Das verlorene Kind

Teil 1 von 3


Disclaimer: Die Figuren aus Star Wars gehören George Lucas. Diese Fanfiction dient der Unterhaltung und ist ohne jedes finanzielle Interesse. Verantwortung und Copyright für den Inhalt der Geschichte verbleiben beim jeweiligen Autor.Eine Verletzung von Urheberrechten ist nicht beabsichtigt.





Vorwort der Autorin:
Diese Geschichte ist als Märchen gedacht, und dementsprechend etwas weicher geschrieben




Kapitel 1: Die kleine Überraschung


Der Mann vor dem Monitor riss überrascht die Augen auf. Das hatte er nicht erwartet. Und er hasste Überraschungen, vor allem, seit Lord Darth Vader das Kommando über den Sternzerstörer übernommen hatte. Der Kommunikationsoffizier seufzte leise. Er würde wohl oder übel den Captain fragen müssen. "Captain Wermis, Sir, da ist ein unbekannter Frachter, der auf der Devastator landen möchte. Der Anflugscode ist in Ordnung, aber die Ankunft des Schiffes war nicht angekündigt."
Captain Wermis, der Vorgesetzte mit dem markanten Kinn, wandte sich dem Offizier zu. In Gedanken knetete er seine Fingerknöchel. Auch er hasste Überraschungen. Überraschungen bedeuteten immer Probleme, vor allem in dieser kriegsverseuchten Galaxis. "Fragen Sie sie doch einfach, was sie wollen, Junge."
Der Kommoffizier räusperte sich kurz, dann sprach er ins Komlink: "Typ K-Frachter, bitte kommen, bitte kommen. Wer sind Sie, und weshalb möchten Sie auf der Devastator landen?"
"Was soll das heißen?", fragte eine raue Stimme vom anderen Ende der Leitung. "Wir sind Angestellte der Sienar Flottensysteme, und hier, um eine Fracht abzuliefern. Und jetzt lassen Sie uns endlich landen! Unser Gehalt wird nicht per Stunde, sondern per geflogenem Lichtjahr bezahlt!"
"Das ist wieder so ein Trick, so ein Trick von ihm, um mich zu nerven", fluchte der Captain leise, ohne Vaders Namen laut auszusprechen. "Ja, lasst sie landen. Meinetwegen können sie auch ihre Ladung abliefern und wieder verschwinden." Er drehte sich einem neben ihm stehenden Adjutanten zu. "Sie werden Lord Vader fragen, was es damit auf sich hat."
Nun mischte sich der schwarz gewandete Captain Bolvan ein: "Mit Verlaub, Sir, aber das halte ich für keine gute Idee. Lord Vader wird es vermutlich wenig begeistern, dass wir das Schiff haben landen lassen. Wir sollten zuerst überprüfen, um welche Fracht es sich handelt, bevor wir ihn informieren."
"Blödsinn", urteilte Wermis brüsk. "Ich kenne Vader. Er will immer alles wissen, so wie die unerbittlichen Verdauungstrakte eines Hutten auch ständig nach Nahrung verlangen. Außerdem möchte ich ihm keine zusätzliche Ausreden liefern, um mich zu ärgern.“
Bolvan rümpfte die Nase, dann entgegnete er: "Und wenn wir soeben eine Bombe an Bord gelassen haben, und Lord Vader davon erfährt, rollen unsere Köpfe!"
Plötzlich grinste Wermis süffisant. Er richtete sich den Kragen seiner Uniform zurecht und blickte mit majestätischer Miene zum All hinaus. "Selbstverständlich, Captain. Wie ich sehe, haben Sie meinen kleinen Test bestanden. Es ist eine wahre Freude, Offiziere Ihres Kalibers an Bord zu haben. Nun denn, dann sollten wir uns dieses kleine Präsent einmal ansehen."
Bolvan presste die Lippen zusammen, um sich eine Bemerkung zu verkneifen, die ihm auf der Zunge lag. Captain Wermis war ein Mann, der seine Selbstdisziplin regelmäßig herausforderte. Er folgte ihm in den Hangar.

* * *


"Unsere Scans haben ergeben, dass der Inhalt des Containers ungefährlich ist", schilderte der technische Offizier. "Im Inneren befindet sich eine große, deaktivierte Maschine. Wir konnten allerdings noch nicht genau feststellen, um welche Art von Gerät es sich dabei handelt."
"Sehr gut", lobte Wermis den Techniker. "Nun wollen wir dieses Ding aber mal enthüllen, was?"
Bolvan schluckte einen Batzen Speichel hinunter. Wermis verhielt sich immer so unerträglich - gönnerhaft. Und es schien sogar zu funktionieren. Bolvan schüttelte unbemerkt den Kopf. Die Crew musste blind sein, wenn sie diese Dummdreistigkeit nicht bemerkte. Ja, genau, daran musste es liegen.
Die Techniker lösten nun sorgfältig die Metallbolzen, die den kubischen Behälter zusammenhielten. Dann entfernte ein Lastdroide die schweren Metallplatten, die das Innere schützten. Und enthüllte - einen Raum-Jäger. Aber nicht irgendeinen Jäger, sondern den Vertreter einer Bauart, die keiner der Anwesenden kannte. Das Design ähnelte dem des gewöhnlichen TIE-Fighters, doch es gab einige Unterschiede. Am meisten stachen die gebogenen Flügel und dicken Verbindungsstreben ins Auge, die dem Raumschiff ein ausgesprochen gedrungenes Aussehen verliehen.
"Seltsam", sprach Wermis laut seine Gedanken aus. "Einen solchen TIE habe ich noch nie gesehen."
"Das kommt daher, dass es sich offensichtlich um eine Spezialanfertigung handelt", erklärte Bolvan naseweis.
"Das sehe ich selbst", entgegnete Wermis unwirsch. Diese ständigen Anfeindungen durch Bolvan gingen ihm allmählich auf die Nerven. Wermis hatte seinem Mitoffizier nie unter die Nase gerieben, dass er trotz des identischen Rangs in der Hierarchie der Devastator höher stand. "Wir sollten Lord Vader informieren. Ich wüsste nicht, wer diese Bestellung sonst aufgegeben hätte."


* * *


Darth Vader wackelte mit seinen künstlichen Zehen, und beobachtete die Bewegungen der Zehenglieder. Er wusste nicht, warum er es tat. Aber er schrieb es der masochistischen Ader zu, die er in sich trug. Was sonst sollte ihn dazu veranlassen, sich wieder und wieder seinen unglückseligen Zustand vor Augen zu führen?
Dann griff er nach einer dieser unwiderstehlichen Welia-Nüsse, die in einem Korb neben ihm lagen. Mit Zucker kandiert mochte er sie am liebsten. Er hielt kurz inne. Wenn er zu viele von den Nüssen aß, musste er eine Extra-Trainingsschicht einlegen, um die Zusatzkalorien wieder zu verbrennen. Aber andererseits... Er steckte sie sich in den Mund und kaute genüsslich.
Plötzlich piepte das Komlink im Inneren der Meditationskammer. Vader grunzte unzufrieden. Musste das unbedingt jetzt sein? Er konnte natürlich antworten, ohne die Bildübertragung zu aktivieren. Aber dann hörten die Soldaten keine seiner charakteristischen Atemgeräusche, und das wollte er nicht, weil sein Röcheln das Einschüchtern erleichterte. Er drückte trotzdem den Knopf für die akustische Übertragung.
Wermis’ Stimme drang aus dem Lautsprecher: "Mein Lord, es tut mir sehr leid, Sie stören zu müssen. Aber die Sienar-Corporation hat uns soeben einen sehr seltsamen TIE geliefert."
Anstatt zu antworten, schnappte sich Vader eine weitere Nuss und grinste. Diesen Narren in den Wahnsinn zu treiben, gehörte zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Insbesondere, seit ihn sein Meister vor nicht allzu langer Zeit ermahnt hatte, sparsamer mit den Offizieren umzugehen. Vader biss krachend in die Nuss hinein. Er kaute mit offenem Mund, weil er wusste, dass die Essgeräusche bis an Wermis' Ohren dringen würden. Bald schon spürte Vader die Beunruhigung am anderen Ende der Verbindung. Der Idiot malte sich jetzt vermutlich die abartigsten Theorien aus.
"Ausgezeichnet", sagte Vader, als er den Moment zur Genüge ausgereizt hatte. "Ich werde mir die Lieferung sofort ansehen." Er deaktivierte die Verbindung. Eine gewisse Hochstimmung überkam ihn. Ein Korb mit kandierten Nüssen neben ihm, ein funkelniegelnagelneues Raumschiff in seinem Hangar. Was konnte er vom Leben mehr verlangen?


* * *


Mit beschwingten Schritt betrat Darth Vader den Hangar, in dem sein neuestes Spielzeug wartete. Ein Spielzeug, mit dem er die Rebellen Mores lehren würde, auch wenn das Captain Wermis noch so ungern sah. Es war ja auch kein Wunder. Fiel Vader in der Schlacht, kostete das den Captain seinen Kopf. Und so ein TIE war nun mal fragiler als ein Sternzerstörer. Nicht, dass Vader diese Tatsache bekümmerte... Er lächelte. Die Vorstellung, dass Wermis wegen seines eigenen Todes sterben musste, entbehrte nicht einer gewissen Ironie.
Endlich erblickte Vader die kostbare Spezialanfertigung, die auf einem dünnen Durastahlgerüst ruhte. Einige geistesgegenwärtige Techniker hatten eine Leiter angebracht, über die er in den TIE einsteigen konnte. Vader bemerkte, dass Wermis ihn fragend anstarrte. Offenbar wollte er irgendetwas. Vader ignorierte das aber und rauschte schnurstracks an ihm vorbei. Danach kletterte er schnell die Leiter hinauf, um sie auf der anderen Seite wieder hinabzusteigen. Doch als er seinen Fuß auf dem Sitz platzierte, um mit den anderen hinunterzusteigen, fiel ihm etwas auf. Da lag ein - haariges Ding im Fußraum. Vader setzte den anderen Fuß nun ebenfalls auf den Sitz und kniete sich hin. Er bückte sich und starrte nach unten. Eine Leiche, der Körper eines kleinen Mädchens, steckte da zusammengequetscht zwischen Sitz und Fußraum. Vader griff mit einer behandschuhten Hand zu. Er zog den Kopf des Mädchens an den Haaren nach oben. Plötzlich stieß die Leiche einen spitzen Schrei aus. Anscheinend hatte er sich geirrt... Ohne Umschweife packte er das Kind mit beiden Händen am Oberkörper, und hob es hoch, sodass er es genau betrachten konnte. Die braunen Haare umrahmten ein rundes Kindergesicht mit Knollennase und Schmollmund. Das Mädchen trug eine trotzige Miene zur Schau, obwohl die wild kullernden Pupillen auf große Angst hinwiesen. Es konnte nicht viel älter als fünf sein, das erkannte er am Körperbau. Und seine Präsenz war äußerst schwach, vermutlich hatte es der lange Flug ausgezehrt.
Ohne Worte schlang Vader einen Arm um seine Taille. Dann kletterte er einhändig die Leiter hinauf, um mitsamt dem Mädchen auf der anderen Seite wieder hinunterzuklettern. Schließlich setzte er es am Boden ab. Erst jetzt bemerkte er den getrockneten Urinfleck auf seinem hellblauen Kleid. Offensichtlich hatte es so lange im TIE ausharren müssen, dass es den Drang irgendwann nicht mehr ausgehalten hatte.
Das Mädchen sah sich nun um. Seine Lippen zitterten leicht. Diese Gestalten in der Nähe, vor allem der Schwarze, machten ihm Angst. Und es wusste auch nicht, wo es war. Alles sah so seltsam und ungewohnt aus.
"Anscheinend haben wir einen blinden Passagier", stellte Vader mit einem Hauch von Amüsement fest.
"Wir könnten sie beseitigen", schlug Bolvan mit einem Blick auf Vader vor. Er wollte die Kleine eigentlich nicht töten, so grausam war er nun auch wieder nicht, aber vielleicht beeindruckte das Vader.
"Meinen Sie das ernst?", brummte Vader. "Sie wollen ein kleines Mädchen ermorden? Wozu?"
Bolvan schlug betreten die Augen nieder. Damit hatte er nicht gerechnet. Er hatte Vader immer für einen Teufel gehalten, dem einzelne Leben nichts bedeuteten, und alleine Grausamkeit beeindruckte.
"Sie sind wohl nicht mehr normal, Bolvan!", ereiferte sich Wermis. Er wandte sich einer Gruppe von Sturmtrupplern zu: "Bringt ein paar Decken und macht der Kleinen ein Quartier bereit. Einstweilen wird sie an Bord der Devastator untergebracht. Mein Lord, irgendwelche Anweisungen?"
"Nein", antwortete Vader. Er sah zu dem Mädchen. "Wer bist du und woher kommst du?"
Das Mädchen starrte hinauf, weit, weit hinauf, in Vaders Maske. Seine Augen hatten einen feuchten Schimmer, als ob es kurz davor stünde, in Tränen auszubrechen. Es biss sich auf die Unterlippe und schwieg. In seinem Gesicht stand derselbe kindliche Trotz, den es schon bei seiner Entdeckung demonstriert hatte.
"Nun sag es doch", riet Wermis freundlich und bückte sich zu dem Kind hinunter. "Du vermisst doch sicher deine Eltern."
Doch plötzlich drehte sich das Mädchen um und lief davon. Allerdings kam es nicht weit, denn Vader packte es mit erstaunlicher Geschwindigkeit am Kleid und riss es zurück. Warum seine Kräfte für eine Lappalie missbrauchen, wenn es auch anders ging? Das Kind blieb mit dem Rücken zu ihnen stehen, und starrte zu Boden. Noch immer sprach es kein einziges Wort.
"Woher stammst du?", fuhr Vader es so laut an, dass es zusammenzuckte. Er hoffte, die Kleine so zum Sprechen zu bringen. Andernfalls musste er wohl zu gröberen Methoden greifen.
"Von Pzob", murmelte das Mädchen so leise, dass die umstehenden Offiziere es kaum verstehen konnten. Vaders künstlich verbessertes Gehör vernahm jedoch jedes Wort.
"Deine Eltern, arbeiten sie in der Forschungsstation?", fragte Vader. "Und dreh mir nicht den Rücken zu, das ist äußerst unhöflich."
Das Kind drehte sich nun um und blickte Vader tapfer in die groteske Maske. Seine Lippen zitterten jetzt nicht mehr, und auch die Augen waren klarer. Vader wunderte sich. Dieses Mädchen legte eine Tapferkeit an den Tag, an der es so manch erwachsenem Soldat mangelte. Vielleicht irrte sich sein Meister, wenn er Frauen den Eintritt ins Militär untersagte. Vader hatte schon öfters an dieser Entscheidung gezweifelt, und hier wurde ihm ein weiterer Beweis geliefert.
"Was machen deine Eltern?", wiederholte Vader.
"Meine Mama arbeitet in der Forschungsstation. Mein Papa ist verschwunden."
Wermis musterte die Kleine. Sein eigener Vater war gestorben, als er noch sehr jung war. Und er konnte sich noch gut an den Schmerz erinnern, den die Abwesenheit des Vaters verursacht hatte. Diesem Kind war es anscheinend nicht viel anders ergangen, mit dem Unterschied, dass dessen Vater weggelaufen war.
Vader fragte: "Und warum bist du deiner Mutter abgehauen?"
Doch plötzlich klappte das Mädchen zusammen, und fiel auf den harten Boden, auf dem es anschließend bewegungslos liegen blieb. "Holt einen Arzt", befahl Vader. Er untersuchte mittels der Macht seinen Körper. Er konnte keinerlei Platzwunde oder Gehirnerschütterung feststellen, also war der Sturz harmlos verlaufen. Vermutlich hatte die Entkräftung zu einem Kreislaufkollaps geführt. Immerhin hatte das Kind viele Stunden ohne Wasser und Essen ausharren müssen.
"Quartiert sie ein", bestätigte Vader Wermis’ Befehl. Dann wandte er sich ab und ging. Hier gab es nichts Interessantes mehr zu sehen.


Ende von Teil 1

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