Großes Mädchen

Teil 1 von 12


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.






And tears are falling from my eyes
Why did it have to happen
Why did it all have to end
I'm a big big girl
In a big big world.”
     
- Emilia, “Big, big girl”


Eins


„Hey, Mel, wie isses mit einer Runde Sabacc?“, höre ich Xanas hinter mir sagen, aber ich lese weiter mein Datapad. Ohne aufzusehen bemerke ich, dass er sich am Fuß meiner Liege hinsetzt. Statt seine Anwesenheit anzuerkennen, konzentriere ich mich weiter aufs Lesen. „Och, komm schon. Redest du immer noch nicht wieder mit mir?“ Ja, wonach sieht’s denn aus, Mister? „Mel... komm schon!“

Er stupst jetzt meinen Fuß an. Und wird immer schwieriger zu ignorieren. „Jeeennaaa!“ Er stupst wieder meinen Fuß an. An diesem Punkt habe ich das Lesen aufgegeben und tue jetzt nur noch so, damit er aufhört, mich zu nerven. Es funktioniert eher schlecht. Jetzt lehnt er mit dem Kinn auf meinem oberen Fuß und sieht mich an wie ein getretener Welpe. „Wie lange willst du mich noch ignorieren?“ Er klimpert ein bisschen mit den Wimpern, und wartet auf meine Antwort. Na ja, er wird keine bekommen, soviel ist sicher.

„Okay. Du willst nicht reden? Schön, dann zwinge ich dich eben dazu.“ Was zum...? Er hat gerade angefangen, meine Schnürsenkel aufzumachen. Okay, das reicht. Ich ziehe meine Füße weg. Was ihn nicht davon abhält, weiter meine Schnürsenkel aufzumachen.

„Hörst du vielleicht einfach damit auf? Du benimmst dich wie ein verdammter Dreijähriger!“ Ups. Für einen Moment sagt keiner von uns ein Wort. Dann erhellt plötzlich ein strahlendes Grinsen Xanas’ Gesicht, und er zeigt auf mich.

„Sie spricht! Bei der Macht, sie hat mich gehört! Die Sonne ist wieder aufgegangen!“ Was für ein Idiot. Ich sage ihm, dass er sich wie ein Dreijähriger benimmt, und er macht sich einfach weiter zum Narren. Und mich gleich mit dazu.

Genervt werfe ich das Datapad zur Seite und fange damit an, mir meine Stiefel wieder zuzubinden. „Hör auf mit dem Scheiß, okay? Du hast uns beide genug der Lächerlichkeit preisgegeben.“ Er hebt eine Augenbraue.

„Der Lächerlichkeit preisgegeben? Worüber redest du da, sag an?“ Er verschränkt seine Arme und versucht, würdig auszusehen, was unglaublich komisch ist. Melara, jetzt nicht lachen, wenn du willst, dass er dich ernstnimmt. Gute Güte, wem mache ich hier etwas vor? Als wenn er das je getan hätte.

„Du weißt ganz genau, wovon ich hier rede. Jetzt geh weg.“ Ich versuche, ein angemessen verärgertes Gesicht zu machen, und ich glaube, ich mache das ganz gut. Heißt aber nicht, dass er auch das tut, was ich von ihm will.

„Ach komm schon, Mel, es sind zwei Wochen seit dem... Zwischenfall vergangen. Du hast zwei Tage, nachdem er aus dem Bau wieder raus war wieder mit Magic gesprochen, und du hast nie aufgehört, mit Kreth zu sprechen. Der Einzige, der betteln kommen musste, bin ich. Warum?“ Er hat das nicht grade gefragt, oder? Wenn er das nämlich doch getan hat, dann müsste ich leider annehmen, dass er wirklich keine Ahnung von Frauen hat.

„Du kapierst es wirklich nicht, oder?“

„Kapieren? Was denn?“ Oh Götter. Darf ich ihn erschießen? Erwürgen? Irgendwas? Bitte?

„Hallo? Du hast bei einer wirklich bescheuerten Kneipenschlägerei mitgemacht, hast dich K.O. schlagen lassen, bist im Bau gelandet und bist auch noch mächtig stolz darauf? Was würde deine Mutter sagen?“ Okay, das war ein Tiefschlag, aber er hat’s verdient. Er hat was wirklich Bescheuertes gemacht, und am Ende hat niemand was gewonnen. Er ist in den Bau gewandert und wird vermutlich die nächsten 100 Jahre nicht befördert. Und ich wurde mehr als je zuvor gedemütigt von allen, die da waren oder von jemand anders was von der Prügelei gehört haben. Ich dachte wirklich, er hätte das vielleicht endlich bemerkt.

„Also... Magic und Kreth haben auch mitgemacht, weißt du? Und sie sind auch stolz drauf.“ Armer Xanas. Manchmal frage ich mich, wie jemand, der so klug und wohlerzogen ist, sich so blöd stellen kann.

„Da ist’n Unterschied. Die sind Recons. Du bist Infanterie.“

Er hebt wieder eine Augenbraue. „Und?“

„Und was? Und nichts. Das erklärt alles.“ Götter, ich hoffe nur, er hackt da jetzt nicht weiter drauf rum, weil mir so nach und nach die Argumente ausgehen.

„Private Jenna Melara, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, du hast ein ziemlich großes Doppelmoral-Problem.“ Ein sardonisches Grinsen zuckt in seinen Mundwinkeln, grad noch so zurückgehalten. Wie immer macht ihn das nahezu unwiderstehlich. Muss hart bleiben. Darf ihn nicht ansehen.

„Na und? Verklag mich doch.“ Oh, was war’n Guter. Kurz angebunden und lässig.

„Verklag mich doch? Ich geb dir gleich „verklag mich doch“.“ Damit wirft er sich auf einmal nach vorne und beginnt mich zu kitzeln, was mich zum Quietschen und Zappeln bringt. Unfähig, durch meine kurzen Lachanfälle irgendwas Kohärentes von mir zu geben, versuche ich, mich aus seinem Griff zu winden und falle versehentlich von meiner Liege. Einen kurzen Moment bin ich frei, aber bevor ich verschwinden kann, hat er sich schon auf mich gesetzt und hat meine Arme links und recht neben meinem Kopf quasi festgenagelt. Auf seinem Gesicht ist ein Grinsen, dass man eigentlich nur mit wahnsinnig beschreiben kann. Es lässt ihn nur noch besser aussehen.

Er beugt sich herunter zu mir, immer noch grinsend und schwer atmend.

„Gibt’s du auf?“ Auch keuchend strecke ich ihm nur meine Zunge entgegen.

„Niemals.“ Unsere Atmung hat sich wieder beruhigt, und ich bemerke, dass seine Augen eine sehr verblüffende Grünschattierung annehmen, wenn er aufgeregt ist. Das Grinsen ist verschwunden, und etwas ganz anderes beginnt in seinem Gesicht sichtbar zu werden. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, es ist...

„AAACHTUNG!“ Monate des Drills und der Kriegsführung haben uns ein paar Sachen eingebläut. Zum Beispiel, alles stehen und liegen zu lassen und sofort auf die Füße zu springen, wenn jemand „Aaachtung!“ in den Raum brüllt. So wie jetzt.

Xanas und ich rappeln uns auf und stehen stramm. Als ich sehe, dass es Tarkker ist, der den Befehl gebrüllt hat, habe ich Schwierigkeiten, ruhig zu bleiben. Das fiese Grinsen auf seinem Gesicht sagt mir, dass er uns für was wirklich, wirklich Unwichtiges angebrüllt hat.

„Postausgabe. Ich rufe die Namen auf, ihr bekommt eure Post. Kein Gedrängel, kein Rumgebrülle, keine Schlangen. Habt ihr mich verstanden?“ Götter, wer hat diesen Kerl nur zum Corporal und Sarges Ersatz gemacht?

„Ja, Sir!“ ruft jeder zurück, aber ich kann ein paar Leute sehen, die es durch zusammengebissene Zähne tun. Gut zu wissen, dass ich nicht die einzige bin, die den Umstand hasst, dass Tarkker im Moment der Zugführer ist, seit der LT tot ist und Sarge für unbestimmte Zeit auf dem Lazarettschiff sein wird. Ist es denn wirklich so schwer, irgendeinen Lieutenant zu finden, der Lt. Drendel ersetzen könnte?

Tarkker bellt Namen heraus, und dann höre ich auf einmal wie er „Melara!“ brüllt. Einen Moment bin ich etwas gelähmt. Ich hab monatelang keine Briefe bekommen, und ich dachte, ich würde nie welche bekommen. Ein weiteres „Melara!“ – dieses Mal etwas schärfer als vorher – reißt mich aus meiner Lähmung und ich gehe auf den Zelteingang zu.

Als Tarkker mir den Umschlag gibt, breitet sich auf seinem Gesicht ein gehässiges Grinsen aus. „Viel Spaß beim Lesen, Queeny.“ Ich glaube, ich habe noch niemanden richtig gehasst. Bis jetzt. Zum Einen benutzt er immer noch den blöden Spitznamen, den sie mir in dem abgestürzten Kanonenboot verpasst haben. Und zum Anderen sagt mir der Ausdruck auf seinem Gesicht, dass er wahrscheinlich den Brief geöffnet und gelesen hat – und jetzt weiß, dass was ziemlich Unangenehmes drinsteht.

Es scheint, als wenn er sich ordentlich Zeit lassen würde mit der Postausgabe, zumindest mir. Endlich ist er fertig und weg, natürlich nicht, ohne mir eines dieser schmierigen Grinsen zuzuwerfen, die er nur für mich zu reservieren scheint. Offensichtlich bin ich nicht die Einzige, die das bemerkt hat, denn in dem Moment, in dem Tarkker aus dem Zelt verschwindet, dreht sich Xanas zu mir und sagt: „Was war das denn? Was hat er zu dir gesagt?“ Ich zucke nur mit den Schultern und schaue mir endlich den Umschlag an.

Die Handschrift kommt mir nicht bekannt vor, also muss ich mir den Absender anschauen. Und mein Herz setzt fast aus. Es ist die Adresse unseres Ferienhauses auf Borleias, ein Waldmond nahe Coruscant. Als ich gegangen bin, haben wir uns darauf geeinigt, uns nicht gegenseitig zu kontaktieren, um keine Aufmerksamkeit auf meine Familie zu ziehen. Nur in absoluten Notfällen sollten Ausnahmen gemacht werden. In diesem Fall sollten wir diese Adresse benutzen, weil keiner weiß, dass das Haus uns gehört. Was immer auch passiert ist, es muss etwas Schreckliches gewesen sein.

Ich vergesse alles um mich herum und öffne den Brief mit zitternden Händen. Das Papier in meiner Hand fühlt sich merkwürdig an. Es ist Jahre her, dass ich auf richtigem Papier und nicht Flimsiplast oder Datapads geschrieben habe. Beim Auffalten des Blatt Papiers fühle ich schon, wie sich meine Kehle zusammenzieht und Furcht breitet sich in meinem Magen aus. Endlich lese ich den Text:

Dad ist gestern gestorben. Komm nach hause, Jen. Wir brauchen dich.



Und das ist es. Das ist alles. Und doch ist das alles, was es braucht, damit die Welt um mich herum einstürzt. Die Schrift vor meinen Augen verschwimmt, und das plötzliche dringende Verlangen, aus diesem Zelt voller Leute verschwinden zu müssen, übermannt mich. Ohne etwas zu sagen, stürme ich an einem verwunderten Xanas vorbei, ohne genaue Richtung im Kopf. Ich muss nur raus hier... irgendwo anders hin als hier.

~*~


Ich weiß nicht, wie lange ich hier gesessen habe, und es interessiert mich auch nicht. Mein Kopf ist frei von irgendwelchen Gedanken an den Krieg, und ich fühle eine Benommenheit und Taubheit, die fast tröstlich ist. Nicht einmal die höllische Hitze auf Tatooine oder das gleißende Sonnenlicht machen mir etwas aus. Ich fühle keinen Schmerz oder Hitze oder irgendetwas. Was mir ehrlich gesagt eine Höllenangst macht. Sollte ich mir nicht die Augen ausheulen oder so was? Vor Schmerzen schreien wäre auch angebracht, richtig? Aber aus irgendeinem Grund fühle ich nur diese losgelöste Taubheit.

„Jenna?“ Ah, und das ist dann wohl Danna Kreth. Sie ist meine beste Freundin hier, aber im Moment wünschte ich mir, sie würde wieder gehen. Ich möchte von niemandem Mitleid oder Beileid bekommen, nicht einmal von Danna. Zumindest nicht jetzt. „Hey, ähm, kann ich mich zu dir setzen?“ Ich sage nichts und hoffe, dass sie den Hinweis versteht. Natürlich tut sie es nicht. „Ich nehm das mal als ein Ja.“, sagt sie und setzt sich neben mich,

Eine Weile lang sagt keine von uns ein Wort, und ich bin dankbar dafür. Das Letzte, was ich jetzt will ist, „darüber zu reden“.

„Jenna... was auch immer es ist: Es tut mir leid.“ Und das war genau das Falsche, was sie sagen konnte. Aber ich hab sie schon mal verärgert, in dem ich mich zurückgezogen habe... sie zurückgestoßen habe. Also zwinge ich mich, ihr zu antworten.

„Muss es aber nicht.“ Ich sehe sie nicht an, sondern die endlose Wüste und die beeindruckende Ansicht des ersten Sonnenuntergangs des Tages vor mir. Sie nimmt sich für ihre Antwort Zeit, scheint offenbar etwas in mir zu fühlen. Das ist etwas, was mir ziemlich schnell aufgefallen ist, als wir uns das erste Mal trafen: Ihre Fähigkeit, manchmal Sachen einfach zu... wissen, ohne direkt nach ihnen fragen zu müssen. Das kann manchmal wirklich beängstigend sein.

„Weißt du... du hast Farrayn da hinten Zelt einen ziemlichen Schrecken eingejagt.“ Hä? Was hat Xanas denn mit alldem zu tun? „Wirklich, ich hab noch einen Kerl gesehen, der sich solche Sorgen gemacht hat. Na schön, von Magic abgesehen vielleicht, als ich auf eigene Faust entschieden habe, mich dem Rettungsteam anzuschließen, als euer Kanonenboot abgestürzt ist. Aber Korwin ist ein Typ, der sich gerne öfter mal Sorgen macht. Farrayn aber nicht, soweit ich das weiß, also muss wirklich was los sein. Willst du mir sagen, wie schlimm es wirklich ist?“ Sehr clever. Xanas dafür zu benutzen, mich zum Reden zu bringen. Nicht, dass es ihr viel nützen wird, aber ich muss ihr doch Anerkennung zollen für diese Strategie.

Wir schweigen wieder. Eindrucksvoll. Ich wusste, dass Danna geduldig ist, aber ich hätte nie gedacht, dass sie auch so geduldig sein kann, wenn sie nicht im Feld ist. „Komm schon, Jenna. Sag mir wenigstens, was dieses „Jen, wir brauchen dich.“ zu bedeuten hat. Und was du jetzt zu tun gedenkst.“ Okay, vielleicht ist sie doch nicht so geduldig, wie ich dachte. Und ich schätze, ich schulde ihr irgendeine Antwort. Außerdem lässt sich mich vielleicht in Ruhe, wenn sie bekommt, was sie will.

„Sie brauchen mich für Vaters Beerdigung. Auf Chandrila ist es immer die älteste Tochter, die die ch’tartha-Rituale ausführen muss, damit das gestorbene Familienmitglied seinen Frieden finden kann. Ich hab das schon für meine Mutter gemacht, obwohl wir nie eine Leiche gefunden haben.“ Ich habe ein bisschen Angst vor meiner eigenen Stimme, die so ausgeglichen und losgelöst klingt. Als wäre ich Kommentatorin eines Dokumentarholos.

„Ich... verstehe. Und willst du es tun?“ Okay. Zeit für einen Crashkurs in chandrilanischen Beerdigungstraditionen für Danna.

„Es ist keine Frage des Wollens; ich muss es tun. Es ist meine Pflicht, und es gibt nichts, das mich davon entlassen könnte. Wenn es das gäbe, dann hätten sie mich nicht kontaktiert. Ich muss gehen. Möglichst in den nächsten zwei Tagen.“ Und wie ich mir wünschte, ich müsste nicht. Das Begräbnis meiner Mutter war schon hart genug für mich, aber da hatte ich wenigstens nicht ihren toten Körper die ganze Zeit vor Augen. Und mein Vater hatte die ganze Organisation übernommen. Jetzt muss ich beides machen: Das Ritual und die Organisation.

„Jenna... du weißt, dass das eine Falle sein könnte, oder?“ Natürlich weiß ich das. Ich hab schon darüber nachgedacht. Ich bin nicht blöd.

„Ja. Meine Familie hat einen gewissen Ruf, wegen des Dienstes meiner Mutter für die Alte Republik und die Allianz, aber mein Vater hat es geschafft, sich mit... na ja... bestimmten Luxusartikeln bei den Imps unentbehrlich zu machen. Jedenfalls... selbst wenn es eine Falle ist, muss ich einfach hin. Entweder ist mein Vater wirklich tot oder irgendjemand will uns nach Hause locken. Egal, was es ist, meine Familie braucht mich.“

„Aber du solltest wirklich nicht alleine gehen.“ Ich schrecke ein wenig auf. Muss er mich wirklich so erschrecken? Und warum hat er uns überhaupt belauscht?

„Das geht dich nichts an, Private.“ Und das tut es wirklich nicht. Wer denkt er, dass er ist? Und warum sagt Danna nichts?

„Jenna... er hat nicht Unrecht, weißt du?“ Hey! Das hab ich nicht gemeint mit „Sag was, Danna.“!

„Natürlich hab ich das. Und es geht mich was an, wenn es um dich geht, Mel.“ Was zur Hölle passiert hier gerade? Warum haben die sich gegen mich verschworen?

„Sieh mal, Jenna, ich würde mitkommen, aber ich kann nicht. Wir Recons haben im Moment viel zu tun, und es sieht nicht so aus, als wenn der Patrouillenplan demnächst weniger dicht wird. Also... haben wir uns gedacht... dass vielleicht.... Xanas dich begleiten könnte.“ Was zum... „wir haben uns gedacht“? Wer zur Hölle ist „wir“? Welches Recht nehmen sie sich heraus, zu entscheiden, ob und wer mich begeleitet? Das ist einfach zuviel.

Ohne etwas zu sagen, springe ich auf und fange an, blindlings wegzurennen, wieder die Einsamkeit suchend. Ich brauche nur irgendeinen stillen Platz, wo mich niemand über den Brief ausfragen wird, oder über Chandrila, über meinen Vater; einfach, wo niemand mich dazu zwingen will, mit jemand anderem meinen Schmerz zu teilen.

Ich stolpere durch das Camp, ohne darüber nachzudenken, wo ich eigentlich hinwill. Um mich herum dämmert es und wie in jeder Wüste ist es im Handumdrehen komplett dunkel, sobald die Sonnen untergegangen sind. In meiner blinden Wut stoße ich auf einmal auf etwas Festes. Auf den zweiten Blick entpuppt es sich als die Rückseite des Kantinenzelts. Na ja, gut genug, um eine kleine Pause zu machen. Ich lasse mich langsam in den Sand sinken, mit dem Rücken an dem Stoff der Rückwand lehnend, und schalte den Rest des Camps aus, als wortlose Schluchzer beginnen, meinen Körper zu schütteln.


Ende von Teil 1

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