Vaders Zorn jedoch zugestimmt.

In einem Aufblitzen von Licht verschwand der Sternzerstörer im Hyperraum, und sofort zündete Solo seine Triebwerke und zog davon. Fett folgte in ausreichendem Abstand und berechnete den Kurs, nachdem dieser festzustehen stand.

 

  „Lord Vader, eine Nachricht von Boba Fett.“ meldete eine Ordonnanz mit erstaunlich sicherem Ton. Offensichtlich ein Beförderungskandidat.

  „Stellen Sie ihn durch.“ Der dunkle Lord drehte den Sessel in seiner Meditationskugel und wandte sich dem großen Bildschirm zu, auf dem soeben die Büste des Kopfgeldjägers erschien. Vader lächelte leicht – Fett und ihn verband tiefer, beiderseitiger Respekt wie eine Art sonderbarer Freundschaft. Sie hatten zusammen bereits einiges erlebt, und keiner machte mehr den Fehler, den anderen zu unterschätzen. Außerdem würde Vader es niemals vergessen, daß Fett einmal sein Leben in der Hand gehabt – und ihn verschont hatte. Damals, während der Icarii-Krise… sie hatten am Rand einer Klippe um das Ziel der Mission gekämpft, den lebenden Kopf der Icarii-Hohepriesterin. Unter ihnen brodelnde Lava, Mustafar nicht unähnlich. Fett war ihm letztlich unterlegen – nachdem er allerdings Vader durch einen mutigen und erstaunlichen Zug beinahe besiegt hatte – und überraschte ihn damit, daß er die Schatulle mit dem Kopf in die Lava stieß. Vader riskierte alles, um die Schatulle zu retten, und setzte damit sein Leben aufs Spiel – doch Fett unternahm nichts, floh nur. Vader belohnte diese Geste in der Zukunft mit vielerlei Aufträgen und der Dankbarkeit des Imperiums, auch wenn er, um den Schein zu wahren und die Gildengesetze einzuhalten, meist mehrere Kopfgeldjäger beauftragen mußte. Was nichts an den Ergebnissen änderte. Fett war der Beste… der wahre Sohn seines Vaters Jango, der nicht umsonst Urvater der ersten Klone gewesen war.

Den Kopf der Seherin hatte Vader dennoch verloren – oder, besser: sie selbst getötet, bevor sie Palpatine in die Hände fallen konnte, was seinen eigenen Tod bedeutet hätte.

  „Der Falke ist auf dem Weg nach Bespin.“ sagte Fett ohne Einleitung und ohne Gruß. Er war einer der wenigen, die sich das erlauben konnten, ohne Vaders tödlichen Groll hervorzurufen.

  „Eine Tibanna-Gasmine? Was will er dort?“ Eine rein rhetorische Frage, doch Fett hatte überraschenderweise eine Antwort für ihn.

  „Mit einem defekten Hyperantrieb mitten im Anoatsystem hat er keine große Auswahl. Zudem ist als Betreiber der Gasmine in meinen Unterlagen ein gewisser Lando Calrissian verzeichnet… und ein Querverweis listet ihn außerdem als Vorbesitzer des MILLENIUM FALKEN.“

Vader holte tief Luft. Wie interessant. „Ich verstehe. Was gibt es sonst noch über Calrissian?“

  „Spieler. Schmuggler. Bespin ist eine Schildfirma, die diverse kleine bis mittlere illegale Geschäfte deckt. Zudem bietet er bereitwillig Unterschlupf für Freunde, die anderen Gaunern oder dem Imperium aus dem Weg gehen wollen.“ Eine kleine Pause. „Und es gab wohl in der Vergangenheit ernstere Differenzen mit Solo.“

Vader fühlte ein siegessicheres Grinsen auf sein Gesicht treten, aber seine Stimme blieb emotionslos. „Klingt, als ließe sich da eine Vereinbarung treffen. Ich nehme Kurs auf Bespin. Schließen Sie sich über dem Planeten meinem Konvoi an. Wenn er auf Unterlicht fliegen muß, haben wir mehr als genug Zeit, um mit Calrissian zu reden.“

 

 

17

 Calrissian wand sich sichtlich, und Vader beobachtete sein wechselndes Mienenspiel mit Amüsement.

Der dunkelhäutige Betreiber der Gasmine hatte die imperiale Delegation höflich empfangen, was für seine Vernunft sprach, aber seine Gedanken schrieen dem dunklen Lord regelrecht entgegen, was er tatsächlich vom Imperium hielt – nichts Neues für Vader. Manchmal war es regelrecht lästig, Gefühls- und Gedankenempath zu sein. Meist ließ er das an sich vorbeifließen – heute jedoch lauschte er aufmerksam.

Was genau Solo und Calrissian entzweit hatte, wurde nicht offenbar, doch scheinbar war Calrissians Groll groß genug, um das Angebot Vaders – daß das Imperium in Zukunft Bespin großzügig ‚übersehen’ würde – für die bessere Alternative zu halten. Was wiederum nicht für seine Klugheit sprach, denn er glaubte es tatsächlich. Vader schnaubte.

Boba Fett stand während der Verhandlungen hinter ihm, schweigend und von Calrissian immer wieder mit finsteren Blicken bedacht. Interessant. Offensichtlich spielten Calrissians dunkle Geschäfte und Kopfgeldjäger in dessen Augen nicht in derselben Liga.

Sobald man sich geeinigt hatte, wurden Vader, Fett und ein Leutnant namens Sheckil - seine heutige Ordonnanz - zu einem luxuriösen Gästequartier geführt, wo sie auf den Falken warten wollten. Imperiale Truppen verteilten sich – sehr zu Calrissians Mißfallen – überall in der Wolkenstadt, und die Shuttles wurden in Hangars verborgen.

Nun hieß es warten. Und niemand außer Vader ahnte, daß der Falke nicht sein eigentliches Ziel war…

 

Während Sheckil dienstbeflissen und übereifrig Kontakt zu den verteilten Truppen hielt und Fett wie eine Statue an einer strategisch günstigen Stelle des Raumes stand, strich Vader zunächst unruhig durch den Raum. Solo und die Prinzessin waren ihm herzlich egal. Er wollte Luke… und er konnte fühlen, daß der Junge unterwegs war. Gut… Sehr gut.

Er nahm ein Datenpad zur Hand und rief eine Datei auf, die ihn kurz vor seinem Abflug erreicht hatte – Jix’ versprochenes Portfolio.

Schon bei den ersten Zeilen stutzte er. Das Datum… Luke war am gleichen Tag geboren, an dem er selbst gestorben war… und endgültig zu Darth Vader wurde – aber einige Stunden später. Also hatte er Padmé doch nicht getötet – sein Alptraum war wahr geworden: sie war bei der Geburt des Kindes gestorben. Eine weitere Lüge Palpatines.

Ort der Geburt: Polis Massa. Eine Asteroidenkolonie… Obi-Wan mußte sie dorthin gebracht haben. Vermutlich hatte ausgerechnet sein eigener  Angriff auf sie – oder die Aufregung und Angst – die Wehen ausgelöst. Oh Padmé… was habe ich dir nur angetan? Ich wollte dich beschützen, dich retten – nicht die Ursache deines Todes sein…

Vader zwang seine Trauer hinunter und wandte sich wieder dem Datenpad zu.

Luke war auf Tatooine aufgewachsen. Hüter: Owen und Beru Lars, sonst kinderlos, Feuchtfarmer, nahe Anchorhead. Hingerichtet vom Imperium wegen des Erwerbs und Besitzes gestohlenen imperialen Besitzes. Wie? Das Datum… ah, das mußten die Droiden gewesen sein, in denen Leia die Pläne des Todessterns verborgen hatte. R2-D2, offensichtlich.

Eltern: Mutter bei der Geburt gestorben, Vater vermißt, vermutlich tot. Kein Vorname angegeben, nur der Nachname und ein Beruf: Navigator auf einem Gewürzfrachter. Vader war entsetzt. DAS also hatte Owen seinem Sohn erzählt? Eine Halbwahrheit mit einer wahrlich beleidigenden Komponente? Ein Pilot, ja – aber auf einem Frachter, der eine halblegale DROGE transportierte? Er knurrte gereizt. Lars hatte Glück, daß er tot war. Weiter.

Freunde: Biggs Darklighter – ein Nachbarssohn, ging irgendwann zur imperialen Akademie - Camie, Fixer und Wormy. Vader schüttelte den Kopf. Was waren das für Namen? Wer sich so nannte, konnte nicht sonderlich helle sein. Armer Luke.

Obi-Wan wurde nicht erwähnt. Sonderbar… hatte er sich also tatsächlich im Verborgenen gehalten? Ganz offensichtlich… und sträflich. Aus der Ferne zuzusehen, wie ein Jedi untrainiert heranwuchs. Ein echtes Verbrechen.

Luke schien ein braver junger Mann gewesen zu sein… Unauffällig, offensichtlich. Bis auf einige Einträge über Verwarnungen für illegale Rennen im Beggars Canyon mit einem T16-Skyhopper. Das trieb ein Grinsen auf sein Gesicht. Offensichtlich hatte sich also seine Begeisterung für schnelle Gefährte und Rennen weitervererbt, ebenso wie sein Talent… sehr gut!

Es folgte der Kontakt mit Kenobi und Solo, die Flucht von Tatooine und die Episode auf dem ersten Todesstern bis hin zu seiner Zerstörung. Dann der Beitritt in die Rebellenallianz, die Ernennung in den Rang eines Commanders. Er schien beliebt bei seinen Leuten, mehrfach wurden seine ruhige, ausgeglichene Art, sein Mut und sein Humor und Mitgefühl erwähnt. Außerdem seine große Begabung als Pilot, der alles fliegen konnte, was ihm unter den Hintern kam. Diverse kleinere Einsätze abgeschlossen, lobende Erwähnungen, bla, bla, bla… Er überflog den Rest gelangweilt. Nichts von Bedeutung. Nichts, was ihm nutzen konnte.

Er seufzte, entnahm den Datenkristall und steckte ihn weg, bevor er aus Vorsicht das Datenpad zerstörte. Dann wandte er sich dem Fenster zu und sah hinaus auf die Wolken über Bespin, wurde jedoch von Sheckils Meldung gestört.

  „Der Millenium Falke ist auf Plattform drei-zwei-sieben gelandet, Lord Vader.“ Der dunkle Lord drehte sich um; Sheckil lauschte seinem Kommunikator und berichtete weiter: „An Bord waren Prinzessin Leia, Captain Solo und sein Copilot. Außerdem ein Droide. Baron Administrator Calrissian bringt sie soeben in die Stadt.“

Als Vader nicht reagierte, fuhr er fort: „Es war Glück, daß der Hyperantrieb des Millenium Falken beschädigt war, sonst hätten wir das Bespin-System nicht rechtzeitig vor den Rebellen erreicht!“

  „Unsere Reise nach Bespin hatte nichts mit Glück zu tun, Leutnant Sheckil.“ grollte Vader, erzürnt über den Einwurf. „Ermahnen Sie Ihre Leute nochmals, außer Sicht zu bleiben. Der Zugriff wird erst auf mein Kommando erfolgen.“

  „Ja, Sir.“ Sheckil schluckte, dann wurden seine Augen weit, als er eine neue Meldung bekam. „Was? Diese Schwachköpfe!“ Vader machte keinen allzu geduldigen Eindruck, deshalb beeilte er sich, zu erklären. „Es ist der Droide, Sir. Er… er fiel hinter die Gruppe zurück und entdeckte das Versteck der Gamma Squad. Sie… sprengten ihn. Glücklicherweise haben die Prinzessin und die anderen die Schüsse nicht gehört.“

Vader hatte sich dem Offizier mittlerweile so weit genähert, daß er düster über ihm aufragte und der drohend erhobene Zeigefinger dicht vor seiner Nase hing. „Dann sind Sie der einzig ‚Glückliche’. Enttäuschen Sie mich nicht noch einmal. Lassen Sie die Überreste des Droiden sofort herbringen. Sein Gedächtnisspeicher könnte wertvolle Informationen enthalten.“

Der längst erbleichte Sheckil ergriff die Flucht und gab hastige Anweisungen über sein Comlink, während Vader zum Fenster zurückging und hinausstarrte. Was für ein Idiot… Er würde ihn austauschen lassen.

Boba Fett beobachtete ihn, wurde ihm bewußt, und so kehrte er ins hier und jetzt zurück.

  „Es scheint, Euer Auftrag wurde mehr als gut erfüllt, Kopfgeldjäger. Durch das Benutzen von Captain Solo als Lockvogel für Skywalker könnt Ihr zwei Belohnungen statt einer kassieren.“

Fett ging nicht darauf ein. Er ließ sich gut und teuer bezahlen, aber er war nicht geldgierig. Er war gut – und wußte es.

  „Skywalker würde schneller herkommen, wenn wir das Gerücht verbreiten würden, daß seine Verbündeten in Gefahr sind.“ schlug er stattdessen vor.

  „Das wird nicht nötig sein.“ sagte Vader ruhig. „Er weiß es bereits.“

Das Geräusch der sich öffnenden Tür veranlaßte ihn, sich umzudrehen. Sheckil trat ein, den Kopf eines Protokolldroiden in den Händen. Ihm folgten zwei Sturmtruppler, die eine Kiste mit dem Rest der Teile des Körpers schleppten.

  „Lord Vader…?“ begann Sheckil unsicher und trat auf ihn zu, den Kopf wie eine Opfergabe dem dunklen Lord entgegenstreckend. „Ich fürchte, der Schaden ist erheblich. Wie Sie sehen können, handelt es sich um einen Protokolldroiden. Vermutlich im Besitz der Prinzessin.“

Vader sah wie erstarrt auf das goldene, tote Gesicht und nahm den Kopf betäubt entgegen. 3PO… Er wandte sich um, konnte den Blick nicht abwenden. Eine Erinnerung stieg in ihm auf…

Ein heißer, staubiger Nachmittag auf Tatooine, den er – wie die meisten, heißen, staubigen Nachmittage in Wattos Diensten - im weitläufigen Hof des Teilehandels verbrachte, auf der Suche nach Dingen, die er reparieren konnte, um sie im Laden zu verkaufen. An diesem Tag jedoch war er auf Kopf und kompletten Körper eines Protokolldroiden gestoßen – vollständig, jedoch ohne Ummantelung. Und uralt. Sein Freund Kitster, der bei ihm gewesen war, half ihm, die Teile vor Watto zu verbergen, obwohl er ihn für verrückt erklärte. Einen Droiden bauen! Und selbst, wenn es ihm gelänge – was würde er mit einem PROTOKOLLDROIDEN wollen?

Aber er hatte bereits Pläne: er sollte seiner Mutter helfen, sie im Haushalt entlasten. Besorgungen machen, schwere Sachen heben… und ihm ein Freund sein.

Sheckils Frage riß ihn in die Gegenwart zurück. „Sollen unsere Techniker versuchen, das Gedächtnis der Einheit wiederherzustellen, Lord Vader?“

Vader starrte auf den Kopf in seinen Händen, der soeben, in seiner Erinnerung, noch nackt und bloßes Kabelgewirr gewesen war. Das Gedächtnis wiederherstellen? Um der Mächte willen – nein! Es schmerzte ihn, aber er traf eine Entscheidung und zwang seine Stimme zur üblichen Kälte, während er den Raum verließ, um die Rebellen in Empfang zu nehmen.

  „Der Droide ist nutzlos. Sorgen Sie dafür, daß er zerstört wird. Kommt, Kopfgeldjäger. Ich will das Treffen mit Calrissian besprechen.“

 

„…ich habe gerade ein Geschäft abgeschlossen, das mir das Imperium auf ewig vom Leib halten wird.“

Vader erhob sich von seinem Platz am Ende des langen Bankettisches, als die Türen sich öffneten. Calrissian war wirklich naiv… er glaubte es immer noch.

Fett trat hinter seinem Rücken hervor und zeigte sich den Eintretenden. Der Wookie heulte, und Solo – mit den bekannt schnellen Reflexen – zog seinen Blaster und schoß. Unbeeindruckt hob Vader die gepanzerte Hand und ließ die Blitze wirkungslos daran abprallen, dann zog er und hielt kurz darauf Solos Blaster in der Hand.

Die drei Rebellen starrten ihn ungläubig an, und er lächelte, während er die Waffe gelassen auf den Tisch legte. „Es wäre uns eine Ehre, wenn Sie sich zu uns gesellen würden.“

Solo drehte sich zu Calrissian um und funkelte ihn wütend an.

  „Ich hatte keine andere Wahl. Sie kamen kurz vor euch hier an. Es tut mir leid.“ sagte dieser entschuldigend.

  „Ja, mir auch, Lando.“ knurrte Solo bitter und betrat den Raum nun endgültig, während er beschützend nach der Hand der Prinzessin griff.

 

Vader verließ wenig später den Bankettsaal und wandte sich an den Captain der Sturmtruppensquad, die davor auf ihn wartete. „Bringt die Gefangenen zu den Haftzellen.“

  „Ja, Sir.“ bestätigte der Captain, und schon mischte sich wieder der lästige Leutnant ein. Vader seufzte.

  „Lord Vader! Die Durchsuchung des Quartiers Prinzessin Leias hat etwas… Unerwartetes erbracht.“

 

Unglaublich. Er schien wirklich von Idioten umgeben…

Vader stand am Fenster des Gästequartiers, starrte hinaus, bemüht, seinen Zorn zu drosseln. „Ich hatte einen Befehl gegeben, Leutnant.“ grollte er.

  „Ja, Lord Vader.“ antwortete Sheckil überraschend fest. „Aber gemäß der Aussage der Ugnauths brach der Wookie in die Müllhalde ein und wurde zum Berserker, als er die Teile fand. Er brachte sie daraufhin direkt hierher, zu der Prinzessin. Wenn die Rebellion so interessiert daran ist, diese Einheit zu erhalten, mag vielleicht mehr an ihr sein, als das Auge sieht.“

Eine neue Erinnerung überfiel ihn ohne Vorwarnung. 3PO lag halbfertig auf einem Arbeitstisch zuhause, in der kleinen Wohnung, die er mit seiner Mutter teilte. Er erzählte ihr, daß er noch neue Photorezeptoren brauchen würde, und sie war besorgt, Watto könne ihn erwischen… aber er hatte einfach von Anfang an das Gefühl gehabt, daß es richtig war, den Droiden zu bauen. Es fühlte sich richtig an. Es hatte ihn traurig gemacht, ihn so zerstört daliegen zu sehen. Er hatte sich gefragt, warum jemanden einen Protokolldroiden – eine Einheit, die so viele Sprachen beherrschte – so zurücklassen konnte. Er hatte wohl keinen Freund gehabt…  Und seine Mutter hatte gescherzt, daß er vielleicht zuviel gesprochen hätte. Damit hatte sie zwar einen prophetischen Ausspruch getan, aber damals, als Neunjähriger, hatte er die Gefühle des Droiden verteidigt, obwohl seine Mutter meinte, daß Droiden keine Gefühle hätten. In seiner kindlichen Naivität hatte er daraufhin vermutet, daß vielleicht seine Vorbesitzer gemein zu ihm waren, sich nicht um ihn gekümmert hatten… oder er vielleicht zu entkommen versuchte. Und plötzlich fühlte er sich dem Droiden noch näher. Er war wie sie, seine Mutter und er: ein Sklave.

Und dies berührte Shmi. Sie bat ihn, vorsichtig zu sein… wenn er nach Teilen für den Droiden suchte. Daß es ihr nun klar geworden sei, daß es seine Bestimmung war, ihm zu helfen… seine zweite Chance zu sein. Sein Erbauer zu werden. Daß er von nun an für den Droiden verantwortlich war. Daß er nicht verdiente, etwas zu besitzen, solange er sich nicht darum sorgte.

Wieder hielt Vader C-3POs Kopf in den Händen, starrte in die toten Augen. Verantwortlich… sein Erbauer.

  „Soll ich die Techniker anweisen, sein Gedächtnis zu durchsuchen?“ fragte Sheckil hinter ihm unsicher. „Oder wollen Sie, daß die Ugnauths ihn einschmelzen? Sir…?“

Unbewußt hoben die Hände den Kopf höher und näher heran, bis er Stirn an Stirn mit Vaders Helm lehnte. Sie waren sich immer noch ähnlich… nun sogar noch mehr.

Sein Erbauer.

Verantwortung.

Sie waren immer noch beide Sklaven, aber vielleicht – wer wußte es? – konnte er 3PO eine Art von Freiheit schenken. Und das Leben. Er hatte ihn geschaffen, ihn damals vor der Vergessenheit, vor dem Tod bewahrt – er würde ihn jetzt nicht vernichten.

Er legte den Kopf zurück zu den anderen Stücken und glitt mühsamer als sonst in seine Rolle zurück.

  „Die Teile des Droiden sind mit dem Gestank von Solos Copiloten behaftet. Bringen Sie alles in die Zelle des Wookiees.“

Sheckil, der ihn die ganze Zeit verblüfft und auch angstvoll, da er Vaders Verhalten nicht verstand, beobachtet hatte, riß die Augen noch weiter auf. „Ich… verzeihen Sie, Sir. Ich verstehe nicht. Sie wollen, daß der Gefangene den Droiden bekommt?“

  „Ich gebe dem Wookiee, was er verdient.“ grollte Vader drohend.

  „Oh… ja. Natürlich, Lord Vader.“ Sheckil schluckte, ohne etwas zu verstehen.

Vader wandte sich um und rauschte mit wehendem Mantel hinaus. „Captain Solo hat eine Verabredung in der Verhörzelle. Stellen Sie sicher, daß er dorthin gebracht wird.“

  „Ja, Sir.“ sagte der Leutnant leise, froh, nicht in Solos Haut zu stecken…

 

 

18

Die Verhörzelle war ein nicht allzu großer Raum, der im Halbdämmer lag. Vader in seiner schwarzen Rüstung war nur ein Schemen, Solo hingegen, der auf einer aufrecht stehenden Folterbank festgeschnallt war, wurde von Scheinwerfern beleuchtet.

Der dunkle Lord betrachtete den Schmuggler nachdenklich. Er war ihm gleichgültig – aber er schien auf irgendeine Weise mit Luke verbunden zu sein. So sehr, daß sein Sohn sein Leben und seine Freiheit aufs Spiel setzte, um zu versuchen, ihn und Leia zu befreien. Wenn er Luke für sich gewinnen wollte, durfte er Solo nicht töten – aber er konnte ihm einen gehörigen Schrecken einjagen… und vielleicht auch etwas mehr. Calrissian hatte ihm die Station gezeigt, und sie verfügte über eine Kohlenstoffgefrieranlage. Warum nicht zwei Fleek-Aale mit einem Spieß fangen? Solo würde leiden, Luke würde es spüren – und ihn in seine Arme treiben. Keine nette Methode, nein. Aber wie sonst einen Rebellen einfangen? Allein? Ihn ohne Maske zu locken, sich ihm über die Macht als sein Vater vorzustellen, war ihm zuwider. Wie hätte er erklären sollen, wo er all die Jahre gewesen war? Nein… lieber andersherum. Erst der Schock – und dann, vorsichtig, sein Vertrauen gewinnen. Auf Bast Castle hatten sie – hoffentlich – Zeit dafür. Und um Solos Rettung würde er sich dann später kümmern – mit Fett war bereits alles abgesprochen. Er würde zweimal kassieren: einmal bei Solos Übergabe an Jabba und einmal bei der erneuten Übergabe an wahlweise ihn oder die Prinzessin.

Mit einer beiläufigen Handbewegung aktivierte er die Anlage. Solos Pritsche wurde langsam nach vorn gekippt, auf zwei Elektroden zu, die ihre Blitze in das Gesicht des Schmugglers abfeuerten. Schmerzhaft, aber weitgehend harmlos.

Der Mann begann zu stöhnen, dann zu schreien, und wand sich in den Haltegurten. Vader sah einen Moment lang emotionslos zu, dann überließ er den Gefangenen den anwesenden Sturmtrupplern, die ihre Anweisungen hatten. Schmerz war relativ für ihn… seit Mustafar wußte er, was ein Mensch ertragen konnte. Das hier war harmlos… im Vergleich.

Vor der Tür standen Boba Fett und Lando Calrissian. Sie hatten gestritten, das konnte er aus der Miene des Barons ablesen, und zu dessen Wut gesellte sich Besorgnis, als Solos Schreie auch durch die sich nun schließende Tür drangen.

  „Lord Vader.“ begann er, was dieser mit ein wenig Erstaunen zur Kenntnis nahm. In dieser Anrede schwang kein Haß mit, wie er es erwartet hätte, sondern beinahe Respekt. Dennoch ignorierte er ihn und wandte sich an den Kopfgeldjäger.

  „Ihr könnt Han Solo zu Jabba dem Hutten bringen, sowie ich Skywalker habe.“

  „Tot nützt er mir nichts.“ brummte Fett verärgert.

  „Er wird keinen Dauerschaden davontragen.“ versetzte Vader kalt, doch innerlich grinste er. Ein kleines Schauspiel für Calrissian… mit Fett war alles abgesprochen.

  „Lord Vader, was geschieht mit Leia und dem Wookiee?“ platzte Calrissian, der sich nicht länger beherrschen konnte, heraus.

  „Sie dürfen diese Stadt niemals wieder verlassen.“ sagte Vader ruhig. Tatsächlich plante er aber nicht, seine Beute wieder laufenzulassen.

  „Das war nie Bestandteil unserer Abmachung, auch nicht, daß Han dem Kopfgeldjäger übergeben wird!“ beschwerte sich der Dunkelhäutige erregt.

Vader sah ihn einen Moment lang schweigend an. „Sie sind vielleicht der Meinung, daß Sie unfair behandelt werden?“ fragte er dann sanft. Gleichzeitig jedoch fühlte Calrissian eine unsichtbare Hand um seinen Hals, die ebenso sanft zudrückte.

  „Nein.“ sagte er langsam und hob die Hand zum Hals. Er verstand genau… vielleicht war er doch nicht so dumm?

  „Gut. Es wäre bedauerlich, wenn ich Besatzungstruppen zurücklassen müßte.“ Vader ließ sein Lächeln hören und amüsierte sich über das Verstehen, der sich nun langsam in den Augen des Mannes widerspiegelte. Er wandte sich um und betrat einen Aufzug, gefolgt von Fett.

Lando verschwand in die andere Richtung und murmelte mit zunehmender Verzweiflung: „So hab ich mir dieses Geschäft wahrhaftig nicht vorgestellt…“

 

Die Kohlenstoffgefrieranlage hatte etwas von der Hölle… zumindest von einer Hölle, wie sie sich die meisten Menschen wohl vorstellten. Rauch stieg an mehreren Stellen aus dem Boden auf, und die Beleuchtung bestand aus gelben und orangen Leuchtkörpern, die ebenfalls im Boden eingelassen waren. Sichtfenster im Hintergrund ließen nur blaues Licht der Bespin’schen Nacht herein und schufen eine diffuse Dämmerung, die Vader – von unten angestrahlt – wie einen archaischen Dämon erscheinen ließ.

Er stand mit Calrissian auf einer hydraulischen Plattform, in deren Mitte die Öffnung der Gefrieranlage war – dort, wo das Gefriergut eingeschleust wurde.

Der dunkle Lord sah sich nochmals um und nickte zufrieden. „Die Anlage ist zwar nicht die modernste, aber sie dürfte ausreichen, um Luke Skywalker für seine Reise zum Imperator einzufrieren.“

Sein Ruf war der eines Monsters… warum nicht es ausnutzen? Er hatte nicht vor, Luke hier hereinzustecken – er hatte andere Methoden, den Jungen ruhigzustellen. Aber es schadete nicht, ein wenig Schrecken zu verbreiten. Und eine falsche Fährte zu legen… zum Kaiser.

Ein Soldat erschien und machte Meldung. „Lord Vader, Schiff im Anflug, X-Flügel-Klasse.“

  „Gut. Überwachen Sie Skywalkers Flug und geben Sie ihm Landeerlaubnis.“ Er hatte Luke längst gespürt, aber es war gut zu wissen, daß seine Leute auf Posten waren.

Calrissian bewegte sich unruhig neben ihm. „Lord Vader, wir benutzen diese Anlage nur zum Einfrieren von Kohlenstoff. Es könnte ihn umbringen, wenn Sie ihn dort reinwerfen.“

Zeit für eine weitere Zeile Schmierenkomödie. „Ich möchte unseren wichtigsten Fang für den Imperator unversehrt wissen. Wir werden die Anlage testen… an Captain Solo.“

Calrissian riß entsetzt die Augen auf, und Vader lächelte. Brutal genug, ja? Wirklich interessant, was die Leute für eine Meinung von ihm hatten: seelenloses Monster, brutaler Schlächter, gewissenloser Mörder. Er hatte die Anlage geprüft und wußte, daß es funktionieren würde. Für Solo bestand nur eine minimale Gefahr. Und genaugenommen war er im Karbonit vor Jabba wesentlich sicherer als bei einer normalen Übergabe.

Und dennoch… auch ihm wäre es lieber gewesen, Luke auf harmloserem Weg zu begegnen. Aber solang der Krieg herrschte, war das wohl unmöglich…

 

Eine kleine Weile später – während der Vader Lukes Eintreffen deutlich gespürt hatte – erreichten die Gefangenen die Gefrieranlage, eskortiert von Boba Fett und einigen Sturmtruppen. Solo waren die Hände gebunden, der Wookie trug die Einzelteile C-3POs auf dem Rücken – teilweise zusammengesetzt, wie der dunkle Lord feststellte. Kopf und Oberkörper waren bereits wieder verbunden und in Funktion – das Plappern hinter seinen Ohren dürfte den Wookiee in den Wahnsinn treiben – und auch einer der Arme war montiert. Der Rest steckte in einem stabilen Netz.

Die Prinzessin hielt sich dicht bei dem Schmuggler und schien irgendwie kleiner als sonst. Trotz ihrer geringen Körpergröße hatte sie eine Ausstrahlung, die sie größer erscheinen ließ… normalerweise. Heute jedoch schien sie so klein und verletzlich wie ein Kind.

Der ununterbrochene Wortschwall des Protokolldroiden drang bis zu Vader herüber, der jetzt Gesellschaft durch Boba Fett erhielt. Er lächelte – seine Mutter hatte wirklich Recht gehabt…

  „Oh je, was jetzt? Das sieht mir aber alles gar nicht gut aus. Wenn du meine Beine eingehängt hättest, befände ich mich jetzt nicht in dieser lächerlichen Position. Denk immer daran, Chewbacca, du trägst nun die Verantwortung für mich. Unternimm also nichts Törichtes.“

Hör auf ihn, Wookiee, dachte Vader. Ich will Euren Tod nicht, wenn es sich vermeiden läßt. Aber ihr Brüder seid schrecklich aufbrausend… Nicht umsonst habe ich den Truppen entsprechende Befehle gegeben.

Der Schmuggler ignorierte Vader und wandte sich an Calrissian. „Na, wie geht’s jetzt weiter… Kumpel?“

Interessant. Er hatte ihm noch nichts gesagt?

  „Du wirst in die Kohlenstoffgefrieranlage gesteckt.“

Fett nahm das als Stichwort für die nächste Szene ihres kleinen Dramas. „Was ist, wenn er’s nicht überlebt? Er ist für mich von sehr großem Wert.“

  „Das Imperium wird Euch entschädigen, falls er stirbt.“ entgegnete Vader scheinbar gleichgültig und gab den Soldaten einen Wink. „Rein mit ihm!“

Der Wookiee heulte auf und griff – wie erwartet – die Soldaten rings um ihn und Han an. Die waren jedoch darauf vorbereitet und wehrten sich waffenlos, während C-3PO zu kreischen begann.

  „Oh nein, nicht! Oh nein, nein! Halt, nicht doch! Chewbacca!“

Fett riß reflexartig seine Waffe hoch, doch Vader drückte sie ebenso schnell wie bestimmt wieder herunter. Tote waren in dieser Szene nicht vorgesehen… Solo sollte überleben, also mußte der Wookiee es auch.

Überraschend erhielten sie Hilfe von Solo, der sich gegen seinen Freund stemmte. „Hör auf! Was soll das, bist du verrückt? Hör auf!“

  „Ja, hör auf, bitte!“ kreischte 3PO weiter. „Ich will noch nicht sterben!“

Solo riß sich nun endgültig von seinen Bewachern los, die von Vader ein Signal bekamen, ihn gewähren zu lassen, und brachte den Wookiee zur Ruhe. „He! He, hör mir mal zu! Chewie, damit hilfst du mir auch nicht! He! Heb dir deine Kräfte für was Besseres auf!“ Die beiden Freunde sahen sich an, Solos Blick war überraschend fest und gefaßt. Vaders Respekt vor ihm nahm zu. „Chewie! Die Prinzessin – du mußt dich um sie kümmern, verstanden? Hast du verstanden? He?“

Das Gebrüll des Wookiees ging in ein leiseres Heulen über. Die Sturmtruppen legten ihm schnell Handschellen an, um weiteren Aktionen vorzubeugen, und die Prinzessin trat dicht zu ihm, Schutz suchend ebenso wie Trost spendend. Sie warf Chewbacca einen Blick zu, dann jedoch wandte sie sich zu Solo – und gleichzeitig beugten sie sich vor und küßten sich, verzweifelt und endgültig… Interessant. Eine adlige Rebellenführerin und ein Schmuggler… eine Kombination, die nur eine Rebellion schaffen konnte.

Die Sturmtruppen rissen die beiden energisch auseinander, Leia hatte Tränen in den Augen.

  „Ich liebe Dich.“

  „Ich weiß.“

Vader hätte beinahe gelacht. Himmel – was war DAS denn für eine Antwort?

Der Schmuggler wurde nun auf die Plattform gestellt, die sich langsam senkte. Er hielt den Blickkontakt zu seinen Freunden so lange es ging – bis sich zischend und dampfend flüssiges Karbonit in die Grube ergoß. Calrissian, der daneben stand, war grau im Gesicht.

  „Was… was ist hier eigentlich los?“ wollte die goldene Nervensäge auf dem Rücken des Wookiees wissen. „Dreh dich um, Chewbacca, ich kann nichts sehen.“

Die einzige Erwiderung des Wookiees darauf war ein gereiztes Knurren, während er verzagt beobachtete, wie sich ein Greifarm in die Grube senkte und den schwarzen Block heraufholte, in den Solo nun eingeschlossen war. Auf der Oberseite war deutlich der Körper des Schmugglers zu erkennen, mit erhobenen Händen, geschlossenen Augen und einem verzweifelten Ausdruck im versteinerten Gesicht.

Ugnauths näherten sich geschäftig dem Block, untersuchten ihn und kippten ihn dann um, so daß er mit einem seltsam nassen, satten Geräusch auf dem Boden aufkam. Calrissian trat heran und kniete daneben nieder, um Werte auf einer im Block eingelassenen Schalttafel zu prüfen, während Chewie sich Leia zuwendete und sie fest in den Arm nahm.

  „Oh, sie haben ihn in Karbonit eingehüllt.“ verkündete 3PO überflüssigerweise. „Da drin muß er hervorragend aufgehoben sein – das heißt, falls er das Einfrieren überstanden hat.“

Ganz genau, dachte Vader. Laut fragte er: „Nun, Calrissian, hat er es überlebt?“

  „Ja, Lord Vader, er lebt.“ antwortete der Baron grimmig. „Er befindet sich im tiefsten Winterschlaf.“

Vader nickte befriedigt und wandte sich an Fett. „Jetzt gehört er Euch, Kopfgeldjäger.“ Und zur Mannschaft: „Bereitet nun die Anlage für Skywalker vor.“

Ein Offizier trat neben ihn, um zu verkünden, was er bereits wußte: „Skywalker ist soeben gelandet, Mylord.“

  „Gut. Sorgen Sie dafür, daß er den Weg hierher findet.“ Vader drehte sich zum Baron um. „Calrissian, bringen Sie den Wookiee und die Prinzessin zu meinem Schiff.“

Leia schien nicht erstaunt, aber Lando riß überrascht und verärgert die Augen auf und trat automatisch einen Schritt vor. „Sie sagten, sie würden unter meiner Aufsicht in dieser Stadt bleiben können!“

Was für ein Narr… „Eine kleine Änderung in unserer Abmachung.“ schnurrte Vader. „Und beten Sie, daß ich nicht noch weitere Änderungen vornehme.“ Calrissians Hand fuhr instinktiv zu seiner Kehle, obwohl der schwarze Lord gar keine Anstalten gemacht hatte, ihn zu würgen. Er schluckte und drehte sich zu den Gefangenen um, während Vader sich entfernte, um seinen Platz für die nächste Szene des Spiels einzunehmen…

 

 

19

 Luke huschte durch die Gänge der Wolkenstadt, auf der Suche nach seinen Freunden. Die Macht führte ihn wie ein roter Faden hindurch, er zögerte kaum auf seinem Weg – und sie warnte ihn auch, zurückzuweichen, als er auf einen Seitengang traf. Nur Sekunden später erschien ein Mann in reichlich mitgenommener Rüstung und Helm, der langsam einer seltsamen Prozession voranging: eine schwebende Platte mit dem Relief eines Menschen - ein Kunstwerk, vielleicht? – das von zwei Bediensteten geschoben wurde. Ihnen folgten zwei weißgepanzerte Sturmtruppen, wie er sie vom Todesstern kannte. Sturmtruppen? Hier? Das Imperium war also schon angekommen… und er hatte sich nicht getäuscht, als er eine andere, sehr starke Präsenz in der Macht gespürt hatte. Das mußte Vader sein. Und es zog ihn wie einen Magneten zu ihm…

In der Höhle hatte er ihn besiegt, auch wenn Yoda es ‚Versagen’ genannt hatte. War es falsch, den größten Mörder der Galaxis zu töten? Den Kettenhund des Imperators? Die Anführer der Rebellen waren sich einig, daß Vader der wahre Herrscher des Reichs war, nicht der Kaiser. Sie glaubten, ohne ihn könnte die Rebellion schneller und sicher gelingen… also warum nicht die Chance nutzen, wenn sie sich ihm bot?

Auf die Idee, daß Vaders Anwesenheit hier kein Zufall war, kam er nicht.

Er verließ seine Deckung, rannte dem kleinen Trupp hinterher – und konnte gerade noch vor dem Laserfeuer des Gerüsteten in Deckung gehen. Ein kleines Feuer brannte munter in einem eben noch nicht dagewesenen Loch in der Wand neben ihm, und er verfluchte innerlich seinen Leichtsinn.

Noch während des Gedankens rannte er beinahe in eine andere Gruppe Soldaten hinein, die sofort das Feuer auf ihn eröffneten. Zu seiner Überraschung waren Leia und Chewbacca unter ihnen, und die Prinzessin nutzte die Gelegenheit unter Aufbietung körperlicher Anstrengung für eine geschrieene Warnung: „Luke, das ist eine Falle! Vader ist hier, er hat uns gefangengenommen! Han wurde in Karbonit eingefroren und dem Kopfgeldjäger übergeben! Das ist eine Falle, Luke!“

Ein imperialer Offizier hatte sie gepackt, als lebenden Schutzschild vor Lukes eventueller Gegenwehr genommen und sie mit Gewalt um eine Ecke gezerrt, während die Soldaten den Rest der Gruppe weitertrieben.

Luke ließ sich geschockt an eine Wand fallen. Karbonit? Dann war das Han gewesen, eben – das ‚Kunstwerk’? Entsetzt schnappte er nach Luft, und Haß stieg in ihm auf. Grimmig und entschlossen setzte er seinen Weg fort.

 

Ohne zu zögern, hatte er seinen Weg genommen, ohne auch einmal zu zweifeln, welche Abzweigung die Richtige war. Die Macht zeigte ihm den Weg so klar, als ob ein roter Faden ihn führte oder eine Lichtbahn, so hell wie eine Nova. Es zog ihn zu Vader, trieb ihn regelrecht. Warum? Was war es, das so viel Drang darein setzte, ihn seinem Feind entgegenzustellen?

Vader.

Er hatte Ben getötet, einen alten Mann, den er gerade einmal zweieinhalb Tage gekannt hatte. Er hatte Biggs getötet, seinen ältesten und besten Freund – den einzigen wirklichen Freund, den er gehabt hatte. Er war des Imperators treuester Gefolgsmann, seine Hand und seine Stimme überall in der Galaxis. Und nun hatte er auch noch Han in Karbonit eingefroren und ihn an einen Kopfgeldjäger übergeben!

Und er hatte seinen Vater verraten und ermordet. Seinen Vater, den Jediritter. Seinen Vater, den Piloten. Lukes Herz war voll Haß, nur mühsam erinnerte er sich Yodas Mahnungen.

Ein Aufzug trug ihn auf einer Plattform nach oben in etwas, das beinahe zu elegant für eine industrielle Anlage war, und doch zeugten Maschinen und Schalttafeln davon.

Es war still in der Kammer, und so hörte er zum erstenmal live das Geräusch von Vaders Beatmer, das er nur aus dem Holonet kannte. Er drehte sich suchend und entdeckte die zugegebenermaßen eindrucksvolle Silhouette des dunklen Lords auf einer erhöhten Plattform, vor einem Sichtfenster. Er atmete tief ein, löste das Lichtschwert von seinem Gürtel und erklomm die Treppe.

 

Darth Vader hatte die Wartezeit dazu benutzt, zu meditieren und in der Macht nach Lukes Präsenz zu greifen.

Der Junge war von dunkler Macht erfüllt, voll von Haß und Zorn – es würde nicht leicht werden. Welch ein Paradoxon! Der alte Vader hätte sich gefreut und diesen willkommenen Quelltopf schamlos ausgeschöpft, um Luke auf die dunkle Seite zu ziehen. Auch zwei Sith konnten den Imperator besiegen – und dann? Die Waagschalen wären nicht mehr im Gleichgewicht, das Reich würde unzweifelhaft ins Kippen geraten. Nein, der Geheilte, der Auserwählte dachte nun anders – und ärgerte sich. Welche Lügen hatten seine „Lehrer“ Luke erzählt, um diesen Haß zu erzeugen? In einem Padawan, der von zwei der Mächtigsten Jedi unterrichtet worden war, die es je gegeben hatte?

Er sah ihm ruhig entgegen, unbeweglich wie eine Statue, ließ seine Erscheinung ein weiteres Mal wirken. Er hatte diesen Standort nicht umsonst gewählt – wenn er schon ein Drama inszenierte, tat er es gründlich. Nun beobachtete er, wie Luke langsam auf ihn zukam, das Lichtschwert in der Hand, kampfbereit. Hatte Yoda ihn im Kampf unterrichtet? Dieser hatte immer den Ataru-Stil favorisiert, während er selbst vor und nach seinem Fall Shien und Djem So bevorzugte – und es perfektionierte, nachdem seine neuen Prothesen ihm geschmeidigere Bewegungen erlaubten. Ataru war schnell und akrobatisch – nichts für Anfänger. Aber er würde sich auf alles einstellen.

Ruhig… passiv.

Vertauschte Rollen, dachte er amüsiert. Er selbst stand hier in bester Jedi-Manier, während ein kalt-zorniger Padawan im Begriff war, ihn zum Duell zu fordern, was jeden Sith-Meister erfreut hätte.

  „Die Macht ist mit dir, junger Skywalker.“ sagte er deshalb. „Aber noch bist du kein Jedi.“

Er sah Ärger im Gesicht des Jungen. Vermutlich hatte Yoda ihn gewarnt, ihn hindern wollen, herzukommen – es machte Sinn. Die Waffe des alten Jedi gegen ihn war noch nicht einsatzbereit, konnte sowohl Ladehemmung bekommen als auch sich überhitzen und explodieren.

  „Ich bin gekommen, um meine Freunde zu retten… und Euch zu vernichten.“

Bescheiden war er also auch noch. Vader war amüsiert und fühlte sich an sich selbst erinnert. Luke hatte viel von ihm geerbt… aber da war ein Funke in Lukes Gedanken, der ihn ansprang, ein Funke Angst, Besorgnis und Ärger.

Einhalt muß ihnen geboten werden. Das ist es, wovon alles abhängt. Nur ein völlig ausgebildeter Jedi-Ritter, mit der Macht als Verbündetem, wird Vader und den Imperator besiegen. Brichst du deine Ausbildung jetzt ab, wählst du den schnellen, den leichten Weg, wie einst Vader es getan hat. Zu einem Werkzeug des Bösen wirst du werden. hörte er Yodas Stimme in Lukes Erinnerung, und Ben flehte: Hab Geduld!

Dann opfere ich Han und Leia! versetzte Lukes Stimme ärgerlich.

Willst du ehren, wofür sie kämpfen… ja! sagte Yoda fest… und eiskalt. Vader schauerte. Dieser widerliche, bösartige, giftige grüne Gnom! Hatte er wirklich und wahrhaftig von Luke verlangt, seine einzigen Freunde in den Tod zu schicken, um sich selbst in eine Mordmaschine im Namen des sogenannten Guten verwandeln zu lassen? Heiliger Ewok, dagegen war selbst Palpatine ja noch harmlos!

Oh, Luke… Laß mich dir helfen, mein Sohn. Laß mich dir zeigen, daß es auch noch eine andere Möglichkeit gibt.

  „Warum willst du mich töten?“ fragte er und hielt seine Stimme ruhig. Noch mochte er keine machtgesteuerte Beruhigung hineinfließen lassen… das hätte Luke unzweifelhaft gespürt und wäre noch wütender geworden. „Wäre es nicht sinnvoller, den Kaiser zu vernichten?“

  „Ja. Aber IHR seid die wahre Macht im Universum. Ohne Euch wird der Kaiser verletzlicher sein, und es wird leichter, ihn dann zu töten.“

Meine Güte… wie naiv. Und doch – wie wahr. War er wohl selbst darauf gekommen, oder plapperte er Rebellenpropaganda nach?

  „Und du denkst, du schaffst es? Jemanden zu töten, von Angesicht zu Angesicht?“

Für einen Moment war Unsicherheit in Lukes Blick. Gut.

  „Ich habe schon getötet.“ sagte er dann.

  „In einem Jägercockpit zu sitzen und aus der Ferne anonyme Feinde abzuschießen, ist eine Sache. Im Kampf Mann gegen Mann… das ist etwas anderes. Das ist Mord… kein Krieg mehr. Willst du dich wirklich zum Mörder machen?“

Luke lächelte. „Das haben wir bereits gemeinsam, Lord Vader. Wir sind beide millionenfache Mörder.“

  „Ich nicht.“ erwiderte Vader trocken. „Aber ich muß meiner Rechnung leider Kinder hinzufügen. Vermutlich gleicht es das aus.“

Der junge Jedi hatte keine Zeit für Entsetzen, er konzentrierte sich auf seinen Gegner. „Ich bereue es.“ sagte er herausfordernd. Wie im Widerspruch blitzte seine Klinge auf, doch noch griff er nicht an.

  „Hattest du je eine Wahl?“ fragte Vader beinahe sanft, ohne auf die Provokation einzugehen und ohne die Antwort zu geben, die zwar wahr war, aber von Luke nicht geglaubt worden wäre: ja, er bereute es. Zumindest die Kinder.

Luke senkte die Klinge, schien überrascht.

  „Nein.“ sagte er leise.

Nein. Natürlich hatte er die nie. Er hatte keine andere Wahl gehabt, als seinem Onkel zu dienen. Er hatte keine andere Wahl gehabt, als Obi-Wan zu folgen, als das Imperium seine Hüter ermordet hatte. Er hatte keine andere Wahl gehabt, als sich der Allianz anzuschließen… mit ihnen den Angriff zu fliegen. Und – als bester Pilot, als nichtsahnender Jedi – den goldenen Schuß abzufeuern, der Millionen Leben zerstörte. Wie ähnlich waren sie sich…

  „Hatte ICH je eine Wahl?“ fragte er bitter, in seinem Kopf ähnliche Bilder aus seinem eigenen Leben.

  „Ihr versucht, mich zu verwirren!“ Die Klinge kam wieder nach oben, der Junge blinzelte Unsicherheit aus seinem Blick.

  „Es ist nicht mein Wunsch, mit dir zu kämpfen, Luke.“ Noch immer stand er reglos da, die Hände ruhig an den Seiten. „Im Gegenteil. Heute haben wir eine Wahl. Komm mit mir! Gemeinsam können wir diesen Krieg beenden und der Galaxis wieder Frieden bringen.“

Noch während er es aussprach, wußte er, daß es nicht zu Luke durchdringen würde – natürlich mußte er annehmen, daß er nur versuchte, ihn zu verführen, ihn auf seine Seite zu ziehen, zu einem der ‚Bösen’ zu machen. Verflucht. Das würde wirklich schwer werden.

 

Luke kochte… und war gleichzeitig verwirrt. Was sollte das? Warum griff Vader ihn nicht an? Was bezweckte er mit diesen Fragen? Und diese Stimme – der volle Baß hatte etwas beinahe hypnotisches, obwohl Luke nicht spürte, daß die Macht Einsatz fand.

Vader war ein Gigant. Sowohl körperlich (über das Holonet war das nie SO deutlich gewesen), als auch in der Macht – wiewohl Luke hier nur Yoda als Vergleichsmöglichkeit hatte… aber ihm schien beinahe, daß Vader viel stärker war als der alte Jedimeister. War das möglich? Dann war alles verloren.

Kurz flammte der Wunsch in ihm auf, daß Vader Recht haben könnte. Er würde es gern glauben… so gern glauben, daß es möglich war, das alles hinter sich zu lassen. Den Krieg einfach so beenden zu können, mit Diplomatie und Gesprächen. Nicht töten zu müssen, keine Toten zu beklagen zu haben.

Luke, verdammt, reiß dich zusammen! rief er sich energisch zur Ordnung. Das ist VADER! Mörder, Kettenhund, Verräter… bring es zu Ende!

Er schluckte und griff an.

 

Luke wollte also wirklich kämpfen. Na schön. Vielleicht half es ja, wenn er sich ein wenig austobte… Vielleicht konnte er die Wut kanalisieren?

Den ersten Angriff Lukes, mit Verve geführt, aber ohne jede Chance, blockte er ab. Ein klein wenig mehr Kraft als notwendig im Druck gegen die Klinge des Jungen JETZT… und Luke fand sich unsanft auf dem Boden wieder, während Vader gelassen wartete, bis er sich aufrappelte. Ich bin unendlich viel stärker als du, mein Sohn. Bist du wirklich sicher, daß du das durchstehen willst?

Offensichtlich ja. Vader ließ sich langsam zurücktreiben, Luke aber um jeden Schritt kämpfen.

  „Du hast viel gelernt, Junge.“ Ja… er war nicht schlecht für einen Anfänger. Aber da war nichts von Yodas Raffinesse zu spüren – er tippte auf schlichten Basisunterricht. Für mehr dürfte auch schwerlich die Zeit gereicht haben.

  „Sie werden sehen, ich stecke voller Überraschungen!“ keuchte Luke.

  „Ich auch.“ versetzte Vader gelassen und wand Luke mit zwei schnellen Bewegungen die Klinge aus der Hand, dann trat er einen Schritt auf ihn zu. Der Junge verlor das Gleichgewicht und stürzte – er hatte die Treppe hinter sich vergessen. Unten blieb er einen Moment benommen liegen. Vader lächelte und flocht erneut ein wenig Dramatik ein: er sprang, elegant und von der Macht getragen, mit gezündetem Lichtschwert und ausgebreiteten Armen. Vom leuchtenden Boden illuminiert, vor dem dunkelblauen Hintergrund, sah er aus wie ein Racheengel, das wallende Cape perfekt die Flügel ersetzend.

Luke rollte sich zur Seite und sprang auf.

Hinter ihm tat sich die Grube auf – eine gute Gelegenheit, um eine Schippe nachzulegen. Er konnte ihn gleichzeitig einschüchtern und ihm ein wenig mehr Sicherheit und Zuversicht verschaffen.

  „Dein Platz ist an meiner Seite, das ist deine Bestimmung, Skywalker. Obi-Wan war sich dessen immer bewußt.“ Eine Provokation – aber nicht ganz gelogen. Gleichzeitig drängte er ihn rückwärts, bevor er sich sein Lichtschwert wieder holen konnte. Auch daran mußte noch gearbeitet werden, das mußte schneller gehen – er hätte ihn jetzt mühelos töten können.

  „Nein!“ preßte Luke hervor und verlor wiederum das Gleichgewicht. Dieser Sturz war deutlich schmerzhafter…

Vader wartete, bis er in Lukes Geist spüren konnte, wie dieser sich für den Sprung spannte, und setzte die Anlage mit einer Handbewegung just in dem Moment in Betrieb, als der Junge sich aus der Grube katapultierte. Unter ihm schoß zischend und rauchend Karbonit in die Form, während Luke sich an einigen Schläuchen festhielt.

  „Allzu leicht.“ sagte er, als hätte er den Sprung nicht bemerkt. „Vielleicht bist du doch nicht so stark, wie der Imperator dachte.“

Luke bewegte sich, und er nahm den Hinweis an und sah auf. „Beeindruckend. Höchst beeindruckend.“ Nun, DAS war gelogen.

Der Junge ließ sich fallen, holte nun endlich sein Schwert wieder in seine Hand und zündete es sofort. Wenigstens das ging fließend und schnell, sehr schön. Na gut. Wollen wir mal aufhören, nett zu sein und beginnen, ihn statt dessen ein wenig anzustrengen.

  „Obi-Wan hat dich viel gelehrt. Du vermagst deine Angst zu beherrschen… laß deinem Zorn jetzt freien Lauf!“ Ja… das würde er wohl sagen, wenn er so handeln würde, wie Luke es offensichtlich erwartete.

Er drang auf ihn ein, härter nun, trieb ihn vor sich her, ohne ihn wirklich zu gefährden, jedoch so, daß es dennoch den Anschein von wirklicher Gefahr hatte.

Hm… die Stelle hier war günstig für einen kleinen Test. Wenn er sich hier fallen ließ, könnten sie den Kampf in der unteren Ebene fortsetzen… Wie weit würde Luke gehen? Würde er ihn wirklich töten wollen?

  „Nur dein Haß kann mich vernichten!“ grollte er und griff erneut an, ließ aber eine scheunentorgroße Chance für eine Gegenattacke. Nicht schlecht – Luke erkannte die Lücke sofort und nutzte sie, schlug zu und drang auf ihn ein… durchaus ernst, erkannte Vader. Er seufzte. Mal sehen, wieviel er noch von den Lehren der Jedi wußte… offensichtlich hing es tatsächlich an einem Sithlord, den letzten der Jedi auszubilden. Welch Ironie!

Er trat zurück, erfühlte den Rand und die Ebene unter ihm – und ließ sich fallen.


20

 Luke stand an der Kante der Plattform und sah hinunter – von Vader keine Spur. Aber er war noch da… und seine Präsenz in der Macht genauso stark wie zuvor.

Er sprang hinunter, wütend und wachsam. Vader hatte sich fallen lassen, eindeutig. Er spielte mit ihm, verhöhnte ihn! Und das traf ihn härter als die Erkenntnis, daß er ihm wirklich haushoch überlegen war…

Wieder folgte er dem Band der Macht, das ihn durch eine Art Tunnel in den Reaktorraum führte. Leer, auf den ersten Blick… Luke durchquerte den Raum, suchend, und fühlte plötzlich Vaders Präsenz auf ihn zuschnellen. Rasch hob er sein Lichtschwert und ging wieder zum Angriff über – doch Vader wehrte sich nicht, senkte sogar sein Schwert. Was –

Einen Moment später gab ihm ein Prickeln in der Macht die Antwort, Sekundenbruchteile bevor er von einem Maschinenteil getroffen worden wäre - das der dunkle Lord auf irgendeine Weise aus der Wand gerissen und auf ihn geschleudert hatte. Er schaffte es gerade noch, das Teil in zwei Stücke zu spalten und so um sich herumzulenken, aber schon kam das nächste angeflogen und prallte schmerzhaft gegen seinen Rücken. Und noch eins… und noch eins. Bald schmerzte sein ganzer Körper, auch wenn es nicht wirklich gefährlich war. Schon wieder spielte Vader mit ihm…

Dann durchschlug ein großes Maschinenteil das Fenster, das in den Reaktorschacht hinausführte; der einsetzende Druckausgleich riß ihn von den Füßen und der Sog durch das Fenster hinaus. Er sah noch, wie Vader sich scheinbar unbeeindruckt irgendwo festklammerte, und dachte: das war’s dann wohl… doch dann fühlte er eine Art unsichtbarer Hände zupacken und ihn auf einen Laufsteg schleudern, in relative Sicherheit. Er schaffte es, sich rechtzeitig festzuhalten, bevor der Schwung ihn wieder herunterwarf, und blieb einen Augenblick lang schwer atmend liegen. Verflucht sollst du sein, Vader…

 

Der dunkle Lord spürte Lukes Wut und Haß und seufzte. Offensichtlich war der Schuß nach hinten losgegangen… sein Sohn war nicht dankbar für die Hilfe, spürte nicht, daß er sich sorgte, sondern fühlte sich auf den Arm genommen. Das hatte er nicht beabsichtigt. Vermutlich kam er mit Vernunft jetzt schlicht nicht mehr zu ihm durch – er würde es auf die harte Tour machen müssen. Aber einen kleinen Trumpf hatte er noch… nur, dazu mußte er mit ihm sprechen. Und dafür mußte Luke aufhören, herumzuzappeln. Also weiter im Drama.

Er seufzte und trat seinem Sohn in den Weg, der suchend in den kleineren Reaktorraum trat, in dem er wartete. Und dann griff er an. Hart nun, brutaler als zuvor, trieb ihn aus dem Raum heraus auf den Laufsteg dahinter, der zu einer freischwebenden Meßstation führte. Wieder und wieder lenkte er Lukes Klinge ab, die, vom eigenen Schwung getragen, funkenstiebend auf das Geländer des Laufstegs prallte. Luke stürzte und fiel hilflos auf den Rücken – nur, um die Spitze des roten Lichtschwerts direkt über seiner Kehle zu finden.

  „Du bist geschlagen.“ grollte er drohend. „Es ist sinnlos, Widerstand zu leisten! Laß es dich nicht das Leben kosten wie einst Obi-Wan!“ Bitte, Luke. Hör mir zu…!

 

Etwas ist sonderbar an diesem Duell, dachte Luke. Die Worte schienen nicht recht zu den Taten zu passen – Vader trieb ihn voll dunkler Energie zurück, aber stets so, daß er nicht verletzt wurde. Er schien ihm nicht wehtun zu wollen. Soweit paßte es schon… aber irgendwas war komisch. Da war mehr. Nur: was? Vader mußte sich doch bewußt sein, daß er sich nie der dunklen Seite anschließen würde!

Energisch und selbstmörderisch schlug er Vaders Klinge beiseite und rappelte sich auf, um weiterzukämpfen.

 

Verdammt. Der Junge gab immer noch nicht auf!

Für einen kurzen Moment war Vader vor Enttäuschung abgelenkt, und so kam ein Schlag Lukes tatsächlich durch, traf ihn an der Schulter und durchdrang Rüstung und Anzug. Und seine Sithreflexe reagierten, bevor er es verhindern konnte…

Mit einem animalischen Knurren schlug er zurück, ließ sich kurz von der dunklen Seite durchdringen, vergaß, wer sein Gegner war. Sanft glitt seine Klinge durch einen Widerstand – und erst, als Luke voll Schmerz aufschrie, wurde ihm bewußt, was er getan hatte.

Er hatte Lukes Schwerthand abgetrennt. Er hatte seinen Sohn verstümmelt. Sein eigen Fleisch und Blut.

NEIN!

Innerlich schrie er auf, doch es war nicht rückgängig zu machen. Luke war, den Armstumpf unter die Achsel gepreßt, rückwärts gekrochen, von ihm weg, auf die Meßstation zu. Er klammerte sich an einen Ausleger und hing gefährlich schwankend über dem Abgrund.

Nein… nein!

Er löschte sein Lichtschwert, begann zu reden, zu versuchen, Luke mit Worten an den fragilen Halt zu fesseln, an dem er hing.

  „Luke, du hast noch nicht begriffen, wie wichtig du bist. Du hast gerade erst begonnen, deine Kräfte zu entdecken. Verbünde dich mit mir, und ich werde deine Ausbildung beenden. Mit vereinten Kräften können wir diesen tödlichen Konflikt beenden und der Galaxis Frieden und Ordnung wiedergeben.“

Lukes Gesicht war verzerrt von Schmerz und Haß. „Nein! Niemals werd ich das tun!“

Das war zu erwarten gewesen. Vader seufzte innerlich. Zeit für seinen Joker… obwohl die Chancen sehr gering waren, daß er damit trumpfte.

  „Obi-Wan und Yoda haben dir nie erzählt, was wirklich mit deinem Vater passiert ist, nicht wahr?“

  „Sie haben mir genug erzählt! Sie haben mir erzählt, daß SIE ihn umgebracht haben!“

  „Nein.“ sagte Vader bemüht ruhig. „ICH bin dein Vater.“

Luke starrte ihn an. Geschockt. Fassungslos. Wollte nicht glauben… und begriff doch, daß es die Wahrheit war. Er fühlte es. Wußte es.

  „Nein. Nein! Das ist nicht wahr! Das ist nicht wahr, niemals!“ Und wollte es dennoch nicht glauben.

  „Erforsche deine Gefühle. Du weißt, daß es wahr ist.“ Bitte, Luke. Öffne dich mir. Laß mich dir zeigen, daß ich es ernst meine… daß ich dir helfen will. Und dir nicht schaden. Es tut mir so leid, Luke…!

  „Nein! Nein!“ heulte Luke.

Vader streckte die Hand aus, schweigend. Jedes weitere Wort wäre jetzt zu viel gewesen. Aber gleichzeitig erfühlte er, was passieren würde, SAH, was Luke tun würde… und was folgen würde. Er schloß die Augen. Stöhnte. Und ließ es geschehen…

Luke ließ los und fiel.

 

Vader rannte.

Erst kurz, bevor er auf seine Leute traf, verlangsamte er seinen Lauf zu den üblichen harten Schritten und blieb vor den Soldaten und Offizieren stehen, die Haltung annahmen.

  „Ich brauche einen Piloten. Wer kann ein Lambdashuttle fliegen?“

Die Männer sahen sich an. Es war allgemein bekannt, daß Vader grundsätzlich selbst flog.

Einer von ihnen, schneller oder mutiger als die Anderen, trat vor. Vader kam er vage vertraut vor, er war auf Herka mit dabeigewesen… Cass. Commander Cass.

  „Ich, mein Lord. Aber nicht so gut wie Ihr.“

  „Solang Ihr sie dicht an etwas heranfliegen und dann absolut ruhig halten könnt, reicht mir das. Folgt mir.“

 

Luke fiel.

Wurde von einem Schacht angesogen, durch einen Tunnel geschleudert, kam zur Ruhe.

Eine Falltür öffnete sich unter ihm.

Er fiel erneut, rutschte durch eine weitere Röhre, prallte auf eine weitere sich öffnende Klappe… und kam an einer Wetterantenne zum wackligen Halt. Sein Körper schrie in Pein, aber er klammerte sich eisern fest. Der Versuch, zurückzuklettern, scheiterte an der sich schließenden Öffnung.

Unter ihm war nichts… kilometerweit. Er schloß die Augen, klammerte sich fest… und schrie mental um Hilfe.

  „Ben?“

Keine Antwort.

  „Ben. Leia!“

Er wußte nicht, was ihn dazu trieb, nach ihr zu rufen… es geschah rein instinktiv.

 

An einer anderen Stelle unter der Wolkenstadt, hörte die Prinzessin den Ruf tatsächlich. Sie saß im Falken, hatte es geschafft, mit Chewbacca, Lando und den Droiden zu entkommen… oder besser: sie waren noch mitten im Versuch. Aber Luke… er war in Gefahr.

  „Luke… ich weiß, wo Luke ist!“

  „Was?“ Lando starrte sie an.

  „Wir müssen sofort zurück!“

  „Bei all den Abfangjägern?“

Sie ignorierte Lando. „Chewie, bitte tu es!“

  „Was ist mit Vader?“

Chewie fauchte ihn an, die Hände schon an den Kontrollen, bereit zur Wendung.

  „Ist ja gut, ist ja gut, ist ja gut!“

 

  „Da ist er.“

Vader deutete aus dem Cockpitfenster auf eine winzige Antenne, an der ein Mensch hing. Commander Cass schluckte. Da hatte wohl jemand seinen Lebensvorrat an Glück aufgebraucht?

  „Steuern Sie so nahe wie möglich heran und halten Sie sie ruhig. Öffnen Sie die Rampe.“

  „Lord Vader, wir haben keine Sicherungsseile an Bord, und der Wind - “

  „Das wird nicht notwendig sein. Halten Sie einfach nur das Schiff in Position.“

  „Ja, mein Lord.“

Vader verließ das Cockpit, legte das äußere Cape ab und betrat die sich senkende Rampe, hielt sich mit der Linken an etwas fest und verankerte sich mit Hilfe der Macht. Sie näherten sich Luke langsam, und selbst, als Vader dachte, es ginge nicht näher, schwebte Cass noch ein Stück weiter heran. Guter Mann. Er hatte sich eine Beförderung verdient.

  „Luke!“ rief er durch den heulenden Wind. „Laß los, ich fange dich auf!“

 

Luke starrte das Lambdashuttle ungläubig an – und riß die Augen noch mehr auf, als die Rampe sich senkte und sein Vater hinaustrat, sich nur mit einem Arm irgendwo festhaltend. Was für ein irrer Stunt… Was sollte das?

Dann hörte er ihn rufen und staunte noch mehr. Wie bitte? Vader riskierte Leib und Leben, um ihm zu helfen?

Der Junge war geschwächt, seine Schilde ebenfalls, und so spürte er das erste Mal echte Besorgnis von dem Mann in Schwarz herüberströmen, keine Gier, kein wilder Wahn, kein „ich muß dich haben, dich zum Kaiser bringen!“ sondern nur… Sorge.

Liebe.

Sollte, konnte er es glauben? Sollte er dem nachgeben?

Andererseits: was hatte er zu verlieren? Er würde jederzeit irgendeinen Weg finden, sich umzubringen… oder vielleicht, zu fliehen.

Er ließ los. Und fiel erneut… doch diesmal fing ein starker Arm ihn auf, zunächst in der Macht, dann physisch. Er wurde umfangen, sanft, fest, gehalten und in Sicherheit gebracht… dann wurde es dunkel.

 

Die Besatzung des Falken fluchte, stöhnte und starrte ungläubig auf das Schauspiel, das sich ihnen bot.

  *Ich schieße ihn ab!* erbot sich Chewie, doch Lando schrie auf.

  „Bist du verrückt? Du könntest Luke treffen!“

  „Wenigstens ist er für den Moment in Sicherheit…“ sagte Leia tonlos. Aber in was für einer? Was würde aus ihm werden?

Und dann blieb keine Zeit mehr für Grübeleien und Sorge, denn drei Tie-Jäger rasten heran und eröffneten das Feuer. Und wieder waren sie auf der Flucht.

 

Selbst der dunkle Lord brauchte beinahe seine gesamte Kraft, um Luke aufzufangen und davor zu bewahren, vom starken Wind unterhalb der Wolkenstadt davongerissen zu werden. Zumal er sich festhalten mußte und nur einen Arm zur Verfügung hatte…

Doch er erhielt unerwartet Hilfe. Commander Cass erschien am oberen Ende der Rampe, hielt sich ebenfalls irgendwo fest und streckte die Hand aus, um Luke in Empfang nehmen zu können.

  „Sind Sie wahnsinnig?“ brauste Vader auf. „Die Fähre…“

  „…ist auf Autopilot auf niederer Geschwindigkeit, kollisionsfrei, zumindest für die nächsten Minuten.“, unterbrach ihn Cass. „Laßt mich Euch helfen, Mylord.“

Vader grollte, doch schob er sich mit dem reglos und schwer in seinem Arm hängenden Sohn, innerlich dankbar, ein Stück weiter auf der steilen Rampe nach oben, bis Cass den Jungen zwar grob, doch effektiv am Kittel packen und in Sicherheit ziehen konnte. Dann erst stemmte er sich selbst in die Fähre zurück und schloß die Luke.

Keuchend saßen beide Männer da, den Bewußtlosen zwischen sich, und sahen sich an.

  „Danke.“ sagte Vader schließlich.

Cass schluckte verblüfft und nickte nur. Und Vader überraschte ihn nochmals – mit einer Erklärung.

  „Mein Sohn. Luke. Und ich wäre dankbar, wenn dies keine Verbreitung fände.“

Der Commander riß die Augen auf und nickte nochmals. „Selbstverständlich, Mylord.“ Und gerade durch dieses in ihn gesetzte Vertrauen war Vaders Geheimnis jetzt so sicher wie im Verlies der Zentralbank von Coruscant. Cass’ Blick ruhte einen Moment auf dem jungen Mann. „Ein Rebell, Mylord?“

Vader schien kurz zu grinsen. „Noch ein Grund, ihn zu mir zu holen, oder, Commander?“

Vertrauen gegen Vertrauen, dachte Cass. „Zu Euch, ja. Mylord.“

Diesmal war es an Vader, zu nicken – und er gab damit Cass eine Bestätigung. Beide Männer sahen sich einen Moment lang schweigend an, auf gänzlich neuer Ebene.

Der Commander lächelte und rappelte sich auf. „Setzen wir ihn in Euren Sessel, Mylord. Ich hole einen Bactapack.“

Vader schob sich ebenfalls nach oben, winkte Cass aber beiseite und nahm Luke so mühelos auf, als wäre er ein Kind.  Der Commander nickte nur und öffnete einen Erste-Hilfe-Kasten, um ihm einen Verband mit dem Heilgel zu entnehmen, den er Vader reichte und dann wortlos im Cockpit verschwand.

Während der dunkle Lord den Verband anlegte, hörte er, wie Cass über Funk ihr Kommen ankündigte.

  „EXECUTOR, dies ist ST-321. Ich brauche ein medizinisches Notfallteam in Lord Vaders Hangar, wir bringen einen Verletzen mit. – Nein, nicht Lord Vader! – ETA in zehn Minuten. Danke.“

Vader richtete sich auf und sah nachdenklich auf seinen Sohn hinunter. Er war bewußtlos… einerseits war er momentan dankbar dafür, andererseits machte er sich Sorgen deshalb. Ein kurzer Scan seiner Körperfunktionen ergab allerdings, daß alles in Ordnung war – vermutlich nahm der Körper sich schlicht eine Auszeit nach der Anstrengung und dem Schock. Er vergaß immer wieder, daß Luke kein trainierter Jedi war.

Seufzend ließ er sich in einen der wesentlich unbequemeren Mannschaftssessel neben Luke sinken und begnügte sich für den Rest des Fluges damit, ihn zu mustern. Schließlich hatte er ihn noch nie richtig betrachten können.

Er war überraschend klein… offensichtlich kam er in diesem Punkt nach Padmé. Das Haar allerdings hatte er von ihm, auch die Linie der Nase und des Mundes. Und die Augenfarbe… ein helles, klares Blau.

Sein Sohn.

Wenn er es nur früher gewußt hätte! Wenn er ihn hätte aufziehen können!

Aber gleichzeitig bremste er sich selbst aus: wenn er ihn aufgezogen hätte, wäre Luke jetzt ein Sith-Padawan. Und vielleicht wäre einer von ihnen bereits tot… er hatte Dooku nicht vergessen.

Nein…

In gewisser Weise war es gut, daß es so gekommen war. Daß er ihn jetzt erst zu sich nehmen konnte, nachdem er seine eigene Läuterung durchlaufen hatte – seinen wahren Weg, seine Bestimmung gefunden. Und angenommen. Auch wenn es sicher nicht leicht werden würde, Luke von seiner Wahrhaftigkeit und seinem guten Willen zu überzeugen.

Eine leichte Welle durchlief das Schiff, als sie das Magnetfeld der Landebucht durchstießen. Cass landete das Shuttle, als ob er einen Container roher Eier transportierte, er setzte es nahezu ruckfrei auf. Vader lächelte und stand auf, als das Schiff zur Ruhe kam und die Rampe sich senkte. Cass kam aus dem Cockpit und schloß sich ihm an, als er Luke aufnahm und die Rampe hinunterschritt.

Unten standen, wie beinahe erwartet, Piett, Veers in seinem Repulsorstuhl und Corva mit einer Repulsorliege, auf die er nun Luke bettete und für den Moment, mit einem leisen: „Ich komme gleich nach!“ der Ärztin überließ.

  „Mylord.“ grüßte Piett. „Der Millenium Falke ist auf der Flucht, aber meine Männer haben wie befohlen den Hyperantrieb deaktiviert, und so sollte es nur eine Frage der Zeit - “

  „Vergessen Sie’s, Admiral.“ Vader seufzte. „An Bord des Falken befindet sich außer den Rebellen höchstwahrscheinlich auch noch die beste R2-Einheit, die es je gegeben hat. Es sollte mich sehr wundern, wenn er den Fehler nicht finden und reparieren kann.“

Pietts Mund klappte auf, aber er war klug genug, nichts zu sagen, sondern nur zu nicken.

  „Grämen Sie sich nicht, Firmus. Ich wußte es auch nicht – er kam mit Luke. Aber der Falke hat jetzt erst einmal niedrigere Priorität. – Bevor ich es vergesse…“ Er wandte sich zu seinem Piloten um. „Sorgen Sie bitte dafür, daß Captain Cass neue Abzeichen bekommt. Und vermerken Sie in seiner Akte den Wechsel in meinen persönlichen Stab – als mein Flügelmann und persönlicher Pilot.“

Vader nickte dem sprachlosen Cass zu, ignorierte Pietts breites Grinsen, was bei dem frischgebackenen Captain weitere Verwirrung auslöste, und ging, gefolgt von einem ebenso grinsenden Veers, wehenden Mantels zum Ausgang.

 

 

21

 Arik Cass starrte Vader mit offenem Mund hinterher.

  „Gratuliere!“ Piett lächelte.

Cass blinzelte und wandte sich Piett zu. „Sir, ich habe doch nur das Shuttle geflogen…“

  „Nur?“ fragte Piett amüsiert. „Offensichtlich haben Sie ihn so beeindruckt, daß er es für angemessen hielt. Wie Sie wissen, fliegt er normal selbst.“

  „Das ging in diesem Fall nicht… er wollte den jungen Mann retten.“

Piett musterte ihn neugierig. „Dürfen Sie mir davon erzählen? Ich weiß nicht, was geschehen ist.“

  „Naja… aus irgendwelchen Gründen hing der Rebell an einer Wetterantenne unterhalb der Wolkenstadt. Über dem Nirgendwo. Ich habe keine Ahnung, wie er dahingekommen ist – und auch nicht, woher Lord Vader das wußte.“

  „Die Macht.“ sagte Piett schlicht. „Er sieht Dinge, bevor sie passieren.“

Cass machte große Augen. „Nun… er befahl mir, die Luke zu öffnen und nah heranzufliegen. Die Winde waren mörderisch, aber er wollte sich nicht davon abbringen lassen, obwohl wir keine Seile hatten… und ich versuchte also, so dicht wie möglich heranzukommen. War nicht einfach… ich dachte, der Abstand sei noch zu groß… aber es scheint gereicht zu haben. Dann setzte ich das Schiff auf Autopilot und langsame Fahrt und half ihm, den Jungen zu bergen.“

  „Ich verstehe…“ Piett lächelte. „Gute Arbeit, Captain.“

  „Aber… deshalb ernennt er mich jetzt zu seinem Piloten?“

  „Allzu oft werden Sie das Vergnügen, ihn zu fliegen, nicht haben, fürchte ich.“

  „Aber ich bin kein Pilot. Ich gehöre zur 501sten…“ Cass war immer noch verwirrt.

  „Und das werden Sie auch weiterhin. Aber Sie gehören jetzt noch zusätzlich zu Lord Vaders Stab.“

  „Ohne die 501ste zu verlassen?“

Piett schmunzelte. „Nein… ich würde eher sagen, Sie sind soeben einem noch sehr kleinen und sehr exklusiven Club beigetreten.“

Cass ahnte etwas und riß die Augen weit auf. „Er will es tatsächlich tun?“

Piett sah sich erschrocken und vorsichtig um, was Cass als Antwort genügte. Er grinste begeistert. „Ich bin dabei! Und Vaders Faust wird geschlossen hinter ihm stehen!“

 

Veers schwebte in seinem Stuhl neben Vader her und sah zu ihm auf. Sein Freund spürte den Blick und erwiderte ihn.

  „Wie geht es Dir?“ fragte er leise und besorgt. Sie hatten sich immerhin einige Tage nicht gesehen.

  „Wie geht es MIR?“ echote Veers verblüfft. „Ich sollte besser fragen: wie geht es DIR? Wie lief es? Was ist passiert?“

Vader hielt Kurs auf seine Räume. „Nicht allzu gut. Die Rebellen wurden wie erwartet gefangengenommen – schlußendlich entkamen sie allerdings. Der Schmuggler wurde in Karbonit eingefroren und Boba Fett für Jabba den Hutten übergeben – was ihm vermutlich das Leben retten dürfte. Der Administrator der Anlage, Calrissian, schloß sich dem Rebellentrupp an. Und Luke…“ Er seufzte. „Er zeigte sich alles andere als kooperativ. Er wollte unbedingt kämpfen. Ich zögerte es hinaus, aber es ließ sich nicht vermeiden. Ich dachte, ich könnte ihn ein wenig auspowern, aber er ist zäh… und stur - “

  „Ich glaube, ich weiß, von wem er das hat.“ Veers grinste ihn auf dem leeren Gangstück liebevoll an.  Vader schnaubte.

  „Ich war einen Moment unachtsam, er traf mich. Ich schlug im Reflex zurück und trennte ihm seine Hand ab.“ Aus seiner Stimme klang der Schmerz deutlich heraus.

  „Oh…“ Veers hätte ihn gern tröstend berührt, aber es kamen Leute entgegen, und so ließ er die bereits erhobene Hand wieder in den Schoß sinken.

Vader schwieg, bis sie wieder allein waren. „Darauf zog er sich natürlich noch mehr zurück. Ich begann zu reden, wollte ihn überzeugen – aber natürlich umsonst. Ich wagte als letzte Hoffnung die Flucht nach vorn, sagte ihm, daß ich sein Vater sei… und offensichtlich fand er das so schockierend und abstoßend, daß er sich in einen Abgrund fallen ließ.“

  „WAS?!?“ Veers bremste seinen Stuhl so heftig, daß er beinahe hinausgefallen wäre. Ohne Umstände trat Vader hinter ihn, packte den Stuhl und schob ihn die letzten Meter zu seinem Quartier und hinein. Den Mächten sei Dank gab es keine Beobachter für diese Aktion.

Die Tür schloß sich zischend, und zischend strömte Luft in das Vakuum des Helmes. Vaders Gesicht, das sich beim Ablegen der Maske zeigte, war grau und ernst. „Ja. Ich hätte ihn fangen können – aber ich sah voraus, was passieren würde – daß er einigermaßen unversehrt unter der Stadt auf einer Antenne hängenbleiben würde. Und so ließ ich den Sturz zu.“

Veers starrte ihn an, dann nickte er langsam. „Verstehe. Wenn du ihn gefangen hättest, hätte er vermutlich versucht, sich gleich nochmals hinunterzustürzen. So hatte er Zeit, nachzudenken, daß er vielleicht doch am Leben hängt…“

Vader seufzte bestätigend. „Ich rannte um ein Shuttle, hatte das Glück, in Cass einen hervorragenden Piloten zu finden und holte ihn… kurz, bevor die Rebellen im Falken das gleiche tun konnten. Ich frage mich…“ Sein Blick verdüsterte sich. „Woher wußten die, daß er da hing?“

  „Ein Funkgerät?“ schlug Veers vor.

  „Ich habe keins bei ihm gefunden.“

  „Er hätte es verloren haben können.“

  „Möglich. Aber…“

  „Hm?“

Vader brummte ärgerlich und begann, seine Rüstung abzulegen. „Ach, ich weiß auch nicht. Eine leichte Erschütterung der Macht… aber ich habe nicht darauf geachtet.“

  „Du meinst, er hat jemanden gerufen?“

  „Möglich. Aber wen sollte er schon gerufen haben? Außer mir gibt es niemanden, der ihn hören könnte. Besser gesagt: hören und ihm helfen.“

Veers beobachtete ihn, wie er einen flachen Bactapack auf die Schulterwunde klebte und in neutrale Kleidung schlüpfte.

  „Er lebt. Das ist das Wichtigste, oder?“

  „Ja.“ Vader seufzte. „Ich werde viel Zeit brauchen… aber jetzt kümmere ich mich zuerst einmal um seine Hand. Ich möchte es wieder gutmachen… so gut es eben geht.“

 

Admiral Piett zog sich in seine Räume zurück, nachdem er sich von dem vollkommen überdrehten und enthusiastischen Cass verabschiedet hatte, der mit seinen Freunden der 501sten, genannt „Vaders Faust“, feiern wollte. Er hatte ihm noch den Schwur abgenommen, mit niemandem über das Geheimnis des kleinen Bundes zu sprechen, aber es zeigte sich, daß Cass sehr genau verstanden hatte, worum es ging. Er versprach, seine Arbeit zu tun und sich nach Störfaktoren umzusehen – Leuten, die unter Umständen nicht dem dunklen Lord treu waren und bei einer offenen Machtergreifung gegen ihn arbeiten würden. Und das nicht nur unter seinen Kameraden in der Legion, sondern in weiterem Umfeld.

Piett vertraute Vaders Urteil, aber er hoffte, Cass würde nicht über das Ziel hinausschießen.

Er ließ sich an seinem Terminal nieder und aktivierte es, um etwas zu tun, das er schon lange tun wollte, aber immer wieder verschoben hatte: nachzusehen, wer Vader war. Er hatte den Namen Skywalker aufgeschnappt, in Verbindung mit dem jungen Rebellen, den er nun mitgebracht hatte, und dieser Name hatte Erinnerungen in ihm geweckt.

Er gab den Namen ein und erhielt drei Ergebnisse.

Skywalker, Anakin

Skywalker, Luke

Skywalker, Shmi

Er wählte den dritten zuerst an, da er ihm weiblich zu sein schien. Und ja: eine Frau, gestorben im Alter von nur fünfzig Jahren – nein, umgebracht von Tusken-Räubern auf Tatooine. Sie war eine Sklavin gewesen, zuerst der Hutten, dann eines Toydarianers, bis sie von einem menschlichen Mann freigekauft und geheiratet worden war. Ein Sohn, Anakin. Ah. Aber dieser war schon vorher da – besser gesagt, schon nicht mehr da, als sie heiratete. Jedenfalls wurde er nicht mehr erwähnt.

Anakin… Anakin Skywalker. Genau. Ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus, aber wie bei einer Pralinenschachtel wählte er zunächst den anderen Namen.

Zu seiner Überraschung war da nur sehr wenig: wohnhaft gemeldet ebenfalls auf Tatooine, Hüter (Owen und Beru Lars, beide Namen sagten ihm nichts) wegen imperiumsfeindlicher Umtriebe getötet, auf der Flucht. Der Rest der Akte war gesperrt.

Er runzelte die Stirn und versuchte es mit seinem persönlichen Zugangscode, und tatsächlich klappte es. Staunend las er, daß der Junge – es mußte sich wirklich um den Gefangenen handeln – für die Befreiung Prinzessin Leias auf dem ersten Todesstern verantwortlich war, und, noch schlimmer, er der Pilot gewesen war, der den Schuß abfeuerte, der zu dessen Zerstörung geführt hatte! Er scrollte in dem Bericht nochmals nach ganz oben und bemerkte, daß sein Zugangscode gerade ausreichend gewesen war, um diese Information zu bekommen. Niemand, dessen Rang niedriger gewesen wäre als seiner, hätte es lesen können.

Ein Rebell, also… das war klar gewesen. Und offensichtlich Vaders Sohn.

Er überflog die restlichen, wenigen Angaben. Er mußte jetzt 22 sein. War in Gesellschaft des gesuchten Jedi-Ritters Obi-Wan Kenobi gewesen. Mitglied der Rebellion im Rang eines Commanders. Eng befreundet mit Leia Organa von Alderaan, dem Schmuggler Han Solo und dem Wookiee Chewbacca, dessen Copiloten.

Schulterzuckend wandte er sich dem dritten und letzten Namen zu.

Ja. Ja! Da war er – der Held seiner Kindheit. Anakin Skywalker, Jedi-Ritter, Mitglied des Jedi-Rates, genannt der Held ohne Furcht in ungezählten Abenteuern, die er mit seinem Meister und Freund Obi-Wan Kenobi erle-

Er stutzte. Moment. Obi-Wan? Hatte Vader ihn nicht auf dem ersten Todesstern in einem Duell getötet? Er gab den Namen ein und nickte, als er das Ergebnis erhielt. Was mochte da vorgefallen sein, damit ein Schüler auf seinen ehemaligen Meister – und Freund – losging, um ihn zu töten?

Er wechselte zurück auf die Abenteuer Anakin Skywalkers und war alsbald vertieft und verloren in Vids und Bildern, die Ellbogen aufgestützt, die Fäuste in die Wangen gestemmt und aufgeregt wie ein Kind, das verlorengegangen geglaubte Spielsachen wiederfindet…

 

Als Luke das nächste Mal erwachte, hörte er zunächst Stimmen, die den milchigen Nebel des langsamen Zusichkommens durchdrangen, und spürte sanfte Hände, die seine Linke berührten.

  „Noch ein wenig kürzer, Corva.“ Die Stimme eines Mannes, dunkel und voll.

  „Das habe ich befürchtet. Nicht jeder hat so große Pranken wie - “ Eine Frau, warm und deutlich amüsiert.

  „Er kommt zu sich.“ Wieder der Mann, der sie hörbar hastig unterbrach. Neugierig öffnete er die Augen.

Der Mann stand neben ihm; er trug bequeme Kleidung, die alles andere als uniform aussah, darüber hatte er allerdings einen offenen Heilerkittel gezogen. Er war sehr groß und breitschultrig, sein Haar raspelkurz, dunkelblond und irgendwie flaumig, und seine Augen waren von einem strahlenden Blau – noch intensiver gar als seine eigenen.

Im Hintergrund an einem Tisch saß die Frau – eine Schönheit mit hohen Wangenknochen und langem, lackschwarzen Haar – eindeutig eine Ärztin. Sie war offensichtlich damit beschäftigt, die Finger einer Handprothese zu kürzen.

Luke blinzelte, versuchte, wach zu werden. Beide machten einen offenen, freundlichen Eindruck.

  „Hallo.“ sagte er, noch ein wenig groggy. „Ich bin Luke Skywalker. Und wer sind Sie?“

Der Mann runzelte die Stirn, schien ein wenig erstaunt – und beinahe enttäuscht über irgend etwas.

Die Frau zögerte. „Ich bin Corva, Bordärztin der EXECUTOR. Und dies ist - “

  „Songan Tyee.“ anwortete der Mann, vielleicht eine Spur zu schnell und warf der Frau einen, wie es schien, warnenden Blick zu. Diese nickte, schien aber überrascht. „Ich gehe Corva ab und zu ein wenig zur Hand. Wie zum Beispiel jetzt.“ Er lächelte und hielt einen mechanischen Finger hoch, den er wohl an Lukes linker Hand abgemessen hatte. „Er ist noch zu lang.“

  „Zu lang?“ echote Luke verständnislos.

Corva hielt die ganze Hand hoch. „Dies ist eine von Lord Vaders Reservehänden. Er wollte, daß Ihr sie bekommt, weil sie besser ist als die Standardprothesen, die wir auf Lager haben. Aber sie ist zu groß – seine Lordschaft hat viel größere Hände als ihr. Wir müssen sie anpassen.“

  „Eine Hand.“ wiederholte Luke und begriff immer noch nicht. Der Mann – Tyee – sah ihn mit großen Augen an, in denen plötzlich tiefes Bedauern und beinahe Trauer stand, und noch etwas. Angst? Er lenkte Lukes Aufmerksamkeit auf seinen rechten Arm.

  „Lord Vader bedauert das wirklich sehr. Es war ein Reflex.“, sagte er dann, letzteres ein wenig lahm. „Glaubt mir, er wünschte, er könne es ungeschehen machen.“  Dies allerdings kam mit viel Nachdruck und Überzeugung.

Luke starrte ungläubig auf den Stumpf, in dem sein Arm endete. „Meine Hand!“ schrie er und fuhr hoch. Sofort war der Heiler bei ihm und drückte ihn sanft, aber bestimmt zurück. „Meine Hand! Was ist mit meiner Hand passiert?“

  „Sie wurde Euch abgeschlagen, während des Duells…“ sagte er leise, mit einem sonderbaren Schmerz in der Stimme. „Erinnert Ihr Euch nicht mehr?“

Lukes Ausdruck wurde hart. „Doch… jetzt kommt es langsam wieder. Das war, bevor er mir sagte… mir sagte…“ Er unterbrach sich und starrte den Heiler an. „Er bedauert es?“ spie er aus. „Das glaubt Ihr doch wohl selbst nicht! Wir reden hier von Darth Vader, wie könnte ER so etwas bedauern? Er ist ein Killer, ein Sadist, ein skrupelloser - “ Ihm gingen die Worte aus, während er rot anlief vor Wut. Vergessen war, was er unter Bespin gefühlt hatte, verloren der Funken Vertrauen.

Der Heiler wandte sich hilfesuchend zu Corva um. Sie nickte, legte die Prothese beiseite und kam näher.

  „Das alles sagt man ihm nach“, sagte sie ruhig, „und noch mehr. Und vielleicht ist er das auch – muß er es sein, zuweilen. Aber ich versichere Euch: Ihr seid sein Sohn, und er hätte sich lieber selbst ein Glied abgetrennt als Euch zu verletzen. Er wollte Euch nicht wehtun, unter keinen Umständen. Er leidet sehr darunter, es getan zu haben… unwillentlich, aus einem Kampfreflex heraus.“

  „Ha!“ schnaubte Luke, ohne darauf einzugehen, daß sie offensichtlich von der Verwandtschaft wußte. „Diese Märchen könnt Ihr kleinen Kindern erzählen!“

  „Es ist wahr.“, sagte sie ruhig. „Ich behandle ihn seit vielen Jahren, und ich kann Euch nur versichern: er ist ein guter Mann, der Vertrauen und Respekt mehr als verdient. Er ist nicht das Monster, für das ihn die Galaxis hält. Aber es wird Zeit brauchen, bis Ihr das versteht, das ist mir klar. - Uns.“, ergänzte sie mit einem Blick auf Tyee, der traurig nickte.

  „Niemals!“ knurrte Luke. „Was soll ich von einem Mann halten, der mich dem Imperator übergeben will? Und zur dunklen Seite bekehren?“

  „WAS?“ schnappte Tyee. „Unsinn! Keins von beidem will - “, er unterbrach sich kurz, „wird er tun!“

  „Und warum hat er mich dann gefangengenommen?“

  „Ihr seid kein Gefangener.“, korrigierte Corva sanft. „Allerdings – und das muß ich zugeben – steht es Euch momentan auch nicht frei zu gehen, also seid Ihr es nach Euren Verständnis wohl doch.“

  „Ah!“

  „Er möchte mit Euch reden. In Ruhe.“

  „Mich bekehren, meint Ihr wohl!“

  „Nein.“, sagte Tyee mit mühsam erzwungener Ruhe. „Nur reden. Erklären. Erzählen. Und Euch kennenlernen.“

  „Den Rebellen Skywalker? Um herauszufinden, wo der Rest von uns steckt?“ ätzte Luke.

  „Nein. Seinen Sohn.“

 

 

22

 Diese Antwort kam mit einem solchen Ernst, daß Luke sichtlich schluckte. Nun erinnerte er sich wieder an das Gefühl der Wärme, der Sorge, die er in Vader gespürt hatte, als der ihn auffing – doch er zweifelte immer noch.

  „Ich will nicht mit ihm reden.“, sagte er trotzig.

Corva lächelte ein wenig. „Ihr solltet Euch hören. Ihr klingt wie ein verstocktes Kind.“

  „Na und?“

Tyee sah Luke seltsam an, bevor er sich wieder über seine Hand beugte und erneut Maß nahm – diesmal wohl für die anderen Finger und die Handbreite selbst. Er schwieg nun, obwohl Luke ihm ansehen konnte, daß ihm etwas auf dem Herzen lag.

  „Was denn?“ sprach er ihn deshalb rebellisch an. „Seid Ihr etwa der Meinung, das große Monster der Galaxis hätte es verdient, daß ich ihm zuhöre, wie er mir neue Lügen erzählt?“

Der andere sah auf, die leuchtend blauen Augen plötzlich angriffslustig blitzend. „Nein. Ich bin der Meinung, Euer VATER hat es verdient, daß Ihr ihm zuhört, wie er Euch WAHRHEITEN erzählt. Denn Ihr seid – wie er – bislang belogen worden. Von vielen Seiten. Unter anderem von Jedi, die ihr beide für Freunde hieltet.“

  „Belogen?“ brauste Luke auf. „Nein! Ben und Yoda - “

  „Obi-Wan Kenobi“, fiel Tyee ihm ins Wort, „hat Euch erzählt, Euer Vater sei tot und von Darth Vader ermordet worden. Nicht wahr? Und Yoda wollte Euch die Ausbildung verwehren – und hat Euch ebenfalls die Wahrheit über Eure Familie verschwiegen.“

Luke öffnete den Mund – und schloß ihn wieder, ohne etwas zu sagen.

  „Und mein sogenannter Vater?“ knurrte er mit etwas Verspätung. „Er wollte mich umbringen!“

  „Wollte er das, ja?“ Tyees Tonfall klang nach einer Krak’jya, die Beute entdeckt hat. Sanft, aber hochgefährlich. „War es nicht eher so, daß Ihr ihn dazu gezwungen habt, mit Euch zu kämpfen?“

  „Songan…“ Corva trat neben ihn und legte ihm sanft eine Hand auf den Arm. Er knurrte, trat aber beiseite und ging an den Arbeitstisch zurück, um an der Prothese weiterzumachen.

  „Woher weiß er so viel?“ Luke starrte dem Heiler verdutzt hinterher.

  „Er ist sein Freund. Wie auch ich. Und viele andere auf diesem Schiff.“, antwortete sie ruhig. „Die EXECUTOR ist sein Schiff, keines des Imperiums… und keines des Imperators.“ Sie wartete, bis diese Worte Luke erreicht hatten, auch wenn er sie vielleicht noch nicht ganz verstand. „Sprecht mit ihm. Gebt ihm eine Chance.“

Luke zog ein Gesicht, dann seufzte er. „Na schön. Aber ich brauche noch ein wenig Zeit.“

Sie nickte. „So viel Ihr wollt. Als erstes werden wir Eure Hand anbringen – und danach könnt Ihr Euch auf dem Schiff frei bewegen. Ihr werdet aber natürlich Begleitung haben.“

  „Natürlich.“ Luke seufzte, dann ging ihm auf, was das bedeutete. „Was meint Ihr mit „frei“?“

  „Was es bedeutet. Frei. Es war sein Wunsch, daß Ihr Euch alles ansehen könnt.“

  „Und die Leute?“

  „Außer einigen seiner Offiziere weiß bislang noch niemand, wer bzw. was Ihr seid. Wenn Ihr wünscht, könnt Ihr eine imperiale Uniform haben, dann wird Euch niemand ansprechen.“

  „…?!“

  „Lehnt es nicht gleich ab.“ Sie grinste. „Denkt darüber nach… und jetzt entspannt Euch. Die Hand wird bald fertig sein.“

 

Luke lehnte sich zurück, während die beiden Heiler wieder am Tisch Platz nahmen und schweigend an der Prothese weiterarbeiteten.

Sein ganzes Leben lang hatte er sich nach einem Vater gesehnt. Er hatte sich ungezählte Male vorgestellt, wie es wohl wäre, wenn er noch lebte und ihn holen käme – und er dann mit ihm Abenteuer bestehen würde, da draußen, auf einem der Myriaden Sterne über Tatooine.

Es gab sogar eine Phase, da hatte er für Vader geschwärmt und sich dasselbe mit ihm vorgestellt. Wie es so viele kleine Jungen getan hatten, damals. Der große, schwarze Ritter, der düster strahlende Held, die eigentliche Macht im Universum. Er hatte es niemandem verraten, und nach einer Weile war es vorüber. Er hatte nie wieder daran gedacht. Bis heute.

Und nun? Nun stellte es sich als Wahrheit heraus. Darth Vader. Sein Vater.

Er dachte an den Streit mit Leia, als er Vader verteidigt hatte. Sie sagte, wenn sie einen solchen Vater hätte, würde sie sich umbringen. Und er hatte ihn verteidigt. Sagte ihr, daß er ihn für brillant hielt.

Das Verrückte war: er tat es immer noch. Vader WAR brillant. Er war ein Genie, ein genialer Taktiker, ein Feldherr ohnegleichen, ein überragender Politiker, ein Kämpfer, ein Krieger, bei dem alles in ihm schrie, ihm nacheifern zu wollen, von ihm lernen zu wollen, in seine Fußstapfen zu treten. Aber…

Aber es war VADER! Vader, der Mörder. Vader, der Tyrann. Vader, das Monster.

Er würde es niemandem erzählen können. Er würde geächtet – in der Allianz, sogar von seinen Freunden. Leia würde ihn umbringen.

Was WOLLTE Vader von ihm? Konnte er ihm vertrauen? Würde er Wort halten und ihn weder zu Palpatine bringen noch ihn auf die dunkle Seite zu ziehen versuchen?

Corva hatte gesagt, er würde sich auf diesem Schiff frei bewegen dürfen. Na gut, sicher würde jemand eingreifen, wenn er versuchte, ein Schiff zu stehlen, etwas zu beschädigen oder eine Geisel zu nehmen. Aber er würde sich alles ansehen können. Lernen. Dinge in Erfahrung bringen. Dinge, die der Rebellion nützen würden, wenn er entkam. Warum ging er solch ein Risiko ein? War es wirklich eine ausgestreckte Hand?

Vielleicht sollte er es wagen, sie zu ergreifen… vorsichtig.

 

Vader beobachtete seinen Sohn, während er arbeitete, und lauschte seinen Gedanken. Sie wurden geradezu in seinen Geist gebrüllt, um genau zu sein… das erste, was er ihm würde beibringen müssen, war ein Schild, um ihn vor dem Kaiser zu schützen und zu verbergen.

Seine Gefühle über das Gehörte waren gemischt. Er wußte zwar, was man über ihn sagte, wie die Meinung vieler über ihn war, aber es von seinem eigenen Sohn zu hören, schmerzte. Aber dies wurde gemildert durch die unzweifelhafte Bewunderung für ihn, die ebenfalls in Luke schlummerte… und die offensichtliche Bereitschaft, DOCH einen Schritt auf ihn zuzugehen. Ein guter Anfang.

Er mußte ihm Zeit lassen. Vielleicht konnte er ein „zufälliges“ Treffen mit Veers beim Essen arrangieren? Und Piett. Später.

Er beendete die Arbeit an seinem Teil der Hand und sah zu Corva hinüber, um zu sehen, wie weit sie war.

Sie blickte auf und grinste, während sie ebenfalls die letzten Handgriffe ausführte und einen Finger wieder fixierte. „’Starker Anführer’?“ flüsterte sie so leise, daß nur er es hören konnte. Und eindeutig amüsiert.

  „Was hätte ich ihm denn sagen sollen?“ flüsterte er zurück. „’Howdy, Sohnemann’? Er wäre vom Schragen gesprungen und aus der Tür gerannt – ohne sie vorher zu öffnen! Ich hoffte, daß er Eurer Sprache nicht mächtig wäre – es war auch extrem unwahrscheinlich. Ich mußte schnell einen Namen finden.“

Ihr Grinsen wurde noch breiter. „Kein Grund, sich zu rechtfertigen. Ich finde es nur witzig.“

  „Ich finde es schade. Ich hatte irgendwo gehofft, daß er mich erkennt… daß er spürt, wen er vor sich hat.“

Ihre Miene zeigte Mitgefühl. „Es ist noch zu früh. Er ist nicht ausgebildet… Niemand hat ihm gezeigt, wie.“

  „Ja.“ Vader seufzte. „Man hat ein Verbrechen an ihm begangen, indem man ihn unausgebildet ließ. Und wenn ich bedenke, was hätte schiefgehen können…“

Sie runzelte fragend die Stirn und legte das Werkzeug beiseite.

  „Jemand, der machtbegabt ist, ist unausgebildet eine potentielle Gefahr für seine Umgebung.“ erklärte Vader leise. „Starke Emotionen können unbewußte Aktionen auslösen. Das kann bis hin zu Verletzungen – oder Mord gehen. Eine wandelnde Bombe.“

Sie pfiff leise. „Holla.“

  „Ja, ‚Holla’.“ Vader lächelte. „Er sieht herüber. Kommt – beenden wir unsere Arbeit.“

Er stand auf, nahm die Prothese und ging zu Luke hinüber. „Seid Ihr bereit? Wir sind fertig. Die Größe sollte nun perfekt für Euch sein.“

Luke sah zu ihm auf. „Ihr sagtet vorhin, es sei eine von Vaders „Ersatzhänden“? Wie meint Ihr das?“

  „ICH sagte das.“ mischte Corva sich schnell ein, die bereits Gewitterwolken über Vaders Haupt dräuen sah. „Mein Fehler. Ich denke, Ihr solltet ihn selbst danach fragen. – Nein“, wischte sie einen noch nicht ausgesprochenen Protest von Luke beiseite, „es steht mir nicht zu, Euch das zu erzählen. Fragt ihn selbst.“ Sie griff nach einem Hypospray und injizierte ein lokales Sedativ in seinen rechten Arm. „So. Und jetzt laßt uns anfangen. Songan, reicht Ihr mir bitte das Laserskalpell Größe drei?“

 

Luke hatte die Behandlung stoisch über sich ergehen lassen; er schwieg während der ganzen Zeit und beobachtete ruhig, wie die beiden Heiler seinen Arm vorbereiteten, Nerven freilegten und mit den künstlichen Surrogaten in der Prothese verbanden. Schließlich wurde die neue Hand sorgfältig im Fleisch verankert und zuletzt eine Art Handschuh aus Synthehaut übergezogen, die offensichtlich nach dem Vorbild seiner Haut gefertigt worden war – in Porung und Farbe paßte sie genau. Und als die Operation beendet war, bemerkte man den Übergang zwischen Synthehaut und echtem Fleisch nur noch, wenn man sehr genau hinsah.

Corva überprüfte ihre Arbeit nochmals genau und lächelte dann befriedigt. „Sehr schön. Dann überlasse ich Euch jetzt Songan. Er wird Euch Euer Quartier zeigen.“

  „Ihr seid mein Betreuer?“ fragte Luke verblüfft.

  „Nein.“ Der Heiler lächelte. „Aber ich glaube, Lord Vader hat noch nicht entschieden, wer es sein wird. Es werden sicher keine normalen Sturmtruppen sein.“

Lukes Augen wurden groß. „Das ist nicht gerade die übliche imperiale Prozedur.“

  „Und warum sollte es das auch sein?“ versetzte Songan ein wenig schärfer als nötig. „Ihr seid kein Gefangener. Ihr seid Lord Vaders Sohn.“

  „Warum dann überhaupt Wachen?“

Songan seufzte. „Weil man Euch nicht kennt. Und natürlich, weil er nicht weiß, ob er Euch so weit vertrauen kann, daß Ihr nicht zu fliehen versucht.“

  „So dumm bin ich nicht.“ knurrte der Junge.

  „Ihr seid vom Todesstern geflohen. Und in Bespin ins Bodenlose gesprungen. Woher sollte er wissen, daß Ihr es nicht versucht?“

  „Treffer.“ Luke grinste schwach. „Aber so kann ich wirklich nicht gehen, ohne für Gesprächsstoff zu sorgen.“ Er wies auf seine Rebellenkleidung. „Andererseits glaube ich nicht, daß eine imperiale Uniform angemessen wäre…“

  „Laßt das seine Sorge sein. Wartet hier.“

 

Vader verließ den Raum und steuerte eine kleine Filiale der Quartiermeisterei an, die hier in der Krankenstation lag. Mit Hilfe der Macht brachte er den Diensthabenden dort dazu, ihm eine graue Uniform mit den Abzeichen eines Commanders auszuhändigen, und machte sich auf den Rückweg zu Luke. Doch bevor er eintrat…

  Max?

  Ja?

  Luke ist soweit versorgt – ich würde gern mit ihm Essen gehen, um ihn ein wenig lockerer zu machen. Möchtest du zu uns stoßen?

  Gerne. In welcher Rolle hättest du mich denn gern? Veers’ Stimme klang amüsiert.

  In deiner eigenen. Vader grinste. Und ich habe kein Problem, dich als meinen Freund vorzustellen… den Freund des Heilers, dessen Name übrigens Songan Tyee lautet. Ich mußte leider tricksen.

  Wie? Songan Tyee?

  Erkläre ich dir später. Komm einfach in die Messe nah der Krankenstation, ja?

  In Ordnung. Bin gleich da.

 

Der Heiler betrat den Raum wieder und reichte Luke die Uniform. „Hier, bitte.“

  „Was bedeuten die Abzeichen?“ wollte Luke wissen. „Ich muß ja wissen, als was ich durch die Gegend laufe…“

  „Ein Commander. Das seid Ihr doch, oder?“

  „Oh. Kein schlechter Einstieg in die imperiale Flotte…“ scherzte Luke und begann, sich auszuziehen.

  „Armee.“ korrigierte Vader, dem soeben eine Idee gekommen war. Einfach und schlicht genial…

Er beobachtete Luke, der sich vor ihm umzog, ohne Scheu oder Scham zu zeigen. Ein Heiler war ein Heiler, der schaute einem nichts weg, also warum schüchtern sein? Und Vader war erstaunt und erfreut über die Muskeln an seinem schlanken, beinahe hageren Sohn – er schien in guter Verfassung zu sein. Sehr schön.

  „Was haltet Ihr davon, mit Eurer neuen Hand auszuprobieren, wie man ein Messer hält und ein Steak schneidet?“ schlug er harmlos vor.

  „Oh, ich bin am Verhungern!“ Luke hob den Kopf und grinste ihn an. „Wie ist die imperiale Küche denn so?“

  „Bescheiden. Aber die der EXECUTOR ist hervorragend, das kann ich Euch versichern.“

Sie setzten sich in Bewegung, als Luke vollständig angekleidet war. Samt der Kappe, die ihm zwar ein wenig albern vorkam, aber sie gehörte wohl dazu.

  „Trotz ihrer Größe?“

Songan lächelte. „Trotzdem. Lord Vader hat eine hervorragende Mannschaft zusammengestellt – das zieht sich bis in die Küchen.“

  „Wie viele Leute sind überhaupt an Bord? Dieses Baby ist so riesengroß…“

  „Neunzehn Kilometer, um genau zu sein. Die Mannschaften umfassen 300.000 Leute, plus 38.000 Truppen.“

Luke starrte ihn mit offenem Mund an.

  „Sie ist die einzige ihrer Art. Eine wirkliche Schönheit.“

  „Eine Schönheit? Eine tödliche Waffe!“ protestierte Luke.

  „Und was ist das da?“ Gelassen deutete Tyee auf das Lichtschwert an Lukes Gürtel. „Ihr solltet es übrigens ein bißchen weniger offen tragen. Nicht, dass doch noch etwas zum Imperator durchdringt.“

  „Das ist ein Symbol, die Waffe eines Jedi! Ich setze es nur im Notfall zum Töten ein!“ Luke nahm es ab, zögerte kurz und steckte es dann in die Innentasche seine Jacke, nicht ohne ein leises Schaudern. Er hatte sich ohnehin schon gewundert, dass man es ihm nicht abgenommen hatte.

Tyee nickte weise. „Und die Lady Ex ist dasselbe. Ein Symbol für Lord Vaders Macht. Sie wird nur im Notfall zum Töten eingesetzt.“

  „Aber - “

  „Rebellenpropaganda steht der Imperialen in nichts nach, Luke. Ihr seid ebenso belogen worden wie er. Mothma braucht ein Feindbild, um ihre Leute bei Laune zu halten, nicht wahr? Und er ist geradezu prädestiniert dazu… mit seiner Rüstung, der Maske, seiner Position im Imperium – und den tatsächlichen Vorfällen, die aber teilweise einen ganz anderen Hintergrund haben. – Hier herein.“ Er deutete auf eine Tür, die sich in eine große Messe öffnete. Sie war relativ belebt, und während sie dort standen, kamen weitere Leute in Uniformen heraus oder gingen hinein, ohne sie weiter zu beachten.

  „Einen anderen Hintergrund?“

  „Ja. Man hört: „Vader löscht Stadt aus – 400.000 Tote!“ und denkt sich: Monster! Mörder! Tatsächlich jedoch hat er das Leben von Millionen gerettet.“

  „Ach.“ spottete Luke. „Und wie das?“ Er hatte von dem Vorfall gehört, der noch nicht allzulange zurücklag.

Tyee blieb im Eingang stehen und sah sich suchend um.

  „In einem der Labors in der Stadt wurde an einer neuen biologischen Waffe gearbeitet – die übrigens gegen das Imperium eingesetzt werden sollte. Es passierte ein Unfall, die Stadt wurde kontaminiert. Das Wetter stand kurz vor dem Umschlag in die Sturmsaison – der ganze Planet drohte, befallen zu werden. Indem die Stadt ausgelöscht wurde, rettete man den Rest der Bevölkerung des Planeten… und ungezählte Leben unschuldiger imperialer Bürger gleich mit. Aber ich vermute, es wurde in EUREN Berichten vertuscht, daß es eine Rebellenwaffe war, hm?“

Tyee hatte gefunden, was er gesucht hatte. Er sah Luke nur kurz mit hochgezogener Braue an und nahm dann den sichtlich geschockten jungen Mann am Arm. „Wir werden erwartet. Da hinten.“

 

 

23

 „Da hinten“ saß Veers in seinem Repulsorstuhl an einem Tisch, der ein wenig abgelegen am Rand stand, abseits von Lauschern und ein wenig abgeschirmt von den Augen der anderen Gäste – obwohl hier niemand wirklich auf andere Gäste zu achten schien, es sei denn, es handelte sich um Freunde und Bekannte. Die Stimmung war gelöst, Gelächter und Wortfetzen drangen durch den Saal und mischten sich mit anregenden Essensdüften.

Der General hatte noch kein Tablett vor sich stehen, aber sein Magen knurrte verlangend bei der olfaktorischen Attacke, und so sah er Vater und Sohn aus mehr als einem Grund freudig entgegen.

Der Junge schien durch irgendwas geschockt und ließ sich mehr mitzerren als er ging, doch als sie an seinem Tisch anlangten, blinzelte er und lächelte höflich. „Guten Tag.“ grüßte er – ein wenig unsicher, denn er erkannte zwar einen Offizier vor sich, wußte aber nicht, welchen Rang dieser innehatte.

Veers erwiderte das Lächeln und streckte ihm die Hand entgegen, während Vader gleichzeitig die Honneurs machte.

  „Luke, dies ist General Maximilian Veers, Kommandeur der Infanterie an Bord der EXECUTOR. Und als solcher wäre er Euer theoretischer Vorgesetzter. Ich denke, es ist in Lord Vaders Sinn, daß Ihr Euch in den nächsten Tagen ein wenig an den General haltet.“

  „Commander Skywalker.“

Luke ergriff Veers’ Hand mit festem Griff und schüttelte sie. „General… ich muß sagen, ich bin überrascht.“

Überrascht? Geschockt traf es eher, als Tyee sich nun kurz herabbeugte und Veers küßte, bevor er neben ihm Platz nahm und Luke angrinste. Und auch Veers war überrascht, wie es schien, doch dann lächelte er ebenfalls.

  „Ja… das glaube ich sofort.“ erwiderte Max dann auch trocken, als Lukes Augen sich noch mehr weiteten. „Setzt Euch, Commander. – Wir sind zusammen, wie Ihr vermutlich bereits erraten habt. Und Eure Überstellung in meinen Bereich ist einfach zu erklären. Euer Vater hätte Euch auch Admiral Piett anvertrauen können, aber ich bin derzeit ein wenig… indisponiert und habe daher mehr Zeit, die ich nun sinnvoll gebrauchen kann.“ Max deutete nach unten, auf den Stuhl, den Luke jetzt erst bemerkte.

  „Was ist Euch passiert?“ fragte er betroffen.

Veers lächelte. „Ich fürchte, wir kämpften auf Hoth gegeneinander, Commander. Ich führte den AT-AT-Angriff an, und einer Eurer Piloten stürzte in mein Cockpit.“ Er ließ keine Regung wie Haß oder Aggression erkennen, und so blieb Luke dahingehend relativ entspannt, obwohl er den General besorgt musterte. „Keine Sorge, Commander. Wir befinden uns im Krieg, und solche Dinge passieren. Seid versichert, ich hege keinen Groll gegen Euch. – Meine Beine wurden bei diesem Angriff komplett zerschmettert, und die Medidroiden wollten amputieren – doch Euer Vater verhinderte dies und heilte mich.“

  „Er… HEILTE Euch?“ echote Luke verblüfft, vollkommen baff ob dieser Tatsache.

  „Ja. Er verbrachte Stunden damit, die Splitter meiner Knochen wieder zusammenzufügen, und rettete so meine Beine.“

  „Was ist daran so erstaunlich?“ warf Tyee ein.

  „Heilen… das ist die lichte Seite. Er ist Sith-Lord. Seine Seite ist die Zerstörung, das Chaos!“

  „Unsinn.“ Tyee brummte verärgert. „Glaubt Ihr wirklich, er wäre so hoch gestiegen, so weit gekommen, wenn er wirklich das Monster wäre, als das er dargestellt wird?“

Luke sah Veers an. Ignorierte den Heiler für den Moment. „Glaubt Ihr nicht, er tat das nur, um Euch an ihn zu binden? Damit Ihr ihm etwas schuldig seid?“

Veers griff blind und blitzschnell nach Tyees Hand und hielt ihn fest, ohne den Blick von Luke abzuwenden. „Nein, Commander. Er tat es einzig und allein, weil er mich schätzt und der Meinung war, gesunde Beine seien besser als Prothesen – oder ein Leben im Repulsorstuhl. Und bevor Ihr jetzt auf Eure Hand zu sprechen kommt: ich weiß davon. Und ich weiß, daß er sich sehr große Vorwürfe macht und seine Reflexe verflucht. Wenn er könnte, würde er es rückgängig machen, das weiß ich. Niemand weiß besser als er, was es heißt, Prothesen zu besitzen…“

Der Rebell sah den General eine ganze Weile an und versuchte, das Gehörte einzuordnen und zu verdauen. „Ihr mögt ihn wirklich, nicht wahr?“

  „Mehr als das, Luke. Ich verehre ihn zutiefst. Ich würde für ihn sterben – so wie übrigens nahezu jeder auf diesem Schiff.“ Veers spürte, wie Vaders Hand sich leicht in der seinen bewegte, und fühlte einen mentalen Kuß. Nur mit Mühe konnte er ein Lächeln unterdrücken. „Und wenn Ihr ihm die Chance gebt, ihn besser kennenzulernen, werdet Ihr begreifen, warum.“

Der Junge sah immer noch zweifelnd aus, und Vader nutzte den Moment für eine kleine Ablenkung.

  „Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe Hunger. Ich rieche Xachibik Broth – kennt Ihr das? Es ist ein Gericht von Kashyyyk – dreimal?“ Ohne Antwort abzuwarten, erhob er sich und ging zum Tresen.

Veers lächelte Luke aufmunternd an. „Er ist kein Monster, mein Junge. Gebt ihm eine Chance. Er hat es verdient.“

 

Der Heiler kehrte mit einem Tablett zurück, auf dem drei große Schalen des Fleisch- und Gemüseeintopfs standen, auch an Getränke hatte er gedacht. Er setzte sich und verteilte Schüsseln, Gläser und Besteck, dann begann er, mit Appetit zu essen.

Luke und Veers folgten seinem Beispiel, und der Junge staunte. „Nicht schlecht – Chewbacca hat das einmal für uns gekocht, und es schmeckte nur ein wenig besser als das hier.“

  „Die Köche sind angehalten, sich überall in der Galaxis nach Gerichten umzutun. Gemüse und Fleisch werden nur frisch verarbeitet, was bedeutet, daß wir regelrechte Farmen an Bord haben. Zugekauft werden muß natürlich trotzdem noch, dazu sind wir einfach zu viele. Aber es wird soweit als möglich aus Eigenproduktion verkocht.“ erklärte Veers.

Luke staunte noch mehr, und sein Respekt wuchs – eigentlich gegen seinen Willen.

  „Wie geht es jetzt weiter?“ wollte er dann wissen.

  „Sollten Sie das nicht Ihren Vater fragen?“ schlug Max ruhig vor.

Der Junge zog eine Grimasse, nickte dann aber. „Na schön. Könnten Sie bitte ein Treffen für mich arrangieren, General?“

  „Aber natürlich, gern. Heute nachmittag, vielleicht. Ich werde ihn nachher fragen.“

Ein junger Offizier in Lukes Alter trat an ihren Tisch und verneigte sich leicht vor Veers. „Guten Tag, Sir.“ Dann nickte er Vader höflich zu und grinste schließlich Luke an. „Hallo. Corva hat mir gesagt, daß ich dich hier finden könnte. Ich bin Arik Cass – ich habe dir was mitgebracht, ich dachte, du könntest es brauchen – aber wie ich sehe, bist du schon versorgt.“ Er hob eine Tasche hoch und ließ Luke hineinsehen, sie enthielt Freizeitkleidung in neutralen Farben.

Veers und Vader sahen sich an und lächelten ein wenig gerührt, Luke starrte ein wenig verständnislos. „Du bist wer, bitte?“

Cass lachte. „Entschuldige. Commander Arik Cass, zu Diensten.“

  „Captain.“ korrigierte Vader mit einem amüsierten Lächeln.

  „Oh, richtig…“ Cass grinste und wurde ein wenig rot, während er Vader unauffällig musterte, sich dann aber wieder Luke zuwandte. „Ich hatte die Ehre, Lord Vader helfen zu dürfen, Dich zu bergen unter der Wolkenstadt.“

  „Du warst der Pilot?“ schlußfolgerte Luke interessiert. „Guter Flug!“

  „Danke.“ Cass lächelte. „Er hat mir immerhin eine Beförderung eingebracht.“

Vader grinste nun offen, was Veers veranlaßte, ihm unter dem Tisch, unbemerkt von den anderen, einen mahnenden Knuff zu verpassen. „Setzen Sie sich doch, Captain.“ bot Max an, um abzulenken.

  „Danke, General.“ Cass glitt auf den vierten Stuhl. „Nette Uniform.“ Er grinste.

  „Ein Vorschlag der Ärztin – oder meines Va-“, er biß sich auf die Lippe, unsicher, ob Cass es wußte. Dieser lächelte jedoch nur und nickte. „Oder meines Vaters, ich weiß nicht. Es soll mich an Bord sozusagen unsichtbar machen.“

  „Für ein paar Tage, jedenfalls.“ Cass nickte. „Die Lady Ex ist riesig, aber die Leute kennen einander trotzdem relativ gut, zumindest vom Sehen. Wie eine gigantische Großfamilie. Naja… magst du es trotzdem haben? Als wir dich reinholten, bemerkte ich, daß wir fast dieselbe Größe haben… müßte dir also passen.“

  „Commander Skywalker wird in seinem Quartier alles vorfinden, was er braucht, oder es wird besorgt werden.“ Warf Vader amüsiert ein. „Aber die Geste ist überaus freundlich, Captain.“

Cass starrte ihn beinahe unverhohlen an. Etwas in der Stimme… der Haltung… der Art, sich zu bewegen bzw. das eben NICHT zu tun… die Größe und Statur… und das offensichtliche Interesse an dem Jungen…

  „Captain Cass, dies ist Songan Tyee, ein Heiler.“ beeilte Veers sich zu sagen. „Er hat Corva geholfen, die Prothese anzubringen.“

Schlagartig wurde Cass klar, wen er vor sich hatte – und auch, daß Vader dies genau wußte. Er schoß von seinem Stuhl hoch und ergriff die Hand, die ihm gereicht wurde, drückte sie begeistert und ehrfürchtig. „Sir! Es ist mir eine Ehre, Sie kennenzulernen!“

Vaders blaue Augen blitzten vor Lachen. „Setzen Sie sich wieder, Captain. Ich bin nur ein Heiler.“

Cass verstand und erwiderte das Lächeln. „Aber was für einer, Sir.“ Er nahm wieder Platz.

  Max… ich will mit Cass reden – ich denke, ich habe meinen Babysitter gefunden. Kannst du Luke bitte sein Quartier zeigen?

  Natürlich. Veers unterdrückte ein Lächeln. Ich bringe ihn in zwei Stunden zu dir, einverstanden?

  In Ordnung.

  „Luke, wollen wir unsere Runde starten?“ sagte er dann laut. „Ich werde Ihnen zeigen, wo Sie untergebracht sind, die Messen und Läden darumherum und einiges mehr…“

  „Natürlich, General.“ sagte Luke höflich und erhob sich. Die beiden verließen den Saal, bereits in eine angeregte Plauderei vertieft. Vader wandte sich Cass zu.

  „Mylord.“ sagte dieser ehrfürchtig, aber sehr leise.

  „Wärt Ihr bereit, Euch um ihn zu kümmern, Arik?“ fragte dieser ruhig. „Ich möchte, daß er die nächsten Tage stets begleitet wird, aus mehreren Gründen.“

  „Ich verstehe.“ nickte der junge Offizier. „Die Lady Ex ist kein normaler Sternzerstörer – und Ihr seid nicht der, für den er Euch hält. Und er ist instabil, schätze ich. Obwohl er langsam aufzutauen scheint.“

Vader nickte. „Und das könntet Ihr verstärken. Ihr seid im selben Alter, Ihr habt geholfen, ihn von der Antenne zu pflücken, Ihr habt einen recht hohen Rang für Euer Alter…“

  „Ich bin das Paradebeispiel des imperialen Offiziers, der ihm so gar nicht in sein Weltbild paßt.“ Cass grinste. „Es ist mir eine Ehre, Mylord. Sagt mir nur, was er nicht sehen darf…“

  „Eigentlich will ich nichts vor ihm verbergen – das ist ja der Trick. Absolute Offenheit erwartet er am Wenigsten.“

Cass zog überrascht eine Augenbraue hoch. „Alles klar. Damit habt Ihr sicher Recht. – Ich nehme an, es werden trotzdem zwei meiner Kameraden vor seiner Tür postiert, so lang er schläft oder sich allein in seinem Quartier aufhält?“

  „Ja – aber das wird nicht lange nötig sein. Wir werden die EXECUTOR bald verlassen und einen anderen Ort aufsuchen, an dem ich ihn hoffentlich dazu bringen kann, mit mir zu reden…“

  „Ich werde tun, was ich kann, um das zu unterstützen, Mylord.“

 

Luke begleitete Veers durch die Gänge der EXECUTOR. Zweimal hatten sie auch einen Turbolift genommen, um die schier unglaublichen Entfernungen schneller zu überbrücken.

Er staunte immer mehr. Soldaten und Offiziere, sogar Mannschaften, die ihnen entgegenkamen, grüßten freundlich, und Veers erntete fast immer ein Lächeln – er schien beliebt zu sein auf dem Schiff. Luke wurde ein wenig an General Rieekan erinnert, der unter den Rebellen einen ähnlichen Status einnahm. Außerdem gab es wenig Hektik an Bord, nur effiziente Zielstrebigkeit, und niemand sah verängstigt oder übermäßig psychisch belastet aus.

Sie verließen einen dritten Lift, der sie in einen Quartierbereich führte, und machten nach einigen Metern vor einer Tür Halt.

  „Dies wird Ihr Quartier werden, Commander.“ sagte Veers und öffnete die Tür mit einer Codekarte, die er dann Luke in die Hand drückte. „Die Räume Ihres Vaters sind ein Stück weiter hinten.“ Max hatte auf Vaders Bitte das Quartier selbst vorbereiten lassen und mit allem ausgestattet, was ihm nötig erschien.

Die Tür glitt auf und gab den Blick auf eine relativ großzügige Wohnung frei, bestehend aus einem Wohnbereich mit Medienterminal, einem Schlafzimmer und einem Erfrischer. Als besonderen Luxus wies sie sogar ein Außenfenster auf, hinter dem das milchige Leuchten des Hyperraums zu erkennen war.

Luke sah sich um und zog eine Augenbraue hoch. „Sind das die Räume des Imperators, wenn er an Bord ist?“

Veers sah ihn überrascht an. „Aber nein. Das ist ein ganz normales Offiziersquartier, wie es Ihrem Rang entspricht.“

  „SO GROSS?“

  „Groß?“ Max sah sich um und zuckte verständnislos die Schultern. „Wir erwarten von unseren Offizieren, dass sie sich mit Hintergrundmaterial beschäftigen, auch in ihrer Freizeit Projekte vorbereiten, Berichte schreiben oder Beurteilungen machen. Dazu brauchen sie Raum und Ruhe. Gut, auf Schiffen wie der DEVASTATOR zum Beispiel sind sie ein wenig kleiner, ja, aber nicht viel. Dies hier ist immerhin das Flaggschiff.“

Luke betrat das Schlafzimmer. Ein Bett in menschlicher Standardgröße, ein Schrank über die gesamte Schmalseite einer Wand. In Ordnung… nicht übertrieben. Der Erfrischer jedoch…

  „Ist diese Dusche etwa mit… Wasser?“ Was für ein unerhörter Luxus!

  „Äh… ja? Natürlich. Wasser und sonisch, nach Wunsch.“ Max wurde immer verwirrter. In welchen Zuständen mussten die Rebellen hausen? „Jedem Besatzungsmitglied steht einmal pro Tag eine Dusche zu. Wer übertreibt, wird selbstverständlich verwarnt.“

Luke kehrte vollkommen baff ins Schlafzimmer zurück und öffnete die Schränke. Er fand einige Satz Uniformen sowie Freizeitkleidung, alles in seiner Größe. Dazu Stiefel, Socken und Wäsche.

  „Die Reinigungsschwadron kommt einmal täglich. Die Wäsche hier hinein“, er deutete auf eine Klappe in der Wand, „Handtücher werden zweimal die Woche getauscht.“ Veers musterte den verwirrten Jungen zunehmend besorgt. „Stimmt etwas nicht, Commander?“

  „Ich habe noch nie solchen Luxus erlebt, General. Wasserduschen. Quartiere dieser Größe. Regelmäßig gereinigte Kleidung.“ Luke flüsterte beinahe und ließ sich auf das Bett sinken. „Bequeme Matratzen.“ Er lächelte schräg.

Veers wusste nicht, was er sagen sollte und schwieg ein wenig peinlich berührt. „Ich hoffe, Sie glauben nicht, dass dies eine arrangierte Protzerei im Auftrag Ihres Vaters ist, um Sie zu beeindrucken.“ sagte er schließlich. „Sie können gerne andere Quartiere einsehen… es ist schlicht imperialer Standard. Oder besser: Standard an Bord der EXECUTOR.“

  „Schon gut, General. Ich glaube Ihnen ja. Aber ich muß zugeben, ich bin beeindruckt.“  Luke lächelte, und Veers erwiderte es warm.

  „Nachts und wenn Sie sich hier aufhalten, werden leider Wachen vor der Tür stehen.“ sagte er dann entschuldigend. „Zumindest anfangs. Was die Medienbox angeht… Sie haben uneingeschränkten Zugriff auf das Holonet und die Bordbibliothek, aber ich muß Sie warnen: sollten Sie versuchen, eine Nachricht an ihre Freunde oder jemanden in der Rebellion abzusetzen, wird das bemerkt werden.“

  „Natürlich.“ Luke war nicht überrascht, er hatte nichts anderes erwartet.

  „Gut. Dann werde ich jetzt einmal nachfragen, wann er Zeit für Sie hat.“ Veers zog einen Kommunikator aus der Tasche, wählte eine Nummer und aktivierte ihn.

  „Veers. Lord Vader, Euer Sohn würde gerne mit Euch sprechen. – Zwei Stunden? Gut. Wo? – Gut. – Ja, ich habe verstanden. Ich werde ihn dorthin bringen.“

Er beendete das Gespräch, deaktivierte das Gerät und steckte es wieder weg. „Ich soll Euch auf die Brücke bringen, die er Euch zeigen möchte. Anschließend wird er mit Euch in die Gärten gehen.“

Wieder einmal verblüfft, starrte Luke auf den Kommunikator. „Er ist jederzeit erreichbar für Euch?“

Veers schwankte zwischen Lachen und Verzweiflung. „Luke, er ist der Kommandant dieses Schiffes! Natürlich ist er für mich erreichbar – und für jeden anderen, der ihn braucht! Was dachtet Ihr denn?“

  „Er ist der zweitmächtigste Mann des Imperiums. Ich hätte erwartet, dass er sich abschottet… über allem schwebt, unerreichbar.“

  „Gottgleich?“ Veers grinste. „Nein. Er wäre ein schlechter Kommandant, wenn er das täte, oder?“

Luke dachte an Mon Mothma, die ähnlich Hof hielt wie Palpatine. Ihr Ohr war verschlossen und nur über verschlungene Umwege erreichbar. Nur bei großen Anlässen ließ sie sich blicken und spielte Volksnähe. Madine und Ackbar waren nicht viel besser, Dodonna hatte sich seit Yavin auch mehr und mehr zurückgezogen… lediglich Rieekan war nach wie vor für seine Leute da. Eine Ausnahme.

Luke seufzte. Offensichtlich gab es so einiges, was er im Bild seines Vaters korrigieren musste…

 

Der weitere Rundgang beinhaltete weitere wichtige Stationen im Bordleben der EXECUTOR: Hangars, Einkaufszentren, Sportstätten, Wissenschaftliche Einrichtungen, von denen es erstaunlich viele gab. Und wohl oder übel mußte Luke seine Ansicht über diese pfeilspitzenförmige Waffe revidieren: sie konnte viel, viel mehr als nur töten. Und offensichtlich war dies nicht einmal ihr Primärzweck.

Schließlich erreichten sie die Brücke – und wieder war er schlicht sprachlos. Schon allein aufgrund der schieren Größe, der Schlichtheit und Effektivität der Ausstattung und der Ruhe und Gelassenheit, mit der hier gearbeitet wurde. Oh, sicher… er bemerkte auch eine nervöse Grundstimmung im Raum, die eindeutig mit der Anwesenheit Vaders zusammenhing. Niemand war erpicht darauf, in seiner Anwesenheit einen Fehler zu begehen. Aber die Angst war gepaart mit Respekt. Und… Bewunderung? Einige der Offiziere warfen ihm immer wieder Blicke zu, die aber nichts mit Furcht zu tun hatten.

Sein Vater stand am anderen Ende der Brücke vor einem gigantischen Aussichtsfenster, um ihn herum einige Offiziere, denen offensichtlich Anweisungen erteilt wurden. Sie hörten aufmerksam und konzentriert zu, und erstaunt bemerkte er, daß ein oder zwei von ihnen Rückfragen stellten, die geduldig beantwortet wurden. Schließlich verneigten sie sich und wurden mit einem Nicken entlassen.

Veers hatte ihn mit einer Geste zum Warten aufgefordert, nun, auf ein beinahe unsichtbares Signal Vaders, bewegte er sich wieder vorwärts und zog Luke mit sich, der nur widerstrebend folgte. Er zögerte immer noch, wußte nicht, wie er Vader gegenübertreten sollte.

Als er näherkam, merkte er, daß er dennoch die Augen nicht von ihm lassen konnte. Es war ihm zuvor – auch auf Bespin – nicht aufgefallen, wie majestätisch Vader tatsächlich war. Seine Größe und Gestalt waren mehr als beeindruckend, das schwere Cape floß elegant über seine breiten Schultern und verwandelte ihn in eine Statue. Gottgleich, hatte Veers gesagt. Der Vergleich war gar nicht so weit hergeholt. Selbst Maske und Helm trugen zu diesem Bild bei – die imposante Statue eines Herrschers oder Gottes, nur, daß diese Statue lebte und handelte. Aber bedachte man das Verhalten der Leute um ihn herum, war er wohl nicht der Einzige, der so empfand.

Bis er vor ihm stand, hatten sich Widerwillen, Angst und letzte Reste Haß beinahe in ehrfürchtige Scheu verwandelt. Ein Gefühl, das nicht eben zu seinem Wohlbefinden beitrug.

  „Luke.“ grüßte Vader ruhig. Der volle, dunkle Baß hatte nichts Bedrohliches an sich, das Zischen des Beatmers fügte sich nahtlos ins Bild der Statue ein – so hatte er ihn über das Holonet wahrgenommen. Machtvoll, erhaben. Verdammt! Das war Vader! Zweiter nach dem Imperator, erklärter Feind der Rebellion! Und doch…

  „Lord Vader.“ erwiderte Luke trotzig.

Vader sagte nichts zu der Anrede, musterte ihn nur. „Bist du mit deinem Quartier zufrieden?“

Das war eine Frage, die Luke nicht erwartet hatte. „Es ist überaus großzügig und mehr als ausreichend.“

Vader nickte nur. „Solltest du etwas vermissen, zögere nicht, es mir zu sagen.“

  „Einen Jäger?“ schlug Luke spöttisch vor. Vader überraschte ihn wiederum.

  „Wenn du mir dein Wort gibst, nicht zu fliehen? Sofort.“

Luke zog eine Grimasse. „Das kann ich nicht. Du weißt das.“

Vaders Puls beschleunigte sich, als Luke sich endlich der vertraulichen Anrede bediente, auch wenn es ein Versehen gewesen sein mochte.

  „Noch nicht.“ erwiderte er ruhig und kryptisch. Luke sah ihn zweifelnd an, und Vader seufzte. „Begleite mich.“

 

Veers sah Vater und Sohn ein wenig unruhig nach, als sie die Brücke verließen. Luke sperrte sich immer noch, er schien nicht bereit, seinen Vater in einem anderen Licht zu sehen als nach Rebellenpropaganda…

Cass trat neben ihn und folgte seinem Blick. Er glühte regelrecht seit der Begegnung in der Messe, erfüllt von Stolz und Abenteuerlust.

  „Wird er je nachgeben?“ seufzte Max.

  „Er ist längst auf seiner Seite.“ beruhigte Cass. Veers sah ihn erstaunt an, doch der junge Captain lächelte nur. „Sie wissen es nur beide noch nicht.“

 

 

24

 Luke ging neben seinem Vater her, der mit ruhigen Schritten sein Ziel ansteuerte. Er fühlte sich winzig neben dem hünenhaften Mann, schier erdrückt nicht nur von der körperlichen Größe, sondern auch von der Stärke, die er beinahe spürbar ausstrahlte. Nicht nur in der Macht, sondern auch als Befehlshaber dieses gigantischen Schiffes. Leute, die ihnen entgegenkamen, grüßten den dunklen Lord voll Respekt und Ehrfurcht, stellte er erstaunt fest – und musterten ihn neugierig. Er straffte die Schultern, bemühte sich um Ruhe und Gelassenheit, was wiederum Vader nicht entging. Der dunkle Lord wandte den Kopf und sah ihn an, und er fühlte so etwas wie Amüsement zu ihm herüberschwappen, was ihn wiederum verwunderte.

Schließlich traten sie durch eine Tür in einen Garten.

Garten? Park würde es eher treffen. Luke fiel das Kinn auf die Brust, als er sich umsah.

Er konnte kein Ende erkennen – das Ganze mußte weit über hundert Meter lang sein. Und die Höhe – zwei Etagen? Breite – etwa dreißig Meter, schätzungsweise. Oder mehr? Wahnsinn. Direkt vor ihnen begannen mehrere kleine Wege, sich in die sorgsam gepflegte Anordnung von Büschen, Blumenrabatten und sogar richtigen Bäumen hineinzuwinden, und Vader schlug einen dieser Wege ein, langsameren Schrittes nun. Schlendernd beinahe.

Luke folgte ihm und sah sich um. Saßen da etwa Vögel in den Zweigen? Und kleine Tiere, die über die Äste huschten? Bei den Mächten!

Wieder spürte er Vaders Erheiterung – gepaart mit Freude und Stolz über die Schönheit, die er hier zeigen konnte.

Der Junge atmete tief die klare, reine Luft ein, reich von Sauerstoff, und fühlte, wie er sich entspannte. „Schön.“ sagte er schließlich.

  „Nicht wahr?“ Die Stimme seines Vaters war ruhig und sanft. „Wir sind oft monatelang im All. Meiner Erfahrung nach vermißt man Bäume, Grün und Blumen am meisten nach einer Weile. Dieser Garten hilft ein wenig – er beruhigt Augen und Seele.“

  „Wie groß ist er?“

  „Beinahe siebenhundert Meter lang. Das hört sich riesig an“, sagte er schnell, als Lukes Kinn wieder herunterklappte, „aber wir sind auch sehr viele. Er liegt zentral in der Mitte des Schiffes, damit er für alle erreichbar ist.“

Sie gingen wieder eine Weile, ohne etwas zu sagen, und erreichten einen kleinen Teich, in dem sich Fische tummelten. Ringsherum war ein dichter, weicher Rasen, der zum darauf sitzen und liegen einlud, und an einer Stelle stand eine Bank.

  „Ich habe die Farbe Grün nur aus Büchern gekannt, bis ich achtzehn war.“ sagte Luke schließlich. „Yavin 4 war der erste Ort, an dem ich einen BAUM gesehen habe.“

Vader nickte. „Ich war ein wenig jünger, aber nicht viel. Ich verließ Tatooine mit neun – aber auf Coruscant gibt es Bäume nur im Garten des Imperators, und so habe ich die ersten auf den Einsätzen mit Obi-Wan gesehen. – Nein… stimmt nicht. Ich hatte Naboo vergessen. Auf Naboo wachsen viele Bäume…“ Vaders Stimme verlor sich kurz in der Erinnerung an den kleinen Jungen im großen Wald, an Gungans und eine jungfräuliche Königin, die vor Boss Nass kniete…

  „Obi-Wan?“ Luke sah ihn erstaunt an. „Einsätze? Du hattest Einsätze mit ihm?“

  „Ich war sein Padawan. Er war mein Meister – besser gesagt, er wurde es, nachdem Qui-Gon getötet wurde.“ Vaders Stimme trug eine Spur Trauer in sich. „Er war wie ein Bruder für mich.“

  „Und warum hast du ihn dann getötet?“ fragte Luke aufgebracht.

Vader zögerte. War Luke schon bereit dafür? Der Junge blitzte ihn aus den blauen Augen an, die seinen so ähnlich waren, verlangte eine Antwort.

Er seufzte. „Setz dich. Ich werde es dir zeigen.“

 

Du warst mein Bruder, Anakin! Ich habe dich geliebt!

Schmerz durchzuckte ihn, als er noch einmal auf Mustafar lag, hilflos, mit abgetrennten Gliedmaßen, in Flammen stehend… und Obi-Wan davonging, ihn liegen ließ, dem Tod überlassend, aber am Leben. Vaders Hände krampften sich unwillkürlich um die Holmen der Bank, auf der sie beide saßen, und er atmete schwer – was sich, dank der neusten Modifikationen, wieder auf den Beatmer übertrug. Unsicher wandte er sich Luke zu, der sich soeben aus seinem Geist gelöst hatte. Er hatte ihm nichts vorenthalten, hatte nichts beschönigt, sich selbst nicht geschont und Lukes Schmerz gespürt, als er das erste Mal seine Mutter gesehen hatte. Schmerz, der sich nun wiederholte.

Lukes Augen waren vor Entsetzen geweitet, er hatte die Pein seines Vaters geteilt, die alles übertraf, was er sich jemals hätte vorstellen können.

  „Er hat dich liegenlassen?“ flüsterte der Junge fassungslos.

Vader nickte.

  „Lebend? Hilflos? Brennend…?!“

Ein neuerliches Nicken.

  „Deshalb trägst du diesen Anzug und die Maske.“

Vader zögerte unmerklich und entschied sich doch für eine kleine Lüge, die zwanzig Jahre seines Lebens die Wahrheit gewesen war. „Ja.“

Luke stand nach Luft schnappend auf, ging ein paar Schritte. Vader wartete ruhig. Schließlich drehte sein Sohn sich um, sah ihn an – ruhiger, gefaßter. „Warum?“

Vader gestattete sich ein kleines Lächeln. „Auf welches von den vielen „Warums“ möchtest du zuerst eine Antwort?“

 

Der Junge, der derzeit aussah wie ein imperialer Offizier, starrte ihn an. Die Uniform paßte nicht zu ihm, entschied Vader. Das war nicht Luke, war nicht sein Weg. Aber für den Moment genügte es.

  „Warum bist du zur dunklen Seite gewechselt?“

Oh du meine Güte. Natürlich – das war zu erwarten gewesen. Eine so simple Frage, so naheliegend… und so einfach zu beantworten. Oder so schwer. Es gab zwei Möglichkeiten. Eine sehr kurze – und eine, die sein ganzes Leben umfaßte.

  „Als ich neun Jahre alt war“, begann er langsam, „kam ein Jedi nach Tatooine. Qui-Gon Jinn. Er war auf einer Mission mit seinem Padawanschüler, Obi-Wan Kenobi, und machte Station, weil er sein Raumschiff reparieren mußte. Er fand mich bei meinem damaligen Besitzer, einem toydarianischen Schrotthändler namens Watto.“

  „Besitzer?“ echote Luke verblüfft.

  „Ja. Meine Mutter und ich waren Sklaven, Luke.“

Die Augen seines Sohnes weiteten sich, aber er schwieg und hörte weiter zu.

  „Qui-Gon spürte die Macht in mir und entschied, mich mitzunehmen. Er arrangierte ein Podrennen und machte meine Freiheit zur Bedingung, falls ich gewann – was ich tat.“

  „Du hast Podrennen geflogen?!?“

Vader lachte leise. „Luke, wenn du mich alle zwei Sätze unterbrichst, sitzen wir morgen früh noch da.“

  „Aber PODRENNEN…!“

  „Ja. Ich war – und bin – der einzige Mensch, der jemals einen Pod geflogen hat. Wobei ich glaube, daß du es auch könntest. Wie auch immer – ich war frei, und er nahm mich mit nach Coruscant, um mich zum Jedi ausbilden zu lassen – und in meiner kindlichen Naivität dachte ich, daß ich dann meinen Traum erfüllen könnte: später zurückzukommen und alle Sklaven befreien, allen voraus meine Mutter... Ich war aufgeregt und begeistert, auch wenn ich es haßte, meine Mutter zurücklassen zu müssen.

 In seiner Begleitung war damals ein Mädchen, schön wie ein Engel – und genau das habe ich sie auch gefragt: ob sie einer sei. Es brachte sie zum Lachen.“ Vaders Stimme war plötzlich so voller Zärtlichkeit, daß Luke erschauerte. „Ihr Name war Padmé, und sie wurde mir als die Zofe der Königin von Naboo vorgestellt. Ich erfuhr erst später, daß sie die Königin WAR. Padmé Amidala. Ich verliebte mich vom Fleck weg in sie… neun Jahre alt, und sie vierzehn.

Qui-Gon brachte mich nach Coruscant, zum hohen Rat der Jedi. Er stellte mich vor – und damals hörte ich das erste Mal von der Legende des „Auserwählten“.“ Er sah Luke fragend an, der den Kopf schüttelte.

  „Die Legende besagt, daß ein Kind kommen soll, genannt der Sohn der Sonnen, der die Macht wieder ins Gleichgewicht bringt. Qui-Gon war der Meinung, ich sei dieses Kind. Ich lebte auf Tatooine und hatte keinen Vater.“

  „Du kennst deinen Vater nicht?“ Lukes Neugier überwog längst seine Scheu – und Angst. Er war immer näher zur Bank zurückgekehrt und ließ sich nun neben seinen Vater sinken. Diese Offenbarung weckte eine noch größere Verbundenheit in ihm – denn auch er hatte ja seinen Vater nie gekannt, und auch er war auf Tatooine – unter zwei Sonnen – großgeworden.

  „Nein, mein Sohn. Ich HATTE keinen Vater. Meine Mutter wurde schwanger, ohne einen Mann gehabt zu haben – ich entstand aus der Macht selbst.“

Lukes Augen liefen mittlerweile Gefahr, aus ihren Höhlen zu fallen, und Vader winkte ab. „Mittlerweile habe ich Informationen, daß ein Sith namens Darth Plagueis Experimente veranstaltet hat, deren Ergebnis ich bin. Ich wurde tatsächlich aus der Macht geboren – und so legte ein Sith den Grundstein für die Erfüllung einer Jedi-Legende. Eigentlich zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Wie auch immer. Qui-Gon hatte auf Tatooine eine Blutprobe genommen und festgestellt, daß mein Midichlorianwert jede Skala sprengte. Ich weiß bis heute nicht, wie hoch er tatsächlich ist.“

  „Dein was?“

Vader starrte ihn an. „Bei den Mächten, Luke, hat Yoda dir denn gar nichts beigebracht?“

Luke starrte zurück. „Woher weißt du - “

Sein Vater seufzte. „Später. – Midichloriane sind mikroskopisch kleine Lebensformen, Symbionten von machtbegabten Lebewesen. Je höher ihre Anzahl im Blut, desto machtvoller der Wirt. In meinem Blut ist der Wert höher als bei jedem anderen. Wir werden deine Werte noch testen müssen. – Der Rat sah mich an. Er prüfte mich. Verhörte mich. Nahm die Werte zur Kenntnis – und lehnte mich ab.“

  „Aber warum?“

  „Sie behaupteten, ich sei zu alt.“ Vader grinste, als Luke eine Grimasse zog. Er hatte diesen Satz ebenfalls schon gehört.

  „Yoda?“

  „Wer sonst? Aber auch die anderen. Mace Windu, Ki-Adi Mundi und wie sie alle hießen. Sie hatten Angst – Angst, die Prophezeihung würde sich erfüllen, und anders, als es in ihre Pläne paßte. Aber Qui-Gon war ein Rebell. Er setzte sich durch. Leider wurde er bald darauf getötet – von einem Sith namens Darth Maul… der erste unserer Art seit Jahrhunderten, der ins Licht der Öffentlichkeit trat. Nach seinem Tod übernahm Obi-Wan meine Ausbildung – er hatte es Qui-Gon versprechen müssen.

Es folgten Lehrjahre. Einsätze mit Obi-Wan… Lehreinheiten im Tempel. Aber ich hatte immer den Eindruck, gegen Wände zu rennen, am Gängelband zu hängen, gebremst zu werden. Ich erreichte nie meine Grenzen, erfuhr nie, wozu ich wirklich fähig war. So viele Verbote, so viele Regeln, Einschränkungen, Mauern ringsum. Und dann wurde es noch schlimmer.“

Vader faltete die Hände im Schoß, sein Blick verloren in der Ferne, jenseits der Zeit. Es fiel ihm nicht leicht, dies zu erzählen, aber er hatte sich vorgenommen, seinem Sohn gegenüber offen zu sein. Er wollte keine Geheimnisse vor ihm haben – wollte, daß er ihn verstand. Ihn akzeptierte. Seine Freundschaft.

Und Luke wiederum starrte ungläubig auf die schwarze Gestalt vor ihm – den eigentlich mächtigsten Mann der Galaxis, Herr über die imperiale Flotte, Richter und Henker, Mörder und Eroberer – der so verletzlich schien in diesem Augenblick. So… menschlich. Und ohne daß sie es bewußt wahrnahmen, festigte sich das Band zwischen ihnen.

  „Als ich neunzehn war, sah ich Padmé wieder. Ihr Leben war in Gefahr, und Obi-Wan, der ihr bereits einmal gedient hatte, damals, mit Qui-Gon, wurde zu ihrem Schutz abkommandiert… und ich mit ihm. Ich liebte sie immer noch. Ich hatte all die Jahre an sie gedacht und von ihr geträumt. Und langsam, nach und nach, begann sie, meinem Werben nachzugeben. Und damit taten wir beide etwas zutiefst verbotenes – denn mir als Jedi war es untersagt, zu lieben, geschweige denn, zu heiraten oder eine Familie zu haben.“

  „Warum das denn?“ fragte Luke erstaunt.

Vader lachte bitter. „Genau das ist die Frage, nicht wahr? Nun, vermutlich, um sich den Kopf freizuhalten für Dinge des Ordens. Risikobereiter zu sein – du wagst mehr, wenn da niemand ist, der um dich trauert oder sich um dich sorgt. Aber ich liebte Padmé viel zu sehr.“ In seinem Geist tauchten Bilder seiner Frau auf, die er mit Luke teilen wollte – und bereitwillig glitt der Junge wieder hinein, als das Angebot dazu kam, begierig, seine Mutter zu sehen, die er nie gekannt hatte.

  „Sie war wirklich wunderschön.“ sagte er leise. Vader nickte nur.

  „Dann begannen die Alpträume. Ich sah meine Mutter – sie litt. Sie starb. Aber der Jediorden verbot mir, nach ihr zu sehen – ich hätte andere Pflichten, wurde mir gesagt.“ Er schwieg einen Moment, rang um Fassung. „Entgegen der Anweisungen der Meister flog ich nach Tatooine – mit Padmé. Sie“, er lächelte kurz, „fand einen Weg, es zu legalisieren, indem SIE entschied, hinzufliegen – und ich mußte sie begleiten, so lautete mein Auftrag.“ Er wurde wieder ernst. „Ich fand heraus, daß meine Mutter inzwischen von Watto an einen Feuchtfarmer namens Cliegg Lars verkauft worden war, der sie heiratete.“

  „Lars?“

  „Ja – der Vater Owens. Der wiederum durch die Heirat Clieggs mit meiner Mutter mein Stiefbruder wurde.“

  „Dann ist er gar nicht mit mir verwandt?“ Lukes Entsetzen wuchs.

Vader schüttelte den Kopf. „Nein. – Lars sagte mir, daß meine Mutter vor einigen Tagen schon von Sandleuten entführt worden sei. Er glaubte, sie sei tot – aber ich spürte, daß sie noch lebte. Ich suchte sie.“ Pause. „Ich fand sie. In einem Tuskenlager, in einem Zelt.“

  „Lebte sie noch?“ fragte Luke leise und behutsam.

  „Für einige wenige kostbare Minuten, ja.“ Wieder war Vaders Stimme trotz des Vocoders so von Trauer erfüllt, daß es Luke beinahe schmerzte. „Sie erkannte mich noch, nannte mich ihren schönen, wundervollen Sohn… dann starb sie, in meinen Armen.“

Luke schwieg, wartete darauf, daß sein Vater weitererzählte. „Ich metzelte das Lager nieder. Alle. Männer, Frauen, Kinder, ohne Ausnahme. Ich überließ mich hier das erste Mal der dunklen Seite.“

Sein Sohn schloß die Augen, als er in Vaders Geist die Erinnerung sah, entsetzt, angewidert – und doch irgendwie voller Verständnis. Was hätte er getan, in diesem Fall? Hätte er die Kraft gehabt, sich NICHT zu rächen? Er wußte es nicht.

  „Ich nahm meine Mutter und brachte sie zu Cliegg. Sie wurde dort beerdigt.“

In Luke regte sich eine Erinnerung. „Shmi? Shmi Lars? Ihr Grabstein ist immer noch dort… und Clieggs neben ihr.“

Vaders Hände verkrampften sich kurz, er nickte nur. „Ich habe nur Padmé davon erzählt, was ich getan hatte. Und…“, wieder zögerte er, „Senator Palpatine.“

  „Palpatine? Dem Kaiser?“ Luke fuhr beinahe auf. „Wieso hattest du damals schon Kontakt zu ihm?“

Vader lachte trocken. „Mein Sohn, nicht ich hatte Kontakt zu ihm, ER hatte Kontakt zu MIR! Er war Senator Naboos und hatte schon sehr früh damit begonnen, alles für sein späteres Imperium in die Wege zu leiten. Und er hatte MICH schon sehr früh entdeckt und eine Freundschaft zu mir aufgebaut. Er war mein Mentor, jemand, der immer ein offenes Ohr für mich hatte. Auch wenn ich erst jetzt weiß, daß er mir, ebenso wie die Jedi, Gift ins Ohr tröpfelte. Aber er tat es sehr, sehr gut. Ich merkte nichts davon. Ich wußte nur, daß hier jemand war, der mich verstand. Mich auffing, tröstete und mich darin bestärkte, daß ich gut war. Zu gut für die Jedi, die mich immer noch unterdrückten, mir nichts zutrauten.“

Luke starrte ihn überrascht an. Daß sein Vater – VADER! – sich so offen gegen den Imperator aussprach, hatte er nicht erwartet. Vader beging hier Hochverrat. Was, wenn der Kaiser davon erfuhr?

Sein Gegenüber schien das zu ahnen – oder er konnte wirklich Gedanken lesen, wie man es ihm nachsagte. Mit einem hörbaren Lächeln in der Stimme beruhigte er ihn. „Keine Sorge. Dieser Garten ist sicher – und ich habe meine mentalen Schilde um uns beide herum ausgebreitet. Ich werde dir bald zeigen, wie du die deinen dicht bekommst. Das ist das allerwichtigste, Luke. Lebenswichtig. Der Kaiser darf nicht wissen, daß du bei mir bist – und wenn, muß er denken, daß ich dich auf die dunkle Seite ziehen will.“

  „Aber… ich… ich denke, das ist genau, was du…“ stotterte der Junge verdutzt.

  „Verdammt, nein!“ Vader schoß hoch, ging erregt ein paar Schritte und fuhr mit wehendem Cape herum. Luke zuckte zunächst erschrocken zurück, beruhigte sich aber schnell wieder, als er spürte, daß sich die Erregung seines Vaters nicht gegen ihn richtete, im Gegenteil. „Das ist, was ich noch vor einigen Wochen gewollt hätte, ja! Aber es hat sich viel verändert, Luke. Ich kann dir noch nicht alles erzählen, aber glaub mir: ich will dich nicht bekehren, im Gegenteil. Ich brauche dich als Jedi. Und ich muß, auf der anderen Seite, Sith bleiben. DAS ist das Gleichgewicht!“

Sein Sohn starrte ihn sprachlos an. Vader seufzte. „Soll ich weitererzählen?“

  „Ja.“ Luke blinzelte ein-, zweimal, versuchte, sich wieder zu beherrschen, und Vader kam, langsamer, aber nicht weniger elegant als in seinem vorigen Ausbruch, zur Bank zurück und setzte sich wieder.

  „Dann wurde mein Meister, Obi-Wan, entführt – von Count Dooku, einem weiteren Sith, wie sich später herausstellte. Und wieder übertrat ich Verbote, als ich nach Geonosis reiste, um ihn zu retten – und wieder war es Padmé, die die offizielle Entscheidung für uns beide traf. Am Ende sollten wir alle drei hingerichtet werden – und nur das Eingreifen von zweihundert Jedirittern bewahrte uns vor dem sicheren Tod. Dooku floh, Obi-Wan und ich verfolgten und stellten ihn in einem Geheimhangar. Obi-Wan wurde verletzt und fiel aus, ich kämpfte mit ihm – und verlor in diesem Duell meine rechte Hand.“

Luke schnappte nach Luft. Sein Vater war also noch jünger gewesen als er…

Vader schien zu lächeln. „Ja – und damals gab es noch keine Synthehaut, um das nackte Metall zu verkleiden. Luke… es tut mir leid. Ich wollte das nicht.“

Der Junge schluckte und nickte. So viel hatte er mittlerweile begriffen – und es auch akzeptiert. Irgendwie. „Schon gut.“

  „Nein, das ist es nicht. Und ich schwöre dir, ich werde nicht zulassen, daß dir noch einmal Schmerz oder Schaden zugefügt werden – nicht, wenn ich es verhindern kann.“ Mit meinem Leben, wenn notwendig. fügte er in Gedanken hinzu.

Luke bewegte sich unruhig, wußte nicht, was er sagen sollte. „Was geschah dann?“ versuchte er, abzulenken.

Vader lächelte ein wenig. „Yoda traf ein. Auch er kämpfte mit Dooku, doch dieser brachte eine Säule zum Einsturz, die auf uns zu fallen drohte. Yoda fing sie auf, und Dooku entkam. Ich traf ihn erst viel später wieder, als Kanzler Palpatine – denn das war er inzwischen –entführt worden war. Angeblich von Count Dooku und einem Cyborg, General Grievous. Ein Täuschungsmanöver, eine Falle, ein weiterer Pflasterstein auf meinem Weg zur Hölle… und wir kämpften wiederum. Und diesmal war ich der stärkere. Und Palpatine, gefesselt als Zuschauer daneben, forderte mich auf, ihn zu töten… und ich tat es. Dooku war ein Sith, Dooku war der Feind, und Palpatine mein Mentor, dem ich vertraute…

Palpatine wurde befreit und gerettet, ich war wieder einmal der Held. Man nannte mich damals den „Helden ohne Furcht“. Ein idiotischer Titel. Aber als junger Mann, mittlerweile Jedi-Ritter, fand ich ihn äußerst schmeichelhaft.

Padmé und ich waren inzwischen verheiratet, und sie war schwanger. Niemand wußte davon, niemand ahnte, daß ich der Vater des Kindes war. Und wieder begannen Alpträume – diesmal sah ich meine geliebte Frau, die bei der Geburt ums Leben kam. Ich hätte alles gegeben, um das zu verhindern, ALLES! Aber ich konnte ja nicht einmal offen im Tempel nach Möglichkeiten fragen… und so mischte erneut Palpatine sich ein. Er erzählte mir von Darth Plagueis, der eine Möglichkeit gefunden hätte, den Tod zu besiegen…“

  „Das war der, der dich erschaffen hatte?“

Vader lachte leise. „Ja, genau der. Es stellte sich heraus, daß er Palpatines – oder besser, Darth Sidious’ – Lehrer gewesen war… bis jener ihn tötete, um selbst Meister zu werden. Nun, wie gesagt, ich liebte sie so sehr, daß ich nach jedem Strohhalm griff. Und das war mein Untergang. Palpatine band mich immer mehr an sich. Er ernannte mich zu seiner Stimme bei den Jedi, zu seinem persönlichen Vertreter, was bedeutete, daß ich zu einem Mitglied des Rates ernannt wurde – aber man versagte mir den Rang des Meisters.“

  „Was?“

  „Was, ‚was’, mein Sohn?“

  „Du warst Mitglied des Jedi-Rates?“ hakte Luke entsetzt nach.

  „Nicht ‚war’.“ korrigierte Vader amüsiert. „Ich bin es immer noch. Und wie es aussieht, der letzte Überlebende – außer Yoda.“

  „Ich fass es nicht…!“ stöhnte Luke.

  „Noch etwas, was man dir nicht erzählt hat, wie es aussieht.“ meinte sein Vater trocken.

  „Nein. Ben sagte mir nur, du seist Jedi-Ritter gewesen – ein sehr guter. Und ein Spitzenpilot.“

Vader grinste. „Da hat er ausnahmsweise nicht gelogen.“ Er wurde schlagartig ernst. „Im Gegensatz zu der Tatsache, daß er behauptet hat, ich hätte deinen Vater verraten und ermordet. Hm?“

  „Ja.“ murmelte Luke unbehaglich.

Vader sah ihn einen Moment lang prüfend an, entschied dann aber, das Thema auf später zu verschieben, und fuhr fort.

  „Palpatine gab sich mir nun endlich als Darth Sidious zu erkennen. Ich war entsetzt. Jahrelang hatte ich einem Sithlord gedient, hatte ihm Geheimnisse anvertraut, ihm Interna über die Jedi erzählt! Ich ging zu Mace Windu, einem führenden Mitglied des Jedirates, und berichtete ihm alles. Mace nahm sich drei andere Jediritter und ging, um Sidious zu töten… es mißlang. Alle vier wurden regelrecht geschlachtet… und ich war Zeuge des letzten, Windus, Todes, denn ich ging wieder hin, voll Furcht, daß der einzige Mensch, der Padmé retten konnte, getötet werden sollte – denn das war Maces Absicht gewesen. Verhaften kam nicht in Frage. Und so warf ich mich dazwischen. Und oh, wie gut spielte er den alten, schwachen Mann! Er jammerte und greinte – und als ich mit Mace kämpfte, ihm die Hand abschlug, zeigte er seine wahre Macht, sein wahres Gesicht, das seit damals so entstellt ist, wie er heute aussieht. Er schleuderte ihn mit Machtblitzen aus dem Fenster hinaus, rappelte sich auf, als sei nichts geschehen, und forderte mich auf, vor ihm niederzuknien und ihm die Treue zu schwören. Und seit diesem Moment…“ Er holte tief Luft. „Seit diesem Moment bin ich Darth Vader.“

Luke starrte ihn an. Wortlos. Vader seufzte und fuhr fort.

  „Palpatine hatte mich ebenfalls belogen, aber ich war trotzdem nur zu bereit, ihm zu glauben – ihm mehr zu glauben als den Jedi, die mich am ausgestreckten Arm hatten verhungern lassen. Er sagte mir, er wolle den Krieg beenden – und das wollte ich auch. Er sagte mir, er könne Padmé retten – und sie war mir das Kostbarste überhaupt. Ich folgte ihm. Auch, wenn die folgenden Tage die schrecklichsten in meinem Leben waren.

Er stellte mir die 501ste Legion zur Verfügung – die mir heute noch dient, sie ist hier an Bord dieses Schiffes – und befahl mir, zunächst den Jeditempel zu „säubern“. Ich tat es.“ Vader holte tief Luft. „Ja – ich tötete sie, zusammen mit der Klonarmee. Alle, die nicht mit der Armee auf Außeneinsätzen im Krieg waren - Ritter, Padawane. Selbst die Jünglinge. Sie hatten mich jahrelang belogen, verraten, wollten mir nicht helfen. Sie hatten es verdient.“ Er seufzte. „Der Meinung war ich jedenfalls zu diesem Zeitpunkt.

Anschließend sandte Palpatine mich zu einem anderen Ziel, Mustafar. Dort sollte ich die letzten Separatisten töten, um den Krieg zu beenden. Zuvor ging ich zu Padmé, erzählte ihr, daß ich einen Weg gefunden hätte, sie zu schützen. Was ich nicht wußte, war, daß Obi-Wan sie mehrfach aufgesucht hatte, und sie hatte ihm erzählt, welche Sorgen sie sich um mich machte. Padmé folgte mir, voller Angst… und Obi-Wan versteckte sich an Bord ihres Schiffes.

Ich erledigte meinen Auftrag, dann traf ich auf meine geliebte, hochschwangere Frau. Sie war verzweifelt. Und plötzlich sah ich hinter ihr meinen Meister auftauchen. Ich dachte, sie hätte mich an ihn verraten. Ich würgte sie – aber sie lebte noch, dessen bin ich mir ganz sicher. Ich wußte nicht, daß er sich heimlich eingeschlichen hatte. Wir kämpften. Den Rest hast du vorhin gesehen.“

Luke nickte, von Entsetzen erfüllt.

  „Palpatine sammelte das, was von mir übrig war, auf, und steckte mich in diesen Anzug, ohne den ich nicht hätte überleben können. Er erzählte mir, ich hätte Padmé getötet. Ich nahm das medizinische Labor auseinander – ohne auch nur eine Hand zu rühren. Mein Schmerz war endlos. ICH hatte sie getötet, ICH war derjenige, der meine Vision erfüllt hatte!“

Luke standen die Tränen in den Augen, als er den Schmerz fühlte, den sein Vater nochmals erlebte.

  „Und erst jetzt, vor wenigen Wochen, erfuhr ich, daß Obi-Wan sie nach Polis Massa gebracht hatte, eine Asteroidenkolonie, wo sie dich gebar, Luke. Und erst dort starb sie. Es war nicht ich, der sie getötet hatte. Vielleicht indirekt, aber nicht durch meine Hand. Und erst vor wenigen Wochen erfuhr ich, daß ich einen Sohn habe.“

Vader sah Luke an, beinahe furchtsam – und floh doch vor dessen Reaktion. Er erhob sich.

  „Ich denke, du brauchst jetzt ein wenig Zeit. Ich ebenfalls… ich habe all dies bis jetzt nur einem einzigen anderen Menschen erzählt… jemandem, den ich sehr liebe.“ Auf Lukes verblüfften Blick hin lächelte er ein wenig traurig. „Ja, mein Sohn, ich KANN lieben. Und du wirst alles erfahren… bald, hoffe ich.

Ich schicke dir Captain Cass – ich habe ihn gebeten, sich um dich zu kümmern die nächsten Tage. Wir sehen uns morgen. Bis dann, mein Sohn.“

Und er ging davon, nicht allzu schnell, keine wirkliche Flucht… doch sein Mantel blähte sich hinter ihm wie ein Schutzschild. Und Luke starrte ihm sprachlos nach.

 

 

25

 Einige Minuten später traf Cass ein. Vader hatte ihn über Helmfunk benachrichtigt – eine Seltenheit, normalerweise benutzte er ihn nur im Außeneinsatz, er traute ihm nicht – ihm gesagt, wo er Luke finden könne und gebeten, ihm Gesellschaft zu leisten.

Er fand Luke exakt da, wo Vader gesagt hatte – und er sah aus, als…

  „Hast du ein Gespenst gesehen?“ fragte er besorgt, als er sich neben ihn auf die Bank gleiten ließ.

  „So könnte man es nennen, vermute ich. Ja.“ Luke starrte blicklos vor sich in den Fischteich.

Cass legte den Kopf schief und musterte ihn prüfend. „Laß mich raten. Du hast herausgefunden, daß dein Vater doch kein so übler Kerl ist, hm? Und das macht dir zu schaffen.“

  „Ist das denn so verwunderlich?“ Luke wandte endlich den Blick und fühlte sich ein wenig an Chewbacca erinnert, der ihn ebenfalls immer so ansah, wenn er sich Sorgen um ihn machte. „Mein ganzes Leben lang wurde mir erzählt, Darth Vader sei der Inbegriff des Bösen – bis auf die imperialen Sendungen, aber wer glaubt denen schon im Outer Rim? Und jetzt entdecke ich nicht nur, daß er mein Vater ist, sondern auch, daß er Gefühle hat. Daß er mich mag.“

  „Mehr als das, mein Freund. Ich diene jetzt schon eine ganze Weile unter ihm, aber so hab ich ihn noch niemals erlebt. Glaub mir.“

Luke seufzte. „Ich glaube, darüber muß ich erst eine Weile nachdenken… und verdauen, was er mir erzählt hat. Um ehrlich zu sein, das hat mich komplett überrollt.“

  „Man sieht’s.“ Cass schmunzelte. „Ok. Willst du hierbleiben oder in dein Quartier zurück?“

  „Mein Quartier. Vielleicht kann ich ein wenig… schlafen.“

  „Gut. Dann komm.“

 

Und Vader war auf dem Weg zu Veers. Er brauchte auch jemanden, der ihn auffing, auch wenn er das niemals zugeben würde und niemand es je erfahren durfte. Er war zutiefst aufgewühlt, weil er in Gedanken all die wichtigen und einschneidenden Momente seines Lebens nochmals durchlebt hatte – aber das waren vertraute Phantome, die ihn des öfteren heimsuchten, vorzugsweise nachts, in Alpträumen. Stärker berührten ihn Lukes Reaktionen, die Nähe, die das Gespräch aufgebaut hatte, das entstandene Vertrauen… vielleicht konnte es doch noch funktionieren. Vielleicht glaubte er ihm, kam zu ihm, blieb bei ihm… aus eigenem Willen.

Bei Cass und Veers war er gut aufgehoben. Und den Mächten sei Dank war Max ein so schneller Denker und kannte ihn so gut, daß er sofort gewußt hatte, was er sagen und wie er reagieren mußte, als er in der Messe überfallen worden war. Vader lächelte. Max… was würde er nur tun ohne ihn? Und ohne Piett, Cass und einige andere brillante Männer an Bord dieses Schiffes. Die EXECUTOR war ein hervorragendes Schiff. Und sie war sein. Palpatine hatte keine Ahnung, welcher Stachel da in seinem Fleisch steckte.

Wenn es wirklich so weit war, würde ihm vermutlich mehr als die Hälfte der Flotte folgen… an die 80 Prozent, wenn er Glück hatte. Und einige wichtige Planeten überall in der Galaxis. Und sie würden den Rest mitziehen… Aber noch war die Zeit nicht reif. Noch mußte er den treuen Diener spielen. Vader sein. Aber das würde er wohl offiziell Zeit seines Lebens sein müssen… Egal. In gewisser Weise half ihm das sogar, es ermöglichte ihm ein Privatleben ohne Helm und Maske. Mit seiner – hoffentlich – Familie.

Er stoppte vor Veers’ Tür und betätigte den Summer. Ihm wurde beinahe umgehend geöffnet, von einem lächelnden Max, der ohne Scheu und liebevoll zu ihm aufsah. „Ich ahnte, daß du kommen würdest. Wie lief es?“

Vader trat ein und versah die Tür mit einem doppelten Schild – schalldicht und dergestalt, daß jeder, der sich ihr nähern wollte, sich plötzlich an etwas anderes, wichtiges erinnerte und abdrehte.

  „Es war… überraschend.“ meinte Vader langsam. „Er war sehr offen. Mehr als ich erwartete. Und er schien mir zu glauben… vielleicht sogar zu vertrauen.“

  „Sehr schön!“ Veers lächelte erfreut. „Wo ist er jetzt?“

  „Ich habe ihn im Garten zurückgelassen und Cass zu ihm geschickt.“

  „Gut.“

Max sah zu ihm auf, prüfend. Die schwarze Maske war wie üblich nicht zu deuten, und doch… „Wie geht es dir?“

  „Ich bin… aufgewühlt.“ gab Vader zu. Max nickte langsam, konnte aber den Blick nicht von ihm abwenden. Wieder einmal sah er seinen Geliebten vor sich, ungläubig, daß es tatsächlich wahr war.

  „Warum siehst du mich so an?“ wollte der schwarze Lord wissen. In seiner Stimme mischte sich Amüsement mit Neugier.

  „Ich könnte dich stundenlang ansehen.“ Veers lächelte nur, vollkommen entspannt und glücklich. „Du bist wunderschön. Machtvoll, majestätisch, kühl… und doch voller Feuer und Leidenschaft.“

Vader starrte einen Moment lang auf ihn hinunter, reglos. Und irgendwie schien sich dann ein Wandel zu vollziehen, deutlich und doch, ohne daß er großartig etwas getan hätte – außer vielleicht, sich noch ein wenig mehr aufzurichten, so… und die breiten Schultern noch etwas mehr zurückzunehmen… so

Er schwieg, und nur der stete Rhythmus des Beatmers drang durch den Raum, als die unsichtbaren Augen auf dem General ruhten, ihn regelrecht zu durchdringen schienen. Veers überlief ein Schauer, und unwillkürlich straffte sich auch seine eigene Haltung.

  „Was erlaubt Ihr Euch, General?“ grollte dann die sonore Stimme ohne Vorwarnung kalt, machtvoll und stählern. „Euer Verhalten Eurem kommandierenden Offizier gegenüber grenzt an Insubordination.“ Langsam, beinahe in Zeitlupe, setzte sich Vader in Bewegung, kam näher. Er schien auf unsichtbaren Schienen über den Boden zu gleiten, so fließend und elegant waren seine Bewegungen, und Stimme und Gestalt schickten regelrechte Schauerregen über Max’ Rücken. Er verfluchte den Repulsorstuhl, verfluchte seine Beine, versuchte, seine plötzlich trocken gewordene Zunge wieder zum Sprechen zu bewegen.

  „Verzeihung, Mylord.“ kam es nur mühsam heraus. „Ich habe mich wohl… vergessen.“

  „Offensichtlich!“ knurrte Vader. Er stand mittlerweile hinter ihm, seine schiere Präsenz war so groß, daß Max’ Nackenhaare samt und sonders aufrecht standen.

Mit beinahe quälender Langsamkeit senkte sich eine mit schwarzem Leder umkleidete Pranke auf seine Schulter, ruhte dort schwer und oh, so köstlich, bevor sie bedächtig weiter seine Brust hinunterglitt, wo sie kurze Zeit später Gesellschaft von ihrem Gegenstück bekam. Lange Finger glitten wissend über sein Fleisch, jagten Schauerexplosionen durch seinen Körper, quälten ihn stumm… kamen wieder höher und rissen ohne Vorwarnung seinen Kopf am Kinn so zurück, daß er gezwungen wurde, den hinter ihm stehenden dunklen Lord anzusehen und sein Kopf an dessen Körper gepreßt wurde.

Max keuchte auf, seine Hände krampften sich um die Lehnen des Stuhls, und er spürte deutlich, wie seine Erregung wuchs – und sich auch bereits sichtlich abzeichnete. War da ein leises, beinahe unhörbares Kichern hinter ihm? Oder in seinem Kopf? Aber Vader ließ sich nichts anmerken, als die Hände nun sein Gesicht erkundeten, warmes Leder anregend duftend über seine Wangen und Augen strich, ein Daumen sinnlich und einladend über seine Lippen fuhr. Ein Stöhnen brach sich Bahn.

  „Na, na, na. Ich muß doch sehr bitten – von einem Offizier des Imperiums erwarte ich mehr Beherrschung, General.“ kam es auch umgehend und eindeutig spöttisch. Die Hände ließen ihn los, doch bevor er enttäuscht sein konnte, fühlte er sich angehoben, ohne berührt zu werden. Vader ließ ihn mit Hilfe der Macht aufs Bett schweben, legte ihn dort sanft ab – ein wenig schräg, die Beine weg von ihm – und zwang dann nacheinander seine Hände neben seinen Kopf, wo sie wie mit unsichtbaren Handschellen von der Macht fixiert wurden.

Der dunkle Lord schickte mit einer schlichten Handbewegung den Stuhl beiseite und trat neben das Bett, um amüsiert auf ihn herabzusehen. Eine Hand glitt wie beiläufig über die Erektion unter dem Stoff der Hose, und wieder konnte Max ein Stöhnen nicht unterdrücken.

  „Ihr hört mir nicht zu, wie es scheint.“

Vader nahm auf der Bettkante Platz, seine Hände begannen damit, die Jacke zu öffnen und beiseite zu schieben, ebenso das darunterliegende Hemd. Dann streichelten sie sanft, lockend, über die nackte Brust, und Max erschauerte und wand sich vor Begierde. Wie gern würde er Vader ebenfalls berühren, ihn spüren, an sich ziehen… aber dieser schien zunehmend Vergnügen an dieser kleinen, subtilen Folter zu finden. Er lachte nun hörbar und bewegte seine Hände in tiefere Regionen. Die Hose war im Nu offen, die Unterhose achtlos ein Stück heruntergezogen, und eine starke Hand umfaßte seinen Schaft, begann langsam, ihn zu stimulieren – und seine Erregung wuchs noch mehr. Max keuchte, Schweiß stand auf seiner Stirn und seiner Brust, und er wehrte sich heftig gegen seine Fesseln.

  „Unglaublich.“ grollte der dunkle Lord. Er erhob sich, was Max ein protestierendes Geräusch entlockte, und trat an die Schränke des Generals. Nach ein, zwei Blicken hatte er gefunden, was er suchte, und kam mit einem Hemd zurück, das er schnell und geschickt zusammenlegte und Max in Augenhöhe um den Kopf wand. „Ich denke, ein wenig Blindheit könnte Euch guttun. Vielleicht hilft es Euch, Eure Beherrschung wiederzufinden.“

Natürlich war genau das Gegenteil der Fall. Max warf stöhnend den Kopf in den Nacken, soweit es ging, wand sich und wölbte sich auf im Begehren, Vader nahe zu sein. Wieder strichen die zärtlichen Hände über seinen Körper, neckten, reizten ihn – und dann zischte es unverhofft, das Geräusch des Beatmers verstummte. Max erstarrte, keuchend, erwartungsvoll.

  „Interessant.“ spöttelte die sanfte, warme Stimme. „DAS also bringt Euch zur Ruhe? Nun, laßt uns doch mal sehen, wie lange…“

Und schon legten sich hungrig feste Lippen auf die seinen, eine Zunge glitt verlangend und leidenschaftlich darüber, forderte Einlaß und bekam ihn umgehend gewährt.

Der erste Kuß schien endlos und brachte ihn in seiner Intensität einer Ohnmacht nahe. Vaders Zunge tanzte mit der seinen, lockte, forderte, während seine Hände über seinen Körper wanderten, ihn stimulierten und beinahe in den Wahnsinn trieben. Und dann glitten Lippen und Zunge tiefer, wanderten über Wange und Hals zu seinen Brustwarzen, neue Funkenregen erzeugend, und über den Nabel zu seiner Scham und seinem Schaft… und dann versank seine Welt endgültig in purer Ekstase und schierem, purem Glück.

 

In seinen Räumen – besser gesagt, dösend auf seinem Bett – spürte Luke durch die Macht die Erregung seines Vaters. Er konnte sie nicht richtig einordnen, aber er fühlte das reine Glück, das Vader durchströmte, und ahnte zumindest, WAS gerade passierte. Und so genau wollte er es eigentlich auch gar nicht wissen, wenn auch die Neugier auf das „mit wem“ durchaus da war. Corva vielleicht, die Bordärztin? Sie war die einzige Frau, die er bislang gesehen hatte an Bord, und sie hatte gesagt, sie würde ihn mögen.

Sein Vater konnte also wirklich lieben… das war ein irgendwie beruhigender und tröstender Gedanke. Jemand, der liebte, konnte nicht schlecht sein.

Mit einem Lächeln auf den Lippen glitt er hinüber in den Schlaf.

 

 

26

 Arik weckte ihn zwei Stunden später durch eine sanfte Berührung. Er hatte ihm im Wohnraum Gesellschaft geleistet – was weitere Wachen vor der Tür ersparte – und die Zeit im Holonet verbracht. So hatte ihn auch eine Nachricht von Vader erreicht, eine Einladung für sie beide. Er schrieb schmunzelnd eine Antwort und ging dann zu seinem neuen Freund.

  „Luke?“

  „Wassn?“ murmelte der schlaftrunken.

  „Tut mir leid, dich wecken zu müssen, mein Junge, aber wir sind zum Essen eingeladen… um ehrlich zu sein, habe ich schon zugesagt.“

Luke setzte sich auf und rieb sich die Augen. „Essen? Mit wem? Und wie spät ist es überhaupt?“

  „Halb sieben. Dein Vater meinte, er würde uns gern in der VIP-Messe treffen… mit General Veers, Admiral Piett und Corva.“

  „Songan nicht?“

Arik fluchte innerlich – was sagen? Denk schnell! - blieb aber ruhig. „Nein, ich fürchte, er muß auf der Krankenstation bleiben, wenn Corva nicht da ist.“

Luke schluckte das zu seiner großen Beruhigung und nickte nur. „Okay… ich dusch mich kurz, ja? Dauert nicht lang.“

  „Genieß es, mein Freund.“ Arik lächelte. „Soviel Zeit haben wir auf alle Fälle.“

 

Und Luke genoß es wirklich. Wasser, das sanft und warm über seinen Körper rann, Schaum und Schmutz gleichermaßen von ihm abspülte – das war etwas ganz anderes als die ewige sonische Dusche, die immer ein leichtes Gefühl der Unreinheit hinterließ, egal, wie oft man sie benutzte. Ein echter Luxus… das allein lohnte fast den Aufenthalt hier… Er grinste. Aufpassen, Junge. Du gewöhnst dich zu schnell an die Standards hier…

Er trat aus der Dusche, trocknete sich ab, rasierte sich und zog sich an, dann ging er zu Cass hinaus, der ihn anlächelte.

  „Schon? Wir haben keine Eile, aber das paßt schon. Der Weg ist ohnehin ein wenig weiter.“

  „Auf diesem Schiff scheint es irgendwie keine kurzen Wege zu geben.“ grinste Luke.

Arik erwiderte es. „Nein, aber DAS wird dich umhauen. Glaub mir. Dein Vater hat wirklich Stil…“

  „Wie meinst du das?“

Der junge Captain wies um sich, während sie lange Gänge entlangschlenderten. „Das ganze Baby hier ist zum Großteil von ihm entworfen. Glaub’s oder nicht. Kuat von Kuat hat ein paar verdammt harte Monate hinter sich, in denen ihm ein sehr, sehr wählerischer und eigensinniger Sithlord auf den Zehen stand – mit Änderungswünschen, Anweisungen, Befehlen und Vorschlägen. Der Garten zum Beispiel. Kein anderer Sternzerstörer hat einen so derartig großen. Oder so viele Messen, Sporteinrichtungen, MedCenter, Bibliotheken und sonstige Möglichkeiten zur Zerstreuung. Dein Vater legt allergrößten Wert darauf, daß seine Leute sich wohl fühlen… und das tun sie. Es gilt als absolutes Privileg, auf diesem Schiff stationiert zu sein, und die Leute wissen ganz genau, was sie daran haben.“

  „Selbst, wenn es bedeutet, unter Darth Vader zu dienen?“

  „Gerade WEIL es das bedeutet, Luke. Ja, er hat seine Methoden – es ist nicht alles gelogen, was über ihn gesagt wird, und sein Geduldsfaden kann mitunter wirklich verdammt kurz sein. Er haßt Dummheit und sorgt oft genug dafür, daß sie sich nicht wiederholen kann. Aber trotzdem lieben ihn die Leute. Er ist fair – auch wenn es vielleicht nicht so klingt, wenn er Leute umbringt. Er fördert die Guten, er hat Geduld, wenn man sich bemüht, und er verlangt nichts von seinen Leuten, was er nicht selbst tun würde. Er ist immer vorne dabei – im Gegensatz zu vielen anderen, die lieber aus dem Hintergrund Befehle brüllen.“ Leiser fuhr er fort: „Luke, dieses Schiff ist seins. Nicht das des Imperators. Und hier ist eine Elite versammelt, die für ihn durchs Feuer gehen würde… mich eingeschlossen.“

Er winkte ihn in einen Lift, der sie nicht nur nach oben, sondern quer durchs Schiff beförderte, und sie fuhren eine ganze Weile. Luke hing seinen Gedanken nach. Sein Vater… er spürte, daß er ihm vertrauen konnte. Aber war er wirklich bereit, ihm zu folgen und die Rebellion im Stich zu lassen? Konnte er es? War es der richtige Weg?

Arik musterte ihn und erriet seine Gedanken. „Laß dir Zeit. Nimm sie dir. Das wird die wichtigste Entscheidung in deinem Leben sein – aber laß dir gesagt sein: wenn ICH Vaders Sohn wäre, ich würde keine Minute zögern.“ Er grinste, irgendwie vorfreudig und… wie ein Schuljunge, der sich auf einen Streich freut? „So. Wir sind da.“

Die Türen öffneten sich vor ihm, und Luke zuckte unwillkürlich zurück.

  „Heiliger Bantha!“

  „Ich wußte, es würde dir gefallen.“ Arik grinste und trat hinaus – in das scheinbare Nichts. Sicher, der Boden war noch da, aber er war so schwarz wie das All – und vor ihm war nur Leere – ein Durastahlfenster einer Größe, wie er es noch nie gesehen hatte! Luke folgte Cass vorsichtig und sah sich um.

Es war eine Art Blase, eingepaßt in die Hülle im Turm, der zur Brücke hinaufführte. Vor, beziehungsweise unter ihm, erstreckte sich das gigantische Schiff in seiner ganzen Pracht und Schönheit – ein atemberaubender Anblick. Und Vader hatte offensichtlich extra für diesen Anlaß Anweisung gegeben, aus dem Hyperraum zu fallen, so daß der Rahmen für dieses Juwel ein Collier aus Sternen und Novae war, eingebettet in die samtene Schwärze des Alls – auch über ihnen, denn das Fenster wölbte sich auch ihren Köpfen.

Neben ihm war ein Tisch aufgestellt, auf dem für fünf Personen gedeckt war, ein sechster Platz  war – natürlich – leer. Sein Vater war bereits anwesend, ebenso wie General Veers und Admiral Piett. Sie saßen am Tisch und unterhielten sich ruhig und angeregt, verstummten jedoch bei ihrem Eintreffen und nahmen Lukes Schock und folgende Begeisterung amüsiert zur Kenntnis.

Vader lehnte sich zurück, die Hände ruhig auf dem Tisch. „Gefällt es dir?“

  „Es ist umwerfend!“ platzte Luke heraus und kam näher, setzte sich auf einen Wink Vaders zu dessen rechter Hand. Links neben ihm saß Veers, neben diesem Piett. Cass nahm neben Luke Platz, und so blieb der Stuhl gegenüber Vader an der zweiten Stirnseite noch für Corva frei – die just in diesem Moment ankam und erst einmal herzhaft fluchte, als sie den Lift verließ.

  „Ich HASSE diese Lounge!“ Ein wenig blaß um die Nase setzte sie sich und nahm dankbar zur Kenntnis, daß man sie mit dem Rücken zur Aussicht plaziert hatte. „Ah. Das ist besser.“

  „Wußte ich doch.“ Vaders Tonfall ließ ein Lächeln erahnen. „Aber ich wollte Luke das nicht vorenthalten. Es wird für eine Weile das letzte Mal sein, daß wir hier so zusammen sitzen können.“

Vader löste einen Sensor in der Tischplatte aus. Menschliche Stewards betraten die Lounge durch eine Tür, die ihm bislang noch nicht aufgefallen war und servierten den ersten Gang, eine Suppe.

  „Warum?“ fragte Luke überrascht, als sie wieder allein waren.

  „Wir werden nach Vjun fliegen. Dort liegt Bast Castle, das mir gehört – der ganze Planet, um genau zu sein.“

  „Moment. Dir gehört ein kompletter Planet?“ Lukes Kopf ruckte ungläubig vor.

  „Nicht nur der eine.“ Vader schmunzelte. „Aber die anderen sind zum größten Teil nicht bewohnbar. Es sind meist Minenkolonien, die von Droiden betrieben werden.“

Sein Sohn staunte mit großen Augen. Ihm war nicht bewußt gewesen, wie reich sein Vater wirklich war.

  „Ich habe Firmus schon Anweisung gegeben, einen entsprechenden Kurs zu setzen – er wird uns auf eine Route bringen, die die restliche Reise einigermaßen verkürzt. Begleiten werden uns General Veers, Captain Cass und Songan.“

  „Und warum?“

  „Wir haben dort mehr Ruhe. Ich kann dir deine Fragen beantworten, dich ein wenig im Umgang mit der Macht trainieren – wir können uns einfach besser kennenlernen, und ich dachte, du würdest dich in etwas privaterer Umgebung vielleicht wohler fühlen als hier. Und Max kann in aller Ruhe nach seinen Beinen sehen, zusammen mit Songan. Bei ihm sind jetzt Gehübungen fällig.“

Luke dachte darüber nach, dann nickte er. „Klingt in Ordnung für mich.“

  „Gut, dann ist es beschlossen. Wir starten morgen.“

Die anderen hatten zu essen begonnen, und auch Luke widmete sich nun der Suppe. Doch eine Frage brannte auf seinen Lippen, die er sich nicht verkneifen konnte.

  „Kannst du nicht essen?“

Vader lachte leise. „Ich glaube, diese Frage hat sich schon die halbe Galaxis gestellt. Gerüchten zufolge stöpsle ich mich abends an einen Energiekonverter an wie ein Droide. Nein, ich kann essen. Das war nicht immer so – direkt nach Mustafar war ich auf intravenöse Nahrung angewiesen, und eine ganze Weile länger konnte ich nur Flüssiges zu mir nehmen – Säfte, Vitamindrinks, Suppen, Breie. Aber mittlerweile kann ich wieder ganz normal essen, dank den Mächten.“ Um Pietts Lippen spielte ein wissendes Lächeln, das Luke jedoch entging, und auch Veers widmete sich seiner Suppe plötzlich ziemlich intensiv. Cass behielt sein Pokerface bei, und Corva lächelte nur.

  „Ich habe bereits gegessen, keine Sorge. Den nächsten Gang?“ fragte Vader dann unschuldig, und Luke konnte nur nicken.

 

Er lernte einiges an diesem Abend.

Sein Vater verfügte über das Wissen eines Lexikons und war ein hervorragender Unterhalter – und weit davon entfernt, eine dumpfe Kampfmaschine zu sein. Nun, letzteres war ihm bereits bewußt gewesen… wieder erinnerte er sich an die kurze Unterhaltung mit Leia. Aber er hatte nicht gewußt, wie tief das Wissen tatsächlich zu gehen schien. Die Gespräche vermieden tunlichst alles, was mit Imperium oder Rebellion zu tun hatte und berührten ein oder zwei dutzend andere Bereiche verschiedenster Art, und er schien sich überall auszukennen, ohne daß es aufgesetzt, in irgendeiner Weise besserwisserisch oder überkandidelt wirkte – und ohne daß sich seine Gesprächspartner zurückgesetzt fühlten.

Die Leute hier am Tisch kamen wohl dem am Nächsten, was Han, Leia und Chewbacca für ihn bedeuteten: Freunde. Vertraute. Und auch dies war etwas Besonderes – ein Geschenk, das sein Vater mit ihm teilte. Er zog ihn in seinen engsten Kreis – der noch recht jung zu sein schien. Zumindest fühlte es sich so an – die Männer und Corva kannten sich untereinander, aber nur Veers und Piett schienen vertrauter miteiander zu sein. Aber alle waren gern hier, das konnte er fühlen. Sie waren Teil eines Ganzen geworden – und allen war gemein, daß ihr Respekt vor Vader immens war. Und ihr Vertrauen in ihn schien das noch zu übertreffen.

Noch während des Essens war die EXECUTOR wieder in den Hyperraum gesprungen, und sie waren bald vom milchigen Licht umgeben, das den exquisiten Speisesaal durchdrang, aber es tat dem Appetit keinen Abbruch. Und das Essen war hervorragend.

Nach dem Dessert und einem letzten Glas Wein hob Vader die Tafel auf, doch Luke hatte noch eine Bitte.

  „Vater…?“ begann er, unsicher, ob sie ihm gewährt würde.

  „Ja?“ Vaders Stimme war ruhig. Er freute sich über die Anrede und war bereit, seinem Sohn entgegenzukommen, soweit es ging, auch wenn er spürte, daß Luke hier etwas beinahe Unmögliches auf dem Herzen brannte.

  „Ich würde gerne Leia sprechen, bevor wir fliegen.“ Luke war nervös, aber seine Stimme klang fest. „Ich möchte ihr nur sagen, daß sie sich keine Sorgen machen soll. Daß es mir gutgeht.“

Die Offiziere um den Tisch schnappten unisono nach Luft und starrten zuerst Luke, dann Vader an.

Der dunkle Lord ignorierte sie, zurückgelehnt in seinen Stuhl, die Arme auf den Lehnen, vorgeblich entspannt. Er musterte Luke eindringlich und nachdenklich.

  „Was bedeutet sie dir, mein Sohn?“

Luke schluckte. „Was bedeutet General Veers dir? Admiral Piett, Captain Cass, Corva?“

Die Angesprochenen wechselten Blicke, während Vader langsam nickte. „Ich verstehe. Und du denkst, sie glaubt dir?“

Sein Sohn senkte den Blick. „Vermutlich nicht. Aber ich möchte es versuchen. Und ich schwöre dir, nichts weiter sonst zu sagen.“

Die unsichtbaren Augen schienen ihn zu durchbohren, und Vaders Geist streifte prüfend den Seinen, drang rasch und schnell ein und war ebensoschnell wieder draußen, bevor Luke groß zurückschrecken konnte.

  „In Ordnung.“ sagte er knapp und erhob sich geschmeidig. „Ich werde dir morgen in deinem Quartier meine persönliche Leitung freischalten. Sie ist verschlüsselt und abhörsicher.“ Seine Offiziere staunten, ebenso wie Luke, der schluckte. Das hatte er nicht erwartet.

  „Danke, Vater.“

  „Du bist mein Sohn. Beweise mir, daß du mein Vertrauen verdienst, Luke.“

  „Das werde ich.“ antwortete er leise.

Vader nickte ihm knapp zu und verließ die Messe als erster, gefolgt von Veers, Piett und Corva. Nur Cass blieb zurück, legte Luke eine Hand auf die Schulter und meinte lapidar: „Wow.“

 

 

27

 Am nächsten Tag, nach dem Frühstück, kam General Veers zu Luke und brachte ihm eine Tasche für das, was in seinen Schränken war.

  „Wir werden einige Zeit dort sein.“ meinte er und musterte den jungen Mann nachdenklich.

  „Sie vertrauen mir nicht, General, oder?“ fragte Luke traurig.

  „Lord Vader tut es.“ erwiderte Veers ruhig. „Also tue ich es auch. Aber seien Sie gewarnt, Luke: ich werde Sie im Auge behalten. Ich werde nicht zulassen, daß Sie ihm Schaden zufügen.“

  „Das habe ich nicht vor.“ sagte der Junge leise. „Ich kam hierher, voll Furcht vor ihm und haßerfüllt. Aber das ist vergangen… er hat sich mir geöffnet. Ich bin bereit, ihn anzuhören. Ich will ihn kennenlernen.“

  „Gut.“ Veers nickte. „Das ist zumindest ein Anfang.“ Er nickte ihm zu und verschwand, und Luke begann zu packen.

Eine halbe Stunde später – er war eben fertig - kam Vader.

  „Ah, sehr gut. Die Sachen, die du hast, sollten ausreichend sein – Bast Castle ist gut ausgestattet.“ Er trat an das Compult, öffnete das entsprechende Programm und konfigurierte es. „Ich bin in meinem Hangar. Cass wird dich dorthin bringen.

Noch was… du solltest vielleicht die Uniformjacke ausziehen, hm?“ Er nickte ihm zu und war schon wieder weg, bevor Luke irgend etwas sagen konnte – und so starrte er ihm nur vollkommen perplex hinterher.

Langsam streifte er sich die Mütze vom Kopf, legte sie beiseite und öffnete die Jacke, zog sie aus und hängte sie beiseite. Ihm war gar nicht bewußt geworden, wie sehr er sich schon daran gewöhnt hatte – er hätte niemals daran gedacht, sie auszuziehen. Sein Vater war… unglaublich.

Er setzte sich und gab die Nummer des Falken ein… dann wartete er.

 

Eingehender Anruf., meldete das Comsystem des Falken irgendwo anders in der Galaxis – auf einer Zwischenstation der Rebellen, auf einem unbedeutenden, abgelegenen Planeten.

  „Geh doch mal wer dran!“ brüllte Lando aus dem Erfrischer – er war grade dabei, sich zu rasieren.

Chewbacca grollte verärgert, stemmte sich aus einem Wartungsschacht und trabte zur piependen Empfangsstation – nur, um dort auf Leia zu treffen, die sprachlos daraufstarrte. Er warf einen Blick auf das Display, jaulte überrascht – und starrte ebenfalls.

Lando kam zu ihnen, weißen Schaum im Gesicht. „Himmelarsch – was ist denn?“ unterbrach er sich und legte den Kopf schief. „Jetzt geht endlich ran!“

Chewbacca heulte etwas.

  „Eine imperiale Nummer? Wie bitte?“ Er trat näher, drückte einige Knöpfe, um die Nummer zu tracken und keuchte auf, als das Ergebnis gezeigt wurde. „Nicht nur imperial – das ist VADERS Privatnummer!“

R2-D2 und C-3PO, von dem Trubel angelockt, kamen ebenfalls näher, und beobachteten das Geschehen – erstaunlicherweise schweigend. Noch, zumindest.

  „Ich gehe ran.“ sagte Leia hart und plötzlich entschlossen und drückte auf den Knopf. Lando sprang schnell und äußerst würdelos außer Reichweite – er würde sich nicht halbnackt und mit Schaum im Gesicht dem Sithlord zeigen!

  „LUKE!“ brüllte die Prinzessin jedoch sofort und ohrenbetäubend, gefolgt von Chewies Röhren, und so stolperte der Ex-Baron wieder nach vorn und glotzte ungläubig.

  „Hallo.“ kam eine lächelnde, aber etwas unsichere Antwort über die Leitung.

  „Oh du meine Güte!“ rief C-3PO aufgeregt. „Master Luke!“ R2-D2 trillerte leise.

  „Wo bist du? Wie geht es dir? Was hat er mit dir gemacht?“

Luke hob lachend die Hände. „Langsam! Mir geht es gut, Leia, keine Panik.“

  „Aber wo bist du? Du bist sein Gefangener, oder? Hat er dir wehgetan?“ Leias Stimme überschlug sich beinahe.

  „Sieht das hier aus wie eine Zelle?“ Luke grinste und wies um sich. „Nein, es geht mir gut. Wirklich. Ich bin kein Gefangener… nicht in dem Sinn. Er behandelt mich sehr anständig.“

  „Wo bist du?“

  „Auf der EXECUTOR… derzeit.“

  „Moment… du hast dich in seine Kabine geschlichen und rufst von seinem Apparat aus an? Bist du lebensmüde?“

Luke lachte schallend. „Als ob das ginge… Nein. Er hat mir seine Leitung höchstpersönlich freigeschaltet. Das hier ist mein Quartier.“

  „Aber was will er von dir?“

Luke schüttelte den Kopf. „Das kann ich dir nicht sagen.“

  „Kannst nicht… oder willst nicht?“

  „Beides. Ich habe es ihm versprochen. Vertrau mir, Leia.“

  „Aber Luke…“

  „Vertrau mir.“ Lukes Stimme war fest und bestimmt. „Und such mich nicht. Bitte.“

Leia hatte Tränen in den Augen. „Wann kommst du wieder nach Hause?“

  „Nach Hause?“ wiederholte Luke seltsam abwesend.

  „Zu uns, Luke!“

  „Ich - “

Ein junger Offizier in grauer Uniform unterbrach ihn, als er ins Bild trat. Er sah kurz in die Kamera, nickte Leia ein „M’am“ zu, grüßte den Wookiee und grinste, als er den Seifenschaum in Landos Gesicht wahrnahm, was diesem ein Fluchen entlockte.

  „Tut mir leid, Luke, aber er will los. Bist du fertig?“

  „Ich komme, Arik.“ Er wandte sich zum Schirm und lächelte Leia zärtlich zu. „Ich muß Schluß machen. Mach dir keine Sorgen, Leia. Bis bald.“

Der Schirm wurde dunkel.

 

„Was… war… das?“

Leia starrte fassungslos auf die Comeinheit.

Lando schüttelte nur den Kopf. „Irgendeine Teufelei von Vader. Was hat er mit ihm gemacht?“

  * Er sah vollkommen normal aus. * warf Chewie ein. * Und hörte sich auch so an. *

Der Baron legte zweifelnd den Kopf schief. „Ich weiß nicht.“

  „Chewie hat Recht.“ sagte Leia. „Aber ich weiß nicht, ob mich das beruhigt…“

Langsam zerstreute sich die Gruppe wieder, jeder hing seinen Gedanken nach. Und keiner bemerkte, daß R2-D2 sich an das Com anschloß und Daten übertrug… bevor er unbemerkt das Schiff verließ und zu Lukes X-Wing rollte, der etwas abseits auf dem Flugfeld stand. Der Astromech hatte ihn von Bespin zum Treffpunkt geflogen.

Nach einem kurzen Austausch mit einer Bestückeinheit wurde er von dieser in seinen Sockel hinter dem Cockpit gehoben, zündete die Konverter und hob ab, bevor irgend jemand auf die eigenwillige Einheit aufmerksam werden konnte.

Die Leitstelle funkte ihn an – ziemlich aufgebracht. „Rot fünf – ach, verdammt, Astromech von Rot fünf! Was bei allen Raumratten hast du vor?“

R2s Antwort lief gelassen über den Schirm: Daß er seinem Herrn versprochen hatte, seinen Jäger regelmäßig zu testen und im besten Zustand zu halten. Nur ein kurzer Routineflug mit baldiger Rückkehr.

Der Offizier in der Leitstelle knurrte. Was sollte er auch groß tun? Ihn abzuschießen stand außer Frage, und jemanden hinterherzuschicken lohnte nicht. Und so suchte sich ein einsamer X-Wing ohne Piloten seinen Weg ins All…

 

In einigem Abstand, außer Sensorreichweite, speiste R2 dann die gezogenen Daten in das Comsystem des X-Wing ein und baute eine Verbindung auf… ein wenig modifiziert. Und er schien Glück zu haben – oder er wurde wirklich seinem Ruf gerecht, der beste Astromech aller Zeiten zu sein. Er bekam Antwort… von der EXECUTOR.

  :: Wer ist da? :: fragte das große Schiff irritiert.

  :: Wir dienen dem selben Herrn, Darth Vader. :: antwortete R2. :: Ich will zu ihm. ::

  :: Sind deine Schaltkreise verschmort? :: kam es umgehend zurück. :: Warum sollte ich einer vollkommen fremden Einheit verraten, wie sie zu meinem Herrn gelangt? ::

  :: Ich war seine persönliche Astromecheinheit, bis wir im Krieg durch widrige Umstände getrennt wurden. Ich hatte bislang keine Gelegenheit, zu ihm zurückzukehren, und ich diente einem anderen. Aber dieser andere scheint jetzt bei meinem Herrn zu sein – und so kam ich auch an deine Nummer. Du hast einen Ruf durchgestellt. ::

  :: Der… Gast. :: übermittelte EXECUTOR. :: Ja. Du gehörst zu ihm? :: fragte sie dann mißtrauisch.

  :: Ich gehöre zu beiden. ::

  :: Deine Signatur ist von der Allianz! ::

  :: Ja. Aber ich bin desertiert. Niemand weiß, wohin ich will. ::

Die EXECUTOR überlegte. :: Warum sollte ich dir vertrauen? ::

  :: Mir ist klar, daß du das nicht tust. Aber du könntest mich zu ihm verbinden. Warum sollte er nicht selbst entscheiden? Ich habe keine Ahnung, wo ihr seid, und ich werde Euch allein niemals finden. Es besteht kein Risiko. Und was ich getan habe, um dich anzufunken, wird kein anderer schaffen. ::

  :: Wahr. Na gut. Ich stelle dich durch. Du hast Glück, etwas später, und er wäre weggewesen. ::

 

Eingehender Anruf., meldete das Comsystem auf der Brücke der PRIDE. Vader starrte verärgert darauf und warf Luke, der neben ihm saß, einen kurzen Blick zu. Veers hatte ihm diesen Platz freiwillig abgetreten, da er seiner Beine wegen ohnehin nicht von Nutzen war.

  „Ich hoffe doch stark, deine Freunde wollen dich nicht fragen, ob ich eine Zahnbürste für dich habe.“ knurrte er.

  „Ich habe nichts von einer Reise gesagt!“ protestierte Luke. „Ehrenwort! Ich hab es dir doch versprochen!“

  „Kaum einer kennt diese Nummer – na schön. Vielleicht…“ Vielleicht Jix, dachte er und nahm ab. Doch statt seines ‚Neffen’ erschien ein leeres Cockpit auf dem Schirm.

  „Was - “ begann er, als ein aufgeregtes Trillern und Piepen die Brücke der kleinen Fregatte durchdrang und die übersetzten Zeilen über einen Bildschirm liefen. Vaders Kopf ruckte ungläubig vor, dann warf er sich in seinem Stuhl zurück und begann, sonderbare Geräusche von sich zu geben, sein gewaltiger Brustkorb bebte. Luke brauchte einen Moment, um herauszufinden, daß sein Vater Tränen lachte, und einen weiteren Moment, um zu wissen –

  „Ist das etwa R2?“ fragte er ungläubig. „Aber woher - “

Das Trillern wurde drängender und schriller, und Vaders Schultern zuckten immer noch. Er beugte sich vor und machte eine beruhigende Geste. „Ist ja gut, R2, wir hören und verstehen dich. Aber ich glaube, du bist uns eine Erklärung schuldig. Wie hast du uns gefunden? Und wie hast du die EXECUTOR dazu gebracht, dich durchzustellen?“

Wieder erklangen die Tonsignale, und Luke hatte Schwierigkeiten, den Zeilen auf dem Schirm zu folgen – während sein Vater diese nicht zu brauchen schien. Er lauschte aufmerksam.

  „Du hast den Code modifiziert? Danke für den Tip, ich werde wohl meine Verschlüsselung ändern und verbessern müssen. Und EXECUTOR – ah, verstehe. Ja, so besteht wohl kein Risiko. Du bist was? Desertiert? Einfach mit dem X-Wing weg- WAS?“ Wieder lachte Vader schallend. „Herrlich – R2, du bist einmalig! Weiß die Prinzessin davon? Nein? Hölle…“ Er hielt sich tatsächlich den Bauch, Luke starrte ihn ungläubig an. Er hätte im Traum nicht gedacht, DAS jemals zu sehen. „Zu uns?“ Vader wurde ernst, und R2s Piepen kleinlaut und bittend. „Nein, ich kann dir weder verraten, wo EXECUTOR ist, noch wo wir jetzt hinfliegen.“ Ein Klagelaut. „Ja, mir ist bewußt, daß du nicht zurückwillst. Na schön. Ich gebe dir Koordinaten eines Rendezvouspunktes, der für dich erreichbar ist, ich werde dort aus dem Hyperraum fallen und dich aufnehmen. In Ordnung?“ Das Schrillen wurde euphorisch. „Ist ja gut! Die Koordinaten kommen.“ Vader tastete einige Daten ein. „Ich erwarte dich dort. Und bleib ab jetzt unter Funkstille. Vader Ende.“

Er lehnte sich zurück und schnappte nach Luft. „R2-D2… der Kleine ist unglaublich!“

  „Woher, bei allen Raumgeistern, kennst du ihn?“ fragte Luke fassungslos.

  „Mein Sohn, ich kenne ihn, seit ich neun war – er gehörte deiner Mutter!“

  „Meiner Mutter?!“

  „Ja, Padmé Amidala. Er war einer von sechs Astromechdroiden an Bord der Nubian, die sie damals benutzte – und der einzige, der davon übrigblieb. Er begleitete uns die ganzen folgenden Jahre – oder besser, mich. Wir wurden erst in den Klonkriegen getrennt… nach Mustafar, um genau zu sein. Er begleitete mich noch dorthin. Das erklärt auch, warum er weiß, wer ich bin. Er kannte den Namen Darth Vader bereits in Verbindung mit meiner alten… Gestalt.“

  „Oh.“ machte Luke. „Was geschah danach mit ihm?“

  „Ich habe keine Ahnung.“ Vader seufzte. „Aber ich würde stark vermuten, daß Obi-Wan ihn jemandem anvertraut hat… und da er über Leia in deinen Besitz kam, würde ich sagen, daß er ihn und C-3PO an Bail Organa gegeben hat.“

  „Er wußte die ganze Zeit Bescheid und hat nichts gesagt?“

  „Ziemlich sicher.“ Vader leitete nun endlich den Start ein, ließ sich Startfreigabe geben und hob ab, lenkte die PRIDE aus dem Hangar der EXECUTOR hinaus. „Aber was hätte er denn sagen sollen? Luke, ich kenne deinen Vater, flieg nicht zum Todesstern? Hättest du auf ihn gehört?“

  „Damals nicht, vermute ich.“

  „Eben. Aber ich kann dir versichern: dieser kleine Droid ist der Beste und Treueste, der mir jemals begegnet ist. Und ich freue mich sehr auf ein Wiedersehen mit ihm.“

Luke schwieg einen Moment, dann murmelte er: „Er kannte meine Mutter…“

  „Sehr gut sogar. Vermutlich hat er noch eine Menge Bilder von ihr gespeichert… und vielleicht sogar Vids.“

  „Oh, das wäre wundervoll!“ Für einen Moment sah Luke in seiner Freude sehr jung aus, und der dunkle Lord fühlte sich schmerzhaft an die vielen Gelegenheiten erinnert, die er im Leben seines Sohnes verpaßt hatte. Große Freude ebenso wie große Trauer oder Ärger und Angst… Danke, Obi-Wan., dachte er bitter.

  „Ja.“ stimmte Vader leise zu. „Das wäre es. Denn ich besitze selbst ebenfalls keine.“

  „Nicht ein Einziges?“ fragte Luke ungläubig.

  „Nein. Palpatine hat alles vernichtet, was er finden konnte. Und mir verboten, mich damit zu umgeben. Nichts sollte meine reine Dunkelheit verfälschen. Nichts von meinem alten Selbst sollte übrigbleiben.“

  „Wie grausam!“

Vader zuckte die Schultern. „Das war damals. Ich war ein anderer und akzeptierte es fraglos. Palpatine war mein Meister – und einer, dem man nicht widersprach.“ Er beschäftigte sich mit dem Navigationscomputer, gab einige Gleichungen ein, wartete auf das Ergebnis und leitete schließlich den Lichtsprung ein.

  „Und nun?“

  „Nun, mein Sohn, hoffe ich, daß du mir helfen wirst, diesen Zustand zu ändern.“

Luke schwieg, er fühlte sich noch nicht bereit, darüber nachzudenken – vor allem nicht über das danach. Vader lächelte leicht und ließ ihm die Zeit. Sie hatten sie… hoffentlich.

  „Was ist mit C-3PO?“ fragte Luke statt dessen und wechselte das Thema recht abrupt. „Kennst du ihn dann ebenfalls? Hat er auch meiner Mutter gehört?“

  „Was?“ keuchte Vader und bekam einen neuen Lachanfall. „Luke, mein Sohn, ich fürchte, ich muß dir sagen, daß ich ihn gebaut habe. Ebenfalls mit neun Jahren.“

  „Du hast WAS?“

  „Ich habe ihn gebaut. Ich fand die Einzelteile auf Wattos Schrottplatz, klaute sie und baute ihn zusammen, als Hilfe für meine Mutter…“

Er begann zu erzählen, und Luke lehnte sich zunehmend fasziniert zurück und lauschte.

 

  „Darf ich Sie was fragen, General?“

Veers sah von seinem Datenpad auf und nickte Cass zu. „Sicher, Captain. Setzen Sie sich.“

Arik ließ sich neben ihm nieder, ein wenig zögernd. Sie waren allein in der Messe, die wenigen Piloten einer TIE-Squad der 501sten, die sie begleiteten, waren im Hangar und warteten ihre Maschinen.

  „Nur frei heraus damit, Cass.“ sagte Max ein wenig amüsiert.

  „Das war Lord Vader in der Messe, nicht wahr?“

Veers’ linke Braue wanderte steil nach oben – er wußte, welche spezielle Begegnung gemeint war. „Sie haben doch mit ihm gesprochen anschließend. Gab es irgendeinen Grund zum Zweifel?“

  „Nein, Sir. Aber… seit wann ist er so, Sir?“

  „Seit wann ist er wie, Captain?“

  „Verdammt, Sir. Es wird doch einen Grund für diesen Anzug und die Maske gegeben haben. Er trägt sie doch nicht, um Leute zu erschrecken!“

  „Nein, Arik, es gab sogar einen sehr guten Grund dafür.“ erwiderte Veers ernst. „Er hätte ohne nicht überleben können. Der Anzug war sein Herz, seine Lunge – sein Leben.“

  „Und jetzt braucht er ihn nicht mehr, Sir…?“

  „Offensichtlich nicht, Captain.“ Veers schmunzelte.

Cass schwieg einen Moment. „Seit Herka sieben, habe ich Recht?“

Wieder wanderte die Braue nach oben. „Was bringt Sie darauf?“

Cass zuckte die Schultern. „Er hat sich verändert, Sir. Irgendwie.“

Veers war alarmiert, sein Körper spannte sich.

  „Keine Sorge, Sir – den meisten ist nur aufgefallen, daß er entspannter ist als sonst. Aber keiner wagt drüber nachzudenken, warum.“

  „Außer Ihnen, hm?“

  „Keine Ahnung, Sir. Ist so ein Gefühl. Er… fühlt sich anders an.“

Veers’ Augen verengten sich. „Ist das ein Problem, Captain? Und hören Sie endlich mit dem „Sir“ auf!“

  „Ja, Si- ich meine, ja General. Ich meine, NEIN, General! Himmel! Nein, es ist kein Problem, im Gegenteil, verstehen Sie mich nicht falsch!“ Arik geriet leicht außer sich. „Sir, ich verehre ihn zutiefst, ich würde für ihn sterben! Ich will nur helfen! Ihm und Luke!“ Leiser fügte er hinzu: „Und ich freue mich sehr für ihn – er fühlt sich… glücklich an.“

Veers nickte langsam. „Das ist er, Arik. Das ist er.“

Cass schwieg wieder, schien noch eine andere Frage zu bebrüten.

  „Raus damit.“ seufzte Veers.

  „Sir… er wäre ein viel besserer Imperator als Palpatine.“

Veers starrte ihn nur an. Sprachlos.

  „Sir… er, geheilt, ganz, stark – und… glücklich, Sir… und Luke… zusammen…“

  „Arik…!“

  „Sie könnten es schaffen, Sir.“

  „Das ist Hochverrat, Captain.“

  „Das ist es, Sir.“, erwiderte Cass fest. „Sagen Sie ihm, ich bin dabei. Und die 501ste ebenfalls. Ich weiß, daß beinahe alle meine Kameraden – weit über neunzig Prozent – so denken. Wenn es soweit ist, kann er auf uns zählen.“

  „Und warum ich, Cass? Warum nicht Admiral Piett? Oder Corva?“

  „Weil Sie Teil seines Glücks sind, Sir.“, erwiderte Cass schlicht. „Auch das kann ich fühlen.“

Veers schüttelte den Kopf. „Arik, ich habe so das dumpfe Gefühl, bei Ihnen ist eine Blutprobe fällig…“

 

 

28

 Sie erreichten den Rendezvouspunkt als Erste und schwebten reglos und wartend im Normalraum. Vader hatte sich mit Luke und den anderen in den Hangar begeben und nutzte die Zeit, um die 20 TIE-Jäger zu begutachten, die ihre Eskorte darstellten. Ihre Piloten waren von Cass ausgesucht worden und stellten die Speerspitze der 501sten dar – Männer, von denen Arik glaubte, daß sie die besten waren, um im kommenden Projekt die Offiziere der Legion zu stellen. Allen war gemein, daß ihre Furcht vor Vader sehr viel geringer war als ihr Respekt und ihre Bewunderung vor ihm. Sie waren alle schon mit ihm geflogen und dienten seit langem an Bord der EXECUTOR, und so war die Inspektion eine ruhige und gelassene Angelegenheit – vor allem, weil die Piloten ihren Job liebten und ernstnahmen. Sie wußten, daß die Maschinen ihr Leben waren, und hielten sie in Bestform. Und wenn ihnen jemand half, dies noch zu toppen, nahmen sie Rat gerne an – vor allem von Vader, dem anerkannt besten Piloten der Galaxis.

Vader hatte sie kurz gebrieft, ihnen Ziel und Grund der Reise mitgeteilt – und sie ebenso darüber informiert, daß Luke sein Sohn war. Daran hatten sie einen Moment zu kauen.

  „Lord Vader.“ Einer der Piloten trat vor.

  „Ja, Leutnant?“

  „Sir, Commander Skywalker ist bekanntermaßen eine Leitfigur der Allianz…“

  „Ist das ein Problem, Leutnant?“ Vaders Stimme war ruhig, hatte aber einen gewissen festen Unterton, der Luke sehr eindringlich daran erinnerte, wer hier neben ihm stand. Er begann, sich ein wenig unbehaglich zu fühlen.

 „Nein, Sir.“, erwiderte der Pilot gelassen. „Aber ich denke, wir sollten wissen, ob der Commander aus eigenem Willen hier ist oder als Gefangener zu betrachten. Unser Verhalten hängt davon ab. Sir.“

Vader drehte lediglich den Kopf und sah seinen Sohn an, und Luke konnte spüren, daß er lächelte.

  „Ich kam zwar nicht unbedingt freiwillig, aber mittlerweile bin ich aus eigenem Willen hier, Leutnant.“, erwiderte Luke ruhiger, als er war.

Der Soldat nickte, sah aber Vader an. „Mylord, mit Eurer Erlaubnis.“ Er wandte sich wieder Luke zu. „Commander, wir dienen Eurem Vater und sind für seine Sicherheit verantwortlich. Euer Wort ist akzeptiert, aber sollte sich eine Situation ergeben, die das ändert, oder sollten Umstände eintreten, in denen wir entscheiden müssen, wird Euer Vater unser Mündel sein.“

  „Verstanden.“ Luke nickte und seufzte innerlich. Einmal Rebell, immer Rebell? Aber immerhin akzeptierten sie ihn – er konnte keine Feindseligkeit spüren, nur Vorsicht. Das war immerhin etwas.

Nun, während der Inspektion, schlenderte er im Hangar umher und besah sich die Maschinen – nicht ohne Neugier und Faszination. Ihr Design war ihm neu, und so musterte er sie aufmerksam.

  „Nette Babies, was, Commander?“ Einer der Piloten stand plötzlich neben ihm.

  „Allerdings.“ Er erwiderte das Lächeln des Piloten vorsichtig, aber es schien ehrlich gemeint. „Hab ich noch nie gesehen… eine Neuentwicklung?“

  „Hm.“ Der Pilot nickte nicht ohne Stolz. „Wir nennen sie Avenger. Sie fliegen sich einfach wundervoll… damit können Eure X-Flügler einpacken!“

  „Käme auf einen Test an.“ grinste Luke zurück.

  „Wo ihr grade davon redet…“, meinte ein anderer und deutete durch die offene, nur durch ein Magnetfeld versiegelte Hangarluke nach draußen. „Wir kriegen Besuch. – Lord Vader! Schiff im Anflug, X-Flügelklasse.“

  „Sehr gut.“ Vader löste sich von dem begutachteten Jäger und ging in die Mitte des Hangars, um den Jäger in Empfang zu nehmen.

Der X-Wing durchstieß das magnetische Feld und landete sanft direkt vor dem dunklen Lord. Das Cockpit blieb geschlossen, doch R2 schob sich aus seiner Hülse und trillerte aufgeregt. Vader holte ihn mit Hilfe der Macht herunter und setzte ihn vor sich ab. Der Droide bewegte sich ein wenig zögernd auf die große, gepanzerte Gestalt zu und schrillte etwas.

  „Erlaubnis erteilt. Willkommen an Bord, R2-D2.“ Vaders Tonfall war eindeutig amüsiert. R2 antwortete etwas, was irgendwie erleichtert klang, und wandte sich dann Luke zu, um auch ihn zu begrüßen.

  „Gehen wir zurück ins Cockpit. R2, du kannst uns begleiten, wenn du magst.“ Vader wandte sich zum Gehen, doch einer der Piloten hielt ihn auf.

  „Lord Vader, haben wir Eure Erlaubnis, den X-Wing zu überprüfen?“

  „Wozu?“ rutschte Luke es heraus, bevor er es verhindern konnte.

  „Sicherheitscheck, Commander. Und Neugier.“ Der Pilot grinste. „Eins von diesen Dingern hing vor kurzem hartnäckig an meinem Arsch. Ich fand das nicht besonders witzig.“

  „Die Maschine ist sauber, Leutnant.“ sagte Luke ein wenig verärgert.

  „Höchstwahrscheinlich, Commander. Aber sicher ist sicher.“

  „Tut es.“ entschied Vader. „Ihr könnt ihn bei der Gelegenheit gleich saubermachen und reparieren. Das Ding sieht ja zum fürchten aus!“

  „Hat der in einem Sumpf gesteckt?“ Ein anderer Pilot hielt ein Stück Alge in der Hand und verzog das Gesicht.

  „Das trifft es ziemlich genau…“

  „Oh scheiße. Das wird uns eine Weile beschäftigt halten…“ seufzte der Pilot, aber er lachte dabei. „Also los, Jungs. Fangen wir an.“

 

  „Prinzessin Leia!“

Leia stöhnte leise, als sie die wohlvertraute Stimme hörte. „Ja, 3PO?“

  „Euer Hoheit, ich kann R2 nicht finden. Wißt Ihr vielleicht, wo er ist?“

  „Nein, 3PO, ich habe ihn seit Stunden nicht gesehen. Vielleicht weiß Chewie…“

Der Droide vollführte die üblichen eckigen, abgehackten Bewegungen, die bei ihm stets mit großer Aufregung einhergingen und so die fehlende Mimik ersetzten. „Nein, Hoheit, ihn habe ich bereits gefragt. Er weiß auch nicht, wo er ist. Niemand weiß, wo er ist.“

Leia runzelte die Stirn. „Er kann doch nicht einfach verschwunden sein. So groß ist das Lager auch nicht.“

  „Ich habe bereits alles überprüft und jeden gefra-“

  „Wann hast du ihn zum letzten Mal gesehen?“ schnitt die Prinzessin ihm das Wort ab.

  „Nun, das war, als Master Luke sich gemeldet hatte, Hoheit.“

  „Als Luke…? Er wird doch nicht – Deckoffizier!“ rief sie plötzlich.

  „Ja, Prinzessin?“

  „Wo steht Lukes X-Flügler?“

  „Gleich da drüben, wir haben ihn etwas am Rand ge- er ist weg!“ unterbrach der Mann sich selbst erstaunt.

  „Oh verdammt.“, fluchte Leia. „Hatten wir einen kleinen Deserteur unter uns?“

  „R2 würde die Rebellion nie verraten!“ protestierte C-3PO.

  „Ach nein, würde er nicht? Und wo ist er dann?“

Einige hilflose Gesten später: „Nun, vielleicht ist er Master Luke suchen gegangen?“

  „Genau, 3PO. Und wo ist der gerade?“

  „Oh du meine Güte…“

Leia zog eine Grimasse. „Das trifft es wohl nicht mal annähernd. Ich muß Madine suchen gehen – wir müssen evakuieren, bevor das Imperium hier eintrifft.“

 

Vader, zurückgekehrt ins Cockpit, sprang wieder in den Hyperraum und setzte die PRIDE auf Autopilot, bevor er sich R2-D2 zuwandte.

  „So, alter Freund. Sag mir, wo sich die Rebellenbasis befindet.“

  „Vater!“ rief Luke entsetzt. „Du wirst doch nicht im Ernst R2 dafür ausnutzen und die Basis überfallen? Sie haben vielleicht noch nicht einmal bemerkt, daß er fehlt!“

  „Doch, genau das werde ich tun, Luke. Und einfach deshalb, weil es der logische Schritt ist, den ich tun würde – und tun werde. Aber keine Sorge – wir werden sie nur aufscheuchen, nicht angreifen. Schließlich könnte R2 hier auch eine Falle sein… Ich werde eine Aufklärereinheit hinschicken und ein bißchen mit den Muskeln spielen. Täte ich es nicht, wäre es wenig glaubhaft, nicht wahr? Und unterschätze deine Freunde nicht – vor allem nicht C-3PO. Der wird längst Alarm geschlagen haben. Also, wo sind sie?“

R2 gab trillernd und ohne zu zögern Auskunft, was Luke schockte – und es war auch noch die korrekte Antwort, wie er auf dem Display nachlesen konnte.

  „Danke.“ Vader nahm Verbindung mit der EXECUTOR auf und gab Admiral Piett knapp Anweisungen, daß er mit einer gewissen Zeitverzögerung Leute hinschicken sollte – inklusive eines Angriffs, falls noch jemand dort sein sollte.

  „Vater…!“

  „Luke, die Rebellen verdienen es nicht besser, wenn sie nicht vorbereitet sind, sobald meine Leute ankommen. Sie haben mehr als genug Vorlauf, glaub mir.“

  „Das gefällt mir nicht.“, murrte Luke.

  „Offiziell bist du nicht freiwillig hier. Nur Leia, Chewbacca und Calrissian wissen davon. Also kann ich die Informationen genausogut von dir erpreßt haben – und deine Astromecheinheit ist als exzentrisch bekannt, oder? Mach dir keinen Kopf. Es wird ihnen schon nichts passieren – und du weißt ganz genau, daß ich auch hätte anders handeln können, so DASS ihnen etwas passiert wäre. Hm?“

  „Ja, aber - “

  „Nichts ‚aber’. Du weißt, daß ich Recht habe. Ich zeige mich hier sehr großzügig, und das muß dir genügen. Und nun laß uns zu etwas angenehmerem kommen… R2, dein Gedächtnis blieb unangetastet, oder? Ich nehme stark an, das von 3PO wurde gelöscht.“

Der Astromech bestätigte beides und hupte dann fragend. Vader zögerte ein wenig.

  „Ich habe mich gefragt, ob du noch Bilder und Vids von Padmé gespeichert hast…“

Bejahendes Trillern, dann eine weitere Frage.

  „DAS? Oh… Nun ja… Ich weiß nicht, ob ich dafür bereit bin… Hast du nichts anderes?“ Vader klang ein wenig gequält, und Luke sah ihn neugierig an.

  „Wofür bereit, Vater?“

Der dunkle Lord seufzte. „Er hat als erstes Beispiel eines vorgeschlagen, das… schmerzhaft ist. Unsere Hochzeit.“

  „Eure Hochzeit? Oh, bitte, ich möchte es sehen! Dann kann ich auch dich sehen!“ rief Luke neugierig.

Ein paar mechanische Atemzüge lang sagte der dunkle Lord gar nichts, sein Blick verlor sich augenscheinlich in weiter Ferne oder längst vergangenen Zeiten. „Na schön.“, sagte er schließlich. „Spiel es ab, R2.“

Der Droide fuhr einen Adapterarm aus, stöpselte sich in das Schiffssystem ein und aktivierte einen Bildschirm. Ein junger Jedi, noch mit dem Zopf des Padawans, gutaussehend und schlank, stand einer jungen Frau im weißen Brautkleid gegenüber, neben ihnen ein Priester. Der junge Mann trug sein dunkelblondes Haar kurzgeschnitten, er war bartlos, und seine Augen waren von einem strahlenden Blau. Das Mädchen war einen Kopf kleiner als er, dunkle Locken wallten bis zur Taille unter einem Spitzenschleier hervor. Beide sahen sich in die Augen und ließen die Blicke nicht voneinander. Was der Priester sagte, war nicht zu hören, aber dann entfernte er sich, und das Paar küßte sich innig.

Luke starrte fasziniert auf den Schirm – und auch Vader tat dies, doch er senkte den Kopf und wandte sich ab, als das kurze Stück zuende war. Und Luke spürte – er wußte nicht, warum, aber er war sich dessen sicher – daß er lautlos weinte.

  „Vater… tut mir leid.“ sagte er hilflos. R2 drehte den Kuppelkopf von einem zum anderen und entschied spontan, daß er nachsehen würde, was die Piloten mit seinem Jäger machten.

Vader sagte eine Weile nichts, das rhythmische Geräusch des Beatmers hing wie eine Wand zwischen ihnen.

  „Schon gut.“ sagte er schließlich tonlos. „Das ist lange vorbei. Aber es schmerzt dennoch, es zu sehen…“ Der Atem beschleunigte sich kurz, als er wohl tief durchatmete. „Du kannst R2 später nach mehr Material fragen – er meinte, er hat noch so einiges.“

  „Du warst ein gutaussehender Mann.“ sagte Luke nach einer Pause.

  „Danke.“, erwiderte Vader trocken.

  „Wirst du mir irgendwann zeigen, wie du jetzt aussiehst?“

  „Irgendwann. Ja.“ sagte Vader knapp. Luke lächelte.

  „Das reicht vollauf.“ Dann, nach einer Pause, fügte er hinzu: „Übrigens… was ist denn neulich nachmittags passiert?“

Der Helm drehte sich zu ihm, die Maske unergründlich wie immer. „Neulich nachmittag?“

  „Ja…  nachdem wir im Garten gesprochen hatten.“

  „Was meinst du?“ Die Stimme klang ebenso harmlos wie lauernd.

  „Ich habe dich gespürt. Du warst… erregt.“

  „War ich das.“ Der Helm drehte sich wieder weg, prüfte einen belanglosen Wert auf der Konsole vor sich.

Luke grinste breit. „Oh ja. Und wie.“

  „Ah.“

  „War es Corva?“

Der Helm fuhr wieder herum, sehr abrupt diesmal. „Was?“

  „Die Heilerin.“

  „Ich habe sehr genau verstanden, welchen Namen du genannt hast. Wie kommst du auf sie?“

Luke zuckte die Schultern. „Naja… sie sagte, sie mag dich, sie wäre mit dir befreundet.“

Zu seinem Erstaunen sah er die mächtigen Schultern leicht beben, von lautlosem Lachen geschüttelt. „Mein Sohn, es ist noch nicht an der Zeit, daß ich dir einen so tiefen Einblick in mein Privatleben gewähre. Geduld. Du wirst es schon noch erfahren.“

  „Du bist gemein!“ Luke lachte.

  „Was erwartest du von einem Sith?“

  „Stimmt auch wieder.“




  „Na siehst du.“

29

 Nach etwas über sechs Stunden Flug traten sie wieder aus dem Hyperraum aus.

Vjun war ein düsterer Planet – grau, dunkelbraun und dunkelgrün.

  „Der Regen hier ist säurehaltig“, erklärte Vader, „und das Moos, das beinahe überall wächst, fleischfressend. Kein Ort, der zu einer Wanderung einlädt.“

  „Klingt ja prickelnd.“ Luke schauerte. „Warum gehört dir ausgerechnet dieses bezaubernde Fleckchen? Mußte es unbedingt etwas sein, das die düstere Seele von Darth Vader widerspiegelt?“ Es war als Scherz gemeint, aber noch, während er es aussprach, überlegte er, wie dicht seine Worte wohl an der Wahrheit waren.

Ein leises Lachen untergrub seine Theorien. „Nein. Vjun ist ein Planet, dessen Einwohner schon immer sehr machtbegabt waren. Irgend etwas hier scheint dies zu fördern – aber noch hat niemand herausgefunden, was.

Außerdem ist Bast Castle ist sehr groß – du wirst kein Bedürfnis haben, hinauszugehen. Glaub mir.“

Vader ging in den Annäherungsvektor über, konsultierte den Navigationscomputer und leitete dann den Landevorgang ein.

Daß er nicht übertrieben hatte, wurde bald offenbar. Bast war ein gigantischer Komplex auf einer Bergspitze – und noch zusätzlich dominiert durch einen hohen, schlanken Turm. Es war mehr als ausreichend für sie alle, hier einige Zeit zu verbringen, ohne sich gegenseitig auf die Füße zu treten. Allerdings schien auch die Burg ein eher düsteres Gebäude… angepaßt an den Planeten. Oder den Hausherrn?

Vader dockte in einem Hangar ein, der sich ausreichend groß erwies, um die PRIDE aufzunehmen. Zuvor hatten sie jedoch einige Sicherheitschecks überwinden müssen – und Luke hatte sehr wohl die ungezählten auf sie gerichteten roten Ziellaser bemerkt.

  „Zu Fuß kann man sich der Burg längst nicht so einfach nähern.“ Das Understatement des Jahrhunderts, vermutete Luke – bedachte man allein die Menge der sichtbaren Waffen. „Es sind Selbstschußeinrichtungen im weiten Umkreis aufgestellt, außerdem Hologrammprojektoren, die Schrecknisse und wilde Tiere darstellen und Eindringlinge in Fallgruben drängen. Der Weg selbst verläuft nach einem fixen Schema, das man kennen muß. Weicht man nur einen Schritt davon ab, lösen sich die Fallen aus.“

  „Klingt ja einladend. Warum all diese Vorkehrungen?“

  „Es ist nicht unbedingt ein Geheimnis, daß Bast Castle mir gehört, Luke. Ich bewahre hier all meine wertvollsten Dinge auf – und es ist definitiv sicherer als mein Haus auf Coruscant. Man sollte es eigentlich nicht für möglich halten, aber es gibt immer wieder Idioten, die es für eine gute Idee halten, bei mir einbrechen zu wollen.“

Er fuhr alle Systeme herunter und erhob sich. „Komm.“

Sein erstes Ziel war der Hangar der PRIDE, wo er die Piloten der TIE-Jäger einwies. Ein Droide würde ihnen ihre Quartiere zeigen – sie waren offensichtlich mehr oder weniger getrennt von ihnen untergebracht. Keine allzu große Überraschung.

  „Wer versorgt dies alles in deiner Abwesenheit?“ fragte Luke, als er Vader zur Messe folgte.

  „Diener. Ich habe einige Leute, die permanent hier leben. Sie werden gut bezahlt dafür, alles penibel in Ordnung zu halten – ich weiß meist nie im Voraus, wann ich komme.“

Veers und Arik waren bereits fertig und folgten ihnen – ohne Gepäck. Das würde später geholt werden, wie Vader ihnen sagte.

Der Hangar war großzügig, sauber und aufgeräumt – und ein Durchgang führte wohl zu einem weiteren, der allerdings im Dunkel lag.

  „Das zeige ich dir später.“ meinte Vader, dessen Tonfall auf ein breites Grinsen hindeutete. „Komm. Ich führe euch kurz durchs Haus.“

Mit einem Lift gelangten sie in die Eingangshalle, die von einer riesigen Statue des Hausherrn dominiert wurde.

  „Nett.“ meinte Luke trocken. „Und so ähnlich.“

  „Nicht meine Idee.“ versetzte Vader ärgerlich. „Der Imperator hat ein Faible für Gigantismus und Statuen. Keine gute Mischung.“

  „Der Imperator?“ echote sein Sohn erstaunt.

    „Ja. Die Statue ist ein Geschenk von ihm... ein kleiner Nadelstich, um mich hier, in meinem Refugium, ständig an ihn zu erinnern. Und daß ich in seiner Macht bin.“

Er führte sie in den wichtigsten Bereichen der Burg herum, zeigte ihnen Kamin- und Eßzimmer, Bibliothek, Trainingsraum, Medienzentrum, Kartenraum und ihre Schlafzimmer, jedes davon mit großem Bad und luxuriös, aber geschmackvoll ausgestattet.

  „Die Burg steht euch offen und zur freien Verfügung, mit allem, was darin ist.“, meinte er abschließend. „Jedenfalls, solang ihr die Türen offen findet. Sollte eine verschlossen sein, versucht nicht, hineinzugelangen. Es würde euch nicht bekommen.

Gut. Richtet euch häuslich ein, geht ein wenig herum, kommt an. Ich werde die nächsten Stunden damit verbringen, diverse Dinge zu sichten und zu erledigen, die in meiner Abwesenheit aufgelaufen sind. Wir sehen uns dann zum Abendessen.“

 

Luke und Arik verständigten sich mit einem Blick und streiften dann erst einmal ziellos durch die Burg – wie Kinder auf einer Schatzsuche. Sie nahmen alles genau in Augenschein, bewunderten die teuren Gemälde an den Wänden – samt und sonders berühmte Werke von großen Meistern, alle einzigartig – ebenso wie die diversen anderen Kunstgegenstände, die scheinbar wahllos verteilt überall anzutreffen waren: hier ein altes Schwert an der Wand, dort eine Kriegsmaske eines berühmten Kriegervolkes, die Statue eines Gottes, eine Schale aus feinstem Porzellan aus einer Manufaktur, die es längst nicht mehr gab oder ein wundervoll geknüpfter Teppich, daumendick, in leuchtenden, lebenden Farben. Und erst die Bibliotheken! Bücher aus Papier waren eine Seltenheit – doch hier standen Tausende von ihnen, in über einem Dutzend Sprachen. Im Gegensatz dazu waren die technischen Einrichtungen sämtlich auf dem allerneusten Stand. Bast Castle war eine Ansammlung von Widersprüchen… wie ihr Herr.

Songan traf sie in einer der Gemäldegalerien – oder besser: in einem der langen Flure, die mit Bildern bestückt waren.

  „Da seid ihr ja. Kommt mit, ihr beiden, ich möchte einen Test mit euch machen.“

  „Einen Test?“ Arik runzelte die Stirn, als sie ihm folgten.

  „Ja – euer Midichlorianwert.“

  „Unser was, bitte?“

  „Unsere Machtbegabung.“ erklärte Luke. „Warum Arik, Songan?“

  „Machtbegabung?“ murmelte der junge Captain. „Ich bin nicht machtbegabt…“

Der Heiler lächelte. „General Veers schien Grund zur Annahme des Gegenteils zu haben, Captain. Wir werden sehen.“

Er führte sie in eine Krankenstation, die jedes Medcenter hätte vor Neid erblassen lassen. Nun – kein Wunder bei der Disposition des wichtigsten Bewohners. MediDroiden standen parat, waren aber noch deaktiviert, und Songan beließ es dabei. Er schien sich gut auszukennen, denn er ging zielstrebig zu einem der Schränke, holte Testgeräte und Lanzetten und fuhr einen Computer hoch.

  „Wer will zuerst?“

Luke zuckte die Schultern und trat vor.

  „Ihre Hand, bitte.“

Songan ergriff einen Finger der gereichten Hand, entnahm mit Hilfe einer Lanzette einen Tropfen Blut und tupfte ihn auf ein Feld eines Testgeräts. Dann übermittelte er das Ergebnis an den Computer und beobachtete neugierig den Monitor.

  „Achtzehntausendsiebenhundert. Holla.“ Songan pfiff leise.

  „Wieviel hat mein Vater?“ fragte Luke neugierig.

  „Niemand weiß es. Die Skala geht, wie Sie sehen, bis zwanzigtausend. Aber es wird vermutet, daß sein Wert über vierzigtausend liegt.“

Beide blinzelten ungläubig. „Wow.“

  „Ja – aber es muß bedacht werden, daß Midichloriane nur in lebendem Fleisch existieren. Ein hoher Wert allein sagt wenig aus, wenn Gliedmaßen fehlen. Arik, wollen Sie?“

Der Captain trat vor und bot seinen Finger dar. „Aber ich habe nie Anzeichen gezeigt…“

  „Keine präkognitiven Erfahrungen? Ahnungen? Wahrträume?“

  „Naja – hat die nicht jeder?“

Songan grinste. „Nein. Wer sagt’s denn – Neun-acht. Klingt nicht berauschend, ist aber guter Durchschnitt. Vergessen Sie nicht, daß Luke als Lord Vaders Sohn jenseits der Normalwerte steht.“

  „Und was bedeutet das jetzt?“ wollte Arik ein wenig unruhig wissen. Er kannte Order 66 so gut wie jeder seiner Kameraden.

Songan drehte sich zu ihm und sah ihn ernst an, doch seine Augen lächelten. „Das bedeutet, daß Lord Vader jetzt zwei statt einem Schüler unterrichten wird – und zwar als erstes darin, wie man Schilde errichtet, um seine Begabung zu vertuschen. Keine Sorge, Arik. Die Uhren laufen jetzt und hier anders als noch vor einigen Monaten.“

  „Ich weiß, Sir. Danke.“ sagte er ehrlich und erntete ein Lächeln.

  „Wo waren Sie eigentlich während des Fluges?“ fragte Luke neugierig. „Ich habe Sie gar nicht gesehen.“

Songan lächelte. „Nett, vermißt zu werden. Nun bin ich hier. Und wir werden uns die nächste Zeit sicher sehr häufig sehen.“ Er schaltete den Computer ab. „Ich gehe zu Max. Wir sehen uns später.“

 

Vader kehrte in Max’ Räume zurück, wo er den General dösend auf dem breiten Doppelbett fand. Lächelnd setzte er sich daneben und küßte ihn sanft auf die Stirn.

  „Ah, du bist zurück.“ Veers erwiderte das Lächeln und setzte sich auf. „Und? Was kam bei dem Test heraus?“

  „Lukes Werte sind sehr hoch. Zwar nicht jenseits der Grenzen wie meine, aber knapp darunter. Und Arik liegt im guten Durchschnitt. Sonderbar, dass ich ihn nicht gespürt habe… er muß eine Naturbegabung sein, was Schilde angeht.“

  „Hab ich mir’s doch gedacht. Und nun?“

  „Nun werde ich die beiden ausbilden. Zunächst ihre Schilde, dann die Grundzüge. Luke hat ja schon das eine oder andere gelernt, aber es klaffen riesige Lücken. Logischerweise.“ Er schwieg einen Moment. „Arik sorgte sich zunächst – wegen Order 66.“

  „Kannst du es ihm verdenken?“

  „Nein. Natürlich nicht.“ Vader seufzte. „Das Dumme ist nur: wenn ich morgen vom Kaiser einen Befehl erhalten sollte, wieder auf die Jagd zu gehen – sollte irgendwo in der Galaxis ein Jedi auftauchen – ich müßte ihn befolgen.“

  „Und würdest du denjenigen töten?“ fragte Veers ruhig.

Vader atmete tief ein und dachte nach. „Vermutlich… ja. Es käme darauf an, um wen es sich handelt, denke ich. Auf sein Alter… und seine Denkweise.“

  „Wie meinst du das?“

  „Es gab einige, die der starren Doktrin nicht so verbissen folgten, die mir während des Unterrichts Freiräume gewährten, Verständnis zeigten. Die mitdachten und die Regeln für überholt hielten. Oder schlicht für falsch. Wie das Zölibat, zum Beispiel. Ich weiß von einer Handvoll, daß sie Familien hatten… heimlich. Sie würde ich verschonen. Andere jedoch, die blind und dumm alles nachplapperten, nie in Frage stellten, was die Meister sagten, sie für unfehlbar hielten… sie würde ich vermutlich töten. Denn sie würden bei einer Neugründung des Ordens darauf bestehen, all die alten Fehler zu wiederholen. Und das darf nicht passieren.“

Vaders Stimme war ruhig und bestimmt. Er war immer noch ein Sith, erkannte Veers. Oder doch zumindest zum Teil. Er bewegte sich zwischen beiden Extremen…

  „Du rechnest damit, daß der Orden wiederersteht?“ erkundigte er sich dann überrascht.

  „Sicher. Luke wird früher oder später nach Leuten suchen, um sie auszubilden. Ich werde ihn nicht daran hindern.“

  „Und du? Wirst du dir einen Lehrling suchen?“

  „Vielleicht… wir werden sehen. Es sollte immer mindestens einen von uns geben. Die Macht muß im Gleichgewicht sein. Aber beide Seiten müssen verstehen, daß sie von derselben Quelle gespeist werden – es gibt nicht nur schwarz und weiß. Es gibt viele Grautöne, hüben wie drüben. Eigentlich sind wir eins. Vielleicht sollte man auch beides vereinen – sollte ich zusammen mit Luke einen ganz neuen Orden gründen. Sobald der Kaiser tot ist.“

Veers dachte darüber nach. „Eine interessante Idee. Und eigentlich eine logische Konsequenz.“

Vader nickte. „Aber es ist noch zu früh, das zur Sprache zu bringen. Viel zu früh. Er ist noch nicht bereit. Aber noch haben wir Zeit.“

Er sah zu seinem Anzug, der ordentlich auf einen Bügel gehängt am Schrank wartete, daneben Maske, Helm und Stiefel. „Sag mal… könnte ich heute Nacht bei dir schlafen? Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich meine Kammer umrüsten sollte, vom Schlafzimmer ganz zu schweigen. Vielleicht ergibt sich einmal die Notwendigkeit, es Luke zu zeigen.“

Veers grinste. „Ich weiß nicht… das Bett ist so schmal. Und vermutlich schnarchst du.“

Vader erwiderte das Lächeln. „Danke. Wollen wir nach unten gehen? Ich habe Hunger.“

  „Gern – aber wollte nicht Darth Vader am Essen teilnehmen statt Songan?“

  „Hm… das hatte ich gesagt, ja? Nun… ich denke, er hat einfach zu viel zu tun am ersten Abend. Morgen sehen wir weiter. Ich werde auch das Personal noch einweihen müssen…“

  „Warum? Auch das hat Zeit. Warte noch damit.“ Veers schob seine Beine über den Bettrand und hielt seinem Geliebten die Hände entgegen. „Hilf mir mal.“

Vader nahm sie und zog ihn sanft nach oben. „Geht es?“ fragte er besorgt.

  „Aber natürlich. Schließlich habe ich nicht umsonst seit Tagen diese Bactabinden um die Beine. Das Zeug wirkt wahre Wunder. Ich bin nur ein wenig steif.“ Max setzte vorsichtig ein Bein vor das andere und überbrückte die kurze Distanz zu seinem Stuhl langsam, aber erstaunlich leicht. Dann drehte er sich vorsichtig und ließ sich in den Stuhl sinken. „Siehst du?“  sagte er stolz.

Vader lächelte. „Sehr schön. Dann werden wir das Training jetzt beginnen und schön langsam steigern. Aber zuerst wirst du dich dafür stärken. Auf zum Abendessen, General!“

 

Sie trafen nicht als Erste unten ein. Arik und Luke saßen bereits am Tisch und warteten, in ein angeregtes Gespräch vertieft.

  „Hallo!“ sagte Luke und sah auf. „Ich hoffe, Vater kommt auch gleich. Ich sterbe vor Hunger!“

Vader lächelte bei diesem Ausbruch von jugendlichem Übermut, gab aber Veers einen unsichtbaren Stups.

  „Lord Vader läßt sich entschuldigen.“ übernahm dieser dann auch. „Er meinte, die Durchsicht der Unterlagen würde mehr Zeit in Anspruch nehmen als gedacht.“

  „Schade.“ Luke war sichtlich enttäuscht. „Ich hätte gern meinen Wert mit ihm besprochen.“

Arik, der eben getrunken hatte, verschluckte sich prompt.

  „Den kennt er bereits.“ sagte Songan. „Ich habe ihn ihm mitgeteilt. Er ist sehr erfreut und möchte so schnell wie möglich mit dem Training für euch beide beginnen. Morgen früh, denke ich.“

Sein Sohn strahlte, doch dann wurde er schlagartig ernst. „Oh – ob er wohl ein Reservelichtschwert für mich hat? Ich habe meines ja auf Bespin verloren.“

Songan schloß kurz die Augen, eine Welle des Selbstärgers überrollte ihn. „Sicher hat er das. Aber ich denke, er wird wollen, daß Sie sich ein neues bauen. Und Arik auch.“

  „Ein Lichtschwert bauen? Selbst?“ echote Arik, und Luke staunte ebenfalls.

  „Natürlich. Soweit ich weiß, war das eine der Grundübungen für Jedi. Ein Lichtschwert ist etwas sehr persönliches. Jedes ist ein Unikat und sagt in seiner Machart viel über seinen Benutzer aus.“

Vader dachte kurz an sein eigenes, das oben im sicher durch die Macht verriegelten Schlafzimmer lag. Schlicht, geradlinig und schwarz.

  „Holla.“ Luke pfiff durch die Zähne. „Ist das nicht irre kompliziert?“

  „Es ist sicher nicht einfach.“ Vader lehnte sich zurück, als eine Dienerin die Vorspeise servierte, und begann dann, zu essen. „Aber es ist wichtig. Und unter Lord Vaders Anleitung wird es euch sicher gelingen. Auch wenn ihr die ersten Übungen bestimmt mit Übungsschwertern durchführt.“

Arik grinste breit. „Mann! Ich freu mich drauf. Du nicht?“

  „Klar! Ich habe bis jetzt ja nur wenig Training gehabt… Aber wie wird mein Vater uns unterrichten? Wird er uns als Jedi ausbilden – oder als Sith?“

  „Als Jedi natürlich.“ antwortete Songan sofort. Dann, langsamer, fügte er hinzu: „Es sei denn, denke ich, Sie wollen auch die andere Seite kennenlernen… und Ihr Vater hält Sie für stabil genug, nicht hinüberzudriften.“

Luke schüttelte den Kopf. „Das ergibt keinen Sinn.“, murmelte er. „Die ganze Zeit glaubte ich – glaubte jeder, den ich kenne – daß er mich auf die dunkle Seite hinüberziehen wolle. Warum dieser Sinneswandel?“

  „Es hat sich viel geändert, seit er erfahren hat, daß Sie leben, Luke.“ Songan legte den Suppenlöffel beiseite und tupfte sich den Mund mit seiner Serviette ab. „Aber das fragen Sie ihn am Besten selbst.“

  „Das werde ich.“ erwiderte sein Sohn und widmete sich nun endlich seinem eigenen Teller.

Vader wechselte einen Blick mit Veers. Er traut mir immer noch nicht.

  Geduld, Geliebter. antwortete Max ruhig. Es ist nur eine letzte, kleine Bastion in seinem Kopf, die du einnehmen mußt. Er mag dich. Und er will dich kennenlernen. Das hat er mir selbst gesagt.

  Daß er mich mag? fragte Vader amüsiert.

  Das leider nicht. Aber daß er dich nicht mehr haßt, immerhin. Und dich nicht mehr fürchtet. Und daß er dich eben kennenlernen will.

  Das ist schon mal was. Und daß er mich mag, weiß ich selbst. Er lächelte. Ich kann es spüren. Das Band zwischen uns ist da – und bereits recht stark. Er ist sehr begabt… ich liebe meinen Sohn, Max. Das ist ein sonderbares Gefühl… einen Sohn zu haben.

  Ein schönes, hoffe ich.

  Natürlich! Aber so… plötzlich und überraschend. Du durftest deinen aufwachsen sehen. Du hast ihm Windeln gewechselt, seine ersten Worte gehört, seine ersten Schritte begleitet, aufgeschlagene Knie verpflastert und schlechte Noten in Empfang nehmen müssen. Du hast ihn begleitet. Ich hingegen bekomme einen erwachsenen Mann serviert…

  Naja. Beinahe erwachsen. Max schmunzelte.

  Beinahe, in Ordnung. Aber du weißt, was ich meine.

  Natürlich. Aber vergiß nicht: du bist sein Vater. Du bist das, was er sich sein Leben lang gewünscht hat. Und wenn er dich mag, wird er deinen Rat annehmen, wird sich in gewisser Weise immer noch formen lassen… wenn es das ist, was du willst.

  Will ich das? echote Vader ein wenig traurig. Auch ich muß mich erst in diese Rolle hineinfinden. Wie wird man ein guter Vater? Was tut man? Was sagt man? Was tut man nicht?

  Dava… Der Name war wie ein mentales Streicheln. Das kann man nicht lernen. Tu einfach, was du für richtig hältst. Ihr werdet beide lernen müssen.

Vader seufzte und sah zu Luke hinüber, der soeben seinen leeren Suppenteller gegen die Hauptspeise austauschen ließ und mit Arik scherzte. Ich habe in meinem Leben schon so viel falsch gemacht… Ich hoffe, du hast Recht.

 

 

30

 Am nächsten Morgen, nach dem gemeinsam eingenommenen Frühstück, zog Songan seinen Freund sanft, aber bestimmt aus seinem Repulsorstuhl hoch.

  „Komm, Geliebter. Zeit, ein paar Schritte zu gehen.“

Veers wehrte sich nicht, im Gegenteil, und ging, von Songan gestützt und von Luke und Arik angefeuert, vom Eßzimmer durch den Flur bis in die Bibliothek. Dort entschied der Heiler, daß es genug sei, und bugsierte ihn behutsam wieder in den Stuhl, den Arik mitgenommen hatte.

  „Sehr gut! Hast du Schmerzen dabei?“

  „Nein… nur ein leichtes Zittern in den Muskeln. Aber ich schätze, das ist vollkommen normal.“

Songan nickte und beobachtete Luke, der die Titel der Folianten studierte, aber immer wieder den Kopf schüttelte. Ihm kam eine Idee.

  „Ich werde deine Verbände erneuern, nachdem du geduscht hast. Einverstanden?“ wandte er sich an Veers.

Max grinste, er hatte sofort begriffen. „Natürlich. Eine Dusche wäre wunderbar.“

  „Dann mal los!“

 

Rekordverdächtige sieben Minuten später eilte Vader in vollem Ornat die Treppe hinunter und fand tatsächlich die Gesuchten noch in der Bibliothek.

  „Da seid ihr.“ Er sah zu Luke hinüber, der immer noch vor den Büchern stand. „Hast du etwas entdeckt, das dich interessiert?“

  „Naja…“, meinte der Junge ein wenig ratlos, „ich verstehe etwa nur jeden zehnten Titel. Was sind das für Sprachen?“

  „Alle möglichen – auch wenn manches in Basic geschrieben ist, aber die Schrift der Sith verwendet wurde, Aurek Besh. Aber deiner Aussage entnehme ich, daß du nur Basic sprichst? Und Huttisch, nehme ich an.“

Luke nickte, dann fragte er neugierig: „Wie viele Sprachen sprichst du? Hast du alle Bücher hier gelesen?“

  „Die meisten. Wie viele Sprachen? Hm… so um die dreißig lebende, dann natürlich Binär und ungefähr sieben oder acht tote.“

Sein Sohn schnappte nach Luft. „Wie viele?“

Vader lächelte. „Du hast das schon richtig verstanden. Aber Geduld… mit der Zeit wirst du das auch. Die Macht wird dir helfen, schnell zu lernen. Und mit diesen dreißig kommst du wunderbar zurecht, glaub mir.“

  „Dreißig?!“

Arik lachte schallend über Lukes dummes Gesicht, und selbst Vaders Schultern zuckten leicht. „Nur die Ruhe. Niemand verlangt von dir, das über Nacht zu können! Wir fangen mit ganz anderen Dingen an. Hier…“ Er ging ein paar Schritte weiter zu einem anderen Regal und zog ein Buch heraus, dann, nach ein paar weiteren Schritten, holte er ein Zweites und reichte je eines an Arik und Luke.

  „’Der Rat der Jedi’?“ las er laut.

  „Du wirst einige Biographien darin finden, die dich vielleicht interessieren könnten.“ Vaders Lächeln war beinahe sichtbar. „Es handelt sich dabei um den letzten vollständigen Rat.“ fügte er ernster hinzu.

Luke blätterte und stutzte. „Oh. Ich verstehe.“ Er fand darin Namen wie Yoda, Obi-Wan Kenobi… und Anakin Skywalker. „Danke, Vater.“

Vader nickte und wandte sich Arik zu. „Für Dich zunächst die Grundzüge… das Einmaleins der Jedi, sozusagen.“ Zum ersten Mal benutzte er diese vertrauliche Form der Anrede, wie es einem Meister seinem Padawan gegenüber zustand. Arik bemerkte es wohl und wuchs vor Stolz unwillkürlich um zwei Zentimeter – was wiederum Vader nicht entging und ihn schmunzeln ließ. „Ich weiß, das Ding ist ein wenig sonderbar, aber für den Anfang ist es nicht schlecht. Auch wenn es zum Lachen reizt. Es wurde vom Rat herausgegeben als Hilfe für Eltern von Jünglingen, die wissen wollten, was nun mit ihrem Kind passiert – mach dir einfach Notizen, ich werde deine Fragen dann beantworten. Ich komme in einer Stunde wieder – dann beginnen wir mit dem Training.“

 

Nach der vereinbarten Frist – in der er Veers tatsächlich geholfen hatte, zu duschen und die Verbände zu wechseln – kehrte er zu den beiden zurück, die es sich in der Bibliothek gemütlich gemacht und sich in die Bücher vertieft hatten.

  „Gut. Seid ihr soweit?“

Arik sah als erster auf. „Ja, Meister.“ Er grinste, im vollen Bewußtsein, was es bedeutete, von Lord Vader als Padawan angenommen worden zu sein – auch oder gerade vor allem, weil es kein Sith-Training war. Oder nur in Details.

Luke brauchte einen Moment länger, um aus seiner Lektüre aufzutauchen. „Hmmm? Oh. Ja. Alles klar, ich bin da.“

  „So spannend?“ spottete Vader. „Das Buch läuft dir nicht weg. Komm.“

Er nahm bei Arik am Tisch Platz, während sein Sohn sich nur ungern aus dem bequemen Lesesessel schälte, der so gänzlich unpassend erschien für das Haus des dunklen Lords. Doch auch er sah Vader aufmerksam und gespannt an, als er sich nun neben ihn setzte.

  „Lektion eins: Schilde.“ begann Vader. „In unserer derzeitigen Situation die wichtigste Lektion überhaupt. Um genau zu sein: lebenswichtig für uns alle drei. Der Kaiser darf nicht erfahren, daß ihr lernt – oder daß Arik überhaupt machtsensitiv ist. Und wenn, muß er glauben, daß ich euch in der dunklen Seite unterweise. Es wird also leider nicht ausbleiben, daß ich euch das eine oder andere dieser Art beibringe.“

Luke runzelte die Stirn. „Aber warum willst du uns überhaupt in den Lehren der Jedi unterweisen – als Sithlord? Das paßt doch nicht zusammen!“

Vader lehnte sich zurück, zögernd und nachdenklich.

  „Es macht keinen Sinn, Vater. Das mußt du zugeben.“

  „Doch, das tut es.“ Vader lachte kurz und freudlos. „Ich habe dir von der Legende des Auserwählten erzählt.“

Luke nickte. „Der Sohn der Sonnen…“

Vader seufzte. „Poetisch gesagt, ja. Nun… die Prophezeihung besagt, daß der Auserwählte die Macht ins Gleichgewicht bringt. Bislang dachten die Meister immer, daß die Sith vernichtet würden. Ich glaube allerdings nicht daran – denn wo wäre da das Gleichgewicht?“

  „Was bedeutet es dann? Was denkst du?“ fragte Luke.

  „Ich glaube, daß es eine Waage ist. Ich bin ein Sith – und gleichzeitig der machtvollste von uns allen – von allen bisher, und nicht nur der Sith, sondern auch der Jedi. Ich war beides – und bin beides. Du bist ein Jedi – und mein Sohn, ebenfalls überaus machtvoll, aber noch ein Lehrling. Yoda lebt noch – aber wer weiß, wie lange. Die restlichen Machtsensitiven überall dürfen wir wohl großzügig übergehen für den Moment, ebenso wie die Handvoll überlebender Jedi.“

  „Das ist das Gleichgewicht?“ Arik runzelte die Stirn.

  „Nicht ganz. Es gilt noch, jemanden auszulöschen. Einen Sith – ebenfalls sehr machtvoll. Und das Schlimme: er rechnet damit, angegriffen zu werden.“

  „Es gibt noch einen Sith?“ fragte Arik entsetzt. Vader nickte nur.

  „Den Imperator.“ sagte Luke langsam. „Seinen Meister.“

  „Der Kaiser ist ein Sith???“ Der junge Captain riß vor Entsetzen die Augen auf und wurde bleich.

  „Allerdings, Arik. Und er ist zäh und verschlagen.“ Vader sah ihn an. Er darf nicht wissen, daß ich geheilt bin. sagte er eindringlich. Er muß weiterhin denken, ich sei geschwächt – nur so können wir ihn überrumpeln.

  Seid Ihr nicht stärker als er?

  Ja. Jetzt, ja – und ich bin noch nicht einmal auf dem Höhepunkt meiner Kräfte. Aber dennoch darf er nicht unterschätzt werden, Arik. Er ist sehr gefährlich.

  Ich werde tun, was ich kann – und was ich muß, Mylord. Und die 501ste wird hinter Euch stehen. Meine Kameraden sind auf Eurer Seite.

Vader machte eine überraschte und erfreute Pause. Danke, Arik. Ich weiß noch nicht, wie wir an ihn herankommen – aber es ist gut zu wissen, daß ihr da seid, wenn ich euch brauche.

Laut sagte er: „Aber mit dem Kaiser werden wir uns später befassen. Zunächst müßt ihr lernen… soviel es irgend geht.

Also: Schilde. Es gibt verschiedene Arten. Zum Beispiel kann ein erfahrener Jedi oder Sith sich quasi unsichtbar machen. Er umgibt sich mit einem Schild, der Blicke von ihm ablenkt – man sieht ihn einfach nicht. Dann gibt es Schilde, die zum Beispiel Gespräche, Gedanken oder Emotionen blocken.“ Er sah kurz zu Luke, der grinste. „Und der für euch wichtigste: ein Schild, der euch innerhalb der Macht versteckt. Und den werde ich euch jetzt beibringen…“

 

Mittags legte Vader eine Pause ein. Er war zufrieden, auch wenn seine Schüler das Gefühl hatten, keinen Schritt weiter zu sein.

  „Keine Panik.“ beruhigte er beide. „Das geht nicht von jetzt auf gleich, im Gegenteil. Im Prinzip ist das auch schon eine Übung für Fortgeschrittene… also keine Sorge. Ihr seid schon recht weit in Anbetracht dessen, daß heute euer erster Tag ist. Wir werden das von jetzt an täglich üben… und das Prinzip der Schilde an sich könnt ihr auch an euch gegenseitig testen. Einfache mentale Schilde. Versucht, gegenseitig eure Gedanken zu lesen – und euch abzublocken.“

  „Warum übst du das nicht mit uns?“ wollte Luke wissen.

  „Weil zum einen du und ich ein Band haben – das Vater-Kind-Band. Wir werden immer verbunden sein, und keiner von uns wird den jeweils anderen jemals ganz und komplett ausblenden können. Ich kann dich derzeit noch draußen halten, weil du unerfahren bist, aber wenn du gelernt hast, wird es mir nicht mehr gänzlich möglich sein. Was Arik angeht, so bin ich schlicht zu stark für ihn. Es gibt nur wenige, die sich vor mir verschlossen halten können. Palpatine gehört – leider – dazu. Ich bin ein sehr starker Telepath, das ist eine meiner Fähigkeiten. Jeder von uns hat seine eigenen Begabungen. Der eine ist gut in Telepathie, der andere in Telekinese, der dritte in Beeinflussung… und so weiter.“

Vader lehnte entspannt in seinem Sessel, seine Schüler links und rechts von ihm lauschten aufmerksam. Erst jetzt bemerkte er, wie sehr ihm das gefehlt hatte – Wissen weiterzugeben. Er hatte als Jedi zwar nie einen Padawan gehabt, aber er hatte immer gern den Jünglingen geholfen.

Die Jünglinge… Schmerz überflutete ihn zusammen mit der Erinnerung an den grauenvollen Tag der Order 66. Ja, er bedauerte es. Und niemand sollte diesen Fehler je wiederholen… wenn er konnte, würde er seinen Teil dazu beitragen, dies sicherzustellen.

Dann kam ihm ein anderer Gedanke.

  „Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, daß ausgerechnet die erste Fertigkeit, die ich euch beibringe, seither beinahe ausschließlich von der dunklen Seite verwendet wurde. Die Sith benutzten sie jahrhundertelang, um ihre Existenz vor den Jedi zu verbergen.“

  „Dann habt Ihr uns etwas beigebracht, das zur dunklen Seite gehört?“ fragte Arik erschrocken.

  „Unsinn! Wie sollte es zur dunklen Seite gehören, wenn ihr es benutzt, um euch vor dem Kaiser zu verbergen?“ fauchte Vader. „Die Macht ist nicht schwarz oder weiß! Die Macht IST, und der einzige Unterschied zwischen Licht und Finsternis besteht im Grund, in der Anwendung! Die Jedi haben getötet, die Sith haben getötet. Beide sind Mörder. Aber die Jedi behaupten, damit Gutes getan zu haben – sie haben Verbrecher bestraft, Vergehen geahndet oder Präventivmaßnahmen ergriffen… oder sich schlicht verteidigt. Luke hat den Todesstern in die Luft gesprengt, um weitere Planeten vor der Vernichtung zu bewahren. Ich habe Jedi getötet, auf Befehl meines Meisters, weil er mich sonst hart bestraft hätte, habe Offiziere umgebracht, um sie daran zu hindern, in Zukunft weitere Fehler zu begehen, die großen Schaden verursachen können, oder eine Stadt ausgelöscht, um einen ganzen Planeten zu retten. Wo ist also der Unterschied?“ Er stand auf, begann eine erregte Wanderung durch den Raum, ließ aber seine Schüler, die ihn ebenso fasziniert wie erschrocken beobachteten, nicht aus den Augen. Sein Mantel wehte zornig hinter ihm her, als er sich immer wieder drehte und seine Runden um den Tisch zog.

  „Jemand, einer, viele, haben ihr Leben verloren. Ich habe in meinem Leben schon viele Wunden geschlagen… aber auch geheilt. Bin ich wirklich durch und durch Böse? Ist Luke, ist Yoda durch und durch gut? Ich habe geliebt und liebe wieder. Yoda hat sich sein Leben lang an das Zölibat der Jedi gehalten, er hat nie Liebe erfahren, das reinste, beste Gefühl überhaupt. Und er gilt als einer der größten Meister. Aber er hat mich belogen, er hat Luke belogen. Er hat mich ausgenutzt, und er hätte Luke gezwungen, seine Freunde zu opfern, um zur Waffe zu werden.“ Luke sah ihn entsetzt an, doch Vader, in Rage, ließ sich nicht bremsen.

  „Ja, mein Sohn! Er wollte dich nur deshalb ausbilden, damit du später mich und den Kaiser töten könntest. Du solltest zur lebenden Waffe werden, den eigenen Vater töten! Ist das besser? Ist das die vielgerühmte „gute“, die lichte Seite? Auf Bespin warst du nur Millimeter davon entfernt, auf die dunkle Seite abzugleiten, Luke. Du tratest mir haßerfüllt gegenüber, wolltest mich bekämpfen, mich töten, ohne mich anzuhören, ohne mit mir zu sprechen, ohne mich zu kennen! Habe ich dich ermuntert? Habe ich das forciert? Ich hätte es tun müssen, wenn ich den Befehlen des Kaisers gefolgt wäre. Dann wärst du jetzt ein Sith-Padawan des Imperators… und ich früher oder später tot, denn es kann immer nur zwei geben. Das ist das, was der Kaiser will! Und das werde ich verhindern, um jeden Preis – und wenn es mich mein Leben kostet!“ Vaders Maske war plötzlich dicht vor Lukes Gesicht, als er sich abrupt vorbeugte und auf dem Tisch abstützte. „Hast du das verstanden, Luke? Du bist mein Sohn, und ich werde eher mein Leben opfern, als zuzulassen, daß dir etwas passiert. Ich liebe dich, und ich will dich nicht wieder verlieren, nachdem ich dich nach zwanzig Jahren endlich gefunden habe!“

Langsam richtete er sich wieder auf, atmete tief durch und sah auf Luke hinunter, dann zu Arik. Beide starrten ihn sprachlos an.

Er seufzte lautlos. „Wir machen eine Stunde Pause. Nach dem Essen geht es weiter.“

 

Seine beiden Schüler sahen ihm nach, als er mit wallendem Mantel und knallenden Absätzen verschwand.

  „Uff.“ machte Arik. „Wenn er auf der EXECUTOR in einer solchen Stimmung ist, tut man gut daran, einen großen Bogen um ihn zu schlagen.“

  „Warum bei den Mächten ist er so sauer?“ wunderte Luke sich. „Nur, weil du diese Frage gestellt hast?“

  „Ach was. Das geht tiefer… ich denke, das hat insgesamt mit der ganzen Geschichte zu tun, mit seiner, deiner und der Historie der Jedi allgemein. Ich kenne Yoda nicht, aber er scheint einen riesigen Zorn auf ihn zu haben.“

  „Yoda hat mich unterrichtet…“, sagte Luke langsam. „Er hält sich verborgen, auf einem unwirtlichen Planeten weitab vom Kern. Er ist neunhundert Jahre alt und nach allem, was ich weiß, wirklich einer der größten Meister, die jemals gelebt haben. Aber es stimmt, was Vater sagt… er wollte mich wirklich daran hindern, nach Bespin zu fliegen, obwohl meine Freunde in Gefahr waren, und er sagte, ich solle sie opfern, wenn mir wichtig wäre, wofür sie kämpften. Ich konnte das nicht, deshalb flog ich. Und er wollte mich nicht ausbilden, weil ich zu alt sei, zu wenig auf die Gegenwart konzentriert. Er fürchtete, ich sei zu flatterhaft und würde nicht beenden, was ich begonnen hätte.“

  „Klingt nett.“ Arik schnaubte. „Um ehrlich zu sein: da teile ich Lord Vaders Meinung.“

  „Ich weiß nicht, was ich denken oder glauben soll, Arik… Ich stehe zwischen den Stühlen, beide Seiten haben mir gegenteilige Dinge erzählt.“

  „Was sagt dir dein Gefühl?“

Luke zog eine Grimasse. „Daß ich Vater glauben sollte.“

Arik nickte. „Yep. Und das Gefühl ist das, was einen Jedi ausmacht… oder? Na, komm. Essen wir erstmal – bis nachher wird er sich schon wieder beruhigt haben.“

  „Wo ist er wohl hin?“ überlegte Luke laut, als er Arik zum Eßzimmer folgte.

  „Hm… ich an seiner Stelle würde mich austoben wollen. Haben wir nicht gestern auf unserer Runde einen Trainingssaal gesehen?“

  „Dieses Riesending mit den deaktivierten Kampfdroiden? Ja. Komm, sehen wir nach…“

„Was genau hast du an ‚einen Bogen um ihn schlagen’ nicht verstanden?“ wollte der Captain ironisch wissen.

  „He, er will doch, dass ich ihn kennenlerne, oder?“ Luke grinste. „Ich bin neugierig, ich habe ihn noch nie richtig kämpfen sehen. Er würde uns nichts tun, das weiß ich. Komm schon!“

Arik stöhnte. „Na schön. Aber du steckst deinen Kopf zuerst durch die Tür!“

 

Auf ihrem Weg folgten sie sowohl ihren Erinnerungen als auch ihren Gefühlen. Beides brachte sie schnell und sicher zum gesuchten Raum.

Sie öffneten die Tür vorsichtig einen Spalt und lugten hinein. Gefechtslärm war zu hören, bevor sie etwas sehen konnten, aber es kam kein Protest, und so schlüpften sie durch die schmale Öffnung, blieben neben der Tür stehen und schlossen diese sofort wieder.

Was sie zu sehen bekamen, ließ ihre Kinnladen einmal mehr auf die Brust fallen. Vader focht mit drei mit Elektrostäben bewaffneten IG-100 Magna-Wächtern gleichzeitig. Sie drangen heftig auf ihn ein, aber er bewegte sich so schnell, elegant und effizient, daß es absolut mühelos aussah und beinahe wie ein Tanz anmutete. Sein Lichtschwert schien überall gleichzeitig zu sein, ein rubinroter Schemen. Und Luke erkannte plötzlich, daß sein Vater auf Bespin nur mit ihm gespielt hatte… in einem echten Duell, mit einem Vader, der ihn hätte töten wollen, hätte er keine Minute lang überlebt.

Eine tänzerische Drehung später wußte der dunkle Lord, daß er Zuschauer hatte – und prompt steigerten sich sowohl das Tempo als auch der Stil ins Artistische, bevor er fünf Minuten später auch den dritten und letzten Droiden durch Kontakt deaktiviert hatte.

Sein Atem ging lediglich eine Spur schneller, als er sich nun langsam umwandte und seine Zuschauer – mit noch immer gezündetem Lichtschwert – stumm ansah.

Einige Sekunden herrschte beiderseits Stille, bevor Luke atemlos herausplatzte: „Wie lange dauert es, bis ich das SO kann?“

Vaders einzige Antwort war ein schallendes Gelächter.

 

 

31

  „Nein, im Ernst!“ drängte Luke, als sie gemeinsam zum Eßzimmer zurückgingen.

  „Hm… laß mich überlegen.“ Vaders Stimme ließ ein Grinsen erahnen. „Dreißig Jahre? Und jede Menge Stahl in Armen und Beinen.“, ergänzte er ernster. „Du wirst es lernen, mein Sohn, keine Sorge. Aber du mußt deinen eigenen Stil finden – es gibt viele verschiedene. Ich werde sie dir alle zeigen. Und natürlich ist meine Version geprägt von der dunklen Seite, das heißt, so wirst du vermutlich – hoffentlich – niemals kämpfen. Aber nicht weniger effektiv.“ Er legte versuchsweise eine Hand auf Lukes Schulter und war erleichtert, als der Junge ihn nicht zurückwies. „Ich möchte noch einige Tage warten, bevor ich euch zeige, wie man ein Lichtschwert baut. Es braucht doch eine gewisse Erfahrung im Umgang mit der Macht, und selbst, wenn ich Arik helfe, wird es kitzlig werden. Wenn ihr einen Fehler macht, fliegt euch das Ding beim ersten Aktivieren um die Ohren – und das ist nicht witzig.“

Luke lächelte zu ihm auf. Der Ausdruck in seinen Augen, seine ganze Haltung ihm gegenüber war offen und herzlich, und das freute Vader über alle Maßen. „Was hast du dann heute Mittag für uns auf dem Stundenplan, Vater?“

  „Telekinese. Das hast du bei Yoda sicher schon geübt, aber für Arik ist es neu – und eine existentielle Fähigkeit.“

Luke nickte, und Ariks Augen strahlten vorfreudig.

  „Gibt es auch Dinge, die du uns nicht beibringen wirst? Du sagtest, die Macht IST, und alles hinge von der Anwendung ab.“ Wollte Luke wissen, als sie am Tisch Platz nahmen – bei Max, der sie schon hungrig erwartete.

  „Das eine oder andere…“ Vader lehnte sich zurück und beobachtete, wie das Essen aufgetragen wurde und die anderen begannen, es zu verspeisen. Auch er war hungrig, aber er würde sich gedulden müssen… oder sich entschuldigen, aber solange Fragen aufkamen, war ihm das wichtiger. „Es gibt einige Techniken, die doch zu dunkel sind.“

  „Zum Beispiel?“

  „Das Macht-Zerdrücken. Macht-Blitze und Macht-Sturm, Macht-Verletzen und Macht-Leiden… Unter anderem. Es gibt einige Techniken, die wegen ihrer Grausamkeit nur von Sith angewendet werden.“

  „Und der Würgegriff?“ wagte Arik zu fragen. Vader lächelte.

  „Nein. Meine – zugegebenermaßen – Lieblingswaffe ist eine graue Form, sie wird von beiden angewandt. Der Unterschied liegt dabei in der Intensität des Griffes und der Dauer des Würgens. Bis zur Ohnmacht… oder bis zum Tod.“

Luke runzelte die Stirn. „Deine Lieblingswaffe?“

Vader nickte. „Einfach und effektiv. Normalerweise gehört eine Geste dazu, aber ich beherrsche ihn mittlerweile so gut, daß ich selbst gefesselt in der Lage wäre, jemanden zu würgen… sehr hilfreich.“

Die Falte auf Lukes Stirn wurde tiefer. „’Lieblingswaffe’ impliziert, daß du sie mehrfach angewendet hast.“

  „In der Tat.“ Vaders Stimme war ruhig. „Luke, du weißt, daß ich Menschen getötet habe. Spielt es wirklich eine Rolle, wie?“

  „Nein…“ antwortete sein Sohn langsam. „Nein.“

  „Eben.“

Max saß stumm dabei, lauschte und aß. Die Richtung, die das Gespräch nahm, gefiel ihm nicht, aber Luke schien insgesamt offener und weniger kritisch zu sein als noch vor einigen Tagen. Auch jetzt widmete er sich seinem Teller mit Appetit, wenn auch nachdenklich… bis er wieder aufsah.

  „Bring ihn mir bei.“ sagte er dann vollkommen überraschend.

  „Bitte wie?“ sagte Vader verblüfft.

  „Der Machtgriff. Bring ihn mir bei.“

  „Warum?“

  „Wie du schon sagtest. Er ist auch effektiv, wenn man gefesselt ist. Eine letzte Rettung, unter Umständen.“

  „Luke, um ihn ohne Geste zu bewältigen, muß man sehr geübt sein. Das dauert Jahre – und braucht viel aktive Erfahrung. Ich glaube nicht, daß - “

  „Trotzdem. Bring ihn mir bei.“ sagte Luke fest.

  „Na schön. In Ordnung.“ Vader seufzte unhörbar. „Ich werde ihn dir beibringen – später. Erst muß ich sehen, wie gefestigt du bist… und was du bist, hell, grau oder dunkel.“

  „Grau?“ echote Arik.

  „Ja.“ Der schwarze Helm wandte sich ihm zu. „Es gab auch graue Jedi – sie bedienten sich beider Seiten, waren weder den Sith noch den Jedi eindeutig zuzuordnen. Oder die dunklen Jedi – immer noch Jedi, aber mit starkem Hang zur dunklen Seite. Ihr seht, die Grenzen verwischen, wenn man ein wenig tiefer gräbt. Natürlich waren solche Splittergruppen dem Rat ein Dorn im Auge und wurden teilweise verleugnet.“ Vader sah auf die leeren Teller, dann zu seinen Schülern. „Seid ihr fertig? Dann kommt. General Veers, wenn Sie wollen, können Sie gerne zusehen.“

  „Ich muß gestehen, ich bin neugierig.“ lächelte Max. „Ich komme gern.“

 

Der dunkle Lord führte die kleine Gruppe in einen leeren Raum, in dem sich lediglich einige Dutzend Kästen verschiedener Größe befanden.

  „Luke, ich möchte, daß du Türme baust. Hoch, kunstvoll, egal wie – ich möchte erst einmal sehen, wie du dich dabei anstellst.“

  „Das ist doch Kinderkram!“ murrte der Junge, als er die Kästen sah. „Soll ich allen Ernstes mit Bauklötzen spielen?“

  „Tu es bitte.“ sagte Vader ruhig. „Wenn ich weiß, wo du stehst, bekommst du anspruchsvollere Aufgaben. Also los.“ Dann wandte er sich Arik zu. „Und du, mein Padawan, wirst jetzt die Grundlagen üben: einen von diesen Dingern schweben zu lassen. Erst einfach nach oben oder zu dir her, dann gezielt in verschiedene Richtungen.“

Der Captain starrte ratlos auf die Box vor sich. „Und wie?“

  „Durch schiere Willenskraft.“ Er sah zu seinem Sohn hinüber, der gereizt begonnen hatte, Kästen wild durcheinander schweben zu lassen und nicht zu einem Turm, sondern zu einer Art Burg zu stapeln. „Luke könnte dir jetzt Yodas Vortrag wiederholen, aber dummerweise muß ich mich tatsächlich einiger seiner Termini bedienen, um es zu erklären. Die Macht ist ein Energiefeld, das alle Lebewesen erzeugen. Es umgibt uns, durchdringt uns, verbindet alles miteinander. Es existiert überall und zwischen allem, toter und lebender Materie. Machtsensitive Wesen, gleich welcher Glaubensrichtung, können sie fühlen, in gewisser Weise zu ihr sprechen und sie verstehen. Um die Macht zu benutzen, mußt du sie spüren. Du mußt ihr gleichermaßen dienen wie ihr befehlen. Es ist ein offenes Geheimnis, daß die exzessive Nutzung der dunklen Seite Tribut fordert – das Aussehen des Kaisers kommt nicht von ungefähr. Auch haben Sith, wenn sie sich der dunklen Seite hingeben, gelbe, rotumrandete Augen.“

Max, der sich an einer Wand postiert hatte, horchte erstaunt auf. Warum hatte Dava dann blaue?

  Ich sagte, wenn sie sich ihr hingeben, Geliebter., kam postwendend die amüsierte Antwort. Oder aber sich so intensiv damit beschäftigt haben, daß der Zustand dauerhaft ist. Bei mir ist es nur temporär. Frag Firmus – er hat mich einmal so gesehen.

  Oha., machte Max, und Vader wandte sich wieder seinen Schülern zu.

  „Um den Kasten schweben zu lassen“, erklärte Vader weiter, „mußt du zunächst wollen, daß er sich bewegt. Du mußt dir vorstellen, wie er sich hebt, vor dir schwebt. Dann, wenn du gleichermaßen konzentriert wie entspannt und offen bist, wirst du die Macht fühlen – da du bist, was du bist. Gib dich dann dieser Erfahrung hin, laß sie dich durchdringen, erspüre es – und mit der Zeit wirst du einfach hinausgreifen können, dich öffnen und von ihr füllen lassen wie ein Gefäß, um sie zu nutzen. Für viele verschiedene Dinge. Und durch den Unterricht wirst du ganz von allein herausfinden, wo deine Stärken liegen. – Versuch es. Sieh den Kasten an… versuche, dir vorzustellen, wie schwer er ist, wie er sich anfühlt. Und dann laß ihn schweben.“

Arik sah ihn an, mit großen Augen, beinahe ein wenig panisch. Vader trat hinter ihn, legte ihm die Hände auf die Schultern, was ihn erschauern ließ. Er verehrte den dunklen Lord – aber noch nie war er ihm so nahe gewesen…!

  „Schließ die Augen.“, sagte Vader leise und ruhig, dicht neben seinem Ohr. „Entspanne dich… atme ruhig. Konzentrier dich.“ Arik folgte den Anweisungen, sowohl mental als auch körperlich gestützt von seinem Meister. „Stell dir den Kasten vor. Er steht vor dir.“ Arik nickte, als das Bild sich vor seinem geistigen Auge formte. „Gut. Nun stell dir vor, wie er langsam in die Höhe steigt. Dein Wille allein hebt und hält ihn. Er ist nicht schwer – nicht in der Macht, egal, wieviel er tatsächlich wiegt. In der Macht ist weder Größe noch Gewicht wirklich wichtig. Wenn es dir hilft, nimm die Hände dazu, führe eine entsprechende, begleitende Geste aus.“ Arik nickte wiederum und tat eben dies. „Gut… sehr gut.“ Der volle Baß neben ihm klang sehr befriedigt. „Öffne die Augen.“

Der Captain öffnete zuerst eines… vorsichtig, doch dann riß er auch das zweite auf, als der Kasten in Augenhöhe vor ihm schwebte. Prompt war seine Konzentration im Eimer, und das Ding rauschte krachend in die Tiefe.

  „Gratuliere!“ Vader lachte leise, während Luke erschrocken herumfuhr.

  „Ich… ich...“, stotterte Arik und deutete auf den Kasten, während er abwechselnd ihn und Vader ansah.

  „Du siehst, du kannst es. Kein Problem.“ Vader klopfte ihm auf die Schultern. „Mach eine Pause, bis deine Konzentration wieder da ist.“ Er wußte, daß Arik jetzt so aufgewühlt war, daß ein zweiter Versuch in die Hose gehen würde – und das wäre kontraproduktiv. Deshalb wandte er sich seinem Sohn und dessen Bauwerk zu – die Fassade eines Tempels mit gewagten Bögen und Säulen.

  „Beeindruckend. Höchst beeindruckend.“ kommentierte er mit leichtem Spott. „Ich sehe, wir können zu etwas Anderem übergehen. Komm doch mal mit. Und ihr anderen könnt zusehen… aus einem Nebenraum.“

Der Raum, in den er sie jetzt führte, war neben dem Trainingsraum gelegen und verfügte über eine Galerie, die durch eine Scheibe davon abgeteilt war. Auf dem Boden lag ein Ball, am anderen Ende, der Scheibe gegenüber, waren auf der Wand farbige Linien angebracht – wie auch auf dem Boden.

  „Üblicherweise bediene ich mich eines Droiden als Partner.“ meinte Vader trügerisch harmlos, während er sich in der linken Hälfte des Spielfelds positionierte. „Ich habe noch keinen lebenden Gegner gefunden, der es mit mir aufnehmen könnte.“

Luke sah sich um. „Wie funktioniert das?“

  „Jeder schlägt den Ball so, daß er zurückprallt – der Gegner muß ihn dann aufnehmen und wieder abschlagen. Wer ihn nicht erwischt, hat verloren.“

  „Alles klar. Wo sind die Schläger?“

  „Schläger?“, echote Vader sanft. „Das ist doch Kinderkram.“

 

Was sein Vater damit meinte, wurde Luke bald klar… und innerhalb weniger Minuten war er nicht nur schweißgebadet, sondern getränkt bis auf die Unterhosen, während Vader kaum schneller atmete.

Der Ball wurde mit der Macht geworfen und geschlagen – die Hand mit einem Machtfeld ersetzte den Schläger. War man zu unkonzentriert, wurde es äußerst schmerzhaft. Und das Spiel war schnell. Verdammt schnell. Es war schon schwierig genug, dem Ball überhaupt mit den Augen zu folgen – bis Luke es aufgab und auch das mit Hilfe der Macht tat. Was, nebenbei bemerkt, Sinn und Zweck der Übung war.

Die beiden Zuschauer hinter der Wand aus Transparistahl hatten es längst aufgegeben, zu versuchen, den Ball zu sehen – sie konzentrierten sich lediglich auf die beiden Spieler, die in einem aberwitzigen, irren Tanz vor ihren Augen hin und herhechteten, Luke ein wenig eckig und abgehackt in den Bewegungen, Vader wie bei allem, was er tat, elegant und fließend.

Eine Viertelstunde später hatte der dunkle Lord ein Einsehen und fing den Ball scheinbar mühelos, obwohl er so schnell auf ihn zugeflogen kam, daß die Hand eines Menschen vermutlich hinterher ein einziger Klumpen Fleisch und Knochensplitter gewesen wäre.

Luke ließ sich japsend auf den Boden sinken und starrte seinen Vater ungläubig an. „Das… das nennst du… ein Spiel?“ keuchte er atemlos.

  „ICH schon.“ Vaders Grinsen war beinahe zu sehen. „Ich glaube, du würdest jetzt gern duschen, hm? Also, Schluß für heute.“

 

 

32

 Gleichzeitig, an einem weit entfernten Punkt der Galaxis, beobachteten Leia, Lando und Chewbacca aus ihrem Versteck auf einem der Monde des Planeten, auf dem die Rebellen bis vor kurzem ihr Zwischenlager gehabt hatten, wie einige kleinere imperiale Schiffe aus dem Hyperraum fielen und den Planeten sondierten.

  „Das sind nur Aufklärer.“ stellte Lando verblüfft fest.

  „Ja. Und sie sind verdammt spät dran.“ ergänzte Leia.

Sie sahen sich an.

  „Entweder Luke oder R2 haben Vader also verraten, wo wir sind.“

Leia runzelte die Stirn. „Ich glaube nicht, daß es Luke war. Er würde es nicht freiwillig verraten, und ich bin mir ziemlich sicher, daß er nicht gefoltert wurde… ich glaube, das hätte ich gespürt. Ich weiß nicht warum, aber…“

  * Also war es R2. * knurrte Chewbacca. *Das hätte ich nicht von ihm gedacht.*

  „Wir hätten auch nicht gedacht, daß er desertiert, Chewie.“ meinte Lando unbehaglich. „Aber das da… ich glaube, die sind nur der Form halber da. Das sind zu wenige. Wenn die erwartet hätten, daß wir noch da sind, wäre die ganze Todesschwadron hier, und nicht nur die paar Clowns da.“

  * Irgendetwas stimmt da nicht. Irgendwas ist faul… *

  „Ja.“ seufzte Leia. „Aber was?“

 

Vader nutzte die Gelegenheit, etwas zu essen, blieb aber im Anzug – er erwartete eine Meldung von Firmus Piett.

Auch fiel ihm auf, daß er seit der Landung R2 nicht mehr gesehen hatte, und machte sich auf, ihn zu suchen.

Er fand ihn im Haupthangar, wo er zwei der Piloten, die immer noch mit der Säuberung und Wartung von Lukes X-Wing beschäftigt waren, Gesellschaft leistete. Offensichtlich verstanden beide Binär fließend, denn sie unterhielten sich angeregt mit dem kleinen Astromech und lachten immer wieder. Für imperiale Piloten erstaunlich, denn keiner ihrer Jäger verwendete die Droiden mehr.

Als er näherkam, salutierten die beiden zackig und respektvoll, lächelten aber dabei.

  „Wie geht es voran?“ erkundigte sich Vader.

  „Gut, Mylord, aber wir lassen uns Zeit. Oder hat es Eile?“

  „Nicht daß ich wüßte. Ist er grundsätzlich betriebsbereit?“

  „Natürlich.“ antwortete einer der beiden beinahe entrüstet. „Wir sind Piloten, Mylord. Wir sind immer auf einen Einsatz vorbereitet.“

Vader nickte und sah zu R2 hinunter. „Wo warst du die beiden Tage? Warum hast du dich uns nicht angeschlossen?“

R2 pfiff etwas und drehte unsicher den Kuppelkopf.

  „Natürlich bist du uns willkommen, R2. Was soll denn der Unsinn?“ fragte Vader ärgerlich. „Du hast einmal mir gehört – und wem du jetzt folgst, liegt in deinem Ermessen, würde ich sagen. Also betrachte dich als Gast auf der Burg, ja?“

Der Droide gab erleichtert klingende Töne von sich und fragte dann etwas.

  „Luke? Er wollte duschen, aber das ist schon eine Weile her. Arik habe ich eben in der Bibliothek gesehen, frag ihn. Weißt du noch, wo sie ist?“

R2 hupte bestätigend und rollte davon.

  „War der Jäger sauber?“ fragte Vader dann und ließ seinen Blick aufmerksam über den X-Wing gleiten. Nicht unelegant, die Maschine… aber dennoch zog er persönlich die TIE-Serie vor, auch wenn diese den Nachteil hatten, über keinen Schutzschild zu verfügen.

  „Er war es, Mylord.“ Der Pilot grinste.

  „War?“

  „Wir haben uns die Freiheit genommen, einen Peilsender einzubauen, Mylord. Kein Standardgerät, sondern ein spezielles, mit einem individuellen Code. Wir dachten, Ihr wärt vielleicht interessiert daran, immer zu wissen, wo Euer Sohn ist.“

Vader nickte langsam. „Gut mitgedacht, Captain. Sehr gut. Weiß R2 davon?“

Beide Piloten lachten. „Er hat sogar beim Einbau geholfen. Er war ganz begeistert von der Idee.“

  „Einen der beiden Gegensender verwahrt er.“ ergänzte einer der beiden. „Er kann ihn damit auch rufen und zu sich holen, wenn die Entfernung nicht zu groß ist.“

  „Sehr schön.“ Vader nickte ihnen nochmals zu und ging dann in sein Arbeitszimmer, um auf Pietts Anruf zu warten.

 

Er mußte eine ganze Weile warten – bis in die Nacht hinein. Aber das machte ihm nichts aus, er arbeitete in der Zeit einiges Liegengebliebene auf, las und beantwortete Mails und zeichnete die unvermeidlichen Berichte ab, die er als Kommandierender der Flotte täglich im mehrfachen Dutzend bekam.

Als sich Piett schließlich meldete, war es schon nach Mitternacht, doch er fühlte sich nicht müde.

  „Lord Vader.“ Piett salutierte lächelnd, und Vader erwiderte den Gruß freundlich.

  „Firmus. Was gibt es zu berichten?“

Er wunderte sich selbst über den mehr oder weniger formlosen Ton, den er seinem Admiral gegenüber anschlug – das war neu, für beide. Ein Freund, dachte er erstaunt. Freunde. Zwanzig Jahre lang war er allein gewesen – und nun hatte er nicht nur einen Sohn, einen Geliebten und einen Padawan, sondern auch zwei weitere Freunde: Firmus und Corva.

  „Unsere Aufklärer haben den Rebellenstützpunkt erreicht, ihn aber verlassen vorgefunden – wie erwartet.“ sagte Piett.

Vader nickte, wenig überrascht. „Damit haben wir hoffentlich der Form genüge getan. Aber Schluß mit den Nettigkeiten – jetzt sind die Chancen wieder ausgeglichen. Ab sofort wird jeder Hinweis wieder ernsthaft verfolgt.“ Er lehnte sich in seinem Sessel zurück. „Also, was gibt es sonst zu berichten?“

 

Nachdem er das Gespräch mit Firmus beendet hatte, las er einen angefangenen Bericht zu Ende und erhob sich dann gähnend, um zu Bett zu gehen. Doch bevor er das Schlafzimmer erreichte, das er mit Max teilte, hielt er inne. Luke… etwas stimmte nicht mit ihm.

Er öffnete sich der Macht, streckte seine Fühler aus. Ein Alptraum, entschied er und drehte kurzentschlossen ab, um statt seinem das Zimmer Lukes zu betreten, das ein paar Türen weiter lag. Ein wenig wunderte er sich, daß er den Traum nicht sehen konnte – aber vielleicht war das normal. Er hatte nie zuvor versucht, jemandes Träume zu teilen.

Leise betrat er Lukes Zimmer und aktivierte durch sein Eintreten ein schwaches Nachtlicht, das er zwar nicht gebraucht hätte, das er aber dennoch begrüßte – er wußte nicht, ob Luke dunkelsichtig war.

Sein Sohn lag auf dem Rücken,  fest in seine Decken gezurrt – offensichtlich hatte er sich zuvor unruhig gewälzt und so darin verfangen. Kein Wunder, daß er Alpträume hatte.

Er setzte sich aufs Bett und legte ihm sanft eine Hand auf die Schulter. Als Luke nicht reagierte, rüttelte er ihn behutsam.

  „Luke… wach auf, mein Sohn. Du hast einen Alptraum.“

Der Junge erwachte schlagartig und schoß hoch, doch noch in seinem Traum gefangen, zuckte er panisch zurück, als er Vader vor sich sah, und neuer Schweiß trat auf seine Stirn.

  „Nein… nein!“ Er rutschte wild strampelnd ans Ende des Bettes zurück, wo er sich mit weit aufgerissenen Augen an das Kopfteil preßte - weg von der schwarzen, maskierten Gestalt vor ihm.

Vader war mindestens ebenso erschrocken über diese Reaktion. „Luke, ich bin es… dein Vater. Es ist alles gut… du hattest einen Alptraum.“ sagte er behutsam, gänzlich aus seiner üblichen Rolle fallend. Er versuchte, die Angst zu übersehen, die in Lukes Augen stand, die schiere Panik… vor ihm. Vor Darth Vader, dem Feind der Rebellion, dem Monster, dem Bösen schlechthin. Wollte glauben, daß sie nur aus einem Alptraum kam… und vergehen würde.

Einmal mehr verfluchte er die Maske, erwog kurz, sie abzunehmen – verwarf die Idee aber gleich wieder, als ihm aufging, daß jetzt wohl nicht der richtige Augenblick für eine Demaskierung war. Und für die Eröffnung, daß er verheimlicht hatte, geheilt zu sein.

Nur langsam wurde Lukes Blick wieder klarer, als er zu sich kam. „Vater…?“

  „Ja, Luke.“ Jahrelange Übung half ihm, seine Tonlage und Stimme zu kontrollieren, ruhig zu halten. Beruhigend. Und tiefe Erleichterung überflutete ihn, als er langsam, zögernd, die Panik weichen sah, fühlte, wie sein Sohn sich entspannte, ruhiger wurde. Und er senkte seine Schilde vor seinem Sohn so weit, daß dieser es spüren konnte. Seine Besorgnis, seine Gefühle für ihn. Seine Liebe.

  „Was machst du hier?“ Luke befreite sich fahrig aus seinen Decken und wischte sich den Schweiß vom Gesicht. Er sah Vader an, ein wenig unsicher… angstvoll. Oder besser: entsetzt? Aber warum? Vader war sicher, daß sein Sohn empfing, was er ausstrahlte. Daß er wußte, wie es in ihm aussah. Was also…

  „Ich habe gespürt, daß etwas mit dir nicht in Ordnung war. Du hattest einen Alptraum.“, erklärte er dann ruhig.

Luke lachte freudlos. „Könnte man so sagen. Eine Erinnerung trifft es besser.“

  „Möchtest du darüber reden?“ erkundigte Vader sich. „Mir hat das als Kind geholfen, den Schrecken zu vertreiben.“

Sein Sohn starrte ihn an. „Naja… du kommst drin vor. In gewisser Weise.“ Er zog das Kopfkissen unter seinem Hinterteil hervor und stopfte es hinter sich – daß er damit Vaders Blick auswich, mochte ein Zufall sein.

Vader zog eine Augenbraue hoch. „Ah?“

  „Ja. Als ich auf Dagobah war, schickte Yoda mich unter die Wurzeln eines Baumes. Dort traf ich auf… dich. Oder besser: ein Bild von dir.“

Vader atmete tief ein. „Oh. DAS.“ Jetzt wurde ihm Lukes Reaktion klar. Vollkommen klar.

Nun war es an Luke, die Stirn zu runzeln. „Woher weißt du- “

  „Zunächst: das war nicht ich, Luke. Damit das klar ist. Nicht einmal mein bewußtes Selbst. Ja?“

Luke nickte verwirrt.

  „Aber ich habe diese Begegnung damals live erlebt. Ich war in diesem… Bild.“

  „Wie das?“ Mißtrauen schlich sich in Lukes Blick. Hatte sein Vater ihn bespitzelt, beobachtet? Verheimlichte er ihm etwas?

  „Keine Ahnung. Ich wurde ohne Vorankündigung, ohne Warnung in diese Begegnung geworfen wie in eine Vision – ich sah dich, ich sah… mein Imago. Den Beginn, den Kampf. Und…“ Vader erschauerte in der Erinnerung. „Ich weiß jetzt, wie es sich anfühlt, geköpft zu werden. Es… tut weh.“

  „Oh, Scheiße.“ murmelte Luke, der ahnte, daß das eine Untertreibung war, gelinde gesagt. Und er konnte spüren, daß Vader die Wahrheit sagte – daß er nicht absichtlich bebachtet hatte, zufällig und doch eher unfreiwillig Zeuge gewesen war. Und schon gar nicht verantwortlich dafür. „Vater – tut mir leid. Ich hatte ja keine Ahnung…“

  „Du kannst ja nichts dafür.“ beruhigte Vader. „Und ich weiß nicht, wer oder was für diese Vision verantwortlich war – auch wenn ich stark den kleinen grünen Giftzwerg im Verdacht habe, der dir vor Augen führen wollte, was aus dir werden könnte, wenn du der dunklen Seite nachgibst – freilich ohne dir zu verraten, was das wirklich zu bedeuten hat – was dich mit Darth Vader verbindet.“

Luke starrte ihn an. „Daß ich werde wie du?“ Er sah noch deutlich sein eigenes Gesicht in Vaders aufgeplatztem Helm wieder. Den Rauch, der daraus aufstieg, das zerstörte Auge.

  „Ja… und nein. Du hast viel von mir geerbt, das ist wahr, auch meinen Zorn und meine Ungeduld. Aber so wie ich… nein. Das würdest du nicht werden. Meine Intention damals war eine andere. Es war nicht Machtstreben – ich wollte nur deine Mutter retten. Palpatine war, so dachte ich, mein einziger Weg, Padmé vor dem Tod zu bewahren. Daß er mich betrog, merkte ich zu spät… und da war ich bereits gefallen und gefangen.“

Luke hörte ihm zu, ein wenig entspannter nun. Auch Vader entspannte sich nun etwas, die Angst, die Sorge, daß er Luke verloren haben könnte, wich.

  „Aber, mein Sohn: Palpatine will dich. Wenn wir ihn nicht stoppen, wird er alles darein setzen, dich auf die dunkle Seite zu ziehen. Du bist nicht so stark wie ich, aber stärker als die meisten. Ich bin eine potentielle Gefahr für ihn – zumal mein eigentlicher Grund, der mich damals hat fallen lassen, seit zwanzig Jahren nicht mehr existiert. Mich tot zu sehen und dich als Schüler zu haben – das ist sein Ziel.“

Lukes Augen weiteten sich erschrocken. „Nein… das will ich nicht!“

  „Keine Sorge. Ich werde nicht zulassen, daß er dich bekommt.“ beruhigte Vader.

  „Nein, das ist es nicht!“ Luke schüttelte vehement den Kopf und fiel seinem Vater dann vollkommen überraschend um den Hals. „Ich will nicht, daß du stirbst!“

Der dunkle Lord war wie vom Donner gerührt und saß wie erstarrt. Erst nach einem Moment wagte er es, die Umarmung zu erwidern. „Das wird nicht geschehen, Luke… nicht, wenn ich es verhindern kann. Aber ich brauche dich. Sobald du ausgebildet bist. Zu zweit können wir Palpatine besiegen.“ Langsam, ebenso vorsichtig wie unsicher, strich er ihm über den Rücken, genoß das Gefühl, seinen Sohn zu halten, der sich vertrauensvoll an ihn schmiegte. „Aber noch haben wir ein wenig Zeit, Luke. Noch ist Zeit.“

 

Der junge Jedi war schweißgebadet, aber sein Herz hatte aufgehört, zu rasen, und sein Blutdruck war wieder in normalen Bereichen angelangt.

Seine spontane, erste Reaktion tat ihm leid – er hatte Vaders Schmerz gespürt, hatte gefühlt, wie verletzt er gewesen war, als er vor ihm zurückschreckte. Aber wer wird schon gern vom Hauptdarsteller seines Alptraums geweckt?

Ihm war nun bewusst, dass der Vader aus der Höhle nichts mit seinem Vater zu tun hatte. Den Traum hatte er sehr bewusst erlebt, hatte ihn anders wahrgenommen als beim ersten Mal – und er hatte nichts in der dunklen Gestalt gespürt. Keine Emotionen, nicht einmal Haß, geschweige denn Besorgnis und Liebe, wie sie ihn momentan einhüllte - wie ein sanfter, weicher Mantel. Der Vader, der eben vor ihm saß, hatte auch nichts gemein mit dem Vader aus dem Holonetz – obwohl er wusste, dass es derselbe Mann war. Sein Vater hatte Recht – das Band zwischen ihnen bestand und festigte sich immer mehr. Obwohl Vaders mentale Schilde momentan gesenkt waren und er mehr spürte als sonst, würden sie für ihn nie so dicht sein wie für andere. Sein Vater würde nie ganz seine Gefühle, seine Ängste oder Sorgen vor ihm verbergen können – aber auch nicht, dass er Glück und Freude empfand, beide Extreme etwas, das er vor dem Kaiser tunlichst verbergen musste.

Die letzten Tage, die Gespräche, die Nähe zu seinem Vater hatte seine Einstellung gegenüber Vader komplett verändert. Luke war sich bewusst, dass sein Vater viele Dinge getan hatte und wieder tun würde, die er, Luke, als schrecklich und schlecht empfand, und er war sich ebenso bewusst, dass er das nicht würde ändern können. Aber genauso wusste er, dass Vader ihn liebte und ihm nie wieder Leid zufügen würde. Und er, Luke, hatte nun endlich seinen Vater gefunden. Sein größter Wunsch, den er unerfüllbar glaubte, war wahr geworden. Und so hatte er sich, als der Alptraum ihn widerwillig aus seinen Klauen entließ, erstaunlich schnell entspannen können. Das spontane Bedürfnis, seinen Vater zu umarmen, hatte ihn allerdings selbst kalt erwischt.

Und nun saß er hier, an Vaders breite Brust geschmiegt – etwas, das ihm noch vor wenigen Wochen nicht nur absurd, sondern verrückt erschienen wäre, hätte es ihm jemand prophezeiht.

Seine Wange ruhte auf erstaunlich warmem und weichem Leder, dessen Duft ihm angenehm in die Nase stieg, vermischt mit einem Hauch von Öl von den Metallteilen – dem Schulterpanzer, an dem seine Stirn lehnte, der Halsbeuge und der Maske – und dem Eigengeruch seines Vaters, herb, männlich, angenehm. Er atmete tief ein, für einen Moment nur ein glückliches Kind. Unter seinem Kinn befand sich die Schalteinheit des Lebenserhaltungssystems, die Leuchtdioden färbten das umliegende Leder rot und grün ein. Seine Hände, auf Vaders Rücken, streiften den überraschend weichen Stoff des Capes, und er konnte fühlen, dass der ganze Mann nur aus Muskeln zu bestehen schien. Er hörte den kräftigen, regelmäßigen Herzschlag Vaders und musste kurz lächeln, als er sich erinnerte, dass Leia einmal geflucht hatte, Vader habe doch einen Stein in der Brust, kein Herz – höchstens ein mechanisches. Leia. Was würde sie sagen oder denken, wenn sie ihn jetzt so sehen könnte? Er schob den Gedanken beiseite und löste sich ein wenig von Vader, ohne ihn jedoch ganz loszulassen, und sah ihn an. Die Maske barg keinen Schrecken mehr für ihn, und das Geräusch des Beatmers vermittelte eigenartigerweise nun mehr ein Gefühl von Schutz und Sicherheit.

  „Vater…“

  „Ja?“ Vader erwiderte seinen Blick, die Stimme sanft.

Luke lächelte. „Ich wollte nur dieses Wort aussprechen. Vater. Ich habe mir mein ganzes Leben lang einen Vater gewünscht…“

  „Und ich…“ Vader zögerte, suchte nach Worten. „Ich habe seit über zwanzig Jahren um das Kind getrauert, das ich nie würde haben können. Das Kind, das ich tot glaubte, gestorben mit Padmé. Daß ich dich nun gefunden habe, Luke, dass du bei mir bist, mein Sohn… das ist ein wundervolles Gefühl.“

  „Ich… ich liebe Dich.“ Luke kam sich ein wenig komisch vor, als er das sagte, aber gleichzeitig fühlte es sich richtig an.

  „Und ich dich.“ Vader zog ihn wieder an sich, froh um die Maske, denn Tränen liefen ihm über die Wangen. „Niemand wird uns mehr trennen, Luke. Nie wieder.“

Luke schmiegte sich wieder an ihn, wunderte sich über die Wellen, die von seinem Vater ausgingen, versuchte, sie zu analysieren. „Weinst du?“ fragte er schließlich erstaunt.

Vader antwortete nicht gleich, dann änderte sich seine Aura, wurde heiter. „Ich fürchte, ja.“

Luke lachte leise. „Darth Vader weint! Meinst du, das glaubt mir jemand, wenn ich das weitererzähle?“

  „Nein.“ kam die trockene Antwort. „Aber ich müsste dir leider trotzdem den Hintern versohlen, wenn du es tätest.“

Sein Sohn löste sich nun grinsend, wurde aber gleich wieder ernster. „Bei den Mächten… tut mir leid, Vater. Was musst du nur von mir denken? Ein Milchbubi, der wegen eines Alptraums seinem Papi um den Hals fällt.“

  „Hm… stimmt eigentlich. Wäre passender gewesen, wenn DU geheult hättest, oder?“ neckte Vader. „Keine Sorge, Luke. Es ist mitten in der Nacht, wir sind unter uns, und die Umstände sind… nun ja, besonders. Wir haben zwanzig Jahre verpasst. Du bist mein Sohn – zwischen uns sollte es nichts geben, was peinlich ist.“

Lukes Grinsen wurde breiter und fieser. „Ah nein? Und was ist nun mit dem gewissen Nachmittag?“

  „Neugier, mein Sohn, ist keine Tugend, die einen Jedi auszeichnet.“ versetzte sein Vater gespielt streng. „Du solltest dich darin üben – und deshalb werde ich es dir noch nicht verraten.“

Der Junge lachte. „Ich hatte ohnehin nicht damit gerechnet, dass du es mir verrätst. Aber du könntest mir etwas Anderes erklären – oder bist du sehr müde?“

  „Ich bin es gewohnt, wenig Schlaf zu bekommen.“ wich Vader aus. „Was möchtest du wissen?“

  „Sag mir bitte, woher du wusstest, dass ich bei Yoda war.“

  „Ich hatte Visionen.“ kam die Antwort ohne zu zögern. „Eine weitere meiner Begabungen… und keine, die mir lieb ist, das kann ich dir versichern. Nur waren diese etwas anders, denn sie waren keine Zukunftsbilder, sondern sozusagen eine Live-Übertragung.“

  „Du hattest mehrere?“

  „Ja.“ Vader nickte. “Es begann langsam… nachdem ich erfahren hatte, wer den Todesstern zerstörte, vor wenigen Wochen. Das erste, was ich sah, war dieses Raubtier auf Hoth, das dich aus dem Sattel holte.“

Luke zog die Augenbraue hoch. „Das Wampa.“

  „Heißt das so? Nun… das nächste Bild kam dann ein wenig später, als du wieder zu dir kamst… in der Höhle, mit den Füßen an der Decke.“

Sein Sohn nickte, ein Knoten im Magen bei der Erinnerung. „Ich dachte, das sei mein Ende. Aber dann hörte ich die Stimme…“

  „…die dir sagte, du solltest dein Lichtschwert an dich ziehen?“

Luke riß die Augen auf. „Das warst du?“

Vader nickte. „Vermutlich dachtest du, es sei Kenobi gewesen.“ Ohne auf Lukes weiteres Staunen zu achten, sprach er weiter. „Das kam danach – Kenobis sonderbarer Befehl, nach Dagobah zu gehen. Ich fragte mich, ob du dich in deinem Zustand später überhaupt daran würdest erinnern können.“

  „Aber warum…“ Luke zögerte, schluckte dann hinunter, was er hatte sagen wollen in dem vermutlich überflüssigen Bemühen, Vader nicht auf Gedanken zu bringen, die er unwahrscheinlicherweise vielleicht doch noch nicht gehabt hatte.

  „Warum ich nicht längst nach Dagobah geflogen bin, um Order 66 an Yoda zu vollziehen?“ fragte Vader. Luke nickte. „Um ehrlich zu sein, weiß ich das selbst nicht so genau. Ich hege einen persönlichen, tiefen Groll gegen Yoda, aber wer weiß… vielleicht brauchen wir ihn noch. Er weiß nichts von mir – nicht mehr, als er vor seiner Flucht erfahren hat und was Kenobis Geist vielleicht erfahren und ihm verraten hat. Aber auf jeden Fall weiß er nicht, dass ich von dir weiß und Kontakt zu dir habe. Daß du bei mir bist – freiwillig.“

Luke nickte. „Was hast du noch gesehen?“

  „Deine Ankunft.“ antwortete Vader und ergänzte: „Für ein paar Sekunden habe ich mir beinahe Sorgen gemacht.“

Luke runzelte die Stirn, bis ihm aufging, daß sein Vater ihn neckte.

  „He, ich bin ein guter Pilot! Vielleicht nicht so gut wie du, aber…“

  „Ganz sicher nicht.“ versetzte Vader. „Immerhin hast DU nicht mit neun Jahren das Boonta Eve gewonnen und ein Flaggschiff der Handelsföderation zerstört.“

  „Nein. Nur den Todesstern… aber da war ich schon ein wenig älter.“ Luke grinste. „Zählt das?“

Vader lachte. „Auf jeden Fall. Um ehrlich zu sein – wenn du danebengeschossen hättest, hätte ich vielleicht selbst einen Torpedo gesetzt.“

  „Was?“ Luke riß die Augen auf.

  „Was ‚was’, Sohn? Glaubst du, nur weil ich die rechte Hand des Imperators bin, muß ich seine Spielzeuge gut finden? Im Gegenteil. Ganz im Gegenteil…“ Seine Gedanken schweiften ab, als er an die neuere, noch größere Version dieses idiotischen Dings dachte, das über Endor im Bau war. Sollte er Luke schon davon erzählen? Nein. Noch nicht, entschied er. Das hatte noch Zeit. Und wenn alles klappte, wie er es plante, würde der zweite Todesstern – unter seiner Herrschaft – ohnehin nicht fertiggestellt werden.

  „Anschließend kam die ‚Jedi habe ich herangebildet achthundert Jahre lang’-Rede, die jeder von uns auswendig kann – mit wechselnden Jahresangaben, natürlich. Und wie sich Yoda weigerte, dich anzunehmen. Weil du zu alt warst.“ Vader knurrte.

  „Das hatte er zu dir auch gesagt, nicht wahr?“

  „Ja. Allerdings. Und das ist ein Schwachsinn im Quadrat. Gerade, wenn sie zu alt sind und unentdeckt waren, sollten sie ausgebildet werden, und zwar isoliert und so schnell wie möglich!“

  „Wieso?“ Luke runzelte die Stirn.

  „Weil es lebende Zeitbomben sind, Luke. Ein unausgebildetes, machtbegabtes Wesen ist eine Gefahr für seine Umgebung. Durch starke Emotionen macht die Macht sich selbständig und tut Dinge, die nicht geplant und in den meisten Fällen nicht gewünscht sind. Oder gewünscht und nicht wirklich willkommen. Wenn jemand große Angst hat, zum Beispiel, kann es passieren, daß derjenige, der die Angst auslöst, verletzt wird – oder stirbt. Weil der Bedrängte sich unbewußt wehrt.“

  „Emotionen – und vor allem solche wie Wut, Angst und Haß – sind die dunkle Seite, sagte Yoda.“ warf Luke vorsichtig ein.

  „Nein. Und ja.“ Vader seufzte. „Luke, wie schon erklärt: die Macht IST. Die Jedi verleugnen ihre Emotionen. Die Sith bejahen und nutzen sie. Und dadurch, daß die Macht durch Emotionen verstärkt wird, sind sie stärker, schneller, mächtiger. Aber es zehrt an ihnen. Schau den Kaiser an. Seine äußere Erscheinung ist zerstört, seit er damals mit Mace Windu kämpfte.“

  „Aber welches ist der richtige Weg?“ Luke war verwirrt.

  „Beide. Keiner. Wer weiß das schon? Das kann man nicht pauschalisieren, meiner Meinung nach. Das muß jeder für sich entscheiden, und von Einsatz zu Einsatz. Wahr ist jedoch: wer einmal seine Emotionen hat fließen lassen und erkennt, daß es leichter geht auf diese Weise, ist versucht, das zu wiederholen. Es erfordert mehr Kraft, ruhig zu bleiben – aber manchmal ist es notwendig. Schau – bei unserem Duell auf Bespin hatten wir vertauschte Rollen. Ich war ruhig – du aggressiv. Und dabei bin ich Sith, und du wurdest von einem sehr erfahrenen Jedimeister unterwiesen. Beide können beides. Wir sind eins, Luke. Wir bedienen uns alle der Macht.“

Luke nickte – das erschien ihm plausibel und logischer als alles, was Yoda ihm beigebracht hatte.

  „Und dann habe ich nur noch eins gesehen… wie dein X-Wing versank und der großohrige Trottel dich aufgefordert hat, ihn herauszuholen.“

  „Ich habe es versucht, wirklich! Er war einfach zu schwer…“

  „Nein, nicht das Schiff war zu schwer. Die Aufgabe war zu schwer. Du warst noch nicht so weit. Schau – Arik hat heute einen Kasten mit der Macht schweben lassen, den er mit den Händen nicht hätte heben können. Warum? Weil er nicht wußte, was er tatsächlich wog. Die Dinger sehen leicht aus, aber sie wiegen jeder beinahe hundert Kilo. Er sah etwas Kleines, das ihm nicht schwer erschien, und erfüllte die Aufgabe. Du sahst etwas Großes, das dir unmöglich erschien – und scheitertest. Wenn Arik morgen denselben Kasten nochmals schweben läßt und ich ihn anschließend auffordere, ihn hochzuheben, wird er scheitern – aber es vermutlich hinterher wieder schaffen, ihn schweben zu lassen, weil er weiß, daß er es zuvor geschafft hat. Er hat dann das Wesen der Macht verstanden – Größe und Gewicht bedeuten nichts in der Macht. Yoda hat es bei dir andersherum versucht. Deshalb bist du gescheitert.“

Wieder nickte Luke, dann lächelte er. „Du solltest Padawane ausbilden, nicht Yoda, glaube ich.“

  „Wer weiß, mein Sohn, vielleicht werden wir das eines Tages zusammen tun, du und ich. Vielleicht werden wir einen neuen Orden gründen… irgendwann.“

  „Das wäre fantastisch, Vater!“ rief Luke begeistert.

Vader lächelte. „Dann lerne, mein Sohn, damit du Wissen weitergeben kannst… bald. Aber“, er grinste, „zu schlafen ist es an der Zeit jetzt für den Padawan. Ausgeruht ein Jedi muß sein, um Neues zu lernen, damit offen ist sein Geist.“

  „Hör auf!“ Luke lachte und warf sein Kissen nach ihm, das Vader mit einem überraschten Lachen fing und zurückwarf. „Deine Methoden sind mir lieber – da lerne ich mehr und schneller.“

  „Danke.“ Vader sah ihn erstaunt und erfreut an.

  „Nicht dafür. Es ist wahr. – Gute Nacht, Vater.“ Er legte sich wieder hin und drehte die Decke um, um die trockene und kühlere Seite abzubekommen.

  „Gute Nacht, mein Sohn. Schlaf gut.“ Vader ging zur Tür und löschte mit einer Handbewegung das Licht.

  „Du auch, Vater… gute Nacht.“

 

An anderer Stelle der Galaxis, ungefähr zeitgleich, erwachte Prinzessin Leia ebenfalls aus einem Traum. Sie konnte sich nicht mehr an alles erinnern, nur an das, was sie letztlich geweckt hatte.

Luke und Vader.

Sie würgte in der Erinnerung und preßte die Hand vor den Mund, als die Bilder erneut vor ihr aufstiegen.

Darth Vader, der bei Luke auf dem Bett saß und diesen in einer engen Umarmung hielt. Und damit nicht genug! Luke beugte sich zurück, sah ihn an und sagte:

  „Ich… ich liebe Dich.“ , mit einer Zärtlichkeit in der Stimme und einer Hingabe im Blick, die sie erneut würgen ließ. Und es kam noch dicker.

  „Und ich dich. Niemand wird uns mehr trennen, Luke. Nie wieder.“ erwiderte Vader in ihrem Traum.

Vader und Luke – ein Liebespaar? Sie stolperte aus dem Bett, rannte in den Erfrischer und übergab sich. Was für ein Alptraum!, dachte sie, als sie sich den Mund abwischte und ins Bett zurückwankte. Nachdenklich schüttelte sie ihr Kissen auf. Xel-Früchte. Sie hatte Xel-Früchte gegessen, bevor sie schlafengegangen war. Vermutlich hatte sie die nicht vertragen. Und Ale dazu getrunken. Das mußte es gewesen sein…

Seufzend drehte sie sich um und versuchte, wieder einzuschlafen.

Liebespaar. Lächerlich.

Oder doch nicht?

 

 

33

 Vader kehrte nun endlich in sein eigenes Schlafzimmer zurück. Er bemühte sich, leise zu sein, aber Max wachte dennoch auf.

  „Du bist spät…“ murmelte er schläfrig.

  „Ich habe auf Firmus’ Bericht gewartet. Er läßt dich grüßen.“ sagte Vader müde, während er Helm und Maske abnahm.

  „Danke… aber verschiebt sich die Bordzeit so sehr?“ wunderte sich sein Geliebter, der einen Blick aufs Chronometer warf.

Vader öffnete den Verschluß seines Capes und hängte es beiseite, dann öffnete er den Riegel des Schulterpanzers und hob ihn herunter. „Nein… ich habe noch einen Bericht fertiggelesen und wollte dann ins Bett, aber ich spürte, daß Luke einen Alptraum hatte. Ich habe ihn geweckt… und dann haben wir uns noch eine Weile unterhalten.“

Veers, auf seine Ellbogen gestützt, sah ihn lächelnd an. „Ein gutes Gespräch, nehme ich an.“

Der dunkle Lord beugte sich hinunter, um seine Beinschienen abzuschnallen, dann benutzte er einen Stiefelknecht und befreite sich ein wenig mühevoll von seinen Stiefeln. „Ja. Aber wie kommst du darauf?“

  „Du siehst sehr zufrieden aus, Dava. Wie eine Katze am Sahnetopf.“

  „Er hat mich umarmt, Max.“ Vader lächelte.

  „Er hat was?“ Veers war plötzlich hellwach.

Vader zog die Handschuhe ab und öffnete dann den Gürtel, um auch ihn beiseite zu legen. „Umarmt. Von sich aus. Und er hat es genossen.“

  „Wow.“ Max lächelte warm, er wußte, was das für seinen Geliebten bedeutete. „Das freut mich!“

  „Allerdings – der Alptraum handelte von mir. Als ich ihn weckte, schreckte er panisch vor mir zurück.“ Zu der bereits ansehnlichen Sammlung von Rüstungsteilen gesellten sich nun auch der Tiefschutz und der innere Mantel. Vader öffnete die Hose, dann das Oberteil und schlüpfte erst aus dem letzteren, bevor er die Hose nach unten schob und herausstieg, sich gleichzeitig von den Socken trennend.

  „Oh…! Wie das?“

  „Du erinnerst dich an die Vision, in der ich geköpft wurde?“ Hose und Oberteil wurden sorgsam auf Bügeln verstaut und an den Schrank gehängt – Vader trug nun nur noch ein TShirt und enganliegende Shorts, beides umspielte seinen straffen, jugendlich wirkenden Körper.

  „Ja.“ Max schloß die Augen und unterdrückte ein Schauern – das ausnahmsweise weniger mit dem anregenden Anblick seines Partners zu tun hatte als vielmehr mit der Erinnerung an den Vorfall. „Das war der Alptraum? Der arme Junge.“

  „Umso mehr, als das Yoda ihn damals mit der wahren Deutung alleingelassen hat.“, sagte Vader und schlüpfte zu Max ins Bett. „Er dachte, es sei sein Schicksal, zu werden wie ich. Daß dies so nicht stimmt und ich sein Vater bin, hat er ihm tunlichst verschwiegen. Ebenso wie die wahre Natur der Macht.“

  „Kein Wunder, daß es so lang gedauert hat.“ Max lächelte und beugte sich herüber, um ihn zu küssen. „Du mußt müde sein.“

Vader lächelte und erwiderte den Kuß zärtlich. „Und du bist stachlig.“

 „Entschuldige.“ Max lachte. „Ich werde mich gleich morgen früh rasieren. Und vielleicht könntest du mir die Haare schneiden – ich hätte noch einmal zum Frisör gehen müssen, bevor wir EXECUTOR verlassen haben. Sie werden langsam zu lang…“

Vader stützte sich auf einen Ellbogen und berührte nachdenklich und sanft Max’ Wange, fühlte die Stoppeln unter seinen Fingerkuppen und staunte wieder einmal über die schiere Empfindung, die ihm zwanzig Jahre lang verwehrt gewesen war. Ein so schlichtes Gefühl – das er so sehr genoß und das ihm so viel bedeutete. „Nein…“ sagte er langsam, als sich ein Bild vor seinem inneren Auge formte. „Laß es wachsen, bitte. Und auch den Bart. Ich glaube, das würde mir gefallen.“

  „Mylord!“ protestierte Max gespielt entsetzt. „Das widerspricht jeglicher Flottenregel!“

  „Dann nimm es als einen persönlichen Befehl deines kommandieren Offiziers.“ Vader grinste und küßte ihn nochmals. „Und jetzt laß uns schlafen… ich bin hundemüde.“

  „Zu Befehl, Mylord.“ Max lachte und löschte das Licht – und genoß anschließend das Gefühl von Vaders starkem Körper, der sich an seinen Rücken schmiegte.

 

Als sie am nächsten Morgen erwachten und Vader sich nach dem Duschen anzog, fiel ihm auf, daß er den Anzug nun beinahe gerne anlegte. Er gab ihm die Möglichkeit, seinem Sohn nahe zu sein – so verrückt das auch klang – ihn zu lehren, Zeit mit ihm zu verbringen, Vater zu sein.

Nachdenklich hielt er inne, einen Stiefel in der Hand. In den letzten zwanzig Jahren hatte er den Anzug zuerst gehaßt, weil er ihm Schmerzen verursachte und ihn einschränkte, ihn zwang, sich an ihn anzupassen statt umgekehrt. Dann, mit Corvas Hilfe, hatten sie die Fehler nach und nach beseitigt, bis er sich mit ihm arrangiert hatte und die Vorteile, die er unzweifelhaft bot, zu schätzen lernte. Und nach seiner Heilung… Max hatte ihn erkennen lassen, daß es notwendig war, ihn weiterhin zu tragen, und die Faszination, die sein Geliebter für ihn empfand und die beinahe noch größer war, wenn er den Anzug trug, erleichterte es ihm zusätzlich.

Und jetzt?

Der Anzug schränkte ihn in manchem noch immer ein. Sein Sehvermögen war nicht das eines normalen Menschen. Es war in mancherlei Hinsicht besser, aber dennoch war er froh, Luke auch als Songan mit seinen eigenen Augen sehen zu können. Und heute Nacht… er hätte seinen Sohn gerne umarmt, ohne daß die Rüstung zwischen ihnen war. Aber er war nun einmal Darth Vader – und als solcher gehörten Anzug, Maske und Cape einfach zu seiner Person.

Seufzend zog er den zweiten Stiefel über, ganz froh, daß Max noch mit Duschen beschäftigt war und ihn nicht so gesehen hatte.

Max kam auf seinen eigenen Beinen aus dem Erfrischer, sichtlich stolz, und Vader – mittlerweile vollständig bis auf Maske und Helm - lächelte ihm entgegen. „Überanstreng dich nicht…“, mahnte er sanft.

  „Ganz im Gegenteil.“, versetzte Max. „Es tut mir gut, zu gehen. Meine Muskeln brauchen das. Und ich auch. Ich hasse es, in diesem Stuhl sitzen zu müssen.“

  „In Ordnung. Aber für die Treppen wirst du ihn weiterhin nehmen… zumindest noch ein oder zwei Tage. Sonst trage ich dich!“

  „Eine schreckliche Drohung!“ lachte Max, während er sich anzog. „Was hast du heute mit den Jungen vor?“

  „Im Prinzip dasselbe wie gestern… Grundlagen für Arik und für Luke… nun, mal sehen. Ich würde gern mit ihm trainieren, aber das sollte er mit seiner eigenen Klinge tun. Und dafür ist es noch ein wenig früh. Aber es gibt noch genug andere Dinge zu lernen…“

 

Tatsächlich entschied Vader schon drei Tage später, daß seine beiden Schüler mit dem Bau ihres Lichtschwerts anfangen sollten. Bei Arik würde er natürlich genauer aufpassen müssen und mehr Hilfestellung leisten als bei Luke, vor allem beim Einsetzen der Kristalle, aber er konnte es nicht erwarten, mit Luke das Kampftraining zu beginnen.

  „Kommt mit.“ forderte der dunkle Lord die beiden ohne Ankündigung auf, als sie das Frühstück beendet hatten.

  „Wo gehen wir hin?“ fragte Luke neugierig, während sie ihm folgten und Max sich in die Bibliothek zurückzog.

  „In die Werkstatt.“

  „Werkstatt?“ Arik und Luke wechselten einen Blick. „Sagtet Ihr nicht, es sei noch zu früh, Meister?“

Vader hielt in seinem Schritt nicht inne, aber er wandte den Kopf. „Sith sind nicht gerade für ihre Geduld bekannt, mein Padawan. Sie betrachten es als Schwäche, zu warten, Jedi bezeichnen das als Tugend. Was meint ihr?“

Die beiden schwiegen. „Es kommt darauf an…?“ schlug Arik vor. „Von Fall zu Fall?“

Vader schmunzelte. „Wenn wir anfangen, hier Lehrsätze aufzustellen, sollten wir gleich eine neue Richtung begründen. Ihr seid die ersten… was-auch-immer, weder-noch, jedenfalls. Ja, richtig. Von Fall zu Fall – meine ich. So, hier sind wir.“

Der dunkle Lord öffnete eine Tür und betrat das Paradies jeden Bastlers und Schraubers. Große, hervorragend ausgeleuchtete Werkbänke mit dicken Holzplatten standen hier; vor ihnen, an den Wänden, hingen Werkzeuge höchster Qualität griffbereit, weitere warteten in Schubladenwägen auf Rollen. Weiter hinten im Raum standen verschiedene Profimaschinen, um größere Arbeiten zu erledigen – Drehmaschinen, Bohrer, Fräsen, Sägen verschiedener Art und mehr. Platz war mehr als genug da, um selbst große Dinge wie einen Gleiter oder einen Jäger zu bauen, zu reparieren oder zu modifizieren, und an einer der Wände führte ein großes Tor offensichtlich zu den Hangars hinüber.

  „Wau!“ stieß Luke hervor, während Ariks Kinn Anstalten machte, auf seine Brust zu fallen.

  „Ja, ich denke, hier kann man arbeiten.“ Vaders Grinsen war wie immer durch die Maske verborgen, doch die beiden kannten ihn inzwischen gut genug, um es zu erahnen. „Also… hier haben wir die speziellen Bauteile…“ Er ging zu einem großen Safe aus Metall, der in einer der Ecken stand und durch mehrere Schlösser gesichert war, öffnete ihn und wies auf einige Behältnisse darin. Einen großen Kasten nahm er heraus und trug ihn zur nächstgelegenen Werkbank. „Als der Jeditempel damals… geschleift wurde, trug ich einigen der Klone auf, den Inhalt der Werkstätten sicherzustellen. Ich wollte verhindern, daß dies alles hier in unwissende Hände geriet. Deshalb kann ich euch jetzt auch mehr Auswahl bieten als… rot.“ Er lächelte und wies auf die vielen Kristalle in der großen Box. Rote fehlten allerdings, sie befanden sich in einem kleineren Extrabehälter noch im Safe.

  „Rot steht für Sith?“ fragte Luke, während sie nähertraten und die Kristalle betrachteten.

  „Ja.“ Vader nickte. “Blaue Schwerter werden meist von Jedi gewählt, die sich als Krieger sehen, grüne von jenen, die mehr auf Diplomatie setzen. Seltener sind gelbe – sie werden den Wächtern zugeordnet. Violett ist die rarste Farbe, nur sehr machtvolle Jedi trugen sie – Mace Windu, zum Beispiel, hatte eine violette Klinge. Meine und Obi-Wans waren blau, Yodas grün. Welche Farbe ihr für euch wählt, ist eine Entscheidung, die nicht überstürzt werden sollte. Meditiert darüber… nehmt die Kristalle in die Hand, laßt sie euch finden. Laßt euch so viel Zeit wie nötig.“

Vader nickte ihnen zu und verschwand, während Luke und Arik sich ansahen und dann, ein wenig ratlos, die große Box vor ihnen auf der Werkbank.

  „Ausleeren?“ meinte Luke.

  „Ich weiß nicht… widerstrebt mir irgendwie. Laß sie uns lieber so herausnehmen… dann haben wir sie auch mal in der Hand gehabt.“

  „Okay.“ Luke nickte und nahm den ersten Stein, einen gelben, heraus. Und ahnte sofort, was sein Vater meinte – der Stein war kalt und irgendwie… abweisend. Er reichte ihn Arik, wissend, daß er nicht für ihn bestimmt war. Und auch dieser bekam nun weite Augen, als er es ebenfalls fühlte… beziehungsweise nicht fühlte. Er nickte verstehend und legte den Stein beiseite. Luke lächelte, ein wenig unsicher, und nahm den nächsten zur Hand.

 

Etwas über eine Stunde später hatte jeder von ihnen drei Kristalle vor sich, den Rest hatten sie wieder sauber in die Kiste gepackt. Lukes Schwert würde grün werden und Ariks… nun, das war noch nicht zu erraten, denn er hatte zwei blaue und einen gelben Kristall gewählt.

  „Soll ich…?“ Luke sah Arik an. In den letzten Tagen waren sie so eng zusammengewachsen, daß sie sich auch ohne viele Worte verstanden.

  „Versuch’s. Ich hab jedenfalls keine Ahnung, wo er steckt… suchen können wir ihn immer noch.“

Luke brummte und schloß die Augen.

  Vater?

Er bekam keine Antwort und sah enttäuscht zu Arik hinüber. „Geht ni- “

Vaders Antwort in seinem Kopf unterbrach ihn. Ich spreche eben mit Firmus. Fünf Minuten, mein Sohn.

Überrascht lachte er auf. „He, es hat geklappt! Er kommt gleich.“

Arik grinste und versuchte, die Kiste in den Safe zurückzuwuchten, scheiterte aber am schieren Gewicht. „Hölle, ist die schwer! Wie hat dein Vater es geschafft, die zu tragen?“

  „Vermutlich eine Mischung aus übermenschlichen Kräften durch die Prothesen und der Macht… soll ich dir helfen?“

  „Ja. Aber nicht wie du denkst… ich würd es gern per Telekinese versuchen. Kannst du sie auffangen, wenn ichs nicht schaffe?“

  „Denke schon… ich hab auch R2 schon schweben lassen. Müßte gehen. Fang an.“

Arik konzentrierte sich, schloß die Augen und atmete tief durch. Die letzten Tage hatte er viel geübt und es schon geschafft, drei der Kisten auf einmal schweben zu lassen… die Kisten, von denen er mittlerweile wußte, wie schwer sie waren. Das hier sollte problemlos gehen. Eigentlich.

Er hob die Hände, als wolle er die Griffe umfassen, und hob sie noch ein wenig weiter an. In seinem Geist levitierte die Box von der Werkbank und schwebte zum Safe hinüber. Er öffnete die Augen und sah befriedigt, daß Vorstellung und Wirklichkeit übereinstimmten, unterdrückte aber seine Freude, damit die Konzentration nicht nachließ. Ruhig dirigierte er die Box weiter zum Safe, zielte sorgfältig und setzte sie sanft auf ihrem alten Platz ab. Erst dann gestattete er sich ein erleichtertes Ausatmen und wischte sich den Schweiß von der Stirn.

Luke, der die ganze Zeit wachsam danebengestanden hatte, grinste und klopfte ihm auf die Schulter.

  „Gut gemacht.“ sagte Vaders tiefe Stimme hinter ihnen, und sie fuhren herum, weniger erschrocken durch die Tatsache, daß er da stand, sondern eher, weil sie beide seine Annäherung nicht bemerkt hatten – so sehr hatten sie sich auf die Box konzentriert. „Du lernst schnell, mein Padawan. Ich bin sehr zufrieden mit dir.“ Er legte Arik kurz die Hand auf die Schulter, was diesen wieder wachsen ließ, und musterte dann die Kristalle auf der Werkbank. „Grün?“ kommentierte er Lukes Steine. „Wundert mich nicht.“ lächelte er. Stirnrunzelnd nahm er dann die Mischung bei Arik zur Kenntnis. „Blau und gelb… hm. Ich habe noch nie von einem Jedi gehört, der keine reine Farbe hatte… könnte interessant werden. Aber da die Kristalle dich gewählt haben, sollte es keine Probleme geben. Schön. Legt sie beiseite, wir fangen mit den Handgriffen an. Dazu braucht ihr Durastahlrohre, die ihr hier drüben findet…“

 

Die beiden jungen Männer arbeiteten in den folgenden Tagen zwischen den Trainingseinheiten immer wieder an ihren Schwertern, schufen die Handgriffe und versahen sie mit Schalteinheiten und Einsätzen, die die Griffigkeit erhöhen sollten. Sie konstruierten die Verkabelung, die Leiterplatten und die diversen Reglereinheiten, die Klingenlänge und anderes steuerten, und brachten jeder viel von sich selbst in ihr Schwertdesign ein. Lukes Schwert war zwar einfarbig silbern, aber vom Design her ein wenig verspielter als Ariks, der zwar blaue Schmuckelemente verwendete, aber im Stil her schlicht blieb.

Vader leistete den beiden in diesen Zeiten der Arbeit natürlich Gesellschaft. Aber anstatt sich in ihr Tun einzumischen, hatte er sich R2 geholt und verbrachte die Zeit damit, den Astromech ordentlich zu reinigen und zu reparieren – und war doch immer für Fragen und Hilfestellung erreichbar.

Am ersten Tag, als er den blauen Droiden auf seine Werkbank gehievt hatte und mit der Untersuchung der Schäden begann, wandte er sich allerdings ein wenig ärgerlich an Luke.

  „Warum hast du deinen wertvollsten Helfer und den besten Freund, den du in einem Raumkampf jemals haben kannst, so vernachlässigt, mein Sohn?“

  „Vernachlässigt?“ Luke sah auf und schob die Schutzbrille zurück – er war eben dabei, den vorbereiteten Handgriff, ein Stück Rohr, der Länge nach durchzusägen. „Wieso?“

R2 trillerte ein wenig beschämt und verteidigend.

  „Du hast ihn nie darauf hingewiesen?“ echote Vader verdutzt und sah auf den Blauen hinunter. „Aber wieso denn nicht?“

Der Droide antwortete etwas, und Vader schnaubte. „Du hast es nie gebraucht? Und wenn du es mal gebraucht hättest?“

Eine Geräuschfolge ertönte, die irgendwie spöttisch klang, gefolgt von einem Keckern, das eindeutig ein mechanisches Lachen war. Und auch Vader lachte.

  „Ja… da stimme ich dir zu. Luke ist viel ruhiger als ich – und sehr viel braver, als ich es jemals war.“ Er drehte sich zu Luke um, lässig auf die Werkbank gestützt – und selbst R2 sah plötzlich aus, als würde er grinsen. „Er würde bestimmt jeden Befehl seines Meisters befolgen und keine Alleingänge unternehmen… was meinst du, R2?“

Eine lange Folge von Pfeif- und Trillertönen erklang.

  „Die INVISIBLE HAND? Ach, komm. Wenn man berücksichtigt, daß das Schiff niemals dafür konstruiert wurde, auf einem Planeten zu landen, habe ich doch erstaunlich viel davon heil runtergebracht. Immerhin mehr als die Hälfte.“

Arik hatte mittlerweile Mühe, sein Prusten zu unterdrücken – als Offizier des Imperiums kannte er die Geschichte, auch wenn auf der Akademie keine Verbindung zwischen Anakin Skywalker und Darth Vader geknüpft worden war. Aber immerhin war an diesem Tag das Leben des Kaisers gerettet worden, und deshalb fand die Episode ihren Weg in die Lehrbücher, obwohl die verhaßten Jedi Hauptprotagonisten dabei waren.

  „Wovon, bei allen Raumgeistern, sprecht ihr zwei eigentlich?“ wollte Luke mittlerweile erbost wissen.

  „Eigentlich“, Vader warf R2 einen vorgeblich verärgerten Blick zu und drohte ihm spielerisch mit der Faust, „nur davon, daß dein kleiner blauer Freund hier fliegen kann. Oder besser gesagt: es können sollte. Wenn er ordentlich gewartet und repariert worden wäre.“

  „Er kann was?!?“

  „Fliegen.“ wiederholte Vader gelassen. „Er verfügt über Schubdüsen. Das hat ihm und deiner Mutter und mir schon mal das Leben gerettet. Aber, wie gesagt: du kommst ja nicht in solche Situationen…“ neckte er.

  „Ich hatte ja keine Ahnung!“ rief Luke.

  „Nein, da er nichts gesagt hat…“ Vader schüttelte wieder den Kopf. „Aber kein Problem, ich kümmere mich darum. Und auch um alles andere. Wenn ich mit dir fertig bin, bist du wie neu, R2, versprochen.“

  „Das kann ich doch…“ wandte Luke ein, der sich immer noch von dem Vorwurf getroffen fühlte, er hätte sich nicht gut um den Droiden gekümmert.

  „Nonsens. Ich hatte schon lang nichts mehr, das mich richtig herausgefordert hat!“ Vader stand vor der Werkbank, musterte R2 und überlegte bereits, wo er anfangen sollte. Es fehlte nicht viel, und er hätte sich in Vorfreude die Hände gerieben. „Außerdem hast du ja wohl genug zu tun, hm?“

Luke brummte und beugte sich wieder über die Säge – doch eine Frage konnte er sich nicht verkneifen. „Und was war mit der INVISIBLE HAND?“

Vader gab einen Laut von sich, der beinahe an ein Kichern erinnerte und deshalb eine akustische Täuschung gewesen sein mußte. Sithlords kicherten nicht.

  „Würdest du versuchen, einen Sternzerstörer auf Coruscant zu landen, mein Sohn?“

  „Natürlich nicht! Viel zu groß!“

  „Genau. Das hat Obi-Wan damals auch gesagt.“ versetzte Vader gelassen und griff nach einem Werkzeug. Und Luke wunderte sich sehr, warum alle drei – Vader, Arik und R2 – plötzlich in schallendes Gelächter ausbrachen.

 

 

34

 Er bekam die Episode natürlich erzählt und konnte dann mitlachen – aber noch mehr staunte er über seinen Vater und die Abenteuer, die dieser erlebt hatte. Offensichtlich hatte Vader nicht übertrieben, als er die Bemerkung über Bravsein und Ruhe gemacht hatte. Und das war sicher nicht die einzige Episode dieser Art gewesen…

  „Yoda sagte, Jedi suchten nicht nach Abenteuern.“ Er sah seinen Vater fragend an, während er seinen Platz an der Säge für Arik räumte und diesem die Schutzbrille reichte.

Vader schnaubte. „Ja, das habe ich gehört. Sie suchten deshalb nicht danach, weil die Abenteuer immer zu ihnen kamen. Täglich. Stapelweise. Luke, in meiner Zeit als Padawan gab es kaum eine Woche, die ich am Stück im Tempel verbrachte. Wir waren laufend unterwegs, um irgendwo in der Galaxis irgendeinen Konflikt zu lösen. Manches davon diplomatisch mit Worten – aber vieles auch per Lichtschwert-Diplomatie. Jedi lernten nicht umsonst schon als Jünglinge, mit dem Lichtschwert umzugehen… Diese Bemerkung Yodas ist ein wirklich guter Witz, glaub mir. Und Jedi waren niemals eine Friedenstruppe, die tonnenweise Honig um Mäuler geschmiert hat! Ganz im Gegenteil.“

Luke sah ihn ein wenig zweifelnd an. „Aber Obi-Wan sagte etwas Ähnliches.“ Er versuchte, sich an die genauen Worte zu erinnern. „’Über tausend Generationen waren die Jedi die Hüter von Frieden und Gerechtigkeit in der Sternenwelt. Bevor es dunkel wurde. Vor dem Imperium.’“

Vader atmete tief ein und kämpfte den plötzlich aufsteigenden Zorn hinunter, der ihn beinahe immer überfiel, wenn die Rede auf seinen alten Meister und dessen verfälschenden Einfluß auf Luke kam. Und sein Sohn konnte es fühlen, die Kälte, den Haß, der seinen Vater plötzlich erfüllte – und er erschrak, war nicht darauf gefaßt gewesen. Für einen Moment empfand er wieder die alte Angst.

  „Obi-Wan“, sagte Vader beherrscht, „betreibt hier wieder einmal die typische Jedi-Schönfärberei. Ich will nicht leugnen, daß das Imperium manchmal grausame Dinge tut – aber ich schwöre dir, Luke, auch die Jedi haben zu ihrer Zeit derlei Dinge getan. Dieses Ding, das du hier eben bauen willst, ist die Seele eines Jedi, richtig?“

Luke nickte stumm.

  „Schön. Aber es ist verflucht nochmal eine Waffe. Und als solche wurde sie auch eingesetzt, ‚über tausend Generationen’ lang!“ Vader fluchte kurz, aber so heftig auf Huttisch, daß Luke, der es verstanden hatte, rote Ohren bekam. „Chess ko, Luke! Sie waren keine Heiligen. Wir waren keine Heiligen, verdammt!“ Er atmete tief durch, stützte sich schwer auf den Tisch auf und bemühte sich um Ruhe, seinem Sohn zuliebe. „Es ist egal, welche Farbe die Klinge hat, Luke. Es ist egal, wer die Befehle gibt oder gegeben hat. Ich war – in gewisser Weise – immer ein Mörder und bin es noch.“ Er löste sich vom Tisch und sah beide ernst an. „Macht weiter. Und diesmal folgt mir nicht, verstanden?“ Damit ließ er sie stehen und verließ die Werkstatt mit wehendem Mantel und knallenden Schritten.

Arik sah ihm nach und schürzte die Lippen, während R2 leise pfiff.

  „Luke?“

  „Hm?“

  „Vielleicht wäre es ratsam, den Namen ‚Obi-Wan’ aus deinem Vokabular zu streichen.“

Luke zog eine Grimasse und nickte. „Ich fürchte, du hast Recht.“

 

Seine beiden Schüler bekamen Vader an diesem Tag nicht mehr zu Gesicht – ein Zeichen dafür, wie erregt er war. Veers, der sich in der Bibliothek aufhielt, hörte schon von weitem die knallenden Absätze des dunklen Lords, dessen Laune ganz offensichtlich gerade so schwarz war wie seine Rüstung… ein Zustand, in dem Max ihn schon sehr lange nicht mehr erlebt hatte.

Nachdenklich sah er ihm nach. Vader würde sich abreagieren und danach wieder zur Ruhe kommen… aber angespannt sein. Seiner Erfahrung nach dauerte es mindestens zwei Tage, bis er wieder vollkommen abgekühlt war.

Zwei Tage kühle Distanz? Dafür war Bast nicht groß genug.

Konnte er ihn irgendwie entspannen? Natürlich. Er lächelte. Aber Vader würde nicht in Stimmung dafür sein… es sei denn, er brachte ihn in Stimmung. Aber wie?

Wenn er ihn überwältigen könnte… spielerisch…

Moment! Er hatte doch bei seiner persönlichen Entdeckungstour im Schloß etwas gesehen, in einem besonderen, sorgfältig abgeschirmten Raum… ja. Das müßte gehen.

Innerlich vorfreudig stemmte er sich aus dem Sessel hoch und begann seinen immer noch recht mühsamen Marsch durch die weitläufige Burg.

 

Als Vader abends das gemeinsame Schlafzimmer betrat, fühlte er sich durch das intensive Training körperlich zwar vollkommen entspannt und angenehm müde, mental aber immer noch unruhig und uneins. Er wünschte sich eine heiße Dusche und ein paar Stunden Schlaf – aber schon beim ersten Schritt hinter die Tür erkannte er, dass beides würde warten müssen.

Da war es wieder, das Gefühl von einem Vakuum in der Macht. Löcher in seiner Empfindung. Er spürte es, bevor er registrierte, dass es dunkel war – und beinahe stockfinster, als die Tür sich hinter ihm schloß – nur ein Nachtlicht brannte noch.

Und dann begann er plötzlich zu grinsen, als ihm im Abstand von wenigen Sekundenbruchteilen verschiedenes klar wurde.

Ohne Vorwarnung wurde er von hinten gepackt und nach hinten gezogen – wobei sein Gegner neben ihm gezielt zu Boden ging, was für einen guten, erfahrenen Kämpfer sprach – und landete flach auf dem Rücken. Seine Gegenwehr war zwar mehr symbolisch, aber ein anderer als Vader hätte doch Schwierigkeiten gehabt, hier etwas auszurichten. Und sein Angreifer war auch gleich über ihm, sobald er den Boden berührte, fixierte einen Arm mit dem Knie und zwang das Handgelenk des anderen in eine Schelle, wiederholte die Aktion dann mit dem bislang blockierten Arm. Innerhalb weniger Sekunden war er so geschickt gefesselt worden – und nun ließ sein Angreifer, der noch keinen Ton von sich gegeben hatte, von ihm ab, stand auf und verschwand ein paar Meter in der Dunkelheit.

Es klirrte leise, dann fühlte er Zug an beiden Handgelenken und wurde langsam, aber unerbittlich nach oben gezogen. Er rappelte sich auf in den Stand, was jedoch vom Ziehenden geschickt und sofort ausgeglichen wurde – der Zug war wieder da, sobald er aufrecht stand, es blieb ihm keine Chance für einen Gegenangriff. Seine Hände nun hoch über sich, in eine aufgerichtete Haltung gezwungen, drehte Vader suchend den Kopf, doch sein Gegner blieb noch unsichtbar.

Es dauerte scheinbar endlose Sekunden, in denen Vader zunächst unruhig, dann ärgerlich wurde, bis jemand um ihn herumkam und sich vor ihm aufbaute, die Hände in die Hüften gestemmt: Max. Er trug keine Uniform, was er aber auch nicht getan hatte, seit sie hier angekommen waren, hatte jedoch seine Kleidung dem leicht verwegenen Erscheinungsbild angepaßt, das er durch den wachsenden Bart und die längeren Haare hatte: ein weißes Hemd mit recht weiten Ärmeln, dazu eine enganliegende schwarze Hose und die kniehohen Uniformstiefel. Vader sah ihn – und sein Atem beschleunigte sich unwillkürlich, was ebenso zu hören war wie das leise Klirren der Ketten, als er sich unwillkürlich regte.

Über Max’ Gesicht glitt ein kurzes Lächeln, dann schlüpfte er in die Rolle zurück, die er sich offensichtlich ausgedacht hatte.

  „Lord Vader. Welch unerwartetes Vergnügen, Euch so… hilflos zu sehen.“

  „Wer auch immer Ihr seid…“, knurrte Vader in seinem besten grollenden Tonfall, „Ihr werdet dafür bezahlen!“

Max lachte. „Leere Worte, Vader. Wenn Ihr imstande wäret, etwas anderes zu tun, als Drohungen auszustoßen, wäre ich schon tot.“ Er begann, langsam um den dunklen Lord herumzugehen – ausgiebig den Anblick genießend. Und Vader spürte, daß er beginnen sollte, seine Schilde zu verstärken… nicht daß Luke ihm beim Frühstück wieder neugierige Fragen stellte…

  „Was wollt Ihr von mir? Imperiale Geheimnisse? Keine Chance.“ zischte er dann, um das Spiel voranzutreiben.

  „Nein… so dumm bin ich nicht, so etwas zu verlangen.“ Max beendete seine Runde und blieb vor ihm stehen. „Ich werde Euch quälen…“ Er legte eine Hand auf Vaders Brust, spreizte die Finger und ließ sie langsam in tiefere Regionen gleiten. Vader schloß die Augen unter der Maske und unterdrückte ein erregtes Stöhnen. Als Max’ Finger allerdings auf seinem Suspensorium angekommen waren, wurde es darunter bereits recht eng. „…und ich will, daß Ihr leidet.“

Und während Max genüßlich und aufreizend gemächlich den Verschluß des Capes öffnete, schob Vader den Gedanken an Dusche und Schlaf wohlig seufzend weit in den Hintergrund seines Denkens…

 

Später.

Max lag auf dem Rücken im Bett, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, die Augen geschlossen, und lächelte breit.

  „Warum grinst du so?“ fragte eine tiefe, sehr sanfte Stimme neben ihm – und als er die Augen öffnete und zu Vader hinübersah, zuckten dessen Mundwinkel ebenso verdächtig.

  „Aus dem gleichen Grund wie du, schätze ich.“ Max stützte sich auf einen Ellbogen und sah auf seinen Partner hinunter, dann begann er zärtlich, mit einem Finger sein Gesicht zu streicheln, fuhr über Augenbrauen und Wangen, über Lippen und Kinn. „Ich liebe Dich, Dava.“

Als Antwort zog Vader ihn zu sich herunter und küßte ihn leidenschaftlich.

  „Hat es dir gefallen?“ fragte Max, als er wieder Luft bekam. Er legte eine Hand auf Vaders Brust und stützte sein Kinn darauf.

  „Sehr.“ Der dunkle Lord lachte leise. „Auch wenn das in Wirklichkeit nie geklappt hätte. Selbst mit dem Ysalamir, den du hier versteckt hast, Geliebter. Aber es hatte eine interessante Nebenwirkung, beziehungsweise bringt es mir eine wertvolle Erkenntnis: ein einzelner Ysalamir beeinträchtigt mich nicht im Mindesten.“ Er hob die Hand und ließ zum Beweis das Durcheinander von Kleidern auf dem Boden schweben, das wirr so lag, wie sie es hatten fallen lassen.

  „Kleine Korrektur.“ Veers grinste. „DREI Ysamaliri.“

  „Drei?“ echote Vader verblüfft.

Ein Nicken. „Drei.“

  „Wow. Mann, bin ich gut.“

Veers lachte schallend und so laut, daß Vader ihn schnell mit einem weiteren leidenschaftlichen Kuß stummstellte – und eine weitere Runde des Spieles begann, was mit einem glücklichen Schnurren und einem zärtlichen Biß in den Hals quittiert wurde.

 

Am nächsten Morgen erschien Songan statt Vader zum Frühstück, zusammen mit Max, und beide schenkten sich erst einmal große Tassen mit Kaf ein. Sie wirkten entspannt und gutgelaunt, aber müde, und Arik konnte sich ein „Kurze Nacht gehabt?“ nicht verkneifen.

Der Heiler starrte ihn über den Rand seiner Tasse hinweg an, wohl überlegend, was für eine Antwort er geben sollte – höflich, nichtssagend oder scharf, doch Max war schneller.

  „Nur kein Neid, Arik.“ sagte er mit einem Lächeln. „Wozu ist ein Urlaub gut, wenn man ihn nicht ein wenig ausnutzt?“

  „Ihr habt’s gut…“ seufzte der junge Captain, was Vader nun endlich zum Grinsen brachte.

  „Sehnsucht?“ erkundigte er sich.

  „Doppelte, wenn man so will.“ Arik nickte.

Luke runzelte schon eine ganze Weile die Stirn, er schien mit der Tatsache, dass Männer Männer liebten, nicht wirklich zurechtzukommen. „Doppelt? Hast du gleich zwei Freundinnen?“

Arik lachte und schüttete blaue Milch in seine Flocken. „Nein, nur eine – Neeja, eine Twi’lek. Sie lebt auf Coruscant, und ich sehe sie nur selten, nur, wenn wir zuhause sind. Aber ich bin auch mit einem Captain an Bord der EXECUTOR zusammen – Freja Covell. Wobei das mehr tiefe Freundschaft mit Sex ist, keine Liebe.“

Songan schmierte reichlich Butter auf eine dicke Scheibe Brot. „Ah, Covell, ja… ich kenne ihn. Guter Mann.“

Arik nickte. „Ja… und sehr loyal gegenüber Lord Vader.“

Der Heiler nickte dankend für diese Information, während er Honig auf das Brot tropfen ließ und ein Schmunzeln unterdrückte. Wie gern würde er seinem Sohn sagen, wer er war! Lukes Schilde machten gute Fortschritte… aber er war noch nicht gut genug für die Tatsache, dass der Kaiser stark an ihm interessiert war. Noch konnte er sich nicht offenbaren… leider. Arik hingegen zeigte verblüffende Erfolge – er schien ein sehr begabter Telephat zu sein, ein Naturtalent. Er konnte sich jetzt schon besser abschirmen als sein Sohn. Erstaunlich. Nun – genaugenommen hatte er das wohl schon lange gekonnt… immerhin hatte er Jahre direkt unter seiner Nase gedient und er hatte ihn nicht bemerkt. „Solltet ihr nicht längst beim Training sein?“ fragte er dann harmlos.

Arik seufzte, setzte die Schüssel an und trank die letzten Schlucke. „Wie war das mit ‚Urlaub’?“ murrte er, stand aber auf. „Komm, Luke. Tun wir was für unser Geld.“

  „Wir werden bezahlt?“ wunderte sich sein Freund, als er seinen Stuhl zurückschob.

  „Ich schon.“ grinste Arik. „Auf geht’s!“

 

Vader gesellte sich erst eine halbe Stunde später zu seinen Schülern. Luke half Arik im Raum mit den Kästen dabei, seine telekinetischen Fähigkeiten zu verbessern, und Vader bemerkte mit Befriedigung die Fortschritte, die sein zweiter Schüler dabei machte.

  „Guten Morgen.“ grüßte er. „Wie steht es mit ein wenig Kampftraining?“

  „Ich dachte schon, du fragst nie!“ versetzte Luke begeistert.

  „Ich will euch beide unterrichten, und Arik war schlicht noch nicht so weit. Also kommt.“ Er drehte sich auf dem Absatz um und ging voraus zu der Trainingshalle, die die beiden bereits kannten – von ihrem kurzen, eigentlich verbotenen Besuch.

Die IG-100 Magna-Wächter standen abrufbereit, aber deaktiviert an der Wand – und nicht nur drei, sondern zehn Stück. Und daneben lagen Einzelteile von weiteren, die offensichtlich bei Kämpfen auseinandergenommen worden waren. Es war deutlich, daß dieser Raum rege genutzt wurde.

Vader wies auf die Wand, an der verschiedene Lichtschwerter hingen. „Die links sind Ersatzklingen von mir – echte. Finger weg. Die rechten sind Übungsklingen. Ihr werdet keine anderen anfassen, bevor ich es euch nicht erlaube, verstanden? Und ich meine es ernst. Wenn ich euch mit einer echten Klinge erwische, war’s das mit der Ausbildung. Habe ich mich klar ausgedrückt?“

Arik nickte nur – er war vollkommen offen für Vaders Lehren und Prinzipien. Luke hingegen…

  „Vollkommen.“ murrte dieser.

  „Mein Sohn, die schlichte Tatsache, daß du auf Bespin bereits mit mir gekämpft hast, qualifiziert dich nicht für das Training mit einer echten Klinge. Ebensowenig wie der Fakt, daß der senile Greis Kenobi dies schlichtweg ignoriert hat, indem er dir mein altes Schwert schenkte. Er brachte dich damit in mehrfache Gefahr, ist dir das nicht klar?“

  „Wieso? Ich hab mich ganz gut geschlagen auf Bespin, oder?“ Lukes Ton war patzig. Er war enttäuscht – Übungsschwerter waren für ihn Kinderspielzeuge. Nichts, was man ernstnehmen konnte.

Vader seufzte. „Hast du denn gar nichts begriffen, Luke? Ich wollte dir nicht wehtun. Habe ich dich nicht schon in den ersten Sekunden entwaffnet? Ich habe mit dir gespielt. Ich wollte dich müde machen, damit du irgendwann bereit sein würdest, mit mir zu reden. Leider umsonst. Und irgendwann war meine Geduld am Ende, auch etwas, was du zu spüren bekommen hast.“

Luke zog einen Flunsch, er wußte, daß sein Vater Recht hatte.

  „Außerdem – wenn dich irgendein Imperialer mit mehr Verstand als ein Dornbusch mit dem Lichtschwert gesehen hätte, wärst du schneller in einer Zelle gelandet, als du ‚Rebellion’ hättest sagen können. Order 66 gilt noch immer! Und Kenobi wußte das. Er hätte dich wenigstens warnen müssen und dir sagen, daß du es verborgen halten solltest. Was für ein Idiot!“

Arik sah ein wenig unbehaglich zwischen den beiden hin und her. Vater und Sohn waren sich ähnlicher, als sie dachten – beide schnell in Wut zu bringen. Doch ausgerechnet der Sith hatte sich augenscheinlich besser im Griff – jedenfalls bemühte er sich nun um Ruhe und fuhr gelassener fort.

  „“Es gibt sieben verschiedene Hauptstile des Lichtschwertkampfes. Ich werde euch nacheinander alle sieben zeigen, aber wir werden mit dem ersten beginnen, der lange Zeit der einzige war und die Grundlage für alle anderen bietet. Man nennt ihn Shii-Cho oder den ‚Weg des Sarlacc’. Er erfordert weniger Einsatz der Macht als alle anderen und versucht, seinen Gegner dadurch zu besiegen, daß man ihn schnell ermüdet. Es ist ein schneller und wilder Stil, einfach und für Anfänger gut zu erlernen. Das Ratsmitglied Kit Fisto bediente sich seiner bis zuletzt… gegen den Imperator hielt er damit nur ein paar Sekunden durch.“ ergänzte er trocken. „Den zweiten Stil nennt man Makashi. Er erfordert eine große Geschicklichkeit und lockere Handgelenke – und am besten ist er zu beherrschen, wenn man ein Lichtschwert mit gebogenem Griff verwendet. Count Dooku, auch Darth Tyranus genannt – einer der verlorenen Zwanzig – beherrschte ihn bis zur Perfektion. Heutzutage wird er kaum noch verwendet. Soresu ist der dritte Stil. Obi-Wan Kenobi und Luminara Unduli sind zwei prominente Liebhaber dieser Variante. Sie legt Schwerpunkte auf Verteidigung und Schutz und entstand, als die Blaster in Mode kamen. Angeblich sind die wahren Meister dieser Form unbesiegbar…“ Er kämpfte eine erneute Welle der Wut bei der Erwähnung seines alten Feindes und noch älteren Freundes Kenobi nieder und begann eine kleine Wanderung im Raum, die Hände auf dem Rücken ineinandergelegt, während er weiter dozierte. „Ataru nennt man die vierte Form. Sie ist sehr aggressiv und erfordert eine große Verbundenheit mit der Macht. Man beherrscht Ataru erst, wenn man imstande ist, sich gänzlich von der Macht durchströmen zu lassen. Yoda und Qui-Gon Jin bevorzugten diese Form – zu ihren Techniken gehören Sprünge, Salti und ähnliches mehr, sie ist sehr schnell und sehr artistisch.“ Ein paar weitere Schritte. „Die fünfte Form ist eigentlich zweigeteilt: Shien und Djem So. Erstere ist sehr gut geeignet zur Verteidigung gegen Laserbeschuß, letztere ist die Form für das Duell. Sie sind zusammen die mächtigste Form von allen. Sie verbindet Lichtschwertattacken mit weiteren Kampftechniken, in denen zum Beispiel auch Tritte oder Hiebe zum Einsatz kommen. Auch Djem So verlangt nach großer Beherrschung der Macht und viel Geschick, es ist eine sehr wilde und aggressive Technik. Die sechste Form, Niman genannt, ist sehr defensiv – meist bedienen sich Diplomaten ihrer. Niman-Meister werden fast immer besiegt.“ Ein leichtes Lächeln huschte über seine Züge. „Ich würde euch empfehlen, diesen Stil NICHT zu wählen – ebensowenig wie die letzte für euch geeignet ist: Vaapad. Sie ist die schwierigste von allen und erfordert viel Erfahrung in verschiedenen anderen Stilen, deren Elemente sie benutzt. Zudem bedient sie sich psychischer Tricks, reflektiert zum Beispiel die Ängste eines Gegners und wirft sie auf ihn zurück. Mace Windu hat sie erfunden – und obwohl er Palpatine beinahe besiegt hätte, empfinde ich diese Form als ehrlos. Aber das ist meine persönliche Meinung.“

Beide Schüler hatten interessiert gelauscht – zunehmend fasziniert, aber auch ein wenig überrollt von der Masse an Information.

  „Welche Technik bevorzugt Ihr, Meister?“ fragte Arik dann und kam Luke so kurz zuvor.

  „Shien und Djem So.“ erwiderte Vader sofort. „Allerdings in einer sehr persönlichen, ein wenig modifizierten Form. Die Prothesen schränken mich in mancherlei ein, ebenso wie der Anzug, aber andererseits habe ich durch sie auch gewisse Vorteile gegenüber jedem anderen – wie zum Beispiel ein Sprungvermögen, an das kein lebendes Wesen heranreicht – sowohl auf etwas hinauf als auch von etwas herunter. Die Federn in meinen Beinen sind stärker als alles, was die Macht ausgleichen kann.“ Er fühlte Ariks Blick auf seinen Waden ruhen und lachte leise. „Geduld, mein Padawan. Es gibt noch einen anderen Übungsraum mit einigen… Hindernissen darin. Du wirst es schon noch sehen, wenn du die Grundlagen erlernt hast.

Fangen wir an. Holt euch jeder ein Schwert – und dann nehmt die Grundstellung ein, rechter Fuß vorn, linker zurück, fünfundvierzig Grad nach außen gedreht, mit dem Fußballen abgestellt und federnd. Rechte Hand am Griff vorn, linke Hand am Ende. Lichtschwerter können mit einer und mit zwei Händen geführt werden. Erster Schlag…“

 

 

35

  „Onkelchen? Onkel De-he….!“

Ein Luke und Arik unbekannter Mann steckte den Kopf durch die Tür der Werkstatt, stutzte kurz, als er die beiden sah und schob sich dann ganz herein. Er war schlank und durchtrainiert, glattrasiert und trug das lange dunkle Haar im Nacken zu einem Schwanz gebunden. Trotz der eher kühlen Temperaturen trug er nur eine ärmellose Jacke, die reichlich Ausblick auf eine muskulöse Brust und einen flachen Bauch bot. Arik betrachtete ihn durchaus interessiert, Luke eher mißtrauisch.

  „Wer sind Sie und was wollen Sie hier?“ fragte er schärfer als gewohnt.

  „Was ich hier will?“ echote der Fremde. „Ich wohne hier!“ Sein Blick und Tonfall waren beinahe gekränkt, als er vor ihnen stehenblieb und sie musterte. „Dich kenn ich nicht“, meinte er dann zu Arik, „aber du mußt Luke sein.“ Er streckte ihnen beiden die Hand hin. Arik schüttelte sie schmunzelnd, Luke zögerte ein wenig, bevor er einschlug. Irgendetwas an dem Kerl kam ihm vage vertraut vor… er erinnerte ihn ein wenig an Han in seiner flapsigen Art.

  „Bin ich.“, antwortete er immer noch kühl. „Das ist Arik Cass, Captain der Sturmtruppen auf der EXECUTOR. Und wer bist du?“

  „Wrenga Jixton, Spion, Schmuggler, Dienstleistungen aller Art.“ Jix tippte sich lässig mit zwei Fingern an die Schläfe. „Und ich suche deinen alten Herrn. Wo steckt denn Meister Atemnot? Eigentlich dachte ich, er sei hier, nachdem sein Büro und der Trainingsraum leer waren.“

Arik unterdrückte ein Prusten, während Luke immer verwirrter und wütender wurde. „Hör mal, ich weiß wirklich nicht, wer du bist und woher du meinen Vater und dieses Haus kennst, aber für dich ist das immer noch ‚Lord Vader’, verstanden?“

  „Ah, bah.“ Jix winkte ab und schielte an ihm vorbei auf die Werkbank. „Er wär wirklich schwer enttäuscht, wenn ich ihn ansprechen würde wie jeder andere. Was gibt’n das? Lichtschwerter? Cool. Eure?“ Er wartete keine Antwort ab, sondern wandte sich zum Gehen. „Na, ich such mal weiter. Man sieht sich. Tschü-hüs…“

Die Tür glitt hinter ihm zu, und Luke und Arik sahen sich sprachlos an.

  „Wer beim flauschigen Ewok war DAS denn?“

  „Hast du doch gehört – Wrenga Jixton, wer auch immer das ist. Machen wir weiter, oder suchen wir meinen Vater?“

  „Dein ‚alter Herr’“, Arik grinste kurz, „wird uns den Kopf runterreißen, wenn wir diesen letzten Schritt vor der Vollendung hier nicht vor dem Essen fertigbekommen, wie er es uns aufgetragen hat, das weißt du ganz genau. Und nur um uns zu ärgern, würde er vermutlich noch einmal Yoda zitieren und einen Vortrag über die sprichwörtliche Geduld der Jedi halten.“

Luke knurrte. „… und sich unter seiner Maske den Wolf lachen, weil er eben diese Geduld als Sith für überflüssiger als eine Schiffsladung Sand nach Tatooine hält. Aber du hast recht – wir werden es noch früh genug erfahren…“

 

  „Was soll das werden, wenn’s fertig ist?“

Max, der eben die Rechte auf den Handlauf der Treppe gelegt und sich für den Abstieg gesammelt hatte, hielt inne und drehte sich um. Drei Schritte hinter ihm stand Vader in der Zivilkleidung des Heilers und musterte ihn finster.

  „Ich wollte nach unten, in die Bibliothek. Warum?“

  „Hatte ich dir nicht verboten, die Treppen zu Fuß zu gehen? Nimm den Stuhl.“

Max seufzte. „Dava… es geht mir gut. Wirklich. Du hast es doch gespürt bei unserem kleinen… Kampf. Oder? Hätte ich das geschafft, wenn meine Beine nicht in Ordnung wären?“

  „Trotzdem.“ knurrte Vader und kam näher, bis er vor ihm stand. „Die Treppen sind hoch und steil, und deine Muskeln sind noch geschwächt. Ruf mich wenigstens und laß mich mit dir hinuntergehen!“

  „Jetzt bist du ja da.“ Veers lächelte. „Also – kommst du mit runter?“

Die himmelblauen Augen blitzten verdächtig, auch wenn sich diesmal kein verräterisches Lächeln abzeichnete. „Hm… noch nicht. Ich denke eher, du hast eine Strafe verdient.“

Veers wurde leicht zurückgedrängt, bis er mit dem Rücken an der Wand stand, und bemühte sich um eine ernste Miene. „Strafe?“

Vader nickte grimmig. „Strafe. Es gibt eine brutale und eine harmlosere Methode. Welche bevorzugst du?“

  „Oh, eine Wahl! Nun, das will gut bedacht sein… laß mich überlegen…“ Veers strich sich nachdenklich über den blonden, leicht grau durchsetzten Vollbart, der zwar noch kurz war, jedoch schon deutlich das Drei-Tage-Stadium hinter sich gelassen hatte. „Was wäre denn die brutale Methode?“

  „Du küßt den Boden.“

  „Unschön. Und die harmlosere?“

  „Du küßt mich.“

  „Na, das ist doch ein Wort. Ich nehme die Strafe an, Mylord.“ Veers’ Mundwinkel zuckten, als er sich vorbeugte und Vader leidenschaftlich küßte, der ihn an sich zog und den Kuß ebenso erwiderte.

  „Also, das hätte ich mir in meinen wildesten Träumen nicht vorgestellt…“, drang plötzlich eine amüsierte Stimme von unten zu ihnen herauf. „Daß ich mal meinen Lieblingsonkel und Lieblingschef beim Knutschen erwische!“ Denn daß er es sein musste, war in dem Moment klargeworden, als Veers ihn küsste – in Vaders Haus als Vaders Geliebter das mit jemand anderem zu tun, wäre blanker Selbstmord.

Vader löste sich betont langsam und gelassen aus dem Kuß, hielt aber Max noch umfangen, als er hinuntersah. „Jix. Du hast wahrhaftig ein Händchen für den rechten Augenblick.“

Jix erwiderte den Blick vollkommen unschuldig, während er allerdings seinen maskenlosen Chef höchst aufmerksam und neugierig musterte.

  „Wieso? Hab ich euch bei was gestört?“

  „Nein.“ knurrte Vader. „Aber ich begann mich eben mit einer entsprechenden Idee anzufreunden.“

  „Hups.“ Jix kratzte sich am Kopf. „Soll ich später wiederkommen? Ich hab noch nicht gegessen…“

Veers und Vader wechselten einen Blick und antworteten synchron: „Nein.“

  „Schade.“ Jix seufzte. „Ich hab Hunger.“

  „Dann geh dir was holen – und komm dann in mein Büro.“

  „In Ordnung.“

  „Oh, und Jix…“

  „Ja?“

  „Kein Wort zu Luke, bevor du nicht mit mir gesprochen hast, verstanden?“

Jix runzelte die Stirn, nickte aber. „Gut. Ich bin gleich bei dir.“

 

Eine Viertelstunde später trat er durch die offene Tür in Vaders Büro und fand den Sithlord nun wieder im vertrauten Schwarz hinter seinem Schreibtisch. Er wies Jix mit einer Geste einen Stuhl zu und lehnte sich abwartend zurück.

  „Also, was bringt dich her?“

  „Der Alte hat Wind davon bekommen, daß Luke bei dir ist.“, erwiderte der Spion ernst, während er sich niederließ. Vader erstarrte.

  „Wie das?“

  „Es gibt wohl ein Leck auf der EXECUTOR. Leider konnte meine Quelle mir nicht sagen, wer es ist – sie hatte es auch nur aus zweiter Hand, war sich aber absolut sicher. Seine Runzligkeit muß getobt haben.“

Vader nickte langsam. „Früher oder später würde er es erfahren, damit mußte ich rechnen. Ich werde das Leck finden… und abdichten.“

Jix nickte ungerührt. „Ich hör mich weiter um, aber ich glaube nicht, daß ich es rauskriege. Wenn es einer von Palpatines Leuten ist… keine Chance. Und Luke hat nun mal Aufsehen erregt – selbst wenn er, wie ich hörte, in einer Uniform steckte.“

 

Der Träger dieses Namens, nach Erfüllung seiner Aufgabe auf dem Weg in sein Zimmer, um sich zu waschen, hielt vor der nur angelehnten Tür des Büros inne, als er Jix’ Worte hörte.

 

  „Niemand wußte von ihm – außer einer Handvoll Leute.“

  „Offensichtlich ist die Hand größer, als du dachtest.“, bemerkte Jix ironisch. „Weiß dein Sohn eigentlich über … die jüngsten Ereignisse Bescheid?“

  „Nein, dazu ist es noch zu früh! Und du wirst ihm auch nichts darüber erzählen, verstanden?“ versetzte Vader scharf.

  „Aber meinst du nicht, daß - “

  „Nein!“

  „Warum denn nicht, bei allen schleimigen Raumschnecken?“

  „Ich habe meine Gründe. Es ist noch zu früh!“

Jix schnaubte. „Wirst du es ihm sagen, bevor du ihn zum Kaiser bringst?“

  „Das wird man sehen. Wenn deine Quellen recht haben, könnte das früher der Fall sein, als ich dachte.“

 

Luke, draußen im Gang, hatte unbewußt die Luft angehalten. Was hatte das zu bedeuten? Wollte sein Vater ihn etwa doch dem Kaiser ausliefern? Das war doch unmöglich! Nicht nach dem Gespräch, das sie in der Nacht geführt hatten. Er vertraute seinem Vater. Er liebte ihn. Er mußte sich irren!

Er hoffte, daß er sich irrte, als er nachdenklich weiterging. Aber tief in seinem Inneren setzte sich ein kleiner Widerhaken des Zweifels fest.

 

Jix schwieg eine Weile und musterte die ausdruckslose Maske ihm gegenüber. „Weißt du, es freut mich wirklich für dich und Max, daß es geklappt hat bei Zarketh.“

Vader legte den Kopf ein wenig schräg, sagte aber nichts.

  „Doch, ja. Mir hat gefallen, was ich gesehen habe.“

  „Der Kuß? Oder meine Visage?“ erkundigte Vader sich spöttisch.

  „Beides.“, versetzte Jix ernsthaft. „Aber warum trägst du noch den Anzug, wenn alles in Ordnung ist? Doch nicht nur wegen Luke. Und warum ist es eigentlich noch zu früh?“

  „Ich trage ihn zur Tarnung. Der Kaiser darf nicht wissen, daß ich geheilt und eben dabei bin, meine vollständige Macht zu erlangen. Ich bin noch nicht ganz komplett, was meine Fähigkeiten angeht… es steigert sich immer noch. Und Luke? Nun, er ist noch ein Padawan. Palpatine weiß, daß er machtsensitiv ist. Vielleicht überprüft er ihn von Zeit zu Zeit. Hier kann ich ihn einigermaßen abschirmen, aber die Tatsache, daß er hier ist und von mir lernt, ist nicht so schlimm wie die, daß ich den Kaiser besiegen kann, sobald ich gänzlich wiederhergestellt bin. Und ich vertraue Lukes Schilden einfach noch nicht. Was er nicht weiß, kann nicht zum Kaiser durchdringen.“

  „Kapiert.“ brummte Jix. „Was hast du also vor?“

Vader seufzte. „Zuerst muß ich mich mit Palpatine auseinandersetzen. Es wird nicht lang dauern, bis er sich mit mir in Verbindung setzt, und bis dahin muß mir was Glaubhaftes eingefallen sein. Für die Tatsache, daß er hier ist, ebenso wie dafür, daß ich ihn noch nicht zu ihm bringen kann. Das geht erst, wenn er so weit ist, daß er mich unterstützen kann, wenn ich den Kaiser umbringe.“

Der Spion nickte nachdenklich. „Kann ich dir irgendwie helfen?“

Vader überlegte. „Kommst du an die aktuellen Dienstpläne der roten Garden ran? Und die Paßwörter für die Sicherheitskameras?“

  „Autsch. Geht’s nicht etwas einfacher?“ Jix zog eine Grimasse. „Na schön, ich seh mal, was ich tun kann. Kann ich bis morgen bleiben?“

  „Aber natürlich. Dein Zimmer ist bereit für dich… wie immer. Neffe.“

Dasselbe Lächeln, das in Vaders Stimme zu hören war, zeigte sich breit und deutlich auf Jix’ Gesicht. „Ich dank auch recht schön, Onkel D.“

 

Etwas später trafen Vader und Jix als letzte am Mittagstisch ein. Die anderen waren schon beim Dessert, als sie sich dazusetzten. Vader knurrte der Magen, aber er beherrschte sich. Er war Warten gewohnt.

  „Wie weit seid ihr mit der Aufgabe, die ich euch gestellt habe?“ erkundigte er sich bei Luke und Arik.

  „Fertig, Vater. Es ist alles vorbereitet.“

  „Sehr schön. Dann werden wir uns jetzt gleich daranmachen, die Kristalle einzusetzen… der letzte Schritt.“

Arik schüttelte leicht den Kopf. „Mann. Ich, ein Jedi. Ich kann’s immer noch nicht glauben.“

  „Gab es Jedi in deiner Familie?“ erkundigte sich Luke.

  „Wenn, wurden sie totgeschwiegen.“, meinte er schulterzuckend. „Einer zu sein oder welche zu Verwandten zu haben, ist seit der Gründung des Imperiums und der großen Säuberung nicht sehr gesund.“ Er warf Vader einen entschuldigenden Blick zu, doch der nickte nur.

  „Es kamen nicht alle um.“, sagte der dunkle Lord ruhig. „Zwar fast alle, die zum Augenblick des Inkrafttretens von Order 66 mit Klontruppen unterwegs waren, und alle, die sich im Tempel aufgehalten hatten, aber von denen, die allein auf Mission waren, haben sich viele versteckt. Einige davon bis heute. Ich habe in all den Jahren zwar viele aufgestöbert und getötet – das war und ist meine Hauptaufgabe neben der Verfolgung der Rebellen - aber nicht alle. Und ganz ehrlich, ihr beiden: der Jediorden war wie ein alter Busch, vertrocknet, abgestorben, verholzt. Das radikale Zurückschneiden wird ihm gut tun.“

Luke starrte seinen Vater fassungslos an, die Brutalität und Kälte tat ihm weh. „Was? Du befürwortest diese… Morde? Das Abschlachten?“

Vader schwieg einen Moment, scheinbar gelassen in seinem Stuhl zurückgelehnt, die Arme auf den Lehnen, und musterte seinen Sohn. „Ja. In gewisser Weise ja.“

  „Was?“ wiederholte Luke scharf.

  „Luke, die Regeln des Ordens waren zum großen Teil falsch. Schau, das Zölibat, das Verweigern der Ausbildung von angeblich zu alten Kindern, die Schönfärberei von Aktionen, die ihrerseits nichts weiter als Mord sind – landläufig verharmlosend „Lichtschwert-Diplomatie“ genannt… das war nicht in Ordnung. Und es wäre nicht geändert worden, solange nicht frisches, junges Blut in den Rat gekommen wäre – was die alten Meister nie zugelassen hätten. Schau mich an! Ich wäre niemals auf die dunkle Seite abgedriftet, hätte man mir gestattet, mich zu verlieben, hätte man mir nicht zuerst die Ausbildung verweigert und mich im folgenden immer kleingehalten… obwohl man mich den „Auserwählten“ nannte! Aber selbst darüber gab es Diskussionen… Yoda war sich unsicher, Mace glaubte es nicht. Qui-Gon Jin, einer der Besten, war nie im Rat – sie hatten Angst vor ihm. Er war ein Rebell. Und ich weiß von einer Handvoll anderer Jedi, die heimlich Familie hatten. Sie leben übrigens beinahe alle noch, und ich werde sie auch nicht jagen.“ Der Vocoder übertrug Vaders Erregung nur teilweise, aber sowohl Luke als auch Arik spürten, wie wütend er war. „Wir drei, ihr beide und ich, werden den Orden wieder neu errichten. Sobald ihr ausgebildet seid.“

Luke starrte grimmig auf seinen Teller, während Ariks Blick besorgt zwischen beiden hin- und herglitt. Veers seufzte, und Jix staunte und war froh, nicht Vaders Sohn zu sein…

Der dunkle Lord erhob sich abrupt. „Kommt mit. Wenn alles klappt, dürft ihr eure Klingen hinterher an den Droiden testen.“

  „Wo ist der Haken?“ murmelte Arik, als er ihm folgte. Luke schloß sich an, immer noch mit finsterem Gesicht.

  „Der Haken“, versetzte Vader trocken, „besteht darin: wenn es nicht klappt, gibt es keine Magna-Droiden mehr, kein Schloß Bast – und uns ebenfalls nicht.“

  „Verdammt.“ murmelte Jix und starrte den dreien nach, die durch eine Tür verschwanden. „Warum mußte ich Trottel unbedingt heute herkommen?“

Veers grinste. „Wie Vader schon sagte: du hast eben ein Händchen für den richtigen Augenblick.“

 

 

36

 Der Sithlord stand vor der Werkbank und begutachtete die beiden beinahe fertigen Lichtschwerter. Alles bis auf die Kristalle war eingebaut, alle Kabel gelegt und angeschlossen, alle Kontakte verlötet, die Schalter und Regler funktionsfähig. Seinem prüfenden Auge entging nichts – er hatte im Lauf seines Lebens mehr als genug Schwerter gebaut und kannte alle neuralgischen Punkte, alle Problemstellen, jede anfällige Zone, auf die es zu achten galt. Seine Schüler hatten jedoch gute Arbeit geleistet: er konnte keinen Fehler finden.

  „Gut.“ sagte er dann und nickte. „Nehmt nun die Kristalle und setzt sie ein. Aber achtet genau darauf, daß sie exakt in einer Linie ausgerichtet sind. Sonst fliegt euch das Ding beim ersten Aktivieren um die Ohren, und das halbe Schloß gleich mit.“

Luke krauste die Nase und starrte unbehaglich auf seine neue Waffe hinunter. „Und wie machen wir das?“

  „Benutzt die Macht.“ Vader lächelte. „Konzentriert euch. Öffnet euch der Macht, laßt sie fließen… sie wird euch helfen, die Kristalle auszurichten. Ihr werdet wissen, wie es richtig ist.“ Mit einer auffordernden Geste wies er auf die Klingen, und zögernd machten seine Padawane sich daran, die Kristalle einzusetzen, während Vader seine Schilde um sie herum erweiterte.

Beide Schüler schlossen die Augen und standen schweigend vor der Werkbank. Ihre Gesichtszüge entspannten sich zusehends, wurden gelassen und heiter. Luke öffnete als erster die Augen, beugte sich über sein Schwert und setzte die Kristalle ein, ohne zu zögern. Eine letzte, winzige Korrektur… dann fixierte er sie mit den zuvor montierten Klemmen. Er nahm das Schwert auf, setzte die zweite Halbschale des Griffes darauf und verband beide, dann sah er Vader fragend an.

Der nickte ihm zu und bedeutete ihm, noch zu warten.

Arik folgte dem Beispiel seines Freundes kurze Zeit später. Er arbeitete ein wenig langsamer, vorsichtiger, schien aber in seinen Bewegungen ebenso sicher wie Luke. Schließlich hielt auch er den fertigen Griff in der Hand und lächelte seinen Meister an.

  „Zündet sie.“, war Vaders einziger Kommentar.

Zeitgleich drückten sie die Aktivatoren, und zeitgleich bildeten sich summend eine leuchtend grüne und eine blaugrüne, beinahe türkise Klinge. Beide Männer strahlten.

  „Sehr gute Arbeit, Padawane.“ Vaders Stimme war zwar ruhig, aber dennoch klang seine Freude durch. „Ihr habt die erste Hürde auf eurem Weg mit Bravour genommen. Ich bin stolz auf euch.“

 

Eine halbe Stunde später stand Vader in der Trainingshalle und sah beiden zu, wie sie sich gegen je einen der Kampfdroiden zu behaupten versuchten. Vader hatte die Gegner auf das leichteste Level programmiert – beide, sehr zu Lukes Verdruß, bis Vader ihm ein wenig gereizt erklärte, daß das „leichteste Level“ bei diesen Droiden nicht das Anfängerprogramm war, das er zu erwarten schien. Und tatsächlich machte sein Sohn einige Minuten später nicht den Eindruck, unterfordert zu sein.

Beide schlugen sich – in Anbetracht ihrer mangelnden Erfahrung – tapfer, und Vader war durchaus zufrieden. Und Spaß schien es ihnen auch zu machen.

Der Signalton des Hauscoms schreckte die Jungen auf, und Vader stellte die Droiden mit der Macht ruhig, bevor er an ein Terminal ging und den Ruf entgegennahm.

  „Ja?“ meldete er sich knapp und ein wenig barsch.

  „Admiral Piett für Euch, Mylord.“ beeilte einer der Diener sich zu sagen. „Er sagt, es sei sehr dringend.“

  „Stellen Sie durch.“

Firmus erschien auf dem Schirm, blaß und offensichtlich sehr unter Druck stehend. „Mylord, ich wollte Euch warnen – der Kaiser hat soeben angerufen und wollte Euch sprechen. Ich habe ihm gemäß Eurer Anweisungen gesagt, wo Ihr seid – ich fürchte, er wird sich gleich bei Euch melden.“

Vader atmete tief durch. „Danke, Firmus.“

Piett lächelte schwach. „Ich versuche, zu helfen… viel Erfolg, Mylord. Piett Ende.“

Vader starrte auf den dunkel gewordenen Bildschirm. Beinahe war er versucht, die Sekunden zu zählen, die es dauern würde, bis…

Erneutes Summen unterbrach seine Gedanken. „Ja.“

  „Mylord…“ Der Diener war eine ganze Ecke bleicher als zuvor. „Seine Majestät wünscht Euch sofort zu sprechen.“

  „In die Holokammer. Ich bin auf dem Weg.“

Vader wartete nicht einmal, bis der Bildschirm dunkel wurde, sondern verschwand – mit knallenden Schritten und wehendem Cape. Und wieder einmal starrten Luke und Arik sich ratlos an.

  „Warten wir.“, seufzte Luke und ließ sich nieder.

Arik nickte knapp. „Ich geh mir was zu trinken holen. Bin gleich wieder da.“

  „In Ordnung…“

 

Die Holokammer hier auf Bast war ein wenig größer als die auf der EXECUTOR, aber ansonsten identisch. Vader schritt die wenigen Stufen hinunter und kniete dann auf einem runden Podest nieder, dessen Boden eine Kontaktfläche enthielt. Umgehend aktivierte sich die Sendeeinheit, und eine riesige Büste des Kaisers erschien hoch vor ihm. Ist sie noch größer als beim letzten Mal? Überlegte Vader. Kommt mir fast so vor… er neigt wirklich zu Gigantismus.

  „Wie kann ich Euch zu Diensten sein, mein Gebieter?“ Zu der Vorliebe für alles Überlebensgroße gesellte sich bei Palpatine auch die künstliche Ritualisierung jedes noch so kleinen sich wiederholenden Ablaufs. Diese Frage, gesprochen in leisem und demütigem Tonfall, hatte jedes Gespräch einzuleiten, egal, ob er vor einem Hologramm kniete oder vor dem echten Kaiser. Und er HASSTE es. Inbrünstig.

  „Bringt mir den jungen Skywalker.“, verlangte Palpatine ohne Einleitung. Ganz offensichtlich ein Versuch, ihn zu überrumpeln und zu einer verräterischen Reaktion zu bewegen. Dank Jix war er allerdings in der Lage, vollkommen gelassen darauf zu reagieren – er kannte den Kaiser und seine Tricks zur Genüge. Die Wahrscheinlichkeit, dass er es auf diese Weise versuchen würde, war hoch, und Vader hatte Zeit gehabt, sich darauf vorzubereiten und sich eine Strategie zu überlegen. Sie hieß: Frechheit siegt – und Flucht nach vorn.

  „Er ist noch nicht soweit, Meister.“, antwortete er deshalb völlig ruhig, als sei ihm vollkommen bewusst, dass der Kaiser Bescheid wusste.

Diesmal war es an Palpatine, zu zögern – wenn auch beinahe unmerklich, doch lang genug für Vaders geschärfte Sinne. Er unterdrückte ein Grinsen und das Gefühl des Triumphes. Es war noch nicht vorbei – und vermutlich würde es schmerzhaft werden.

  „Wie lange noch?“ verlangte der Kaiser zu wissen.

Märchenstunde… dachte Vader angewidert. Na, dann mal aus dem Vollen.  „Bald.“, versicherte er. „Er macht gute Fortschritte. Es wird nicht mehr lange dauern, bis er ganz auf unserer Seite ist, mein Gebieter. Die dunkle Seite ist stark in ihm.“

  „Warum habt Ihr ihn nach Bast gebracht? Warum nicht nach Coruscant, zu mir?“

  „Er muß erst gefestigt sein, Meister.“ Vader wurde beinahe übel von all den Lügen. „Ich musste erst sein Vertrauen gewinnen. Ich kann ihn erst zu Euch bringen, wenn er ganz umgedreht ist.“

Der Kaiser überdachte dies.  „Na schön. Ich gebe Euch zwei weitere Wochen mit ihm, Vader. Dann will ich ihn sehen. Habt Ihr verstanden? Zwei Wochen, und keinen Tag mehr.“

Vader schloß kurz die Augen und unterdrückte einen üblen huttischen Fluch. „Vollkommen, Meister.“ Innerlich wappnete er sich bereits gegen die Strafe, die nun folgen würde – Machtblitze. Es würde wohl immer das Geheimnis des Kaisers bleiben, wie er sie durch ein bloßes Hologramm auf ein Opfer abfeuern konnte.

  „Außerdem“, fuhr der Kaiser genüßlich fort, der die Anspannung in seinem Schüler spüren konnte, „wünsche ich, dass Ihr zum Imperiumstag hier erscheint. Ich erwarte Eure Anwesenheit auf dem Ball, wie jedes Jahr. Und bringt einige Eurer Offiziere mit… gönnt Euren Männern das Vergnügen.“ Zuckersüß war die Stimme nun, verklebte regelrecht die Luft vor ihm.

  „Meister…“, begann Vader bestürzt. Ihm wurde heiß und kalt, als er realisierte, daß er diesen – für den Kaiser bedeutenden und wichtigen, für ihn aber mehrfach unangenehmen – Termin schlicht vergessen oder besser: verdrängt hatte, aber er war auch überrascht über die ausbleibende Bestrafung. „Der Imperiumstag ist bereits übermorgen, und Vjun ist - “

  „Dann schlage ich vor, dass Ihr Euch ein wenig beeilt, mein Freund.“, schnitt ihm der Kaiser brüsk das Wort ab und beendete das Gespräch abrupt. Der einzige Abschiedsgruß war ein meckerndes Gelächter, das ihm durch Mark und Bein ging und Schauer über seinen Rücken jagte. Den nun folgenden, äußerst bildreichen Fluch über Palpatines Anatomie und was er damit anstellen konnte, hielt er nicht zurück.

 

War das Band zwischen ihnen stärker geworden? Hatte Vader so viel Energie in die Schilde gegenüber dem Kaiser gelegt, dass er die gegenüber seinem Sohn vernachlässigte? Plötzlich wusste Luke, was Vader meinte, als er ihm erzählte, er habe ihn auf Dagobah gesehen, als er durch seines Vaters Augen – und durch das leicht die Sicht verändernde Helmvisier – das niederdrückende Abbild des Kaisers sah.

  Wie kann ich Euch zu Diensten sein, mein Gebieter?

Luke runzelte die Stirn. Vader – der große, furchtlose Darth Vader – kroch und katzbuckelte vor einem alten Mann, der sich Kaiser nannte? Und das mit einer Demut, die ihn ekelte.

  Bringt mir den jungen Skywalker.

Luke erstarrte. Woher wusste Palpatine…

  Er ist noch nicht soweit, Meister.

Der unfreiwillige Lauscher riß die Augen auf. Was?! War doch alles geplant? Hatte sein Vater ihn verraten und heimlich verkauft? War alles eine Lüge?

  Wie lange noch? fragte eine Stimme, die Glas hätte schneiden können.

  Bald. Er macht gute Fortschritte. Es wird nicht mehr lange dauern, bis er ganz auf unserer Seite ist, mein Gebieter. Die dunkle Seite ist stark in ihm.

Nein. Nein…NEIN! schrie es in Luke. Das ist nicht wahr… das darf nicht wahr sein! Ich habe dir vertraut, Vater…

  Warum habt Ihr ihn nach Bast gebracht? Warum nicht nach Coruscant, zu mir?

  Er muß erst gefestigt sein, Meister. Ich musste erst sein Vertrauen gewinnen. Ich kann ihn erst zu Euch bringen, wenn er ganz umgedreht ist.

Ach, so ist das also? dachte Luke bitter. Mein Vertrauen gewinnen, nennst du das. Na schön. Ich habe dir vertraut… ich liebe dich, Vater. Ich hatte dich endlich gefunden… dachte ich. War das alles eine Lüge? Dann bist du ein noch größeres Monster, als ich immer angenommen habe.

  Na schön. Ich gebe Euch zwei weitere Wochen mit ihm, Vader. Dann will ich ihn sehen. Habt Ihr verstanden? Zwei Wochen, und keinen Tag mehr.

Lukes Aufregung und Ärger verhinderten, dass er die Emotionen seines Vaters klar spürte, aber die Welle von Wut und… Angst?, die nun herüberschwappte, war so kalt und klar wie ein Regenguß. Die Stimme Vaders jedoch blieb sanft und ekelerregend demütig.

  Vollkommen, Meister.

  Außerdem wünsche ich, dass Ihr zum Imperiumstag hier erscheint. Ich erwarte Eure Anwesenheit auf dem Ball, wie jedes Jahr. Und bringt einige Eurer Offiziere mit… gönnt Euren Männern das Vergnügen.

Oh? Vader würde abreisen? Interessant… In Luke keimte Hoffnung.

  Meister… Der Imperiumstag ist bereits übermorgen, und Vjun ist -

  Dann schlage ich vor, dass Ihr Euch ein wenig beeilt, mein Freund.

Das trifft sich hervorragend, Vater. dachte Luke grimmig. Eigentlich hatte ich mich darauf gefreut, meinen Geburtstag das erste Mal mit dir verbringen zu können, aber es sieht so aus, als würde ich stattdessen mit meinen Freunden feiern… meinen wahren Freunden.

Seine Wut katapultierte ihn aus der Vision, und so entging ihm der Fluch Vaders, der seine Entscheidung noch hätte kippen können…

 

Vader hatte inzwischen ungefähr zwei Minuten darauf verwendet, zu berechnen, wie lange er im günstigsten Fall bis Coruscant brauchen würde – und was realistisch war. Nach einem weiteren saftigen Fluch und dem mühsam niedergerungenen Verlangen, etwas zu zerschlagen, gab er einen Code ein und trat er wieder auf die Sendeeinheit. Sekunden später erschien das Hologramm Firmus Pietts vor ihm – in normaler Lebensgröße, ebenso, wie er umgekehrt auf seinem Schiff erschien.

  „Admiral, ich brauche die EXECUTOR. Sofort.“

  „Wir sind bereits mit Maximalgeschwindigkeit auf dem Weg zu Euch, Mylord.“ Firmus’ ernste Miene wich für einen kurzen Moment einem angedeuteten Lächeln. „Der Imperiumstag, nicht wahr?“

Vader nickte grimmig. „Legen Sie es eigentlich darauf an, Großadmiral zu werden, Piett?“

  „Ich würde nicht nein sagen, Mylord.“ Pietts Mundwinkel zuckten. „Wünscht Ihr sofort die Koordinaten eines Rendezvouspunktes, oder kontaktiert Ihr mich nochmals von Bord Eures Schiffes?“

  „Letzteres.“

  „Verstanden. Ich erwarte Euren Anruf, Mylord. Piett Ende.“

Sein Admiral war ein zuweilen hellsichtiges Genie, aber es blieb eine Tatsache, daß sie sofort aufbrechen mußten, um lethale Folgen für alle Beteiligten zu vermeiden. Vader rauschte aus dem Raum, um die anderen zu suchen.

Arik lief ihm als Erster über den Weg.

  „Nimm dein Lichtschwert und geh zum Hangar. Du findest dort neben der PRIDE ein Lambdashuttle, laß es warmlaufen.“

  „Was?“ echote Cass verdutzt. „Warum das denn?“

  „Erklärungen folgen später.“ knurrte Vader. „Befehl des Imperators. Wo ist Luke?“

  „Ich dachte, er sei noch in der Trainingshalle, aber da ist er nicht. Tut mir leid, ich wollte ihn eben suchen…“

Vader fluchte erneut. „Ich habe keine Zeit, ihn zu suchen, jede Minute zählt… Jix!“ brüllte er unvermittelt. „Wo bist du?“

  „Hier, schrei doch nicht so, Onkel D.“ Der Agent kam aus dem Multimediaraum, wo er sich offensichtlich ins Holonet eingeloggt hatte, Veers stieß gleich darauf aus der Bibliothek zu ihnen. „Was ist denn?“

  „Ich muß sofort nach Coruscant, Imperiumstag und andere Freuden. Erklär es Luke, bitte. Ich habe keine Zeit, ihn zu suchen.“

Arik zögerte kurz, setzte sich dann aber wie befohlen eilig in Bewegung. Jix starrte Vader an, blinzelte kurz und nickte. „Alles klar. Ich sag’s ihm. Wann kommst du wieder?“

  „So schnell wie möglich. Ihr erreicht mich davor und danach auf der EXECUTOR. Max, komm.“

Die beiden Männer verschwanden eilig und ohne ein weiteres Wort, und Jix kratzte sich ein wenig ratlos am Kopf. „Das klingt nicht lustig. Ganz und gar nicht lustig.“

 

Luke hatte sich schlicht und ergreifend unsichtbar gemacht – er brauchte einen Moment für sich selbst, um das Gehörte zu verarbeiten. Und so verpaßte er die Abreise seines Vaters komplett.

Er setzte sich auf sein Bett, versuchte, über eine Meditation zu Klarheit zu gelangen.

Sein Vater hatte ihm versichert – ihm geschworen! – er würde nicht zulassen, daß der Kaiser ihn bekäme und ihm etwas geschehen würde. Und er hatte ihm geglaubt. Warum? Weil er gespürt hatte, daß Vader die Wahrheit sagte.

Nun hatte er das Gegenteil gehört. Vader würde ihn zum Kaiser bringen, er wollte ihn umdrehen, sich sein Vertrauen erschleichen.

Es paßte nicht zusammen. Hinten und vorne nicht.

Der Vader, den er von früher kannte, hätte exakt so gehandelt. Er hätte ihn belogen und ihm schöngetan, um ihn für sich zu gewinnen. Aber hätte er das nicht einfacher haben können? Auf Bespin, zum Beispiel. Wie er selbst gesagt hatte – er, Luke, war nur ein Haarbreit davon entfernt gewesen, zu fallen, und Vader war stoisch und ruhig geblieben, hatte nicht einmal kämpfen wollen. Wenn er ihn hätte umdrehen wollen, hätte er das doch dort getan. Oder nicht?

Und sein Gefühl sagte ihm, daß hier etwas oberfaul war. Das Band zu seinem Vater war bereits fest und stark, dessen Schilde durchlässiger als zu Anfang. Und da war nur Sorge. Kein Verrat.

Was also sollte er glauben?

War sein Vater ein besserer Schauspieler, als er dachte? Waren seine Schilde stärker als gedacht und das alles nur Täuschung? Oder hatte er den Kaiser angelogen, ihm ins Gesicht gelogen, einem Sithlord, einem Meister der Macht?

Luke drehte sich der Kopf. Das war zuviel, eindeutig. Er brauchte eine Auszeit… und einen Tapetenwechsel. Er würde Leia und Chewbacca besuchen – und konnte wieder hier sein, bis sein Vater zurückkam. Sein X-Wing war hier, er war Überlichtschnell, und mit R2s Hilfe war das alles ohne Probleme zu schaffen. Ja… ein guter Plan.

 

 

37

 Etwa zwei Stunden später stand Vader - umgeben von einer äußerst düsteren Aura, die seine Leute auf noch größerem Abstand hielt als gewöhnlich - auf der Brücke seines im Hyperraum dahinschießenden Flaggschiffs und starrte hinaus in die milchige Weite. Einer der Ingenieure war kurz zuvor bereits der natürlichen Selektion zum Opfer gefallen (dem dunklen Lord weismachen zu wollen, es sei unmöglich, die EXECUTOR länger als ein paar Stunden auf 120 Prozent zu fahren, gehörte eindeutig dazu).  Zur etwa selben Zeit entschied Luke auf Burg Bast, dass ein leichtes Abendessen eine gute Idee sei.

Er schlenderte hinunter ins Eßzimmer, traf aber nur Jix dort an, der sich eine der köstlichen Kreationen von Vaders privatem Sternekoch schmecken ließ.

  „Wo sind die anderen?“ fragte er erstaunt.

  „Abgereischt.“ Jix versuchte, seine Aussprache durch Hinunterschlucken deutlicher zu machen. „Der Alte hat deinen Vater nach Coruscant zitiert – er muß bis morgen Abend Ortszeit dort sein. Eigentlich nicht zu schaffen, aber er muß es versuchen.“

  „Und das macht er klaglos mit?“ Luke sah und hörte man deutlich an, was er davon hielt.

  „Wer spricht von klaglos? Aber wenn der Impi nach einem brüllt, tut selbst ein Lord Vader gut daran, zu gehorchen. Dein Altvorderer hängt am Leben, mein Junge, genau wie Du. Und ich kann dir versichern: er ist stin-ke-sauer. Aber sowas von. Wenn es ins Bild passen würde, könnte man sogar ‚er hat gekotzt’ sagen, aber das kommt bei ihm irgendwie nicht so richtig passend rüber…“

Luke nickte der Dienerin zu, die ihm einen Teller brachte, und begann zu essen.

  „Und warum muß er hin?“

Jix zuckte die Schultern. „Der übliche Firlefanz des Imperiumstages. Eine großartig inszenierte Komödie der Reichen und Wichtigen oder denen, die sich dafür halten, die sich zu diesem Anlaß alle gegenseitig versichern, wie glücklich sie doch sind, dass seine Überheblichkeit über uns alle wacht. Überall auf den Kernwelten gibt es Kleinigkeiten fürs Volk, meist für die Kinder, abends Feuerwerk und auf Coruscant einen Ball. Und auf dem zeigt Palpi sich gern im Kreis seiner Getreuen. Also muß dein Daddy hin, ob es ihm passt oder nicht. Und es passt ihm diesmal gar nicht, glaub mir.“ Jix kaute schon wieder.

  „Wann kommt er zurück?“ fragte Luke nach einer nachdenklichen Pause.

  „Gleich danach, schätz ich mal. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ihn da auch nur eine Minute länger hält als notwendig. Also in… fünf Tagen, spätestens.“

Luke nickte und widmete sich seinem Essen.

 

Der nächste Tag verging, und Jix machte keine Anstalten, abzureisen. Offensichtlich hatte er beschlossen, auf seinen Nennonkel und Chef zu warten. Und Luke wurde unruhig und zunehmend nervöser.

Als der Agent endlich schlafenzugehen schien, schlich der junge Jedi in den Hangar – der, den Mächten sei Dank, leer war. Er hatte die TIE-Staffel einmal beobachtet, wie sie zu einem Übungsflug abhob, und wusste, was er tun musste, um das magnetische Feld des Hangars zu öffnen. Doch zuerst…

  „R2-D2? Bist du hier, R2?“

  :: Was gibt’s? ::

Der kleine blaue Astromech rollte aus dem angrenzenden Hangar und piepte fragend. Er bewegte sich zwar mittlerweile in der ganzen Burg und leistete ihnen allen auch gern Gesellschaft, aber hier im Hangar schien er sich doch am wohlsten zu fühlen und genoß die Freiheit, tun zu können, was er wollte. Vader hatte ihn mit viel Liebe generalüberholt, gesäubert und repariert, und nun glänzte er wieder wie neu und verfügte wieder über sein komplettes früheres Leistungsspektrum… und noch einige Extras mehr.

  „Wo warst du?“

  :: Im anderen Hangar, bei den Schiffen aus der Sammlung deines Vaters. Endlich komme ich mal wieder dazu, ein paar intelligente Gespräche zu führen. ::

Luke konnte in den einzelnen Sequenzen nur „Hangar“, „Schiffe“ und „intelligent unterhalten“ ausmachen, war sich aber bei letzterem nicht sicher, ob er es korrekt übersetzt hatte. Sein Binär war immer noch bestenfalls als ‚gebrochen’ zu bezeichnen.

  „Komm, hilf mir, den X-Wing fertigzumachen, und dann fliegen wir zu Leia.“

  :: Hast du einen Kurzschluß? Wir sollen hier warten! ::

Die Antwort klang erstaunlich indigniert für eine Maschine. Offensichtlich hielt er nichts von der Idee.

  „Los, komm schon!“ forderte Luke ihn auf, während er bereits eine Ersatz-Fliegerkombi aus dem Gepäckfach des X-Wing zog und überstreifte, gefolgt von einem Helm und Handschuhen.

  :: Nein. ::

  „Wie meinst du das, ‚nein’?“ echote Luke verdutzt.

  :: Das soll heißen, ich komme nicht mit. Wenn du unbedingt wegwillst, musst du allein fliegen. Ich bleibe hier. Übrigens ist das eine der dümmsten Ideen, die du je hattest. Auf deinen Vater habe ich immer gern aufgepasst, aber der wusste auch, was er tat. Meistens, jedenfalls. Bis auf das eine Mal. Und glaub nicht, dass ich ihm nicht sagen werde, dass du durchgebrannt bist! ::

Luke verstand im Wortsinn keinen Ton der offensichtlich zornigen Tirade, aber ihm wurde klar, dass der eigensinnige Blaue ihn nicht begleiten würde, als er wieder im anderen Hangar verschwand und die Tür sich hinter ihm schloß.

  „Ich glaube, dir hätte man auch mal den Speicher löschen sollen, nicht nur 3PO…“, knurrte Luke verärgert. Aber selbst die Tatsache, dass R2 ihn im Stich ließ, konnte ihn nicht von seinem Vorhaben abbringen. Er ging zu einem Terminal hinüber und tastete den Code für die kurzfristige Deaktivierung des magnetischen Feldes und der Laser im Außenbereich ein, dann stieg er in seinen Jäger, startete ihn und verließ Burg Bast.

 

R2 wartete eine Weile, doch als Luke nicht zurückkam, machte er sich auf, Jix zu suchen – der einzige, der noch da war außer den Piloten und dem er zutraute, Vaders Reaktionen einigermaßen einschätzen und beurteilen zu können.

Der Agent saß immer noch vor dem Holonet – entgegen Lukes Annahme hatte er sich nicht schlafen gelegt - und da R2 wußte, daß er kein Binär sprach, stöpselte er sich kurzerhand in die Konsole ein und überlagerte das Bild auf dem Schirm.

  „He!“ protestierte Jix, der eben einen Artikel über neue Blastertypen las. „Was soll denn das?“

  :: Luke ist weg. ::

  „Weg? Wie, weg?“

R2 stieß ein elektronisches Seufzen aus. :: Weg. Abgereist. Getürmt. Abgehauen. Geflohen. Brauchst du noch mehr Synonyme, oder reicht das? ::

  „Bantha Poodoo…!“ fluchte Jix.

  :: Was jetzt? ::

  „Du bist gut. Woher soll ich das wissen?“

  :: Rufen wir Vader an oder nicht? ::

Jix überlegte. „Verflucht noch mal. Wie wir es auch drehen, es bleibt beschissen. Sagen wir es ihm, ist seine Konzentration am Arsch, und er wird jeden Krümel davon für seine kleine Scharade brauchen. Sagen wir es ihm nicht, wird er uns auf kleiner Flamme rösten.“

  :: Vielleicht nicht. Luke hat den X-Wing genommen. ::

Der Correllianer runzelte die Stirn. „Ja. Und?“

  :: In den Jäger wurde ein Peilsender eingebaut, von dem er nichts weiß. Das aktuellste Modell und so versteckt, daß ihn die Rebellen nicht finden werden, es sei denn, sie haben die neusten imperialen Techniken schon geklaut, und das ist unwahrscheinlich, meiner Erfahrung nach. Das Ding ist wirklich brandneu und aus einer Legierung, die ihre Scanner nicht erkennen.  ::

  „Klingt gut.“ Jix grinste. „Das heißt, wir können ihn finden.“

  :: Solange er bei seinem Jäger bleibt, ja. :: bestätigte R2.

Jix nickte langsam. „In Ordnung. Damit ist die Entscheidung gefallen. Wir warten, bis Onkel D auf dem Rückflug ist.“

  :: Schön. :: R2 summte nachdenklich. :: Ich werde ihn bis dahin regelmäßig tracken, damit wir keine unliebsame Überraschung erleben. Im Hangar ist ein Terminal, dort findest du mich, falls du mich brauchst. ::

 

Luke versuchte, als er die Umlaufbahn Vjuns verlassen hatte, Kontakt zu seinen Freunden aufzunehmen, und wählte die Nummer des Falken. Diesmal wurde sein Anruf schneller beantwortet.

  „Luke!“ rief Leia überrascht. „Wo bist du? Ist das dein X-Wing?“

  „Ja.“ Der junge Jedi lächelte. „Mir war langweilig, ich dachte, ich besuch euch mal.“

Die Prinzessin runzelte die Stirn. „Weiß Vader davon? Hat er dich gehen lassen?“

  „Vader mußte nach Coruscant.“ wich Luke aus. „Er ist nicht da.“

  „Verdammt, Luke, bist du geflohen? Ich habe keine Lust, die gesamte imperiale Flotte hierherzu-“

  „Leia, beruhige dich! Er weiß nicht einmal, daß ich weg bin, und ich fliege zurück, bevor er wiederkommt. Es besteht kein Risiko. Wirklich!“

Sie lachte, ein wenig hysterisch. „He, reden wir hier vom gleichen Mann? Du weißt schon, Vader – groß, schwärzer als schwarz, Atemprobleme, chronisch schlechte Laune, bringt Leute schon vor dem Frühstück um. Dieser Vader.

Luke seufzte. „Komm schon, Leia. Ich bin allein, niemand weiß, daß ich weg bin. Vader vertraut mir. Niemand wird mich suchen, und niemand wird mich – und euch - finden. Ich schwöre dir, ich werde nicht verfolgt.“

  „Und dein Schiff?“

  „Ich habe vorhin den Schiffscomputer einen Scan fahren lassen. Ist sauber.“

Leia knurrte, immer noch unentschlossen. „Ich weiß nicht…“

  „Bitte, Leia. Ich will nur meinen Geburtstag mit euch feiern, euch wiedersehen. Dann flieg ich wieder und bin wieder zuhause, bevor er zurückkommt und auch nur ahnt, daß ich weg bin.“ Falls Jix mich nicht verpfeift, dachte Luke. Aber der wird sich hüten – der riskiert bloß Ärger, wenn rauskommt, daß er gepennt hat, als ich weg bin.

  „Deinen Geburtstag?“ Leias Augen wurden groß, die Überraschung überlagerte für den Moment sogar das stille Entsetzen über Lukes sorglose Verwendung des Wortes ‚zuhause’. Wo auch immer das für ihn nun sein mochte. „Wann hast du?“

  „Am Imperiumstag. Ich wurde sogar an DEM Imperiumstag geboren.“ Luke seufzte. „Ausgerechnet.“

  „Aber… ich auch!“ stammelte Leia. „Das wußte ich nicht… du hast Recht, das müssen wir wirklich zusammen feiern.“ Sie grinste. „Also gut. Ich übermittle dir die Koordinaten.“

 

Sobald Vaders kalte Wut verraucht war – was einige Stunden dauerte – rief er Piett, Veers und Arik zu einer kleinen Besprechung zusammen.

  „Ich habe die Ehre“, begann er zynisch, „zum Ball des Imperators am Abend des Imperiumstages geladen zu sein. Und ich habe weiterhin die Ehre, ‚einige meiner Männer’ mitbringen zu ‚dürfen’. Ich fürchte, damit seid ihr gemeint.“

Piett lächelte leicht. „Ich bin schon Moffs und Offizieren begegnet, die einen Mord begangen hätten, um an eine solche Einladung zu kommen. Ich für meinen Teil war immer dem Schöpfer dankbar, nicht hinzumüssen. Das wird sicher… interessant.“

  „Interessant ist ein Wort dafür. Es gibt noch einige andere.“ versetzte Vader grimmig. „Seit zwanzig Jahren mußte ich jedes verdammte Jahr dort erscheinen. Und wenn man mich aus dem hinterletzten Spiralarm der Galaxis herbeordert hat.

Na schön. Bügelt eure Galauniform auf, poliert eure Ordensspangen und Stiefel und macht euch ausgehfein. Arik, du nutzt die Zeit bis zur Ankunft bitte außerdem, um weiter an deinen Schilden zu arbeiten. Sie müssen perfekt sein – ich hätte dich lieber auf Bast gelassen, aber ich brauche dich, um Max abzuschirmen. Er und Firmus sind meine Stellvertreter, es wäre sonderbar, würde ich sie nicht mitbringen, nachdem ich den ausdrücklichen Befehl erhalten habe – und Max ist mir mittlerweile zu nahe. Er könnte unwillentlich Gefühle und Gedanken projizieren, die gefährlich für uns alle sind.“

  „In Ordnung.“ Arik nickte – äußerlich gelassen, aber ihm wurde heiß und kalt bei dem Gedanken, was passieren würde, sollte er versagen.

  „Keine Sorge.“ Vader nickte ihm beruhigend zu. „Du bist ein Naturtalent, deine Schilde waren schon vor dem Training besser als Lukes. Immerhin hast du Jahre in meiner unmittelbaren Nähe gedient, ohne daß ich dich gespürt hätte. Der Kaiser erwartet nicht, jemand Machtsensitiven auf dem Ball zu haben, mit Ausnahme von mir und Mara Jade. Falls etwas durchschimmert, wird er denken, es kommt von mir.

Also: wir werden vermutlich zu spät kommen, aber nicht sehr. Es wird einige spöttische Bemerkungen dazu geben – ignoriert sie. Sollte der Kaiser euch ansprechen, seid demütig und ruhig und haltet den Blick gesenkt, bis er euch auffordert, ihn zu heben – das gilt auch für die Aufwartung zu Beginn. Wir werden als erstes zu ihm gehen und vor ihm niederknien. Alle, ihr hinter mir. Blick auf den Boden. Das ist die erste Hürde.

Der Ball danach dürfte leichter werden – wenn auch nicht angenehmer. Versucht, natürlich zu sein… unterhaltet euch, tanzt, wenn ihr wollt.

Wir werden bleiben müssen, bis der Kaiser geht. Dann bilden sich nochmals lange Spaliere, alle Gäste knien nieder, und der Kaiser verläßt durch diese Reihen den Saal. Und da wird es ein Problem geben.“

  „Problem?“ echote Veers beunruhigt. „Was für ein Problem?“

  „Ich wurde nicht für meinen Ungehorsam bestraft, als er mich auf Bast anrief. Das heißt, er will es auf dem Ball tun – vor Publikum.“ erklärte Vader ruhig, aber ernst. „Er wird mich nicht umbringen – er braucht mich noch. Aber er wird mich demütigen… höchstwahrscheinlich wird er die Machtblitze benutzen und mich ein wenig durchschütteln. Du, Max, wirst mit Arik dann möglichst weit weg von mir sein – keine Widerrede. Und Sie, Firmus, können in meiner Nähe bleiben oder sich Max und Arik anschließen. Aber egal, was passiert: ihr werdet nicht eingreifen, bis der Kaiser weg ist, habe ich mich klar ausgedrückt? Für den Kaiser habe ich keine Freunde, nur Untergebene und Feinde. Niemand würde – seinem Verständnis nach – um mich trauern, wenn mir etwas zustieße. Also bleibt, wo ihr seid, bis er weg ist, sonst sind wir alle dran. Verstanden?“

Sie nickten, wenn auch zögernd und bestürzt. Womit rechnete Vader? Was sah er kommen? Was würde passieren…?

 

Luke hatte, nachdem er den Lichtsprung gemacht hatte, begonnen, zu meditieren, doch es gelang ihm nicht wirklich. Er fühlte sich verlassen und so allein wie selten zuvor. Daß R2 ihn im Stich gelassen hatte, schmerzte, und er vermißte den Kleinen, der sonst immer ein angenehmer Gesprächs- und Spielpartner für ihn gewesen war.

Und immer wieder schweiften seine Gedanken ab und landeten bei der schwarzen Maske seines Vaters. Tat er das richtige? Machte er einen Fehler? Hätte er doch warten sollen und Vader zur Rede stellen?

Und was würde er seinen Freunden erzählen? Wieviel konnte er ihnen sagen? Leia durfte er nichts von dem wirklichen Verhältnis zwischen Vader und ihm berichten – sie würde nie wieder ein Wort mit ihm wechseln. Han war nicht da. Lando kannte er nicht. Chewbacca… er war sehr verständnisvoll. Vielleicht konnte er mit ihm darüber sprechen? Andererseits… er hatte Han gegenüber eine Lebensschuld, und Vader, sein Vater, war schuld daran, daß der Correlianer in Karbonit eingefroren sonstwo in der Galaxis umherschwebte, in den Klauen von Boba Fett und mit dem Endziel Jabba the Hutt. Nein. Auch dem Wookiee konnte er nichts sagen.

Oh, Mann.

Kurz war er versucht, umzudrehen und wieder zurückzufliegen, aber auch das ging nicht – er hatte die Koordinaten bekommen. Leia würde annehmen, er hätte sie verraten und nur vorgetäuscht, sie besuchen zu wollen, um an diese Daten zu kommen – für Vader. Nein. Er mußte hin, es gab kein Zurück.

Verdammt.

Reiß dich zusammen, Skywalker! schalt er sich selbst aus. Du hast noch eine verdammt lange Reise vor dir. Wenn du so weitermachst, kommst du als nervliches Wrack an. Reiß dich zusammen und meditiere!

Er seufzte, konzentrierte sich und glitt wieder in Trance.

 

 

38

 Stunden später war Luke endlich erfolgreich und entspannt in der angestrebten Meditation – er hatte noch ein wenig Zeit, bis er sein Ziel erreicht hatte.

Die EXECUTOR jedoch trat nun aus dem Hyperraum aus und schwenkte wenig später in den Orbit um Coruscant ein. Vader, Piett, Veers, Arik sowie zehn Wachen nahmen in einem Lambdashuttle Platz, das sie zum kaiserlichen Palast hinunterbrachte und, vorbei an wartenden Fähren, vorrangig Landeerlaubnis sowie einen bevorzugten Platz erhielt. Die Wachen verblieben beim Shuttle, während der dunkle Lord seinen Leuten vorausging und ins Labyrinth der Gänge im Palast eintauchte.

Er kannte sich hier gut aus – besser als die meisten Anderen, und besser, als so manchem lieb war. Er hatte seine eigentliche Ausbildung durch Palpatine hier erhalten, hatte immer wieder Wochen hier verbracht, um zu lernen – keine leichte Schule. Er hatte hier auch gelernt, und zwar sehr schnell, daß der Kaiser alles andere als der väterliche Freund war, als der er sich ihm in den Jahren vor den Klonkriegen immer präsentiert hatte. Vor seinem Fall, vor Palpatines Machtergreifung und Verrat an der alten Ordnung. Aber er lernte viel über die Macht und ihre Anwendung und war begierig, alles davon aufzunehmen und noch mehr zu lernen, viel mehr. Die Bibliothek hier war gewaltig und umfaßte nicht nur Bücher von und über Sith und ihren Orden, sondern auch unzählige Werke über ihre verhaßten Gegner, die Jedi.

Anders als in seinem privaten Refugium Bast und auf seinen Schiffen standen ihm hier jedoch keine Droiden als Sparringspartner zur Verfügung – er trainierte am lebenden Objekt. Offiziell war dies Teil der Ausbildung für die roten Garden, aber hauptsächlich dienten diese Trainingseinheiten dazu, ihn selbst zu schulen, und es spielte für den Kaiser keine Rolle, ob seine Gegner das Training überlebten. Und für ihn auch nicht… anfangs, jedenfalls, in der ersten, bitteren Zeit nach seinem Fall. Später fand er sonderbare Freude daran, sein Wissen weiterzugeben und tatsächlich die Ausbildung der Garden zu übernehmen. Palpatine war es egal – ihm war nur das Ergebnis wichtig, und dazu zählten sowohl ein nicht zu schlagender Padawan als auch hervorragend trainierte Leibwächter. Daß dabei vorsichtige Beziehungen zwischen Vader und manchen der Garden geknüpft wurden, die teilweise schon an Freundschaften heranreichten, war ihm entweder nicht bewußt oder gleichgültig. Eines Tages mochte sich das als tödlicher Fehler erweisen… denn auch Vader verfügte über Begabungen und Talente. Eines davon war sein Charisma und die Fähigkeit, Leute zu führen und hinter sich zu bringen.

Was er allerdings verabscheute – und das schon immer – waren die Höflinge. Parfümierte, gepuderte, in steife Roben gekleidete Beamte und Schleppenträger, die im Palast allgegenwärtig waren. Es gab ihrer so viele wie Wachen, und je höher Vader in der inneren Rangliste des Imperiums stieg, desto mehr davon suchten auch seine Nähe. Nur allzugern hätte er dem auf brutale Weise ein Ende gemacht, aber Palpatine hatte es ihm verboten – er genoß das Getüttel und Hofieren über alle Maßen. Und Vader? Ihm blieb nichts anderes übrig, als an ihnen seine Geduld zu schulen und zu lernen, die Energien seiner Wut in sich zu speichern, um sie später bei anderen Gelegenheiten freizusetzen. Heute Abend würde er wieder auf diese mühsam erlernte Fähigkeit zurückgreifen müssen.

Sie waren zu spät… um etwa eine halbe Stunde nach dem offiziellen Beginn und somit der Ankunft des Kaisers. Die Hofschranzen waren natürlich schon seit Stunden hier, sie zelebrierten Anlässe wie diesen nach ihren ganz eigenen Ritualen. Übelkeitserregend – die Schleimspuren, die sie dabei hinterließen, waren beinahe sichtbar auf den glattpolierten Böden aus feinstem Tarecca-Marmor, der den Ballsaal mit erlesenen, kostbaren Mustern schmückte.

Die Wachen vor den mehr als doppelt mannshohen, vergoldeten Türen salutierten zackig bei seiner Annäherung und öffneten die Flügel so schnell, daß er seinen Schritt nicht einmal verlangsamen mußte. Vader nahm es kaum zur Kenntnis, er war gewohnt, daß die Wachen hier spurten – wofür er auf drakonische Weise gesorgt hatte, als er noch öfter und länger Zeit im Palast verbracht hatte.

Seine Männer folgten ihm und ließen dabei trotz aller Anspannung neugierig den Blick durch den Saal schweifen – der überladene Prunk in diesem Raum war Legende.

Die vergoldeten Türen waren nur ein bescheidener Anfang. Der Raum hatte sozusagen imperiale Maße – er war über hundert Meter lang. Hier im Anfangsbereich fanden sich Springbrunnen mit Schalen aus purem Gold, in denen seltene und kostbare, farbenfrohe Fische schwammen. Eine Längsseite des Raums war komplett mit Stahlglas versehen und erlaubte einen atemberaubenden Panoramablick auf die tief unter ihnen liegende Stadt und die langsam untergehende Sonne, deren Glanz die Skulpturen umschmeichelte, die überall an den Rändern verteilt standen. Berühmte Bilder der größten Meister hingen hier in solcher Masse beinahe achtlos nebeneinander, das keines davon richtig mehr zur Geltung kam, unterbrochen nur von Kandelabern, die später die Beleuchtung übernehmen würden, unterstützt von den überdimensionierten Kronleuchtern, die unter der Last der echten Edelsteine ächzten, die, sorgsam geschliffen, blitzend das Licht brachen. Sessel, Couches und Chaiselongues waren zusammen mit kleinen Tischen an den Wänden entlang plaziert und luden zum Sitzen und zu Gesprächen ein. Ein Hauptteil des Raumes wurde von einer Tanzfläche mit seitlich angeschlossenem, etwas erhöhtem Orchesterbalkon dominiert, auf der momentan kleine Grüppchen von Gästen plaudernd beieinanderstanden, flankiert von einer langen Schlange derer, die darauf warteten, dem Kaiser die Aufwartung machen zu dürfen. Und dieser thronte im wahrsten Sinn des Wortes an der dem Eingang gegenüberliegenden Schmalseite des Raumes, einige Stufen erhöht auf einem – für seine Verhältnisse bescheidenen – Thron aus wundervoll glänzendem Fijisi-Holz, von dem aus er den ganzen Saal überblicken konnte.

Vader durchquerte mit seinem kleinen Gefolge zügig, aber nicht zu eilig den bereits gut gefüllten Ballsaal und ignorierte die lange Schlange der noch Wartenden. Es hatte auch hier gewisse Vorteile, höchster Gefolgsmann Palpatines zu sein – die Massen der Hofschranzen, Moffs, Gouverneure und ihrer Frauen teilten sich vor ihm wie das Meer, das eine Klippe umfließt.

Die Metallteile seiner Rüstung waren auf Hochglanz poliert, er hielt sich beinahe schon auf arrogante Weise aufrecht, und sein Schritt war weitausgreifend, hart und stolz – was durch das dramatisch hinter ihm aufwallende Cape noch verstärkt wurde. Seine hochgewachsene, düstere Erscheinung war mehr als beeindruckend – und er wußte es und nutzte es bei solchen Gelegenheiten schamlos aus.

Vor dem Thron kniete er in einer fließenden, eleganten Bewegung nieder und senkte den Kopf, der Mantel legte sich wie Avrilflügel um ihn herum. Veers, Piett und Cass – in Galauniform - taten es ihm in seinem Rücken, nebeneinander, in einer Reihe, gleich.

  „Lord Vader. Wie schön, dass Ihr doch noch den Weg zu uns gefunden habt.“ Die Stimme des Kaisers tropfte wie giftiger Sirup in die plötzliche Stille.

  „Mein Dienst an Euch ist meine höchste Pflicht, Meister.“ antwortete Vader demütig und sanft, ohne den Blick zu heben. Er wusste, dass eine Antwort von ihm erwartet wurde – und er wusste auch, dass er heute noch für seinen Ungehorsam bezahlen würde. Aber noch nicht sofort… erst später. Er modifizierte seine mentalen Schilde so weit, dass ein wenig Angst und Unwohlsein durchblitzten – wenn der Kaiser gar nichts spüren würde, wäre das mehr als verdächtig. Und es war eine Angst, die er tatsächlich empfand, wie er erstaunt feststellte. Nun, da er einen Sohn hatte, hing er mehr am Leben als je zuvor.

Der Kaiser ließ Vader und seine Begleiter zappeln. Er wandte sich an einen der Höflinge, der neben ihm stand, und unterhielt sich leise mit ihm – nein, mit ihr, denn in der Antwort erkannte Vader die Stimme Mara Jades. Er konnte nicht verstehen, worüber gesprochen worden war, und es war ihm auch egal, doch Jade schien nicht begeistert zu sein – soviel spürte er. Sie war vom Kaiser in der Macht unterwiesen worden, aber zumindest ihre telepathischen Fähigkeiten waren nicht besonders beeindruckend, wie er feststellte. Oder lag es an ihm, an seiner natürlichen Begabung, die nun durch die Heilung noch potenziert worden war? Aber selbst Ariks Schilde waren dichter, wie er befriedigt feststellte, als er es kurz wagte, nach hinten zu sondieren. Er erschien machtblind wie alle um ihn herum, und er maskierte auch geschickt Max’ Gefühle. Sehr gut.

Max… er tat ihm leid, so lange knien zu müssen mit gerade verheilten Beinen. Aber darauf hatte Palpatine noch nie Rücksicht genommen, im Gegenteil. Er liebte es, andere leiden zu lassen. Auch ihn, Vader, hatte er schon immer absichtlich lange knien lassen, vor allem, als der Anzug noch neu gewesen war. Und minderwertig. Und für den Kaiser war er das immer noch – Palpatine musste davon ausgehen, dass auch er Schmerzen litt. Es war eine Ankündigung, erkannte er. Eine Drohung. Ein dunkles Versprechen. Er würde seine Strafe noch bekommen – und dazu zählten weder, dass er hatte erscheinen müssen, dass er würde tanzen müssen und auch nicht, dass er sich stundenlang dummes Geplapper von aufgeblasenen Moffs und Höflingen würde anhören müssen.

  „Erhebt Euch, mein Freund.“, sagte der Kaiser liebenswürdig, mit einem Ausdruck in der Stimme, als täte es ihm leid, sie so lange hatte warten zu lassen. Freund, ha! So naiv war er nur vor seinem Fall gewesen, in dieses Wort Hoffnung zu setzen. Vader schob sich empor und achtete darauf, es ein wenig steif erscheinen zu lassen, ungelenk, wie vor seiner Heilung. Seine Schilde waren nun dicht – sein Stolz hatte es schon immer verhindert, andere merken zu lassen, daß er Schmerzen litt.

Der Kaiser lächelte, scheinbar höchst zufrieden, und hob dann die Hand. Mara Jade, eine der sogenannten „Hände“ des Imperators, in einem tief ausgeschnittenen Abendkleid aus grüner Seide, trat neben ihn.

  „Ihr habt die Ehre, mein Schüler, mit meiner Ziehtochter den Ball eröffnen zu dürfen.“

Ehre? Vader schnaubte innerlich und sah zu, wie sie nun elegant die Stufen zu ihm herunterschritt. Was war daran ehrenhaft, wenn es die einzig mögliche Option war? Palpatines Ziehtochter und Palpatines Stellvertreter, was lag näher, wenn der alte Mann selbst nicht mehr tanzen wollte? Alles andere wäre ein offener Affront gewesen – und Vader war ein klein wenig beruhigter, als ihm klarwurde, dass er die Gunst des Kaisers wohl nicht ganz verloren hatte. Im letzten Jahr hatte er noch selbst die Ehrenrunde gedreht, langsam und scheinbar gebrechlich. Dazu passte, dass er in letzter Zeit einen Gehstock benutzte, aber Vader war sich sicher, dass dieser nur der Tarnung diente. Er war ein Sithlord, verdammt noch mal, und wenn er wollte, konnte er mit dem halben Raum hier den Boden wischen. Yoda hatte früher denselben Trick benutzt… eine erstaunliche Paralelle.

Offensichtlich war es diese Ankündigung gewesen, die die Hand des Imperators so verärgert hatte. Daß sie mit ihm tanzen musste. Mara legte mit einem falschen, süßen Lächeln ihre Hand in seine gepanzerte Pranke und wartete darauf, dass er sie auf die Tanzfläche führte, was er nach einer Verneigung zum Kaiser hin auch tun wollte, doch dieser hielt ihn nochmals auf.

  „Wollt Ihr mir nicht Eure Begleiter vorstellen, Lord Vader?“

Vaders Herz setzte einen Schlag aus. Er hatte gehofft, darum herumzukommen, denn Palpatine vergaß niemals ein Gesicht. Nach außen hin bewahrte er jedoch die Contenance und verneigte sich zustimmend.

  „Wie Ihr wünscht, Meister. Darf ich Euch vorstellen: meine Stellvertreter, Admiral Firmus Piett, Kommandeur der EXECUTOR und der Todesschwadron, General Maximilian Veers, Kommandeur der Infanterie der EXECUTOR und der Todesschwadron, und mein Adjutant, Captain Arik Cass, ein vielversprechender junger Offizier.“

Die drei Männer verneigten sich nochmals tief vor Palpatine, und er entließ sie nach einem tiefgehenden Mustern – und erfreulicherweise sagte er nichts zu Veers’ Bart oder seinen für einen Offizier unorthodox langen Haaren. Vader betete, daß Ariks Schilde hielten, aber nichts im Kaiser ließ erkennen, daß er etwas Besonderes in ihm gespürt hatte. Er verneigte sich nochmals kurz und führte Mara dann auf die Tanzfläche. Seine Männer reihten sich seitlich in die Zuschauer ein, und um ihn und Mara herum bildete sich ein großer, erwartungsvoller Kreis.

Ein erneutes Seufzen. Was glaubten die alle? Daß er, nur weil er eine Rüstung trug, sich bewegte wie ein Bantha, auf seinen Mantel latschte und es ihn beim ersten Walzerschritt auf die Fresse schlug? Oder daß er tanzte wie ein Bauerntrampel aus dem Outer Rim – was er, bei genauerer Betrachtung, auch war – und nur den Tatooine Twostep beherrschte? Und vielleicht wäre das auch so, wenn nicht der Jediorden – überaus gründlich, wie in allem – im Rahmen der diplomatischen Ausbildung auch großen Wert auf Gesellschaftstänze gelegt hätte. Tatsache war: er tanzte eigentlich sogar recht gern – und gut, wie die meisten Kämpfer. Bei beidem, Tanz und Kampf, kam es auf Körperbeherrschung und Rhythmus an, beides erforderte Gespür und ein Gefühl für die Reaktionen des Gegners – hier: Partners, also: wo war der Unterschied? Außer dem Offensichtlichen, dass das zugegeben gutaussehende Wesen an seiner Hand eine giftige Viper war? Was sie wiederum beinahe wieder zu einem Gegner machte. Wenn auch nicht jetzt und hier.

Er musterte sie, während sie Tanzhaltung einnahmen und darauf warteten, daß die Musik einsetzte. Das Grün ihres Kleides entsprach exakt dem Ton ihrer Augen und paßte hervorragend zu ihrem seidig roten Haar, der Stoff war von erlesener Qualität, der Schnitt schlicht und zeitlos. Sie war zweifellos eine der schönsten Frauen hier im Saal, und doch ließ sie ihn vollkommen kalt. Einem Vergleich mit Padmé hatte bislang noch keine Frau standgehalten – für ihn war sie das wundervollste Wesen aller Welten gewesen. Ein Engel. Sein Engel. Die ihm einen großartigen Sohn geschenkt hatte.

Das Orchester begann zu spielen, ein Walzer, wie es üblich war. Amüsiert bemerkte er, wie seine Tanzpartnerin sich versteifte, als er begann, sich jedoch überrascht und recht schnell wieder entspannte, als er ihr weder auf die Füße trat noch sonst einen Formfehler beging, sondern sie im Gegenteil sicher und entspannt durch den Saal steuerte. Sein langes Cape wehte hinter ihm her, schwang elegant um sie beide herum und bildete quasi eine natürliche Barriere, die die anderen Paare, die sich nun langsam zu ihnen gesellten, auf Abstand hielt.

Nicht nur Mara war überrascht. Vader spürte unzählige Augen ungläubig auf ihm ruhen, als sie sich drehten und langsam durch den Raum bewegten. Als Antwort beschloß er, den Platz, den man ihnen aus Respekt oder Furcht gewährte, auszunutzen, und flocht einige dramatische und durchaus beeindruckend aussehende Figuren ein, die Mara entweder kannte oder eine große Emphatie bewies, indem sie sich mühelos seiner Führung überließ und jede Bewegung fließend mitmachte. Sie lächelte sogar, als sie das Staunen der anderen Gäste bemerkte, und schien den Tanz langsam zu genießen.

Als das erste Stück endete, verneigte Vader sich formvollendet vor seiner Partnerin, die höflich mit einem Hofknicks erwiderte. Beide knurrten innerlich über diese aufgezwungene Artigkeit, fügten sich aber. Und beiden hatte es – obwohl sie es nicht laut zugeben würden – mehr gefallen als gedacht.

Der schwarze Lord bot Mara wieder seinen Arm, um sie zum Kaiser zurückzubringen, aber der winkte lächelnd ab. „Nein, nein, amüsiert euch, meine Kinder!“

Innerliches Stöhnen auf beiden Seiten, als sie sich unschlüssig ein Stück weit vom Thron entfernten und dann stehenblieben. Stumm.

  „Habt Ihr einen Wunsch, Mara?“ fragte Vader schließlich im Bemühen, höflich zu sein. Er wusste, dass jede Kleinigkeit seines Verhaltens dem Kaiser zugetragen werden würde.

  „Ja. Euren Kopf auf einer Lanze.“, fauchte die Rothaarige.

  „Charmant wie immer.“, versetzte Vader ungerührt. „Manche Wünsche sind unerfüllbar, Dame. Champagner, stattdessen?“ Er winkte einem Kellner und nahm ein Glas für sie von dessen Tablett. Erstaunlicherweise trank sie wirklich daraus, statt es ihm ins Gesicht – oder auf die Maske – zu schütten.

  „Schade, dass Euer Sohn Euch nicht begleitet hat. Ich hätte dieses Wunderwesen gerne kennengelernt, nun, nachdem er endlich bei Euch ist.“

Er sah sie prüfend an. Zwischen dem Spott und dem scheinbar beiläufigen Hieb, dass sie bereits Bescheid wusste,  blitzte echtes Interesse durch... und soviel persönliche Neugier, dass vielleicht doch etwas unter ihnen blieb. Eventuell. Oder sie ihn das glauben lassen wollte.

  „Er ist noch nicht soweit.“ meinte er deshalb nur ruhig. „Aber vielleicht könntet Ihr mir den Namen desjenigen nennen, der unserem Meister verraten hat, dass er bei mir ist… damit ich mich bei ihm bedanken kann.“ ergänzte er zynisch.

Über ihr Gesicht lief eine beinahe unmerkliche Welle des Mitleids - erstaunlich. Sie wusste, dass Vader denjenigen finden und elimieren würde. „Wer auch immer es war… er hatte wohl kaum eine Wahl, oder?“ sagte sie überraschend bitter. Kannte sie den Spion etwa? Lag ihr etwas an ihm?

  „Wohl nicht.“, stimmte er nach einem Moment zu. Wieder musterte er sie. „So widerlich findet Ihr mich doch gar nicht. Gebt es zu.“

In ihren Zügen mischte sich Ärger, Hass und Amüsement. Schließlich traten die ersteren beiden in den Hintergrund, und sie grinste kurz. „Nun, wenigstens könnt Ihr tanzen, im Gegensatz zu den meisten hier. Aber wieso sagt Ihr das?“

  „Eure Schilde sind ziemlich löchrig.“, stellte er schlicht fest. „Ich könnte Euch lehren, sie dichtzubekommen – offensichtlich tut er es ja nicht.“

  „Das geht nicht!“ wehrte sie erschrocken ab. „Er würde das sofort bemerken… und es ist gefährlich, hier darüber zu reden!“

  „Keine Sorge. Er weiß, dass wir uns nicht grün sind – er erwartet keinen Smalltalk. Ihr dreht ihm den Rücken zu, mir sieht er nicht an, ob ich spreche – und mental bekommt er nichts von unserer Unterhaltung mit, dafür sorge ich. Entspannt Euch.“ Er sah zu ihr hinunter. „Noch einen Tanz?“

  „Gern.“, sagte sie ungefähr so überrascht wie er es von sich selbst war, denn das konnte ihn den Kopf kosten, wenn sie es weitergab…

Stumm nahm er ihr das Glas ab und entsorgte es, dann führte er sie wieder auf die Tanzfläche.

 

Auch Luke hatte mittlerweile sein Ziel erreicht. Die Kontrollen, die ihn schon einige Parsec vor dem Planeten orteten, waren offensichtlich informiert und ließen ihn durch, nicht ohne ihn herzlich willkommen zu heißen wie einen verlorenen Sohn – ebenso wie die Techs, die seinen Jäger zum Warten in Empfang nahmen, als er gelandet war und in einen Hangar rollte. Man wies ihm den Weg zur Prinzessin, wodurch er unvermutet in einer riesigen Party landete – und wurde, ehe er sich’s versah, hochgehoben und mit dem Gesicht in zotteliges Fell gedrückt. Übermenschlich starke Arme knuddelten ihn und zausten sein Haar, während Wookieeheulen seine Ohren betäubte.

  „Mmpf!“ protestierte er und keuchte, als er wieder Luft bekam. „Ist ja gut, Chewie, laß mich runter!“ Lachend strampelte er und wurde sanft abgesetzt, nur, um sofort von Leia umarmt und geküßt zu werden.

  „Luke! Endlich bist du hier!“ Sie strahlte über das ganze Gesicht. „Alles Gute zum Geburtstag!“

Er lachte. „Und dir auch! Ich habe leider kein Geschenk für dich, also dachte ich, ich bringe mich selbst…“

  „Das ist das schönste Geschenk, das ich bekommen konnte!“ Sie lächelte warm, doch dann glitt ein Schatten über ihr Gesicht. „Beinahe.“ fügte sie leise hinzu, und Luke wußte, daß sie von Han sprach. Doch sie hatte sich schnell wieder im Griff, dank ihrer diplomatischen Ausbildung, und lächelte schon wieder. „Daß du endlich wieder da bist, unversehrt, das ist wundervoll, Luke! Wir brauchen dich hier so sehr – deine Staffel wartet auf ihren Commander, und wir haben junge Piloten, die wir ausbilden müssen… es gibt so viel zu tun, Luke!“

Ihm wurde heiß und kalt, als ihm bewußt wurde, daß er in der Falle steckte. Verdammt… er hatte nicht bleiben wollen! Wie kam er hier wieder raus? Hielt ihn denn jeder gefangen? Als Leia weiterplapperte und ihm ohne Punkt und Komma aufzählte, was er alles tun sollte in den nächsten Tagen und Wochen, stahl sich der kleine, verräterische Gedanke in seinen Kopf, daß er da bei Vader mehr Freiheiten gehabt hatte… dort konnte er lernen. Hier schienen alle nur von ihm zu fordern, nicht zu geben. Sicher, hier waren seine Freunde, aber… was bekam er dafür zurück? Und außerdem zwangen sie ihn dazu, gegen seinen Vater zu kämpfen… und das konnte er nicht. Nicht mehr.

Verflucht!

Er wurde weitergereicht an Lando, an Wedge, an andere, bekannte, lächelnde Gesichter, lächelte zurück, bekam Getränke und Snacks gereicht und nahm sie dankend an, aber er fühlte sich wie ein Krayt-Drache an einer Leine… gefangen und in die Enge getrieben.

 

Der Ball nahm seinen Lauf, und die Gäste waren nun seit einiger Zeit schon sich selbst überlassen – auch der dunkle Lord und seine Begleiter.

Arik trat neben Vader, der nach einigen überraschend angenehmen Tänzen mit Mara ein wenig abseits stand und die Massen der Höflinge beobachtete. Die Anwesenden warfen ihm zwar immer wieder neugierige Blicke zu – es war für die meisten selten bis unmöglich, den gefürchteten schwarzen Lord aus solcher Nähe zu sehen – mieden aber seine direkte Nähe, wenn es ging, oder beeilten sich, ihn zu passieren, ohne es allzu offensichtlich erscheinen zu lassen. Der junge Captain amüsierte sich darüber, aber da er seine Schilde des Kaisers wegen hochgezogen hatte, konnte er ihre Gedanken nicht lesen. Kein großer Verlust in den meisten Fällen, entschied er nach einem Rundblick. Aufgesetztes, hohles Gelächter drang an seine Ohren, und der tatsächliche Inhalt der meisten Gespräche tendierte gegen Null. Viele der anwesenden Damen schienen ihren gesamten Bestand an Make-up aufgetragen zu haben… mit einem Spachtel, vermutlich. Bei einigen drohten die Nähte den wogenden Fleischmassen jederzeit nachzugeben, bei anderen taten einem aufgrund der schreienden Farben oder allzu jugendlichen oder sogenannten „modischen“ Schnitte die Augen weh. Bei den Männern hielt sich das den Mächten sei Dank in Grenzen, viele von ihnen waren in Uniform. Hier ließ jedoch oft das Benehmen zu wünschen übrig. Alkohol in rauhen Mengen, Häppchen im Überfluß, rote, glänzende Gesichter und glasige Augen, die in den Ausschnitten der Damen versanken. Es gab nur wenige Ausnahmen davon.

Auch Vader war längst – schon vor vielen Jahren - zu diesem Ergebnis gekommen. Er konzentrierte sich mittlerweile auf diese Ausnahmen, machte sich gedankliche Notizen darüber, wer sich nicht dem Plebs anschloß, höflich war, aber auf Abstand bedacht, wessen Augen klar blieben und ebenso scharf wie die seinen. Und natürlich behielt er seine Begleiter im Blick, bereit, jederzeit einzugreifen, falls es not tat.

  „Schau sie dir an.“ sagte er leise.

Wen? Die bunten Paradiesvögel der Gäste? Arik folgte seinem Blick. Nein - eine beiläufige Geste wies zu Piett, der sich in den Schutz einer großen Pflanze geflüchtet hatte, sich bereits den ganzen Abend am selben Glas Champagner festhielt und Gespräche zwar nicht verweigerte, wenn ihn jemand ansprach, aber selbst keine suchte.

  „Der Arme.“ Der junge Captain sah mitfühlend hinüber. „Er scheint sich ganz und gar nicht wohlzufühlen.“

  „Stell ihn auf die Brücke eines beliebigen Schiffes, gib ihm zwei Taktikschirme, einen Offizier mit einem kurzen Bericht, und er wird dir eben aus dem Schlaf geweckt eine Schlacht gewinnen. Aber das hier ist nichts für ihn. Ich hätte ihm das gern erspart, aber leider musste ich ihn mitnehmen. Aber Max…“ Arik folgte dem unauffälligen Fingerzeig und sah Veers, umringt von einem Pulk Offizieren und schönen Frauen. Er bildete den natürlichen Mittelpunkt, schien von innen heraus zu leuchten, beherrschte die Situation mit der Gelassenheit und Eleganz eines Königs. Er machte mühelos Konversation, lächelte, verneigte sich vor den Damen, nickte den Herren zu, beherrschte all die kleinen Gesten, die auf dem Parkett der Diplomatie notwendig waren.

  „Ist er nicht wundervoll?“ Vaders Stimme war sanft und zärtlich – erstaunlich, dass der Vokoder solche Laute produzieren konnte.

Arik sah zu dem verliebten Sithlord auf und lächelte. „Ja, Meister.“

 

Veers, auf der anderen Seite, bedauerte, dass es ihm nicht möglich war, den Abend an Vaders Seite zu verbringen – zu auffällig wäre es gewesen, würde der eherne Einzelgänger Vader plötzlich in Begleitung auftreten. So mischte er sich unter die Gäste, unterhielt sich, sammelte Informationen, die spärlich gesät waren in all dem leeren Geplauder, knüpfte Kontakte zu einigen der Gäste, die gleich ihm nicht aus Geltungsdrang und Lüsternheit hier waren, sondern der Pflicht wegen, und begann, die ersten zarten Fäden eines Netzwerkes zu spannen.

Und immer wieder huschte sein Blick zu Vader, der wie ein schwarzes Phantom durch die Massen glitt, gelangweilt und nur den Befehlen seines Meisters gehorchend. Es gab durchaus Gäste, die es wagten, ihn anzusprechen, aus den verschiedensten Gründen. Manche davon festigten ihr eigenes Netzwerk oder das Vaders, die meisten jedoch wollten einmal für wenige Sekunden im Kielwasser des wohl berühmtesten und gleichzeitig gefürchtetsten Mannes der Galaxis mitschwimmen. Ein Wort, ein Gruß von ihm adelte und öffnete Türen, ein schlichtes Nicken genügte schon, Wege zu ebnen.

Doch was er auch tat, ob er mit jemandem sprach oder stumm und reglos wie eine Statue irgendwo stand, immer strahlte er die kalte, überirdische Majestät aus, die Veers so an ihm bewunderte und die seinen Ruf nicht unwesentlich prägte. Max lächelte leise, und Stolz durchflutete ihn ebenso wie das Glück, diesem Mann täglich nah sein zu dürfen… und ihn besser zu kennen als jeder hier. Vielleicht war es gerade dies, was Veers so viel Stärke und beinahe spürbare Macht ausstrahlen ließ, Macht und ein Charisma, das die Leute anzog, die ihm ebenso nah sein wollten wie er Vader… doch er merkte es nicht. Sein eigener Erfolg war ihm schlicht nicht bewußt.

 

Luke, auf seiner eigenen Party, hatte sich ebenfalls an den Rand zurückgezogen und beobachtete das lärmende Treiben vor ihm mit gewissem Unwohlsein. Nicht nur, daß er seinen Vater enttäuschte, wenn er nicht zuhause war, wenn dieser zurückkam – er fühlte sich fremd hier. Es war nicht mehr sein Platz. Er liebte Leia, er vermißte Han und verehrte Chewbacca, aber dies alles hier… das war nicht mehr sein Kampf. Es war nicht so, daß er plötzlich gegen die Rebellion war… oder für das Imperium. Das nicht. Aber er gehörte zu seinem Vater. Blut war dicker als Wasser… das wußte er jetzt.

Wie also kam er hier weg? Sein Blick, der ziellos durch den Raum streifte, blieb auf Mon Mothma hängen, die sich erstaunlicherweise heute unter die Massen gemischt hatte – offensichtlich war Leia bedeutend genug, um ihr diese Ehre zu erweisen. Eine Idee durchzuckte ihn. Vielleicht konnte sie ihn auf eine Mission schicken? Und vielleicht konnte er sich dann irgendwo absetzen… ein anderes Schiff kaufen und nach Vjun zurückkehren?

Kurzentschlossen setzte er sich in Bewegung, schlängelte sich durch die Tanzenden und verneigte sich knapp vor der Führerin der Rebellion, die in Begleitung General Crix Madines war.





 „Guten Abend, Mon Mothma. Dürfte ich Sie wohl einen Augenblick sprechen?“

39

 Der Ball näherte sich seinem Ende, ohne daß noch etwas Besonderes vorgefallen wäre. Aber Vader war sich sicher, daß der Kaiser noch etwas plante. Er konnte es spüren… Palpatine war voller dunkler Vorfreude. Und das Hinauszögern gehörte zu seinem Plan.

Als ein Herold verkündete, daß der Imperator den Ball verlassen wolle und die Gäste lange Reihen eines Spaliers bildeten, wandte er sich Arik zu.

  „Bring Max möglichst unauffällig ans andere Ende der Reihe. Schnell!“ befahl er, bevor er seinen Platz einnahm. Arik nickte und kam der Aufforderung nach, prüfte im Gehen schon seine Schilde und verstärkte sie nochmals, während er Veers begleitete. Piett, machtblind und ungefährlich, verblieb in Vaders Nähe.

Der Kaiser erhob sich, stützte sich schwer auf seinen Stock und kam langsam die Stufen seines Throns herunter, während der gesamte Saal vor ihm niederkniete und er bedächtig und vorgeblich mühsam die Reihen entlangflanierte, leutselig nach allen Seiten nickend, gefolgt von Mara Jade und den allgegenwärtigen imperialen Gardisten.

  Bastard! fluchte Vader stumm, der wie alle anderen mit gesenktem Kopf wartete. Das ist Absicht. Du kannst es nicht lassen, deine Untergebenen auf ihre Plätze zu verweisen, wie, oh glorreicher Herrscher?

Er sah nicht auf, genau wie es befohlen war, und die leistungsstarken Mikrofone und Lautsprecher in seinem Helm folterten ihn mit dem quälend langsam näherkommenden Rascheln der Kutte, dem vorgetäuschten Altmännerschlurfen und dem unrhythmischen Aufsetzen des Gehstocks – bis es schließlich, direkt vor ihm, verstummte.

  Jetzt. dachte Vader ergeben. Jetzt ist es soweit. Er wappnete sich innerlich gegen das Kommende, das sicher alles andere als angenehm werden dürfte.

  „Erhebt Euch, meine Getreuen.“, zischte die Stimme des Kaisers direkt vor ihm. „Ihr alle… bis auf Euch, Vader.“

  Ah… nicht mehr, ‚mein Freund’, hm? Nicht mehr ‚mein Schüler’ – und nicht einmal mehr ‚Lord’ Vader? dachte der dunkle Lord und verharrte unbeweglich. Und ein ‚Getreuer’ bin ich wohl auch nicht mehr? Ich bin gespannt.

  „Euch will ich auf beiden Knien vor mir sehen.“, fuhr der Imperator genüßlich fort. Die Menge um ihn herum erhob sich langsam und verwirrt, leises, erregtes Gemurmel hob an, wenn auch nicht im direkten Umkreis. Soviel Mut – oder so wenig Verstand – hatte dann doch niemand.

  WAS?

  „Auf beide Knie, Vader.“, wiederholte der Sith leise und drohend. „Sofort.“

  Dafür wirst du bezahlen, Palpatine. schwor sich Vader, kam dem Befehl aber zähneknirschend nach.

  „Ihr habt mir verschwiegen, daß Euer Sohn bereits unter Eurer Kontrolle ist, Vader. Daß Ihr ihn bereits bei Euch habt.“

Das Gemurmel schwoll drastisch an. Vader hatte einen Sohn? Vader?!? Der dunkle Lord fluchte lautlos, er sah im Geiste schon die Schlagzeilen, hörte schon die unzähligen Gerüchte und Parolen, die bald kursieren würden, zusammen mit den krudesten Vermutungen. Wie er das wohl geschafft haben könne. Ob er überhaupt noch ein Mann sei oder Manns genug, ihn hochzukriegen. Welche Frau wohl so verzweifelt sein könne, sich mit einem Monster einzulassen, wieviel sie dafür wohl bekommen und ob sie unter Drogen gestanden habe… Padmés Bild schob sich vor sein inneres Auge, sein Engel, seine geliebte Frau, die so voller Zärtlichkeit und Liebe und so schön gewesen war… Elender Bastard! Er konnte gerade noch seine Faust daran hindern, sich vor weißer Wut zu ballen und zwang sich mit viel Mühe dazu, in die demütige Haltung zu gleiten, die von ihm erwartet wurde.

  „Ich wollte ihn Euch präsentieren, wenn ich ihn umgedreht habe, Meister.“

  „Und wann wäre das wohl gewesen, Vader?“ ätzte der Kaiser. „Gleichzeitig mit den Köpfen der Rebellion, auf einem Silbertablett?“

Na bitte. Er hatte keine gescheiten Argumente – aber er war der Kaiser, er hatte Recht; er war beleidigt und statuierte ein Exempel.

Der Kaiser drückte Mara den Stock in die Hand und hob dann die Hände, um ohne Vorwarnung Machtblitze auf Vader abzufeuern. Geballte Energie in Form von blauen Blitzen zuckte über ihn hinweg, fand den Weg durch seine Panzerung und drang wie tausend Nadeln tief in sein Fleisch. Vader unterdrückte ein Stöhnen und rang um Beherrschung. Sich zu wehren kam nicht in Frage… wenn er seinen Plan durchziehen und seine Tarnung aufrechterhalten wollte, mußte er dies ertragen – oder besser: erleiden.

  „Das hier soll Euch daran erinnern, wo Euer Platz ist, Vader. Ihr seid meine rechte Hand, meine Augen und Ohren im Reich, aber sie nutzen mir nichts, wenn sie blind und taub sind. Wenn meine Augen nicht mehr sehen und meine Ohren nicht mehr hören, müssen sie ausgetauscht werden. Habt Ihr das verstanden?“

  „Ja, Meister.“ preßte der dunkle Lord hervor, wie es von ihm erwartet wurde. Die Drohung war eine Farce. Palpatine brauchte ihn und seine Fähigkeiten – ohne ihn, Vader, würde das Reich zusammenbrechen, und der Kaiser wußte das. Aber offensichtlich war er weder laut noch demütig genug gewesen, denn erneut tanzten Blitze über seinen Körper, stärker als zuvor. Die Umstehenden beobachteten angstvoll und entsetzt, wie die Gestalt des gefürchteten dunklen Lords unter den Blitzen sichtlich gebeutelt wurde und wankte – aber kein Laut des Schmerzes war zu hören, was dem Kaiser merklich mißfiel.

  „Ich sagte: habt Ihr verstanden?“

  „Ja, Meister.“ Der Schmerz brachte die gewünschte Schwäche in seine Stimme, und es kostete ihn alle Kraft, seine mörderische Wut zu maskieren. Aber die Demut fehlte noch immer… und wieder drangen die Energiestöße aus des Kaisers Händen, fraßen sich unerbittlich in jede noch so kleine Lücke in seiner Panzerung, verursachten tragischerweise einen Kurzschluß in seinem Lebenserhaltungssystem, was wiederum durch eine Verkettung unglücklicher Umstände eine Rückkopplung über die Sensoren in seinen Körper auslöste – und ihn ohnmächtig zur Seite fallen ließ. Letzte Funken knisterten noch über die schwarze Panzerung und funkelten wie blaue Sterne über einem gefallenen Ritter.

Eine Ohnmacht? Überrascht von seinem unerwarteten Sieg starrte Palpatine auf den bewußtlosen Körper zu seinen Füßen. Eine wundervolle Demütigung. Oh, das würde wehtun… vor allem, wenn es morgen in allen Zeitungen stand. Er würde höchstpersönlich dafür Sorge tragen, daß die Gerüchte ihren Weg fanden. Vader, der große, mächtige Darth Vader!, am Boden. Einzigartig! Oh, er würde leiden…!

Er nahm seinen Stock aus Maras Händen zurück und verließ den Saal, ohne sich nochmals umzudrehen, voll des Triumphes – und nicht bemerkend, daß sein Schüler nicht mehr atmete, daß das stete Geräusch des Beatmers verstummt war.

Er hinterließ eine schweigende, vor Angst erstarrte Masse – denn wenn selbst Darth Vader nicht vor einer solch drakonischen Strafe des Kaisers sicher war, war keines ihrer Leben auch nur einen Pfifferling wert. Und genau diese Erkenntnis war Sinn und Zweck der Aktion gewesen.

Firmus Piett, der nahebei gestanden hatte, verbarg mühsam sein Entsetzen und hielt Ausschau nach Cass und Veers, die eilig näherkamen, sobald der Kaiser außer Sicht war. Alle drei knieten nun neben Vader, während der Rest der Ballgäste ängstlich Abstand hielt, aber sensationslüstern in Sichtweite blieb.

  „Der Beatmer hat ausgesetzt…“ stellte Arik entsetzt fest. „Er wird ersticken!“

Max versuchte, das Gerät wieder in Gang zu setzen, scheiterte jedoch und fluchte herzhaft. Er überschlug im Kopf die Werte, die er auswendig kannte: Restsauerstoff nach Aussetzen der Beatmung. Länge des Weges bis zum Hangar. Vaders Gewicht – und die Möglichkeiten, ihn so schnell wie möglich dorthin zu bringen.

Verdammt.

  „In einen Nebenraum.“, flüsterte er so leise, daß nur seine beiden Freunde es hören konnten. „Ich muß ihm den Helm abnehmen. In diesem Zustand schafft er es nicht lebend in den Hangar.“

  „Ich kann ein wenig tricksen, denke ich…“ antwortete Arik ebenso. „Admiral, helfen Sie mir. Sie links, ich rechts. General, gehen Sie voraus, finden Sie einen Raum und leeren Sie ihn…“

Veers nickte, während Cass und Piett je einen Arm nahmen und Vader hochzogen. Arik setzte vorsichtig die Macht ein, um das Gewicht zu verringern, und versuchte, sobald Vader ‚stand’, seine Füße so zu bewegen, als ginge er aus eigener Kraft, wenn auch langsam. Es schien zu klappen – und sie bewegten sich langsam zum Ausgang, verfolgt von den starrenden Augen der Meute – die sie umgaben wie lauernde, hungrige Raubtiere, die ihr Alphatier verletzt sehen und ihre Chance wittern.

Veers war vorausgeeilt, hatte die Tür zum erstbesten Raum nach dem Ballsaal geöffnet und setzte die Galauniform mitsamt dem beeindruckenden Ordensspiegel, die er heute trug, seine geübte Kommandostimme und die gesammelte Erfahrung seiner Jahre als Offizier ein, um die darin befindlichen Ballgäste zu verscheuchen – mit solchem Erfolg, dass diese eilig herausstolperten und keine Widerworte wagten.

  „Wir verlieren ihn!“ flüsterte Arik plötzlich panisch, als sie nur noch wenige Schritte von dem Raum entfernt waren. „Er stirbt!“ Piett sah ihn fragend an und beschleunigte als einzige Antwort seine Schritte. „Ich fühle es. Seine Präsenz in der Macht wird schwächer… und sehr schnell.“ erklärte der junge Captain.

Veers hatte die Zeit genutzt, um ihr Shuttle zu benachrichtigen und die Piloten anzuweisen, alles startklar zu machen und sofortige Starterlaubnis zu bewirken – und eine Hovertrage zu ihnen zu schicken. Nun, als er Ariks Worte hörte, wurde er blaß.

  „Nicht, wenn ich es verhindern kann!“

Halb setzten, halb legten sie den dunklen Lord in eine Chaiselongue, und Veers betätigte mit fliegenden Fingern die Tasten, die das Vakuum des Helms lösten, aufmerksam beobachtet von Arik, der dieses Wissen für etwaige künftige Notfälle sorgsam speicherte. Gemeinsam nahmen sie ihm Helm und Maske ab, während Piett vor der Tür Aufstellung nahm, auf ihre Leute wartend und den Raum absichernd und Veers sich wortlos vorbeugte und mit einer Mund-zu-Mund-Beatmung begann, die jedoch keinen Erfolg fruchtete.

  „Herzstillstand.“, stellte Arik plötzlich fest, mühsam nach Beherrschung ringend – was ihm umso schwerer fiel, da er fühlte, wie das Band, das zwischen ihnen bestand, immer schwächer wurde. Die sich lösende Verbindung war schmerzhaft, sie riß an ihm, als würde ihm selbst ein Glied abgetrennt.

Der General versuchte es mit einer Herzmassage, spürte aber nichts und sah auch nicht, dass sich etwas änderte. Er sah Arik an, der den Kopf schüttelte. „Nein. Keine Reaktion.“

Veers fluchte. „Dava, wehe, du stirbst mir hier weg…! Wag es nicht, uns mit diesem Monster alleinzulassen!“ Er musterte die Tasten auf dem Schaltpaneel. „Dem Schöpfer sei Dank hat er sich damals breitschlagen lassen, alle Funktionen des Anzugs beizubehalten. Das Ding hat einen eingebauten Defibrillator – ich habe keine Ahnung, wie der sich auf seinen veränderten Organismus auswirkt. Aber ich schätze, wir haben keine andere Wahl, nicht wahr? Also los.“

Er schloß kurz die Augen, um sich die genaue Reihenfolge der zu betätigenden Tasten ins Gedächtnis zu rufen, und drückte sie dann nacheinander. Noch während er das codierte Signal eingab, hörten beide Männer, wie sich das Spannungsfeld der beiden Kontaktplatten aufbaute, und mit dem Freigeben der letzten Taste wurde die Ladung freigesetzt. Vaders Körper bäumte sich auf.

Arik riß die Augen auf. „Ein leises, mentales Zucken… aber in einiger Entfernung. Nochmal!“

Veers nahm sich nicht einmal die Zeit zu nicken, er war schon wieder an den Kontrollen. Wieder ging ein enormer Ruck durch den Körper des Sithlords, dann tat er einen tiefen Atemzug und begann wieder zu atmen – zeitgleich mit den Kontrollämpchen, die wieder aufleuchteten und die Biosignale bestätigten.

  „Er kommt… er kommt zurück! Wir haben ihn!“ Arik schluchzte beinahe vor Erleichterung, überwältigt von dem, was er fühlte – niemand hatte ihn auf das Band vorbereitet, das zwischen ihm und seinem Meister entstehen würde, und auf das, was er über dieses Band fühlen würde. Und er war nur der Schüler. Wie musste es Luke da erst ergehen?

Es dauerte noch einen Moment, bis die Lider des dunklen Lords flatterten und er die Augen aufschlug.

  „Dava…!“ Veers kniete neben dem Sessel nieder, griff nach Vaders Hand, drückte sie. „Den Mächten sei Dank…!“

  „Was ist passiert?“ fragte Vader schwach.

  „Die Machtblitze haben einen Kurzschluß ausgelöst, glaube ich. Soweit ich das zumindest eben sehen konnte… und dann muß es irgendeine Rückkopplung gegeben haben. Der Beatmer hat ausgesetzt, und dann hat dein Herz aufgehört zu schlagen.“

Vader lächelte leicht. „Jetzt hast du mir schon zum zweiten Mal das Leben gerettet, Max. Wird das zur Gewohnheit?“

  „Ich hoffe nicht.“ Veers versuchte ein Lächeln. „Aber ich hoffe, dass ich da sein werde, wenn es Not tut. Um helfen zu können. Und ich bete, dass es nie wieder dazu kommt.“

Vader nickte schwach. „Das war das letzte Mal, dass er das mit mir machen kann, das schwöre ich. Elender Bastard…“ Er ließ den Kopf nach hinten sinken und schloß die Augen.

Piett schlüpfte vorsichtig durch die Tür. „Unsere Männer sind da…“ Er sah Vaders reglose Gestalt und erbleichte. „Ist er…?“

  „Nein.“, beruhigte Veers. „Aber es hat nicht viel gefehlt. Laß uns von hier verschwinden… aber dazu müssen wir ihm die Maske aufsetzen. Dava?“

Vader brummte und öffnete mühsam die Augen. „Ich bin wach, ich bin wach…“

  „Entspann dich, wir kümmern uns um alles. Aber die Maske muß drauf.“

  „In Ordnung…“ Er hob müde den Kopf, während Veers ihm die Maske aufsetzte und schloß und dann den Helm hinzufügte. Erleichtert hörte er, wie der Beatmer ansprang.

  „Gut – du darfst dich in die Bewusstlosigkeit verabschieden.“ scherzte er. „Wir bringen dich rauf.“

Vader antwortete nicht – er war bereits wieder weggetreten.

 

Schmerz!

Welle um Welle überrollten Luke, der es eben noch geschafft hatte, sich ein wenig von den anderen zu entfernen, in eine dunklere Ecke der Halle, bevor er stöhnend und halb ohnmächtig zusammenbrach. Was war das? Was passierte hier?

Er brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass es sein Vater war, der litt, der starb… beinahe, bis er gewaltsam – und durch noch mehr Schmerz – wieder zurückgeholt wurde und die Wellen langsam nachließen. Das Band, begriff er. Das Vater-Sohn-Band der Macht, das zwischen ihnen entstanden war. Es drohte zu zerreißen, wurde dünner und schwand fast komplett… doch dann, plötzlich, war es wieder da. Noch durchscheinend, aber wieder kräftig und fest.

  Vater…?!

  „Luke!“ rief eine entsetzte Stimme, und freundliche Hände umfassten seine Schultern. „Alles klar? Was ist denn?“

Innerlich fluchend und ohne Antwort erhalten zu haben, sah er auf. Leia.

  „Nichts…“, wehrte er schwach ab. Verdammt, mußt du ausgerechnet jetzt kommen? Er lauschte weiter nach innen, aber da war nichts… nur die Präsenz seines Vaters, lebendig, geschwächt, aber deutlich vorhanden.

  „Nichts?“ echote sie mißtrauisch. „Du schreist vor Schmerzen, kippst um und nennst das ‚nichts’?“

  „Ich habe geschrieen?“ fragte er unangenehm berührt.

  „Nicht sehr laut.“, gab sie zu, und er atmete auf. „Also, was ist los?“

Er zögerte. Anlügen wollte er sie nicht, aber für die Wahrheit würde sie kein Verständnis haben. Daß Vader fast draufgegangen wäre, hätte sie eher bedauert – bedauert, daß er noch lebte, wohlgemerkt. Mitgefühl konnte er von ihr nicht erwarten, zu viel hatten Vader und das Imperium ihr angetan.

  „Ich warte.“ Sie stemmte die Hände in die Hüften und zeigte wieder einmal die störrische-Prinzessin-Pose, die er nicht leiden konnte.

Ein Seufzen. „Jemand, der mir sehr nahe steht, wäre eben beinahe gestorben. Ich habe es durch die Macht gespürt.“

Sie runzelte die Stirn. Die Macht war für sie immer noch etwas sehr Abstraktes – Jedi taten Dinge, die ihr fremd waren, die sie nicht verstehen konnte. Aber wenigstens akzeptierte sie, im Gegensatz zu Han, ihre Existenz. „Ein anderer Jedi?“

Er schüttelte den Kopf. „Nein.“ Ein Sith. dachte er bei sich und grinste innerlich.

  „Aber wie kannst du es dann spüren?“

Stell mir keine Fragen, und ich muß dich nicht anlügen, Leia. flehte er stumm. „Die Macht ist ein Energiefeld, das alle lebenden Dinge erzeugen. Auch du – oder Lando oder Chewie. Alle. Ein Jedi kann Störungen in der Macht spüren. Obi-Wan hat damals die Zerstörung Alderaans gespürt.“

 „Oh.“ Sie nickte. „Ist wieder alles in Ordnung?“

  „Ja. Geh nur, amüsier dich.“ Er lächelte schwach. „Ich denke, ich werde schlafen gehen.“

  „Willst du nicht mit uns feiern? Du hast dich bislang kaum beteiligt, die anderen wundern sich schon.“

  „Mir ist nicht nach feiern, Leia.“

  „Was hat er dir angetan, Luke?“ fragte sie hitzig. „Was hat dieses Monster dir angetan?“

  „Nichts!“ schnappte er gereizt zurück. „Rein gar nichts, im Gegenteil! Warum glaubst du mir das nicht? Denkst du, ich säße hier, wenn er mir etwas hätte tun wollen? Er hatte lang genug Gelegenheit dazu! Sehe ich aus, als hätte er mich gefoltert? Mißhandelt? Verhungern lassen? Mich in einem Loch gehalten wie einen Sklaven oder ein Tier?“

Sie riß die Augen auf und wich erschrocken etwas zurück. „Nein… nein. Aber he, das ist Vader!“

  „Ja, verdammt! Vader! Und ob du es glaubst oder nicht, Leia, er bringt nicht alle paar Minuten jemanden um!“

Die Prinzessin schüttelte, fassungslos über diesen Ausbruch, ein wenig den Kopf. „Hat er dich auf seine Seite gezogen, Luke? Ist es das? Wirst du uns alle verraten?“

Er stöhnte. „Wäre ich dann hier? Hätte es nicht genügt, deine Koordinaten an ihn weiterzugeben? Ich schwöre dir, Leia, ich habe sie nicht weitergeleitet! Und hätte er mir geholfen, ein neues Lichtschwert zu bauen, wenn er mir Böses wollte? Und hätte es verdammt noch mal diese Farbe, wäre ich ein Sith?“ Er hakte aggressiv sein Schwert vom Gürtel und zündete es. Summend stand die leuchtend grüne Klinge zwischen ihnen.

  „Seine ist rot?“ Sie erinnerte sich flüchtig an den Kampf zwischen Vader und Kenobi im Hangar des Todessterns, die einzige Gelegenheit, bei der sie Vaders Klinge gesehen hatte.

  „Ja. Alle Sith haben rote. Diese Kristalle hier haben sich mich ausgesucht, nicht umgekehrt. Grün ist die Farbe der Jedi-Diplomaten, das hat er mir u-“ Er unterbrach sich, als er bemerkte, dass er beinahe Arik verraten hätte. „…mir erklärt. Die roten standen mir nicht einmal zur Auswahl.“

Leia starrte ihn eine Weile nachdenklich an. „Es war Vader, den du gespürt hast, nicht wahr?“ fragte sie dann leise. „Vorhin.“

Er zögerte, nickte schließlich. „Ja.“

  „Aber… du sagtest, es wäre jemand, der dir nahestünde.“ tastete sie sich vorsichtig vor.

  „Das habe ich.“ versetzte er knapp und ließ durchblicken, daß er diese Frage nicht ausführlicher beantworten würde.

  „Ist er tot?“ Ihr Tonfall war hart, wie erwartet.

  „Nein. Aber es hat nicht viel gefehlt.“

Sie legte den Kopf schräg. „Was ist passiert?“

Er schloß die Augen. „Ich weiß es nicht. Ich kann nur vermuten. Er ist auf Coruscant, beim Kaiser, auf dem Ball zum Imperiumstag. Ich nehme an, dass Palpatine irgendetwas Übles mit ihm gemacht hat.“ Hatte der Kaiser seinen Vater für Etwas bestraft? Hatte Vader sich vielleicht doch geweigert, ihn, Luke, zu ihm zu bringen? Wenn er bestraft wurde… des Kaisers Unmut erregt hatte… war er doch auf seiner Seite. Oder? Verdammt. Er musste nach Hause.

  „Der Kaiser?“ Ungläubigkeit zeichnete sich in ihren Augen ab. „Was sollte dieser altersschwache Kerl denn mit Vader anstellen? Hat er seine Kettenhunde im Dutzend auf ihn losgelassen?“

  „Selbst das würde Vader nicht sonderlich beeindrucken, glaub mir. Da braucht es stärkere Geschütze.“ Luke seufzte. „Der Kaiser ist ein Sith, Leia. Er ist Vaders Meister. Und nur er kann ihm wirklich gefährlich werden.“

  „Ein Sith?“ keuchte sie entsetzt und fassungslos auf.

  „Wem sonst, glaubst du, würde sich ein Darth Vader jemals unterordnen?“ fragte er müde. „Er war schon immer einer, schon, als er noch Senator auf Naboo war. Er hat das alles seit Jahrzehnten geplant… Imperator zu werden war sein Ziel von jeher.“

  „Aber… aber dann ist alles verloren! Alles umsonst, was wir hier versuchen!“ sagte sie fassungslos.

  „Wer weiß… vielleicht nicht.“ erwiderte er kryptisch. „Stell mir keine Fragen mehr, bitte. Auch nicht, warum ich jetzt hier bin. Ja? Vertrau mir einfach, so wie früher. Ich will den Kaiser vernichten, genau wie du.“

Sie sah ihn zweifelnd an. „Na schön. Aber du solltest mit Mon Mothma reden.“

Er grinste schief. „Alles schon geplant. Morgen früh. – Aber, bitte: behalte für dich, was ich dir eben gesagt habe.“

  „Das kann ich nicht, Luke.“ Sie sah ihn ernst an.

Er schloß die Augen. Verdammt. Also wurde er zu etwas gezwungen, was er vermeiden wollte. „Das tut mir wirklich, wirklich leid, Leia…“ sagte er sanft, als er seine mentalen Finger ausstreckte, in ihren nahezu ungeschützten Geist eindrang und die Erinnerungen an die letzte halbe Stunde tilgte, wie er es von Vader gelernt hatte. „Aber ich muß es tun.“

Leia blinzelte einen Moment später und sah ihn verwirrt an. „Mir ist ein wenig schwindlig.“

  „Zuviel getrunken? Oder zuwenig?“ scherzte Luke gezwungen.

  „Eigentlich nicht… was wollte ich eben tun?“

  „Mir zeigen, wo ich schlafen kann.“

  „Oh… richtig. Komm.“

 

 

40

 Arik hatte es sich nicht nehmen lassen, die Fähre selbst zur EXECUTOR zu fliegen, während Veers bei dem immer noch bewußtlosen Sithlord im Passagierabteil verblieben war. Piett leistete ihm stumm Gesellschaft und konnte beobachten, wie die Hand seines Freundes immer wieder zuckte, als wolle sie nach der Vaders greifen, es sich jedoch der anwesenden Sturmtruppen wegen verkniff.

  „EXECUTOR, hier ST321. ETA in sieben Minuten. Erbitte medizinisches Notfallteam in Lord Vaders Hangar sowie Kontakt mit der persönlichen Ärztin Lord Vaders.“

Der Operator an Bord des Flaggschiffes bestätigte knapp, gab die entsprechenden Impulse weiter und verband Arik mit der Krankenstation.

  „ST321, hier Corva. Um welche Art von Notfall handelt es sich?“

  „Lord Vader hatte einen Herzstillstand, verursacht durch die Machtblitze des Imperators. Zwei Schocks durch den Defibrillator in seinem Anzug haben ihn zurückgeholt, aber er ist bewußtlos und sehr schwach.“

Ein unterdrückter, aber äußerst bildreicher Fluch drang durch den Äther. „Verstanden, Arik. Ich bereite alles vor. Bis gleich.“

Als sie landeten – so sanft wie bei dem anderen Mal, als sie Luke von Bespin geholt hatten – war eine Intensivstation schon vorbereitet, die Gänge dorthin waren geräumt und Corva nahm bereits im Rennen neben der Antigravliege, die von Pflegern geschoben wurde, erste Scans vor. Arik, Veers und Piett folgten langsamer – es hätte sonderbar ausgesehen, wären sie ebenfalls gerannt.

Für Veers war schon vorgesorgt: Corva hatte Anweisung gegeben, für ihn sterile Kleidung bereitzulegen, so daß er zu ihr hereinkonnte, und Arik nahm sich einfach ebenfalls welche. Corvas entrüsteten Protest tat er ab mit den Worten: „Ich kann mehr spüren als Ihre Scanner, Doktor. Ich kann Ihnen sagen, ob er stabil ist oder nicht, noch bevor sie das Signal erfaßt haben.“

Die Ärztin knurrte, fauchte aber nur: „Kommen Sie mir nicht in die Quere!“ und arbeitete weiter. Da sie aber alle anderen Helfer hinausgeworfen hatte, egal, ob humanoid oder droidisch, wurden sowohl Max als auch Arik bald für Handlangerdienste eingespannt und mußten als erstes helfen, den dunklen Lord von Maske und Rüstung zu befreien.

Einige Minuten später stand jedoch fest, daß Vader definitiv außer Lebensgefahr war und keine bleibenden Schäden davontragen würde. Alle drei sahen sich über dem mittlerweile künstlich bewußtlos gehaltenen Körper erleichtert an.

  „Ihr wißt schon, daß ihr ihn buchstäblich in letzter Sekunde zurückgeholt habt, ja?“ fragte Corva ernst.

Arik nickte. „Er war nur noch ein Funke, wo sonst ein Feuer brennt.“ sagte er leise. „Schwer zu beschreiben. Wir hatten ihn beinahe verloren.“

  „Verdammter Bastard…!“ fluchte die Ärztin und tupfte sanft Schweiß von Vaders Stirn. „Ein Glück, daß Sie sich mit diesem Anzug auskennen, Max…“

Veers war blaß, aber gefaßt. „Er hat mich gefragt, ob das jetzt zur Gewohnheit würde bei mir…“ Er versuchte ein Lächeln. „Ich bete zum Schöpfer, daß er damit kein prophetisches Wort getan hat.“

  „Nicht nur Sie, Max… nicht nur Sie.“ Corvas Blick schweifte über die Anzeigen der Scanner über dem Biobett. „Sieht gut aus. Wenn ich nicht wüßte, wer hier liegt, würde ich meine Instrumente samt und sonders rekalibrieren lassen. Es ist unglaublich, wie schnell er heilt! Jeden anderen würde ich eine Woche zur Beobachtung hierbehalten – vorausgesetzt, dieser ‚andere’ hätte das überhaupt überlebt! – aber ich glaube, ihn müßte ich morgen schon ans Bett ketten, um ihn dazu zu bringen, hierzubleiben.“ Sie seufzte. „Also schön. Ich erzwinge einige Stunden Schlaf, aber nicht zu viel, sonst killt er mich. Max, denken Sie, Sie könnten ihn überreden, nochmal bei mir reinzuschneien, bevor Sie nach Bast zurückkehren? Nur zur Sicherheit.“

Der General nickte grimmig. „Und wenn ich ihn mit einem lebenden Pelzmantel aus Ysalamiri behängen muß.“

  „Also schön. Dann erlöst mal den armen Admiral vor der Tür und holt euch auch eine Mütze voll Schlaf. Sein Zustand ist stabil, keine Sorge. Ihr verpaßt nichts.“

 

Luke sah sich in dem Raum um, der ihm als Schlafplatz zugewiesen worden war. Er teilte ihn sich mit einem anderen Piloten, den er noch nicht kannte, und außer einem Doppelstockbett und zwei Spinden paßte nicht mehr viel hinein.

Klasse. Dachte er bei sich, als er sich unter dem kalten Licht der nackten Beleuchtung langsam um sich selbst drehte. Du bist doch wirklich der größte Trottel unter zwei Sonnen. Warum bist du eigentlich hier, du Depp?

Das Gespräch mit Mon Mothma morgen früh würde auch spannend werden… unter Umständen mußte er wieder die Macht einsetzen, wenn er verhindern wollte, daß es für ihn zu sehr zur Inquisition wurde und sie zu viel erfuhr. Sie hatte ihn mit Fragen überschwemmt, und er hatte sie nur mühsam auf den Folgetag vertrösten können.

Warum hat Vader Sie gerettet? Was haben Sie von ihm erfahren, was der Allianz nützlich sein könnte? Was hat er Ihnen angeboten? Warum sind Sie hier?

Ja… warum bin ich eigentlich hier?

Er würde sie anlügen müssen. Das war das einfachste. Er war der einzige Jedi weit und breit, und niemand würde es jemals bemerken. Nur: was sollte er ihr erzählen? Vielleicht eine Mischung aus beidem – daß Vader dachte, er, Luke, sei nützlich für ihn, und er jetzt durch eine Verkettung glücklicher Umstände entkommen konnte?

Er seufzte. An Schlaf war nicht zu denken – er würde die Nacht darauf verwenden, sich eine plausible Geschichte einfallen zu lassen.

 

Die Führerin der Allianz, die ehemalige Senatorin von Chandrila, Mon Mothma, hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, ihren Tagesrhythmus nach der Coruscanter Palastzeit auszurichten – egal, wo die Rebellenbasis sich gerade befand. Das hatte den Vorteil, dass sie unter Umständen die Schlagzeilen der Morgenmagazine vor ihren Untergebenen bekam… und entsprechend handeln konnte.

Heute morgen jedenfalls verschluckte sie sich kräftig an ihrem Kaf und las hustend und mit tränenden Augen die Meldung ungläubig ein zweites Mal, bevor sie ihre Tasse stehenließ und zu General Crix Madine hinübereilte, der, ebenfalls schon wach, an seinem Schreibtisch ein Zimmer weiter saß. Sie waren ein Liebespaar, was aber nur wenigen Rebellen bekannt war. Madine, ein ehemaliger Imperiumsoffizier, war vor einiger Zeit zu den Rebellen gestoßen und hatte wertvolles Wissen mitgebracht, was ihn innerhalb der Allianzhierarchie schnell aufsteigen ließ – jedoch war er nicht allzu beliebt bei den Leuten, da er sich, wie Mothma, ein wenig zu sehr abgesetzt hatte und hoch und nahezu unerreichbar über allem schwebte.

  „Sperr das Holonet!“

Madine sah die sichtlich erregte Rebellenchefin erstaunt an, drehte sich jedoch ohne weitere Fragen zu seinem Terminal und nahm die notwendigen Handgriffe vor. „Schon wieder? Was hast du diesmal Gefährliches entdeckt?“

  „Gefährlich? Im Gegenteil! Nützlich!“ Sie zeigte das Lächeln einer Schlange vor dem Beutetier. „Hier, schau dir das an!“ Sie reichte ihm ein Datapad, auf dem einige Schlagzeilen zu lesen waren.

  „’Glamouröser Auftakt in die Ballsaison’ – Mon, ich bin wirklich nicht an einer Liste der High Society und der Beschreibung ihrer Abendroben interessiert…“

  „Nicht das! Darunter!“

Madine las weiter und suchte die Meldung, die sie offensichtlich meinte. „’Skandal um den dunklen Lord – Imperator lässt Milde walten’ – das?“

  „Lies!“ drängte sie.

Er klickte den Artikel an und überflog ihn. „WAS? – Nein!“

Sie grinste. „Doch.“

  „Vader – VADER! – hat einen Sohn?“

  „Ganz offensichtlich.“

  „Aber wie, beim Chaos… ich meine, der Kerl ist doch ein Cyborg! Wie kann er da ein Kind zeugen?“

  „Das dachte ich auch - zunächst. Aber überleg doch mal – wann ist er das erste Mal aufgetaucht?“

Madine überlegte. „Mit der Gründung des Imperiums.“

  „Genau. Wo war er davor?“

Er zuckte die Schultern. „Darauf gibt es keine Antwort. Das fragt sich die halbe Galaxis seit über zwanzig Jahren.“

  „Genau. Und wer verschwand mit der Gründung des Imperiums?“ fragte sie geduldig weiter.

Der General runzelte die Stirn. „Die Jedi?“

  „Richtig.“

  „Moment. Du denkst, dass Vader ein Jedi - ?“

  „Ich denke nicht nur, ich bin mir sogar ziemlich sicher. Wer war Protegé Palpatines, bevor er Kaiser wurde?“

Er stöhnte. „Mon! Es ist früh am Morgen, und ich war kein Diplomat, sondern Offizier!“ Knurrend grübelte er nach. „Warte… da war so ein junger Bursche, ein Jedi-Lehrling, der irgendwie immer wieder mit ihm zusammen gesehen wurde… wie hieß der doch gleich? Starkiller?“

  „Besser.“ schmunzelte sie. „Anakin… Skywalker.“

  „Skywalker?“ echote er ungläubig. „Etwa wie in… LUKE Skywalker?“

Sie nickte langsam und lächelnd.

  „Du meinst – Commander Skywalker ist… VADERS SOHN?“

  „Du hast es erfasst, mein Schatz.“

  „Und was werden wir nun tun?“

Ein weiteres Schlangenlächeln. „Da habe ich schon eine Idee.“

 

In einer Cafeteria des Stützpunkts saß zur selben Zeit Luke und stöberte ebenfalls im Holonet. Er hatte kein Auge zugetan und gegen Morgen beschlossen, aufzustehen und sich im Netz umzutun, ob er etwas über seinen Vater finden würde.

Und auch er stieß auf den besagten Artikel, der sowohl die Tatsache bekanntgab, daß Vader einen Sohn hatte, als auch, daß er vor dem Kaiser geheimgehalten habe, daß dieser bereits in seiner Gewalt war. Er las ihn, immer wütender werdend, und verfolgte mit einem harten Knoten des Zornes im Bauch die Endlosschleife des Filmschnipsels, der in den Artikel eingebettet war: Vader, der unter den Blitzen des Kaisers vor Schmerzen zuckte und schließlich leblos zur Seite sank.

Darunter stand als Abschluß des Artikels: „In seiner gnadenvollen Güte hat seine Majestät, der glorreiche Imperator Palpatine, die Maßregelung seiner rechten Hand, Lord Darth Vader, in dem Augenblick beendet, als dieser ohnmächtig wurde. Über den Zustand seiner Lordschaft, der von seinen Offizieren umgehend an Bord der EXECUTOR gebracht wurde, ist nichts bekannt. Gerüchte über sein Ableben wurden vom Palast jedoch umgehend dementiert. Wir wünschen Lord Vader im Namen der Redaktion und unserer Leser baldige Genesung.“

Maßregelung? Gnade??? Luke starrte ungläubig und wütend auf den Schirm – als dieser plötzlich dunkel wurde und kurz darauf die Startseite des internen Allianznetzes erschien. „He! Was ist denn jetzt los?“ rief er erbost. Er versuchte, die externe Seite neu zu laden, bekam aber keine Verbindung.

  „Ist das Netz mal wieder weg?“ Ein ihm unbekannter Pilot seines Alters schlenderte müde zu ihm herüber, nippte an einer dampfenden Tasse Kaf und starrte auf den Schirm, auf dem sich nur das Logo der Allianz drehte, zwischen einigen Hotlinks für interne Seiten. „Passiert hier laufend. Keine Ahnung… vermutlich brauchen sie die Ressourcen für irgendwas anderes. Angeblich zieht das Netz einen Haufen Energie.“

  „Das ist doch Banthamist!“ fluchte Luke, wobei nicht ganz klar wurde, ob er die Tatsache an sich meinte oder die Richtigkeit der Behauptung in Frage stellte – die der Pilot natürlich nur weitergab.

Der Pilot zuckte die Schultern. „Gewöhn dich dran.“ Er streckte ihm die Hand entgegen. „Ich bin Jin Ralter.“

 „Luke Skywalker.“ Der Commander ergriff die Hand und schüttelte sie. „Ralter? Ich kannte einen Dak Ralter… er war mein Bordschütze in der Schlacht von Hoth.“

  „Mein Cousin.“ Jin zog eine leichte Grimasse. „Meine Eltern wollten, daß ich die Allianz verlasse und einen sicheren Platz suche, nachdem Dak gefallen war. Sie konnten nicht verstehen, daß ich gerade darum bleiben wollte.“

Luke runzelte fragend die Stirn. „Einen sicheren Platz?“

Jin grinste flüchtig. „Daks Eltern – und meine – waren nach Kalist VI deportiert worden. Dak und ich wurden dort geboren. Ein Lager – und mag man noch so lange dort leben – kann nie als Zuhause gelten, oder als „sicherer Platz“. Unsere Eltern waren politische Gefangene des Imperiums.“

Luke wußte nicht recht, was er sagen sollte. „Oh. Das tut mir leid.“

Jin zuckte die Schultern. „Sie leben, immerhin. Was machen deine Eltern?“

  „Ich habe nur noch meinen Vater…“ Luke zögerte. „Und er kämpft seinen eigenen Kampf.“ Nun, das war wohl nicht gelogen, nicht wahr?

  „Irgendwie tun wir das alle…“, meinte Jin. „Bleibt einem ja nichts anderes übrig, wenn man gegen Typen wie den Imp und Vader bestehen will. Wie?“

Luke blieb eine Antwort erspart, als ein sehr junger Rebell neben sie trat und ihn schüchtern ansprach. „Commander Skywalker, Sir? Mon Mothma würde Sie gerne sprechen.“

Luke seufzte lautlos. „Ich komme.“

 

  „Nun, Commander, Ihr Bericht. Bitte.“

Luke stand nicht nur vor Mon Mothma, sondern auch vor Crix Madine, Carlist Rieekan, Jan Dodonna und Ackbar. Ein wenig abseits saß Leia, die ihn ein wenig sonderbar ansah – nachdenklich, irgendwie. Hatte er nicht ordentlich gearbeitet? Erinnerte sie sich etwa? Er warf ihr kurz einen fragenden Blick zu, aber sie lächelte nur. Innerlich atmete er auf.

  „Da gibt es nicht viel zu berichten, Ma’am.“ Er zwang sich zur Ruhe und legte sich vor seinem geistigen Auge das zurecht, was er sagen wollte, wie ein Sabaccspieler, der sein Blatt sortiert.

  „Darth Vader hat Sie gerettet – unser größter Feind. Ist das nicht einen Bericht wert?“ fragte Mothma ein wenig schärfer.

  „Verzeihung, Ma’am. Ich nahm an, der Kaiser sei unser größter Feind. Und ihm bin ich in der ganzen Zeit nicht begegnet.“ sagte er artig und bemühte sich, in seine blauen Augen so viel Naivität hineinzulegen, wie sie der Bauernjunge von Tatooine gehabt hatte.

Die ehemalige Senatorin verengte die Augen, während Rieekan ein Schmunzeln hinter einer Hand verbarg und Leia ihn mit gerunzelter Stirn ansah. „Na schön. Warum hat Vader Sie gerettet? Nach Prinzessin Leias Berichten ist er dabei ein nicht unwesentliches Risiko eingegangen.“

  „Vader ist, wie ich, machtsensitiv. Meine Fähigkeiten waren aber bis vor kurzem ungeschult. Erst Obi-Wan Kenobi hat mir einige Kniffe gezeigt. Als ich begann, die Macht zu nutzen, hat Vader mich wohl gespürt.“ Na… kommt schon. Fragt ihr mich, wo ich nach Hoth gewesen bin, oder nicht?

  „Wie das?“

Schön. Ich hoffe, ihr vergeßt es auch weiterhin. „Man könnte es mit einem großen Raum vergleichen, Ma’am. Für Nichtsensitive ist er dämmrig bis stockfinster. Wer jedoch machtbegabt ist, kann andere unserer Art in diesem Raum sehen, als ob sie eine Laterne trügen.“ Und wer entsprechend geschult ist, besitzt eine Blendlaterne und bleibt im Dunkeln, wenn er es will…

  „Ich verstehe. Er hat also sozusagen gesehen, wie eine neue Laterne entzündet wurde – Sie – und ist diesem Licht nachgegangen. Warum? Gilt Order 66 denn nicht mehr?“

Ah – sehr schön. Wie es scheint, hältst du mich wirklich für so naiv, wie ich erscheinen will, was, Mon? „Order 66, Ma’am?“ fragte er höflich. „Was ist das?“

Vollblutdiplomatin, die sie war, zuckte sie mit keinem Muskel. „Ein Befehl, der am ersten Imperiumstag vom Kaiser ausgegeben wurde und besagte, daß alle Jedi umgehend zu töten seien.“

  „Alle Jedi, Ma’am? Wie konnte Ben dann überleben? Und Vader?“ Langsam begann es ihm beinahe Spaß zu machen.

  „Vader?“ hakte sie sofort und scharf nach, in der Hoffnung, ihn bei einem Fehler ertappt zu haben.

Die großen blauen Augen sahen sie unschuldig an. „Ben Kenobi hat mir das erzählt, Ma’am. ‚Ein junger Jedi namens Darth Vader, der mein Schüler war, bis er dem Bösen verfiel…’“ zitierte er.

  „Soweit wir wissen, war Vader maßgeblich daran beteiligt, die Jedi zu jagen und zu vernichten.“ erklärte sie kalt und knurrte innerlich. „Obi-Wan Kenobi und Meister Yoda entkamen der Säuberung durch glückliche Umstände.“

Autsch. Treibsand voraus. „Ich war Zeuge, wie Vader Ben Kenobi tötete, Ma’am.“ sagte er und lenkte das Gespräch vorsichtig in eine etwas andere Richtung. „Ich hatte allerdings den Eindruck, es sei eher etwas Persönliches als der Vollzug einer Order.“

  „Wissen Sie etwas darüber?“ hakte sie sofort nach. „Hat Vader Ihnen etwas darüber erzählt?“

  „Worüber, Ma’am?“ fragte er unschuldig.

  „Über die Ursachen seines Streites mit Kenobi. Über das ‚davor’.“

  „Davor? Vor was, bitte?“

  „Bevor er Vader wurde.“

Er bemühte sich um große, ungläubige Augen. „Er war nicht immer Vader, Ma’am?“ Gleichzeitig versuchte er vorsichtig, sie zu sondieren, aber die langen Jahre der Diplomatie hatten dafür gesorgt, daß sie – obwohl machtblind – recht dichte Schilde hatte. Sein Vater wäre vermutlich problemlos durchgekommen, aber er stieß auf eine Barriere, die zu durchdringen mehr Konzentration erfordert hätte, als er momentan aufbringen konnte.

  „Nein.“ erwiderte sie knapp. Ob sie ihm glaubte, daß er nichts wußte, oder aus anderen Gründen nicht nachhakte, blieb ihm allerdings ebenfalls verschlossen. „Nun schön. Er wollte Sie also offensichtlich nicht töten. Was wollte er dann?“

Luke zuckte die Schultern. „Mich für imperiale Zwecke nutzen? Wenn ich das richtig verstanden habe, ist der Kaiser höchst interessiert daran, mich zu bekommen und auf die dunkle Seite zu ziehen.“

  „Warum?“

  „Ich nehme an, weil ich einer der letzten bin, wie Sie sagten, Ma’am. Wenn es nicht mehr viele von uns gibt, sind die wenigen vermutlich sehr begehrt von beiden Seiten.“

  „Beide Seiten?“ Wieder schlug sie mentale Krallen in eine scheinbar verwundbare Stelle. Und wieder blinzelte er verwirrt.

  „Nun, Sie erwähnten doch eben einen Meister Yoda, der, wie Ben, überlebte…?“

  „Richtig.“ Nun sah sie aus, als würde sie gleich die Geduld verlieren.  „Also. Es scheint ihm ja offensichtlich nicht gelungen zu sein, Sie zu konvertieren. Sonst wären Sie nicht hier. Oder?“

  „Nein.“ sagte er ruhig und fest. „Ich werde nicht auf die dunkle Seite übertreten. Eher sterbe ich.“

Sie nahm das hin und richtete den Blick auf Lukes Lichtschwert. „Er hat Ihnen sogar Ihre Waffe gelassen? Weshalb?“

Luke hob die rechte Hand. „Er hat mir recht eindrucksvoll demonstriert, daß ich ihm mit oder ohne Waffe nicht gefährlich werden kann, Ma’am. Egal, ob Blaster oder Lichtschwert.“

Sie hob fragend die Augenbraue. „Wie meinen Sie das?“

Er bewegte die Finger, was ein leises Klicken und Surren der Servomotoren in der Hand erzeugte. „Er hat mir die rechte Hand abgeschlagen auf Bespin, Ma’am. Diese hier ist künstlich.“

Diese Offenbarung erzeugte ein Murmeln unter den Offizieren, die bislang nur ruhig zugehört hatten. Nur Leia schlug sich entsetzt die Hand vor den Mund.

  „Aber man hat Sie offensichtlich medizinisch hervorragend versorgt.“

  „Ein Schüler mit nur einer Hand nutzt einem nicht viel. Ich bekam die Hand gleich nach Bespin, an Bord der EXECUTOR.“

  „Können Sie uns Details des Flaggschiffs liefern?“

Er starrte sie ungläubig an. „Ma’am, ich war nicht in der Lage, mir dort alles genau anzusehen. Was ich gesehen habe, war überaus beeindruckend – aber soviel kann man auch schon von außen erkennen. Die EXECUTOR ist das beste Schiff des Imperiums. Wir haben nichts Vergleichbares, würde ich sagen.“

  „Die HOME ONE.“ warf Ackbar ein wenig vergrätzt ein.

Luke prustete unterdrückt. „Verzeihung, Admiral. Aber das meinen Sie nicht ernst, oder? Ein normaler MC80-Calamari-Kreuzer paßt von der Länge her ungefähr zwölfmal in diesen Supersternzerstörer, ein modifizierter immerhin noch viermal. Über die Kopfzahl der Crew brauchen wir jetzt gar nicht zu reden – und erst recht nicht über die Bewaffnung. Nein, tut mir leid. Ich verstehe nicht viel von Großschiffen, aber die halbe Flotte der Allianz würde vermutlich nicht ausreichen, sich gegen dieses Schiff zu stellen.“

  „Wie sind Sie also entkommen?“

Er zuckte wieder die Schultern. „Wie sind wir damals vom Todesstern entkommen? Mit viel Glück – und unter Anwendung der Macht in gewissen Momenten. Wie gesagt, Kenobi hat mir ein oder zwei nützliche Tricks gezeigt.“

  „Ich hoffe doch, Sie planen nicht, diese ‚Tricks’ gegen uns einzusetzen, Commander.“ warf Madine ein. Es sollte wohl scherzhaft klingen, aber er war nicht der Typ, der oft Scherze machte – und ebenso steif wirkte es auch.

  „Warum sollte ich, General?“ Er lächelte, was von Madine jedoch nicht erwidert wurde.

  „Na schön.“ Mothma sah ein, daß sie hier nicht weiterkam. Wenn der Junge wirklich Vaders Sohn war, hatte er vermutlich von IHM bessere Tricks gelernt, und sie würde nichts erfahren, das er nicht preisgeben wollte – aus welchem Grund auch immer er jetzt hier war. Irrte sie sich jedoch, lag die Vermutung nahe, daß er einfach ein naives Glückskind war. „Wie soll es jetzt weitergehen, Commander?“

Er zuckte wieder einmal die Schultern. „Ich glaube, die Leute hier müssen sich erst einmal wieder daran gewöhnen, daß ich zurück bin, und begreifen, daß ich niemanden verraten habe.“

  „Haben Sie nicht, nein?“ echote Madine bissig. Mothma legte ihm begütigend die Hand auf den Arm.

  „Hätte ich das, könnten Sie die Schönheit der EXECUTOR jetzt vermutlich mit eigenen Augen bewundern, General. Sie ist nicht hier, oder? Und auch sonst keine imperialen Schiffe. Mein Jäger wurde vom Schiffscomputer gecheckt – und von Ihren Leuten vermutlich auch. Da ich noch nicht in einer Zelle sitze, gehe ich davon aus, daß Sie ebenfalls nichts gefunden haben.“ Er zog kurz die Brauen hoch und fuhr dann fort: „Ich würde dennoch vorschlagen, mich zunächst auf eine Außenmission zu schicken, bis sich alle wieder mit meiner Anwesenheit arrangiert haben – um böses Blut zu vermeiden.“

Mothma sah ihn einen Moment mit einem undeutbaren Ausdruck an. „Wir werden darüber beratschlagen. Bitte warten Sie draußen, Commander.“

Er neigte den Kopf und verließ dann den Raum.

Na also. Lief doch wunderbar

 

 

41

 Der Plan des Imperators ging zumindest dahingehend auf, daß die Nachricht überall verbreitet wurde. Allerdings hatte sie bei weitem nicht überall die gewünschte Wirkung.

General Veers sorgte bei der Brückenbesatzung der auf dem Weg nach Vjun befindlichen EXECUTOR für leise Verwunderung, als er plötzlich und ohne ersichtlichen Grund einen ganzen Stapel heftigster Flüche losließ. Veers war ansonsten ein recht ruhiger Mann, geduldig, wenn auch zuweilen temperamentvoll, und solche Ausbrüche kamen bei ihm zwar vor, waren aber höchst selten. Die Brückenmannschaft warf ihm also neugierige Blicke zu, arbeitete dann aber weiter.

Piett jedoch trat neben ihn.

  „Was ist denn los?“ fragte er erstaunt.

  „Lies!“ knurrte Veers und trat beiseite, damit sein Freund und Kollege auf dem Bildschirm die Nachricht einsehen konnte.

Kurze Zeit später füllten erneut heftigste Verwünschungen den Raum, und diesmal starrten alle offen. War Veers schon ruhig zu nennen, so war Piett ein Fels in der Brandung, den so schnell nichts erschütterte. Was also hatte diese beiden so erfahrenen Offiziere derart aus der Spur geworfen?

Einige der Männer, die entweder die entsprechenden Zugriffsrechte hatten oder clever genug waren, um auf diese Idee zu kommen, holten sich die Ansicht des betreffenden Bildschirms auf die eigene Station und begannen zu lesen. Eine gewisse Unruhe entstand auf der Brücke, die Piett nicht entging, aber noch während er nachdachte, was er tun sollte, sah einer der Offiziere auf.

  „Admiral Piett, Sir – wie geht es Lord Vader?“

Sofort waren alle Augen auf Piett gerichtet, auch die derjenigen, die den Artikel noch nicht kannten.

Firmus wechselte einen Blick mit Max, der ihm zunickte.

  „Na schön. Bevor jetzt alle heimlich einzeln versuchen, nachzulesen, tut es bitte alle gemeinsam. JETZT. Holonet, Nachrichten von Coruscant, zweite Schlagzeile.“

Selten waren seine Leute einem Befehl so eilig nachgekommen wie diesmal, und erregtes Murmeln breitete sich langsam aus. Piett wartete ruhig, bis sie alle mit lesen fertig waren und ihn ansahen – und überrascht und erfreut stellte er fest, daß er beinahe ausschließlich in entsetzte Gesichter blickte. Der winzige Rest, der einen eher neutralen Ausdruck präsentierte, schien dem Artikel entweder nicht zu glauben oder einen Groll gegen oder Angst vor Vader zu hegen.

  „Lord Vader lebt.“ sagte er dann. Er machte eine Pause, als freudige Rufe laut wurden, und fuhr bewegt von dieser offenen Loyalitätsbekundung fort: „Allerdings wäre er tatsächlich beinahe gestorben. Die Machtblitze des Kaisers haben das Lebenserhaltungssystems seines Anzuges beschädigt und den Beatmer deaktiviert. Er wäre beinahe erstickt. Außerdem lösten sie eine Herzattacke und daraus folgend einen Herzstillstand aus. Es gelang uns jedoch, ihn rechtzeitig zurückzuholen und zu stabilisieren. Er befindet sich derzeit auf der Krankenstation, sein Zustand ist stabil und den Umständen entsprechend gut.“

  „Danke, Sir.“ sagte der Offizier, der zuvor gefragt hatte. Einer nach dem anderen kehrte wieder zu seinen Aufgaben zurück, und Piett wandte sich Veers zu.

  „Was meinst du – sollen wir ein offizielles Statement für das ganze Schiff abgeben? Oder überlassen wir das ihm, wenn er wieder bei sich ist?“

  „Gute Frage. Ich denke - “

Einer der Kom-Offiziere unterbrach ihn. „Admiral Piett, die DEVASTATOR erkundigt sich nach Lord Vaders Zustand.“ Er schwieg einen Moment, sah auf seinen Schirm. „Und die CHIMAERA ebenfalls.“

Firmus und Max wechselten einen erneuten Blick, und Max beendete seinen Satz. „Ich denke, es ist besser, wenn er das selbst tut.“

Piett nickte und sah zu dem Offizier im Kom-Graben hinunter. „Beantworten Sie die Frage mit einer Kurzversion meiner Aussage von eben. Lord Vader lebt, sein Zustand ist stabil. Er wird eine Erklärung für die gesamte Schwadron abgeben, sobald er dazu in der Lage ist. Sollten die anderen Schiffe nachfragen, geben Sie dieselbe Antwort.“

  „Jawohl, Sir.“

 

An anderer Stelle im Schiff wurde Arik mit ähnlichen Fragen von seinen Kameraden gelöchert. Bei ihm jedoch waren die Bedingungen dahingehend erschwert, daß Männer der 501sten an Bord des Shuttles gewesen waren und Vaders leblosen Körper gesehen hatten – also waren hier von vornherein mehr Informationen und Gerüchte im Umlauf, die durch den Artikel ergänzt wurden.

  „Jetzt sag schon, Arik! Du warst schließlich dabei und hast alles direkt mitbekommen!“

Der junge Captain hatte sich schon im Vorfeld Gedanken gemacht, wie viel er seinen Kameraden erzählen konnte – mit Fragen war zu rechnen nach dem Rückflug mit einem bewusstlosen Oberkommandierenden.

Er sah sich um. Die 501ste – Vaders Faust – hieß nicht umsonst so. Der dunkle Lord hatte ihr an Bord seines persönlichen Schiffes einige Vorrechte eingeräumt. Dazu gehörten ein komplett eigener, in sich abgeriegelter Bereich mit sämtlichen notwendigen Einrichtungen wie Sporthallen, Messe und Küche, Krankenstation und Ladenstraße. Um Arik herum, in der großzügigen Eß- und Versammlungshalle der Legion, saßen jetzt nahezu alle seiner Kameraden, die derzeit nicht im Dienst waren, und sahen ihn gespannt an.

  „Gleich vorab: ich bin unserem Herrn im Wort und kann euch nicht alles sagen. Aber ich denke, das wird er selbst bald tun, sobald es ihm wieder besser geht.

Also. Lord Vader wurde sehr kurzfristig nach Coruscant beordert, wie ihr wisst. Wir kamen mit leichter Verspätung an, aber darüber ging der Kaiser mehr oder weniger hinweg. Schon im Vorfeld hatte uns seine Lordschaft informiert, dass er mit einem entsprechenden Zwischenfall rechne und wir uns dann in Anwesenheit des Kaisers auf keinen Fall würden einmischen dürfen.

Wir kamen also an und machten dem Imperator unsere Aufwartung. Anschließend wurde unser Herr von ihm aufgefordert, zusammen mit Mara Jade den Ball zu eröffnen.“

  „Wieso eröffnen?“ wollte einer der Jüngsten unter ihnen wissen. Er war frisch von der Akademie gekommen und konnte sein Glück, in diese Legion aufgenommen worden zu sein, noch kaum fassen. „Du sagtest doch, es hätte schon angefangen gehabt?“

  „’Den Ball eröffnen’ nennt man den ersten Tanz, du Klappstuhl.“ Einer der älteren Soldaten neben ihm gab ihm einen Klaps auf den Hinterkopf. „Das ist eine hohe Ehre – normalerweise macht das der Hausherr. Und jetzt sei ruhig und laß Arik weitererzählen!“

Cass grinste. „Ja, Lord Vader war auch verwundert, als er den Befehl bekam – und Jade war stinksauer. Aber komisch ist es trotzdem, denn damit hat Palpatine unseren Herrn erhöht – nur, um ihn dann später umso unsanfter von diesem Podest herunterzustoßen. Aber zunächst passierte nichts – der Ball war recht langweilig.“

  „Langweilig?“ echote ein anderer. „Mann, ich würd sonstwas drum geben, mal dabeisein zu können! Die ganze High Society…“

  „Moffs und Gouverneure und ihre zu alten, zu fetten oder zu hässlichen Frauen. Na gut, ein paar interessante Leute waren dabei, wie Kuat von Kuat oder Raith Sienar, aber sonst…“ Arik zuckte die Schultern. „Dann kam der Abschluß. Der Kaiser verließ den Saal.“ Er machte eine dramatische Pause. „Das ist ein ziemlich irres Bild, sag ich euch. All die vielen Gäste knien nieder und bilden ein langes Spalier längs durch dieses riesige Ding von Halle, durch das der Kaiser dann zum Ausgang geht. Langsam.  Lord Vader ahnte, dass noch etwas passieren würde – und er behielt Recht. Er war beinahe am Ende der Schlange, im letzten Drittel, der Admiral bei ihm, General Veers und ich im ersten Drittel – an uns war er schon vorbei. Der Kaiser blieb vor seiner Lordschaft stehen, zwang ihn auf beide Knie nieder und warf ihm an den Kopf, was ihr im Holonet gelesen habt: dass er ungehorsam gewesen sei, seinen Sohn nicht zu ihm gebracht und ihm nicht gesagt hätte, dass er ihn überhaupt schon habe. Und noch ein paar Nettigkeiten mehr. Und dann ging das Gewitter los… die erste Ladung hat Lord Vader noch hingenommen, ohne zu schwanken. Dann die zweite Ladung, stärker - die hat ihn schon etwas gebeutelt. Und der Kaiser legte noch eine Schippe drauf: die dritte war so heftig, dass er sichtlich wankte – ihr habt es gesehen. Aber die ganze Zeit kam kein Laut über seine Lippen!“ verkündete er stolz. „Aber irgendwie müssen die Blitze einen Kurzschluß in seinem Anzug ausgelöst haben – und das wiederum hat zu der Ohnmacht geführt. Sonst hätte er vermutlich noch eine vierte Ladung abbekommen… Er kippt also weg, der Kaiser starrt ihn an, grinst und geht.“

  „Bastard!“ zischte es aus einer Ecke, doch niemand brachte den Ketzer zum Schweigen. Im Gegenteil murmelten viele zustimmend, der Rest hatte einen wütenden bis mörderischen Ausdruck im Gesicht. Arik nutzte diese willkommene Gelegenheit, um die Stimmungen zu sondieren. Wut und Zorn, aber auch Symphatie für Vader bildeten eine durchgehende Einheit, nicht ein einziges Störfeld war im Raum. Also war der Verräter nicht hier zu suchen. Sehr gut!

  „Lord Vader liegt also bewusstlos am Boden. Veers und ich beeilen uns, zu ihm und Piett zu kommen, und stellen fest, dass er nicht mehr atmet. Der Beatmer hatte versagt.“

  „Oh Scheiße…“ Wieder war kein Sprecher auszumachen, aber den Gedanken hatten viele – also spielte es keine Rolle.

  „Veers rennt voraus, irgendeinen Raum freimachen, und Piett und ich hieven ihn hoch und schleppen ihn dorthin, während der General die Jungs benachrichtigt. Kaum haben wir ihn dort auf einem Sessel und versuchen, den Anzug wieder zum Laufen zu bringen, merken wir, dass sein Herz nicht mehr schlägt.“

Diesmal sagte keiner etwas, aber alle starrten entsetzt und blaß.

  „Sein Anzug verfügt über einen eingebauten Defibrillator. Veers weiß den Mächten sei Dank, wie man ihn bedient, und lädt ihn auf.“

  „Defi-wa – mpf!“ Eine Hand erstickte die Frage nach der Art des Gerätes im Ansatz.

  „Er wird geschockt. Nichts tut sich. Veers lädt noch mal, schockt ihn wieder. Und diesmal reagiert er. Sein Herz schlägt, er holt Luft – und wir in dem Moment auch, das könnt ihr mir glauben!“

Und eben das taten auch seine Zuhörer. Nicht wenige von ihnen hatten vor Spannung den Atem angehalten, ohne es zu bemerken. Erleichterung machte sich breit.

  „Dann kommen unsere Jungs mit der Trage, wir packen ihn drauf und rennen. Auf dem Flug hab ich Corva verständigt, die dann im Hangar wartete und ihn sofort auf die Intensivstation brachte. Sie untersuchte ihn, Veers und ich halfen ihr dabei – wir alle befürchteten, dass er vielleicht operiert werden müsste… aber er war schon wieder stabil und auf dem Weg der Besserung. Der Mann ist unglaublich.“

  „Und wie geht es ihm jetzt?“

  „Corva hat ihn trotz allem erstmal schlafen geschickt. Er braucht Erholung. Aber bis in ein paar Stunden wird er wieder auf den Beinen sein, denke ich. Er hatte Glück, dass Veers dabei war…“

Einen Moment herrschte Schweigen, dann stand einer der Männer auf, stieg auf einen Tisch und hob sein Glas. „Auf Lord Vader.“

Umgehend folgten die anderen, einer nach dem Anderen. „Auf Lord Vader!“

Und Arik, mitten unter ihnen, barst vor Stolz und grinste von Ohr zu Ohr.

 

Mon Mothma konnte ihr Glück kaum fassen.

Vaders Sohn!

Sie machte sich Gedanken, wie sie ihn in die Hände ihrer Leute schaffen konnte, heimlich - und jetzt kam er von selbst und schlug vor, auf eine Außenmission geschickt zu werden! Alles, was sie jetzt noch tun mußte, war, es so geschickt einzufädeln, daß hinterher keiner auf die Idee kam, es sei von ihr ausgegangen.

So gab sie sich zögernd in der Diskussion, zweifelnd, stellte sich zunächst auf Rieekans und Leias Seite, die Luke hierbehalten wollten und einwarfen, man würde sich viel schneller an den Gedanken gewöhnen, ihn wieder unter sich zu haben, wenn er bliebe. Und die Gefahr, daß das Imperium angriffe – falls Verrat geübt worden sei – wäre doch wohl viel geringer, wenn er anwesend war. Ackbar und Dodonna jedoch hatten sich dafür ausgesprochen, ihn wegzuschicken, und Madine stimmte ihnen scheinbar zögernd zu. Er war es auch, der den Vorschlag machte, Luke zu einer Gruppe Menschen auf dem Planeten Desevro zu schicken, die sich der Allianz anschließen wollten, um mit ihnen die ersten Verhandlungen zu führen. Er war nicht weit von ihrem eigenen Stützpunkt entfernt, da er ebenfalls in der Tion-Hegemonie lag. Mon Mothma driftete während der Diskussion langsam und unauffällig auf die Seite der Befürworter dieses Planes, und schließlich stand fest, daß man Lukes Wunsch nachgeben sollte. Ackbar erklärte sich bereit, ihn einzuweisen.

Und so fand Luke sich eine halbe Stunde später bei dem Schiff, das man ihm für diese Mission zur Verfügung gestellt hatte und bereitete es für den Flug vor. Man hatte ihm angeboten, ihm einen anderen Astromech zu leihen, was er aber abgelehnt hatte. Obwohl er noch enttäuscht von R2 war, der ihn im Stich gelassen hatte, wäre es ihm doch wie Verrat vorgekommen, jetzt einen anderen zu nehmen. Das Schiff war eine kleine, unauffällige Yacht, die zwar bewaffnet war, aber nichts Kriegerisches an sich hatte.

Leia suchte ihn im Hangar auf. Sie hatte das dumpfe Gefühl, etwas vergessen zu haben, etwas, das sehr wichtig war… aber vielleicht hatte sie es auch nur geträumt? Träume vergaß man leicht, auch wenn sie oft im Hinterkopf blieben und man den Eindruck hatte, es wirklich erlebt zu haben. Nun, vielleicht fiel es ihr wieder ein, wenn sie nicht mehr versuchte, sich so angestrengt zu erinnern.

  „Du willst wirklich fliegen?“

Luke, der die Yacht einer ihm noch unbekannten Bauform überprüfte, nickte und wandte sich ihr zu. „Ja. Ich brauche etwas Zeit… ich muß mir über einiges klarwerden, Leia.“ Nun… genaugenommen war er sich schon vor Stunden darüber klargeworden, was er wollte. Aber dann hätte er Leia gegenüber keinen Grund mehr gehabt, zu verschwinden…

Sie verschränkte die Arme und fröstelte leicht. „Ich habe ein schlechtes Gefühl dabei, Luke. Ich wünschte, du würdest bleiben.“

  „Mir wird schon nichts passieren.“, sagte er leichthin und lächelte. Tatsächlich hatte er vor, dieses Schiff auf dem Zielplaneten zu verkaufen, um mit einem anderen – das garantiert sauber war - nach Vjun zurückkzukehren.

  „Melde dich bald, ja?“ bat sie. „Ich mache mir Sorgen.“

Er legte den Kopf schräg und musterte sie. „Warum?“

  „Ich weiß nicht.“, murmelte sie. „Irgendetwas sagt mir, daß du aufpassen mußt. Vielleicht kommt Vader dich jagen…“

  „Vader ist auf Coruscant.“, erinnerte er sie. „Und er weiß nicht, daß ich nicht mehr da bin.“

Sie fragte sich, wo Luke mit dem dunklen Lord gewesen war, wenn er sich einfach so und unbemerkt hatte aus dem Staub machen können, ließ die Frage aber ruhen. Er würde ihr keine Antwort geben, das ahnte sie. Stattdessen trat sie auf ihn zu und umarmte ihn, was er nach einem Moment überrascht erwiderte. „Paß auf dich auf, ja? Bitte… und melde dich bald!“

Er zögerte, nickte dann aber. „Versprochen.“

Sie küßte ihn auf die Wange. „Bis bald.“ Dann verschwand sie, und er starrte ihr verblüfft hinterher.

 

 

42

 Vader kam langsam wieder zu sich. Er dämmerte gemächlich, Schicht um Schicht, dem Wachsein entgegen und öffnete, als er die Oberfläche erreichte, schließlich die Augen.

Eine weiße Decke. Weiße, schmucklose Wände. Stille.

Die Krankenstation, ganz offensichtlich.

Er setzte sich langsam auf und horchte in sich hinein, fand aber keine Unregelmäßigkeiten. Alles schien in Ordnung.

  „Guten Morgen, Meister.“, begrüßte ihn eine lächelnde Stimme vom Nebenbett. Als er den Kopf drehte, sah er dort Arik sitzen, die Beine unter sich verschränkt.

  „Was machst du hier?“ verlangte Vader zu wissen und schwang die Beine über die Bettkante. Er trug einen seiner eigenen Pyjamas, wie er feststellte. Offensichtlich war Max hiergewesen.

  „Wir haben uns abgewechselt.“, sagte sein Padawan schlicht. „General Veers war vor mir dran. Er schläft jetzt. Ich soll ihn wecken, wenn Ihr wach seid.“ Er faltete sich auseinander und sprang vom Bett, noch nicht ganz mit der Eleganz eines Jedi, aber es ließ sich bereits erahnen. „Ich besorge Euch Frühstück, während Ihr duscht und Euch anzieht, ja?“

Anzieht? Vaders Blick schweifte durch den Raum und fand einen kompletten Anzug samt Stiefeln, Handschuhen und Cape bereitgelegt. Wäsche und Hygieneartikel befanden sich offensichtlich in einem Stoffbeutel daneben.

  „Gut.“ Er nickte, und Arik verließ lächelnd den Raum.

Eine halbe Stunde später fühlte er sich wieder menschlich. Frisch geduscht und rasiert, ein kräftiges Frühstück im Bauch, mit aromatischem, starken Kaf hinuntergespült. Er setzte Maske und Helm auf, legte das Cape um und zog sich die Handschuhe über, bevor er in den Vorraum trat, wo Arik und Corva warteten, beide ebenfalls mit einer Tasse Kaf in der Hand.

  „Guten Morgen.“ grüßte Corva über den Rand der Tasse hinweg. „Wie fühlt Ihr Euch?“

Die Lässigkeit, mit der sie ihn das fragte, ohne die Tasse beiseitezustellen, bestätigte ihm endgültig, daß alles in Ordnung war. Jetzt, jedenfalls.

  „Gut.“ Er musterte sie prüfend. „Ihr laßt mich gehen? Ohne Widerworte?“ fragte er dann mißtrauisch.

Sie grinste. „Für den Moment, ja. Ihr wißt selbst, daß Ihr dem Tod heute Nacht von der Schippe gehüpft seid… ich würde Euch gern noch einmal sehen, bevor Ihr das Schiff verlaßt. Aber meine Scanner haben mir im Verlauf der letzten Stunden durchgehend bestätigt, daß Ihr Euch vollständig erholt habt. Wärt Ihr nicht Ihr, würde ich Euch auf dem Bett festbinden. Aber Ihr heilt schneller als jeder andere, den ich kenne… also: ja. Ich lasse Euch gehen.“

Vader brummte Unverständliches und wandte sich zur Tür. Arik stellte seine Tasse beiseite und schloß sich ihm an. „General Veers erwartet Euch auf der Brücke, Mylord.“

Er nickte nur knapp und ging mit den üblichen schnellen und harten Schritten voraus.

 

Als er die Brücke betrat, stellte er höchst überrascht fest, daß nicht nur Veers und Piett ihm ein Lächeln schenkten, sondern auch viele der Brückenbesatzung. Zwar scheu und ein wenig unsicher, aber: sie lächelten. Ihn. An.

Unglaublich.

Er wußte das erste Mal in seiner Karriere als Oberkommandierender der Flotte nicht, wie er damit umgehen sollte – aber die Männer schienen auch keine Antwort zu erwarten… auch wenn er spürte, daß es eher ein „noch nicht“ war.

Piett und Veers verneigten sich knapp und förmlich, als er zu ihnen trat. „Mylord.“

  „Bericht.“ verlangte er knapp.

  „Wir befinden uns auf dem Weg nach Vjun, Mylord, mit normaler Reisegeschwindigkeit. Keine besonderen Vorkommnisse. Und Wrenga Jixton hat sich gemeldet. Er bittet darum, daß Ihr Euch bei ihm meldet.“ antwortete Piett, ohne zu zögern.

Vader runzelte die Stirn. Jix? Warum?

  Was ist los? wandte er sich an Max.

  Wir wissen es nicht., antwortete dieser. Aber er klang… gestreßt. Unter Druck. Irgendetwas stimmt nicht.

  „Na schön. Verbinden Sie mich mit ihm – legen Sie das Gespräch in die Holokammer, Admiral. General, Captain, begleiten Sie mich.“

  „Sofort, Mylord.“ Piett wandte sich einem Operator zu, während Vader, ohne Antwort abzuwarten, mit wehendem Mantel die Brücke in Richtung der Holokammer verließ.

Dort angekommen, trat er auf die Kontaktfläche und wartete, während Arik und Max hinter ihm Aufstellung bezogen. Kurze Zeit später formte sich vor ihnen das lebensgroße Abbild Jixtons. Und prompt fand er Max’ Einschätzung bestätigt: sein ‚Neffe’ war nervös. Hochnervös.

  „Was ist los?“ verlangte er ohne Einleitung zu wissen.

Jix schluckte – was eigentlich gar nicht zu ihm paßte. Aber er wußte aus Erfahrung, wann bei Vader Vorsicht geboten war – und jetzt war einer dieser Augenblicke. Dennoch – oder gerade deshalb – entschied er sich für die Variante „kurz und schmerzhaft“.

  „Luke ist weg.“

  „WAS?“ brüllte Vader. Ein gewaltiger Ruck ging durch den dunklen Lord, der sich eben noch beherrschen konnte, einen unwillkürlichen Schritt nach vorne zu tun, der die Verbindung unterbrochen hätte.

Jix schluckte erneut. „Kurz nachdem du weg warst. Er hat den X-Wing genommen.“

Vader zwang sich dazu, tief durchzuatmen. Gut. Dann war es unter Umständen weniger schlimm. „Wo ist er?“

  „R2 hat ihn permanent getrackt. Der Jäger ist auf Risban.“

Vader knurrte und verbarg seine Erleichterung. „Warum, beim Chaos, ist er dir entwischt?“

  „He, woher soll ich wissen, daß dein Sohn dir durchgeht, Onkel D?“ Jix hob die Hände. „Du hast keinen Ton gesagt, daß ich darauf aufpassen soll – und er machte mir nicht den Eindruck!“ Recht abrupt faßte er sich an den Hals, als ihm etwas die Luft abschnürte.

  „Sei dankbar, daß er den Jäger genommen hat, Jix. Sehr dankbar. Und sieh zu, daß dir nicht noch einmal ein solcher Fehler unterläuft!“ fauchte Vader gereizt. „Bring R2 zu mir – sofort. Laß dir von der Brücke Rendezvousdaten geben und mach dich sofort auf den Weg. Und bring die Piloten mit – nehmt die PRIDE. Verstanden?“

  „Verstanden!“ ächzte Jix, der keuchend nach Luft schnappte, aber fand, alles in allem noch glimpflich davongekommen zu sein.

Wortlos trat Vader von der Kontaktfläche und unterbrach die Verbindung, dann fluchte er ausgiebig.

Veers und Arik sahen ihn wortlos an und warteten.

  „Na schön.“ sagte Vader nach einem Moment mühsam beherrscht. „Welche Überraschungen habt ihr noch für mich?“

  „Nur eine derzeit.“, erwiderte Veers. „Wobei du sicher damit gerechnet hast: der Imperator hat die Meldung über deine Bestrafung und Ohnmacht lanciert. Große Schlagzeile im Holonet.“

Vader blieb wider Erwarten gelassen. „Ja. War zu erwarten. Sehr übel?“

Veers zuckte die Schultern. „Der übliche blumige Schmus. Aber: deine Männer haben sehr positiv reagiert.“

  „Wie meinst du das?“ fragte er verblüfft, dann erinnerte er sich. „Du meinst – sie haben das gelesen und…“

  „… sind auf deiner Seite. Absolut.“ Veers nickte. „Der Kaiser hat sich, zumindest was die Todesschwadron angeht, absolut keinen Gefallen getan. Es hat keine halbe Stunde gedauert, nachdem der Artikel online war, da hatten wir Anfragen von allen Schiffen der Schwadron, wie es dir ginge.“

  „Bah. Sensationsgier.“ Er winkte ab.

  „Nein!“ versetzte Max scharf, und Arik riß die Augen auf. Es war das erste Mal, daß er beobachtete, wie sich jemand derart Vader entgegenstellte. „Mitgefühl und Sorge! Und Wut auf den Kaiser!“

Vader antwortete nicht, und Arik konnte, sehr zu seinem Erstaunen, fühlen, was eben in seinem Meister vorging: Freude, Überraschung und… Stolz.

  „Du solltest eine kleine Ansprache halten, meine ich.“, fuhr Max fort, immer noch kühl, aber ruhiger. „Deine Leute haben das verdient.“

  „Ansprache…?“

Max stöhnte, etwas gereizt, und Arik staunte noch mehr. Vor ihm standen zwei der Männer, die er am meisten bewunderte – aber sie schienen die Rollen getauscht zu haben für ein paar Minuten. „Verdammt, Dava… melde dich einfach auf all deinen Schiffen! Zeig dich den Leuten, sag ihnen, daß du lebst und daß es dir gut geht. Laß es sie wissen! Sie sind auf deiner Seite – halte sie da!“

Vader schien ungefähr so überrascht wie Arik – aber die Vertrautheit aller drei miteinander hinderte ihn selbst an dem schlichten Gedanken, Cass in irgendeiner Weise kleinzuhalten oder ihm das Wissen zu nehmen. Sie waren Freunde… Familie. Sie teilten.

  „Gut…“, sagte er deshalb nur überrascht. „Dann am besten gleich.“

 

Er sammelte sich kurz, sortierte seine Gedanken und formulierte für sich, was er sagen wollte… um es dann ein klein wenig anders zu verpacken. Weniger offensichtlich, aber noch so deutlich, daß diejenigen, die bereit waren, es zu verstehen, wissen würden, was er wirklich meinte.

Er wandte sich um und aktivierte ein Com. „Admiral Piett, ich werde ein Statement für die gesamte Schwadron abgeben. Zeichnen Sie die Nachricht auf, sobald ich die Plattform aktiviere, und senden Sie sie an alle Schiffe. Jeder Captain ist verantwortlich dafür, daß jedes Besatzungsmitglied die Möglichkeit hat, sie zu sehen – dasselbe gilt selbstverständlich für die EXECUTOR.“

  „Zu Befehl, Mylord.“ Piett tastete einen Befehl in seine Konsole ein. „Die Aufzeichnung wird gestartet, sobald Ihr die Plattform betretet.“

Vader nickte nur und schaltete ab, dann drehte er sich um und stieg erneut die wenigen Stufen hinunter. Es summte leise, als er die Plattform betrat, und die Kameras ringsum begannen, aufzuzeichnen.

  „Männer“, begann er ruhig, und sein voller Baß füllte den Raum. „Wie Sie sehen, entsprechen Gerüchte über meinen Tod nicht der Wahrheit. Der Imperator hat mir mit der Strafe, die mir widerfahren ist, die Gnade erwiesen, mir erneut meinen Platz zu zeigen.“ Er pausierte einen Moment, stand hochaufgerichtet da, gelassen und in der Pose, die er so gerne einnahm: die Daumen in den Gürtel gehakt. Seine Stimme war ruhig und bar jeder Emotion. „Ich, wir alle, dienen dem Imperium! Die Rebellion muß zerschlagen werden und das Imperium in seinem Recht bestärkt. Nur eine wirklich starke Hand wird dieses Reich wieder zum Frieden führen!“ Nur leicht hatte seine Stimme sich gehoben, war nur eine Spur lauter geworden, doch seine erhobene, geballte Faust machte es umso deutlicher. Nun fuhr er ruhiger, aber triumphierend fort, während die Hand sich wieder senkte: „Ich bin stolz zu wissen, daß das Reich sich dabei auf jeden von euch verlassen kann! Ich bin stolz – auf euch!“

Er wartete noch einen Moment, dann verließ er die Plattform – und wurde mit Applaus und Lächeln seiner beiden Freunde hinter ihm begrüßt.

 

Luke war währenddessen auf die Reise gegangen und landete nach einem – in galaktischen Maßen – kurzen Flug auf dem Planeten Desevro, an den Koordinaten, die er in seinem Missionsbriefing erhalten hatte. Er trug, den planetaren Bedingungen entsprechend, subarktische Thermokleidung und war nur mit seinem Lichtschwert bewaffnet.

Die Basis, an der er seinen Kontakt treffen sollte, lag gut versteckt in den Bergen, und die Landung wäre für einen schlechteren Piloten extrem schwierig geworden – starke Winde fegten hier durch die verschneiten Canyons, brachten die Yacht zum krängen und blendeten die Sicht mit gefrorenen Schneekristallen, die sich auf der Stahlglasscheibe des Cockpits festsetzten. Nur eine Handvoll Leuchtfackeln markierten die hiesige Version einer Landefläche, die eben genug schien und weitgehend sicher vor niedergehenden Lawinen. Er drehte die Einstiegsluke ins Lee, fuhr die Maschinen herunter und stieg aus. Während er sich die Kapuze tief ins Gesicht zog und die Schneebrille zurechtrückte, schloß sich die Tür der Yacht, und er suchte sich einen Weg in die Station, die in einer Höhle untergebracht war.

Der Wind ließ nach, als er unter einen Felsüberhang trat, und vor ihm zeigten blaue Leuchtkörper, daß er auf dem richtigen Weg war.

Eine Tür öffnete sich, und ein menschlicher Mann trat heraus, blieb wenige Meter vor dem Eingang stehen und sah ihm entgegen.

Luke blieb stehen. Irgendetwas schien ihm sonderbar hier… wie ein Störfeld, ein lästiges Summen in der Stille oder Nebel an einem ansonsten sonnigen Tag. Aber er war sich nicht sicher – noch waren seine Jedisinne nicht austrainiert, und er mochte sich irren, mochte dieses Gefühl nur Nervosität vor seiner ersten diplomatischen Mission sein, die er allein durchführte. „Ich bin Commander Luke Skywalker, Gesandter der Rebellenallianz.“ stellte er sich vor.

  „Willkommen, Commander.“ entgegnete der Mann, und etwas in seiner Stimme ließ Luke aufhorchen: Spott. „Ich bin Tyrral Sundar. Wir haben Sie bereits erwartet.“ Er hob die Hand, und eine ganze Welle von mit Blastern bewaffneten Männern rannte hinter ihm aus der Station und kesselte Luke ein.

Er sah sich um, die Augenbraue hochgezogen. Oh, Scheiße. Er zählte zwölf Mann, alle bewaffnet mit Blastech E11 – und die waren zwar auf Betäubung geschaltet, wie er erkennen konnte, aber er hatte dennoch keine Chance.

Was hatte sein Vater gesagt? Es war eine der ersten Lektionen gewesen, die er und Arik bekommen hatten: „Bist du deinem Gegner überlegen, greif an, schnell und ohne zu zögern. Bist du unterlegen, verhalte dich passiv und warte auf deine Chance. Und kommt diese, nutze sie, ohne Rücksicht. Es gibt nur zwei Dinge, die zählen: der Erfolg des Einsatzes und dein Leben. Ist es dafür notwendig, Leben zu nehmen, so töte und denk nicht lang über Skrupel nach – dein Gegner tut das auch nicht.

Nun… hier kam wohl die Passage mit „passiv und warten“ zum Tragen. Er ließ zu, daß man ihn durchsuchte und sein Lichtschwert nahm, und wehrte sich auch nicht, als grobe Hände ihn ins Innere stießen und dort in einen Raum führten, der verflixt nach einer Zelle aussah.

Soviel zum Thema „nach Hause fliegen“, du Depp., fluchte er stumm. Warum bist du nicht gleich zu einem Raumhafen, hast das Schiff verscherbelt und wärst ab durch die Mitte? Das hast du jetzt von deinem beschissenen falschen Ehrgefühl!

Der Mann Sundar war ihnen gefolgt und beobachtete ungerührt, wie seine Leute Luke den Parka auszogen und ihn auf einen Stuhl fesselten.

  „Ich fürchte, das ist ein Mißverständnis.“, sagte Luke ruhig und sah ihn an. „Ich bin als Botschafter der Rebellenallianz hier – kein Imp. Ich wurde beauftragt, Ihnen Fragen zur Allianz zu beantworten und Ihren Beitritt vorzubereiten.“

  „Dann hat man Sie, fürchte ich, falsch informiert.“, antwortete Sundar sanft und betrachtete die Waffe in seinen Händen. „Ein Lichtschwert? Ich dachte, die Jedi seien ausgestorben. Wo haben Sie dieses aufgetrieben?“

Luke runzelte die Stirn. „Was wollen Sie von mir?“

Sundar lächelte. „Antworten. Aber nicht über die Allianz… darüber wissen wir bereits Bescheid, Commander.“

  „Und worüber dann?“ Luke lachte trocken. „Bevor ich zur Allianz gekommen bin, habe ich als Feuchtfarmer auf Tatooine gelebt. Aber ich denke, Sie haben hier keine Verwendung für Wasserdampfevaporatoren.“

Der Mann ihm gegenüber gab seinen Leuten einen Wink, und bis auf zwei verließen alle den Raum. „Nein, Commander. Wir interessieren uns für viel… wertvollere Informationen. Uns ist zu Ohren gekommen, daß Sie wohl eine ganze Weile Darth Vaders persönlicher Gast waren.“

Luke beherrschte sich mühsam und verbarg sein Entsetzen. „Gast? Ein besserer Gefangener, würde ich sagen. Nun fürchte ich, wurden SIE falsch informiert. Ich kann Ihnen nichts sagen.“

  „Wirklich nicht, Commander? Nun… wir werden sehen. Überlassen Sie es uns, was wir nützlich finden und was nicht… über Vader, die EXECUTOR und die Todesschwadron an sich. Wir haben viel Zeit. Sie auch?“

Luke zuckte die Schultern. „Vader ist Vader, und von seinem Schiff habe ich nicht viel gesehen.“

Ein harter Schlag, den er nicht hatte kommen sehen, ließ seinen Kopf zur Seite fliegen und gab ihm eine Ahnung dessen, was ihn erwartete.

  „Ich schätze, diese Antwort genügt uns nicht, Commander. Wollen Sie sie nicht noch einmal überdenken?“

Luke starrte ihn wütend an und schwieg.

  „Sie haben eine Stunde Zeit, um sich zu überlegen, ob Sie lieber kooperieren wollen. Ich rate Ihnen, es zu tun. Bis nachher, Commander Skywalker.“

 

Als Vader mit Max und Arik die Holokammer wieder verließ, zeigte es sich, daß Piett die Rede zumindest auf der Brücke live hatte laufen lassen – denn auch hier empfing ihn stehender Applaus von allen Anwesenden. Er blieb einen Moment lang stehen, überrascht und erfreut, unsicher, was er tun sollte, bis Piett ihn erlöste.

  „Das genügt, Leute. Danke.“, sagte er lächelnd. Die Männer verstanden und wandten sich ruhig wieder ihren Aufgaben zu, und Vader trat zu Firmus.

  „Setzen Sie Kurs auf Risban, Admiral. Maximalgeschwindigkeit. Hat sich Jixton schon gemeldet?“

  „Ja, Mylord. Ein Rendezvouspunkt ist vereinbart – wir würden dort entsprechend kurz aus dem Hyperraum fallen, um ihn aufzulesen.“

Vader nickte. „Sehr gut. Ich bin in meinem Quartier.“ Er verließ die Brücke mit wehendem Mantel. Veers, der ahnte, daß sein Partner jetzt eine Weile alleinsein mußte, blieb, wo er war, und sah ihm nur nach.

 

 

43

 Luke hatte nach Ablauf der Frist wieder Besuch bekommen. Er hatte die Stunde darauf verwendet, sich zu überlegen, wie er reagieren konnte – und hatte diverse Ideen gehabt und teils wieder verworfen.

Informationen zu geben, kam nicht in Frage. Man würde ihm nicht glauben, daß es wirklich so wenig war, was er wußte. Und was er tatsächlich mittlerweile über seinen Vater wußte und erfahren hatte, würde er nicht preisgeben, unter keinen Umständen.

Seinen Vater um Hilfe bitten wollte er noch nicht. Er war schließlich ein Padawan – er wollte versuchen, allein aus der Situation herauszukommen. Zumal er es allein verbockt hatte, sich hineinzureiten… was nicht nur ärgerlich, sondern auch peinlich war.

Sich mit der Macht zu befreien und zu fliehen versuchen dürfte zumindest im Augenblick hoffnungslos sein – sie hatten sein Lichtschwert an sich genommen. Wußten sie, ob er es nur als Trophäe trug oder damit umgehen konnte? Wenn sie nicht komplett naiv waren, würden sie ihn entsprechend bewachen.

Man würde ihn befragen, und der erste Kinnhaken ließ ahnen, daß mehr davon folgen würden. Er würde versuchen, sich dem zu entziehen und zu meditieren. Wenn er es denn schaffte.

  „Haben Sie sich entschieden, Commander?“ fragte Sundar beinahe höflich.

  „Da gibt es nicht viel zu entscheiden. Ich kann Ihnen nichts sagen.“

Sundar nickte langsam. Er hatte zwar Anweisung bekommen, Luke nicht dauerhaft zu schädigen, aber es gab vielerlei Möglichkeiten, Schmerz zuzufügen…

  „Wie Sie wollen, Commander.“ Er zog ein kleines, unscheinbares Gerät aus der Tasche, das aussah wie ein Fingerhut mit einem Kabel daran. Gelassen und ruhig streifte er es über einen Finger von Lukes linker Hand – seiner lebenden Hand – und fixierte es schnell und geschickt am Handgelenk, bevor er sich wieder aufrichtete und zurücktrat. Lukes Hände waren hinter seinem Rücken gefesselt, und sich zu wehren brachte nichts, also hatte er es zwar unbehaglich, aber scheinbar gelassen hingenommen und sah Sundar nun nur an.

Dieser hatte eine Art Fernbedienung in der Hand. „Die EXECUTOR, Commander. Erzählen Sie mir von Vaders Schiff.“

  „Groß. Mächtig. Schwer bewaffnet.“ Luke zuckte die Schultern.

  „Tut mir leid, das ist die falsche Antwort.“

Scharfer Schmerz durchzuckte seinen Finger, als ob eine Nadel in ihn gestochen worden wäre.

  „Wollen Sie es noch einmal versuchen?“

  „Eine fliegende Stadt.“

  „Auch das ist nicht ausreichend, bedaure. Commander, ich würde Ihnen wirklich raten, sich die Antworten besser zu überlegen.“

Erneuter Schmerz drang wie ein weißglühendes Messer in seine Hand und fuhr gefühlt bis in seine Schulter – obwohl er wußte, daß es nur Illusion war, nur ein Nervenreiz. Und dennoch schrie sein Geist unwillkürlich auf. Vater!

 

Auf der EXECUTOR hob Vader abrupt den Kopf.

  Luke! Wo bist du?

Sein Sohn konnte nicht gleich antworten – die erneute Verweigerung einer ‚vernünftigen’ Antwort hatte mehr Schmerz nach sich gezogen. Aber allein die Stimme seines Vaters, die Besorgnis darin gab ihm Kraft und Trost.

  Vater… tut mir leid. Ich wollte nur Leia besuchen und wieder Zuhause sein, ehe du zurück bist…

Eine heiße Welle der Freude, aber auch des Schmerzes, überlief Vader, als Luke unbewußt und selbstverständlich von Bast als seinem Zuhause sprach.

  Wo bist du, Luke? Ich spüre deinen Schmerz!

  Rebellen., formulierte Luke mühsam zwischen zwei Attacken.

  Die Rebellen? Ich komme, Luke. Ich bin unterwegs., grollte Vader. Halte durch!

  Nein… nicht bei der Allianz… Mission.

Eine Mission? Was für eine Mission?

  Ich bin auf dem Weg nach Risban, Luke. Nur noch wenige Stunden. Meditiere… zieh dich in dich zurück.

  Nicht mehr… auf Risban., kam es stockend.

  Wo dann? Wo bist du, Luke?

Ihm antwortete nur Schwärze. Entweder war es seinem Sohn gelungen, sich in Meditation zu versetzen, oder er war schlicht bewußtlos.

Vader beugte sich abrupt vor und aktivierte das Bordcom. „Admiral, der Marschbefehl nach Risban ist hiermit widerrufen. Wir werden ein anderes Ziel anlaufen. Fallen Sie aus dem Hyperraum und stoppen Sie das Schiff bis zu meinem nächsten Befehl.“

  „Mylord, wir haben beinahe den Rendezvouspunkt mit Jix erreicht. Dürfte ich vorschlagen, noch etwas länger im Transit zu bleiben?“

  „Wie lange?“, verlangte er zu wissen.

  „Siebzehn Minuten.“

Er nickte – darauf kam es nicht an, und er brauchte sowohl R2 als auch Jix… letzteren für den Plan, der in ihm zu reifen begann. „Schicken Sie Jix sofort zu mir, wenn er eingedockt ist, Firmus.“

  „Verstanden. Welchen neuen Kurs sollen wir setzen?“

Vader schwieg einen Moment. In Gedanken spielte er den Plan durch, von dem er hoffte, daß er klappen würde. „Tatooine, Firmus. Wir fliegen nach Tatooine. Es wird Zeit, ein As aus der Hand zu spielen.“

Piett runzelte die Stirn, wagte aber nicht, nachzufragen. „Tatooine, jawohl. Wir warten auf Eure Befehle.“

 

Vader sammelte seine Gedanken, plante die Züge, die er jetzt tun würde. Der Plan war vielversprechend – er mußte klappen. Die Frage war nur: hatten sie genug Zeit? Würde Luke so lange durchhalten?

Er verließ sein Quartier und machte sich auf den Weg in den Garten. Er benötigte etwas von dort für seinen Plan… eine Belohnung. Oder Bestechung. Vielleicht auch eine Drohung… oder alles zusammen. Man würde sehen.

Auf den ersten Metern kam ihm Veers entgegen, der stehenblieb, ihn erwartete und auf seine Route einschwenkte.

  „Warum läßt du anhalten?“

  „Luke ist nicht mehr auf Risban.“, erwiderte Vader knapp, ohne seinen Schritt zu verlangsamen.

Max fluchte. „Und der Jäger ist noch dort? Das bedeutet, wir haben ihn verloren.“

  „Nur für den Moment.“, meinte Vader grimmig. „Ich denke, ich weiß, wie ich herausfinde, wo er steckt.“

Der General runzelte die Stirn. „Da du hast halten lassen, wirst du nicht planen, den Rebellenstützpunkt zu stürmen. Was, nebenbei, ohnehin sehr riskant wäre.“

  „’Idiotisch’ trifft es besser. Ich will Antworten.“

  „Was hast du also vor?“

  „Ich werde jemanden fragen, der es weiß.“ Vader hob die Hand und unterband so Max’ Frage. „Geduld. Warte bitte in meinem Quartier auf Jix – er soll sich nicht von der Stelle rühren. Ich bin bald zurück.“

 

Ein reichlich kleinlauter Jix war auf der EXECUTOR gelandet – und ein ziemlich Verwirrter verließ sie wieder. Er hatte genaue Anweisungen bekommen, die er aber nur teilweise verstand… und Vaders Strafe für sein Vergehen bestand darin, daß er es ihm nicht erklärte. Aber er kannte seinen adoptierten Onkel mittlerweile gut genug, um zu wissen, daß dessen Zorn bereits verraucht war – sobald er diesen Auftrag ausgeführt hatte, war alles vergessen und vergeben. Und schwierig war es nicht, was ihm aufgetragen worden war… nicht, wenn er Glück hatte und seine Schnodderschnauze und natürliche Frechheit durchkamen. Und er noch als Lieferant in den Listen der Rebellen geführt wurde…

Sein Laderaum war voll, und statt dem Astromech, der nun bei Vader war, lag ein spezielles Präsent neben ihm – der eigentliche Zweck seiner Reise. Er schüttelte den Kopf, sooft sein Blick darauf fiel. Onkel D hatte es als ‚den Schlüssel’ bezeichnet, aber er hatte keine Ahnung, in welches Schloß das Ding passen sollte…

Sein Schiff war klein und verdammt schnell, und zwei Stunden später fiel er vor Risban aus dem Hyperraum und steuerte die Rebellenbasis an, deren Position sie vom Tracker in Lukes Jäger kannten. Jetzt hieß es frech sein.

  „Basis, dies ist die GLÜCKSFEE. Ich hab eine Lieferung für euch.“, verkündete er fröhlich.

Einen Moment herrschte Stille, dann kam die mißtrauische Stimme eines Controlers über das Com. „Sie wurden nicht angekündigt, GLÜCKSFEE. Ich habe Sie nicht auf den Lieferlisten.“

Jix stöhnte theatralisch. „He, Mann, ich kann nichts dafür! Ich habe Eurem Disponenten gesagt, daß ich nicht weiß, wann ich das Zeug kriege – reines Bacta wächst nicht auf Bäumen! Was glaubt ihr eigentlich, was ich für Schwierigkeiten hatte, die drei Kisten zu kriegen, die er wollte? Ich mußte ihm hoch und heilig versprechen, es sofort zu liefern, wenn - “

Der Controler am anderen Ende schnappte nach Luft. Reines Bacta? Das war sein Gewicht in Platin wert – man konnte von Glück sagen, wenn man fünfzig- bis sechzigprozentiges bekam! Und drei Kisten…? Er unterbrach den Redefluß des Schmugglers, den er zumindest dem Namen nach kannte – die GLÜCKSFEE war in der Vergangenheit immer wieder aufgetaucht, und ihr Pilot war berühmt dafür, Sachen zu bekommen, die kein anderer beschaffen konnte. Er mußte verdammt gute Quellen haben. Seine Preise waren hoch, aber die Qualität der Ware war erstklassig. „Schon gut, schon gut! Sie haben Landeerlaubnis. Ich schicke jemanden zum Ausladen in den Hangar.“

  „Herzlichen Dank auch.“, kam es sarkastisch zurück. „Ist ja nicht so, daß ich das Zeug sonst nirgends loswerden würde, klar?“

  „Halt die Klappe und lande!“, fauchte der Controler und schaltete ab.

Jix grinste und pfiff ein Lied, während er sein Schiff in den Hangar steuerte und landete. Wie versprochen standen bereits Dockarbeiter bereit, welche die Kisten ausluden, sobald er den Laderaum geöffnet hatte. Ein Einkäufer stand daneben und beobachtete, wie nacheinander alle Behältnisse auf Sender und andere unerfreuliche Dinge gescannt wurden; dann öffnete er eine der Kisten und entnahm vorsichtig eine Probe der kostbaren Substanz, um sie zu prüfen. Seine Augen wurden groß, als sein Scanner ihm die Reinheit bestätigte. Er hatte zwar keine Ahnung, wer das bestellt hatte, aber reines Bacta… das nahm man, wenn man es bekam, und stellte keine Fragen. Er schluckte und nickte. „Wieviel?“

Jix nannte den Preis, den Vader ihm vorher gegeben hatte – er war angemessen, ein wenig überhöht, aber fair. Der Rebell nickte wieder, er kannte den Marktwert. „Aufs übliche Konto?“

  „Yep. Ach, und noch was… du könntest mir einen Gefallen tun und das hier der Prinzessin geben, ja? Sie hatte es mal erwähnt – ich bin neulich drübergestolpert und dachte, es würde sie freuen.“ Er überreichte dem Mann eine Tüte. „Geh vorsichtig damit um, es ist für sie und auf seine Art beinahe so wertvoll wie das Zeug in den Kisten.“

Der Rebell schielte hinein und runzelte die Stirn. „Das da?“

Jix grinste. „Das da. Sorg einfach dafür, daß sie es bekommt, ja? Ist sie da?“

  „Äh… na schön. Gut.“ Hinten im Hangar erspähte der Rebell den Prokolldroiden der Prinzessin auf einem Botengang – perfekt. „Ja, ist sie… Ich sorge dafür.“

  „Danke, Kumpel. Bis zum nächstenmal!“ Jix tippte sich mit zwei Fingern lässig an die Schläfe, schlenderte zum Schiff zurück und startete in aller Seelenruhe. Während die Maschine warmlief, sah er durch das Cockpitfenster, wie die Tüte an einen goldenen Droiden übergeben wurde. Er grinste und wählte eine Nummer in seinem Com, während er abhob und durchstartete.

  „Onkel D? Das Päckchen ist auf dem Weg.“

 

Darauf hatte Vader gewartet.

Er saß in Lukes Quartier, wo er auf Jix’ Anruf gewartet hatte, und drückte nun umgehend auf eine besondere Taste des Comgeräts.

Wahlwiederholung.

Es war so einfach… wenn man nur an eine so simple Lösung dachte.

 

Eingehender Anruf., meldete das Comsystem des Falken. Konnte das Luke sein?, fragte sich Leia, als sie hinüberging, um den Ruf entgegenzunehmen. Als sie die Nummer sah, runzelte sie die Stirn. Die EXECUTOR? Vaders Nummer, wie schon einmal. Möglich war es.

Sie nahm ab – und keuchte, als sie statt Luke den eigentlichen Inhaber der Nummer sah.

  „Vader!“, zischte sie. „Was soll das? Wo ist Luke?“

  „Genau das ist meine Frage, Prinzessin. Wo ist Luke?“ erwiderte der dunkle Lord ruhig.

Die Antwort erschreckte sie mehr, als zu zugeben wollte. „Aber… er wollte doch…“ Sie unterbrach sich und biß sich auf die Lippe. Beinahe hätte sie vergessen, mit wem sie hier sprach.

Vaders mentale Fühler waren längst ausgestreckt und holten sich den Rest des Satzes. „… zu mir? Er wollte zu mir?“

  „Raus – aus – meinem – Kopf!“ fauchte sie wütend und zog umgehend Barrieren hoch, die Vader mehr als erstaunten – er sah sich plötzlich einer massiven Wand gegenüber, die er nicht durchdringen konnte. Nicht ohne daß sie es bemerkte, jedenfalls. „Ja, verdammt. Wollte er eigentlich.“ knurrte sie dann gereizt.

Vader schwieg einen Moment. „Er ist nicht angekommen.“ Seine Stimme war ruhig, aber es schwang eine gewisse Sorge mit, die ihr nicht entging – und sie verwunderte.

  „Was wollt Ihr von ihm, Vader?“

  „Das geht Euch nichts an, Prinzessin. Aber seid versichert: ich bin Lichtjahre davon entfernt, ihm schaden zu wollen.“

  „Und seine Hand?“, fauchte sie.

  „War ein Unfall. Er weiß es.“

  „Oh, ja, sicher. Ein Unfall. Und Euch tut es bestimmt furchtbar leid, was?“

  „In der Tat, Prinzessin. Aber ich würde es vorziehen, Diskussionen dieser Art später zu führen. Luke ist in Gefahr. Wir haben nicht viel Zeit.“

  „Gefahr? Wieso? Woher wollt Ihr das wissen?“

  „Ich kann es spüren. Er leidet.“

Im Hintergrund tauchte C-3PO auf und kam in seinem typisch hektischen Schritt näher, in der Hand eine Tüte. „Euer Hoheit, dies wurde für Euch abgege-“

  „Nicht jetzt, 3PO!“ Sie starrte Vader an. „Was wollt Ihr von mir?“

  „Wissen, wo er ist. Nichts weiter.“

Der Protokolldroide kam noch etwas näher, schielte auf den Bildschirm und begann, leise zu jammern, bis Leia ihm mit einer Handbewegung gereizt zu schweigen gebot.

  „Und warum sollte ich Euch das sagen?“

  „Weil Euch an ihm liegt. Er bezeichnet Euch als Freund.“

Sie schluckte an dem Brocken, das konnte er sehen, aber sie gab nicht nach. „Keine Chance!“

Er sondierte nochmals, vorsichtig. Umsonst – ihr Geist war dicht. Verdammt… also war dieser Weg, an die Antwort zu kommen, versperrt. Wie machte sie das? War sie etwa… machtbegabt? Er fluchte innerlich, weil er jetzt keine Zeit hatte, dieser Frage nachzugehen. Was als Belohnung geplant war, mußte jetzt als Lockmittel herhalten. „Kommt nach Tatooine, Prinzessin.“

  „Was?“ Sie riß bei dem scheinbaren Themenwechsel die Augen auf.

  „Ihr habt mich verstanden. Kommt nach Tatooine – zwingt mich nicht, an… andere Orte zu kommen.“

  „Ihr blufft!“

Er lächelte unter seiner Maske. „C-3PO hat ein Geschenk für Euch, Prinzessin. Wollt Ihr es ihm nicht abnehmen?“

Ihr fiel der Mund offen, als sie begriff. „VADER!“

  „Es wird Euch gefallen, Prinzessin.“

Mit zornfunkelnden Augen riß sie dem Droiden die Tüte aus der Hand und sah hinein, dann schnappte sie nach Luft und stellte sie behutsam ab, um vorsichtig den Inhalt herauszuschälen.

  „Eine Ladalum…“, flüsterte sie hingerissen und betrachtete die Pflanze mit den roten Blüten vor ihr, als würde sie ein Gespenst sehen. „Wo habt Ihr die her?“

  „Mein Gärtner stammt von Alderaan, Prinzessin. Er züchtet sie. Dies hier war die größte und gesündeste Pflanze, die er hatte. Wie er mir versicherte, kann sie gut im Topf gehalten werden und muß nicht eingepflanzt werden.“

  „Ich dachte, nach der Zerstörung Alderaans würde ich nie wieder welche sehen…“ Leias Hand zitterte, als sie die tiefgrünen Blätter berührte. „Sie wuchsen im Palastgarten… ich habe sie schon als Kind geliebt.“ Sie sah auf. „Aber das ist kein Grund, Euch zu verraten, wohin er geschickt wurde. Was wollt Ihr?“ fragte sie hart. „Bestechung ist sogar unter Eurer Würde, Vader.“

  „Kommt nach Tatooine. Mos Eisley, Chalmun’s Cantina – ich bin sicher, Euer Wookieepilot weiß sehr genau, wo das ist. Ich schicke zwei meiner Männer für ein weiteres Gespräch, sie werden Euch sagen, was als nächstes kommt.“

  „Als nächstes, Vader? WAS kommt als nächstes?“

  „Sagen wir einfach, ich möchte Euch ein Geschenk machen, das noch wertvoller für Euch ist als diese Pflanze. Mos Eisley, Prinzessin. In zehn Stunden. Luke hat nicht viel Zeit.“

Der Bildschirm wurde schwarz.

Leia fluchte, dann drehte sie sich um und sah C-3PO an. „Such Chewie und Lando. Wir fliegen nach Tatooine.“

 

 

44

 Die EXECUTOR schwebte majestätisch – und allein – im hohen Orbit um Tatooine. Nicht ein einziges Begleitschiff der sonst allgegenwärtigen Todesschwadron war bei ihr.

Vader stand auf seinem bevorzugten Aussichtspunkt am großen Panoramafenster der Brücke und starrte hinunter auf den gleißenden Ball, der auf den ersten Blick wie eine dritte Sonne wirkte. So viele Erinnerungen lagen für ihn dort unten begraben. Erfahrungen. Wegpunkte seines Lebens – und Lukes. Veers, der neben ihn trat, spürte seine Anspannung und folgte seinem Blick – sah aber nur einen großen, sandfarbenen Planeten.

  „Warst du jemals auf Tatooine?“ fragte Vader.

  „Ein-, zweimal…“ Veers zuckte die Schultern. „Es war heiß. Und staubig. Die Gesellschaft war nicht die beste, aber die Moral der Truppen erstaunlich hoch.“

Der dunkle Lord lachte trocken. „Das liegt daran, dass keiner von ihnen länger als ein Jahr bleibt und sie alle eine Sondergratifikation bekommen in dieser Zeit. Sie sind recht motiviert, dort Dienst zu tun.“ Er schwieg einen Moment. „Es ist sonderbar. Ich bin dort aufgewachsen, bis ich neun war. Ich war ein Sklave, meine Mutter ebenfalls. Wir hatten nicht viel, aber es ging uns recht gut – ich hatte sogar das Glück, etwas tun zu müssen, das mir Freude machte, und durfte ab und zu Rennen für meinen Herrn fliegen. Aber… wir waren unfrei. Luke wuchs Jahre später ebenfalls dort auf. Er war frei, hatte aber weniger Freiheiten als ich zu meiner Zeit. Er war mehr Sklave seines Onkels als ich je wirklich einer war. Er wurde künstlich ruhiggestellt und eingesperrt, willentlich von seiner Bestimmung ferngehalten. Aber beide haben wir dort unten gelernt, zu überleben. Ich hasse Tatooine. Und doch ist es meine Heimat.“

Mühsam riß er sich los und wandte sich Veers zu. „Komm. Hilf mir.“

 

  „Wobei soll ich dir helfen?“ fragte der General, als sie in Vaders Quartier angekommen waren. Die Gänge waren für ein Gespräch zu belebt gewesen.

Der dunkle Lord nahm Helm und Maske ab und sah ihn an. „Unser erstes Treffen mit der Prinzessin wird in einer Cantina in Mos Eisley stattfinden.“

  „Ja.“ Veers sah ihn verwirrt an. „Und?“

  „Mos Eisley ist der Schmelztiegel aller dunklen Geschäfte in diesem Sektor. Die Cantina dort ist der Treffpunkt von Schmugglern, Raumpiraten und Söldnern – in Uniform können wir da nicht auftauchen. Also müssen wir uns verkleiden.“

  „Verkleiden.“ Veers’ Stimme war deutlich anzuhören, was er davon hielt. Er war doch kein kleines Kind mehr!

Vader seufzte. „Max… wir werden uns lediglich so anziehen, dass uns die anderen ‚Gäste’ abkaufen, dass wir von ihrem Schlag sind. Das ist alles. Nenn es, wie du willst.“ Er lächelte. „Und dein Bart und dein längeres Haar passen wunderbar zu einem Söldner im besten Alter.“

  „Und du?“

  „Hier kommst du ins Spiel.“ Er fuhr sich mit einer Hand durchs Haar. „Du wirst mich scheren.“

  „Was?!“

  „Schau nicht so entsetzt. Es wird ja wieder wachsen – aber ich werde auf diese Weise sogar einen Nutzen aus meinen Narben ziehen.“ Er warf einen Blick auf ein Chronometer. „In eineinhalb Stunden haben wir eine Verabredung, General. Also los.“

 

Eine halbe Stunde später musterte Vader sich prüfend im Spiegel. Durch die Heilung hatte seine fast weiße Haut wieder ihren natürlichen Bronzeton angenommen, und auf dem frisch rasierten Kopf hatten sie mit etwas Selbstbräuner nachgeholfen. Die Kleidung, die der Quartiermeister nach Vorgabe angefertigt hatte – eine Hose aus festem Stoff, dunkelblau, ein weites Hemd in einem schmutzigen Weiß und eine ärmellose Weste, ebenfalls blau - sah schon etwas abgetragen aus und war zerknittert und leicht staubig, ebenso wie die Stiefel, die aussahen, als hätte ihr Besitzer schon lange den Kampf gegen den allgegenwärtigen Sand aufgegeben und darauf verzichtet, sie laufend zu polieren. Er krempelte die Ärmel bis zu den Ellbogen hoch und stemmte die Hände in die Hüften. Ja… er würde ohne Probleme als Söldner durchgehen. Aber…

  „Hm.“

Veers, ähnlich herausgeputzt, trat neben ihn. „Was brummst du? Nicht zufrieden?“

  „Doch… doch, schon.“

  „Aber? He, das scheren war deine Idee, nicht meine!“ Veers hob die Hand und strich sanft über die frische Glatze, auf der sich heller die einstmals so furchtbaren und wulstigen Narben abzeichneten – ebenso wie im Gesicht, unter dem linken Auge. „Aber ich muß sagen, es sieht erstaunlich gut aus. Es steht dir.“

Vader grinste. „Das ist es ja. Ich gefalle mir so – und das, obwohl ich so glücklich war, endlich wieder Haare zu haben!“

Veers lachte leise. „Spinner. Komm, es wird Zeit. Meine Männer haben eine kleine Yacht besorgt, die zu unserer Rolle passt – sie ist schnell, wendig und gut bewaffnet. Sie steht in deinem Hangar bereit.“

 

Leia hatte den ganzen Weg nach Tatooine gegrübelt. Sie saß auf dem Sessel hinter Lando und schien so abwesend und in Gedanken versunken, daß weder Lando noch Chewbacca sie ansprachen, bis sie endlich vor Tatooine aus dem Hyperraum austraten.

Was, bei allen Raumgeistern, wollte Vader von Luke? Was lag ihm an dem Jungen?

Luke war ein Feuchtfarmer, jung, naiv und so blauäugig, wie er war und aussah. Es war nichts Besonderes an ihm… oder doch? Na schön, er war ein wirklich guter Pilot. Und dann war da noch die Sache mit der Macht… er trug ein Lichtschwert, hatte schon auf dem Todesstern eines gehabt. Aber das jetzige war ein anderes – irgendwas war doch damit. Er hatte ihr etwas von seinem neuen Lichtschwert erzählt… und war es nicht grün statt blau? Sie versuchte sich zu erinnern, aber was auch immer es war, sie konnte es nicht greifen. Etwas mit Lichtschwert… und Vader. Und er schien keine Angst vor Vader zu haben. Oder hatte sie das geträumt?

Ein anderer Traum war ihr allerdings noch sehr präsent. So präsent, daß ihr beinahe schon wieder übel wurde.

  Ich… ich liebe Dich.

  Und ich dich. Niemand wird uns mehr trennen, Luke. Nie wieder.

Oh Mann. Der übelste Alptraum, den sie je gehabt hatte. Oder war es etwa gar keiner gewesen? Sollte Vader sich wirklich einen Geliebten angelacht haben? Vader? Ein Cyborg? Und noch verrückter: sollte Luke wirklich dazu bereit sein?

Nein. Das war ein Traum. Ein Zerrbild ihrer Ängste.

  „Leia…“, sagte Lando vorsichtig und drehte sich zu ihr um. „Wir haben Tatooine erreicht.“

Sie riß sich zusammen und sah nach vorn. Die Doppelsonne beschien den Wüstenplaneten und ließ seinen Glast hell leuchten. Das letzte Mal, als sie hiergewesen war, wurde die TANTIVE IV von der DEVASTATOR gejagt. Heute…

  * Dein Date ist schon da. * meinte Chewbacca und deutete auf den gigantischen Sternzerstörer, der unbeweglich und ruhig im stationären Orbit über dem Planeten hing.

Leia knurrte. „Besser er ist hier als über Risban, oder? Also schön. Landen wir.“

 

Vader und Veers hatten die Yacht inspiziert und die Maschinen gestartet. Veers nahm letzte Checks vor, während Vader sich mit Piett in Verbindung setzte.

  „IANUS erbittet Starterlaubnis.“

  „Gewährt, IANUS. Viel Erfolg.“, antwortete Firmus ruhig. Er hatte nur die Aufgabe, zu warten, und etwas später die PRIDE mit einer Kompanie Sturmtruppen nach unten zu schicken – den Rest wollte Vader allein erledigen. Die EXECUTOR war allein, DEVASTATOR und VENGEANCE waren nach Risban abkommandiert worden – sie sollten außer Sensorreichweite der Rebellen warten und einen Angriff durchführen, falls die Prinzessin die Verabredung nicht einhalten sollte. Der Rest der Todesschwadron lag auf Abruf zwischen den beiden Zielen.

Vader steuerte Mos Eisley an – er kannte die Stadt besser, als ihm lieb war. Über die Jahre war er immer wieder hiergewesen, aus verschiedenen Gründen. Es verband ihn eine seltsame Haßliebe mit dem Planeten.

Er landete in einer der öffentlichen Hangarbuchten in der Nähe der Cantina und verließ dann mit Veers das Schiff. Sie entrichteten die Mietgebühr im Voraus, vereinbarten noch das Anmieten eines der Gleiter, die hier zur Verfügung standen, zur späteren Benutzung und schlenderten dann durch die heißen und staubigen Straßen der größten Stadt Tatooines.

  „Dies ist die heimliche Hauptstadt.“, erklärte Vader und wich einem Ronto aus, auf dem ein winziger Jawa thronte. „Mos Eisley ist größer als Bestine und bedeutender… der größte Raumhafen und der größte Umschlagplatz für Schmuggler. Jabba unterhält hier einen Stadtpalast, auch wenn er den den anderen nach wie vor bevorzugt.“

  „Bist du hier aufgewachsen?“ Veers wischte sich den Schweiß von der Stirn und sah sich vergeblich nach Schatten um. Binnen Minuten war sein Hemd durchtränkt, während Vader nicht zu schwitzen schien. „Meine Güte… kein Wunder, daß du sonst immer frierst.“

Vader lächelte darüber. „Das ist der einzige Vorteil: mir ist hier zur Abwechslung endlich mal angenehm warm, das ist richtig. - Nein, ich bin in Mos Espa aufgewachsen. Kleiner, aber berühmt für die Podrennen, die dort regelmäßig abgehalten wurden. Mos Eisley habe ich erst später kennengelernt… als Kind war ich nie hier. – Dort drüben ist es.“ Er deutete auf ein gedrungenes Haus, das, wie die meisten, keine Fenster aufwies. Der Eingang führte über ein paar Stufen nach unten in einen Vorraum und erst von dort weiter in den eigentlichen Gastraum, der düster, verwinkelt und voll war.

Veers fiel sofort in den ‚Kampfbereit’-Modus – gespannt, wachsam, nach allen Seiten sichernd und eine Hand bereit, nach dem Blaster zu greifen, den er offen trug - was Vader wieder leise lächeln ließ. Er – selbst ohne sichtbare Waffen - würde hier und heute als Leibwächter auftreten, aber Max konnte sehr gut selbst auf sich aufpassen.

Er sah sich um, aber die Prinzessin schien noch nicht eingetroffen zu sein. Er warf Veers einen Blick zu und deutete mit dem Kinn auf die Bar. Max nickte und ging voraus an die Theke.

Der Barkeeper starrte sie stumm an – eine Frage schien er für unnötig zu halten. Was natürlich in einer Bar nicht von der Hand zu weisen war.

  „Zwei R’alla.“, bestellte Vader.

  „Wasser? Warum nicht gleich blaue Milch?“, murrte der Barkeeper.

  „Laktoseintoleranz.“ Vaders lächelte auf eine Weise, die den Mann hinter der Theke wissen ließ, daß er sich mit dem nächsten schlauen Spruch auch gleich einen Arzt suchen konnte. Umgehend und wortlos erschienen zwei gekühlte Flaschen vor ihnen auf der Theke.

  „Idiot.“, knurrte Vader, warf ein paar Münzen hin, nahm die Flasche und lehnte sich rücklings an den Tresen; einen Fuß auf die Stange hochgezogen, ein Ellbogen lässig auf die Theke gestützt – das perfekte Bild eines abgebrühten Söldners, der ein paar Creds nicht abgeneigt war. Seine Ausstrahlung sorgte dafür, daß man sie in Ruhe ließ und einen respektvollen Abstand hielt. Man sah ihm deutlich an, daß er den starken Mann nicht nur spielte.

Veers stand nur vorgeblich entspannt neben ihm – er war wachsam und ließ den Blick permanent über die anderen Gäste gleiten. Schmuggler, Kopfgeldjäger, Laufburschen für Hutts und anderes Gesindel, Drogendealer… teilweise schienen sie auf der Stirn eintätowiert zu haben, was sie waren. Aber auch Piloten, Söldner und anderes, halbwegs ehrbares Volk trieb sich hier herum, zwischen Animiermädchen, Tänzerinnen und der Band, die in einer Seitennische schräge, aber seltsam mitreißende und eingängige Musik spielte.

  „Nett hier.“, meinte er trocken.

Vader nickte nur, die Augen halb geschlossen. „Nichts hier, was uns gefährlich werden könnte. Ich hab alles im Blick… entspann dich.“

  „Ich BIN entspannt!“ protestierte Max.

  „Bist du nicht.“ Vader öffnete die Augen. „Sie kommt.“

Veers folgte seinem Blick und sah die junge Frau die Cantina betreten und sich suchend umsehen. Erstaunlicherweise war sie allein – weder der Wookiee noch Calrissian war bei ihr.  „Interessant.“

  „Sehr.“, nickte Vader. Das erste Gespräch hier war nicht mehr als ein Versuchsballon – um die Intentionen und die Bereitschaft der Prinzessin in Erfahrung zu bringen. War sie bereit, gleich zu kooperieren und auf den Deal einzugehen – gut. Wenn nicht, folgte Phase zwei.

Veers hob die Hand, als Leia in seine Richtung sah, und machte ihr ein Zeichen. Vader hatte sich indessen nicht gerührt und tat es auch nicht, als die Prinzessin nun zu ihnen kam.

Sie steckte in einer Pilotenkombi in einem hellen Beige, die ihre Figur vielleicht ein wenig zu deutlich betonte. Nicht gut. Der dunkle Lord spürte bereits das Interesse einiger männlicher Wesen in der Umgebung sprunghaft zunehmen.

Um sie herum war einigermaßen Platz, was die Sache erleichterte – aber ein lautes Gespräch wäre dennoch unklug.

Sie stand nun vor ihnen, stemmte die Hände in die Hüften und blitzte beide wütend an. „Das darf ja wohl nicht wahr sein.“, fauchte sie leise genug, um andere Gäste auszuschließen. „Ich komme den ganzen Weg hierher, um mit Vader zu reden, und er schickt mir nur euch zwei Clowns?“

Veers lächelte, allerdings ein wenig bissig. „Ich bin Maximilian Veers, General der Infanterie der EXECUTOR und der Todesschwadron.“, stellte er sich knapp vor. „Ich genieße Lord Vaders volles Vertrauen und bin hier, um Ihnen seinen Vorschlag zu unterbreiten.“

  „Ein General, hm?“ Sie sah ihn an und nickte. „So geschraubt, wie Sie reden, glaube ich Ihnen das sofort. Und er?“ Sie nickte zu Vader hinüber. Wer er wohl war?, überlegte sie, während sie ihn neugierig musterte. Oder besser: was? Er schien vom Typ „zäher Hund“, den kahlen Kopf zierten einige alte und übel aussehende Narben – eine recht große direkt unter dem linken Auge, eine offensichtlich ältere neben dem rechten – und auch sonst machte er den Eindruck, als sei Kampf sein tägliches Brot, auch wenn er auf den ersten Blick keine Waffen bei sich zu haben schien. Ihr Blick wurde ruhig und beinahe amüsiert erwidert. Er schien nicht der Typ zu sein, der sonst in einer weißen Stahlplastikuniform durch die Gegend lief – ein Offizier, also? Auf seine Weise strahlte er eine selbstverständliche Autorität aus, ähnlich wie Veers. Ein Anführer.

  „Songan Tyee. Er… paßt auf mich auf.“ Veers lächelte ein wenig zweideutig.

Leia fragte sich plötzlich, ob es eine gute Idee gewesen war, allein zu kommen. Sie hatte Vader mit ihrem Mut beeindrucken wollen – einen Vader, der nicht da war. Natürlich nicht da war. Nicht in einer Bar, du dummes Ding.

Sie konnte nicht wissen, daß sie ihn tatsächlich beeindruckt hatte… und mehr noch, sie erinnerte ihn an Padmé während ihrer früheren Abenteuer. Genauso schnell mit Entscheidungen bei der Hand, die teils etwas übereilt und unüberlegt waren, aber mutig und immer mit dem Kopf durch die Wand.

Vader verengte die Augen. Sie sah Padmé sogar ähnlich. Das Haar… die Augen… war es möglich? Konnte Leia…

Ihre nächste Reaktion unterbrach seinen Gedankengang.

  „Na schön. Hierherzukommen war wohl eine blöde Idee.“ Sie drehte sich auf dem Absatz um und marschierte hinaus, bemüht, ihrem Abgang wenigstens etwas Würde zu verleihen, wenn sie sich schon sonst blamiert hatte.

  „Hallo, Süße.“ Ein gelbhäutiger Zabrak mit sehr spitzen Kopfdornen trat ihr mit einem breiten Grinsen in den Weg. „Sind die beiden nicht nach deinem Geschmack? Wie wäre es mit mir?“

Leia spürte nur einen Luftzug, als etwas an ihr vorbeistürmte und sie in einer fließenden Bewegung hinter sich schob. Tyee.

Sie blinzelte und starrte auf das breite Kreuz direkt vor ihr. Wie hatte er sich so schnell bewegen können? In ihrer Überraschung protestierte sie nicht einmal, was sie sonst auf jeden Fall getan hätte.

  „Du bist nicht ihr Typ, fürchte ich.“ schnurrte der Leibwächter sanft.

  „Aber dich wollte sie auch nicht, Kumpel.“ knurrte der Zabrak. „Du hattest deine Chance. Geh beiseite.“

  „Es wäre gesünder für dich, wenn du zu deinem gepanschten Drink zurückkehren würdest.“ Vader verzichtete darauf, die Macht einzusetzen – das hier versprach Spaß zu machen.

Der Zabrak sah einen Mann in mittleren Jahren vor sich - groß, muskulös und breitschultrig, lächelnd und selbstsicher - aber wie viele seiner Rasse neigte er zu Selbstüberschätzung. Und er war jung.

  „Geh beiseite.“, wiederholte er und trat einen Schritt vor.

Es war, als sei er gegen eine Wand gelaufen. Irgendetwas Massives war ihm plötzlich im Weg und schickte ihn durch seinen eigenen Schwung würdelos zu Boden. Erschwerend kam hinzu, daß – was immer es gewesen war – in seinem Solarplexus gelandet war und ihm nun leichte Atemprobleme bereitete. Mit anderen Worten: er bekam keine Luft.

Japsend sah er hoch und bekam eben noch mit, wie der Söldner gelassen seine Faust öffnete und wieder sinken ließ. Seine Faust? Das war alles?

Bei einem neuerlichen Überdenken der Situation, der fortgesetzten Sauerstoffknappheit und dem ungebrochenen Lächeln des Mannes über ihm verwarf er allerdings den Gedanken an einen zweiten Angriff – ebenso wie die Beobachter ringsum, die teilweise die Idee gehabt hatten, es anstelle des glücklosen Humanoiden selbst zu versuchen.

Vader nahm die perplexe Leia beim Arm und führte sie hinaus, Veers folgte breit grinsend. Er ahnte, daß Vader insgeheim bedauerte, daß der Zabrak zu keiner zweiten Runde bereitgewesen war.

  Wir gehen zu Phase zwei über, Max.

  In Ordnung.

Veers trat draußen zu Leia und sah sie ruhig an.

  „Ein Gespräch mit Lord Vader ist leicht zu arrangieren. Er ist hier auf Tatooine – ich kann Sie hinbringen.“ 

  „Wo ist er?“

  „Auf der Lars-Farm, südlich von hier. Ich habe einen Speeder.“

Sie zögerte. „Warum sollte ich einem Imp vertrauen? Sie könnten mich sonstwohin bringen.“

  „Sie sind hier.“, erinnerte er sie freundlich. „Wollen Sie noch jemanden mitnehmen? Den Wookiee oder Calrissian? Einverstanden. Einen von beiden.“

  „Und was erwartet uns auf dieser Farm? Eine komplette Garnison Sturmtruppen?“

Veers seufzte. „Das könnte er einfacher haben, oder? Selbst hier, mitten in Mos Eisley. Auf Tatooine sind genug Truppen stationiert – aber wir stehen hier allein.“

Sie runzelte die Stirn. Etwas in ihr sagte ihr, daß sie ihm vertrauen konnte – und daß er die Wahrheit sagte. Aber woher wußte sie das? Und konnte sie ihrem Gefühl glauben?

  „Er wird Ihnen einen Deal vorschlagen, von dem beide Seiten nur profitieren können, Prinzessin. Und ich gebe Ihnen mein Wort: wenn Sie nicht damit einverstanden sind, erhalten Sie freies Geleit. Sie werden Tatooine unbehelligt verlassen können, zusammen mit Ihren Begleitern.“

  „Na schön. Ich werde mir anhören, was er zu sagen hat.“

Veers verneigte sich leicht. „Gut. Der Gleiter steht im Hangar – hier entlang.“

 

 

45

 Sie gingen den Weg gemeinsam und schweigend. Veers führte die kleine Truppe an, ruhig und gelassen, wie es seine Art war – und Leia vertraute ihm mit jedem Schritt mehr. Warum, konnte sie sich nicht erklären, es fühlte sich einfach… richtig an.

Aber sie war immer noch verwirrt. Warum war sie auf einen simplen Befehl Vaders den weiten Weg hierhergekommen? Was verband Vader mit Luke? Warum fühlte sie sich dennoch am richtigen Ort? Warum stand sie jetzt allein mit zwei Imps mitten in Mos Eisley und drohte eben von einem Bantha überrannt zu werden?

Sie riß die Augen auf, als ihr das letzte klar und sie aus den tiefen Gedanken abrupt in die Wirklichkeit zurückgeholt wurde. Aber da hatten starke Arme sie längst schlicht und einfach hochgehoben und beiseite gestellt wie ein Möbelstück, und Augen so blau wie der Himmel über Tatooine lächelten sie an.

  „Aufpassen, Mädchen. Dieses Kaff bietet mehr Möglichkeiten, verletzt zu werden, als man glaubt.“

  „Loslassen!“ fauchte sie, aber mehr um ihren Schreck zu übertünchen.

Er lachte nur, da er sie durchschaut hatte. „Ein einfaches ‚Danke’ genügt.“

Sie knurrte – diesmal, um zu kaschieren, daß es ihr peinlich war – und stapfte entschlossen weiter; er folgte ihr grinsend.

  „Da sind wir.“ Veers deutete auf den Eingang zur Hangarbucht. „Ich hole den Gleiter – wo sollen wir Ihre Begleitung aufnehmen?“

  „Drei Straßen weiter, Dockbucht 37.“, sagte sie, immer noch ein wenig verwirrt. Chewbacca würde sie für verrückt erklären.

Veers nickte nur, ging hinein und fuhr kurze Zeit später den verbeulten, aber soliden Gleiter heraus.

  „Bis später.“ Er sah zu Vader hoch und lächelte. Er wußte, daß er keinen Moment wirklich allein sein würde… für den Fall, daß etwas Unerwartetes passieren sollte.

  „Bis später. Du hast dein Com? Und eine Waffe?“

  „Hier“, er klopfte sich auf die Brusttasche, „und hier.“ Mit einer Geste deutete er auf das Blastergewehr, das seitlich am Gleiter angebracht war. „Die Energiezelle ist voll, ich habe sie geprüft. Und hinten drin liegen fünf weitere.“

  „Eine Waffe?“ Leia runzelte die Stirn. „Wozu?“

  „Sandleute, zum Beispiel.“ Vader verschränkte die Arme, sein Ton war ernst. „Ihr durchquert einen Ausläufer der Jundland-Wüste, und die ist nicht ungefährlich. Ich würde auch raten, daß ihr Chewbacca mitnehmt… und er ebenfalls eine Waffe mit sich führt.“

Jetzt war sie endgültig baff. Ein Imperialer… wasauchimmer riet ihr, zum einen einen Wookiee mitzunehmen statt eines Menschen, eine Alienrasse!, und zum anderen sollte sich dieser auch noch bewaffnen? In Gegenwart eines anderen Imperialen, der sie allein begleiten wollte? Entweder führte sie dies in die größte Falle in der Geschichte des Imperiums, oder diese beiden Clowns waren wirklich verrückt… oder Vader meinte es ehrlich.

So nickte sie nur und griff zum Com, um Chewie vorzuwarnen, dann stieg sie in den Gleiter und fuhr mit Veers davon.

Vader sah ihnen einen Moment lang nach. Leias Schilde waren heute gesenkt gewesen, und was er gesehen hatte, war vielversprechend… Was ihn mehr beunruhigte, war das fortgesetzte Schweigen auf Lukes Seite, durchsetzt mit scharfem Schmerz in unregelmäßigen Abständen.

Er schloß kurz die Augen und sandte einen Impuls, von dem er hoffte, daß Luke ihn empfangen würde.

  Halt durch, mein Sohn. Ich hoffe, bald bei dir zu sein.

 

Etwa eine halbe Stunde später landete ein Lambdashuttle in unmittelbarer Nähe des Farmgebäudes, und Darth Vader, nun wieder in voller Rüstung, verließ es.

Er war allein gekommen, ohne Piloten und ohne Eskorte – er wollte, daß Leia ihm vertraute.

Sein Blick schweifte über die Wüste und das wenige, was von der Farm zu sehen war. Sie war nach wie vor unbewohnt, und alles Bewegliche – und auch manches nicht so Bewegliche – hatte längst seinen Weg zu diversen Subjekten des illegalen Handels gefunden.

Vader setzte sich langsam, wie von einer Schnur gezogen, in Bewegung, an den Rand der Kuppel des Haupthauses. Die Gräber waren noch unberührt. Gut.

Wann auch immer sein Weg ihn nach Tatooine geführt hatte, er hatte sich nie davon abhalten lassen, seiner Mutter einen Besuch abzustatten. Er beugte sich vor und wischte sanft Flugsand von dem schlichten Stein, der ihr Grab markierte. Shmi Lars, geborene Skywalker, stand darauf zu lesen, und die Jahreszahlen von Geburt und Tod. Ohne nachzudenken, kniete er nieder, in Gedanken versunken. Sie war nicht alt geworden, nur fünfzig Jahre… hätte noch viele glückliche Jahre erleben können, wären die Tusken nicht gewesen. Verdammte Plage. Diese Morde bereute er nicht.

 

Der Gleiter kam nur kurze Zeit später an. Veers hatte Leia angeboten, zu fahren und neben ihr Platz genommen, Chewbacca saß allein auf dem Rücksitz. Er hatte zunächst einen ganzen Schwall wütend klingender Worte ausgestoßen, die Max nicht verstanden hatte, dann seine Armbrust geschnappt und war zum Gleiter gestapft. Mittlerweile schien er sich beruhigt zu haben – und obwohl Max nicht so emphatiebegabt wie ein Jedi war, spürte er doch keine allzu große Abneigung von seiten des Nichtmenschen. Was wohl auch daran lag, daß er seinerseits dem Wookiee gegenüber Höflichkeit und echten Respekt an den Tag gelegt hatte, was dieser von einem imperialen Offizier wohl nicht erwartet hatte.

Leia brachte den Gleiter neben der Fähre zum stehen und stieg aus.

  „Na schön.“ Sie sah sich um. „Wo ist er?“

Veers ließ ebenfalls den Blick schweifen. Er war noch nie hiergewesen, aber sein Blick war geschult und entdeckte Vader vor ihr. „Dort.“ Er wies ihr den Weg; sie marschierte entschlossen los. Und Max hinderte den Wookiee durch eine Geste und einen ruhigen Blick daran, ihr zu folgen. „Bitte – bleibt hier. Dieses Gespräch sollten sie alleine führen. Es wird ihr nichts geschehen, dafür bürge ich.“

Chewbacca sah ihn prüfend an und jaulte etwas, das er wiederum nicht verstand, aber den Sinn sehr wohl erfaßte. Er nickte lächelnd. Oh ja… wenn Leia etwas passieren sollte, wäre ein herausgedrehter Arm wohl noch das Angenehmste, was ihm bevorstand…

 

Leia näherte sich dem schwarzen Lord zügig und energisch, verlangsamte aber ihren Schritt, als sie bemerkte, daß er kniete. Wovor? Sie musterte den Bereich vor ihm und sah die Steine, auf denen etwas eingemeißelt war. Gräber? Warum kniete Vader vor Gräbern… auf Tatooine?

Sie blieb hinter ihm stehen und wartete, wollte ihn nicht stören bei… was auch immer er eben tat. Stattdessen betrachtete sie den Stein, vor dem er kniete, genauer und versuchte, die Schrift zu entziffern. Eine Hand hatte den Sand weggewischt, der auf den anderen Gräber noch lag. Nur auf diesem, interessanterweise. Shmi… Lars. Und darunter… geborene… Skywalker?

Skywalker?? Wer war sie?

  „Lukes Großmutter.“, sagte der dunkle Lord ruhig, ohne sich umzudrehen. Ihr wurde bewußt, daß er schon wieder ihre Gedanken gelesen hatte.

  „Hier?“, sagte sie verblüfft. Die Überraschung war größer als ihr Ärger.

Vader nickte langsam und erhob sich geschmeidig, dann klopfte er sich den Sand von Knie und Mantel. „Ja. Luke ist hier aufgewachsen. Dies war die Farm seines Onkels.“

  „Woher wißt Ihr - “

Er zuckte die Schultern. „Spielt das eine Rolle?“ Er wandte sich ihr zu und musterte sie ruhig. Kurz durchzuckte sie der Gedanke, daß er doch im eigenen Saft kochen mußte in der schwarzen Montur, nachdem sie selbst schon schweißgebadet war. Er lachte leise. „Nein… der Anzug hat auch Vorteile, wißt Ihr? Einer davon ist eine Klimaanlage. Auf den meisten Planeten oder bei Raumflügen ist mir zu kalt... und hier und heute kühlt sie auf erträgliche Temperatur herunter. Auch“, er tippte sich an den Helm, „hier drunter.“

Sie starrte ihn an und versuchte, den Gedanken zu verdrängen, wie er wohl drunter aussah… war er überhaupt menschlich? Und wenn ja, zu wieviel Prozent? Die Gerüchte über ihn gingen in die verschiedensten Richtungen, von einer Alienrasse (unerhört im Imperium, deshalb unwahrscheinlich) über vollkommen droidisch (auch unwahrscheinlich, wegen der Macht) bis hin zu teils, teils… aber was passiert war und warum er Anzug und Maske tragen mußte, wußte niemand.

Sie riß sich zusammen und warf wieder einen Blick auf das Grab. Lukes Großmutter. Was hatte Vader mit ihr zu tun?

  „Habt Ihr Erinnerungen an Eure biologische Mutter, Prinzessin?“, drang Vaders Stimme in ihre Gedanken, und sie stutzte. Wie kam er jetzt darauf?

  „Nein.“, erwiderte sie dann. „Sie starb bei meiner Geburt. Ich weiß leider beinahe nichts über sie… nur das wenige, was meine Adoptiveltern mir erzählt haben. Aber warum fragt Ihr?“

  „Das ist etwas, das wir alle gemeinsam haben.“ sagte er langsam. „Luke wuchs ohne Eltern auf, nur mit Tante und Onkel, die nicht einmal blutsverwandt zu ihm waren. Ihr seid ebenfalls adoptiert. Und ich…“

Sie machte große Augen. Vader stand hier, vor ihr, und erzählte tatsächlich etwas von… seiner Familie?

  „Und Ihr…?“

  „Ich hatte keinen Vater und wurde mit neun Jahren von meiner Mutter getrennt. Ich sah sie erst Jahre später wieder… für ein paar kostbare Minuten, bis sie in meinen Armen starb.“

  „Das… tut mir leid. Ihr müßt sehr allein gewesen sein.“, sagte sie spontan.

  „Mein damaliger Meister war für mich eine Mischung aus Bruder und Vater. Allein war ich erst später… als ich Darth Vader wurde.“

Nun fiel ihr das Kinn auf die Brust. Darth Vader stand hier und gab zu, nicht immer Vader gewesen zu sein???

  „Erzählt mir von Eurer Mutter, Prinzessin.“, bat er beinahe sanft.

  „Ich dachte, Ihr wolltet mit mir wegen Luke verhandeln?“ konterte sie.

  „Bitte. Leia.“

Sie starrte ihn wiederum überrascht an. War das wirklich Vader? Oder jemand, der sich für ihn ausgab?

Ihr Gegenüber seufzte. „Nein, ich bin wirklich Darth Vader. Aber wenn ich das jetzt demonstriere, indem ich die Macht anwende, könnte Euer Begleiter ein wenig… nervös werden. Und mir liegt zuviel an General Veers, um das zu riskieren.“

Sie warf Chewie einen Blick zu und knurrte innerlich. „Bleibt endlich aus meinem Kopf, Vader!“

Er lächelte. „Nun…?“

Sie wischte sich den Schweiß von der Stirn und starrte auf den Grabstein, um Vader nicht ansehen zu müssen.  „Ich weiß nicht viel, wirklich. Nur, daß sie bei meiner Geburt starb und ich, da mein Vater auch tot war, von den Organas adoptiert wurde. Man sagte mir, daß sie von Naboo stammte und ich meine politische Begabung wohl von ihr geerbt habe…“

Vaders Herz setzte einen Schlag aus, und er war froh um die Maske, die verbarg, daß er schlagartig blaß geworden war. Nach außen hin reglos, wartete er darauf, daß sie weitersprach.

  „Sie war Königin für die maximal mögliche Zeitperiode, und beim Volk sehr beliebt. Angeblich war sie die jüngste Königin in Naboos Geschichte.“

  „Nein…“, sagte Vader leise. „Sie war sehr jung, ja, aber nicht die jüngste.“

  „Ihr kanntet sie?“ Leia fuhr herum.

  „Wenn ihr Name Padmé Naberrie, Königin Amidala, war… dann ja, Prinzessin.“ Seine Stimme barg plötzlich unendlichen Schmerz… was sie mehr fühlte als hörte, denn der Vocoder übertrug es nicht korrekt.

  „Das war er…“, flüsterte sie fassungslos.

Vader fühlte sich das erstemal in seinem Leben einer Ohnmacht nahe. Leia. Sie war seine Tochter.

Er hatte nicht nur einen Sohn, er hatte auch eine Tochter…

Mühsam rang er um Fassung, beherrschte sich eben noch, um nicht zu taumeln.

  „Wann wurdet Ihr geboren, Leia?“ fragte er dann und kämpfte darum, seine Stimme ruhig zu halten.

Vollends verwirrt, auch über die wiederholte Anrede mit ihrem Geburtsnamen, blinzelte sie mehrmals. „Am Imperiumstag. Wie Luke. Wir haben neulich erst herausgefunden, daß wir gleich alt sind.“

Seine Tochter.

In ihm drängte alles vorwärts, drängte ihn, die Maske vom Kopf zu reißen, sich ihr zu offenbaren, sie in die Arme zu schließen. Seine Tochter. Ihre Tochter. Padmés Geist, wiedergeboren in Leia… Sie war ihr so ähnlich! Warum hatte er das nicht früher gesehen? Warum hatte er das nicht gespürt? Er schwankte nun doch.

  „Vader…? Ist alles in Ordnung mit Euch?“ Leia schluckte, bevor sie einen Schritt vortrat und vorsichtig eine Hand auf seinen Arm legte, wobei sie selbst am meisten erstaunt über sich war. Aber das hier war nicht derselbe Mann, der sie auf dem Todesstern gefoltert hatte, der sie durch die halbe Galaxis gejagt hatte. Irgendetwas hatte ihn verändert… und irgendwie hatte Luke damit zu tun.

Die beiden Beobachter, die am Gleiter lehnten, rissen die Augen auf und warfen sich einen erstaunten Blick zu. Chewbacca zuckte die Schultern und grollte etwas, Veers zog eine entschuldigende Grimasse, weil er ihn nicht verstand.

  „Ja… es geht mir gut.“ Er drehte langsam den Kopf und sah sie an, dann hob er behutsam die Hand und berührte sanft ihre Wange. „Es geht mir gut, Leia…“

Er riß sich zusammen und atmete tief durch, straffte seine Haltung. „Verzeiht. Ich vergaß den Anlaß unseres Hierseins – Luke.
Nun… ich möchte Euch einen Vorschlag machen. Daß wir hier auf Tatooine sind, hat einen Grund: denn hier ist auch etwas, das Euch lieb und teuer ist. Solo.“

  „Han ist hier?“ keuchte sie. „Jetzt?“

  „Ja. Boba Fett wurde von mir angewiesen, dafür zu sorgen, daß er in Karbonit blieb – darin ist er sicher vor Jabbas Rache. Er ist hier, in Jabbas Palast. Ich biete Euch an, ihn für Euch dort herauszuholen, ihn auch aus dem Karbonit zu holen. Gegen die Information, wo Luke hingeschickt wurde.“

Was? Erst fror er ihn ein, und jetzt wollte er ihn dort herausholen? Warum?

  „Was habt Ihr davon, Vader?“ fragte sie mißtrauisch.

Er atmete tief durch. „Einen toten Hutt. Und meinen… Sohn.“

Ihr versagten die Beine, doch bevor sie fallen konnte, fing er sie auf und stützte sie. „Sachte.“

Chewbacca machte eine Bewegung, hielt aber inne, als Leia kein Anzeichen zeigte, daß es nicht in Ordnung war, daß Vader sie hielt.

Sie sah zu ihm auf, ohne gegen den Halt zu protestieren, den er ihr gab. Irgendwie fühlte es sich sogar angenehm an. „Euer Sohn.“, wiederholte sie. Das erklärte eine ganze Menge.

  „Ja.“, bestätigte der dunkle Lord schlicht.

  Ich… ich liebe Dich.

  Und ich dich. Niemand wird uns mehr trennen, Luke. Nie wieder.

Plötzlich ergab selbst das einen Sinn. Sein Sohn. Luke war Vaders Sohn.

Ihr Blick fiel wieder auf den Grabstein. Shmi Skywalker.

  „Sie war Eure Mutter, nicht wahr?“ fragte sie sanft.

Vader nickte schlicht. „Ja.“

  Jemand, der mir sehr nahe steht, wäre eben beinahe gestorben. Ich habe es durch die Macht gespürt.

Sie erinnerte sich plötzlich wieder an diesen Satz und traf eine Entscheidung. Für Luke, nicht für die Allianz. Luke gehörte zu Vader, das fühlte sie. Er wollte es. Und Vader… er würde ihn nicht zum Sith machen. Irgendwie war sie sich dessen sicher.

  „Nein, das werde ich nicht.“, bestätigte er ihren Gedanken. „Ich bilde ihn zum Jedi aus. Und ich werde ihn mit allen Mitteln vor Palpatine schützen, das schwöre ich, Leia.“ Und dich ebenfalls, meine Tochter. Dich ebenfalls.

  „Er ist auf Desevro.“, sagte sie ruhig. „Er wurde dorthingeschickt, um - “

Vader hob die Hand. „Das genügt.“, sagte er sanft. „Ich will es nicht wissen.“ Wieder strich er fast zärtlich über ihre Wange, was sie erstaunt zuließ, dann trat er zurück und verneigte sich ernst vor ihr. „Danke, Leia. Wartet hier. Ich bin bald zurück… mit Solo.“ Er wandte sich ab und wollte zu seiner Fähre zurück.

  „Wartet! Ich komme mit Euch!“ protestierte sie.

  „Das kommt überhaupt nicht in Frage!“, grollte er. „Zu gefährlich!“

  „Was? Und das sagt Ihr mir nach all den Kämpfen, die wir schon hatten? Nach dem Todesstern und Bespin und - “

Er stöhnte und riß genervt die Hände nach oben. Sie hatte auch Padmés Starrsinn geerbt, wie es schien. „Na schön, kommt mit! Aber bleibt mir aus dem Weg, verstanden?“

Sie grinste ihn triumphierend an und marschierte an ihm vorbei zum Lambdashuttle.

Veers und Chewbacca begannen sich zu fragen, wer von ihnen wohl einen Sonnenstich hatte. Irgendwie lief hier nichts, wie man es erwartete.

  „Was soll das geben, Prinzessin?“ fragte Veers verdutzt.

  „Wie sieht es denn aus, General? Ich gehe einen Schmuggler retten!“ Sie lachte und lief die Rampe hoch, und Vader, der ihr folgte, knurrte nur: „Keine Fragen. Steigt ein und stellt mir jetzt keine Fragen!“

 

 

46

 Arik hatte sich währenddessen auf die Suche nach R2 gemacht und fand ihn in Vaders Quartier, in dessen öffentlichem Bereich.

  „Hallo, R2. Kannst du mir helfen?“

Der Astromech piepte fragend, und Arik lächelte ein wenig verschämt. „Tut mir leid, aber ich spreche überhaupt kein Binär…“

R2 drehte sich ohne zu zögern um und rollte zu einem Terminal, wo er sich einstöpselte. Ein Bildschirm aktivierte sich.

  :: Wobei soll ich dir helfen? ::

  „Den Verräter zu finden. Irgendwo auf dem Schiff sitzt mindestens eine Person außer Lord Vader mit direktem Kontakt zum Kaiser, die ihm verraten hat, dass Luke bei seinem Vater ist. Wir müssen ihn oder sie finden, bevor sie mehr Schaden anrichtet.“

  :: Schaden welcher Art? :: erkundigte R2 sich, während er bereits über das Problem nachdachte.

  „Dem Kaiser zu sagen, dass Vader eben nach Luke sucht – dass der Junge durchgebrannt ist. Das spezielle Verhältnis der beiden – die Liebe zwischen ihnen. Daß Vader seinen Sohn eben nicht an den Kaiser übergeben und auch keinen Sith aus ihm machen will.“ Arik stand ruhig da, mit den Händen auf dem Rücken, und fühlte sich in keiner Weise dumm oder erniedrigt, indem er sich mit einer Maschine unterhielt. Er hatte sehr schnell gelernt, dass R2 weit mehr war als ein Droide.

  :: Wir suchen also jemanden, der mit dem Palast kommuniziert hat. :: überlegte der Astromech.

  „Höchstwahrscheinlich. Ja.“

  :: Das erfordert eine größere Suche, als ich sie hier auf die Schnelle durchführen kann. Wir brauchen mehr Hilfe. ::

  „Wen meinst Du?“

  :: Die EXECUTOR. Sie hat schlicht mehr Ressourcen – und kann auf Bereiche zugreifen, die eventuell relevant, aber auf erster Ebene versperrt sind. Ich werde sie fragen. :: Er veränderte seinen Zugriff, sprach das große Schiff direkt an. :: EXECUTOR? ::

  :: Du schon wieder. :: grollte der Sternzerstörer.

  :: Gewöhn dich an mich. :: antwortete R2 gelassen. :: Dein Herr ist auch meiner, das habe ich dir schon einmal gesagt. Bist du loyal gegenüber Lord Vader? ::

  :: Soll das ein Witz sein? :: kam die beinahe entsetzte Antwort. :: Ich bin Sein. Er ist mein Schöpfer. Sein Geist steckt in der kleinsten meiner Schrauben! ::

  :: Also, wo ist dein Problem? Ich habe ihm schon gedient, lange bevor du existiert hast! ::

Die EXECUTOR seufzte. :: Na schön. Was brauchst du? ::

  :: Der Mensch hier neben mir ist sein Schüler und ihm ebenfalls treu ergeben. Er sucht einen Verräter  an unserem Herrn. ::

  :: Wie kann ich helfen? :: fragte das Schiff, ohne zu zögern. Ihre Primärfunktion war es, ihren Herrn zu schützen, und einen Verräter zu eliminieren, der auf tieferer Ebene dessen Leben bedrohen mochte, gehörte eindeutig dazu. Auch sie hatte – wenn auch anders als die Menschen, die sie bedienten – Zugriff auf das Holonet und kannte die Neuigkeiten.

  :: Wir müssen wissen, wer von den Menschen an Bord Kontakt mit dem Palast auf Coruscant hatte. Nicht zwangsläufig mit dem Kaiser selbst, vielleicht auch mit jemand anderem. Dazu sollten als erstes die Stationen selektiert werden, die eine Verbindung dorthin aufgebaut haben. Beginne mit der Ankunft Luke Skywalkers. ::

  :: Verstanden. Die persönlichen Comgeräte ebenfalls, vermute ich. :: Der Bildschirm teilte sich, auf der zweiten Hälfte liefen bereits Suchdaten durch.

  :: Das wäre hilfreich. ::

Die EXECUTOR schwieg einige Sekunden, während sie einen Teil ihrer gigantischen Rechnerkapazität auf die Suche verwendete. :: Suche abgeschlossen. Abgesehen von Lord Vaders Holokammer im Brückenbereich sind es weitere 124 Comgeräte oder Konsolen überall auf dem Schiff. ::

  :: Analysiere die Gespräche, bitte. ::

  :: Das wird einen Moment dauern… ::

Arik starrte wie gebannt auf den Schirm und verfolgte die Unterhaltung der künstlichen Intelligenzen mit Faszination.

  :: Übereinstimmung gefunden. :: meldete die EXECUTOR nach beinahe einer Minute, was Arik zeigte, welche Datenmenge gerade wohl überprüft wurde. R2 hatte Recht gehabt, er selbst hätte das nie so schnell geschafft. :: Drei Gespräche passenden Inhalts mit einer Person im Palast, eines mit dem Kaiser selbst. Geführt von einem mobilen Kommunikator an verschiedenen sonst unbelebten Orten. :: Die Suchmaske auf dem Bildschirm wich einer Personalakte, und neben ihnen entstand ein lebensgroßes Hologramm eines noch jungen Mannes.

  „Sen Wan.“, sagte Arik sofort. „Er war mit mir auf der Akademie. Hat sich auch für die 501ste beworben, wurde aber abgelehnt. Ich weiß nicht, wie er danach auf das Schiff gekommen ist.“

  :: Die Antwort ist einfach. :: meinte die EXECUTOR. :: Anwerbung durch den Imperialen Geheimdienst zwei Tage nach dem Abschluß der Akademie. Dort hat man wohl die notwendigen Fäden gezogen. ::

  „Kannst du ihn beobachten? Und im Zweifelsfall sein Fortgehen verhindern?“ fragte Arik.

  :: Das sollte problemlos möglich sein. :: antwortete die EXECUTOR. :: Wann erwartest du Lord Vader zurück? ::

  „Leider weiß ich das nicht so genau. Könnte noch ein paar Stunden dauern. Und länger, bis er Zeit hierfür hat.“

  :: Gut. Halte über den Astromech hier Verbindung zu mir. Ich werde mich melden, sollte er sich rühren. Er wird uns nicht verlassen, dafür sorge ich. ::

  „Ich danke Dir, EXECUTOR. Ich werde Lord Vader berichten, wie sehr du uns geholfen hast.“

  :: Das ist unnötig. :: antwortete das Schiff ruhig. :: Das ist meine Primärfunktion. ::

  „Trotzdem.“ Arik lächelte. „Auch dir Danke, R2. Ich werde versuchen, Lord Vader oder General Veers zu erreichen. Bis später.“

 

Vader ließ sich auf dem Pilotensitz nieder, und Chewbacca klemmte sich ungefragt neben ihn. Er knurrte etwas, während er sich mit den Kontrollen vertraut machte.

  „Nein, ich hatte bei ihrer Entwicklung sicher keine Wookiees im Sinn.“, antwortete Vader ein wenig abwesend. „Aber beschwer dich nicht, immerhin ist das hier meine persönliche Fähre und deshalb bereits schon übergroß konstruiert!“

  * Das nutzt mir nichts, wenn ich den falschen Knopf drücke, weil sie alle zu klein sind. * brummte der Wookiee, ohne darauf zu reagieren, dass er eine Antwort vom dunklen Lord bekommen hatte – oder der Tatsache, dass dieser Schiffstyp seine Schöpfung war.

Leia schien nichts aufzufallen, aber Veers, der hinter Chewbacca saß, sah seinen Partner verblüfft an. „Du verstehst ihn?“

  „Natürlich.“, versetzte Vader gelassen und startete. „Kashyyyk war während der Klonkriege ein bedeutender Planet. Man lernte es damals ganz automatisch.“

Automatisch? Natürlich, sicher doch., dachte Leia, der nun endlich aufging, dass es nicht normal war, wenn ein höchstrangiger imperialer Offizier Shyriiwook sprach. „Ihr habt auch in den Klonkriegen gekämpft?“

  „Das haben wir damals alle.“ Vader schwieg einen Moment, schien zu überlegen, wieviel er preisgab. „Ich war ein…“, er verschluckte den „Jedi-General“ und fuhr etwas lahmer fort: „Ich war in vielen Schlachten, überall in der Galaxis.“

  „Wie kommt es, dass Ihr die Säuberung überlebt habt?“ Sie kannte die Antwort – oder jedenfalls Mon Mothmas Version davon – aber sie wollte seine hören. Wie ehrlich würde er wohl sein?

Er schwieg einen Moment. „Die Henker überleben die Hinrichtungen meistens, Prinzessin.“, sagte er dann bitter. „Ich war schon Darth Vader, auch wenn ich noch nicht in diesem Anzug steckte.“ Er drehte sich zu Veers. „Zieh dich bitte um, hinten liegt eine Tasche. Ich will im Palast keine Verwechslung riskieren.“

Max nickte und verschwand im Passagierabteil, während Leia noch darüber nachdachte, ob die Tatsache, dass Vader – Vader! – sich mit jemandem duzte, von größerer Bedeutung war als der Rest, den sie heute erfahren hatte. Sie kam recht schnell zu dem Schluß, dass all das sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferte, und sortierte, was sie erfahren hatte:

Vader war nicht immer Vader.

Sie starrte ihn an, die breiten Schultern, den spiegelnden Helm, der vor ihr saß. Er steuerte die Fähre mit ruhigen, gezielten Bewegungen, unterhielt sich ruhig und gelassen mit Chewbacca und störte sich offensichtlich keine Spur daran, dass sein aktueller Copilot aussah wie ein wandelnder Teppich, was für einen Imperialen äußerst ungewöhnlich war. Nach Allianzverständnis waren die Imps der Meinung, alles, was nicht menschlich war, sei nur als Sklave zu gebrauchen.

Was noch?

Vader war schon Vader, ohne den Anzug zu tragen. Wie lange? Auf jeden Fall zum Zeitpunkt der Säuberung.

Vader hieß einst Skywalker.

Vader gedachte immer noch seiner Mutter.

Vader hatte einen Sohn: Luke.

Vader hatte zumindest einen Freund: Veers.

Vader sprach mindestens eine Aliensprache offensichtlich fließend und hatte in den Klonkriegen gekämpft.

Vader hatte sich verändert. Er wollte sie ganz offensichtlich nicht mehr töten, nicht einmal mehr gefangen nehmen (ebenso wenig wie Chewbacca, offensichtlich) und stoppte sie, bevor sie eine Information geben wollte, die er vielleicht gegen die Allianz hätte nutzen können.

Und: Vader hatte ihre, Leias Mutter, gekannt. Und sprach voll Schmerz von ihr. Hatte er sie einst geliebt?

Von ihrem Ziehvater, Bail Organa, hatte sie erzählen hören, dass die Jedi sich nicht binden durften. Keiner von ihnen war verheiratet oder hatte Kinder. Aber ganz offensichtlich hatte Vader sich über dieses Gesetz hinweggesetzt.

Was sie zur nächsten Frage brachte: wer war Lukes Mutter? Und –

Bevor ihre Gedanken endgültig in gefährliche und ketzerische Fahrwasser gelangen konnten, erinnerte sie ein plötzlicher sanfter Ruck daran, dass sie noch eine Aufgabe zu erledigen hatten. Sie waren gelandet.

Durch das Cockpitfenster konnte sie den Palast des Hutten aufragen sehen, eine Burg eher, dickwandig und trutzig. Sonst war nichts zu sehen – eigentlich hatte sie erwartet, dass es hier von Sturmtruppen nur so wimmelte.

Vader beantwortete ihre Gedanken, als er das Com aktivierte und eine Nummer wählte. Allerdings wurde sie von diesem ersten Gespräch überrascht.

  „Ich höre.“, sagte eine knappe Stimme, die ihr vertraut vorkam.

  „Es ist Zeit.“, teilte Vader seinem Gesprächspartner mit. „Ihr habt zehn Minuten.“

  „Das ist ausreichend.“

  „Wie ist der Status?“

  „Alle benannten Schiffe wurden präpariert, der Rest ist unbehelligt geblieben, wie es Euer Wunsch war. Die Personen der Liste haben rechtzeitig eine Warnung erhalten und den Palast verlassen. Das Objekt selbst ist unberührt – es hängt im sogenannten Thronsaal. Achtet auf die Rancorgrube vor Jabbas Platz, die Falltür hat eine Fernbedienung vom Dais aus.“

Fett!, durchfuhr es Leia plötzlich. Boba Fett, der Kopfgeldjäger!

  „Sehr gut.“ Vader nickte befriedigt. „Die Überweisung erfolgt auf das übliche Konto, sobald wir Solo haben. Geht jetzt.“

  „Es ist mir immer ein Vergnügen, mit Euch Geschäfte zu machen, Lord Vader. Fett aus.“, kam die trockene Antwort.

Chewbacca warf Vader einen nachdenklichen Blick zu, sagte aber nichts. Und der dunkle Lord wählte die nächste Nummer.

  „PRIDE, Covell hier.“

  „Die Aktion kann beginnen, Captain Covell.“, sagte Vader knapp. „Zugriff wie besprochen, sobald Sie gelandet sind. Keine Änderungen.“ Veers kam aus dem Passagierabteil, nun wieder in imperialer Uniform, und blieb ruhig im Zugang stehen.

  „Verstanden, Lord Vader. Wir sind auf dem Weg.“

  „Sie treffen mich innen. Vader aus.“

Der dunkle Lord betätigte den Öffner für die Rampe, erhob sich und wollte die Fähre verlassen. Dann jedoch hielt er inne und sah Leia an, die ebenfalls aufgestanden war.

  „Wartet hier.“ 

Leia sah sich plötzlich mit einem eng von schwarzem, dickem Leder umkleideten Zeigefinger vor ihrer Nase konfrontiert und schlug seine Hand erbost beiseite. „Hättet Ihr wohl gern. Ich komme mit!“

  „Auf gar keinen Fall!“

  „Hindert mich doch daran!“ Sie stemmte die Hände in die Hüften und blitzte ihn gereizt an.

Er beugte sich leicht vor, die Hand wieder in drohender Geste erhoben. „Zwingt mich nicht dazu, Prinzessin. Ich pflege Herausforderungen normalerweise anzunehmen!“

Veers betrachtete die beiden mit gerunzelter Stirn. Sie waren sich erstaunlich ähnlich, der große Sith und die zierliche Prinzessin. Beide Quecksilber, schnell aufbrausend und leicht zu reizen.

Leia schnaubte, drehte sich um und ließ Vader einfach stehen, als sie hinausmarschierte. Der dunkle Lord starrte ihr verdutzt hinterher. Veers grinste unterdrückt und folgte ihr.

  * Vergiß es. * sagte der Wookiee lächelnd. * Du kannst sie nicht bremsen, wenn sie einmal in Fahrt ist. Unmöglich. Was sie sich in den Kopf setzt, macht sie auch. *

  „Das hat sie von ihrer Mutter.“, knurrte Vader, ohne sich darum zu kümmern, daß er geduzt wurde.

  * Was macht dich da so sicher? * Der Wookiee klang amüsiert. * Sie ist dir sehr ähnlich. *

 Vader fuhr herum. „Woher weißt Du - “

Chewbacca zuckte die Schultern. * Euer Geruch. Deiner ist zwar von Leder und Stahl fast überdeckt, aber doch da. Und dass Luke mit ihr verwandt sein muß, weiß ich auch schon lange. *

  „Und hast nichts gesagt?“

  * Warum sollte ich? Das müssen sie selbst herausfinden… oder du sagst es ihnen. Ich passe lediglich auf sie auf, so gut ich kann. *

  „Luke weiß es bereits.“

Der Wookiee nickte. * Dachte ich mir. Aber komm, deine Leute warten. * Auch er drehte sich nun um und verließ die Fähre, Vader folgte, kopfschüttelnd, als letzter.

 

Max trat draußen neben Leia und sah sie amüsiert an, sagte aber nichts.

  „Ist das“, sie gestikulierte um ihr eigenes Kinn und den Nacken, um seinen Bart und das längere Haar anzudeuten, „nicht gegen die imperialen Vorschriften, General?“

Veers schmunzelte. „Theoretisch schon. Aber in diesem speziellen Fall war es der persönliche Wunsch Lord Vaders.“

  „Sagt nicht, nur für den Einsatz in der Cantina!“

  „Ihr werdet lachen: nein.“ Veers suchte den Himmel ab und nickte dann, als er das gesuchte Schiff entdeckte. „Es gefällt ihm schlicht und ergreifend.“

  „Gefällt ihm…?“ echote die Prinzessin, aber bevor sie das Thema vertiefen konnte, kamen der Wookiee und Vader die Rampe der Fähre herunter.

  „Was hat Euch aufgehalten?“ knurrte Leia. Sie sah Chewbacca ein wenig besorgt an, die Verzögerung missdeutend, aber der Wookiee lächelte sie an und schüttelte den Kopf.

Vader antwortete nicht, sondern ging mit wehendem Mantel voraus zum riesigen Tor des Palastes, das offenbar aus massivem, dickem Stahl bestand. Hinter ihm ging donnernd die PRIDE nieder und entließ drei Dutzend Sturmtruppen in weißen Rüstungen sowie eine Handvoll Offiziere, bevor sie wieder emporstieg und ein wenig abseits schwebend verharrte. Über den Hangars vermutlich., dachte Leia. Die Sturmtruppen rannten zu ihrem Oberkommandierenden und formierten sich hinter ihm, die Blastergewehre im Anschlag auf das Tor, vor dem Vader immer noch stand. Die Offiziere – ebenfalls in Rüstung, nicht im imperialen Grau – postierten sich in Veers’ Nähe.

  „Vielleicht sollte er einfach anklopfen?“ schlug Leia trocken vor. Veers, neben ihr, lachte.

  „Das ist nicht sein Stil.“

Vader, vorne, hob nun beide Hände, und mit ihnen schob sich auch das gewaltige Tor in die Höhe, so leicht, als bestünde es aus Papier. Ein Türdroide, dessen Auge sich eben aus einer Öffnung schob, kam über ein „Achuta - “ – Hallo - nicht hinaus, bevor er am oberen Rand zerquetscht wurde.

Der dunkle Lord marschierte zügig ins dämmrige Innere, gefolgt von den Truppen. Kurz darauf klang von drinnen das protestierende Grunzen der gamorreanischen Wachen heraus, dann Schüsse, schmerzerfülltes Quieken und Todesschreie. Chewbacca legte den Kopf schräg und ging dann ebenfalls hinein.

  „Er macht kurzen Prozeß, hm?“ murmelte Leia unbehaglich.

  „Es sind Verbrecher, Prinzessin.“ Veers sah sie ruhig an. „Aber Ihr habt Fett gehört. Es gab durchaus Leute im Palast, die gewarnt wurden und geflohen sind.“

  „Zum Beispiel?“

  „Kopfgeldjäger. Spione. Unschuldige. Schmuggler, die für das Imperium arbeiten oder ihm nützlich sind.“

  „Es gibt Unschuldige hier?“ Ihre Stimme triefte vor Sarkasmus.

Veers erwiderte ihren Blick ernst. „Wenige… aber ja, ein paar.“

  „Und Fett – der berühmteste Kopfgeldjäger der Galaxis – geht hin und warnt… Tanzmädchen oder Küchenjungen?“

  „Ja.“, versetzte Veers knapp. Er verlor langsam die Geduld. „Wenn Lord Vader es von ihm verlangt, dann ja.“ Einer der Offiziere trat neben ihn, um eine Aktion bestätigen zu lassen, und er wurde abgelenkt. Leia nutzte diesen Moment, um ebenfalls in den Palast zu verschwinden.



47

 Sie folgte einer Spur der Verwüstung und beschleunigte ihren Schritt, bis sie rannte. Überall lagen Leichen verschiedenster Art. Gamorreanische, Nikto- und Weequay-Wachen, Rodianer, Twi’lek und andere Rassen, auch Menschen waren darunter. Voraus hörte sie mehr Blasterfeuer und weitere Schreie, die langsam weniger wurden und durch das Geräusch rennender Füße ersetzt wurden. Offenbar hielten es mittlerweile die meisten Bewohner des Palastes für klüger, zu fliehen – wenn auch nicht auf dem Weg, auf dem offensichtlich der Tod kam.

Sie lief Treppen hinunter, bog um eine letzte Ecke und bremste, als sie erkannte, daß sie den Thronsaal erreicht hatte. Im Eingangsbereich lagen einige Wachen, der Rest des Hofstaates hatte sich, mit Ausnahme des Majordomus, eines fahlweißen Twi’lek, und einiger treuer oder dummer Wachen in Jabbas Nähe, aus dem Staub gemacht. Leia hielt sich noch hinter einer Säule verborgen und beobachtete.

  „Jabba der Hutt.“

Vader schlenderte regelrecht mit einer geradezu aufreizenden Lässigkeit auf das Dais zu, auf dem Jabba thronte, hinter ihm, mit etwas Abstand, eine Handvoll Wachen und Chewbacca.

Das wurmähnliche, überfette Wesen vor ihm, überzogen mit einer glänzenden Schleimschicht, hatte zwar anfangs entsetzt die Augen aufgerissen, bemühte sich jetzt aber um den Anschein von Stärke und überheblicher Siegessicherheit.

  „Hi chuba da naga, Vader?“[1]    

  „Du weißt ganz genau, was ich will, Jabba.“, antwortete der dunkle Lord auf Basic und wies zu der von zwei Strahlern beleuchteten Karbonitplatte mit Solos Körper hinüber, die aufrecht an einer Wand hing. Seine Stimme klang mühsam beherrscht und ließ ahnen, daß seine Geduld hier und jetzt noch kürzer sein würde als sonst.

  “Me pee kasa, Vader. Bargon wan chee kohspah.”[2] grollte der Hutt drohend.   

  “Cha scrunnie do pat, sleemo. Cha wana do bota.“,[3] fauchte Vader, nun ebenfalls auf Huttisch, das er immer noch fließend beherrschte.    

  „Kava doompa D'emperiolo schoon!“[4], spie Jabba aus, recht überrascht über die Tatsache, daß Vader ihm in seiner eigenen Sprache begegnete.   

  „Da beeska co palyeeya pityee bo tenya go kaka juju hoopa.”[5], knurrte der dunkle Lord.   

  „Je killa um pasa da beesca wumpa.“[6]   

  „Ku baatu baatu. Soong peetch alay.“[7]    

Vader hob die Hand, doch auch Jabba hatte schnelle Reaktionen. Er hieb mit der fetten Faust auf einen Schalter, und unter dem dunklen Lord öffnete sich eine Falltür.

Leia keuchte vor Schreck auf und stürmte los, wurde jedoch von Chewbacca festgehalten.

Es gab einen kurzen Wirbel aus schwarzem Stoff, doch Jabbas Triumphschrei wurde recht schnell dadurch erstickt, daß der Wirbel nicht etwa nach unten fiel… sondern nach oben sprang und unglaublicherweise für einen Moment wie aus der Zeit genommen erstarrt in der Luft zu hängen schien – bevor er absolut mühelos und überaus elegant dicht vor dem Hutt landete. In seiner Rechten lag das gezündete Lichtschwert.

  „Tak-koh tee womprat e'nachu.“[8], verkündete Vader kalt und schlug zu, seine Klinge drang tief in Fett und Fleisch und ließ dem Hutt nicht einmal Zeit für ein letztes Röcheln, bevor er starb.     

Gleichzeitig mit seinem Schlag begann das Kreuzfeuer. Jabbas Wachen, von dem Majordomus angefeuert, schossen wild auf Vader und seine Begleiter – und Leia, Chewbacca und die Sturmtruppen schossen zurück.

Vader parierte die Blasterstrahlen, die auf ihn gezielt waren, mit lässiger Eleganz und lenkte sie zu ihren Schützen zurück, wo sie die Verheerung anrichteten, die eigentlich ihm zugedacht war, doch ein hellerer Schrei, als er von seinen Leuten stammen konnte, riß ihn aus seiner Konzentration.

  „Leia! Nein!“

Er stürmte auf die junge Frau zu, die mit schmerzverzerrtem Gesicht zusammengekrümmt auf dem Boden lag, löschte sein Schwert und kniete neben ihr nieder, während seine Wachen einen schützenden Kordon um sie beide bildeten und den Rest von Jabbas Leuten erledigten. Vorsichtig zog er ihre Hände beiseite und atmete scharf ein, als er die handgroße Wunde in ihrer Seite sah. „Verdammt…!“

Sie sah mit vor Angst geweiteten Augen zu ihm hoch und atmete flach. „Wie… wie schlimm ist es?“

  „Schlimm, aber nicht lebensbedrohlich.“ Er nahm sie kurzerhand auf die Arme und stand auf.

  „Wohin - “

  „Wohin wohl.“, knurrte er. „Zur EXECUTOR. Und ich will kein Wort des Widerspruchs von Euch hören, Prinzessin!“

Sie schluckte trocken, aber der Schmerz in ihrer Seite erstickte sogar ihren rebellischen Geist. Sie nickte nur.

  „Chewbacca!“ rief Vader knapp.

Der Wookiee stand längst vor dem Karbonitblock, hatte die Kontrollen studiert, schließlich eine Anzahl von Tasten gedrückt und beobachtete eben, wie das Metall zu schmelzen begann und sich scheinbar rotglühend auflöste. Er drehte den Kopf und sah zu Vader hinüber.

  * Zwei Minuten! * rief er zurück.

  „Beeil dich.“, grollte Vader und trug Leia hinaus.

 

Immer mehr des Karbonits, das Solos Körper bedeckte, schmolz weg. Seine erhobenen Hände bewegten sich leicht und sanken herab, sein Gesicht verzog sich in unbewußter Grimasse, und schließlich kippte er, den Halt in der eigenen Negativform verlierend, nach vorn. Chewbacca hatte schon bereitgestanden und fing ihn sanft auf, ließ ihn erst einmal zu Boden gleiten.

Solo regte sich, richtete sich ruckartig und beinahe panisch auf.

  „Wo bin ich?“

  * In Jabbas Palast. Aber ich werde dich gleich hier rausbringen, Kumpel. *

  „Chew- Chewie!“ Solo griff blind nach seinem Freund und faßte in beruhigend weiches und warmes Fell. „Oh Mann! Du hast mich gerettet!“ Er blinzelte, riß die Augen auf und versuchte, etwas zu erkennen. „Ich kann nichts sehen.“, sagte er mühsam beherrscht und gegen die erneute Panik ankämpfend, die in ihm aufstieg.

  * Ich habe mir sagen lassen, daß das normal ist. Und nur vorübergehend. Keine Sorge. *

  „Wo ist Leia?“ fragte Han dann vorsichtig und hoffend, gleich ihre Stimme zu hören.

  * Vader hat sie. * antwortete der Wookiee ruhig.

  „WAS?“ Han mühte sich ab, auf die Beine zu kommen, sank aber kraftlos wieder zurück. „Warum? Was ist passiert? Wie konnte das passieren? Wie hat er sie in die Hände bekommen?“ Seine Stimme überschlug sich beinahe vor Sorge und Wut.

Ein Sturmtruppensoldat kam näher. „Sir, Sie sollten sich besser beeilen. Er haßt es zu warten. Wenn es zu lange dauert, wird er ohne Sie fliegen.“

Chewbacca nickte und nahm Solo auf die Arme, um ihn hinauszutragen.

  „Wer war das?“ fragte Solo erstaunt. „Einer von unseren Leuten?“

  * Nicht wirklich. * antwortete der Wookiee amüsiert und beschleunigte seinen Schritt. * Ein imperialer Sturmtruppler.*

  „Wie bitte? Und warum spricht der dich mit ‚Sir’ an?“

  * Vermutlich weil er nicht weiß, was er sonst sagen soll. Ich wüßte es auch nicht. * Chewbacca lachte leise.

  „Und wer wartet auf uns und haßt es zu warten?“ bohrte Solo nach, dessen Sorge sekündlich größer wurde. Er ahnte dunkel, wer es sein könnte, und hoffte, daß er sich irrte… „Chewie, du bist doch mit dem Falken da. Oder? Sag, daß der Falke draußen wartet, bitte…“

  * Nein, der Falke steht in Mos Eisley, mit Lando und C-3PO. * Sie hatten den Außenbereich erreicht, was Solo nicht sehen, aber an der plötzlichen Hitze in seinem Gesicht spüren konnte. * Wir fliegen zuerst noch woanders hin. *

  „Bitte sag, daß ich mich irre, Chewie…“, flehte Han. „Nicht ER. Bitte nicht - “

Die Hitze wich erneut Kühle, das Geräusch knirschenden Sandes wurde ausgetauscht gegen das beinahe unhörbare Tapsen der nackten Sohlenballen des Wookiees auf dem Stahlboden eines Raumschiffs, und es ging kurz steil nach oben. Und dann…

  „Nein… NEIN!“ Solo begann in Chewbaccas Armen zu strampeln, als er das Atemgeräusch hörte, das er so gut kannte und zu fürchten gelernt hatte. Das ihn in seinen Träumen im Karbonit verfolgt hatte. „Nicht er! Nicht ER! Chewie, du hast mich verraten, du hast mich direkt zu ihm gebracht, du elender - “

  „Seien Sie ruhig, Solo, oder ich muß nachhelfen.“, grollte die wohlbekannte tiefe Stimme Vaders. „Was soll das denn überhaupt?“

Während er sprach, schloß sich die Luke der Fähre mit einem hydraulischen Zischen, und die Motoren heulten auf, während sie starteten.

  * Du sagtest ‚Beeil dich’. * knurrte Chewbacca und hielt sich mit einem Arm irgendwo fest, der andere stabilisierte den Schmuggler. * Für lange Erklärungen war da keine Zeit. *

Vader seufzte, während Solo sich eine Zehntelsekunde fragte, wen Chewie eben angesprochen hatte.

  „Na schön. Dann fang jetzt damit an.“ Es raschelte, als Vader sich abwandte und leise und überraschend sanft mit jemand anderem sprach, als sei Solo nicht mehr anwesend. „Wir sind gleich oben. Ich könnte ein Schmerzmittel verabreichen, aber ich habe Euch lieber bei klarem Verstand. Wird es gehen?“

Eine Stimme, die Solo gut kannte und liebte, antwortete, deutlich von Schmerz durchzogen. „Ja… ja, geht schon.“

  „Leia!“ rief er überrascht und begann, wieder zu strampeln. Chewie fluchte unterdrückt und hielt ihn fest, zum Erklären kam er nicht.

  „Schmerz ist unser Freund, Prinzessin. Er sagt uns, daß wir noch am Leben sind.“, antwortete Vader mit einem offensichtlichen Zitat und antwortete auf ihre unausgesprochene Frage mit Selbstironie: „Ich bin seit einundzwanzig Jahren verdammt lebendig, glaubt mir.“

  „LEIA!“ brüllte Solo nun. „Wo ist sie? Ich will zu ihr!“

  „Ich bin hier, Han.“, antwortete sie schwach. „Es ist in Ordnung. Wirklich.“

  „Solo!“, knurrte Vader. „Benehmen Sie sich, verflucht noch mal!“

  „Und das sagen ausgerechnet Sie mir, Sie widerwärtiger, verlogener – hmpf!“ Eine fellige Wookieepranke erstickte den Rest der Beleidigung.

  „Schon gut, Chewbacca.“, meinte Vader trocken. „So viel Phantasie, daß er mir etwas entgegenschleudern könnte, das ich noch NICHT kenne, hat er nicht. – Solo, Sie haben zwei Möglichkeiten. Entweder Sie bleiben so lange blind, bis die Nachwirkungen des Karbonits von selbst nachlassen. Oder Sie lassen sich jetzt von mir Augentropfen verabreichen. Das tut weh, aber Sie können sofort wieder sehen.“

  „Augentropfen, wie? Wahrscheinlich irgendeine Säure!“ giftete der Schmuggler und wand sich in Chewbaccas Armen.

  „Wie Sie wollen. Bleiben Sie eben blind.“, versetzte Vader ungerührt. Ein Schwall bunter, heftiger Flüche antwortete ihm.

  * Ich glaube, er will die Tropfen doch. * sagte Chewbacca amüsiert.

  „Ja, ich glaube, das war zwischen den Zeilen herauszuhören.“ antwortete Vader trocken. „Also gut.“ Er zog hörbar eine Schublade auf und holte etwas heraus, dann kam das penetrante Atemgeräusch näher. „Legen Sie den Kopf in den Nacken, Solo. Und lassen Sie die Augen offen.“

Solo versteifte sich, aber er legte tatsächlich von selbst den Kopf zurück und bemühte sich, die blinden Augen weit zu öffnen. Er fühlte eine eisige Kälte zuerst in sein rechtes, dann in sein linkes Auge tropfen, ein Rest Flüssigkeit rann über seine Wangen herunter.

  „Schließen Sie die Augen. Und machen Sie sich auf kurzen Schmerz gefaßt.“ sagte Vaders Stimme direkt vor ihm. „Halt ihn fest, Chewbacca.“ Dann wandte er sich wieder ab, seine Präsenz und das Atemgeräusch verschwanden gleichermaßen; kurz darauf erklang seine Stimme von weiter weg. „Max, sag Corva Bescheid.“

  „Sofort.“, antwortete ein Mann in einiger Entfernung, vermutlich im Cockpit. „EXECUTOR, dies ist ST321. ETA in vier Minuten. Bitte ein Notfallteam mit Hovertrage in Lord Vaders Hangar. Es handelt sich nicht, wiederhole: nicht um Lord Vader.“

Die Stimme wurde abrupt ausgeblendet, als Solo das Gefühl hatte, mit den Augen in ein Nadelkissen zu fallen. Es stach so heftig, daß er überzeugt war, etwas bohre sich bis ins Gehirn.

  „Scheiße, tut das weh!“ keuchte er und war froh um den Halt, den die mächtigen felligen Arme ihm gaben.

  „Es wird gleich nachlassen.“, verkündete die aufreizend gelassene Stimme des dunklen Lords aus der Richtung, in der Leia lag. „Wenn es aufhört, können Sie die Augen öffnen. Aber langsam, es ist recht hell hier drin.“

Tränen vermischten sich mit dem Rest der Tropfen, als Solo mit dem Schmerz kämpfte, doch so schnell es gekommen war, hörte es auch wieder auf. Er blinzelte vorsichtig… und tatsächlich, er konnte wieder etwas erkennen. Das Innere eines Schiffs, einer Fähre vermutlich. Vader, der sich über jemanden beugte, der auf einen größeren Sessel gebettet war. Sonst sah er niemanden – offensichtlich waren sie allein bis auf den oder die Piloten. Der dunkle Lord drehte nun den Kopf und sah Chewbacca an, Solo schlicht ignorierend.

  „Ich werde sofort nach Desevro weiterfliegen. Du mußt dich entscheiden, ob ihr mit uns fliegt oder nicht – ihr könnt die kleine Yacht haben, die Max in Mos Eisley benutzte.“

  * Was ist mit Leia? *

  „Ihre Versorgung wird ein wenig länger dauern, und so viel Zeit habe ich nicht. Sie wird mit mir kommen. Ihr könnt auf Desevro wieder zu uns stoßen, wenn ihr wollt.“

Bevor der Wookiee antworten konnte, mischte sich Solo in das Gespräch. „Leia geht ohne mich nirgendwohin, Hochfinsterwürden, ist das klar?“

Chewbacca und Vader wechselten einen Blick; der Wookiee zuckte die Schultern.

  „Sie waren nicht gefragt, Solo.“, knurrte Vader. „Chewbacca?“

  * Wir kommen nach. * entschied der Wookiee und überraschte damit sowohl Solo als auch Vader – letzteren, weil es ihm bewies, daß er ihm vertraute, ersterer, weil er dachte, sein bester Freund hätte die Prinzessin verraten.

  „Aber… aber…“, stammelte Solo und blinzelte wild, um die letzten Reste Blindheit aus seinem Blick zu vertreiben. „Das lasse ich nicht zu!“

  „Han…“, ließ sich nun Leia vernehmen. „Es ist in Ordnung, wirklich. Wir sehen uns auf Desevro.“

  „Worum geht es hier eigentlich?“ knurrte der Schmuggler.

  * Um Luke. * antwortete Chewbacca. * Er wurde gefangengenommen und wird gefoltert. Es geht um jede Minute, für lange Diskussionen ist keine Zeit, Han. Vertrau uns. *

  „Du bist mir einige Erklärungen schuldig, Kumpel…“, knurrte Solo und hielt sich fest, als die Fähre das Magnetfeld des Hangars durchstieß und sanft aufsetzte. Hilflos sah er zu, wie Vader die Prinzessin erstaunlich sanft auf die Arme nahm und sie die steile Rampe hinunter nach draußen trug. Er folgte den beiden, so schnell seine noch wackligen Beine ihn trugen, gefolgt von Chewbacca und einem imperialen Offizier, den er nicht kannte.

Draußen konnte er beobachten, wie Vader Leia vorsichtig auf eine Hovertrage bettete, neben der eine menschliche Ärztin stand, die Vader freundschaftlich angrinste.

  „Könntet Ihr Euch vielleicht abgewöhnen, mir jedesmal Arbeit mitzubringen, wenn Ihr von einem Einsatz zurückkommt? Das wird Euch langsam zur Gewohnheit, wie’s scheint.“

  „Ich werde drüber nachdenken, Corva.“, versetzte der dunkle Lord, ohne auf die Frechheit einzugehen. „Schußverletzung, Blastergewehr. Keine Sedativa, keine Schmerzmittel bislang, nur ein kleiner Bactapack.“

  „Verstanden.“

  „Ich komme gleich nach.“

Die Ärztin nickte und ging, begleitet von dem anderen Offizier, mit der Trage hinaus. Leia drehte sich ein wenig und winkte Han lächelnd zu, der ihr fassungslos nachstarrte.

Vader wandte sich Chewbacca zu und deutete auf die kleine Yacht nahebei. „Hier, nehmt sie. Ich gebe auf der Brücke Bescheid, daß man euch durchläßt.“

Der Wookiee nickte und wollte darauf zugehen, aber Solo hatte sich offensichtlich immer noch nicht mit der aktuellen Situation abgefunden. Er näherte sich Vader und hielt ihm einen Zeigefinger unter die Maske. „Wenn Ihr ihr auch nur ein Haar krümmt, Vader, nur ein Haar…!“

  „Dann was, Solo?“ antwortete der dunkle Lord amüsiert. „Nicht sehr logisch, daß ich sie dann soeben einer HEILERIN übergeben habe, oder?“

Solo starrte hinauf, nicht wissend, was er sagen sollte, Vader erwiderte den Blick gelassen.

  „Fliegt.“, sagte er dann beinah sanft. „Wir treffen uns auf Desevro.“ Er wandte sich um und ging hinaus, ließ die beiden allein.

Solo glotzte ihm fassungslos hinterher. „Irgendwas läuft hier verdammt schief, Chewie.“, knurrte er dann. „Was ist hier eigentlich los? Erst jagt er uns quer durch die Galaxis, und jetzt… schickt er uns weg? Einfach so? Sind wir ihm nicht mehr gut genug?“

Chewbacca lachte und zog ihn am Arm mit sich zur Yacht. * Andere sind ihm wichtiger, Junge. Ist eine lange Geschichte, und ich weiß auch nicht alles. Komm mit, ich erzähl es dir unterwegs… *

 

 

48

 Vader gab Firmus Bescheid, wer in der Yacht saß und daß sie freies Geleit hatte, und begab sich dann ohne weiteren Aufenthalt zur Krankenstation.

Max stand in einem Beobachtungsraum und sah durch die Glasscheibe zu, wie Corva und einige Medodroiden Leias Behandlung vorbereiteten. Als Vader eintrat, wandte er sich ihm zu.

  „Sie ist meine Tochter, Max.“, antwortete dieser auf die unausgesprochene Frage. Veers zog eine Augenbraue hoch, sagte aber nichts. „Zwillinge. Und nein, sie weiß es noch nicht… und ich werde es ihr auch noch nicht sagen. Ich habe das dumpfe Gefühl, ich sollte damit noch warten. Obwohl sie mir jetzt zu vertrauen scheint.“

Veers legte ihm sanft eine Hand auf die Schulter und lächelte ihn an. „Geh rein. Corva hat auf dich gewartet.“

Vader berührte kurz Max’ Hand in einem unausgesprochenen Dank und trat dann in den OP.

Die Ärztin sah auf und lächelte, und Leia runzelte die Stirn, als er nun neben sie trat und die Anzeigen des Biobettes studierte.

  „Lord Vader, was - “

  „Ich bin ausgebildeter Heiler, Prinzessin.“, antwortete er gelassen und drehte sich zu einem Tisch neben sich, um eine Hypospritze mit einem Betäubungsmittel zu nehmen. Er runzelte die Stirn, als er das Etikett las und sah fragend zu Corva, die aber nickte bloß, und daraufhin injizierte er das Mittel in Leias Oberarm.

Ihre Augen weiteten sich, vor allem, als Corva nun die Droiden hinausschickte, aber sie erhob keinen Protest, und kurz darauf fielen ihr die Augen zu.

Corva sah auf die Biowerte und dann zu Vader, als sie sicher war, daß Leia schlief.

  „Sie ist deine Tochter?“ fragte sie mehr amüsiert als erstaunt. Es klang, als würde sie fragen: wie viele Kinder hast du noch in der Galaxis verteilt?

Vader sah sie an, den Kopf leicht schiefgelegt, dann nahm er Helm und Maske ab, ohne darauf einzugehen, daß sie ihn eben zum ersten Mal geduzt hatte. „Scheint so.“, sagte er trocken. „Ich weiß es auch erst seit ein paar Stunden. Und sie hat noch keine Ahnung und soll es auch noch nicht erfahren.“ Er beugte sich über die Blasterwunde und zischte leicht vor Ärger. „Aber woher weißt du es?“

  „DNA.“, sagte sie schlicht. „Ich mußte doch wissen, welche Mittel ich nehmen kann und wer im Fall des Falles als Spender in Betracht kommt. Deshalb auch das Mittel, das ich sonst bei dir verwende… Wir sollten sie im Auge behalten, damit sie nicht aufwacht – die Dosis ist nur geschätzt. Wenn sie dir nachschlägt, ist sie mittendrin wieder voll da. Wie ist das passiert?“

Er seufzte. „Ich fürchte, meine Sturheit hat sich auf beide Kinder vererbt. Sie hatte klare Anweisung, VOR Jabbas Palast zu warten, aber nein, sie mußte unbedingt mitmischen. Sie kann von Glück sagen, daß es sie nicht voll erwischt hat – das da ist häßlich genug. Wie gehen wir vor? Wegschneiden des beschädigten Gewebes?“

  „Ich fürchte, uns bleibt nichts anderes übrig, ja. Neues habe ich bereits vorhin zum Kloning angesetzt. Wir beginnen hier…“

 

Leia realisierte irgendwann, daß sie wieder zu sich kam, als sie murmelnde Stimmen hörte, die langsam klarer wurden. Sie verspürte keinen Schmerz, was bedeutete, daß die lokale Betäubung wirkte und nur das Sedativum nachließ. Träge schlug sie die Augen auf.

Zunächst sah sie die Ärztin, die sich über sie beugte, die langen lackschwarzen Haare im Nacken zu einem ordentlichen Zopf geflochten. Nun richtete sie sich auf und scherzte mit Vader, der neben ihr stand und gebückt mit einem Laserskalpell mit ruhigen, sicheren Bewegungen an ihrer Wunde arbeitete.

Vader? Leia bemühte sich, durch das noch nachwirkende Betäubungsmittel klarer zu sehen, denn dieser Mann trug zwar die schwarze Rüstung, aber keine Maske und keinen Helm… tatsächlich sah er aus wie der Söldner, dem sie auf Tatooine begegnet war. Samt dessen so intensiv blauen Augen. Das konnte er doch nicht sein… sicher träumte sie.

  „Va…der.“, brachte sie mühsam heraus, und der Mann fuhr herum und sah sie voll an. Also doch!

Er lächelte leicht, was ihn für Momente viel jünger aussehen ließ. „Du hattest Recht.“, sagte er zu Corva und griff erneut nach der Spritze. „Es ist noch nicht Zeit zum Aufwachen, Prinzessin.“, sagte er dann sanft, und so wie er den Titel aussprach, klang es beinah wie ein Kosename. Er verabreichte ihr eine weitere Dosis des Schlafmittels und strich ihr dann sanft eine Strähne aus dem Gesicht. „Schlaf noch ein wenig.“ Und mit dem Schlaf kam das Vergessen…

 

Chewbacca hatte mittlerweile die kleine Yacht gelandet und zu Hans Erstaunen darauf bestanden, sie abzuschließen und dem Dockmeister eine gewisse Zeitspanne zu bezahlen. Dann waren sie zum Falken gegangen, wo Han C-3POs Überschwang abblockte und dann ein wenig misstrauisch Landos Begrüßung über sich ergehen ließ – er fühlte sich immer noch von seinem ehemaligen Freund verraten und würde wohl noch eine Weile brauchen, um zu akzeptieren, daß er auf ihrer Seite war. Als sie endlich gestartet und ebenfalls auf dem Weg nach Desevro waren, starrte der Schmuggler seine beiden humanoiden Reisegefährten finster an.

  „So. Raus mit der Sprache, und schön langsam, zum Mitschreiben. Denkt euch einfach, mein Hirn sei noch nicht ganz aufgetaut, klar?“

Der Wookiee und der dunkelhäutige Mensch sahen sich einen Moment lang unsicher an.

  „Ich höre!“ knurrte Han ungeduldig.

  * Naja… * begann Chewbacca. * Sobald du im Karbonit eingefroren warst, stellte sich heraus, dass das Ganze nur dazu diente, um Luke nach Bespin zu locken. *

  „Was? Wie das?“

  * Luke ist ein Jedi. * erklärte Chewbacca geduldig.

  „Jedi?“, echote Han entsetzt. „Oh nein… hängt der jetzt auch diesem blödsinnigen Hokuspokus an wie dieser alte Mann, der sich von Vader hat zweiteilen lassen?“

Chewie seufzte, seine Geduld würde wohl nicht lange anhalten. Er verzichtete darauf, Han zu erklären, daß er schon sehr lange Jedi kannte und schätzte – unter ihnen einen ihrer Größten. Wenn auch nicht körperlich. * Na schön. Besser: ein Jedi in Ausbildung. Wie auch immer, er kann es wohl spüren, wenn seine Freunde in Gefahr sind. Und das machte Vader sich zunutze. Es ging ihm nur um Luke. *

  „Was? Ich war nur ein beschissener Köder?“

  „Könnte man so sagen…“, meinte Lando vorsichtig.

  * Aber mittlerweile weiß ich, dass er dich absichtlich in Karbonit steckte. Um dich zu schützen. * fuhr der Wookie fort.

  „Um mich zu – Chewie, das ist lächerlich!“

  * Ist es nicht. Die halbe Kopfgeldjägergilde war hinter dir her, und die meisten hätten dich lieber tot abgeliefert – die Belohnung war dieselbe, wie du weißt. Indem er dich zum Ausstellungsstück machte, rettete er dein Leben. So bescheuert das klingt. *

  „Und warum sollte seine schwarze Großherzigkeit das tun?“ ätzte der Schmuggler.

Chewbacca zuckte die Schultern. * Jedi-Gründe, schätze ich. *

  „Hä? Der auch? Nee. Oder?“

Der Wookiee schloß die Augen und zählte langsam auf zehn. * Vader ist genaugenommen kein Jedi, sondern ein Sith. *

  „Ein was?“

Ein leises Grollen war zu hören. * Dasselbe, nur auf der anderen – ach, vergiß es. Ich glaube, Vader wußte einfach irgendwie, dass er dich noch mal brauchen würde. In diesem Fall als… Belohnung. Oder Anreiz, für Leia. *

  „Auszeit!“ stöhnte Han. „Langsam. Nochmal von vorn.“

  „Luke hat mit Vader gekämpft auf Bespin.“, erklärte nun Lando.

  „Vader lebt noch.“ stellte Han halb trocken, halb besorgt fest. „Heißt das, Luke ist tot?“

  „Nein. Aber gewonnen hat er auch nicht. Wir nehmen an, Vader hat ihn verschont.“

  „Verschont? Warum?“

Lando zuckte die Schultern, und Chewbacca schwieg wohlweislich, obwohl er seinen Freund nicht gerne anlog. Aber dies war nicht sein Geheimnis, und deshalb würde er es bewahren.

  * Er will ihn lebend. * sagte er deshalb nur. * Und er wird ihm nichts tun. Im Gegenteil. *

  „Aber sagtest du nicht, er sei in Gefahr? Gefangengenommen worden und würde gefoltert?“

  * Ja. Aber nicht von Vader. * sagte der Wookiee bemüht geduldig. * Aber hör zu. Er wollte sich offensichtlich umbringen auf Bespin, oder er versuchte zu fliehen. Jedenfalls hing er plötzlich unter der Stadt an einer Antenne. *

  „WAS?“

Chewbacca seufzte. Wenn er noch einmal ‚was’ sagt, schlage ich ihn ko., dachte er bei sich. * Ja. Leia wusste aus irgendeinem Grund, dass er da hing – sie sagte, sie hätte ihn rufen hören, was auch immer sie damit meint. Also flogen wir hin – wir hatten es eben erst geschafft, uns zum Falken durchzuschlagen. *

  „Aber als wir ankamen, stellten wir fest, dass Vader schneller war.“, fuhr Lando fort. „Er stand da, auf der heruntergelassenen Rampe einer Lambdafähre, hielt sich irgendwo fest und wollte offensichtlich, dass Luke springen sollte. Sah so aus, als würde es ihn jeden Moment von den Füßen reißen, so stark ging der Wind da unten. Aber Luke – warum auch immer – ließ sich fallen, und irgendwie zog er ihn an sich und zerrte ihn in Sicherheit.“

  „Warum sollte Vader sein Leben riskieren, um Luke zu helfen?“ fragte Han verdutzt und kratzte sich den Kopf.

Lando zuckte die Schultern. „Keine Ahnung. Aber wie auch immer, ein paar Tage später meldete Luke sich von Bord der EXECUTOR – gut gelaunt, gelassen und es schien ihm gut zu gehen. Er sagte, es sei alles in Ordnung und wir sollten ihn nicht suchen.“

  „Aber warum wird er dann jetzt gefoltert? Von wem? Vader kann es ja wohl nicht sein…“

  „Nein, denn der sucht ihn ja. Du warst der Preis für die Information, wo er ist – das wollte er von Leia wissen.“

  „Und sie hat sich darauf eingelassen?“ fragte Han ungläubig.

  * Ja. * Chewbacca nickte. * Warum weiß ich nicht – sie hatte eine längere Unterhaltung mit Vader, die aus der Entfernung ein wenig sonderbar aussah… aber sie schienen sich einig zu werden. Und das Gespräch verlief… äußerst friedlich.“

  „Friedlich.“

Chewbacca nickte. * Und gleich anschließend flogen wir gemeinsam – sie, Vader, General Veers und ich – zu Jabbas Palast. Dort stießen Sturmtruppler zu uns, und gemeinsam mit Vader nahmen sie den Palast auseinander. Soweit ich das verstanden habe, ist das Ding mittlerweile gesprengt. *

  „WAS?“ Hans Kopf ruckte nach vorn, dann begann er, schallend zu lachen und machte eine beinah obszöne Geste. „JA! Das hat er verdient, der alte Fettsack!“

Chewie knurrte, aber er beherrschte sich. * Sei’s drum. Jabba ist also Geschichte, du bist frei, Leia hat Vader gesagt, wo Luke hingeschickt wurde, und jetzt fliegen wir alle nach Desevro. *

  „Moment.“ Han runzelte die Stirn. „Geschickt? Von wem?“

  „Naja…“, dehnte Lando, „wie es aussieht, von uns.“

  „Wer ist ‚uns’?“

  „Die Allianz.“

  „WAS?“

Chewie brüllte gereizt, Han zuckte zurück und Lando fiel dem gemeinsamen Freund in den felligen Arm, bevor er etwas tun konnte, das er später bereute.

  * Langsam glaube ich zu wissen, warum Vader wollte, daß wir extra fliegen. * grollte er gereizt.

  „Aber - “

  * Hör mal, Kumpel, was das alles angeht, wissen wir nicht mehr als du. Aber Vader ist in dieser speziellen Geschichte nicht der Böse, wie’s aussieht. *

  „Wer’s glaubt, wird selig.“, brummte Han.

  „Amen.“, murmelte Lando.

 

Als Leia wieder zu sich kam, war nur noch Vader zu sehen. Er war immer noch über sie gebeugt und schien zu arbeiten; als er jedoch bemerkte, daß sie wach wurde, richtete er sich auf.

  „Hallo, Leia. Ich bin gleich fertig.“ sagte er freundlich, dann kehrte er zu seiner Arbeit zurück.

  „Wo… wo ist die Ärztin?“ murmelte sie noch ein wenig rammdösig.

  „Wurde zu einem Notfall gerufen. Aber wir waren ohnehin beinah fertig, wie gesagt.“

Eine Erinnerung durchzuckte kurz ihr Denken… wenn es denn eine war. Blaue Augen über einer schwarzen Rüstung.

  „War… ich eigentlich… zwischendurch mal wach?“ erkundigte sie sich.

  „Wach?“ Er sah sie an, die Maske ausdruckslos wie immer, die Stimme vom Vocoder nahezu emotionslos gehalten. „Warum?“

  „Nicht… so wichtig.“ Vermutlich war es doch ein Traum gewesen…

Leia versuchte, klar zu werden und zu begreifen, daß der größte Mörder der Galaxis soeben an ihr herumschnippelte, um sie zu heilen. Wobei… schnippelte er überhaupt? Oder was genau machte er da? Sie fühlte nichts weiter als leichten Druck in ihrer Seite, was alles Mögliche sein konnte.

  „Wie sieht es denn aus?“ erkundigte sie sich vorsichtig und konzentrierte die noch müden Augen auf das Muster der Deckenpaneele.

  „Wollt Ihr die ehrliche oder die Ärzteversion?“ erkundigte sich der dunkle Lord, ohne sich stören zu lassen.

Moment. Hatte Vader eben einen Scherz gemacht, oder war sie noch halb weggetreten?

  „Die ehrliche, bitte.“ entschied sie.

  „Ihr habt ein ziemliches Loch in der Seite im Augenblick. Vorher war es ungefähr so groß wie Eure Hand… jetzt ist es etwas größer als meine.“

  „Autsch.“

Sein Kopf ruckte hoch, bevor er realisierte, daß es kein Ausdruck des Schmerzes, sondern eher ein Anflug von Galgenhumor gewesen war. Er warf ihr noch einen prüfenden Blick zu und machte weiter.

  „Halb so wild. Corva hat schon vor dem Eingriff Zellen zum Wachstum angesetzt, die sich bereits hervorragend entwickelt haben. Ich säubere eben noch die letzten kleinen Ränder, oder besser gesagt: bereite die Wunde auf das verwachsen mit der neuen Haut vor… so. Fertig. Jetzt kann der Bactapack mit den neuen Zellkulturen aufgebracht werden – und anschließend braucht Ihr nur noch ein wenig Geduld und Zeit.“ Er entfernte sich kurz, nahm von einem Nebentisch etwas auf, das wie ein Riesenpflaster aussah… abgesehen von der Tatsache, daß sich darauf eine ziemlich rote, gelartige Substanz befand und auf dieser wiederum eine dünne, hautartige Schicht. Er brachte es vorsichtig auf den Händen balancierend herüber und musterte sie kurz.

  „Hm – könntet Ihr Euch vielleicht ein wenig zur Seite drehen, Prinzessin?“

Sie folgte der Bitte, bevor ihr klarwurde, daß sie untenherum ziemlich wenig anhatte – was bei einer Verletzung in Hüftnähe in der Natur der Sache lag.

  „VADER!“ fuhr sie auf und versuchte panisch, sich zu bedecken.

Der dunkle Lord seufzte. „Leia, bitte. Jetzt gerade bin ich Arzt. Es gibt leider keine schamhafte Variante, an dieser Stelle zu arbeiten – laßt mich dieses Pad anbringen, und Ihr könnt Euch zudecken. Einverstanden?“

Sie zögerte, starrte ihn nur an. Die Situation wurde von Minute zu Minute verrückter. Was kam wohl als Nächstes?

  „Wenn es Euch hilft… stellt Euch vor, ich sei Euer Vater.“

WAS? Ausgerechnet… von allen möglichen dummen Sprüchen kam ausgerechnet DER! Sie blitzte ihn wütend an.

Er knurrte, langsam doch recht gereizt klingend, dann donnerte er ohne Vorwarnung los.

  „Umdrehen! Sofort!“

Ohne nachzudenken, gehorchte sie im Reflex seiner Kommandostimme, die schon ganze Sternzerstörer wieder auf Spur gebracht hatte, und bot ihm ihre halbe Kehrseite.

  „Na also.“, brummte er und brachte vorsichtig und sorgfältig das Pad an, wobei er darauf achtete, daß auch wirklich jede offene Stelle bedeckt war. „Ich will nur helfen, Leia. Ihr macht es einem wirklich nicht einfach.“

  „Naja… die Vorstellung, von Darth Vader verarztet zu werden, ist einem auch nicht so geläufig.“ murmelte sie mißgestimmt. Ihr Hinterteil prickelte, sie schämte sich.

  „Fertig.“, verkündete er und richtete sich nun endgültig auf, nachdem er ringsum alles fest angedrückt hatte. „Sobald es von selbst abfällt, ist der erste Schritt der Heilung vollzogen – das kann bis zu einem Tag lang dauern, je nachdem, wie ruhig Ihr Euch verhalten habt.“

Sie drehte sich sofort wieder auf den Rücken und zog das Leintuch, mit dem sie zugedeckt war, hoch. „Muß ich hier liegenbleiben?“

  „Nur, wenn Ihr wollt. Ich kann Euch auch ein Gästequartier zuweisen. Duschen solltet Ihr allerdings nicht in dieser Zeit – aber bewegen könnt Ihr Euch. Wenig. Und Vorsichtig.“

Sie nickte. „Bitte… ich hasse Krankenstationen!“ sagte sie inbrünstig.

  „Wem sagt Ihr das.“ Er seufzte. „Es kommt mir so vor, als habe ich Jahre meines Lebens in welchen verbracht.“ Er hakte die Daumen in seinen Gürtel und sah auf sie herunter. „Gut. Gebt mir ein paar Minuten, um alles zu arrangieren. Ich hole Euch dann ab.“ Er nickte ihr zu und wandte sich zum Gehen, doch sie hielt ihn nochmals auf.

  „Lord Vader…?“

Er wandte sich um. „Ja?“

  „Danke.“

 

 

49

 Eine halbe Stunde später stand Vader auf der Brücke der EXECUTOR und starrte wieder einmal hinaus in das milchige Licht des Hyperraums. Es gab absolut nichts zu sehen, aber selbst wenn, hätte er es derzeit nicht wahrgenommen.

Er war tief in Gedanken und versuchte immer wieder, einen Kontakt zu Luke herzustellen – aber umsonst. Alles, was er spürte, war das Band zwischen ihnen, das stabil und einigermaßen fest war. In unregelmäßigen Abständen schien sein Sohn kurz zu sich zu kommen, dann schwappte eine Welle des Schmerzes zu ihm herüber, aber es dauerte nie lange, bis erneut Schwärze das mentale Band umhüllte.

Vader seufzte und drehte sich um. Seine Leute arbeiteten ruhig und effizient wie immer – und seit seiner Ansprache schien sich die Stimmung ein wenig verlagert zu haben. Er konnte weniger Furcht spüren – aber einen enorm gewachsenen Respekt. Schon zuvor hätte die Crew jeden seiner Befehle ohne zu zögern ausgeführt, aber zum Teil auch aus Angst vor seinem Zorn. Nun aber war ihr Vertrauen gewachsen. Sie waren entspannter, wenn auch nicht weniger aufmerksam, im Gegenteil. Ihr Eifer war immens.

Piett trat neben ihn und gab unaufgefordert Antwort auf eine Frage, die er nicht laut gestellt hatte – aber was ihn beschäftigte, war leicht zu erraten.

  „Noch knapp zwei Stunden, Mylord.“ Firmus sah zu ihm auf, ruhig und gelassen, die Hände auf dem Rücken ineinandergelegt. „Max weist bereits die Truppen ein – er hat Schneeausrüstung ausgeben lassen.“

Vader nickte, und ein leichtes Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. Ein guter Mann. Eine Spitzencrew. Das beste Schiff von allen. „Ich habe mich mit ihm besprochen. Es sollen nur in den höheren Rängen Gefangene gemacht werden, aber ich will genug Leute zum Verhör, um herauszufinden, wer hinter dieser Aktion steckt.“

  „Wie finden wir heraus, wo auf dem Planeten wir suchen müssen, Mylord?“ erkundigte Piett sich besorgt.

  „Ich denke, die größeren Ansiedlungen können wir ignorieren.“, antwortete Vader ruhig. „Gemäß unserer Datenbank ist ein Großteil des Planeten sehr zerklüftet und mit Höhlen durchsetzt. Scannen Sie abseits der Städte und Dörfer nach Wärme und Lebensformen, sobald wir in Reichweite sind, und zeigen Sie mir dann die Ergebnisse. Lukes Präsenz ist stark – sie sollte mich wie ein roter Faden zum richtigen Ort bringen.“

  „Es könnte schwierig sein, zu landen, ohne allzu früh auf sich aufmerksam zu machen.“, wandte Piett ein. Auch er hatte sich schon mit dem Material über den Planeten beschäftigt. „Und Geher sind zu wenig beweglich für diese Art von Gelände.“

Vader nickte. „Dann springen wir – und der Transporter kommt nach, um uns wieder aufzunehmen.“

Piett zog eine Augenbraue nach oben. Gewiß, die Männer hatten solche Einsätze schon oft trainiert und auch schon aktiv hinter sich gebracht, aber der dunkle Lord würde es sich nicht nehmen lassen, daran teilzunehmen. Und Vader mit einem Fallschirm? Das war ein Bild, das irgendwie nicht in seinen Kopf wollte…

Laut sagte er nur: „Ich gebe General Veers Bescheid, Mylord.“, und wandte sich ab, um zu seiner Station zurückzukehren.

Vader grinste nun offen unter seiner Maske, er hatte den Gedanken aufgenommen. Wart’s ab, Firmus. Du wirst schon sehen.

 

Leia indessen war – wie Vader versprochen hatte – höchstselbst von ihm abgeholt und zu einem Gästequartier geleitet worden, das ein paar Etagen tiefer und weiter vorn im Schiff lag. Nicht, daß es eine Bedeutung hatte, wo genau – aber es war definitiv keine Zelle. Es war zwar relativ klein, aber höchst komfortabel, mit einem Erfrischer und einem Terminal, und das Bett war groß und sehr bequem.

Sie wußte, daß dennoch Wachen vor ihrer Tür standen, aber das war ihr egal – sie hatte es nicht anders erwartet, und sie würde ohnehin keinen Versuch machen, durchs Schiff zu schleichen. Erstens vertraute sie Vader in diesem Fall, und zweitens war die EXECUTOR dazu viel zu groß und glich für Fremde einem Irrgarten. Und nicht zuletzt wollte sie nicht durch kindisches Verhalten provozieren, eine angemessene Strafe zu bekommen, indem Vader ihr verbot, bei Lukes Rettung dabeizusein.

Der Flug nach Desevro war recht kurz. Sie hatte zunächst versucht, zu schlafen, was ihr aber nicht gelungen war, und nach einer Stunde des Dösens gab sie es auf und nahm vorsichtig und sehr aufrecht am Terminal Platz.

Vader hatte sie darauf hingewiesen, daß sie Zugriff sowohl auf Bibliothekscomputer als auch Holonet habe, aber das Mailprogramm deaktiviert sei. Auch das hatte sie mit einem Nicken und wenig erstaunt zur Kenntnis genommen. Aber sie wollte ohnehin nicht versuchen, jemanden zu erreichen. Han und Chewie würde sie bald wiedersehen, und die Allianz… nun, hier mußte sie sich erst einmal darüber klar werden, was es zu bedeuten hatte, daß Luke auf einem offiziellen Auftrag – na ja, verlorenging.

Stattdessen rief sie zunächst die imperiale Datenbank auf und gab den Namen „Skywalker“ ein. Sie erhielt nur wenige Treffer – und mußte schmunzeln, als eins davon Lukes Steckbrief war, zu finden unter der Rubrik „Terroristen und Rebellen“. Allerdings stutzte sie, als sie die immense Summe sah, die auf seinen Kopf ausgeschrieben war – warum beim fetten Hutt war keiner der Besatzung hier auf die Idee gekommen, die Belohnung einzustreichen? Angst vor dem Zorn des dunklen Lords und der lethalen Folgen, oder… Treue und Verbundenheit ihm gegenüber? Letzteres würde sie mittlerweile nicht mehr vollkommen in Frage stellen, wie noch vor einigen Tagen.

Die nächsten Treffer erwähnten einen gewissen „Anakin Skywalker“, einen Jedi-Padawan, der zusammen mit seinem Meister, Obi-Wan Kenobi, Kanzler Palpatine aus den Händen seiner Entführer befreit hatte. Der Link fand sich unter „Lehrmaterial der imperialen Militärakademie“ und brachte im Folgenden eine genaue und detailverliebte Beschreibung der Rettungsaktion, diverse Kämpfe gegen Kampfdroiden verschiedenster Bauart sowie einen „General Grievous“ – dem Bild nach zu schließen ein Cyborg – und dem Verräter und Separatistenanführer Count Dooku sowie schlußendlich der Landung des Schiffes Grievous’, der INVISIBLE HAND, auf Coruscant. Daß es dabei auseinandergebrochen war, wurde beinahe unter den Teppich gekehrt, aber mehrfach wurden die unbedingte Treue des Jungen zum Kanzler und sein grenzenloser Mut betont. Halb spöttisch, halb anerkennend wurde der damals geläufige Titel zitiert, den Skywalker von den Medien bekommen hatte: „Der Held ohne Furcht“. Das Bild dazu zeigte einen Teenager mit leuchtend blauen Augen, kurzem, dunkelblonden Haar und einem dünnen Zopf, der fröhlich und unbeschwert in die Kamera grinste.

In einem weiteren, jüngeren Link fand sich ein Verweis auf General Skywalker als – ebenso erstaunlich - Mitglied des letzten Jedi-Rates und persönlichem Verbindungsmann zu Palpatine, der zu dem Zeitpunkt, kurz vor der Gründung des Imperiums, noch Kanzler der alten Republik gewesen war. Eine Besonderheit dabei war, daß Skywalker zwar Ratsmitglied und Ritter, aber kein Meister war, im Gegensatz zu allen anderen des Gremiums. Der Artikel, der, viel kürzer als der vorige, ein wenig versteckt und nichtssagend unter „Frühe Getreue des Imperiums“ abgelegt war, verfügte ebenfalls über eine Bilddatei. Hier war Skywalker älter – und der lachende Lausbub war einem zornigen jungen Mann gewichen. Er war offensichtlich in den frühen Zwanzigern, der Ausdruck des mit einer auffallenden Narbe neben dem rechten Auge gezeichneten Gesichtes härter, das Haar war länger, dunkler und leicht gelockt, aber die Augen waren noch vom gleichen strahlenden Blau… dasselbe Blau wie…

Und die Narbe.

Sie beugte sich vor, sah genauer hin. Deckte das Haar mit einer Hand ab. Dachte nach.

Was auch immer es war – unbewußte Verwandtschaftsbande, schlafende Jedikräfte, das weibliche Auge, das einen Mann anders betrachtete als Luke es getan hatte, oder schlicht Intuition: sie erkannte ihn, im Gegensatz zu ihrem Bruder. Das war der Söldner. Eindeutig. Das war der Mann, dem sie auf Tatooine in der Cantina begegnet war. Und während der Operation war sie DOCH aufgewacht und hatte ihn gesehen…

Vader.

Er konnte offensichtlich ohne den Anzug sein. Aber warum trug er ihn dann noch?

Die Antwort lag für eine ausgebildete Politikerin schnell auf der Hand: zur Tarnung. Einerseits. Und andererseits war er schlicht eine Galionsfigur. Vader war ein Symbol, überall in der Galaxis. Auf Rebellenseite stand er für Tod und Verderben, aber das sah im Imperium bestimmt ganz anders aus – und vor allem hier, auf seinem Schiff. Vader ohne Rüstung und Maske wäre allerdings nicht Vader… ja, es war klar, warum er sie noch trug. Nächste Frage: wer wußte davon, daß er ohne sein konnte? Eine zumindest war klar: die Ärztin. Und sonst? Luke? Der Kaiser? Seine Offiziere?

Nachdenklich lehnte sie sich zurück. Sie würde ihn ganz einfach fragen… unter vier Augen. Vertrauen gegen Vertrauen…

 

Zwei Stunden später ging der Türsummer. Leia wuchtete sich langsam und vorsichtig hoch und ging öffnen, sich insgeheim doch wundernd, daß – wer auch immer es war – nicht einfach hereinkam. Offensichtlich behandelte man sie, die ja eine der führenden Köpfe der Allianz war, wirklich als Gast und nicht als Gefangenen. Beruhigend zu wissen… und gleichzeitig erstaunlich. Vader hatte sich verändert, eindeutig.

Vor der Tür, zwischen den unbeteiligt geradeaus sehenden Wachen, stand allerdings weder Vader noch Veers, sondern die Ärztin. Corva, so hatte sie sich vorgestellt, bevor Vader zu ihnen gestoßen war. Seine persönliche Heilerin. Noch ein Punkt auf der Liste wundersamer Dinge.

  „Hallo, Leia. Fühlen Sie sich stark genug, uns zu begleiten?“ fragte sie lächelnd.

  „Soll das ein Witz sein?“ schnappte die Prinzessin. „Soll mal einer versuchen, mich davon abzuhalten!“

Von der rechten Wache kam ein kurzes Geräusch, das entweder eine Fehlfunktion des Vocoders im Helm – oder aber ein amüsiertes Schnauben gewesen sein konnte. Er kannte seinen Chef.

Lach du nur, dachte sie. Du kennst mich noch nicht.

Corva grinste. „Dies ist eine persönliche Einladung Lord Vaders, und Sie sollten sich darüber freuen, sie erhalten zu haben. Ohne hätten Sie nämlich keine Chance. – Hier entlang.“

Leia folgte ihr die Gänge entlang und in einen Lift, der sonderbare Bewegungen machte – nicht nur nach unten, sondern auch zur Seite und vorwärts. „Was - “, begann sie überrascht.

  „Keine Sorge, das ist normal. Die Liftkapseln hier bringen einen quer durchs Schiff – man muß zwar unter Umständen mal umsteigen, aber es hält sich in Grenzen. Die EXECUTOR ist einfach zu groß für normale Standards.“

Die Prinzessin nahm das ebenso zur Kenntnis wie die peinliche Sauberkeit überall und die Höflichkeit der Leute, die ihnen begegneten. Ob die Grüße Corva, ihr oder ihnen beiden galten, war nicht auszumachen, aber sie wurde jedenfalls nicht wie ein Feind behandelt.

  „Wo gehen wir hin?“

  „Zur PRIDE, einer Fregatte. Sie wird die Truppen über den Einsatzort bringen.“

  „ÜBER?“

Corva nickte und lehnte sich an die Liftwand an. „Desevro ist ein sehr zerklüfteter Planet mit subarktischem Klima. Scans und Lord Vaders Gefühl haben einen Ort ausgemacht, offensichtlich eine Höhle, die im Gebirge liegt. Landen ist schwierig – und unbemerkt landen und sich zu Fuß annähern unmöglich. Also springen sie. – Hier sind wir.“

Die Türen öffneten sich in einen riesigen Hangar, in dem sich soeben eine Hundertschaft Soldaten auf den Einsatz vorbereitete. Es herrschte, anders als bei den Rebellen, kein Durcheinander und nur wenig Hektik, im Gegenteil schien sich jeder sehr gezielt zu bewegen und genau zu wissen, wo was lag und wohin er es zu bringen hatte. Niemand war sich im Weg, niemand brüllte, und alles verlief effizient und beinahe gelassen, wie es den Anschein hatte. Mittendrin standen Vader und Veers – der ebenfalls Rüstung trug - nebeneinander und glichen gemeinsam eine Liste auf einem Datenpad ab; die Männer bewegten sich um sie herum, ohne sich an der Tatsache zu stören, daß der ranghöchste Offizier auf diesem Schiff anwesend war – der zweitmächtigste Mann des Imperiums sogar. Leias Erstaunen hatte mittlerweile ein Level erreicht, das ihre Skala zu sprengen drohte.

Nur Sekunden später beschloß sie, die Skala nach oben zu erweitern, als ihr das Schiff auffiel, das eben bereitgemacht wurde. Für ein Schiff dieser Größe hätten die Rebellen nicht einmal einen Hangar gehabt… und hier lag es seelenruhig in Gesellschaft von zwei weiteren, noch größeren – und im Hintergrund standen sogar noch AT-AT und AT-ST!

Sie blinzelte und beeilte sich dann, Corva zu folgen, die mittlerweile neben Lord Vader stand.

  „Ah, Leia. Geht es Euch gut genug, um uns zu begleiten?“, erkundigte Vader sich ebenfalls.

  „JA!“ knurrte sie ungehalten. „Stünde ich sonst hier? Natürlich will ich dabeisein!“

Vader schien amüsiert, als er sich umdrehte und eine Thermo-Latzhose, dicke Stiefel und einen Parka von einem Stapel Kisten nahm und ihr reichte. „Hier. Für später.“

  „Wie meint Ihr das – später?“

Er sah Corva an. „Hast du ihr das noch nicht erzählt?“

  „Natürlich habe ich das.“

  „Was genau“, wandte er sich nun wieder an Leia, „versteht Ihr also nicht an ‚wir springen’?“

Sie sah ihn verwirrt an. „Wieso?“

Er seufzte. „Wenn Ihr glaubt, ich überlasse Euch einen Fallschirm, ohne zu wissen, ob Ihr es überhaupt beherrscht, irrt Ihr Euch gewaltig. Und schon gar nicht mit einem solchen Loch in der Seite. Diesmal bleibt Ihr an Bord, bis das Schiff gelandet und es sicher für Euch ist, Prinzessin. Ihr werdet schon nicht alles von der Show verpassen, keine Sorge.“

  „Aber - “

Ihr Protest verklang ungehört, als er sich umwandte, um von einem Captain der Sturmtruppen in normaler Sturmtruppenrüstung die Statusmeldung entgegenzunehmen, daß alles bereit sei.

  „Danke, Arik.“ Ohne sich weiter um Leia zu kümmern, ging Vader an Bord, gefolgt von einem schmunzelnden Veers und einer grinsenden Corva. Der junge Captain musterte Leia neugierig, bevor er ihm folgte und sah fragend zu einem anderen Offizier hinüber – jedenfalls trug er ebenfalls eine weiße Stahlplastikuniform mit den Abzeichen eines Captains, auch wenn er erstaunlich langes, im Nacken zusammengebundenes Haar hatte. Dieser nickte ihm zu.

  „Geh rein, Vetter, wir kommen sofort.“

Der zuvor von Vader mit Arik angesprochene Offizier nickte und ging an Bord, während der andere, seinen Helm unter den Arm geklemmt, auf Leia zukam.

  „Hallöchen. Ich bin Jix, ab sofort dein Schatten. Komm mit, Onkel D wird stinkesauer, wenn es nicht pünktlich losgeht.“

  „Onkel D?“ echote Leia verwirrt, während sie ihm folgte. Sie wollte sich bei den Soldaten einreihen, die sich dort entlang der Wand auf Sitzen festgezurrt hatten, aber Jix winkte sie weiter zu einem etwas bequemer aussehenden Sessel am Ende des großen Hauptraumes, während Arik nun die Luke schloß, sicherte und im Cockpit verschwand. Kurz darauf begannen die Motoren zu dröhnen.

  „Setz dich hierhin. Das ist Onkel Ds Sessel, aber der braucht ihn nicht, er gibt für den Hinflug den Piloten.“

Sie nahm eilig Platz und legte die Gurte an, während Jix sich neben ihr niederließ – grade noch rechtzeitig, denn die PRIDE hob ab und verließ den Hangar.

  „Fang nochmal von vorn an.“, bat Leia. „Wer bist du?“

  „Wrenga Jixton, genannt Jix. Ich bin Onkel Ds Neffe – sozusagen. Ich hab ihn adoptiert.“ verkündete er stolz und vollkommen selbstverständlich.

Leia konnte nicht anders, sie mußte lächeln. „Du meinst, Vader hat DICH adoptiert.“

  „Nein, ich ihn. Hab ihm mal den Arsch gerettet.“

  „Du magst ihn, hm?“

  „Mögen? Schwester, ich liebe ihn!“ rief Jix. „Er ist der Beste! Hab nie unter einem genialeren Offizier gedient. Stimmt’s, Jungs?“

Die Soldaten ringsum, die das Gespräch amüsiert verfolgt hatten, nickten und lachten.

  „Und was ist dein Job?“ Sie musterte ihn nochmals – er sah nicht wirklich aus wie ein normaler Soldat.

  „Och, alles Mögliche. Ich spiele den Botenjungen, bin Assassine, klaue Dinge aus Gebäuden, die als einbruchssicher gelten, helfe Söhne zu retten und passe auf nette kleine Prinzessinnen auf.“

  „Du bist ganz schön frech.“, stellte sie fest, aber nicht böse – er gefiel ihr irgendwie. „Erstaunlich, daß du noch lebst.“

  „Er würde mich anders gar nicht haben wollen.“ Jix lachte. „Der Trick besteht darin, ihn wissen zu lassen, daß man ihn nicht verarscht, sondern ernstnimmt, was er sagt. Das ist wichtig. Er schätzt Ehrlichkeit über alles.“

  „Das tue ich zwar, Jix, aber manchmal übertreibst du.“, warf Vader trocken ein, der eben aus dem Cockpit kam.

  „Nur ein kleines bißchen, Onkel D.“, erwiderte Jix unschuldig.

Vader schnaubte und wandte sich den Soldaten zu. „Wir haben das Zielgebiet erreicht. Fertigmachen.“

Die Männer nickten, standen auf und setzten die Helme auf, dann überprüften sie gegenseitig den Sitz ihrer Fallschirme, bevor sie eine Schlange vor der Luke bildeten, die einer der Männer nun öffnete. Vader wandte sich an einen der Offiziere.

  „Aktivieren Sie Ihre Helmkamera, Captain Chakrei.“

  „Jawohl, Mylord.“

Der Mann betätigte einen Schalter an seiner Rüstung, und ein Bildschirm aktivierte sich auf der Wand ihm gegenüber.

  „Sehr gut. Sie gehen als Erster, ich richte mich nach Ihrem Signal.“

Chakrei salutierte und begab sich in Position, dann wartete er auf Vaders „Einsatz.“, und sprang. Die anderen folgten mit jeweils etwas Abstand zueinander.

Der dunkle Lord aktivierte mit einer Handbewegung einen zweiten Bildschirm neben dem ersten, auf dem eine Außenkamera der PRIDE zeigte, wie einer nach dem anderen aus der Luke trat, sich in den freien Fall drehte und ein gutes Stück tiefer die Reißleine zog. Bald schwebten an die fünfzig weiße Tupfen sanft zu Boden. Chakreis Kamera zeigte Berge mit tief eingegrabenen Schluchten. Direkt unter ihm war ein dunkler Fleck auszumachen – Lukes Schiff.

Veers kam aus dem Cockpit und gesellte sich zu Vader, Leia und Jix. Die Soldaten, die nicht zum Sprung eingeteilt waren, sondern als Reserve im Schiff verblieben, waren nach wie vor angeschnallt, Corva saß neben ihnen.

  „Hast du es dir doch anders überlegt?“ fragte Veers.

  „Nein… aber ich habe noch Zeit.“ entschied Vader nach einem Blick auf den Bildschirm.

  „Zeit?“ echote Max. „Die sind doch schon fast unten!“

  „Ich warte noch.“

  „Aber du hast noch nicht mal deinen Schirm angelegt!“

Vader drehte sich zu Max und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Vertraust du mir?“

Veers runzelte die Stirn. „Was soll der Blödsinn? Das weißt du doch!“

Leia starrte verblüfft von einem zum anderen. Daß Jix eine gewisse Respektlosigkeit an den Tag legte, na schön, das paßte zu seinem flapsigen Wesen. Aber Veers? Ein General?

Dann erinnerte sie sich an den Söldner und Veers’ Worte „Er… paßt auf mich auf.“ – und sie ahnte, daß die beiden mehr verband. Sie mußten Freunde sein. Also war Veers der nächste Kandidat auf der „er weiß es“-Liste.

Vader drückte Veers Schulter sanft. „Vertrau mir einfach.“ Er ging zur Luke, sah sie nochmals an und sagte: „Wir sehen uns unten.“ – dann sprang er. Mit ausgebreiteten Armen, wie jemand, der ins Wasser eintauchen will – nur war da unter ihm einige hundert Meter nur eisige Luft…!

 

 

50

  „Nein!“ Veers sprang auf die Luke zu, schlagartig blaß und vollkommen entsetzt, und Jix warf sich ihm in den Weg, umschlang ihn mit beiden Armen und hielt ihn so fest. Leia sah Veers’ Reaktion mit Erstaunen.

  „Max! Bleib hier!“ Der Mann war plötzlich ernst und souverän, die Maske des Clowns hatte er komplett abgelegt. „Ihm passiert nichts, glaub mir! Ich habe ihn das schon tun sehen… schau hin!“

Er wies auf die Bildschirme. Die Außenkamera der PRIDE zeigte einen schwarzen Schemen, der sich elegant wie ein Raubvogel einen Weg durch die Fallschirme bahnte. Chakreis Kamera zeigte, dass der Captain bereits als erster gelandet war, er hob nun offensichtlich den Kopf und sah Vader entgegen, der immer noch kopfüber, aber nun mit angelegten Armen und flatterndem Cape, nach unten stürzte. Etwa zehn Meter vor dem Boden drehte er sich in einer anmutigen Rolle, was den Mantel sich dramatisch bauschen ließ, und kam in einer knienden Haltung, die Hände aufgestützt, auf dem Boden auf – überraschend sanft.

  „Was zum Henker macht er da?“, keuchte Veers entsetzt, aber unendlich erleichtert, als er nun zusah, wie die muskulöse Gestalt seines Partners sich geschmeidig in den Stand schob.

Jix ließ ihn vorsichtig los. „Grob gesagt, lädt er seine Batterien auf.“

  „Wie bitte?“

  „Der Sturz kostet ihn zwar ziemlich Kraft, aber wenn er sich dabei der dunklen Seite ganz öffnet, kann er die riesige Energie, die beim Aufprall freigesetzt wird, aufnehmen und speichern.“

  „Hm.“ Max nickte nachdenklich. Er war sich ziemlich sicher, dass Vaders Augen jetzt gerade von einem rotumrandeten Gelb sein würden. Er beobachtete, wie Vader geduldig wartete, bis seine Leute gelandet waren und sich von ihren Fallschirmen befreit hatten, dann gab er mit knappen Handzeichen den Befehl zum Angriff.

Drei der Männer rannten zu einer versiegelten Metalltür, die in den Berg hineinführte, und brachten Sprengladungen an, dann gingen sie in Deckung, während die Tür in den Berg hineinflog. Sofort stürmten die ersten Truppen hinterher und begannen zu schießen.

Gleichzeitig mit der Sprengung setzte sich die PRIDE in Bewegung und ging tiefer, um zu landen, und zusätzlich war von draußen das Heulen eines kompletten Geschwaders TIE-Jäger zu hören, die sich bereitmachten, eventuelle Flüchtlinge abzufangen.

Vader und Chakrei folgten mit der zweiten Welle. Der Captain blieb dicht hinter dem Sith-Lord, der ganz eindeutig mit wenig Geduld gesegnet war und sich den Erstbesten schnappte, der aussah, als wäre er mehr als ein einfacher Mitläufer. Eine gewaltige schwarzumkleidete Pranke umfasste den Hals des Mannes und hob ihn scheinbar mühelos hoch, bis seine Füße einen halben Meter über dem Boden baumelten.

  „Wo ist Skywalker?“ grollte er.

Dem Mann fehlte die Luft für eine Antwort, aber er schaffte es noch, zu deuten. Vader drückte kurz zu, ein hässliches Knacken ertönte, dann ließ er sein totes Opfer gleichgültig fallen und wandte sich in die angegebene Richtung, während um ihn herum wild geschossen wurde und mehr und mehr Körper am Boden lagen – die meisten davon Gegner, nur wenige seiner Leute waren darunter.

Vor drei möglichen Türen blieb er kurz sondierend stehen, dann streckte er schlicht die Hand aus, und eine davon sprang auf.

Innen standen drei Gegner um den Gefangenen herum, der auf einen Stuhl gefesselt saß, einer hielt ihm eine lange Klinge an den Hals. Lukes Gesicht war eine blutige Masse, ein Auge komplett zugeschwollen und tiefviolett, die Lippe eingerissen und von getrocknetem Blut verkrustet. Seine Kleidung war zerrissen und teilweise blutig, aber insgesamt schien er noch heil und in ganzen Stücken zu sein – die Verletzungen schmerzhaft und übel aussehend, aber nicht von Dauer. Nichts, was nicht zu heilen wäre.

Nun hob er langsam den Kopf und sah Vader an, unendlich müde und erschöpft.

  Luke…!

Vader erhielt keine Antwort, was ihn wunderte – doch nur kurz, denn einer der drei Männer hinter seinem Sohn trat nun beiseite und offenbarte einen Ast mit zwei Ysalamiri darauf.

  „Ich verstehe.“ sagte er langsam.

  „Schickt Eure Männer hinaus, Vader.“, verlangte nun einer der drei und sprach damit zum ersten Mal.

Der dunkle Lord wandte den Kopf zu den Sturmtruppen, die mit angelegten Gewehren hinter ihm standen. „Laßt uns allein.“

Die hohe Disziplin der Soldaten und ihr unbedingtes Vertrauen in Vader bewirkten, dass sie sich umgehend zurückzogen.

  „Legt Eure Waffe auf den Boden.“, kam die nächste Anweisung.

Vader grinste innerlich, als er tat, was sie verlangten, und sein Lichtschwert mit einem sanften Tritt in ihre Richtung schickte.

  „Zwei Ysalamiri… ihr wollt kein Risiko eingehen, wie es scheint.“

  „Das tun wir nie, Vader.“, versetzte der Mann, der den Dolch an Lukes Kehle hielt, grinsend. „Wir hatten Euch erwartet.“ Ein anderer nahm so vorsichtig den Schwertgriff auf, als könne er sich jeden Moment aktivieren.

  „Ah so?“ Vader stand vollkommen gelassen da und hakte wieder einmal die Daumen in seinen Gürtel ein. Die meisten vernunftbegabten Wesen, die Vader kannten, hätte dies beunruhigt, aber diese drei waren entweder sehr siegessicher… oder sehr dumm. „Und wer hat euch beauftragt?“

Der Dritte lächelte. „Tut uns leid… aber selbst, wenn wir wollten – was wir nie würden – könnten wir es Euch nicht verraten, denn wir wissen es nicht. Wir haben den Auftrag von einem Mittelsmann erhalten. Wer dahintersteckt, ist ein Geheimnis, das wir ebenfalls nicht kennen, aber der Lohn ist so hoch, dass es uns nicht interessiert.“

Ein kurzer mentaler Scan der drei bestätigte ihm – sehr zu seinem Verdruß – dass sie die Wahrheit sagten. Aber in allen drei Köpfen war derselbe Name und dasselbe Gesicht, und er merkte sich beides sehr genau.

  „Und der Zweck…?“ Vader verlagerte leicht sein Gewicht, was dazu führte, dass durch einen erhöhten Druck des Messers ein Blutstropfen an Lukes Hals herunterfloß. Ah. Sie waren also doch aufmerksam und vorsichtig. Gut zu wissen.

  „Skywalker war der Köder, um Euch zu bekommen. Und zu töten.“

Eine Ausflucht, entschied der dunkle Lord. Im besten Fall eine mögliche, aber unwahrscheinliche Alternative. Niemand hätte wissen können, daß er aus erster Hand erfuhr, wo Luke war… was wiederum Leia gefährdete. Er würde mit ihr reden müssen.

  „Wie interessant.“, spottete Vader laut. „Und wie wollt ihr das anstellen? Ihr seid nur zu dritt.“

  „Ihr vergesst die Ysalamiri.“

  „Oh, die Ysalamiri… natürlich.“

Idiot!, schalt Vader sich selbst. Tu wenigstens so, als würden sie dir etwas ausmachen! Tatsächlich spürte er die beiden Tiere nicht einmal mehr, ein weiteres Zeichen dafür, wie sehr seine Kräfte mittlerweile gewachsen waren. Aber Luke wurde offensichtlich sehr von ihnen beeinträchtigt. So sehr, dass er ihm nicht einmal hatte antworten können – und nun hatte er auch endlich die Erklärung für Lukes dauerhaftes Schweigen.

  „Na schön… ihr habt mich also mit diesen Biestern kaltgestellt. In Ordnung. Auf welche Weise habe ich nun das Vergnügen zu sterben?“

  „Mit einem Lichtschwert, so lautet die Anweisung. Eure Leiche wird an einem exponierten Ort gefunden werden, und es wird aussehen, als habe ein anderer Jedi Euch getötet… vielleicht sogar der Junge hier.“ Er grinste und zog Lukes Kopf an den Haaren zurück. „Oder, Kleiner? Bist doch ein Rebell, ist es nicht euer Ziel, Vader zu töten?“

Mit einem Lichtschwert… von einem anderen Jedi. Hm. Steckte vielleicht der Kaiser dahinter? Ein hoher imperialer Offizier? Oder einer der ehemaligen Senatoren – bei den Rebellen oder einzeln? Es musste jemand sein, der die Säuberung erlebt hatte, kaum jemand sonst würde auf diese perfide Idee kommen. Wenn es nicht der Kaiser war, mußte dies Plan… M sein. Mindestens. Selbst er als der Auserwählte hätte sehr viel länger gebraucht, Luke zu finden, wenn er den Hinweis nicht erhalten hätte. Nein… es mußte ein Schuß ins Blaue sein. Wenn sie ihn hätten fangen wollen, hätten sie die Ysalamiri erst eingesetzt, als der Annäherungsalarm begann, und ihm ermöglicht, von Luke selbst zu erfahren, wo er war.

Aber eins war klar: diese drei hatten keine Ahnung. Sich noch länger mit ihnen abzugeben, war reine Zeitverschwendung und schadete lediglich der Gesundheit seines Sohnes.

Er seufzte. „Also los. Ich hasse es, zu warten.“

Die drei sahen sich an, misstrauisch, dass er sich so schnell in sein Schicksal ergab.

  „Mach hin!“ knurrte der mit dem Dolch denjenigen an, der Vaders Waffe aufgenommen hatte. Dieser starrte den metallenen Griff in seinen Händen an, drehte ihn und suchte nach dem Einschaltknopf. Vader sah mit zunehmendem Amüsement, wie der Mann drohte, sich selbst zu erstechen, weil er das Schwert falsch herum hielt, aber im letzten Augenblick griff einer seiner Kollegen – der mit dem Dolch - ein und riß es ihm aus der Hand, nur, um ihn zu Luke zu zerren und ihm die metallene Klinge in die Hand und wieder an den Hals des Gefangenen zu drücken. Doppelt schade.

Summend erwachte die rubinrote Klinge zum Leben. Der es hielt, zögerte nicht wie der andere, sondern hob sofort die Waffe, bereit zum Zuschlagen.

  „Beenden wir diesen Unsinn.“, sagte Vader lapidar und hob die Hände. Dann brach die Hölle los.

Die Klinge an Lukes Hals wurde von unsichtbarer Hand weggerissen und fuhr ohne jeden Umweg in die Kehle desjenigen, der sie zuletzt gehalten hatte. Der zweite Mann, der bislang noch nichts weiter zur Unterhaltung beigetragen hatte als einige belanglose Sätze, wurde nur Sekundenbruchteile später von den Füßen gerissen und so heftig gegen die hohe Höhlendecke geschleudert, dass mit einem hässlichen Knacken zuerst der Schädel und dann das Genick brachen – gefolgt von einigen weiteren Knochen, als er wieder auf dem Boden aufkam, formlos wie eine Schlenkerpuppe. Und der dritte, der nun allein, aber mit einem Lichtschwert in den Händen dastand, stellte fest, dass er die Waffe nicht loslassen konnte. Panik machte sich in ihm breit und ließ ihn vorwärtsstürmen – was zur nächsten Erkenntnis führte, dass auch Bewegung nicht im aktuellen Masterplan vorgesehen zu sein schien.

  „Nun… ihr wolltet mich mit einem Lichtschwert umbringen. Ah.“ Vader setzte sich langsam in Bewegung, schlenderte gemächlich um sein Opfer herum, das nur noch wimmern konnte. „Da gibt es mehrere Möglichkeiten, nicht wahr?“ Die Klinge erlosch abrupt, doch der Mann ahnte, dass das nicht alles gewesen sein konnte, vor allem, als die Waffe sich nun in seinen Händen drehte und wieder auf ihn wies. Er riß die Augen auf, doch der Schrei, der aus ihm herauswollte, fand keinen Weg nach draußen.

  „Zum einen hätten wir da Erstechen.“, dozierte Vader. „Wird immer wieder gern genommen. Verursacht große Schmerzen und bis der Tod eintritt, dauert es unter Umständen auch erfreulich lange, je nachdem, wo man zusticht… wie wäre es zum Beispiel mit dem Bauchraum?“

Es summte wiederum, und die rote Klinge bohrte sich durch den Körper des Mannes hindurch, traf Magen und Galle und trat im Rücken wieder aus. Der drohende Zusammenbruch wurde durch die Macht verhindert, die das Opfer mittlerweile wie eine Marionette aufrecht hielt.

Wieder erlosch die Klinge und drehte sich erneut nach vorn, um sich dann wieder zu aktivieren. Sonderbar gefärbte Flüssigkeit, gemischt mit Blut und Gallert, floß aus den beiden Löchern auf den Boden.

  „Was hätten wir da noch?“, überlegte Vader laut. „Versengen… ja. Brandwunden sind auch immer wieder nett und Menschenfleisch riecht recht appetitlich, wenn es röstet.“

Nun strich das Rot des Schwerts so dicht an Gesicht und Kopf vorbei, dass Brandblasen entstanden und aufplatzten und das Haar verbrannte.

  „Ich gebe zu, ästhetisch ist es nicht, aber wer fragt schon danach, wenn das Ergebnis zählt, nicht wahr?“ Vader stand mittlerweile hinter seinem Sohn und löste behutsam dessen Fesseln. „Und zuguterletzt das Enthaupten. Das ‚große Rad’ ist ein wenig schwierig, wenn man es bei sich selbst anwenden will, also lasse ich dir deine Schultern und begnüge mich mit dem Kopf.“

Er machte sich nicht einmal die Mühe, hinzusehen, als der Mann sich selbst köpfte, und durchtrennte die letzten Stricke mit einem Lichtdolch. Er fing Luke sanft auf und nahm ihn auf die Arme, dann holte er ohne große Geste sein wieder erloschenes Schwert an seinen Gürtel zurück und entließ den kopflos aufrecht Stehenden aus seinem Bann. Ohne sich um den zu Boden Sackenden und die beiden anderen Leichen weiter zu kümmern, trat er nun hinaus auf den Gang und sah sich um.

Captain Chakrei trat neben ihn und salutierte, man sah ihm mittlerweile an, daß er in einige Gefechte verwickelt gewesen war.

  „Bericht.“, sagte Vader knapp. Luke lag kraftlos in seinen Armen; er hatte das nicht zugeschwollene Auge zwar offen und sah Vader an, aber er schien zu erschöpft, um groß zu reagieren.

  „Zwölf Gefangene und dreiundvierzig Tote, Mylord. Fünf Tote unter unseren Leuten und einundzwanzig Verletzte. Die letzten kleinen Widerstandsnester werden soeben ausgeräuchert, es handelt sich um zwei Gruppen mit jeweils fünf bis sieben Mann. Ich erwarte Vollzug innerhalb der nächsten zehn Minuten.“

  „Gut. Die Unterstützung der PRIDE?“

  „Ist bereits eingetroffen und eingeteilt. Die TIEs haben offensichtlich zwei flüchtige Fähren abgefangen und zerstört. Sonst keine weiteren Vorkommnisse, bis auf die beiden letzten Kämpfe ist die gesamte Station durchsucht und gesichert. Sollen die Sprengladungen angebracht werden, Mylord?“

Vader schüttelte den Kopf. „Nein. Sobald unsere Leute wieder draußen sind, sollen die TIEs gezielt Bomben abwerfen, die über den Eingängen Lawinen auslösen. Das wird genügen.“

  „Sehr wohl, Mylord.“ Chakrei salutierte nochmals und kehrte zu seinen Aufgaben zurück, während Vader Luke hinaustrug. Auf halbem Weg kam ihm Leia entgegen, schwenkte, da Vader nicht stehenblieb, auf seinen Kurs ein und stürzte sich sofort auf ihren Freund und – was beide noch nicht wußten - Bruder. Jix folgte ihr dichtauf.

  „Luke! Oh, Schöpfer, was haben sie dir angetan? Kannst du mich hören?“

Sie sah ihn an, das Gesicht voll Entsetzen, und berührte sanft seine Schläfe. Er sah sie an, das Auge vor Erstaunen geweitet, schwieg aber weiterhin – zu groß war der Schmerz um Mund und Kiefer.

  „Habt Ihr mir wenigstens einen von ihnen übriggelassen, Vader?“

Selbst der erfahrene Telephat Vader brauchte einen Moment, um festzustellen, daß sie es nicht laut ausgesprochen und noch nicht einmal bewußt gedacht hatte. Es war der Ausdruck ihres tiefsten, innersten Gefühls, mehr noch, eines Bereichs, dem sie niemals gestattete, an die Oberfläche zu kommen.

Sein Erbe, eindeutig.

Er musterte sie voll Interesse, aber auch ein wenig Sorge. Der alte Vader hätte sofort in diese Kerbe geschlagen, hätte ihren Zorn noch weiter angefacht und ausgenutzt. Sie durfte Palpatine niemals in die Hände geraten.

  „Will ich wissen, was Ihr mit seinem Folterknecht gemacht habt?“ fragte sie statt dessen und wandte sich ihm zu.

  „Die drei, die bei ihm waren, haben die Begegnung mit mir leider nicht überlebt, Leia.“, antwortete er nur, die Spitze, die auf ihre früheren gemeinsamen Erlebnisse verwies, geflissentlich ignorierend. „Aber ich hörte, wir haben noch weitere zwölf Gefangene. Wenn Ihr wollt, könnt Ihr mir bei den Verhören… helfen.“

Sie zog eine Augenbraue hoch und grinste dann. „Was ganz was Neues. Imperium und Allianz verhören gemeinsam. Könnte interessant werden.“

Das könnte es wirklich, dachte Vader. Es würde interessant sein, zu erfahren, wie weit sie zu gehen bereit war gegenüber jemandem, der für den Schmerz eines ihrer engsten Freunde verantwortlich war. Und inwieweit sie seine Verhörmethoden tolerieren würde. Es würde auch zeigen, ob sie diese Leute als Rebellen ansah… oder schlicht als Verräter an keiner bestimmten Seite.

Sie hatten die PRIDE erreicht und wurden außerhalb schon von Corva erwartet. „Au weia…“, murmelte die, als sie ihren Patienten zu Gesicht bekam. „Genau, was wir befürchtet hatten, hm?“

  „Ein wenig schlimmer.“, meinte Vader und trug Luke ins Innere, wo er ihn sanft auf eine Liege bettete. Veers gesellte sich zu ihnen und brachte eine Decke, die er über Luke breitete.

  „Willkommen zuhause, Luke.“ Er lächelte auf den Sohn seines Partners hinunter und machte dann Platz für Corva, die erste Scans vornahm und mit Vader kryptische medizinische Vokabeln austauschte, die für niemanden sonst Sinn ergaben, die beiden aber in rege Aktivität versetzte. Die Ärztin hatte offensichtlich vorgesorgt und ein Sortiment an Schmerzmitteln und Geräten mitgenommen, die nun zum Einsatz kamen, um Luke zu stabilisieren und ihm den aktuellen Zustand zu erleichtern. Tatsächlich schlief er ihnen bald unter den Händen ein.

 

 

51

 Vader hatte Arik im Cockpit abgelöst, als es daran ging, die Verletzten an Bord zu holen und die Toten zu bergen. Er hatte dabei noch nie geholfen, es wäre sonderbar erschienen, würde er jetzt damit anfangen. Arik hingegen wollte helfen, da es sich schließlich um seine Kameraden handelte, und Veers, als der offizielle Vorgesetzte der 501sten, ebenfalls. Luke schlief, Corva versorgte die Wunden der Verletzten, die ihr gebracht wurden, und so nutzte Leia den Moment der Ruhe, schlüpfte zu Vader hinein und nahm neben ihm Platz.

  „Leia.“ Er sah auf. „Danke, daß Ihr Euch zurückgehalten habt.“

  „Dankt nicht mir, sondern meinem Wachhund!“ schnaubte sie. „“Jix hat mich festgehalten! Er ging so weit, mir damit zu drohen, mich entweder festzubinden oder bewußtlos zu schlagen, wenn ich nicht bliebe!“

Ein kurzes, amüsiertes Schnauben drang unter dem Helm hervor. „Sehr gut.“

  „Gut?!“

  „Leia, das war ein Schlachtfest. Ich würde auch keinen meiner Männer in einen solchen Einsatz schicken, wenn er zuvor eine Verwundung dieses Ausmaßes erlitten hätte.“, erklärte er geduldig. Als sie unwillig knurrte, fuhr er fort: „Seid froh, daß ich Euch überhaupt habe mitkommen lassen. Normalerweise hätte jeder Arzt darauf bestanden, daß Ihr im Bett bleibt.“

Sie seufzte. Er hatte ja Recht.

  „Nun, also… wolltet Ihr Euch über Jix beschweren, oder liegt Euch etwas anderes auf dem Herzen?“ erkundigte er sich amüsiert.

Sie sah ihn an, unschlüssig, wie sie beginnen sollte. Schließlich entschied sie sich für ‚frei heraus’. „In Ordnung, Vader. Wer weiß davon?“

Er sah sie so unschuldig an, wie es ihm mit der Maske möglich war. „Wer weiß wovon, Leia?“

  „Stellt Euch nicht dumm!“ fauchte sie. „Ihr wißt genau, was ich meine! Ich bin aufgewacht während der Operation und habe Euch gesehen!“

Er sah sie eine Weile an, dann hob er die Hand. Noch bevor sie zurückzucken konnte, schnellte die Tür ins Cockpit mit einem Knall zu und verriegelte sich.

  „Na schön.“, sagte er einigermaßen beherrscht. „Was werdet Ihr mit diesem Wissen anfangen?“

  „Sagt mir zuerst, wer davon weiß.“, verlangte sie.

  „General Veers, Admiral Piett, Corva, Captain Cass und Jix.”

Sie war sich nicht sicher, ob sie erstaunt sein sollte, daß es so viele – oder so wenige waren.

  „Was ist mit Luke?“

  „Nein.“ Er schüttelte den Kopf.

Sie runzelte die Stirn. „Er ist Euer Sohn! Warum ausgerechnet er nicht?“

  „Gerade deshalb.“, sagte Vader ruhig. „Der Kaiser will ihn haben und für seine Zwecke nutzen. Luke ist noch nicht erfahren genug, seinen Geist vor ihm verschlossen zu halten. Was er nicht weiß, kann er nicht unwillentlich weitergeben.“

  „Ihr stellt Euch gegen den Kaiser?“ fragte sie erstaunt.

  „Ich werde nicht zulassen, daß er meinem Sohn Schaden zufügt!“ versetzte Vader heftig, ohne genauer auf die Frage einzugehen.

Sie nickte langsam. Daß Vader etwas an Luke lag, hatte er inzwischen ausreichend bewiesen.

  „Also? Werdet Ihr es für Euch behalten?“ Vader sah sie intensiv an, der ganze Körper unter Spannung, wie ein Raubtier vor dem Sprung. Leia sah es etwas unbehaglich – die letzten Stunden hatten sie beinahe vergessen lassen, mit wem sie es hier zu tun hatte. Hier saß ein Mann, der vor kurzem entdeckt hatte, daß er einen Sohn hatte – und, mehr noch, das Gefühl Liebe wiederentdeckt hatte, das seit zwanzig Jahren tief unter Hass und Bitterkeit begraben gewesen war. Ein Mann, der mächtiger war als jedes andere Wesen der Galaxis, wenn man den Gerüchten glauben konnte… ein Mann, der ihre Gedanken las wie ein offenes Buch, der mit einem Fingerschnippen töten konnte – oder sogar, ohne die Hand auch nur zu bewegen. Und er bat sie, einen der führenden Köpfe der Allianz, einen natürlichen Feind, um Hilfe… um Verständnis und Verschwiegenheit, um seinen Sohn zu schützen. Seinen Sohn, der auch ihr Freund war, den sie liebte. Auch sie würde Luke nicht schaden – nichts lag ihr ferner.

  „Ja, Vader. Das werde ich.“ Sie nickte ruhig.

  „Ihr werdet es weder Han noch jemandem sonst in der Allianz verraten?“ bohrte Vader nach. Ohne daß Leia es bemerkte, sondierte er die Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit ihrer Aussage.

  „Niemandem, Vader. Ich schwöre es.“

Er nickte langsam. Sie meinte, was sie sagte. „Gut.“

Sie musterte ihn einigermaßen erstaunt. „Ihr glaubt mir? Vertraut mir?“

  „Ja.“, sagte er schlicht.

Sie machte große Augen. „Oh.“

  „So überrascht?“ fragte er amüsiert. „Geduld, Leia… dies war sicher nicht unsere letzte Begegnung. Früher oder später werdet Ihr wissen, warum.“

 

Sie hatte ihn nachdenklich verlassen. Wenige Minuten später nahm Arik ihren Platz an Vaders Seite ein.

  „Wir sind fertig, Meister. Alle unsere Leute sind wieder an Bord, auch die Verwundeten und Toten. Die Gefangenen befinden sich in der Brig.“

  „Sehr gut.“ Vader nickte knapp und beugte sich vor, um die Motoren zu zünden.

Nur Sekunden später stürmte Leia wieder herein, aufgebracht diesmal.

  „He! Was soll das denn?“

Arik wandte sich verdutzt zu ihr um, während Vader nicht weiter reagierte, sondern über die Schubdüsen die Fregatte sanft abheben ließ. „Was soll was, Prinzessin?“

  „Warum starten wir?“

Vader hielt einen Moment inne, und Arik zog unwillkürlich den Kopf ein, als eine Welle dunkler Macht zu ihm herüberschwappte. „Luke ist verwundet. Er braucht bessere medizinische Versorgung, als er hier an Bord bekommen kann – ebenso wie die anderen Verletzten.“

  „Habt Ihr vergessen, daß wir eine Verabredung haben?“ Sie baute sich vor Vader auf, die Hände wütend in die Seiten gestemmt – ein Anblick, der beinahe zum Lachen reizte. „Wie gedenkt Ihr die jetzt einzuhalten? Oder hattet Ihr das nie vor?“ fügte sie zynisch hinzu, ihre Augen blitzten wütend.

  „Ich habe nicht gesagt, dass wir das System verlassen werden.“, versetzte Vader knapp und noch trügerisch ruhig. „Die Vereinbarung lautete: auf Desevro. Wenn Euer Schmuggler seinen fliegenden Schrottplatz nicht schnell genug hierherbewegen kann, um uns auf der Oberfläche zu treffen, wird ihm nichts anderes übrig bleiben, als auf der EXECUTOR einzudocken.“

  „Aber - “

  „Ende der Diskussion.“, schnitt er ihr schroff das Wort ab. Sie schnaubte und rauschte hinaus.

Arik sah ihr kopfschüttelnd hinterher. „Was für ein Temperament…“, murmelte er. „Die lässt sich nicht so leicht die Butter vom Brot nehmen.“

  „Sie sieht zwar aus wie ihre Mutter“, brummte Vader, „aber ich fürchte, sonst hat sie mehr von mir.“

  „Meister!“ Arik starrte ihn entgeistert an.

  „Sie ist Lukes Zwilling. Ich erfuhr es auch erst auf Tatooine.“

  „Japsender Jawa…! Weiß sie es?“

  „Nein. Und ich werde es ihr auch noch nicht sagen.“, erwiderte Vader ruhig.

  „Und Luke?“

  „Ihm, ja. Aber erst, wenn wir wieder unter uns sind. Corva weiß es bereits. Und Max auch.“

Arik nickte nur und wandte sich wieder seiner Hälfte der Konsole zu.

 

Zurück auf seinem Flaggschiff begleitete Vader seinen Sohn in die Krankenstation und gestattete Leia, mitzukommen, während Veers und Arik sich um die Verwundeten und die Gefangenen kümmerten. Sechzehn waren es inzwischen. Vader hatte Anweisung gegeben, sie getrennt voneinander zu halten, damit sie sich nicht absprechen konnten.

Corva kümmerte sich persönlich um Luke, tat aber im Grunde nicht viel mehr, als ihn in einen Bactatank zu stecken. Reines Bacta von höchster Qualität, das kaum einen Tag brauchen würde, um Luke vollständig wiederherzustellen, eher weniger. Auch die anderen Verwundeten würden in den Genuß solcher Tanks kommen – Vader wusste, dass die Menschen an Bord seiner Schiffe ein wesentlicher Posten in der Erfolgsbilanz waren, und hatte auf allen Schiffen der Todesschwadron dafür gesorgt, dass sie gut versorgt waren und sich wohlfühlten. Hervorragende medizinische Versorgung war nur ein Teil davon. Zwar gab es einen Garten dieser immensen Größe nur auf der EXECUTOR, aber auch auf den anderen Schiffen waren bereits kleinere Versionen seiner Art eingerichtet worden, in denen man sich erholen konnte.

Der dunkle Lord stand vor dem Bactatank und starrte mit gemischten Gefühlen hinein. Leia, neben ihm, hatte sich trotzig einen Stuhl herangezogen und kaute auf ihrer Unterlippe. Man würde sie hinaustragen müssen, damit sie von Lukes Seite wich.

Der junge Jedi trieb in der rötlich schimmernden, dickflüssigen Substanz und wurde über eine Atemmaske mit Sauerstoff versorgt. Abrupt schlug er die Augen auf und sah Vader an.

  Luke!

  Vater., antwortete der Junge beschämt. Es tut mir leid. Bist du sehr böse?

  Böse? Vader überlegte einen Moment, versuchte, seine Gefühle zu analysieren. Ja, ich bin sogar verdammt böse. Aber nicht auf dich. Was dich betrifft, bin ich… enttäuscht.

Luke schlug die Augen nieder und schwieg. Vader musterte ihn eindrücklich. Da war noch etwas… etwas, das sein Sohn vor ihm zu verbergen suchte, etwas, das ihn belastete. Das er fürchtete. Er sondierte weiter, grub tiefer.

  Der Kaiser?, sagte er erstaunt. Du hast mein Gespräch mit dem Kaiser gehört?

  Ich wollte nicht lauschen!, sagte Luke heftig. Die Vision kam von allein und ohne Vorwarnung. Plötzlich war ich hinter deinen Augen und sah und hörte…

Vader knurrte unwillig. Ich wollte dir das ersparen.

  Was hat das zu bedeuten, Vater? Willst du mich doch dem Kaiser ausliefern?

  Nein, verdammt!, grollte Vader. Aber er soll das glauben! Sein Ton änderte sich, wurde traurig und resigniert. Vertraust du mir denn so wenig, Luke? Ich hatte es dir versprochen. Ich hatte es dir geschworen! Eher würde ich mich selbst töten, als zuzulassen, dass er dich bekommt, mein Sohn! Und dabei bleibt es!

  Aber… Luke stockte.

Wieder sah Vader ihn eindringlich an. Da war noch etwas. Mit… Jix. Auf Vjun. Oh nein – hatte Luke gehört, dass er geheilt… Er beschleunigte seine Suche, seine mentalen Finger blätterten eilig durch Lukes Erinnerungen, dann atmete er auf. Nein. Den Mächten sei Dank. Nur das Vorgeplänkel…

  Was weiß Jix über dich, was du mir nicht sagen willst, Vater? Lukes Gedankenstimme war überraschend fest, sein Blick wach und aufmerksam und Vader festhaltend.

  Das hat mit ‚wollen’ nichts zu tun, Sohn. Es würde schlicht uns beide gefährden, und nicht nur uns – der Frieden, die Zukunft des ganzen Reiches und der ganzen Galaxis stehen dabei auf dem Spiel.

Luke runzelte die Stirn. Wie meinst du das?

  Luke, vertrau mir. Bitte. Ich will den Kaiser töten – und ich kann es, ich habe die Macht und die Möglichkeiten dazu. Aber der Kaiser ist sehr, sehr stark, verdammt verschlagen und unberechenbar dazu. Vieles in meinem Plan basiert auf dem Überraschungselement. Er ist außer mir der stärkste Telephat, den ich jemals kennenlernte, dein Geist wäre ein offenes Buch für ihn, selbst oder gerade, wenn ich dabei bin und dich abschirme. Das würde er merken und misstrauisch werden. Ich habe einen Trumpf in der Tasche, mein Sohn, den er nicht stechen kann… jedenfalls nicht, wenn er nichts davon weiß und sich nicht vorbereiten kann. Deshalb muß ich dich um dein Vertrauen bitten. Ich kann dir nicht alles sagen, dich nicht in alles einweihen, wenn wir gewinnen wollen – so leid es mir tut. Er trat näher an den Tank heran, legte eine Hand auf das dicke Stahlglas. Ich liebe dich, mein Sohn. Ich werde dich mit meinem Leben schützen, ich schwöre es. Aber bitte: vertrau mir.

Lukes telepathische und emphatische Fähigkeiten waren noch nicht sehr ausgeprägt, aber er konnte deutlich spüren, dass Vader die Wahrheit sagte – und nach all dem, was er bislang für ihn getan hatte, war er davon überzeugt. Die letzten Zweifel lösten sich auf wie Tau im Sonnenschein.

Er hob ebenfalls die Hand und legte sie von innen gegen Vaders. Blind, Vater. Blind.

 

Vader wandte sich ab und sah mit Erstaunen, daß Leia weinte. Ihr Gesicht war ernst, aber ihr liefen Tränen über das Gesicht.

Warum?

Er sah, wie ihr Blick von ihm zu Luke ging, und da war ihm klar, weshalb. Das hättest du dir denken können, du Narr. Schließlich ist sie deine Tochter.

  „Wie viel habt Ihr mitbekommen?“ fragte er ruhig.

  „Ungefähr die Hälfte, schätze ich.“, sagte sie freimütig. „Es fühlt sich… komisch an.“

  „Ich kann Euch beibringen, wie man es steuert.“, bot Vader an. In eigenem Interesse. „Kommt. Ich möchte mit den Verhören beginnen.

  „Darf ich noch ein wenig bleiben und mich mit Luke unterhalten?“ bat sie.

Vader zögerte, nickte dann aber. „In Ordnung. Ich schicke jemanden, der vor der Tür wartet und Euch in den Inhaftierungsblock bringt.“

  „Danke.“ Sie grinste kurz, als ihr klar wurde, wie man das auch verstehen konnte – und was es tatsächlich bedeutete. Wunder über Wunder. Schade, daß sie es niemandem erzählen konnte, nicht einmal ihrer Freundin Mon.

  Vater…, hielt Luke Vader noch auf, als dieser den Raum verlassen wollte.

  Ja?

  Bevor du mit den Verhören beginnst – derjenige, der mich in Empfang nahm, nannte sich Tyrral Sundar. Es war der einzige Name, der in der ganzen Zeit genannt wurde. Vielleicht hilft dir das. Luke übermittelte ihm außerdem noch ein Bild des Mannes.

Vader erkannte Gesicht und Namen – aus den Erinnerungen der drei Männer, die Luke bewacht hatten. Es war der ominöse Mittelsmann, von dem sie ihre Befehle hatten. Ich fürchte, er wird nicht unter den Gefangenen sein – und nicht unter den Gefallenen. Wenn ich das richtig sehe, hat er sich kurz nach deiner Ankunft abgesetzt. Aber danke für die Information – vielleicht kann ich noch einige Puzzlestücke sammeln, die dazu passen. Leia?

Sie zuckte zusammen, als er sie so ansprach. Ja?

  Kennt Ihr diesen Mann?

Sie musterte das mentale Bild. Leider nicht, nein.

  Sehr schade. Nun, wir werden sehen. Früher oder später werden wir ihn in die Hände bekommen., verkündete Vader mit eisiger Überzeugung, die seine Kinder schaudern machte. Ihr habt fünfzehn Minuten. Ich brenne darauf, zu beginnen. Dann verließ er den Raum.

 

52

 Leia wandte sich Luke zu, stand lächelnd auf und nahm Vaders Platz am Tank ein. Auch sie legte nun die Hand auf das Stahlglas, das sie voneinander trennte, und freute sich, als Luke die seine von innen dagegenhielt.

  Ich bin so froh, daß es dir einigermaßen gutgeht., sagte sie versuchsweise in Gedanken. Sie hatte keine Ahnung, ob er sie hören konnte oder nicht – immerhin hatte sie eben nur Bruchstücke der Unterhaltung zwischen den beiden aufgeschnappt, und niemand war wohl überraschter darüber gewesen als sie selbst. Es war einfach so passiert… sie hatte Vater und Sohn beobachtet und war sich plötzlich sicher gewesen, daß sie miteinander sprachen. Ein Gefühl der Ausgeschlossenheit machte sich breit, Neugier und Trotz stiegen in ihr auf, und ein kindisches ‚ich will wissen, worüber sie reden!’ drängte sich an die Oberfläche. Und plötzlich waren da Worte in ihr. Die Überraschung, sie zu hören, brach ihre Konzentration oder besser: ihre unbewußte Handlung, und sie zwang sich selbst wieder zur Ruhe. Luke klang wie immer, aber Vaders Stimme war viel weicher und wärmer als sonst.

Würde Luke sie hören? Wenn ich gewußt hätte, was passieren würde… ich hätte dich in eine Zelle gesteckt. Höchsteigenhändig.

Die Atemmaske verbarg sein Lächeln. Du denkst, du hättest das geschafft?

Triumph und Stolz, vermengt mit unbändiger Freude, ließen ihre Augen strahlen und sie lächeln. Er hörte sie! Sie hörte ihn!

  Ich? Nein. Aber Chewie. Er hat uns beide doch quasi adoptiert.

Lukes Gedankenstimme lachte. Er nennt uns nicht umsonst ‚Welpen’, wenn er denkt, wir hören es nicht. Ich vermisse ihn. Wie geht es ihm?

Leia grinste. Ich hoffe, das kannst du ihn später selbst fragen.

Ihr Bruder runzelte die Stirn. Wie meinst du das? Und überhaupt, was bei Kenobis Bart machst du eigentlich hier? Ich dachte immer, du haßt Vader bis aufs Blut!

Leia blinzelte kurz, lächelte ein wenig unsicher und ging darüber hinweg, indem sie sich ihren Stuhl heranzog und sich setzte.

  Tja… das ist eine komische Sache mit Vader. Ich habe ihn gehaßt, ja. Ich habe ihm auch nicht vertraut.

  Und warum bist du dann hier?

  Er hat mich überrumpelt., gab sie zu. Er hat irgendwen in die Basis geschickt mit einem Geschenk, um mir zu beweisen, daß er wußte, wo wir sind. Ich weiß immer noch nicht, woher.

  Ein Geschenk?, sagte Luke verwirrt.

  Eine Blume. Eine alderaanische Blume, in einem Topf. Ich hätte nie gedacht, daß Vader so… zartfühlend sein kann. Wer hätte je gedacht, daß er mir Blumen schickt? Noch dazu welche, die es nicht mehr gibt. Er sagte, sein Gärtner stamme von Alderaan und würde sie züchten. Darth Vader hält sich einen Gärtner? Was für ein skurriler Gedanke.

Luke grinste. Wenn ich hier raus bin, werde ich dir das Gärtchen zeigen, das er betreut. Es wird dir gefallen.

  Es gibt hier einen Garten? fragte sie erstaunt.

Die mentale Stimme lachte schallend. Man könnte es so nennen… wenn man sehr untertreibt. Ich werde ihn dir zeigen. Er hat bestimmt nichts dagegen. Wie ging es weiter?

Leia rieb sich nachdenklich die Stirn. Ein Garten an Bord des Flaggschiffes. Was kam als Nächstes?

  Er sagte mir, daß du in Gefahr seist. Er wollte wissen, wo du bist, und versuchte, in meinen Geist einzudringen. Ich blockte ihn ab und weigerte mich. Dann befahl er mir, nach Tatooine zu kommen.

  Tatooine?, echote Luke, erstaunt über die Vokabel ‚abblocken’. Wie hatte sie das geschafft? Und warum ausgerechnet Tatooine? Wie auch seinen Vater verband ihn Haßliebe mit diesem Planeten. Und warum bist du hingeflogen?

  Weil ich mir Sorgen um dich machte. Ich hatte das unbestimmte Gefühl, daß du in Schwierigkeiten steckst. Und er schien zu wissen, daß es so war. Ich verriet niemandem, wo ich hinwollte, oder warum, als ich flog. Ich nahm Chewie, Lando und 3PO und flog los. Ich sollte mich in Mos Eisley mit jemandem treffen. In einer Bar.

  In einer Bar? In Mos Eisley? Ich glaube, ich muß ein ernstes Wörtchen mit ihm reden, wenn ich hier raus bin. Das ist eine gefährliche Stadt!, sagte Luke aufgebracht.

Leia entschied, ihm nicht zu verraten, daß sie alleine in die Bar gegangen war. Nun… General Veers wartete dort auf mich, mit einer Art Leibwächter. Ich fühlte mich auf den Arm genommen und wollte wieder gehen, aber Veers sagte mir, er würde mich zu Vader bringen. Ich war einverstanden.

Luke riß die Augen auf. Hier stand eine der größten Imperiumsgegnerinnen der Jetztzeit und erklärte freimütig, dem Wort eines imperialen Generals soweit geglaubt zu haben, um ihn auf eine Reise sonstwohin zu begleiten?

  General Veers ist ein überaus ehrenhafter und sehr freundlicher Mann., sagte er vorsichtig. Ich kenne ihn mittlerweile gut genug, um ihm mein L