Die Kunst des Krieges

Teil 1 von ? (WIP)

Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.






 

Wenn du den Feind und dich selbst kennst,
brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten.

Wenn du dich selbst kennst, doch nicht den Feind,
wirst du für jeden Sieg, den du erringst eine Niederlage erleiden.

Wenn du weder den Feind noch dich selbst kennst,
wirst du in jeder Schlacht unterliegen.

(Sun Tzu, Die Kunst des Krieges)

 

Prolog I

 

Weiß.

 

So erschien sie anfangs immer.

 

Makelloses, strahlendes Weiß.

 

Die unverletzte Aura eines Menschen, ehe er mit der Kraft seines Geistes über den Rahmen seiner materiellen Existenz hinaus nach ihr griff und damit begann, langsam die Lebenskraft aus einem Körper zu pressen.

 

Das in seinen Helm eingebaute audiovisuelle System lieferte, zusammen mit den Gehörimplantaten in seinen Innenohren, eine perfekte Umsetzung der Schallwellen seiner realen Umgebung. In Vaders geistiger Wahrnehmung wurde aber das erstickte Röcheln und Gurgeln, Ausdruck des qualvoll langsamen Sterbens zu seinen Füssen, vollkommen überlagert von dem schrillen, mentalen Schrei des Mannes.

 

Ein Schrei, den nur er vernehmen konnte, denn von allen Seelen die sich mit ihm auf diesem Schiff befanden, hatte allein er Zugang zur Macht und seinen Opfern gelang es üblicherweise nicht, ihrer Todesqual in der realen Welt hörbaren Ausdruck zu verleihen. Nicht, wenn er es nicht ausdrücklich erlaubte.

 

Das Individuum, das sich zu seinen Füßen wand, war keine Ausnahme.

 

Er öffnete seine eiserne Umklammerung ein wenig, nur ganz wenig, um die pulsierende Kälte der dunklen Seite der Macht noch ein wenig länger zu genießen, ehe er die Lebenskraft seines Opfers gnädig auf eine Ebene herabgleiten ließ, von der es keine Rückkehr mehr auf diese Daseinsebene geben würde.

 

Aus purer Langeweile hielt er die Lebenskraft des Sterbenden noch einige Sekunden lang aufrecht, ehe er die letzten Funken dieses jämmerlichen Daseins wie absterbende Asche in der Luft verglimmen ließ.

 

Nicht länger abgelenkt von Vorgängen, die sich allein in seiner mentalen Welt abspielten, richtete der dunkle Lord seine Aufmerksamkeit wieder nach außen, in die reale Welt die ihn umgab.

 

Eine reale Welt, die ihn mit perfekter Stille willkommen hieß. Einer Stille, die in krassem Gegensatz zur regen Betriebsamkeit stand, die üblicherweise auf der Brücke seines Schiffes herrschte und die darüber hinwegtäuschte, wie viele Menschen sich wirklich gerade um ihn herum befanden.

Menschen, die das Schauspiel einer Hinrichtung in den Arenen des Imperators aus sicherer Distanz wahrscheinlich mit Amüsement und ausgelassener Erheiterung zur Kenntnis genommen hätten. Die unmittelbare körperliche Nähe zu einem übermächtigen Henker, war allerdings etwas völlig anderes.

 

Im Moment schienen alle den Atem anzuhalten, um nur ja keine Aufmerksamkeit in ihre Richtung zu lenken. Es gab auch keinen einzigen Menschen um ihn herum, der es gewagt hätte ihn anzublicken.

Vader nahm die Reaktion seiner Mannschaft auf das Schauspiel, das er ihnen gerade geboten hatte, mit einem seltenen Anflug an Erheiterung zur Kenntnis. Die ganze Angelegenheit würde den unter der Hand verbreiteten Gerüchten über sein persönliches Gefahrenpotential neue Nahrung geben.

 

Eine derartig extreme Disziplinierungsmaßnahme erfüllte aber immer auch einen gewissen Zweck. Die ohnehin zufriedenstellende Effizienz seiner Mannschaft würde sich in den nächsten Wochen maßgeblich steigern. Die Zahl der Versetzungsgesuche allerdings auch.

 

Nun, diese Verluste waren zu verschmerzen, denn  es gab genug Chargen die darauf brannten, unter ihm dienen und an seiner dunklen Glorie teilhaben zu dürfen.

 

Er drehte den Kopf ein wenig und betrachtete das gesenkte Gesicht des Offiziers, der unmittelbar neben ihm stand. Ein Netz feinster Blutspritzer überzog das Gesicht und die Uniform des Mannes. Das kaum wahrnehmbare Zittern verdeutlichte, dass der Mann alle Kraft aufbieten musste, um neben ihm stehen zu bleiben und seinen Fluchtreflex unter Kontrolle zu halten.

 

Ein Blick auf die vor ihm liegenden Überreste seines Opfers sagte Vader auch warum.

 

Obwohl er die Macht sehr genau dosieren konnte, entglitt ihm bisweilen ein wenig die Kontrolle, wenn er es sich erlaubte in ihrer dunklen, machtvollen Präsenz zu schwelgen. Dann konnte sogar ihn die Effizienz überraschen, mit der die dunkle Seite einen Körper vernichten konnte, der ihren ungezügelten Launen auch nur für wenige Augenblicke ausgesetzt worden war.

 

Nun, der Putztrupp würde jedenfalls geraume Zeit beschäftigt sein.

 

Vaders schwere Schritte hallten durch den Raum, als er ohne besondere Eile die Brücke und die auf ihr herrschende, entsetzte Spannung, hinter sich ließ.

 

 

 

Prolog II

 

„Sie sind einer der Besten Abgänge ihres Jahrgangs, und ehrgeizig, wie mir ihre Ausbilder versichert haben.“

 

Der vorgesetzte Offizier lehnte sich ein wenig nach vorne und schloss damit die Distanz etwas, die der massive Schreibtisch zwischen ihm und seinem Gegenüber aufbaute. Seinen abschätzenden Blick hatte er auf die Person gerichtet, die da mit jugendlicher Unbekümmertheit vor ihm saß, randvoll mit all den trügerischen Ambitionen und Illusionen, die nur ein ausgezeichneter Abschluss bei einem Neuling erwecken konnte.

 

„Der Imperator hätte eine besondere Verwendung für sie, wenn sie bereit wären auch einen etwas unkonventionellen Aufstieg innerhalb des imperialen Heeres in Betracht zu ziehen.“

 

Nicht umsonst war der Offizier seit langer Zeit mit Fragen personeller Natur betraut. Seine scharfe Beobachtungsgabe und seine im Lauf der Jahre erworbene, nicht unbeträchtliche Menschenkenntnis hatten ihn in diese einflussreiche Position aufsteigen lassen. Eine Position die er sehr gewissenhaft ausfüllte und die ihm von Zeit zu Zeit sogar die Aufmerksamkeit allerhöchster Kreise einbrachte, wenn es darum ging, einen Posten mit besonderem Anforderungsprofil zu besetzen.

 

Er konnte die Gedankengänge des frischgebackenen Ensign (=Fähnrich) beinahe lesen, so deutlich erkannte der geschulte Beobachter in ihm jede noch so unbewusste Reaktion auf sein Angebot.

 

Der potentielle Kandidat war zweifellos überrascht über die Tatsache, dass ein vorgesetzter Offizier es für nötig erachtet hatte, persönlich Erkundigungen einzuholen. Eine unübliche Vorgehensweise, die allerdings keine unangebrachte Selbstüberschätzung in dem Ensign zur Folge hatte, lediglich deutlich sichtbaren Argwohn.

 

Ausgezeichnet.

 

Die wache Intelligenz seines Gegenübers und das so offensichtliche Fehlen von Arroganz erfreuten den Offizier insgeheim und hielten sein Interesse aufrecht. Eine andere Reaktion hätte unvermeidlich einige höfliche Plattitüden und ein schnelles Ende des Gesprächs nach sich gezogen. So aber tauchte immerhin die Möglichkeit auf, vielleicht hier die richtige Person für den zu besetzenden Posten gefunden zu haben.

 

„Ich bin ausgebildet worden um zu dienen, Lieutenant Colonel. Was immer mir für eine Aufgabe zugedacht worden ist, ich werde meine Pflicht erfüllen.“

 

Die leidenschaftslose Art in welcher der Ensign ihm diese stupide Formel präsentierte, hätte ihm an anderer Stelle durchaus einen Verweis einbringen können. In Anbetracht der gegebenen Umstände bestätigte sich dadurch aber lediglich die erste Einschätzung des Offiziers, einen ruhigen und vorsichtig agierenden Charakter vor sich zu haben.

 

Eine wichtige Entscheidung kam auf den Ensign zu und ganz offensichtlich wollte er sich nicht durch eine vorschnelle emotionale Reaktion in seiner Entscheidungsfreiheit selbst beschränken.

 

Durchaus nachvollziehbar, stellte der Offizier für sich fest. Fern davon, den Ensign ob seines indifferenten Tonfalls zu rügen, antwortete er deshalb mit der Andeutung echter Erheiterung in seiner Stimme,

 

„Seien sie nicht zu voreilig. Die Erfüllung ihrer Pflicht könnte sie in diesem Fall mehr kosten als sie zu geben bereit sind.“

 

Mit diesen Worten nahm er den vor sich liegenden Aktenordner, reichte ihn seinem Gegenüber und gab ihm genügend Zeit, um das Anforderungsprofil genau zu studieren. Um sich nicht dem Verdacht auszusetzen, den Kandidaten allzu offensichtlich zu beobachten, ließ er in der Zwischenzeit seinen Blick langsam über die kleinen und großen Gegenstände auf seinem Schreibtisch wandern und beschäftigte sich schließlich oberflächlich mit dem vor ihm ausgebreiteten Aktenmaterial.

 

Als der Ensign wieder zu ihm hochblickte, konnte der Lieutenant Colonel ein innerliches Seufzen nicht unterdrücken. Der anfänglich unterschwellige Argwohn des Neulings war mittlerweile einer geradezu greifbaren Alarmbereitschaft gewichen.

 

„Warum ist gerade dieser Posten frei geworden.“

 

„Der letzte Adjutant hat nicht entsprochen.“

 

Ein kurzes, aber betretenes Schweigen zwischen beiden Parteien folgte diesen Worten.

 

„Und warum glauben sie, dass ausgerechnet ich diese Position überleben könnte?“

 

Eine durchaus berechtigte Frage, aber es war ohnehin an der Zeit, die ganze Angelegenheit ein wenig voranzutreiben. Deshalb beschloss der Lieutenant Colonel wieder besseres Wissen, den Ensign ein wenig aus der Fassung zu bringen.

 

„Der Name ihres Vaters hat immer noch einen gewissen Klang im Imperium. Trotz allem.“

 

Ja, trotz allem.

 

Soweit er es beurteilen konnte, traf der Sarkasmus seiner Worte ihr Ziel genau, aber der Ensign machte eine löbliche und durchaus erfolgreiche Anstrengung seine persönlichen Gefühle zu unterdrücken. Kerzengerade aufgerichtet, mit durchgedrücktem Rücken, blickte er den Offizier geradeheraus an, lediglich die Andeutung eines Vorwurfs in seinem Blick.

 

„Würden sie mir eine Frage erlauben, Lieutenant Colonel?“

 

 „Fragen sie.“

 

„Ich bin doch nicht ihre erste Wahl, nicht wahr?“

 

Der so Angesprochene konnte nicht umhin den Schneid zu bewundern, mit welcher der Frischling gerade zum Gegenangriff übergegangen war. Er war sich nicht ganz sicher ob sich der Kandidat damit nicht gerade selber aus dem Auswahlverfahren geschossen hatte, aber zumindest eine ehrliche Antwort hatte er sich verdient.

 

„Nein, aber alle anderen vor ihnen haben diskret abgelehnt und angesichts des persönlichen Risikos eine konventionelle Laufbahn vorgezogen.“

 

Der Ensign bedachte den vorgesetzten Offizier mit einem Blick, als würde er an dessen geistiger Gesundheit zweifeln.

 

„Und mir muten sie zu, dieses Risiko zu tragen.“

 

„Ich mute ihnen gar nichts zu. Es ist allein ihre Entscheidung,“

 

Das beiläufige Schulterzucken hatte den Zweck, das vorgeschobene Desinteresse des Offiziers zu unterstreichen, ehe er nachsetzte,

 

„Sie dürfen auch ablehnen ohne nachteilige Konsequenzen für ihre berufliche Laufbahn befürchten zu müssen. Ein Privileg, das den potentiellen Anwärtern ausdrücklich zugestanden worden ist. Neben einigen besonderen Vergünstigungen natürlich.“

 

„Vergünstigungen?“

 

Der Lieutenant Colonel richtete sich abrupt auf, zeigte aber ansonsten mit keiner Regung, dass er bei den Gesprächen mit den anderen Kandidaten, selten bis zu diesem Punkt vorgedrungen war.

 

„Nun ja. Das betrifft vor allem Rang und Bezahlung. Wenn sie sich einverstanden erklären werden sie sofort in den Rang eines Lieutnants erhoben und bekommen darüber hinaus das Vierfach der für diese Charge übliche Salär. Außerdem besteht die Option auf eine Rangerhebung bis zum Grad eines Majors.“

 

Der Lieutenant Colonel ließ einige Sekunden verstreichen, ehe er eisenhart nachsetzte,

 

„Das ist wesentlich mehr, als sie persönlich jemals hätten erwarten dürfen.“

 

 „Mein Abschluss an der Akademie war ausgezeichnet, mein Führungszeugnis tadellos....“

 

„Sicher ein Faktum, aber eines das bei einem Handicap wie dem ihren bei der Besetzung höherrangiger Posten bestenfalls als irrelevant eingestuft werden dürfte.“

 

Obwohl der Ensign das Kinn in einer spontanen gefühlsmäßigen Reaktion angriffslustig vorstreckte, verkniff er sich eine entsprechende Erwiderung. Eine weise Entscheidung, denn beide wussten sehr genau, dass diese Aussage keinesfalls übertrieben war.

 

Interessiert beobachtete der Offizier den inneren Kampf, der da vor ihm gerade ausgefochten wurde: das Abwägen zwischen der Loyalität sich selber und den eigenen lebenswichtigen Interessen gegenüber und der greifbaren Möglichkeit der Sache zu dienen, der sich der junge Mensch da vor ihm, mit Haut und Haaren verschrieben hatte.

 

In einem wie es schien, letzten Aufbäumen, gegen das selbstauferlegte Diktat von Loyalität und Pflicht, schien der Ensign schließlich einen Ausweg aus dem Dilemma gefunden zu haben und stieß beinahe enthusiastisch hervor,

 

„Was ist, wenn ER mich ablehnt?“

 

Mit routinierter Härte ließ der Offizier den Hauch an Mitleid, den er plötzlich für sein Gegenüber empfand, wirkungslos an sich abgleiten. Zur Schau gestellte Empathie half niemandem. Er hatte seine Pflicht zu erfüllen wie alle anderen auch, jeder auf seine Art. Seine Aufgabe lag nicht darin sich Gedanken über das unabwendbare Schicksal anderer kleiner Rädchen zu machen. Er war hier, damit gewisse Dinge reibungslos ablaufen konnten.

 

„ER hat sie aus einer ganzen Liste von Vorschlägen persönlich ausgesucht.“

 

Im Grunde genommen war die Entscheidung bereits gefallen. Von allen potentiellen Kandidaten war dieser hier der vielversprechendste, der passendste, gemessen an den Anforderungen die gestellt worden waren. Mit dem Instinkt und der Berufserfahrung vieler Jahre erkannte der Offizier, dass sein Gegenüber nur einen Hauch davon entfernt war, dem Angebot zuzustimmen.

 

Familie war eine machtvolle Institution. Der Ensign würde seine Entscheidung nicht aus idealistischer Begeisterung für das System oder persönlicher Geltungssucht treffen, wohl aber aus einem außerordentlich stark entwickelten Bewusstsein für Pflicht und Loyalität heraus.

 

Der Rest würde lediglich eine Formalität sein.

 

Bereits innerhalb der nächsten zwei Tage würde der Ensign an die entsprechende Behörde überstellt und nach dem üblichen Durchlauf durch die Mühlen der Bürokratie, sowie einem ausführlichen Gesundheitsscheck, auf direktem Weg zur imperialen Thronwelt sein.

 

Es war wirklich Zeit, diese Farce zu beenden.

 

 „Es hat gewisse Leute eine Menge gekostet um ihren Namen auf diese Liste zu setzen.“

 

Das Mienenspiel des Ensign ließ keinen Zweifel daran, dass er eine ziemlich klare Vorstellung davon hatte, was genau es diese gewissen Leute gekostet hatte, ihm diese Möglichkeit zu verschaffen.

 

***

 

Wenige Minuten später lehnte sich der Lieutenant Colonel in seinem bequemen Sessel zurück, nur dem äußeren Anschein nach mit sich selbst zufrieden.

 

Sein selten benutztes Gewissen krümmte sich bei dem Gedanken an die Art und Weise, in der er sein Wissen und seine Erfahrung dazu benutzt hatte, die persönliche Entscheidung eines anderen Menschen zu manipulieren.

 

Laut Anforderungsprofil sollte der Ensign doch in der Lage sein, diesen Posten ausreichend lange zu überleben... versuchte er sich selber zu beruhigen, aber... so meldete sich sein Realitätssinn mit fatalistischer Gewissheit... sehr wahrscheinlich ist es nicht.

 

 



Ende von Teil 1

weiter zu Teil 2