Das extragalaktische Juwel
des Imperiums

Teil 1 von ?

Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.






1. Die Vision des Imperators

 

Am zweiten Tag des Monats Samaja, dem dritten Monat des Jahres 5125 tarastsaiischer Zeitrechnung, wurde die 18 Jahre und fünf Monate alte Prinzessin Annia - eine Abkürzung von Anaicia, das bedeutet Tochter des Lichts - im Tempel der Weisheit in Velencia nach uralter Tradition in einer feierlichen Zeremonie zur 50. Königin von Tarastsaia gekrönt. Etwa eine Woche später geschah etwas, das dieses Königreich in seinen Grundfesten erschüttern sollte – und die neue Königin in eine völlig fremde Welt versetzte. Alles geschah gegen ihren Willen: Sie war vollkommen hilf- und wehrlos und konnte absolut nichts dagegen tun, ebenso wenig das tarastsaiische Volk....

 

In der Nacht nach Annias Krönung hatte Cos Dantius Palpatine alias Darth Sidious, Dunkler Lord der Sith, der seit über 20 Jahren als Imperator und Allerhöchster Dunkler Herrscher über die Tarastsaia direkt benachbarte Galaxis mit eiserner Hand regierte und deren Bewohner mit dem tyrannischsten Regime und der stärksten Militärmacht aller Zeiten unterdrückte, eine ihm völlig unerklärliche, ganz außergewöhnliche Vision von solcher Intensität, dass er fast glaubte, er würde alles real erleben.

 

Er blickte in ein Paar noch fast kindlich großer, ganz leicht mandelförmiger Augen von derselben Farbe wie der Himmel an einem Sommertag. Niemals zuvor hatte er so intensiv blaue und mit einem geheimnisvollen sphärischen Licht strahlende Augen gesehen. Nach einigen Momenten des Staunens konnte er auch das zarte, ovale, makellose, klassisch und zeitlos schöne Antlitz erkennen, das diese einzigartigen Augen umgab. Zuerst erschien es ihm wie das Gesicht eines jungen Mädchens. Doch dann erkannte er, dass es sich bei dem weiblichen Wesen, das ihm gegenüberstand, ihn ohne jegliche Furcht und voller Charme aus rosigen, fein gezeichneten und sanft geschwungenen Lippen anlächelte, um eine Jungfrau handelte, die sich gerade an der Schwelle zur Erwachsenen befand.

 

Umrahmt wurde das Gesicht von prachtvollem, blauschwarz glänzendem und leicht welligem Haar, das mit einem kostbaren juwelenbesetzten Diadem, edlen Spangen und Bändern zu einer kunstvollen Frisur arrangiert war. Die wunderbare junge Dame strahlte eine fast überirdische Schönheit und Anmut und zugleich die Autorität einer Königin aus. Darth Sidious war sich in diesem Moment ganz sicher: Er hatte noch kein einziges Mal zuvor in seinem langen Leben ein so junges und bereits derart atemberaubend schönes und edles Geschöpf gesehen. Dieser wunderbare Anblick verschlug ihm den Atem, sodass er nicht mehr wusste, wo ihm der Kopf stand.

 

So intensive Gefühle hatte er noch nie empfunden, und es war ihm selbst unerklärlich, wie es möglich war, dass er nun derart unvermittelt von einer so großen und starken Sehnsucht nach dieser kleinen, zarten jungen Frau ergriffen wurde. Diese wunderbare Erscheinung löste bei Palpatine eine wahre Sturzflut an Emotionen aus. Da waren eine ungeheure Faszination, aber auch ein großes Verlangen und heftige Begierde - und der übermächtige Wunsch, sie sofort besitzen zu wollen... Doch am meisten wunderte er sich über die fremdartige, aber nichtsdestoweniger ungeheuer starke Aura der Macht, die sie ausstrahlte und umgab und mit der sie auch ihn einhüllte.

 

Binnen weniger Augenblicke gelangte er zu der zunächst schockierenden Erkenntnis, dass sie offenbar noch viel stärker in der Macht war als er und sein allseits gefürchteter Meisterschüler Lord Darth Vader zusammen, so unglaublich ihm dies angesichts ihrer vollkommenen, jedoch sehr zierlichen und fast zerbrechlich wirkenden Gestalt auch erschien, die von einem schneeweißen seidenen Rüschenkleid und einer prunkvollen königlichen Robe aus purpurnem Samt mit filigraner Goldstickerei umhüllt wurde.

 

Alle seine Sinne waren durch diese überwältigende Erscheinung aufs höchste erregt, und auf einmal hörte er ihre zarte, glockenhelle und wie eine sphärische Melodie klingende Stimme: „Seid mir gegrüßt, Allerhöchste Majestät.“ Ehrfürchtig machte das bezaubernde, überirdisch wirkende Wesen einen Hofknicks vor ihm und sprach weiter: „Ich bin Annia, die neu gekrönte Königin des Reiches von Tarastsaia im Tamora-System, das sich in einem äußeren Arm der Taragaya-Galaxis befindet, gegenüber dem nordöstlichen Sektor Eurer Galaxis, welchen Ihr Wilden Raum nennt“.

 

Palpatine war völlig perplex, denn er hatte nie zuvor etwas von einem Königreich von Tarastsaia gehört. Beunruhigt fragte er sich, aus welchem Grund diese bezaubernde junge Dame ihm erschienen war. Da wurde er urplötzlich von einem wie eine Urgewalt über ihn kommenden Orkan von unwiderstehlicher Kraft der fremdartigen Macht erfasst, die, so schien es ihm, von der wunderbaren jungen Frau ausging. So etwas erlebte er zum ersten Mal: Er hatte für einige Momente seinen Geist und Körper nicht mehr unter Kontrolle, befand sich aber in einem transzendenten Zustand und war für kurze Zeit dazu fähig, eine unendliche Fülle von Gedanken und Gefühlen in nie für möglich gehaltener Intensität wahrzunehmen.

 

Und es war äußerst merkwürdig: Zuerst tobten in ihm heftigste Emotionen und Leidenschaften der dunklen Seite – Furcht, Zorn und Hass – dann jedoch verwandelten sie sich in positive Empfindungen, auch fühlte er in sich eine große Sympathie und höchste Faszination für die Person, die er da vor sich sah. Und auf einmal, von einer Sekunde zur nächsten, war der Orkan vorüber, und ebenso plötzlich war um ihn und in ihm wieder alles vollkommen ruhig und still.

 

Und nun erkannte Darth Sidious dank seiner außerordentlichen Machtfähigkeiten nach wenigen Sekunden die Antwort, warum ihm diese Königin Annia erschien: Sie war gleichsam ein leuchtendes Wesen, eine Inkarnation der Macht. Ja, sie wirkte auf ihn wie ein hell leuchtender Stern in tiefster Finsternis, der ihm den Weg weisen und ihn aus seiner schwierigen Lage befreien konnte, in die er trotz seiner vielfältigen und raffinierten Künste durch die Ereignisse der jüngsten Zeit geraten war. Denn die Zerstörung des Todessterns, welcher als hundertprozentig sicher und unverwundbar gegen jedwede Form von Angriffen gegolten hatte, sowie der Putschversuch hochrangiger Offiziere und Regierungsbeamter hatten die Herrschaft des Imperators nachhaltig erschüttert.

 

Und obwohl niemand so meisterhaft wie er die Dunkle Seite der Macht beherrschte, da seine Seele das schwarze Zentrum des Imperiums war, als ob er selbst das Imperium und das Universum wäre, hatte dies geschehen können, was ihn verständlicherweise sehr verunsichert und gewaltig frustriert hatte. Und vor kurzem hatten sich sogar die Machtgeister der längst verstorbenen Dunklen Lords der Sith, die ihm bislang stets wohlwollend gewogen waren, erzürnt von ihm abgewandt und ihm ihre Unterstützung versagt, als er nach Korriban gereist war, um ihren Rat einzuholen. Was hatte das zu bedeuten? Er konnte es nur als eine warnende Botschaft der Macht verstehen.

 

Dadurch waren er selbst, seine Herrschaft und das Imperium in eine ernsthafte Krise geraten. Es fiel Darth Sidious äußerst schwer, doch er musste es sich eingestehen: Ja, er stand mit dem Rücken zur Wand, er brauchte dringend Hilfe... Angesichts dieser überwältigenden Aura der Macht, die Annia ausstrahlte, durchzuckte ihn zwar für einen ganz kurzen Moment eine schreckliche Furcht vor einer unbekannten Bedrohung. Andererseits erschien es ihm einfach absurd, dass dieses so bezaubernd schöne und faszinierende Wesen, nach dem er sich mit jedem Augenblick mehr zu sehnen begann, eine Gefahr für ihn darstellen könnte.

 

Das genaue Gegenteil war der Fall: Sie hatte in ihm eine klingende Saite berührt. Intuitiv fühlte er, dass sie höchstwahrscheinlich wirklich das war, wonach er sich insgeheim in seinem Innersten schon seit so vielen Jahren gesehnt hatte. Könnte sie womöglich die perfekte Schülerin für ihn sein, und vielleicht auch noch viel, viel mehr? Eine Gefährtin, die ihm in allem Beistand leisten würde, wonach er strebte, vielleicht sogar eine Bewahrerin all dessen, was er geschaffen hatte?

 

Niemandem hatte er bisher sein größtes Geheimnis anvertraut, und bis jetzt war es ihm auch gelungen, es zu unterdrücken, ja sogar seine Existenz nicht wahrhaben zu wollen, doch schon seit langem verbarg sich ganz tief in seinem Herzen ein unendlich großer, sehnlicher Wunsch nach Liebe, nach einer Partnerin, ja sogar nach einer Familie. Denn schließlich war Darth Sidious trotz all seiner übernatürlichen Machtfähigkeiten und seiner intensiven Nutzung der Dunklen Seite auch nur ein Mensch – und ein Mann, damit den natürlichen männlichen Reflexen und Empfindungen beim Anblick eines weiblichen Wesens unterworfen... Daher trieb ihn nun der schwer wiegende Gedanke um: Könnte es unter Umständen vielleicht sogar möglich sein, dass diese Königin, die gerade erst dabei war, zur Frau heranzureifen, von der Macht für ihn bestimmt war?

 

Denn Palpatine konnte mithilfe der Macht genau spüren, dass sie offenbar in sich alle Eigenschaften, Begabungen und Fähigkeiten vereinte, die der Allerhöchste Herrscher und Dunkle Lord der Sith sich wünschte: Außergewöhnlich hohe Intelligenz, Schönheit und Jugend – und ein unermesslich großes Potenzial in der Macht. Sein Herz schlug immer schneller, und er wurde immer erregter, und binnen eines Sekundenbruchteils war ihm klar: Er musste es genau wissen. Deshalb würde er sie genau prüfen, ob sie wirklich all seinen Wünschen, Vorstellungen und Anforderungen entsprach.

 

Also musste sie zu ihm kommen, koste es, was es wolle, und wenn es noch so schwierig wäre, sie zu finden. Daher deutete er jetzt seinerseits eine ehrerbietige Verbeugung an und antwortete ihr: „Ich grüße Euch herzlich, verehrungswürdige Majestät und Königin Annia. Ich bin Imperator Palpatine, Darth Sidious, Dunkler Lord der Sith und Herrscher über Eure Nachbargalaxis. Ich freue mich und danke Euch sehr, dass Ihr Euch mir offenbart habt. Ihr seid so unermesslich stark in der Macht und auch sonst so vielseitig begabt, dass ich Euch gerne als meine Schülerin annehmen und ausbilden möchte. Deshalb bitte ich Euch, mir entgegen zu kommen und meinen Wunsch zu erfüllen. So bald wie möglich werde ich meinen bisherigen Schüler Lord Darth Vader zu Euch entsenden, der Euch zu mir bringen wird.“

 

Daraufhin lächelte sie ihn mit einem Blick voller Vertrauen, Sympathie und Zuversicht an, nickte kurz und antwortete erfreut und ehrfürchtig zugleich: „Ja, so sei es... Ich werde mich sofort auf die Reise zu Euch vorbereiten.“ Und dann verschwand sie in einem so hellen Lichtschein, dass Palpatine die Augen schließen musste, um nicht geblendet zu werden. Für eine Weile war er wie betäubt von dem, was er da mit allen seinen Sinnen wahrgenommen hatte. So intensive Gefühle hatte er niemals zuvor empfunden, und es war ihm selbst unerklärlich, wie es möglich war, dass er so starke Sehnsucht nach einer Frau haben konnte. So etwas hatte er noch nicht erlebt. Als Darth Sidious wieder zu sich kam, dachte er lange über diese Vision nach.

 

Sie hatte sich ihm unauslöschlich eingeprägt: Sobald er die Augen schloss, erschien ihm dieses wunderschöne Gesicht. Es war eine Botschaft der Macht, dessen war er sich ganz sicher. Auch hatte er die reale, lebendige Präsenz der Königin gespürt. Keine Sekunde zweifelte er daran, dass sie wirklich existierte, ebenso wie ihr Königreich Tarastsaia im Tamora-System. Nur – wo genau war es? Zwar hatte sie ihm schon ein paar erstaunlich präzise Hinweise gegeben, doch die Suche nach einem Sternsystem in einer völlig fremden Galaxie war ein sehr schwieriges Unternehmen. Aber es spielte keine Rolle, wie lange es dauern mochte, bis sie gefunden war. Denn für ihn stand unumstößlich fest: Es musste so schnell wie möglich eine Aufklärungsflotte entsandt werden, um das Königreich Tarastsaia ausfindig zu machen – und um diese geheimnisvolle, faszinierende Königin zu ihm zu bringen.

 

Daher setzte sich der Imperator gleich am nächsten Morgen mit Großadmiral Jayron Gillion, dem Befehlshaber der Grenzwachflotte, in Verbindung. Er befahl ihm, mithilfe der neuesten, streng geheimen imperialen Aufklärungs- und Suchtechnologien die Galaxien, die dem Imperium am nächsten waren, auszukundschaften – und ihn sofort zu benachrichtigen, wenn er dieses ominöse Königreich Tarastsaia im Tamora-System gefunden hatte. Denn auf diesem Planeten lebe ein Volk, das ungeheuer stark in der Macht sei, auch gebe es dort wertvollste Rohstoffe, Mineralien und Metalle im Überfluss, die das Imperium dringend benötige.

 

Dies hatte er während seiner Machtvision kurz wahrnehmen können, als Königin Annia ihm den Namen ihres Reiches sagte. Von ihr erwähnte der Imperator gegenüber Gillion indes wohlweislich nichts. Stattdessen betonte er, die Erkundung müsse völlig unbemerkt erfolgen. Daher durften dabei keine der sonst üblichen Probot-Sondendroiden eingesetzt werden, stattdessen ausschließlich die neu entwickelten, nicht wahrnehm- und ortbaren Mikro- und Nanosonden sowie Machtdetektoren, die ebenfalls erstaunliche, mikroskopisch kleine Wunderwerke der Nanotechnik waren.



2. Imperiale Expedition ins Tamora-System

 

Sofort nach dem Empfang des Prioritätssignals des Imperators brach der Großadmiral seine routinemäßige Inspektion des äußeren Rands und wilden Raums der imperialen Galaxis ab und begann mit seiner Suchexpedition. Diese kam ihm zwar merkwürdig vor, doch unterließ er es wohlweislich, sich nach dem genauen Grund dafür zu erkundigen. Denn schließlich hatte sie der Imperator ihm persönlich befohlen – und ein vorbildlicher Offizier wie Gillion stellte keine Fragen, sondern tat alles dafür, den Befehl auszuführen, so gut er es vermochte.

 

Normalerweise hätte eine so weite Reise trotz des Hochleistungs-Hyperantriebs aller Sternzerstörer mehrere Jahre gedauert, doch kam der Flotte ein Zufall zu Hilfe: Kurz nachdem sie den wilden Raum verlassen hatte, geriet sie in ein sogenanntes Wurmloch. Dabei handelte es sich um eine Raum-Zeit-Anomalie, die durch Verzerrungen des Gravitationsfeldes unbekannter Ursache hervorgerufen worden war. Dadurch wurde eine Passage zwischen zwei Galaxien, die Millionen von Lichtjahren voneinander entfernt waren, innerhalb von wenigen Tagen möglich.

 

Anschließend untersuchte die Flotte mit hochsensiblen Machtdetektoren die riesige Spiralgalaxie, die im Großen Astronomischen Atlas des Imperiums mit der Nummer 515 bezeichnet wurde und in der Nähe jenes Sektors lag, in dem sich einst das Reich der Sith befunden hatte. Und Gillion hatte großes Glück, denn schon nach wenigen Tagen erhielt er das Signal eines dieser Spezialgeräte aus einem der äußeren Spiralarme. Sogleich nahm die Flotte Kurs auf dieses Ziel, und das gesamte Arsenal von Aufklärungsgeräten verschiedenster Art wurde entsandt, um das Tamora-System und den Planeten Tarastsaia zu finden.

 

Und bereits ein paar Tage später konnte Jayron Gillion dem Imperator die erfreuliche Meldung machen, dass er das Gesuchte gefunden habe und nun dabei sei, so viele Informationen wie möglich darüber zu sammeln. Dazu hatte er das nagelneue Spezialforschungsschiff HIMS (His Imperial Majesty’s Ship) EG (Extra-Galactic) Explorer mit den besten elektronischen Datenanalyse- und Evaluationsgeräten ausrüsten lassen, die ein Team renommierter Wissenschaftler verschiedener Disziplinen sowie zahlreiche speziell in den entsprechenden Fachgebieten geschulte Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten bedienten.

 

Denn im Gegensatz zum üblichen Vorgehen des Imperiums bei der Entdeckung und Eroberung eines zuvor unbekannten Planeten hatte der Imperator Großadmiral Gillion und allen seinen Offizieren und Soldaten ausdrücklich befohlen, alles so genau wie möglich zu erforschen. Deshalb erfolgte zuerst ein Suchscan nach von Menschen bewohnbaren Planeten mit speziell ausgerüsteten Suchdroiden, wobei das Tamora-System entdeckt wurde, das gut versteckt und geschützt im zweiten Spiralarm von außen der Galaxis 515 lag.

 

Die imperialen Astronomen und Astrophysiker an Bord der EG Explorer erkannten anhand des riesigen Stroms von Daten und Informationen, der ununterbrochen von den verschiedenen Suchgeräten einlief, dass die unbekannte Galaxie 515 jünger war als die imperiale Galaxis. So befanden sich viele Sternsysteme noch mitten im Entstehungsprozess. Das Tamora-System hatte sich vor etwa vier Milliarden Jahren um eine große Sonne ungewöhnlicher Helligkeit gebildet.

 

Die verschiedenartigen Strahlen dieser Sonne waren dermaßen intensiv, dass einige Besatzungsmitglieder um ein Haar Augenschäden davongetragen hätten, wären die Beobachtungsfenster des Forschungsschiffs nicht dank der schnellen Reaktion eines Sicherheitsoffiziers gerade noch rechtzeitig manuell abgedunkelt worden. Das Tamora-System war von einem breiten Asteroidengürtel umgeben und umfasste zehn Planeten. Außen und von der Sonne am weitesten entfernt waren in blauen, roten, violetten und gelben Farbtönen schillernde Gasriesen. In der Mitte befanden sich mehrere außergewöhnlich große Welten mit dichten Atmosphären, und innen, der Sonne am nächsten, zwei glühend heiße, leblose Steinwüsten.

 

Um die mit wertvollster, hoch empfindlicher elektronischer Ausrüstung vollgepackte EG Explorer vor den unberechenbaren Gesteinsbrocken zu schützen, die in großer Zahl und ganz unterschiedlicher Größe durch den Weltraum torkelten, befahl Großadmiral Gillion seinem Flaggschiff, dem Forschungsschiff einen Weg durch den Asteroidengürtel zu bahnen. Dazu verdampfte der Sternzerstörer der Imperium II-Klasse HIMS Protector, der etwas größer als seine Schwesterschiffe und mit leistungsstärkeren Hyperantrieben und Turbolaserbatterien ausgerüstet war, mit präzisen Hochenergie-Laserschüssen die Asteroiden, um kosmische Meteoritenschauer und in deren Folge irgendwelche Schäden zu vermeiden.

 

Und dann bot sich Großadmiral Gillion, den Wissenschaftlern und Besatzungsmitgliedern ein atemberaubender Anblick: Da gab es nicht nur einen, sondern vier Planeten in blauen, grünen und beigen Farbtönen, die wie Juwelen auf einer Kette nebeneinander aufgereiht waren. Alle hatten einen oder zwei Monde, wiesen eine außergewöhnliche Vielzahl von Lebensformen auf und schienen auch für menschliches Leben geeignet zu sein. Aber welcher davon war Tarastsaia? Um dies herauszufinden, musste die Besatzung der EG Explorer jeden Planeten mit allen zur Verfügung stehenden technischen Mitteln genauestens unter die Lupe nehmen – aber so, dass die vermutete menschliche Bevölkerung es nicht wahrnahm.

 

Also blieb dem Expeditionsteam nichts anderes übrig, als einen Planeten nach dem anderen in einer hohen Umlaufbahn zur holografischen Kartografierung und zum Sammeln aller relevanten Daten zu umkreisen. Dabei begann es mit dem Planeten, der am weitesten von der Sonne entfernt war und der Taragaina hieß, wie sich später herausstellte. Die Auswertung der Daten, welche die Sonden aller Art übermittelten, war wegen der ungeheuren Menge von Informationen nicht gerade einfach, ging aber mit höchster Präzision weiter.

 

„Sauerstoffgehalt der Luft beträgt über 35 Prozent“, las der Chemiker ungläubig das Analyseergebnis auf seinem Monitor ab. „Die für Menschen atembare Luft enthält relativ hohe Anteile von verschiedenen Edelgasen, ist aber ungewöhnlich rein. Kohlendioxid und andere Abgase, die auf eine menschliche Besiedlung hindeuten könnten, sind nur in minimalen Mengen vorhanden.“

 

Nach und nach stellte sich heraus, dass die Oberfläche annähernd je zur Hälfte von Meer und Land bedeckt war und überall gemäßigtes Klima herrschte – eigentlich ideale Bedingungen für eine menschliche Besiedlung. Doch dafür gab es keinerlei Anzeichen. Ebenso war es beim nächsten Planeten, dem kleinsten in der Reihe (Taristhaeva): Dessen Oberfläche war hauptsächlich von Land, einem relativ kleinen Meer und etlichen Seen bedeckt, Klima und Landschaft reichten von gemäßigt bis tropisch.

 

Es folgte ein großer Wasserplanet, denn die Oberfläche schien von einem einzigen großen Ozean bedeckt zu sein. Doch nach einiger Zeit entdeckten die Mitglieder des Expeditionsteams immer mehr Inseln, und nachdem die EG Explorer eine Halbkugel umrundet hatte und in den Bereich eintrat, wo gerade Nacht war, kam dank der die Dunkelheit durchdringenden Sensoren schließlich ein großer Kontinent zum Vorschein, der etwa die Form eines Halbmondes mit der Wölbung nach Norden und zwei Ausläufer nach Süden hatte, wobei der östliche größer war. War diese Welt von Menschen bewohnt? Die ersten Datenanalysen gaben darauf wieder keine Hinweise.

 

„Hier sind keinerlei Orbitalinstallationen oder planetare Verteidigungssysteme, ja nicht einmal Satelliten oder sonstige technologischen Geräte im Orbit. Momentan herrscht auf dem Kontinent Nacht, doch ist aus unserer Position nirgendwo der kleinste Lichtschein zu erkennen. Auch gibt es keine messbaren Hinweise auf Elektrizität, Funk- oder Radarwellen oder sonstige elektromagnetische Emissionen. Es deutet also so gut wie nichts auf eine menschliche Besiedlung hin. Ist dieser Planet unter uns auch wirklich der, nach dem wir suchen?“ fragte daraufhin der Kommandant der EG Explorer, Captain Ron Harson, skeptisch.

 

Doch Großadmiral Gillion lächelte und antwortete ihm ruhig: „Ja, Captain, unter uns ist Tarastsaia, dessen bin ich mir sicher. Noch nirgendwo sonst haben die Machtdetektoren so verrückt gespielt.“ Tarastsaia. Ein sehr seltsamer Name, dachte Jayron Gillion. Er erinnerte ihn vage an eine uralte, fremdartige Sprache, die einst eine längst ausgestorbene Spezies gesprochen hatte... Doch jetzt blieb ihm keine Zeit, darüber nachzudenken, denn er musste sofort alle wichtigen Erkenntnisse festhalten. Denn zur Erleichterung des Teams fanden die Sonden bereits kurze Zeit später immer mehr eindeutige Beweise für eine menschliche Besiedlung.

 

Vorher aber stellten die Wissenschaftler fest, dass auf diesem Planeten, der ungefähr doppelt so groß wie eine imperiale Kernwelt war, eine hohe Schwerkraft sowie ziemlich schwierige Lebensbedingungen, geografische und geologische Verhältnisse herrschten, weshalb nur etwa ein Fünftel der Landfläche landwirtschaftlich oder auf andere Weise nutzbar war. Denn die Landschaft veränderte sich aufgrund des ungewöhnlich starken Vulkanismus ständig. Allerdings war die genaue Zahl der Vulkane unbekannt, da sich ein Großteil von ihnen unter dem Meeresspiegel befand. Dazu existierte eine Vielzahl an postvulkanischen Erscheinungen wie Geysire, heiße Quellen und Schlammvulkane, wie die Aufnahmen der Sonden bewiesen. Zudem gab es täglich Erd- oder Seebeben unterschiedlicher Stärke, wovon ebenfalls Aufzeichnungen vorlagen.

 

Die hohe vulkanische und tektonische Aktivität war aber auch die Ursache für den unermesslichen Reichtum Tarastsaias an Bodenschätzen aller Art: Anhand der Messungen des Mineral- und Metallvorkommens ließen sich über 100 wertvolle und strategisch bedeutende, in der imperialen Galaxis zum Teil gar nicht oder nur sehr selten auftretende Elemente und Rohstoffe nachweisen. Eine weitere Folge der anormalen Umweltbedingungen war eine außergewöhnliche Vielfalt an Lebensformen, die auch noch ständig weiter wachse, da so immer wieder neue Mutationen auftreten, erklärte der das Team begleitende Biologe.

 

Wüste, Savanne, Urwald und Gebirge waren die prägenden Landschaftsformen Tarastsaias, wie alle anhand der Aufzeichnungen der Sonden und auch von den Beobachtungsfenstern der GE Explorer aus dank der wenigen Wolken mit Makroferngläsern gut erkennen konnten. Die Natur des Planeten war ungewöhnlich abwechslungsreich und wies eine erstaunlich hohe Zahl verschiedenster Tier- und Pflanzenarten auf, wie der Biologe feststellte.

 

Darunter waren einige bekannte, auch auf anderen Planeten vorkommende wilde und domestizierte Tierarten, aber auch Nutztiere, welche die imperialen Soldaten und Wissenschaftler zum ersten Mal sahen. Als ihnen ein Mikro-Kameradroid Bilder von einer großen Anlage prächtiger Bauwerke übermittelte, entdeckten sie schlanke, elegante vierbeinige Tiere in Weiß, verschiedenen Brauntönen und Schwarz, die sich mit hoher Geschwindigkeit in merkwürdig springender Weise über eine große Grünfläche fort bewegten.

 

Der Biologe, der auch hervorragende Kenntnisse über ur- und frühzeitliche Lebewesen besaß, erkannte nach wenigen Sekunden, dass es sich um ein wichtiges Nutztier in der Frühzeit der Menschheitsgeschichte handelte, doch fiel ihm nur der wissenschaftliche Name ein: „Equus...“

 

Der Historiker aber rief begeistert: „Das sind ja Pferde! Ich habe noch kein einziges lebend gesehen, nur uralte Bilder davon...“ Diese Pferde galoppierten gerade über ihre Koppel auf dem Gelände des königlichen Gestüts in der Nähe des Königsschlosses Cendareilia, wie die Imperialen später erfuhren.

 

Zur größten Verwunderung des Biologen existierte auf Tarastsaia aber auch eine Vielzahl von urzeitlichen, sonst meist schon seit langer Zeit ausgestorbenen Lebewesen, wie Dinosaurier, Flug- und Meeresreptilien, sowie urtümliche Säugetierformen. Hinzu kamen die fremdartigen endemischen Tier- und Pflanzenarten, die nur hier vorkamen, wie eine Blume, die wie eine Kette auseinander hervorwachsender Lilien aussah: Die tarastsaiische Nationalpflanze Ligathai (Ligathaium tarastsaiensis), von der es über 500 verschiedene Arten gab.

 

Zudem lebten auf Tarastsaia merkwürdige Mischwesen zwischen Flugreptilien und Vögeln (Chyusaphis), weiter grazile Huftiere mit seltsam geformten Hörnern (Cerajas) und andere eigenartige Tiere. Das Klima war, wie der Meteorologe beim Eintreten in den Orbit festgestellt hatte, überwiegend trocken, subtropisch warm bis tropisch heiß, die globale Durchschnittstemperatur betrug konstant 25 Grad. Die beiden Pole lagen mitten im Ozean und waren dauernd eisfrei. Nur im Hochgebirge, das sich die gesamte Westküste bis zur Südspitze hinabzog, gab es Schneefall, damit auch schneebedeckte Berggipfel und Gletscher. In manchen Regionen war seit über 100 Jahren kein Regen gefallen, in anderen Gebieten regnete es dagegen jeden Tag ein oder zwei Mal.

 

Außergewöhnlich war auch, dass die Planeten des Tamora-Systems die Sonne in entgegengesetzter Richtung umkreisten als anderswo. Daher ging die Sonne im Westen Tarastsaias über dem Ozean auf und hinter dem Coryvanis-Gebirge im Osten unter, das den Corathaja-Nationalpark einrahmte. Anhand der Zeitmessung fand das Expeditionsteam rasch heraus, dass auf Tarastsaia jeder Tag etwa doppelt so lang war wie ein imperialer Standardtag. Folglich dauerten auch die Nächte, Monate und Jahre zwei Mal so lange wie nach imperialer Standardzeitrechnung.

 

Schließlich untersuchte das Expeditionsteam noch die vom Imperium aus gesehen am nächsten gelegene bewohnbare Welt des Tamora-Systems, die strategisch am besten für die Einrichtung eines Stützpunktes geeignet war und die Tarashima genannt wurde. Der Planet wies keinen Ozean auf, aber zahlreiche Binnenseen unterschiedlicher Größe und eine reich gegliederte Oberfläche aus Gebirgen, weiten Ebenen und Hügeln mit verschiedenartigen Landschaftsformen von Urwäldern bis zu Trockensteppen und Halbwüsten. Ein Problem für die imperialen Soldaten war jedoch das Klima: Überall herrschten wegen der relativ großen Nähe des Planeten zur Sonne sehr hohe Temperaturen.




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