Der Untergang der Rebellion



Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.






Tan Gomos stieg in seine Hose, nach Schnitt und Farbe eine Offiziershose eines Sternenzerstörers des Imperiums, aber aus einem wesentlich feineren, angenehmeren Material. Echte Naturware noch dazu. Er genoss den Stoff, so wie er alles genoss, was er sich leistete, hatte er doch auch Zeiten erlebt, in denen er nicht einmal daran zu denken brauchte, sich so etwas zu leisten. In denen er an jedem Tag in eine Ausgabe der gleichen muffigen und schlecht sitzenden Uniform mit dem kratzigen Hemd schlüpfen musste.
Das viel bequemere jetzige Hemd anziehend und dann die Knöpfe schließend grinste er, als er daran dachte, dass dies heut sein großer Tag werden könnte. Dass er, der ein normaler Händler war, heute Abend zu den wirklich Reichen gehören könnte.  Und wenn nicht heute Abend, dann eben morgen Abend.
Es war morgens und darum band er sich keine Krawatte um, warf noch einmal einen Blick auf das Bett, in dem seine Freundin lag und schlief. Er ahnte Calaudi liegen, eingepackt in eine dicke Decke unter der sich ihre weichen weiblichen Rundungen nicht abzeichneten. Unter dieser Decke sah sie aus wie ein ins Bett geworfener mannshoher Sack. Nur einige ihrer langen blonden Haare konnte er sehen.
Er ließ den Blick noch durch seine Kabine im Innendeck schweifen, kurz nur, um sich den Anblick einzuprägen. Er wusste, dass er sofort nach der Schlacht umbuchen würde. Außendeck mit Blick auf das Weltall. Vielleicht auch Panoramakabine.

Er genoss den Blick zum Fenster hinaus. So musste es sein, wenn er eine Kabine im Außendeck hatte. Tan lehnte sich zurück, ließ den Blick über die im Speisesaal des Raumers versammelten Gäste schweifen, die sich ihr Frühstück schmecken ließen. Er pickte sich hier und da mal eine Schönheit heraus, die er näher betrachtete, sie dann wieder aus seinen gelassen forschenden Blicken entließ. Die eine oder andere würde sich schon als Ersatz für Calaudi eignen, die in letzter Zeit viel an ihm rumzumäkeln hatte, aber alle seine Freunde hocherfreut und mit Küsschen begrüßte. Er dachte sich, dass sie vielleicht Ausschau hielt, dass dieses Verhalten mit seiner angespannten Finanzlage zusammenhing, aber das würde vorbei gehen. Dieses Problem würde sich nach der Schlacht in wohlgefallen auflösen. Dann würde Calaudi auch wieder an ihm hängen und kaum einen Augenblick von seiner Seite weichen. Aber dem würde er dann ein Ende machen. Aber erst, wenn er schon eine neue gefunden hatte.
„Morgen Schatz!“ begrüßte er Calaudi, die in ihrem Fitnessdress an seinem Frühstückstisch erschien, sich setzte und auf den Droiden wartete, der ihre Bestellung aufnehmen würde. Ganz ungeniert ließ sie auch sie ihren Blick durch den Raum wandern, winkte hier, winkte da, lächelte ihr hübsches, gewinnendes Lächeln, warf den Kopf zurück, dass ihre langen blonden Haare flogen.
„Wie geht’s Dir, Schatz?“ versuchte er es noch mal.
„Wie solls mir schon gehn? Ich hab schlecht geschlafen. Du hast mir laufend die Decke weggezogen. Ich bin beinah erfroren. Eins kann ich dir sagen, Tan, heut Nacht schlaf ich in einer warmen Kabine!“
Da hatte er es wieder, sie begann heute schon beim Frühstück mit ihm zu maulen, aber das würde sich legen. Vielleicht schon heute Abend.
Er lächelte sie an, nahm sich noch eines der von den Droiden für ihn vorbereiteten Brötchen. Kauend ging er in Gedanken noch mal die anwesenden Frauen, die er vorhin betrachtet hatte, durch, überlegte, welche sich wohl am besten als Ersatz für Calaudi eignete.

Auf dem Aussichtsdeck sicherte sich Tan wie jeden Morgen einen der besten Plätze, direkt an der Scheibe, weil ihm da niemand in die Quere kommen konnte. Niemand konnte sich aus einem Sitz vor ihm erheben und ihm den Blick verstellen. Er achtete sehr darauf, dass auch für Calaudi immer ein Sessel in seiner Nähe frei war.
Er lümmelte sich in den bequemen Sessel, der mit dem weichen Fell irgendeiner Tierart bespannt war, die er nicht kannte und auch nicht kennen lernen wollte. Diese Tiere waren ihm so was von egal, solange er das weiche Fell auf dem Sessel genießen konnte
So saß er da, wartete. Auf Calaudi. Auf Gesprächspartner. Und noch mehr auf die Schlacht.
In Gedanken ging er sein laufendes Geschäft noch einmal durch. Es würde funktionieren, auch wenn sein Lieferant Probleme beim Transport sah. Er lächelte in sich hinein bei dem Gedanken, was das Imperium für den Stahl bezahlen würde, aus dem es die neuen Sternzerstörer bauen wollte. Stahl, den er liefern würde. Und dann war da noch die Wette. Danach wäre er vielleicht so reich wie Jabba the Hutt.

Kurz fragte er sich, was wohl die Mannschaften der Kampfschiffe jetzt machten? Würden sie zum letzten Mal alle die Gefechtspositionen einnehmen, noch ein letztes Mal jeden Handgriff üben, wie es ihr Offizier von ihnen verlangte. Wie er es jedes Mal vor dem Sprung in den Hyperraum, vor dem Sprung direkt in ein Gefecht von den Geschützbedienungen seiner Batterie verlangt hatte. Das war die sinnvollste Methode, der Mannschaft die Zeit zu vertreiben, ihre Gedanken mit etwas anderem als dem bevorstehenden Kampf, der immer für einige von ihnen Schmerz und Tod bereithielt, zu beschäftigen. Sie daran zu erinnern, dass sie Kameraden waren.
Er schob den Gedanken beiseite, wollte sich nicht damit beschäftigen. Sollten sie doch alle sterben, solange er nur zu seinem Geld kam.
Er betrachtete den fernen Mond und seinen Stern.

„Ganz schön dekadent, was wir hier treiben, was?“ Tan schrak in seinem Sessel auf, setzte sich aufrecht hin, den Sprecher ansehend. Choros D’Ako, ein Mensch und Händler wie er selbst, hatte ein breites Lächeln im Gesicht und Tan wusste, dass Choros ihn absichtlich aus dem Halbschlaf gerissen hatte. Nur um ihn erschrecken zu sehen. Seine Gedanken mussten sich auf seinem Gesicht ausdrücken, den Choros beschwichtigte und setzte sich in den Sessel neben Tan, bevor er weitersprach.
„Findest Du nicht, dass wir dekadent sind? Wir sitzen hier in diesem Ausflugsraumer, der einmal ein droidengesteuertes Kampfschiff gewesen war und warten darauf, dass die Flotten der Rebellion und des Imperiums aufeinander treffen, hunderttausender Geschöpfe den Tod finden und sich ein Sieger herauskristallisiert. Und wir verdienen daran.“ Choros lachte. „Ich finde das dekadent, auch wenn ich gut davon leben kann!“
„Nicht dekadent, Choros, geschäftstüchtig!“ sagte Tan.
„Manchmal tut es mir weh, daran zu denken, dass ich mein Geld mit dem Tod anderer verdiene!“
„Du wirst doch jetzt nicht sentimental werden? Oder ein Moralist?“
Choros schwieg.
„Na komm schon! Wir sind Händler. Und dass wir gute Händler sind, haben wir beide schon bewiesen. Außerdem haben wir weder die Republik zum Imperium gemacht, noch haben wir die Rebellion angezettelt.“
„Klar, wir verdienen nur am Unglück und am Tod anderer. Wir tun nichts.“
„Choros, komm schon, mach nicht so ein ernstes Gesicht. Das kenne ich von dir gar nicht. Du weißt genauso gut wie ich, dass man nur auf die richtige Seite setzen muss, um zu gewinnen!“ Tan unterstrich seine Worte mit einem Schwung seiner rechten Hand, so als versuche er die Schwermütigkeit Choros wegzufegen.
„Die richtige Seite? Warum?“ Die Verständnislosigkeit auf Choros Gesicht, als dieser aus seinem Sessel aufstand, brachte Tan zum Lachen.
„Ich bin so dekadent, ich setze immer auf beide Seiten! Du etwa nicht?“ lächelte Choros.

Es sah so aus als wollte Mir Kestin den gehenden Choros ablösen, indem er sich auf Choros Sessel setzte.
„Du hast viel Stahl im Angebot, Tan Gomos?“
Es dauerte, bis Tan, immer noch verstört von Choros letzten Worten, die schuldige Antwort lieferte.
„Warum?“ antwortete Tan mit einer Gegenfrage bei der er dem Meerianer ins Gesicht schaute. Er war der einzige Meerianer, den Tan kannte und der sein silbernes Haar lang und offen trug.
Mir warf den Kopf zurück, dass die langen Haare flogen, lächelte ihn an, sagte „Wenn die Schlacht vorbei ist, kann es sein, dass das Imperium nicht mehr viel Stahl braucht!“ Tan erkannte seine Worte als das, was sie waren. Als eine Warnung eines Händlers an einen anderen.
Tan wählte seine Worte mit Bedacht. „Warum sagst du mir das?“
„Naja, man hört, dass du viel Stahl im Angebot hast. Dass viel von deinem Geld in diesem Stahl steckt. Das ist gefährlich, Tan Gomos. Was, wenn das Imperium die Schlacht nicht gewinnt? Die Rebellion wird dir nichts abkaufen, nachdem du so offensichtlich deine ganze Ware dem Imperium aufgedrängt hast.“
„Kann sein, aber ich habe bisher immer einen Weg aus einer Gefahr gefunden!“ lachte Tan gezwungen.
„Klar, ich vergaß, dass du einer von denen bist, die aus jeder Gefahr heraus finden, Tan Gomos. Du warst auch einer von den wenigen, die den Absturz eines Rebellenschlachtschiffs überlebt haben.“ Mir lächelte. „Bevor du selbständig wurdest, Tan Gomos.“
„Genau!“ antwortete Tan, dessen Blick auf Calaudi fiel, die das Aussichtsdeck betrat, Choros entdeckte und ihm bei der Begrüßung beinahe um den Hals fiel.
„Wenn du in Schwierigkeiten geraten solltest, komm bei mir vorbei, Tan Gomos. Aber du musst mich fragen! Umsonst ist nur der Tod. Und Geschäftspartner sind keine Kameraden!“
Tan antwortete nur „Jaja!“ hörte die Mirs Laute, verstand aber die Worte nicht. Er war viel zu beschäftigt damit, Calaudi zu beobachten, wie sie beinahe unverschämt mit Choros flirtete. Und Tan argwöhnte, dass das schon mehr als flirten war.

Mir Kestin war schon lange aufgestanden und gegangen und auch Choros und Calaudi waren schon eine Weile vom Aussichtsdeck verschwunden. Tan hing seinen Gedanken nach, immer noch auf dem Sessel im Aussichtsdeck sitzend, weiter darauf achtend, dass immer ein Sessel in seiner Nähe für Calaudi frei blieb, als sich Tunjek Parschval neben ihn auf einen weiteren freien Sessel fallen lies. Schweigend starrte er mit Tan ins All.
„Das Schiff ist eine Fregatte der Munificent-Klasse. Achthundertfünfundzwanzig Meter lang. Darth Vader deaktivierte die komplette Droidenarmee der Separatisten und dann waren die Fregatten leer und wurden nacheinander verschrottet. Bis auf diese. Ich konnte sie einem Schrotthändler abkaufen und begann, sie zum Ausflugsdampfer umzubauen. Seither organisiere ich sehr gewinnbringende Reisen zu originellen Zielen.“ Tunjek machte eine Pause. Tan drehte ihm langsam den Kopf zu und sah ihn nur verständnislos an, fragte sich, warum Tunjek Parschval, stolzer Besitzer dieses Ausflugsraumers, ihm diese alte Geschichte auftischte. Er kannte sie schon auswendig.
„Ja, und damals, während der Umbauzeit, bin ich beinahe bankrott gegangen, auch weil einige unserer Händlerkollegen Waren bei mir noch nicht bezahlt hatten. Händler sind Kameradenschweine, nur auf den eigenen Profit bedacht.“ Tunjek machte eine Kunstpause, starrte weiter ins All.
„Damals habe ich mir geschworen, von nun an persönliche Rücksichten nicht mehr gelten zu lassen. Ich habe mir geschworen, dafür zu sorgen, dass mein Geld immer zu mir kommt. Und nicht bei anderen bleibt und ich bankrott gehe. Oder insolvent werde, wie es seit neuestem heißt.“
„Und was hat das mit mir zu tun?“ fragte Tan, schluckte trocken. Er ahnte etwas, wagte es aber nicht einmal, es in gedachte Gedanken zu fassen.
„Weißt du, ich habe dich auf diesen Ausflug mitgenommen und dir sogar noch einen Spezialpreis gemacht. Du bist ein guter Händler, keiner der ganz großen, aber einer, der noch ein bisschen Karriere machen wird. Und ich habe das deswegen gemacht, damit du mir was schuldig bist, habe sogar akzeptiert, dass du erst nach der Reise bezahlst.“
„Wie nett von dir!“ ächzte Tan.
„Genau. Nett von mir. Nun sieht es aber so aus, dass deine tägliche Liquiditätsprüfung ergeben hat, dass du nicht bezahlen kannst. Das ist kein Problem. Du wirst nach der Reise bezahlen. Wie ausgemacht.“
„Also, was ist es dann?“ fragte Tan schleppend, während seine Gedanken rasten. Wo war sein Geld hin?
„Ich füge jetzt eine kleine Klausel in unseren mündlichen Vertrag ein: Du wirst nach der Landung eine weitere Stunde an Bord bleiben, und du wirst innerhalb dieser Stunde bezahlen. Tust du das nicht, dann betrachte ich dich und dein Hab und Gut an Bord als mein persönliches Eigentum.“
„Was meinst du ...“
„Ich werde dich als Sklaven verkaufen, wenn du nicht innerhalb der Stunde nach der Landung bezahlst!“
Ruckartig, als seien ihm die ganzen Worte schwer gefallen, erhob sich Tunjek. Er hatte Tan die ganze Teit nicht einmal angesehen, drehte ihm aber jetzt sein Gesicht zu.
„So und jetzt genieße den Flug und die Schlacht, die kommen wird! Vielleicht hast du ja Glück!“ Tan sah in Tunjeks Gesicht, sah das gequälte Lächeln. Und Tan wusste, dass die Worte Tunjek wirklich schwer gefallen waren.

Nach der kurzen Unterredung mit Tunjek ging Tan gemessenen Schrittes und mit trockenem Mund aus dem Aussichtsdeck.
Aber als sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, rannte er los, in seine Kabine. Er schluckte mehrmals schwer, sezte sich vor den Rechner in seiner Innenkabine, fuhr ihn hoch und ließ dann die Verbindung zu seiner Bank herstellen. Das einsame Wort am Ende seines Kontoauszuges traf ihn unvorbereitet, ließ ihn in sich zusammensacken.
„Zahlungsunfähig“
Aber dann fiel sein Blick auf die letzte Abbuchung. Sein Lieferant für den Stahl schien seinem Angestellten gegenüber auf der Vorausbezahlung des Stahls bestanden, sonst hätte er ihn wahrscheinlich nicht verfrachten können. Dieses Problem hatte sein Lieferant schon mehrmals angedeutet.
„Jaaa!“ schrie Tan mit der Faust auf den Tisch schlagend, und die Welt war für ihn wieder in Ordnung.
Ich kann nur jetzt nicht zahlen. Jetzt nicht. Aber sobald die Schlacht gewonnen ist und das Imperium den Stahl unbedingt braucht kann ich zahlen! Weil das Imperium auch Verluste haben wird! Und wenn es dann den Stahl bezahlt hat, bin ich wieder voll da. Und außerdem war da noch die Wette. Wenn nur die Wette nicht schief ging.
Er grinste, fragte sich kurz, warum sein Angestellter ihn nicht im voraus über den Zahlungsfluss unterrichtet hatte.
Er lehnte sich in seinem Sitz zurück, wollte entspannt aufseufzen, aber es gelang ihm nicht. Der Seufzer hatte keinerlei Ähnlichkeit mit einem entspannten Seufzer.

„Du hast also tatsächlich kein Geld mehr?“
Tan hatte nicht gehört, wie Calaudi in die Kabine kam und hinter ihn getreten war.
„Für heute ja.“ Tan zögerte, wusste nicht, wie er weiterreden sollte, machte es sich dann aber einfach. „Und?“
„Choros hats mir vorhin gesagt. Und Tunjek hats dann eben auch noch mal gesagt. Schad! Ich hab dich wirklich gemocht!“ Ihre Worte trafen Tan hart und er musste tief Luft holen, bevor er reden konnte. Und da kümmerte er sich zuerst um das für ihn vordringliche Problem.
„Woher wissen die denn das?“ fragte er unsicher, drehte seinen Stuhl zu ihr, sah ihr ins Gesicht.
„Was weiß ich? Die haben bestimmt auch jemand der ihnen was erzählt. Wie du auch. Ist mir auch scheißegal.“ sagte sie und wollte aufhören, fügte aber dann doch noch hinzu „Was glaubst du, woher Tunjek weiß, dass er den hierher fliegen muss? Dass hier diese Schlacht zwischen den Rebellen und dem Imperium stattfinden soll?“
Sich umdrehend, ging sie dann zum Schrank, sprach dabei weiter.
„Egal. Du bist Pleite. So wie ichs mir seit Wochen gedacht habe!“ sagte sie. Nicht böse, auch nicht tröstend, nur irgendwie bedauernd kamen ihm ihre Worte vor.
Calaudi öffnete den Schrank, zog ihre Tasche heraus und warf wahllos ihre Kleider hinein.
„Was tust du?“ Er konnte es nicht glauben. Er glaubte es einfach nicht. Es konnte nicht sein.  Tan wollte Calaudi in ein paar Monaten abservieren, wenn er genug Geld verdient hatte, um ein großer zu sein. Nicht umgekehrt. Er weigerte sich zu realisieren, was hier geschah.
„Was glaubst du wohl, was ich hier tue?“ Und ihre nächsten Worte trafen ihn wie ein Schlag in die Magengrube.
„Ich ziehe aus! Zu Choros!“
„Das tust du nicht!“ schrie er sie plötzlich an, sträubte sich nicht mehr, sondern realisierte tatsächlich, was hier geschah. Er sprang auf, wollte sie an den Schultern packen. Aber die schlanke junge Frau mit den blonden Haaren tauchte unter seinem rechten Arm hindurch, wollte zu ihrer Seite des Bettes, wo auf einer Ablage ihr Schmuck lag.
Tan warf sich auf das Bett, krabbelte hektisch auf allen vieren darüber, um schneller bei ihrem Schmuck zu sein als sie. Ihrem Schmuck, den er ihr gekauft hatte. Er war schneller, legte seine Hand auf den Schmuck, und da wusste er, dass es vorbei war mit ihm und ihr.
Er schrie sie an „Geh doch! Aber das bleibt hier, du undankbare Schlampe!“
„So eng ist es also schon?“ fragte sie ruhig, drehte sich um und verließ ohne ein weiteres Wort die Kabine.
Sie hatte es sich schon länger gedacht, aber er hatte ihr nie etwas gesagt. Und darum hatte sie sich nach anderen umgesehen. Sie brauchte jemanden, der ihre Ausgaben trug, der sie aushielt. Sie hatte kein eigenes Geld und wollte auch keines erarbeiten. Nicht solange sie es zugesteckt kriegen konnte.

Tan hätte gerne weiter mit ihr gestritten, hätte sie gerne richtig zur Sau gemacht, ihr von dem zu erwartendem Gewinn aus der Stahlsache und seiner Wette erzählt, aber sie war zu schnell gegangen. Und dadurch, dass er sich auf den Schmuck konzentriert hatte, hatte er sie auch nicht aufhalten können.
Und jetzt war es zu spät. Sie war sicher schon in Choros Kabine eingetreten. Eine Außenkabine.

Er war wieder auf dem Aussichtsdeck. Wo hätte er sonst sein sollen. Nur von hier aus konnte er seinen Triumph, seinen persönlichen Triumph auskosten, wenn die Rebellion geschlagen wurde.
Niemand war in den letzten zwei Stunden zu ihm an den Sessel gekommen oder hatte sonst mit ihm geredet. Seine Kollegen mieden ihn. Nichts war so fürchterlich für sie, nichts erinnerte sie mehr an die Schicksalsschläge des Lebens, die auch sie von einer Minute auf die nächste in die Pleite stürzen konnten , als ein Händler der zahlungsunfähig war. Bankrott. Pleite.
Er hörte leises Murmeln und Tuscheln und ging selbstverständlich davon aus, dass er der Gegenstand dieser leisen Gespräche war.
Auf einem Schlachtschiff der Rebellion hätte es so etwas nie gegeben. Dort war man Kamerad und man half sich gegenseitig.
Er merkte, wie er abschweifte, sich in Gedanken verlor, die er nicht mehr denken wollte. Er zwang sich, sich auf eine einzelne Imperiale Fähre weit im Raum, kaum zu erkennen, zu konzentrieren.

„Daaaaaa!“ erscholl der Schrei, und irgendein unbekannter Händler streckte den Arm aus um auf einen Punkt im Raum zu deuten. Tan sah sofort hin, wie jeder Anwesende.
Punkte bildeten sich im Raum, wurden mehr und immer mehr. Einzelne Punkte waren groß genug, um Schlachtraumer der Rebellion in ihnen zu erkennen.
„Jetzt!“ rief Tan, sich gespannt aufsetzend während sich ein leichtes Grinsen lag um seinen Mund stahl.

Die Rebellen hatten den Angriff schon lange gestartet und wurden vernichtend geschlagen. Schlachtschiff auf Schlechtschiff explodierte, die Jäger verglühten zu Dutzenden, und langsam bildete sich auf Tans Gesicht tatsächlich ein Grinsen, das noch breiter wurde, als hinter dem Mond des Sterns die imperiale Raumflotte auftauchte und in die Schlacht eingriff. Ein Supersternzerstörer explodierte kurz darauf und jetzt drehte sich Tan mit einem riesigen Grinsen zu den anderen um, grinste sie voll Genugtuung an, jeden einzelnen, besonders aber Calaudi und Choros, die eng umschlungen da standen.
Das Imperium würde gewinnen und es würde seinen Stahl brauchen. Und bezahlen. Er war auf der Siegerstraße und Triumph breitete sich in ihm aus, ließ ihm die angenehme Raumtemperatur als zu warm empfinden.
Keine Sekunde dachte er mehr an seine früheren Kameraden, die auf den Schiffen der Rebellion dienten, jetzt vielleicht verglühten und zu denen er auch einmal gehört hatte. Als Batterieoffizier einer Backbordbatterie eines Schlachtraumers der Rebellion. Der Schlachtraumer hatte aber das Unglück, bei Wartungsarbeiten von drei Sternzerstörern aufgespürt und zusammengeschossen zu werden, so dass er auf den Planeten stürzte, in dessen Umlaufbahn er sich befunden hatte.
Lediglich Tan und eine Handvoll seiner Kameraden hatten von der ganzen Mannschaft überlebt. Und keiner war zur Rebellion zurück gekehrt. Jeder war froh, noch am Leben zu sein und suchte sich seinen Lebensunterhalt in einem privaten Leben, in dem man nicht von Kameradschaft abhängig war.

Von der Flotte der Rebellion waren nur noch Reste übrig und Tan jubelte in seinem Innern, musste sich zusammenreißen, um sein Glück und seinen Triumph nicht hinauszuschreien. Heute war die Schlacht, die das Imperium unzweifelhaft gewinnen würde und er hatte beinahe sein ganzes Vermögen auf das Imperium gesetzt. Bis auf den Rest, den er für den Stahl gebraucht hatte. Die Transportkosten hatte er leider vergessen zu berücksichtigen. Egal. Er würde heute sein Vermögen beinahe verdoppeln. Er war wieder auf der Gewinnerstraße.

Tan liefen Tränen des Glücks aus den Augen und über die Wangen, als einige tausend Kilometer weiter weg ein nassgeschwitzter Raumschiffkommandant mit Namen Lando Calrissian in sein Kehlkopfmikrophon schrie.
„Ich sehe es. Wir sind unterwegs. Gruppe Rot! Gruppe Gold! Staffel Blau! Alle Jäger mir nach“
Gut gemacht, Han! dachte er
Und Lando zwang den Falken Kurs auf den zweiten Todesstern zu nehmen, gefolgt von den Jägergruppen.


ENDE