Der dunkle Fluch -

Die Macht des Schicksals - Band 1

Teil 1 von ?


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Das Ende der Sith

 

Luke Skywalker schrie. Bei den Schmerzen, die er durch die Blitze, welche aus den Fingerspitzen des Imperators hervorzuckten und den jungen Mann unter Strom setzten, war dies auch kaum ein Wunder zu nennen. Jeder hätte angesichts dieser Schmerzen geschrien.

   „Vater, bitte!“ Luke schien den Tränen nahe. Er war nicht einmal mehr fähig, sich zu bewegen. Sein Körper wand sich nur in Zuckungen, die dieser selbst nicht verschuldet hatte.

   Darth Vader stand reglos hinter seinem Meister, dem Imperator, und beobachtete, wie der alte Sith-Lord seinen Sohn folterte. Den Sohn, den Vader glaubte, verloren zu haben.

   Aber Vader rührte sich nicht. Luke Skywalker hatte die Dunkle Seite nicht akzeptieren wollen. Nun zahlte er die Strafe dafür, dem Imperator nicht gehorcht zu haben. Selbst der Hilfeschrei, dieses verzweifelte Flehen, stieß bei Darth Vader auf taube Ohren. Die Schwachen verdienen ihr Schicksal. Luke hat sich entschieden.

   Das war… bedauerlich, aber nicht zu ändern. Und Vader war ein Sith. Er hatte dreiundzwanzig Jahre nach dem Kodex der Sith gelebt. Und den Konflikt, den Luke ihm unterstellt hatte, gab es nicht. Er existierte nicht. Hatte niemals existiert und würde es auch nie.

   „Und jetzt, junger Skywalker, wirst du sterben!“

   Der Imperator stieß diese Worte höhnisch, schadenfroh und voller Häme aus.  Diese Worte ließen keinen Zweifel daran, dass Sidious es ernst meinte.

   Vader presste die Zähne zusammen. Dort, auf dem Boden, lag sein einziger Sohn und wand sich in unvorstellbaren Qualen. Sein verloren geglaubter Sohn. Und jetzt sollte er ihn, durch den Sadismus eines greisen, größenwahnsinnigen Irren, erneut verlieren, aber diesmal endgültig und unwiderruflich? Ohne jede Chance, ihn jemals kennenzulernen?

   Hass stieg in ihm auf, brannte kalt in ihm und umarmte zugleich eine andere Leidenschaft, die ebenso stark war, nur in eine völlig andere Richtung ging, während er von Luke zu Sidious, von Sidious zu Luke, und dann wieder zu Sidious sah.

   Und in dem Augenblick wusste Darth Vader, was er tun musste. Er hatte zu oft darin versagt, die zu retten, die er liebte. Nicht noch einmal. Niemals wieder. Er handelte.

   Er packte Sidious und hob ihn hoch. Die Macht-Blitze zuckten wild umher und tanzten über Vaders schwarze Rüstung. Aber das konnte ihn stoppen. Dieser Greis hatte sich verschätzt, und jetzt würde er für das bezahlen, was er tun wollte. Sidious würde ihm Luke, seinen Sohn, nicht nehmen.

    Vader – Anakin – trug ihn von seinem Sohn fort, bis zum Rand des Reaktorschachtes. Und dann ließ er ihn fallen, sah seinem Fall in die Tiefe zu und spürte gleichzeitig, wie ihm das Atmen mit einem Mal schwerer fiel.

   Wie unfair, ging es Anakin durch den Kopf, während er am Geländer des Reaktorschachtes zu Boden glitt. Jetzt verliere ich ihn so oder so… nur dass ich es anscheinend sein muss, der sterben wird.

   Dennoch löste diese Erkenntnis in Anakin keine Angst aus, nur Akzeptanz – nein, Resignation – vor seinem unvermeidlich erscheinenden Schicksal. Er hatte eine richtige Entscheidung getroffen, aber jetzt bezahlte er sie mit dem Leben. Die Moral der Geschichte schmeckte bitter. Aber Anakin akzeptierte sie.

~ ~ ~

 

Der Imperator fiel, sich überschlagend, mit flatternder Robe in die Tiefe und war verschwunden, nur ein Aufflackern verriet, dass er gefallen war. Oder, viel eher, geworfen worden war.

   Luke richtete sich stöhnend auf, blickte sich um, suchte nach seinem Vater. Er hatte recht gehabt. Es war noch Gutes in ihm gewesen. Er hatte ihn gerettet. Und nun wusste er…

   Die Freude über die Tatsache, dass er recht behalten haben sollte, verschwand mit einem Mal, löste sich in Luft auf. Lukes Blick fiel auf die schwarze Gestalt seines Vaters, der gegen das Geländer am Reaktorschacht gelehnt saß und gar nicht gut aussah.

   Nicht im geringsten.

   Der junge Jedi musste nicht lange überlegen, eigentlich dachte er überhaupt nicht darüber nach, was er jetzt tat. Mit einigen, sehr schnellen Schritten hatte er Anakin erreicht und sich neben diesem nieder gekniet.

   „Vater…“

   Die schwarze Maske, die einst so furchteinflößend erschienen war, wandte sich in Lukes Richtung. „Luke.“

   „Kann ich irgendetwas tun?“

   „Ich bin… sehr stolz auf dich, mein Sohn.“

   Das war keine Antwort auf seine Frage, aber es klang zu endgültig. Viel zu endgültig. Anakin Skywalker war gerade erst zurückgekehrt, und nun sollte er bereits sterben? Das war nicht fair.

   „Nein! Nein, Vater. Ich kann dich retten.“

   „Versuche es nicht. Diese Fähigkeit… ist nicht für mich bestimmt. Und ich werde nicht zulassen, dass du sie an mir vergeudest.“

   Wie redet er denn? Das ist nicht sein Schicksal, darf es nicht sein. Wenn der Lohn für eine gute Tat der Tod ist, dann…

   Er konnte es! Ebenso wenig, wie Anakin ihn hatte sterben sehen können, konnte Luke seinen Vater sterben sehen. Er hatte ihn doch gerade erst zurückerhalten {zurück erhalten}. Und die Helle Seite besaß doch die Fähigkeit, zu helfen, zu heilen… und zu retten.

   „Rede keinen Unsinn, Vater“, wies Luke Anakin streng zurecht. Er weiß nicht, wovon er da redet. Und ich werde ihn nicht verlieren.

   Luke legte seine Hände auf den Körper seines Vaters und beschwor die Macht, ließ sie durch sich hindurchfluten und sich vom Licht der Hellen Seite erfüllen. Mit Hilfe der Macht stärkte er die Atmung seines Vaters und kräftigte dessen Herz, stimulierte seinen Kreislauf. Es musste einfach gelingen, es durfte noch nicht vorbei sein.

   Er musste hoffen.

   Die Macht streifte Anakins Geist und versetzte ihn in eine heilende Trance.

   Und auf einmal erkannte Luke, dass er Erfolg gehabt hatte. Sein Vater würde leben. Luke wusste es mit der absoluten Gewissheit, die die Macht ihm schenkte.

   Aber jetzt, das spürte Luke instinktiv, musste er seinen Vater schnell von hier fort bringen. Er hob sein Lichtschwert auf, dann wandte er sich seinem Vater zu. Halb zog er ihn, halb schob er ihn fort, immer weiter, durch den Todesstern bis hin zu einem der Hangars, wo er seinen Vater in eine der Lambda-Fähren schaffte.

   Und kurz darauf flog die Fähre bereits davon, während hinter ihm der Zweite Todesstern, die Grabstätte des Imperators, in einem Flammenball explodierte.

~ ~ ~

 

Sieg. Nach Jahren des Kampfes, der Furcht vor dem Versagen und der Vernichtung, der Angst vor dem Imperium und dessen gewiss fürchterlicher Rache hatten sie es endlich geschafft.

   Die Stimmung im Dorf der Ewoks war ausgelassen, selbst der sonst ewig nörgelnde C-3PO hatte seine Beschwerden eingestellt und gab eine ähnliche Schilderung wie vor einigen Stunden, mitsamt Geräuschuntermalung, in Ewoksprache zum Besten. Diesmal bezog er jedoch sämtliche Ereignisse mit ein, auch die Schlacht auf und über Endor.

   Leia hatte sich etwas von der feiernden, jubelnden Menge entfernt und blickte nach draußen in die immer dunkler werdende Nacht. Sie wartete auf Luke. Denn dass er lebend vom Todesstern entkommen war, wusste sie jenseits jeden Zweifels. Er war schließlich ihr Bruder. Luke und sie verband etwas ganz Elementares, sie würde es instinktiv spüren, wenn er nicht mehr lebte.

   So wie sie ihn wahrgenommen hatte, als er nach dem Kampf gegen Vader unterhalb von Cloud City an einer Stange hing. Und seither war diese Verbindung – diese Verbindung zwischen ihrem Bruder und ihr – nur noch stärker geworden.

   Er war am Leben.

   Aber er war nicht hier.

   „Leia?“, hörte sie Hans Stimme hinter sich. „Wartest du auf Luke?“

   „Er ist nicht tot. Ich frage mich, wo er bleibt.“

   „Irgendein Jedi-Kram, vermutlich“, mutmaßte Han.

   „Aber vielleicht ist ihm auch etwas passiert. Oder er wurde aufgehalten.“

   „Hast du nicht eben behauptet, du wüsstest, dass er lebt?“

   Leia seufzte und drehte sich zu Han um. „Dass er lebt, heißt nicht, dass es ihm auch gut geht“, verdeutlichte sie. „Vielleicht ist nicht alles so gelaufen, wie es sollte. Vielleicht hat Vader ihn…“

   „Der Todesstern ist zerstört. Vader ist tot. Und Luke, wenn man dir glauben soll, ist es nicht. Was soll da sonst noch mit Vader sein?“

   Leia zögerte. Han wusste, dass Luke ihr Bruder war, aber er wusste nicht, wer Vader war. Sie konnte es ja selbst noch kaum glauben.

   „Han… Luke ist zu Vader gegangen, weil er geglaubt hat, dass er sich ihm stellen muss weil… Vader sein Vater ist“, sprach sie es schließlich aus.

   Und Han klappte die Kinnlade herunter. „Das ist nicht dein Ernst? Vader ist Lukes – also auch dein… Quatsch! Wie soll der große Finsterling denn in der Rüstung denn…? Das ist doch absurd, Leia.“

   Leia verstand diese Reaktion. „Luke ist sich sicher. Und Vader hat ja nicht immer in der Rüstung gesteckt.“

   „Na schön, dann ist er eben Lukes… euer Vater. Aber überleg doch mal: Der Knabe hat Luke die Hand abgeschlagen und überhaupt einen ganzen Haufen Leichen hinter sich angesammelt. Da kann Luke doch nicht ernsthaft glauben…“ Han verstummte mitten im Satz und schüttelte den Kopf. „Nein, er kann. Mynockpisse, wir sprechen hier von Luke!“

   Leia nickte. Also hatte Han verstanden. Sie sah verstohlen, abwartend, zu dem Mann hinüber, in den sie sich verliebt hatte. Sie fragte sich, was er von diesem Verwandtschaftsverhältnis hielt – und ob es ihnen zukünftig im Weg stehen würde. Sie würde es verstehen, wenn er auf Abstand ginge. Jemanden wie Darth Vader zum Vater zu haben…

   Aber Han zog sie stattdessen an sich. Und wieder einmal erkannte die Prinzessin von Alderaan, dass Han Solo hinter seiner Fassade eines ausgemachten Schurken ein Herz aus Gold besaß. Ebenso, dass es ihm egal war, wer sie gezeugt hatte.

   Der Gedanke daran gab Leia Zuversicht. Dennoch drückte ihr das Geheimnis um Lukes Verbleib auf die Stimmung.

   „Han, wir müssen ihn suchen.“

   „Mhm… da hast du wahrscheinlich recht. Wer weiß, in welche Schwierigkeiten er sich sonst bringt. Oder vielleicht steckt er schon mittendrin Bei Luke kann man das nie so genau wissen.“

   Leia versuchte zu lächeln, doch ihre Sorge um Luke ließ es misslingen. Es sah vermutlich eher nach Zahnschmerzen denn nach einem Lächeln aus.

   „Vielleicht helfen die Ewoks uns dabei.“

   „Die Pelzviecher?“ Han wirkte skeptisch.

   Just in dem Augenblick kam eines der „Pelzviecher“ herbeigewuselt und tollte zwischen Leias Beinen hindurch. Leia stieß einen überraschten Schrei aus, stolperte und griff nach dem Geländer. Sie atmete tief durch und hielt sich daran fest. Was, wenn ich da runter gefallen wäre…?

   „Die Ewoks um Hilfe zu bitten ist vielleicht doch keine so gute Idee“, gab sie zu.

   „Hey, wir beiden schaffen das schon allein. Dein… was auch immer und mein Einfallsreichtum, der Knabe kann uns gar nicht dauerhaft entgehen.“

   Leia lächelte. „Das glaube ich auch. Komm, wir sollten das nicht noch länger aufschieben.“

   „Dieses kleine Fest hat sowieso keinen Spaß gemacht“, murmelte Han und dann noch etwas über corellianischen Whiskey, das Leia nicht so ganz verstand. Dennoch entlockten ihr diese Worte ein Schmunzeln.

   Auf halbem Wege zu ein paar Speederbikes, die zuvor von Imperialen verwendet worden waren, raschelte es hinter den beiden im Gebüsch und ein Leia mittlerweile sehr vertrautes Brüllen erklang in ihrem Rücken. Chewbacca hatte ihren Fortgang offenbar bemerkt und sich dazu entschlossen, mitzukommen.

   „Klar nehmen wir dich mit, du übergroßes Pelzknäuel“, beruhigte Han den hünenhaften Wookiee. „Aber wenn du noch einmal in so eine Ewok-Falle rennst, hole ich dich da nicht wieder raus.“

   Chewie brummte etwas auf Shyriiwook, das Leia nicht verstand. Aber dafür wusste Han anscheinend, was gemeint war.

   „Na schön, wenn du meinst… und jetzt komm, sonst geht Leia Luke noch ohne uns suchen und sie kommt ohne uns bestimmt nicht zurecht.“

   „He!“, Leia wandte sich zu Han um.

   „Ich weiß ja...“, flüsterte Han ihr leise zu. „Aber der Bettvorleger beeilt sich sonst nicht. Ich hätte verhindern sollen, dass er diese Ewoksachen frisst, aber jetzt ist er völlig…“

   Chewbacca brüllte protestierend.

   Leia seufzte. „Ach, jetzt ist der Wookiee also auch noch betrunken? Fabelhaft!“

   „Der wird schon wieder nüchtern“, meinte Han, während er sich auf eines der Speederbikes setzte. „Und Chewie, du läufst besser, ich weiß nicht, ob diese Düsenschlitten dich aushalten.“

   Der Wookiee brummte etwas, das vielleicht eine Zustimmung war.

   Leia folgte indes Hans Beispiel und stieg auf das andere Speederbike. Sie sah zu Han hinüber und er erwiderte ihren Blick. „Wir finden ihn“, schien er ihr damit lautlos zu sagen. Leia nickte. Wenn Luke lebte – und sie wusste, dass er lebte – würde sie ihn finden.

   Sie erinnerte sich daran, was Luke ihr vor ein paar Stunden gesagt hatte: „Die Macht ist stark in meiner Familie. Mein Vater hat sie, ich habe sie und meine… Schwester hat sie auch.“ Und vielleicht würde sie ihn mit Hilfe der Macht finden, so wie sie ihn damals in Cloud City gefunden hatte…

   Die einzige Schwierigkeit bestand darin, dass sie nicht wusste, wie sie die Macht nutzen sollte, die sie laut Luke besaß. Aber darüber konnte sie sich später immer noch Gedanken machen. Jetzt musste sie Luke erst einmal finden.

   Han gab mit dem Speederbike Gas und Leia startete ihren Düsenschlitten kurz darauf, um ihm hinterher zu fliegen – und, wie sie hoffte, auf Luke zu treffen. Sie nahm sich in dem Augenblick vor, ihm eine Standpauke zu halten, wenn sie ihn gefunden hatte.

   Es war einfach unerhört, dass er sich nicht einmal gemeldet hatte… und Leia war in dem Fall nicht bereit, großmütig darüber hinwegzusehen.


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